/|S;XMAt. 3 .................... H»; 11/< tnnn^r s»$r" »|| H| |||, | >1111IH11 ♦ CT“” Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 12 Dienstag dm 28. Jammr 1868. Amtliche Bekanntmachungen. Gefundene Gegen ft ander Em Vorstellladen, ein blau- und weißseidenes Tüchelchen, ein schwarzes Pelzkrägelchen, ein Geldsäckchen mit 9 kr. Inhalt, ein grauer Handschuh, ein weiß- und blauwollener Halswärmer, ein brauner Fingerhandschuh, ein weißes Taschentuch, gez. G. B., ein brauner Fingerhandschuh, ein Zulegmesser, ein gehäkelter Stauchen, ein Gummischuh ein braunwollenes Halstuch, ein Zeuggürtel, ein gestrickter Palatin, ein bunter Palatin, zwei kleine Schlüssel und ein Portemonnaie mit Inhalt. ' Die Eigenthümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. Zugelaufen: ein schwarzer Rauhpinscher. Gießen, den 27. Januar 1868. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. Nover. Besondere Bekanntmachungen. 1 492) Carl Simon zu Gießen betreibt seit 1. d. Mts. zu Hungen eine Fabrik für chemische und technische Artikel unter der Firma: „C- Simon'sche Fabrik", welche ihren Sitz in Gießen hat, und hat dem Eduard Silbereisen dahier Procura ertheilt- Gießen, den 25. Januar 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen- ____________Muhl.__________ Die Stellvertretung der Militär- dienstpflichtigen der Altersklasse IS6’/» 470) In Bezug auf vorbemerkte Angelegenheit ist in Nr- 21 der Darmstädter Zeitung von 1868 eine Bekanntmachung des Großherzoglichen Kriegsministeriums erschienen, auf die wir die Betheiligten hiermit aufmerksam machen wollten. Gießen, am 23. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. V o g,t- ........ ------ Versteigerungen. Lieferung von Putzzeug. 480) Donnerstag den 30. d. Mts-, Vormittags 11 Uhr, wird die Lieferung von 200 Garnituren Putzzeug für die diesjährige Ergänzungs- mannschaft des 1- Jägerbataillons nach vorliegenden Bedingungen auf dem Soumissionswege in Accord gegeben- Gießen, den 24. Januar 1868. Großherzogliches Kommando des 1. Jägerbataillons. A n s ch ü tz , Major und Bataillons-Kommandeur. 477) Nachdem der Müller Johannes Wissig zu Lang-Göns seine Zahlungsunfähigkeit dahier angezeigt hat, sollen dessen sämmtliche Immobilien, bestehend aus einer Hofraithe, der Lochmühle ('/» Stunde von Lang-Göns) und 30 dazu gehörigen Aeckern und Wiesen, ferner verschiedene Mobilien desselben, Mittwoch den 5. Februar I- I., Morgens halb 10 Uhr, auf dem Gemeindehause zu Lang - Göns öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Bedingungen werden unmittelbar vor der Versteigerung bekannt gemacht. Gießen, den 14. Januar 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Becker, Stadtrichter. Stadtger.-Afsessor. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. 489) Künftigen Montag, den 3. Februar, Morgen? 9 Uhr, sollen im Distrikte „Langberg", zunächst dem Mühlsachser Hof am Nonnenröther Feld: 1196 schöne Fichten-Baustämme von 5 bis 12 Zoll Durchmesser und 50 bis 90 Fuß Länge — 25233 CubikfUß, ‘ versteigert werden. Lich, am 27. Januar 1868. Fürstliche Oberförstcrci Lich. Eigenbrodt- 481) Mittwoch den 29. und Donnerstag den 30. d. Mts. sollen in dem Ettingshäuser Gemeindewalde, District Gabrielszim- mcrplatz: „ ~ „ 504 Nadel-Stämme von 5*/a bis 12 Zoll Durchmesser und 30 bis 90 Fuß Länge, 302 Nadel-Stangen von 3 bis 5 Zoll Durchmesser und 30 bis 60 Fuß Länge, versteigert werden. Der Anfang ist Morgens 9 Uhr am Fußpfad von Hattenrod nach Nieder-Bessingen. Ettingshausen, den 21. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Ettingshausen. _____________Sommer._______ Kau- und Werkholz - Versteigerung im Hatienröder Gemeindewalde. 476) Donnerstag den 30. und Freitag den 31. Januar l. I. soll in hiesigem Gemeindewalde auf dem abgetriebenen Wald- district Stückweide nachstehendes Holz meistbietend versteigert werden, als: 385 Fichten-Baustämme von 5>/r bis 12 Zoll Durchmesser und 30 bis 65 Fuß Länge, 560 Fichten-Stangen von 2’/r bis 5 Zoll Durchmesser und 30 bis 60 Fuß Länge, 45 Eichen-Baustämme von 6 bis 10 Zoll Durchmesser und 20 bis 35 Fuß Länge, 124 Eichen-Stangen von 3 bis 5 Zoll Durchmesser und 15 bis 35 Fuß Länge. Der Anfang ist jedesmal Morgens um 9 Uhr in dem genannten District. Bemerkt wird noch, daß das.Holz nicht weit vom Orte liegt und jederzeit gut abgefahren werden kann. Hattenrod, am 21. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. ___Petry.______________ Bauholz - Versteigerung. 465) Im Londorfer Gemeindewalde, District Rückenstall, kommen den 29. d. Mts. 163 Nadel - Baustämme von 6 bis 15 Zoll mittlerem Durchmesser und bis -zu 90 Fuß Länge = 8371 Cubikfuß enthaltend, zur Versteigerung. Der Anfang und die Zusammenkunft ist Morgens 9 Uhr im District Rückenstall, am Wege von Nordeck nach Wermertshausen. Londorf, am 21. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Londorf. ___Weber-___________ Güter-Versteigerung. 499) Am 17. Februar und nö'thigenfalls den darauf folgenden Tagen kommen in Großen-Linden die uns gehörigen Gebäulichkeiten, sowie zwei daranstoßende Gärten und Grundstücke, zur Versteigerung. Beginn der Versteigerung der Grundstücke Vormittags 9 Uhr, der Gebäulichkeiten Nachmittags 2 Uhr. Jean Gossi's Erben, und in deren Namen: Wilhelm Gossi. Feilgebotenes. 497) Die erwartete Sendung von Ball- kränzc», Blumen, Bouquets und Rosenknospen ist eingetroffen und empfiehlt solche zu den billigsten Preisen Georg Röber, am Kreuz. 494) Rechnungs- und Wechsel-Formulare, Frachtbriefe für die Main-Weser-, sowie für die Köln-Gießener Bahn, auch Ärief- und Franco-Couverts, sind zu haben bei E. Eichenberg. 493) Schönes Erbsenstroh ist zu verkaufen bei ' H. Becker, Schulstraße. 490) Eine im besten Zustande sich befindliche Chaise (Halbverdcck) ncbst Pferd und Geschirr ist zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. BlttS._______________________ 467) Eiserne Kinderschlittcn, Fla- schrnschränke, Gläser, Flaschenkorbe k- empfiehlt_________________Emil Pisto r- 482) 80 bis 100 Ctr. gutes Heu sind im Pfarrhaus zu Königsberg zu verkaufen. ! Ausverkauf! 