Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal. Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleibera Pit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kielen. Nr. 136. Dienstag dm 17. November 1868. Amtliche Bekanntmachungen. Girtzrn, am 12. November 1868. Vetressend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden betr- D A ö G r o ß h e r)o g i i ch e Kreisamt Gießen an die Großheyoglichen Bürgermeistereien. Wir fordernde auf, alsbald unter Zuziehung des Gemeinderaths die vorgeschriebene jährliche Revision der Brandkataster vorzu- nehmen und das 01 gebniß Binnen 14 Tagen vorzniegen. Dr. G o l d m a n n. Besondere Bekanntmachung« n. Die abgeschlossene Rechnung des Armenvereins dahier vom Jahre 1867 liegt zur öffentlichen Einsicht auf dem hiesigen Polizei-Büreau offen. Jndein wir das summarische Ergebniß derselben nachstehend zur Kenntniß der Einwohner Gießens bringen, verbinden mir damit die Bitte, dem Vereine auch ferner das seither bewiesene Wohlwollen angedeihen zu lassen und richten noch insbesondere an die unterdessen neu eingezogenen Einwohner das Ersuchen, dem Verein beitreten zu wollen. Einnahme: Kassevorrath aus vorderen Jahren......... 362 fl. 33 fr- Beiträge der Mitglieder.............1013 „ 22 „ Zinsen von Capitalien.......... 60 „ — „ Summa 1435 fl. 55 kr- Ausgabe: Unterstützungen: a. an Handwerksbursche..... 645 fl. — kr. b. „ Bezirksarme....... 465 „ — „ c. „ eine arme Familie .... . — „ 45 „t nioff. 45 kr. Für Mobilien................— „ 54 ,, Verwaltungskosten............... 155 „ 11 „ Uneinbringliche Beiträge............ 21 „ 45 „ Summa 1288 fl. 35 kr- Abschluß: Die Einnahme beträgt............. 1435 fl. 55 kr- Die Ausgabe dagegen............. 1288 35_ „ __ Verglichen bleibt Kassevorrath 147 fl. 20 kr- Gießen, am 12. November 1868. Der Vorstand. Dr. Goldmann. Oeffeutliche Aufforderung. 8526) Dem Carl Lindenstruth von Gießen, seit längeren Jahren unbekannt wo? abwesend, wird hiermit eröffnet, daß seine Mutter am 1. August l- I. dahier mit Hinterlassung eines gerichtlichen Testaments, in welchem sie ihn mit seinen zwei Brüdern Wilhelm und Louis Lindenstruth zu gleichen Theilen als Erben eingesetzt habe, verstorben sei, und ihm aufgegeben, sich binnen drei Monaten von heute an über die Anerkennung des erwähnten Testaments und über Antretung der ihm angefallenen Erbschaft dahier zu erklären, widrigenfalls die Anerkennung des Testaments und die Ausschlagung der Erbschaft angenommen werde. Gießen, den 11. November 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Oppermann, Stadtrichter. Stadtger--Assessor. 8523) Nachdem gegen den hiesigen Wirth Heinrich Rech das vorbereitende Gantverfahren eröffnet und Max Pilger von hier zum provisorischen Massecurator bestellt worden ist, können Ausstände des Ersteren nur an den Letzteren gültig bezahlt werden. Gießen, den 7. November 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Becker, Stadtrichter- Stadtger.-Assessor. A u f f 0 r d e r u n g. 8502) Da Musketier Johann Franz Weil aus Lang-Göns, Kreis Gießen, ohne Entschuldigung bei der diesjährigen Herbst- Controloersammlung gefehlt hat, so wird derselbe hiermit öffentlich aufgefordert, sich binnen vier Wochen bei dem Landwehrbezirks-Feldwebel zu Gießen anzumelden, andernfalls ihm nachtheilige Folgen nicht abgcwendet werden können. Gießen, den 10. November 1868. Das Großherzogliche Landwehrbezirks- Commando Gießen. G a n d e n b e r g e r , Oberstlieutenänt und Bezirks-Commandeur. 