Gießener Anzeiger. Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kr Erscheint wöchentlich drei« mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen. Nr. 59. Dienstag den 19. Mai 1868 Amtliche Bekanntmachungen. Nr. 10 des Bundes-Gesetzblattes für den Norddeutschen Bund, ausgegeben zu Berlin am 8. Mai 1868, enthält: (Nr- 91.) Postvertrag zwischen dem Norddeutschen Bunde und Norwegen. Vom 17. Februar 1868. Nr. 11 des Bundes-Gesetzblattes, ausgegeben am 12. Mai 1868, enthält: (Nr. 92.) Gesetz über die Aufhebung der polizeilichen Beschränkungen der Eheschließung. Vom 4. Mai 1868. (Nr. 93.) Gesetz, betr. die Erhebung einer Abgabe von der Branntweinbereitung in den Hohenzollern'schen Landen. Vom 4. Mai 1868. (Nr. 94.) Bekanntmachung, betreffend die Enthebung des Kgl. Bayerischen Staatsministers von Schlör von seiner Funktion als Bevollmächtigter zum Bundesrathe des Deutschen Zollvereins. Vom 8. Mai 1868. Gießen, den 18. Mai 1868. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. In Verhinderung des Kreisraths: Kekulä, Kreisassessor. Bekanntmachung, Hahn. den Steuerausschlag für die letzten neun Monate des Jahres 1868 betreffend. (Großherzogliches Regierungsblatt Nr. 22.) Zur Bestreitung der erhöhten Staatsbedürfnisse, welche durch die veränderten politischen Verhältnisse herbeigeführt worden sind, reichen die im letzten Finanzgesetz bestimmten und bisher erhobenen Steuern im Jahr 1868 nicht aus. In dem wegen Aufbringung der weiter erforderlichen Mittel mit den Ständen vereinbarten, in No. 20 des Großherzoglichen Regierungsblatts erschienenen Nachtragsgesetz vom 11. dieses Monats ist daher in §• 1 festgesetzt worden, daß vom 1. April des laufenden Jahres an ein Zuschlag zu den im §• 2 des Finanzgesetzes vom 26. September 1867 bestimmten directen Steuern von monatlich 1 Heller auf den Gulden Normalsteuerkapital, also im Ganzen für neun Monate ein Zuschlag von 2V4 kr. auf den Gulden Normalsteuerkapital erhoben werden soll. In §. 3 des Nachtragsgesetzes ist dann weiter bestimmt, daß, im Falle die Erhebung des im §• 1 erwähnten Stcuerzuschlags nicht schon im Laufe des Monats April erfolgen könne, alsdann demnächst die Nacherhebung stattzufinden habe. In Gemäßheit dieser gesetzlichen Bestimmungen hat jeder zu den directen Steuern Beitragspflichtige für jeden der letzten neun Monate des laufenden Jahres, außer dem bis hierher nach dem Steuerausschlag pro 1868 von ihm zu entrichtenden monatlichen Betrag, weiter einen He(ler von jedem Gulden des in seinem diesjährigen Steuerzcttcl enthaltenen Steuerkapitals in der Weise zu entrichten, daß bei der Steuererhebung im Monat Mai die L-teuerzuschläge für April und Mai zusammcnen mit 2 Heller vom Gulden Steuerkapital zu bezahlen sind, während dagegen in den folgenden Monaten Juni bis December der zu bezahlende Zuschlag jedesmal nur 1 Heller vom @ulben ^fuerkapstal^beträg^^^ hernach in jedem der sieben letzten Monate dieses Jahres als Steuerzuschlag ebenso viele Heller, als ihr Steuerzettel Gulden Steuerkapitals enthält und nur im Monat Mai das Doppelte hiervon, zu entrichten haben, so sind sie leicht im Stande, den Betrag der Zuschläge selbst zu berechnen. Es werden deßhalb besondere Steuerzettel zur Anforderung des Steuerzuschlags nicht ausgegeben. Im Uebrigen gelten hinsichtlich dessen Zahlung und Beitreibung dieselben Vorschriften, wie für die gewöhnlichen directen Steuern. „ „ ’ . Darmstadt, den 20. April 1868. Großherzogstches Ministerium der Finanzen. F. v. Schenck. Die Musterung und Loosziehung Gießen für das Jahr 1868 findet Bekanntmachung. der Militärpflichtigen, sowie die Classification der Reserve- und Landwehrmannschasten des Kreises zu Gießen in -em Rathhaussaale zu den nachgenannten Zeiten und in der nachbezeichneten Weise statt: Mittwoch den 20. Mai, Vormittags 8 Uhr, Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Ullendorf a. d. Lahn, Allcndorf a. d. Lumda, Altcn-Buseck, Annerod, BerSrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringcn, Dorf-Gill, Eberftadt, Ettingshausen und Garbenteich. Freitag den 22. Mai, Vormittags 8 Uhr, desgl. der Gemeinden Gießen, Großen-Buscck Großen-Lindcn und Grüningen. Samstag den 23. Mai, Vormittags 8 Uhr, desgl. der Gemeinden Hattenrod, Hause», Heuchelheim, Holzheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern und Lich. Montag den 23. Mai, Vormittags 8 Uhr, desgl. der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Münster, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Steinbach, Treis a. d. Lumda und Trohe. Dienstag den 26. Mai, Vormittags 8 Uhr, desgl. der Gemeinden Watzenborn und Steinberg und Wieseck. Mittwoch den 21. Mai, Vormittags 8 Uhr, Loosziehnng. Donnerstag den 28. Mai, Vormittags 8 Uhr, Classification der Reserve- und Landwehrmannschaften des ganzen Kreises. 1) Zur Musterung haben sich bei Meldung der gesetzlichen Strafen, die aus den nachfolgend abgedruckten Bestimmungen der Militär- Ersatz-Jnstruction für den Norddeutschen Bund vom 26. März d. I. zu ersehen sind, zu stellen: Diejenigen, dem Großherzogthume Hessen oder dem Norddeutschen Bunde angehörigen Militärpflichtigen, welche 1) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil — ihre Heimath oder ihren ständigen Wohnsitz — haben und sich nicht in einem anderen Theile des Großherzogthums Hessen oder einem Staate des Norddeutschen Bundes in einer der nachstehend angegebenen Eigenschaften aufhalten; . 2) oder in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienstboten, Haus- und Wirthschaftsbeamten, Handlungsdiener und Hepr- linge, Handwerksgesellen und Lehrburschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, , oder welche die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemernde des Kreises besuchen, , - h 3) oder in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, unv weder im Großherzogthum Hessen, noch in einem andern Staate des Norddeutschen Bundes Domicil besitzen oder sich aushatten und welche, soweit sie dem Großherzogthume Hessen angehören, im Jahre 1848 geboren, oder bei der Musterung des Jahres 1867 zu derjenigen des Jahres 1868 verwiesen, oder von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatzbehörden entlassen sind, soweit sie einem Staate ves Norddeutschen Bundes, Hessen ausgenommen, angehören, in den Jahren 1848 — in Landestheilen, in welchen bisher die Militärpflicht erst mit dem 21. Lebensjahre ihren Anfang nahm, vor dem 1. Juli 1848 — 1847, 1846 und früher geboren sind und noch keine definitive Entscheidung über ihr Militärverhältniß erhalten haben. Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienste ertheilt worden ist. 2) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, seiner Mutter rc. Zurückstellung (Depotversetzung) in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforderlichen Nachweife und Zeugnisse in dem zur Musterung anberaumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amtlich ausgestellt oder beglaubigt sein. Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähigkeit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Kreis-Ersatz-Commission einzufinden. Zurückstellungsansprüche, die noch nicht angezeigt sind und auf Grund der Bestimmungen der §§. 