Preis vierteljährlich 36 ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 5t kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal. Dienstags, Donnerstags xnb Samstags. — Expedition: Canzlriderz Lit. B. 3ii. 1. Anzeige - und Amlsölaü für den Kreis Kietzen. Mr. 139. 1808. Dienstag den 24. Novcmbci Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Der 8735) (8727) halben Viertel- Eduard Lind, Eonditor in Gießen. Besondere Bekanntmachungen. Oeffentliche Aufforderung. 8728) Ansprüche jeder Art an die nach- verzeicbneten, in den öffentlichen Büchern den bei den einzelnen Parcellen bemerkten Personen zugeschriebenen Immobilien, welche von den Besitzern veräußert werden sollen, bezüglich welcher das Eigenthum aber und resp. die Zahlung der Kaufschillinge urkundlich nicht nachgewiesen werden kann, nämlich: 1) Friedrich Vogel L von Staufenberg, IX/61 dasiger Gemarkung, 2) Die Gemeinde Annerod, 1/210 dasiger Gemarkung, . 3) Johannes Horn UL von Steinbach, 1 378, XVI/389, V/154a., XV,386, H/4ol, 452 1/232, V/64, XII,309, VI/318, XVIII/37, XIV.690, XV/1, 6, XII/114, 1/442, XVII,587, VII/196, III/131, IV/367, 370a., XlV/704a. dasiger Gemarkung, . 4) Heinrich Haas IX. von Steinbach, XVI/463 dasiger Gemarkung, welche Parcelle Rabannes Lorn HL von dort mittelst Kaufbriefs vom 11- December 1850 erkauft hat und demselben im Grundbuche zugeschrieben vom 4. Juni 1836 erworben und nunmehr weiter veräußert hat, 21) Geißler, Ludwig, G. S. H. von Staufenberg H/566 und 377 Daubringer Ge- Verstcigerungen. 8719) Dienstag den 22. December, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhause die Wiese des Georg Weil zu Wismar, als: 29) Christoph Schwalb zu Lollar, V/118 Daubringer Gemarkung, wobei bemerkt wird, daß Christoph Schwalb mit Christoph Schwalm ein und dieselbe Person sein soll, 30) Kaspar Nürnberger von Reiskirchen, XII/487 (640) dasiger Gemarkung, 31) Johannes Arnold II von Reiskirchen, 1/447, 550, 722, 11/103, V/156, V/270, VI/20, VII>283, 450, XXI,254, 258, 307 dasiger Gemarkung, welche Parcellen mittelst Erbgangs auf dessen einzigen Sohn Heinrich Arnold übergegangen und von diesem ersessen worden sein soll, 32) Heinrich Wiegand von Burkhardsfelden 1/702, 111/163,111/660, IV/46, 540, V/430, V11I/111, 236, 171, 255, VII/789, 11,130 da- siqer Gemarkung, 33) Balthasar Formhals in Allendorf a. d. Lda-, 111,623 und XXIX/219 dasiger markung, 22) Heinrich Römer von Trohe, VIII-190 Altm-Busecker Gemarkung, 23) Philipp Kehr's Wittwe von Treis a. d. Lda-, VI/333 Mainzlarer Gemarkung, welche Parcelle bescheinigtermaßen Heinrich Jungk II. von Treis a. d. Lda- mittelst Ersitzung erworben haben soll und die solchem noch auf den Namen zu schreiben ist,. 24) Heinrich Will IV., Göbel's Eidam, von Treis, VII/542 Mainzlarer Gemarkung, 25) Konrad Kehr, Hofmann's Enkel, von Treis, 0. 7396 Treiser und XXXI,376 und 377 Ällendorfer Gemarkung, 26) Christoph Müller und Ehefrau Clara von Altcn-Buseck, IV,234,1/1117, 985,11/125, VIII, 462,11/182,1,984,11/224, IV/408, XI1I/247, XVIII,111, XIX,-48, XXI, 185, XXIII 254, XXIV/313, IX/375, XIII/501, X1X/71, XVIII, 140 dasiger Gemarkung, 27) Friedrich Erb von Alten-Buseck, XIX/36 dasiger Gemarkung, 28) Christoph Schwalm und Kinder von Lollar, 1/478, IX/193 und 194 dasiger Ge- Großherzogliches Kreisamt Schotten, von Röder. 8723) Die Holzversteigerung vom 19. und 20. November ist genehmigt- Die Abfuhrscheine sind vom 28. November bis 12. December bei Großh. Rentamt Gießen oinzulösen. Die Ueberweisung des Holzes findet am 30. November, Morgens 9 Uhr ini Häuserborn anfangend, statt- Gießen, am 21- November 1868. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Dr. Draudt. angegebenen Zeit in das am Eingang unseres Büreaus in der Zeughaus-Caserne befindliche Kästchen mit der nöthigen Aufschrift versiegelt einzulegen. Die Bedingungen liegen des Nachmittags von 2 bis 4 Uhr auf dem Büreau der unterzeichneten Verwaltung zur Einsicht offen- Gießen, den 21. November 1868- Großherzogliche Garnisonverwaltung. Kalbfleisch, Oberquartiermeister. Flur Nr. ll-Klftr. «4/156,3 209 Wiese in der Lichtenau öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 7 November 1868. Großherzoglichcs Ortsgericht Gießen. Ebel. Lahrer Hinkende Bote für 1868 (Aufl. Cd. 3/j Million) ist erschienen und bei allen Buchhändlern und Buchbindern vorräthig. Haupt-Agentur: Bindcrnagel Si Schimpfs, in Friedberg. Zu haben in Gießen bei Wilhelm Klee. werden soll, , 5) Heinrich Arnold, Jacob Sohn von Steinbach, XVII/475 dasiger Gemarkung, welche Parcelle Johannes Horn III mittelst Kaufbriefs vom 2- November 1847 erkauft hat und demselben im Grundbuch zugeschrre- 6en werden soll, 6) Katharine Schneider von Lollar, 11/372 dasiger Gemarkung, 7) Balthasar Meyer von Treis a. d. Lda. K. 5517 und 5518 dasiger Gemarkung resp. den Antheil desselben von dieser ihm und dem Johannes Meyer im Kataster zugeschriebenen Parcelle, 8) Kaspar Rühl und Adam Rühl, Kaspars Sohn von Treis a. d- Lda-, v. 2463 dasiger Gemarkung, 9) Kaspar Dörr von Annerod, 1/43, 654 und 677 dasiger Gemarkung, 10) Heinrich Michel, Balzers Sohn, blödsinnig, von Treis a. d. Lda-, E. 3272 dasiger Gemarkung, . , „ 11) Jeisel Amschel von Trers a- d- Lda-, E. 3213 dasiger Gemarkung, 12) Christoph Wagner von Treis a-d.Lda-, H. 5023 dasiger Gemarkung, 13) Otto Zecher und Christoph Wagner von Treis a. d. Lda-, L. 61436. dasiger Ge- stattfindet. Schotten, den 16. November 1868. markung, ., _ . ._ 14) Konrad Heinrich Becker von Treis, C. 1129 dasiger Gemarkung, NB. Die unter Ordm-Nr- 10 bis 14 bemerkten Parcellen, die unter Ordm-Nr. 14 bemerkte jedoch nur zur Hälfte, befinden sich im Besitze des Balthasar Michel III. von Treis a. d. Lda, dieser hat sie auch wieder veräußert und er hat bescheinigt, sie mittelst Ersitzung erworben zu haben., 15) Balthasar Michel HL von Treis a. d. Lda., H. 4908 dasiger Gemarkung. 16) Johannes Schäfer von Sichertshausen, K. 5378 Treiser Gemarkung, 17) Martin Opper L von Treis a. d. Lda., 6. 4503 dasiger Gemarkung, , 18) Johannes Oest von Treis a. d. Lda., D. 2232 dasiger Gemarkung, NB. Die Parcellen Ordn.