8524) Die Pächter des Hospitalguts werden an die Bezahlung der Martini l. I. fällig gewesenen Pachtgelder pro 1868 binnen acht Tagen hierdurch erinnert. Gießen, am 14. November 1868. Der Rechner: Wittich. Versteigerungen. 8509) Donnerstag den 19. November, Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Wohnung des Eberhard Noll in der Sandgasse die dem minorennen Kinde desselben gehörigen Mobilien, als: Kleider, Weißzeug, Haus- und Küchenge- räthe, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 13. November 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen- Ebel. 8507) Dienstag den 24. November, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause die Hofrai- then, zum Nachlasse der Christian Grube Wittwe gehörend, bestehend in zwei Wohnhäusern, als: Flur Nr. sHKlftr. 17/g 88 Hofraithe am Mühlweg, 17/7 90 Wiese daselbst, 17/25 156 Acker daselbst, 17/24,s 30 Hofraithe daselbst, 17/24,s 235 Grabgarten daselbst, nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, am 13. November 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. 8508) Dienstag den 24. November, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhause die dem minorennen Kinde des Eberhard Noll gehörige Hofraithe in der Sandgasse nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 13. November 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. Wollen - Waaren - Versteigerung. 8520) Heute, Dienstag den 17. d. Mts., und ^morgen, Mittwoch den 18. d. Mts., jedesmal Nachmittags halb 2 Uhr, werden im Gasthaus zum Darmstädter Haus eine große Partie Wollen-Waarcn, bestehend in Herren- und Frauenjacken u. bergt, unter Garantie öffentlich versteigert. 1 C. Pietsch I. Holzversteigerung. 8516) Donnerstag den 19. November w-rd in den Domanialwaldabtheilun- gen Häuserborn und Buchenberg nachverzeichnetes Holz versteigert: Scheidh. Prügelh. Stockh. Reish. Stecken Stecken Stecken Wellen Buchen 1 31 8 925 Eichen — 173/4 iß 975 Nadelholz IN/4 37 57V2 3775, 27 Eichenstämme mit 1893 Cubikfuß, 827 Fichtenstangen „ 1368 „ hierbei 3 schwere Eichenschmiedstöcke und 12 Eichenstämme von 16—23 Zoll Durchmesser. Zusammenkunft Morgens 10 Uhr im Häuserborn an der Eisenbahnlinie. Stammholz und Stangenholz wird zuerst ausgeboten. Freitag den 20. November wird ferner in der Abtheilung Buchenberg versteigert : Stammholz Stangenholz Zahl Cubikf. Zahl Cubikf. Eichen 41 511 181 693 Nadelholz 234 4328 417 1185 Zusammenkunft Morgens 10 Uhr am Feld an der Eisenbahnlinie. Credit bis zum 30. Juni 1869. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. ___________Dr. Draudt. Arbeitsversteigerung zu Kirchberg. 8504) Donnerstag den 19. November, Vormittags um 9 Uhr, sollen auf dem Hofe Kirchberg die zur Unterhaltung der Kirche daselbst erforderlichen Bauarbeiten durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben werden, als: Maurerarbeit, veranschlagt zu 38 fl. Dachdeckerarbeit, „ „ 210 „ Schreinerarbeit, „ „ 26 „ Schlosserarbeit, „ „ 11 „ Spenglcrarbeit, „ „ 21 „ Gießen, den 13. November 1868. I. A.: Körner, Bezirksbauaufsehcr. Feilgebotenes. 8536) Acchte und frische Nürnberger Lebkuchen, aus der Fabrik meines Schwiegervaters, Herrn Jacob Goeß in Nürnberg, sind bei mir ein getroffen und gebe ich dieselben zu Fabrikpreisen ab. Adolph Noll, in Firma: Joh. Balthasar Noll, _________________im Ritter._________________ <.z Bi e 8494) Beim Beginne des Winters bringen wir unsere Cokes als billiges und reinliches Heizmaterial in empfehlende Erinnerung. Gießener Gaswerk. 