Gießener Anzeiger. Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 fr. Erscheint wöchentlich dreimal . Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Ltt. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kießen. Nv. 127. Dienstag den 27. October 1868. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung, den Bau der Oberhessischen Eisenbahnen, hier die Anwendung des Gesetzes vom 27. Mai 1821 betr. Nachdem der Oberhessischen Eisenbahngesellschaft die Concession zur Erbauung und zum Betrieb von Eisenbahnen 1) von Gießen an die Landesgränze in der Richtung nach Gelnhausen, 2) von Gießen an die Landesgränze in der Richtung nach Fulda ertheilt, und nachdem zufolge Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern vom 18. April l. I. auf Grund des Gesetzes vom 18. Juni 1836 (die Anlegung von Eisenbahnen in dem Großherzogthum durch Privatpersonen betr.) das Gesetz vom 27. Mai 1821 über Abtretung des Privateigenthums zu öffentlichen Zwecken für anwendbar erklärt worden ist, nachdem ferner die von der Gesellschaft in Aussicht genommene Linie die Genehmigung der Großherzoglichen Regierung erhalten hat, nachdem endlich die Gesellfchaft den Antrag auf Einleitung des gesetzlichen Verfahrens behufs Erwerbung des erforderlichen Geländes dahier zugestellt hat, so wird in Anwendung des Gesetzes vom 27. Mai 1821 Folgendes verfügt: 1) Nach Anordnung des Großh. Administrativ-Justiz-Hofs wird auf Grund des Art. 5 des Gesetzes für alle von einer der Leiden Eisenbahnen berührten Gemarkungen eine gemeinschaftliche Commission in der Art gebildet, daß a. die sür die Gießen-Gelnhäuser Bahn bestellte Commission sür die Gemarkungen Lich, Kolnhaujen, Garbenteich, Hausen, Schiffenberg, und in der Gemarkung Gießen für die ganze Strecke von dem Eintritt der Eisenbahn in die Gemarkung bis zu dem Endpunkt in dem Bahnhos der Main-Weser-, beziehungsweise Köln-Gießener Bahn, also insbesondere auch sür diejenige Strecke, welche den beiden neu zu erbauenden Bahnen gemeinschastlich ist, in Thätigkeit zu treten hat, wogegen b. vie für die Gießen - Fuldaer Bahn gebildete Commission ihre Thätigkeit da beginnt, wo diese Bapn von der Gießen- Gelnhäuser Bahn sich abzweigt und bis an das Ende der Gemarkung Gießen, sowie in den Gemarkungen Rödgen, Großen- Buseck und Reiskirchen zu fungiren hat. 2) Die Commissionen bestehen aus folgenden Personen: a. für die Gießen-Gelnhäuser Bahn: Herr Kreis ässe ssor Kekuld als Vertreter des Kreisamts (Vorsitzender), „ B au rath Holzapfel als unbetheiligter Kunstverständiger, „ Wilhelm Keller aus Gießen, „ Jacob Walbott V. aus Garbenteich, „ Karl Volp aus Lich; 4) 5) Die und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, b. die Commission für die Gießen-Fuldaer Bahn Freitag den 13. November, zu den unter a. angegebene« Stunden. Die Verhandlungen wegen der für die Abtretung zu leistenden Entschädigungen werden demnächst an Ort und Stelle geführt werden; der dazu anzuberaumende Termin wird demnächst allen Grundeigenthumern bekannt gemacht werden. n . Grostb. Bürgermeistereien der betheiligten Gemeinden werden beauftragt, Vorstehendes in den Gemeinden am Mittwoch den 28. l. M. ortsüblich bekannt machen zu lassen, auch jeden betheiligten Eigenthümer speciell von dieser Bekanntmachung Kenntniß zu geben. Die Verzeichnisse der Grundeigenthümer werden zu diesem Behufe den Großh. Bürgermeistereien zugestellt werden. Gießen, den 24. October 1868. Großherzogliches Kreisamt Gießen. p vr. Goldman n. b. für die Gießen-Fuldaer Bahn: Herr Kreisasfefsor Gros als Vertreter des Kreisamts (Vorsitzender), „ Bauaccesfist Wießel als unbetheiligter Kunstverständiger, „ Andreas Weidig aus Gießen, „ Kaspar Engelhardt aus Rödgen, Heinrich Schmidt III. aus Großen-Bufeck. Pen Fall daß ein Eigenthümer von dem ihm nach Art. 3 des Gesetzes zustehenven Rechte Gebrauch machen und demgemäß verlangen sollte, daß zu der Entscheidung über eine ihn betreffende Frage ein Mitglied aus einer benachbarten, mit ihrer Gemarkung nicht betbeiliaten Gemeinde in die Commission berufen werden soll, wird als Ersatzmann: , in der Commission für die Gießen-Gelnhäuser Bahn der Großh. Bürgermeister Horn zu Steinbach, und in der Commission für die Gießen-Fuldaer Bahn der Großh. Bürgermeister Lang zu Wieseck ernanM.