Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleibcrg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kielen. Nr. 11. Samstag den 25. Januar 1868. Amtliche-Bekanntmachungen. Gießen, am 20. Januar 1868. Betreffend: Die Taubstummen-Statistik im Großherzogthum Hessen- Das Groß herzogliche Kreisaml Gießen an die Schulvorstände zu Allmdors a. d. Lda., Annerod, Burkhardsfelden, Ettingshausen, Garbenteich, Gießen, Hattenrod, Reiskirchen, Rödgen und Watzenborn-Steinberg. Wir erinnern Sie an Erstattung der Berichte nach Maßgabe der Verfügung vom 7. September 1857 binnen 8 Tagen. In Verhinderung des Kreisraths: Kekulä, Kreisaffessor. B e k a u n t m a ch u n g. Der Ausschuß des landw. Vereins von Oberhessen hat für das Jahr 1868 die Summe von 200 ft. zu Prämien für die schwersten Bullenkälber Vogelsberger Race ausgesetzt. Eigeuthümer von Bullenkälbern dieser Race, die im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. April d. I. geboren werden und die um Prämien concurriren sollen, haben ortsgerichtlich beglaubigte Anmeldungen, unter Angabe des Tages der Geburt und der Farbe des Kalbes, an Unterzeichneten einzusenden. Laubach, am 17. Januar 1868. Der Präsident des landw. Vereins von Oberhessen- Otto, Graf zu Solms-Laubach. Besondere Bekanntmachungen. Die Stellvertretung der Militär- dienstpflichtigen der Altersklasse 442) In Bezug auf vorbemerkte Angelegenheit ist in 9tr. 21 der Darmstädter Zeitung von 1868 eine Bekanntmachung des Großherzoglichen Kriegsministeriums erschienen, auf die wir die Betheiligten hiermit aufmerksam machen wollten. Gießen, am 23. Januar 1868, Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____________Vogt-____________ F r i st a b l a u f. 405) Zur Fürstlichen Rentei Lich können die Rückstände nur noch bis zum 31. Januar ohne Gerichtskosten bezahlt werden. Zahltage: Dienstags, Mittwochs und Donnerstags. Lich, den 17. Januar 1868. Kreutz er, Rentmeister. V e r st e i g er u n g e n. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 411) Montag den 27. und Dienstag den 28. Januar d. I., Wellen Prügelholz, Stockholz, Reisholz, 1508 38 66 Wellen Stecken 3'/t 8% 175 33 833/4 118 3936 117 Nadel- 9 Eichen-Stangen 14 Nadel- „ „ Prugelholz, „ Stockholz, „ Reisholz, Eichen-Scheidholz, jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, District Faulerboden, uachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als: 7Vz Stecken Buchen-Scheidholz, 532 Eichen-Stämme mit 17517 Cubikfuß, 7 Buchen- „ „ 258 „ Die Zus ammenkunft ist am Lumpenmannsbrunnen auf der Chaussee nach Lich. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Juni d. I. gestattet- Bemerkt wird, daß am ersten Tage die Stämme und Stangen und am zweiten Tage das Brennbolz versteigert wird, und d aß sich unter den Eich eu-Stämmen Stücke befinden, welche sich sehr- gut als Werkhölzer für Küfer und Glaser eignen- Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 21- Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen» Vogt. Bauholz - Versteinerung. 428) Im Londorfer Gemeindewalde, District Rückenstall, kommen den 29. d- Mts. 163 Nadel-Baustämme von 6 bis 15 Zoll mittlerem Durchmesser und bis zu 90 Fuß Länge = 8371 Cubikfuß enthaltend, zur Versteigcrung. Der Anfang und die Zusammenkunft ist Morgens 9 Uhr im District Rückenstall, am Wege von Nordeck nach Wermertshausen. Loudorf, am 21. Januar 1868- Großherzogliche Bürgermeisterei Londorf. Web er- Mobiliar-Versteigerung und Gläubiger-Aufforderung. 449) Montag den 27. d. Mts. und an den folgenden Tagen, jedesmal von Nachmittags 1 Uhr an, wird mit der Versteigerung der zu dem Nachlaß der verstorbenen Frau Pfarrer Koch gehörigen Mobilien in dem Bieler'schen Hause auf dem Asterweg fortgefahren. Zugleich fordere ich alle Diejenigen, welche noch Forderungen an die verstorbene -Frau Pfarrer Koch haben, auf, mir ihre Rechnungen zu behändigen, widrigenfalls dieselben bei der Vertheilüng deS Nachlasses keine Berücksichtigung finden- Wolf, Hofgerichts-Advocat- Feilgebotenes. 455) Frische Schellfische und Cabliauen, sowie täglich frisch gewässerte Stockfische, Lattig-Salat in Häuptchen und Teltower- Rübchen bei I. A. Busch Söhne. 450) Tafelsalz, & Pfd- 4 kr, empfiehlt Julius Wallach. Geferr und Kochherde in allen Arten und großer Auswahl empfiehlt (417) I- G- D- Bapst- 342) Ballorden in großer Auswahl bei Wilhelm Klee. 416) Weine, Sirr ne, Rum und Cognac, sowie Punsch-Essenze, Li- queüre, Kunsthefe und Essige von anerkannter Güte, eigene Fabrication, zu den billigsten Preisen, empfiehlt Pitthan, im Adler. 443) Ballkränze und Bonquets in großer Auswahl und zu sehr billig gestellten Preisen, sowie Glace- Handschuhe, das Paar zu 30 kr-, empfiehlt M- Heß, Lit- A- Nr- 64- 413) Kreppet, täglich frisch, bei August Noll. Tlionvcnif» von Bergmann r ver- miethet und am 15. April bezogen werden. Das Nähere ist bei der Exped. d. Bltts. zu erfragen. ___________ 438) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Ofenputzer Engel, ________________ Brandgafse._______ 410) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen bei Alexander Mayer. 409) Ein freundliches, möblirtes Zimmer mit Cabinet in einer Gartenwohnung ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen. Näheres bei der Exped- d. Bltts. 