Gießener Anzeiger Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kießen. Erscheint wöchentlich dreimal ; Dienstags, Donnerstage und Samstags. — Expedition: Canzlribera Bit. B. Nr. 1. Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen viertcljäbrlicb 51 fr. Nr. IIS Dienstag den 29. September 1868. Einladung zum Abonnement, Mit dem 1. October beginnt ein neues ^^jähriges Abonnement auf den Gietzener Anzeiger. Derselbe erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Samstags, und kostet in Gießen Vierteljährlich 36 Kreuzer frei iws Haus geliefert. — Für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren können, beträgt der ^jährige Äbonnementsvreis 51 Kreuzer incl. Postaufschlags. W Die auswärtigen Abonnenten machen wir darauf aufmerksam, daß nur dann vollzählige Nummern des Blattes geliefert werden können, wenn sie fchon jetzt bei der Post ihr Abonnement erneuern. Den Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im IV. Quartal 1868 zusenden und den Abonnementbetraq wie seither durch Quittung erheben lassen. Die Expedition des Wießener Anzeigers. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung, die Vorträge des für die Provinz Oberhessen angefteüten Wanderlehrers im Kreise Gießen betr. Der Wanderlehrer Herr Leisewitz wird seine Vorträge im Kreise Gießen im Monat October in den Orten Großen-Buseck, Lich, Mainzlar und Lang-Göns halten. In ersterem Ort (Großen-Buseck) werden dieselben Sonntag den 4. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, Montag den 3. October, Dienstag den 8. October, Mittwoch den 7. October, jedesmal Nachmittags 4 Uhr, in d em Saale des Gastwirths Gengnagel stattfindcn. lieber die an den andern Orten abzuhaltcnden Vorlesungen wird weitere Bekanntmachung erfolgen. Indem der Unterzeichnete dies zur Kenntniß der Landwirthe des Kreises bringt, lädt er zu recht zahlreichem Besuch der Vorlesungen ein, damit der durch Anstellung des Wanderlehrers beabsichtigte Zweck, Verbreitung nützlicher Kenntnisse, erreicht wird, und das von dem Provinzialverein und dem Bezirksverein gebrachte Opfer gute Früchte trägt. Die Herren Bürgermeister werden dringend gebeten, dieser Bekanntmachung die größte Verbreitung zu geben. Gießen, den 26. October 1868. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins für den. Kreis Gießen. » vr. G o l d IN a n n. Protokoll über die Verhandlungen der am SS. August 1868 zu Gießen stattgefundenen Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Unter dem Vorsitze des ersten Directors des Bezirksvereins, Provinzialdirectors Dr. Goldmann, und in Gegenwart des Herrn Präsidenten des landw. Provinzialvereins Oberhessen, Grafen zu Solms-Laubach Erlaucht, „ „ Generalsecretärs der landw. Vereine, Oeconomieraths Dr. Krämer von Darmstadt, „ Wanderlehrers Herrn Dr. Leisewitz, sowie unter Betheiligung von über 70 Mitgliedern des Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit einer Begrüßung des Herrn Präsidenten des Provinzialvereins, Grafen zu Solms-Laubach Erlaucht und des Herrn Generalsecretärs Dr. Krämer, denen er für ihr Erscheinen den Dank der Versammlung ausdrückt. Derselbe stellt sodann den von dem Provinzialverein engagirten Wanderlehrer Herrn Dr. Leisewitz vor, welcher im October l. I. seine Vorträge im Kreise beginnen werde und spricht die Hoffnung aus, daß dieselben zahlreich besucht werden und auf die landwirthschaftliche Bevölkerung einen recht günstigen Einfluß ausüben möchten. I. Der Vorsitzende verweist sodann bezüglich des Ergebnisses der im laufenden Jahre stattgehabten Besichtigung der Gemeinde-Fassel- ochsen im Kreise auf die vor Kurzem im Anzeigeblatt erschienene Bekanntmachung und fügt die Bemerkung bei, daß die Kosten der Besichtigung durch die hierzu früher gewählte Commission zwar sehr gering gewesen seien, daß dagegen diesmal mehr preiswürdiges Vieh vorgeführt worden sei und deßhalb die Vertheilung der Preise eine höhere Summe in Anspruch genommen habe, so daß der für Beides vorgesehene Betrag von 75 fl. sich auf 102 fl. gesteigert habe. Diese Creditüberschreitung um 27 fl. wird auf Antrag des Vorsitzenden genehmigt. Der Letztere wirft hiernach die Frage auf, ob die Besichtigung der Bullen künftig in den Ställen, oder, wie diesmal, an bestimmten Stationen zu erfolgen habe. Die diesmalige Art der Besichtigung habe allerdings mancherlei Jnconvenienzen mit sich geführt, indem die Thiere unrnhig und störrisch gewesen seien; es habe dies jedoch wohl mehr seinen Grund gehabt in der herrschenden großen Hitze und in der Unvorsichtigkeit mancher Treiber. Die Ansichten der Versammlungen erweisen sich als getheilt. Der Herr Präsident des Provinzial- veteins, welcher empfiehlt, die Bullenkälber schon frühzeitig an das Tragen von Nasenringen zu gewöhnen, sowie Herr Dr. Gros von Colnhausen und der Vorsitzende sind für Besichtigung auf Stationen, da nur hierdurch der Ehrgeiz erweckt und die eine richtige Vertheilung der Preise bedingende Vergleichung der Thiere ermöglicht werde. Von anderer Seite (Herr Poststallmeister Kempff und viele Bürgermeister des Kreises) wird dagegen geltend gemacht, daß die Veröffentlichung der Besichtigungsresultate im Anzeigeblatt genüge, um den Ehrgeiz anzuspornen, und daß bei einer Beibehaltung der diesjährigen Besichtigungs- Bezirksvereins und Freunden der Landwirthschaft. weise zu erwarten stehe, das keine Bullenhalter sich mehr finden würden, welche sich der seither ihnen auferlegten Verpflichtung zur unentgeltlichen Vorführung der Thiere unterwerfen würden. Der Vorsitzende constatirt, daß die Mehrheit der Versammlung für Besichtigung in den Ställen zu sein scheine und schlägt deßhalb unter Zustimmung