^ Elches der ordentlichen Mitglieder der Commission in einem solchen Fall auszuscheiden hat, steht uns, beziehungsweise unserem Vertreter in der Commission zu. , ... Die Pläne welche der Abtretungsverhandlung zu Grunde zu legen sind, und tn welchen die abzutretenden Gelandestucke und deren Eigenthümer speciell verzeichnet sind/ liegen auf dem B ürg erm eisterei-Büreau zu Gießen in der Zeit von Donnerstag den 29. October bis einschließlich Mittwoch den 11. November offen, wo sie von jedem Betheiligten von Morgens 8 bis Mittag 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr eingesehen werden können. Um die Einwendungen der Eigenthümer, welche gegen die Nothwendigkeit der Abtretung des betreffenden Grundstücks vorqebracht werden (Art. 3 und Art. 8 des Gesetzes), oder welche bestreiten, daß der Zweck, wofür die Abtretung verlangt wird, ein wohlthätiger öffentlicher sei (Art. 9 des Ges.), entgegenzunehmen, versammeln sich die Commissionen auf dem Rathbaus zu Gießen an folgenden Tagen: a. die Commission für die Gießen-Gelnhäuser Bahn Donnerstag den 12. November, Vormittags von 9 bis 12 Uhr Gießen, am 27. Bctober 1868. Drtrrffknd: Die Organisation der Rentämter in der Provinz Oberhessen. Das e n Gießen, am 26. Dctobcr 1868. Betreffend: Die Organisation der Rentämter in der Provinz Oberhessen. c. M Feilgebotenes und getheilten Waggon-Ladungen und Steinlieferung, Pflaster arbeit, Spenglerarbeit, im Einzelnen empfiehlt Oberhessische Eisenbahnen Section Gießen. 7824) Nachdem nach vorgängiger Sachuntersuchung die Ueberschuldung des Wirths Heinrich Lesch zu Grotzseelheim indicirt erscheint, so werden sämmtliche Gläubiger desselben zur Anmeldung ihrer Forderungen, zur Wahl eines Massecurators und eines Gläubigerausschusses, zur Instruction des letzteren, sowie zum Güteversuch Zwecks Abwendung des förmlichen Concurses, auf den 24. k. Mts., Morgens 9 Uhr, Contumacirzeit, in das hiesige Gerichtslocal unter dem Rechtsnachtheil vorgeladen, daß die nicht erscheinenden Gläubiger bezüglich eines Nachlaß- und Stundungsvertrags als dem Beschluß der Mehrheit der erschienenen Gläubiger beitrctend angesehen werden. Kirchhain, am 21. October 1868. Königliches Amtsgericht. Israel. vdt. Bezzenberger. Versteigerungen. 7822) .Die Heuchelheimer Mühle nebst Güterstücken des Christian Mandler, wie solche in den Nummern 97 und 105 dieses Blattes näher beschrieben sind, sollen, da die Versteigerung am 8. October l. I. nicht genehmigt worden ist, Mittwoch den 28. October l- I-, Nachmittags 2 Uhr, auf dahiesigem Räthhause nochmals versteigert werden. Bemerkt wird, daß, wenn ein annehmbares Gebot erfolgt, der Zuschlag sofort ertheilt werden wird. Heuchelheim, den 22. October 1868. Großherzogliches Ortsgericht Heuchelheim. Jung. Großen-Buseck, am 24. October 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Buseck. I. A.: L. Hahn, Bezirksbauaufseher. 7836) Sämmtliche Lieferanten werden hiermit aufgefordert, die Rechnungen spätestens in der letzten Woche des Monats, während dessen die resp. Bestellungen effec- tuirt wurden, auf dem Sectionsbüreau einzureichen. Gießen, den 26. October 1868. Der Sections-Jngenieur: H. Lipp old. Oberhessische Eisenbahnen. Section Gießen. * 7835) Ich mache hiermit bekannt, daß Herr Ortsgerichtsmann C- Weidig die Auszahlung der von den Feldgeschwornen der Gemarkung Gießen s. Z- taxirten Entschädigungsbeträge für den durch die Projec- tirung verursachten Erndteschaden übernommen hat. Gießen, den 26. October 1868. Der Sections-Jngenieur: H. Lipp o ld. B e ka ii n t m a ch u n g. Die Reinig u n g der S ch o r n ft e i n e betreffend. Um entstandene Zweifel tu beseitigen, werden folgende für die Stadt Gießen erlassene Vorschriften wiederholt bekannt gemacht: . 1) Die Kamine wo beständig gefeuert wird, müssen alle Viertel-Jahre wenigstens einmal gefegt werden; wo aber nur Stemkohlen gebrannt werden, ' sind sie jährlich fünfmale zu reinigen, und zwar dreimale im Winter (October, December und Februar) und zweimale im Sommer (Atm und August). ' ' Es Weht sich von selbst, daß die Kamine, welche (Behufs Stubenheizung re.) nur im Winter benutzt^werden nn Sommer nichtzu egen md^ 2) Die Kamine solcher Gewerbsleute aber, welche zum Betrieb ihres Gewerbes starke Feuerung nothig Haben, wie Backer, Bierbrauer, Branntweinbrenner, Seifen, fieber, Häfner, Schlosser, Schmiede, Gastwirthe und Garköche, hinsichtlich ihrer Küchenschornsteine und dergleichen, sollen alle vier oder sechs Wochen gefegt werden, wenn nach der Größe des Gewerbes derselben eine öftere Reinigung der Schornsteine als die gewöhnliche, nothrg ist. , , Hnr«. tt m.,6 . 31 -crje engen s g Russischen Kamine sind in den für die gewöhnlichen Kaimne vorgeschriebenen Terminen von dein dann sich anhaufenden flockigen Ruße 3) mit eüwr Bür'stc und'Kugel zu reinigen. Der sich darin anhäufende Glanzruß. dagegen „kann durch Au sb renn.en weggeschafft werden. Dieses gefchieht jedes Jahr wenigstens einmal; sogleich nach dem Ansbrennen muß das Kamin mrt Bürste und Kugel gereinigt werden. 