Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich vrei- mal: Dienstags, Donner stagS und Samstags. — Expedition: Canzlriberg Ltt. B. Nr. 1. Anzeige- und Anrtsölatt für den Kreis Kießen. Nr. 71. Donnerstag den 18. Juni 1S6S. Brodpreise: 4 Pfund gemischtes Brod 20 fr. 4 Pfund Roggenbrod 17 fr. Einladung zum Abonnement. Mit dem 1 Juli beginnt ein neues ^jähriges ^Abonnement auf den Gietzener Anzeiger. Derselbe erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Samstags, und kostet in Gießen vierteljährlich 36 Kreuzer frei iiffs Haus geliefert. — Für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren können, beträgt der ^jährige Abonm'mentspreis 81 Kreuzer incl. Postaufschlags. Der „Anzeiger" wird auch wie seither, außer den Anzeigen, eine gedrängte Uebersicht der wiffens- werthesteu Tagesbegebenheiten bringen, ferner seine besondere Aufmerksamkeit den localen, provinziellen und Landesinterefsen widmen und in einem Feuilleton interessante und spannende Novellen, Miscellen und Aufsätze von allgemeinem Interesse seinen Lesern darbieten. Da nur durch eine starke Betheiligung am Abonnement die Möglichkeit gegeben ist, dem Glatte die Ausdehnung zu geben, welche der manchmal vorliegende Stoff nöthig macht, so verbinden wir hiermit die Gitte, sich recht zahlreich beim Abonnement betheiligen zu wollen. Wb Die auswärtigen Abonnenten machen wir darauf aufmerksam, daß nur dann vollzählige Nummern des Blattes geliefert werden können, wenn sie fchon jetzt bei der Poft ihr Abonnement erneuern. Den Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im m. Quartal 1868 zusenden und den Abonnementbetrag wie seither durch Quittung erheben lassen. Die Expedition des Gießener Anzeigers. Amtliche B e k er n n t m a ch u n g e n. Oeffentliche Bekanntmachung, betreffend die Portofteiheit für Geldsendungen an den Jnvaliden-UnLersttttzungs-Verein. Durch Verfügung des Kanzlers des Norddeutschen Bundes ist für Geldbeiträge, welche von Privatpersonen an den unterzeichnete Vereins-Vorstand resp. dessen Rechner, Großh. Haupt-Stempelverwaltungs-Buchhalter Seip dahier, oder an unsere Zweigvereine, oder an unsere Bevollmächtigten gesandt werden, die Portofreiheit innerhalb des Großherzogthnms bewilligt worden. Diese Sendungen müssen jedoch mit dem Vermerk „Beiträge für den Invalid en-Unterstützungs-Verein" versehen sein. Indem wir dies zur öffentlichen Kenntniß bringen, ersuchen wir alle Betheiligien bei Geldsendungen an uns gefälligst hiernach verfahren zu wollen, und bitten zugleich, uns solche, soweit als reglementmäßig zulässig, im Wege des Postanweisungsverfahrens zu übermitteln. Darmstadt, den 7. Mai 1868. Der Vorstand des Invaliden-Unterstützungs-Vereins. Der Vorsitzende: Der Schriftführer: Hahn. A. Weber. Besondere Bekanntmachung. Oeffentliche Aufforderung. 4297) Johann Michael Plank, Sohn des Johann Ernst Plank, zu Frankfurt a. M- am 3. Mai 1794 geboren und seit 43 Jahren unbekannt wo? abwesend, wird hiermit aufgefordert, binnen drei Monaten, von heute an gerechnet, sich zur Entgegennahme des ihm aus dem Nachlasse seines am 28. Juni 1814 dahier verstorbenen Großvaters zugesallenen, seither curatorisch verwalteten und gegenwärtig 600 fl. betragenden Vermögens zu melden, widrigenfalls angenommen wird, er sei mit Zurücklegung des 70. Lebensjahrs gestorben. Binnen derselben Frist haben sodann seine etwaigen Leibeserben, sowie alle diejenigen, welche Erbansprüche an jenes Vermögen bilden wollen, insbesondere folgende Seitenverwandte, deren Aufenthaltsort unbekannt ist, nämlich: 1) Friedrich Wilhelm Zinser, Sohn des JohannMelchiorZinser und der Justine Katharine, geborenen Plank, 2) Antoinette Amalie Sch anternell, verehelicht an Weinhändler Wilhelm Karl Georg Koch, Tochter des G ott- lieb Schantcrnell, solche dahier bei Meidung der Nichtberücksichtigung geltend zu machen. Gießen, den 23. April 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl. Versteigerungen. 4298) Freitag den 19. Juni, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhansc 24 Damenmäntel gegen gleich baare Zahlunx versteigert werden. Gießen, den 16. Juni 1868. In Auftrag: __________Weidig, Ortsgerichtsmann. Die Vergebung von Arbeiten zur Herstellung der Brunnen im Stadtwalde. 4259) Vorbemerkte Arbeiten, welche zu circa 35 fl. veranschlagt sind, und unter welchen die Anfuhr von einem Wagen Steinen begriffen ist, sollen Montag den 22. Juni 1868 auf hiesigem Rathhause an den Wenigst- fordernden vergeben werden. Gießen, den 15. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Giegen _________ Vogt- ________ 4294) Das zur Stierhof-Concursmasse gehörige Leder, sowie eine Preßmaschine mit 43 Messern und circa 500 Paar Herren-, Damen- und Kinder-Stiesel und Schuhe jeder Art und Größe, sollen 10-paarweise am 22. Juni und an den folgenden Tagen, von Nachmittags 2 Uhr an, in der Wohnung des Schlossers, Herrn Schneider dahier, Weidenhausen Nr-706, gegen baare Zahlung versteigert werden. Marburg, am 8. Juni 1868. Zeiß, ___________________Massccuratur. HeuqraS-Versteigerung. 4292) Freitag den 19. Juni l. I., von Morgens 9 Uhr an, soll das Heugras von den hiesigen Gememde- wiesen an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Der Anfang ist um die bestimmte Stunde zu Erbach bei der Häuser Mühle. Garbenteich, am 11. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Garbenteich. Hinterländer, Beigeordneter. Für Glockengießer. 4301) Nächsten Samstag, den 20. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, soll das Umschmelzcn einer Glocke, veranschlagt zu 39 fl. 7 fr-, auf hiesiger Bürgermeisterei öffentlich in Accord gegeben werden- Hattenrod, am 16. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. I. A.: K- Schön, Bezirksbauaufsehcr. Heugrasversteigerung. 4260) Freitag den 19. Juni soll das diesjährige der hiesigen Gemeinde gehörige Heugras "versteigert werden. Die Versteigerung beginnt des Morgens um 9 Uhr auf dem hiesigen Rathhaus, und wird bei vorschriftsmäßiger Bürgschaft Zahlungsfrist bis Michaeli d. I. gestattet- Königsberg, am 15. Juni 1868. Der Bürgermeister: __________________Krauskopf. Heuqras - Berfteigerunq. 4274) Dienstag den 23. d. Mts-, von Morgens 9 Uhr an, soll das Heugras von den hiesigen Gcmeinde- wiesen an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. r Der Anfang ist in der Hohlbach, nahe an der Grüuberocr Chaussee. Annerod, am 16. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod. Groß. Heugras-Versteigerung. 4289) Freitag den 19. d. Mts., des Vormittags um 10 Uhr, soll das Heugras von den hiesigen Gemeindewiesen versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort. Oppenrod , den 11. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Oppenrod. Weis. Feilgeboten.es. 4276) Ich habe fortwährend Bier aus der Heß'schen Brauerei, ständig frisch, in Zapf.____________________H. Schnell. 4278) K n ti ft Hefe von vorzüglicher Güte, pr. Maaß 44 fr., taaild’ 4281) 4300) Eierspkege! zum Untersuchen der ^ier empfehlen Flick & Kron. Jeder Zahnschmerz, ohne Unterschied, wird durch mein in allen deutschen Staaten rühmlichst bekannte? Zahn-Mundwasser binnen einer Minute sicher und schmerzlos vertrieben, was unzählige Danksagungen der höchsten Personen bekunden. E. Hückftädt in Berlin, Oranienstratze 57, am Marktplatz. Zu haben in Flaschen a 18 und 36 fr. bei (4296) Carl Frech in Gießen. fr. incl. Sack V Im Garten -es Gasthofs zum Adler 4304) Morgen den 18. Juni wird das Rheinische Wml-Kmrtett Sii 44%-45% 4306) Heute Abend: 901/2 1864r Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Lorn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund. Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. - und Mehlpreife in 9 5 9 5% National 54 5% Metall. Obi. — M. steuert. 51 % Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankenst. 4287) Für einen Waisenknaben non 8 Jahren wird eine Familie gesucht, welche dessen Verpflegung, Verköstigung, Logis und Kleidung gegen eine jährliche Vergütung von 60 fl. zu übernehmen gedenkt. Reflec- tanten belieben ihre Adresse bei der Exped. d. Bltts- abzugeben. musikalische Abendmüer Haltung. Neues Verloosungsblatt. 4270) Ziehungslisten und Börsenzeitung von A- Dann in Stuttgart zur Selbst- conirole bei den Ziehungen, sowie als Rathgeber bei Capitalaulagen einpfehlenswerth, durch jede Buchhandlung und Poststelle a 45 kr. V-jährlich zn beziehen. befördert wöchentlich vermittelst Dampf- und Segelschiffen bei reeller und billigster Bedienung I. M. Schulhof, am Rathhaus. Durch langjährigen Aufenthalt in Amerika bin ich im Stande, jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sammtttche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. 