Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal- Dienstags, Donnerstags enb SamstagS. — Expedition: Ciuzleiberg Lit. «. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen. Nr. IW. Donnerstag den 17. December 1868. Wir bitten das geehrte Publikum wiederholt und dringend, die Aufgabe der Anzeigen Montags, Mittwochs und Freitags vor 10 Uhr Morgens zu bewerkstelligen, damit die Anzeiger noch rechtzeitig Abends zur Post gelangen können. Es werden also für die Folge nach 10 Uhr Morgens keine Anzeigen mehr angenommen, es sei denn, daß sie Aufnahme in eine spatere Nummer finden sollen. Oie Eaypetl. «I. Giess. Anzeigers. Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, am 7. December 1868. Betreffend: Das allgemeine deutsche Handelsgesetz, insbesondere die Einträge in das Handelsregister. Das Groß herzogliche Landgericht Gießen an die Großherzoglichen Drtsgerichte des Bezirks. Wir fordern Sie auf, binnen längstens 14 Tagen uns berichtlich anzuzeigen: 1) ob und welche Kaufleute und resp. Handelsgesellschaften seit dem Jahre 1862 in Ihren Gemeinden sich etablirt haben, 2) ob und welche Veränderungen bei den vor dem Jahre 1862 bereits bestandenen Kaufleuten und resp. Handelsgesellschaften seit dem Jahre 1862 eingetreten sind, ob namentlich die Inhaber der Firmen gewechselt und resp. ob solche mit Tod abgegangen und ebenso ob etwa ein Wechsel in den bestellten Procuristen eingetreten ist, 3) ob in Ihren Gemeinden Genossenschaften im Sinne des Art. 1 des Gesetzes des Norddeutschen Bundes vom 4. Juli 1868, betreffend die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, wie namentlich Vorschuß- und Credit-Vereine, Rohstoff- und Magazin-Vereine, Productivgenossenschaften, Consum- Vereine, Vereine zu Herstellung von Wohnungen für ihre Mitglieder, bestehen. Gleichzeitig geben wir Ihnen sür die Zukunft auf, in jedem Falle, wenn ein Kaufmann oder eine Handelsgesellschaft sich etablirt, oder eine Erwerbs- und Wirthschafts- genossenschaft gegründet wird oder bei einem bereits bestehenden kaufmännischen Geschäfte eine Aenderung eintritt, hiervon alsbald Anzeige zu machen. Bötticher. Bekanntmachung. Vorgestern Abend ist an dem Laden des Kaufmannes Herrn Bi. Hirsch eine große Ladenscheibe im Werthe von 210 fl. boshafter Weise eingeworfen worden. Demjenigen, welcher den Thäter so bezeichnet, daß seine gerichtliche Bestrafung erfolgen kann, ist von der „Mannheimer Versicherungs-Gesellschaft für Spiegelglasscheiben" eine Belohnung von 25 fl. zugesichert worden. Gießen, den 16. December 1868. Großherzogliche Polizei - Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. N o v e r. Besondere Bekanntmachungen. An die Pfleger von Waisen in hiesiger Stadt. 9487) Wir bringen die Ausstellung der Quittungen über die Pfleggelder vom zweiten halben Jahre 1868 in Erinnerung. — Erfolgt sie nicht vor dem Schluffe dieses Jahres, so haben die Pfleger von ihrem Gelde die Zusendungskoften zu bezahlen. Gießen, den 11. December 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Vogt- Main - Weser - Bahn. 9505) Vom 1. Februar k. I. kommt im Localverkehr auf der Main-Weser-Bahn ein neuer Tarif für Personen-, Gepäck- und Güter-Beförderung in Anwendung, welcher auf allen Stationen der Main-Weser-Bahn vom 20. d. Mts. an zum Preise von 10 Sgr. — 35 Kreuzer, zu erhalten ist. Cassel, am 12. December 1868. Königliche Direction der Main-Wcscr-Bahn. 9474) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar: 1) Donnerstag den 17. December, 2) Samstag „ 19. „ 3) Dienstag „ 22. „ 4) Mittwoch „ 23. 5) Donnerstag „ 24. „ 6) Dienstag „ 29. „ 7) Mittwoch „ 30. „ 8) Donnerstag „ 31. „ Die Interessenten werden daher aufgefordert, die Zahlung an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, die übrigen Zahltage dagegen für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt-machen zu lassen. Gießen, den 25. November 1868. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. Versteigerungen. 9496) Das Reinigen der Straßen und öffentlichen Plätze innerhalb der Stadt im Jahre 1869 soll Freitag den 18. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, im Rathhause an die Wenigstfordernden öffentlich vergeben werden. Gießen, den 15. December 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen- Vogt. Feilgebotenes. g Mehlverkauf. Feinstes Blüthenmehl, a Pfd. ~‘/2 fr. „ Vorschußmehl I-, ä „ 6st? „ >’ fi U-, a „ 5stz „ aus der Kunstmühle der Herren Franz Peppler & Comp., verkauft Chr- Wallenfels, am Markt. Buller, ganz frische, Prima-Waare, von 5 Pfd. an ä 33 kr. per Pfd., bei (9514) Georg JugHardt. 9502) Consumenten und Kenner einer reinen Chocolade geben dem Fabrikate des Hoflieferanten Franz Stollwerck in Köln wegen sorgfältiger Verarbeitung und vorzüglicher Qualität den unbedingten Vorzug. Ich empfehle mein Lager der beliebtesten Koch- und Eß-Chocoladen dieser bestrenom- mirten Fabrik zu Originalpreisen, und zwar Gewürz- von 11 Sgr., Gesundhcits- von 12 Sgr. und Vanille-Chocoladen von 15(Sgr. pr. Zollpfund an. Louis Frohnhäuser, in Gießen. 9504) Der Lahrer Hinkende Bote für 1869 (Aufl. ca. 3/i Million) ist stets bei allen Buchhändlern und Buchbindern vorräthig. Haupt-Agentur: Btndcrnagel Sf Schimpfs, in Friedberg. 