4) Die Kaminfeger haben folgende Gebühren in Anspruch zu nehmen: a. für die Reinigung eines einstöckigen Schornsteins 4 fr., b. für jedes Stockwerk, durch welches der Schornstein weiter lauft, einen Kreuzer mehr. Bei gebrochenen Dächern wird der bewohnte Theil als Stockwerk, und ■ bei Küchcnschornsteinen wird das Lvtockwerk, in welchem die Küche beffndlich ist, als besonderer Stock berechnet, für die Reinigung der russischen Schornsteine mittelst Bürste und Kugel werden die oben bemerkten Gebühren, und für das Ausbrennen und Reinigen derselben das Doppelte bezahlt, . . . .... ..... d. das zum Anzünden der Röhren beim Ausbrennen erforderliche Brennmaterial haben die Hauseigenthumer zu stellen. Besondere Trinkgelder für die Gesellen und Neujahrsgeschenke dürfen nicht gefordert werden. Nach dem oben Bemerkten ist also für die Reinigung zu zahlen: wenn der Schornstein ein Stockwerk hoch ist 4 fr-, wenn er zwei Stockwerke hoch ist 5 fr-, wenn er drei Stockwerke hoch ist 6 fr. und au die Groß!)ermöglichen Bürgermeistereien des RentamtsüeMs. An dem ersten Samstag jeden Monats fällt der Zahltag des Rentamts zu Gießen aus, indem an diesem .rage in Grünberg ein solcher abgehalten werden wird. Wir ersuchen Sie, dieses im Interesse Ihrer Gemeindeangehörigcn zur öffentlichen Kenntniß bringen zu lassen. L y n ck e r. an sie Großherzoglichen Bürgermeistereien Ettingshausen, Hattenrod, Lieh, Münster, Nieder-Bessingen und Ober-Bessingen. Die Neber,veisnng der Einnahmen aus den Gemarkungen der Großh. Oberförsterei Lich zur hiesigen Rentamtskasse ist erfolgt und es können nunmehr sämmtliche Do- manialgefälle Forst- und Feldstrafen ans den betreffenden Gemarkungen an den gewöhnlichen Zahltagen Dienstag und Samstag anher bezahlt werden. Zugleich bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß zur Erleichterung der Zahluiigspflichtigen ein monatlicher Zahltag nach höherer Verfügung zu Grunberg abgehalten werden soll. Wir haben diesen Zahltag für die Folge auf den ersten Samstag jeden Monats bestimmt und der nächste wird also den <■ November m dem seitherigen Buieau- locale in Grünberg abgehalten werden. Wir ersuchen Sie dieses dreimal öffentlich bekannt machen zu lassen. L y n ck e r- wenn er vier Stockwerke hoch ist 7 fr. . • ■ e. Für das Ausbrennen und Reinigen der russischen Schornsteine das Doppelte dieses Fegerlohns. iS ÄTUMÄttt». ™ -"-»'M d,„. B.r- - ““ - » * ia d- W*» , Verl x^iiuvii j.üvq. m 7 u v 9^ 0 P C V H „ -- 7 „ , 30 „ 82 " 28 Oefen unb Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Feucrungs- und Küchengcräthschaften, Stein- nnd Braunkohlen, in ganzen empfiehlt sein reich assortirtes Lager von Lampen und Lampentheilen aller Art, Brenner von Stob wasser L C o m p. in Berlin; ferner neueste Jupiter-Nmid- brcnner, bis jetzt das Vorzüglichste und ... Vollkommenste dieser Art. Preiscourante " (7796)1 unb Musterzeichnungen franco gegen franco I. G- D. Bapst. szu Diensten. (7842) Die Vergebung von Arbeit bet der Stadt Gießen. 7806) Mittwoch den 28.Octobcrl868, Vormittags 9 Uhr, oll auf bem hiesigen Rathhause das Schlagen von 2 Cubik - Klaftern Steine, veranschlagt zu 54 st. an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen, den 23. October 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen I. V. d. B.: Felsing, Ir Beigeordneter- Arbeitsverfteigenmg. 7824) Freitag den 30. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Kirchhof zu Großen-Buseck nachverzeichnete Arbeiten öffentlich an die Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden, als: Erdarbeit, veranschlagt zu 92 fl. — fr. Vorzügliche Cigarren, ä 1 fr. pr. Stück, empfiehlt L. Fr. Handwerk, (7802)___________________Neustadt._______ 7808) Extra große Flanell-Hemden, Gesundheits-Jacken, welche im Waschen nicht eingehcn, sowie Kragen in allen Sorten, empfiehlt H. Rübsamen. 7828) Regenmäntel, Regenschirme u. Gummischuhe empfiehlt Friedr. Kuhne. 7831) Circa 12 Wagen voll Mist sind zu verkaufen- Das Nähere bei der Expedition dieses Blattes. ____________________________ Jonköpings Patent. SicherheitsMdyöLzer ohne Schwefel und Phosphor. 7820) Obige von dem König!. Polizei- Präsidium in Berlin dem Publikum zur Benutzung empfohlenen Zündhölzer zeichnen sich vor jedem andern Fabrikate dadurch aus, daß sie in keiner Weise feuergefährlich und giftig sind. Dieselben entzünden sich nur an der besonders präpa- rirten Seitenfläche der Schachteln, in denen sie verpackt sind. 300 Schachteln a 3 Thlr. 22'/- Sgr. incl. Verpackung gegen Nachnahme oder Einsendung des Betrages bei Ertheilung der Ordre (größere Partieen entsprechend billiger) empfehlen Hannover. Vortisch & Schilling. Georg Hochgesand in Mainz, En-gros-Lager Petroleum-Lampen und Glas- maaren, Besondere Bekanntmachungen. Edictalladung. 7816) Nachdem Großherzogliches Hofgericht den förmlichen Concursprozeß gegen den Schirmfabrikanten G- W- Frank dahier erkannt hat, werden alle Diejenigen, ■ welche Ansprüche an denselben zu bilden haben, aufgefordert, solche im Termin Montag den 9. November l- I-, Vormittags 9 Uhr, bei Meidung stillschweigenden Ausschlusses von der Masse vorzubringen und zu begründen, auch etwaige Vorzugsrechte geltend zu machen. Gleichzeitig soll im Termine die Güte versucht und eventuell ein Glänbigeransschnß und Massecurator erwählt und deren Befugnisse fcstgestellt werden. Die nicht pershüiich erscheinenden oder durch nicht gehörig Bevollmächtigte vertretenen Gläubiger werden den Beschlüssen der Mehrheit, der erscheinenden Gläubiger beitretend angesehen. Als provisorischer Massecurator ist Max- Pilger dahier bestellt worden und sind Zahlungen für G- W. Frank nur an jenen gültig zu Kisten. Gießen, den 2. October 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Dr. v. Schmalkalden, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. Eichelnerndte im Gießener Stadtwalde. 