453) Ein kleines Logis ist zu vermiethen und sogleich beziehbar bei Schmied Unverzagt. 445) Im Clubgebäude ist ein möblir- tcs Zimmer mit Cabinet zu vermiethen bei Stürz Wittwe. 406) Durch Ankauf des Hauses der Fran Marguth ist der 2. Stock, bestehend in 5 Zimmern, 2 Cabineten, Vorraths- und Magdekammer, und der 3. Stock mit 3 Zimmern, 1 Cabinet, beide mit Zugehör, zu vermiethen. Auch kann der 2. Stock in 2 Logis vermiethet und am 1. Mai bezogen werden. W- Knoll, Kirchendiener. 408) Im „Russischen Host sind Lagerräume zu vermiethen; auch ist daselbst ein Haufen guter Mist zu verkaufen. 407) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei Fr. Fürst, in der Neustadt. 418) Vor dem Neuenweger Thor, nahe der Stadt, ist ein Garten zu vermiethen. Lusttragende wollen sich in Lit. B. Nr. 109 melden. Vermischte Anzeigen. 454) Ein Regenschirm ist in meinem Laden stehen geblieben. Der sich legitimirende Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Jnseratgebühren bei mir in Empfang nehmen. Carl Wenzel. 437) Eine noch junge schwarze Katze ist abhanden gekommen. Dem Ueberbringer dieser eine gute Belohnung in Lit. E- Nr- 4 auf dem Seltersberg. Die gemeinschaftliche Confeienz der Decanate Gießen und Großen-Linden wird künftigen Mittwoch, den 29. Januar, Vormittags um 10 Uhr, gehalten werden. ______Koch. Landmann. 433) Ein Dachshund ist aufgefangen worden und kann derselbe gegen Entrichtung des Futtergeldes und der Jnseratgebühren in Empfang genommen werden. Näheres bei der Exped. d. Bltts.__ W. Spindler's Färberei in Berlin. 434) Nächste Absendung: Montag den 27. Januar.____Kath. Münch. Consum-Verein. 436) Die Mitglieder werden auf Montag den 27. Januar, Abends 8 Uhr, zu einer General-Versammlung in dieWirthschast des Herrn Karl Heil hiermit eingeladen. Tagesordnung: Abhör der Rechnung rc. rc. Zu zahlreicher Betheiligung ersucht Der Vorstand. 444) Es wird gegen guten Lohn ein reinliches, williges Dienstmädchen oder auch Laufmädchen gesucht. ________Louis Petri, Neuenweg. 429) Gesunden einen Herrenhut, welcher gegen Erstattung der Jnseratgebühren in Empfang genommen werden kann- Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts.____ 414) Ein anständiges, gebildetes Frauenzimmer aus guter Familie, welches hauptsächlich perfekt kochen kann und vollständig einem Haushalte vorzustehen weiß, wünscht sich auswärts zu placiren. Näheres bei der Exped. d. Bltts-___________________________ Für Oecononren. 442) Ein in der Landwirthschaft theoretisch und praktisch ausgebildeter militärfreier junger Oeconom, mit sehr guten Zeugnissen, wünscht Stelle als Verwalter oder Oeco- nomie-Gehülfe. Franco-Offerten unter A. z. Nr. 32 befördert die Exped- d- Bltts. 415) Zwei Lehrlinge sucht I. Th. Haubach II., Nähmaschinenfabrik. 439) Nr. 37 hat den Rock gewonnen. Erdmann, Polizeidiener. Shakespeare - Vorlesung. 458) William Luez liest im Saale des „Prinz Carl“ Sonntag' den 26. Januar, Abends 7 Uhr : „König Riclsartl Billets ä 30 kr., für Studenten ä 18 kr. im Prinz Carl. Der Netto-Ertrag ist für die Nothleidenden in Ostpreussen bestimmt. Gesangverein „Harmonie " 446) Zu der am 9. Februar, Abends 8 Uhr, im Prinzen Carl stattfindenden A li e n d u n 1 e r h a l l u n g können Karten bei den Herren L- Bramm, Neustadt, H. Schnell, Marktplatz und Th- Schneider, Maigaffe, für Herren zu 18 kr. und für Damen zu 6 kr. gelöst werden.________Der Vorstand. Schnell - Schön - Schreib - Unterricht. | 452) Durch meinen nur achtstündigen Unterricht garantire ich eine,schöne | und geläufige Handschrift. Dienstag den 28. d- Mts. beginnt der zweite und | letzte Cursus. Resultate Hiesiger hängen in der Ricker'schen Buchhandlung zur | geneigten Einsicht aus. Das Honorar beträgt a Person 5 Thlr., in kleinem Zirkel g 8 Thlr. und wird nur nach vollständiger Leistung des Versprochenen beansprucht. ? Ein besonderer Cursus für Damen ist wieder arrangirt. Um frühzeitige Anmeldung wird gebeten. Sprechstunden von 4—8 Uhr Abends. I I. Wolff, Taubstummenlehrer, i Hötel Prinz Carl. 440) Sonntag den 26. Januar, Nachmittags halb 4 Uhr: Sextett von Mitgliedern der Gießener Musik-Capelle im Cafv Ebel, Abends halb 8 Uhr im Cafe Kuhlmann. Im großen Saale -es Cafe Leib. 448) Sonntag den 2 6. Januar 1868: Großes Concert (mit abwechselnder Blas- und Streich-Musik), ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des hiesigen 1. Jäger-Bataillons CiUröe für Herren 9 kr., für Damen 6 kr. Anfang halb S Uhr. Bei diesem Coneerte wird Bier in Flaschen verabreicht- Zinß er scher Garten. 447) Sonntag den 2 6. Januar 1868: Großes Militär-Concert, ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des 8. Rhein. Jäger-Bataillons, unter Leitung seines Kapellmeisters, Herrn Merstedt. Programm. I. T h e i I: 1) Fest-Marsch zu „Victoria regia“ von A. Conradi. 2) Ouvertüre zur Oper „Figaro's Hochzeit" von Mozart. 3) Cavatine für Trompete von Donizetti. 4) Arie mit Chor des II- Acts aus der Oper „Robert der Teufel" von Meyerbeer. 5) „Mit hundert Atmosphären", Walzer von I. Gung'l. II. Th eil: 6) Divertissement aus der Oper „Die Afrikanerin" von Meyerbeer. 7) Klänge von der Jagd von Tschirch. 8) Ave Maria von Schubert. 9) Musikalischer Steckbrief von Zuhlehner. 