Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Sieben Donnerstag den 23. April 1868 Ne. Ä8 Amtliche Bekanntmachungen Den landivirthschsftlichen Lehrcurfus für Schullehrer p Darmstadt betr. Dr. Hüllwachs. Dr. Thiel. Dr. Metzler. Dr. Dölp- Dr. Krämer. C- Leisewitz. 8) Obst- und Weinbau," 2stündig............,.........R. Noack. Der Unterricht wird durch Excursionen, praktische Demonstrationen und Conversaiionen vervollständigt. Für die Zuhörer der zweiten Abtheilung werden außerdem 4 Nachmittage per Woche zu Uebungen im Anstellen von chemischen und physikalischen Experimenten, im Bestimmen von Mineralien und Pflanzen, im Gehrauche des Mikroskopes rc. verwendet werden. » Am Schlüsse des Curses findet für diejenigen Zuhörer, welche die zweite Abtheilung besucht haben und ein vollständiges Zeugniß über ihren Fleiß und ihre Leistungen beanspruchen wollen, eine schriftliche und mündliche Prüfung vor dem Collegium der Docenten statt. Diejenigen Lehrer, welche sich um Zulassung zum Unterrichts-Cursus bewerben wollen, werden ersucht, hinsichtlich der Erwirkung der Erlaubniß zur Theilnahme an dem Unterrichte, soweit dieser nicht in die Schulferien fällt, sich an ihre vorgesetzte Behörde, hinsichtlich etwa gewünschter Unterstützungen für Bestreitung ihres Unterhaltes in Darmstadt aher an die betreffenden landw. Provinzialvereine (in Starkenburg an die landw. Bezirksvercine), oder an ihre Gemeinden zu wenden. Anmeldungen zum Besuche des Cursus sind längstens bis zum 1. Juli d. I. an uns einzureichen. Darmstadt, den 19. März 1868. Großherzogliche Centralstelle für die Landwirthschaft und die landw. Vereine. v. B e ch t o l d. Krämer. Der mit Genehmigung Gr. Oberstudien-Direction unter Mitwirkung der landw. Provinzialvcreine des Landes in Darmstadt eingerichtete sechswöchentliche landw. Lehrcursus für Volksschullehrer wird auch pro 1868 fortgesetzt werden. Derselbe beginnt am 1. August und endigt gegen Mitte September. Der Unterricht soll in zwei Abtheilungen ertheilt werden. Von diesen ist die erste für die neu hinzutretenden Lehrer, die zweite dagegen für solche Zuhörer bestimmt, welche bereis im vergangenen Jahre an dem Cursus Theil genommen haben. Die Vorlesungen werden sich in jeder Abtheilung erstrecken auf: 2) Physik? ( in Rücksicht auf Agricultur, 6stündig............ 3) Mineralogie und Geognoste, Lstündig ................ 4) Anatomie und Physiologie der Pflanzen und Thiere, Istündig....... 5) Geometrie, in Anwendung auf Flächen- und Körperberechnungen, Lstündig . . 6) Landwirthschaftliche Betriebslehre, 4stündig.............. 7) Ackerbau- und Thierzuchtslehre, 6stündig............... Besondere Bekanntmachungen. Auszug aus einem von dem unterzeichneten Gerichte am 15. d. Mts. vollzogenen Einträge im Handels-Register. 2750) Es hat sich eine Actiengesellschaft gebildet, welche die Firma: „Oberhessischc Eisenbahn-Gesellschaft" führt und ihren Sitz in Gießen hat. Der Gesellschaftsvertrag datirt vom 5. Februar und 14. April d. I. und die landesherrliche Genehmigung vom 4. l. Mts. Der Gegenstand resp. der Zweck der Gesellschaft ist die Erbauung, die vollständige Ausrüstung und der Betrieb einer Eisenbahn von Gießen nach Gelnhausen, sowie einer Eisenbahn von Gießen nach Fulda und derjenigen sonstiger Haupt- und Nebenbahnen, deren Erbauung oder Erwerbung die Gesellschaft mit staatlicher Genehmigung beschließen wird. Die Zeitdauer ist auf 99 Jahre festgesetzt. Die Höhe des Grund - Capitals beträgt 28,400,050 Gulden, die Zahl der Actien 81,143 und die Höhe der einzelnen Actien 350 Gulden. Die Actien lauten auf Inhaber und sind unth eilbar. Die Verfügungen, Bekanntmachungen, Vollmachten (auch für Rechtsstreitigkeiten), sowie alle Ausfertigungen, welche von dem Verwaltungsrathe ausgcben, werden von dem Präsidenten oder in dessen Verhinderung von seinem Stellvertreter unterzeichnet und von einem anderen Mitglieds des Verwal- tungsrathes contrasignirt. Die Bekanntmachungen müffeit in mindestens einem in Gießen, in Darmstadt, in Frankfurt a. M- und in Berlin erscheinenden öffentlichen Blatte erfolgen. Gießen, am 19. April 1868. Grobherzogliches Stadtgericht Gießen. ________________M u h l.______________ 2783) Durch Verfügung Großhcrzoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen vom 21. Januar l. I. ist Heinrich Stein von Climbach wegenvcrschwenderischenLebens- wandels unter Curatel gestellt worden, was hiermit unter dem Anfügen bekannt gemacht wird, daß Rechtsgeschäfte für denselben gültig nur mit dessen Curatoren Jacob Stein und Heinrich Backhaus von Climbach abgeschlossen werden können. Zugleich werden Alle, welche Ansprüche an denselben haben, aufgefordert, solche binnen 4 Wochen bei Meldung der Nichtberücksichtigung bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden. Grünberg, den 18. April 1868. Großherzoglichcs Landgericht Grünberg. Erdmann, Dr. Zjmmcrmann, Landrichter. Landg.-Assessor. 2766) Die untren Heutigen abgehaltene Eichenstammholz - Versteigerung im Doma- nialwald-District Niederseilbach bei Treis a- d. L. ist genehmigt. Die Abfuhrscheine befinden sich vom 24. April an bei Großherzoglichem Rentamt Gießen und findet die Üeberweisung des Holzes Montag den 27. d. Mts-, Morgens um 7 Uhr, statt. Treis a. d- L-, den 20. April 1868. Großherzogliche Oberförsterei Treis a. d. L- Amendt- Schutzpocken - Impfung in der Stadt Gießen. 2764) Auf Veranlassung des Großherzoglichen Kreisarztes, Medicinalraths Dr. Stammler dahier, bringen wir zur Kennt- niß der Stadtangehörtgen, daß derselbe vom 1. Mai bis 15. Juni und vom 1- September bis 15. October dieses Jahres alle Kinder, deren Eltern es wünschen und die den dritten Lebensmonat überschritten haben, in seiner Wohnung, jeden Mittwoch und Samstag von Nachmittags 2 Uhr an, un ent geldlich impfen wird. Gießen, den 20. Ahril 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Werft eigerungen. Die Vergebung von Zimmerarbeit bei der Stadt Gießen. 