der Versammlung vor, weitere Erfahrungen zu sammeln und vorläufig die Besichtigung wieder in den Ställen eintreten zu lassen, die bisherige Commission hierfür aber beizubehalten. II. Für die Abhaltung landwirthsch. Wandervorträge, welche im October I. I. im Kreise Gießen beginnen sollen und wofür 60 fl. vorgesehen sind, werden, nachdem Herr Dr. Leisewitz sich bereit erklärte, wöchentlich vier- Vorlesungen zu halten, die Orte Großen-Buseck, Lich, Lang-Göns und Mainzlar in Aussicht genommen. III. Die Frage über den Ort einer im künftigen Jahre im Kreise zu veranstaltenden Viehpreisvertheilung, worüber eine Zuschrift des Präsidiums des Provinzialvereins vorliegt, soll einer Ausschußberathnng Vorbehalten werden. Der Herr Präsident des Provinzialvereins spricht sich unter mehrseitiger Zustimmung für Vereinfachung solcher Feste aus. IV. Der Vorsitzende theilt hierauf mit, daß die Bundespostverwaltung den seitherigen Vertrag über die Erhebung der Beiträge zum Provinzialverein von dessen Mitgliedern gekündigt habe und der Rechner des Bezirksvereins, Ebel, seine unentgeltlich geführte Stelle niederzulegcn wünsche. Es sei deßhalb ein anderer Modus in der Erhebung der Beiträge und die anderweitige Bestellung eines Rechners geboten. Kreisamtsgehülfe Grüneberg dahier habe sich erboten, die Bezirksvereins-Rechnerstelle unentgeltlich zu versehen und gegen eine mäßige, von dem Ausschüsse des Provinzialvcreins zu bestimmende Vergütung die Beiträge von den Bezirksvereinsmitgliedern zu erheben und bezw. an den Provinzialverein abzuliefern. Die Versammlung erklärt sich hiermit einverstanden und überläßt dem Vorsitzenden das weiter Erforderliche zu veranlassen. V. Zu den eigentlichen Gegenständen der heutigen Tagesordnung übergehend und zwar zunächst 1. zur Wahl eines neuen Bezirksvereinsausschusses bemerkt der Vorsitzende, daß er im Ausschuß einen von diesein gebilligten Antrag gestellt habe, welcher, da er eine Abänderung der Statuten bezwecke, der Zustimmung der Generalversammlung bedürfe. Der Antrag, welcher verlesen wird, geht dahin: a. die pos. 1 des §. 3 der Statuten des Bezirksvereins aufzuheben und an deren Stelle zu bestimmen, daß auch der erste Direetor des Vereins frei aus und von den Mitgliedern zu wählen sei; b. ebenso die Bestellung des Secretärs (Rechners) der freien Wahl der Vereinsmitglieder zu überlassen (§. 5); c. die Zahl der Ausschußmitglieder (§. 3) auf zwölf zu erhöhen und die bisherige Beschränkung hinsichtlich des Wohnorts Wegfällen zu lassen; d. zu bestimmen, daß jährlich wenigstens drei Generalversammlungen abzuhalten seien; e. die Geschäftsordnung für die Versammlungen des laudw. Vereins der Provinz Oberhessen auf die Versammlungen des Bezirksvereins anwendbar zu erklären, und demzufolge f. unter Berücksichtigung der Bestimmung sub c. und e. die Statuten des Offenbacher Bezirksvereins, welche im Uebrigen mit dem Vorstehenden übereinstimmen, zu adoptiren. Dieser Antrag wird nach einer kurzen Discussion, bei welcher sich Se. Erlaucht der Herr Graf zu Solms-Laubach, die Herren Dr. Gros und Poststallmeister Kempff, sowie der Antragsteller selbst betheiligten, einstimmig angenommen. Sofort wird zur Vornahme der Wahl des ersten und zweiten Directors, sowie der 12 Ausschußmitglieder geschritten, deren Ergebuiß nach Schluß der Versammlung ermittelt werden soll. 2. Verwendung der Vereinsmittel. Der Vorsitzende theilt mit, daß sich sechs Lehrer, welche den l and w irt h- schaftlichcn Unterricht für Schullehrer zu Darmstadt im laufenden Jahre besuchten, mit der Bitte um Unterstützung an den Verein gewandt hätten und schlägt vor, jedem dieser Lehrer eine solche von 10 fl. zu gewähren, dabei jedoch die Erwartung auszusprechen, daß die betreffenden Gemeinden die Kosten flir die Anschaffung der Lehrmittel (Bücher) übernehmen würden. Von anderer Seite wird vorgeschlagcn, diejenigen Lehrer, welche sich bereits im vorigen Jahr an dem Kursus betheiligt haben, höher zu bedenken, als die zum Erftenmale Theil nehmend, während die Herren Secretär Gros und Poststall- aneister Kempff sich für die Bewilligung von je 15 st. aussprechen und Herr Generalsecretär Dr. Krämer sich für den Vorschlag des Vorsitzenden erklärt. Die Abstimmung bleibt ausgesetzt bis zur Beschlußfassung über die weiteren Verwendungen. Lieber die Resultate der Verwendung künstlichen Düngers, welcher im vorigen Jahre ans Vereinsmitteln angeschafft und an Mitglieder unentgeltlich abgegeben worden war, sind durch den Vorsitzenden Bürgermeistereiberichte eingezogen worden, welche zur Verlesung kommen ; dieselben lauten meist für die fernere Verwendung künstlichen-Düngers wenig günstig, es kann ihnen übrigens auch mit Rücksicht auf die Ungenauigkeit und Unvollständigkeit der angestellten Versuche nur ein geringer Werth für die Beurtheilung der vorliegenden Frage beigemessen werden. Weit mehr Interesse bietet ein von Herrn Lehrer Schlapp in Rödgen hierauf erstatteter eingehender Bericht über die von demselben angestellten vergleichenden Versuche der Düngung mit künstlichem Guano, Mist, Pferch, Pfuhl und halber Düngung mit Mist und Guano. Diese Versuche haben ein im Ganzen günstiges Ergebniß geliefert. Herr Gutsbesitzer Faber vom Hardthof referirt über die Anwendung natürlichen Guanos, dem * eilte etwas größere Wirksamkeit, als dem Stallmist zuschreibt. Von mehreren Seiten (Herr Secretär Gros, Poststallmeister Kempff, Lehrer Schlapp rc.) wird darauf hingewiesen, wie die Witterung im laufenden Jahre besonders ungünstig gewesen sei; man solle daher noch weitere Versuche anstellen und dabei auf gleiche Bodenbeschaffenheit, gleiche Qualität des Samens rc. Rücksicht Nehmen. Es