10) Gratulations-Polka von Northe. Aufong t Uhr. — (Siitrce für Herren l2 kr., für Damen 6 kr. Für die Hinterbliebenen der aus der Steinkohlen- grube Neu-Iserlohn verunglückten Bergleute. Die Unterzeichneten, welche erst vor wenigen Wochen ihre Sammlungen für die Hinterbliebenen der Luganer Bergleute geschlossen haben, sind wiederum zusammengetreten, um die Mildthätigkeit für die vielen hülfsbedürftigen Familien der Bergleute anzurufen, die am 15. b. Mts, in unserer Nachbarprovinz Westphalen in der Steinkohlengrube Neu-Iserlohn bei Langendreer ihren Tod gefunden haben. Die gegenwärtigen vielseitigen Anforderungen an die Opferivilligkeit der Bevölkerung dürfen uns nicht abhalten, diese neue Bitte um Gaben an alle Menschenfreunde und insbesondere an die Berufsgenossen zu richten, denn auch hier thut rasche und reichliche Hülfe so dringend Noth. Schon am Abend des Unglückstages belief sich die Zahl der Todten auf 78, und noch 15 bis 20 Bergleute liegen schwer verletzt darnieder! Die uns zukommenden Gelder werden wir dem bereits an Ort und Stelle gebildeten Unterstützungseomite zur Verwendung übersenden. Bonn, den 17. Januar 1868. von Dechen, Nöggerath, Brassert, Fabricius, Bluhme. Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Revier Wetzlar hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, eine Sammlung milder Gaben zur Unterstützung der hülfsbedürftigen Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute zu veranstalten. Zur Ueber- nahme und Uebermittelung solcher Gaben sind bereit: Bergmeister Riemann, Kaufmann C. Th. Waldschmidt, Dr. Dieffen- bach, Gewerke Raab und Rendant Röder dahier, Hüttenbesitzer Wehreuboldt, Justushütte bei Gladenbach, Gewerke Briet jun. in Gießen, Bergverwalter Hermanni in Leun und Bergverwalter Fey in Tiefenbach. Wetzlar, den 20. Januar 1868. Der Vorstand. Kirchliche Anzeigen. Lvangettsche Gemeinde zu Hießen. G o t t c s d i c n st. Am 26. Januar. Morgens: Pfarrer Dr. Seel. Nachmittags: Pfarrer Landmann. (Künftigen Sonntag Feier des heiligen Abendmahls.- K o p u l i r t e. Denl9. Januar. Ludwig EmilStauß, Bürger in Wetzlar und Schreiner dahier, des verstorbenen Bürgers und Maurers in Wetzlar, Adam Stauß, ehelicher Sohu; und Luise Bertha Weidig, des verstorbenen hie- LrijWäcker zu Ließen. Sonntag den 26. Januar. Christian Jughardt in der Wallthorstraße. Louis Kämmerer auf dein Seltersweg. Heinrich Plank in der Neustadt. figen Bürgers und Küfers, Balthasar Weidig, eheliche Tochter. Getaufte. Den 19. Januar. Dem Bürger und Schreiner, Emil Paul, ein Sohn, Ferdinand Heinrich Martin, geboren den 24. Deeember. Denselben. Dem Bürger und Färbermeister, August Wallenfels, ein Sohn, Georg Karl, geboren den 2. Deeember. Denselben. Dem Bürger und Bäcker, Ludwig Schneider, eine Tochter, Elise Marie Philippine, geboren den 24. Deeember. Beerdigte Den 20. Januar. Daniel Ludwig Lich, des Ortsbürgers in Hansen und Postillons dahier, Wilhelm Lich, ehelicher Sohn, alt 5 M., gestorben den 18- Januar. Den 21. Januar. Karoline Elisabethe Margarethe Schimpf, des verstorbenen Bürgers und Fuhrmanns, Jakob Schimpf, eheliche Tochter, alt 21 I. 3 M- 27 T., gestorben den 19. Jannar. Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel. Börsennachrichten. 23. Januar 1868. Prioritäten. 50/0 östr. F. St. E. B. 2121/2 Ludwigsh.-Bexbach 157 Maxbahn 107 ’/s Bayer. Ostbahn 120 Hess. Ludwigsbahn 1293/s 3o/o östr. Stsb.-Prior. 517/g 3% östr. s. Lombard. 423/g 30/0 Liyorneser 28 Vz Toscaner 40 Vr Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 74J/4 do. II. Emiss. 731/4 Wechsel. Ainsterd. k. 8. 100y2 Augab. k. 8. 100 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 97% Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 88 l/z Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119 f/<4 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 95 Wien k. 8. 993/8 Disconto 3% G. Preuss. 4i/2% Obi. 967/g Frankf. 3l/2% Obi. 823/g Nass. 41/a°/o Obi. 945/g Kurh. 4°/o Obi. 90*/g Hess. 40/o Obi. b. Roths. 90 Vs „ 3 l/r"/o do. do. 85 Bayer. 5% Obi. 101 Vt „ 41/2% 1jährige 94 Vs „ 4V2% '/»jährige 93% Würtemb. 4'/a^/o Obi. 94>/g Baden 4V2% Obi. c. E.L. 93% Oestr. 5% b. R. 60V4 „ 5% National 535/s „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuerf. 481/2 Amer. 6% 1882r Bds. 76 Vg „ 60/q 1885r 753/4 Geldsorten. Pr. Gass. Sch. 1 447/j-45'/, Div. Cass.-A. — Pr; Friedrdor. 9 57-58 Pistolen . . 9 49-51 „ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankenst. 9 29-30 Engi. Souver. 11 54-58 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 27-28 Anlelienalooee. Kurh. 40 Thlr. Loose 533/4 Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 142’/a Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4O/o bayr. Präm. Anl. 99% 4% badische Loose 977/s Badische fl. 35 Loose 51 1858r Prioritätsloose — 1860r Loose 7O7/s 1864r „ 771/s Actien. Frankf. Bank 1263/4 Oester. Bank 664 „ Creditact. 183 Darmst. Bankact. 