2784) Montag den 27. April 1868, des Vormittags 9 Uhr, soll die Ausbesserung des Spaliers am städtischen Schulhause im ehemals Oswald'- schcn Garten, veranschlagt zu 9 ft. 40 fr., auf dem Rathhause dahier an den Wenigst- fordernden vergeben werden. Gießen, den 21. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________Vogt-____________ 2729) Die Lieferung der Stoffe zu den Kleidern für arme Confirmanden im laufenden Jahre, bestehend in schwarzem Tuch, schwarzen Orleans, Flanell und Futter, soll auf dem Soumissionswege vergeben werden. Diejenigen hiesigen Kaufleute, welche die Lieferung übernehmen wollen, werden ersucht, Muster von diesen Stoffen, nebst den Preisangaben, Freitag den 24. I. Mts., Vormittags 9 Uhr, im hiesigen Bürgerhospital abzugeben. Gießen, am 16. April 1868. Der Rechner: Wittich. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 2762) Montag den 27. April 1868, von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Districten Trieb und Philosophenwald, nachverzeich- netes Holz versteigert werden, als: 236-/4 Stecken Nadel-Prügelholz, 231-/4 „ „ Stockholz, 19251 Wellen „ Reisholz, 189 Nadel-Stämme mit 3801 Cubikfuß, 6 Eichen- „ „ 258 „ 7742 Nadel-Stangen „ 9696 „ 8 Eichen- „ „ 40 „ Die Zusammenkunft ist auf dem Trieb. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. September d. I. gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies hi ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 21. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Holzversteigerung. 2763) Freitag den 1. Mai wird im Domanialwald - District Franzenwald nachverzeichnetes Holz versteigert: 41-/4 Stecken Nadel-Prügelholz, 19 Stecken Eichen- und-Nadel-Stockholz, 2250 Wellen Hainbuchen-Reisholz, 12500 desgl. Eichen- und 8100 desgl. Nadel- und Weichholz, sodann 1 Eichen-Stamm mit 8 Cubikfuß, 10 Nadel-Stämme mit 91 Cubikfuß, 25 Hainbuchen-Stangen mit 3 Cubikfuß, 271 Nadel-Stangen mit 264 Cubikfuß. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Viehtrieb nächst der Eisenbahn- Credit bis 30- September. Gießen, am 21. April 1868. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Dr. $ raubt 40 3300 32 186 24 900 sol- 66 Wellen Prügelholz, Stockholz und 36 14 5075 325 650 99 1112 1841 Cubiksuß If , u Rabenau, am 17. April 1868. Der Rentmeister: W. Engel. Gemeindewalde. 2782) Montag den 27. d. Mts., von Morgens 9 Uhr an, soll in dem Beuerner Gemeittdewalde gendes Gehölz versteigert werden, als: 55-/2 Stecken Buchen-Scheidholz, 1 IV- 326 2 2-/- 44 4 2-/- Holzversteigeruug in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. 2734) Künftigen Montag, den 27. b- Mts., Morgens 9 Uhr, sollen int District „Haler", auf beirt Garben- teicher Weg am Kellersberg zusammenkom- meitb, versteigert werben: 69 „ 2475 Wellen Fichten-Stangen mit 590 Cubikfuß. Lich, am 21. April 1868. Fürstliche Obcrförstcrei Lich. Eigenbrobt- unter letzterem befinden sich 1798 Stück Fichten-Stangen, vorzüglich zu Spa- : liefen unb für Wagner brauchbar.. Die Zusammenkunft ist im Ort und wird der Anfang int District Rothenbusch gemacht. Beuern, am 20. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Beuern. Otto. I Eichen- „ Aspen- „ Buchen-Prügelholz, Eichen- „ Kiefern- „ Buchen-Stockholz, Eichen- „ Kiefern- „ Buchen-Reisholz, Eichen- „ Kiefern- „ Buchcn-Bau- und Werkholz, Eichen- „ „ „ Kiefern- „ „ „ Alsdann werden nächsten Dienstag den 28. d. Mts-, Morgens 9 Uhr, int District „Langberg", am Nonnenothcr Feld anfangend, versteigert: 24 Stecken Tannen-Stockholz, 900 Wellen „ Reisholz, 141 Fichten - Baustämmc mit 4837 Cubikfuß und Holzversteigerung. 2735) Dienstag den 28. b. Mts., des Vormittags um 9 Uhr anfangend, kommen in dem Freiherrlich v. Rabenau'- schen Walddistrict Niederseilbach, Gemarkung und Oberförsterei Treis a. d. Lda., zur Versteigerung: 21 Stecken Eichen-Scheidholz, 18 „ „ Prügelholz, Reisholz. Die Zusammenkunft ist in dem Holzschlag auf dein Fußpfad von Treis nach Alten- Buscck. Stecken Buchen- u. Tannen-Prügelh., „ Eichen lOfüßig. Stamm-Prü- gelholz, „ Buchen-, Eichen- u. Tannen- Stockholz, Wellen Buchen-, Eichen- und Tannen- Reisholz, geringe Eichen-Stämme mit 247 Cu- bikfuß und Tannen-Baustämme mit 3649 Cbkf. 2765) Freitag den 8. Mai I. I., Vormittags 11 Uhr, soll in dem Locale des Bezirksstrafgerichts dahier (Vorbau des Provinzial-Arresthauses auf dem Seltersberg) die Lieferung von 10 Stecken Buchen-Scheidholz und 15 Stecken Buchen-Prügelholz — Großh. Hess. Matzes — unter den in dem Versteigerungstermine bekannt gemacht werdenden Bedingungen, an den Wenigstnehmenden vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen können während der Canzleistunden auf dem Secreta- riate des unterzeichneten Gerichts eingesehen werden. Gießen, den 18. April 1868. Großherzogliches Bezirksstrafgericht Gießen. I. A.: Langermann, Bezirksstrafgcrichts - Sekretär. Holzversteigerung im Beuerner Veräußerungen von Häusern und Liegenschaften. 2745) Rodheim. Auf Klage deS Raphael Oppenheimer von Lang-Göns und verschiedener anderer Gläubiger kommen Samstag den 25. April l. I., Morgens 10 Uhr, die Immobilien des Andreas Schmidt iv. zu Rodheim, bestehend in einer Hofraithe mit Garten und 58 Grundstücken, in der Gemarkung Rodheim belegen, ans dem Rathhause zu Rodheini zur öffentlichen Versteigerung. Gladenbach, am 25. Marz 1868. Königliches Amtsgericht, Abth. II. ________________Heb-_____________ Eichen - Bauholz - Versteigerung. 2769) Donnerstag den 30. April d. I., des Morgens 9 Uhr, sollen in dem Genleindewalde dahier, Di- stricten Banhardt und Klöppelstrauch: 114 Eichen-Baustämme, 8802 Cubikfuß enthaltend, meistbietend einer Versteigerung ausgesetzt werden. Die Zusammenkunft ist oberhalb der Heuständer Mühle an der Markwiese. Waldgirmes, am 20. April 1868. Königliche Bürgermeisterei Waldgirmes. A. Schmid t H o l z v er st e i g e r il n g. 2752) Dienstag den 28. d. Mts., von Morgens 9 Uhr an, sollen in dem hiesigen Gemeindewalde, Di- strict Streitwald: 7 Stämme Nadel-Bauholz mit 189 Cubikfuß, 174 Eichen-Stangen mit 321 Cubikfuß, 464 Buchen- „ „ 215 „ 953 Fichten- „ „ 788 „ 1 Stecken Eichen-Scheidholz, 14'/« „ Buchen-Prügelholz, 6 „ „ Stockholz, 1 „ Eichen- „ 1% „ Nadel- „ 6850 Wellen Buchen-Reisholz (Durchforstung), 235 „ Eichen- „ 300 „ Nadel- „ meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist zur bestimmten Stunde im District selbst am Wege nach Climbach. Großen-Buseck, am 20. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Buseck. Wagner. Loh-Versteigerung. 2751) Die diesjährige Lohausbeute in den Waldungen der Gemeinden Aßlar, Niederlemp, Berghausen und Dillheim soll am Montag, den 27. d. Mts., Vorinittags 10 Uhr, einer nochmaligen Versteigerung auf hiesiger Amtsstube ausgesetzt werden. Ehringshausen, den 20. April 1868. Der Bürgermeister: Brettschneider. Feilgebotenes. 2772) Schwedische Zündhölzchen, ohne Phosphor und Schwefel, vollständig gefnhr- los, bei_________________Emil P isto r. Besten Medicinatthran, pr. Schoppen 24 fr., empfiehlt (2754) Ernst Hermes, Materialist. Pollutionen - Verhinderungü- Bnndage, ärztlich empfohlen, nebst Gebrauchsanweisung ä Stück 2 Thlr- Dankschreiben werden nicht veröffentlicht- (2771) F. A. Brandt, in Liegnitz. 2773) Setzkartoffeln sind zu verkaufen, die Messe 20 fr., bei __________Gustav Koch II., Asterweg. 2758) Beste Qualität Brauer - Malz verkauft Fr. Textor, a- d- Hardt. 2756) Gute auserlesene Kartoffeln, pr. Meste 28 kr., sind zu haben bei ______________Bäcker Steinberger. Für Schützen-Vereine. 2743) Einige Ladetische und Bänke aus der früheren Schießhalle dahier sind billig abzugeben. Hierauf Reflekiirende belieben sich gef. an Herrn Zimmermeister P. C. Hildebrand, Hanauerlandstraße 44 in Frankfurt a. M., zu wenden._________ 2774) Ei» gebrauchtes kleines Sopha ist billig zu verkaufen. Näheres bei der Exped. b. Bltts.__-___ 2759) Geräthschaften zur Backsteinfabrikation nebst Häuschen sind zu verkaufen. Fr. Textor, a. d. Hardt. 2730) Bei Friedrich Lampus sind Diekwurzeln und Kartoffeln zu verkaufen. Jeder Zahnschmerz, ohne Unterschied, wird durch mein in allen dentschen Staaten rühmlichst bekanntes Zahn-Mundwasser binnen einer Minute sicher und schmerzlos vertrieben, was unzählige Dankfagungen der höchsten Personen bekunden. E. Hnckstädt in Berlin, Oranienstraße 57, am Marktplatz. Zu haben in Flaschen ä 18 und 36 kr. bei (2744)Carl Frech in Gießen. Feinen holländischen Tabak der Firma Ammus Oldenkott H. Zoon f Lie. te Amsterd am, a Pfd. 34, 38, »«, 43, 56 kl*. und I 11. 10 kr., empfiehlt <». C*. Syrtecfc. (2849) Alleiniges Depot für Giessen. Wiederverkäeifern Rabatt. 2739) Dicke auserlesene Kartofpeln bei __Chr. Lampus, Seltersweg. 2753) Ein Pferd, noch brauchbar und zugfest, hat zu verkaufen -____________Henzel, Posthalter in Lich. 2780) Soeben erschien und ist in der unterzeichneten und in den andern Buchhandlungen vorräthig: Erwiderung der drei evangelischen Superintendenten des Großherzogthums Hessen »i*. Zimmermann, Br. Simon und Di*. Schmitt, auf die Schrift des Herrn Bischof von Mainz: »Die wahren Grundlagen des religiösen Friedens. 76 Seiten 8. Preis: 24 fr. Ferbe r'sche Univ.-Buchhandlung (W. Ferber) Gieße». Englischer Patent -Portland- Cement, Fabrikat Robins & Comp. 2785) Aelteste und renommirteste Marke. Seit einem halben Jahrhundert bewährte unbedingte Zuverlässigkeit. Regelmäßiges Eintreffen frischer Sendungen auf meinen sämmtlichen Lagern. — Ferner zu billigerem Preise: Ihlaniliselier l^oWlafiuI-Cement, Fabrikat Dyckerhoff. Anerkannte, durch Proben constatirtc, beste Qualität unter den inländischen Ce- menten. Außergewöhnlich hoher Sandzusatz. Ausführung von Asphaltarbeiten. ÄsphaltartikeL Ksöln, April 1868. .J, 2737) Tapeten in reichhaltiger Auswahl und zu billigen Preisen bei T h. V r ü ck. V e r m i e t h u n g e n. 2778) Im von Grolma n'schcn Hause ist ein möblirtes Zimmer mit Cabinet, nach dem Garten, zu vermiethen._______________ 2777) Ein Familienlogis ist zu vermie- then Kirchenplatz Lit. A- Nr. 26.__ 2776) Ein freundlich möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei __________Franz Tippel, Lmdcngasse. 2731) Ein hübsch und freundlich möblirtes Zemmer ist zu vermiethen bei _________________ Friedr. Decker. 2727) Zwei möblirte Mansarden-Zimmer sind zu vermiethen bei Wittwe Busch. 2741) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei _________________A. Noll, im Stern. 2747) Im Hause des Herrn Ferdinand Wind ecker auf dem Kreuz ist ein möblir- tes Zimmer zn vermiethen.___ 2755) Seltersberg Lit. E. Nr. 3 ist ein möblirtes Zimmer, ä 36 fl. pr. Semester, zu vermiethen. ________________________ 2738) Möblirte Zimmer mit Cabinet, auf Verlangen mit einem Flügel, sind zu vermiethen bei M- Heß, Lindenplatz. 2728) Mehrere gut möblirte Zimmer sind zu vermiethen und sogleich zu beziehen. Näheres bei der Exped- d- Bltts- 2722) Ein freundliches, möblirtes Ziuti.ler, mit oder ohne Cabinet, ist zu vermiethen. Näheres ist bei der Exped. d. Bltts. zu erfragen. 2723) Mehrere gut möblirte Zimmer mit Cabineten sind zu vermiethen bei ________________ Wittwe M arti n. Ein Laden in bester Geschäftslage mit Comptoir und Ladenstube ist zu vermiethen- Ans Verlangen können auch noch 2 Stuben, Küche rc- dazugegeben werden- Näheres bei der Exped- d- Bl- (2733) Vermischte Anzeigen. 2760) Die General - Versammlung des Mmmer-Mdeverems konnte, eingetretener Hindernisse wegen, am verflossenen Montag nicht stattfinden und wird nunmehr heute, Donnerstag den 23. e., Abends 8 Uhr, in dem Promenadehaus dahier abgehalten werden. H- W- Danernheim- 2770) Zwei Schuhmachergesellen werden gesucht von__B- Walther. 2775) Ich fordere den mir bekannten Besitzer der mir abhanden gekommenen Uhr hiermit nochmals auf, dieselbe binnen 3 Tagen an mich zurückzugebm, widrigenfalls ich ihn gerichtlich belange. Eberhard Rau, aus Wieseck. 2779) Ein weiß- und schwarzgefleckter Hund (Tigerrace) ist gestern abhanden gekommen. Man bittet den jetzige» Besitzer, uns hiervon Kenntniß zu geben. Die Expedition. Zur Nachricht. 2724) Ich warne hierdurch einen Jeden, meinen beiden Söhne» G e o r g und Jacob Ger lach auf meinen Namen Etwas zu borgen, indem ich für Nichts hafte, resp. für dieselben keine Zahlung leisten werde. Georg Gerlach il-, zu Rodheim. 