571/2-581/2 48-50 49-51 54-56 38-40 28-29 55-59 49-51 27i/2-28t/2 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 eine musikalische Soirve in meiner Localität abhalten, wozu ergebenst einladet B. Oswald. Anfang Abends 8 Uhr. Entree ä Person 6 kr. Viehsalz ä 100 Pfund 1 fl. \ m3 w Gg. Ehr. Spruck am Markt. | Auswanderer nach Amerika 4285) Ein Lehrling kann eintreten bei Heinr. Brauburger, Lackirer. Wir beehren uns hiermit die ergebene Anzeige zu machen, dass wir neben unseren bekannten Geschäften in Frankfurt a. M. und Hamburg nun auch in Stuttgal't und Bi üssel eine Annoncen- Expedition an alle Zeitungen des In- und Auslandes unter gleicher Firma errichtet haben. Indem wir diese neuen Unternehmungen dem geneigten n ohlwollen unserer geehrten Geschäftsfreunde und eines P. T. Publikums bestens empfehlen, erlauben wir uns hinzuzufügen, dass die diesen Filialen zu ertheilenden Inseraten-Aufträge ebenso pünktlich und gewissenhaft wie in unseren Bureaux in Frankfurt ä. M. und Hamburg aus geführt werden. G. L. Daube H' Cie. Annoncen-Expeditiion. Frankfurt a. M. Hamburg. Stuttgart. Brüssel. 1 Die Lungenschwindsucht wird naturgemäß, ohne innerliche Me- dicamente geheilt. Adresse: Dr. Rottmann in Mannheim. (Gegenseitig franco.) 4302) Ein tüchtiges, solides Mädchen wird gegen hohen Lohn zu mietheu gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Pr. Cass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 Pistolen . . 9 „ doppelte 9 Ginladung. 4272) Zur Mittheiluug und Besprechung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Verbesserung des Contracten-Wesens, die Einrichtung von Kreis-Grundgüter-Kassen und andere verbesserte Einrichtung der Vorschuß- und Credit-Vereine, wird am Sonntag den 21. Juni d. I., Nachmittags 3 Uhr, zu Ehringshausen im Saale des Herrn Görg eine Versammlung abgehalten und sollen zugleich Bevollmächtigte zur Ausführung der Beschlüsse gewählt werden. Zum recht zahlreichen Erscheinen wird hiermit eingeladen. „ Durch die Einrichtung der gedachten Kaste wird es dem Capttaltsten ermöglicht, Capitalien gegen hohe Zinsen ganz sicher anzulegen und der Geldsuchende m die Lage versetzt, auf Immobilien sofort Darlehen ohne gerichtliche Hypothek und Kosten zu bekommeu. „ , „ , „ „ „ , _ Es ist die höchste Zeit, daß die Besitzer von Immobilien zur Verbesserung des Credits selbst mit Hand an's Werk legen, und auch, daß der Personal-Credit m eine andere Lage gebracht wird. f Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, für die Verbreitung dieser Einladung gefälligst behülflich sein zu wollen. Amer. 6% 1882r Bds. 77% „ 6% 1885r 76-/2 Aetleii. Frankf. Bank 124 Oester. Bank 730 „ Creditact. 200 Darmst. Bankact. 228 4268) Eine rmmöblirte Wohnung, bestehend aus zwei Zimmern und Cabinet, oder einem Zimmer und zwei Cabineten, und womöglich Parterre, wird gesucht. — Gefällige Anerbietungen beliebe man unter der Chiffre A. H. in dem Comptoir dieses Blattes abzugeben. 4283) Mehrere Abonnenten zum Mittagtisch können noch angenommen werden. L. Textor, Darmstädter Haus. 4284) Ein Hausbursche, welcher sogleich eintreten kann, wird gesucht von F. Fürst. Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 263 Ludwigsh.-Bexbach 1551/) Maxbahn 1071/4 Bayer. Ostbahn 124 Hess. Ludwigsbahn 129% 30/0 östr. Stsb.-Prior. 521/2 30/0 östr. s. Lombard. 42% 30/0 Livorneser 29% Toscaner 44% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. V ereins-Kasse — 5<>/o Elisabeth-Prior. 73% do. II. Etniss. 72% Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 54% Nassau fl. 25 b. Roth. 35% Gr. Hess. fl. 50 b. R. 146% Gr. Hess. fl. 25 b. R. 381/2 4% bayr. Präm. Anl. 101 % 40/0 badische Loose 98% Badische fl. 35 Loose 50% 1858r Prioritätsloose 138% 1860r Loose 74% empfiehlt 1 Sack ä 100 Pfund ä 4 fl. 55 1 , st 200 „ st 9 , 40 Wohmmgs -Gesuch. 4279) Eine Wohnung, bestehend aus einem oder zwei Zimmern, möblirt oder unmöblirt, und womöglich Parterre, wird sofort zu miethen gesucht. Offerten beliebe man auf dem Comptoir dieses Blattes unter der Chiffre M. D. gefälligst abzugeben. 4280) Die Gemeinde Blofeld, welche bekanntlich eine sehr reiche Gemeinde ist, sucht ein Capital von 6000 fl., ä 4 pCt-, ganz oder getheilt, aufzunehmen- Zu wenden an die Großh- Bürgermeisterei Blo- retb bei Nidda.____________________________ 4291) Ein Junge, der das Schuhmacher- qeschäft erlernen will, kann in die Lehre treten bei Carl Gutbub, Neustadt. 4303) Mitleser zur Frankfurter Zeitung gesucht in der Schloßgasse. Vermischte Anzeigen. Agenten-Gesuch. 4275) Zum Einsammelu vou getragenen Handschuhen für eine Pariser Kunstfärberei wird ein Agent gesucht. Provision jährlich einige Hundert Frcs. ohne alles Risico, dabei stark vermehrter Ladenbesüch. Nur für offene Geschäfte mit Damen-Artikeln passend. Prospeete einzusehen bei der Exped. d. Bl. 4277) Ein tüchtiger Schneider-Gehülfe findet dauernde Beschäftigung bei G- H- Ledermann, Wallthorstraße- Terrasse des Russischen Hofs. Borsennachrtehteii. 15. Juni 1868. Preuss. 4%% Obi. — Frankf. 3%% Obi. 81% Nass. 41/2% Obi. 95 Kurh. 4% Obi. 88% Hess. 4% Obi. b. Roths. 90% „ 31/2% do. do. 86 Bayer. 5% Obi. 102% „ 41/2% 1jährige 95% „ 41/2% Vsjährige 96 Wiirtemb. 4%% Öbl. 94% Baden 4%% Obi. c. E.L. 94 Oestr. 5% b. R. 62 % Vermiethungen. 4299) Zwei schön möblirte Zimmer sind zu vermiethen und den 1. September beziehbar Canzleiberg Lit- B. Nr. 67. 4267) Kircheuplatz Nr. 23 im 3. Stock ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 4264) Ein kleines Logis ist zu vermie- theu bei M- Weißbäcker, Löwengasse. 4261) In dem Hause des Herrn Ferd- Windecker auf dem Kreuz ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 4234) Auf dem Neuenweg, Lit- ®- Nr. 195, ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen und sogleich beziehbar.____________________________ 4273) Ein Zimmer mit Cabinet und ein einzelnes Zimmer, beide möblirt, sind für nächstes Semester zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts-_____________________ 4271) Im zweiten Stock meines Hauses ist ein Logis, bestehend aus 4 Zimmern nebst Zugehör, zu vermiethen. __L. Bersch. 4286) Das von Herrn C- Pietsch (Dienstmanu - Institut) seither bewohnte Logis ist anderweit zu vermiethen und am 11. August zu beziehen- F- Fürst. Wechsel. Amsterd. k. 8. 100% Augsb. k. 8. 100 Berlin k. 8. 105% Bremen k. 8. 98% Cöln k. 8. 105% Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119% Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 102% Disconto 3% G. Geldsorten, 4262) Eine vollständige Brauerei-Einrichtung ist nebst Localitäten zu verpachten. Näheres bei der Exped. d- Bltts- 4269) Mein in der Wallthor- strasse gelegenes Wohnhaus mit Ladeneinrichtung bin ich Willens zu verkaufen. Wilh. Nagel. 4307) Zwei sehr geräumige, rentable Wohnhäuser, wovon eines an der Hauptstraße gelegen und mit einem schönen Laden versehen, das andere ebenfalls sehr gut gelegen, zur Ladeneinrichtung geeignet und mit Hausgarteu versehen ist, stehen unter günstigen Bedingungen preiswürdig zu verlausen. Näheres bei der Exped- d- Bltts- Fnr Gartenbentzer. 4265) Lahn-sand wird wagenweise auf Bestellung gefahren von I. Braun, Reichensand. 4263) Ein Junge, der das Schmiede- geschäft erlernen will, kann in die Lehre treten. Bei wem? sagt die Exped- d. Bltts- 4266) Ein gesundes junges Mädchen sucht eine Stelle als Schenkamme- Zu erfragen bei der Exped- d- Bltts. 4282) Glace-Handschuhe werden auf's Schönste und gerüchlos gewaschen und wieder wie neu in verschiedenen Farben gefärbt bei S. Weiß (Hutlager), Agentur der Kunst-Färberei von I. Küchel zu Homburg v. d. Höhe. 4288) Weißbinder-Gesellen finden gegen hohen Lohn dauernde Beschäftigung bei Louis Petri II., Neuenweg. Bestes Brauer-Malz ist stets vonäthig bei (-1305)____________Fr. Textor, auf der Hardt. g Salinen - Kochsalz in schönster weißer trockener Waare, mit nur 2 % Wassergehalt, Fruchtmärkte. Juni Warze n. Korn Gerste. Spelz. Hafet t. Erbsen. Linsen. Wicken. Kartoffeln. Weißmehl. § ♦ Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit-- preis Auf dem Markt Mit-- preis AufUn Markt Mit-- preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit-- preis Auf dem Markt Mit.- preis » i auf- gef. verk. fl. kr. auf- 1 gef- I fl. kr. auf- eef- 1 verk. fl. kr. 1 auf- gef- verk- fl. kr- auf: gef. P fl. kr. auf: gef-1 verk. fl. kr. •p0 1 -snv | verk. fl. kr. auf: gef- । verk. fl. kr. auf. gef- 1 - । verk. fl. kr. fl. kr. fl. kr. Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz 13. 13. 13. 