210 Feuilleton. Vetter und Base. Eine Familiengeschichte. (Fortsetzung.) Ist'« möglich?" rief Rudolph Balder halb erstaunt, halb entrüstet. „Und doch stimmt Deine Erklärung meiner unerwartet freundlichen Aufnahme nur allzu sehr mit dem zusammen, was mir mein Vater von der Tante sagte! . . - Aber das ist ja abscheulich!" , . „O, ja, und demüthigend genug für uns beide, denn ich bilde mir ein, ich fei' doch noch etwas mehr als nur der Besitzer einiger hunderttausend Gulden, die mir mein Vater hinterlassen hat, und in Dir sehe ich nicht den ungeschlach. ten linkischen Junker vom Dorfe, welchen die Tante in dem 'neuen Vetter' er> erwartet, sondern einen ganzen fixen gewandten Mann, an dem sich keine Tante der Welt zu schämen braucht, denn Du scheinst mir Kopf und Herz an der rechten Stelle und genug Eisen im Blute zu haben, um noch Deinen Weg in der Welt zu machen!" „Das ist empörend, Vetter!" rief Rudolph und seine dunklen Augen flammten, seine Wangen glühten. „Meiner Treu, wenn cS mir nicht um den wackern Onkel Gottfried wäre, so kehrte ich stehenden Fußes um und suchte mir ein Unterkommen im Gasthofe . . . ." „Nein, dich würde meinen Plan verderben," sagte Robert. „Die Erfahrung, welche wir im vorliegenden Falle machen, besagt im Grunde nicht viel nur etwa die alte Lehre, daß leider das Gold in unseren Tagen der Götze der halben Welt ist; daß Handel und Spekulation und Genußsucht und Schwindel da« goldene Kalb mit Erfolg auf den höchsten Gipfel unseres gesellschaftlichen Altars erhoben haben. Geld gibt Adel, Talent, Geburt, Bildung; Geld schafft Ehre, Ansehen, Männlichkeit, Tugenden aller Art; Geld verwandelt den Dummkopf in einen hoffnungsvollen gesuchten Jüngling, dem sich alle Thüren öffnen, und macht aus der albernsten Puppe oder Schlumpe eine 'elegante, klassische, statuenhafte Schönheit'! Nimm den gediegensten Kerl mit leerer Tasche und einem abgeschabten Rocke und stelle neben ihn einen Einfaltspinsel mit dem leer« sten Hirn aber schönen modischen Kleibern, schwerer goldenen Kette, einen Stutzer, Dessen ganzes Leben nur in einer einzigen langen Hingebung an die Schleife seiner Cravatte und den Wurf feiner gebrannten Locken besteht, und bringe beide in einen Salon voll der gebildetsten und schönsten Mädchen, und alle werden um des hohlen Stutzers willen den einfachen bescheidenen gediegenen Mann über- sehen. Ach, mich widert dieser MolochSVienst vor eitlem Schein und schnödem Geld unsäglich an!" „Mich ebenfalls, Vetter Robert!" rief Rudolph, „und wenn ich nicht wußte, daß Onkel Gottfried der Kränkung ganz fremd ist, welche uns beiden angethan wurde, so rnöcht’ ich mich irgendwie dafür an der Tante rächen!" „Willst Du das, Herzensvetter?" rief Robert; „willst Du das wirklich, nun denn, so schlag' ein und ich theile Dir ein Plänchen mit, wodurch wir unserer geldstolzen Tante und den beiden Cousinen eine heilsame Lection ertheilen können! — Siehst Du, mein Anschlag geht dahin: jeder von uns spielt hinfort den Charakter, den ihm Zufall oder Schickung heute angewiesen hat! Du bist der reiche bevorzugte Vetter Robert, auf welchen Tante und dre Cousinen so große Erwartungen setzen- Du hast eine feine Garderobe und Weltgewandtheit genug, um den weitgereisten reichen Vetter spielen zu können, während ich au einige Tage Deine Stelle auf dem Comptoir einnehme, bis ich des Spasses überdrüssig bin. Willst Du? „Ich möchte wohl, aber ich fürchte den Oheim dadurch zu beleidigen!" versetzte Rudolph. „Sei ohne Sorgen, ich nehme alle Verantwortung auf mich!" sagte Robert lachend- „So wie ich den Onkel kenne, gönnt er den Damen die Lehre, die wir ihnen geben wollen, von Herzen. Und dann ist Deine Rolle ja keine unangenehme. Die Tante und die Cousinen werden Dich auf den Händen tragen, vergöttern. Du brauchst nur ebenso zuvorkommend gegen beide zu fein, und Henrietten Deine beeifertjlen Huldigungen zu Füßen zu legen- , Ich sage Dir, die Sache ist federleicht! Spiele nur den Blasirten, verachte weidlich alles, was deutsch und einfach und natürlich ist, und gib Dich als einen unleidlichen Gecken und Zierbengel, der nur für Ausländisches schwärmt! . . „Das ist mir nicht so leicht, als Du glauben magst, Vetter!" versetzte Rudolph. „Ich bin ein offener gerader Bursche, schlicht und recht; ich kann mein Naturell nicht so leicht verleugnen, und es widerstrebt mir völlig, Komödie zu spielen!" „Gib mir Deine Hand, Herzensjunge! nun gefällst Du mir noch etnma so gut! rief Robert. „Ehre dem Mann, der nie sein eigenstes innerstes Ich verleugnet! — Nun denn, so gib Dich ganz so wie Du bist, als ein biederer, herzlicher, gerader Junge, der sich auch in der Fremde fein ehrliches deutsches Herz bewahrt hat. Du wirst dadurch selbst in den Augen jener verkehrten Damen um kein Jota weniger achtbar erscheinen, denn die Wahrheit schlägt ja am Ende doch überall durch! — Ich aber will Deine Rolle spielen und auf Deinen Namen sündigen und mich den Damen ganz in demjenigen Lichte zeigen, welches ihre vorgefaßte Meinung gegen den armen Vetter vom Lande zu rechtfertigen scheinen wird!" „Wohlan, lieber Vetter! sündige Du auf meinen Namen; ich werde mich schon "so benehmen, daß die künftige Entdeckung unseres Betrugs Dir und mir keine Unehre bereiten kann!" In diesem Augenblick trat der Lakai ein und brachte auf einem Prasentir- brett einige ausgesuchte kleine Gerichte und eine Flasche Bordeaux und Champagner. Jean war nicht wenig überrascht, den Vetter vom Lande so cordial bei dem reichen holländischen Vetter zu sehen, und sagte: „He, Herr Balder von Wetterselv, Ihr Kaffee ist oben!" . So bring’ ihn herunter, Bursche, und leg’ mir hier em Couvert hm! sagte Robert; „mein Vetter hier theilt