43 oder 44 der Militär-Ersatz-Jn- struction (Reg.-Blatt Nr. 21 vom l. I.) etwa noch geltend gemacht werden wollen, sind vor dem Musterungstermine bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei oder spätestens in dem Termin vorzubringen. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. 3) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Harthörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche rc., so ist dieß durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers rc. nachzuweisen. Das Vorhandensein von Epilepsie ist durch die eidliche Erklärung von mindestens drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten. 4) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für diejenigen, welche bei dem Aufrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Kreis-Ersatz-Commission das Loos. 5) Zurücksteffungsansprüche von oder für Reservisten oder Landwehrmänner sind an dem zur Classification festgesetzten Tage vorzubringen und wie die Zurückstellungsansprüche Militärpflichtiger zu begründen. 6) Die Großherzoglichcn Bürgermeistereien haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehörigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtige Militärpflichtige — die auswärts sich aufhaltenden schriftlich — auf Grund der ihnen k. H. wieder zugehenden Stammrollen (Ortslisten) zu der Musterung vorzulaven. Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinden anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren zu der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des Musterungsgeschästs ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten. Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Haft befindet, so ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. des Gerichts vorzulegen. Den Großherzoglichen Bürgermeistern liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Militärdienstes unwürdig ist, und sind deßhalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen. Die Verhandlungen über Depotansprüche, sowie die etwa neu erwachsenden Verhandlungen über Zurückstellungsansprüche auf Grund der Militär-Ersatz-Jnstruction sind von den Großherzoglichen Bürgermeistereien spätestens in dem Musterungstermin an die Kreis-Ersatz- Commission gelangen zu lassen. Gießen, den 9. Mai 1868. Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Kreis-Ersatz-Commission des Kreises Gießen. In Verhinderung: Kekuls, Kreisassessor. Auszug aus der Militär-Ersatz-Instruktion für den Norddeutschen Bund. §• 176. Strafe für unterlassene Meldung zur Berichtigung der Stammrolle, bez. für unterlassene Gestellung zu den Musterungsoder Aushebungs-Terminen. 1) Militärpflichtige, welche die im §. 59 vorgeschriebenen An- und Abmeldungen zur Berichtigung der Stammrollen unterlassen, werden auf den Antrag der mit der Führung der Stammrolle beauftragten Behörden mit Geldstrafen bis zu 10 Thalern belegt, welcher im Falle des Unvermögens Gefängnißstrafe zu substituiren ist. 2) Militärpflichtige, welche nach den Vorschriften der §§. 71, 98 und 115 erlassenen Aufforderung, sich zur Musterung oder Aushebung vor die Kreis-Departements- oder Marine-Ersatz-Commission ves Bezirks, in welchem sie nach §. 20 gestellungspflichtig sind, zu stellen, keine Folge leisten, oder bei Aufrufung ihrer Namen im Musterungs- oder Aushebungs- Locale nicht anwesend sinv, werden auf den Antrag des Civil-Vorsitzenden der Kreis-, bez. Departements- (Marine-) Erfatz-Commission mit einer Geldstrafe bis zu 10 Thalern belegt, welchen im Falle des Unvermögens Gefängnißstrafe zu substituiren ist. 3) Unabhängig von den vorstehend ad 1 und 2 gedachten Strafen werden vie Militärpflichtigen, welche die Anmeldung zur Stammrolle ^unterlassen, oder sich nicht vor die Ersatz-Behörden stellen, durch die in den nachstehenden §§. 177 bis 179 enthaltenen Bestimmungen betroffen, über deren Anwendung lediglich die Ersatz-Behörden zu entscheiden haben. §• 177. Folgen der unterlassenen Anmeldung zur Stammrolle, bez. der unterlassenen Gestellung zu den Musterungs- und Aushebungs-Terminen. 1) Militärpflichtige, welche die im §. 59 vorgeschriebene Meldung zur Eintragung ihres Namens in vie Stammrolle unterlassen haben, können je nach dem Grade der Fahrlässigkeit oder Absichtlichkeit, welcher die unterlassene Anmeldung zuzuschreiben ist, unter Verlust: a. der Berechtigung an der Loosung Theil zu nehmen, b. des aus etwaigen Reclamationsgründen erwachsenden Anspruchs auf Zurückstellung bez. Befreiung vom Militärdienst, 2) Militärpflichtige, welche ohne einen genügenden Entschuldigungsgrund der Aufforderung, sicb zur Musteruna bez. AuShebunq zu stellen, keine Folge leisten, verlieren: a. vie Berechtigung, an der Loosung Theil zu nehmen, v. den aus etwaigen Reclamationsgründen erwachsenden Anspruch auf Zurückstellung bez. Befreiung vom Militärdienst. Wer ohne einen genügenden Entschuldigungsgrund bei Aufrufung seines Namens im Musterungs- bez. Aushebungs - Locale nicht anwesend ist, verliert die vorstehend ad a gedachte Berechtigung. Alle diese Militärpflichtigen werden wie die unter Passus 1 bezeichneten vorzugsweise zum Militär-Dienst herangezogen event. als unsichere Heerespflichtige nach Vorschrift des §. 179 behandelt. 3) Die zur vorzugsweisen Einstellung defignirten Militärpflichtigen können bis zu den gewöhnlichen Aushebungen in ihrer Heimath verbleiben. §• 178. Anwendung der Vorschriften der §§. 176 und 177 auf disponibel gebliebene Militärpflichtige. Militärpflichtige, welche in den Vorjahren ihrer Losnummer nach disponibel geblieben, sind den im §. 179 enthaltenen Strafbestimmungen unterworfen; die Vorschriften des §. 177 finden jedoch nur in dem Falle auf sie Anwendung, wenn sie in dem Aushebungsbezirk, in welchem sie zur Zeit der unterlassenen Anmeldung zur Stammrolle oder zur Zeit der unterlassenen bez. verspäteten Gestellung nach §. 20 gestellungspflichtig waren, bei dem Zugreifen auf die Disponiblen ihrer Altersklasse, ihrer Loosnummer" nach in der vorgeschriebenen Reihenfolge ebenfalls zur Aushebung gekommen wären. Sobald sie hiernach zur Einstellung gelangen müssen, gehen sie auch der Vergünstigung verlustig, welche ihnen aus etwaigen Recla- matronsgründen erwachsen würde. ö Besondere Bekanntmachung. . ja Köln-Gießener Eisenbahn. 3535) Wir bringen hierdurch zur Kennt- niß, daß vom 16. 5. Mts- ab alle Retour- billete, die zwischen der Köln-Gießener und der Nassauischen Bahn ausgegeben und zur Rückreise nicht an dem Tage der Hinreise benutzt werden, vor Antritt der Rückfahrt dem Stations - Einnehmer zur nochmaligen Abstempelung vorgelegt werden müssen. Köln, 11. Mai 1868. Die Direction. Berfteigeruugeu. 3504) Dienstag den 26. Mar, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die Grundstücke des Christian Petri II., als: Flur Nr. üjKlstr. 18/ios 76 Acker zwischen dem Wetzlarer Pfad und der Lahn, «0/91 240 Acker in den Schwarzlachsgärten am Fluthgraben, ^/s-u.zg 179 Acker auf dem 'Sandfeld, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 16. Mai 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. Versteigerung von Baumaterialien. 3538) Mittwoch den 20. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, soll das vom Abbruch des Pfarrhauses an der Kirche gewonnene Eichen-Bauholz und eine bedeutende Quantität Lehm, ferner zwei Friedrichshütter Oefen und ein Sprungherd an die Meistbietenden gegen sofortige Zahlung versteigert werden. Gießen, am 14. Mai 1868. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. Holzapfel. Grennholz-Lieserunq. 3450) Mittwoch den 20. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, wird die Lieferung von 60 Stecken Buchen- Scheidholz für das Großherzogliche Hofgericht dahier in dem Canzleigebäude daselbst an den Wenigstnehmenden in Accord gegeben. Gießen, den 14. Mai 1868. In Auftrag: Böger, Hofgerichts-Protoeollist. Main - Weser - Bahn. 3496) Die Versteigerung der diesjährigen Gras- und Klee-Erndte auf den Böschungen der Bahn findet statt: 1) Auf der Strecke Butzbach — Lang- Göns, Mittwoch den 20. Mai, beginnt Vormittags um 7>/2 Uhr am Bahnhofe zu Butzbach. 2) Auf der Strecke Lang-Göns — Gießen, Freitag den 22. Mai, beginnt Vormittags 7 Uhr am Bahnhofe zu Lang- Göns. 3) Auf der Strecke Lollar — Friedelhau- sen, Samstag den 23. Mai, beginnt Vormittags 10l/3 Uhr am Bahnhofe zu Lollar. 4) Auf der Strecke Lollar — Gießen, Samstag den 23. Mai, beginnt Nachmittags 1 Uhr am Bahnhofe zu Lollar. Gießen, den 15. Mai 1868. Der Großherzogliche Bahn-Ingenieur. _____________Nahm.________ Grasversteiqerunst. 3552) Die diesjährigen Grasnutzungen von den Gräben und Böschungen nachbenannter Straßen sollen in den dabei bemerkten Terminen meistbietend versteigert werden, und zwar: 1) Auf der Straße von Gießen gegen Butzbach und von Klein-Linden gegen Wetzlar Dienstag den 19. Mai, Anfang Morgens 8 Uhr, auf dem Seltersberg bei Abth.-Nuvuner 5, Morgens 9 Uhr jenseits Klein-Linden gegen Wetzlar, Morgens 9>/3 Uhr von Klein-Linden gegen Großen-Linden, Morgens 11 Uhr von der Universitätsmühle gegen Lang-Göns, Mittags 12 Uhr jenseits Lang-Göns gegen Kirch-Göns. 2) Auf der Straße von Gießen gegen Rodhem: Freitag den 22. Mai, Anfang Morgens 8 Uhr, lenscits der Lahnbrücke in der Nähe der Keßler'schen Ziegelei. 3) Auf der Straße von Gießen gegen Reiskirchen bis Abth.-Nummer 6 und von Gießen gegen Lichi Montag den 25. Mai, Anfang Morgens 8 Uhr, vor dem Neuenweger Thor in der Nähe des Zörb'schen Hauses, Morgens 11'/- Uhr jenseits Steinbach gegen Lieh. 4) Auf der Straße von Lich gegen Langsdorf Montag den 25. Mai, Anfang Nachmittags 3 Uhr, jenseits Lich in der Nähe der Wetterbrücke. 5) Auf der Straße vou Lich gegen den Hessenbrücker Hammer Dienstag den 26. Mai, Anfang Morgens 8 Uhr, in der Nähe des Friedhofs von Lich. 6) Aust der Straße von Lich gegen Butzbach Mittwoch den 27. Mai, Anfang Morgens 8 Uhr, in der Nähe des Posthauses von Lich, Morgens 10'/2 Uhr jenseits Eberstadt gegen Ober-Hörgern. 7) Auf der Straße von Gießen nach Grünberg von Abth.-Nummer 6 bis Reiskirchen Mittwoch den 3. Juni, Ansang Morgeiis 8 Uhr, auf dem Trieb bei Abth.-Nummer 6. Sollte an einem dieser Tage starkes Regenwetter eintreten, so fällt die an diesem Tage abzuhaltende Versteigerung aus und wird dafür ein anderer Termin anberaumt. Die resp. Großherzoglichen Bürgermeister werden ersucht, diese Versteigerung im Interesse ihrer Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, am 15. Mai 1868. Großhcrzogliches Kreisbauamt Gießen. Holzapfel. Holzversteigerung in der Oberför- sterei Königsberg. 3498) Montag den 25. Mai I. I., Vormittags 9 Uhr, werden in den Königlichen Staatsforsten „Großer und Kleiner Bleidenberg": 59 Stecken Buchen-Scheidholz, 56 „ „ Prügelholz, 3225 Wellen „ Reisholz, 192 Stecken „ Stockholz, 3 Stück Nadel-Stämme von 16 bis 30 Zoll mittl. Durchmeller, mit 160 Cu- bikfuß, 1 Stecken Nadel-Prügelholz, 125 Wellen „ Reisholz, 4 Stecken „ Stockholz, unter den im Versteigerungstermin bekannt gemacht werdenden Bedingungen, öffentlich dem Meistgebote ausgesetzt werden. Die Versteigerung beginnt am Holzschlag „Großer Bleidenberg" bei Nr. 121 des Buchen-Prügelholzes. Heuchelheim, den 15. Mai 1868. Der Königliche Oberförster: Neuenhagen. 3518) Mittwoch den 27. d. Mts., Mittags 12 Uhr, sollen auf dem Pfarrhofe zu Treis a. d. Lda. verauctionirt werden: Möbels aller Art, namentlich zwei große Schränke und ein Schreibsecretär- Auch wird noch eine in gutem Stande befindliche Chaise und ein Wagen verauctionirt werden. Feilgebotenes. 3551) Von heute an ist das Licher Lagerbier in Zapf genommen und empfiehlt solches die Flasche zu 6 fr. E. Pausch, ___________________________am Asterweg. 3536) Kartoffeln, dicke und kleine, verkauft Schreiner Hoß, Sandgasse. 3510) Dickwurzel- Pflanzen, ächte Oberndorfer, bei Th. Rauten st rauch, an der Schoor. 3533) Alle Sorten Topfgewächse für Gartenbeete, ebenso Astern, Lcvkohcn, Balsaminen, Phlox und sonstiger schöner Sommerflor, zu haben in der Handelsgärtnerei bei C a r l D e i n e s. | Gemüsepflanzen, im freien Land schon und stark gewachsen, als: Römischkohl, Blumenkohl, Erfurter Weißkraut, Wirfing, Öberkohlra- ben, Rothkraut, Grünkohl und Kopfsalat, beste Sorte, verkauft C. Pipp, Reuenweger Thor. flraMl 1® 3512) Drei wenig gebrauchte MsSgo» Droschken, sowie auch neue zwei- und einspännige, und Halbchaischen, Sommer- Wagen mit Verdeck sind zu verkaufen bei Rothhan, neue Schlesingergasse 3, Frankfurt. 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Näheres bei der Exped. d- Bltts- Vermischte Anzeigen. 1 Die Lungenschwindsucht wird naturgemäß, ohne innerliche Me- dicamente geheilt- Adresse: Dr. H. 9iott= mann in Mannheim. (Gegenseitig franco.) 3499) Für eine Dienstmagd, welche kochen kann und in allen häuslichen Arbeiten bewandert ist, auch gute Zeugnisse beibringen kann, ist eine Stelle sogleich oder auch zu Johanni offen. Das Nähere bei der Exped. d. Bltts. HK3T Am 2. Juni 1868 Si8te Ziehung' der österr. Staats - Loose I vom Jahre 1864. Höchster Treffer fl. 250,000, niedrigster fl. 155 östr. Währ.l Einlage 2 Thlr. — 11. 3. 30 süddeutsch pr. Epos. I Sieben Eoose kosten nur Thlr. 18 — 11. 2i.südd.™ Mit k. k. Stempel versehene Loose empfehlen VOELCKER & O g Bankgeschäft in Wien, Kolowratring Nr. 4. | NB. Nachnahmen können nicht erhoben werden. (3531) 3508) Künftigen Donnerstag, den 21. d. Mts., als am Chrrsti- Himmelfahrttage: Großes Militär - Concert im Schützengarten zu Wetzlar, ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des Rhein. Jäger-Bataillons Nr. 8. Anfang 3y2 Uhr Nachmittags. Entree ä Perfon 9 fr. Hierzu ladet ganz ergebenst ein: H. Kuhn. Geschäfts - Eröffnung. 3521) Hiermit die ergebene Anzeige, daß ich mich unterm Heutigen dahier als Posamentier etablirt habe, und empfehle ich mich mit allen in diesem Fach vorkommen- den Arbeiten unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung. Zugleich halte ich mein auf das Reichhaltigste assortirtes Lager in Kurzwaaren, wollenen und baumwollenen Strickgarnen, Glace- und Sommerhandschuhen, Corsettcn und Crinolinen, Herren- und Damenbinden u. s. w. bestens empfohlen. Hochachtungsvoll L. Kattrein, vis-s-vis dem Clubgebäude.______ M Für Auswanderer. FA 3556) Die Haupt-Agentur von C. W. Dietz am Markt in Gießen expedirt wöchentlich mit den vorrüg- lichsten Dampf" und Segelschiffen Passagiere und Güter nach allen Häfen von Amerika und Australien. Preise billigst. Behandlung anerkannt reell._________ Gewerbebank zu Gießen. 