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M. ist nicht abge. neigt, dem vom Handelsverein gestellten Anträge auf Verlegung der Telegraphenstation in die Stadt, näher zu treten, und ersucht man hiermit die Hausbesitzer, welche geneigt sind, Localitäten zu vorgenanntem Zwecke zu vermiethen, die unterzeichneten Vorstandsmitglie- der des Handelsvereins davon in Kenntniß zu setzen. Carl Gail, Wilh. Balser, Rolandseck, den 10. December 1868. C. Billan, Hoflieferant Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen. Bezugnehmend auf obige Annonce empfehle ich hiermit obengenannte Weinsorten zur gefälligen Abnahme und verkaufe die Flasche ausgezeichneten Rothweins (Ahrbleichart) zu 30 fr. Eduard Spier. Die auf der Londoner Welt-Ausstellung 1862 prämiirten Zeichen-Vorlagen von Willi. Hermes in Berlin empfehlen sich zu hübschen Festgeschenken Vorräthig in Giessen bei J. Ricker, sowie in den übrigen Buchhandlungen. a Heft 21 und 36 kr. (9500) !! Herabgesetzt!! 9510) Von heute an verkaufe ich: Blüthcnmehl, pr. Pfund 7V- kr., Borschußmehl 1-, „ „ 6l/2 „ Weißmehl, „ »5 „ (Sonntags geschlossen.) Markus Engel, __________________in den Neuen-Bäuen. 9508) Die erwarteten Salz- und Mehl- Fässer, sowie neue und billigere Sorten Gewürzkästchen, sind angekommen und empfehle ich solche als praktische Weihnachtsgeschenke. Karl Fuhr, Kirchenplatz. 9485) Braunes Kalbleder, erste Qualität, a Pfund 2 fl., sowie Kühhaare, ä Pfund 2*/z kr., bei D. Planck, am Tiefenweg. 9480) Steinkohlen und Braunkohlen bester Qualität empfiehlt D- Wirth's Nachfolger _____________________(Th. Geilfus.)_________ 9506) Eine neue Sendung schöner Spiel- waaren, besonders schöne große Puppen, ist ausgestellt bei Georg Schmehl, am Brand. Vermiethungen. 9315) Unser Eckladen auf >em Kreuz uebst großem Fami- lienlogis ist sofort zusammen oder getrennt zu vermiethen. Gebr. Wenzel. 9486) Ein Zimmer mit Cabinet ist au Ostern zu vermiethen. Auf Verlangen kann noch eine Stube dazu abgegeben werden. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 9512) Seidene Regenschirme von 3 fl. 30 kr. an, Prima-Gummischuhe bei ________________I. Köhler. 9492) Feinstes Blüthenmehl, gestoßenen Zucker, reine gestoßene Gewürze, Thee und Ehocolade, Wachslichter empfiehlt__________Carl Hoffmann. 9488) Zurückgesetzte Porzellan-Petroleum-Lampen und Kinder-Lämpchen, erstere von 5 fl. an, bei ___________________________F. Habenicht. 9489) Eine gute Zither ist zu verkaufen bei I. Rothenberger, ________________________Lindenplatz._______ Jeder Zahnschmerz, ohne Unterschied, wird durch mein in allen deutschen Staaten rühmlichst bekanntes Zahn-Mundwasser binnen einer Minute sicher und schmerzlos vertrieben, was unzählige Danksagungen der höchsten Personen bekunden. E. Hückstädt in Berlin, Oranienstraße 57, am Marktplatz. Zu haben in Flaschen ä 18 und 36 kr. bei (9494)__________Carl Frech in Gießen. 8507) Eine Partie Harzer Kanarienvögel (Hähnchen) werden abgegeben Wall- thorstraße Lit. A- Nr. 224._________________ Genfer Uhren-Lager bei C. Zitzmann, Uhrmacher, in Frankfurt a. M.: Cylinder, Silber, von Rthlr. 4. 20 an, 7. 15. 48. - „ gegen Postnachnahme besorgt. Auf Verlangen werden die Uhren für Rthlr. 1. 5 Sgr. unter Garantie abgezogen._______________(9475) 9477) Ein Haufen guter Mist ist billig zu verkaufen bei Georg Schmehl, am Brand. Anker, „ „ '13 Steine, von ... „ Gold. Damen-Uhren von „ „ Herren- „ „ „ „ „ Remon- toirs von .... „ Franco-Bestellungen werden 9462) Wegen Wegzugs des Herrn Dr. Krumm ist das von demselben seither bewohnte Logis anderweit zu vermiethen. ________________________A- Stern. 9498) Zwei kleine möblirte Zimmer sind zu vermiethen und sogleich beziehbar Neuen- weg Lit- B- Nr. 194._______________________ 9482) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei H. Rübs am en, auf der Mäusburg. 9484) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei ______________________Dr. Weber II 9471) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit. A. Nr. 227.______________________ 9479) Ein kleines freundliches Familien- logis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen. Zu erfragen bei der Exped. d. Bl. 9316) Ein sehr freundliches, möblirtes Zimmer ist zu vermiethen. Georg Plank, in der Neustadt. Vermischte Anzeigen. 9509) Gesetzlich begründete Forderungs- Ansprüche an die Nachlaßmasse des Kappen- inachers Schunk dahier wolle man binnen 8 Tagen bei dem Unterzeichneten anmelden. Gießen, den 15. December 1868^ Karl Grüneberg II. Todesanzeige. 1 9516) Kaum war die Wunde, die/j uns durch den vor beinahe 3 Jahren n erfolgten Tod unseres hoffnungs-/- vollen, erwachsenen Sohnes Hein-1 rich geschlagen, etwas vernarbt, als dieselbe heute durch den Hingangs! unseres lieben, ebenfalls erwachsenen )] Sohnes Karl wieder aufgerissen/i l mürbe. Beide starben an der Aus-r zehrung, welche sie sich unterm Mi- l Uitär zugczogcn, nach langem schwe-^ ren Leiden. Möge der Allmächtige/, .von nun ab Schlimmeres verhüten!! ' Wieseck, am 15. December 1868. 4 Georg Hansult, Lehrer, j] _____________________________Präsident._____________Secretär.__________ 9501) Samstag den 19. December. Im neuen Saale des Gaflhoss zum Rappen: Erstes Concert ä la Strauß -er ganzen hiesigen Regiments-Musik. ____________Anfang 71/2 Uhr. Entree st Person 12 kr.____________ „Die Palme gebührt dieses Jahr wieder dem Lahrcr Hinkenden Boten." (9503) (Dr. Gihr's Sonntagsblatt.) Im Verlage von I. Schneider in Mannheim ist soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Der Protestanten-Verein * und Die moderne Cultur. Erwägungen eines der Kirche Entfremdeten. 