Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 51 fr. Gießener Anzeiger. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Archen. Rr. 1«»- Donnerstag den 2K. November 1868. Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, am 23. November 1868. Betreffend: Das Landgestüt, nunmehr die Untersuchung der als Beschäler zu benutzenden Hengste von Privatpersonen für 1869. Das Groß herzogliche Kreissmt Gießen r ’ an 8757) Unterzeichneter empfiehlt zur ge->8771) naten Abnahme: Thee, grünen und 786 der 8787) Freitag den 27. November 1868, < „ » CYY) A V/"r OTtß Q 1 36 40 16 Feilgebotenes. 13 Anker Der 8767) 48. — (8770) Garantie abgezogen. 2173/4 97 7906 24 8797) Bei der begonnenen Saison in Seefischen treffen jetzt wieder regelmäßig wöchentlich dreimal Schellfische, Cabliaue, Bückinge zum Rohessen und Backen ein. Steinbutten, Turbots und Sols, sowie Rheinsalm, wolle man 8 Tage vorher bei uns ausgeben. I. A. Busch Söhne. Schreinerarbeit, veranschl. zu das Setzen eines Ofens, ver- 8795) Ein gut erhaltenes Pianino ist wegen Mangels an Raum zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Franco-Bestellungen werden gegen Post- nachnahme besorgt. Auf Verlangen werden die Uhren für Rthlr. 1. 5 Sgr. unter Versteigerungen. Arbeiten und Lieferungen bei Stadt Gießen. 8789) Am Mittwoch, den 2. December, Nachmittags 1 Uhr, soll im Gasthause zum Solmser Hof zu Hungen die Anfuhr von circa 120 Fuder Eisensteine von der Grube „Vereinigte Wilhelm" bei Hungen nach dem Bahnhofe Gießen an den Wenigstfordernden übertragen werden. — Unternehmungslustige werden zu diesem Termine eingeladen. 8753) Ein lebender Uhu, schönes Exemplar, ist zu verkaufen bei Theodor Kallenbach, 1 in Eisenach. Gießen, den 13. November 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vo gt. „ „ Stockholz, Wellen „ Reisholz, Nadel-Stämme mit 491 Cubikfuß, 7. — 15. — 16. — Lahrer Hinkende Bote für 18 6 9 (Aufl. ca. % Million) ist erschienen und bei allen Buchhändlern und Buchbindern vorräthig. Haupt-Agentur: Bindernagel 8» Schimpfs, in Friedberg. Hu haben in Gießen bei Wilhelm Klee. Jmportirten Aiianas - Kimi Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 8788) Montag den 30. November d. I., 1 von Vormittags 9 Uhr an, oll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Katharinenhütte' und Waldshute, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert wer- anschlagt zu ■■•••• die Lieferung eines Ofens, ver- seres Biireaus in der Zeughaus - Caserne. befindliche Kästchen mit der nöthigen Auf-: schuft versiegelt einzulegen. Die Bedingungen liegen des Nachmittags von 2 bis 4 Uhr auf dem Büreau der, unterzeichneten Verwaltung zur Einsicht offen. Gießen, den 21. November 1868. Großherzogliche Garnisonverwaltung. Kalbfleisch, Oberquartiermeister. Die Verleihung einer Pfründe aus der Plock'fchen Stiftung. 8768) Es dient zur Kenntniß hiesiger Unterstützungsbedürftiger, daß aus obiger Stiftung eine Pfründe von 4 fl. monatlich zu vergeben ist; daß aber nur hier ge- borne Bewerber berücksichtigt werden kon- nen. — Anmeldungen werden bis zum 2. December 1868 entgegengenommen. Gießen, den 23. November 1868. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Petrolemnlieftrnnq für die Garnisonverwaltung Gießen. 8756) Samstag den 28. d. Mts-, Vormittags um 10 Uhr, wird die Lieferung des Petroleums für das erste Halbjahr 1869 auf dem Soumissionswege in Accord gegeben. Die Lieferungsbedingungen liegen des Nachmittags von 2 bis 4 Uhr auf dem Bureau der unterzeichneten Verwaltung zur Einsicht offen. Gießen, den 21. November 1868- Großherzogliche Garnisonverwaltung. Kalbfleisch, Oberquartiermeister. Genfer Uhren Lager bei C. Zitzmann, Uhrmacher, in Frankfurt a. M-: Cylinder , Silber, von Rthlr- 4. 20 an, „ mit Goldrand, „ „ 6. — „ empfiehlt in Original - Quart - Flaschen ä 1 Rthlr.Julius Wallach. Steine, von - • • Gold. Damen-Uhren von „ Herren- „ „ „ Rcmou- toirS von .... anschlagt zu . • • • • • desgl- eines gußeisernen Pum- pentrogs, veranschlagt zu ■ 15 , . auf dem Rathhause dahier an denWemgst- fordernden vergeben werden. Gießen, den 23. November 1868. Grotzherzogliche Bürgermeisterei Gießen Vogt. 8743) Eine freundliche Familicnwohnung und ein Zimmer mit Cabinet find zu ver- iniethen bei H. Sauer, Neuenweg. Lit. B. Nr. 194. neigten Abnahme. „ - schwarzen, in verschiedenen Sorten, achte neapolitanische M acaroni (Nudeln), italienische Haselnüsse, Tafelrosinen, Ta- selmandeln, Brünellen, Citronat, Oran- aeat, Tafeloblaten, Gelatin, roth und weiß, Vanille und C Kronen, pr. Stuck 3, 4 und 6 fr- Ed- Lind, Hofconditor, Kirchenplatz Nr. 280. den, als: Stecken Nadel-Prügelholz, Vergebung der Lieferung und Reparatur der Casernereqnisiten 2c. 8755) Samstag den 28. November d. I-, Vormittags um 10 Uhr, sollen die in dem Zeitraum von 1869 bis 1871 für die Garnisonverwaltung Gießen erforderlich werdenden Lieferungen und Re- varaturarbciten, als : Schreiner-, Schlößer-, Spengler-, Sattler-, Schmied- Wagner-, Küfer -, Bürstenbinder -, Mcsserichmled-, Weißbinder-, Glaser-, Dreher-, Zimmermanns-, Pflästerer-, Maurer-, Korbmacher-, Buchbinder-, Dachdecker-Arbeiten, Reinigung der Oefen und Kochherde, Lieferung von Reiser- 'c. Besen, Schreibmaterialien, Eisen- waarcn, Unterhaltung des Bettwerks, Ausleerung der Kehrichts- und der Senkgruben durch Soumission in Accord gegeben werden. Die Soumissioncn sind bis zu der oben angegebenen Zeit in das am Eingang un- 8786) Die internationale Jury der letzten Weltausstellung zu Paris ertheilt der Firma ^Iranz Stoffwerck in Köln, für ausgezeHnete /o SQualität ihrer Dampf-Chocoladen, die Preis- A Medaille. Von den gangbarsten Sorten dieser rühmlichst bekannten Maare befinden sich Lager “ in Glessen bei I. A. Busch Söhne und r ■ Louis Frohnhfiuser; in Allendorf a. <1. Bala, bei Apoth. C. L. Harb; in Butzbach bei Val. Wießler; in k'eie.l- hei-g bei Wilhelm Fcrtsch; in Hungen bei A. Buch; in Inch bei H. C. Bingmann. 377 „ „ „ 786 „ Die Zusammenkunft ist auf der Licher Chaussee an der 1. Schneiße- Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. April 1869 gestattet. Die Großh- Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Besondere Bekanntmachungen. 