mit mir seine Mahlzeit und ich hernach mit ihm den Kaffee, nicht wahr, Vetter? so ist uns beiden geholfen!" setzte er mit einem vergnügten pfiffigen Gesicht und einem wiehernden Lachen hinzu. Jean zögerte, aber ein ernster Wink von Rudolph machte ihn fügsam- „Legen Sie ihm ein Couvert auf, ich bin gewöhnt, in Gesellschaft zu speisen," sagte er zu Jean. „Und nun holen Sie den Kaffee und lassen Sie uns allem!" „Nicht wahr, Bursche! ich hab' Dich überlistet?" rief Robert mit feinem kynischen Lachen und drohte Jean mit dem Finger. — „Du siehst, Vetter, ich bin schon mitten in meiner Rolle," wandte er sich dann an Rudolph, als sie allein waren. „Aber nun laß uns tüchtig zugreiscn und rasch essen, daß die Komödie beginnen kann. Ich brenne vor Begierde, die zärtliche Tante in Verlegenheit zu bringen und die stolzen Cousinen über mich erröthen zu sehen. Und dann müssen wir noch einige Notizen über unsere individuellen Verhältnisse au»« tauschen, damit wir unsere Rolle besser spielen können und nicht zu schnell entlaßt werden. Also auf gut Glück, Vetter!" rief er und stieß mit ihm im purpurnen köstlichen Wein an; „laß uns essen und trinken, denn nach einer guten reichlich befeuchteten Mahlzeit hat der Mensch noch einmal so viel Zuver« cht und muthwilligen Witz!" 5. Ein Quadrille war gerade vorüber, und die Commerzienräthin, welche mit Ungeduld der Ankunft ihres Neffen Robert im Salon entgegensah, von dessen Eintreffen sie ihre Töchter längst benachrichtigt hatte, — die Commerzienräthin kehrte so eben in den Empfangsaal zurück, als der Lakai die Flügelthüren auseinander schlug und nach einer im Bäuerischen Hause eingeführten Neuerung den Namen eines neuen Gastes in den Saal hereinrief, und zwar: „Herr Robert Balder!" , Ein freudiger Schreck durchbebte die Commerzienräthin und ihre Blicke wandten sich, wie die ihrer Umgebung, mit gespannter Erwartung der Thüre zu, durch welche jetzt bescheiden und beinahe zögernd ein großer schöngewachsener unger Mann in einem eleganten aber einfachen GesellschastS« Anzuge trat und mit einem leichten Erröthen auf dem blühenden Gesichte sich der Frau vom Hause näherte, die ihm entgegentrat. „Ich bin so frei, mich Ihnen vorzustellen, beste Tante, und Ihnen meinen herzlichsten Dank zu sagen für den auszeichnenden Empfang, den Sie mir bereitet haben," Hub er an und küßte ihr achtungsvoll die Hand, was sie mit großer Ostentation durch eine zärtliche Umarmung erwiederte. „Wie freue ich mich, Ihr gastliches Haus in einem solch festlichen Augenblicke zu betreten unb mich im Schooß Ihrer Familie zu sehen!" „Mein lieber, lieber Neffe! es ist ja Deine alte Heimath, in welcher wir Dich wieder herzlich willkommen heißen," erwiederte die stattliche Frau mit ihrem gnädigsten Lächeln. „Und wie groß und schön Du geworden bist! Fast hätt’ ich Dich nicht wieder erkannt, ohne Den Familienzug den Du nicht verleugnen kannst." Und nun stellte sie ihn den Umgebenden mit einer unbeschreiblichen Selbstgenugthuung als ihren Neffen Robert vor, welcher so eben aus Ostindien und Südamerika zurückgekehrt sei. Der Neffe verbeugte sich im Kreise, und als er sich wieder zur Tante wandte, sah er neben dieser ein junges Mädchen mit glänzenden Augen und glühenden Wangen stehen, dessen Blicke mit fieberischer Ungeduld an ihm hingen. „Das ist Henriette!" rief er herzlich, von seiner Ahnung richtig geleitet und ergriff ihre Hand, die sie ihm schon halb entgegengereicht, und drückte sie mit aufrichtiger Wärme „Willkommen, Gott-willkommen, meine liebe, liebe Cousine! Wie reizend Du geworden bist." „Vetter, lieber Robert!" stammelte Henriette bebend und erglühend und schien ihre sonstige Selbstbeherrschung ganz eingebüßt zu haben. „Wir haben Sie mit solcher Spannung erwartet . . . ." „Sie? Ei, ei, Henriette! wir sind ja leidliche Verwandte — wie fremd und förmlich klingt Da Das 'Sie', zumal Da wir als KmDer uns schon gekannt! Weßhalb also Diesen frostigen Mißklang Der Etikette in Diese herzliche FrepDe Des Willkomms hereintragen?" „Verzeih, Robert! aber in Deinen Briefen „Ah, in Briefen, Die man sich von ferne schreibt, Da mag Das formelle (®ie’ erlaubt fein; aber wenn man sich erst wieder frei in's Auge blickt und Hand in Hand des Wiedersehens freut, wie kann man Da anDerS, als Dem Herzen ganz Den Zügel schießen lassen?" , „Nun Denn, Rodert," erwiederte sie mit einem raschen seelenvollen Bucke, Der wirklich aus irgenD einem fernen Winkel ihres Herzens, wohin Der Stolz unD Weltsinn noch nicht gekommen war, emporzuglühen schien, „Du hast recht, wie Du es von jeher hattest! Ich strecke Die Waffen. Ader hier ist auch Ida!" setzte sie hinzu unv Deutete auf Das schlanke Mädchen im blauen Kleide, das am Arm des Grasen Damiani herankam. „Ach, fürwahr!" rief Ida enthusiastisch, „es ist Vetter Robert! man sieht ihm an dem dunklen Teint an, daß er aus den TropenlänDern kommt. UnD wie männlich unD kräftig er aussieht! Er hat vollkommen un air distingud, nicht wahr, Graf? Kommen Sic, ich will Sie ihm vorstellen!" JDa fanD bei Robert einen nicht minDer herzlichen EmpfangEalS Henriette, aber Der fremDe Graf schien nicht geneigt, seine Tänzerin lange Dem so enthusiastisch gelobten Vetter gegenüber zu lassen, und entführte sie bald wieder, worauf Henriette Robert's Arm ergriff und ihn