2740) Ein anständiger junger Mensch kann in einer hiesigen Restauration Placement finden und sogleich eintreten. Näheres bei der Erped. d. Bltts.___________________ 2781) Ein junger Mann wünscht Stelle als Scribent, oder auch bogenweises Abschreiben im Hause zu übernehmen. Näheres bei der Exped. d- Bltts-_____________________ 2768) Für ein größeres Schuhmachergeschäft in einem Badeorte wird eine Einfasse- rin, womöglich im Nähen auf der Maschine geübt, gegen hohen Gehalt und Vergütung der Reisekosten, zu engagiren gesucht- Das Nähere bei der Exped- d. Bltts-___________ 2736) Ein gesitteter Junge kann als Hausbursche eintreten bei __________________________H- Hoch stä11er- 2726) In einen hiesigen Gasthof wird ein Kellner-Lehrling gesucht- Eintritt am 1- Mai. Zu erfragen bei der Exped. d. Bl. 2761) Zwei Schneidergesellen können gegen guten Lohn dauernde Beschäftigung erhalten bei Aug. Rabenau, in Beuern. Beachtenswert!!! 2746) Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie gegen Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Specialarzt Di*. Kirchhoffer, in Kappel bei St. Gallen (Schweiz.) 2725) Lehrlings - Gesuch. In meiner Färberei, Druckerei und Kunstwascherei wird ein Lehrling unter sehr guten Bedingungen gesucht. Friedrich Menger, ___________Fischergasse Nr. 17 in Hanau- 2757) Ein Gymnasiast oder Realschüler kann bei einer Beamtenfamilie für das kommende Semester Kost und Logis erhalten- Näheres bei der Exped- d- Bltts- 2710) Pelzwaareu und wollene Stoffe jeder Art werden aufbewahrt resp. unter Garantie übersommert bei A. S chulth eis, junior, Seltersweg Lit. C. Nr- 10. 2732) Anmeldungen zur Aufnahme in die Großherzogliche Realschule zu Gießen können bei der Direction täglich bis zum 24. d. Mts. geschehen. Lehrplan und Ziele der Anstalt sind vorerst um eine Oberklasse mit 2jührigem Cursus und entsprechenden Berechtigungen erweitert, und werde» in der nächsten Zeit ihre definitive Organisation erhalten. Nähere Mittheilungen darüber wird die unterzeichnete Direction gerne machen. Der Unterricht beginnt am 27. d. Mts., Morgens 8 Uhr- Für den Eintritt in die unterste Klasse ist das 10. und für den Eintritt in die jetzige oberste Klasse das 44.—15. Altersjahr als Regel anzunehmen. Das Maaß der für den Eintritt in eine bestimmte Klasse erforderlichen Vorkenntnisse ist aus dem Schulprogramm im Allgemeinen ersichtlich, und wird durch eine Aufnahmeprüfung nachgewiesen , welche diesesmal am 24. l. Mts-, Morgens 8 Uhr im Realschulgebäude stattfindet- Diejenigen, welche der Konfirmation wegen erst zu Pfingsten eintreten können, thun gleichwohl besser, sich auch an diesem Tage zur Prüfung einzustellen. Großherzogliche Direction der Realschule. I. E. d. D.: Dr. Stein, Großh. Reallehrer. Privat - Mädchenschule von Frl. Mathilde Schneider. 2767) Der Unterricht im neuen Schuljahr beginnt Montag den 2(7. April. Neu eintretende Schülerinnen wolle man, womöglich am 24., 25. ober 26. d. Mts-, anmelden. Splmikrel-Arbciter gesucht! 2742) Wir suchen zur Ausdehnung unseres Fabrikbefriebes noch eine größere Anzahl Arbeiter, die bereits in Spinnereien beschäftigt waren. Wochenlohn für einen Spinner circa 10 Gulden, An- fetzer, Haspler und Spuler im Verhältniß. W olleugani'Spiuuerei, Worms am Rhein. Börsennachrichten. 21. April 1868. Preuss. 4!/2% Obi. 957z Frankf. 3%% Obi. 81% Nass. 4>/2°/0 Obi. 94% Kurh. 4% Obi. 89 % Hess. 4% Obi. b. Koths. 89% „ 3Vz% do. do. 84 Bayer. 5% Obi. 1017z „ 4720/o 1jährige 93 „ 4i/3% 72jährige 93 74 Würtemb. 4%% Obi. 93% Baden 47a% Obi. c. E.L. 93% Oestr. 5% b. R. 62% „ 5% National 52% „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuerf. 49% Am er. 6% 1882r Bds. 75% „ 6% 1885r 74V2 Aetien. Frankf. Bank 123% Oester. Bank 707 „ Creditact. 1867z Darmst. Bankact. 221 Prioritäten. 5% östr. F. St. K. B. 2577z Ludwigsh.-Bexbach 119% Maxbahn — Bayer. Ostbahn 121 liess. Ludwigsbahn 131% 3% östr. Stsb.-Prior. 51% 3% östr. s. Lombard. 42% 3% Livorneser 28 Toscaner 41% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 97 5% Elisabeth-Prior. 72% do. II. Emiss. 70% Anlehensloose. Kurh. iO Thlr. Loose 55 7g Nassau fl. 25 b. Roth. 3 > % Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144% Gr. Hess. fl. 25 b. R. 38% 4% bayr. Präm. Anl. 98% 4% badische Loose 97% Badische fl. 35 Loose 50% 1858r Prioritätsloose — 1860r Loose 70 1864r „ 84 Wechsel. Amsterd. k. S. 100% Augsb. k. 8. 99% Berlin k. 8. 105 Bremen k. S. 98 Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 887z Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119% Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 101% Disconto 3% G. tieldsorten. Pr. Cass. Sch. 1 44%-45 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 57-58 Pistolen . . 9 49-51 „ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankenst. 9 30-31 Engi. Souver. 11 55-59 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 28-29 Feuilleton. Das Testament des Großonkels. Viertes Kapitel. (Fortsetzung) „Wenn das der Fall ist, John, so mußt Du Dich tief und bitter an ihr vergangen haben, denn sonst würde ein solcher Fall unerklärlich sein." „Perry, das ist eine lange, lange Geschichte. Um mich zu vertheidigen, müßte ich sie anklagen, und dieß will ich nicht. Doch ich werde mich auf andere Weise vertheidigen, Dir gegenüber, nur Dir allein gegenüber, wenn Du mir Dein Ehrenwort geben und schwören willst, nie etwas von dem zu verrathen, was ich Dir jetzt zeigen werde." „Warum sollte ich nicht, John, hier meine Hand darauf, ich verspreche es Dir." „ _ „Wohlan," sagte John, „Du hast meinen Vater nicht gekannt, doch Du hast Verwandte, Freunde, bejahrte Bekannte, die ihn gekannt haben?" „Gewiß, mein Freund, und wo nur immer noch heute nach vier und zwanzig Jahren seines Todes sein Name genannt wird, da wird er mit Achtung und Ehrfurcht ausgesprochen." „Das weiß ich, Perry, und jetzt sage mir, ob Du mir unter allen Burgern New-NorkS, die meinen Vaier gekannt haben, auch nur einen Einzigen bringen kannst, der im Stande wäre, zu sagen: Dr. Gratman war fähig, eine Lüge zu sagen!" „Das ist unmöglich, John, denn selbst seine College» — Feinde kann ich nicht sagen, da er keine hatte — reden nur mit der höchsten Achtung von ihm." „Du würdest also meinen Vater für unfähig halten, eine Lüge mit in sein frühes Grab genommen zu haben?" „Ganz gewiß," John Gratman. „Nun wohlan, so lies dieß!" sagte John, und nahm aus einer auf dem Tische stehenden Schatulle ein einfaches Schreibbüchelchen in Sebezform und in rothem Umschläge. „Kennst Du meines Vaters Handschrift?" fuhr er fort. „Ja, denn ich erinnere mich, bei Evelinen eine Bibel gesehen zu haben, in der er Eure Geburtsjahre eingeschrieben hatte." „So lies dieß," erwiederte John, und gab ihm das rothe Schreibbuch. Perry nahm dasselbe und begann zu lesen; es herrsch!