bemerken ferner: Herr Bürgermeister Jnderthal von Rödgen: In Rödgen sei viel Regen gefallen; sein mit Guano gedüngter Waizen sei deßhalb auch vorzüglich gewesen. Herr Dr. Leisewitz: Man solle Versuche mit mehreren künstlichen Düngerarten machen und dabei auf Gleichheit aller in Betracht kommenden Verhältnisse (Boden, Samen rc.) achten; auch möge man sich nicht durch ungünstige Ergebnisse im ersten Jahre abschrecken lassen; die Wirkung zeige sich oft erst im folgenden Jahre, wie denn überhaupt der Einflüsse zu viele und Täuschungen zu leicht seien. Herr Dr Krämer: Es handle sich darum dem Boden diejenigen Bestandtheile zu ersetzen, die ihm vorher entzogen worden seien und die auch- der Stallmist nicht enthalte. — Redner empfiehlt gleichfalls die Anstellung weiterer Versuche mit verschiedenen Düngerarten und ein sorgfältiges Studium des Bodens, führt günstige Beispiele aus Offenbach an und verweist auf den bedeutenden Verbrauch von Guano in Rheinhessen. — Der Vorsitzende schlägt hiernach vor, tote im Vorjahre, 100 fl. zur unentgeltlichen Abgabe verschiedener, vom Ausschuß zu bestimmenden Sorten künstlichen Düngers zu verwenden und erklärt sich die Versammlung hiermit ebenso einverstanden, rote mit dem Anträge des Herrn Dr. Gros von Co Inhausen: Den Dünger nur an Diejenigen abzugeben, welche sich verpflichteten, die Versuche nach einem bestimmten Schema, zu dessen Entwerfung sich Herr Dr. Leisewitz erboten habe, anzustellen und darüber zu berichten. Für Unterricht im Hufbeschlag werden hiernach 30 fl. und zwar je 15 fl. für zwei Hufschmiede bestimmt und wird die Unterstützung der Lehrer, welche am landwirthschaftlichen Unterrichtscursus zu Darmstadt Theil genommen haben, auf 15 ft. für jeden der 6 Lehrer festgesetzt, dabei aber beschlossen, die oben erwähnte Erwartung auszusprechen, daß die Gemeinden dis Kosten für Lehrmittel auf ihre Kassen übernehmen würden. (Schluß folgt.) Besondere Bekanntmachungen. 6903) Nachdem die Relicten des Großh. Rechnungsraths Martin dahier mit dessen gerichtsbekannten Gläubigern ein Arrangement, resp. einen Nachlaßveftrag unterm 26. Juni d. I. abgeschlossen haben, dieser jetzt allseitig genehmigt worden ist, so werden nunmehr noch etwaige unbekannte Gläubiger aufgefordert, innerhalb 14 Tagen ihre Ansprüche an den Nachlaß des Großh. Rechnungsraths Martin dahier sogewiß geltend zu machen und etwaige Einwendungen gegen den oben erwähnten Nachlaßvertrag vorzubringen, als sonst unter Ausschluß hiermit das erwähnte Arrangement gerichtlich bestätigt und der fragliche Nachlaß in Gemäßheit der getroffenen Bestimmungen ohne Rücksicht auf etwa weiter bestehende Forderungen ertheilt werden wird. Gießen, den 21. September 1868. Großhcrzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, v. Rots mann, Stadtrichter. Stadtgerichts-Assessor. Oeffentliche Aufforderung. 7016) Alle Diejenigen, welche noch Forderungen an den Nachlaß der verstorbenen Fräulein Julie Tasche von hier bilden wollen, haben solche innerhalb 14 Tagen bei unterzeichnetem Gerichte anzumelden, indem dieselben sonst bei der Bertheilung des Nachlasses keine Berücksichtigung finden. In.gleicher Frist haben auch Diejenigen, welche etwa an den Nachlaß der Verstorbenen noch Etwas verschulden, dieses an den Großherzoglichen Reallehrer Dr. Th eo- dor Tasche zu berichtigen, wenn sie sich nicht gerichtlicher Einklagung gewärtigen wollen. Gießen, den 22. September 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Dr. A. v. Grolman, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. Versteigerungen. Die Vergebung von Arbeit bei der Stadt Gießen. ’ 7019) Samstag den 3. October 1868, des Vormittags 9 Uhr, soll auf hiesigem Rathhause Pflasterarbeit, veranschlagt zu 79 fl. 21 '/2 fr., an den Wenigstfordernden vergeben werden. Gießen, den 26. September 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. 6997) Die Grundstücke des Ludw. Her- bert I-, rote solche in Nr. 105 und 108 dieses Blattes naher beschrieben sind, sollen, da die Versteigerung derselben am 14. September nicht genehmigt worden ist, Donnerstag den 1. October, Nachmittags 2 Uhr, auf dahiesigem Rathhause.nochmals versteigert werden und wird bei annehmbarem Gebote sogleich die Genehmigung ertheilt. Gießen, den 24. September 1868. In Auftrag: Weidig, Ortsgerichtsmann. 7011) Dienstag den 6. October, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die Grundstücke des Christian Petri 11., als: Flur Nr. □■ftlftr. 18/ios 76 Acker zwischen dem Wetzlarer Pfad und der Lahn, 4%i 240 Acker in den Schwarzlachsgärten, am Flnthgraben, 4%2U.33 179 Acker auf dem Sandfeld, nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden, unter dem Anfügen, daß die gerichtliche Genehmigung ertheilt werden wird, wenn auch das Meistgebot die Taxation nicht erreicht. Gießen, den 19. September 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. Oüerhessische Eisenbahnen. Section Gießen. 7007) Die Herstellung von fünfzig Stück zweirädrigen Schnappkarren soll vergeben werden. Uebernahmslustige können die Bedingungen auf dem Sections-Bureau erfahren. Gießen, den 25. September 1868. Der Sections-Jngenieur. H. Lippold. Feilgebotenes. Vorzügliche Cigarren, ä 1 fr. pr. Stück, empfiehlt (6995) L. Fr. Handwerk, Neustadt. 6987) Ein sehr guter noch neuer Steiu- kohlrn-Ofen steht zu verkaufen. Zu erfahren bei Herrn Carl Roloff. 7026) Ein Clavikv steht billig zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl. 7014) Keltcvschraubeu in allen Dimensionen bei Flick L Kröll. Arbeitsversteigerung zu G r ü n i n g e n. 7029) Montag den 5. October 1868, Vormittags um 11 Uhr, sollen auf dem Rathhause zu Grümngen nachstehende Bauarbeiten durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben werden, als: Steinfahren, Setzen und Zerschlagen der Steine, veranschlagt zu 170 fl. Weißbinderarbeit, „ „ 25 „ Gießen, den 27. September 1868. I. A-: Körner, Bezirksbauaufseher. Mobilien - Versteigerung. 