8538) Kieler Sprotten sind angekommen bei I. A. Busch Söhne. Ocfcn und Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Feuerungs- und Küchcngeräthfchaften, Stein- und Braunkohlen, in ganzen und gett) eilten Waggon-Ladungen und im Einzelnen (8490) empfiehlt I. G. D. Bapst. »erkauft Th. Lotz Wittwe. 8498) Ein gut erhaltener Rollwagen ist zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. dieses Blattes. 8537) Frische Schellfische treffen heute ein bei I. A. Busch Söhne. 8517) Jmporlnteii Ananas - Rum empfiehlt in Original - Quart - Flaschen ä 1 Rthlr. Julius Waliach. | Anisformen empfiehlt_________________I. H. Fuhr. 8512) Eingemachte Ananas, Ananas- Syrup (zu Bowlen), Ananas-Punschessenz, Orang-Punschessenz, Cardinal- und Bischofessenz. Gleichzeitig bringe ich meine selbst- gefertißte und reingehaltene Vanille-, Gewürz- rind Gesundheits-Chocolade, im Preise von 32 kr. bis zn 1 fl. 45 kr., in empfehlende Erinnerung, sowie für Leidende meine beliebt gewordene Stuttgarter Caconia (entölte Cacao) und Emser Pastillen. E. Lind, Hofconditor, Kirchenplatz Lit. A. Nr. 250. 8509) Zupfelzeuge in großer Auswahl, gut gearbeitet und in verschiedenen Breiten, sowie auch Tcppich- zcuge, Bordcnröckc, Travers und Bei- dcrwand, empfiehlt zu de» reellsten Preisen Louise Seibel, Neustadt. 8511) Ein Haufen Dünger ist zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl. 8540) Erfurter Pflaumen, pr. Pfund 7 kr., empfiehlt L- Fr. Handwerk, Neustadt. 8539) Bei mir ist fortwährend trockenes Buchen-Sch eidholz, und zwar in ganzen, halben, Viertel- u. Achtel-Stecken, sowie auch kleingemachtes zu Scheidtern, zu haben. August Bartholomay, wohnhaft in der Katharinengasse. 8528) Ein lebender Uhu, schönes Exemplar, ist zu verkaufen bei Theodor Kallenbach, in Eisenach. 8525) Künftige» hiesige» Jahrmarkt, als am 18. b. Mts., befindet sich wieder »er spottbillige Ausverkauf von Seidenbättdern, Besätzen, gestickten Kragen, Kleiderzeugen, Knöpfchen u. s. w. u. s. w. nur vor dem Schulhause. ______________________________ Mein Laaer in allen Sorten Petroleum-Lampen, für deren Güte ich garantire, sowie Lampenfüße, Brenner, Vasen?Milchglasschirme, geschliffene Kugeln, Cylinder, Dochte, Dochtscheeren, Cylinderwischer re b?inae ick in empfehlende Erinnerung. Zugleich bemerke ich, daß Reparaturen und Umänderungen an Lampen prompt und pünktlichst " " Wilh. Orbig, Neuenbäuen. besorgt werden. ' xJ 1 Pelzwaaren in großer Auswahl und in vorzüglich anerkannter Qualität sind ein- getrofsen bei__________________________________ Flörshei m. | Ausverkauf wollener Gesundheitsjacken und Leibbinden, welche auch en detail zu sehr billigen Preisen abgegeben werden bei ______________Gessr. Sandauer. 8518) Während der ganzen Saison beständig größte Auswahl in fertigen Damen- und Kinderhüten zu billigen Preiien. Wilhelmine F u h r. 8522) Das Georg Lam- pus'sche Haus am Kreuz sammt den seither von den Herren Gebrüder Wenzel und Herrn Schirmfabrikant Frank innegehabten Lüden und Nebengebäuden ist zu vermiethen, eventuell zu verkaufen. Näheres bei Hofgerichts-Advocat Lauer. 8492) Im Seipp'schen Hause am Selterswege ist ein möbtirtes Zimmer mit Ca- binet zu vermiethen.________________________ 8496) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich beziehbar bei Louis Stein, Generalagenten - Gesuch. 8546) Ein concessionirter Bremer Schistserpedient, welcher mit den Dampfschiffen deö Norddeutschen Lloyd, sowie mit dreimastigen Packetsegcl- schiffen Passagiere nach den verschiedenen Hafen der Bereinigten Staaten Nordamerikas befördert, sucht unter günstigen Bedingungen einen Generalagenten für's Großherzogthum Hessen. Offerten unter Beifügung von Referenzen nimmt die Exped. d. Bltts. unter Lit. D. 16. entgegen. 