6 Bogen gr. 8°. geh. Preis 10 Sgr. — 36 kr. rhein. Eine erst seit kurzer Zeit (gegen Ende August) in öffentliche Wirksamkeit getretene Lebensversicherungs - Anstalt erregt die Aufmerksamkeit der Fachmänner sowohl wie des großen Publikums in einem nicht gewöhnlichen Grade. Es ist dies die in Berlin domicilirende „Norddeutsche Lebensversicherunusbank auf Gegenseitigkeit." Die Bank bietet den Versicherten eine Reihe so überraschend wichtiger Vortheile (wie z. B. ohne Prämien-Erhöhung mindestens die volle Zurückzahlung der gezahlten Prämien beim Tode des Versicherten, wenn die Versicherung ans irgend welchem Grunde ungültig geworden ist) daß wir glauben, allen bestehenden Gesellschaften der Art werde eine Concurrenz erwachsen fein, die nicht darauf ausgeht, ihnen etwa das Geschäft zu nehmen, sondern vielmehr, sie zu zwingen, das Publikum mit derselben Humanität zu behandeln, um so mehr, als rechnungsmäßig nachgewiesen ist, daß Alle die von der Norddeutschen Lebensversicherungsbank gewährten Vortheile dem versicherten Pnbliknm bewilligt werden können, ohne daß die unzweifelhafte Sicherheit der Lebensversicherungs-Institute irgendwie barunter leibet. Daß bie Actien-Unternehmungm biefer Art dabei an ihren überreichen Divibenden etwas geschmälert werben, ist allerdings ebenso klar, wie es feststeht, baß die Norbdeutsche Lebensversicherungs-Bank auf Gegenseitigkeit bem allgemeinen Volkswohle bamit einen wichtigen Dienst von großer socialer Bebcutung leistet. Die Norbbeutsche Lebensversicherungsbank veröffentlicht Alles bas, was bie be- stehenben Gesellschaften bisher sehr geheim zu halten pflegten, z. B. bie Sterblichkeitstabellen, nach welchen sie rechnet, bie Reservetabellen, aus welchen ber Werth ber Policen jederzeit berechnet werden kann :c. rc. Eine natürliche Folge dieser Offenheit, welche eine rechtschaffene Verwaltung verbürgt, ist, daß sämmtliche deutsche Regierungen ber Bank innerhalb weniger Tage schon bie Concession ertheilt haben, währenb anbere ältere Anstalten lange darauf warten mußten nnb noch warten müssen.__________________________________________________ Die rastlos thätige Verlagsbuchhandlung von Jßleib & Nietzsche! in Gera publicirt von bem bereits säst überall eingeführten, beispiellos billigen nnb schönen Volksatlas über alle Theile ber Erbe (24 Karten in Buntbruck nur 7Vz Sgr.) soeben bie 5. verbesserte Auflage. Auch bie köuigl. Preuß. Regierung hat bie Herren Schulin- spectoren ber Stabt, sowie bie des Lanbes auf biefen Atlas empfehlenb aufmerksam gemacht, so daß anzunehmen ist, baß berselbe sich bald überall auch bei uns eingebürgert haben wirb. Zugleich mit dieser neuen Auflage hat in demselben Verlage ein „Specialatlas über sämmtliche Staaten Deutschlands für Schule und Haus" seinen Eintritt in bie Welt begonnen. Preis für 24 saubere und colorirte Karten 15 Sgr. Wir lenken bie Aufmerksamkeit ber Herren Lehrer auf biefen Atlas speciell hin nnb prognosticiren bemselben eine ähnliche entsprechenbe Aufnahme, wie dies mit ersterem in noch nie dagewesener Weise ber Fall ist. Auch Zeitungsleser finben völlige Besrie- bigrmg, überhaupt Jeber, ber für Politik unb sociales Leben Interesse hat. Damit nun aber Lehrer sowohl, als auch Schüler unb Zeitungsleser sich über alle Theile ber Erde genaue Auskunft verschaffen können, ist Seitens ber genannten Verlagsbuchhanblung ein geeignetes unb zweckmäßig eingerichtetes Hanbbuch unter bem Titel: „Volks- Geographie über alle Theile ber Erbe sür Schule unb Haus" als eine Art Leitsaben zu ben bevorstehenden Atlanten herausgegeben worben, welche in einer berichtigten unb vermehrten 2. Auflage (10 Bogen nur 5 Sgr.) uns heute vorliegt. In allen drei Werken ist ben politischen Veränderungen überall Rechnung getragen. Wir glauben daher nur eine Pflicht gegen das Publikum zu erfüllen, wenn wir dasselbe auf vorstehend erwähnte neue Erscheinungen empfehlend Hinweisen. Im Verlage von J. Schneider in Mannheim ist soeben erschien und in allen Buchhandlungen zu haben: Kafenöer für Deutschlands Aerzte auf das Jahr 1869 Fünfter Jahrgang. 20 Bogen Taschenformat. In Kalliko gebunden Preis 28 Sgr. = 1 fl. 36 kr. rhein. Die „Allg. Med. Ctr.Ztg.“ sagt, „dass derselbe alle bekannten ärztlichen Kalender an Zweckmässigkeit und practischer Brauchbarkeit übertreffe.“ — Der neue Jahrgang ist durch mehrere wichtige Notizen vermehrt und dadurch die practische Brauchbarkeit noch erhöht worden. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sa-amtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. Frucht- und Ntehlpreise in verflogener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. Fruchtmärkte. Gießen Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz Waizen. Gerste. Spelz. Erbsen. Hafer- Linsen. 8- Decbr. Markt preis fl.fr. fl. fr. fl.jkr- ft. fr. fl.fr. ft fr. fl. fr. fl.fr. fr. ft fl. fr- M M- M. M. M- M- M. M- M- M- Mi M- M- 30 36 7 9 9 7 9 40 24z 33 16.1 8i 31 216 46 11 11 11 11 11 30 35 16 Auf dem Markt 7 7 7 7 Auf dem Marft 9 3 946 2 33 88 151 136 8 9 9 33 32 14 Auf dem Warft Auf dem Marft Mlf preis Äuf^em Marft 40 25 20 3 Mit-- prcis ÜF 3 9 98f 8} 24 M- 7 5 158f 131 419 Mb- preis M- 5 6 72 ä 21 8 40 810 Mit.- preis Mb- preis Mbi preis Arif dem Marft Mbi preis Wicken. Auf dcm Mib- 7 3 2z 25 10 8 5 5 5 5 2 11. 12. 12. 5. 11. £S Korn Auf dem Marft fl. fr Kartoffeln. Auf dem Mit.