14. M. M. 16 i 13 — 47 11 l 8s - 154 15 14 16 15 30 52 28 M- : M- 1 s 1 M. 3 65] 4s 8 9 8 9 7 25 10 55 M. M. — — 1 Cb 1 007^ M. 14 13) 4} 22 5 6 6 6 20 40 17 M. 2 M. 2 9 30 M- 8Ji- — M. M- — — M. M- 113] 42 241 ö» 129 13i 109 11 XIV 10,56 12:40 1027 3 3 18 25 — — — —' Feuilleton. man Das mein Von kom- Die Verschwörer von 1799. Roman von de Saint-Felix. Der Unbekannte. Am Abend des zweiten Juli 1799 schwang sich auf dem Hofe eines der schönen Häuser in der Straße des Faubourg-Saint-Honorö ein Ofsizrer von D»°Pförtner, höchst erstaunt über die Ankunft dieses Herrn, der mit bar- scher Stimme von ihm das Aufmachen des Thorweges verlangt hatte, erwartete mit einer Laterne in der Hand, daß der Unbekannte ihm den Zweck seines Be- l)er Offizier war in eine grüne Uniform gekleidet. Er trug hohe Stiefeln, eine weiße Lederhose und einen Filzhut, dessen aufstehende, spitze Ränder so m,t Staub bedeckt waren, daß man kaum die Schnur und die Kokarde daran unte - schied. Die Schabracke des Pferdes war mit einer schmutzigen Golddresse besetzt ; der Mantetsack war nur klein, dagegen aber schienen dieneftgen jpd|ter lange Karabiner zu enthalten. Wir fügen hinzu, daß ein türkischer Sabel an dem ^^ke^des^Reiters^hlng^ einen Blick auf die Epauletten des Kriegers werfend, Bürger Hauptmann, dies Haus ist nichr bewohnt . . . e I fogarju Zukäufen!' wiederholte der Offizier, indem er die Kinnkette seines Pferdes loshakte und die Sattelgurte abschnallte. Und seit wann, Burger, ist es denn zu verkaufen, wenn ich fragen darf? K Der Pförtner zögerte mit der Antwort. Der Ton der Stimme des Ossi — Ach, ich begreife, fuhr der Letztere fort, während er sich unausgesetzt mit seinem Pferde beschäftigte. Dies Haus gehört vermuthlich einem Hund von Emigranten, und die Ration, weiche niemals auswandert, hat von dem Hause Bekitz aenommen. Das ist ganz in der Ordnung, Burger. Inzwischen — ^ter ist me?n Pftr7, ein Araber vom reinsten Blute, wie Ihr seht. Eure Stalle find leer, allein Eure Speicher sind vielleicht gefüllt. Fuhrt mir diesen Sause, wind in den Stall und gebt ihm einen Ehrenplatz, Streu bis an die Kniekehlen und drei Maaß Hafer. Er kommt direkt von Kairo in Egypten, über Land und Meer . . . aber, zum Teufel, was steht Ihr da wie em jbi« aus einem Felsblock? Macht schnell, Bürger, macht schnell! \ Uno fein Pferd an einer der Gebißstangen ergreifend, schritt der Offizier auf die Stallthür zu, als ob ihm das Haus seit zehn Jahren bekannt wäre. Der Pförtner folgte ihm in immer größerer Verwirrung. Die Stallthür öffnete sich unter dem Handdruck des Fremden, der, nachdem er seinen arabischen Hengste den Zügel ^genommen hatte, ihm eine Halfter überwarf und ihn vor einer der besten Krippen des Stalles festband. Dann, sich zur Rechten wendend, erstieg er kurz entschlossen eine Holztreppe und kam bald wieder mit einem enormen Strohbundel auf den Armen herab. Der Pförtner sah ihm mit Erstaunen dreimal dieselbe Operation Wiederholern Als dem Pferde das Stroh fast bis an den Bauch reichte, nahm ihm der Offizier den Sattel ab und begann, ihm jnit einem Strohwische das Kr.uz und die Flanken so geschickt wie der rüstigste Stallknecht zu reiben. — So! rief er endlich aus. Jetzt, Bürger, wollen wir diesen Aristokraten mit einer guten Wolldecke umhüllen. Eine halbe Stunde lang mag er nach Herzenslust schwitzen und schnaufen, dann werden wir die Ehre haben, ihm mit drei Maaß Hafer aufzuwarten. Jeh füge hinzu: wenn ^emeinb das Unglück hätte, diesem Pferde ohne meine Erlaubniß zu trinken zu geben, so wurde ich ihm — d. h. nicht dem Pferd, Bürger — eine Kugel durch s Gehirn tagen. Verstanden? — Ganz wohl, antwortete der Pförtner. t . — Dafür wäre also gesorgt, nahm der Offizier wieder das Wort. Denken — Ist hier Eure Stube? fragte er. Wahrhaftig, in Egypten würde djes den Taal des Divans titutircn. , . o ___ Will mein Hauptmann mir die Ehre erweisen, mir zu folgen Zimmer, welches ich ihm bestimme, liegt im oberen Stock. __ Einen Augenblick! amwortete der Offizier. Laßt uns hier essen, Lieber! Ich bin nicht vom Pferde gestiegen, um eine Treppe zu erklimmen. Toulon bis Paris habe ich nicht meine Stiefel abgelegt. __ Der arme junge Manu! sagte eine aus der Ecke des Zimmers . . • finb mk nid)t atiein? fragte brr Öffner. . — Mein Hauptmann, es ist meine Frau, antwortete der Pförtner ein toCtliSiBei tiefen Worten trat eine alte, schwarzgekleidete Frau, die sich auf einem Sie kommen also von der Armee m sich ungenirt in einen Sessel neben einem Tische geworfen, auf den ter würdige Pförtner ein. weißes Tuch breitete, und Glaser, rwei Flaschen, Teller und etwas Brod hinsetzte. * — Meine Frau ist schwachsinnig, flüsterte er, aber doch immer noch so neugierig, w Eine! Möge mein Hauptmann Geduld mit ihr haben und einen e&WN »« 3d> q». >»'! e*iw m SN» St Honorö das Essen holen im Nationalhirfch. , t , . — Olim der königliche Hirsch, nicht wahr ? lachte der Offizier. Das lehrt natürlich die Bürger Hirsche, auf ihre aristokratischen Anmaßungen zu verzichten. Lfg?ns bekenn?ich Eu'ch,'daß ich in der That vorn Wttdpret tie H.rsihe, w.e vom Geflügel die Rebhühner am meisten liebe, Ietzt, mein Bester, ^cht. Der Pförtner machte sich eiligst auf den Weg nach der Straße St. Honor^ Als sie mit dem Offizier allein geblieben war, wurde die kleine alte Frau schweigsam. Sie zündtte eine schöne, ganz neue Kerze an, welche sie au den Dsch setzte. Der Unbekannte drehte ihr den Rücken zu und ruhte sich behaglich der Länge nach in seinem Lehnstuhle aus, wie ein Mann, der ,n der That von Toulon bis Paris seine bespornten Stiesel nicht abgelegt hatte. __ Bürgerin, fragte der Offizier, nachdem er einige Minuten lang nachdenklich feine Augen geschlossen hatte, wem gehört dies Haus? - Wem? antwortete die Alte, fast in gereiztem Tone. Nun, natur ch der Frau Nation: es ist ein Nationaleigenthnm . . . wollen Sie es kaufen, fbcrr' Hauptmann? Man wird es Ihnen für 150,000 Franken überlassen, aber, wohlverstanden in harten Thalern, denn heutzutage ist das gefällige Papiergeld vor die Thüre gesetzt- Das arme Volk! vor sechs Monaten mußte es 3000 Franken für ein Pfund Kalbfleisch bezahlen. _ Paris? Das war nicht sehr theuer! und letzt? - Dank Aerrn Barras, Herrn Siches und den anderen Herren, zahlen wir ictzt nur sechszehn Sous für das Pfund — Kupfer gilt noch mehr als I Punwen Herr Offizier. Also, wollen Sie das Haus kaufen? Es ist schon, es ha"^ vergoldete Spiegelrahiuen und Parquetböden . Und hinten .st ein großer Garten, der sich bis zu den elysäischen Feldern erstreckt. Der Dffiiier senkte träumerisch das Haupt. „ — Ihr habt dem alten Herrn dieses Hauses gedient? fragte er iogernti — Nun freilich, mein Herr! Das ist doch fein Verbrechen, denke ich. — Gewiß nicht, Bürgerin. O, vor mir dürft Ihr offenherzig reden; ich habe mich niemals um Politik bekümmert. Ein Soldat kennt nur fernen X,egen. — Ich halte Sie für einen guten Menschen. Ja, mein Herr , ich habe Vertrauen zu Ihnen. Also gerade heraus, meine arme alte Herrschaft thut Nachdem er dem Pferde sreundschactlich das Maul gedrückt, und ihm mi I der Hand durch die Decke hindurch über den Widerrist und das Kreuz gefahren war, verließ der Unbekannte mit dein Säbel unter dem Arme und seinen Pistolen in den Händen den Stall. Der Pförtner hatte sich beeilt, ihm den Mantelsack zu tragen. — Bürger Offizier, sagte er zu ihm auf dem Hofe, Ihr habt ohne Zweifel ein_Qu^^ anjroortd(, tic|-er, denkt erst hieran, nachdem Ihr mein Pferd untergebracht habt? Es ist gut, Bürger Pförtner, ich werde Euch tiefen Edelmuth nicht vergessen. Ja, ja, ich habe ein ausgezeichnetes Quartierbillet auf dieses Haus. Allein, was ich sagen wollte . - - . ■ . — Mein Hauptmann kann in dem Hause selbst nicht logiren, sagte der Pförtner. Altes ist seit sieben oder acht Jahren verschlossen; kein Bett, feine Matratze befindet sich dort. Aber, wenn mein Hauptmann mit einem übrigens aani gewöhnlichen Zimmer im Vorderhause vorlieb nehmen will . . . ‘ I„ Eurer Nähe, mein Bester, antwortete der Offizier. Gewiß angenommen falber sorgt vor allen Dingen für mein Abenvbrod - - - >ch habe kannibalischen Hunger . - - ich fornme von Kairo ! r, „ . ... — Vom großen Kairo! rief der Pförtner aus, der sein Erstaunen nich mehr zu beherrschen vermochte. , , t b 8 — Vom allergrößten Kairo, das tn Egypten existirt. Aber laßt uns das Abendbrod nicht vergessen. in Und er drückte dem Pförtner einen schongepragten Sechsfianfenthaler in tie H^nd- ^ßrtier wMe ihn zurückweifen, aber schon glitt ein zweiter Thaler, wie um dem ersten Gesellschaft zu leisten, in feine Hand. „ — Dieser gilt fünf Franken, bemerkte der O'fiz^r, und tragt das Bil der Repuplik- Meiner Treu', es ist schlimm, wenn er sich mit seinem aristro r . tischen Nachbar schlägt; diese pausbäckigen Könige hatten sich wohl ttn w n g dem Decimalsystem anbequemen können. Besorgt mir das Abendessen, 8 • Der Pförtner wagte fein Wort zu erwiedern; er fürchtete ohne Zwuset, sonst einen dritten Thaler in seine Hand gleiten zu sehen , r, , Er schritt seinem Gaste voran, und Beide gelangten in ein großes, sch ch erhelltes Zimmer im Erdgeschoß, das jedoch, wie dem Offizier nicht entging, ziemlich luxuriös im Geschmacke des alten Regime mödlirt war. mir Dw Pförtnerin wischte sich eine heimliche Thräne aus dem Auge. Der Offizier blickte vE°hlm zu ihr hinüber, und da sie das Schweigen bewahren in wollen schien, fuhr er fort zu fragen: Q - Wie hieß denn der frühere Eigenthumer dieses Hauses? — Herr de Vitry, wie man sonst zu sagen pflegte, der . - - Graf de VltrY, “Tw'i’SÄÄf. ®mW, w„ch. »„»fW.nl. -»'M-. w «i-iM ül(0 „|n,„ «... «I« dl' S.U..