-Nr. 16, 17, 18 befinden sich im Besitz des Konrad Opper 1L von Treis, dessen Erben haben solche auch wieder veräußert und .es ist bescheinigt, daß derselbe diese Parcellen mittelst Ersitzung ^1N ^Christoph Noll II., Johannes Sohn m Allendorf a. d- Lda-, XIX/17 dasiger ^M^Auna Marie Weis von Allendorf a. d- Lda., 111/587 dasiger Gemarkung, welche Christoph Noll von dort mittelst Kaufbriefs Gemarkung, 34) Leiurich Keßler I. von Annerod, IV/196, V/4, 11, VI, 326 , 327, 1/75, 11,352, VI/237, 1/651, V/21Ö, IV/444,1/651, lV/396,3 dasiger Gemarkung sind sogewiß binnen sechs Wochen vom ersten Erscheinen dieses Aufrufs in den öffentlichen Blättern bei dem unterzeichneten Gerichte anzumclden, als sonsten, wo nöthig, die Löschung der Bemerkung „beschränkt" verfügt, den neuen Eigenthumsurkunden die gerichtliche Bestätigung ertheilt und die Ueberschreibung der einzelnen Parcellen auf den Namen des neuen Erwerbers angeordnet werden wird- Gießen, den 9. November 1868. Grobherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher. ES wird hierdurch zur öffeuMcheu Kennt,,iS gedrncht, daß der sog. NicolauEarkt i„ Freienseen mch,^FM-g >den1 Deren, btt d. I., wie in dem Landkalender etngctraze» ifi, abgehalten werden werd, sondern Donnerstag den 3. December d. ,s Universal-Mstgen-Liqueur, genannt Victoria, von Franz von Metternich in Mainz, empfiehlt in ganzen Flaschen ä 1 fl. 24 kr., a — „ 45 „ a • „ 24 „ 8699) Beim Beginne des Winter? bringen wir unsere Cokes als billiges und reinliches Heizmaterial in empfehlende ®r^ Innerung. Gießener Gaswerk. Oefen und Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Feuerungs- und Küchengeräthschaften, Stein- und Braunkohlen, in ganzen und getheilten Waggon-Ladungen und im Einzelnen (8698) empfiehlt_____________I- G- D. Bapst. i Treber ’"'“1 Feilgebotenes 8732) Unterzeichneter empfiehlt zur geneigten Abnahme: Thee, grünen und schwarzen, in verschiedenen Sorten, ächte neapolitanische Macaroni (Nudeln), italienische Haselnüsse, Tafelrosinen, Ta- fclmandcln, Brünellen, Citronat, Orangeat, Tascloblaten, Gelatin, roth und weiß, Vanille und Cltronen, pr. Stück 3, 4 und 6 kr. Ed. Lind, Hofconditor, __________________Kirchenplatz Nr. 280. 8725) Großgcrauer Weißkraut wird von heute ab verabreicht im ____________Gasthaus zum Löwen. 8733) Ich bringe hiermit meine Cor- setten, große und kleine, sowie Kinder- Corscttcn zu Weihnachtsgeschenken, in empfehlende Erinnerung. Auch bemerke ich zugleich, daß ich ein wohlasfortirtes Lager von gestrickten baumwollenen und wollenen Herren-, Damen- und Kinderhosen, sowie auch Herren-, Damen- und Kinder- jackcn in weißer, rother und grauer Farbe, erhalten habe und bitte ich deßhalb um geneigten Zuspruch. Theodor Vetzb erger, Corsettenmacher, wohnhaft in der Mühlgasse. 8703) Am 1. December er., Vormittags 11 Uhr, lasse ich meine in Aßlar an der Hauptstraße gelegenen Immobilien, bestehend in: einem 2>/z stückigen Wohnhaus mit Hofraum, groß 19 Ruthen 90 Fuß, neu erbaut 1850, einem Stallgebäude mit Garten, groß 14 Ruthen 90 Fuß, einem Lagerhaus mit zwei Scheunen, Ställen und Hofraum, groß 32 Ruthen 50 Fuß, einem Hausgarten, groß 19 Ruthen 70 Fuß, freiwillig in der Wohnung des Gastwirths Jacob Lotz in Aßlar, unter günstigen Bedingungen, versteigern. Dieselben können im Ganzen oder auch getrennt gekauft werden und eignen sich sür eine Bierbraurerei, große Oecouomic und Fabrikanlage. Wetzlar, den 19. November 1868. Meyer Rosenthal'Wittwe. Lergebung der Lieferung und Reparatur der Casernerequisiten re. 8729) Samstag den 28. November d. I., Vormittags um 10 Uhr, sollen die in dem Zeitraum von 1869 bis 1871 für die Garnisonverwaltung Gießen erforderlich werdenden Lieferungen und Reparaturarbeiten, als: Schreiner-, Schlosser-, Spengler-, Sattler-, Schmied-, Wagner-, Küfer-, Bürstenbinder-, Messerschmied-, Weißbinder-, Glaser-, Dreher-, Zimmermanns-, Pflästerer-, Maurer-, Korbmacher-, Buchbinder-, Dachdecker-Arbeiten, Reinigung der Oefen und Kochherde, Lieferung von Reiser- rc. Besen, Schreibmaterialien, Eiscn- waaren, Unterhaltung des Bettwerks, Ausleerung der Kehrichts- und der Senkgruben durch Soumission in Accord gegeben werden. Die Soumissionen sind bis zu der oben Petroleumlieferung 'ür die Gai nisonverwattung Gießen. 8730) Samstag den 28. d. Mts-, Vormittags um 10 Uhr, wird die Lieferung des Petroleums für das erste Halbjahr 1869 aus dem Soumissionswege in Accord gegeben. Die Lieferungsbedingungen liegen des Nachmittags von 2 bis 4 Uhr auf dem Büreau der unterzeichneten Verwaltung zur Einsicht offen. Gießen, den 21. November 1868. Großherzogliche Garnisonverwaltung. 'Kalbfleisch, Oberquartiermeister. 8731) Mittwoch den 25. November 1868, Vormittags von 10 Uhr an, sollen in dem Gemeindewalde der Gemeinde Beuern, District Kohlkaut: 4 Stecken Fichten-Stockholz, 900 Wellen Buchen- und 2225 „ Fichten-Reisholz, 17 Fichten-Baustämmc von 5’/2 bis 8 Zoll Durchmesser und 45 bis 50 Fuß Länge, 5280 Fichten-Stangen von 15 bis 35 Fuß Länge, vorzüglich zu Latten und Spalieren geeignet, an den Meistbietenden versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort (Mnf- hausen). Beuern, am 22. November 1868. Grobherzogliche Bürgermeisterei Beuern. Otto. gcfoi recht und prüft teresi zu ii den Wal dem Wes- Tag und er F welch sie st genff ihr t doux den I wenn wohst letzter gebar wohl hülfe im Z ihr a genief Dokti r-eß i Flora feite Begau erzäh war rasch ?,3ch „wie Sie i zu M ein h chen i für st aufzw gen fi Mein Haß und t nomni lich fi sion t Zeit wie z war e bärtch tounci hübsch ist na eine ü wand daß n zu Ta liebt i und e nigster Fräust darf e • muß lieben. die de schrille Beide ihnen schlimr dem K £ auffall! den A erstaun gesund! FrrklHt und Mehlpreifs in verfloßener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkien. Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund. Fruchtmärkte. Nov- Waizen. Korn. Gerste. Spelz. Hafer. Erbsen. Linsen. Wicken. Kartoffeln. Weißmehl. Auf dem Markt Mit.- preis AUf dem Markt Mit.- preis Aus dem Markt Mit.« preis Auf dem Markt Mit- preis Allstem Markt IDlit.« preis Auf dem Markt Mit- preis Auf dem Markt Mit.« preis Auf dem Markt Mit.« preis Auf dem Markt Mit- preis » « auf: gef- ! verk. fl. fr. ; auf: ' gef. fr. •jaö i -jnv! vcrk. fl. fr. •paa •j30 -jnv fl. fr. auf: gef. verk. fl. fr. auf: | gef. । verk. fl. fr. auf« gef. Derf.j ft. fr. auf« gef- verk. fl. fr. auf. gef- verk. l=. fl. fr. fl. fr. Gießen 20. M- M. 10 11 45 M- yjf. 17 9 10 M. M. 13 7 45 M. M. Bi. M. 1 5 20 9)1. M. t 9 30 M. yjt. M. M. M- M. 5 2 0 Alsfeld 7. 7. 6. — — — — — — 8 38 9 20 — ? — ■ — — — — ___ ___ — — — — Lauterbach Mainz — 1 11 38 — 1 -— 7 6 — — 1 5 12 — — — — — — — — ' ■■ — 1 2 4 — — — — 1 12 — 1 — 1 7 5 — i — !— — — 1 4 52 — — — _ — — — — — — — ,— — _ — — — 1 11 57 1 9 32 — 1 8 5 — i — 1— — — 1 6 29 — — — — — — — — — —- — 1 2 48 — — — '— C. Richter in Gelnhausen Preisen. Spielwerke GO in Butzbach, im November 1868. 29r. Hermann Schmid. (8680) empfiehlt Carl Frech. 