8545) Ein junger Hund (Windhund) von Farbe grau, hat sich vor einigen Tagen verlaufen und wird der jetzige Besitzer ersucht, denselben gegen eine gute Belohnung Kreuz Lit. D. Nr. 6 abzuliefern. 8533) Das Herrenkleider - Magazin von S. Flörsheim ist für die bevorstehende Wiutersaisou auf das Reichhaltigste ausge- stattet, und empfiehlt ganz besonders: bis zu 21 fl. schwere Double-Paletos von 14 fl. an „ EskiMo- 1, V 20 y y y v y „ Ratine- y „ 17 V2 „ v V V ^2 y Velour- und Ratins-Derbys „ 9 „ „ V V 21 y „ Joppen ,/ 4y2 y y V v T V Schlafröcke „ 7 „ „ V 1/ 24 y 8506) Hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich den kommenden Gießener Jahrmarkt nur Wtittlvoch den 18. November, und zwar zum letzten Male für diesen Herbst, mit meinem Waaren-Lager, bestehend in Pelzwaaren, fertigen Herrenkleidern, Schlafröcken, und meinen sonstigen bekannten Artikeln, im Gaftbau'se zum Em- horn feilhalte und lade ich Kaufliebhaber freundlichst ein. Auch nehme ich Bestellungen nach Muster und Maaß an und werden solche bestens ansgeführt. Wolf. Knaben-Au züge W in allen Größen empfiehlt (8534)S. H-lorshenn. ___________in der Neustadt- 8487) Eine freundliche Familienwohnung und ein Zimmer mit Cabinet sind zu vermiethen bei H. Sauer, Neuenweg Lit. B- Nr. 194. 8488) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei ___________________Gärtner S ch an m. 8489) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit- A. Nr. 227-_______________________ 8486) Ein möblirtes, freundliches Man- sarden-Zimmer ist zu vermiethen. Wo? sagt die Exped. dieses Blattes. Vermischte Arrzergerr. 8514) Ein Küferbursche wird gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 8544) Ein gebildetes Frauenzimmer sucht in einer anständigen Familie eine Stelle als Stütze der Hausfrau und kann sogleich eintreten. Näheres im Verlag dieses Blattes. 8501) Alle Arten getragene Kleidungsstücke werden zu den höchsten Preisen an- aekauft von Meyer Rothenberger, Neuenweg B- 195. 8543t Ein Mädchen, welches im Nähen und Bügeln, sowie in allen häuslichen Arbeiten erfahren ist, sucht eine Stelle- Näheres bei der Exped. d. Bltts. 8499) Reine wollene Stricklappen werden zu hohem Preise angekauft und gegen Rockzeuge umgetauscht bei Louise Seibel, Neustadt. Geschäfts-Verlegung. 8493) Von heute an wohne ich in dem von mir erkauften, früher Lotse'schen Hause am Asterweg, und empfehle ich mein Lager in Landesproducten und Specereiwaaren hiermit bestens, unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung. ______________________ Eduard Spier. 8515) Das 4. Abonnements-Concert findet durch Verhinderung erst Donnerstag den 19. November, Abends 7 Uhr, im Leib'schen Saale statt. Für die Musik des Großh. Hess. II. Jnf.-Reg.: Reifert, Musikmeister. l Amerikanische Nähmaschinen, Grover & Baker, Singer, sowie Wheeler L Wilson, sind stets vorräthig und werden unter erleichterten Zahlungsbedingungen, freiem Unterricht und Garantie abgegeben. Auch werden Arbeiten auf Nähmaschinen von mir übernommen und prompt und billig ausgeführt. E. Eieheuberg. UOOOKWOGOOOOOKMOGOOGOOGOM W 8503) Winterschuhe und Stiefel mit Filz-, W G Leder- und Doppelsohlen in äußerst solider und dabei D W elegant gearbeiteter Waare empfiehlt zu billigsten Preisen D KI W. Seuling, Neuenbäuen. G WHGMGDWGDOKHOOGOOGGOOOOMM 8532) Eine große Partie Flanellhemden, ä 2y2 fl. pr. Stück, habe ich zu verkaufen.S. Flörsheim. I C. Nichler in Gelnhausen empfiehlt sein Herren-Kleider-Fabrik-Lager: Arbeits-Hosen von 1 fl. — kr-an, I Gediegene Arbeit. „ Westen „ — „ 42 „ „ Bestellungen werden per Post aus- „ Sackröcke „ 3 „ 30 „ „ | geführt. 