7018) Die zu^der Concursmasse des Hirsch Mayer Sohn dahier gehörigen, zu 14000 fl. taxirten Mobilien sollen einer öffentlichen Versteigerung gegen Baarzahlung im Laufe des nächsten Monats ans- gesetzt und Montag und Dienstag, den 12. und 13. October l. I., Vormittags 8 Uhr, der Anfang mit den in dem Laden befindlichen Gegenständen gemacht werden. Zur Versteigerung kommen: Montag den 12. Ootober: Specerei- waaren verschiedener Art, Tabak, Cigarren, Lichter, Seife, Farbwaaren, Lacke, zwei Fässer Oel rc. rc. ; Dienstag den 13. Octo ber: Eisen-, Messing-, Stahl- und Blechwaaren aller Art- Butzbach, den 25. September 1868. Großherzogliches Ortsgericht Butzbach. Küchel. Für alle Schreibende empfehle ich mein Lager der allein ächten patentirten Alizarin - Tinte, Anilin- Tinte, Tintenextract, Dresdener veilchenblauschwarzer Schreib-, Copir-, Stahlfeder- und Archiv - Tinte, sowie rother und blauer Carmin- Tinte, aus der rühmlichst bekannten Fabrik von August Leonhardt in Dresden, in den verschiedensten Füllungen zu den bekannten Preisen. (7025)___________________Carl Frech. 7004) Eine moderne Chaise und ein Occouomiewagcu sind zu verkaufen. H. M- Jughardt. 7023) Schöne Wintersalat- und Wintergemüse-Psianzen zum Aussctzcn werden käuflich abgegeben bei Theodor Rautenstrauch, an der Schoor. 7017) Brennholz, Stein- und Braunkohlen in bester Qualität bei D- W i r t h's Nachfolger (Th. Geilfuß.) 7003) Salzgurken, vorzüglich eingemachte, pr. Stück 1 fr., empfiehlt L. Fr. Hand werf, Neustadt. 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Zimr ziehll Expo 70c Cabu zu ve Verlc 699 4 Zu res b mieth ~69c zu ve 698 net si 699 ineinc Zimn Herre gen r 698 binet (Nem d- Bl 698 sarder die E ~7Ö2 mer i Hintei 698 zu ver leiberi Zu habe, dem 9 der bi werde: fürmli Fruch Gieß Alss Grür Laut Mait 7008) Kupferne Waschkessel in allm Größen, durchaus abgehämmert, bei August Schlessiuger. Das Adreßbuch der Stadt Gießen ist erschienen und zum Preis von 42 kr. zu haben in der Brühl'fcherr Druckerei, Brand B. 1. Achtung! Franziscaner - Kräuter - Magen - Liqueur. 7024) Dieses vorzügliche, wohlschmeckende Getränk, aus den besten Kräutern, Wurzeln und Saamen des Orients und des Occidents bereitet, beschleunigt die Verdauung, ohne den Magen anzugreifen und erhält und befördert einen stets gesunden Appetit. In elegant ausgestatteten Flaschen ä 54 kr. nur allein ächt zu haben bei Carl Frech. 6991) Ich empfehle mein Lager von: Kaffee, Zucker, Gewürzen, Reis, Gerste, Grütze, Grünkernen, Rudeln, Sago und andren Suppensachen, Oelcn, Seifen, Lichtern, Thee; Cigarren und Tabacken; Eisen in allen Arten (Oefen, Herde, Kochgeschirre und Hanshaltungs- gegenftände); Stein- und Braun-Kohlen (in allen Quantitäten, in ganzen und getheilten Waggon-Ladungen und im Einzelnen in das Haus geliefert.) I. G. D. Bapst. Knabenlehranstalt von Dr. F. Weiffenbach. 7000) Den verehrlichen Eltern diene zur Anzeige, daß der Unterricht am 1. Octo- ber wieder beginnt. Der Unterzeichnete wird bezügliche Anmeldungen am 29. und 30. d. Mts. in seiner Wohnung (Weidgasse) entgegen nehmen. Gießen, den 25. September 1868. Dr. F. Weiffenbach. Badische allgemeine Versorgnngsanstalt in Karlsruhe, gegründet im Jahre 1835. Sicherheitsfonds 9 Millionen Gulden. 7027) Die Anstalt, auf Gegenseitigkeit gegründet und unter specieller Aufsicht des staats, schließt unter den vortheilhaftesten Bedingungen, bei möglichster Billigkeit und mit Anspruch auf Dividenden alle Arten von Lebens- und Renten-Bersicherun- gen ab. Die Dividenden, welche die Anstalt gewährt, sind um so bedeutender, als mit derselben noch eine Sparkasse, Hinterlegungskasse und andere Nebenanstalten verbunden md, deren Gewinn den Versicherten, welche sämmtlich zugleich Mitglieder der Anstalt smd, ausschließlich zufällt. Bei Lebensversicherungen beträgt die jährliche Prämie von 1000 fl. Versicherungs- capital, welche in vierteljährlichen Raten bezahlt werden kann, im Alter von 25 Jahren 30 Jahren 35 Jahren 40 Jahren u. s. w. 18 fl. 21 fl. 20 kr. 25 fl. 40 kr. 30 fl. 50 kr. , ,Durch die Dividenden, die in den ersten Jahren mindestens 30 bis 35% der Prämie betragen und voraussichtlich später noch höher steigen werden, wird letztere noch bedeutend verringert. . ®en Abschluß von Verträgen vermitteln die Unterzeichneten, bei welchen auch pecielle Auskunft, sowie Prospecte, Antragsformulare je- zu haben sind. Jean Boeck, Wallthor Lit A. Nr. 189, in Gießen. v. Sack in Wetzlar. Gerichts-Secretär Schellenberg in Braunfels. Vor mLeth ungen. 7034) Zwei Familienlogis sind zu ver- miethen bei W e r n e r O t t o , . - Wallthorstraße. 6989) In dem früher H ey er'schen Hause in den Neuenbäuen ist ein Familienlogis zu vermiethen. Dr. Felsing. 6999) Zwei ineinandergehende möblirte Zimmer, dritter Stock, neue Anlage, beziehbar 8. October. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. 7032) Ein Logis von 4 Zimmern, 2 Cabineten, Küche, Keller und Holzstall ist zu vermiethen und am 1. November, auf Verlangen auch früher, zu beziehen bei Ehr. Reiber, am Kreuz. 6992) Ein Familienlogis, bestehend aus 4 Zimmern rc., ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 6994) Eine Familienwohnung ist zu vermiethen bei Heinrich Sauer, Neuenweg 134. 6998) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen Reichensand Lit. C. Nr. 148. 6988) Zwei möblirte Zimmer mit Cabi- net sind zu vermiethen bei Hofger.