7807) In den Waldungen der Stadt Gießen können Eicheln unter folgenden Bedingungen gelesen werden: 1) Jeder Sammler muß einen Erlaub- nißschein auf der hiesigen Bürgermeisterei erwirken und dafür 1 fl. zur Stadtkasse im Voraus entrichten. 2) Das Sammeln darf nur in den, von den betreffenden Forstwarten bezeichneten Waldorten geschehen. 3) Uebertretnngen hiergegen werden mit der, im Gesetz vorgesehenen Strafe geahndet- Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden um Bekanntmachung dieses Ausschreibens ersucht. Gießen, den 23. October 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 23* d. B.. Felsing, lr. Beigeordneter- 7812) Neue Bickel und 36 fr., bei 7801) Ein Märchen austrnl. Nymphen (Papageien) nebst Käfig zu verkaufen. — Bei wem? sagt die Exped. d- Bltts. 7818) Malztreber ist zu haben bei __Georg Heß & Comp. 7326) Ein guter zwei- und einthüriger Schrank, sowie eine Commode, werden billig abgegeben. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. Vermiet Hungen. 7834) Ein freundliches Familienlogis mit allen Bequemlichkeiten ist zu vermiethen und baldigst zu beziehen Neustadt Lit. D. Nr. 201.__ 7837) Eine Familienwohnung, bestehend aus 2 Stuben mit Cabinet, Kammer, Küche und Keller, ist zu vermiethen bei _________P. Herbert, Neuenweg. 7838) Ein freundliches Zimmer, mit oder ohne Möbel, ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen; auf Verlangen kann noch etwas dazu gegeben werden. Wo? sagt die Exped. d- Bltts. __ 7814) Zwei, auf Verlangen auch drei ineinandergehende, gut möblirte Parterre- Zimmer werden an einen oder auch zwei Herren vermiethet und können sofort bezogen werden. S- Katzenstein, ___im Russischen Hof. 7809) In Lit. E. Nr. 3 auf dem Seltersberg ist ein möblirtes Zimmer mit Cabinet im unteren Stock zu vermiethen.__ 7810) In den Neuenbäuen B. 81 ist ein möblirtes Zimmer mit Cabinet zu ver- miethen.___ 7811) Jin Clubgebäude ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 7833) Ein möblirtes Zimmer nebst Cabinet, sowie ein einzelnes möblirtes Zimmer, sind zu vermiethen bei Frau Hofgerichtsrath Dörr, Neuenbäuen.__________________ 7830) Ein gut möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Wilhelm Ockel. 7791) Ein freundliches Familienlogis ist wegen Wegzugs an eine stille Familie zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei ___________Canzlist Brauburgcr- 7805) Auf der neuen Anlage Lit. E. Nr. 37 sind zwei möblirte Zimmer zu ver- miethen.__________ 7803) Eine gut möblirte Stube mit Cabinet ist sofort zu vermiethen in der Eng el- apotheke am Kirchenplatz. 7825) Ein gut möblirtes Zimmer, sowie ein großes geräumiges ebener Erde, ohne Möbel, sind zu vermiethen bei L. Becker, Asterweg. 7829) Ein sehr freundliches, möblirtes Zimmer ist zu vermiethen und sogleich zt. beziehen. Gg- Plank, in der Neustadu 7792) Ein möblirtes, freundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vermiethen. Wo? sagt die Exped. dieses Blattes. Hacken mit Stiel, pr. Stück August Schlefstnger. 7797) . Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen. (Neue Anlage.) Näheres bei der Exped. d. Bltts. 7798) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei I. Hassenteufel's Wittwe, Neustadt. 7793), Eine freundliche Familienwohnung und ein Zimmer mit Cabinet sind zu vermiethen bei H. Sauer, Neuenweg Lit. B- Nr- 194. 7794) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei _________________Gärtner Schau m- 7795) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit. A. Nr. 227. Vermischte Anzeigen. 7840) Ein Mädchen, welches Kleidermachen und flicken kann, hat noch einige Tage in der Woche frei und wünscht dieselben besetzt zu haben. Zu erfragen bei Georg Petri, Neuenweg 117. 7839) Ein Mädchen sucht namentlich im Weißzeugnähen, in oder außerhalb ihrer Wohnung, weitere Beschäftigung. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 7841) Ein Gymnasiast ober Realschüler kann Kost und Logis erhalten. Näheres zu erfragen bei der Erped. b. Bltts. IGAGAK! Clavierstimmung und Clavier- nntmidjt. 7704) Zum Stimmen von Elavieren und zur Ertheilung von Unterricht im Clavicr- spiel (nach Belieben in den Wohnungen der Schüler oder seiner eigenen Wohnung) empfiehlt sich M- Heil, Musiker im II, Infanterie-Regiment, wohnhaft bei Herrn Advoc. Coll ermann vor dem Wallthor. 7832) Ein Junge kann bei einem hiesigen Schreinermeister sogleich in die Lehre treten. Das Nähere bei der Exped- d. Bltts. ReälcrM - BmckgeschM. 7815) Capital suchende, sowie Solche, welche Kapitalien auf sichere Hypotheken auszuleihen wünschen, wollen sich wenden an Darmstadt, Rheinstraße 26. W. Rauling, Hofger.-Advocat. 