8541) Meine vorzüglichen Erfurter Salzgurken bringe ich in empfehlende Erinnerung. L. Fr. Handwerk, __________________________Neustadt._________ 8899) Ein gutes Zugpferd ist zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Vermiethrrngerr. 8513) Ein Familienwohnung ist zu vermiethen bei Ferdinand Krailing, Sandgasse. 8527) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen und kann auf Verlangen auch die Kost dazu abgegeben werden Lömengasse Nr- 106- 8542) Ein schönes möblirtes Zimmer mit Cabinet ist sogleich zu vermiethen bei G- Sch mehl, am Brand. 8530) Ein Familienlogis, sowie ein möblirtes Zimmer mit Cabinet auf dem Kreuz, ist vom 1. Januar an zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. tä" Empfehlung. 8547) Einem verehrten Publikum der Stadt Gießen mache ich die ergebene Anzeige, daß ich willens bin, auch hier praktischen Unterricht in der Kunstwascherei zu ertl) eilen. Legalisirte Zeugnisse über die Vorzüglichkeit meiner Lehrmethode von allen möglichen Stoffen, Wolle, Seide, Crepp, Casemir, Plüsch, Pelz, Glacehandschuhe liegen von Frankfurt und vielen anderen großen Städten Deutschlands und der Schweiz zur gefälligen Einsicht bei mir offen. , Daß dieser Beruf, wenn er mit größtem Eifer betrieben wird, ein gutes Einkommen ergiebt, ist nicht zu bezweifeln, auch werden, je nach Uebereinkunft, nur eine, oder höchstens zwei Damen für Gießen erlernt. Allenfallsige Anmeldungen werden jedoch nur längstens bis Mittwoch Abend, den 18. November, im Gasthaus zum Prinzen Carl, Zimmer Nr. 20, entgegengenommen. Frau Deck, Kunstwäscherin, von St. Gallen. | GcschMEröffnMg. g 8548) Einem verebrlichen Publikum die ergebene An- zeige, daß ich unterm Heutigen in dem von mir erkauften, früher Loos'schen Hause am Marktplatz eine Metzgerei er-^ richtet habe. Für gute Waare und reelle Bedienung werde ich stets Sorge tragen und bitte daher um geneigten Zuspruch. |x. Ä Gießen, deu 17. November 1868. B> I Eduard Plank. g> Frachtbkiefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtlichen Foemu« laxe, sind zu haben bei Wilhelm Klee, MäuSburg. Für die der bedrängten Familie gespendeten Gaben sagen wir Ehesten Dank. Zugleich bemerken wir, daß uns verschiedene Gründe veranlassen, ferner keine Gaben'mehr in Empfang zu nehmen. Die Redaction des Gießener Anzeigers. Urber die französische Revolulion von 1789 beabsichtigt der Unterzeichnete während des lanfenden Winters für Damen und Herren 12—15 Vorträge, jeden Freitag Abend 7 Uhr in der kleinen Aula, zu halten. Abonnementskarten für diese Vorlesungen, und zwar Personenkarten ä 3 fl, Familienkarten für 2 Personen ä 5 ft, für 3 ä 6 fL, für 4 Ä 7 fl. sind in der Ricker'schen Universitätsbuchhandlung zu haben. Beginn der Vorlesungen Freitag den 20. November. Gießen, den 12. November 1868. Dr. Höfner Feuilleton. aus dem Zimmer. — (Fortsetzung folgt.) tend war, der Patientin zugeredet, mit ihm in den Garten zu gehen. Dort schien die stille, sonst so verschlossene Frau, von dem Vorgefallenen noch gewal- tiq erregt, ein solches Uebermasz von Erbitterung gegen den Gatten zu suhlen, dab Doktor DolluS einsah, lange könne die Sache nicht mehr so fortgehen. Er schlug ihr daher vor, die Tochter, welche erst nach einem Vierteljahre das Institut verlassen sollte, jetzt schon kommen zu