-Advocat Kraus köpf. 6990) Zwei, auf Verlangen auch drei ineinandergehende, gut möblirte Parterre- Zimmer werden an einen oder auch zwei Herren vermiethet und^können sofort bezogen werden. S. Katz en st ein, im Russischen Hof. 6986) Ein möblirtes Zimmer mit Ca- binet ist vom 1. October an zu vermiethen. (Neue Anlage.) Näheres bei der Exped. d. Bltts._________________________ 6985) Ein möblirtes, freundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vermiethen. Wo ? sagt die Exped. dieses Blattes. 7020) Ein freundliches, möblirtes Zimmer ist zu vermiethen im Jughardt'schen Hinterhaus am Canzleiberg bei Frau Pfarrer Def er. 6984) Ein kleines Parterre-Zimmer ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen Canzleiberg Lit. B. Nr. 67. Vermischte Anzeigen. 7021) Ein auch zwei Schneidergesellen können dauernde Beschäftigung erhalten. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 7035) Ein braves Dienstmädchen wird gegen hohen Lohn zum sofortigen Eintritt nach auswärts gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 7028) Es wird auf gleich oder Weihnach- tm ein tüchtiger Schweizer gesucht. Lohn 100 fl. und Trinkgeld. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. , 6966) Meine Handschuhwascherci bringe ich in empfehlende Erinnerung und mache besonders die Herren Militärs darauf aufmerksam, daß Militär-Handschuhe, das Paar für 4 kr., gewaschen werden. Karoline Hartmann, Hintergasse Lit. A. Nr. 35. 7031) Ein stehengebliebener, schwarzseidener Regenschirm mit dickem Horngriff und sonstigen Zeichen bei Apotheker von St. George abzuholen. Israelitische Feiertage. 7030) Donnerstag, Freitag und' Samstag bleibt mein Geschäft geschlossen. Markus Engel (Fruchthandlung.) Annonce. 6996) Zu dem am Laubhüttenfeste, den 8. October d. I. stattfindenden Feftballc im Schützengarten laden wir alle Freunde, denen aus Versehen keine Einladungs-Karte geworden, hiermit ganz ergebenst ein. Wetzlar, den 24. September 1868. Das Comite. 7002) Ein Mitlescr zu der in Berlin erscheinenden Zukunft wird gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Zur Beachtung. 7013) Briefe, die unter der Adresse: Bernhard Loeli, G tcße n. der Post übergeben werden, werden mir im Falle meiner Abwesenheit sofort nachgesendet. Bernhard Loeb. Zur gefälligen Beachtung für Herrenkleidermacher. , . ?9W) Wie ich früher in Brüssel und Cöln Unterricht im Zuschneiden ertheilt habe, so beabsichtige ich auch hier solchen zu ertheilen. Meine Methode ist: ganz nach dem Maaße zu schneiden, ohne zede Berechnung leicht und sehr begreiflich; auch kann der dlfftcilste Körperbau, wenn cs erforderlich ist, ohne vorherige Anprobe, eingekleidet merden. Der Curs kostet 3 Thlr. und dauert so lange, bis es die betreffenden Schüler förmlich begrrffeix, haben. G. F. Rupp, Schneidermeister, Kathariuengasse Nr. 207. Frankfurter Lebens - Versicherungs - Gesellschaft. Grund-Kapital: fl. 3,000,000. — kr. Reserven: „ 1,877,173. 52 y2 „ Lebens - Leibrenten - (Versichern), Altersversorgungs- und Aussteuer-Versicherungen, mjs. und ohne Gewinn - Betheiligung der auf Lebenszeit Versicherten, werden zu den billigsten Prämien und unter den liberalsten Bedingungen abgeschlossen. 17015) I. G. Appel, in Gießen. Gießen, den 25. September 1868. Math. Weiffcnbach, geb. Schneider. PrimtmDchenschule von Frau Math. Weiffeubach. 7001) Der Unterricht wird am 1. October wieder beginnen. Anmeldungen beliebe man bei der Unterzeichneten Dienstag den 29. und Mittwoch den 30. d. Mts. in ihrer Wohnung zu machen. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtliche rollamtlichen Formulars, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. Das Das Telegraphischer Schiffsbericht, mitgetheilt von Ehr. Wallensels jun. Hermann, Union, Smidt, Ariel, „ Dampfschiff Amerikanische „ Angekommen in New-Uorkr Hamburger Postdampfschiff Cimbria, Reisedauer Bremer' ' ~ 9 Tage 10 11 — 9 " __ 3 If — S : - Stunden. Angckommen in Baltimore: Bremer Postdampfschiff Baltimore, Reisedauer 13 Tage — Stunden. Borseiinachrichten. 26. September 1868. Preuss. 41/2% Obi. 953/4 Frankf. 31/2% Obi. 8O‘/2 Nass. 41/2o/o Obi. 94% Kurh. 40/0 Obi. 88 Vs Hess. 4% Obi. b. Roths. — „ 3V2% do. do. 85V4 Bayer. 5% Obi. 1011/4 n 4V2°/o 1jährige 965/s r 41/3% 1,»jährige 965/s Würtemb. 41/2°/o Öbl. 945/g Baden 41/2% Obi. c. E.L. 945/g Oestr. 5% b. R. — „ 5% National 52 V4 „ 5o/o Metall. Obi. — „ M. steuerf. 5O3/8 Amer. 6»/0 1882r Bds. 755/4 „ 60/p 1885r 743/4 Actien. Frankf. Bank 124 Oester. Bank 732 „ Creditaet, 210y2 Darmst. Bankaot. 238 Prioritäten. 5°/g östr. F. St. E. B. 260 Ludwigsh.-Bexbach 157’/s Maxbahn 1067/s Bayer. Ostbahn 1273/4 Hess. Ludwigsbahn 133’/2 5O/o östr. Stsb.-Prior. 525/8 3% östr. s. Lombard. — 3»/o Livorneser 29% Toscaner 45 y4 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 50/0 Elisabeth-Prior. 743/g do. II. Emiss. 733/g Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 55 Nassau fl. 25 b. Roth. 35Vs Gr. Hess. fl. 50 b. R. 158 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 40V2 4% bayr. Präm. Anl. 1021) 4% badische Loose 100 Vs Badische fl. 35 Loose 52>/4 1858r Prioritätsloose 142 1860r Loose 72 Vs 1864r „ 951/g Wechsel. Amsterd. k. 8. 1007/s Augsb. k. 8. 100 Berlin k. S. 105 Bremen k. 8. 973/4 Cöln k. S. 1043/4 Hamburg k. 8. 88 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1193/4 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 103 Dis conto 30/0 G. Geldsorten. Pr. Cass. Sch. 1 447/e-451/s Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 58V2-59 V2 Pistolen . . 9 48-50 „ doppelte 9 49-51 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 36-38 20 Frankens!. 