- Marft preis Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund. Fenil Unschuldig und doch nicht schuldlos. Lriminalnovclle von Julie Düngern- (Fortsetzung.) „Bei diesen Worten trat die alte Anna aus dem Nebenzimmer heraus und sagte lebhaft: „Nehmen Sie mir cs nicht für ungut, Herr Doktor, aber jetzt drängt es mich, keinen Schattdn auf meine theure selige Herrin kommen zu lassen; Sie, oder Flora könnten ja denken, daß dieselbe um ras Gauckelspiel, welches nun getrieben wurde, gewußt hätte, dem war aber nicht so; Sidonie sagte mir nur eines Abends, nachdem sie über vierzehn Tage auf eine Zeile von dem Geliebten gewartet hatte, sie habe ihm heute geschrieben und in der Angst, daß seine Mutter den Brief unterschlagen möge, denselben geradezu an die Gräfin adressirt, ihr ihre ganze entsetzliche Lage geschildert; daß sie sich Mutter fühle und es ihren Eltern nie gestehen dürfe; zu gleicher Zeit bewerbe sich aber Herr Waller um sie, der ihr zwar nicht gefiele, der aber den Eltern sehr willkommen sei, weil damit das Geschwätz über die verunglückte Werbung des Grasen gleich unterdrückt werde; sie wisse sich nicht zu helfen und ziehe den Tod der öffentlichen Schande vor. — „Auf diese Zeilen nun erhielt meine Sidonie rasche Antwort; ich sehe noch ihr strahlendes Antlitz, als sie mir den Brief der Gräfin zeigte, welchen Sie so eben lasen, Herr Doktor. Das arme unschuldige Mädchen, welches mit den Leuten aus der Welt so unbekannt war, wie ich mit dem Großtürken, dachte nicht anders, als daß die Gräfin durch ihren Brief gerührt, Mitleid mit ihr empfunden und in die Heirath willigen werde, aber es kam viel schlimmer. „Eines Tages, als Herr und Frau Burger über Land gebeten waren, ließ sich ein fremder Herr bei Sidonie» melden; es war ein ältlicher Mann mit strengem aber nicht bösem Gesichte, nur ein Paar scharfe Augen hatte er, die konnten, einem das Herz durch und durch erforschen. Mein armes Kind wurde tobtenblaß, als es den Fremden sah, und bat mich mit einem Blicke, da zu bleiben. Freilich gebot mir das strenge Auge des Herrn, hinauszugehen, aber ich blieb im Nebenzimmer und horchte — was Gott mir in meiner letzten Stunde nicht anrechnen möge — an der Thüre. „Der Herr gab sich als Geschäftsmann der Gräfin Kolonos zu erkennen, welche wünsche, daß die leidigen Geschäfte im Guten, und ohne weiteren Kummer zu bereiten — an den Verlust ihres Lebensglückes dachte die Dame ja nicht __ abgemacht würden. Zu diesem Zwecke nun habe er, der Geschäftsmann, mit Herrn Waller gesprochen, von welchem das Fräulein der Gräfin geschrieben habe, und dieser sei bereit, gegen eine Summe von dreißigtausend Gulden Sidonie auf der Stelle zu heirathen und das Kind als das seinige anzuerkennen; auch würde er so gut wie Sidonie einen Eid leisten müssen, von dem Vorgefallenen gegen Niemand ein Wort zu äußern, damit dem jungen Grafen keinerlei Unannehmlichkeiten daraus erwachsen könnten. — „Natürlich ging mein armes Kind darauf nicht ein, sie entgegnete, daß sie ihrem' Eduard Treue gelobt und dieselbe halten werde, es möge daraus entstehen, was da wolle. Darauf zog der Herr ein Document und eine Zeitung aus der Tasche; es war die Abschrift des Kirchenbuchs, worin stand, daß der Graf vorige Woche auf seinem Schlosse mit seiner Cousine getraut worden sei; auch die Zeitung enthielt die Heirathsannonce, cs war nicht mehr daran zu zweifeln. Meine arme Sidonie war grausam verlassen worden! Auf den Schmerzens- ausruf des Kinder stürzte ich herein, nahm sie in meine Arme und versuchte sie zu trösten; ihr Schmerz war aber so grenzenlos, daß ich das Aerzste befürchtete. Da fand der kluge Mann aber den besten Trost für sie. Auf ihre wie- derholten Klagen über die Treulosigkeit ihres Geliebten, sagte er, daß die Gräfin ihn gerade durch seine Liebe dazu gezwungen habe; sie sei eine sehr heftige und stolze Frau und habe dem Sohne zugeschworen, daß sie nie ihre Einwilligung zu dieser Verbindung geben und eher ihr Geld und ihre Güter zu milden Stiftungen verwenden würde; und sie hatte dazu ein Recht, denn Alles gehörte ihr. Wage der Sohn, ihr zu widerstreben, so werde sie sich an Sidonie rächen, um ihn an der empfindlichen Stelle zu strafen ; thue er ihr aber den Willen und heirathe seine Cousine, welche auch eine böhmische Gräfin und sehr reich sei, so würde die Mutter Sidonie so zu beschützen wissen, daß Niemand etwas ahne ! — Wie sie er angestellt, den jungen Herrn zu berücken, wissen wir also, wie gesagt, nur aus der Erzählung des Geschäftsmanns; aber ein Räthsel bleibt es mir, denn er liebte das arme junge Wesen über jede Beschreibung. Nun, und daß ich es kurz mache, Kinder: Sidonie gab endlich nach, als ihr der Mann vorstellte, daß die junge Gräfin am Ende doch etwas von der Sache hören und ihren Gatten recht quälen könnte, denn sie sei surchtbar eifersüchtig, weil der Graf so furchtbar kalt gegen sie gewesen. Herr Waller, das muß ich ihm lassen, war, nachdem ihm Sidonie das Wort gegeben, sehr bemüht, ihr auch eine gute Meinung von ihm beizubringen. Die Eltern wurden natürlich auf das Freudigste überrascht, als nach ihrer Rückkunft Sidonie sich bereit erklärte, ihren Willen zu erfüllen. Die Hochzeit wurde auf Herrn Waller's Wunsch auf das Aeußerste beschleunigt, er schützte seinen Schwiegereltern gegenüber eine unaufschiebbare Geschäftsreise vor, welche ihn vielleicht nur Wochen, vielleicht viele Monate abhalten könne, nach B. zu kommen, er aber fürchte ein Rücktrcten Si- doniens und wolle sie also gleich beim Wort ergreifen. Den Eltern war dies natürlich willkommen; sie wurden schleunigst aufgebvtcn und in drei Wochen war das liebe Kind Frau Waller geworden. In den ersten Jahren, selbst als l e t o n. Flora geboren