Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlobn. Durch die Poft bezogen vilrtcljäbrlieb 5) kr Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich ctet- mal. Dienstags, Don ei stagS und Samstags. - Expedition: Canzleibcrq Sit. V. Nr. 1. Anzeige-- und Amtsblatt für den Arers Kielen. Rr. 12a. Dienstag den 20. Oktober 1868. Besondere BeVanntmnit in empfehlende Erinnerung; auch ist frischer Bienenhonig, pr. Pfund zu 24 kr., bei mir angekommen. ’_______________L- H osch, Sonnenstraße. 7600) Nachdem die Weinlese begonnen, so ist wieder neue Sendung von 1868t Traubenmost angekommen bei Joh. Rinn, in Klein-Linden. -------------—-I------------- 7642) Ankauf von getragenen, sowie Verkauf von neuen Kleibern, weich' letztere sehr billig, bei L. Ho sch, Sonnenstraße. 7619) Alle Sorten Strickwolle zu bedeutend herabgesetztem Preise bei Carl Hoffmann. .'Schirme! in größter Auswahl bei (7632) W. Frank. 7613) Oefen, Herde, alle Arten Haus- haltungsgeräthe, sowie Stein- u. 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Bltts. 7550) Wintersalat - Pflanzen sind zu haben bei C- Pipp- Rache lein t besitzt Stint gelau war, Aber Aeberschwemmmrgen in -er Schweiz die et Briefi in Germania CO 1. Nm Gulden 5,250,000. Man ä-tet Dras i 9 dem Wetzlar. Heinrich Schwalm CO Hamburg. Bremen- Pr. Cass. Sch. Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 5 9 einen mann schlug seiner auf < Wag große abrei wund Fasai Menj diele, das, 50/o National 523/4 50/0 Metall. Obi. — M. steuert. 50*/s leglich gleich! ihrer sprach von c ratior beugte sogiei. in de Rech: Der heil Die mann mann das t geleg! wo ei de Ri einflöi der 2 Touri Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. wie j Gesch lil wage angeb gütig treffli Sühr der l 44V8-45i/8 58i/3-591/2 49-51 50-52 54-56 37-39 281/3-291/3 54-58 50-52 27-28 7610) Ein braves kräftiges Mädchen, welches alle häuslichen Arbeiten versteht, wird in Dienst gesucht- Von wem? sagt die Exped- d- Bltts- Hamburg. Liverpool. 4,526,846. 3,582,565. 82,447,491. 2,591,106. 2,382,230. Die genannten Vereine sind gleich uns bereit, Gaben für diesen Zweck Empfang zu nehmen und den Verunglückten zuzuführen. Zürich, 10. October 1868. Centralcomitö der deutschen Hülfsvereine in der Schweiz: Nauwerck, Präsident- Butte, Kassier. Mark, Schriftführer. Zur Empfangnahme von weiteren Beiträgen erbietet sich die Expedition dieses Blattes. 7547) Herren- und Damen-Filzhüte werden gewaschen und gefärbt und nach neuester Fayon umgeändert bei Susann« Weiß (Hutlager), wohnhaft bei Herrn A. K. Worms, Seltersweg. meiner sämmtlichen Waarenvorräthe, als: _..r Batist- und Bielefelder Taschentücher und Herrenhemden Alle Zeitungen sind erfüllt mit erschreckenden Berichten über das unermeßliche Unheil, welches die gewaltigen Überschwemmungen in den Kantonen St. Gallen, Graubünden, Tessin, Wallis und Uri angerichtet haben. Furchtbare Wetter, welche sich wolkenbruchartig in den Centralalpen entleerten, verbreiteten Verderben nach allen Richtungen hin und verheerten durch Fluthen und Bergrutsche nicht nur Wälder und Fluren, sie vernichteten auch eine große Zahl von Wohnungen und Ställen, ja zerstörten ganze Ortschaften vollständig; auch der Verlust einer größeren Zahl von Menschen ist zu beklagen. Seit Jahrhunderten kaum ist ein so ausgedehntes Unglück hereingebrochen; der Schaden steigt auf viele Millionen an. Im Einverständniß mit den Vorständen der andern deutschen Hülfsvereine in Bern, Basel, Genf und Aarau wenden wir uns, eingedenk der gastlichen Aufnahme, die wir Deutsche in der Schweiz gefunden, und der vielfachen Unterstützungen, deren sich unsere Bestrebungen zur Linderung der Noth in unserm Vaterlande selbst, wie für die Verwundeten im Jahre 1866, die Nothleidenden in Ostpreußen tt. s. hier zu Lande erfreut haben, vertrauensvoll an unsere Landsleute in Deutschland und bitten dringend um eine recht thatkräftige Unterstützung der vom Unglück so schwer heimgesuchten Tausende, sei es in Baar oder in Artikeln der Lebensnothdurft. Lrbensversicherungs-Actien-Gesellschaft in Stettin N ach New-Orlcansr Am 1. November Dampfer Bavaria von Hamburg. Wegen Auskünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden. . Prospecte und Antragsformulare gratis durch die Haupt-Agentur: Wilh. Balser m Gießen, und durch die Agenten: PH. Zimmer in Lich, Rechner Schmidt in Londorf, I. Henrich in Lang-Göns. tiaasenstein tt Vogler Zeitungs-Annoncen-Expedition in FRANKFURT AM MAIN. Filialgeschäfte: in Basel, Berlin, Hamburg, Leipzig, Wien. Grund-Capital.............. Reserven Ende 1867 ............. Seit Eröffnung des Geschäfts bis Ende 1867 bezahlte Versicherungssummen........... Versichertes Capital Ende September 1868 ..... Jahres-Einnahme............. Im Monat Septbr. sind eingegangen 2541 Anträge auf Mäßige Prämiensätze. Schleunige Ausfertigung der Policen. Darlehen auf Policen. Prompte Auszahlung bei Todesfällen. Telegraphischer Schiffs bericht, mitgetheilt von Ehr- Wallenfels jun. Angekommcn in New-Bork r Das Bremer Postdampfschiff Deutschland, Reisedauer 11 Tage — Stunden. „ Hamburger „ Germania, „ 12 „ — Engi. Souver. 