3516) Der diesjährige Vereinstag der Vorschuß- und Credit- vereine des oberheMchen Verbandes findet Donnerstag den 2 1. d. M. in Friedberg statt und beginnt die Versammlung Morgens 10 Uhr im Gasthaus zu den drei Schwerdtern, wozu die Mitglieder unseres Vereins freundlichst eingeladen werden. Gießen, am 18. Mai 1868. ______________________________Der Vorstand. Schiffe «berg. 3515) Donnerstag den 21. Mai, als am Himmelfahrttage (bei günstiger Witterung): Großes Coneert, ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des Gießener Jäger-Bataillons. Anfang halb 4 Uhr. Entree ä Person 6 fr. 3513) Pntzarbeit übernimmt in und außer dem Hause Betty Rothenberger, Neuenweg B. 195. Ball Anzeige. 3501) Zu dem am 28. d. Mts., als am 1. israelitischen Pfingsttage, im Schützengarten zu Wetzlar stattfindenden Balle ladet alle Freunde, an welche aus Versehen keine Einladungskarten gelangen sollten, ergebeust ein____________________das (Somit6. 3523) Nächsten Donnerstag den 21. Mai, am Himmelfahrttage, von Morgens 4 Uhr an, verzapfe ich Maitrank, Aepfelwein, sowie ausgezeichnetes Bier am Großen-Lindener Braunsteinbergwerk. Auch verabreiche ich zugleich abgesottene Eier. G. Schmelz, zum „fröhlichen Mann^ in Großen-Linden. Straßen Begießung 3517) Von Bewohnern des Seltersberges wird beabsichtigt, eine periodische Begießung der dortigen Straßen, nämlich der Frankfurter, Universitäts- und Bahnhofsstraße, zur Beseitigung des Staubes einzuführen und dieselbe an einen Unternehmer auf eine Reihe von Jahren zu vergeben. Das Nähere ist im Geschäftslocal des Kreis- bauamts zu erfahren und können daselbst Offerten bis zum 26. Mai abgegeben werden. Wohnungs-Veränderung. 3526) Meine Wohnung befindet sich jetzt im früheren Postgebäude am Wallthor. G. Landmann, Pfarrer. 3524) Ein Junge kann in die Lehre treten bei Franz Stroh, Schreinermeister. Agenten-Gesuch. 3502) Eine bedeutende Hopfenhandlung sucht für Gießen und Umgegend einen tüchtigen Agenten, der schon in der Branche gearbeitet, unter vortheilhaften Bedingungen zu engagiren. — Franco-Offerten unter F. 211 bei der Exped. d. Bltts. 3558) Mittwoch den 20. Mai bei günstiger Witterung: Tanzmusik im Gasthaus zum Adler. Balth. Oswald. 1 Erinnerungs-Medaille auf das große Lutherdenkmal in Worms von Prof. Ehr. Schnitzspahn in Darmstadt. Gegen franco-@tjcnbung des Betrags: in Bronze a 2 Thlr. f pr. St. incl- in Britannia-Metall ä 1 Thlr. f Verpackung Wiederverkäufern einen ansehnlichen Rabatt. Nur allein zu beziehen durch F. Sponnagel in Worms a/Rhein. 3506) Einem soliden Agenten, welcher die Kaufleute in den kleineren Städten (in Oberhessen und Lahngegend) regelmäßig besucht, wünscht man den Verkauf eines couranten, ohne Muster verkäuflichen Artikels gegen hohe Provision zu übertragn. Franco-Offerten unter A. G. 46 befördern die Herren Haasenstcin «fc Vogler in Frankfurt a. M. Verspätet, aller herzlich. 3557) Unfenn lieben Baron Christian R....... g zu seinem 24. Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch!!! Allen Schönen sei's gesagt, Und von uns an's Herz gelegt, Glaubt's, wenn er Euch Liebe klagt. — Untreu hat er nie gehegt. Seid klug, laßt ihn nicht länger büßen, Tretet nicht das Glück mit Füßen, Es könnt' vielleicht Euch noch gereu'n. 3540) Die früher unter der Firma: „H. Ferber & Comp." errichtete Badeanstalt ist wieder eröffnet und lade ich zur gefälligen Benutzung derselben höflichst ein. ______________________Peppler. 3514) Die Unterzeichnete empfiehlt sich wieder in allen Arbeiten, als: Waschen, Putzen u. s. w. Wittwe Schäfer, wohnhaft bei Herrn Spengler Hilgardt, ________________Schloßgasse.________________ 3553) Ein Junge, der das Schuhmachergeschäft erlernen will, kann in die Lehre treten bei_______ft. Gutbub, Neustadt. 3546) Ein Junge kann in die Lehre tre- ten bei H. Brauburger, Lackirer. 3509) Donnerstag den 21. Mai, als am Himmelfahrttage, findet gut besetzte Tanzmusik auf der Badenburg statt, wozu ich ergebeust einlade. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt.______________I. Duill Wittwe. 3548) Ein Holzschneider für eine Damps- schneidemühle wird gesucht von Jac. Hagner, Zimmermeister, Wetzlar. 3547) Dienstmädchen, als: Köchinnen, Haus- und Kindermädchen, auch Gouvernanten, Ladenmädchen erhalten in Frankfurt jederzeit gute Stellen durch das amtlich concessionirte Geschäfts-Büreau von Simon Reist in Frankfurt a. M. 3530) Ein Uhrmacher-Lehrling wird gesucht von__________________Ehr. Leo. 3543) Bei Zimmermeister Ph. Gilbert in Heuchelheim können mehrere Zimmerge- fellen dauernde Beschäftigung erhalten. Auf dem Staufenberg. Donnerstag den 21. Mai (Himmelfahrttag): Mbesehle Harnwniemusik daselbst. Um recht zahlreichen Besuch bittet (3544)_______________Heinrich Fink. 3472) Einen Lehrling sucht Ehr. Faber, Spengler, Asterweg. Gießen. Dem „Anz. f. Oberheffcn" entnehmen wir folgenden, auch für hier und die Umgegend zutreffenden Artikel: „Zur Beherzigung." Es wird nicht leicht Jemanden geben, der nicht mit einem gewissen Interesse das Zusammenströmen der militärpflichtigen Jugend des Kreises an den Tagen der Musterung und Lovsziehung beobachtete. Gewisse Betrachtungen über durchschnittliche Körpergröße, Gesundheit und Rüstigkeit der Jugend, über Eigen- thümliches und Charakteristisches der Gestchtsbildung rc. drängen sich von selbst auf. Ungleich mehr aber als auf all' dieß richtet sich das Augenmerk auf die Haltung und das Benehmen der jungen Leute. In ihnen ist die Zukunft vorgebildct, auf sie müssen wir Hinsehen, wollen wir im Geiste einen Blick werfen auf die kommenden Generationen. Geht es vorwärts mit unfern Volk auf dem Wege der Bildung und Gesittung, verschwindet im Volksleben immer mehr Rohheit und Gemeinheit, werden die Menschen wirklich menschlicher? Für die Beantwortung dieser Fragen sucht man gern einen Anhaltspunkt in dem Verhalten unserer Jugend. Es muß ein herrlicher Anblick gewesen sein, wenn einst die griechische Jugend öffentlich auftrat zu Kampf- und Festspielen, oder zur Vertheidigung des Vaterlandes, in strahlender Fülle der Kraft, wie nicht minder in „lieblicher Anmuth der Haltung." Dürfen wir das auch von unserer Jugend rühmen, wenn sie alljährlich zur Rekrutirung erscheint? Wir schlagen beschämt die Augen nieder; wir erinnern uns an den wüsten Lärm und das unsäglich rohe Gebahren der jungen Leute an solchen Tagen, wir gedenken dabei auch der heillosen, in ihren Folgen so beklagenswerthen Schlägerei bei der vorjährigen Musterung. Woher solch' betrübende Erscheinungen? — Um uns vor der Annahme zu retten, als ob dieselben wirklich ein getreues Bild seien von dem Grad der Gesittung, auf dem wir stehen, bringen wir recht gern in Anschlag, daß Mancher in seinem Bangen und Hoffen wegen der Loosentscheidung leicht in einen Zustand der Aufregung geräth, die ihm die Herrschaft über sich selbst thellweisc benimmt, und — es ist eine gekannte Thatsache, daß in diesem Zustande ungebändigt und ungemildert zum Ausdruck kommt, was noch Ungeschlachtes am und im Menschen ist. Ja wir gehen noch