war, behandelte sie ihr Gatte recht gut, er hatte, mit der Mitgabe des Herrn Burger und mit dem Gelde der Gräfin Kolonos sehr gute Geschäfte gemacht, auch liebte er seine Frau, freilich auf seine Art, und zuletzt mochte er auch vielleicht fürchten, der junge Graf oder seine Mutter könnten sein Benehmen gegen seine Frau erfahren. Später aber, als seine Geschäfte anfingen, schlechter zu gehen, kam seine rohe Natur wieder zum Vorschein, er mißhandelte sein Weib und zuletzt, als Deine Großeltern, Flora, gestorben waren und ihm unbedingte Herrschaft über das Vermögen ihrer Tochter gestatteten, wurde er immer schwerer zu behandeln. Vielleicht mochte er auch nicht so viel Geld gefunden haben, als er gehofft hatte. In den letzten Jahren nun haben Sie selbst gesehen, Herr Doktor, wie böse der Mann oft sein konnte; seine schlechten Verhältnisse — denn er hatte immer unglückliche Spekulationen im Kopfe — mögen auch ihr gehöriges Theil dazu beigetragen haben; mein armes Kind hatte die Hölle auf Erden, und wir können Gott nicht genug danken, liebe Flora, der sie nun erlöst hat!" — Als die Erzählerin schwieg und beide Zuhörer ihr dankend die Hand gereicht hatten, lasen beide noch die verschiedenen Dokumente und Briefe mit größter Sorgfalt durch, jede Zeile, welche einen Anhaltspunkt zu bieten vermochte, mit einander berathend. Anna war inzwischen hinausgegangen, das einfache Mahl zu bereiten. Als jedes Schriftstück durchgesehen war und Beiden kein Zweifel mehr übrig bleiben konnte, lehnte Flora erschöpft und thränenmüde ihr Haupt an des Freundes Schulter und sagte: „Welch eine herrliche, mit der ganzen Welt ver- söhnende Gabe ist doch die Liebe! noch vor einem halben Jahr hätte mich diese Entdeckung grenzenlos unglücklich gemacht, der Flecken, der auf meiner Geburt ruht, würde mir auf der Seele gebrannt haben, jetzt, wo ich Dein bin, macht es mir wohl Schmerz, daß meine arme Mutter so viel erduldet, und auch mein Avoptiv-Dater thut mir leid — er wäre vielleicht unter anderen Umständen ein besserer geworden — gegen mich aber, diese Nachrede bin ich ihm noch im Grabe schuldig, — war er stets gut und liebevoll, ja er zeigte mir zuweilen eine Weich- heit, welche wohl aus unserer gegenseitigen Stellung zu erklären sein dürfte. Wie gesagt, das Vergangene schmerzt mich, aber hoch über jedes Leid trägt mich der Gedanke, daß ich Dir gehöre, daß Du durch das unermeßliche Opfer, wie Du es mir gebracht, mir die Größe Deiner Liebe in solchem Maße zeigtest. Mein ganzes Leben soll auch dazu bestimmt sein, Dir, hoher, herrlicher Mann zu dienen und Dich zu verehren!" — Gerührt zog der Doktor die Geliebte an sein Herz. „Wir wollen uns in den nächsten Wochen ganz in der Stille trauen lassen und dann uns einen andern Fleck Erde aufsuchen, wo wir unser Nestchen bauen wollen. Hier zu bleiben, wo man meine Ehre angefeindet und wo meine Neider nicht schweigen werden, wäre mir unmöglich." „Wo Du bist, soll auch meine Heimath fein," entgegnete das Mädchen mit Innigkeit, „nur Eines möchte ich im Leben wünschen, außer dem Glücke, Dein Weib zu fein, das nämlich, meinen Vater kennen zu lernen, — die wenigen Worte, die ich mit ihm wechselte, konnten das nicht bezwecken — und ihm durch meine kindliche Liebe das Leben zu verschönern, denn daß er mit jener Frau nicht glücklich sein kann, das habe ich an dem hämischen Lachen ersehen, mit welchem sie ihn begrüßte. Ich schaudere, wenn ich an das Weib denke; mir kam es vor, als ob sie ihren Gatten auf einem Liebesabenteuer zu ertappen glaubte; wie mag sie den Armen quälen, der nun doch nicht die Wahrheit sagen darf." „Auch diese würde ihm wenig nützen," entgegnete der Doktor, „das Bewußtsein, daß ihr Mann ein solches Geheimniß vor ihr gehabt, würde ihn ganz in ihre Macht geben, wir wollen also gar nichts thun, um Deinen Vater nicht zu kompromittiren. Da wir seinen Namen wissen, können wir uns stets von Zeit zu Zeit nach feinen Verhältnissen erkundigen und ihm, wenn er vielleicht einst von dieser Frau befreit ist, unseren Aufenthaltsort mittheilen oder ihn aussuchen. — Eins aber muß ich Dir noch gestehen, theure Flora, daß nämlich das Bewußtsein, daß Waller nicht Dein Vater gewesen, eine ganze Bergcslast von meiner Seele genommen hat; ich konnte diesen Mann nie leiden und that mein Möglichstes, einen immer wieder aufkeimenden Haß gegen ihn zu unterdrücken, weil er ver Mann Deiner Mutter war, welche ich so innig verehrte. — Wenn ein Menschenkenner — ich glaube es war Larchefoucald — behauptet, daß beinahe jeder Mensch in Gedanken einen Mord auf dem Gewissen hat, so mag dies übertrieben fein, aber bei mir findet es theilweise Anwendung. Nicht daß ich nicht alle meine Kunst aufgeboten haben würde, ihn ;u retten, dazu war ich ja Arzt und es war meine heilige Verpflichtung, aber als Mann gegen Mann hatte ich oft Anwandlungen, ihn geradezu todtzuschlagen, wenn er vor mir einen rechten Akt der Rohheit beging; und als ich arretirt wurde, dachte ich, ob dies wohl die Strafe für die Gedankensünde sein möchte, da id), sehr oft, und von ganzem Herzen den Tod dieses Mannes gewünscht hatte. Wie ich nun vernehme, daß er nicht Dein Vater, war und mir also ein ganz gleichgültiger und durch seine Schuld zu verachtender Mensch sein durfte, fühle ich mich ordentlich gesühnt und von einem Fehl losgesprochen. Ich weiß nicht, ob Du mich begreifst, aber mir ist ganz leicht um's Herz!" — (Fortsetzung folgt.) ; Druck und Verlag der Brübl's-b-n Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Redaction Honen ein Ende zu machen. Wien, 15. Dec. Dos „Telegraphen-Corresp.