469) Wegen Aufgabe des Geschäfts Vollständiger Ausverkauf sämmtlicher Waaren bei Gebrüder Heß, Kreuz. Zur hohen Beachtung für Bruchleidende. 487) Der berühmte Bruch-Balsam, dessen hoher Werth selbst in Paris anerkannt, und welcher von vielen medicinischen Autoritäten erprobt wurde, welcher auch in vielen tausend Fällen glückliche Euren hervorbrachte, kann jederzeit direct brieflich vom Unterzeichneten, die Schachtel ä 3 Fl. 30 Xr. S- W., bezogen werden. Für einen nicht so alten Schaden ist eine Schachtel hinreichend. I. I. Kr. Eisenhut in Gais, bei St. Gallen (Schweiz). 473) 75 Klafter Acker am Nahrungsberg, Flur XXXI11, Nr. 129, am Wege, zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 474) Ein Garten am unteren Riegelpfad ist zu verpachten. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Vermieth ungen. 460) Durch Ankauf des- Hauses der Frau Margnth ist der 2. Stock, bestehend in 5 Zimmern, 2 Cabineten, Vorraths- und Mägdekammer, und der 3. Stock mit 3 Zimmern, 1 Cabinet, beide mit Zugehör, zu ver- micthen. Auch kann der 2. Stock in 2 Logis vermiethct und am 1. Mai bezogen werden. _____________W. Knoll, Kirchendiener. 464) Ein kleines Familienlogis ist zu ver- miethm Bei Alexander Mayer. 466) Ein freundliches, möblirtes Zimmer ist am Cänzleiberg Lit. B. Nr. 67 billig zu vermiethen. ____________________ 462) Im „Russischen Hof" sind La- gerräume^zu vermiethen; auch ist daselbst ein Haufen guter Mist zu verkaufen. 463) Ein freundliches, möblirtes Zimmer mit Cabinet in einer GartemvohnuNg ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 495) Zu vermiethen ein möblirtes Zimmer und sofort zu beziehen Lindenplatz Lit. A. Nr. 142. 461) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei Fr. Fürst, in der Neustadt. 491) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen, wobei auf Verlangen auch die Kost gegeben werden kann, Lit- A- Nr- 8, in der Nähe des Marktplatzes. Vermischte Anzeigen. 483) Ein Frankfurter Delikatessen-Geschäft sucht einen Lehrling, der bei 4 Jahren Lehrzeit freie Kost und Logis erhält- Nä- here Auskunft ertheilt die Exped- d- Bltts. Militär-Stellvertretung. 486) Unteroffiziere und Spielleute, sowie solche Militärpflichtige, welche sich im Jahr 1867 freigeloost haben, werden ersucht, wenn sie einstehen wollen, sich auf meinem Bureau zu melden. Joseph Strigler, ________________in Mainz, Graben 42. Oeffentliche Erklärung. 488) Denjenigen, welcher das Gerücht verbreitete, ich hätte mich erschossen, erkläre ich hiermit für einen schändlichen Verläumder. Die Schändlichkeit dieser Verläumdung ist um so größer, als sie nur davon herrührcn kann, daß ich durch eine mich plötzlich überfallene Brustkrankheit gezwungen war, noch spät in der Nacht, vom 21. auf den 22. d. Mts-, meinen Arzt, Herrn Dr. Dornseiff, holen zu lassen. ______________Ludwig Jahreis. Beachtenswert!!! 479) Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie gegen Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Specialarzt l)r. Kirchhoffer, in Kappel bei St. Gallen (Schweiz.) A ei Joseph Stein s Wittiuc, W.A. ei. -iwd Gast- und Speisewirthschaft, Hintergasse nächst dem „Gasthof zum Einhorn." (475) Schnell-Schön-Schreib-Unterricht. I 472) Durch meinen nur achtstündigen Unterricht garantire ich eine schone 1 und geläufige Handschrift. Dienstag den 28. d. Mts- bcgumU dex ’toettc und | letzte Kursus. Resultate Hiesiger hängen in der Rickerjchen Buchhandlung zur | geneigten Einsicht aus. Das Honorar Betrügt, » Person o Thlr., m kleinern Zirkel । 8 Thlr. und wird nur nach vollständiger Leistung des Versprochenen beansprucht, g Ein besonderer Kursus für Damen ist wieder arrangirt. Um frühzeitige Aninelduilg wird gebeten. . | Sprechstunden von 4—8 Uhr Abends. I I. Wolff, Taubstummenlehrer, I Hotel Prinz Carl. H Zum Besten -er Ostpreußen beabsichtigen die Unterzeichneten än 4 aufeinander folgenden Donnerstagen, Abends 7Vz Uhr, Vorträge im großen Saale des Clubgebäudes Zu halten, und zwar: den 30. Januar: Zimmermann, lieber Göthe's Torquato Täffo, Mit Deklamation ausgcwähltcr Stellen; . „ 6. Februar: Ulmann, lieber den Herzog von Rtichstadt: „ 13. „ Merkel, lieber die Todesstrafe; „ 20. „ Zöppritz, lieber die Mvergänglichkeit von Stoff und Bewegung ui der Natur. Einlaßkarten zu allen 4 Vorträgen sind in den Buchhandlungen von I. Ricker und von W. Ferber zum Preise von 3 fl., Familienkarten für 3 bez. 4 Personen zü 7 bez. 9 fl. zu haben. Einlaßkarten zu eisizelnen Vorträgen a 1 fl. ebenda, sowie Abends an der Cassc. Prof. Dr. G. Zimmermann. Dr. Ulmann. Dr. Merkel. Prof. Dr. Zöppritz. t MT" PubiicitLt! SSHE ff L- Anzeigen aller Art werden besorgt mit: Schnelligkeit — Ersparniß von Porto K- s und Spesen, sowie eigener Mühwaltung — Gratisbelege — Rabatt bei größeren g S Aufträgen — Discretion — Special-Cvntracte mit besonders aün- I § stigen Bedingungen bei Ucbcrtragung drS gesammten JnsertiouöwesenS. -- - Sachse & Co. in Leipzig. ? -5 Zeitung-Annoncen-Expedition. ° S Filialhandlungen vorläufig in: 4 iS Bern und Stuttgart. iL, gg» Annahme von Inseraten für die: Allgemeinen Anzeigen der 1 lA ^Gartenlaube", Auflage 230,000 Exemplare. S 500) Wir erlauben uns, Diejenigen, die Interesse für eine schöne Handschrift haben, auf den ausgezeichneten Unterricht des Herrn I. Wolff, des zu gleicher Zeit praktisch wie geistig gebildeten Schulmannes aufmerksam zu machen. Einige Schüler. 485) Ich bringe hiermit zur Kenntniß, daß Steiger August Neumann aus dem Dienste für die Grube Raab getreten ist. Wetzlar, den 20. Januar 1868. Joseph Raab. 468) Eine Brieftasche ist auf dem Wege vom Lumpcnmannsbrunnen naich Gießen verloren worden. Der redliche Finder wird gebeten, dieselbe an die Exped. o. Bltts. abgeben zu wollen. 484) Ein Mädchen vom Lande, welches sich auszubildcn wünscht, kann bei einer Wittwe, bei weicheres zugleich alle Handarbeiten erlernen kann, gegen angemessene Vergütung Kost und Logis erhalten. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 471) Es wird gegen guten Lohn ein reinliches, williges Dienstinädchen oder auch Laufmädchen gesucht. Louis Petri, Neuenweg. Epileptische Krämpfe (§nll= sucht) heilt Dr. O. Ätllisch, Spezialarzt für Epilepsie, Berlin, Jägerstr. 