9 291/2-801/2 Engi. Souver. 11 54-58 Ruse. Imper. 9 49-51 Doll, in Gold 2 27-28 frucht- und Mtehlpreife in verflossener Woche von nachöenannten Orten und Fruchtmärkten. Normalgewicht per Malter: Waizeu 200, Fruchtmärkte. Sept. Waizen. Korn. Ans dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt M5- preis fl. kr. auf: gef. fl. kr. Gießen M. M. M. M. 25 — Hs 12 35 — 2 9 _ Älsfeld — . — — 1674 149 i 8 35 Grünberg — — 334j 12 10 — 171z 9 — Lauterbach — 17 11- 12 — 122] 97 i 945 Mainz — — 362 12)42 — 65 8 57 Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund. Gerste. Spelz.__ Hafer. Erbsen. Linsen. Wicken. Kartoffeln. Weiß- mehl. I Roggen mehl. ^ur Dem Markt ivm.= preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- pceis Auf dem Markt Mit.- preis Ans dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- preis sj verk kr- auf- I gef. verk. fl. kr. auf: gef- । verk. fl. kr. § fl. kr. Z a verk. fl. kr. auf: gef- g fl. kr. aus. gef. verk. fl. kr. fl. kr. fl. kr. M. ’JJC. 6 8 yji. yjt. M. M. - - M. M. M. M. M. M. M. M. 31 31 78; ? 45 12 — — — 162 147 280J 0 4 4 30 35 7z 9 14 — — — z — 113 1 — 84 6 7 — — — — — 971 70 4 40 61 6 8 30 _ _ _ _ _ _ — 2 7 45 — — — — — 19 5 39 -■ - 2 30 — Politische W n n d s ch Frankfurt, 28. Sept. Die Nachrichten aus Spanien ffnv auch heute voll Widerspruch. Neu ist blos, datz selbst nach den Berichten aus San Sebastian Malaga fein Pronunciamento gemacht hat und Espartero sich für die Revolution erklärt zu haben scheint. Die Lage hat sich wenig geändert. Einige Hafenstädte sind in der Hand der Aufständischen, ein Theil der Armee steht auf ihrer Seite, die große Masse eer Bevölkerung hat sich aber noch nicht ausgesprochen, und so kann man auch nicht wissen, in wie weit die Armee der Königin treu bleiben werde. Diese wagt es noch immer nicht, San Se- bastian zu verlassen, obgleich ihre Abwesenheit, wie selbst die „Patrie" zugesteht, den schlechtesten Ein- druch in Madrid Hervorrufe, wo auch die Entfernung des Königs sehr getadelt wird. Obgleich also Madrid noch ruhig ist, muß die Königin und ihre Umgebung die Gefahr denn doch für keine geringe halten. Und in der Thal erfährt ein Pariser Korrespondent der „Köln. Ztg.", daß man in den Hofkreisen wirklich von einer wahrhaften Höllenangst ergriffen ist, und die Zahl der durch das gegenwärtige Regime compromittirten Flüchtlinge mehrt sich auf französischem Boden mit jedem Tag. Auch die französische Regierung sieht noch immer keinem günstigen Ausgange entgegen, sie befürchtet vielmehr, jede Stunde von der Erhebung Madrid's zu vernehmen. — Das Journal „Gironde" in Bordeaux versichert, die Städte Corunna, Orense, Pontevedra und Vigo in Galizien, sowie Zamora in Leon hätten sich dem Aufstand angeschloffen. München, 26. Sept. Die süddeutsche Militärconserenz hofft heute ihre Berathungen zu beendigen, die auswärtigen Bevollmächtigten dürsten dann alsbald ihre Rückreise von hier antreten. Stuttgart, 25. Sept. Der russische Reichskanzler Gortschakoff ist heute in Friedrichshafen ein- getroffen und reist mit Cent Kaiser nach Berlin zur Zusammenkunft mit dem König Wilhelm. Wie», 25. Sept. Ein Privattelegramm der „Presse" meldet: „Die neue, bereits angekündigte, in Prag veröffentlichte Denkschrift des Kurfürsten von Hessen erklärt, das Rechtsintereffe verlange, der traditionellen Eroberungspolitik Preußens energisch entgegen zu treten. Nur eine freie, auf freier Föderation beruhende Verbindung der deutschen Stämme sei die Staatenform, welche die Sicherheit Deutsch- lanks garanlire. Die Existenz der Kleinstaaten sei das Element der Erhaltung des europäischen Gleich- gewichtsl Der Kurfürst protestirt gegen die ihm widerfahrene Vergewaltigung und rechnet auf die Sympathie der maßgebenden Mächte. Wien, 26. Sept. Die „Debatte" und das „Tagblatt" meldet: Die Pforte erklärte den fremdem ^Mächten, daß, wenn die Vorbereitung zu neuen Freischaaren - Expeditionen in Rumänien fortdauern würden, der türkischen Regierung die Pflicht obliege, jenem Zustande zu steuern und die Reichsintegrität zu wahren. Wien, 27. Sept. Die „Wien. Ztg." veröffent- licht ein kaiserliches Handschreiben an den Ministerpräsidenten Fürsten Auersperg, wonach dessen Demission unter Anerkennung dessen Verdienste angenommen wird. Ein zweites kaiserl. Handschreiben an den Grafen Taaffe beauftragt denselben, das Amt als Stellvertreter des Ministerpräsidenten wie bisher fort- zusühren. — Den Morgenblättern zufolge hat der Statthalter von Galizien, Graf Goluchowski, seine Demission eingereicht. Innsbruck, 26. Sept. Um Mitternacht ist nach dreitägiger Unterbrechung des Betriebes auf der Brennerbabn der erste Zug vnn Verona einge- eingetroffen. Die Bahnlinie ist vorläufig provisorisch wieder eröffnet. Kopenhagen, 25. Sept. Nach einer amt- lichen Meldung von Lemwig (Jütland) ist die russische Fregatte „Alexander Newski", worauf der Großfürst Thronfolger sich befand, bei Haarböore (zwei Meilen von Lemwig) gestrandet. Es ist Aussicht vorhanden, die Mannschaft zu retten. Die dänische Fregatte „Jütland" ist von Skagen zur Hülfeleistung telegraphisch nach Haarböore beordert worden. (Eine andere Depesche sagt, der Großfürst ist gerettet und wohlauf, das Rettungswerk der Schiffbrüchigen wird fortgesetzt, die See ist ruhiger.) Paris, 24. Sept. Die französische Regierung zieht Truppen an der spanischen Grenze zusammen und schickt Kriegsschiffe in die spanischen Gewässer; dieß beweist, daß sie die Bewegung für bedeutender hält, al« ihre amtlichen Organe zugestehen wollen. Der „Moniteur" spricht mit verächtlichem Lächeln nur noch von einer spanischen „Rebellion." Dennoch wird von allen Seiten versichert, daß