11 Huss. Imper. 9 Doll, in Gold 2 ,4, Hierdurch erlaube ich mir, die ergebene Anzeige zu machen, daß Geschäft eröffnet habe. Ich verkaufe in demselben «/^l^H°Trcnkleider, sondern auch Stoffe, lasse nach dem den zu stellen" Uub ,orre' meinc geehrten Besucher in jeder Beziehung zufric- Abgchend nach New-Bork Am 24. October Dampfer Weser von Hamburg. Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe • Capuzen, Kragen, Seelenwärmer, Aermel, Stauchen, Halstücher, Cachenez, Handschuhe, wollene Hemden, Jäckchen, lemene, -nanu- uno «Ktcretoer Laicucmuwer unv Herrenhemden, Eravatten, Shltpse, ächte seidene Foulards, baumwollene Taschentücher, schwarze Seidenzeuge, sowie die neueften Huffonnem SSammef Atlas, Taffet, Maslin, Blumen, Federn, Tüll, Spitzen Blonden, Bänder Schleier, Manchetten und Kragen Glace-Handschuhe, Ngelige-Hauben, Cr'mölinen -c. -c.; ferner 500 Stickmuster von 4 und 6 fr. an, Stramin, Seide und Hakelzwtrn angffangene Sttckmten u d^gl. und M lieben Artikeln auffallend billige Preise. M. Hoß, Llt. A. Rr. 04, dem mnoenpiatz gcgenuoet. Nach Baltimore: November Dampfer Baltimore von Bremen. Lebensverficherungsbank für Deutschland in Gotha. Bersicherungöbestand am 1. October 1868 39,430,000 Thlr. Effectiver Fonds am 1. Octobcr 1868 ♦ . 13,230,000 „ Jahreseinnahme pr. 1867 ...... 2,608,093 „ Dividende der Versicherten im Jahre 1868 .... 36 pCt. „ „ „ „ „ 1869 .... 39 „ 7433) Diese Anstalt gewährt durch den großen Umfang und die solide hypothekarische Belegung der vorhandenen Fonds eben so nachhaltige Sicherheit, wie durch die unverkürzte Vertheilung der Ueberschüsse an die Versicherten möglichste Billigkeit der Versicherungskosten. Versicherungen werden vermittelt durch Buchhändler A. Rickor in Gießen, Ortseinnehmer L. Hohler in Büdingen, Lehrer H. K. Walz in Lich, Oskar Ehrhardt in Marburg. (7614) Amer. 6% 1882r Bds. 78 n 6% 1885r 82S/4 Aetlen, Frankf. Bank 1235/a Oester. Bank 778 „ Creditaot. 2141/3 Darmst. Bankact. 244 Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 2651/3 Ludwigsh.-Bexbach 157 Maxbahn 1061/3 Bayer. Ostbahn 1261/g Hess. Ludwigsbahn — 30/o östr. Stsb.-Prior. 527/s 3% östr. s. Lombard. 43% 30/0 Livorneser 301/4 Toscaner 467/s Frankf. Hypoth.-Bank 95 Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 74% do. II. Emiss. 733/s Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau fl. 25 b. Roth. 37 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 1581/4 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 40% 4% bayr. Präm. Anl. 102l/2 4% badische Loose 993/4 Badische fl. 35 Loose 52% 1858r Prioritätsloose 141% 1860r Loose 731/4 1864r „ 981/4 Börsennachrichten. 17. October 1868. Preuss. 41/30/0 Obi. 955/s Frankf. 31/2°/0 Obi. 81 Nass. 41/36/0 Obi. 953/8 Kurh. 4O/o Obi. 873/4 Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 90i/3 •n 31/36/0 do. do. 85 Bayer. 5% Obi. 1011/3 „ 41/36/0 1jährige 961/z » 41/36/0 i/ajährige 96% Würtemb. 41/2% Öbl. 941/3 Baden 41/36/0 Obi. 0. E.L. — Oestr. 5% b. R. 59% ■im iiiin neaEsa«na«8>aBBreia» 111 iniiiiiiunmunwwmm Vermischte Anzeigen. I Fechtunterricht UN Fleuret, Rappier, Säbel, Bajounet, Ba- jonnet gegen Säbel und umgekehrt, Ver- theidigung des Säbels gegen Mehrere, Führung der Lanze und Stockschlagen mit Volten, wird nach der französischen Fecht- methodc gründlich ertheilt. Für Kinder, auch für solche von schwächlichem Körperbau, dürfte zur Förderung der Entwickelung des Körpers, hauptsächlich das Stockschlagen sehr zu empfehlen sein. Näheres bei der Exped. d- Bltts. 7627) Ein erfahrener Mann, welcher früher auf mehreren Büreaus conditionirte, eine feste, gewandte und schöne Schrift schreibt, mehrere Stunden des Tages zur Verfügung hat, sucht dieselben in schriftlichen Arbeiten, gleich wie, zur Beschäftigung auszufüllen. Näheres bei der Exped. d. Bl. 7644) Mein Geschäft im Dekatiren und Flecken-Reinigen bringe ich in-empfehlende Erinnerung. L- H o s ch, Dekateur. Generalversammlung -es Consnm-Vereins Dienstag den 20. Octobcr, Abends 8 Uhr, im Darmstädter Hause. (Geschäftliche Mittheilung. Abänderung der Statuten). Zahlreiche Bctheiligung ist im Interesse der Mitglieder sehr erwünscht. (7611) 7637) Ein Junge, der das Schreinergc- schäft erlernen will, kann sogleich in die Lehre treten. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts- im Gasthaus zum Adler, ansgeführt von Mitgliedern des zweiten Großh. Infanterie-Regiments. Anfang 3 Uhr. B. Oswald. 7595) Eine Familienwohnung nebst Lagerraum wird zu miethen gesucht- Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 7598) Ein thätiges, gewandtes Mädchen oder eine Frau wird gesucht. Nähere Auskunft wird ertheilt im Hause der Frau Friedr- Plank Wittwe, Neustadt, am Oswald'schen Garten. Wechsel. Amsterd. k. 8. 