8778) Im Firmen-Register des unterzeichneten Gerichts wurde heute folgender Eintrag im Firmen-Register vollzogen: Das seither von Ludwig Bücking zu Gießen, als alleiniger Inhaber der Firma: „Gebrüder Bücking" daselbst, betriebene Cigarren- u. Tabacks-Fabrikatlons-Ge,chaft ist von heute an an Kaufmann Adolph Carl Theodor Noll daselbst durch Kauf übergegangen, welcher solches unter der seitherigen Firma: „Gebrüder Buckmg fortbetreibt und den Georg Emil Mohl von hier zu feinem Procuristen für dieses Geschäft' bestellt hat. , In Folge hiervon wurde der Name des genannten Ludwig Bücking im Firmen- Register gelöscht- Gießen, den 23. November 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen- M u hl- die Größtmöglichen Bürgermeistereien des Kreises. Kais SlmwIÄme Ihrer Gemeinden im Jahr 1869 ihnen g-HS-R- Hengste zum Bedecke» n»n Sinten benutzen und der deßfnlls amuorbnenden Unckrsuchung nruerwerfe» wdiien, s° woben Sie NN« die» bis ,um >«. Derember 1. I. »njehwnr -nzergen. 3 In Verhinderung des Kreisraths: K e k u l e, Kreis-Assessor. Vermiethungsn. 8796) Ein kleine Familienwohnung ist zu vermiethen und alsbald beziehbar Kreuz Lit. B- Nr. 204.______________________________ 8772) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen und kann auch die Kost dazu ab- gegeben werden Löwengaffe Nr. 106.______ 8759) Ein Zimmer mit Cabinet, mit oder ohne Möbel, ist zu vermiethen. Bei wem ? sagt die Exped. d. Blits.___________ 8764) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped- d- Bl- 8774) In Lit- B- Nr. 77 in den Neuen- bäuen ist ein Logis zu vermiethen und kann im Februar k- I. bezogen werden-________ 8749) Ein schönes möblirtes Zimmer mit Cabinet ist sogleich zu vermiethen bei G- Schmen l, am Brand- 8769) ZvNköpMg's P atent-K cherh eitsMdh öher, ohne Schwefel und Phosphor, empfiehlt__________Julius Wallach- 8784) Ich bin Willens meinen kleinen Garten, in der Nähe des Zinßer'schen Gartens, auf mehrere Jahre zu verpachten Näheres bei Herrn Kaufmann Busch am Kreuz. G. Pfeil Wittwe. 8793) Vorzügliches Mainzer Actienbier bei ________Karl Ludwig. Oefen und Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, .... ,. Feuerungs-und Küchengcrathschaften, Stein- und Braunkohlen, in ganzen und getbeilten Waggon-Ladungen und im Einzelnen (8/rb) empfiehlt_____________I- G. T>. Bapst. 8780) Gummischuhe (beste Qualität), in großer Auswahl, billigst bei Georg Lüdeking. 8783) Neue und gebrauchte ein- und zweispännige Chaisen, sowie auch Korb- Wägelchen, stehen zu verkaufen bei Ph. Walther, Lindenplatz. 8763) Von den beliebten ächten Nürnberger Lebkuchen aus der Fabrik des König!. Bayerischen Hoflieferanten, Herrn H. Häberlein in Nürnberg, ist die erste Sendung eingetroffen und empfiehlt A- Noll, im Stern. 8744) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei _______Gartner Schaum. 8745) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit. A. Nr. 227. _________________ 8742) Ein möblirtes, freundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vcrnfiethen. Wo? sagt die Erped. dieses Blattes. __________ des Morgens 9 Uhr, sollen folgende Arbeiten bezw. Lieferungen: Schreinerarbeit, veranschl. zu 8 fl. 40 fr. mit 11 15 Tage — Stunden. Am 28- November von December Letzterer mit bedeutend ermäßigten Fahrpreisen. Wegen Auskünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden. 1 443/^-45 1864r 1047b Bremen Hamburg Bremen Havre Hamburg Bremen Telegraphischer Schiffs bericht, mitgetheilt von Chr. Wallenfels, jun. 8773) Vom 1. Januar 1869 an ist mein an der Hardt gelegener Felsenkeller anderweit zu verleihen. Louis Busch Wittwe. Cafe Kuhlmann. 8798) Heute, Donnerstag den 26. November, Abends halb 8 Uhr: MustK- und Gesang- Soiree 8791) Der Rechenunterricht in der Handwerkerschule wird Dienstag den 1. December l. I. beginnen. Diejenigen, welche an demselben Theil nehmen wollen, haben sich vorher bei Herrn Banaccessisten Wießell anzumelden. Der Vorstand des Localgewcrbvereins. des Komikers und Mimikers Simmedinger, genannt „der Schwab", Gesellschaft, bestehend au? 4 Damen und 2 Herren. Teutonia Berlin Bellona Westphalia Arago Angekommen in New-Bork: DaS Hamburger Postdampfschiff Hammonta, Reisedauer 12 Tage — Stunden, „ Bremer „ Hermann, „ 11 „ — „ Deutsche Lebens - Versicherungs - Gesellschast in Lübeck, errichtet 182 8. 8781) Die Vertretung obiger Gesellschaft für Gießen und Umgebung haben wir dem Herrn Carl Pietsch I. in Gießen übertragen. Die Dircction. Bezugnehmend auf obige Annonce, erkläre ich mich zum Abschluß von LebenS- Versicherungen jederzeit bereit, werde auch jede gewünschte Auskunft, Statute, Pro- specte und Antragsformulare bereitwilligst und kostenfrei crtheilen. Gießen, im November 1868. Carl Pietsch I. (Dienstmänner - Institut.) 1. 1. 1. 2. 30. nach New-Dork. „ New-OrlcanS. „ Baltimore. „ New-Dark- Angckommen in Baltimore: DaS Bremer Postdampftchiff Baltimore, Reisedauer Engi. Souver. 11 Buss. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Pr. Gass. Sch. Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. Piltolen . . „ doppelte Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankenst. Abgehend : Dampfer Main 9 9 9 9 5 9 j Geschäfts-Eröffnung, k < <| . 8761) Einem verehrlichen Publikum die ergebene An- < 1 zeige, daß ich unterm Heutigen in dem von mir erkauften, |x früher Loos'schen Hause am Marktplatz eine Metzgerei er- Ix richtet habe. Für gute Maare und reelle Bedienung werde ich stets Sorge tragen und bitte daher um geneigten Zuspruch. Ix < K Gießen, deu 17. November 1868. |x < Z Eduard Plank. sk. Danser Handschuh - Wascherei. 