« — Er starb M dem Revolutionsplatze, antwortete die alte Frau nut un- "TmÄ* d-.sch «4 Md mit hinter dem Rücken verschlungenen Händen naehdenflich das kleine Iemach. Der Pförtner trat ein von einem Küchenjungen gefolgt, der emen r.esigen des Abendessens schien den Offizier feinen Betrachtungen zu entreißen Seine Züge nahmen wieder jenen heiteren Ausdruck an, der ihr g - wöbnllckes Gevräae schien. Mochte sie wahr oder erkünstelt sein, die Munterk.it de? Lm^nn7weL die gute Laune der Andern. Selbst die alte Pchrtnenn feinen ouf frcuntlicbcvc (5)ebnnfen ju verfotlen. . sch.en^auf freun^w Seifen betrachtend, welche man ihn vorfetzte. Das ist'ja ein vollständiges Festmahl! Erwartet Ihr etwa heute Aben^das D^rcctonum? eine Schinkenpastete einen frikassttten Hafen! ej?,e Schüssel Salat, Erdbeeren, Apfelsinen und zwei Flaschen Wein auf den Tisch. , snffirtner Ich sp sie - Nehmt Platz, mein Hauptmann sprach bfommt tie Reihe Euch heute Abend nur für Euer eig nes Geld, aber 8 an mich. . _ „,,,r nuf ten Tisch lege. Der Offizier forderte, daß man zwei ^uv^s m h ' ' - Meine lieben Freunde, Gleichheit und Brüderlichkeit, wen der Hahn im Kerbe fein soll! Essen mir mit “naßb"’ j^t, bevor Ersterer dem D» Ms«»,- ■» «*«... d.-i »«i.. arabischen Pferde des Herrn Hauptmann 9,b?» Politische Rundschau Der Erzbischof von Grau . . . 7jO—800,000 fl. Die Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr. Pietsch)"in Gießen. . 300,800 . 71,680 . 71,250 . 80,600 . 95,000 . 54,000 . 53,150 223,000 „ feien Die V-rbafteten gehören Dem Revolutions- romits an unv befinden sich darunter drei Verwandle des Fürsten Karageorgcwich; Professor Stankojevich, Mestorovicb, ferner der Cavalleriehauptmann Reva» dov'ch, dessen Bruder Sima, und der Strafhaus- director Revatovich. Aus dem ganzen Lande seien Gießen. Die neue Welt, die uns bereits die Nähmaschine erfand, bereitet ein neues Geschenk für uns vor in Gestatt der „Strickmaschine/- Bis jetzt hat man nur solche Ltrickmaschi neu gekannt, welche ein ganz gleichmäßiges röhrenförmiges Gewebe zu liefern vermochten. Die neue amerikanische Strickmaschine von Lambs dagegen ist nicht rund, sondern langgestreckt und arbeitet auf beiden Seiten. Bei der vollen^ Breite enthält sie auf einer Seite 50 Nadeln; auf beiden Seiten znsammen können also durch jede Kurbel-Umdrehung 100 Schlingen gemacht werden. Rechnet man auf jede Kurbel.Umdrehung eine Secunde, so ergibt dieß für eine Minute 6000 Schlingen. Dadurch wird es begreiflich, daß man mit dieser Maschine an einem Tage 36* Paar Strümpfe anfertigen kann, während die Handstrickerin, wenn sie noch so fleißig und noch so geübt ist, täglich nicht zwei Paare fertig bringt. Außerdem kann man je nach Bedarf fest oder locker stricken. Die Maschine nimmt wenig Raum ein und wird an den Tisch angeschraubt. Man kann mit der Maschine abnehmen und zunehmen, den Keil, die Ferse, das Bein,' den Rand des Strumpfes machen. Ebenso lassen sich gerippte, wolkige und durchbrochene Gewebe jeder Art mit der Maschine Herstellen, nnd auf dies- Weise ShawlS, Decken, Besätze, Kinderkleider. Handschuhe und Anderes mit Leichtigkeit Herstellen. Während des letzten Breslauer Maschinenmarktes arbeitete die Maschine eine Menge derartiger Gegenstände zu großer Freude und Bewunderung der Damen, welche in der Regel dicht gedrängt nm diese unscheinbare Maschine standen. Die Lamb'scke Strickmaschine kostet 140 fl. Darmstadt, 14. Juni. Dem Vernehmen nach haben die vereinigten Finanzausschüsse beider Kam- mern in ihrer vorgestrigen Sitzung beschlossen, unter Voraussetzung einer vorherigen Aenderung des Mi- litcir-Pensionsgesetzes, die Einführung der preußischen Gagenbezüge für die Offiziere der Großherzoglichen Division vom 1. Januar 1869 ab, als durch die Militäreonvention geboten, zu befürworten. (D. Z.) Berlin, 15. Juni. Reichstag. Gelegentlich mehrerer Urlaubsgesuche erklärt der Präsident die Annahme, der Reichstagsschluß fände in wenigen Tagen statt, für irrig. Die Vorlage, die Maß- und Gewichtsordnung betreffend, wird, nach den Be- schlüssen der vorigen Sitzung, angenommen. Hierauf findet die Vorberathung über die Verwaltung der nach Maßgabe des Gesetzes vom 9. November 1867 3ahr 1849 auf 366 Mill. Gulv-n angegeben und bezogen 2) an jährlichem Einkommen: „ „ „ Olmütz » „ „ Prag „ „ „ Linz' Das Prager Capitel Sanct Florian . . . Orte sprechen, wo die österreichische Polizei nichts zu sagen hat," ruft ein zeechiches Organ. Aus einem bei Hussinetz ausgegrabenen Sandsteinblock mttßelt ein Prager Bildhauer einen großen Kelch, der nebst einem Schwerte und einem Streitkolben (Erinnerung an die Hussitenkriege!) in Constanz ausgestellt werben soll. Dort soll auch, wie das Hauptorgan der Altzeechen verkündet, eine Denkschrift über die „böhmischen Bestrebungen" veröffentlicht werken, wahr- scheinlich, um die Süddeutschen über die humane Gesinnung und die freiheitlichen Grundsätze der zcechi- schen Wallfahrer aufzuklären. Leiderhaben sieh diese unwürdigen Anhänger des Reformators Huß erst mit , ben österreichischen Jesuiten und den Feudaljunkern verbündet, um die deutschen Freiheitsbestrebungen zwischen dem Böhmer Walde und den Karpathen nie. derzuschlagen, und als das saubere Projekt mißlang, sind sie aus Wuth über ihr Fiasco nach Moskau gepilgert, um den Gesinnungsgenossen eines Mura- wieff ic. die „brüderliche Slavenhand" zu reichen. Da auch Die Hülfe des „orthodoxen" Zars zu lange ausbleibt, fo wird zur Abwechslung wieder einmal mit Hussitismus geflunkert. Es wird hoffentlich Nie- mand in Constanz fo dumm fein, sich von den heuchlerischen Redensarten dieser perfiden Feinde unserer Nation täuschen zu lassen. Wie», 13. Juni. Die „Wiener Abendpost" meldet, daß Feldzeugmeister Frhr. v. Gablenz zu dem Leichenbegängnisse des Fürsten Michael nach Bel- grad abgereist sei. — Prinz Napoleon ist Nachmit- tags nach Prag abgereist, nachdem er kurz vorher die Abschiedsbesuche des Kais rs und des Reichs- kanzlers empfangen hatte. Wien, 14. Juni Dem Tagblait zufolge nahm die Finanz-Commission des Herrenhauses das Gesetz in Betreff der Finanzvorlagen in Der Fassung des Unterhauses en bloc an. Wien, 15. Juni. Die „Neue Freie Presse , Summa 2.624,380 fl. , Das rsi doch wohl ein ganz stattliches steuerbares Kircheneinkommen. Töten, 11. 3uni. Ultramontane Organe versichern, daß der Kaiser von Oesterreich in einem eigenhändigen Briefe an den Papst Pius IX. erklärt habe, er werde Gesetzentwürfen, welche über die in den drei confesstonellen Gesetzen enthaltenen Coneessionen an den parlamentarischen Liberalismus hinausgingen, seine Zustimmung niemals ertheilen. Wenn dieß ln Dhat sich so verhielte, so hätte der Kaiser dem Papste versprochen, das „Immer langsam voran" unserer liberalen Entwicklung demnächst wieder zum völligen Stillstand zu brin- 9elp Der cvnfessionelle Ausschuß unseres Abgeordnetenhauses hat sich dieser Tage mit den gemischten Ehen beschäftigt. Die Mitglieder einigten sich über einen Gesetzentwurf, der noch in dieser Session dem Hause vorgelegt werden soll. Derselbe mstimmt, daß die Eheschließung, resp. die Trauung vor einem Geistlichen der einen Confession stattfinden kann, ohne die Assistenz eines Geistlichen von der Confession des anderen Ehegatten; auch soll dem nichtkatholischen Theil nach der gesetzmäßig erfolgten Trennung der Ehe die Wiederverheirathung gestattet werden, auch für den Fall, daß erst während der Ehe ein Uebertritt zum Protestantismus erfolgt ist. Ehen zwischen Cfyti|lcn und 9?id)t$riffon jtnb auch nach diesem (Iesedentwurs noch nicht gestattet. Die Majorität des Ausschusses war der Ansicht, daß die Anwendung des Princips der Gleichberechtigung aller Confessionen auf das Eherecht dem Zeitpunkt Vorbehalten bleiben müsse, wo die obligatorische Civilehe in die Gesetzgebung