443/^.45 1864r IQH/a 9 9 5 9 8706) Fußteppichzeuae, abgepaßte Teppichvorlagen, Cocnsmat- ten, sowie Bettfedern und Flaumen, empfehle ich zu äußerst billigen Chr. Reiber, am Kreuz. „ doppelte Hoil. fi. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. 57i/2-58i/2 49-51 50-52 54-56 37-39 271/2-281/2 54-58 50-52 27-28 8704) Meinen im Riegelpfad gelegenen Garten beabsichtige ich zu verkaufen oder zu verpachten. L. C. Burckhardt. Ein weiteres Urtheil über den Lahrer Hinkenden Boten. München, 2. October 1868. Geehrter Herr! Nehmen Sie meinen Dank für die freundliche Mittheilung Ihres wackern Lahrer Hinkenden-Boten-Kalenders. Er hat mir in der glücklichen Abwechslung des heiteren, ernsten und belehrenden Stoffes wie in den tüchtigen Holzschnitten einen so angenehmen Eindruck gemacht, daß ich mir seine außerordentliche Verbreitung sehr wohl erklären kann. Dieser Erfolg ist um so erfreulicher, als der Inhalt so recht geeignet ist, ächte Frcisinnigkeit zu weckeu und zu verbreiten ; ein Streben, in welchem sich Alles begegnen sollte, was sich der hohen Aufgabe unterzieht, zum Volke zu reden. Genehmigen Sie die Versicherung der besoudern Achtung, mit der ich mich nenne Ihren ergebenen Butzbacher Katharinemnarkt- Ball. 8720) Mittwoch den 25. d. Mts. findet, wie seither, Ball meinem Locale statt, wozu ich höflichst einlade. 8721) Ein lebender Nhu, schönes Exemplar, ist zu verkaufen bei Theodor Kallenbach, in Eisenach. Gediegene Arbeit. Bestellungen werden per Post aus- _______,_________geführt. M. Leseuue's Frostballenseife, ä Stück 12 fr., Gallen-Seife zur völligen Reinigung aller Stoffe von Sckweiß und Schmutz durch einfache kalte Wäsche, ä Stück 9 fr., Glycerin - Seife bei rauher und aufgesprungener Haut, ä Stück 12, 15 und 18 fr., Theer-Seife, Kummerfeld'sche Seife, Reis- mehl-, Kräuter-, Bimstein-, Erdnußöl- und andere Seifen, Glycerin-Pomade befreit die Haut von den sogenannten Kleienflechten, ä Flacon 18 fr-, Patent, cngl. Wasch - Crystall zum Waschen von Leinwand, Sisirting, Mous- lin, Shawls, Merinos, gefärbtenBaum- wollenzeugen, Teppichen u. s. w., ä Stück 4 fr., €)afe Muhlmann. »»TIS Äay?mor8cn Mitt- Muflk- und Gesana- Jioiree des Komikers uud Mimikers Simmerdinger, genannt „der Schwab", mit Gesellschaft, bestehend aus 4 Damen und 2 Herren. Engi. Souver. 11 Russ. Iniper. 9 Doll, in Gold 2 8717) „Es scheint nachgerade, als ob von gewisser Seite alle sogenannten Geheimmittel zur Zielscheibe einer neidigen Kritik geworden seien. — Alles wird von dieser Seite in denselben Tiegel geworfen und alles, ohne zu prüfen oder zu untersuchen, als Schwindel erklärt. Die ehrbarsten, achtungswerthesten Persönlichkeiten, sowohl Aerzte als Laien, welche in Anerkennung oder aus Dankbarkeit ihr Lob öffentlich aussprechen, werden als bestochene Söldlinge bezeichnet, — kurz, man scheut oft sich nicht, selbst das Gute zu verdammen und mit der Wahrheit auf eine empörende Art und Weise umzuspringen. — Genau dieses Schicksal widerfährt der vielberühmten Nntcrletbsbruchsalbe des Herrn Gottlieb Sturzenegger in Herisau, Kant- Appenzell, Schweiz, ungeachtet diesem Erfinder Tausende von Zeugnissen aus allen und jeden Standen über deren vorzügliche Wirksamkeit zur Verfügung stehen. Es ist freilich wahr, daß auf dem Gebiete derartiger Mittel das Empfehlens- werthe vom Geringen oft schwer zu unterscheiden ist. — Wir nehmen indeß keinen Anstand, beim so häufigen Vorkommen von Unterleibsbrüchen, die bekanntlich oft einen sehr schmerzvollen und gefährlichen Charakter annehmen, diejes vortreffliche, total »n- schädliche Mittel allen Bruchleidenden wärmstens zu empfehlen. — Diese Salbe kann in Töpfen zu 3 fl. Südd. sowohl beim Erfinder direct als bei den bekannten Niederlagen bezogen werden." Sackröcke „ 3 „ 30 Pariser Handschuh - Wascherei. 8715) Einem verehelichen Publikum die ergebene Anzeige, daß ich nach der neuesten chemischen Methode eine Glace- und Militär - Handschuh - Wascherei dahier errichtet habe. Dieselbe zeichnet sich vor allen anderen bis jetzt bekannten Methoden dadurch aus, daß der gewaschene Handschub nicht nur seine ursprüngliche Couleur und Weichheit wieder erhält, sondern auch nicht im Geringsten an seiner Werte verliert und vollständig geruchlos ist. Muster liegen zur gefälligen Ansicht osten. Bestellungen werden prompt ausgeführt. Georg Petri, am Neuenweg. mit 4 bis 48 Stücken, worunter Praö werke mit Glockenspiel, Trommel u Glockenspiel, mit Himmelsstimm! mit Mandolinen/mit Expression u. s. Ferner: Spieldosen mit 2 bis 12 Stücken, worunte solche mit Necessaires, Cigarrenstän der, Schweizerhäuschen, Photographie Albums, Schreibzeuge, Handschuhka sten, Cigarren - Etuis, Tabaks- un Zündholzdosen, Puppen, Arbeitstisch chen, alles mit Mufik; ferner Stühle spielend, wenn man sich setzt, (Stet das Neueste empfiehlt I. H. Heller m Bern. Zu Weihnachtsgeschenken eignet fid nichts besser. In keinem Saion, m keinem Krankenbette sollten diese Werk fehlen. Preiscourante sende franko auch besorge Reparaturen. Lager tiger Werke. A. Joutz (Hessischer Hof). empfiehlt sein Herren-Kleider-Fabrik-Lager: Arbeits-Hosen von 1 fl. — fr. an, , Westen „ — „ 42 „ „ Preuss. 41/jO/o Obi. 953/s Frankf. Zi/M Obi. 80 Nass. 41/20/0 Obi. 94% Kurh. 4% Obi. 871/2 Hess. 4°/g Obi. b. Roths. 90-/z „ 31/2% do. do. 85-5/s Bayer. 5% Obi. 102'/8 » 41/2O/O 1jährige 96% „ 41/2% i/sjahrige 96s/s Würtemb. 41/2% Öbl. 948/a Baden 41/2% Obi. c. E.L. 941/4 Oestr. 5°/o b. R. 60’/2 „ 50/0 National 533/a „ 5% Metall. Obi. — „ M. steuerf. 52i/3 Amer. 6% 1882r Bds. 78stg u 6°/v 1885r 777/g Aetien. Frankf. Bank 124 i/2 Oester. Bank 844 „ Creditaet. 227 Lärmst. Bankaet. 260 Prioritäten. 5<>/o östr. F. St. E. B. 288 Ludwigsh.-Bexbaeh 168 Maxbahn 1061/4 Bayer. Ostbahn 1267/s Hess. Ludwigsbahn 138 3% östr. Stsb.-Prior. 53ä/s 3% östr. s. Lombard. 43% 3% Livorneser 31 Toseaner 46 ’/2 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 95i/4 5% Elisabeth-Prior. 743/4 do. II. Emiss. 733/g Aiilehensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 163V2 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 42% , 4O/o bayr. Präm. Anl. 1021/2 40/o badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 54 1858r Prioritätsloose 1431/2 1860r Loose 77 8700) Gesucht: Zwei tüchtige Pferdeknechte und ein Schweizer auf den Hardthof bei Gießen zum Eintritt auf Wechnachteu. 