Napoleon III. nicht daran denke, einen Krieg nach dem Muster Karl's X. nach Spanien zu unternehmen, falls der Souverän feiner 'Damschen Gemahlin vertrieben und die Nonne Patrocinio auf ihren Klosterkreis beschränkt werden sollte, denn dieß ist eben da« Bezeichnende der jetzigen spanischen Bewegung, und es ist vielleicht der Grund, wenn er scheitert, daß sie von Anfang an, statt den Sturz des eien« den Cabinets und der schmählichen Camarilla zu »erlangen, als Object den Sturz des Bourbonen-Thrones proklamirte. In civilisirten Ländern, das kaiserliche Frankreich selbstredend ausgenommen, werden Ministerkrisen durch die Majorität entschieden; in Spanien werden politische Knoten nur zerhauen; der Hof regiert wie in den afrikanischen Mvhren- reichen und verläßt sich auf Kapntze und Degen. Um ein Prominciamiento zu machen, braucht man einige Regimenter und ein paar kühner Generale; um ein solches niederzuschlagen, bedarf die Krone ihrerseits gleichfalls einiger 20,000 Mami leidlich treuer Truppen und eines Generals,^ der auf eine große Stelle speculirt. Die jetzige Bewegung hat ein höheres Ziel. „Constituirende Cortes"! lautet ihre Parole. Die „France" äußert heute: „Es ist möglich, daß die spanische Regierung mit der Energie und den Actionsmitteln, die ihr zu Gebote stehen, dieser neuen Schilderhebung Herr wird; aber man gebe sich keiner Täuschung über die Früchte eines solchen Sieges hin; die Parteien jenseits der Pyrenäen werden diese dynastische Frage, die so scharf gestellt wurde, nicht wieder fallen lassen; der Streit um Portefeuilles ist dem Kampfe um die monarchische Spitze gewichen, und es handelt sich nicht mehr um einen Cabinetschef, es handelt sich um den Thron Jsabella's II." Diese Ansicht muß bei der „France" Überraschen. Siegt die Camarilla, so geht die alte Wirthschast wieder los, und das Kaiserthnm Frankreich muß sich stets, zumal in Krisen, darauf gefaßt machen, daß ihm im Rücken die Republck proklamirt und von dieser ein Aufruf an die anti-bonapartisti- schen Elemente gemacht wird. London, 26. Sept. Ein Cabeltelegramm der „Times" aus Newyvrk vom 25. Sept, meldet, daß daß der Dampfer „Dumbarton" mit spanischen Insurgenten von dort nach Spanien abgefahren sei. London, 26. Sept. Ein Telegramm der „Mor- ntng Post" meldet, daß der Prinz von Wales auf der Jagd bei Duncobin Castle eine erhebliche Verletzung erlitten habe. Die Bestätigung bleibt abzuwarten. Plymouth, 26. Sept. Die Panzerschraubenfregatte „Palla.s" ist nach der spanischen Küste abgefahren. Florenz, 25. Sept. Der König wird nächsten Dienstag nach Neapel reifen in Begleitung des Präsidenten des Staatsraths und der Minister der Justiz und der Finanzen. — Eine neue Broschüre in Sachen Lamormoras, von einem italienischen Offizier geschrieben, wird in Kurzem in Paris erscheinen. — Die officielle Zeitung enthält ein Decret, welches den auf die Allodialgüter des Exherzogs Franz V. von Modena in den Provinzen Modena und Riggio gelegten Sequester aufhebt. Florenz, 26. Sept. Die „Gazette uffiziale" berichtet, daß die italienische Regierung zwei Fregatten den Befehl ertheilt habe, nach der spanischen Küste abzugehen, um nöthigen Falls die Interessen italienischer Untertanen in Schutz zu nehmen. Vermischtes. Darmstadt;, 19- Sept. Das heute erschienene Regierungsblatt Rr. 51 enthält: I. Gesetz, die Erhebung der Stempelabgabe in der Provinz Rheinhessen betreffend. II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, den zwischen dem Großherzogthum und dem Norddeutschen Bunde wegen Besteuerung des Branntweins und Biers abgeschlossenen Vertrag betr. III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Octroireglement der Kreisstadt Offenbach betr. IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Verwendung von Stempelmarken bei aus dem Ausland kommenden Wechseln in der Provinz Rheinhessen betr. V. D i enstn a ch ri ch t. Am 26. August wurde dem Heinrich Lohnes aus Hirschhorn daö Patent als Geometer 2. Klaffe für den Kreis Lindenfels ertheilt. VI. Miiitärdienstnachrichten. Darmstadt. Neber das Erdbeben in Peru vom 13. Aug. entnehmen wir einem hier angelangten, zur Benutzung uns freundlichst überlassenen Privatbriefe Nachstehendes: „Inmitten der Ruinen Arequipa's, 16. August. — — Die Nachrichten von Tambo, eiwak südlich von Jslav, welches durch das Erdbeben gänzlich zerstört und danach noch vom Meer- heimgesucht wurde, das i/2 spanische Meile ins Land übertrat und alles mit stch fortschwemmte, lassen vermuthen, daß das Erdbeben von dem Meere aus gekommen. — Nun kurz, was ich selbst erlebt und gesehen habe: Am 13. d. M. 51/» Uhr Nachmit- a rr tags begann eine Erderschütterung, die wir anfangs für eine, wie wir sie schon oft erlebt hatten, hielten, so daß wir zn Hause im Hofe blieben. Als aber die Erschütterung zunahm, liefen wir auf den nahen Hauptplatz und waren kaum in dessen Mitte angekommen, als wir zu unserem nicht geringen Schrecken wahrnahmen, daß ein fürchterliches Erdbeben uns heimsuche, und der Grund unter uns, die Thürnie der schönen Kathedrale und anderer Kirchen wankten, die Säulengänge des Platzes sich bewegten und — in einem Augenblicke sahen wir, in eine uns fast erstickende Staubwolke eingehülit, nichts mehr; Arequipa war in einer Viertelstunde in Schutt und Trümmer umgewandelt. Wenige Häuser nur widerstanden dem schrecklichen Elemente, nnd auch diese sind beschädigt. Unser Haus blieb bewahrt, so daß ich in meinem Zimmer, wohin ich eilte, um einen Ueberrock zu suchen, kaum ein Stäubchen auf meinem Bette und nur ein schlecht ausgehängtes Bild auf den Boden gefallen, aber unzerbrochen fand. Dennoch wagte ich nicht zu bleiben und verließ mit