Preis vierteljährlich 36 kr. ß B ^<<4* /» «,* ,▲ A, y^. A A* Erscheint wöchentlich drei, mit Bnnqcrlohn. Durch die M B g g7 gl O gg g/ B NÄ 1| B |T ^7 1^ mal: Dun,tags, Donner wwupnin ^cvijnyiL *&»■= \ ===============================x============^^ Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen. Nr. 62. Dienstag den 26. Mai 1868. —.j.MiLMimikMiiwitMMiBmKaiigSMwraroBBiagagawsMa'afflswamiwa^^ Brodpreiser 4 Pfund gemischtes Brod 22 kr. 4 Pfund Noggenbrod 19 kr. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung, die Regulirung der Einkommensteuer betreffend. Das Gesetz, die Einführung der Einkommensteuer betreffend, vom 11. April d- I. enthält keine Bestimmung über die eigene Declaration ihrer Einkommensverhält- nisse Seitens der Pflichtigen, davon ausgehend, daß jeder Zwang in dieser Hinsicht ausgeschlossen sein soll. Nach Art. 12 sind jedoch die etwa einlaufenden freiwilligen Angaben der Steuerpflichtigen über ihre Einkommensverhältnisse zu den Hülfsmitteln bei Ermittelung des Einkommens der betreffenden Pflichtigen gerechnet. Mit Bezugnahme auf die oben erwähnte Gesetzesbestimmung werden die Steuerpflichtigen des Steuercommissariats Hungen hierdurch ausdrücklich darauf aufmerk- sam gemacht, daß es ihnen in jedem Stadium der Verhandlung unbenommen ist, freiwillig übet; ihre Einkommensverhältnisse dem Unterzeichneten, oder einzelnen Mitgliedern der Einschätzungs-Commission schriftliche oder mündliche Auskunft zu ertheilen. Es wird das Einschätzungsgeschäft wesentlich erleichtern, wenn dergleichen Auskunftsertheilungen, welche in beliebiger Form und namentlich auch in der Weise geschehen können, daß der Steuerpflichtige einfach die gesetzliche Steuerklasse bezeichnet, welche seines Erachtens seinen Einkommensverhältnissen entspricht, alsbald bewerkstelligt werden- Hungen, den 19. Mai 1868. Der Vorsitzende der Einschätzungscommission für das Steuercommissariat Hungen. K o r w a n, Steuercommissariats-Vicar- B e k a n n t m a ch u n g. Nachstehend bringen wir die Namen der Mitglieder der Einschätzungs-Commission für den Steuer-Commissariatsbezirk Hungen zur öffentlichen Kenntniß: Mitglieder; 1) Heier, Ernst II., zu Wölfersheim, 2) Heller, Heinrich I., Metzger zu Lich, 3) Heß, Abraham, zu Hungen, 4) Menget, Bürgermeister zu Hattenrod, 5) Ritter, Bürgermeister zu Laubach, 6) Zimmer, Bürgermeister zu Villingen. Gießen, den 23. Mai 1868. Ersatzmänner» 1) Dietz, Rechnungsrath zu Laubach, 2) Eberwein, Apotheker zu Hungen, 3) Görlach, Bürgermeister zu Eberstadt, 4) Philippi, Bürgermeister zu Wohnbach. Großherzogliches Kreisamt Gießen. In Verhinderung des Kreisraths: Gros, Kreisassessor. Bekannt M-achun g. Mit Bezug auf unsere Bekanntmachung vom 14. d. Mts. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß von dem Gemeinderathe der Stadt Gießen statt des durch Krankheit verhinderten Herrn Aron Heichelheim Herr Kanzleirath Clemm zu Gießen als Mitglied der Einschätzungs-Commission für die Stadt Gießen und statt des Letzteren Herr Schreinermeister Philipp Kreiling zu Gießen als Ersatzmann gewählt worden ist. Gießen, den 23. Mai 1868. Großherzogliches Kreisamt Gießen. In Verhinderung des Kreisraths: Gros, Kreisassessor. Besondere Bekanntmachungen. Der von dem Leihgesterner Weg nach der Jaeobl'schen Besitzung führende Weg. 3698) Der vorbemerkte Weg ist in Bau genommen und kann vor der Hand nicht befahren werden. Gießen, den 22. Mai 1868. Großhcrzogliche Bürgerineisterei Gießen. ____________Vogt.____________ 3707) ®je Holzversteigerug vom ,u: und 22. Mai ist genehmigt. Die Ab- fuhrichcine sind vom 30. Mai bis 13. Juni wt Großh. Rentamt Gießen einzulösen. Die Ueberweisung des Holzes findet am o. „jun:, Morgens 9 Uhr, von den An- fangspunkten der Versteigerung statt. Gießen, am 23. Mai 1868. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. vr. D r a u d t. Verfteigerung en. Versteigerung von Arbeiten bei der Stadt Gießen. d'20) Samstag den 30. Mai 1868, Vormittags 9 Uhr, “Vf der Geschäftsstube der Bürger- metzterei folgende Arbeiten an den Wenigst- nchmenden vergeben : Sandfahren, veranschl. zu 12 fl. Pflasterarbeit, „ „ 250 „ Gttßen, den 25. Mai 1868. Großhcrzogliche Bürgermeisterei Gießen Grassamen-Versteigerung im Forste q7r_ Gießen. Donnerstag den 11. Juni d. I. fnrr - Vormittags 10 Uhr, iäßrinp rnnfe5-cin Geschäftszimmer die dies- nmrmnts@ra§,ans!elt' ®rnbte in den Doma- Treia der Großh. Oberförstereien Äfigm'Lcn.^ S^ffenberg öffentlich zu^e Großh. Forstwarte Stein und Schick en und c?' bA' Schlag zu Baumgar- n und Engelhard zu Leihgestern werden die betreffenden Districte auf Verlangen vor dem Termine vorzeigen. Gießen, den 22. Mai 1868. Großherzoglichcs Forstamt Gießen. v. Buseck. Arbeitsverfteigerung zu Treis an der Lumda. 3702) Freitag den 29. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, sollen auf dem Rathhause dahier die nachverzeichneten Arbeiten mittelst öffentlicher Versteigerung an die Wenigstnehmenden in Akkord gegeben werden: a. An dem Schulhause: Maurerarbeit, veranschl. zu 76 fl. 42 kr. Schlosserarbeit, „ „ 14 „ 54 „ Dachdeckerarbeit, „ „ 2 „ — „ b. An dem neu zu erbauendenOeko- nomiegebäude: Maurerarbeit, veranschl. zu 104 fl. 55 kr. Zimmerarbeit, „ „ 95 „ 50 „ Dachdeckerarbeit, „ „ 45 „ 30 „ Schreinerarbeit, „ „ 23 „ 36 „ Schlosserarbeit, „ „ 16 „ 12 „ Weißbinderarbeit, „ „ 39 „ 54 „ c. An dem Wege auf dem Icker: Planir- und Chaussirarheit, sowie Steinsuhr und Aufsetzen der Steine, veranschlagt zu...... 400 fl. — kr. Treis a. d. Lda., am 24. Mai 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Treis an der Lumda. -o- w-. L. Hahn, Bezirksbauaufseher. Arbeitsversteigerung zu Allendorf an der Lumda. 