75,76. Auswärtige brieflich. (478) I Drittes Concert im Muter-Abonnement des Gießener Cnncerl-Vereins Mittwoch den 29. Jünuür 1868, Abends präciS 6 Uhr, im Club-Saale, unter gefälliger Mitwirkung des Herrn Jules de Swert, Herzog!. Hof - Concerimeister und Kammervirtuos aus Weimar, und des akademischen Gesangvereins. Programm: 1) Symphonie (A-dur) von F. Mendelssohn. 2) o. Andante i für Violoncello von Molique- b. Concertstücke f Tur ^oionceuo, öon Servals. 3) Zwei Balladen für Chorgesang von R. Schumann. 4) a. Air rü Nioloncello von I. S- B a ch. b. Mazurka fantastique \ sur Violoncello, ÜOn J. de Swert. 5) Najaden-Ouverture von W- St- Bennett- Für Nichtabonnenten sind BilletS ä -18 fr. in der Iticker'schen Buchhandlung zu haben. Die Concertdirection. Börsennachrichten. 25. Januar 1868. Prioritäten. 5°/o östr. F. St. E. B. 242>/2 Ludwigsh.-Bexbach 157 Maxbahn 107 Bayer. Ostbahn 1193/4 Hess. Ludwigsbahn 1293/4 3% östr. Stsb.-Prior. 52 i/4 3% östr. s. Lombard., — 3% Livorneser 28>/g Toscaner 40i/2 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 743/4 do. II. Emiss. 73 Anlehensloose« Kurh. 40 Thlr. Loose 53*74 Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 142% Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4O/o bayr. Präm. Anl. 99% 4y/o badische Loose 97 7/s Badische fl. 35 Loose 51 1858r Priori tätsloose — 1860r Loose 7O7/8 J864r „ 771/s Wechsel. Amsterd. k. 8. IOO1/4 Augsb. k. S. 100 Berlin k. S. 105 Bremen k.'S. 975/g ; Cöln k. 8. 105 ! Hamburg k. 8. 881/2 Leipzig k. 8. 105 London k. S. 1195/g Lyon k. S. •— Paris k. 8. 95 Wien k. 8. 9?Vs Disconto 3% G. €!el/30/0 Obi. c. E.L. 933/4 Oestr. 50/0 b. R. 60 V4 „ 5% National 53 */j „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuerf. 48*/2 Amer. 6% 1881r Bds. 775/g „ 6D/0 1882r 76Vs Actieii» Frankf. Bank 127 Oester. Bank 662 „ Creditact. 184 V2 Darnist. Bankact. 212 Feuilleton. Vetter und Base. Eine Familiengeschichte. (Fortsetzung.) Die Accorde eines Strauß'schen Walzers luden die Paare in den Tanzsaal, und der Reigen schlang sich dahm und trug in seinem Wirbel auch Henrietten und den Vetter. Der sonst so stolzen Henriette war zu Muthe wie einer Trunkenen ; der Boden schien unter ihrem Fuße zu versinken und sie wähnte frei zu schweben an Vetter Robert's Arm. Sie hatte all' der kleinen und großen Künste der Koketterie vergessen, welche sie gegen ihn in Anwendung zu bringen gedacht, und ihr Kopf hatte für nichts anderes mehr Raum als für seinen Anblick, Von dessen Antlitz sie ihr Auge nicht mehr verwenden konnte. Und doch siegte sie vielleicht in ihrem Vorhaben nur um so mächtiger, obschon sie zu unterliegen; schien. Sie, die ausging zu sahen, war nun die Gesang ne! — — Die Tour war zu Enke, und erhitzt vom Tanze kehrte Henriette an des Vetters Arm zu der Commerzienräthin zurück, welche kein Auge von dem Paare verwandt hatte. Ein junger Herr aus ter Stadt eilte aus den Vetter zu, um in ihm einen vermeintlichen Jugendfreund zu begrüßen, und während die beiden Männer sich die Hande schüttelten, stürzte Henriette auf ihre Mutter zu und zog sie rasch in eines der stilleren kleinen Zimmer. Ihr Busen wogte, ihr Auge flammte, die Wange glühte hoch von der Erhitzung des Tanzes, doch höher noch von leidenschaftlicher Erregung, die beinahe alle Bande der Etikette sprengte. Sobald Henriette sich mit der Mutter allein sah, warf sie sich weinend an ihren Hals. „O Mama, Mama! wenn er mich nicht liebt! . . ." war alles, was sic hervorbrachte. „Was ist Dir denn, mein Goldkind? Ist er Dir denn kalt begegnet?" „Nicht doch, Mama! er drückte mir ein um's andere Mal die Hand und preßte mich int Tanze an sich so innig, so zärtlich .... und doch so schüchtern, Mütterchen, und so besangen, wie ich es von dem kecken Robert von ehedem nie erwartet hätte!" „Nun, das geht ja prächtig ! Wo ist denn da ein Grund zum Weinen für Dich, meine süße Henriette?" fragte die Mutter freudig. „Das erscheint ja bei euch beiden wie Liebe auf den ersten Blick! Das geht ja über Erwarten gut, wenn Robert ebenfalls so Feuer und Flamme ist, wie mein sonst so kühles und überlegtes Kind! „O, Mama, ich sühle es an meinem eigenen Herzen," flüsterte Henriette verschämt und barg ihr glühendes Antlitz an der Schulter der Mutter, „daß er nicht gleichgültig gegen mich ist, und dcch .... ach, ich kann den Gedanken nicht fass», Mutter! er steht mit seiner Ruhe und Sicherheit so hoch über mir!" „Komm, mein Kind! fasse Dich! Um's Himmels willen nur keine Scene, denn wir sind beobachtet. Laß uns schnell in den großen Salon zurückkehren! — Um Alles, war gibt es denn hier? ' fragte sie noch zwischen Thüre und Angel. „Eine kleine Störung, gnädige Frau! einen lauten Wortwechsel zwischen einem Gaste, wie es scheint, und einem Ihrer Diener," erwiedcrte ein Herr aus der Gesellschaft. In dem Augenblick, wo die Commerzienräthin den Empfangssaal betrat, ward die Flügclthüre desselben weit aufgerissen, und auf der Schwelle erschien der neue Vetter vom Lande wie ein zürnencer Leu unv schrie den Diener an : „Untersteh' Er sich vieß nochmals gegen mich, Er betreßter Schlingel, und ich gebe Ihm eins auf Seinen dicken Kopf, daß Er in die Mitte der anrern Woche hineinfliegt!" Damit schüttelte er eine ziemlich sehnige Faust gegen den Diener, welcher ihm den Eintritt in den Salon hatte wehren wollen. — „Schön'n guten Abend, ganze Gesellschaft, und nichts für ungut, wenn ich eben ein wenig laut war. Aber da bleibe der Geier geduldig, wann Einem solch ein Wicht von einem Diener mit den Fäusten droht. — Gott's Blitz, als ob ich nicht des Herrn Commerzienraths leiblicher Neffe wäre, der Sohn von dem Pachter Christian Michael Balder in Wctteifeld, der keinem Menschen hier einen Pfennig schuldet! Als ob ich nicht wüßte, daß die Frau Tante Commerzienräthin mir zu Liebe diese Gesellschaft gebeten hat, und sich der armen Verwandten ihres Mansies nicht schämt. Und nun grüß' Sie Gott, liebste Frau Base, und Gott- willkommen! Und weil denn Niemand im Hause sich meiner annehmen wollte, so bin ich selber hergZommcn und wollte nur