8751) Einem verehrlichen Publikum die ergebene Anzeige, daß ich nach der neuesten chemischen Methode eine Glace- und Militär - Handschuh - Wascherei dahier errichtet habe. Dieselbe zeichnet sich vor allen anderen bis jetzt bekannten Methoden dadurch aus, daß der gewaschene Handschuh nicht nur seine ursprüngliche Couleur und Wetchhett wieder erhält, sondern auch nicht im Geringsten an 'ferner Werte verliert und vollständig geruchlos ist. Muster liegen zur gefälligen Ansicht offen. Bestellungen werden prompt ausgeführt. Georg Petri, am Neuenweg 57%-58% 49-51 50-52 54-56 37-39 27-28 54-58 50-52 27-28 „Wenn je ein Bolkskalender seine Aufgabe, zu unterhalten, zu bilden, zu nützen 2c., erfüllt, so ist es dieser (Lahrer Hinkender Bote), der in einer Auflage von 500,000 Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet ist." (Didaskalia.) (8766) MSS' Im Verlage von Moritz Schauenburg (I. H. Geiger) in Lahr ist erschienen und in allen Buchhandlungen vorräthig : Abbildung des Luther-Denkmals in Worms. Nach dem Entwürfe von Ernst Rietfchel. Enthüllungsfeier am 24., 25. und 26. Juni. Prachtvoller Tondruck von 15,21" rhein. Herausgegeben zu Gunsten des Luther-Denkmals vom Luther-Denkmal-Vereins. Um die Anschaffung dieses herrlichen Kunstblattes als würdigste Zimmerzierde allen protestantischen Familien zu ermöglichen, wurde der frühere Preis von 1/2 Thlr. auf 6 Sgr. = 21 kr. (auf 6 ein Frei-Exemplar.) herabgesetzt. Ferner: Luther und seine Kampfgenossen. Eine Beleuchtung des Luther-Denkmals in Worms im Lichte unserer Zeit für Jedermann von Kirchcnrath, Professor Dr. Daniel Schenkel. 8°, broschirt (112 Seiten.) Preis: 6 Sgr. = 21 kr. (Auf 6 ein Frei-Exemplar.) Markig, in großen Linien, wie dem Erz des gewaltigen Denkmals abgelauscht, treten die einzelnen Gestalten vor den Leser hin, Schenkel hat in trefflicher populärer Darstellung den geistigen Kern wie die leibliche Erscheinung jeder einzelnen Figur zur Anschauung zu bringen gewußt. Das Luther- Denkmal nennt er mit Recht „ein laut und weithin mahnendes Zeichen: Halte gute Wache, du deutsches Volk, ob deiner Geistes- und Gewissensfreiheit!" Nicht ein Zeichen, ein Mahnruf in demselben Sinne ist diese Schrift, die nicht nur »für Jedermann" geschrieben ist, sondern auch »von Jedermann" gelesen, gewürdigt und beherzigt werden sollte. Lutherbild uud Lutherbuch zusammen 36 kr. — 10 Sgr. Literarisches. Soeben kommt ein neues Merkchen zur Ausgabe unter dem Titel: Hessische Volksdichtung in Sagen und Mährchen, Schwänken und Schnurren. Gesammelt von Philipp Hoffmeister. Marburg. Oscar Ehrhardt's Univ.-Buchhandlung. (Preis geheftet 15 Sgr., cartonirt 17% Sgr.) Dasselbe empfiehlt sich zunächst zwar den Einwohnern der beiden Hessen, jedoch auch in weiteren Kreisen allen Denen, die an dem Leben des hessischen bzw. deutschen Volkes, seinen Sitten und Anschauungen Interesse nehmen. Wie die Mährchen von Musäus, der Gebrüder Grimm u. A-, meistens aus dem Munde des Volkes gesammelt, bieten sie neben einigem Bekannten so viel Neues und Ursprüngliches, daß sie von Niemandem unbefriedigt aus der Hand gelegt werden. Dem hübsch ausgestatteten Bändchen ist das vom Herausgeber nach der Natur gezeichnete Portrait »der alten Till'schen, hessischen Mährchenerzählerin zu Elgershausen" beigefügt, welche aus dem Gedächtnisse, wie aus einem fast unerschöpflich scheinenden Borne, die meisten Beiträge dazu geliefert hat. Prioritäten. 5O/o östr. F. St. E. B. 296V, Ludwigsh.-Bexbach 160 Maxbahn 106 ’/r Bayer. Ostbahn 127 Hess. Ludwigsbahn 1397/s 3% östr. Stsb.-Prior. 54% 3% östr. s. Lombard. 44% 3% Livorneser 31 Vs Toscaner 47 V, Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 96 5% Elisabeth-Prior. 743/) do. II. Emiss. 73 Vs Anlehenslooite. Kurh. 40 Thlr. Loose 57 Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. 170 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 42 V« 4% bayr. Präm. Anl. 103*/, 4% badische Loose 993/j Badische fl. 35 Loose 54% 1858r Prioritätsloose 145 1860r Loose 77-/« | Auswanderer k nach Amerika befördert wöchentlich vermittelst Dampf- JjBEjL. und Segelschiffen bei reeller und billigster Bedienung I. M. Schulhof, am Rathhaus. Durch langjährigen Aufenthalt in Amerika bin ich im Stande, jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. 8747) Bei hiesigem Gesellschafts-Verein ist die Stelle des dritten Gesellschafts-Dieners zu besetzen. Derselbe wird in der Regel nur Nachmittags als Marqueur an den Billards beschäftigt, hat aber auch sonstige Dienstleistungen, wie namentlich Gänge, Austragen von Karten und bergt- zu besorgen, bei Festen aufzuwarten und bei Vertretung anderer Gesellschafts-Diener auszuhelfen. Bewerber wollen sich innerhalb acht Tagen anmelden.________________ 8790) Im Caf« Kuhlmann wurde am Sonntag Abend ein Hut vertauscht. Man bittet, denselben in diesem Locale zu- rückzugeben.___________________ 8782) Wer gießt spanischen Unterricht? Gefällige Adressen an die Exped. d. Bltts. 8785) Für ein Dienstmädchen, welches bürgerlich kochen kann und in allen häuslichen Arbeiten wohl bewandert ist, wird zu Weihnachten eine Stelle offen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Börsennachrichten. 24. November 1868. ! Preuss. 4%% Obi. 95% Frankf. 3%% Obi. 80 Nass. 4V,% Obi. 943/4 Kurh. 40/0 Obi. 88 Vz Hess. 4% Obi. b. Roths. 90V, „ 31/2% do. do. 85-/s Bayer. 5<>/0 Obi. 1021/4 s 41/2% 1jährige 963/s „ 4%% Vsjährige 963/8 Würtemb. 41/2"/» Öbl. 94% Baden 41/2% Obi. 0. E.L. 94% Oestr. 5% b. R. 60% „ 5% National 53% , 5% Metall. Obi. 48 „ M. steuerf. 52% Amer. 6% 1882r Bds. 79% » 6% 1885r 78% Aetlen. Frankf. Bank 124 Oester. Bank 828 „ Creditact. 234 Darmst. Bankact. 261 Vr Wechsel. Amsterd. k. S. 100 Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 97 Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 104% London k. 8. 119 Lyon k. S. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 101 Vz Dis conto 3 %% G. Geldsorten, 8776) Ein schwarzseidener Schleier ist gefunden worden. Derselbe kann gegen Erstattung der Jusertiousgebühren bei Frau Seibel in der Neustadt von dem Eigen- thümer in Empfang genommen werden. 8765) Für ein Auswanderer - Geschäft welches für Bremen, Hamburg, Liverpool und Antwerpen concessioinrt ist, wird in Gießen ein thätiger Agent gesucht. Wenn gewünscht, wird die gesetzliche Caution geliefert. — Offerten unter B. und H. besorgt die Exped. d. Bltts._______________________ A. Guldan, Regimentsschneider, empfiehlt sich den hiesigen Herren einjährig Freiwilligen in Anfertigung aller militärischen Kleidungsstücke, unter Zusicherung solider ^und billiger Bedienung. Die Schneiderwerkstätte desselben befindet sich in der Caserne-(8754) 8760) Ein Mädchen, welches die Küche und Hausarbeit gründlich versteht, wird zu Weihnachten gesucht. Louis Hornberger (am Wallthor). Vermischte Anzeigen. 