8705) Bei hiesigem Gesellschafts-Verein ist die Stelle des dritten Gesellschafts-Dieners zu besetzen. Derselbe wird in der Re- gel nur Nachmittags als Marqueur an den Billards beschäftigt, hat aber auch sonstige Dienstleistungen, wie namentlich Gänge, Austragen von Karten und bergt, zu besorgen, bei Festen aufzuwarten und bei Vertretung anderer Gesellschafts-Diener auszuhelfen. Bewerber wollen sich innerhalb acht Tagen amnelden. 8738) Ein Mädchen, welches die Küche und Hausarbeit gründlich versteht, wird zu Weihnachten gesucht. Louis Homberger (am Wallthor). 8722) Eiu kaufmännisch gebildeter, gut empfohlener Mann reiferen Alters, rührig und von stattlichem Aeußern, wünscht in Bälde Stelle in irgend einem soliden größeren oder kleineren Geschäft zu erhalten und sieht dabei weniger auf bedeutenden Gehalt, wie auf eine möglichst selbständige und dauernde Stellung. Geneigte franfirte Anträge werden unverzüglich unter Z. A. 88, Postamt Braunfels, erbeten.__________ 8739) Eine Putzfrau kann in der Woche noch einige Stunden Arbeit erhalten. Näheres bei der Exped. d. Bltts. t 8740) Ein Mädchen, welches alle häusliche Arbeit versteht, wird zu baldigem Ein: tritt gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bl. 8716) Feine Wäsche zum Bügeln wird schnell und gut besorgt Neuenweg 117, Parterre. Turnunterricht. ... 8714) Mein Privatturnunterricht für Knaben und Mädchen beginnt im Laufe der nächsten Woche. Anmeldungen nehme ich täglich entgegen, und bitte, dieselben recht bald abzugeben, damit ich die Emtheilung der Stunden treffen kann. Das Honorar beträgt für dieses Halbjahr nur 2/3 gegen sonst. L- C- Rübsamen. 8644) Ein hiesiges Frauenzimmer empfiehlt sich einem geehrten Publikum in allen vorkommenden Näharbeiten außer dem Hanse, sowohl mit, als auch ohne Nähmaschine. Näheres bei der Exped. dieses Blattes. . 8707> In einen hiesigen Gasthof wird ein Mädchen zu sofortigem Eintritt in die Küche gesucht. Näheres Bei der Erved- dieses Blattes- A. GlliÜM, Regimentsschneider, empfiehlt sich den hiesigen Herren einjährig Freiwilligen tu Anfertigung aller militärischen Kleidungsstücke, unter Zusicherung lolider und billiger Bedienung. Die L>chneiderwerkstätte desselben befindet sich m der Caserne- (8726) Wechsel. Amsterd. k. 8. lOO'/g Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 97 Cöln k. 8. 1047/8 Hamburg k. 8. 88>/6 Leipzig k. 8. 1047/g London k. 8. 1187/g Lyon k. 8. — Paris k. 8. 941/2 Wien k. 8. 101 >/4 Disconto 3*/2% G. Geldsorten, (8734) Bö rs <■ imiTc 6 richt elf. 21. November 1868. 8704) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen Seltersweg Nr. 22. 8708) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei Heinrich Plank, in der Neustadt- 8696) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei Gärtner Schaum. 8694) Ein möblirtes, sreundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vermiethen. Wo? sagt die Exped. dieses Blattes. 8695) Eine freundliche Familienwohnung und ein Zimmer mit Cabinet sind zu vermiethen bei H. Sauer, Neuenweg Lit. B. Nr- 194. 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Auch können selbige Aufenthalt und Beköstigung billigst' erhalten- Empfehlung. 8713) Auf bevorstehende Weihnachten empfehle ich mich einem geehrten Publikum un Unfertigen aller Arten Galanteriearbeiten, sowie feiner Einbände, unter Zusicherung reeller Bedienung. I. C. Clar, Buchbinder und Galanteriearbeiter, Sonnenstraße- 8737) In der Braugasse Lit- A. Nr- 190 ist ein Schiebkarren stehen geblieben, der gegen Entrichtung der Jnseratgebühren von dem Eigenthümer in Empfang genommen werden kann- F e o n. Unschuldig und doch nicht schuldlos. Criminalnovelle von Julie Düngern. (Fortsetzung.) Da Flora in'S Haus gerufen wurde, weil Freundinnen aus der Stadt angenommen, endigte die Unterredung, nachdem sich noch die Verbündeten versprochen, recht aufmerksam über die unglückliche Frau zu wachen, welche Beide so liebten und verehrten; denn auch auf den Doktor hatte die demüthige Duldung der geprüften Frau einen tiefen Eindruck gemacht. Er hatte bis jetzt das warme Interesse, welches er für sie fühlte, oft an sich getadelt und gefürchtet, es möge ein zu inniges werden und sich nicht mit seiner Pflicht vereinen; jetzt aber nahm er den Unterschied wahr zwischen dem erbarmenden tiefen Mitleid, was er für Frau Waller fühlte, für deren Glück er gerne sein eigenes geopfert haben würde, und dem feurigen Interesse , was der Tochter fertiger Charakter ihm einflößte, deren Wesen und Fühlen zu erforschen ihm die Aufgabe seines Lebens dünkte. Bon' Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, je öfter der Doktor auf das Gut kam — i und dies geschah bei der Nähe desselben oft ein Paar Mal des Tags — lernte er Flora's Eigenschaften besser kennen und würdigen. Die Liebenswürdigkeit, welche ihr ganzes Wesen durchdrang, war keineswegs eine blos gesellige, obgleich sie sich auch dort zu Hause fühlte; es war vielmehr ein Ausströmen ihres eigensten Wesens und die reine Natürlichkeit ihrer Reden und Handlungen, was ihr diesen Reiz verlieh; sie besaß in hohem Grave, was die Franzosen „le doux vivre“ bezeichnen, und war nachgiebig, ohne willenlos zu sein, denn "in den betreffenden Momenten wußte sie wieder recht gut ihren Willen durchzusetzen, wenn sie denselben für passend oder nöthig hielt! Selbst Herrn Waller's rohe Heftigkeit erhielt eine für seine Umgebung wohlthuende Dämpfung durch Flora's Gegenwart; er fühlte sich gerade in den letzten Tagen recht leidend und anstatt, wie sonst in solchen Stunden, seine Umgebung tüchtig zu quälen, war er weich und freundlich, und der Doktor war wohl der Einzige, welcher, durch seine Klagen und die beständige Bitte um Abhülfe und schnelle Besserung von ihm zu leiden hatte. — Eines Nachmittags, als der Doktor wieder hinauskam, empfing ihn Flora im Garten und theilte ihm mit, daß die Mutter jetzt bei dem Patienten sei und ihr ausdrücklich befohlen habe, ru den Garten zu gehen und die frische Luft zu genießen; vor einer Stunde dürfe sie nicht mehr hinaufkommen, und auch den Doktor möge sie so lange zurückhalten, indem Herr Waller schlafe. Wie willig ließ sich Doktor Dollus diesem Ausspruch gegenüber finden! Er setzte sich neben Flora auf die eiserne Gartenbank und ein Gefühl der seligsten Freude überrieselte ihn, als sie ihre Arbeit ergriff und so lieb und vertrauensvoll zu plaudern begann, von ihren vergnügten Tagen im Institute und von den Freundinnen erzählte, die sie dort gewonnen hatte. Ein davon hatte schon geheirathet; sie war ein Vierteljahr vor Flora aus der Anstalt genommen worden und hatte rasch ihren Vetter zum Manne erwählt, den sie schon als Kind geliebt hatte. „Ich war die Vertraute gewesen," sagte Flora halb lachend, halb