der Frau Base sagen, daß der Schlingel von dickem Bedienten da drunten mir ein wahres Loch unter dem Dache angewiesen hat, und daß ich im Taubenschlage übernachten müßte, wenn nicht Väschen Pauline mir ihr Stübchen eingcraumt hätte. Und vieß wollt ich nur der Frau Base Commerzienräthin sagen, damit sie dem bengelhasten Kerl eine ordentliche Pauke hält, denn ich weiß wohl, daß Sie es mit den Balder'schen nicht so schlecht meint .... Und nun Gott zum Gruß, Frau Base!" setzte er mit einem so kräftigen Schlag in die rasch ergriffene Hauv Der Commerzienräthin hinzu, daß die Nähte an ihrem feinen Handschuh davon sprangen; „ei zum Geier, kennt mich denn die Frau Base nicht mehr? Ich bin ja der Rudolph, der zum Buchbalter auf der Fabrik verschrieben ist!" „Ich weiß, ich weiß . . . ." stammelte die Commerzienräthin, die vor innerer Bewegung ganz blaß geworden war und förmlich zitterte. „Du bist mir willkommen, Neffe, aber Du hättest mir den Schreck ersparen können, den mir Dein heftiges Eintreten verursacht hat. Und dann, sich' Dich einmal um unv betrachte Deine Kleidung, und Du wirst gestehen müssen . . . ." „Daß ich kein hochzeitliches Kleid anhabe, ja, — zugegeben!" sagte der Vetter vom Lande und schlug seinen weiten schlotternden Paletot von blauem Matrosentuch auseinander. „Aber der grobe Kittel da hält warm, Frau Base, und ist bezahlt; und die schönen Frauenzimmerchen da und die geputzten Herren nehmen mir'S nicht übel, wenn ich in diesem Aufzuge eintrete, wie ich eben von der Reise komme. Ich bin halt ein Bauernbub, unv dem Darf man so etwas nicht nachtragen. UnD wozu auch mich am späten AbcnD noch in Staat werfen — bei Nacht putzen sich nur die Hirtenweiber, sagt man bei uns zu Hause. Darum fort mit all dem dummen Schnack, Frau Base! Wie geht ei Denn ? wie steht's? Was machen denn die Mädels, Jeltchen und Ida? und wo ist der Vetter Gottfried?" Die Commerzienräthin war keines Wortes mehr mächtig; sie sah um sich her theils sehr ernste und verstimmte, theils spöttische Gesichter; sie hörte kichern und lachen. Die erste Entrüstung der Gäste hatte sich in Humor und wohl auch in Schadenfreude verkehrt. Henriette glühte vor Scham und war zu dem andern Vetter geflüchtet, Der absichtlich fern blieb, weil er den Gedanken nicht unterdrücken konnte, daß Robert den Scherz zu weit treibe, und weil er fein Betragen innerlich mißbilligte. „Robert, mein Freund! ich bitte Dich um Gotteswillen, entferne doch diesen Menschen mit guter Manier! flüsterte sie ihm zu und klammerte sich an seinen Arm. „Es ist Papa's neuer Commis, — nur ein armer Bursche vom Lande, den Der Papa aus Erbarmen in Dienst genommen hat, und gar kein Verwandter von uns . . . ." „Nicht doch, Cousinchen, es ist ja mein leiblicher Vetter! wir haben uns heute Abend schon begrüßt!" versetzte Robert. „Aber komm, wir wollen ihn besänstigen und in ein Nebenzimmer führen!" Politische Nun- sch n u. Darmstadt, 23. Jan. Eine Bekanntmachung Großh. Krieg-Ministeriums über den Termin zum Antritt des einjährigen Dienstes bestimmt, daß von denjenigen jungen Leuten, welchen die Berechtigung rum einjährigen Dienst ertheilt worden ist oder noch crtheilt werden wird, der Eintritt zum Dienst, auch bei den Jägerbataillonen, zur Zeit der Einstellung der Ergänzungsmannschaft dieses Jahres, welche auf den 11. nächsten Monats festgesetzt worden ist, statt- finden kann. Der folgende Termin zum Eintritt einjährig Freiwilliger in der Truppe ist dann der 1. April dieses Jahres. Darmstadt, 23. Jan. Die „Main-Ztg." schreibt: „Heute war in Abgeordnetenkreiscn das Ge- rücht verbreitet, daß die großh. Regierung die Proposition Preußens wegen Uebernahme des Baues der Hanau-Offenbacher Bahn angenommen habe und sich dermalen die Verhandlungen nur noch auf die weitere Ausführung der Bahn beziehen, wobei das Bestehenbleiben des jetzigen Bahnhofs in'S Auge gefaßt ist. Wir Horen dies Gerücht aus durchaus zuverlässiger Quelle bestätigen." Darmstadt, 24. Jan. Die Erste Kammer der Stände wird am Montag den 27. d. M., Vormittags 11 Uhr, zu ihrer 19. Sitzung zusammen- treten. Die Tagesordnung lautet: Berathung und Abstimmung über: 1) die Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Innern und der Finanzen, den Gesetz-Entwurf, die Fortdauer des Zoll- und Handclsvereins, hier die Wahlen der Abgeordneten zum Zollparlamcnt betreffend; — 2) die Mittheilung der zweiten Kammer, bezüglich des Antrages der Abgeorvneten Herren Edinger und Kaibel auf Vorlage eines Gesetzentwurfs in Betreff der Versetz- barfeit in den Ruhestand, resp. Pensionirung der Großherzoglichen Gerichtsvollzieher; — 3) Die Mittheilung ter zweiten Kammer, Den Gesetzentwurf über die Militärdienstpflicht in den durch den FrieDcns- vertrag mit Preußen neu erworbenen GebietStheilen betreffend; — 4) die Mittheilung der zweiten Kammer, die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums der Justiz, betreffend: a. die Verordnung vom 17. Januar 1867 über die Ausübung der Gerichtsbarkeit in denjenigen Distrikten und Orten, welche in Folge des Friedensvertrages vom 3. Sepember 1866 den Provinzen Starkenburg und Oberheffen einverleibt worden sind, b. einen Gesetzentwurf, betreffend mehrere in diesen beiden Provinzen bestehende, in die gedachten Di- stricte und Orte einzuführende Gesetze; — 5) die Mittheilung der zweiten Kammer, bezüglich des Gesuchs des GefängnißwärterS Joh. Schwarz zu Ober- Ingelheim um Aufbesserung seines Gehaltes. Darmstadt, 24. Jan. In der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer der Stände kam die Antwort des Präsidenten des Gesammt-Civil-MinisteriumS, Frhrn. v. Dalwigk, auf die Interpellation des Abg. Heß, den Bau der Oberhessischen Eisenbahnen betreffend, zur Verlesung. Dieselbe lautet: „Der Unterzeichnete beehrt sich, die von dem Herrn Landtags-Abgeordneten Heß in der Sitzung der zwei- ten Kammer der Stände vom 16. d. Mts. gestellte Interpellation dahin zu beantworten, daß allerdings annehmbare Offerten für den Bau der beiden Ober- hessischen Bahnen vorliegen und daß die Bildung einer Actien-Gesellschaft ganz nahe bevorsteht, worauf sodann alsbald eine