- eine feierliche Stille von einigen Minuten; John bliche in Perry's Antlitz und sah, wie dessen Züge ängstlicher und ängstlicher würben, je länger seine Augen über Die vom Alter vergilbten Zeilen hinflogen. Endlich entsank das Buch seiner Hand, ff bedeckte mit der andern sein Gesicht und rief aus: „O, John, das ist entsetzlich, das ist fürchterlich!" „Siehst Du jetzt, Perry," sagte John in ruhigem, ernstem Tone, „daß zwischen mir und meiner Mutter kein Dritter stehen kann? Was wir mit einander auszumachen haben, geht keinen Dritten etwas an, hier heißt es jetzt: Äug' um Auge, Zahn um Zahn! und wer Sieger in diesem Kampfe bleiben wird, das weiß nur Gott allein, unser einziger Richter!" „Und was soll aus Evelinen weiden, John, die Erkenntniß eines solchen Geheimnisses würde sie tödten!" „Und wer sagt Dir, daß ich von demselben Gebrauch machen will, es ist mir genug, im Besitze desselben zu sein. Laß uns davon au-hören, Du siehst, daß ich Dir Vertrauen geschenkt habe, jetzt vertraue Du auch mir und überlaß mir cie Zukunft. Glaube mir, mein Freund, mein rächender Arm soll nicht auf die Häupter der Unschuldigen fallen, und was auch geschehen möge, Du sollst vorher Alles wissen. Ich habe freilich meine Schwester kaum gekannt, doch ich will ihrer gedenken um Deinetwillen. Jetzt, Perry, laß mich allein, ich fühle mich angegriffen und bedarf der Ruhe." „Werde ich Dich morgen noch sehen können, John?" „Nein, Perry, ich verlasse morgen die Stabt; versuche nicht mir nachzuforschen, es würde vergebens sein; außerdem habe ich Dir versprochen, daß Du binnen Kurzem von mir bereu sollst; Du darfst mir glauben, denn ich sage Dir die Wahrheit, und gehe nicht weit von hier." „Lebewohl, John!" sagte Perry, und beide trennten sich mit einem warmen Händedruck. Sobald John Gratman allein war, zog er die Klingel und befahl dem eintretenden Kellner, dem Buchhalter unten in der Office zu sagen, daß er für Niemanden mehr zu Hause sei, und ließ sich dann einen kalten Imbiß und Wein auf sein Zimmer bringen. Er aß ab und zu ein wenig, nahm dann und wann ein Glas Wein, war aber im Uebrigen ganz und gar mit seinen Gedanken beschäftigt. So verging Stunde auf Stunde; das Sonnenlicht draußen war verschwunden, Dämmerung herrschte im Zimmer und draußen flackerten die hellen Gasflammen. Plötzlich erhob Jobn Gratman sich rasch vom Sopha, zündete ein Llcht an und begann von Neuem Toilette zu machen. Als er fertig war, verschloß er Alles sorgfältig und verl eß dann durch den Dameneingang, der auf den Broadway führt, das Hotel, sprang in den nächsten Omnibus und fuhr nach City Hall hinunter bis zum Astorhaufe, wo er ausftieg und dann die Barclaystreet bis dicht vor Greenwichstreet hinabging und an der rechten Seite in einen Billard- salon eintrat. Rechts vom Eingang befand sich ein Büffet für Getränke, links eins für Speisen. Er setzte sich auf einen jener hohen Stühle ohne Lehnen und verlangte Kaffee. Als ihm der Aufwärter denselben brachte und ihn mit aufmerksamen Blicken zu firiren begann, richtete er mit der größten Unbefangenheit einige Fragen an denselben, und ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein in einem so schauderhaften Englisch mit französischem Accent, daß demselben, wenn er ihn wirklich erkannt haben sollte, jeder Verdacht schwand, und er vielmehr zu glauben anfing, er habe einen seit Kurzem angekommenen grünen Franzosen vor sich. Als er mit seinem Kaffee zu Ende war, fragte John: „Heißt der Platz da drüben auf der anderen Seite des Wassers nicht New-Jersey?" „Der Staat heißt New-Jersey," antwortete der Aufwärter, „die Stadt aber heißt Hobokcn." „Sind Sie bekannt da drüben?" „Meine Eltern wohnen drüben, nicht in Hoboken selbst, aber oben auf dem Berge, man heißt das Union Hill." „Kennen Sie drüben einen Schiffscapitän, Namens Mack Lane?" „O ja, ihn und seinen Sohn, doch Beide sind auf See; die Familie wohnt aber auch nicht mehr in Hoboken, sondern auf dem Berge." John bezahlte seine Zeche, verließ das Lokal und näherte sich dem Flusse. Der Mond war aufgegangen und warf seine silbernen Strahlen auf den Spiegel des Hudson. John Gratman bestieg ein Fährboot, welches ihn in wenigen Minuten auf das andere Ufer hinüber brachte, wo wir ihn auf einige Zeit den Blicken unserer Leser verschwinden lassen müssen, um zu den anderen handelnden Personen in unserer Geschichte zurückzukehren. Uhr, Madame Grat- Berathung in ihrem Fünftes Kapitel. Es war an demselben Abend zwischen acht und neun man befand sich mit dem Advokaten Veerenborg in geheimer Cabinet. „Ich denke, Sie sind mit meinen Nachrichten zufrieden, Madame," sagte Veerenborg, „es war Alles, was wir erfahren konnten. Zuerst halte Brown im Broadway seine Spur verloren, doch er rnuthmaßte mit Recht, daß er sich in einem der Höiels im oberen Theile der Stadt aufhalten müsse, und schon nach zwei Stunden wußte er, daß er sich im St. Denis Hotel befinde." „Dazu bedurfte es freilich keiner großen Kunst," erwiederte Madame Gratman. „ES war doch nicht so leicht, als Sie glauben mögen," fuhr Veerenborg fort, „denn er hatte sich unter dem Namen Charles Preston in'S Fremdenbuch eingeschrieben. Seine Verhältnisse scheinen nicht ärmlich zu sein, wie nur Brown versicherte, Denn er ist als ein mit Allem wohlversehener Gentleman im Hotel angekommen." „Das wird hoffentlich