8777) Dem hiesigen historischen Local- Verein gehörten 10 Bände „Gieser und Darmstädter gemeinnützige Anzeigen", aus den Jahren ungefähr 1760 ff., welche nach dem Ableben des Großh. Hofgerichtsraths v- Krug wahrscheinlich mit dessen Büchern veräußere worden sind. Da es nun scheint, ba6 sich diese Bücher noch in den Händen hiesiger Bürger befinden, für welche sie den Werth nicht haben, wie für den Verein, so werden die Besitzer derselben gebeten, es dem Vereins-Diener Adolph Schmidt anzuzcigcn und den Preis, für welchen sie solche dem Verein überlassen wollen, zu be- stimmen.___________________Dr Kraft- 8794) Auf Gold- und Silber- waaren und sonstige Werthgegenstände macht Vorschüsse K. Grünebaum, Sonnenstraße. 8762) Im Gossi'schen Hause auf der Schoor ist ein Logis, bestehend in 6 Zimmern , Küche, Keller, Holzstall rc., sowohl im Ganzen als auch getrennt, und weiter eine Scheuer, welche sich auch zu einem Lagerraum eignet, durch den unterzeichneten Generalbevollmächsigtell des Herrn Wilh. Gossi zu vermiethen unW'fofort zu beziehen. Nähere Auskunft ettheilt Herr Carl Engel im Hause. E n g e l b a ch II., _______________________Hofgerichtsadvokat. 8779) Mein Laden ist mit Familienlogis auf Ostern an einen soliden Geschäftsmann zu vermiethen. Auch kann das Geschäft unter sehr billigen Bedingungen dazu abgegeben werden. Georg Lüdeking. Darmstädter Haus. 8799) Morgen, Freitag den 27. Novem- 6er, Abends halb 8 Uhr: Musik- und Gesang- Soir«e des Komikers und Mimikers Simmedinger, genannt „der Schwab". Die Gesellschaft besteht aus 4 Damen und ________________2 Herren.________________ 8792) 650 fl. und 400 fl. sind gegen genügende Sicherheit zu 5 pCt. Zinsen aus der Üniversitätskasse auszuleihen. Empfehlung. 8750) Auf bevorstehende Weihnachten empfehle ich mich einem geehrten Publikum im Anfertigen aller Arten Galanteriearbeiten, sowie feiner Einbände, unter Zusicherung reeller Bedienung. I. C. Clar, Buchbinder und Galanteriearbeiter, __Sonnenstraße._____________ 8748,) In einen hiesigen Gasthof wird ein Mädchen zu sofortigem Eintritt in die Küche gesucht- Näheres bei der Exped. dieses Blattes.________________________________ 8775) Aus sogleich oder Weihnachten wird ein braves Dienstmädchen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Feuil Unschuldig und doch nicht schuldlos. Lriminalnovelle von Julie Düngern- «Fortsetzung-) „Es ist mir unerklärlich," stammelte die fassungslose Gattin, wie das so furchtbar schnell geschehen sein kann. Vor einer halben Stunde noch, wie ich ihm sein Pulver gab, war er beinahe heiter und behauptete, heute Abend auf- zustehen —" Der Doktor unterbrach stürmisch die Rednerin — „Pulver, was für Pulver ?" fragte er, „ich habe nichts dergleichen verschrieben —“ „Ein Schlafpulver, das Waller von Zeit zu Zeit einnahm, wenn er an Schlaflosigkeit litt," war die Antwort, „er hatte es in seinem Sekretär." — Der Arzt fuhr entsetzt in die Hohe: „War das Pulver in diesem Papier?" wollte er fragen, doch er konnte seine Rede nicht vollenden, eine kalte Hand umklammerte die seine, und als er sich umwanvte, sah er in Flora's todtenblasses Antlitz. „Wollen Sie meine Mutter tobten ?" frug sie in einem Tone, dem auch ein kälteres Herz nicht widerstanden haben würde. Dann fuhr sie leiser fort: „Freund, mein Freund darf ich wohl sagen, bedenken Sie, was Sie zu thun im Begriffe sind; der schwache, angegriffene Zustand meiner Mutter könnte einer solchen entsetzlichen Eröffnung nicht widerstehen; fragen Sie vorsichtig — irgend ein unglückseliger Zufall — —" Der Arzt hatte sich gefaßt, er trat zu Frau Waller, welche noch hülflos schluchzend auf dem Sopha lag — die alte Dienerin war hinausgegangen, um die Hausgenossen von dem Ereignisse zu benachrichtigen — „Also Herr Waller war noch munter, als Sie ihm das Pulver gaben, und was sagte er dabei?" „Er sagte, in der kleinen Schublade rechts ist ein Pulver, welches mir gut thun wird. Es lagen mehrere darin, ich holte das eine, welches oben lag und fragte: ist es das? Er schüttelte ärgerlich den Kopf, nannte mich ungeschickt und befahl mir, sie alle zu bringen. Es waren ungefähr fünf bis sechs, ich reichte sie ihm auf der flachen Hand zur Auswahl; einige waren beschrieben. Waller ergriff eines davon und hieß mich die anderen wieder hinlegen; dann wollte ich ihm Wasser in ein Glas schütten, um es einzunehmen, er gestattete es nicht und öffnete das Papier selbst. Da ich sah, daß seine Hand zitterte — so schwach war er — so wollte ich es ihm nochmals abnehmen, er aber leerte es in den Wein, welcher im Glase auf seinem Nachttische stand, unv trank es schnell aus, dann sagte er: „Jetzt will ich schlafen, schick' mir das Aenneli und ruhe auch." Ich befolgte seinen Wunsch, und da die Alte gerade herein kam, ging ich sogleich auf mein Zimmer." — Draußen ließen sich wehklagende Stimmen vernehmen. — Der Arzt fand nur noch so viel Zeit, in unbefangenem Tone zu .fragen: „Und das Papier, wo haben Sie es hingethan?" Frau Waller sah ihn erstaunt an; als sie aber in seine ruhigen, fast gleichgültigen Züge sah, entgegnete sie eben so: „Es muß noch im Bette stecken, ich sah, wie mein Mann es mit der Hand zusammenorückte und unter das Kissen verbarg." — Eben ging die Thüre auf und die Diener sowie ein entfernter Verwandter der Kaufherrn, welcher im Comptoir angestellt war, traten ein, und Flora fand einen Moment, wo sie zu dem Doktor treten unv ihm unbemerkt zuflüstern konnte: „Ich vergehe vor Todesangst unv muß Sie einen Augenblick ungestört sprechen, kommen Sic in ein Paar Minuten mir nach, ich gehe in Papa's Arbeitszimmer." „Es ist jetzt nicht möglich," entgegnete der Doktor eben so leise; „lassen Sie den ersten Sturm vorübergehen unv behalten >sie um Gotteswillen Ihre Fassung; vas Leben Ihrer Mutter steht auf dem Spiele; später, in der Nacht wirv sich wohl eine Gelegenheit finden, wo ich mit Ihnen reden kann, vorher aber muß ich selbst über Manches noch Aufschluß erlangen!" Dann, nachdem der Doktor Frau Waller gebeten, das Todtenzimmer zu verlassen, was sie erst auf Flora's inständige Bitten that, kam er nochmals an's Bett, um mit dem jungen Berwanvten Rücksprache