Regierungsvorlage in Bezug auf Diese Eisenbahnen an die Stände, hoffentlich noch im Laufe dieser Woche, gelangen wird. „Zugleich erlaubt sich der Unterzeichnete vorläufig zu bemerken, daß es die Absicht ist, die eine jener Bahnen von Gießen über Grünberg, Alsfeld, Lauterbach nach Fulda und Die Andere von Gießen über Büdingen nach Gelnhausen zu führen." Darmstadt, 19. Januar. rc. Die Debatte über den Antrag Des 1. Ausschusses, die Verwaltung der ConfessionSschulen betreffend, wurde bis zur Berathung über Den Antrag des Abg. Soldan, die Vorlage eines neuen Schulgesetzes betreffend, vertagt. Dem Anträge desselben Ausschusses, den Schutz der Lehrer gegen die Aumuthungen der geistlichen Exercitien betreffend, wurde stattgegeben, dagegen der Antrag des Abg. Keil und Huy auf Aeuderung in der Art der Abgabe der Waldstreu aus Gemeindewaldungen abgelehnt. Nach Erledigung einiger Beschwerden, welche die Unterstützung der Kammer nicht fanden, vertagte sich das Haus auf unbestimmte Zeit, und steht, nach der Aeußerung des Präsidenten, ein Wiederzusammeutritt vor Mitte des nächsten Monats nicht zu erwarten. Darmstadt, 24. Jan. Bestem Vernehmen nach wird spätestens.zu Ende dieses Wintercurses unsere Kriegsschule geschlossen werden. Die Zöglinge derselben werden in Zukunft ihre Studien auf preußischen Schulen zu machen haben. — Die von Geh. Oberfteuerrath Ewalv in Berlin geführten Verhandlungen über den Eintritt des Großherzogthums in die Gemeinsamkeit der indirekten Steuern mit dem norddeutschen Bunde sind nunmehr beendet, und wird der Genannte morgen wieder hier eintreffen. Wie bereits vor einiger Zeit mitgetheilt, wird Ewald auch an Den Verhandlungen des Zollbundes Antheil nehmen und sich deßhalb in der Kürze wieder nach Berlin begeben. Berlin, 24. Jan. Die „Kreuzzeitung" bemerkt gegenüber den Auslassungen Der „France" über Die schleswig'sche Frage: Wir sind überzeugt, daß jede fremde Einmischung die Verhandlungen Preußens mit Dänemark stören würde. Die Einmischung jeder nicht durch den Prager Frieden legitimirten Macht würde die entschiedenste Zurückweisung von deutscher Seite erfahren. Wiesbaden, 21. Jan. Die Stempelge- setzgebung. für das Herzogthum Nassau wird gutem Vernehmen nach nicht mehr lange Gegenstand von Beschwerden und Unzuträglichkeiten sein, indem die Beseitigung der jetzigen Stempelgesetzgebung und die Einführung Der Stempel nach Der Thalerwährung Ader Der Vetter vom Lande kam ihnen schon entgegen und rief: „O Herrsch, das ist ja Jettchen, mein herziges Büschen! Na, grüß' Dich Gott, mein Kind! Kennst mich wohl nicht mehr, und hab' Dich doch schon als Kind auf dem Arm getragen! Na, ich erkannte Dich sogleich wieder, Denn Du bist eben nicht viel gewachsen, außer in Der Breite! Sapperment, Du blühst ja wie ’ne Pfingstrose unD bist so dick wie ’ne Dampfnudel! Dir scheint das «Statt» leben gut zu bekommen, — besser als die Pension! aber nicht wahr, frische Weise macht fette Kälber! Viele Gruße von Louise und Mine, und dem schwarzen Bock, auf dem Du damals in Weiterfelv so gern geritten bist, hat man Micheli vor einem Jahre stechen müssen, weil er zu stößig geworden .... Alle Wetter! und dort ist Jdchen! Du lieber Himmel, was für ein Püppchen Du hist! so bleich wie Buttermilch und so Dürr wie eine Binse! Jettchen kann Dir ja von ihrem Ueberfluß abtreten. Grüß' Dich Gott, kleiner Weißkopf! denkst Du noch daran, wie wir auf der.Herrenwiese zu Wetterfeld mit einander die Gänse hüteten und Dich der graue Gänserich in den Arm biß, daß cs blutete ? Armes Närrchen, wähntest damals, Du müßtest daran sterben, und bist nun doch ganz groß und schmuck geworden! — Fritz läßt Dich grüßen und will Dir weiße Kaninchen mit rvthen Augen schicken, Die Du vordem so sehr liebtest! Wir haben- daheim einen ganzen Stall voll von dem Ungeziefer — wühlen nur den ganzen Stallboden auf, die Biester . . . ." -> „Komm, Vetter! wir wollen Dich zum Oheim bringen, damit Du ihn begrüßen kannst!" sagte der angebliche Robert und setzte leise hinzu: „Genug des Scherzes, Vetter, ich bitte Dich! Die Tante kämpft mit einer Ohnmacht." „Na, ich sehe schon, ihr wollt mich nur los werden, weil ich nicht zu euch paffe!" rief der Vetter vom Lande. „Ja wahrlich, ich passe auch nicht unter diese geputzten Püppchen da; aber mein Recht will ich haben, mein Recht, der Frau Base guten Abend zu sagen und Gott-willkommen, denn wenn ich auch nur ein Bauernbub bin, so weiß ich doch auch, was sich ziemt. Und nun guten Abend, Frau Base und Bäschen dort, und nichts für ungut, ganze Gesellschaft!" Und damit brach der Vetter vom Lande in ein pfiffiges wohlzufriedenes Lachen aus, ging hinaus und warf laut die Thiire hinter sich in'S Schloß. „Ein abscheulicher Affront!" flüsterte eine der geputzten Schönen ihrem Tänzer, einem geschnürten Lieutenant, zu. „Affront? mit Nichten, meine Gnädige!" versetzte Der Lieutenant. „Rur Komödie, heiteres Intermezzo, göttlicher Spaß, — auf Ehre I Unsere stolze Wirthin bläht sich so gerne, aber dieß war ein magnifiker Dämpfer — ein praktisches Epigramm, Das ihr, auf Ehre! lebenslang anfleben wirb. Der Schweinkerl war himmlisch, ganz wie ein Rüpel in Der Komödie. Aus Ehre, man hätte ihn vor Vergnügen — prügeln mögen!" „Aber wie demüthigend für uns, Herr Baron! so erinnert zu werden, daß man sich wirklich wegwirst, wenn man die Einladungen von solchen Emporkömmlingen annimmt!" sagte die Mutter der jungen Dame, eine dicke Stabs- osfizierswittwe mit rothem Gesicht, die so eben zwei gehäufte Teller mit Ananas- kiS und Confect verarbeitet hatte. »Zugegeben, Baronesse, aber man hat doch seinen Spaß dabei, speist gut Abenddrod und trinkt samösen Clicqot," sagte der Lieutenant und betrachtete durch den Zwicker unverschämt ironisch die Damen vom Hause, die unter den Nachwirkungen dieses Austritts noch rathlos herumtrippelten. „Was meinst Du, Franz," fragte Julie Fink ihren Bruder, „sieht dieß nicht aus, wie ein absichtlicher Schabernack?" „Eine Maskerade schon vor dem Fasching," versetzte Der junge Mann; „stünDe nicht Robert Balver Dort leibhastig unD als ein gesetzter Mann neben Henrietten, so möcht' ich