erröthend, „wie oft habe ich nicht all' die kleinen Episoden aus ihrem Leben mitangehört! Sie waren freilich nur für geweihte Ohren interessant, aber mir war's immer zu Muthe, als ginge ich auf einer frischen grünen Wiese spazieren, der zur Seite ein lustiges Bächlein rinnt, wenn Marie erzählte, wie sie sich als kleines Mädchen mit dem Vetter stets besser wie mit den Brüdern vertragen hatte, wie er für sie die höchsten Bäume erklettert, um ein Eichhörnchen zu fangen oder Nester aufzufinden, wie aber, als beide größer geworden, diese liebevollen Empfindungen sich zu gegenseitigen Streitereien und Wort - Geplänkel umgewandelt hätten. Meine Freundin erzählte mir," fuhr Flora eifrig fort, „daß sie oft eine Art Haß gegen den Vetter gefühlt, weil er stets so für seine jungen Freunde schwärmte und eine solche Verachtung für das „Frauengezicht", wie er sich in seiner re- nommistischen knabenhaften Weise ausdrückte, an den Tag legte. Sie war endlich froh, auch in ein Institut zu kommen, um des Sonntags, wenn er die Pension verlassen Durfte, nicht mit ihm zusammenzutreffen. Da sie aber nach längerer Zeit in den Ferien nach Hause kommt, findet sie auch den Vetter dort; aber wie zu seinem Vortheil verändert! Aus dem etwas flegelhaften Gymnasiasten war ein höchst liebenswerther Student geworden, mit einem allerliebsten Schnurrbärtchen und hohen Kanonenstiefeln, ein flotter Tänzer und sehr aufrichtiger Bewunderer seiner schönen Cousine. Und Der ist er auch geblieben," schloß die hübsche Berichterstatterin» „Denn er hat sie nun geheirathet und meine Freundin ist namenlos glücklich!" — Der j-oftor lächelte. „Im ersten Jahre unglücklich zu sein, wäre auch eine Aufgabe. Da haben die Eheleute so zu sagen noch ihr geistiges Festgewand an und zeigen sich von der besten Seite, später wird's schon anders!" „Ich glaube dieß-nicht," entgegnete Flora. „Wohl kann ich mir denken, daß man sich in einem Charakter täuschen kann, aber ich meine, dies müsse eher zu Tage kommen, und wenn man Jemanden so recht von Herzen liebt, dann liebt man ihn auch mit sammt seinen Fehlern. Aber freilich lieben muß man, und eine lieblose Ehe denke ich mir als die größte Folter auf Erden; ich wenigstens," setzte sie heiß erröthend hinzu, „würde niemals ohne Liebe heirathen." „Es ist unmöglich, daß Der Mann, welchen Sie wählen, Sie nicht liebt, Fräulein Flora," sagte Der Arzt, „aber um von Ihnen geliebt zu werden, bedarf es wohl der seltensten Eigenschaften." „Gewiß, wenigstens einer sehr seltenen," entgegnete das Mädchen; „es muß ein edler Mann sein und mich ausschließend über Alles in der Welt lieben." — Dollus faßte ihre Hand, fein überströmendes Herz lag in seinen Blicken; die bep jungen Mädchens antworteten ihm sauft und zärtlich. Da tönte ein schriller Ruf durch den Garten, die alte Dienerin hatte nach Flora gerufen. Beide erhoben sich rasch und eilten dem Hause zu. Schon in der Flur kam ihnen Die alte Anna entgegen. „Welch' ein Glück, daß Sie da sind, Herr Doktor; unser Patient ist sehr schlimm geworden." Mehr hörten Beide nicht, sie eilten an der Frau vorüber, dem Krankenzimmer zu, welches Die Alte im Schrecken offen gelassen hatte. Herr Waller lag im Bette, einzelne Schmerzenstöne ausstoßenD; er sah auffallend eckausfirt aus, öffnete nur mit Mühe die Augen, streckte aber, als er ben Arzt erkannte, hülsesuchend die Hand nackt ihm aus. Dieser war auf'S Höchste erstaunt und erschreckt. Noch am Morgen hatte er Den Kranken nur leidend gesunden, jetzt sah er einen Sterbenden vor sich. Flora war mit an's Bett getreten und heftete ihre angstvollen Blicke auf den Vater und dann auf den Freund. Die alte Dienerin war im Hintergründe geblieben und ordnete das Gemach. Prüfend sah der Arzt umher, ob der Kranke, welcher starke geistige Getränke liebte, vielleicht etwas Dergleichen zu sich genommen habe. „Wo ist meine Mutter, Aenneli?" war Flora's erste Frage. „Sie klagte über Müdigkeit, Kind, und ging vor einigen Minuten aus dem Zimmer; ich war gerade beschäftigt, die Wäsche herauf zu tragen, da rief sie mich vom Gange herein und befahl mir, hier zu bleiben, sie wolle sich ein wenig auf's Sopha legen. Auch der Herr schien zu schlafen; plötzlich schrie er so entsetzlich auf, daß ich es noch in meinen Ohren höre; er rief: „Hülse, Hülfe, holt den Doktor!" unD darauf sprang ich in den Flur und rief Euch aus dem Garten!" 3n Der Zwischenzeit hatte Dollus den Puls des Kranken untersucht und ein kleines Kelchglas in Augenschein genommen, welches diesen Morgen mit Wein gefüllt an dem Bette des Kranken stand unD nun geleert war. Eine wcinartige Flüssigkeit war noch darin vorhanven, freilich trübe, aber scheinbar doch ohne andere Beimischung. Der Doktor erinnerte sich, noch diesen Morgen halb tadelnd, halb scherzend zu dem Kranken gesagt zu haben, ob er Denn das Wein- trinfen nicht lassen könne, auch wenn er sich krank fühle und es ihm offenbar Schäden bringe. Und Waller hatte gesagt, es fei alter Teres, welchen er sich habe geben lassen, der aber ein Rest gewesen sei und ihm verdorben scheine. Nun mußte der Patient doch Lust zu Dem Weine bekommen unD ihn getrunken haben. Jedenfalls aber konnte dieser nicht Die Ursache Der so heftigen Erkrankung fein. — Da Herr Waller durch Geberden zeigte, daß er an Der ganzen Unken Seite Schmerzen leide, so befahl Der Doktor, Tücher zu wärmen unD ihn Damit zu frottiren. Die alte Anna verließ das Zimmer, um dieß zu besorgen und Frau Waller herbeizurufen. Flora, welche schnell auf der Nachtlampe etwas Milch gewärmt hatte, um sie dem Vater zum Trinken zu reichen, trat nun an das Bett; mit einer Hand faßte sie unter das Kopfkissen, um das Haupt des Kranken in eine bessere Lage zu bringen, mit Cer andern brachte sie die Tasse an seine Lippen, jedoch gelang es ihr nur, ihm einzelne Tropen einzuflößen. Waller öffnete Die Augen unD blickte seine Tochter mit liebevollen Blicken an, dann Deutete er mühsam auf Die festgeschlossenen Zähne, welche ihm unmöglich machten, Die Ladung anDerS als tropfenweise zu genießen, und Die Augen sanken ihm wieder zu. „Ein lethargischer Anfall", murmelte Doktor DolluS, „und mir ganz unbegreiflich." Flora sah ihn ängstlich an. „Was ist zu thun, lieber Doktor, das ist ja entsetzlich!" In demselben Augenblick öffnete der Kranke die Augen und sah sich seine Umgebung mit stieren Blicken an; die Augäpfel waren herausgetreten, das Ge- ficht blauroth unterlaufen. Flora flüsterte: „Ist cs vielleicht ein Schlaganfall und wollen Sie nicht eine Ader öffnen?" „Es würde die Sache noch ärger machen," gab der