ausgenommen werden könne. Wien, 13. Juni. „Do Kostnice“ (nach Con- llanj!) lautet Die Ueberschrist zu Den AuffvrDerun- gen zcechischer Blätter, an Der nationalen Wallfahrt zur Leikensstätte Des Märtyrers Huß Theil zu neh. men. „Wenn alle Volksversammlungen in Böhmen »erboten werDen, so wollen wir an einem ankeren Einladungen ergangen, Den Adressen, welche Die Wahl Milan's befürworten, zuzustimmen. Wien, 15. Juni. Die „Wiener Zeitung" vom Dienstag veröffentlicht Die vom Kaiser sauclionirten Gesetze über Die Aufhebung Des StaatSraths, über Die Genehmigung zur Errichtung von Fikeieommissen, unD über Die Aufhebung der bestehenden Wucher- gefetze. Belgrad, 13. Juni. Der Gemeinderath pro- klamirte einstimmig den Neffen des Fürsten Michael zum Thronfolger. Die öffentliche Stimmung ist Dieser Thronfolge sehr günstig. Aus Der wiDer Die Mörber geführten Untersuchung geht hervor, Daß eine Verschwörung zu Gunsten Des entthronten Für- sten Alexander Karageorgevich bestanD. Das offi- cielle Regierungsblatt erklärt: Das Haupt des Mör- ders toirD die serbische Krone nicht tragen. Es lebe Fürst Milan IV. Paris, 12. Juni. Morgen wird Die erste Num- mer Der neuen Wochenschrift „La Tribüne" erscheinen, Deren ReDaeteur en chef Hr. Eugen Pellttan ist. Hr. Glais-Vizvin wird Präsident Des Redae» tionscomitö's dieses Blattes fein. Dasselbe ist eine« Derjenigen, welche Dem neuen Preßgefetz ihre Ent» stehung verdanken. Schon sind Deren eine ganze Reihe theils angekündigt, theils bereits erschienen. Wohl Die vorzüglichste Schöpfung dieser Art ist Die „Revue politique," auch eine Wochenschrift, von Der bis jetzt Das erste Heft vorliegt. Eine Reihe namhafter Publicisten, Deren Namen schon au« den er- sten Pariser Blättern bekannt sind, finden sich hier zusammen. Hr. Seinguerlet berichtet über Das Deut» schc Zvllparlament, unD eine lesenswerthe Charakteristik Rouher's hat Hrn. Saurier zum Verfasser. Die oben genannte „Tribüne" wird heute von Nefftzer im „Temps" warm begrüßt, der gleichzeitig Darauf hinweist, wie Der frische lebenDige Aufschwung in Der Zeitungspresse fast ausschließlich von Der Opposition in Anspruch genommen werde; die gouvernementale Partei scheine keine Ideen und Principien zu vertreten zu haben. Paris, 13. Juni. In Der gestrigen Senats» sttzung erstattete Hr. Leverrier Bericht über Den Ge» setzentwurf, welcher eine Summe von 50,000 Francs für die Deckung Der Kosten einer zur Beobachtung Der totalen Sonnenfinsterniß nach Asien zu sendenden französischen Commission bewilligt. Leverrier führt an, Daß ein Punkt an Der Ostküste von Malakka als Station für Die Beobachtungen ausersehen worden ist. Ein französischer Astronom, Hr. Janssen, wird sich außerdem nach Masulipatam begeben, wo auch Die englischen Astronomen ihren Sitz aufschlagen werden. Der Senat genehmigt einstimmig Die bereits von dem gesetzgebenden Körper votirte Vorlage. Paris, 13. Juni. Der Neffe des Fürsten Michael von Serbien, Milan Obrenovic, reiste heute in Begleitung der hervorragendsten hier lebenden Serben nach Serbien. London, 10. Juni. Freiligrath's Uebersiedlung nach Cannstatt findet bestimmt noch im Laufe dieses Monats statt. Mittlerweile halten es seine Freunde in England, deren Zahl wahrlich keine geringe ist, für ihre angenehme Pflicht, dem cheidenden Dichter Abschiedsfeste zu veranstalten. Schon haben mehrere derselben in engen Kreisen statlgefunden, das größte derselben jedoch veranstaltete die auch 'm Deuschland durch ihre ausgedehnte Wohlthätigkeit bekannte und viel' verehrte Frau Salis Schwabe, in deren Hause sich übermorgen die hervorragendsten hier anwesenden Vertreter deutscher Kunst und Literatur versammeln, um dem trefflichen Dichter und Mann Lebewohl zu sagen. Pesth, 13. Juni. Der Prinz Napoleon wird am 16. d. M. hier erwartet. Die Reise nach dem Orient soll wegen Der Belgrader Ereignisse aufae» geben sein. beizubringen, demzufolge Senatoren zu einem frei- sprechenden Urtheile bestochen worden seien. In ben Bureaux Der „Western Union Telegraph Company" "urdeu sämmttiche Depeschen mit Beschlag belegt; (te sollen weitgehende Aufklärungen geben. aufzunehmenden BundeSanleihe statt. Fries spricht für Aufbringung Der Anleihe durch Matricularbei- träge, Schwerin erklärt sich für Die Vorlage, WalDeck Dagegen, Lasker Dafür, Da er sonst Die Entwicklung Der Marine für gefährlich hält. Kirchmann ist da- gegen, ebenso Löwe. Präsident Delbrück und Moltke empfehlen Die Annahme des Gesetzes als eine Pflicht des Patriotismus. Braun und Roon (?) erklären sich für die Vorlage. Bei der Abstimmung wird §. 1 mit 151 gegen 41 Stimmen angenommen. In Der Fortsetzung Der Sitzung wird das ganze Gesetz über die Bundesanleihe zu Marinezwckeen angenommen. Der Postvertrag mit Belgien wird genehmigt. Berlin. Der norddeutsche Reichstag hat die neue Maß- und Gewichtsordnung angenomnien; in den meisten Fällen wurde der französischen Benennung der Maße und Gewichte auch eine deutsche Benennung hinzugefügt, und ist demnach Meter = stab, Centimeter = Neuzoll, Millimeter = Strich Dekameter = Kette, Liter = Kanne, das halbe Liter = schoppen, 50 Liter = Scheffel, Hektoliter -- Faß, 7500 n?' ^al6e Kilogramm = Pfund, Dekagramm = Neulvth, 50 Kilogramm = Centner, 1000 Kilogramm = Sonne. „Man wird, bemerkt die „Köln. Zeit.," in Folge beffen in Deutschland einige Namen mehr lernen müssen allein andererseits wird die Verbindung der alten Namen mit' neuer, von der alten Größe sehr abweichender Bedeutung die Verdrängung der alten Maße allerdings wohl noch beschleunigen Helsen. Für den internationalen Verkehr und die Groß-Jndu- ttrle wird voraussichtlich der Gebrauch der meter'schen Namen sehr bald das Uebergewicht und mehr und mehr die Allein- Herr,chast erhalten. Die Hauptsache ist, daß die Durchführung Syst-m- mit einer Anzahl von einqeflickten Bruchstücken aus unserer bisherigen Maß- und Gewichtsord- Srf, 'm' ^geordnete Miguel sie beantragte, der eine deutsche Ruthe, resp. Lachter, Faden, Elle, Fuß, Zoll, Mor- ^rbUnbh st^lich feststellen wollte, abgelehnt wurde. Hossentlich wird der BundeSrath es sich gefallen lassen daß statt des „Pfundes" das „Kilogramm" als die eigentliche Gewichtseinheit angenommen ist, und das „Pfund" mit seinen wettern Halbirungen nur als „halbes Kilogramm" seine Stelle Meile" f- 7, fein‘n Wunsch erfolgte Aufnahme der „Meile (- /1,2 Kilometer hat ihren praetischen guten Grund und greift nicht weiter störend ein." 1 I Berlin, 15. Juni. In Der heutigen Sitzung I des Reichstags zeigte Ddbrücf an, daß Da« Orbi» nartum Des Marine-Etats auf circa 2V,, Das Ex- traorbinarium auf 6 Millionen erhöht sei. Für Die KüstenvertheiDigung werben 1% Millionen ausqe- lvorfen. Behufs ber Verzinsung Der Marineanleibe werben bie Matrikularbeiträge erhöht. Der König von Preußen will der Einweihung des Luther-Denkmals in Worms beiwohnen. — Der Pastor Knak in Berlin, der vor voller Conferenz betheuerte, er glaube daran, daß die Erde still stehe und die Sonne sich drehe, hat seiner Partei einen mächtigen Knar gegeben. Der alte Ober- eonsistorialrath Twesten sagte, auf dieses Wunder deutend sei- nen Studenten im Collegium: „Glauben Sie nickt, daß Sie £ Kreuzherrn zu Prag .... Prämonstratenser in Schlägel . „ Tögel . . . Schotten in Wien...... 197,000 „ „ Seitenstätten . . . 92,600 „ „s Göttlich.....71,600 Sanct Peter in Salzburg..... 87 500 KremSmünster.........igi 700 Adment..........' 52'700 Heiligenberg.........93^900 Effeg.........- . 