422 fl. 42 k.r. zu n rz 258 158 25 31 97 5 11 40 30 24 3701) Donnerstag den 28. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Rathhause dahier folgende Arbeiten öffentlich an die Wenigstnehmenden in Akkord gegeben werden: I. An dem Pfarrhause: Maurerarbeit, veranschl. Zimmerarbeit, „ Schreinerarbeit, „ Schlosserarbeit, „ Malerarbeit, „ Weißbinderaxbeit, „ II- An dem Wege nach Climbach: Chausstrarbeit, veranschl- zu 540fl. — kr. Steinfuhr, „ „ 210 „ — „ Steinsetzen, „ „ 31 „ 30 „ Sandfuhr, „ „ 23 „'30 „ Maurerarbeit, „ „ 18 „ 45 „ Mendorf a- d- Lda-, am 24. Mai 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Allendorf an der Lumda. I- A.: L- Hahn, Bezirksbauaufseher. 7003) Samstag den 30. l. M-, Nachmittags 1 Uhr, sollen in der Rathhausstube dahier 116,000 Stück meistens feine Cigarren, sowie fünf Ballen Tabak, an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Heuchelheim, am 23. Mai 1868. Großherzogliches Ortsgericht Heuchelheim. Jung. Feilgebotenes. Das Herren-Kleider Magazin S. Flörsh empfiehlt: schwarze Tuchröcke . . . von schwarze Buckskin-Hosen . „ elegante Buckskin-Anzüge v ■ feine Orleans-Röcke . . „ , Alpacas in hellen Farben , Drell-Anzüge (complete) . v Drell-Säce in ruff. Leinen v Haus- u. Comptoir-Röcke v Arbeitshofen ...... Gediegene Arbeit und moderner S werden zugesichert. eim 12 fl. an bis 24 fl., 6 v v v l 2 v 18 r 30 , 4 V2 V IZ v 10 r 1 IV „ ® V V IZ V5 u ^V2 iz v v 6 , 2V2 ,, iz iz 3V2 r 1 Vö !Z !/ IZ 2VS // -chnitt, sowie billige Preise (3716) 3689) Sehr schönen Ceylon-Kaffee, Prima Melis, Perlen- Thee, Chocolade, feinste Stärke, Waschblau, feinsten Schweizer und Limburger Käse, Prima Kernseife, Arrac de Batavia, Rum de Jamaica, ächten alten französischen Cognac, ächte abgelagerte geschnittene Barinas-Blätter, gewogen pr. % Pfd. 9 kr., sowie Cigarren in allen Qualitäten, empfiehlt Carl Lony, 3691) Gestickte weiße Bloufen und Unterröcke, erstere von 2 fl. an bis zu den feinsten, bei Wilhelmine Fuhr. 3717) Herreu-Hüte in Seiden-Filz und Stroh in sehr großer Auswahl empfiehlt S. Flörsheim. Gießen, den 2i. Mai 1868. Carl Peppler 3723) Pistolen . 9 doppelte 9 1864r SB 9 5 9 5% National 52% 5O/o Metall. Obi. 461/4 M. steuerf. 493/g Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. 861/, 4478-451/8 57-58 49-51 50-52 54-56 38-40 29-30 55-59 50-52 271/2-281/2 Pr. Gass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 3713) Ein fJuuge, der das Schuhmachern geschäft erlernen will, kann in die Lehre treten bei PH. Becker, Weidgasse. 3715) Ein schwarzer Damen-Paletot ist verloren worden. Der Finder wolle ihn gegen eine gute Belohnung bei der Exped. d. Bltts. abgeben. V eriniethungen. Die Venniethung einer Wohnung. 3711) Das von der Stadt Gießen wohnlich eingerichtete linksseitige Wachthaus am Wallthor wird vermiethet und kann alsbald bezogen werden. Näheres ist auf der Bürgermeisterei zu erfahren. Gießen, den 23. Mai 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Bedienung I. M. Schulhof, am Rathhaus. Durch langjährigen Aufenthalt in Amerika bin ich im Stande, jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. Auswanderer nach Amerika befördert wöchentlich vermittelst Dampf- uud Segelschiffen bei reeller und billigster 3694) Das von Herrn C. Pietsch (Dienstmann - Institut) seither bewohnte Logis ist anderweit zu vermiethen und am 11. August zu beziehen.F. Fürst. Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Frachtbriefe für die Drain-Weser- und Cöbn-Mindener- Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen Forum- lare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. MrUchafts - Anzeige. 3686) Ich habe am heutigen Tage die Wirthschaft auf dem Loos'fchen Felsenkeller übernommen. Indem ich diefes hierdurch anzeige und um gefälligen Zuspruch bitte, gebe ich zugleich das Versprechen ab, daß ich meine Gäste stets mit guten Getränken und Speisen bedienen werde. Restauration Bramm. Heute Dienstag den 26. Mai: Militär*-Concert der ganzen hiesigen Jäger-Musik. Anfang 7 Uhr. — Entree ä Perfon 6 kr. Heß'sches Bier wird verzapft. 3695) Kirchcuplatz Lit. A- Nr. 23 ist im 3. Stock eiu möblirtesZimmer zu vermiethen. 3620) Auf dem Neuenweg Lit. B. Nr. 195 sind zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. Amer. 6% 1882r Bds. 76-5/8 „ 6% 1885r 755/8 Actien. Frankf. Bank 124% Oester. Bank 707 „ Creditact. 190 Darmst. Bankact. 223% 3727) Ein Lehrling für ein Eisengeschäft wird gesucht. Näheres bei der Expedition dieses Plattes.__ 3684) In ein Kurzwaaren-Geschäft wird ein Lehrling, mit guten Schulkenntnissen versehen, alsbald zu engagiren gesucht. Wo? sagt die Exped. d. Bltts. Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 2597/g Ludwigsh.-Bexbach 150% Maxbahn 105% Bayer. Ostbahn 125 Hess. Ludwigsbahn 130% 30/0 östr. Stsb.-Prior. 52% 3% östr. s. Lombard. 43% 3O/o Livorneser 28% Toscaner 41 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 97% 50/o Elisabeth-Prior. 