Arzt in leisem Tone zur Antwort. „Hier ist etwas Unbegreifliches geschehen, Flora, was ich nicht auszuiprechen wage! Ihr Vater" — er stockte. Flora war todtenblaß geworden, sie zog ihre Hand unter dem Kissen zurück, Der Kops der Kranken fiel auf die Polster; im HerauSziehen streifte Flora's Hand ein Papier, welches halb zusammengekault auf dem Rand Des Bettes lag. Sie erfaßte es mechanisch und faltete es auseinander. Nur ein Wort stand Darauf; wie ihre Augen Darauf fielen, wollte sie entsetzt anfschreien, aber kein Ton Drang aus der Kehle, stumm, mit gläsernen Lücken reichte sie dem Arzte das Papier hinüber, er warf nur einen Blick darauf, Dann ließ er es fallen unD seine Hände, Die Dicke etwas zurückschlagenv, legten sich auf das Herz des Kranken, — es stand stille! — Entsetzenvolles Schweigen herrschte einige Minuten im Todtenzimmer. Flora, ihrer selbst nicht mehr mächtig, war auf Die Kniee gesunken und streckte ihre Hände wie hülfeflehend zu dem Freunde aus. Der Doktor trat zu ihr und wollte sie aufheben. „Armes, armes Kind," sagte er, „gehen Sie zu ihrer Mutter, dies ist kein Anblick für Sie und auch nicht für Frau Waller. Mein Gott, was kann Ihren Vater veranlaßt haben, Gift zu nehmen! hier auf diesem Papiere, — er hob es nochmals auf — steht „Strychnin" geschrieben. Noch vor einer Sekunde konnte ich mir nicht erklären, welcher Zufall Vergiftungssymptome bei Ihrem Vater erscheinen läßt, nun sehe ich, daß er eines der stärksten Gifte einnahm. Recht gut erinnere ich mich jetzt auch, daß er mir früher von dessen Besitze erzählte, und als ich ihn frag, wie er dazu gekommen, sagte er, er habe es mit Thee unD anderen Waaren aus B. kommen lassen, man könne doch nie wissen, ob man dergleichen brauche, es seien so viele Ratten und Mäuse vorhanden! Flora seufzte angstvoll auf, wiederholt küßte sie des Vaters Hand und streichelte sie leise, als ob er diese zärtliche Bewegung noch fühlen könnte. Plötzlich schreckte sie zusammen, sie hätte Schritte auf dem Gange gehört; es waren die ihrer Mutter! Frau Waller trat ein, gefolgt von der Dienerin, welche eine Wärmflasche trug; sie selbst hatte mehrere gewärmte Tücher auf dem Arme, um sic dem Kranken aufzulegen. Gerade wollte sie an das Bett treten, als Flora ihr mit raschem Entschluß entgegenkam und ihre Hände faßte. „Meine liebe Maman, gehe jetzt nicht zum Vater, er ist sehr krank und muß Ruhe haben," sagte sie zu Der entsetzten grau, welche mit einem raschen Aufblick in Den Zügen der Tochter gelesen hatte, daß etwas Außerordentliches geschehen sei. Mit schneller Bewegung die Hand des Mäbchens abstreifend, stürzte sie an das Bett und brach, als sie das verzogene Gesicht des Tobten erblickte, mit einem Schmerzens 'chrei ohnmächtig zusammen! * Die alte Anna rang die Hände, als sie ihren Brodherrn tobt daliegen 'ah, und Thränen liefen über ihre gefurchten Wangen. „Er ist immer gut mit nir gewesen," war ihre einfache Grabrede, aber jammern und verzweifeln konnte te nicht über Den Tod dessen, der zwar nicht aus Bosheit, aber doch aus Charakterschwäche ihr armes liebes Kind, „die süße stille Sidy," wie Frau Waller immer im Elternhause genannt worden war, so unglücklich gemacht hatte? Der Doktor und Flora waren um Frau Waller beschäftigt, welche sie auf das Sopha gelegt hatten unD Die eben wieDer zu sich kam. Ihr erster Impuls war, BeiDen Die Hand zu reichen; Dann fragte sie mit matter Stimme, wann das Unglück geschehen fei und warum man sie nicht gerufen habe? Dollus er» Ikläre, wie betäubend rasch Alles gekommen. (Forts, folgt.) Darmstadt, 19. Nov. Der im Anfang der künftigen Woche zusammentretende 20. Landtag wird sich, wie dieß die gegenwärtige Natur unserer staat- lichen Zustände mit sich bringt, besonder« mit Be- rathungcn über finanzielle Vorlagen zu beschäftigen haben, und nimmt vorzugsweise ein auf Prorogation des von 1867 datirten Einkommensteuergesetze- gerichteter Vorschlag de- Finanzministeriums das Interesse de- steuerzahlcnden Publikums in Anspruch. Diese Vorlage wird schwerlich ohne harten parla- mentarischen Kampf durchzubrmgen sein, da die Erwartung eine wohlberechtigte war, daß die Zeit, welche seit Dotirung des erwähnten Gesetzes verstrichen ist, benutzt werden würde, um als Ersatz für das mit vielfachen Prägravationen und sonstigen Unzuträglichkeiten verknüpfte Gesetz ein in das bestehende Auflagensystem sich besser cinfügendes Einkommen- und Classensteuergesetz auszuarbeiten. Berlin, 20. Nov. Abgeordnetenhaus. Austen Antrag Guerard's erklärte der Minister des Innern: die Regierung stimme trotz mancher Bedenken, namentlich wegen Befürchtung neuer Conflicte, dem Anträge auf unbeschränkte Redefreiheit bei, weil dieselbe auch dem norddeutschen Reichstage gewährt sei, sie hoffe aber, die Schranken der Sitte würden die Schranken der Gesetze ersetzen. (Beifall.) Nach kurzer Debatte wurde der Antrag Guerard's — auf parlamentarische Redefreiheit — mit allen gegen etwa 20 Stimmen, der äußersten Rechten angehörig, angenommen. Hanau, 14. Nov. Als gestern ein .hiesiger Hofgärtner des Kurfürsten von Hessen Gartencrzeug- nisse an die kurfürstliche Hvsküche zur Eisenbahn geben wollte, wurde ihm der Bescheid zu Theil, der preußische Landrath habe dergleichen Sendungen an- zunehmen untersagt; ebenso auch dem hiesigen „Bundespostamt", Werthpapiere an den kurfürstlichen Hof nach Böhmen anzunehmen. Der Hofgärtncr hat heute folgendes Schreiben erhalten: „Nachdem dem Landtage der Monarchie ein Gesetzentwurf wegen Beschlagnahme des Vermögens des Kurfürsten vorgelegl ist, erhalten Ew. Wohlgeboren die Auflage, daß Werthgegenstände aus dem Ihrer Verwaltung anvertrauten Schlosse bis auf Weiteres nicht entfernt, bezie- hungsweise abgesendet werden. Nichtbesolgung dieser Auflage wird strengstens geahndet werden. Der königl. Landrath v. Schrötter." Außerdem erklärte ein Polt- zcicommiffär im Austrage des Landraths, daß zur Aufrechterhaltung der Befehle dieses Landraths ,,mi« liiärische Vorkehrungen getroffen seien/' Wien, 18. Nov. Die Aeußerungen des eng- lischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten über eine weitere Ausdehnung der preußischen Hege- monie in Deutschland haben hier ebenso unangenehm berührt, wie in Paris. Ein officiöseS Blatt nimmt die Lösung der Reichstitelfrage zum Anlaß einer Erklärung Über die Main- und Donaufrage, indem es sagt: „In Berlin und Petersburg wird man erkennen, daß die Interessen der österreichtsch- ungarischen Monarchie an der oberen wie an der unteren Donau gemeinsam sind, und daß auch am Main die Donaumündungen