lassen. — „Fräulein Flora, die von Ihrem Gatten so zärtlich geliebt wird, könnte vielleicht mehr im Stande sein, dessen aufbrausende rohe Heftigkeit zu zähmen ? Frau Waller zuckte die Schultern. „Als kleines Kind hat er Flora sehr geliebt und auch — hier seufzte die Sprecherin schmerzlich — dem Kinde 'chwxre Opfer gebracht. Halten Sie es nicht für Mange! an Vertrauen, bester Doktor, dass ich Ihnen Manches aus meinem Leben vorenthalten habe, ein Der- sprechen ist, wie gesagt, daran schuld und bindet meine Zunge, denn sonst wurde ich vor dem Manne, den ich über Alles in der Welt hoch verehre, gewiß kein Geheimniß haben." Bei diesen Worten hatte die leidenschaftlich erregte Frau des Doktor s Hand erfaßt und, ehe er es verhindern konnte, an ihre Lippen geführt. Beinahe erschrocken über ihre Gluth, welche in dieser Handlung lag, wollte Dollus 'eine Hand zurückziehen. Da streifte sein aufblitzendes Auge den Hausherrn, welcher mit zornigen Blicken die Gruppe betrachtete. „Sie sehen zu welch' dankbarer Erregung ein gutes Wort ihre arme Frau bringen kann, Herr Waller," sagte der Doktor gefaßt, „schonen Sie m Zukunst ein so fein organistrtes Seelenleben, für dessen Dauer rch nicht einstehen kann, wenn solche Sccnen wie die von heute Morgen sich wiederholen." Frau Waller zitterte wie eine Verbrecherin. Roch liebte sie den Arzt nicht, aber er stand als ihr Schutzengel vor ihrem Geiste, sie bewunderte ihn, und von diesem Gefühle zur Liebe ist bei einem verletzten Gemuthe wie das ihre oft nur ein kleiner Schritt. Ihr Gatte mochte das auch denken, denn noch war sein Auge drohend auf Beide geheftet. Des Doktor's ehrlicher, offener Blick, in welchem sich feste Männlichkeit mit der reinsten Gutmüthigkeit paarte, war fest auf ihn gerichtet und entwaffnete ihn. Es war etwas in dieses Mannes Auge, was milde und beruhigend auf jede zornige und unlautere Erregung in der Seele des Andern wirkte. Nach kurzem Schwanken reichte er dem Arzte die Hand und vat seine Frau mit ruhiger Stimme, „der Abendluft halber ihr Zimmer aufzusua>en. — Frau Waller ging, gleich einem gehorsamen Kinde, auf ihre Stube, die beiden Männer ließen sich auf die Bank nieder und Dollus sagte ernst: „^.enn ich Ihnen eben meine Hand nicht verweigern mochte, Herr Waller, so war es, um Sie nicht noch tiefer vor Ihrer Frau herabzusitzen, jetzt aber, wo wir allein sind, muß ich Sie ernstlich bitten, solche rohe Excesse, wie die, zu welchen ^re sich heute früh verleiten ließen, nicht mehr zu wiederholen, wenn ich Zur HauS ferner betreten soll. Man sagt wohl, daß der Arzt gleich einem Beichtvater sei, allein ich fühle nicht die Milde eines solchen in mir. Wer eine fremde Frau beleidigt, ist ein Feigling, wer seine eigene, Vie noch dazu schuldlos stt, nußhan- velt, ein Bösewicht. Hier haben Sie mein Glaubensdekenntniß. Herr Waller war, des Doktors Erwartung zum Trotze, bei diesen Worten nicht aufgcbraust, sondern sagte in beinahe schwermüthigem Tone: „e>tt dürfen mir Vieles sagen, mein Freund, was ich bei einem Andern schonungslos ahnden würde; mißbrauchen Sie die Gewalt nicht, welche Sie über mich Habern Was aber die Schuldlosigkeit meiner Frau betrifft, so urthecken sie wie em Schuler, welcher Die Welt nicht kennt und nicht wie ein Weltmann, der e>ie doch eigent- lich sind. Meine Sidonie ist sanft und geduldig, das ist wahr, allem sic hat mir schon früher Gelegenheit gegeben, ihrer Tugend zu mißtrauen,und die Augen, mit Denen sie Sie eben ansah, als ich Euch bet Dem tete-il “be*' raschle, waren dazu gemacht, mir gerechte Besorgnisse einzufloßen. Ihnen traue ich, Doktor, allein — und er lachte frivol — >ch weiß aus eigener Erfahrung, welch' schwache Geschöpfe wir zu sein pflegen, unD^daher konnte auch eine Stunde kommen, wo ich Ihnen nicht mehr trauen dürfte!' Doktor Dollus unterdrückte ein Gefühl ves Ekels und Der Empörung und antwortete dann mit ziemlicher Ruhe: „Daß Diese Stunde nie >9 . ’ aebc ich mir Ihnen gegenüber gar nicht die Muhe zu versichern. 