- Bureau" meldet au« Konstantinopel, 14. Dccember, Abends: Es bestätigt sich, daß der türkische Ge- sandle Athen, sowie der griechische Gesandte Deiyannrs nebst andern Griechen Konstantinopel heute verlassen. In Athen haben enthusiastische Demonstrationen vor den Hotels der Gesandten Englands, Amerika's, Preußens und Rußlands stattgefunden. London, 15. Dec. Lord Clarendon sprach sich bei dem Empfang der Diplomaten dahin aus, daß die Aussichten für den Frieden überwiegend seren." Griechenland würde nachgeben. Die Verhandlungen dauerten fort, um die griechischen Empfindlichkeiten zu schonen. ........ Darmstadt, 15. Dec. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde der von den im Jahre 1866 erworbenen neuen LandeStheilen zum Abge- aeordncten erwählte Advokat Curtmann von Fried» berg verpflichtet, und nahm derselbe seinen Sitz rn der Kammer ein. Unter den sehr zahlreichen neuen Einläufen heben wir die Regierungsvorlagen über die Einführung der allgemeinen Einkommensteuer, die neue Rbeinschifffahrsacte, den Vertrag mit dem norddeutschen Bund wegen des Main-Neckarbahn- I zweckelP Telegraphen und das Gesetz über die Pensionsver- hältniffc der Offiziere und höheren Militärbeamtcn hervor. Anträge des Abgeordneten Metz gehen auf eine zeitgemäße Aenderung des Preßgesetzes, Eintritt der Provinzen Starkenburg und Rheinhessen in vcn | norddeutschen Bund, endliche Ausführung der pro» jectirten Eisenbahnen, Einführung freier Ortsvor- standswahlen und Freiheit der Gemeinden. Dumont beantragt den Erlaß einer Städteorvnung, die Aufhebung der Rcgalitätsabgaben von Bergwerken, Erlaß eines Gesetzes über das Coalitionsrecht. Goldmann, Hallwachs und Fink wünschen Vorlage eines Schullehrerpensionsgesetzes. Die Abgeordneten des norddeutschen Reichstags, v. Rabenau und Wendel, haben eine Petition bezüglich der Vertretung der beiden linksmainischen Provinzen im norddeutschen Bundesrath eingcreicht. Die Stadt Offenbach beschwert sich über dar Präsentationsrecht des Fürsten von Isenburg an den Offenbacher Schulen. Hall- wachs interpellirt die Regierung über den Stand der Eisenbahnbauten. Vom Ministertisch wird die letztgenannte Interpellation sogleich in ausführlicher Weise dahin beantwortet, daß überall die Eisenbahnbauten in Angriff genommen und in erfreulichem Fortgang sind, und erklärt sich der Interpellant mit dieser Erklärung zufriedengestcllt. Berlin, 13. Dec. Man wird lange noch im Volke der gestrigen Debatte des Abgeordnetenhauses über den Cultusetat gedenken, weil Virchow zu ihm das Wort genommen hatte. Virchow hat gestern Abend mit seiner Zergliederung rc« Mühler'scken Systems und der umfassenden Darstellung des ganzen geistigen Lebens in Preußen und Deutschland das Höchste geleistet, was ein Abgeordneter überhaupt leisten kann. Wer bloß auf das flüchtige Kammerreferat, und wäre cs an sich noch so gut, I sich verläßt, dem werden die tiefen Gedanken Virchow s nicht nahe genug gerückt, um sich ein Urtheil varüber zu bilden. Es ist dringend nothwendig, daß solche Rede, die beste, die vielleicht je in einer deutschen Kammer über ideale Dinge gehalten worden, durch ! wortgetreue Wiedergabe die aüerweiteste Verbreitung | findet. Wer unter dem Eindruck der Virchow'schen Worte stand, der fragte sich momentan: ist es denn möglich, und wie ist es möglich, daß Hr. v. Wühler noch eine Stunde lang Minister bleibt? muß er nicht I nothgcdrungen auf jeden Staatsdienst von Stunde I an verzichten? Jndcß solche Fragen, so große innere Berechtigung sie haben, weil sie natürliche sind, gehören zu den eitelsten, die gestellt werten können. Hr. v. Wühler bleibt eben nach wie vor im Amt, | cs ist auch gar nicht daran zu denken, daß sein System die geringste Modification erfährt, obwohl an diesem System kein gutes Haar gelassen worden ist. _ Der Bundesrath bleibt vorläufig bls zum Weihnachtsfeste versammelt und wird sich dann, ver- muthlich bis Ausgangs Januar, vertagen. Die Zwischenzeit wird im BundeSkanzlrramte zur Fertig- stellung des Budgetentwurfs pro 1870 benutzt werden, so daß alsbald nach dem Wiederzusammentritt des Bundesrathe« die Vorlage desselben erfolgen kann. Hieraus ergibt sich von selbst, daß die Einberufung des Reichstags vor dem Monat März unmöglich erfolgen kann. Was in einzelnen Blättern von einer mehrmonatlichen Vertagung des Abgeordnetenhauses, einer Einberufung des Reichstages schon im Januar rc. verlautet, beruht wohl auf Jrrthum. Das Haus der Abgeordneten vertagt sich nach Erledigung des Budgets nur auf drei Wochen. Im Bundesrathe haben in den letzten Tagen nur ein- zelne Ausschüsse Sitzung gehabt. Zu morgen wird übrigens die Einladung zu einer allgemeinen Bun- desrathssihung erwartet. Bremen, 15. Dec. Der „Weserzeitung" schreibt man aus Berlin : Die Vertreter England« und Frankreichs in Wien seien beauftragt, der österreichischen Regierung Vorstellungen zu machen über die Gcfah- ren, welche ihr Verhallen im Orient für den europäischen Frieren Hervorrufe. Im Zusammenhänge damit stehe die Abberufung de« österreichischen Botschafters in Konstantinopel. An der Beilegung des türkisch - griechischen Streite« werde nicht mehr ge- begrüßen. Wien, 13. Dec. Aus dem hannoverisch - hessl- schen Heerlager ist ein neues Kriegsmanifest hervor- gegangen unter dem Titel: „Kurhesflsche Steckbriefe". Diese in Wien gedruckte und verlegte Schrift veranlaßte die „Dorstadtzeitung" zu der Erklärung, daß alle ehrenhaften Dcutschösterrcicher sich mit Verach- tung von einer Partei abwenden, welche eine vater- landsvcrrätherische Allianz mit Napoleon HI. befürwortet. „In vollem Ernst", sagt das Wiener Volksblatt, „muß die deutsche Demokratie dagegen protestiren, daß ihr Ruf verunreinigt werde durch Aaenten und Wühler der bedenklichsten Sorte. Solche falsche „Demokraten" oder gar „Republikaner" hocken mit den Kammerjunkern und Gehcimräthen an ex- fürstlichen Tischen und schmieden Complotte, um Deutschland mit Hülfe Frankreichs zu „befreien ." Die Wiener „Morgenpost" fordert das Mimstenum Giskra auf, den welfischen und kurhessischen Agita- Berlin, 15. Dec. Abgeordnetenhaus. Beider Berathung des Culiusetats sprachen die Abgeordneten Schwerin und Patow für die Aufhebung der Universität Marburg und befürworteten dafür dre Gründung einer Universität in Frankfurt a. M. Der Cultusminister erklärte, die Regierung haoe selbst daran gedacht, sei jedoch wieder von dem Gedanken zurückgekommen, um Hessen nicht zu verletzen. Die Besoldung für die Kuratoren der Universität Vermischtes. ! Gießen. Zur Berichtigung unserer Nachricht in Betreff der beiden in der Lahn aufgefundenen Leichen müssen wir hin- ! zufüge«, daß das Mädchen nicht Margaretha Hölscher, sondern Emma Mörschel geheißen hat. Butzbach, 12. D-c. Gestern Nachmittag ist der Reichstags-Abgeordnete Arnold Wendel verschieden. Er stand im 51. Lebensjahre. _ , „ „ — . Böhmen. Mit einem eigenhändigen Erlaß vom 1868 hat der Prager Verwalter Zastiertz ein österreichische« Seitenstück: „Der Katz muß" zu dem russischen: „Der Bien muß" geliefert. Der heitere Erlaß an das VerpfiezungSmagazin CzaSlau (.Böhmen) lautet: „Es ist sehr traurig, daß die m drin Magazin aufbewahrten ärarischen Getraidevorräthe du>ch Ratten und Mäuse zerfressen werden. Das Verpflegungsmaga- -in hat demnach die beihabende Magazinskatze zur Pflicht an- zuhalten, wenn solche aber durch Alter oder Kränklichkeit ihrem Berufe nicht Nachkommen könnte, so ist sie dem Suverarbitrium vorzustellen und in das Prager Jnvalidenhaus zur einstweiligen leichtern Dienstleistung im Holzgewölbe abzugeben. CS ist in diesem Falle eine mit allen erforderlichen Eigenschaften versehene neue Katze zu assentiren, derselben der Vorlheil des allerhöchsten Aerars zu Gemülhe zu führen, und allenfalls auch durch Prämien sie im ihrem löblichen Berufe zu ermuntern. Uebri- qens aber wird dem löbl. — des eigene« Vortheils willen anheim gestellt, gegen nächtliches Herumvagiren, unsittliche Lie- beshändel der jeweiligen MagazinS-Katze, absonderlich aber gegen das Herumlaufen auf den Magazinsdächern, die kräftigsten Maßregeln zu treffen, und überhaupt der Magazinskatze einzu- präqcm daß der Dienst ihre Gegenwart nicht auf den Dächern, sondern in den Speichern, Gewölben rc. erfordere. Von dem Erfolge wird di- Anzeige erwartet. Paris, 11. Dec. Isabella von Bourbon wird m diesen Tagt« den Pavillon de Rohan »erlassen, um sich in dem Hotel der Champs ElysüeS definitiv zu installiren. Da« Boudoir der Er-Königin soll ein Meisterstück von Eleganz sein, deßgleichen der Speis-saal, der von einem bedeutenden Künstler mit geschmackvollen Malereien verziert ist. Man spricht viel von einer entente cordiale zwischen Isabella und Don Carlos, die ihr- Basis in den schwindenden Aussichten der b-id-n Pratcn- ! dcnten haben soll und -in gemeinsame« Handeln g-g-nuber den Liberalen zum Zweck hätte. Andererseits behauptet man die Er Königin verhandle mit Olozaga und sei zu den weitgehendsten Zugeständniffen bereit, wenn sie nur überhaupt wieder ihre „geliebten Spanier" regieren dürfe; die „Nnthatigkeit des Pa- Dresden, 13. Dec. Graf Bismarck ist heute Abend, unmittelbar nach aufgehobener königlicher Ta- fel, zu der er geladen war, mittelst ExtrazugS nach Berlin zurückgekehrt. Der längst vorh-rgefehene Besuch desselben am hiesigen Hofe ist lediglich als eine, dem zweitgrößten Bundesfürsten zu dessen Geburt«, tage erwiesene Aufmerksamkeit Seitens des Bundeskanzlers aufzusaffen. Unsere Bevölkerung verharrte in dieser Zeit in ihrer gewöhnlichen ruhigen, ge- messenen Haltung, und nur einige besondere Verehrer des Grafen hatten sich nicht abhalten lassen, ihn bei seiner Ankunft Freitag Nachts mit einem Hoch zu England. Niemand in der Welt macht von seinem Reichthume einen fchönern Gebrauch, als der Amerikaner Peabody. Unermüdlich gründet er in seinem Baterlande und in London Schulen, Armen - und Krankenhäuser ic. und stattet sie königlich aus, daß ihr Segen ihn überlebt, oetzt wieder hat er den Armen in London 100,000 Pfund Sterling geschenkt, zusammen seit etwa zehn Jahren 3c>0,000 Pfund oder 2V2 Mill. Thaler. Amerika. Nach den neuesten Berichten aus den Oel- Regionen von Philadelphia ist daselbst kürzlich in einer vorber noch nie erreichten Tiefe eine reguläre Erdölschichte ent- deckt worden, die sich als äußerst ergiebig erwiesen hat. Diese wichtige Entdeckung kommt sehr gelegen, da die Petroleum- Nachfrage während dieses Jahres erstaunlich zugenommen, andererseits aber die Ergiebigkeit der meisten alten Quellen sich erheblich vermindert hat. In dem Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. November d. I. belief sich bei einer fast doppelten Anzahl neuer Quellen der Aggregatsertrag auf 3,090,000 Mfsor — eine Zunahme von nur circa 10 pCt. im Vergleich zum Ertrage des Vorjahres. Während der ersten 10 Monate dicses Jahres haben die Petroleumverschiffungen nach