nicht lange dauern," warf Madame Gratman da- zwischen. „Brown," fuhr Veerenborg fort, „wollte sich bei ihm unter dem Vorwande einsühren, um ihn zu fragen, ob er ein Taschenbuch verloren habe, welches man im Wagen gefunden halte, der ihn hergefahren, doch er hatte gemessenen Befehl ertheilt, allein sein zu wollen, nachdem er einen Besuch empfangen halte, und wer glauben Sie wohl, daß dieser erste Besuch gewesen sei?" „Nun, wer sonst, als einer seiner plebejischen Zechkumpane, dem er seine Ankunft brieflich miigelheilt und im Hotel zu einem Rendezvous eingeladen halte?" „Weit gefehlt, werthe Frau, — jener erste Besuch war niemand anders, als Ihr täglicher Hausfreund, Herr Perry Myers." „Jft's möglich!" rief Madame Gratman aus, „Evelinens schmachtender Liebhaber! So hätte ich ihn also falsch beurthcilt; ich habe ihn immer für weiter nichts, als einen gewöhnlichen Alltagsmenschen, erträglichen GeMchafier und guten Geschäftsmann gehalten, der mit der Zeit einmal hätte mein Schmie- gersohn werden können; jetzt aber lernen wir dieß Herrchen also auch von der iniriguanlen Seite hnnen." „Brown hat ihn selbst herauskommen sehen, er sagt, er habe sehr nieder- geschlagen ausgesehen." „Und glauben Sie, Veerenborg," fragte Madame Gratman, „daß Eveline nicht mit um diese Julrigue gewußt habe? denn er vertraut ihr alle Geheimnisse. Sehen Sie, mein Freund, so bin ich überall verrathen und verkauft, nicht einmal auf meine eigenen Kinder kann ich mich verlassen, — wem soll man da noch trauen?" „Sie sehen also, Madame, daß meine Nachrichten nicht so ganz werthloS waren. Als Perry Myers das Hotel verlassen und Brown's Besuch nicht angenommen wurde, hat er die Bewachung des Hotels einem gewöhnlichen Polizei- Diener übergeben, der dasselbe von außen im Auge zu behalten und im Falle ihr Sohn ausgehen sollte, ihm zu folgen hatte — ich erwarte heute Abend bei meiner Nachhausekunst, oder jedenfalls morgen früh weitere Berichte. Sie wer- den einsehen, daß sich vor der Hand nichts weiteres machen läßt, als ihn zu beobartuen und genau zu erfahren, was er macht, damit wir im geeigneten Augenblicke eingreifen können." „Sie gedenken also, daß wir den Angriff abwarten sollen? "sffienn das auch nicht, wenigstens aus seinen Handlungen zu erfahren suchen" was er zu thun, wie er anzu^reifeu gedenkt, und dann, wenn wir seinen Plan kennen, ihm zuvorkommen, selbst angreiien und ihn vernichten." „Ich muß Ihnen beipflichten und überlasse Ihnen daher blindlings die Leitung dieser Angelegenheit. Ranzius hat natürlich keine Ahnung davon, welche Wichtigkeit ich derselben beilege, er denkt, ich lasse meinen Lohn heimlich be- wachen seines eigenen Besten wegen und als hätte ich gar noch eine in Der Ferne liegende Absicht, mich ihm wieder zu nähern. Im Uebrigen werde ich seine Aufmerksamkeit durch weitere geschäftliche Aufträge, die ich ihm geben werte, von dieser Angelegenheit abziehen. Er paßt sehr gut zu einem Geschäftsmann; doch diese feinen, 'delieaten Angelegenheiten gehen jiber seinen Horizont h naus. Ich würde jetzt gleich mit meinep Tochter nach Saratoga gehen, wenn Harri iurückkäme." (fortf. folgt.) M i s c k l l r n. Ungeheurer Durst, lieber den ungeheuren Bierverbrauch in Baiern, schreiben Die „Deutschen Blätter", ist immer Fabelhaftes berichtet, ober Sicheres bisher noch nicht festgestellt worden. Jetzt hat man wenigstens in Bezug auf München ermittelt, daß auf jeden Kopf der dortigen Bevölkerung doch jährlich 1281, sage und schreibe eintausend zweihundert und einunvachtzig Quart Bier kommen, also täglich nicht weniger als zehn Seidel. Da man nicht annehmen kann, daß Frauen, Kinder und schwache Greise ein solches Quantum genießen, so läßt sich hieraus der Schluß ziehen, daß die tägliche Ration der einzelnen Biertrinker eine noch weit bcträchilichere als zehn Seidel ist. (Es fragt sich nur, ob bei dieser Berechnung das ansehnliche (Kontingent der Fremden, von welchen doch auch Manche in Der Biervertilgung Erkleckliches leisten, beruckstch- iigt ist.) _____ Gutes Gesicht eines Blinden. Aus Berlin erzählt die „Post" vom 3. März. „Am Sonntag Nachmittag trug sich auf dem Wege nach dem Gesundbrunnen in der Brunnenstraße folgender komische Vorfall zu: Em -olincer, Der als Leiter einen Hund an einem Stricke neben sich hatte, stand an einem Baume und bettelte, als plötzlich ein Knabe vorbeieilte, rasch Den Strick mit einem Messer durchschnitt und den Hund, einen wunderschönen Pudel, an Dem abgeschnittenen Stricke fortzog. Kauni war Dieß geschehen, als unser Blinder, Die Augen sich ein wenig reibend, auffprang, dem Diebe nachlief, ihn mit seinem Stocke tüchtig durchprügelte, dann mit seinem Pudel zurückkehrte, Den «trick zu- sammenknüpfte unD in aller Ruhe wieDer seine Rolle als Blinder ausnahm." Politische R n rr - s ch a u Offenbach, 17. April. Gestern Morgen begab sich das hiesige Offiziercorps, welchem sich in Frankfurt auch dasjenige der Garnison Friedberg anschloß, auf eine Seitens des königl. prcuß. Oberst und Regimentskommandeurs des 34. pommer'schen Füsilierregiments ergangene Einladung nach Frankfurt, um einer Compagnievorstellung auf der Pfingst. weide beizuwohnen. Diese Vorstellung fand in Gegenwart der Generalität mit zwei Compagnien des genannten Regiments Statt, währte trotz der Ungunst der Witterung über 3 Stunden und repräsentirte alle Details des Compagnieexereitiums in höchster Prä- cision der Ausführung. Nachmittags fand in den Räumen des Militärxasino's ein cameradschaftlichcs Diner der Ofsiziere Statt. (Worms Ztg.) Berlin. Eine große Anzahl von Berliner Postexpedienten haben in einer am Sonnabend Abend abgehaltenen Versammlung beschlossen, eine Petition an den Reichstag zu richten, in welcher derselbe gebeten wird, beim Bundesrath dahin zu wirken, „daß 1) nicht mehr nach dem Durchschnittspreise der Lebensmittel vom Jahre 1824 gezahlt, sondern den jetzigen Preisen sämmtlicher Lebensbedürfnisse und der Stellung und Bildung der betr. Beamten entsprechend, dahin normirt werden, daß das Minimum 400, das Maximum 700 Thaler beträgt; 2) daß zur