87,900 Florenz, 15. Juni. Die Eisenbahn über Den Mont Cenis tourte Dem Verkehr übergeben, unb ist Der erste Zug, welcher ben Großfürsten Michael mit ficb führte, glücklich in Susa angekommen. Newyork, 27. Mai. Das Anklagecomitö UND mehrere Mitglieber Des Repräsentantenhauses hatten unmittelbar nach Freisprechung Des Präsibenten einen Demokratischen Agenten, Hrn. Wooley, Der auch beim Prozesse Zeuge gewesen, verhaften lassen, unter An» i schulbigung ber Bestechung von Senatoren, Damit Mcka?O^ Rachricht von Der Abreise Des Fürsten : !ichen Einvnstänbn^sses"mtt^n"Se"tt- " Ddrenovich nach Belgrab als unrichtig. Der taren Des Präsibenten. Da Wooley sich weigerte L Jc E, tb*°niat Risttc fct gestern von Wien nach Zeugniß abzulegen, fertigten bie Leiter ber Anklage abgeret|t, um Milan nach Belgrab abzuholen, einen längeren Bericht an bas Haus an in welchem S n Telegramm bessel en Blattes aus Belgrab mel- sie biefe« bitten, Den Hrn. Wooley zur Beuge S L tee#*** "°WM Aeitage zu Mr. 71 des Kreiener Mnzeigers. Feuilleton. Die Verschwörer von 1799. Roman von de Saint-Felix- (Fortsetzung) __ Zweihundert Meilen zu Pferde, mein Hauptmann! rief der Pfört- _ Zweihundertundfünfzig Meilen, mein Bester! und fast immer im Trab, vmn ich nicht kurzen Galopp anschlug. Denn Ihr müßt wissen, das arabische nferd von reinem Blute ist das Wunder der Schöpfung; es erfrischt und stählt sch durch die Bewegung. Es giebt Pferde in Egypten, welche in einem Strich ,om Thore Kairos bis zu der großen Pyramide sprengen, dreißig Meilen in Linim fort. Das meinige unten im Stalle ist in zwölf Tagen von Toulon hierher getrabt. Hätte ich ihm den Willen gelassen, so wäre es schon vorgestern in Paris angelangt. Ich nahm es in einem Reiterscharmützel einem jener räuberischen Bey's von Egypten fort, welche am Nil in dem Gefecht von Romani h die Mamelucken befehligten. Das Ganze war im Handumdrehen abgemacht. Nachdem ich einem spitzbübischen schwarzbraunen Bey den Kopf mit einem Pi- stolenschusse zerschmettert hatte, warf ich ihn mit einem Fußtritte vom Sattel und ergriff den Zaum seines Pferdes. Es war die höchste Zeit; denn das Roß, auf welchem ich saß, empfing beinahe in demselben Augenblick einen Hagel von Schrotkörnern, womit diese arabischen Mordkerle ihre Pistolen zu laden pflegen, mitten in die Brust. Seit jenen Tagen habe ich weder in Egypten, noch in Syrien ein anderes Roß gehabt. Murat beneidete mich um dasselbe; Lannes bot mir einen wahnsinnigen Preis dafür; ich hätte es nur dem General en chef überlassen, wenn cs ihm an guten Rennern gefehlt hätte. Aber es freut mich ebenso sehr, daß ich es behalten habe. Wir haben uns vorgenommcn, mit einander einen schönen Feldzug in Italien durchzumachen, denn es scheint, daß sich dort Wolken am Horizonte zusammenziehen. Nur Geduld! Während der Offizier solcherart redete, betrachteten ihn seine beiden Gäste mit ängstlicher Sorge. Der Hauptmann hatte, als er sich zu Tisch setzte, seinen Militairhut abgelegt. Sein Gesicht war jetzt hell beleuchtet; es war mager, von der Sonne Egyptens verbrannt, aber von großer Feinheit und zugleich von auffallender Energie. Der Hauptmann hatte eine gut geheilte, aber lange Narbe über der rechten Braue. Seine Züge waren vornehm und regelmäßig. Er trug einen langen braunen Schnurrbart; dichte Locken umrahmten fein Antlitz und fielen fast bis auf die Schultern hinab; ein langer, sorgfältig geflochtener Zopf schnürte seine Haare zusammen und wiegte sich auf dem Kragen seines Rockes. Aber was besonders die Aufmerksamkeit seiner Gäste in Anspruch nahm, war der Ausdruck seines Blickes, der Ton seiner Stimme, und ein großer Goldreif, den er am Ringfinger der linken Hand trug. — Mein Hauptmann, sagte plötzlich der Pförtner, verzeiht meine Neugierde . . . aber ich habe Euer Gesicht schon irgendwo gesehen. — Wirklich? meinte der Offizier, und schlürfte langsam ein Glas Wein. Die alte Frau ließ nicht ab, ihn mit funkelnden Augen zu betrachten. Seit geraumer Zeit aß sie nicht mehr. — Hat mein Hauptmann Frankreich schon lange verlassen? fuhr der Pförtner fort. Der Offizier zögerte mit der Antwort, als die Alte sich plötzlich erhob, aufgeregt ihren Krückstock ergriff und einem Tische zuschritt, dessen Schieblade sie aufschloß. Gleich darauf kam sie zurück und zeigte ihrem Manne ein Medaillon. — Sieh, Bernardi sagte sic. Der Pförtner warf abwechselnd seine Blicke auf das Mcdaillonbild und auf das Antlitz des Fremden. Bald glänzte eine Thräne in den Augen des braven Mannes. Seine Frau aber stützte ihren Kopf auf die Hände und stieß schwere Seufzer aus. Der Offizier wagte nicht, die Beiden anzusehen; er senkte das Haupt und schien in einen tiefen Traum versunken. Plötzlich sah man den Pförtner sich erheben; seine Frau that dasselbe und beide alte Diener verbeugten sich, einen Schritt zurücktretend, vor dem Hauptmann. — Der Herr Graf! sagte der würdige alte Pförtner. — Ein Werk der himmlischen Vorsehung! rief die Alte aus. — O Bernard! O Marguerite, meine armen alten Freunde, antwortete der Offizier, die Arme nach ihnen ausbreitend, wie habt Ihr mich nicht längst schon erkannt? Es war eine rührende Scene. Der Offizier der egyptischen Armee, der ehemalige Graf Reymond de Vitry preßte die beiden Diener seines Vaters an sein Herz, die beiden armen Pförtner, welche inmitten der Revolutionsstürme die treuen Hüter des Hauses der Familie de Vitry geblieben waren. — Meine Freunde, sagte der Hauptmann, suchen wir Ruhe und Heiterkeit, vor Allem aber Geistesgegenwart und kaltes Blut zu gewinnen! Du, meine gute Marguerite, höre auf, mir die Hände zu küssen, und Du, Bernard, hüte Dich wohl, mich nicht mehr Herr Graf zu nennen. Ich bin der Hauptmann Reymond, verstanden? Soldat im Dienste der französischen Republik, und wenn Ihr erlaubt, Euer Neffe . . . — Jesus Maria! schrie Marguerite auf. — Meine Freunde, fuhr der Offizier fort, es handelt sich um meine Sicherheit. Euer Neffe war mein Milchbruder, er trug meinen Vornamen. Er begab sich im Jahre 1792 zu der Sambre- und Maaß-Armee; Ihr habt seitdem nichts wieder von ihm gehört. Er ist entweder gefallen oder gefangen. Ich ersetze jetzt seine Stelle; ich bin er selbst. — Wohlan, abgemacht! fügte Bernard hinzu und trocknete sich die Augen. Ihr seid unser Neffe Reymond, Hauptmann . . . — Und Ordonnanzoffizier des Generals en chef Bonaparte. Bernard erhob seine Hand an die rechte Schläfe. Dieser militairische Gruß gefiel dem Offizier, welcber alsbald wieder das Wort nahm: — Reymond Bernard, seit sechs Jahren im Dienste der Republik. Ich habe den italienischen Feldzug unter den Befehlen der Generale Lannes, Murat, Berthier, Andreossy, Massen« und anderer tapferer Brigade- und Divisions-Chefs mitgemacht, an deren Spitze der große Mann, Bonaparte, stand. Reymond bin ich, der als Unterlieutenant mit der Divisions-Armee nach Egypten zog und der jetzt mit dem Rang eines Hauptmanns nach Frankreich zurückkehrt, Dank den gewichtigen Säbelhieben, welche er in den Gefechten von Romanieh, bei den Pyramiden, in der Ebene von Kairo, bei der Belagerung von Jaffa, Saint» Jean-d'Aere und anderen Orten ausgetheili hat, welche Zeugen unserer Tapfer- keit und unserer Liebe zur Republik gewesen sind. Ich brauche Euch heute Abend nicht zu erzählen, meine lieben Freunde, wie und weßhalb ich jetzt nach Paris zurückgckommen bin. Ihr werdet indeß keinen Schwur von mir fordern, daß ich nicht die Fahne als Deserteur verlassen habe. In diesem Augenblicke pochten drei heftige Schläge an die Hofthür. Bernard beeilte sich mit der Laterne in der Hand zu öffnen. Zwei Minuten nachher traten zwei Dragoner in das Pförtnergemach, wo der Offizier seinen Platz am Tische eingenommen hatte. Die beiden Dragoner grüßten soldatisch und blieben kerzengerade in der Mitte des Zimmers stehen. — Hauptmann, sagte der Eine, wir haben das Haus gesunden, welches Ihr uns als Euer hiesiges Quartier bezeichnet. Wir kommen, Eure Befehle zu empfangen . . . — Ihr werdet sie morgen früh zehn Uhr im Quartier des Generalstabes erhalten, antwortete der Offizier. Ihr findet mich dort. — Hauptmann, nahm der zweite Dragoner das Wort, hier ist eine Depesche aus dem Palais Luxembourg. Ich füge hinzu, daß die Standarte mit drei Roßschweifcn, welche heute Morgen durch meinen Hauptmann und uns den Bürgern Direktoren überreicht wurde, im Berathungssaalc des Direktoriums neben den anderen, dem Feind abgenommenen Fahnen aufgestellt worden ist. — Alles in Richtigkeit! sagte der Offizier, die Depesche eiligst durchlesend. Hier ist ein Empfangschein über Deine Depesche. — Zwei Gläser, Bernard, für diese wackeren Kameraden, welche mich von Kairo bis zum Palais Luxembourg begleitet haben, wo wir diesen Morgen dem Bürger Barras die drei Roßschweifc des Murad-Bey einhändlgten, der zwar ein durchtriebener Schuft, aber ein tapferer Degen ist. Bernard setzte zwei Gläser mehr auf den Tisch, und entkorkte eine Flasche Wein. Alle Gläser wurden gefüllt, selbst das Margueritens. — Trinkt aus! sprach der Hauptmann. Die Gesundheit unseres Generals en Chef! Alle lehrten nach dem „Vivat!" ihre Gläser. Marguerite berührte ihr Glas eben mit den Lippen. Auf das Wohl unseres Hauptmannes Reymond, des Tapfersten unter den Tapferen! rief einer der Dragoner. — Willst Du stille sein, alter Knasterbart! fiel ihm der Offizier in die Rede. Ich trinke gleichfalls auf Deine Gesundheit. — Auf die Obersten - Epauletten meines Hauptmannes! rief der andere Dragoner. — Prosit! sagte der Offizier, und auf Deine Quartiermeister. Tressen, Kamerad! — Famoser Schnaps! murmelten die Dragoner beim dritten Glase. — O ja, antwortete Bernard etwas piquirt. Es ist zwanzig Jahr' alter Leres, den ich zu Ehren unseres Neffen, des Hauptmanns Reymond entkorkt habe. — Der Hauptmann ist Euer Neffe! rief einer der Dragoner aus. Na, Bürger, Ihr könnt stolz darauf fein, daß Ihr der Onkel eines . . . — Daß ich wessen Onkel bin ? fragte Bernard. — Schweigst Du endlich einmal, unerträgliche Plaudertasche! sprach der Offizier. — Unmöglich, mein Hauptmann! — Wessen Onkel? wiederholte Bernard sehr neugierig und gespannt. — Nun, zum Geicr, der Oukcl eines Selten! antwortete der Dragoner. — Genug, mahnte ihn der Offizier. Morgen früh um zehn Uhr im Ge- neralstabsquarlier! — Gruß und Bruderschaft, Hauptmann! Die beiden Dragoner zogen sich, höchst verwundert über den Schnaps von Reyrnonds Onkel, zurück. Nachdem der Hauptmann Bernard und Margueritcn einige Aufträge ertheilt hatte, verlangte er nach seinem Zimmer. Dort angelangt, half ihm der ehrenwerthe Pförtner seine Stiefel ausziehen, welche 250 Meilen lang an seinen Füßen geklebt hatten. Eine Viertelstunde später schlief er in einem ausgezeichneten Bette den Schlaf der Gerechten. (Fortsetzung folgt.) Miscelle. Aus Kempen schreibt man: Am 5. d. legten sich zwei Knaben von hier im Alter von 12 bis 14 Jahren in der Nähe des Bahnhofes auf die Schienen der Kempen-Venloer Bahn, nicht weil sie lebensmüde waren und den Tod suchten, sondern weil sie einmal Prokuren wollten, ob der von Venlo kommende Zug ihretwegen anhalten werde. (!) Dem betreffenden Zugführer gelang cs, den schon nicht mehr mit voller Kraft fahrenden Zug so zeitig zum stehen zu bringen, daß die beiden Buben mit heiler Haut davon kamen. Ihnen einen Denkzettel mit auf den Weg zu geben, vergaß der Zugführer leider in feinem nur zu erklärlichen Schrecken. Politische Rundschau Mainz, 16. Juni. Der König von Preußen wird aus cer Reise zur Lutherfeier am 25. früh über Wiesbaden hur ankvmmen, unv in Begleitung des Großherzogs sich nach Worms begeben. Worms, 16. Juni. Bezüglich des gegen das Programm der Lutherfeier geltend gemachten Tadels wegen der hohen Preise für reservirte Plätze werden wir auf nachstehende Thatsachen aufmerksam ge- macht. Der Eintritt in den 50u0 Personen fassen- den Festplatz ist unentgeltlich; nur die rescroirten Sitzplätze werben mit einem Entree von 3 resp. 2 Guloen belegt.^ Die Mielhe für zweistündige Be- Nutzung eines Stuhls ist auf 24 fr. normirt. An- gesicht» der 20- bis 24,000 fl. Kosten, welche die Festoauten verursachen, dürfte dieses Arrangement nicht eben unbillig erscheinen. Berlin, 17. Juni. Reichstag. Löwe inte» pellirt über ven Schutz der Auswanderer. Delbrück verspricht die Vorlage^eines hierauf bezüglichen Gesetzes für die nächste Session. — Lei Berathung des Marine-Elats erklärt der Vice-Avmiral Jachmann, die preußischen Panzerschiffe entsprächen allen Anfor- dcrungen, unv die Ausbildung der Offiziere stehe hinter der anderer Nationen nicht zurück. Ein von Lockum-Dolffs eingebrachtes Amendement, die Com- dinirung des Kriegs- und Marineministeriums aufzuheben, wirv abgelehnt. Die Einnahmen, die ordentlichen unv außeroroentlichen Ausgaben des Ma- rine-EkaiS werven angenommen. Berlin, 17. Juni. Die „Nordd. Allg. Zeit." melver: Das bei ter Haussuchung in Lanveck Vorgefundene, von Graf Platen selber geschriebene Programm bezeichnet Preußen als ven gemeinsamen Feinv aller Länver, und verlangt als eine Pflicht der Selbst- erhaltung einen Bund aller kleinen Mächte mit Frank- reich, um Preußens Macht zu brechen unv dasselbe über die Elbe zurückzuwcrfen; noch sei d,eß möglich, weil in Hannover ein energischer Widerstand bestehe. Die Zerirümmerung Ves Staates der Hohenzollern liege im Interesse aller kleinen Mächte, die in Frank- reich ihren natürlichen Beschützer sehen müßten. — 2m Reichstage erklärte Delbrück, der Eintritt Mecklenburgs in den Zollverein sei als feststehend zu be- trachten, der Termin des Eintritts aber noch unbe- stimmt. Im weitern Verlauf der Sitzung wurde bas Anleihegesetz in zweiter Lesung angenommen. Berlin, 17. Juni. Die „Prov..Corr." mel- det: Der Schluß des Reichstages ist nach wie vor auf den 20. d. M. in Aussicht genommen. — Der König wird am 21. oder 22. d. M. nach Hannover abreisen und daselbst zwei Tage verweilen. — Zu der Enthüllung ves Lutherdenkmals in Worms werden auch evangelische Fürsten der Nachbarstaaten, wahrscheinlich der König von Würtemberg und die Großherzoge von Baden und Hessen, erscheinen. Stuttgart, 17. Juni. Se. Maj. der König haben auf eine Einladung des Ausschusses des Luther- Denkmal-Vereins in Worms die Zusicherung ertheilt, bei der Einweihungsfeier dieses Denkmals zu erscheinen. Der König wird, da Vie Feier auf den 25. d. M., den Todestag des verewigten Königs Wilhelm fällt, nur vem Festgottesdienst und der darauf folgenden feierlichen Enthüllung des Denk- mals anwohnen. Pesth, 16. Juni. Das Unterhaus drückte der der serbischen Nation einstimmig sein Beileid aus. — Der Prinz Napoleon ist heute unter französischer Eh- renflagge hier angekommen und wurde am Landungs- platz vom Grafen Andraffy erwartet. Das Volk begrüßte den Prinzen mit Eljenrufen. Derselbe ist im Hotel Europa abgestiegen. Belgrad, 17. Juni. Der Kaiser von Rußland drückte sein Beileid über ven Fürftenmord aus, lobt die Erhaltung der Ruhe und wünschte, die Wahl eines neuen Fürsten möge nach dem Sinne des Volkes ausfallen — Eine neue Proklamation der Statthalterschaft versichert dem Volke, dieselbe werde aus- zuwirken wissen, daß der Wille Serbiens beachtet werde. In Folge von Geständnissen Verhafteter sind neue Verhaftungen, darunter die der Schwester des Fürsten Karageorgiewitsch und die von 5 Studenten vorgenommen worven. Paris, 14. Juni. Die „Presse" veruimmt, daß der Kaiser gestern Hrn. Rouher allein von allen Ministern den ganzen Tag in Fontainebleau zurück- gehalten hat, unk daß der Staatsminister erst heute früh nach Paris zurückgekehrt ist. Diese Nachricht ist nicht ohne Bedeutung, wenn man sie mit vem, was wir gestern über ven GesunVheitSzustand des Kaisers melden konnten, zusammenhält. — Cannes Wirt), wie der Sieele" hört, künftigen Winter den Grafen Bismark, welchem die Aerzte Erholung an den Ufern des Mittelmeers angeordnet haben, unter seinen Gästen zählen. Graf Bismarck hat seinem Freunde, Hrn. v. Bülow, welcher Cannes bewohnt, geschrieben, daß er für ihn eine Villa miethen soll. — Graf Goltz ist heute früh zur Kur nach Ems abgereist. — Der „Figaro" will durch eine Jndis- cretion in den Besitz eines Berichts gelangt sein, welchen der Seine-Präfect über seine Verwaltung seit 1853 an ven Kaiser gerichtet habe, und er theilt aus diesem Acienstücke folgende Ziffern mit: In 15 Jahren hat die Stadt Paris 1536 Millionen verausgabt, unv zwar 884 Millionen für Straßen und Expropriationen, 157 für Wasserleitungen und Canäle. 55 für Hospäter, 61 für Kirchen, 17 für Quais und Brücken, 129 für Schulen, Mairien, Theater und Kasernen (dieser Posten wäre zu speci- ficircn gewesen), 38 für Hallen nnd Märkte, 195 für Gartenanlagen und Pflasterung. Von diesen 1536 Millionen wurden 568 durch das ordentliche Lutget, 943 durch Anlehen und 99 durch die Caisse des travaux gedeckt; den Rest schuldet die Stadt dem Crcvit Foncier, und soll ihn demselben nach dem proponirten Vertrage im Laufe von 60 Jahren abzahlen. Die Stadt Paris ist durch 33,000 Gas- flammen erleuchtet. Paris, 15. Juni. Zuverlässige Nachrichten aus Fontainebleau stellen Napoleon III. als beständig ernstlich leidend dar. Der Kaiser, von den furchtbarsten Schmerzen gepeinigt, erträgt dieselben mit einer von seiner gesammten Umgebung wirklich be- wunderten Ruhe. Aus diesem Grunde unv aus keinem anderen fallen in diesem Jahre alle Einladungen und sonst üblichen Festlichkeiten fort. Der Hof iebt in größter Zurückgezogenheit, nur die Minister haben Zutritt. Das Leiden des Kaisers in Die alte Prostatitis. London, 13. Juni. Die Königin wird am Mittwoch von Balmoral zurückerwanet, um vor ih- rer Abreise nach Osburne einige Wochen in Windsor zuzubringen. Es verlautet, baß sie im Herbste Deutschland besuchen will. London, 15. Juni. In Betreff des Mordanfalles auf den Herzog von Edinburg berichten die neuesten Zeitungen unv Corresponvenzen aus Austra- lien von einem Briefe, den O'Farrell hinterlassen. Er widerruft in demselben die früher gemachte Aus- sage, daß er von einem Feniercomplott nut der That beauftragt gewesen und erklärt, durch unausgesetztes Brüten über das Unglück Irlands zu derselben gekommen zu sein. Da anders durchaus keine Anhaltspunkte für Annahme einer Verzweigung des Fe- nierbundes in Australien Vorlagen, so hat sich die öffentliche Meinung in dieser Beziehung beruhigt. O'Farrell scheint übrigens mit Muth und Fassung zum Tode gegangen zu fein. London, 16. Juni. Nachrichten aus Zulla vom 5. Juni melden, daß die englische Armee sich eingeschifft und Zulla am 2. Juni verlassen habe. Nur die Cavallerie sei zurückgeblieben. General