7819) Ein Mädchen gesetzten Alters, welches die Küche und Hausarbeit gründlich versteht, auch mit Kindern gut umzugehen weiß, wird zu Weihnachten auf'sLand gesucht- Von wem? sagt die Exped- d- Bltts. 7827) Unterzeichnete, erst kürzlich von Mainz hier angekommen, empfiehlt sich den geehrten Damen als Putzmacherin, und verspricht prompte und billigste Bedienung. Auch übernimmt sie feine Wäsche zum Bügeln. Antonie Clar, wohnhaft bei Herrn Photograph Sauer, Neuenweg. 7823) Ein lediger, braver Bursche, der mit Pferden umzugehen weiß, und auch Ackerbau versteht, wird gesucht. Anmeldungen nimmt die Exped. d. Bltts. entgegen. 7799) In eine hiesige Wirthschaft wird ein braver Junge vom Lande gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. Akademischer Gesangverein 7813) Den verehrlichen Mitgliedern des Vereins hiermit zur Nachricht, daß die Proben Montag den 2. November l- I. abends 7 Uhr in der kleinen Aula wieder ihren Anfang nehmen. Anmeldungen zur Aufnahme in den Verein bittet man in den ersten 14 Tagen bei Herrn Musikdirektor Wickler gefälligst persönlich abgeben zu wollen. Der Vorstand. 7843) Das Photographische Atelier von H N a h u nunmehr auf's Zweckmäßigste und den Anforderungen der Zeit entsprechend eingerichtet, mit nach neuester französischer Construction gebautem Glashaus, empfiehlt sich in Por- traits und Gruppen von jeder Größe, mit und ohne Retouche, fein ausgemalt mit einfachem Portraitgruud, sowie mit landschaftlicher Ausstaffirung u. s. w. Reproduktionen von Oelbildern, Kupferstichen u. s. w- werden, nach Wunsch vergrößert oder verkleinert, mit der größten Feinheit ausgeführt- Für größtmöglichste Dauerhaftigkeit der Bilder wird garautirt. Lrbrnsversichrrungg- u. Ersparoihliank in Stuttgart. Neuer Zugang im laufenden Jahre 2,242 Anträge mit fl- 4,386,762. darunter im Monat September 341 „ „ „ 612,300. Versicherungsstand 13,831 Policen mit............ 25,173,000. Bankfonds über..................' - „ 4,000,000. Jahres - Einnahme an Prämien und Zinsen über ....... „ 1,000,000. Der Gewinn kommt bei billigster Verwaltung ausschließlich den Versicherten selbst wieder zu gut; in diesem und in den nächsten 4 Jahren kommen zur Vertheilung...........„ 757,000. Nach Abzug der bisher vertheilteu Durchschnitts-Dividende von 40 Procent stellt sich die jährliche Prämie von fl. 1OOO. — Versicherungssumme im Alter von 25, 30, 35, 40, 45, 50, 55, 60 Jahren (7817) I. Faatz in Friedberg, I. Wagner in Altenstadt. auf Gulden 13'/z. 15. 16>/g- 19’/3. 23'/-- 29. . 37. 48. — „ Daß die bei der Lebensversicherung allein maßgebenden Gesichtspunkte der höchsten Sicherheit und billigsten Prämien vom Publikum immer mehr gewürdigt werden, beweist das zunehmende Vertrauen, welches die Stuttgarter Bank biefcn beiden Vorzügen verdankt. Statuten, Prospecte rc. uneutgeldlich bei den Agenten: Emil Gail in Gießen, G. Rah«, Lehrer in Kirchgöns, 7800) Dienstag ben 27. October: 1. Abonnements-Concert, ausgeführt vom ganzen Musikcorps bes Großh. Hess. II. Jnf.-Regiments, im Saale des Herrn Ph Leib. Die geehrten Abonnenten werden ersucht, ihre Karten mitzubringen. Entree für Nichtaüomientcn 18 kr. » Person. — Anfang 7 Uhr. Für diejenigen Herren, welche unsere Subscriptions-Liste nicht erreichen konnte, liegt eine Liste nebst den nöthigen Karten in oben angegebenem Locale offen. Programme an der Jt'affe.. (Um vielseitigen Wünschen entgegenzukommen, wird gebeten, in der ersten Ab- theilung nicht zu rauchen.) Für die Deutsche« in Lima ist eingegangen r Von Hrn. Pfarrer Sander 30 kr. Politische M n rs d s eh K u. Darmstadt, 22. Oct. Das Großh. Ober- cousistorium hat in der That unter Anwesenheit der drei Superintendenten des Landes beschlossen, Mitprediger Mitzenius aus dem Kirchendienste zu ent- lassen und hat der Oberschuldirection anheimgegeben, ob es zweckmäßig, denselben als Lehrer an der höheren Töchterschule zu belassen. Von Seiten des Comitö'S, welches die Anlegenhcit des Hrn. Mitze- nius in die Hand genommen, wird dieser Tage eine Versammlung cinbtrufen und die Agitation für endliche Gewährung der bereits 1848 zugesagten Prcß- byterial - und Synodalverfassung in ganz Hessen lebhaft betrieben werden. — Den hiesigen Volks- schullehrern ist in gerechter Anerkennung des Bedürfnisses eine Erhöhung ihrer Besoldung von dem Gemeinderathe heute bewilligt worden. Die niedrigste Besoldung beläuft sich hiernach auf 700 fl. und die der älteren Lehrer auf 1000 fl. Der Stadtkassc wird hiernach ein Mehraufwand von 3000 fl. verursacht. Der Wunsch für Erhöhung der Lehrerbe- solvungen war aber so allgemein ausgesprochen worden, baß ohnerachtet der zur Zeit sehr bedeutenden Eommunalausgaben die Besoldungs-Erhöhung nicht länger zu verschieben war. Darmstadt, 24. Oct. Sc. Mas. der König dvn Preußen traf gestern Nachmittag um 3 Uhr mittelst Extrazuges aus Baden hier ein und wurde von Sr. König!. Hoh. dem Großherzog und Ihren Großherzogl. Hoheiten den Prinzen Ludwig, Heinrich und Wilhelm am Bahnhose empfangen. Se. König!. Hoh. der Großherzvg war in der Uniform des 17. preußischen Infanterieregiments, Sc. Großh. Hoh. Prinz Ludwig in preußischer Generalsuniform, Ihre Großh. Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilheln in der Uniform ihrer Regimenter, ersterer als preußischer Husarenoberst, letzterer als Major des vierten Hessischen Infanterie-Regiments, erschienen. —- Des Abends 6 Uhr setzte Seine Majestät der König, von Sr. Königl. Hoh. dem Großhcrzog und den genannten Prinzen an den Bahnhof begleitet, die Reise nach Berlin fort. München, 22. Oct. Die jüngsten Landwehr- Controlversammlungen sind mit einziger Ausnahme von Kirchheimbolanden in der Pfalz, wo Exccsse vorfielen, deren Urheber bereits die strafende Hand des Gesetzes erreicht hat, überall in Ordnung vor sich gegangen. Auch zu Abendsberg war die Con- trol-Vcrsammlung schon vorüber, als cs zu den rohen Excessen und Raufereien der Bursche unter sich kam, denen die Landwehr älterer Ordnung durch ihr Einschreiten im Zusammenwirken mit der Gensd'armcrie ein Ende machte. Ebenso günstig lauten die bis jetzt bereits cingelaufcnen Berichte über das im Gange befindliche Ersatzgeschäft, welches zum erstenmal nach den Bestimmungen des neuen Wehrgesetzes unter Mitwirkung bürgerlicher Beisitzer durchgrführt wird. An den meisten Orten ist man damit in einem bis anderthalb Tagen zu Ende gekommen. Wien, 21. Oct. Fürst Ladislaus Czartoryski ist gestern in der Königsbueg zu Ofen von Franz Joseph I. in besonderer Audienz empfangen worden — Ungarische Blätter sprechen sich neuerdings für die Wiederherstellung Polens aus. — Obgleich vor einigen Tagen die officiöse „Wiener Abendpost" jede Besprechung der nordschleswig'schen Frage zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Botschafter in Abrede stellte, so spricht sich doch heute ein hervorragendes Organ des Hrn. v. Beust dahin aus, die preußische Regierung werde wohlthun, wenn sie die gesetzlichen Vertreter von ganz Schleswig einbe- rufe, um die Ansicht derselben über die Ausführung oes Prager Friedens in Bezug auf die nördlichen Districte des Landes zu vernehmen. — Der spanische Gesandte Graf de la Torre-Ayllon trifft Vorbereitungen zur Abreise von Wien. Als sein Nachfolger ist von der provisorischen Regierung in Madrid der Schriftsteller Escosura designirt. Prag, 21 Oct. ' Die Energie, welche der Feld- marschaU-Lieutenant Frhr. v. Koller sofort bei seinem Amtsantritte entwickelte, blieb nicht ohne Erfolg. „Prag ist ruhig" und auch aus der Provinz laufen sehr friedliche Berichte ein. Das Volk läßt sich eben, wie wir schon einmal betont, nicht so leicht haranguiren, wie die Prager Fabrikarbeiter, und selbst hier ist die Masse nicht mehr so willenlos und bereit, den Führern blindlings zu folgen. Es ist daher kaum wahrscheinlich, daß die für den nächsten Sonntag angekündigten Volksversammlungen zu Ncupaka und andern Orten abgehalten werden. Dagegen dürften der zweitnächste Sonntag, 1. Novbr., sowie der darauf folgende Samstag, 7. Novbr., nicht ohne Demonstration vorübergehen. Namentlich wird für die allgemeine Traucrfeier des 7. Novbr. als Jahrestag der Schlacht am weißen Berge lebhaft agieirt. Indessen scheint für Böhmens Hauptstadt die schöne Sagezeit wiedcrgekommen zu sein. Die abenteuerlichsten Gerüchte durchschwirren die Luft und die wunderlichsten Märchen werden erzählt. Paris, 22. Oct. Der „Constitutionnel" bringt, wie bereits gemeldet, folgende Note: „Mehrere Blätter beschäftigen sich mit einer Karte eines Theils von Europa, welche auf Befehl des Kaisers veröffentlicht worden wäre, und bemühen sich, ans derselben allerlei Schlüffe zu ziehen, von denen die einen gewagter sind, als die anderen. Es genügt, einen Blick auf diese Publikation zu werfen, um zu erkennen, daß ihr jeder Gedanke an eine politische Umwandlung des Contincnts fern liegt. Die in Rede stehende Karte gibt die strategische Stellung Frankreich zu seinen Nachbarn in drei verschiedenen Epochen, und sie beweist, daß diese Stellung sich seit den letzten Umwandlungen, welche jenseits des Rheins stattge- Junten haben, nicht verschlimmert hat, ja, raß Frankreich sogar gegenwärtig mehr Freiheit sowohl in seinen Bewegungen wie in seinen Allianzen hat." Paris, 23. Oct. Die „Epoque" erhält aufrecht, daß die Herzogin von Madrid, die Gemahlin des Den Carlos, von der Kaiserin empfangen worden wäre. Dasselbe Blatt will wissen, daß Hr. v. Paiva, welcher gestern nach Lissabon abgercist ist, der Ucberbringcr eines eigenhändigen Schreibens des Kaisers an Don Ferdinand wäre. Die „Liderts" ihrerseits vernimmt, daß carlistische Emissäre sich zu dem General Cabrera nach London begeben hätten, um denselben aufzufordern, sich an die Spitze der legitimistischen Bewegung in Spanien zu stellen. Man kennt noch nicht die Antwort des greisen Generals. — Fürst Metternich trifft heute Abend auf seinem hiesigen Posten ein, einige Tage früher, als ursprünglich in seiner Absicht zu liegen schien, und dieser Umstand genügt, um sofort eine