Gleich- stellnng mit den Kollegen in den kleineren Provinzialstädten und anderen Bcamten-Categorien den Berliner Postexpevienten außerdem eine Ortszulage von 100 Thalern gewährt werte, letztere auch noch für das Jahr 1868." — Der Petition soll eine Denk- schrift beigelegt werden, in welcher die bedrängte Lage der Salbalternpostbeamten noch des Näheren dargelegt werden soll. Berlin. Auf amtlichem Wege ist ein Erkennt- niß des Obertribunals bekannt gemacht worden, das wegen des darin enthaltenen Grundsatzes von Wichtigkeit ist; es hat nämlich die streitige Frage, ob Personen durch erklärten Austritt aus der Lan- deskirche und Beitritt zur freien evangelischen Ge- meinte von Kirchenstellengeldern, Parochiallasten re. frei werden, zum Nachtheile solcher Personen verneinend entschieden. Derselben Ansicht war ein Kceis- gcricht, der gerade entgegengesetzten ein Appellationsgericht, bis das Obertribunal das erste Erkenntniß wieder herstellte. Als der Wille des Königs Friedrich Wilhelm IV. bei Erlaß des bekannten 'Duldungs- patentes vom 30. März 1847 wird der Schutz der evangelischen und katholischen Landeskirche und die Erhaltung der Gerechtsamen derselben bezeichnet, an- derntheils die nicht zu verkümmernde Glaubens- und Gewissensfreiheit. „Ein beliebiges Lossagen von den Parochialpflichten ist nicht als Consequenz vollkommener Glaubens, und Gewissensfreiheit anerkannt. Dasselbe würde die wohl hergebrachten Gerechtsamen der aufgenommenen Kirchen, die der König kräftig zu schützen entschlossen ist, schwer beeinträchtigen, in mehr oder wenigen Fällen selbst den Bestand der Parochie gefährden können." — Daß die Bestimmungen der Verfassungs-Urkunde eine Befreiung sich anftondernder Mitglieder der Kirchen- gesellschaften von Parochiallasten und sonst begründeten Pflichten nicht nach sich ziehen, ist bereits in verschiedenen Ober - Tribunals - Präjudieaten angenommen. (K. Z.) Aus Nassau, im April. Die „Mittelrh. Ztg." schreibt aus Flörsheim: „Vor einigen Tagen vollzog sich dahier ein denkwürdiger Art; die ältesten Leute wissen sich nicht eines solchen zu erinnern. Der Herr Pfarrer hatte nämlich die sämmtlichen Kirchspiels-Lehrer zu sich bcschieden, ließ, nachdem sie sich versammelt, Einen nach dem Andern an die Stubenthnre treten — Waden angelegt, Bauch hin- ein, Brust heraus, Kopf hoch — und so wurde (in Ermangelung eines Meßstocks) durch einen Kreidestrich über den blonden, braunen, grauen oder mond- farbcnen Scheiteln die effeetive Leibeslänge des sich bäumenden Ludimagister angemerkt, und darauf durch einen zu Rathe gezogenen Tüncher mit Latte und Zollstab ausgemessen. — Die bei Beginn des Experiments von Einigen geschöpfte Hoffnung, daß es eigentlich auf die Ausmessung oder doch — nach den sonstigen Maßverhältniffen — approximative Schätzung des Magens abgesehen'sei, hat sich nicht verwirklich,; es handelte sich leider nur um den erforderlichen Eintrag in — die Conduitenlisten. (Bekanntlich ent- halten diese sub rubro II, 1 : Körperbeschaffenheit, Gesundheit, und die Regierung hat zur Erläuterung bemerkt: Ad II. 1 ist auf Größe und Körperbau, gesunde Respirationsorgane, kräftige Stimme und «uferen Anstand besonders Rücksicht zu nehmen.)" r' L5/ ®cn h^r berichtet die pi- 2>. Ztg. ; Als schuldlos entlassen aus einer elfwöchentlichen Untersuchungshaft in den Hausvog- teigefängniffen zu Berlin, kehrten heute der Schuh- machermeister I. Rebentisch und der ehemalige hannöverische Unteroffizier Schünemann zu den Ihrigen zurück, die lange in schweren Sorgen um sie gewesen waren. Nach der Meinung dieser beiden Herren werden auch ihre Leidensgenossen demnächst aus der Haft entlassen werden. München. Dem Bankhause v. Erlanger u. Söhne in Frankfurt wurde die Coneesston zur Vor- nähme der Projeetirungsarbeiten für eine Eisenbahn von Gelnhausen nach Gemünden, soweit dieselbe baierisches Gebiet berühren würde, auf die Dauer eines Jahres ertheilt. München, 19. April. Der baierische Landtag wird noch einmal, und zwar wahrscheinlich bis zum 15. oder 16. Mai, verlängert werden. Bis dahin wird es ihm möglich fein, die größeren ihm borge- legten Gesetzentwürfe alle zu erledigen. — Baiern scbickt in das Zollparlament 2 aetive Minister (Hohenlohe und Schlör), 2 ehemalige Minister (Neu- mapr und Schrenk), 1 Ministerialrath (Diepolder), 1 Legationsrath (Luxburg), 3 Zollbeamte (Meixner, Miller, Soyer), 3 Verwaltungsbeamte (Zu-Rhein, Römmich, Ow), 4 Justizbeamte (Gürster, Hafenbrädl, Krützer, Kuntz), 1 Bürgermeister (Schneider), 3 Professoren (Edel, Marquardsen, Sepp), 2 Archivbeamte (C. M. Aretin, Jörg ), 1 Geistlichen (Lucas), 6 Kaufleute und Fabrikanten (Benzino, Krämer, Kester, Jansen, Pfretzschner und Schwinn), 2 Bankiers (Feustel, Wild), 5 Advokaten (Völk, Marquard, K. Barth, Erhard, Freitag), 9 Gutsbesitzer (C. Aretin, Thüngen, Arco-Valley, Arco-Stepperz, Stauffenberg, Frankenstein, Jordan, Gutenberg, Eichthal' 1 Bauer (Meder), 1 Redacteur (Bucher) und \ Privatmann (Kolb). Wien, 19. April. Der alte Kaiser Ferdinand I. vollendet heute fein 75. Lebensjahr. Der Familien- rath bewog ihn, weil er sich während des Revolutionssturmes „zu nachgiebig" erwiesen, zum Verzicht auf die Krone, und sein Neffe Franz Joseph I. be- stieg am 2. Deceniber 1848 den Thron. Seitdem weilt der abgedankte Kaiser, ohne jemals nach Wien zu kommen, im Schlosse Hradschin zu Prag. Man erzählt von ihm, er habe u. A. in Bezug auf seinen Reffen geäußert: „Die Lombardei verlieren, Venetien verlieren, das hätt'ich auch gekonnt!" Dagegen war der Erzherzog Max sein Liebling, und Kaiser Ferdinand soll öfter die Schulden desselben getilgt ha- ben; das schreckliche Ende des Kaisers von Mexico erschütterte das Gemüth des alten Herrn auf's Tiefste. Pesth. lieber die Verhaftung Asztalos' und den Zusammenstoß zwischen Militär und Volk gehen dem „Ungar. Lloyd" die folgenden Mittheilungen zu: „Die Saat, welche unsere sogenannten Demokraten ausgestreut, beginnt aufzugehen. Wie wir schon in unserem heutigen Morgenblatt mitgetheilt, ist der berüchtigte Agitator Asztalos inmitten seiner volks- aufwiegelnden