1001/g Augsb. k. S. 100 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 971/3 Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 881/g Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119% Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 102% Disconto 30/0 G. Geldsorten. Nealcredit - Bankgeschäft. 7618) Eapitalsnchende, sowie Solche, welche Capitalien auf sichere Hypotheken auszuleihen wünschen, wollen sich wenden an Darmstadt, Rheinstraße 26. W. Neuling, Hofger.-Advocat. 7636) Mittwoch den 21. October: Pistolen . . 9 „ doppelte 9 Vermiethungen. 7639) Ein möblirtcs, freundliches Man- sarden-Zimmer mit Cabinet ist zu vermie- then Kirchenplatz Nr. 250. 7638) Zwei große Zimmer, mit oder ohne Möbel, sind zu vermiethen bei Julius Landauer, Kirchenplatz. 7608) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei C. Keck Wittwe. 7609) Ein gut möblirtes Zimmer ist zu vermiethen und sogleich beziehbar bei E- Eich en berg. 7626) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und baldigst zu beziehen bei Hermann Schwalb, Tiefenweg. 7615) Zwei, auf Verlangen auch drei ineinandergehende, gut möblirte Parterre- Zimmer werden an einen ober, auch zwei Herreu vermiethet und können sofort bezogen werden. S- Katzenstein, im Russischen Hof. 7622) Eine gut möblirte Stube mit Cabinet ist sofort zu vermiethen in der Engelapotheke am Kirchenplatz. 7607) Ein kleines Familienlogis (Neuenweg) ist zu vermiethen und alsbaw zu beziehen. Das Nähere bei G. Ch- Spruck. 7552) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet, sowie ein kleineres möblirtes Zimmer, sind zu vermiethen bei I. Becker Wittwe, ________________________Neuenweg- 7599) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit. A. 9tr. 227. 7623) Bei Frau Advocat Wießell ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 7596) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei Gärtner Schaum. 7635) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen. (Neue Anlage.) Näheres bei der Exped. d. Bltts. 7634) In den Neuenbäuen B- 81 ist ein möblirtes Zimmer mit Cabinet zu vermiethen. 7592) Ein freundliches Familienlogis ist wegen Wegzugs an eine stille Familie zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei Canzlist Brauburger. 7593) Ein möblirtes, freundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vermiethen- Wo ? sagt die Exped. dieses Blattes. 7594) Eine freundliche Familienwohnung und ein Zimmer mit Cabinet sind zu vermiethen bei H. Sauer, Neuenweg Lit- B. Nr. 194. 7556) Möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei A- Volp, Lindengasse. 7582) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei B- Walther, Schuhmacher. 27. „ Liberia 28. ff ff Westphalia 31. ff ff Borussia ff ff .ff Hermann ff ff ff Smidt Feuil Die Verschwörer von 1799. Roman von de Saint-Felix. (Fortsetzung.) — Nicht übel, dachte Chateauneuf. Er wird sich wahrscheinlich vor meiner Rache sichern wollen. — Ich bin überzeugt, fuhr Reymonv fort, daß mein Freund bereits Frau- lein de Reneey anf's Höchste verehrt. — Vielleicht, mein Herr, antwortete die Stimme. — Sie werden einräumen, mein Fräulein, daß er ungewöhnlich viel Geist besitzt. — Ich habe ihn doch ein wenig außer Fassung gebracht, antwortete die Stimme. — Durfte ich so glücklich sein, zu erfahren, wie dieser seltsame Besuch abgelaufen ist? — Morgen, antwortete die Stimme, welcher wahrscheinlich daran gelegen war, die Unterhaltung zu beenden. — Morgen! wiederholte der Hauptmann. Wie glücklich bin ich! Dennoch wage ich, Sie um eine Gunst zu bitten. Da es mir nicht verstattet ist, das angebctele Antlitz des Fräulein de Reneey zu erblicken, wird sie vielleicht so gütig fein, wir durch das Schiebsenster ihre Hand, ihre Fingerspitzen zu reichen? Das Herz des armen Herrn Chateauneuf bebte vor Unruhe, vor Weh. Aber Vies Herz war gegen das Leid gewappnet Reymonv sah die Finger einer Hand durch das Schiebfenster gestreckt; er beugte sich herab irno druckte feine heißen Lippen auf die rosigen Finger, welche sogleich mit einer krampfhaften Bewegung zurückfuhren. — O, segne der Himmel Sie tausendmal! tief der Hauptmann aus, Sie die edelste, schönste und geliebteste der Frauen! Bei diesen Worten wurde das Schiebfenster rasch geschloffen. Der Jäger schlug den Weg nach dem Gehölze ein, welches zur Loire hinabführte, um nach seiner „glücklichen Insel" zurückzukehren. So erlangte Coraly unter der Verkleidung eines Museadins den unwiderleglichen Beweis der Liebe Reymonds zu Helene de Reneey; so erlangte sie gleichfalls ein schriftliches Zeugniß, das, wenn sie wollte, den künftigen Gemahl ihrer Nebenbuhlerin zu verderben im Stande war. Denn der Brief des Abbö sprach von dem Vertrauen, welches ihm der Offizier Bonaparte's einflöße, und von all' den Diensten, welche derselbe bet einer wohlgeleiteten militärischen Operation zu. leisten vermöge. Was die Gefahr betrifft, welche den Abbö durch eine Veröffentlichung dieses Briefes bedrohen wurde, so