8 «V ?anNch wC°n, welches Drama sich in dem früheren Leben 3 «r Frau ereignete, so lange ich sie aber kenne, hat sie nichts f^an, um das hohe Gefu der Achtung zu ersticken, welches ich für sie empfinde. Schlecht von. Jbnen ot handel?, wft sie es leider wird, wäre es, auch kein sie und ihr liebendes gefühlvolles Herz sie auf EnanDeren leUete, eine wirkliche Untreue wird sie sich aber, trotz aller schlechten Behand.ung, nicht zu Schulden kommen lassen." — . , . - - Herr Waller von dem ernsten Tone srappirt, wollte einlenken, der Doktor unterbrach ihn, indem er aufstehend freundlicher sagte: „Wenn ich ""r meinem Wunsche folgte, würde ich Ihre Schwelle nie mehr betreten, allem der Arzt hat noch etwas Heiligeres als seinen Willen und ferne Neigung, das ist dle Pflickt, und dieser werde ich nie untreu werven." — Rach diesen Worten ging der Arzt, des Hausherrn dargereichte Rechte absichtlich ignorirend, mit kühlem ^r.ß Unschuldig und doch nicht schuldlos. Criminalnovelle von Julie Düngern.*) Erstes Kapitel. „Also Sie versprechen mir, theure Frau, das Leden, und was es bietet, mit mehr Muth als bisher zu ertragen?" — „Ich will es versuchen, Doktor, aber ich versichere Sie, es geht oft über meine Kräfte." „Ihr Mann ist doch im Grunde ein gutmütiger Charakter, und dann, Sie haben ein Kind und dadurch heilige Verpflichtungen —" „Die ich stets im Auge behalte und die mich allein an das Leben fesseln. Doktor, Sie besitzen mein größtes Vertrauen, meine unbegränzteste Achtung, aber ein Versprechen bindet meine Zunge und ich Darf Ihnen also nicht Alles sagen, was mein Herz, meine Seele belastet; ich weiß, ich habe viel gefehlt und nehme mein Schicksal als Strafe an." — „Sollte Da meine liebe, aber selbstquälerische FreunDin nicht toieDer einmal zu schwarz sehen? Ihr Leben liegt ziemlich offen vor Den Blicken Der Welt. — Nachdem Sie eine vorzügliche, von ihren Eltern angebetete Tochter gewesen, hei- ratheten Sie einen jungen Mann, welcher Sie damals wenigstens sehr liebte, und Der, ein vorzüglicher Geschäftsmann, sein Vermögen in kurzer Zeit verdoppelte unD verdreifachte. Fast jedes Jahr machen Sie schöne Reisen, Sie haben einen prächtigen Landsitz, liebe Verwandte und gute Freunde, eine liebenswerthe Tochter, welcher Sie die liebevollste Mutter sind. Ich sollte denken, die Motive des Glücks wären hier in nicht zu kleiner Anzahl beisammen. Die Schattenseite aber kenne ich auch, beste Frau Waller, es ist Die in letzter Zeit freilich grell hervortretende Heftigkeit Ihres Mannes, Die oft bis zur Rohheit ausartet und ihren Ursprung in einem Grunde haben muß, welchen er mir geflissentlich verhehlt. Denn im Allgemeinen glaube ich doch sein Vertrauen zu besitzen unv er nennt mich seinen Freund." — Die also Sprechenden, eine Dame von ungefähr sechsunddreißig Jahren und ein Mann, welcher bedeutend jünger erschien und kaum die Dreißig über« schritten haben mochte, befanden sich — es war im Sommer 62 — in Dem Garten eines reizenDen Landsitzes nicht weit von der schweizerischen Stadt B., und das Gespräch, welches wir hier roieDergeben, war der