73% do. II. Emiss. — Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 56 Nassau fl. 25 b. Roth. 36 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 145% Gr. Hess. fl. 25 b. R. 39 4% bayr. Präm. Anl. 100% 4O/o badische Loose 97% Badische fl. 35 Loose 51% 1858r Prioritätsloose 134 1860r Loose 69% Geschäfts - Verlegung. 3690) Dre Samenhandlung habe ich am 22. Mai aus meinem früheren Locale, Wallthorstraße, in das Haus des Herrn Kerber neben dem Rathhau)e verlegt, was ich meinen geehrten Kunden anrureigen mir Carl Deines. Börsennachrichten. 23. Mai 1868. Preuss. 4%o/o Obi. 95% Frankf. 31/2°/o Obi. 82 Nass. 4%% Obi. 94% Kurh. 4% Obi. 89% Hess. 4% Cbl. b. Roths. 90 „ 3%o/0 do. do. 84% Bayer. 5% Obi. 101% » 4%% 1jährige 94 a 4%% %iährige 94% Würtemb. 4*/20/0 Öbl. 93% Baden 4>/r°/o Obi. c. E.L. 93% Oestr. 5% b. R. 61% 3696) Ein schönes unmöblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei ___________Carl Plank, Lederhändler. 3683) In meinem Hause stehen zum 1. September zwei Wohnungen (im mittleren und obersten Stock) nebst Stallung und Garten zu vermiethen. Geheimer Justizrath Jhering. Wechsel. Amsterd. k. 8. 100% Augsb. k. 8. 100 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 98% Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119% Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. S. 101% Disconto 3% G. Geldsorten. 3704) Ein guter Pferdeknecht wird auf den Hardthof gesucht.______________________ 3709) Ein Knecht, mit Pferden vertraut, wird zum sofortigen Eintritt in Dienst'ge- sucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 3710) In eine hiesige Wirthschaft wird ein junger Mann gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. 3700) Einem soliden Agenten, welcher die Kaufleute in den kleineren Städten (in Oberhessen und Lahn gegen d) regelmäßig besucht, wünscht man den Verkauf eines couranten, ohne Muster verkäuflichen Artikels gegen hohe Provision zu übertragn. Franco-Offerten unter A. G. 46 befördern die Herren Haasenstcin kauften Möbel-Magazin, Caplans- gaffe, wohne. Th. Schneider, ___Schuhmachermeister. 3718) Ein tüchtiger Küferbursche wird gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bl. ct CT -S CO (Eingesandt.) Nachdem die Geschäfte des hiesigen Consum- vereius sich günstiger abgewickelt, als man befürchtet hatte, eine Dividende ausgezahlt und der seitherigen Verwaltung Decharge geworden, hat sich der Verein in den letzten Wochen neu constituirt und steht dieß- mal eine größere und regere Betheiligung in Aussicht. Darum dürften unfern Lesern einige Worte über das Wesen unv die Ausgabe der Eonsumvereine nicht ohne Interesse sein. Die deutschen Eon- sumvercine stellen sich meistens die Aufgabe, ihren Mitgliedern für den HaushaltungSbc- darf unverfälschte Lebensmittel von guter Qualität gegen sofortige Baarzahlung zu beschaffen, und aus dem hierbei erzielten Gewinn den Mitgliedern je nach der Größe ihres WaarenbezugS eine Dividende zu vertheilen, oder dieselbe durch Gulschreiben zu einem Kapitale anzusammeln. Sie unterscheiden sich von den englischen Vereinen dadurch, daß sie meistens ein offenes Geschäft (mit Verkauf an Nicht- mitglieder) ausschließen, sowie außerdem durch Anwendung des Markengeschäfts, welches mit dem geringsten Risiko für die Mitglieder verbunden ist. Die deutschen Consumvereine trachten also nur danach, die mannichfachen Uebelstände des Kleinhandels für ihre Mitglieder zu beseitigen. Sie liefern (ausschließlich) den Mitgliedern die verlangten Maaren direct an eigenen Verkaufsstellen des Vereins, indem er sich größere Vorräthe auf eigenes Lager nehmen, oder sic schließen mit Verkäufern des Ortes Verträge ab, nach welchen sich dieselben verpflichten, ihre Maaren in bester Qualität den Mitgliedern zu dem ortsüblichen Preise zu verkaufen, von denselben aber Bezahlung in Vereinsmarken anzunehmen, welche ihnen der Rechner allwöchentlich unter Abzug eines zu Gunsten des Vereins bestimmten Rabatts in baa- res Geld umtauscht. Die Mitglieder aber beziehen die Marken ebenfalls bei dem Rechner gegen Erlegung des vollen Nennwerths. Zeder Markenbczug wird alsdann den Mitgliedern in ihrem Vereinsbucbe notirt, und diese Bescheinigung bildet den Beleg für die Gcschäftsanttzeile und die daraus zu berechnenden Dividenden für die Mitglieder. Ist nun das Institut der Consumvereine von größtem Werthe für den Arbeit erstand, so ist doch auch seine Bedeutung für andere Berufsklaffen, namentlich für Beamte, die an ein bestimmtes Einkommen gebunden sind, nicht zu unterschätzen. So sind denn auch in den deutschen Consumvercinen Beamte in großer Zahl vertreten. Der Wiener Con- sumverein z. B. wurde nur für Beamte gegründet, der Münchener aber zählte nach den 3 ersten Monaten seines Bestehens unter 1000 Mitglidern den ganzen Beamtenstand Münchens, sehr viele Of- fiziere und Adelige; in ähnlicher Weise die Vereine zu Hildesheim, Düsseldorf, Mainz, Linz u. s. w. Ein glänzendes Beispiel für die mögliche Erspar- niß in Consumvereine» gibt der Mainzer Verein, der für das erste Halbjahr 1866 bei 436 Mitgliedern mit 41,360 fl. Umsatz auf den Gulden entnommener Maaren 7 Kreuzer oder 11% % Dividende vertheilte. 