in den anstoßenden Saal führte, um ihn anderen Gästen vorzustellen. Unter Anderen stellte sie ihn auch ihrer Freundin Julie Fink vor, Die er als eine alte Bekannte begrüßen sollte; es kostete Den Vetter Mühe, Dem forschenDen Blicke Juliens gegenüber feine volle Fassung zu behalten, Denn sie war hübsch unD hatte ein Paar reijenDer kluger Augen, Die ihn Durch unD durch zu schauen versuchten; aber einige artige Phrasen Der FreuDe über Dieses WicDersehen unD Der Hoffnung auf Erneuerung Der alten Vertraulichkeit halfen ihm über feine leichte Verlegenheit hinweg, unD neue Gestalten Drängten sich zwischen Julien unD ihn. Julie aber eilte zu ihrer älteren Schwester. „Hast Du ihn gesehen?" fragte sie. „Ich erkenne keine Spur mehr von Dem muthwilligen ausgelassenen tollen Jungen Robert in Diesem ernsten gesetzten Manne." „Ich auch nicht, meine Liede," erwiederte Frau Loßmann; „aber ich gestehe , daß er mir nur Dadurch gewonnen zu haben scheint Wie männlich und besonnen und schön er ist! Man sieht ihm an, daß er viel gereist ist und in Der großen Welt gelebt hat; er ist so ruhig unD gefaßt, so maßvoll und zuversichtlich , unD Doch bescheidener als man bei einem Mann von feinem Verwogen erwarten durfte." „Und sieh’ nur, wie Henriette an feinem Arme hängt, mit welch leuchtenden Augen sie zu ihm emporblickt!" flüsterte Julie; „wie sie sich auf den Zehenspitzen streckt, um neben ihm nicht allzu klein zu erscheinen! Wie sie Du Verliebte spielt, um diesen Goldkäfer zu umgarnen." Frau Loßmann sah dem Paare begierig nach. Dann sagte sie kopfschüttelnd zu Der Schwester: „Dießmal, Julie, treibt Henriette BalDer kein Spiel. Duß- mal hat Der Liebesgott auch ihr stolzes Herz berührt. Sieh nur, wie sie Du Farbe wechselt, wie Purpur und Blässe sich auf ihren Wangen jagen, wie ihr Busen wogt und ihre Hand zittert, und wie ihr Auge unverwanDt an ihres Vetters Munde hängt! Sie hat zu lange ihr Herz verschlossen und mit Dem Feuer AnDerer gespielt; jetzt loDert es in ihrem Herzen wie von Flammen. Ader er ist zu gut für sie!" (Forts, folgt.) Politische Rundschau Darmstadt, 22. Jan. In der zweiten Kammer erklärte das Ministerium, daß für den Ban der Eisenbahnen in Obcrhejsen annehmbare Offerten Vorlagen und zwar wegen einer Bahn von Gießen über Grünberg, Alsfeld, Lauterbach und Fulda, sowie von Gießen über Büdingen nach Gelnhausen. — In der Abgeordnetenkammer zeigte sich große Verstimmung. Dresden, 21. Jan. Anläßlich zahlreicher Petitionen beschloß die Abgeordnetenkammer, die Staats- regierunz zu ersuchen, bei den competenten Organen des norddeuischen Bundes dahin zu wirken, daß Vas preußische Militärleigungsgcsetz vom 11. Mai 1851 abgeändert und für alle zu Militärzwecken zu leistenden Dienste eine Entschädigung gezahlt werde. Karlsruhe. Während Vie daierische Reichskammer, Vie im ihr vorgelegten Wehrgesetzentwurfe beantragte längere Drenstvauer angenommen, hat, wie wir schon voraussetzten, vicselbe in ver badischen unv württembergischen Kammer Widerstand gefunden und giebt dieser Widerstand vielleicht Veranlassung, daß auch im Norddeutschen Bund der Ansicht endlich Rechnung getragen wird, die Dienstvauer auf eine zweijährige herabzusetzen. Zwar ist diese unsere Hoffnung eine sehr schwache, obschon wir meinen sollten, daß Vas, was nach Ansicht Ves würt- tembergischen Kriegsministers bei Ben „schwerfälligen" Württembergern zu erreichen, ven „intelligenten" Preußen resp. Norvdeutschen eine Kleinigkeit sein müsse. Dieser Wivcrstanv der Bavenser unv Württemberger ist für uns aber ein Grunv mehr, warum wir viese Kräfte auch im Norvdeutschen Reichsrath vertreten, resp. die Kompetenz des Zollparlam-uts erweitert wissen wollen, denn nur vurch den Hinzu- tritt der ravicalcren Elemente Südveutschland ist in der Zukunft auf eine erfolgreiche Bekämpfung der starr conservativen preußischen Bestanvrheile des Reichstags zu rechnen. Stuttgart, 22. Jan. (Abgeordnetenkammer.) Die beantragten Eontrolversammlungen der Landwehr wurden, trotz des Widerspruches ver Regierung, verworfen. Das von Seiten der demokratischen Partei bekämpfte Institut ver einjährigen Freiwilligen wurve mit 78 gegen 4 Stimmen im Principe angenommen. Es herrscht in regierungsfreundlichen Kreisen bie Befürchtung, daß Vas Kriegsviensigesetz in verstümmelter Gestalt auch regierungsseitig für unannehmbar erklärt, sowie, daß außervem Vie vemokra- tische Partei bei Ver Schlußabstimmung sich dagegen aussprechen werde. Die Erbitterung unter den Parteien ist groß. München, 22. Jan. Die daierische Regierung hat in Berlin und Florenz mitgetheilt, daß sie dem italienisch-norddeutschen Schifffahrtsvertrag vom 14. Oktober 1867 beizutreten beabsichtige. München, 22. Jan. Ein ofsiciöser Artikel der „Süvdeutschen Presse" mahnt, sich an ven Zollparlamentswahlen lebhaft zu betheiligen. Die daierische Regierung wolle nicht den Eintritt in den Norvbund, noch eine Erweiterung der ParlamentS-Competenz, welche vertragsmäßig begründet, auch nur vertragsmäßig geändert wcrven könne. — Der Gewerbsaus- schuß der Abgeordnetenkammer beharrt auf der Nicht- eoncessionirung des Buchhandels und empfiehlt als Folge eingetretener Bestrafung eine dreijährige Entziehung ves betreffenden Gewerbes. München, 22. Jan. Ein officiöser Artikel der „Südv. Presse" tritt