war der tollkühnen Coraly hieran wenig gelegen. Herr Chateauneuf beeilte sich, wieder nach dem Schloßhofe zu gelangen, wo er Franyois mit den Pferden traf. Ohne sich von dem armen Greise, Herrn de Reneey, verabschieden zu wollen, dessen Wahnsinn ihm eben so viel Mitleid einflößte, wie ihm der Charakter Helenens Bewunderung erregte, schwang sich der Museadin aus sein Pferd und sprengte im Galopp in der Richtung nach Tours von dannen. Im Fasanen angelangt, schrieb er eiligst ein Billet, und sandte es durch einen zuverlässigen Boten an den Fischer Antoine, welchen Namen der Hauptmann angenommen hatte. Herr Chateauneuf bestellte auf denselben Abend um neun Uhr den Hauptmann Reymonv zu einem Rendezvous im Hotel zum Fasanen — den Hauptmann Reymonv, welcher ihm so zärtlich Vie Hanv geküßt, und ihm zuvor durch das Loch eines Schiebfensters ein so naives, so leidenschaftliches Geständniß abgelegt hatte. 22. Ein Abendessen unter vier Augen. Es war acht Uhr Abends. In dem Hofe des Hotels zum Fasanen lud man verschiedene Gepäckstücke auf eine Postkutsche, — zum großen Bedauern des Wirthes, welchem dieser Wagen einen so vornehmen Gast entfuhren sollte, der seit etwa acht Tagen eine große Gesellschaft an die Wirthstafel des Fasanen gelockt hatte. Dieser Gast besaß, trotz seines anscheinend mißlichen Charakters, ein vortreffliches Herz. Seinen tollen Streichen folgte stets eine edle und freiwillige Sühne. Wenn er die Männer hänselte und neckte, war er gegen die Frauen der liebenswürdigste Gesellschafter und beschützte sie wie ein Bruder. Außerdem besaß Her Chateauneuf — denn von ihm ist die Rede — eine in den Augen seine« Wirthes vorzügliche Eigenschaft: er bezahlte stets seine Rechnung, ohne sich um die einzelnen Posten zu kümmern. Für Herrn Chateauneuf war jede Rechnung eine Chiffre, die er, einerlei wie groß, in blanke Silber- oder Goldstücke übersetzte, während damals in der Geschäftswelt das Papiergeld noch von einer Hand in die andere wanderte. Der Museadin hatte diesen Abend auf seinem Zimmer zu speisen verlangt. Man hatte ihm dort einen Tisch mit zwei Gedecken anrichten müssen. „ Zwei oder drei schöne Damen, welche feit einigen Tagen im Hotel zum Fasanen logirten, zischelten sich zu, der Museadin müsse ein sehr geheimnißvoller Mensch sein, da er sich seit ihrer Ankunft vor aller Welt versteckt halte. Vielleicht klagten ihn alle Damen im Stillen der Undankbarkeit an, da er abreise, ohne sich bei den Gästen verabschieden zu wollen, deren Idol der Bewunderung er geworden war. — Aha, Herr Chateauneuf, Ihr letztes Abendessen in Tours soll ein Tete- ä-tete sein! und mit wem? Diese Frage stellte sich Jeder an der Wirthstafel, als man plötzlich einen Dragoner-Offfzicr in voller Uniform eintreten sah. Derselbe wandte sich an einen der Gäste. — Mein Herr, sagte er, ich fand Niemanden im Hose und auf der Vor- diele, den ich hätte fragen können. Sind Sie im Stande, mir anzugeben, wo da« Zimmer de« Herrn Chateauneuf sich befindet? Ein allgemeiner Ausruf der Freude und Bewunderung ließ sich vernehmen. Der moralische Ruf des MuSeadinS hatte seine ganze jungfräuliche Unbescholtenheit wieder erlangt — es war ein Freund, den er zum Abendessen erwartete! Die Frauen hätten vor Rührung meinen mögen. Der angeredete Gast stand auf, nahm ein Licht vom Tische und antwortete dem Offizier mit großer Höflichkeit: I e t o n. — Hauptmann, es wird mir ein Vergnügen fein, Euch zu dem Zimme des jungen Mannes zu führen, welcher unser aller Freund geworden ist. — Ja, ja, unser aller Freunv! stimmten die Gäste ein. Welch' ein geistvoller Kopf! Welch' ein großer Bürger! — Unser wahrhafter Freund! fügte eine Dame hinzu. Welch' eine Erhabenheit der Gefühle! Was für ein Herz! . . . welch' ein Zartgefühl! — Donnerwetter! dachte der Offizier. Alle Welt ist ja entzückt! Er wurde auf das Zimmer des Herrn Chateauneuf geführt. Die Thür schloß sich hinter ihm. Der Hauptmann Reymonv und der Museadin standen einander gegenüber wie zwei bevollmächtigte Minister, die sich nach vielen diplomatischen Conferenzen ein letztes Rendezvous geben. — O, o, Hauptmann! rief ihm Herr Chateauneuf entgegen. Wir heben das Jneognito auf! Wir erscheinen in voller Uniform! Der Feldzug ist also eröffnet? ■ — Ja wohl lieber Freund, versetzte der Offizier. Ich will nicht der Letzte fein, welcher sich in Uniform blicken läßt, wenn das Vaterland feiner Beschützer bedarf. — Das heißt, Euer General ist gelandet, und Ihr wollt zu ihm hineilen, um Regimenter zu werben und nach Paris zu marschiren. — Doch nicht, antwortete der Hauptmann. Ich habe andere Plane. Ich habe Euch schon gesagt, daß ich nicht gegen das Gouvernement conspirire. — Recht schön; aber wenn Ihr feinen Sturz beschleunigen könnt, werdet Ihr ihm bei erster Gelegenheit einen Stoß vor die Brust geben. Wollt Ihr nach der Provence reifen, um Bonaparte zu erwarten? Ich glaube, er muß noch in Sardinien fein, wo er eingelaufen ist, nachdem er, wie durch