zu halten unv der Dienerschaft anzuweisen, was vor Allem zu thun sei. Er befahl, den Chirurgen, welcher oft im Hause war, rufen zu lassen. Freilich mußte zu diesem Zweck erst der Wagen angespannt unv nach Bern gesandt werden. Umsichtig leitete der Doktor alle bei dieser Lage vorkommenden traurigen Geschäfte ein, während Flora beschäftigt war, die Mutter zur Ruhe zu bringen. — So verging der größte Theil der Nacht. Außer der Hausfrau war Nie- mand fähig, in dieser Bestürzung und Schrecken zu Beite zu gehen, und es gelang Flora unv dem Arzte erst gegen Morgen, eine Viertelstunde ruhiger Besprechung zu finden. Die Mutter war endlich ein Bischen eingeschlummert, ihre Tochter hatte die alte treue Anna an das Bett beordert, war dann in des Vaters Arbeitszimmer gegangen und hatte den Doktor zu sich bitten lassen. Als der junge Mann eintrat, sah er Flora's Auge mit so angstvollem Ausdruck auf sich geheftet, daß er Sie vor Allem beschwor, ruhig zu bleiben und sich nicht noch mehr zu martern, als es schon dieser entsetzliche Fall mit sich brachte. „Jedenfalls darf Ihre Mutter nie erfahren, theure Flora, daß sie entweder au« Unachtsamkeit oder durch Ihres Vaters Willen das unschuldige Werkzeug seines Todes wurde; dieses Versprechen wollen wir uns gegenseitig feierlich geloben." Gerührt und ihrer Bewegung kaum mehr mächtig, legte das Mädchen ihre Hand in die seine. „Es wäre entsetzlich, wenn mein Vater sich auf diese Weise vom Leben befreit hätte," stammelte sie entsetzt, „und doch fällt es mir jetzt wie Schuppen von den Augen, wie oft er in den letzten Tagen im Zorne ober Unmuth einer ähnlichen That erwähnte; allein ich nahm es für einen Ausbruch feiner üblen Laune, wenn er vom Todtschießen sprach ober sich, wie er gestern noch that, im Besitze eines Mittels wünschte, welches ihn ohne Schmerzen aus ber Welt schaffen könnte." „Auch mir hat er öfters Aehnliches erwähnt," sagte der Arzt, „aber ba tr eine sehr aufbrausenbe Natur war unb wenig Energie besaß, legte ich keinen Werth darauf. Er sagte mir vor einigen Tagen noch, seine Geschäfte stünden schlecht, unb er sinne Tag unb Nacht, wie er sich verbessern könne. Doch da er in allen Klagen zu Uebertreibungen geneigt war, und der üble Stand seiner Angelegenheiten von Niemand geglaubt wurde, so hoffte ich, diese trüben Ge- danken würden mit der sich bessernden Gesundheit vorübergehen! Ach, ich werbe es mir nie verzeihen, so läßig gewesen zu fein I" — l e t o n. Flora rang in stummem Schmerz die Hände. „Wenn es nur nicht heraus kommt, Doktor, meine arme, arme Mutter würde sterben." — Dollus fuhr fort: „Wenn ich mir Alles überlege, so fand, wenn Ihre Mutter nicht in dein träumerischen, zerstreuten Zustand, worin sie sich oft befindet, die Pulver verwechselt hat, Ihr Vater nicht den Muth, selbst über seinen Tod zu entscheiden und überließ eS nach der fatalistischen Weise, die ihn be- herrschte, dem Zufall, welches Pulver ihre Mutter ihm bringen würde. Da sie mehrere brachte, griff er blindlings hinein und hat so das unselige erwählt." Ein leises Klopfen an der Thüre benachrichtigte die jungen Leute, daß man des Doktors bedürfe. Flora ergriff hülfesuchend seinen Arm. „Ich würde sterben, wenn die Gerichte davon erführen," stammelte sie, noch unter dem Drucke des furchtbaren Entsetzens. „So lange ich lebe, Flora, wird Niemand etwas davon erfahren," war des Doktors feste Entgegnung, dann öffnete er die Thüre und schritt rasch hinaus. — Den Chirurgen, welcher ihm bei der Sektion half, konnte der D oktor sehr leicht zu der Ansicht bekehren, daß ein schlagähnlicher Anfall Herrn Waller ge- tobtet habe. Zn biefem Bchufe nahm er auch nur eine Untersuchung des Gehirns vor, welches allerdings apoplektische Symptome zeigte, welche jede Strych- nin-Vergistnng mit sich führt, unb da auf Veranlassung bes Arztes auch ein schnelleres Begräbniß angeorbnet war, so wurde Waller am Morgen des zwei- ten Tages begraben und Dollus athmete erleichtert auf, als die ersten Schollen Erde Dumpf auf den Sarg fielen und ber Geistliche den Segen über das Grab des Selbstmörders gesprochen hatte! Gerade in diesem Momente überschritt eine Gerichtsperson die Schwelle der KirchhofSthure. Der Doktor erblickte sie zuerst und trotz der Unsicherheit der Vermuthung, indem die Erscheinung einer solchen ja den allergewöhnlichsten Grund haben konnte, überschlich eine tödtliche Furcht sein Herz; er erblaßte und vermochte nicht die Augen von dem Manne abzuweuden, welcher jetzt rascheren Saufe» sich der Gruppe am Grabe näherte unb schon auf Sprechweite ein bedeutsames „Halt" zurief. — Zwei Gerichtsdiener zeigten sich in ber Ferne — der Amtmann aber, Denn ein solcher war's, trat näher und befahl, den Sarg wieder herauszuholen, da sich in dem Nachlasse des Verstorbenen Etwas gefunden habe, was gegen so rasche Beerdigung spreche. Der Geistliche zögerte einen Moment, allein nachdem der Beamte ihm ein Wort in'S Ohr geflüstert hatte, gab er dem Todtengräber und den Arbeitern selbst den Befehl, den Sarg wieder heraus zu holen und nach Hause transportiren zu lassen- Allgemeine Bestürzung herrschte unter den Anwesenden. Dich war ein Fall, welcher seit Menschengedenken noch nicht vorgekommen war, unv die merkwürdigsten Conjunkturen wurden gebildet. Nur vor dem geistigen Auge veS Doktors stand die Gewißheit mit feurigen Lettern geschrieben, daß das Gericht den Sekretär des Verstorbenen geöffnet und noch mehrere Giftpulser gefunden habe! Einen kurzen Augenblick wankte ber geisteS- starke Mann vor ver Wucht der hereinbrechenden Ereignisse, dann aber kam die frühere ruhige Entschlossenheit wieder über ihn unb er schloß sich dem Zuge an, welcher die Leiche zurück nach Waller's Hause brachte! Der Gattin des Verstorbenen wurde glücklicherweise der erste Schrecken über diese gewaltsame Handlung des Gerichts erspart, denn sie lag in Fieberphauta- fielt darnieder; Flora aber, welche am Bette ber kranken Mutter gesessen hatte, war burch den jungen Verwanbten bes Hauses, welcher dem Zuge vorangeeilt war, bavon benachrichtigt und hatte im ersten furchtbaren Entsetzen über das unerwartete, geheimnißvoll drohende Ereigniß, welches die nächste Zukunft bringen konnte, momentan