Darauf schwören, daß ess einer seiner tollen Streiche von ehedem wäre!" „Der Muthwille scheint im Blute zu liegen," sagte Frau Dönning. „Der Vetter vom Lande erschien mir ganz unD gar nicht so Dumm als er sich gab' und seine Stimme erinnerte mich vorhin lebhaft an Robert Balder." „Er ist pfiffig wie alle Bauern," sagte Franz Fink; „und Die Strafe, wie Derb sie auch sein mag, war nicht unverdient, denn Die Geschichte mit Dem Gastbett im Taubenschlag ist doch wahrlich charakteristisch." „Mein Gott, Robert, was müssen Sie von uns denken?" flüsterte Hen- riettte, vor Erschütterung ganz bleich und so gedemüthigt, daß sie den Vetter gar nicht mehr zu dutzen wagte. „Welch ein (Scantal vor allen unseren Gästen!" „Laß es gut sein, liebes Väschen! Diese Menschen hier sind zum größsten Theil nicht werth, daß man sich um sie bekümmert — es sind Larven und Puppen nach der Mode. Sie werden auf eure Kosten nun lachen und sich schadenfroh amüsiren, wie sie auf eure Kosten speisten und tränten. Wer wird von solchen Menschen ein tieferes Gefühl erwarten?" „Dieser Auftritt hat uns vor.der ganzen Stadt lächerlich gemacht, — man wird unser Haus meiden, und uns nicht mehr einladen," sagte Henriette, und ihre Stimme bebte vor Entrüstung. „Ist es denn ein solcher Verlust, sich von diesen Leuten loszusagen, die nur eure Küche und Keller und eure schönen Gemächer verehren, nicht eure eigene Persönlichkeit?" fragte der Vetter. „Diese Art von Geselligkeit, liebe Henriette, ist die an sich werthloseste, Denn man gewinnt Damit nur Schmarotzer und Schmeichler, keine Freunde. Man muß zu seinem eigenen Blute stehen, wenn man sich Freunde auf andere Zeiten erwerben und erhalten will!" „Du hast Recht, Robert; diese Ahndung kam nicht unverdient," sagte Henriette und blickte beschämt zu Boden. „Wir verdienten Tadel für die stolze Ungastlichkeit, womit wir Die Aufnahme des Vetters Rudolph Den fahrlässigen Miethlingen überließen; aber wer hätte geahnt, daß diese Strafe so einschneidend, so öffentlich fein würde? . . . Und doch haben wir kein Recht, uns zu beklagen! der Streich ist verdient. Aber ich bitte Dich, lieber Vetter, geh' zur Mama und tröste sie, denn sie ist ganz darnieder geschmettert, und nur Dein Zuspruch wird sie beruhigen!" 6. Unten im Erdgeschoß saß der Commerzienrath Balder bei der traulichen Abendlampe an seinem Schreibtische und rechnete und stöberte in verschiedenen Papieren. Die Musik des Balles tönte nur in gedämpften Klängen herab in Die Hinterstube, unD der alte Herr rückte jedesmal auf dem Stuhle ungeduldig hin und her, wenn schmetternde Accorde der Blechinstrumente an sein Ohr schlugen. „Onkelchen," tönte plötzlich eine Stimme schmeichelnd hinter ihm, „wollen Sie Ihr Abendbrvd kalt werden lassen? Schon seit einer Viertelstunde steht das Essen dort auf dem Tische." „Ah, Du bist es, Pauline?" erwiederte der alte Herr aufblickmd, und hätschelte freundlich des Mädchens Hand, die es auf die Stuhllehne hinter ihm gelegt hatte. „Du hast recht — ich hatte mich vergessen. Aber nun komm und laß mich das Versäumte einholen." „Und ich darf Ihnen serviren, bester Onkel, nicht wahr?" frfl9te Puunne. „Es wird mir ein Vergnügen fein, wenn Du mir Gesellschaft leistest, Itebeö ÄDtnC. „Danke, danke, lieber Onkel! ich habe schon gegessen!" ries Pauline mit ihrer weichen, wohlklingenden Stimme, und schickte sich zuthunlich an, dem alten Herrn seine einfache Mahlzeit zu freeenzen. Er aß mit der gemächlichen Bedächtigkeit eines Mannes, der nicht um des Vergnügens, sondern nur um der Gewohnheit und Nothdurft willen speist, und Den anDere, ernstere Gedaiuen beschäftigen. Aber gleichwohl konnte er doch nicht umhin, Dabei mit Den Augen Paulinen's Bewegungen zu folgen, welche flink zwischen dem Anrichte- und dem Speisetische hin und her ging und in ihrem ganzen Wesen ,o viel ungesuchte Grazie und so viel liebevolle Besorgniß für ihren Wohlthäter verneth. „Und hernach, Onkelchen, werden Sie wohl auch hinaufgehen zur Gesellschaft, nicht wahr?" fragte sie. (Sottf. folgt.) bereits beschlossen ist. Billiger als seither kommt das Publikum indessen gewiß nicht durch. München, 23. Jan. Heute nahm der Wehr» ausschuß der Abgeordnetenkammer das Wehrgcsetz in der Fassung, wie cS aus der vorgestrigen Berathung der Reichsräthe hervorging, mit allen gegen 2 Stimmen (Kolb und Feustel) an. Stuttgart, 23. Jan. Die „Dem. Corr." schreibt: „Das Ergebniß der Verhandlungen vcr württembergi- schen Kammer über den in dem preußischen System nach- gebildcten Entwurf ves KriegSvienstgesetzeS ist von allge- mclnem Interesse; nachdem Baiern und Baden im Begriffe sind, mit Gutheißen der Landesvertretung dem preußischen Militarismus unterworfen zu werden, ist Württemberg das einzige süddeutsche Land, wo noch dagegen gekämpft wird. Man muß anerkennen, daß die Regierung in dem Gesetzentwürfe, und namentlich durch ihre Zustimmung zu der gesetzlichen Regelung der Präsenz auf 2 Jahre, wcitergehcnde Con- cesslionen gemacht hat, als die badische oder baierische Regierung; gleichwohl wurden sie in der Kammer nicht für genügend gefunden, und der Gesetzentwurf scheitert bei der Endabstimmung, wenn über die nach Ablehnung aller Anträge jetzt unentschieden gelassene Frage eine Regelung der Präsenz in dem vorliegenden Gesetze nicht schließlich noch eine Verständigung erfolgt; vielleicht, daß zu diesem Behufe die Frage nochmals an die Commission gewiesen wird, und die Regierung, um die Paar entscheidenden Stimmen zu gewinnen, sich mit der gesetzlichen Feststellung eines Maximums der Präsenz von 18 Monaten einverstanden erklärt. Es wäre das Klügste, was sie, von ihrem Standpunkte, thun könnte, und fragt sich nur, ob Preußen keine Schwierigkeiten macht? Wien, 21. Jan. Die Reichsraths - Delegation hat die Geschäftsordnung en bloc angenommen. — Die Abendausgabe der „Neuen freien Presse" meldet: die Verordnung der Beeidigung der Staatsbeamten auf die Verfassung habe die kaiserliche Sanction erhalten und die Regierung werde dem Reichsrath ein Gesetz wegen eventueller virecter Abgeordneten- wählen vorlegen. Wien, 23. Jan. Die Arbeiterbewegung in Wien hat