einen Schritt weiter und behaupten : Wir bekommen bei dieser Gelegenheit viel Rohes und viel Häßliches zu sehen und zu hören, das nicht in den betreffenden Jünglingen ist, dessen sie sich sonst und zu aller Zeit gründlich schämen würden. Das Beispiel Anderer, die thörichte Eitelkeit, die da wähnt nachahmen zu müssen, reißt dabei den Unerfahrenen und Unbedachtsamen mit fort. „So haben's die Rekruten voriges Jahr gemacht, die und die Lieder wurden gesungen, so und so viel Glas Bier hat der und der getrunken; wir wären keine rechten Bursche, wenn wir hinter ihnen zurückblieben! Wer am ärgsten tobt und am meisten schreit, hat das größte Ansehen." Derartiges bewegt die thörichten jungen Herzen, sonst wäre es unmöglich, daß wir Jahr für Jahr dasselbe Brüllen, dasselbe Bramarbasiren und Großhansspielen, dasselbe Fagi- ren mit den Stöcken u. dgl. erleben und trotz Schulunterricht und Singvereinen dieselben abgestandenen Liederverse hören müßten, wie etwa : „O Himmel, was hab' ich getha—ha—Han, die Liebe war schuldig daran," oder: „Seid nur lustig, seid nur fröhlich rc." Denn wollte man selbst in der früheren Praxis, wo nur auf eine geringe Anzahl das Loos des Soldatwerdens fiel, eine gewisse Entschuldigung für das laute Austoben der Freude oder der Trauer erblicken, so fällt nunmehr auch dieser Grund bei allgemeiner gleichmäßiger Vertheilung der Dienstpflicht vollstän- big weg. Wenn dem aber so ist, dann genügt ge- wiß der einfache, wohlgemeinte Hinweis auf das Unschickliche und Abgeschmackte, ja Widerliche eines solchen Gebahrens, um sofort die große Zahl der Verständigeren und Bessererzogenen zu veranlassen, die Schranken der Wohlanftändigkeit, die den Jüngling so schön kleidet und die sich recht wohl verträgt mit fröhlicher Heiterkeit, nicht zu überschreiten. Die wirklich Rohen werden sich, wenn sie sich vereinzelt sehen, dann schon auch zusammennehwen. Wir wenden uns mit Vertrauen an die betreffenden Jünglinge selbst. Zeigt durch Euer Verhalten, daß man Euch nicht für eine rohe Horde halten und darnach behandeln dürfe. Je anständiger und gemessener Euer Auftreten, mit desto mehr Schonung und Achtung wird man Euch begegnen. Bedenkt dabei auch das noch. Wir Deutschen rühmen uns mit Recht unserer Volksbildung und sehen mit Mitleid auf die Völker hin, bei denen die Jugend größtentheils heranwächst, wie das liebe Vieh. Nun stellt Euch vor, ein Franzose sehe Euch in dem altgewohnten Rekrutenaufzuge. Welchen Begriff müßte er bekommen von der Intelligenz und Gesittung der deutschen Jugend, von den Erfolgen unserer vielgerühmten Volksbildung! Wir wenden uns mit gleichem Vertrauen an die Herren Bürgermeister, die der militärpflichtigen Jugend als freundliche Berather und Führer zur Seite stehen. Man ist leicht geneigt, sich bei solchen Gelegenheiten ein Urtheil zu bilden über das Volksleben. Mögen sie, so viel an ihnen ist, dafür Sorge tragen, daß solche Urtheile keine ungünstigen seien; die Achtung vor den Volksinteressen, die sie ja in erster Linie zu wahren haben, wird dann immer mehr alle Kreise im Staate durchdringen. Wollten wir Namen nennen, so könnten wir einzelne Orte bezeichnen, deren Rekruten in den letzten Jahren sich durch ihr Benehmen merklich vor den übrigen ausgezeichnet haben; allein es dünkt uns durchaus nicht ungeeignet, für die Folge diejenigen Orte öffentlich namhaft zu machen, deren Jugend schon durch ihr äußeres Verhalten einen höheren Grad der Bildung verräth. (Hierzu eine Beilage.) Aeitage zu Ar. 59 des Kreiener Anzeigers. F e h i 1 Das Testament des Großonkels. Achtes Kapitel. (Fortsetzung) ■ Es war des Nachmittags nach drei Uhr. Harri Gratman ging in seinem Pn'vatjimmer in Greenwichstreet die Hände reibend vor innerlicher Befriedigung, auf und ab, das Lächeln des Triumphes leuchtete auf seinem Antlitz und das Bewußtsein des Erfolges sprach aus allen seinen Zügen. Seine Augen richteten sich zuweilen auf die über dem Kamin hängende Wanduhr, gleich als ob er Jemanden erwarte, er sah durch's Fenster, ob nicht der bekannte Wagen unten vor dem Hause halten werde, dann trat er wieder an seinen Schreibtisch und ließ seine Blicke noch einmal über einen Brief hinschweifen, welcher die bekannten Schriftzüge seiner Mutter trug. „Also sie willigt ein," sagte Harri zu sich selbst, „es wird ihr bei Gott schwer genug geworden sein. Sie schreibt, sie werde selbst diesem Briefe sogleich folgen, ich darf sie also von morgen an zurückerwarten. Sie giebt in Allem nach, ich soll ihr die ganze Angelegenheit mit Maria allein überlassen, sie will ohne den gelingst'» Eclat das ganze Berhältniß aufheben, doch will sie vorher noch, und zwar sogleich nach ihrer Ankunft, eine Zusammenkunft mit Beerenborg haben, suchen wir uns daher vor Allem dieses alten Schurken zu versichern." In diesem Augenblicke fuhr die Equipage des Advokaten vor und gleich darauf trat dieser in Harri'» Zimmer. Nach Auswechslung der gewöhnlichen Begrüßungen begann Harri in etwas gereiztem Tone: „Ich hätte wahrlich geglaubt, Herr Rath, daß man hier für sein Geld etwas b.ffer bedient werden könnte, wenn man Summen dafür hinaus wirft, bloß von den Tritten und Schritten eines elenden Vagabunden unterrichtet zu sein." „Was wollen Sie damit sagen, Herr Gratman?" fragte Beerenborg. „Weiter nichts," erwiederte Harri, „als daß Ihre ganze geheime Detektive- Polizei noch keinen Schuß Pulver wcrth ist, vom Ersten bis zum Letzten. Wenn Ihr Herr Brown nicht geschickter in der Wahl seiner Subalternen ist, wie er hier gezeigt hat, so ist er selbst nicht viel besser, als diese. Bleibt der dumme Tölpel da die ganze Nacht in der Hoboken Ferry sitzen und läßt den Bogel entkommen." „Nun, wir haben ihn doch schon längst wieder !" „Tank meiner!" erwiederte Harri, „sonst würden Ihre Spürhunde noch bis nächste Ostern suchen. Doch wir werden jetzt sehen, wer am sichersten zum Ziele kommt, Sie mit aller Ihrer Advokatenweisheit und Brown's, oder ich allein mit meinem gesunden Menschenverstände." „Ich gebe zu, Herr Gratman, daß Sie ein besonderes Geschick in der Verfolgung solcher Angelegenheiten beweisen, doch Sie würden mich verpflichten, wenn Sie mir jetzt den Zweck miltheilen wollten, um den Sie mich haben rufen lassen, denn meine Zeit ist immer gemessen." „Ich habe hier Briefe aus Saratoga von meiner Mutter, die vielleicht morgen oder übermorgen hier sein wird, um eine für mich sehr wichtige Angelegenheit mit Ihnen zu berathen. Ich weiß, wie werthvoll Ihr Rath ist, wie entscheidend derselbe auf meine Mutter einwirkt; da es jedoch möglich wäre, daß Sie in dieser Angelegenheit einen falschen Weg einschlagen könnten, so habe ich es für gut befunden, Ihnen vorher einige leise Winke zu geben." „Und die wären, Herr Gratman?" „Sie glauben vielleicht, werthester Herr Rath, daß meine Mutter die einzige Erbin des groß'» Vermögens meines Großonkels ist, denn wenn derselbe ein Testament hinterlassen haben würde, so müßten Sie natürlich darum wissen, da Sie ja seit dem samosen Prozeß mit Mamas Schwager der gerichtliche Beichtvater der Familie geword.n sind. Sie halten also meine Mutter für die einzige Erbin des alten Drydeck, nicht wahr, thun Sie nicht?" „Allerdings, Herr