3n England aber hat sich mancher Arbeiter in 10 Jahren über 2 000 fl. erspart. Der hiesige Verein hat nun beschlossen, vor allen Dingen seine ft a t u t a r i sch e h a l b j ä h rig e R e ch- nungsablage streng einzuhalten. Sodann tritt er — ebenfalls auf Beschluß der letzten Gene- ralversammlung — demallgemeinenVerbande deutscher Consumvereine bei. Er hat das Markensystem beibehalten und Verträge mit hiesigen Lieferanten abgeschlossen. Wir empfehlen den Interessenten den unverzüglichen Beitritt, weil eine größere Bctheiligung von Beginn an um so günstigere Aussichten für die weitere Gestaltung des Vereins bietet. Das Eintrittsgeld ist von 1 Gulden auf 15 Kreuzer herabgesetzt, die beiläufig jedem Mitgliede gutgeschrieben werden. Solide Verkäufer haben gewiß keinen Schaden, wenn sie unter Gewährung eines entsprechenden Rabatts für das Gedeihen des Vereins arbeiten, da sie sich eine größere und stets baar zahlende Kundschaft verschaffen. Allen denen, die sich für den Verein intercssiren, oder demselben beitreten wollen, hat sich der zeitige Rechner, Herr G. Dörr am Kirchen- Platze, bereilwilligst erboten, jede gewünschte Auskunft zu geben. Das Testament des Großonkels. Achtes Kapitel. (Fortsetzung) John nahm Abschied von Mutter und Tochter, welche ihm nachblickten, bis er nicht fern vom Hause im Gebüsche verschwand. Er fühlte sich in diesem Augenblicke glücklicher als seit langen Jahren. Bis dahin war es stets der Ge- danke an den unersetzlichen Verlust seines Vaters gewesen, der wie ein dunkler Schleier sein Gemüth umflort hatte. Welchen Weg würde er im Leben gemacht haben, welche Stellung würde er in diesem Augenblick in der Gesellschaft ein- nehmen, wenn diese schützende Hand ihn seine Lebensbahn geführt hätte! Er würde von Tausenden beneidet worden sein; er würde ein glücklicher Mensch gewesen sein! Statt dessen war ihm ein Leben der Kämpfe und Entbehrungen, mißlungener Pläne und getäuschter Hoffnungen, des Ringens nach dem Noth- wendigen und der gänzlichen Verlassenheit zu Theil geworden; er hatte Welt- theile durchgewandert, ohne Ruhe und Befriedigung zu finden, und war endlich in die Heimath zurückgekehrt, nicht in der Erwartung, endlich den Frieden zu finden, den er |o lange vergebens gesucht, — nein, um endliche Vergeltung auszuüben gegen diejenigen, die ihn so bitter gekränkt, die ihn so tief verletzt, die ihm das Herz gebrochen hatten. Mit dem Wiedersehen der Heimath kamen auch die alten Erinnerungen wieder, er gedachte ver wenigen Freunde seiner Vergangenheit und seiner Jugend, er gedachte auch jenes schönen Mädchens, deren Engelskopf ihm oft in weiter Ferne aus den dunklen Wolken seiner trüben Erinnerungen zugelächelt hatte, deren Bild nie aus seinem Gedächtniß entschwunden war, und stehe, anstatt des Mädchens sah er eine Jungsrau wieder, welche alle Vorzüge in stch vereinigte, welche seine kühnste Phantasie nur dtm höchsten Ideale seiner Wünsche hätte andichtcn können. Von jenem Augenblicke an hatte der innere Kummer, das Gefühl der Einsamkeit anderen Wünschen Platz gemacht, sein Leben hatte eine neue Richtung bekommen, denn er strebte jetzt nach einem Ziele, und der Gedanke an ste gab ihm die Kraft wieder, wo diese ihm fehlen zu wollen schien. Und wenn ihn Jemand gefragt haben würde, ob er sie liebe, eine solche Frage würde ihn beschämt haben; — er würde es nicht gewagt haben die zu lieben, welche er wie eine Gottheit verehrte; er würde gefürchtet haben, ein Gedanke der Liebe würde sein Idol entweiht, ihm seinen Heiligenschein ge- nommcn haben. Liefert uns doch die Geschichte der Könige von Spanien zwei Beispiele, wo ein Weib es war, welches ihren Monarchen vor der Verzweiflung rettete, doch etwa nicht dadurch, daß sie denselben durch ein Band ctr Liebe fesselte, nein, sondern durch ein Gefühl der Hochachtung, der Verehrung, welches nur solche weibliche Wesen einflößen können, die so sichtlich den Stempel göttlicher Vollendung auf ihrer Stirn tragen, als Deliah Mac Lane. Wäre sie gestorben, er würde sie nicht betrauert haben, im Besitz ihres Bildes, im Besitz ihres Andenkens würde er ebenso glücklich gewesen sein, denn für ihn war sie kein Wesen dieser Welt, sie gehörte höheren Sphären an, und würde dann nur zu einem Jenseits hinübcrgegangen sein, welche ihre eigentliche Heimath gewesen. So schritt er seines Weges dahin, Alles um sich her vergessend, nur ihrer gedenkend, als des guten Engels, den Gott ihm vom Himmel gesandt habe. Der Weg führte jetzt im Walde dicht an einer hölzernen Fenz vorüber, die sich rechts vom Fußsteig hinzog, links war der Boden sumpfig, und hie und da ragten einzelne große Steinklötze hervor. John hatte etwa die Mitte der Fenz erreicht, als sich plötzlich hinter derselben eine männliche Gestalt kaum drei Fuß von ihm entfernt erhob und ihm mit aller Kraft, deren sie Herr werden konnte, einen Feldstein an die rechte Seite des Kopfes schmetterte. John griff mit den Händen in die Luft, drehte sich ein Mal um sich selbst, und am ganzen Körper zitternd, stürzte er mit einem dumpfen Angstgcschrei zur Erde platt aus's Gesicht nieder. Es rasselte im Gesträuch und Tomasio und Carlo kletterten über die Hecke. „Hat e„r genug," fragte Carlo den neben dem Leblosen niederknieenden Tomasio, „oder soll ich ihm noch ein Loth Blei in den Hirnkasten jagen?" „Der braucht Nichts mehr," antwortete Tomasio, „ich habe ihn gerade in die Schläfe getroffen, Du könntest eine Hand