Reihe von Gerüchten über eine besondere und dringende Negociativn, welche zwischen den Cabinetteu von Wien und Paris eröffnet werden solle, zu entfesseln. Die Einen wählten sich Nordschleswig, die Anderen den Orient zum Boden ihrer Conjecturen. Paris, 24. Oct. Die angekündigte Karte von Europa wird am nächsten Dienstag erscheinen. Sie wird Frankreich und Deutschland in drei Epochen seit 1815 darstellen. Als erste Epoche zeigt die Karte die Allianz der übrigen Nationen Europa's mit einer Bevölkerung von 71 Millionen, gegen Frankreich gerichtet. Die zweite Epoche stellt die Unabhängigkeit Belgiens und Vie Situation Hollands nach 1832 dar. In der dritten Epoche, nach 1866, erscheint Frankreich noch viel vortheilhafter, als in der zweiten , situirt. Die Karte zeigt die Vergrößerung Frankreichs durch drei Departements, Oesterreichs Verlust der italienischen Provinzen und dessen Austritt aus dem deutschen Bund, welcher in drei Theilc zerfällt. Lissabon, 24. Oct. Nachdem der König Fernando von Portugal die spanische Krone mit aller Bestimmtheit abgelehnt hat, sind Unterhandlungen angeknüpst worden mit dem Herzog von Montpensier, der, wie man sagt, die ihm angetragene Krone on- nehmen wird. Vermischtes. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 22. Oct.) Anwesend: 'der erste Beigeordnete Felsing, die Gemeinderathsmitglieder Ricker, Petri, Berg, Löber, Hanstein, Rosenberg, Bücking, Möhl, Sitbereisen, Nagel und Keller. Durch schriftliche Abstimmung wurden 1) Carl Hardt von hier mit 10 und 2) Adolf Wenzel von hier mit 8 Stimmen zu Feldschützcn erwählt. Der Gemeinderath stimmt dem Vorschläge Großh. Oberförsterei Gießen vom 8. Oct. d. I. in Betreff der Cuitur- accorde für 1869 unter dem Vorbehalte bei, daß die vorjährigen Lohnsätze nicht überschritten werden. Der Gcmeinderath kann sich für das beantragte Verbot des Befahrens des BachqäßchcnS nicht aussprechen, da die Anwohner das verbriefte Recht besitzen, das fragliche Gäßchen mit bespanntem Fuhrwerk zu befahren. Die für das Reinigen der Stadtkirche, deren innere Restauration nunmehr beendigt ist, von dem Kirchendiener beanspruchte Vergütung von 10 fl. wurde zu Lasten der Ueber- schüffe bewilligt. DaS Gesuch deS Friedrich Bücking um Gestattung der Anlage eines gepflasterten UebergangS zu seinem Hause in der neuen Anlage soll unter der Bedingung bewilligt werden, daß die beabsichtigte Anlage unter Anleitung des städtischen Bauaufsehers ausgesührt wird. Die zu 1249 fl. 43 fr. 2 Pf. für Herstellung des WehrS an der oberen Stadtmühle berechneten Kosten sollen zu Lasten der Neberschüffe auf die Stadtkasse angewiesen werden, insoweit sie nicht schon früher decretirt und bezahlt worden sind. Der Kostenvoranschlag für das Reinigen der Kirchenfenster im Betrage von 40 fl. wurde gutgeheißen und soll alsbaid zur Ausführung kommen, die Vergebung aber nur an Sachverständige erfolgen. Der Antrag Großh. Oberförsterei Gießen vom 22. Oct. d. I. in Betreff der Eichelerndte in dem Gießener Stadtwald wurde genehmigt. Der Gemeinderath gibt seine Zustimmung zur Genehmigung der Holzversteigerung vom 20. Juli d. I. Der Gemeinderath gibt zu dem Vorschlag Großh. Obcr- försterei Gießen vom 22. Oct. d. I. in Betreff der praktischen Versehung des Forstschutzes in der Forstwartei Stolzenmorgen seine Zustimmung. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. Feuilleton. Die Verschwörer von 1799. Roman von de Saint-Felix. (Fortsetzung.) — Genug, mein Fräulein, sagte der bestürzte Offizier, Ihr ganzer er- habener Opfermuth war nichts als ein kalt berechneter Verrath. Sie werden hingehen, um mich zu verderben . . . Handeln Sie nach Ihrem Auftrage. Ihr Name wird von der Geschichte mit jenem Beiworte der Schmach genannt werden, das ihm zukowmt. — Dank, mein Herr, versetzte Coraly, Sie beurtheilen mich ganz recht. Ich habe Sie nur so oftmals gerettet, um Sie desto grausamer zu tödten. Eine berechtigte Eifersucht lenkt meine Handlungen, denn ich liebe Sie und Sie lieben eine Andere! — Habe ich Ihnen je eine heuchlerische Liebe geschworen, mein Fräulein? Welchen Meineid werfen Sie mir vor? —- Was ich Ihnen vorwerfe, mein Herr, antwortete Coraly, ist eine grausame Verhehlung Ihrer wahren Gesinnung. Es sind Lobsprüche, die Sie mir in übertriebener Weise ertheilten und die ich mit leichtgläubiger Thorheit als den wahren Ausdruck des Herzens und der Begeisterung hinnahm. Was ich Ihnen vorwerfe, ist ein herrlicher Traum, der mir durch Sie gekommen ist und ven Sie nicht vom ersten Tage an vernichteten. Was ich Ihnen verwerfe, ist, daß Sie mich in meinem thörichten, extravaganten, aber freien und für mich ausreichenden Leben mit seinem falschen Schimmer von Glück gestört haben. Was ich Ihnen vorwerfe, ist, daß Sie gegen Coraly nicht offenherzig wie vor dem Feinde gewesen sind, daß Sie mir nicht mit dem ersten Schlage den Tod gaben, um mir einen langen Todeskampf zu ersparen. Thränen strömten über Die Wangen ihres schönen Gesichtes. Der