die Aufmerksamkeit der Regierung erregt, und wie Vie „Presse" officiös anzeigt, bereiten Vie Minister ves Handels, Ves Innern unv ver Justiz über die Gründung von socialen Vereinen und Er- werbsgenossenschaften einen Gesetzentwurf vor, welcher dem Reichsräthe gleich bei seinem Zusammentritte zur verfassungsmäßigen Behandlung vorgelegt werden soll. Wien, 25. Jan. Das „Tagblatt" meldet: Ein Ministerialerlaß ordnet die Aufhebung Ves Juden- ghettoS in Galizien an. — Wie dasselbe mittheilt, hat die päpstliche Curie scharfe Vorstellungen bei Oesterreich wegen dessen Haltung in ver Concordats- frage gemacht. Wien, 25. Jan. Die heutige „Wiener Zeitung" bringt eine kaiserliche Entschließung, wodurch Erzherzog Albrecht zum Armeecommandanten ernannt wird, dem künftig die Jnspicirung und kriegstüchtige Ausbildung der Armee, sowie die Einbringung von Vorschlägen beim Reichsministerium in Betreff derselben obliegt. Prag, 21. Jan. Die Installation des Bürgermeisters ist eben beendet. Der Eid, welchen derselbe leistete, erwähnt nicht nur ausdrücklich des unverbrüchlichen Festhaltens an der Verfassung, sondern betont auch vie Verpflichtung des Bürgermeisters zur- Wahrung ver bestehenven Gesetze. — Die Bürgercorps waren ausgcrückt. Das Jnfanteriecorps wurve trotz der Ministerverorvnung czechisch commandirt. Der Statthalter äußerte darüber dem Biirgermcistcr sein Mißfallen in vernehmlicher Weise. Prag, 22. Jan. Diz Unruhen vom Sonntag haben sich gestern im erhöhten Grade wieverholt. Schon vor 7 Uhr hatten sich dem deutschen Casino, wo das Bankett zu Ehren des neuen Justizministers 1 (früheren Prager Professors) Herbst stattfinden sollte, gewaltige Mcnschenmaffen angesammelt. Nach 7 Uhr wuchs vie Menge in beunruhigender Weise unv drängte sich derart gegen das Casino, daß vie schon vor Ansammlung der Leute die Straße durchziehenden starken Polizei- und Gendarmerie-Patrouillen nicht mehr im Stande waren, die Passage frei zu machen. Die Menge wich nicht, begann im Gegen- theil zu pfeifen, zu schreien, brüllte ununterbrochen: „Pereat Beust! Pereat Herbst!" und sang in tausendstimmigem Chor vie bekannten czechischen Agita- tionslieder. Da gütliches Zureden ves Bürgermeisters, sowie des inzwischen herbeigeeilten Czechenfüh- rers Rieger nichts half, und die Bewegung der Massen äußerst gefahrdrohend wurde, wurde gegen 8 Uhr Militär requirirt, welches schon Nachmittasg in ven Cascrnen consignirt worden war. Bern, 24. Jan. In der heutigen Sitzung des Bunvesrathes wurde mitgetheilt, daß das Königreich Griechenland definitiv seinen Beitritt zu dem internationalen Münzvertrag erklärt habe. Paris, 23. Jan. Die „Patrie" dementirt die Anlage eines befestigten Lagers bei Satvry. Es handele sich nur um vie Anlegung eines Artillerieparks ver kaiserlichen Garde zu Versailles. Paris, 24. Jan. Die „Patrie" komm heute nochmals aus die gestern gemeldete Arbeit des Kaisers über das Militärgesetz zurück, welche auf 16 großen Octavseilcn in der kaiserlichen Druckerei herausgekommen ist. Es zeigt sich, daß, wie zu vermuthen stand, die gestern im „Abend-Moniteur" gegebene Uebersicht des Gesetzes und namentlich der hier nochmals folgende Schlußsatz dieser kaiserlichen Publica- tion entnommen sind. Er lautet: „Wir müssen schließlich sagen, daß, wenn Vas Gesetz über vie Heeresorganisation den großen Staatskörpern vorge- lcgt wurde, dies nicht geschah, weil die Regierung einen nahen Krieg (une guerre immädiate) fürchtete, sondern weil sie durch die Erfahrung der Feldzüge in der Krim und in Italien erkannte, daß unsere militärischen Kräfte nicht auf ver Höhe eines großen Landes, wie Frankreich, standen. Die Ereignisse, weiche sich seitdem in Deutschland zugetragen haben, konnte, diese Meinung nur bestätigen, aber sie waren viel mehr ein Anlaß, als die Ursache der Vorlegung des Gesetzes. Denn es muß wohl gesagt werden, ohne ven deutschen Krieg 1866, ohne diese leuchtende Verwarnung ist es zweifelhaft, ob die öffentliche Meinung ein Gesetz zugelassen hätte, dessen Nothwenvigkeit unv Bedeutung Diejenigen allein begriffen, welche für die Sicherheit und Ehre ves Landes allein verantwortlich sind." — Das „Journal Ve Paris" giebt unter sehr begreiflichem Vorbehalt das Gerücht, ver Minister des Innern hätte die Präfectcn über die Aufnahme, welche Vas Militär- Organisativnsgesetz in ihren Departements gefunden habe, um Rath gefragt. Es wären ihm daraus nur zwei bis drei nicht ungünstige Antworten zugegangcn. —. Der Kaiser ist heute Abend wieder von Compiegne zurückgekehrt. ÄKudrid, 23. Jan. Briefe aus den baskischen Provinzen, aus Aragonien und Catalonien sine einstimmig der Ansicht, vaß eine carlistische Jnsurrec- tion zu Gunsten des ältesten Sohnes Don Juans bevorstehc. Man behauptet, vie Wittwe von Carlos habe an 40 Millionen Realen zur Unterstützung der Bewegung gesandt. London, 16. Jan. In einer Versammlung der Birminghamer Hanvelskammer hielt am 6. d. M. Mundella, ver Präsivent ver Handelskammer von Nottingham, einen Vortrag, worin er nachwies, daß in den letzten Jahren bas Auslanv sich Englands bester Erfindungen bemächtigt und mir diesen Maschinen bessere Erzeugnisse erzielt habe, als England selbst, weil auf dem Festlande «us den Gewerbeschulen ein Arbeiter hervorgehe, der die neuen Vortheile auszubeuten wisse. In England bestehe nichts der Art, und selbst wenn man ähnliche Anstalten einrichte , so müsse erst die große Masse des Volkes ihrer Unwissenheit entrissen und dann eine Art un- merklicher Uebergang wie in Sachsen und Preußen zwischen Elementar- und gewerblichem Unterrichte hergeftellt werben. Deutschland, fuhr der Redner fort, sei ein junger Riese noch in der Wiege. Verglichen mit ver deutschen Concurrenz fürchte er von Frankreich gar nichts. Deutschland werbe Englands größter und Hauptconcurrent für die Zukunft sein. Im weiteren Verlauf der Rebe schilderte Mundella, was er in deutschen Fabriken und anderen Einrichtungen und an einem deutschen Polytechnikum gesehen, und baute auf diese Anschauungen die Behauptung, England behaupte gegenwärtig nur das Felv mit seinem mächtigen Capital und seinem alten