fremden um 50 pCt. zugenommen, andererseits der disponible Vorrath in Europa sich nicht vermehrt, was auf einen ansehnlich vergrößerten Verbrauch schließen läßt. Der Gesammtvorrath an den Quellen beläuft sich augenblicklich auf nur 226,000 Fässer 660,000 zur selbigen Zeit im vorigen Jahre. Der Preis beträgt durchschnittlich 4 Dollar per Faß gegen 2 Dollar 50 Cents im vorigen Jahre. Di- Zahl der ,m Betrieb befindlichen i neuen Quellen ist 435 gegen 225 in dem vorhergehenden Jahre. Aus St. Helena berichtet der Capltan der britischen Barke Euphrosine" über eine seltsam- Naturerscheinung di- er in itt Nacht vom 8. zum 9. November im atlantischen Ocean beobachtet hat. Um Mitternacht verdunkelte sich der Horizont «löblich durch dicke schwarze Wolken, und nach allen Richtungen hörte man -in Geräusch, das einer entfernten Kanonade | glich, während die See in furchtbar- Brandung g-neth. Der Kompaß fibrirte stark und verlor fast seine Polarität. Aus dem Himmel schossen mehrere große leuchtende Meteore, Fische zeigten sich auf der Oberfläche der See und schlugen w unruhiger Bewegung gegen die Seiten de« Schiffes, welches in seinem ganzen Ban dermaßen erbebte, daß man das Rumpeln und Pollern deutlich hören und verspüren konnte. Die Bewegung der See dauerte bis Sonnenaufgang, dann wurde daS Wetter klarer und ruhiger. Der Capitan meint, daß, nach dem Zittern des Schiffes zu urtheilen, ein unterseeisches Erdbeben stattgefunden haben müsse. ,Ein frommer Wunsch.) Der „Dresdener Anzeiger" vom 3. Juli 1868 enthält folgende Todesanzeige: „Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß mein theu- rer Mann, der Schuhmachermeister August Madig, am 1- Juli 7 Uhr, nach kurzem Krankenlager sanft entschlafen ist. Gott bewahre Jeden vor solchem Schicksal. Die trauernde Wittwe." —„ a u tiftt Eril«" bekomme ihr durchau« nicht und ihr Ehrgeiz sei weit lebhafter al« man bisher angenommen habe. Marfori, der Unglückliche, der von der neugierigen Meng- in jede« Kaffeehaus verfolgt wird und bi« jetzt noch kein- Promenade machen konnte, ohne einen förmlichen Auflauf zu veranlassen, hat mit einem Vertrauten ernstliche Berathungen gepflogen, welche Maßregeln zur Verhütung dieser peniblen Auftritte zu ergreifen seien. Endlich ist d-r Gekränkt- auf di- sublime Idee gekommen, sich den Bart stehen zu lassen und sich auf diese Weis« den Blicken d-r Menge unkenntlich zu machen. Diese Neuigkeit, die nächst der türkischen Fra,- g-g-nwärtig das bedeutendste evenement du iour ist, hat sich indcß so rapid in allen Schichten d-r Bevölkerung verbreitet, daß das klug- Manöv-r de« Er-Jntendan- t-n höchst wahrscheinlich die beabsichtigte Wirkung verfehlen wird. Wenn man ein so insolent charakteristisches G-srcht hat, wie der Freund JsabellenS, dann muß man sich nicht beschweren wenn man auch ohne Steckbrief in seiner Jdendität consta- tirt wird. Ich bin in da« Capitel „Personalien" geratben, und versäume daher dies« Gelegenheit nicht, Ihnen mitzuthei- len daß nach Berichten einiger Compiogner Gäste der Kaiser leidender aussieht als je, während bei Cugenien ein gewisser nickt ganz aristokratischer Embonpoint immer prononcrrter her- vorzutrcten verspricht. Die Kaiserin soll nie so munter gewesen sein al« dießmal, und allgemein rühmt man ihre ungemeine Liebenswürdigkeit und ihre geistreichen Bemerkungen. Was die Politik betrifft, so sieht Ihre Majestät augenscheinlich ruhiger in die Zukunft al« ihr hoher Gemahl: abgesehen von ihrer seltenen H-iterk-it liegen dieser Anschauung directe Aeußerungen der Kaiserin zu Grunde. Am 16. d. M. wird sich der Hof definitiv in den Tuilerien installiren. Frankreich. Einem wissenschaftlichen Berichte des Hrn. Eeylin Disponenten der französischen National-Hühnergesell- schaft 'm Paris, entnehmen die Blätter folgendes naive Curiosum: „Neuerdings werden in Frankreich die Truthahne ru einem eigenen Zwecke, nämlich zum Brüten und Aufziehen der jungen Hühner, verwendet. Während die Henne nicht mehr als ein Dutzend Küchel auszubrüten vermag, kann ein Puter deren zwanzig bis dreißig groß bringen und dabei wird er noch selbst gemästet und kür die Bratpfanne vorbereitet. Di- Art und Weise aber, wie dem dummen Puter dieses Muttergefühl beigebracht wird ist höchst ergötzlich und stammt von den Chinesen. Ein oder zwei Gläser voll starken Wein werden dem Puter ohne viel Röthigen in den Hal« gegossen, und während seiner daiauf ! folgenden Trunkenheit ihm die Federn von der Brust gerupst; in dieser Beschaffenheit wird er mit entblößtem Busen auf einen Haufen auszubrütendcr Eier gesetzt. Der Rausch vergeht nach und nach, d-r Schlaf nimmt sein Ende, und der „Puter- Kater" findet sich ein. Der sonst so stolz- Herr läßt den ro- then Kamm hängen und deutlich liegt in seinen Mienen die Frage: „Wo bin ich?" Er will sich erheben, doch natürlich I hei den noch geschwächten Beinen kann der würdige Herr „nicht auf Eiern gehen", er läßt sich wieder nieder, die Beine sind gekräftigt, doch — er empfindet auf seiner Brust den Mangel eines Cachenez — er läßt sich wieder nieder. Noch oft »er« I sucht -r's bei stetem Nachdenken, doch — die Federn wachsen nicht so schnell wie Pilze; um sich zu wärmen heuchelt er Mutterliebe und — bleibt sitzen, di- Eierschalen bersten nach den üblichen Tagen seines Wochenbettes, eine neue Aera beginnt für sein Denkvermögen, als er nach dem langen Nachdenken di- Küchlein sieht - er fühlt sich Mutter und behütet die Jungen mit Pflicht und treuer Wachsamkeit und