ver nationalen Agitation bezüglich des Zollparlaments entgegen, indem sie es für unangemessen hält, schon jetzt, bevor noch das Zollparlament seine Probe bestanden, dessen Grundlagen umzugestalten, und indem sie weiter hervorhebt, daß die Zollvereinsverträge die Rechte VeS Zollpar- lamenkS ebensowohl begrenzen, wie sie dieselben begründen; das Blatt betont, daß eine Erweiterung ver Kompetenz des Zollparlaments nur auf dem Wege freier Vereinbarung der Regierungen herbeigeführt werden könne. Die daierische Regierung hält das nationale Ziel fest im Auge, sie werve sich aber die nur ihr selbst zustehenvc Initiative zur Corn- petenzerweiterung nicht nehmen lassen. Prag, 20. Jan. Gestern Abend gegen 7 Uhr rottete sich eine große Menschenmasse in der Casino- gasse zusammen. Die unter Anstimmung einer Katzenmusik und Schimpfworten gegen Beust, Steine gegen Die Castnofenster warf Die Communalmannschaft, Gendarmerie und Staatspolizeiorgane erschienen und forderten die Rotten auf, auseinander zu gehen. Des neuen Bürgermeisters Klaudy's Rede, sowie dessen Stellvertreter Hulesch's Bemühungen, zu besänftigen, blieben anfangs fruchtlos ; endlich aber zog Die Menge unter Slsvarufen und Hej Slovane singend vor die czechische Beseva am Graben. Dr. Klaudy suchte die „Kein Fackelzug"-Rufer abermals zu beruhigen, aber vergebens. Der Massenzug ging nun auf den Roßmarkt zur WenzelSstatue, wo das „Svaty Vaclave“ und „Hospodinp pomiluj“ gesungen wurde. Auf die Worte: „Zweck erreicht, auseinanvergehcn", erfolgte sodann die Auflösung der Menge. Einzelne Arretirte wurden durch den Proletariatsandrang befreit. Um 10 Uhr herrschte wieder Ruhe. Die cze- chischen Techniker hatten durch gedruckte Placate eine Aufforderung zur DcmonstrationS-Theilnahme erhalten. Prag, 21. Jan. Heute hat die feierliche Installation ves Bürgermeisters stattgefunden. Es waren militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen. In der dritten Gasse, wo das deutsche Kasino sich befindet, halten sich Volksmassen angesammelt, dieselben wurden jedoch vom Militär und der Polizei zurück- gcvrängt; Die Breitegasse war abgesperrt, sonst war in Der Stadt alles ruhig. Florenz, 19. Jan. Die „Opinione" dementirt die namentlich von französischen Blättern verbreitete Nachricht, Preußen habe ein angeblich von Italien gestelltes Anerbieten auf Abschluß eines Allianz- Vertrages abgelehnt, und bemerkt, Italien habe ein solches Anerbieten überhaupt nicht gestellt. Das offieiöse Blait fügt hinzu, daß Italien durch seine schwierige finanzielle Lage verhindert sei, ein ernstlicher Alliirter zu fein. Italien müsse im Einverständnisse mit Frankreich bleiben. Uebrigens erlaube Das freundschaftliche Verhältniß zu Frankreich die Aufrechthaltung Der gegenwärtigen Beziehungen zu Preußen. Die Zeit Der politischen Wendungen fei vorüber. — Die Deputirten treffen zahlreich aus den Provinzen ein, um Der morgen erwarteten Einbringung Dcs Finanzexpose's beizuwohnen. Florenz, 20. Jan. Abends. Nach dem Der Kammer erstatteten Finanzbericht beträgt das Deficit im Staatshaushalt pro 1866 Die Summe von 168 Millionen, pro 1867 stellt sich das Deficit, inet. Der Durch Die Octoberereigniffe veranlaßten Ausgaben, auf 223 Millionen, mithin betrug Dasselbe EnDe des ab- gelaufenen Jahres 391 Millionen. Im Jahre 1868 wild ein Deficit von 183 Millionen und außerdem noch ein Betrag von 56 Millionen zu decken sein, so daß das Deficit Dur drei Jahre 1866/68 sich auf 630 Millionen belaufen wird, welches aber durch Schatzbons und andere disponible Mittel auf 236 Millionen rebucirt werden kann. Behufs Deckung dieses Ausfalls von 236 Millionen schlägt der Minister folgende Hülfsquellcu vor: Mahlsteuer 70 Millionen, Einregistrirungs- und Stempelsteuer 79 Millionen, Ersparnisse 14 Millionen, mithin im Ganzen 153 Millionen, wodurch das Deficit auf 83 Millionen herabgemindert werden kann, welche Summe durch die succcssive Ertragserhöhung der proponirten Steuern gedeckt werden und innerhalb zwölf Jahren gänzlich schwinden wird. Florenz, 20. Jan. Die „Opinione" versichert gegenüber Den Meldungen Der „France", Daß Die italienische Regierung allerdings in einer nach Ma- DriD gesandten Note gegen Die in Der vielbesprochenen königlichen Rede über Die italienischen Angelegenheiten ausgesprochenen Ansichten protestirt und gleichzeitig erklärt habe, daß, wenn anläßlich Der letzten römischen Ereignisse Frankreich in Der Septembercon- vention einen Grund zur Rechtfertigung feiner Juter- oenticn zu haben glaubte, Die italienische Regierung Doch niemals DulDen werde, daß irgend eine anDere Machk das Pnucip Der Nichtintervention verletze. Florenz, 20. Jan. Wie Die „Italienische Korrespondenz" meldet, ließ Der Kaiser von Oesterreich Dem König von Italien Den AuSDruck seines Dankgefühls für den Beweis Der Freundschaft und Sympathie übermitteln, welchen Der König Durch Absendung eines Vertreters zu Den Trauerfeierlichkeiten in Triest unD Wien Dem Kaiser gegeben. — Wegen Ernennung eines italienischen Gesandten am österreichischen Hose ist, Derselben CorresponDenz zufolge, noch nichts entschieDen. Paris, 21. Jan. Der „Constitutionnel" theilt mit, Daß Die Commission für Die Besitzer mexikanischer Obligationen gestern vom Finanzminister empfangen worben unD Die Ueberzeugung