industriellen Ansehen, es ruhe auf seinen Lorbeeren und verliere täglich mehr Boden, inbessen Deutschland in kräftiger Entwickelung emporwachse. London, 23. Jan. Dec Minister des Innern, Harvy, der KriegSminifter Pakington unv Lord Stanley wohnten Dem in Bristol abgehaltenen con- servativen Bankette bei. Stanley hielt eine Rede, in welcher er sagte: die Hauptfrage, die vorliegt, sei Irland; eine Trennung Irlands von Großbritannien sei undenkbar und unzulässig; agrarische Reformen seien aber dringend geboten; das Parlament möge daher dieselben baldmöglichst erörtern. Die Kirchenfrage bleibe jedoch dem reformirten Parlament anheimgestellt, lieber die innere Lage, sagte der Redner, das Schlimmste sei hoffentlich überstanden. Bezüglich der auswärtigen Lage äußerte er sich dahin, daß trotz der Verstärkungen der Kriegsmacht in den Staaten des Continents, demnächst keine Störung ves Friedens zu besorgen sei; Rüstungen seien zuwei- len Drohungen, aber oft auch nur Vorsichtsmaßregeln gegen wirkliche oder eingebildete Gefahren. London. Auch England hat seine schwarzen Punkte. So berührt jetzt die „London Review", ein anstänviges und gemäßigtes liberales Blatt, einen solchen mit den Worten: „Vieles, was frivol und selbst schlimmer ist als frivol, kann man der Jugend verzeihen. Aber es läßt sich nicht verhehlen, daß sich im Volke immer ernster und allgemeiner der Wunsch ausspricht, seinen zukünftigen König mit Beschäftigungen und Bestrebungen ibentificirt zu sehen, die ihm Achtung gebieten. Wo nicht, so werden Die republikanischen Gesinnungen, Die ein Theil der Arbeiterklasse jetzt nur seiner Hochachtung vor der Königin unterordnet, an Stärke und Ausdehnung ge- Winnen. Wir würden dies beklagen, aber es kann nicht ausbleiben, wenn der Prinz nicht bald seine Pflichten erkennt und übt." Ein Korrespondent der „Allg. Ztg." bemerkt dazu: „Die liberale Partei hier unv in Irland wünscht, daß Der Prinz von Wales seine Residenz in Irland aufschlage, nicht nur, um ihn seinen Junker-Associationen und unpopulären Liebhabereien zu entziehen, sondern auch, weil sie glaubt, daß die Anwesenheit Des Thronfolgers unter Den Irländern viel dazu beitragen würde, die wankende Treue der irischen Nation zu befestigen und Den Weg zur Lösung der „großen Schwierigkeit" zu bahnen. Das Gerücht will nun wissen, daß die Königin diesen Wunsch theile, aber bei ihrem Sohne auf Schwierigkeiten stoße. Es sind nicht die erprobten Freunde seines Vaters, Die sich Der Prinz zu Genossen und Rathgebern gewählt hat, und am Hofe seiner Mutter ist er fast ein Fremdling. Der Kontrast zwischen Vater und Sohn ist fast frappant und berührt Den gewöhnlichen John Bull unangenehm. Prinz Albert, ein vortrefflicher Wirthschafter, hatte dem Prinzen von Wales bis zu seiner Mün- digkeits - Erlärung ein bedeutendes Vermögen zusammengespart, — eine Jahres-Revenue, wie sie kein englischer Thronerbe vor ihm besessen. Es ist kein Geheimniß, daß diese günstige Finanzlage jetzt schon einer schweren Verschuldung Platz gemacht hat. Petersburg, 21. Jam Der russische „Invalide" bekämpft die Meinung der Wiener „Debatte", daß die europäischen Mächte ihrem Protectorat für Die Christen im Orient entsagen müssen. Die gesamm- ten Christen Der Türkei würden in Folge dessen einen verzweifelten Aufstand machen und Die christlichen Machte müßten sodann zur Rettung der Pforte mit derselben gegen die Christen ein Bündniß schließen. Vermischtes. Gießen. Ein Schüler des jetzt hier anwesenden Schreiblehrers Herrn Wolff veröffentlicht Folgendes: „Wenn etwas die allgemeinste Aufmerksamkeit verdient, so ist es Der achtstündige Schreib-Unterricht des Herrn Wolff. Sagt er in seinen Annoncen, er verwandle selbst Die schlechteste Hanvschrift in nur acht Stunden in eine schöne und geläufige, so klingt dieses markt- schreiend, zumal es Manchem nach jahrelangem Schrei- den bei eisernem Fleiße und unermüdeter Thätigkeit nicht gelungen ist, seine Handschrift zu verschönern. Wer aber seinen Unterricht gehabt, der wird bald erkennen, daß sich seine Versprechungen erfüllen. Durch den Unterricht gelangt man ohne die mindeste Schwierigkeit von Stunde zu Stunde mit sichtlichem Erfolge zum Ziele und schreibt mit großer Leichtigkeit und vielem Vergnügen nur darum, weil man Die Mittel, richtige Feverhaltung und Lage des zu beschreibenDen Materials, sowie naturgemäße Haltung des Oberkörpers hat kennen lernen, unv man sich währenD Des Unterrichts sowohl, als auch in een häuslichen Hebungen sehr leicht und bald daran gewöhnt hat. Was Den Unterricht anbelangt, so ist derselbe sehr leicht faßlich, Denn Herr Wolff versteht es, Jeden in seiner Eigenthümlichkeit beim Schreiben zu behandeln und aus der leichtesten Form ganz consequent sämmtliche Buchstabengruppen zusammenzustellen und Den Lernenden zum Eigenthum zu machen Man hat nur wenig häusliche Nachübungen nothig, aber man weiß was und wie man übt, und man muß nach Innehaltung Des in Der Lehrstunve Erlangten nothwenvig seine Handschrift verschönern. Vergleiche ich meine jetzige Hanvschrift mit meiner früheren, so scheint es mir fast unglaublich, in so kurzer Zeit so viel erlangt zu haben. Mein Name, sowie die förmliche Umwandlung meiner Handschrift find in der Expedition zu ersehen." Darmstadt. Betreffs des vor Kurzem auf Dem Bahnhofe zu Heppenheim stattgehabten Unglücksfalles, wo durch Explosion einer fälschlich mit Glaswaaren declarirten Kiste mehrere Menschen verunglückt, hat es sich herausgestellt, daß Die Kiste Knallsilberpatronen in kleinen Schächtelchen verpackt, enthielt. Würzburg, 19. Jan. Die hiesige Brodtver- giftungsgeschichte wurde vorgestern abermals vor dem Bezirksgericht verhandelt, da die Sache am 27. Dec. V. I. wegen Krankheit des Beschuldigten Sauer vertagt worden war. Da weder der Beschuldigte noch dessen Vertheidiger erschienen war, lautete das Urtheil Dahin, daß es beim früheren Erkenntnisse, welches Den Beschuldigten zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilte, sein Verbleiben, und derselbe die Kosten der Einspruchs-Verhandlungen zu tragen habe. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.