alle Fassungskraft verloren. Sie stürzte hinaus und nur als ihr der Doktor gegenüber stand und in wenigen leise geflüsterten Worten seine Befürchtungen mitiheilte und ihr begreiflich machte, wie viel auf dem Spiele stand, wenn sie die Herrschaft über sich selbst verlöre, gelang es ihr, sich zu fassen unv dem Untersuchungsrichter mit ruhigem Blicke entgegen zu treten. Oie arme Flora hatte furchtbare Tage zu verleben. Die Experten, aus zwei, Doktor Dollus nicht gut gesinnten Aerzten gewählt, hatten die Eingeweide des Verstorbenen untersucht und darin eine ziemlich große Portion Strychnin gefunden. In ihren Aussagen waren nun mehrere Punkte sehr gra- streut» für seine Umgebung in Den letzten Stunden, da ihrem Gutachten auch die Fragen vorgelegt wurden, ob ber Vergiftungsfall des Hrn. Waller zufällig, durch eigene ober fremde Schuld erfolgt fein könne. Freilich erkannte Jedermann, daß die Gerichtsärzte mit Beantwortung dieser Frage über die Sphäre ihrer Wissenschaft hinanSgehen mußten, da dieses Gebiet mehr der richterlichen Beurtheilnng zuftand. Aber dennoch konnten unb wollten sie es nicht ablehnen, und das Resultat ihrer Forschungen war Folgendes: „Nein, Herr Waller hat sich nicht selbst getobt«, in seinem Charakter ist kein erklärendes Motiv für solche Handlung zu finden; auch war sein Benehmen in den letzten Tagen nicht so, wie es einem Selbstmorde vorauszugehen pflegt." Auf die Einwendung eines Dritten, daß der Todte früher doch mehrmals vom Erschießen gesprochen habe, ward die Antwort, daß damit noch lange nicht dargethan sei, er habe sich selbst vergiftet. — „Das im Fache des Sekretärs noch aufgefundene Gift sei von fremder Hand hineingelegt worden, indem cs in eine Zeitung, welche das Datum des TodtestageS trage, eingewickelt fei!" Wirklich hatte Frau Waller, als sie ihrem Gatten damals das Pulver gereicht, mechanisch ein Stück der auf dem Tische liegenden Zeitung ergriffen, die übrigen hineingewickelt und wieder in den Sekretär gelegt. — Daß Doktor Dollus die Leiche nur örtlich (am Kopfe) und nur im Beisein eines untergeordneten Chirurgen fecirt unb mit ber Beerdigung geeilt habe, wurde auch als ein für den Arzt gravirender Fall angesehen. — Das End-Resultat aller dieser Forschungen war endlich folgendes: 1) War an eine zufällige Vergiftung nicht zu denken und zu einer Selbstvergiftung waren nicht zureichende Gründe da. 2) Können wir uns die bei dem Todesfälle angeblich vorgefundenen Symptome nur auf glaubwürdige Weise erklären, wenn wir eine Vergiftung durch fremde Hand annehmen. So nach Ehre und Gewissen. Folgen die Unterschriften. (Fortsetzung folgt.) a u < I l i 2 85 Redaction Druck und Verlag der Brübl'schen Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Gießen. la ei l g i a r u ge de Ei zei D tet 8- sti U C zr b Nl 2. vi fei I T Vermischtes. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 14. No v..) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Gemeinderathsmitglieder Berg, Felsing, Gail, Heß, Keller, Möhl, Petri, Ricker, Rosenberg, Wallenfels, Weidig I., Weidig II., Eilbereisen und Bücking. Der Gemeinderath beschließt auf die Verfügung Großh. Kreisamts vom 5. Nov. d. I-, das Angebot für die Erwerbung der Privatgrundstücke von Seiten der Stadt zum Bau der Oberhessischen Bahnen betreffend, zu antworten, daß die Gesammtheit der Mitglieder der Stadtvorstande« nicht in der Lage sei, der gestellten Anfordernng entsprechen zu können; der Gemeinderath habe daher «ui feiner Mitte eine Commis- sisn erwählt, bestehend aus den GemeinderathSmitglicdern Gail, Möhl, Wallenfels. Ä. Weidig und Conr. Weidig, welche vorbehaltlich der Zustimmung de« Gemeinderaths Uebereinkünfte mit den Grundeigenthümern za treffen haben. Vorsitzender der Commission ist Conrad Weidig. Dem I. K. Schmand soll auf sein Gesuch um Aufnahme eine« Capital« bei der Löber'schen Stiftung auf die vorgelegte Taxation von 2350 fl. hin ein Capitalvorschuß von 600 fl. gemacht werden. In der heutigen Sitzung, wo die 4 neu gewählten Mu- glieder eintraten, wurde der vom Großh. Bürgermeister gemachte Vorschlag, die Ausschüsse, wie sie biiher bestanden, bestehen zu lassen, dem Finanzausschuß da« Gemeinderathmit- glied Heß und dem Bauausschuß das Gemeinderathsmitglied Gail zuzutheilen, gutgeheißen. Ebenso wurden die Gemeinde- rathSmitglieder Weidig I. und Wallenfels für die Beleuch- tungs- rind FriedhofS-Commifsion bestimmt. Weiter wurde dem Wunsche de« Gemeinderathsmitglieds Silbereisen, ihn als Jnspcctor der Landspritze zu entbinden, weil er außerhalb der Stadt und zu entfernt wohne, entsproDarmstadt, 20. Nov. Wie dar „Mainzer Abendblatt" aus sicherer Quelle erfährt, ist auf Wunsch des Großherzogö jede weitere Untersuchung 1 gegen den Mitprediger MitzeniuS eingestellt und wird derselbe seine Stelle an der hiesigen höheren Töchterschule behalten, was auch dieser Tage von der Majorität der hiesigen Gemeinderaths beantragt wurde. Darmstadt, 23. Nov. Beim feierlichen Schluß des Landtags dankte Minister v. Dalwigk für die loyale und unabhängige Unterstützung der Ltändc. Durch den von ihm verlesenen Landtagsabschied wird die Erledigung mehrerer eingebrachten Gesetzes-Ent- würfe zugesagt. Mittwoch 11 Uhr findet die feierliche Eröffnung des 20. Landtags Statt. Darmstadt, 24. Nov. Aus einem Nachruf, den die Main-Zeitung" dem am 19. d. in Rheda gestorbenen Abgeordneten O. Lüning widmet, ersehen wir, daß Letzterer Verfasser der „Berliner Briefe" gewesen ist, welche da- genannte Blatt seit einer Reihe von Monaten brachte. — Der „Main-Ztg." schreibt man aus Gießen, 22. No». : Man erzählt in wohlunterrichteten Kreisen, daß die oberhessischen Reichstags-Abgeordneten eine Eingabe an die jetzt wieder zusammentretende zweite Kammer der Stände des Großherzogthums richten werden, worin sie diese molivirt aufforvern: bei der Großh. Hess. Staats- regierung diejenigen Schritte zu thun, Vie erforderlich sind, damit auch Starkenburg und Rheinhessen im Reichstage des Norddeutschen Bundes durch Ab- geordnete vertreten werden." — Sicherem Vernehmen nach ist bei Einbringung des Budgets in zweiter Kammer die Stellung des Antrags von Seiten mehrerer Ab- geordneten beabsichtigt, dir Berathung in