Gratman, denn der alte Herr ist untestirt verblichen." „Sehen Sie, ich wollte Ihnen auseinandersetzen, daß Sie sich in diesem Punkte ganz gewaltig irren. Wollen Sie gefälligst die Güte haben und einen Blick in diese Documente werfen?" Und Harri nahm einige Papiere von seinem Schreibtische, die er dem Advokaten hinreichie, welcher dieselben mit der ungetheiltesten Aufmerksamkeit durchzulesen begann. Harri war aufgestanden und sich die Hände mit verdoppelter Stärke reibend, ging er schnell im Zimmer auf und ab. Endlich blieb er vor Beerenborg stehen. „Was sagen Sie dazu, Herr Rath? ' fragte er. „Daß das Schenkungsacten in der besten Form Rechtens sind. Ich gra- tulire zu diesem Meistercoup von Herzen. Weiß Ihre Mutter von diesen Do- cumenten?" „Gott bewahre, werthester Herr, die kindliche Pietät hat mich abgehaltcn, ihr davon Mittheilung zu machen; ich habe cs voigezogen, sie in dem süßen Glauben zu lassen, daß sie die unbeschränkte Eigenthümerin des Ganzen sei, und sie mag auch in dem Glauben bleiben, so lange sie mir selbst keine Veranlassung giebt, ihr denselben zu benehmen, zu welcher Nichtvcranlassung Sie natürlich sehr viel mit beitragen können." „Ich?" fragte Beerenborg, „und inwiefern?" „Daß gesetzt den Fall," antwortete Harri, „schon morgen Umstände auf meine Mutter einwirken könnten, die ihr eine Versöhnung mit meinem Bruder als wünschenswerth erscheinen lassen möchten, Sie natürlich Alles thun werden, was in Ihren Kräften steht, um dieselbe zu Hintertreiben, denn Sie sehen, lieber Herr Rath, daß ich mich bei Zeiten gedeckt habe, und daß ich mich um etwaige Enterbungsgelüste meiner Mutter nicht einen Deut schecren würde. Sie weiden also ferner einsehen, daß es auch in Ihrem eigenen Interesse ist, wenn Sie mir in jeder Beziehung das Wort reden." „Meisterhaft, Herr Gratman, meisterhaft, in Wahrheit, solche Coups bewundere ich. Doch da wir allein hier sind, würden Sie mir rie Unbescheiden- ihet verzeihen, wenn ich Sie frage, wie es Ihnen möglich wurde — —" „Diese Documente zu erlangen?" ergänzte Harri; „ach, mein lieber Herr Rath, wer will denn gleich auch an Böses denken? Cs giebt hier nur zwei Möglichkeiten: Entweder hat der Alte, der in mich das unbegrenzteste Vertrauen l e t o n. setzte und deßhalb Alles unterschrieb, was ich ihm vorlegte, ohne es zu lesen, auch diese Documente unterschrieben, ohne roß er wußte, was er unterschrieb, — oder er hat wirklich die Absicht gehabt, mich, seine rechte Hand, schon bei seinen Lebzelten sicher zu stellen und deßhalb diese Schenkungs-Urkunde bei vollem Bewußtsein ausgestellt. Jetzt haben Sie die Wahl, werther Herr, nehmen Sie an, was Sie wollen." „Ich verstehe," sagte Beerenborg, „ich verstehe; es ist ein unübertrefflicher Meisterstreich." „Der Ihnen den Beweis liefern wird," fuhr Harri fort, „daß Sie doch noch nicht um alle Geheimnisse dieses Hauscs^wußten. Ich werde auch RanziuS noch heute von diesen Papieren in Kenntniß setzen, damit er den etwaigen Verkaufsgelüsten meiner Frau Mutter einen Riegel vorschiebe. Und jetzt lassen Sie uns wieder zu unfern gemeinsamen Feinde zurückkehren. Wir wissen, daß er drüben auf dem Berge unter dem Bauernvolke wohnt. Sie werden doch schon erfahren haben, daß er heute Morgen zur Stadt gegangen ist?" Was sind Ihre Absichten und Pläne?" „Ich habe mir die Sache nach allen Seiten hin betrachtet und Überlegt, und glaube, wir werden uns leider entschließen müssen, ihn zu einem Vergleiche zu bewegen. Ihre Mutter wird sich entschließen müssen, noch einmal ein Opfer zu bringen, wodurch wir ihn vielleicht für immer von hier los werden." „Ich bin derselben Ansicht, lieber Herr, ich möchte ihn auch für immer los werden, doch ohne ein Opfer zu bringen, verfolgen Sie also Ihren Plan, wie ich den meinigen verfolge, wir werden dann seh'», wer zuerst von uns zum Ziele gelangt." „Und worin besteht Ihr Plan, Herr Gratman?" fragte Beerenborg. „Ich habe stets die Mittel für die wirksamsten gehalten," antwortete Harri, „welche man ohne Mitwissenschaft anwendet, lieber Herr Rath, und da Ihre Zeit so sehr gemessen ist, will ich dieselbe für heute nicht mehr in Anspruch nehmen. Sollte irgend etwas von Wichtigkeit vorfallen, so machen wir uns gegenseitig sofortige Mittheilung." „Beerenborg nahm Abschied, und als er die Treppen hinunterstieg, murmelte er vor sich hin: „Wie schade, daß dieser junge Mann nicht Advokat geworden ist." Kaum hatte Beerenborg das Zimmer verlassen, so entledigte sich Harri seiner goldenen Uhr, einer diamantenen Busennadel und eines werthvollen Ringes, zog dann seine Börse, die er mit ungefähr dreißig Dollars, theils in Papier, theils in Münze versah, und begab sich zu seinem unten wartenden Wagen, der ihn nach dem Broadway hinauf nach der Ecke der Pearlstr. brachte. Hier stieg er aus, und während der Wagen wartend zurückblieb, ging er rasch die Straße hinab, bis er vor einem hohen, düstern, alten Backsteinhause stehen blieb, das scheinbar unbewohnt war, dessen Thür sich ihm jedoch auf sein Klingeln und kurze Zeit darauf auf ein besonderes Zeichen durch Anklopsen öffnete. Harri trat ein und stand einem etwa siebenzehnjährigen Mädchen mit brennend herausfordernden Blicken gegenüber, die ihn sogleich mit den Worten an- rcdete: „ Entra ella, Signore, buona sdra, stäta sdmpre bene ?K „Gratia, Anita!“ antwortete Harri, „bellissima amica, dove d il tuo fratello ?“ „En la camara sua,“ erwiederte sie, „vuol ella venire mdco ?“ Und sie schloß die Thüre, eilte voran zur Treppe, dieselbe mit der Leichtigkeit einer Gazelle erklimmend, so daß Harri ihr kaum folgen konnte. Oben angelangt öffnete sie eine Saalthüre, und ohne selbst einzutreten, gab sie Harri ein Zeichen, welcher demselben sofort Folge leistete. Auf einem Art Ruhebett lag ein Mann von großer Gestalt und den kräftigsten Körperdimensionen, der sieh in seinem dolce far niente sehr wohl zu fühlen schien und mit Der größten Seelenruhe den Tabaksdampf seiner Pfeife in bald größeren, bald kleineren Ringen zur Stubendecke emporsandte. Bei Harri'S Eintritt hob er das Haupt empor, und als er den Eintretenden erkannt hatte, stützte er sich auf den Ellenbogen und brachte sich in eine sitzende Lage. „Was giebt'S Neues, seit heute morgen, Tomasio?" fragte Harri. „Nichts Besonderes," antwortete ter Gefragte," der Mann vom Berge ist heute Morgen herüber gekommen, ist auf dem Broadway in verschiedenen Magazinen eingekehrt und hat sich endlich mit einem Herrn im Barroom de« Me- tropolitan-Hotel in ein Gespräch eingelassen, mit dem er bald darauf nach Keefe'S gegangen ist, und da sitzen sie noch. Doch Carlo ist auf der Wacht und hat seinen Jungen bei sich, sobald sie von dort wieder sich entfernen, bekomme ich neue Nachricht. Ew. Gnaden scheinen viel Interesse an diesem Manne zu nehmen." sagte der Italiener. „Er ist mein Todfeind, Tomasio, mein bitterster Todfeind, und ich muß mich sehr vor ihm in Acht nehmen, denn er führt Böses gegen mich im Schilde. Deßhalb, Tomasio verdopple Deine Wachsamkeit, und lasse ihn nie außer Augen, hier hast Du zuerst zehn Dollar für Dich, und hier sind noch zehn andere für Deine Gehülfen, ich weiß Du mußt sie bezahlen, hier nimm, mein Freund, Du siehst, ich