zurückgebracht habe, Daß Die Regierung geneigt fei, Den gesetzlichen An- prüchcn Der Besitzer gerecht zu werDen. Madrid, 22. Jan. Narvaez erklärte in seiner Antwort auf Menabrea'S Depesche, daß Spanien eventuell bereit sei, für die Vertheidigung des päpstlichen Stuhles mit einzutreten. Kopenhagen, 19. Jan. Die während des Krieges von 1864 verschwundenen Flensburgischen Alterthümer wurden zu Korsör wieder gefunden und sind hier eingetroffen. London, 19. Jan. Der „Observer" meldet: Gestern Abend feuerten mehrere Fenier auf zwei Beamten der Sicherheitspolizei. Am Mansion-House (Wohnung ves Lord-Mayor) wurde eine fenische Proklamation gefunden. Barral, einer der Mithelfer der Clerkenweller Explosion ist verhaftet worden; auch auf dem in Queenstown angekommenen New-Iorker Postvampfer wurden drei Fenier verhaftet, darunter ein gewisser Train. m q. H i e s. Gießen. Herr William Lncz wird morgen Abend im Saale zum „Prinzen Carl" König Richard III. lesen. Der Netto-Ertrag ist für die Nothleidenden in Ostpreußen bestimmt. Das kunstsinnige Publikum wird somit Gelegenheit finden, Den in ganz DeutschlanD durch seine Vorle- fungen Shakespeare'scher Dramen berühmten Vorleser kennen zu lernen und sich selbst zu überzeugen, daß diese Fülle von stimmlicher Kraft, Diese Modulation, Diese Ausdauer, vereint mit einem tiefen Verständniß des großen Briten Shakespeare nur ihm allein eigen sind unv Herr Lusz unbedingt der erste jetzt lebende Vorleser klassischer Dramen ist. Derselbe gebietet mit gleicher Souverainetät über Humor und Tragik unv ist so recht ver Mann, uns Die herrlichen Ge- bilDe Shakespeare's zu interpretiren. Von allen großen Städten Deutschlands liegen uns Die glän- zendsten Berichte über Diesen Künstler vor; möchte auch Das hiesige kunstsinnige Publikum in gleicher Weise von Dessen Leistungen erbaut werben. Biedenkopf, 18. Jan. Gestern fanb man auf ber benad)barten Karlshütte, Den mit Nachfüllen Des Hochofens über Nacht beschäftigten sog. Ausgeber tobt im Hochofen. Wahrscheinlich hatte ber Unglückliche sich ber Wärme wegen auf ben Raub ber Oeffuung gesetzt, war eingeschlafen unD von Den Gasen betäubt in Die Oeffnung gefallen, wo er so- fort ersticken mußte. Die Leiche war, als sic am an» Dern Morgen gefunden wurDe, bereits förmlich gebraten. Darmstadt, 21. Jan. Gestern ereignete sich auf Der Station Heppenheim em großes Unglück. Beim Auslaben cxplobirte eine als „Glas" becla» rerte Kiste mit einem großen Knall, bie Wirkung war entsetzlich, ber Waggon würbe total zerschmettert, einem Convucteur bie Augen auSgerissen unD noch zwei anbere an bem Wagen beschäftigte Personen berart verletzt, baß man an ihrem Auskommen stark zweifelt. Die Untersuchung ist im Gang, man glaubt, baß jene Kiste Nitroglycerinöl enthalten habe. Darmstadt, 22. Jan. Der großherzogliche Vorsteher ber Stellvertretungs - Anstalten, Major Kuhlmann, macht bekannt, daß in Gemäßheit des §. 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 16. Juli 1851 über Vollziehung des Stellvertretungsgesetzes, Die für Den Militärpflichtigen nunmehr 7 00 fl. betragende Vertretungssumme erst dann zur Einstandskasse bezahlt werden kann, wenn die Jahresmusterung in allen Bc- zirken des Landes beendigt und von GroßherzoglichemKricgSMinisterium der Tag, von welchem an Die Zahlung ge» schehen kann, bekannt gemacht worben ist. ES wirb zugleich barauf hingewiesen, baß nach §. 7 ver erwähnten Allerhöchsten Verorbnung, bem Dienstpflichtigen ober bemjenigen, welcher bie Zahlung leistet, es überlassen bleibt, bie erforbcrliche Vibirung ber von Der EinstanbSkasse über Die bezahlte Veitretuiigssumme ausgestellten Quittung auf Dem Sekretariat Großherzoglichen Kriegsministeriums selbst zu erwirken. Demgemäß ist cs nicht statthaft, Daß VrrtretungSsummen Durch Die Post ber Ein- stanbskasse übermittelt werben. Nheinberg am Niederrhein, 15. Januar. Der Königlich Preußische rc. rc. Hoflieferant Herr H. U n- der berg-Albrecht, der Erfinder und alleinige Destillateur des Boonekamp of Maag-Bitter ist, nach heute eingegangener Nachricht, nunmehr auch als Hoflieferant Seiner Majestät des Königs von Portugal und des Königlichen Hofes ernannt. Neunkirchen, 11. Jan. Die „Saar- und Blies-Zeitung" berichtet: „Gestern Abend gegen halb 6 Uhr, zu welcher Zeit ein Kohlenzug von hier nach Der Pfalz abgeht, fuhren zwei Pulverwagen, Der eine mit 60, der anbere mit 40 Ctr. Pulver belaben, über ben Bahnübergang bei Wellesweller und kam Der erste glücklich hinüber, währenb bas eine Pferd des zweiten Wagens an einer Schiene hängen blieb und stürzte und ber Pulverwagen auf der Bahn stand. Der gerade in den dortigen Einschnitt fahrenDe Koh- lenzug konnte nicht mehr angehalten werden und fuhr derselbe auf ben Pulverwagen, worauf eine furchtbare Explosion erfolgte. Der Lokomotivführer unb der Heizer erhielten leichte Verbrennungen, die Pferde tourt»m stark beschädigt und viele Fensterscheiben der umliegenden Häuser zertrümmert. Wien, 14. Jan. Nach den Wiener Blättern hat . Graf Chorinsky in München ein umfassendes Geständniß abgelegt und seine Geliebte, die Eber- genyi, als die unmittelbare Mörderin bezeichnet. In Folge dessen hat auch letztere gestanden und sich weit- läufig ausgelassen. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.