den Massen die Stadt, um die Nacht unter Gottes freiem Himmel zuzubringen. — Fast alle Einwohner hatten Zeit, wenigstens das nackte Leben zu retten, nnd der Opfer sind im Verhältniß nur wenige, aber doch wohl 100 an der Zahl. Die Straßen sind noch kenntlich, aber an vielen Stellen mit den Trümmern der Häuser und Kirchen bedeckt, und die Erschütterungen folgen sich noch, doch nicht mit der Stärke, wie die erste»/ Den 14. kehrten wir in die Stadt zurück und suchten uns Bettwerk, um außer der Stadt zu schlafe»; vergangene Nacht aber kehrten wir hierher zurück und brachten die Nacht im Garten zu. Auf den freien Plätzen in und auf den Feldern außerhalb Arequipa's sind Zelte anfge- schlagen, um die Einwohner gegen Sonne und Frost zu schützen. Das Wasser ist sehr knapp und das Essen war den ersten Tag sehr schmal; doch scheint vorläufig einer Hungersnoth vorge- beugt werden zu können. — Wie weit sich das Erdbeben erstreckte, wissen wir, wie gesagt, noch nicht, vermuthen aber, daß die ganze Westküste davon heimgesucht wurde. Auf der Rückseite "des Vulkans Misti hat sich, wie auch an vielen Stellen in der Ebene, die Erde geöffnet, doch fand bis jetzt kein vulkanischer Ausbruch statt." In Berlin zeigten am 8. d. zwei junge Leute in der „Voss. Zeit." ihre Verlobung an; am 9. erklärten die Eltern der Braut, daß die Verlobung aufgehoben sei, am 10. zeigten die Brautleute an, daß die Verlobung trotzdem noch zu Recht bestehe, nnd am 11. erklärten wieder die Eltern der Braut mit dieser in Gemeinschaft, daß die Aushebung der Verlobung nun unwiderruflich feststehe. Große Spannung in Berlin, ob sie sich doch noch „kriegen" oder nicht? Hamburg. Einem Berichte des „Hamb. Corr." über den Aufenthalt des Königs von Preußen in Hamburg entnehmen wir folgende Episode: Als Se. Mas. in Blankenese das für denselben hergerichtete Zeit betreten und eine Erfrischung genommen hatte, wurde er zunächst mit einem Willkommen durch einen dortigen Schiffer begrüßt, dem der König zum Danke die Hand schüttelte; dann erschienen 12 Frauen in ihrer Nationaliracht, den Ehrengast nach Landessttte durch Händedruck zu begrüßen, worauf demselben die Geistlichen und die Behörden vorgestellt wurde». Den Ortsvorsteher Jörgens und Ottensen, mit dem Se. Maj. stch längere Zeit unterhielt, fragte er, weßhalb denn die älteren Frauen ihn begrüßt hätten, und warum Solches nicht, wie sonst üblich, durch junge Mädchen geschehen? Die Antwort lautete: Vermuthlich haben die jungen Mädchen Furcht gehabt. Lächelnd erwiederte der König: „Ich bin ja ein alter Mann von 72 Jahren, wie können Die Furcht vor mir haben?" Darauf bemerkte der König dem vorbemerkten Herrn wie mehreren Anwesenden gegenüber mit bewegter Stimme, wie ganz anders sein jetziges Verweilen in dieser Gegend als im Jahre 1848 sei, wo er Abetlds im Dunkeln (auf der Flucht nach England) in der Villa des Herrn O'Swald Aufnahme gefunden und, nachdem er einen Tag verweilt, am Bord des Dampfschiffes „John Bull" nach London gefahren sei. Herr Jürgens machte die Bemerkung, daß wir damals noch nicht 1866 gehabt. Der König antwortete darauf: „Wenn 1848 nicht gewesen, wäre 1866 nicht gekommen." Frankreich. Herr Troplong bezieht als Präsident des Senats, als Senator, als Präsident des CaffationShvfs und als Mitglied des Instituts zusammen 196,500 Francs (Amtswohnung und andere Emolnmcnte hier wie in der Folge nicht gerechnet); Marschall Niel als Senator, Marschall, Großkreuz der Ehrenlegion und Kriegsminister 193,000 Francs; Marschall Mac Mahvn, General-Gouverneur von Algier, 188,000 Fr.; die Marschälle Baraguay-d'Hilliers, Regnaud de Saint Jean d'An- göly, Canrobertund Bazaine je 163,000 Fr.; Marschall Vaillant als Minister des kaiserlichen Hauses und Großmarschall des Palais 228,000 Francs; Marineminister Admiral Riganlt de Genonilly 163,000 Francs; Staatsminister Rouher 160.000 Francs; die Minister Barsche und Magne je 130,000 Fr.; Persigny, Drouyn de Lhuys, Walewski und Lavalette als Mitglieder des Geheimen Raths je 105,000 Fr.; der General Goyon, Commandant eines Armeecorps, 108,000 Fr.; General Montauban, desgleichen, 148,000 Fr.: General Fleury 119,000 Fr.; Edgar Ney 118,000 Fr.; der Erzbischof von Paris, Msgr. Darboy, 181,000 Fr.; die Cardinale Bvnald, Mathieu, Sonnet, Billiet und Bonnechvse je 61,000 Fr. -c. „Frankreich ist reich genug, um feinen Ruhm zu bezahlen." Belgien. Der „pfäffische Fanatismus" ist etwas Entsetzliches. In Boom in Belgien hat Pfarrer Heylen einem soeben verstorbenen Mädchen mittelst Kaiserschnittes den Leib geöffnet und der Frucht dieses Leibes die Taufe ertheilt. Er erklärte öffentlich, nach Vorschrift seines Bischofs gehandelt und sich überzeugt zu haben, daß das Kind Zeichen des Lebens gegeben und erst nach der Taufe gestorben sei. Die Aerzte aber erklärten: wenn das Kind gelebt hat, war auch die Mutter noch am Leben. Die Aufregung ist groß, zumal da noch mehrere geistliche Kaiserschnitte bekannt und verbürgt sind. Amerika. Ein merkwürdiges Fluth-Phänomen ereignete sich am 15. August bei San Pedro, im südlichen Kalifornien. Eine Reihe von Fluthwogen begann die Küste ungefähr 63 Fuß über den gewöhnlichen Wafferstand zu überschwemmen und trat dann um eben so viele Fuß unter den gewöhnlichen Simp serstand zurück. Das Steigen und Fallen wechselte alle Halde Stunde ab und dauerte mehrere Stunden. Man schreibt da Phänomen einem unterseeischen Erdbeben zu. (Eine ähnliche Erscheinung ist übrigens mehrfach in früheren Jahren an der pommerschen und ostpreußischen Küste in der Ostsee beobachtet worden, wo sie unter dem Namen „Seebär" bekannt rst ) Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsck) in Gießen.