beschwere mich nicht gern mit vielem Gelde, doch das nächste Mal, wenn ich wieder komme, werde ich Dir das Doppelte geben, wenn ich mit Dir zufrieden bin." „Vielen Dank, Ew. Gnaden können sich fest darauf verlassen, daß jener Mann auch keine Minute unbeobachtet bleiben soll, und sollte er irgend Etwas unternehmen wollen, dann wehe ihm!" „Jener Mann, Tomasio, ist schlau und sehr zu fürchten," antwortete Harri und begann, die Hände auf dem Rücken faltend im Zimmer auf- und abzugehen, während Tomasio, dessen Augen von Befriedigung über den so leicht erworbenen Schatz funkelten, die Banknoten zahlte und wieder zahlte und mit einer schlecht zu verfehlenden inneren Freude immer wieder und wieder durch die Finger gleiten ließ. Harri neigte das Haupt zur Erde und der Gegenwart Tomasio's gleichsam gar nicht mehr achtend, begann er mit sich selbst zu reden: (Fortsetzung folgt.) Politische N n n - s ch er n Gießen, den 17. Mai. (Sitzung des Gc- meinteraths vom 14. Mai.) Der Gemeinde« rath beschließt, den Nachtwachendienst unter den vorliegenden Verhältnissen bei seiner seitherigen Einrichtung vorläufig belassen zu wollen. Die Frage ter Berechtigung des Staats zur Erhebung von 10 pCl. der Waagegebühr wird bas rechtskundige Mitglied des Gemeinderaths einer Prüfung unterwerfen und in nächster Sitzung darüber Bericht erstatten. Der Gemeinderath erklärt sich in Betreff der II. Classe der Stadtknabenschule bereit» unter den vorliegenden Umständen den DicariatSgehalt von 400 fl. vorerst noch fortbezahlen zu lassen. — Auf die Eingabe des Dr. König» uno Christian Haubach vom Heutigen beschloß der Gemeinberath gegen die Verfügung des Großh. Kreisamts, welche seine Bestimmung der Baulinie anchebe, mündliche Vorstellung zu machen, und nach der ertheilt werdenden Antwort weitere Schritte zu thun. Bei dem äußerst ungünstigen Ausfall der Versteigerung für die Arbeit Der Umpflügung des neuen Theiles des Exerzierplatzes ermächtigt der Gemeinderath den Großh. Bürgermeister, solche nach seinem Ermessen im Einzel-Taglohn ausführen zu lassen. Dem Kaufmann Labroiffe soll gestattet werden, einen Abweiser zu setzen uno den stäDtischen Canal auf etwa 10' zu bedecken, jedoch nur nach der Anweisung, die ihm von der Bürgermeisterei ertheilt wird, und gegen Ausstellung des geeigneten Reverses. Die übrigen Beschlüsse betreffen persönliche Angelegenheiten. K Gießen. Am 16. d. M. starb in Darmstadt der Candidat der Theologie unv Vorsteher des rühmlichst bekannten Hofmann'schen Instituts, Emil Davidsohn. Den Bewohnern unserer Stadt ist derselbe bekannt als zeitweiliger Lehrer an der I. Classe der höheren Töchterschule, sowie an der hiesigen Privat Mädchenschule. Der gediegene Charakter, der feine, stets in einnehmendster Weise auf's Ideale gerichtete Sinn, die schönen Erziehungsresultate des Entschlafenen sichern ihm namentlich im Kreise seiner früheren Schülerinnen beider Anstalten, der öffentlichen und privaten, ein bleibendes Andenken. Ihnen besonders sei diese Anzeige gewidmet. Berlin, 9. Mai. Von dem Vorsitzenden des Bunvesrathes ist heute Morgen der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Besteuerung des Tabaks, nebst den Motiven dem Zollparlament zur Beschlußnahme vorgelegt worden. Der Präsident schlägt vor, die 14 Paragraphen, aus denen der Entwurf besteht, verlesen zu lassen und alsdann über die geschäftliche Behandlung des Entwurfs zu beschließen. Er schlägt vor, denselben einer Commission von 14 Mitgliedern zu überweisen. Präsivent des Bundeskanzleramts Delbrück. Insofern eS für die Beschlußnahme der geschäftlichen Behandlung der Vorlage über die Tabaksbesteuerung von Interesse ist, nehme ich keinen Anstand zu bemerken, daß morgen, spätestens übermorgen, eine Vorlage, betreffend die Revision des Zolltarifs, dem Zollparlamente zugehen wird. Abg. Twesten. Die Verhandlung über die ge- schäftliche Behandlung der eben in Aussicht gestellten Vorlage könne unmöglich getrennt werden von der geschäftlichen Behandlung über Die Tabaksvorlage. Er beantrage, jeve Beschlußnahme über Die heute eingegangene Vorlage so lange auszusetzen, bis nicht nur diese, sonvern auch Die heute in Aussicht gestellte gedruckt in Den Händen der Mitglieder seien. Das Haus entscheiDet sich mit großer Majorität für den Antrag des Abg. Twesten, den Druck der Vorlage zunächst abzuwarten. Es wurde darauf die Generaldiscussion über den Handelsvertrag mit Oesterreich eröffnet und derselbe mit 246 gegen 17 Stimmen angenommen. Berlin, 12. Mai. (Zollparlament.) Gegenstand Der Beschlußfassung in der heutigen Sitzung des Zollparlaments ist die geschäftliche Behandlung 1) des Gesetzentwurfs, die Besteuerung des Tabaks betreffend; 2) Des Gesetzentwurfs, betreffend die Ab- änDerung Des Vereinszolltariss vom 1. Juli 1865. Der PräsiDent schlägt, nach den Erfahrungen der letzten Tage, für beide Vorlagen die Vorberathung im Plenum vor, und er bemerkt, daß er, wenn das Haus zustimme, mit der Vorlage ad 2 beginnen werde. Abg. Hagen wünscht Die Ueberweisung beider Vorlagen an eine zu wählende besondere Commission von 21 Mitgliedern. Dem ZollbundeSrath solle die Befugniß zu Steuerremissionen ertheilt werden, die sonst nur durch ein Gesetz hätten bewilligt wer- den können; außerdem solle der Nation eine Mehrbelastung von 2 Millionen auferlegt werden. Da sei um so mehr eine gründliche Vorberathung nöthig, als auch das Budget Des norddeutschen Bundes noch nicht vorgelegt fei. Abg. Aegidi schließt sich dem Vorschläge des PräsiDenten an, doch wünscht er, daß die Vorlage wegen der Tabaksteuer zuerst zur Bera- thung gestellt werde und die Schlußabstimmungen über beide Vorlagen zuletzt zusammen vorgenommen werde. Abg. Krieger schließt sich in Allem dem Präsidenten an. Abg. v. Mo hl will zuerst die Vorlage wegen der Tabakssteuer zur Berathung ge- stellt, dieselbe dann aber auch sofort durch Abstimmung erledigt wissen. Abg. Twesten schließt sich einfach dem Vorschläge des Präsidenten an. Den Gegnern der Erhöhung der Tabakssteuer werde dadurch in keiner Weise präjudicirt. Er selbst müsse gestehen, daß er nochmals eine Steuervorlage so motiviren gesehen habe, wie diese Vorlage motivirt sei. Diese Motivirung heiße nichts Anderes, als daß die Regierungen in der Lage seien — mehr Geld gebrauchen zu können. Aber eben weil dem so, dürfe die Tabakssteuer auch nicht zuerst, sondern erst zuletzt an die Reihe kommen. Abg. Waldeck schließt sich dem Abg. Hagen an. Es handle sich um die Einführung von zwei neuen Steuern, um Vie Einführung der Petroleumsteuer und um die Erhöhung Der Tabakssteuer. Da könne man nicht gründlich genug zu Werke gehen. Abg. v. Hennig schließt sich dem Präsioent-n an. Nachdem man den österreichischen Handelsvertrag einmal durch Vorberathung erledigt habe, Dürfe man für die geschäftliche Behandlung der gegenwärtigen beiden Vorlagen keine andere Form wählen. Abg. Dr. Schäffle schließt sich ebenfalls den Vorschlägen des Präsidenten an, doch wünscht er, daß die Tabakssteuer zuerst zur Berathung gestellt werde. Abg. v. Vincke erklärt sich entschieden gegen die Wahl einer Commission. Gerade die Wichtigkeit der Vorlagen erfordere die Behandlung der Sache im vollen Lichte der