abgekürzter Form eintrcten zu lassen und nicht, wie bisher geschehen, dem Finanzausschuß zur vorherigen Prüfung zu überweisen. Da der Antrag von Abgeordneten ausgeht, welche der Regierung nahe stehen, so scheint die Stellung des Antrages dem Ministerium willkommen zu sein. Berlin, 23. Nov. Das Abgeordnetenhaus crle- vigle in seiner heutigen Sitzung den Finanzetat. Eine lebhafte Debatte veranlaßte die Position „Oberpräsidien", wo die Gehaltszulage des Oberpräsidenten der Elbherzogthümer gestrichen wurde. Im Laufe der Diskussion erklärte der Minister des Innern, daß Über Vas Recht der Krone, die Verwaltung selbstständig oder unter Zustimmung anderer Factoren zu orga- nisiren, Verhandlungen schweben, welche vielleicht be- sondere Vorlagen veranlassen könnten. Auf einen Angriff Hennig'S gegen das Cultusministerium führte der Eultusminister aus, daß in allen berührten Fällen völlig correct verfahren worden fei. Berlin, 24. Nov. Im Abgeordnrtenhaufe er- wieverle der Minister res Innern auf eine Inter- pellation Bonin's, betreffend die Stellvertretungskosten der zu Abgeordneten gewählten Beamten: die Regierung könne den Anträgen auf Wiedererstattung der Stellvertretungskostcn keine Folge geben, indem sie keine Nothwendigkeck zur Abstellung des jetzigen Zustandes in dieser Beziehung anerkenne. Kassel, 23. Bov. Von dem Oberappellations- gerichl zu Berlin ist eine Entscheidung ergangen, durch welche die gegen die Vollmachten des Kurfür- sten wegen angeblicher Unzulässigkeit des darin gebrauchten Titels: „Von Gottes Gnaden, Kurfürst, souveräner Landgraf von Hessen" erhobenen Einwendungen verworfen worden sind. Dem Kurfürst kann demnach zufolge gerichtlicher Entscheidung innerhalb Preußens der Gebrauch seines vollen unveränderten Titel« nicht mehr verwehrt werden. Es gibt also koch noch einen Kurfürst von Hessen. Heidelberg, 19. Nov. Auch von dem Katheder, wo doch eigentlich ebensowenig, als auf der Kanzel eine politische Parteifärbung sich geltend machen sollte, muß man sich heutzutage eine Parteipolitik gefallen lassen. Hr. v. Treitschke liest nämlich Geschichie des preußischen Staates. Obwohl er nun beim Beginn seiner Vorlesungen gesagt hat, es würden vielleicht manche Zuhörer glauben, er habe dieß Thema nur gewählt, um für Preußen Propoganda zu machen, er denke aber an nicht« weniger als daran, so ist es doch klar und spricht sich jeden Tag in den Vorträgen von Neuem aus, wie Hr. v. Treitschke zu beweisen sucht, daß Oesterreich von Ur- Anfang an sich von Deutschland getrennt, nur un- deutsche Politik getrieben, und daß sein heutiges Schicksal ein in der Natur der Dinge liegendes und nothwendiges sei, daß Preußen hingegen das einzige Land im heil, römischen Reiche gewesen, da- „ein Staat war und deutsch zugleich." Als Kur-Brandenburg das Herzogthum Preußen geerbt hatte, da erhoben sich tausend Stimmen gegen den Brandenburger Despotismus; „ähnlich," sagt Hr. v. Treitschke, 0 g 3 b z> „wie man heute in der guten Stadt Frankfurt und in einigen Thcilen von Schleswig-Holstein über den preußischen Despotismus schreien hört." Wien, 21. Nov. Professor Dr. Levis ist um die Bewilligung eingekommen, die im Jahr 1848 au« Anlaß des Belagerungszustandes sistirtc Freimaurerloge „zum heiligen Joseph" in Wien wieder eröffnen zu dürfen. Dieses Gesuch ist von der Statt- halterci abschlägig beschieden worden, weil der §. 8 der Statuten Vie Bestimmung enthält, daß nur Mitgliedern einer gerechten, gesetzmäßigen Loge Der Zutritt in die Versammlung gestattet werden darf, somit ein Abgeordneter der Behörde von der Versammlung ausgeschlossen wäre, während es nach §. 18 des Vereinsgesetzes der Behörde freisteht, zu ever Vereinsversammlung einen Abgeordneten ab- äsenden. Florenz, 21. Nov. Nachrichten aus Rom zu- o>ge hat der Papst die Sentenz gegen einen der beiden zum Tode Verurtheilten, Monti und Tognetti, trotz der von der italienischen Regierung durch die Vermittlung der auswärtigen Diplomatie erhobenen Vorstellungen, bestätigt. Die „Nazione" theilt mit, daß die Hinrichtung für denselben Tag vorbereitet ei, an welchem Kronprinz Humbert und seine Gemahlin, nach Neapel reisend, Rom passiren wollten. Dieselben gehen deßhalb, das päpstliche Gebiet »er- meidend, über Foggia. — Der „Movimento" bringt zwei Schreiben Garibaldi's, worin dieser sich über die spanischen Zustände ausläßt. Dem ersten, un- term 11. d. an Hrn. Barili gerichteten Briefe entnehmen wir folgende Stelle: „Cultusfreiheit und Freiheit für Alle, das sind zwei allgemein von unfern Anhängern proclamirte Devisen. Ich möchte nicht, daß man in dem Sinne dieser Maxime die Freiheit der Zauberer, der Taranteln, der Vipern, der Mörder und der Priester, die die schlimmsten aller Mörder sind, mit einbegriffc. Mit der allgemeinen Abstimmung werden die Priester das Abstimmungsrecht reclamircn, und ihre Abstimmung, welche sie auch sein möge, wird gegen die spanische Freiheit gerichtet sein." Ein anderer, ziemlich langer Brief, den Garibaldi an seine Freunde in Spanien schreibt, enthält folgende Stelle: „Pro- clamirt die Fövcralrcpublik und ernennt sofort einen Dictator auf zwei Jahre. Es fehlt Spanien keineswegs an rechtlichen Leuten, Vie dazu tüchtig sind, es besser zu regieren als irgend ein Repräsentant der modernen europäischen Feudalität. Mögen Eure tapferen und bewundernswürdigen Führer nicht in denselben Fehler verfallen, wie der gute, leichtgläubige Lafayctte, der sich hat täuschen lassen und der Frankreich das Erbe zweier Revolutionen mit der Tyrannei hinterließ. Das rothe Gespenst, dessen sich mit so großer Geschicklichkeit die Despoten und die Jesuiten bedienen, ist entstanden aus den Uebergriffen der großen Revolution von 1789, welche, indem sie den Despotismus haßte und die Idee der Freiheit erhob, schließlich doch in die Arme eines abenteuerlichen Tyrannen sich stürzte." London, 22. Nov. Der Rücktritt Disracli's ist so gewiß, daß bereits zwischen Gladstone und Clarendon vorläufige Besprechungen zur Bildung eines Whigs-Cabinets stattfinden. Clarendon würde eventuell das Portefeuille des Auswärtigen acceptiren. chen und GemeinderathSmitglied Weidig I. für diese Stell ernannt. Die Neuwahl der Ausschüsse soll bei der nächsten Ergänzu»g«w«hl für »en Gemeinderath erfolgen. Gießen. (Sitzung de« Gemeinderaths VÜM 19. Nov.) Anwesend der Großh. Bürgermeister Vogt, dir Gemeinderathsmitglieder Berg, Gail, Heß, Keller, Löber, Möhl, Nagel, Petri, Nicker, Rosenberg, Wallenfels, Weidig II. und Silbcreisen. In Betreff der Bestellung eines Schulinspectors für di« städtischen Schulen beschloß der Gemeinderath nach Verlesung der Verfügung vom 2. Nov. ». 