in die Wunde legen, der ganze Knochen ist entzwei und er wird bald ausgeblutet haben, er reckt und rührt sich nicht mehr." „Es wäre doch besser, wenn wir ganz fertig mit ihm würden," und schon wollte er den Lauf eines Revolvers auf John's linke Schläfe richten, als Tomasio seinen Arm aufhielt mit den Worten: „Um Gotteswillen, Carlo, es ist überflüssig, er verreckt in diesem Augenblick, Dein Schuß könnte Leute herbeirufen, denn die Landstraße ist nahe und nicht weit von hier wohnen Menschen." „Nun, so laß uns ihm wenigstens die Taschen leer machen." „Rühre ihn nicht an, Du Vieh," erwiederte Tomasio, er hat nicht viel Kupfer bei sich, und um der Uhr ist es nicht der Mühe werth, sich in Gefahr zu begeben. Wenn wir ihm nichts abnehmen, wird nie ein Verdacht auf uns fallen, denn man wird die That den Beweggründen persönlicher Rache zuschreiben. Sieh nur, wie seine Finger weiß und starr werden, komm, laß uns machen, daß wir fortkommen, die Paar Hundert Dollar sind ehrlich genug verdient." Und die beiden Banditen kletterten rasch wieder über die Fenz und waren bald im Dickicht verschwunden. Es war eine klare Helle Nacht, der volle Mond stand hoch am Himmel, umgeben von seimr Heerde, den Tausenden und Abertausenden von Sternen, Frieden und Ruhe herrschte in der Waldeinsamseit, kein menschliches Auge hatte die Unthat gesehen, nur das große allsehende Auge dort oben schaute herab auf die blutige That und ein Engel der Vergeltung schrieb sie nieder mit seiner Flammenfeder in das große Schuldbuch des ewigen Gerichts. Neuntes Kapitel. Es war am Morgen nach der im vorigen Kapitel beschriebenen Katastrophe, daß Harrt Gratman sich in der rosigsten Laune bereits früh in dem Privatzimmer seines Comptoirs befand. Er ging wie er in solchen Augenblicken zu thun pflegte, die Hände heftig in einander reibend, mit hastigen Schritten auf und ab, er pflegte nur dann lustig und guter Dinge zu sein, wenn ihm irgend eine Teufelei gelungen war. Er hatte von den Ereignissen des vorigen Abends noch keine Ahndung, doch ein Brief aus Saratoga, der ihm mittheilte, daß er Mutter und Schwester im Lauf des Tages erwarten könne, versetzte ihn in diese freudige Stimmung, denn seine Mutter hatte im Briefe ausdrücklich bemerkt: „Sobald ich angekommen bin, werde ich sofort nach Hoboken hinüberfahren, um mich mit Deinem Frauenzimmer zu arrangiren." „So mußte es kommen," sagte er zu stch selbst, „Mama unterthänig und gefügig, wie ein Kind, wird jetzt einsehen, daß sie von jetzt an ihren Willen dem meinigen untervrdnen muß; sie wird alt und wird sich freuen, wenn sie mir die Besorgung ihrer Angelegenheiten unumschränkt allein überlassen kann, ich bin ihr unentbehrlich geworden, und sie muß schon gute Miene zum bösen Spiel machen; John w rd uns hoffentlich die längste Zeit beunruhigt haben, er gehört bereits zu den todten Zahlen; Eveline wiro stch nicht verheirathen, denn die Heirath mit Perry Myers wird unmöglich gemacht werden, und einen Andern nimmt sie nicht; Ellen ist im Süden und unter den jetzigen Verhältnissen werde ich ihren Mann mit einer Bagatelle abfinven; somit muß das ganze Vermögen, oder doch das Löwen-Antheil mir zufallen; dann ist cs immer noch Zeit, an eine reiche Frau zu denken, um am Ende ein Leben zu führen, wie ver Pascha von Aegypten; um Gottes willen ernsthaft geblieben ! Ich werde es machen, wie Julius Cäsar, welcher, als er im 32. Jahre seines Leden» ®iUf«uU Alexanders des Großen erblickte, ausrief — du warst noch keine zwanzig Jahre alt, und hattest schon Vic halbe bekannte Welt erobert, und ich bin über dreißig, und habe noch nichts gethan! — Gewiß es wirv Zeit für mich, ich werve mich daher auf Politik werfen und mich in den Congreß wählen lassen, und wenn es auch bloß darum wäre, meiner Mutter ein neues Felv zur Jntrigue zu eröffnen, es würde mich das sogar völlig mit ihr aussöhnen. Dock vorläufig muß ich jetzt daran denken, meiner büßenden Magvalena einen Mann zu verschaffen. Samiel hilf!" rief er, und drückte auf die Klingel, worauf Jansen sofort im Zimmer erschien. „Setzen Sie sich, lieber Jansen," redete Harri ihn an, „ich muß Sie heute an Ihr Versprechen von neulich erinnern; haben Sie sich umgcsehen, und eine passende Partie für Maria ve Witt gefunden?" (Fortsetzung folgt.) i t i s ch e M rr n d s ch a u P o l Darmstadt, 16. Mai. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 25 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichcn Ministeriums des Innern, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend. II. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post-Angelegenheiten, die Correspondenz nach Dänemark betreffend. III. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 geneh. migten Umlagen zur Bestreitung von Communalbe- dürfniffen in den Gemeinden des Kreises Alzey. IV. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Bensheim. V. Uebcrsicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse in den israelitischen R-ligionsgemcinden des Kreises Friedberg. VI. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Gemäßheit des Art. 30 des Strafgesetzbuchs im Rcgie- rungsblait bekannt zu machender Straferkenntnisse der Gerichte der Provinz Rheinhessen. VII. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu verleihen geruht: am 18. April dem ersten Elementar- Schullehrer Johann Conrad Bechtold in Schlitz, mit Rücksicht auf seine 50jährigen mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste;" — am 5. Mai dem Gefangcnwärter im Provinzial-Arresthause in Darmstadt, Anton Wolf, in Rücksicht auf seine 60jährigen treuen Dienste — und am 6. Mai dem Domänenpfandmeister bei dem Rentamte Darmstadt, Johann Michael Kramer, das Ritterkreut zweiter Classe des Philipps-Ordens. VIII. Namensveränderung. Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog haben allergnädigst ge- ruht: am 2. Mai der Maria Catharina Krailing aus Mainzlar zu gestatten, in Zukunft den Familiennamen Klinkel zu führen. Darmstadt, 19. Mai. Das gestern erschienene Regierungsblatt Nr. 26 enthält: I. Gesetz, die Todes-rklärung von Personen, welche an dem Feldzuge des Jahres 1866 Theil genommen haben und vermißt werden, betreffend. II. Reglement, das Verfahren bei Anträgen auf Zurückstellung Militärpflichtiger in Berücksichtigung häuslicher k. Verhältnisse betreffend. III. Namensveränderung. Seine König- liche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 9. Mai ver Catharina Becker zu Ebcrstadt zu gestatten, statt ihres bisherigen Fami- liennamens Becker in Zukunft den Familiennamen H i n d e r m e y e r zu führen. IV. Ertheilung von Erfindungspatenten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 25. April dem Ingenieur Peter Barthel aus Büttelborn, als Bevollmächtigten des Maschinenbauers Peter Corsitz Möller und des Civil-Jngenieurs, Fervinand Walter, beide zu Leipzig, auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf den durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten Apparat zur Übertragung von Wärme, — dem Wagnermeister Johannes Philipps VII. zu Fauerbach im Kreise Friedberg, auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Con- struction eines Schaufel-Wendepflugs, — den Maschinenfabrikanten Gebrüver Decker und Comp. in Canstadt auf deren Nachsuchen ein ErfinvungSpatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction einer Maschine zum Schälen und Rollen von Gerste und anderen Fruchten, —- am 2. Mai den Ingenieuren Jean Baptist Camvzzi aus Mainz und Hermann Julius Schlösser aus Darmstadt, beide zu Frankfurt a. M. wohnhaft, auf deren Nachsuchen ein ErfinvungSpatent aus die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Con- struction einer selbstwirkenven Metallvichtung für Stopfbüchsen, — dem Schlossermeister Heinrich Emmcl zu Darmstadt auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Be- schreibung näher erläuterte Construction eine« Ventils zum sichern Abschluß von Brunnen — und dem Maschinenfabrikanten Johann Philipp Klein in Offenbach auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die vurch Zeichnung und Beschreibung näher erläu- die ihm zum Ausdrucke dient, nicht abhängig ist, und welches gewiß in stätigem Fortschreiten an Kraft' zunehmen wird, wenn wir allseitig bestrebt bleiben, in den Vordergrund zu stellen, was unS eint, und zurücktretcw zu lassen, was uns trennen könnte. Nachdem Ich durch den übereinstimmenden und ver- tragsmäßig beurkundeten Willen der dazu berechtigten den sind. — Ergänzungs-Geschworne. 1) Karl Schwan, Liqueurhändler, 2) Emil Roth, Buchhändler, 3) Dominikus Hofmann, Post-Kassier, 4) August Noll, Bäcker, 5) Dr. Ludwig Lange, Pro- fessor, 6) Theodor Witte, Apotheker, 7) G. W. Ferber, Buchhändler, 8) Karl Münch, Bijouteriehändler, terte Constructkon einer Schmierbüchse für Dampfmaschinen zu ertheilen. Darmstadt, 23. Mai. lieber die Motive der Reise des Prinzen Alexander nach Petersburg (der gestern Abend bereits wieder zurückgekehrt) sind ver- schiedenariige Versionen in die Presse gedrungen. Wir glauben aus einer sehr lauteren Quelle zu schöpfen, wenn wir mittheilen, daß es sich außer einem Be- suche der kaiserlichen Verwandten auch um die Interessen des in der Nähe der Stadt Samara (Gouvernement Simbirks an der Wolga) belegenen Herrschaftsgut handelt, das der Prinz von seinem kaiserlichen Schwager zum Geschenk erhalten hat. Wie verlautet, soll eine projeckirte Eisenstraße das Gut durchschneiden und so besten Werth verdoppeln. — Bis, den 13. Juni wird die Kaiserin zur Kur nach Kissingen gehen, und nach etwa 5 wöchentlichem Aufenthalt daselbst von dem Kaiser hierher und nach Jugenheim geleitet werden. Das Kaiserpaar soll beabsichtigen, etwa 4 Wochen Aufenthalt auf der herrlichen Besitzung des Prinzen Alexander an der Bergstraße zu nehmen. Berlin. Die PreußischeHagcl-Versiche- ru ng S-A et ien-Gesell schäft, welche durch ihre bisherige Wirksamkeit und besonders durch die Art ihrer Schaden-Regulirungen in Bezug auf Prompti- tüde und Coulanz sich so schnell Eingang bei den Grundbesitzern zu verschaffen gewußt hat, geht, wie wir hören, auch in diesem Jahre einer größeren Entwickelung des Geschäfts entgegen. Wir haben diese Mittheilung im Interesse des Grundbesitzes für zweckgeeignet erachtet, weil uns ein Belag vorliegt, nach welchem mit der Unterschrift „Jmmcrwahr" durch den Aberuck eines Inserats aus Nr. 89 unserer Zeitung vom 16. April d. I. eine Notiz colportirt wird, welche augenscheinlich als Concurrcnz - Manöver zum Nachtbeil der Preußischen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft benutzt wird. Zu dieser Notiz, welche nur in dem Jnseratentheil