Oeffentlichkeit. In Der Reihenfolge gebühre der Tarifreform die Priorität, weil zuerst Die Minderausgaben seftgestellt fein müßten, bevor von der Beschaffung der Deckung die Rede sein könne. Mit Rücksicht auf die süvDeutschen Abgeordneten wünsche er aber, baß der Tabakssteuer in der Rei- henfolge der Behandlung die Priorität eingeräumt werde. Abg. Dr. v. Schweizer schließt sich dem letztem Wunsche an. Abg. v. Neurath: Die SüvDeutschen wünschten dringend, daß die Vorlage wegen der Tabakssteuer zuerst zur Verhandlung gestellt werde. Abg. Bamberger: Man solle doch nicht ewig unterscheiden zwischen südveutschen und norddeutschen Abgeordneten; im Parlamente säßen nur deutsche Abgeorvneten. Der Antrag Hagen wird abgelehnt und der Vorschlag des Präsidenten angenommen. In Bezug auf die Frage der Priorität beschließt das Haue, daß die Vorlage wegen der Tabakssteuer zuerst zur Verhandlung kommen soll. Der Präsivent bemerkt hierauf noch, vaß die Vorberathung im ganzen Hause am Freitag beginnen soll und schließt dann die Sitzung. Berlin, !5.Mai. (Zollparlament). Tages- orvnung: Vorberathung über Die Tabakssteucrvorlage. Es werden Abänderungsanträge von Runge, Hagen, Krieger, Fabricius, Twesten und Schleiven eingebracht. Zur Generalvebattc haben sich 35 Revner gegen die Vorlage gemelvet. Gumbrecht erklärt sich für Die Vorlage und sagt, die Erhöhung einer Pro- ductionssteuer vermindere den kolossalen Tabakschutzzoll. Der Entwurf sei ein Compromrß der Regierungen, dem man nicht schroff entgegentreten solle. Er gibt den directen Steuern den Vorzug. Der Tabak sei Das beste Object zu birecter Besteuerung, weil er bis jetzt in Deutschland geringer als in Eng- land und Frankreich besteuert sei. Weber spricht gegen die Vorlage und bemerkt, der Gesetzentwurf erhöhe den Schutzzoll, statt ihn zu vermindern. Metz spricht gegen die Vorlage. Die Steuer ohne Rücksicht der Qualität des Tabaks bevrücke nur den ärmeren Mann. Sie sei unklug, weil sie einen ohnehin schon bevrängten Theil Deutschlands belaste. Die Annahme wäre ein moralischer Nachtheil, welcher nicht durch Millionen gut zu machen wäre. Wedemeyer spricht für Die Vorlage, indem Dieselbe einen Artikel besteuern wolle, welcher nur ein Luxus und eine schädliche Gewohnheit sei. Twesten motivirt sein Amendement. Der Bunvescommissär Michaelis führt aus, Die Steuerverträge und die Zollerträge müßten Schritt halten mit der Entwickelung der Bevölkerung. Die Tarifsermäßigungen betrügen schon fünf Millionen. Von allen besteuerungsfähigen Gegenständen sei der Tabak am wenigsten besteuert. Schloer spricht für die Vorlage. Bebel spricht gegen die Tabakssteuervorlage. Bei Errichtung des Nordbunves habe man eine Verminderung Der Lasten in Aussicht gestellt und nun bringe man den Süddeutschen als Morgengabe eine Mehrbelastung. Schleiden spricht für, Cramer gegen die Vorlage, worauf der Schluß der Generaldebatte und der Sitzung stattfindet. — Die Mehrheit der nationalen Fraktion des Zollparlamens hat Tweften's Antrag angenommen, wonach die Tabakssteuer pro Morgen 6 Thlr. anstatt der von der Regierung vorgeschlagenen 12 Thlr. betragen soll, und beschloß, bei einer geforderten Zollerhöhung von 4 bis 6 Thlr. für den Centner fremden Tabaks, abzulehnen. Berlin, 16. Mai. (Zollparlament.) Bei der Specialdebatte über die Tabakssteuervorlage stellt Luxburg den Antrag, tie Verjährungsfrist für Strafen auf zwei Jahre anstatt fünf Jahre zu fixiren. Der Regierungscommissär Scheele bekämpft Die Resolution Schleiden's, welcher die Vorlage eines anderweitigen Tabakssteuergesetzes verlangt, sowie Die Vorlage des Entwurfs eines neuen Vereinszolltarifs bei dem nächsten Zusammentritt des Zollparlamentes. Der Regierungscommissär sagt, ein anderweitiges Steuersystem sei unthunlich. Die Befürchtung, vaß das jetzige System ein Monopol hecheiführe, sei unbegründet. Es sei jetzt nur die Aufgabe, das richtige Verhältniß zwischen Der Besteuerung des inländischen und dem Zoll des ausländischen Tabaks zu finden. Vincke (Olbendorf) spricht für die Vor- läge, Bissing gegen dieselbe, besonders mit Hinweis auf Baden, das 40,000 Morgen Tabak jährlich bebaue uno Dem mit Annahme der Vorlage eine große Benachtheiligung drohe. Es fei bedauerlich, daß die badische Regierung selbst nicht gegen jede Tabakssteuer aufgetreten sei. Der badische Regierungscommissär vertheidigt die badische Regierung. Meyer aus Bremen spricht gegen die Vorlage. Die Steuer treffe den Consum und sei nur nominell eine Pro- ductionssteuer. Der Schritt fei zu plötzlich. Die Wertbverhältnisse seien anders geartet, als die Regierungsvorlage sie schilverc. Bei der Abstimmung wird das Amendement Schleiven, welches Den Ein- gangszoll auf unbearbeitete Tabaksblätter, unter Aus- schluß Der Tabakssiengcl, beschränkt, abgelehnt. Der Antrag Stumm's auf einzelne Herabsetzungen wirv mit 259 gegen 31 Stimmen abgelehnt. Der Antrag Twcsten's, welcher den Eingangszoll in Wegfall zu bringen vorschlägt, wird mit 167 gegen 131 Stimmen angenommen. Der Antrag Des Grafen Solms-Laubach, welcher für alle Flächen unter drei Quadratruihen Steuerfreiheit verlangt, wird angenommen. — Der Kronprinz erschien während Der Abstimmung über Twcsten's Antrag in Der Hosioge. Wien, 13. Mai. Am 22. d. M. wirv Der Kai- (er nach Prag abreisen unD auf dieser Reise von Dem Minister-Präsidenten Fürsten Auersperg und von Dem Minister des Innern Dr. Giskra begleitet fein. Es ivtrD bei dieser Gelegenheit der Versuch gemacht werden, um die Czechenführer zu veran- lassen, aus ihrer ziellosen Opposition herauszutreten U'v Die neue staatsrechtliche Form anzuerkennen. Der böhmische Landtag wird einberufen und den Czechcn- siihrern Gelegenheit geboten, in legaler Weise einzulenken. Wichtige materielle Zugeständnisse, welche dem Lande neue Quellen des Wohlstandes eröffnen werden, stehen unmittelbar bevor, unD der Kaiser persönlich nimmt Vas Bermiillungswerk in Die Hände. Verharren Die Czechenführer allem dem gegeüber auf Dem Standpunkte D r Negation, erscheinen sie auf dem Landtage nicht, dann ist Vie Regierung ent« schloffen, sofort Die directen Wahlen zum Reichsrath auszuschreiben, die, wie man zu hoffen berechtigt ist, jedenfalls ein befrievigendes Resultat liefern werden. Die Opposition, wie sie gegenwärtig in dem czechi« schen Theile Böhmens besteht, ist zum größten Theile eine künstlich gemachte, das hat sich neuestens aus Anlaß der von Prag aus arrangirten Steuerprotefte deutlich genug herausgestellt, und es ist kein Zweifel, daß das Volk, wenn es über Vie Tendenzen der Prager Clique aufgeklärt wirv, von jener Politik ter Verzweiflung nichts wird wissen wollen, welche die Führer, deren Tendenz dahin geht, jeden Anlaß zur Verhetzung des Volkes zu benutzen, um dasselbe nie zur Ruhe und besonnenen Ueberlegung gelangen zu lassen, befolgen. Kopenhagen, 15. Mai. Es wird versichert, daß die Verlobung des Kronprinzen von Dänemark mit der Prinzessin Louise von Schweden nunmehr entschieden fei. Der Kronprinz wird sich nach seiner Rückkehr hierher zur Verlobungsfeier nach Stockholm begeben. Die Vermählung wird im nächsten Jahre stattfinden. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr- Pietsch) in Gießen.