ein Wunder, das englische Kreuzgefchwader passirt hat. Der Admiral Sidney Smith ist ein großer Pinsel. — Herr Chateauneuf ist gut unterrichtet, erwiderte Reymonv; aber ich glaube noch besser unterrichtet zu fein. Wir erhalten unsere Kunde aus sehr verschiedenartigen, allein sicheren Quellen. Wie pikant! Das Directcrium setzt Herrn Chateauneuf von Allem in Kenntniß, und die Feinde des Direktoriums haben die Freundlichkeit, mir gleichfalls alle wichtigen Ereignisse zu berichten. Wir erhalten Beide die Mittheilungen, welche man uns zukommen läßt, ohne für dieselben zu bezahlen, ja, ohne sie nur zu verlangen. Ist das nicht ganz ergötzlich, Bürger? — Höchst ergötzlich! bestätigte der Museadin. Aber laßt uns speisen; ich lade euch zu einem Abendessen ein, Hauptmann. — Ich nehme die Einlaoung mit herzlichem Dank an, versetzte der Offizier, sein Degengehenk losschnallend. Die beiden Gäste nahmen an einem hübsch gedeckten runden Tische einander gegenüber Platz. Man schickte Vie Kellner fort, um freier zu plaudern; die Thüren wurden vorsorglich geschlossen; ein Armleuchter mit sechs Kerzen brannte auf dem Eßtische ; der übrige Theil des Zimmers war blendend erhellt. Herr Chateauneuf gab dem Hauptmann ein glänzendes Abschiedsmahl. — Nun, fragte der Erstere, wo ist Bonaparte gegenwärtig? Den wie- vielsten schreiben wir heute? — Den achtuudzwanzigsten September, antwortete der Offizier. Bonaparte ist überall und nirgends. — Er hat an der Spitze der Insel Sardinien angelegt. — Ja wohl, lieber Fcund, sagte der Hauptmann; aber er ist schon wieder abgefahren. — Ihr könnt nicht läugnen, mein diplomatischer Herr, daß Euer General, als er Egypten verließ, gegen widrige Winde zu kämpfen hatte. — Ich leugne weder die Winde, noch sonstige Hindernisse jeder Art. — Der Admiral Gantheaume wollte in den Hafen von Alexandria zurückkehren. — Ganz recht, mein Herr, Bonaparte widersetzte sich dem, und Vie Flotille setzte ihren Cours fort. — So ist es, Herr Hauptmann, diese Flotille besteht aus ... — Wißt Ihr Vas nicht, Herr Chateuneus? — Gerade so gut, wie Ihr, Herr Hauptmann. Die Flotille besteht aus zwei Fregatten, der „Muiron" und der „Ceres". — Fugt noch zwei kleinere Fahrzeuge hinzu, versetzte der Offizier, von welchen eines die „Rache" und das andere das „Glück" heißt. — Sicherlich eine gute Vorbedeutung, Hauptmann! antwortete Chateauneuf. Es scheint, daß wir Beide nicht übel unterrichtet sind. Jndeß muß ich bekennen, daß ich in einer Hinsicht in Zweifel bin: Bonaparte ist, seitdem er an der Spitze Sardiniens anlegte, mir aus den Augen entschwunden. Ich frage Euch: Wo ist er in diesem Augenblick? — Herr Chateauneuf möchte mir die Würmer aus der Nase ziehen? lachte der Offizier. — Eine geschmackvolle Redensart, Hauptmann! Ich möchte nur Bescheid wissen. Das Direktorium selbst ist ohne weitere Nachricht. — Und möchtet Ihr ihm die Auskunft mittheilen, welche ich Euch geben könnte? fragte der Offizier. Herr Chateauneuf ist dafür zu rechtlich. — Gewiß, Hauptmann. Verlaßt Euch daraus, ich könnte mich von Allem lossagen, aber nie von der Rechtlichkeit. — Wohlan, versetzte der Offizier. Also vernehmt, Herr Museadin, Bonaparte landet heute, am 28. September, in Ajaccio. Er steht die Wiege seiner Kindheit wieder. Ein aufregendes Gefühl für ihn, wie Ihr Euch denken könnt! — Der arme Junge! lachte Herr Chateauneuf. Er ist so gefühlvoll!.. . Und wohin, Herr Hauptmann, wird sich der ruhmbedeckte General von Ajaccio begeben ? — Nach Frankreich, lieber Freund, antwortete der Offizier. — Wird er in Marseille, Toulon oder Antibes landen? — Das weiß .ich nicht, versetzte'der Offizier. Der Adler verkündet nicht vorher die Uferstelle, wo er sich nicderlassen wird. — Bonaparte ist also ein Adler? fragte der Muscadin. — Wie Sie ein Schwan sind, reizende Coraly, antwortete lebhaft der Offizier, indem er seiner Gefährtin die Hand drückte. Dieser plötzliche Ausbruch von Begeisterung und Zärtlichkeit veränderte die Situation. (Fortsetzung folgt.) Berlin, 14. Oct. Die heutige „Prov.-Corr." bringt einen beachtenswerthen Artikel über die Aufgaben, welche den Prvvinzialständcn in Hannover und den Eibherzogthümern gestellt sind. Sie erwähnt, daß damit der Anfang einer umfassenderen provinziellen Selbstverwaltung gemacht werden solle, und die Staatsrcgiernng lediglich den Standpunkt einer Oberaufsicht festbaltcn und sich jedes leitenden Eingreifens in die ständische Verwaltung enthalten werde. — Die Angabe der „Hannoverschen Landeszeitung", daß die Zahlung von Pensionen und Unterstützungen aus den Schatullengrldern des Königs Georg eingestellt seien, bedarf der Berichtigung. Die Zahlungen werden fortgcleistet, jedoch sind die Ansprüche Derjenigen, welche sich als empfangsberechtigt meldeten, einer Prüfung unterworfen worden, wobei für Einzelne eine Verzögerung in der Zahlung entstanden sein mag, die aber nachgeleistet wird, sobald die Ansprüche für berechtigt erkannt worden sind. Einzelne