unserer Zeitung als bezahlte Annonce enthalten war, stehen wir in keiner Beziehung und sind überzeugt, daß die Herren Grundbesitzer, welche bei der Preußischen Hagel-Vexsicherungs-Ge- sellschaft versichert haben, diesen Concurrenz-Coup auch leicht erkennen und sich in ihren Entschlüssen nicht irre leiten lassen werden. (Kreuzz.) Berlin, 16. Mai. Der Etat für das Bundes- Telegraphenwefen pro 1869 veranschlagt die Einnahme auf 2,777,390 Thlr., gegen das Vorjahr ein Mehr von 496,447, und die Ausgabe auf 2,434.UUD Lylr., gegen das Borjahr ritt Plus von 448,658 Thlr., so daß also ein Ueberschuß von 323,785 Thlr. verbleibt, der im Extraordinarium zur Verwendung kommen soll. Berlin, 22. Mai, In der heutigen Sitzung deS Zollparlaments wurde die Vorlage wegen Besteuerung des Tabaks definitiv genehmigt, eben so das Gesetz, betreffend die Erweiterung der Ermäßigung der Eingangszölle. — Graf Bismarck theilt darauf mit, daß der Schluß des Zollparlaments morgen Nachmittag um 4 Uhr im Weißen Saale des königl. Schlosses stattfinden wird. Alsd..nn verliest der Präsident ein Schreiben, welches die Abgeordneten zur Besichtigung der deutschen Flotte 'in Kiel einlavet. Dieselben werden auf einem Extrazuge morgen Abend dorthin geführt, woselbst die Admiralität die Bewirthung und Führung übernimmt. Sonntag Abend erfolgt die Rückfahrt. Berlin. Am Himmelfahrttage hat die hiesige Kaufmannschaft den Zollparlamentsabgeordneten ein prachtvolles Fest in dem Börsensaal gegeben, wobei es sehr lebhaft herging. Graf Bismarck brachte einen Toast auf die süddeutschen Brüder, Fürst Hohenlohe auf Vie deutschen Stämme aus. Berlin, 24. Mai. Die Thronrede des Königs von Preußen, womit gestern das Zollparlament ge- schloffen wurde, erwähnt im Eingänge die durch die Berathungen gewonnenen Resultate und schließt: „Nicht minder darf Ich hoffen, daß die Session des deutschen Zollparlaments, welche Ich heute schließe, dazu gedient hat, das gegenwärtige Vertrauen der deutschen Stämme und ihrer Regierungen zu kräfti- gen und manche Vorurtheile zu zerstören, oder doch zu mindern, die der einmüthigen Bethätigung die Liebe zu dem gemeinsamen Vaterlande, welche das ! gleiche Erbtheil aller deutschen Stämme ist, etwa im - Wege gestanden haben. Sie werden Alle die Ueber- i zeugung in die Heimath mitnehmen, daß in der Ge- ■ Gießen, 25. Mai. Die Sitzungen des Schwurgerichts in der Provinz Oberhessen vom III. Quartal werden Montag den 6. Juli l. I, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten bestellten Großherzoglichen Hofgerichtsraths, Herrn Eckstein, beziehungsweise des zu dessen Stellvertreter bestimm- ten Großherzoglichen Hofgerichtsraths, Herrn Völckcr, eröffnet werden, zu welchem' Zweck in der heute gesetzgebenden Gewalten unseres deutschen Vaterlandes zu dieser hervorragenden Stellung in demselben berufen bin, betrachte Ich es als Ehrenpflicht, vor den zu diesem Parlamente erwählten Vertretern des deut- scheu Volkes zu bekunden, daß Ich die Mir übertragenen Rechte als ein heiliges, von der deutschen Nation und ihren Fürsten Mir anvertrautes Gut in gewissenhafter Achtung der geschloffenen Verträge und der geschichtlichen Berechtigungen, auf welchen unser vaterländisches Gemeinwesen beruht, handhaben und verwerthcn werde. Nicht die Macht, welche Gott in Meine Hand gelegt hat, sondern Vie Rechte, über welche ich mit Meinen Bundesgenossen und den verfassungsmäßigen Vertretungen ihrer Unterthaneu in freien Verträgen übereingekommen bin, werden Mir jetzt und in Zukunft zur Richtschnur Meiner Politik dienen. In dieser Richtung und in fester Zuversicht auf Gottes Beistand die Lösung unserer gemeinsamen Aufgaben erstrebend, sehe Ich der Wie- dervereinigung des deutschen Zollparlaments entgegen, sobald neue Arbeiten dasselbe zu erneuter Thä- tigkcil berufen werden." Coblenz, 14. Mai. Im königl. Resivenzschlosse ist man beschäftigt, die Räumlichkeiten, welche im vorigen Jahre der Sultan bewohnte,' für den Empfang einer hohen Persönlichkeit herzurichten. Man vermuthet, daß ver Kaiser Napoleon im Laufe ves Sommers hier eintreffen wirv, um sich alsdann nach Ems zu begeben. Wien, 19. Mai. Der Schritt gegen Rom ist end- gtltig gethan. Der Kaiser hat heute die drei Gesetze, welche das bisherige Concordatsgebiet wesentlich enger begrenzen, mit seiner Sanction versehen, und der Unterstaatssecretär, Hr. v. Moysenbug, wird, um auf der jetzt unwiderruflich gegebenen Grundlage noch einen Versuch zur Verständigung zu machen, spätestens am Samstag seine Mission nach Rom antreten. Rom, 19, Mai. Heute fand das Leichenbe- gängniß des Cardinals Andrea statt. Der Papst wohnte der Seelenmesse bei und sprach selbst den Segen. Rom. Die „Aüg. Ztg. schreibt: „Nach Brie- fen aus Rom, welche in München aus ganz authentischer Quelle eingetroffen sind, wird Pius IX. am St. Peterstage (29. Juni) feierlich die cano- nische Bulle verkündigen, welche das allgemeine Concil auf den 8. December 1868 einberuft. Früher war es Brauch, daß vom Tage der Publikation bis zur Eröffnung ein Zeitraum von einem Jahre lag; mit Rücksicht auf erleichterten Reiseverkehr scheint aber Pius IX. diese Zeit abgekürzt zu haben. Die Mächte, welche das Recht haben, eigene Gesandte zum Concil zu schicken, werden wahrscheinlich auch vießmal von demselben Gebrauch machen und