3., auf der früheren Forderung »c« PräscntationSrcchteS zu bestehen. Der neue Miethvertrag für da« Aichloeal zwischen »er Stadt und Th. Heertz Wittwe soll mit dreimonatlicher Kündigung auf unbestimmte Zeit abgeschlossen werden. Die Angelegenheit der Gießener Jahrmärkte soll an eine besondere Commission (Gail, Löber, Möhl, Wallenfels) zur Beantwortung überwiesen werden. Nachdem GemcinderathSmitgtied Ricker eine Denkschrift über die projectirte Lenne-Lahnbahn verlesen hatte, wurde auf dessen Antrag beschlossen die Großh. Regierung zu ersuchen, sich bei der König!. Preußischen Regierung für die Genehmigung der Bahnrichtung nach Gießen zu »erwenden. In Betreff der Vorstellung der Bewohner der Neuen Anlage beschließt der Gemeinderath, nachdem der Großh. Bürgermeister Namens der BelcuchtungS-Commisstou Bericht erstattet hatte, in der Nähe des Beckersichen Hanse« an der Stelle, welche der früher schon festgestellte Beleuchtungsplan für die Neue Anlage angibt, eine weitere Laterne errichten zu lassen. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. I» Berlin ist der alte Taddel gestorben, ein Richter von unerschütterlichem Ncchtssinn. In den Jahren der höchsten Polizeiwillkür wurde der alte Waldeck el« Verschwörer vorAda« Schwurgericht gestellt. Der Prozeß war ein gordischer Knoten von gefälschten Briefen, falschen Zeugenaussagen, geschworenen Meineiden und Ränken aller Art. Taddel leitete die öffentlichen Verhandlungen so klar und geschickt, daß die Unschuld Waldeck« tageshell wurde und der Staatsanwalt selber die Anklage al« „ein Bubenstück erfunden, um einen Mann zu verderben", bezeichnete. — Denselben unerschütterlichen Charakter hat er später «18 Abgeordneter gezeigt. Er wurde 83 Jahre alt. In Paderborn stand ein ganz origineller Wilderer, Namen« Klosterman», vor den Assisen, der bei den Bauern wegen seiner Leutseligkeit sich eben so beliebt, al« bei den Förstern wegen seiner gesetzlosen Beschäftigung gehaßt und gefürchtet gemacht hat. Der gefürchtete Mann, eine Art deutscher Rinaldo und ein Bild männlicher Schönheit, aß, trank und schlief Jahre lang in den Wäldern, die er sein Revier nannte. Eine Förstersstelle, die ihm Graf Westphal anbot, schlug er aus, um seine Freiheit nicht daran zu geben. Daß er unter diesen Umständen mit der Forstpolizei in beständigem Kampfe lebte, ist begreiflich. Da er sich »abei der Waffen bedient und am 1. Februar ». I. deu waldecksschen Förster Heinemann durch die Lunge schoß — der Getroffene kam übrigen« mit dem Leben davon - so stellte man eine Razzia auf ihn an, der er schließlich nicht entgehen konnte. Außer dem gesammten Forst- und Polizeipersonal der Gegend wurde ein Piquet Soldaten von 56 Mann in da« „Klvstermann'sche Jagdrevier" entsandt, auf ihn zu vigiliren. Von Minden reiste der Polizci- Jnspector Schnepel an Ort und Stelle, um die gemeinschaftliche Verfolgung der Soldaten, der Polizei und der Forstbeam- t-n zu organisiren. Da die Bauern den Wilderer nicht ver- riethen, dem sie auch deßwegen zugethan waren, weil er dem schädlichen Hochwild zu Leibe ging, so waren alle Maßregeln bi« zum 14. Juni vergeben«. Schnepel gab sich für einen Holzhändler aus und suchte als solcher das Vertrauen der Bauern zu gewinnen. Vergeben«. Einmal entkam Klostermann dem Militär, das ihn schlau umzingelt hatte, durch die Schnelligkeit seiner Füße und sein Glück; denn keine der ihm nachgesandten Kugeln traf ihn. Endlich zeigte ihn die Frau de« Büchsenmacher« in Brilon, bei dem er sein Gewehr repariren ließ, der Polizei an, da sie die auf seine Auslieferung gesetzten 400 Thaler verdienen wollte. Klostermann wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt. München. Gustav Chorinsk» ist in vollständigen Wahnsinn verfallen und wird au« der Festung Kronach in eine Irrenanstalt gebracht werden. Er tobte wochenlang fürchterlich, spuckte in "der Zwangsjacke dem Arzte in« Gesicht, aß und trank eine Woche lang so gut wie nichts und schlief kaum eine Stunde. An Verstellung ist nicht mehr zu denken. Da« Wort de« greisen französischen Arzte« Morel ist in Erfüllung gegangen: ChorinSky wird in höchsten« drei Jahren von Stufe zu Stufe finken und endlich dem vollständigen Wahnsinn erliegen; ich setze meine wissenschaftliche Ehre zum Pfände. Paris. Da« hiesige Haus Rothschild zeigt durch ein Circular seinen Geschäftsfreunden an, »aß die Leinmg der Firma nach dem Tode de« Baron« Jame« an seine Söhne, die Barone Alphon« und Gustav Rothschild, übergegangen sei. Nack, glaubwürdigen Nachrichten beträgt die Hinterlassenschaft de« Baron« James, der im Jahre 1812 mit etwa einer Million Franken im Vermögen nach Pari« gekommen war, oberflächlich abgeschätzt etwa« mehr als 2000 Millionen Franken, und einaeweihte englische Finanzmänner versichern, daß im ganzen vereinigten Königreiche sich kein Vermögen diesem an die Seite stellen lasse. Baron Jame« hinterläßt außer seinen hiesigen Wohnhäusern, dem Schlosse im Bois de Boulogne und der prachtvollen Besitzung von Laferrwre« noch 51 große Häuser in Pari«, sowie verschiedene Grundstücke ähnlicher Art in »en bedeutendsten Stä»ten Europa'«. Namentlich in Italien hat da« Grundeigenthum Rothschild'S sich in den letzten Jabren bedeutend vermehrt, so daß er in Rom, Neapel, Florenz und Turin mehrere Paläste und Wohnhäuser besitzt. Diese Einzelnheiten find au« durchaus zuverlässiger Quelle geschöpft. Meister Hans Sachs erzählt in einem seiner Schwänke von einem Lande, in welchem die Lanzknechte im Walde un- ' term Moose wie Pilze nach einem befruchtenden Regen auf- . schießen. In unserer Zeit bedarf», wie wir neuerdings wieder in Wien gesehen haben, nur befruchtender Reden, um Hunderttausende von Soldaten aufschießen zu lassen. Es ist das aber kein Schwank, sondern bitlerer Ernst.