Empfänger mögen aber auch bei dieser Gelegenheit von einer weiteren Auszahlung ihrer bisherigen Unterstützungen wohl ausgeschlossen worden sein. Berlin, 17. Oct. Der „Staatsanzeiger" enthält eine vom 15. October datirte königl. Verordnung, durch welche der Landtag auf den 4. Novbr. einberufen wird. Die Verordnung ist vom Grafen Bismark mitunterzeichnet. • Frankfurt, 19. October. Die bedauerlichen Straßentumulte in Dresden haben, wie aus den telegraphischen Mittheilungen hervorgeht, auch gestern ihre Wiederholung gefunden. Es fehlt zur Beur- theilung der Sachlage vorerst noch an einem klaren Einblicke in die Verhältnisse, welche die Veranläffung zu diesen Scenen gegeben haben. So viel geht indessen selbst aus der von den dortigen Regierungsorganen gebrachten Darstellung hervor, daß das eigentliche Motiv in burcaukratischen Uebcrgriffen der Polizeibehörde gesucht werden muß, wenn auch dieß Verfahren derselben formell mit den LandeSgcsetzen im Einklänge stehen sollte. München, 17. Oct. Die Zahl der spanischen Throncandidaten hat sich wieder um einen vermehrt. Der „A. Allg. Ztg." wird aus London gemeldet: „Von mehreren Seiten wird gemeldet, daß General Cialdini in vertraulicher Mission sich nach Spanien begebe. Die „Jndcpend. Belge" behauptet: es geschehe dieß im Auftrage des Kaisers der Franzosen. Richtiger dürfte sein — denn die Thatsache der Reise des Generals an sich wird mir bestätigt — daß es sich hierbei um eine vertrauliche Sendung dcs Königs Victor Emanuel handelt, der sich aber hierbei des Einverständnisses seines kaiserlichen Verbündeten versichert hat. Noch mehr: es scheint auch das englische Cabinet nicht blos von der Lage unterrichtet, sondern derselben seine volle Billigung ertheilt und seine Unterstützung zugesichert zu haben. Ich will nämlich von einer neuen Caudidatur für den spanischen Thron sprechen, welche in Vorschlag gekommen ist, da definitiv sowohl von Monlpensicr als von Dom Luiz von Portugal, wie auch von dessen Vater und Bruder keine Rede ist, von einem englischen Prinzen gar nicht die Rede war, noch sein konnte, die Republik in Spanien unmöglich ist, endlich König Victor Emanuel die Candivatur seines zweiten Sohnes nicht zuläßt, da der Kronprinz von Italien noch keine Aussicht auf Nachkommenschaft hat, wohl aber Prinz Amadeus. Statt desselben brachte der König in Antwort auf die an ihn gelangten vertraulichen Anfragen seinen Neffen, den Prinzen Thomas von Genua, in Vorschlag, geboren am 6. Fe- bruar 1864, also noch nicht 15 Jahre alt, aber das ist kein Hinverniß, eher ein Grund mehr für die Generale, welche den Thron zu vergeben haben, auf diese Cand.datur einzugehen, über welche nunmehr General Cialdini mit ihnen verhandeln wird." Karlsruhe, 17. Oct. Der „Karlsr. Ztg." zufolge wurde heute Vormittag iu Mannheim die re- vidirtc Rheinschifffahrtsacte von den Bevollmächtigten der betheiligten Rheinuferstaaten unterzeichnet. Wie«, 17. Oct. Heute fand die erste Sitzung des Abgeordnetenhauses seit der Vertagung statt. Minister Graf Taaffe legte eine Verordnung vor, wodurch der Ausnahmszustand in Böhmen eingeführt wirb, rechtfertigt dieselbe mit der zwingenden Rothwendigkeit und ersucht um Ertheilung der 3n-, demnität. Die Regierung brachte ferner ein : den Gesetzentwurf, durch welchen die Verhängung von Ausnahmezuständen geregelt wird, einen Vertrag mit der Schweiz bezüglich der Grenzrcgulirung, einen Nachtrag zum österreichisch-englischen Handelsvertrag dud eine Postconvention mit der Schweiz. Der Justizminister kündigte die kaiserliche Sanction der Gesetze, betreffend einige Abänderungen des Preßgesetzes, an. Paris, 17. Oct. Der „Gauloiö" theilt das Gerücht von einem Attentat auf Prim mit. Die Kugel streifte Prim, welcher befahl, den Mörder frei zu lassen. Isabella wird Pau verlassen. Ein Privatbrief versichert, das Manifest der Regierung werde sich weder über die künftige Form der Regierung noch über einen Souverän aussprechen. — Das „Siede" klagt: In demselben Augenblicke, wo Oesterreich sich die Frage vorlegt, wie es die Tollheit hat begehen können, vor der weltlichen Macht des Papstes Schildwache zu stehen, ziehen wir zum zweitenmal vor dem Vatican mit dem Chaffepot-Ge- wehr auf die Wache. Zu dem Moment, wo die Italiener Voltaire übersetzen, möchte man unsere Kinder in den Pamphleten des Hrn. Dupanloup das Lesen lehren. Während die Spanier sich von den Jesuiten befreien, erdrückt man uns damit; während Madrid die Marseillaise singt, stimmt unsere Regierung die Litanei von Mentana an. — Nein, es ist unmöglich, daß wir, die wir stets bei der Avantgarde waren, uns noch lange in der Rolle der Nachzügler gefallen. Die osficielle Politik wird in Kurzem, bei Strafe des Selbstmordes, genöthigt sein, das „Niemals" des Hrn. Rouher zu desavouiren. Die anderen Völker haben bereits vor uns auf den päpstlichen SpllabuS geantwortet, aber gleichviel! Frankreich wird das Postseriptum dazu schreiben." — Der sogenannte Karl VII., der sich bekanntlich in Paris aufhält, wohnt in einem sehr kleinen, armseligen Hotel der Rue de Cadinal Fesch. Im Ganzen genommen hört man sehr wenig von ihm. lieber bedeutende Geldmittel verfügt der Prätendent bis jetzt nicht. — Nach Berichten aus Madrid hat die die provisorische Negierung die Absicht, die Religionsfreiheit dadurch sicher zu stellen, daß sie mit den verschiedenen Mächten Verträge abschließt, in denen fest- gestellt wirb, daß die Bürger der fremden Staaten in Spanien die nämlichen Rechte genießen, wie die spanischen Katholiken in den betreffenden fremden Staaten. Auf diese Weise will man der Religionsfreiheit eine internationale Bürgschaft geben.