bedroht werden können." Nach der neuen Formation wird die österreichischungarische Feld- oder Operations-Armee aus 80 Infanterie-Regimentern (400 Bataillone), 40 Jäger-Bataillonen, 41 Cavallerie-Regimentern, 12 Regimentern Felvartillerie, 8 Bataillonen des Genie- cvrps und 1 Pionierregiment bestehen. Dazu kommen noch die 14 Infanterie-Regimenter der Miluärgränze. Die Landwehr von Oesterreich und Ungarn wird 158 Bataillone Infanterie und 60 Schwadronen Cavalle- rie bilden, ohne die Landwehr von Tyrol, und Vorarlberg. Paris, 19. Nov. Der Kaiser soll, mit Rück- sicht auf die Montmartre-Affaire, mehrfach sein Be- kauern zu erkennen gegeben haben, daß die Sache so publik geworden sei. Einem vertrauten Freunde gegenüber hat er sich kürzlich dahin ausgesprochen, daß er Manifestationen der Opposition nicht fürchten ju müssen glaube. „Ich wünsche, daß man die Unordnung verhindert, aber die Freiheit gewähren läßt," das ist das jüngste, wohlverbürgte Wort des fran- zösiscken Herrschers. — Die Königin von Spanien ist von der Galanterie der hier residirenven Spanier ganz entzückt, und heute, am Tage der heiligen Elr- sabetd (also dem Namenstag der hohen Frau, kenn Isabella ist bekanntlich die spanische Verstümmelung dieses Namens) findet im Pavillon de Rohan zum Dank für diese Aufmerksamkeit eine officielle Hanv- küfferei Statt, für Vie bereits mehrere Stunden in Aussicht genommen sind. Die Königin steht ihren Aufenthalt in Paris nur für provisorisch an, und rechnet fest darauf, dereinst wieder den Tyron Jberiens zu besteigen. Sie soll stch in diesem Sinne unterboten ausgesprochen haben, und es sogar für nicht unmöglich halten, daß die demnächst zusammentretencen Cortes sie wieder zurückrufen. Lebhaft discutirt wurde in diesen Tagen ein Brief der Königin Christine an Isabella, in dem sie ihr Vorwürfe macht, den Thron ihrer Väter so leichtsinnig aufgegeben zu haben. Isabella hat, wie man versichert, zugcstanden, daß sie zum Theil ihrer Mutter Recht geben müsse." — Aus Madrid meldet man, daß die Cortes voraus- sichtlich erst im Februar zusammentreten werden; wie sich die provisorische Regierung während dieses langen Interims gcriren wird, ist eine Frage, die man mit gespanntem Interesse erwägt, ohne jedoch ^zu einem besonderen günstigen Resultat zu kommen. In drei Monaten wird Castelar das Seinige gethan haben, und wenn das Spiel beginnt, den Atout bestimmen können. Paris, 19. Nov. Hr. Berryer hat heute die letzte Oclung erhalten. — Der Prinz und die Prin- zeisin von Wales sind soeben mit einem Gefolge von 40 Personen, worunter zwei Acrzte, von England hier eingetroffen und im „Hotel de Bristol" abge- stiegen. Das fürstliche Paar gedenkt sich nach kurzem Ausenthalt, der sich bei dem leidenden Zustand der Prinzessin kaum auf Compiegne erstrecken dürfte, an den Hof von Kopenhagen und dann über Triest nach Aegypten zu begeben, wo die Prinzessin den Winter verbringen soll. London, 17. Nov. Mr. Gladstone nahm in Garston Veranlassung, auf einzelne Punkte der Rede, die Mr. Disraeli beim Lvrdmayorbanket in der Guild- hall gehalten hat, zu antworten: „Ich muß, be- merkte der Führer der Liberalen, noch gegen die Verarbeitung auswärtger Politik zu Partei.wecken im Jnland'e protestiren, wie sie in voriger Woche vorgckommen. Der Premierminister erklärte an der Tafel dzs Lordmayor sich dahin, daß trotz der drohenden Lage der Dinge auf dem Festlands wahrscheinlich der Friede erhalten werden könne, wenn man den Minister des Auswärtigen die Vermittlerrolle zwischen Frankreich und Preußen übernehmen lasse. Ich habe eine gute Meinung von Lord Stanley, und ich bin fest überzeugt, daß, sollte ihm ein derartiger Vorschlag oder eine bezügliche Eröffnung gemacht werden, er sich einen Augenblick besinnen wird, ehe er zugreift, und daß er sich durch keine Partcirücksichten nach der einen oder andern Seite drängen lassen wird. Und ich sage es hier und werde es erforderlichen Falls im Parlament wiederholen, der Premier hat kein Recht, in der Guildhall den Vorschlag zu einer Vermittelung des auswärtigen Ministers zwischen Praußen und Frankreich zu machen; cs ist dort weder der Ort, noch die Zeit, derartige Erklärungen mitzuthcilen, und wir wollen nicht das schlechte Beispiel, das gelegentlich in der Union gegeben wird, nachahmen und uns von keinem conscrvativen Demagogen leiten lassen, die höchsten Interessen unserer Nation und anderer alliirten Nationen zum Spielball der Parteien zu machen, blos damit er sein angenblickticheS Ziel für seine Parteizwecke erreiche." Vermischtes. Darmstadt. Die „Hess. LandeSztg." schreibt vom 19. i. öi.: Gestern Nachmittag 4 Uhr wurde der Knecht eines hiesigen HandlungSHauses beauftragt, bei einem Privatmann den Betrag von 2000 si. zu erheben. Der schon 28 Jahre in diesem Hans« zur größten Zufriedenheit dienende Mann erhob zwar die Summe, verschwand aber auch damit und haben die sofort eingeleiteteu telegraphischen Nachforschungen bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. Mainz, 18. Nov. Die vorige Woche angekündigten Festungsmanöver finden seit vorgestern Statt. Gestern Mittag wurde von den Gonfenhetmer Mühlen aus das Fort Gonsenheim gestürmt und genommen. Zwei Sturmcolonnen gingen im Laufschritt vor, und hatte die eine einen etwa 18 Fuß tiefen Graben und eine in diesem stehende Mauer zu überklettern, die andere hatte zuerst den Wallgraben und dann einen mit Wasser gefüllten tiefen Graben zu passiren. Von dem Augenblick, wo di« erste Leiter in den Graben eingesetzt wurde, bis zu dem Hurrah beim Sturme auf die Umwallung waren gerade fünf Minuten verstrichen. Heute soll, wie eS heißt, die gesammte Garnison au dem Manöver theilnehmen. Friedberg, 19. Nov. Aus unserer Nähe ist ein scheußliches Verbrechen zu berichten, welches gestern in den Abendstunden zwischen Ober-RoSbach rind Rodheim verübt worden ist. Ein zwölijährigeS Mädchen aus Ober-Nosbach, welches zu dieser Zeit nach Haufe zurückkehren wollte, wurde auf dem Rückwege von eine Manne angepackt und in der abscheulichsten Weise mißhandelt und mißbraucht, worauf der Unmensch fein Opfer zu ersticken suchte und ihm dann noch einige Stichwunden beibrachte. Da« Kind, welches bewußtlos im Feld« liegen» gesunden wurde und in der Nacht schon seinen Wunden erlag, soll vor seinem Ende noch soweit zum Bewußtsein zu- ruckgekehrt sein, um den Thäter bezeichnen zu können. In Folge dessen ist sofort ein in Nodheim wohnender Weißbinder, Ditobürger in Ober-Wöllstadt, Namens Peter Feuerbach, dessen blutigen Nock man im Felde gefunden hatte, zur Hast