Napier werde am 12. Juni abreisen. Washington, 6. Juni. Sumner brachte im Senate eine Resolution ein, wonach die constitutio- nelle Verantwortlichkeit der Senatoren für ihre Abstimmung im Anklageprozeß gegen Johnson ausgesprochen wird. — Aus Veraeruz wird gemeldet, daß Marquez öffentlich in Abrede gestellt, einen Verrath an Maximilian begangen zu haben. Der Bürgerkrieg bauert fort. — Aus Lima vom 14. Mai wirv berichtet, daß man den Ausbruch eines Krieges zwi- schen Chili und Peru befürchtet. Vermischtes. Aus dem Kreise Fulda, 15. Juni. Zu Kleinlüder hat der Caplan V. angevrdnet. daß alle Kirchenbesucher, sobald dieser hochwürdige Herr eintritt, sich vvn ihren Sitzen zu erheben haben. Nun traf sich's eines Svnntags, daß ein über 70 Jahre alter, gebeugter Mann, der kaum gehen kann, nicht im Stande war, dem hochwürdigen Herrn diese anbefohlene Ehrenbezeigung vollständig zu leisten, was zur Folge hatte, daß der würdige Diener der Kirche ihn hart anließ, auf die Antwort nicht hörte, sondern den Greis hiuauswarf, dm Stock und Hut hintendrein. Es erregte dieß in der Kirche, namentlich bei den Söhnen und Verwandten des alten angesehenen Mannes eine solche Erbitterung, daß der hvchwürdige Sendbote Christi seine Fassung verlor und eine Predigt gar nicht und kaum die Messe abhalten konnte. Frankfurt. Die Photographen werden sich bei Beobachtung der bevorstehenden großen Sonnenfinsterniß gleiche Verdienste erwerben können, wie die Astronomen. Mit Befriedigung haben wir gelesen, daß sich aus Deutschland zwei hervorragende wissenschaftliche Capacitäten, die Herren Dr. Zenker und Dr. Vogel aus Jena, auf diesem Gebiete betheiligen wollen. Nun finden wir in der Pariser „Liberte" das Schreiben eines italienischen Gelehrten, deö Professors Marcello Ranzi, Mitglied der internationalen Ausstellungsjury, das darauf auf- nierksam macht, daß die einfache, nur von einem BlendglaS unterstützte Photographie ohne Beihülfe des Teleskops oder irgend eines Instruments während des ganzen Verlaufs des Phänomens genüge, und daß er damit im Jahre 1860 zu Rom vortreffliche Resultate erzielt habe, ja daß sein- Abdrück vollkommener gewesen seien, und eine Anzahl Ersch-i^.^ mehr aufgewiesen hätten, als diejenigen der französischen Aüw nomen. Er habe diese seine Resultate schon im Jahre iggf der Pariser Academie vorgelegt, eS sei auch eine Commisswü zur Prüfung derselben gebildet worden, aber Hr. Babinet ter Berichterstatter, habe bis heute noch nicht seinen Bericht si-n. Dagegen habe das römische Observatium in seinen toiiTCn.' schaftlichen Bulletins seine Arbeit in Lithographie verösf-nilicht Wir haben selbst schon gewöhnliche photographische Aufnahm,» von Finsternissen gesehen, die an Schärfe und VollstänW.-, nichts zu wünschen ließen, als die an sich nicht wesmtlich- Vergrößerung. ’c Frankfurt. Dieser Tage kam hier ein Mann »ns der Reise nach Amerika durch, welcher als junger Mensch in einer Rauferei aus Eifersucht seinen Widerpart erstochen und deßhalb zu 20 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war. Zmölf Jahre hatte er schon in Marienschloß gesessen, als ihm durch die Gnade des Großherzogs von Hessen die Kerkert!;»«» geöffnet wurden. Wenige Stunden nach seiner Entlassung be- fand er sich hier in der Stadt. Daß er inzwischen zum Mann herangereift, sich seiner Freiheit freute, redselig war und sein Schicksal Allen erzählte, darf nicht Wunder nehme» • Staunen rief jedoch hervor, als der Betreffende mittheilte, er habe sich in den 12 Jahren Zuchthaus 550 fl. erspart, die er von der Verwaltung ausbezahlt erhalten und nun zu (einet Auswanderung benütze. Der Mann hatte die Wahrheit gesprochen, denn gerade wegen seiner musterhaften Führung war er begnadigt worden. Mainz, 14. Juni. Meistens vom Niederrhein kommend, durchzogen gestern ganze Trupps Wallfahrer unsere Stadt auf der Wanderung nach Walldürn. Man füllt zwar nicht mehr Erbsen in die Schuhe, oder schleppt gewaltige Holzkrenze auf den Schultern, der Büßergaug nach dem Gnadenreichthum w Ablässen und heiligen Knochen wird mit mehr Nonchalance betrieben. Der Haupttrupp wurde gestern Abend nach geistlicher Erholung in der Kirche mit Kreuz und Fahnen vor die Stadt geleitet. In dem nahen Weisenau nahmen altherkömmlich die Pilgerschaaren Nachtquartier, meistens pele-mele in Scheunen, um am frühesten Morgen ihre fromme Wanderung über Groß- Gerau und den Odenwald fortzusetzen. München, 10. Juni. Zu der Schwurgerichts-Verhandlung gegen den Grafen ChorinSky find von der Staatsbehörde 40 Belastungszeugen, zum Theil Wiener, und von dem Ver- theidiger, dem königl. Advokaten Dr. Schauß von hier 14 Entlastungszeugen bestimmt. Es wird die Zurechnungsfähigkeit des Grafen Chorinöky bestritten werden. Die Anklageschrift gegen den Grafen enthält meist nur bereits aus den bisherige» Mittheilungen Bekanntes. Hiernach lebte die Vergiftete unter dem Namen einer Baronin v. Ledske in München, und das Gericht erfuhr ihren Namen als Gräfin Mathilde Chorinsky erst aus den nach ihrem Tode gefundenen Papieren. Die Vorgänge mit Julie Ebergeuyi werben eben so erzählt, wie sie sich aus deren Prozeß ergaben, woraus zu den Verhältnisse» der Vergifteten und des Angeklagten, Chorinsky, übergegangen wird. Nach bereits Bekanntem wird erzählt, daß sie schon vor ihrer Verehelichung mit Gustav Chorinsky demselben ein totstes Mädchen und nach diesem im Kirchenstaat im März 1861 vorzeitig einen Knaben geboren hatte, der bald wieder starb. Nach der kurz darauf erfolzton Auflösung der päpstlichen Armee siedelten sie nach Heidelberg über, wo Chorinsky nach einem höchst eigenthümlichen, am 1. August 1861 seiner Frau ausgestellten Revers sich verpflichtet, sie nicht zu schlagen, zu kneipen und zu schimpfen. ES scheint also nach seiner vorherigen leidenscha tlichen Liebe, wofür Briefe vorliegen, bereits soweit gewesen zu sein, daß er sich mitunter bis zur Mißhandlung seines WeibeS vergaß. Im November begleitete er Mathilde nach Nancy, einer Einladung der Familie Conrnauld folgend, ließ sie dort int Dezember ohne Geld zurück, um in Brünn, wo sein Vater damals Statthalter war, feine Wiederaufnahme in die österreichische Armee zu betreiben, was aber damals scheiterte. Antwerpen. Der hiesige zoologische Garten besitzt seit längerer Zeit zwei prächtige bengalische Tiger, von denen einer, um nach London befördert zu werden, in einen soliden TrauS- portkäfig gebracht worden war. Nachts zwischen 3 und 3*/2 Uhr sahen Eisenbahnbeamte ein Thier über die Mauer springen, die den Eingang zum zoologischen Garten von der Eisenbahn trennt. Es war der Tiger, dem zuerst ein Abtrittskarren in den Wurf kam; er fiel über das Pferd her, an dessen Weichen er fich festkrallte, während er ihm einen Biß am Schenkel versetzte. Der Fuhrmann, der sich zuerst auf sein Pferd gerettet hatte, erhielt durch die Tatze eine Wunde am Schenkel und flüchtete sich auf den Karren, während das Pferd in Angst dem Marktplatze von St. Jaques zueilte. Der Tiger, der dem Pferde nachsetzte, traf einen Mann, einen Gärtner, der gerade von der Straße St. Jacques herzukam, warf sich auf ihn, zerriß ihm Brust und Beine mit den Krallen, packte ihn an der Gurgel und versetzte ihm eine tödtliche Wunde. Der Tiger schleppte die Leiche noch eine Strecke fort, und ließ sie dann liegen, um in den Hof vvn St. Anna einzubrechen. Jndeß hatte der Director des zoologischen Gartens, Bekemans, sich mit seinen Leuten aufgemacht und traf das Thier an der Eck« des Marksplatzes von St. Jakob am Hause von Verstregen. Gegenüber hatte ein Nachtwächter mit einigen anderen Persones Zuflucht in einem Krämerladen gefunden, und das Thier drohte, durch die Fenster einzudringen; es machte Halt, setzt« jedoch seinen Lauf fort, bis eS Bekemans mit seinen Leuten gelang, dasselbe in den Hof von St. Anna zu treiben. Hi«r wurde eS von vier mit Gewehren bewaffneten Männern umstellt. Als die Leute auf Entfernung von 12 Fuß dem Thiere nahe waren, setzte er sich, als wolle er sich sprungfertig machen. Bekemans schoß nun zuerst; drei Schüsse fielen nach einander. Der erste Schuß fehlte, bei dem zweite» fuhr das Thier zurück, der dritte versetzte ihm die Todeöwunde, doch schleppte es sich noch fort, bis es noch einen Schuß erhielt, an dem «S verendete. London, 12. Juni. Ans dem See bei Rorschach wurden vor einigen Tagen österreichische 10-Kr.-Noten gefischt. Ganze Päckchen bis zum Werthe vvn 1600 fl. wurden gefunden, und man nimmt an, daß ein bedeutender Betrag in die Fluchen geworfen worden sei. Ein Individuum, welches zu Bregenz solche „gefundene" Noten verausgaben wollte, wurde verhaftet. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.