— Wie sehr die Jesuiten in Frankreich jetzt Wurzel gefaßt haben, geht daraus hervor, daß sie dieses Jahr 25 ihrer Schüler in die Militärschule St. Cyr und 27 in die polytechnische Schule brachten. Paris, 17. October. Verschiedene bedenkliche Symptome werden neuerdings aus den spanischen Pro- vinziaistädten gemeldet. In Santander hat sich, nach rem „Libertö '-Corresponvent, eine gewisse Aufregung in Folge von Zwistigkeiten innerhalb der Junta kundgegeben. General Prim, davon berichtigt, hat durch folgendes Telegramm geantwortet: „Halten Sie die Ordnung unter Ihrer persönlichen Verantwortung aufrecht, und wenn Sie dazu Land- oder Seetruppen bedürfen, werden Sie sie geschickt be- köinmen. Wenn es nöthig ist, lösen Sie die Junta auf und ernennen Sie eine andere oder vielleicht ein Ayuiitamiento hMunicipalrath), ganz wie es Ihnen gutcünkt." Es geben sich neuerdings auch Agitationen in der Hauptstadt kund; Banden ziehen in der Nacht durch die Straßen mit rothen Laternen und dem Rufe: „Es lebe die Republik!" Die Caudidatur Espartero's und Prim's zum König ist wirklich schon ausgetaucht. Vermischtes. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 13. Oct.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, dieGe- meinderathSmitglieder Berg, Loder, Möhl, Petri, Keller, Bücking, Rosenberg, Nagel, Felstng, Weidig, Silbereisen und Ricker. Die von der oberhessischen Eisenbahngesellschaft vorgelegte Erklärung, worin diese znm Zwecke sofortiger Inangriffnahme des Baues der beiden Bahnlinien für die Uebcrnahme des städtischen Geländes die gesetzlich nornnrte Entschädigung zu leisten und die betreffenden Summen von jetzt! an bis zur Auszahlung des Kaufcapitals mit 5 Procent zu verzinsen verspricht, wurde Namens der Stadt vom Gemeinderath unterschrieben. Ebenso wurde der vorbehältlich höherer Genehmigung abgeschlossene Vertrag bezüglich der Herstellung der durch Erbauung der beiden Linien nöthig werdenden Uebergänge und Wege in der Gemarkung Gießen vom Gemeinderath unterzeichnet, mit dem Anfügcn, daß bei Nr. 7 den Worten „eine Durchfahrt bei Profil 6,st" hinzügefügt werde „von genügender Breite für Trottoir auf beiden Seiten." Der Gemeinderath beschließt, die- jetzt schon vorkommeuden Culturkosten für 1869 aus der Stadtcasse bezahlen zu lassen. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 15. Oct.) Anwesend waren: der Großh.,Bürgermeister Vogt, die Geme nderathsmitglieder Weidig, Möhl, Berg, Löber, Bücking, Rosenberg, Haustein, Keller, Ricker, Nagel, Felsing und Petri. Der Gemeinderath sprach sich in Beziehung der Meldung des Octrvicontrvleurs Jost dahin aus, daß dessen Stelle beizubehalten sei. Hierauf schritt er zur Wahl eines Thorschreibers am Sel- tersthor und erhielt Heinrich Frech die meisten Stimme». Der Diensteintritt desselben soll mit dem 20. d. Mts. erfolgen und der Großh. Bürgermeister ermächtigt sein, die Wohnung desselben am SelterSthor auf Kosten der Stadt weißen und Herrichten zu lassen. Sodann beschließt der Gemeinderath, unter Aufhebung seines bezüglichen Beschlusses vom 8. d. Mts., dem bisherigen Erheber Herbert, dessen Frau inzwischen gestorben ist, und.welcher mit seinem Sohn Gießen verlassen wird, bis zu seinem Tode einen Sustentationsgehalt von 150 fl. zu bewilligen. Das Gemeinderathsmitglied Bücking wurde zum Vorsitzenden und das Gemeinderathsmitglied Hanstein zum Schriftführer der Commission zur Prüfung der 1867er Rechnung bestimmt. Das von dem Gemeinderathsmitglied Rosenberg vvrgelesene Antwortschreiben an das Direktorium der Großh. Realschule wurde gebilligt. Der Gemeinderath gibt die zur Vorspannleistung für die zum Norddeutschen Bund gehörigen Truppen beantragte Zustimmung ; es soll aber bei Großh. Kreisamt angefragt werden, ob die Stadt zur Fuhrenleistung in der stattgesundenen .Weise verpflichtet sei. Der Gemeinderath beschließt in Betreff der Uebernahme der Sandgrube am Schiffenberger Wege, den Vorbehalt des Ehr. Schäfer zurückzuweisen, und diesem zu bemerken, daß wenn er auf die Bedingungen des Gemeinderaths nicht unbedingt eingehe, er für den ohne Erlaubniß ausgebeuteten Theil eine geeignete Entschädigung zu zahlen habe, und er wegen dieses Eingriffes in städtisches Eigenthum außerdem zur Bestrafung gezogen werde. Der Gemeinderath beschließt, das Gesuch der Firma L. & A. Petri um Ueberlassung eines Grundstücks zwischen - ihren Häusern auf der Neuen Anlage zu bewilligen, und das Gelände um den Durchschnittspreis auf unbestimmte Zeit zu überlassen. In Betreff des Gesuchs des Fr. Schwab beschließt der Gemeinderath, da wegen der vorgerückten Jahreszeit keine Pflasterung mehr vorgenommen werden könne, so soll einstweilen eine Deckung mit Sand erfolgen. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. Darmstadt, 17. Oct. Der den hiesigen Kreisen theils durch langjährige Thätigkeit als Landtagsabgeordneter, theilS als Lehrer an der Universität Gießen bekannte Verfasser der „deutschen National-Literatur", Professor Hillebrand, ei» 83jähriger, aber geistig noch rüstiger Greis, welcher feit mehreren Jahren vollständig erblindet war, wurde von unserem als tüchtiger Operateur bekannten Augenarzt, Dr. Adolph Weber, mit solchem Erfolg operirt, daß er nunmehr wieder in gewohnter Weise seinen Lieblingsstudien obliegen kann. Friedrichshafen, 11. Oct. Dem „Schwab. Merkur,, wird von hier geschrieben: „Wir haben in den letzten Tagen die Ueberschwemmung des Rheinthales auf Grund eigener Anschauungen zu schildern gesucht. Heute führen wir den Leser in einen Ort und in Wohnungen ein, welche nun zum größeren Theile vom Wasser befreit sind. Die Häuser sind zm» Theil versunken, voll Schlamm und üblem Geruch in Folge eingetretener Gährung verschiedener Lebensmittel, zum Theil ist eS kaum mehr möglich, nur Haus- und Zimmerthüren zu offnen, die irdenen Oefen sind zerrissen oder aufgelöst, inzwischen haben Kröten, Eidechsen, Ottern in denselben Schutz gegen Wasser und Kälte gesucht, und diese Wohnungen sollen nun, da der Winter vor der Thiire ist, bezogen werden, Amerika. Der Judianerkrieg nimmt täglich eine bedenklichere Gestalt an. Raub und Mord sind in Kansas jetzt an der Tagesordnung; Männer werden zu Dutzenden scalpirt; Weiber und Kinder in der schrecklichsten Weise gemißhandelt und verstümmelt. Dagegen sind der amerikanischen Truppen nur wenige, denn in eine Abtheilung conceritrirt könnten sie auf diesen weiten Ebenen nichts anSrichten, und der Krieg verspricht eine gute Spanne Zeit zu dauern. Allerdings fühlen sich die Indianer nach Bewaffnung der Unionstruppen mit Hinterladern nicht mehr so sicher, da hierdurch ihre alte An- griffSweise — den Feind zu umschwärmen und erst, nachdem er seinen ersten Schuß verschossen, auf ihn einstürmen — unwirksam gemacht wird. Wie die Sachen jetzt stehen, so läßt sich kaum eine Beendigung dieser Jndianerangriffe vor Vertilgung deS ganzen Stammes erwarten. Schweiz. Im Kanton Glarus sollen, der „Glarner Ztg." zufolge, nächstens neue Versuche angestellt werden, aus dem Klönthalcr See die Armee-Caffe heraufzuholen, welche die Russen bei ihrem Rückzüge im Jahr 1799 dort versenkt hätten. Man erwartet nur noch einen Tauchapparat, der es gestattet, sich einige Stunden lang unter Wasser aufzuhalten. Die von einigen reichen Privatleuten unterstützten Taucher hoffen durch die, übrigens sehr kostspielige, neue VerfahrungSweise ihren Zweck zu erreichen, wenn, wie eine Tradition meldet, dieser Schatz wirklich auf dem Grunde des See's ruht. Frankreich. Henri Rochefort haucht in seiner Lanterne Frau Gugenie in Paris etwas unsanft an. Er fragt, was für ein Weib das fein müsse, das Frau Isabella (in Biarritz) umarme und küsse, die angezoge» kam mit ihrem Manne an einem Arm und mit ihrem Liebhaber Marfori am andern Arm. WaS Mutter Eugenik darin ihrem Söhnlein geantwortet habe, als er fragte, wer der Herr mit dem großen Schnurrbart sei, dem die Königin(so freundlich zunicke? Solche kleine frühreife Bursche hätten oft gar sonderbare Gedanken. England. Fran Times tu London hat einen bitterbösen republikanischen Anfall. Sie redet den Spaniern kräftig zu, keinen „Schnappsackritter" zu wählen „der sein Rest mit einer fetten Civilliste ausfüttere", sondern eine Republik zu etabliren. Es gebe ja ohnehin Keinen, den sich die Spanier znm'Könige wünschten, und ebenso Keinen, der würdig wäre, König zu werden. Italien. Pius IX. weiß, was er in Spanien wünscht und sagt es auch gerade heraus. Er läßt in allen .Streiten für die Herstellung der alten Zustände beten und betet selber eifrig. Die Spanier sind, obgleich sie Niemanden von nun an zwingen wollen, katholisch zu sein oder zu werden, gute Katholiken. Als ein Bataillon Nationalgarde in Madrid durch die Straße zog und einem Priester mit der Hostie für einen Sterbenden begegnete, machte es ohne Commando Halt, prci- fentirte das Gewehr und beugte das Knie. Man steht, die katholische Religion ist nicht gefährdet, auch wenn die Kirche keine Zwangsanstalt mehr ist. Von dem Concordat mit Rom will freilich das Volk nichts wissen; in Madrid unb Barcelona hat es das Concordat vor dem Palast des päpstlichen Gesandten verbrannt. Redaction, Druck und Verlag der Br üblichen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.