gebracht worden und hat die gerichtliche Unrersuchung gegen ihn begonnen. Berlin. Vor einigen Tagen wohnte ich einer Gericht«- sccne bei. Ein junger hübscher Mann sollte zum ersten Mal al» Staatsanwalt plaidiren. Plan hatte eine liebenswürdige Schöne arretirt. Ihr Blick, auf den Vertreter des Gesetzes gerichtet, scheint zu verrathen, daß sie viel auf Connerionen gibt. Da trägt der Staatsanwalt auf 8 Wochen Gefängniß an. „Acht Wochen?" ruft entsetzt die Dame; „Slaatsanwäl- tefen. Tu hast mit nie geliebt!" — Die Berliner Langfinger haben einen guten Instinkt. Ein Mitglied dieser edlen Zunft hat gestern einrrn Studenten über 200 Thaler nebst sonstigen Wertbsachen mittelst Einbruch entwendet. Sonst pflegt da» gerade keine ergiebige Quelle zu sein. — Ein reicher Privatmann hat sich hier ein Palais eingerichtet, da» an Coni- fort alle» Dagewesene übertrifft. So sind in einem Gesellschaftszimmer 12 Sessel aufgestellt, die alle mit Spielwerken versehen sind. Sobald man sich setzt, beginnt das Concett. — „Der Bien muß!" nämlich Hr. v. Mühler muß doch den Geburtstag Schleiermachers mitfeiern. Graf Schwerin, ein Verwandter des Ministers und Schwiegersohn Schleiermacher«, hat ihn zum Festdiner eingeladen. Ich glaube, er leidet im Voraus an Verdauungsbeschwerden. Altotta, 14. Nov. In einem Coupe dritter Claffe de« von Norden hierher kommenden Personenzuge« hat kürzlich Abend« eine komische Verwechselung stattgefunden. E« war sehr dunkel, Niemand konnte seinen Nachbar erkennen, und auch eine Unterhaltung wollte sich auf diese Weise nicht an- knüpfen. Da würde da« Schweigen plötzlich durch die naive Frage einer weiblichen Stimme unterbrochen: „Karl, wo hast Du den Schnurrbart her?" Ungeheure Heiterkeit folgte diesen Worten. Dieselben waren von einem jungen Mädchen auSge- gangen, das bis dahin auf der Reise neben feinem Bräutigam gesessen hatte, der jedoch beim Cinsteigeu auf der vvrhergegan- genen Station im Gedränge auf einen anderen Platz gerathen war. Derjenige Passagier, der de« Erwähnten Stelle eingenommen hatte, fühlte plötzlich einen Händedruck und darauf einen Kuß, der aber auf den unerwarteten Schnurrbart stieß und so jenen Ausruf veranlaßte. Gotha, 15. Nov. Von der Staatsanwaltschaft wird auf eine Betrügerei aufmerksam gemacht, welche von zwei Individuen, anscheinend Engländern, zu Anfang vorigen Monats hier verübt worden ist. Diese Personen präsentirten im Geschäfts- locale der hiesigen Privatbank einen Eheque, gezogen auf die Bankfiliale der Loudon - und Westminsterbank zu Bloomdbury über 50 Pfund Sterling. Die Bank bezahlte den betreffenden Betrag, erfuhr aber später, daß der Eheque gefälscht fei. In ganz gleicher Weise haben die Schwindler bei der Agentur der Weimarischen Bank zu Chemnitz einen falschen Eheque über 100 Pfund Sterling anzubringen gewußt. Sie haben dafür auf ihr Ansuchen österreichische« Papiergeld erhalten, wobei sie ihre Absicht ansspracheu, nach Oesterreich zu gehen. Der eine »er Betiüger nannte sich John Zachariah Lawrenee und ist einige 40 Jahre alt, während der andere ix den Vierzigern zu stehen scheint. Neapel, 18. Nov. Seit zwei Tagen ist der Vesuv in einem heftigen AnSbruch begriffen. Am Fuß des großen Kegel« öffneten sich neue Kegel, welche Lavaströme in der Richtung de« Lava-Ergusses von 1856 ergießen. Da» Marimum der Lavageschwindigkeit ist 180 Meter in einer Minu e. Die Lava überströmt bebaute« Land und wird bald das Meer erreichen. Mehreren Dörfern droht Zerstörung. Amerika, liebet den neuen Unions-Präsidenten, General Grant, cursiren der Aneedoten gar viele. Lieutenant Wickfield eommandirte bei der von Grant geführten Erpe- dition gegen die Rebellen in Arkansas die Avantgarde von 8 Berittenen. Der Weg war lang, die Mnndvorräthe knapp, al« der Lieutenant bei einer kleinen Farm anhielt, befehls- haberisch zu offen verlangte und den erschrockenen Leuten auf ihre Frage zu verstehen gab, er sei Brigade-General Grant. Ta öffneten sich Küche und Keller, und der Lieutenant mit seinen 8 Leuten ließ sich'« wohl fein. Kurz nachdem er da» gastfreundliche Dach verlassen, traf Grant dort ein und bat »je Hausfrau, ihm etwa« zu fachen. — „Unmöglich, General Grant war eben mit seinem Stabe hier nnd hat Alle» aufge- gcffen, bi« auf eine Kürbispastete." Vermittelst eines halben Dollars bewog der General die gute grau, die Pastete aukzu- bewahren, bi« er sie werde holen lassen. Am Abende desselben Tage« war großer Appell, und der General-Adjutant verlas folgenden Befehl: „D- Lieutenant Wickfield in dem Hause der Frau Selvidge Alles aufgegessen hat, mit Ausnahme einer einzigen Kürbispastete, erhält derselbe hierdurch Ordre, mit einer Eseorte von 100 Berittenen zurückzukehren und diese Pastete gleichfalls zu essen. U. S. Grant, Brigade-General und Commandeur." Punkt sieben Uhr ruckte die Abtheilnng au« und kehrte gegen Mitternacht zurück, wo die Verzehrung der Pastete rapportirt wurde. James Rothschild in Pari« ist gestorben, der König der Bankiers und der Bankier der Könige. Er war geboren 1792 al« der jüngste Sohn des Gründers der Dynastie, de« arm beginnenden Mayer Anselm Rothschild in Frankfurt; feit 1813 war er da« Haupt de« Pariser Bankhauses. Napoleon III. suchte ihn anfangs zu entthronen und begünstigte seine Concurrenten, die Brüder Pereire, Rothschild siegte aber und erlebte den Triumph, daß Napoleon und Eugenik ihn auf seinem Jagdschlösse FerriüreS besuchten; sie gestanden später, nie solche Pracht, solchen Geschmack und solche Kirnst der Be- wirthung gefunden zu haben. Rothschild war in der THK mehr al« ein Geldjude, dem jeder Gedanke, jedes Gespräch sich in eine Zahl und in ein Rechenerempel verwandelt, er hatte eine offene Hand für Kunst und Wissenschaft und für deren Träger; an feiner Tafel saßen mitunter auch die Musen und schmausten Nektar und Ambrosia. Der alte Herr war em Feinschmecker, Talleyrand, der berühmte Diplomat, hatte ihm au« Hochachtung vor feiner Zunge seinen Koch vermacht, den berühmtesten in Frankreich. *e* (Eine Megäre.) In Rochester bei Newyork wurde kürzlich eine grau wegen Grausamkeit gegen ihre 7jährige Adoptivtochter zu einer 6monattichen Gefängnisstrafe verup theilt. Sie hatte die Hände des kleinen Kinde« gewaltsam über einen glühenden Kohlentopf so lange gehalten, bis dieselben über und über verbrannt waren. Al« Grund ihres grausamen Verfahren« gab sie an, da« Kind hätte ein Stückchen Zucker gestohlen und „sie habe beabsichtigt, ihm eine Idee vo der Hölle zu geben." yebaction, Druck unb Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.