Special-Bevollmächtigte nach Rom abordnen." England. In Ashton fanden blutige Strci- tigfeiten zwischen Protestanten, die von einem fanatischen Prediger aufgehetzt worden waren, und irischen Katholiken statt. Mehrere Häuser der letzteren wurden verwüstet und Capellen zerstört. Das Militär mußte einschreiten, wobei viele und schwere Verwundungen vorkamen. Eine Anzahl der angesehensten Firmen Londons hat dem österreichischen Botschafter einen Protest gegen die Couponbesteuerung der auswärtigen Besitzer österreichischer Staatspapiere eingereicht. Die Journale erklären, wenn die Vorschläge auf Verkürzung der Staatsgläubiger in Oestreich durchgingen, würden neue österreichische Anlehen auf allen Börsen excommunizirt werden. Petersburg, 18. Mai. Die Großfürstin Dagmar wurde gestern Mittag von einem Prinzen entbunden. stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglichen sammtheit des deutschen Volkes ein brüderliches Gefühl Hofgerichts dahier, die Haupt- und Ergänzuugs- ter Zusammengehörigkeit lebt, welches von der Form, Geschworuen in folgender Ordnung ausgeloost wor- 9) Dr. Wilhelm Schüler, Hofgerichts - Advokat 10) Ottmar Weidig, Hofgerichts-Advokat, 11) Eduard' Thorwart, Hofgerichts-Advokat, 12) Ernst Wallenfels, Bäcker, sämmtlich in Gießen. H a u p t - G e s ch w o r n e. 1 j Peter Blecher IV., Bürgermeister in Ober- Roßbach, 2) Karl Hoos, Fabrikant in Lauterbach, 3) Friedrich Habicht, Branntweinhändler daselbst, 4) Caspar Schmiermund, Oeconom in Ober-Seibertenrod, 5) Jacob Burk, Bierbrauer in Friedberg, 6) Peter Klederger II., Landwirth in Melbach, 7) Georg Sann, Weinzapfer in Lauter, 8) Hein- rich Carle, Bürgermeisterin Ruppertenrod, 9) Johannes Viehl II., Bürgermeister in Rainrod, 10) Georg Zehner L, Müller in Schwalheim, 11) Dr. Ru- volph Lenckart, Professor in Gießen, 12) Georg Ewald IV., Oeconom in Ockstadt, 13) Friedrich Keil, Landwirth in Melbach, 14) Philipp Keil II., Landwirth in Melbach, 15) Samuel Windecker, Kaufmann in Friedberg, 16) Christian Landmann IV., Schildwirth in Gedern, 17) Johann Peter Schnei- der, Fruchthändler in Borsvorf, 18) Peter Kratz, Fürstlicher Kammerrath in Lieh, 19) Johanes Ja- ko bi VI., Bürgermeister zu Rodheim, Kreis Vilbel, 20) Karl Haberkorn, Kaufmann in Friedberg, 21) Conrad Römer, Ellenwaarenhändler in Schlitz, 22) Hermann Steinberger, Hofgerichts-Advokat in Gießen, 23) Martin Hartmann, Färber in Grünberg, 24) Georg Rasch, Schildwirth in Freien- Steinau, 25) Heinrich Walter, Landwirth in Maar, 26) Andreas Gemmer II., Bürgermeister in Zell, 27) Johannes Euler V., Kaufmann in Langen- Berghcim, 28) Jacob Wießler, Ellenwaarenhändler in Butzbach, 29) Conrad Köhler, Materialienhänv- ler in Lieh, 30) Alexander Rieß, Bürgermeister in Nauheim. Friedberg, 23. Mai. Der gestern dahier stattgehabte Vereinstag der oberhessischen Genossen- schäften war Seitens der Creditvereine in Marburg, Gießen, Wetzlar, Butzbach, Wieseck, Hers- seid, Alsfeld, Grünberg, Niever-Wöllstadt, Lang- GönS, Schotten und Reichelsheim durch Abge- ordnete zahlreich beschickt, und hatte auch ein weiteres und großes Auditorium herbeigezogen. Von Berlin waren die Abgeordneten Parifius (Garde- legen), E. Richter und Bankdirektor Sörgel erschienen. Die beiden Hauptpunkte der Verhandlung waren das projektirte Genossenschaftsgesetz für den norddeut- schen Bund und die Errichtung einer Filialbank in Frankfurt a. M. Ueber ersteren Gegenstand hielt Hr. Parisius einen lungern Vortrag und wurde nach einer längeren Debatte beschlossen, eine Petition auf Einführung des Genossenschaftsgesetzes an das norddeutsche Parlament zu richten. Ueber die Errichtung einer Filiale der Berliner Genossenschaftsbank in Frankfurt a. M. erstattete Herr Sörgel eingehenden Bericht und war die Versammlung einstimmig der Ansicht, daß eine solche Filiale für das Genossen- schastswesen in den Guldenlänvem eine unbedingte Nothwendigkeit fei. Zum Vorort wurde abermals Gießen, zum Abgeordneten für den allgemeinen deut- schen Genossenschaftstag Herr Haustein aus Gießen und zu dessen Stellvertreter Herr Bellinger aus Als, eld gewählt. Telegraphischer Schiffs-Bericht, mitgetheilt von Ehr. Wallenfels, jun. Das Bremer Postdampfschiff Amerika, Cap Ernst, von der Linie des norddeutschen Lloyd, trat am 16. Mai wiederum eine Reise via Southampton nach Rewyork an, und hatte, außer einer starken Brief- und Packetpost, 730 Passagiere und 600 Tons Ladung an Bord. Bon den Passagieren reifen : 23 Erw., 5 Kind., — Säugl. in I. Kaj. ober. Salon. 102 h 7 „ 2 „ „ I. „ unter. „ 470 „ 91 „ 30 „ im Zwischendeck. Das Bremer Postdampfschiff Hansa, Cap. Ote- rendorp, von der Linie des norddeutschen Lloyd, welches am 2. Mai von Bremen abging, ist nach einer glücklichen Reise von 13 Tagen wohlbehalten in Newyork angekommen. Das Amerikanische Dampfschiff Circasstan, Cap. Ellis, trat am 16. Mai eine Reise via Falmouth nach Newyork an und hatte 10 Erw., 5 Kind. — Säugl. in I. Caj. ober. Sal., 487 „ 131 „ 44 „ im Zwischendeck an Bord. Newyork, 19. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Dampfschiff des norddeutschen Lloyd Baltimore, Capitän W. Böckler, welches am 1. Mai von Bremen und am 4. Mai von Southampton ab- gegangen war, ist wohlbehalten in Baltimore ange- kommen. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.