Thäiigkeit in Felegyhaza verhaftet worden. Die Verhaftung geschah aus eigener Initiative des dortigen Stadthauptmannes, der sich zu diesem Schritte erst entschloß, nachdem ihm der Wortlaut einer einstündigen Rede vorgelegen, die Asztalos in einem Wirthehanfe an das Volk gehalten, und die — in ihrer Art — ein wahres Prachtstück von Auf- wiegelei fein soll. Die Verhaftung des Asztalos ging Ostersonntag vor sich; gestern (Montag) war die Aufregung in den untersten Schichten des Volkes, genährt turä) einen gewissen Csaszar aus Kecskemet chon so groß, daß der Magistrat aus den benachbarten Ortschaften ein Bataillon Jäger requiriren mußte. Die Jäger nahmen vor dem Stadthause Posto, wo sich die Menge in großer Anzahl versammelt hatte und heulend und johlend die Loslassung Asztalos verlangte. Eine beschwichtigende Rede des Stadthauptmannes verhallte spurlos. Um einem Zusammenstoß zwischen Volk und Militär auszuweichen, wurde letzteres in den inneren Hofraum des Stadthauses gezogen. Die Menge wuchs immer mehr an, und gegen Mittag begann sie das Stadthaus zu stürmen. Sie erbrach das Thor und stürzte in den Hofraum, worauf ein Thcil des Militärs eine Salve gab. Auf dem Platz blieb ein Todter und zwei oder drei Bauern wurden verwundet. Die Menge zerstreute sich hierauf in regelloser Flucht. Zürich, 14. April, lieber die neueren Bewegungen im Züricher und in anderen Cantonen gibt ein hiesiger Correspondent des „Schw. M." nach- stehende Auffassung: „Es ist nun so viel als erwie- fen, daß die gesammte Schweiz zum Probirfeld für Errichtung eines socialistischen Staates auserschen ist, und zwar von den Chefs dieser Secte in Paris und London. Daß so etwas möglich oder doch denk- bar ist, haben wir lediglich den unvernünftigen Ueber- treibungen der Demokratie zu verdanken, wodurch ein einzelner Stand, freilich ein großer, verleitet wird zu glauben, er sei das Volk. Was man weder in Frankreich noch in dem freien England zu pro- biren wagt, das soll in der Schweiz mit ihren schwachen Regierungen versucht werden, und zwar mit und durch das Volk, aber gewiß nicht für das Volk, sondern zu dessen Ruin, wenn es sich nicht selbst gegen diese neumodische Tyrannei erhebt. Es ist ausgemacht, daß hinter dem Schnei- der Krebser und dem Cigarrenmacher Frei, welche die letzte Arbeiterversammlung in Zürich veranstal- tetcn und leiteten, die Section der internationalen Arbeiterassociationen steht, die schon längere Zeit im Geheimen in Zürich existirt. Als Präsident wird der alte, aber trotz feiner in Amerika gemachten traurigen Erfahrungen noch immer nicht gewitzigte Karl Bürkli, Sprößling einer einst vornehmen Familie genannt; neben ihm funktionirt als Actiiar der genannte Hr. Schneider Krebser und als Quästor Hr. Hermann Blume, ein Deutscher. Daher kam also der große Lärm wegen Abschaffung des im Jahr 1846 erlassenen sogenannten Communisten- oder Maulkratten- gesetzes, welches die Verbreitung communistischer Lehren verbot und mit Strafe bedrohte. Bis jetzt kam dieses Gesetz nie zur Anwendung, allein wenn cs so fort- geht, so müßte man es als ein Glück betrachten, daß den bestehenden Behörden noch diese Handhabe für Aufrecht Haltung gesetzlicher Ordnung zu Gebote steht. Zwar stehen die Behörden, wie auch in Genf, auf fthr schwachen Füßen, da das Volk in dem Revi- I Nonssturm den Compaß völlig verloren, llebrigens ist jetzt die sociale Frage der politischen ganz über den Kopf gewachsen, und die Frage ist nur: wie sich die Führer der politischen Opposition gegenüber jener allgemeinen Gefahr verhalten werden. Die Geister wurden gerufen, sic sind da! Ob und wie man ihrer los werden und die Freiheit Aller gegen Alle erhalten kann, das muß die nächste Zukunft zeigen. Turin, 20. April, 4% Uhr Nachmittags. Der Kronprinz von Preußen fährt eben in einem Hof- wagen durch die Stadt, begleitet von den Prinzen Humbert, Amadeus und Carignan, sowie vom offi- ciellen Gefolge des königlichen Hauses, Grafen Ufe- dom und Adjutanten, vom Präfeeten un en Spitzen rer Mnnicipalbehörden, um sich nach dem königlichen Palais zu begeben. Große Volksmassen füllen die Straßen. Der Prinz Napoleon ist noch nicht hier eingetroffen. Verona, 19. April. Der Kronpinz von Preußen ist hier um 9 Uhr Abends eingetroffen. An der Grenze wurde er von königlichen Adjutanten und von der preußischen Gesandtschaft begrüßt. Der hie- sige Empfang war ungemein glänzend; bei der Bevölkerung herrschte großer Enthusiasmus. Die Stadt war illuminirt. Washington. Der Prozeß des Präsidenten geht ruhig vorwärts. Diejenigen, die nach europäi- schen Begriffen vermuthen, daß die ganze EVellschaft m t ihren Geschäften durch den Prozeß u k ~tctfen gcrathen werde, weil das Oberhaupt des Staates sich dabei in einer etwas zweifelhaften, ja unsicheren Lage befinde, müssen gestehen, daß der Prozeß gegen den Präsidenten Johnson durchaus nicht die Wirkun- gen auf Staat und Gesellschaft hat, welche sie vor- ausgesetzt hatten. Ueber den Ausgang des Prozesses macht man sich auch im großen Publikum wenig Sorge. Denn daß die Sache ruhig abgehen wird, daran zweifelt Niemand. Man wünscht und glaubt, daß Johnson beseitigt wird, weil er ein Störenfried iß. der den Frieden nicht zu halten verstanden hat, und wenn er nicht seine konstitutionellen Befugnisse überschritten hat, so hat er sie doch einseitig ohne Rücksicht auf die anderen Faktoren zur Geltung ge- bracht. Die Advokaten werden sich vor dem Senate noch eine Woche und vielleicht etwas darüber her- umstreiten, ob er seine verfassungsmäßigen Befugnisse überschritten oder nicht. In der großen Masse des Volkes ist man mit der Sache fertig. Wenn er sie nicht überschritten hat, sagt man sich, so hat er sie doch einseitig und zwar gegen den Geist der Ver- 'assung gebraucht, d. h. gemißbraucht. Daß eine Executive aber ihre Befugnis so rücksichtslos bis auf das Aeußerste ausdehnt, ist eine Gefahr für die Freiheit, und deßhalb — fo schließt man weiter — ift es nothwendig, Johnson zu verurtheilcn und zu beseitigen. Redaetion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.