Hauptmann sah, die Gefahren vergessend, von welchen er eben zuvor gesprochen hatte, nichts mehr, als Viesen herben und erhabenen Schmerz. Er warf sich dem schönen Kinde zu Füßen, er bat um Verzeihung, und schwor, daß ihm nichts auf der Welt mehr Bewunderung einflöße, als das edle und anbetungswürdige Herz des Weibes, deren Hände und Kniee er umklammerte. Es war eine rührende Scene; es fehlte nichts als die Liebe, um das arme Mädchen zu trösten. Coraly konnte sich über die Gesinnungen Reymond's nicht länger täuschen. Sie war sicherlich seine theuerste Freundin; aber Helene de Rencey war seine angebetete Geliebte. — Mein Herr, sagte sie endlich, stehen Sie auf! Ich bin nicht die Heilige, welche Sie lieben. Enden wir dies beständige Trauerspiel eines verwundeten Herzens, das nicht entsagen kann, ohne sich zu empören! Wohlan, ich werde mit Kraft gegen mein Schicksal kämpfen, und in dieser Hinsicht werden Sie mich vielleicht über Fräulein de Rencey stellen, wie traurig auch deren Leben bis jetzt mag gewesen fein. Ohne Zweifel ist sie durch schweres Leiden geprüft worden, aber sie wird leidenschaftlich von dem geliebt, welchem sie ihre Liebe geschenkt hat. Glückliches Unglück, das ihr zu Theil ward ! — Brechen wir hiervon ab und fangen wir unser Leben noch einmal mit frischem Muthe an, indem wir uns wie die Araber sagen:, „Es stand in den Sternen geschrieben!" Ich reise nach Paris. Wohin gehen Sie denn? Denn Sie sind in voller Uniform und ich habe Ihr Pferd Sultan im Hofe gesehen. — Mein Fräulein, antwortete der Hauptmann, ich begebe mich offen vor aller Welt nach der Provence, um dort vor der Ankunft Bonaparte's Mißlangen. — Und die Polizei, welche nach Ihnen sucht, Hauptmann? — Sie wird keinen Versuch machen, mich zu verhaften. — Welchen Paß, welche Sicherheit haben Sie denn seit einigen Tagen erhalten? — Einen Auftrag vom Direktorium selbst an den General en Chef, welcher von Egypten zurückkehrt. — Bietet ihm das Direktorium die Herrschaft an? fragte Coraly. — Nein, mein Fräulein. Das Direktorium wünscht, höchst vorsichtig, den jungen General über die wahre Lage des Landes und seiner selbst aufzuklären, falls er mit dem Hintergedanken an eine Diktatur nach Frankreich zurückkehrt. Das Direktorium hat gemeint, daß ich besser als irgend Einer Bonaparte treulich eine Depesche zustellen und ihm offen und klar die augenblickliche Situation auseinandersetzen könne. Bonaparte soll die Wahrheit erfahren. Er wird dann handeln, wie sein Genie es ihm eingiebt. Ist mein Antrag erfüllt, so bin ick wieder Der Offizier meines Generals- — Und Sie werden feinem Sterne folgen, Hauptmann? — Ohne nach rückwärts zu sehen, Fräulein. — Glücklicher Cäsar, der solch' ein G-sühl der Ergebenheit einzuflößen vermag! seufzte Coraly. Glückliche Helene! fügte sie leiser hinzu. Die Stunde der Trennung war herangeruckt. Es war ein schmerzlicher Augenblick. Coraly hatte alle Vorbereitungen zur Abreise getroffen- Es blieb ihr nur übrig, ihrem geliebtem Hauptmann ein letztes Lebewohl zu sagen- Eilte Brieftasche hervorlangend, nahm sie aus derselben ein Blatt Papier und reichte es Reymond. — Hier, mein Herr, sagte sie, ist jener schreckliche Brief, welcher Alles verderben und folglich Sie mit in's Verderben ziehen sollte. Rehmen Sie ihn zu« rück und seien Sie überzeugt, daß Fräulein de Reneey selbst das Geheimniß nicht besser als ich bewahrt hätte. Nehmen Sie gleichzeitig von mir die Lehre an, niemals Ihre Hand in die Hand eines Andern, wer es auch sein möge, zu legen, bevor Sie sich durch einen Blick in fein Antlitz der Redlichkeit feiner Gesinnung versichert haben Der Herr Abbs Sieyös soll nie von Der Gefahr Kenntniß erhalten, welcher ein Schiebfenster ihn ausgesetzt hat. Das war eine taktvolle und rührende Handlung. Wir machen nicht den Versuch, den Abschied Cvraly's und des Hauptmannes Reymond zu schildern: denn nicht der Pinsel eines Malers, nur eine Feder steht uns zu Gebot. Wir begnügen uns, zu erzählen, daß alle Gäste des Hotels zum Fasanen ihm ihr herzliches Bedauern ausprachen, als er in die Postkutsche stieg. Jeder wollte ihn zum letzten Mal sehen, ihm noch einmal die Hand herzlich drücken. Der Wirth war untröstlich. Mehrere junge Damen wischten eine heimliche Thräne aus ihren Augen; gewiegte Politiker beehrten ihn mit dem Namen eines „großen Bürgers". Als es zehn Uhr schlug, rasselte die Postkutsche mit angezündeten Laternen in scharfem Trabe nach der Richtung der Loirebrücke, d. h. nach Paris zu, von dannen. Zn derselben Stunde schwang sich im Hofe des Wirthshauses ein Dragoner« offizier auf fein Pferd. Jenes herrliche arabische Roß, das wir kennen, folgst der langen Hauptstraße von Tours in entgegengesetzter Richtung. Als es das südliche Thor der Stadt passirt hatte, verschwand es und flog mit seinem Reiter dahin, als kehre es in die Wüste zurück. (Fortsetzung folgt.) Redaction, Druck und Verlaa der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr- Pietsch) in Giessen.