Schluß einer ärztlichen Consultation, Denn Frau Waller hatte sich am Morgen wieder bedeutend unwohl gefühlt und war sehr froh gewesen, als der Arzt Des Hauses, Doktor Dollus, welcher auch Der Freund der Familie war, am Nachmittage ankam und Herrn Waller gerade abwesend fand. In ihres Mannes Gegenwart war es Der schüchternen, schon durch mancherlei Rohheiten verletzten Frau ganz unmöglich, über ihr Befinden zu referiren. Erstens schalt ihr Gatte dann gleich über nervöse Frauen, die nichts wie Angenehmes und Erfreuliches erleben, in den besten Ve» hältnissen seien und sich wie Kreuzträgerinen geberden; zweitens hatte er Die Eigenschaft, jeden Krankheitsfall, von weichem er vernahm, aus sich anzuwenven und Den Arzt mit einer Fülle wahrer und eingebildeter Symptome zu behelligen. Freilich war auch in Der letzten Zeit seine sonst eiserne Gesundheit durch Excesse aller Art so bedeutend erschüttert worden, daß Doktor Dollus ihm schon einige» male sehr ernst zugesprochen hatte, diese Lebensweise mit einer geregelteren und mäßigeren zu vertauschend Bei solchen Gelegenheiten zeigte sich der schwankende, zum Guten wie zum Bösen geneigte Charakter des Hausherrn im vollsten Lichte; beinahe unter Thränen versprach er dem Arzte pünktlichen Gehorsam, umarmte denselben, nannte ihn seinen besten Freund und beklagte in leidenschaftlichen Ausdrücken den eigenen Mangel an Energie und Charakterfestigkeit. Auf einige Tage war dann wieder Ruhe und Frieden im Hause, Venn Waller war im Grunde kein bösartiger Mensch, aber bald erhielten Die alten Neigungen und rohen Gewohnheiten'wieDer Die Oberhand, unD Die gerötheten Augen seiner Gattin, sowie Die bedeutungsvollen Blicke der Dienerschaft, welche instinktmäßig in Dem Doktor einen Schützer erkannten, bestätigten demselben bet seiner jedesmaligen Ankunft mehr als mit Worten, daß wieder Scenen hier vorgefallen waren, deren Brutalität Die sanfte Frau ost nicht zu ertragen vermochte. — Nach einem solchen Auftritt war es, daß wir Den Beeden im Garten des reizenden LanDgutes begegnen, welches, in Der Nähe von B. gelegen, von der Familie Waller den größten Theil des Sommers bewohnt wird. Der Hausherr freilich, welchen seine Geschäfte - er war Inhaber eines Der großartigsten Spe« ditions-Häuser — an Die Stabt fesselten, konnte nur ab und zu herauskommen, Frau Waller aber brachte gerade einige Wochen hier zu, um auf Anrathen des Arztes unD Hausfreundes ihre sehr angegriffene Gesundheit wieder herzustellen. Am Morgen desselben Tages war Herr Waller da gewesen und hatte um geringfügiger Ursache willen - feine Frau ermahnte ihn zur Strenge gegen einen lässigen Knecht welchen er begünstigte - Der armen Frau em Stuck Holz an den Kopf geworfen, welches Diese an der «Stirne verletze. Freilich war er darauf in aller Eil- in Die Stadt zurückgefahren, hatte beim Doktor angeha ten und Demselben unter Thränen Der Rene seine Thal gebeichtet unD ihn gebeten, rafcb nach Wegern — so hieß das Gut — aufzubrechen unv nach Der Patten- tin zu sehen. Der Arzt hatte aber zu viele ähnliche Reuescenen schon Durchgemacht, um an Den Ernst und die Nachdauer derselben zu glauben. M-t einem Blick der Verachtung hatte er sich von Waller getrennt, war aus das Gut ge« eilt, hatte einen Verband auf Die Wunde gelegt unD, da Diese nicht so bedeii- ■) Der Nachdruck ist nicht gestattet. Berlin, 14. Nov. Der Oberkirchenrath hat auf die Beschwerte des Magistrats wegen ter Schleier- machcr-Feier ablehncnv geantwortet. Es folgt nun eine Beschwerte an bcn König als oberste Justanz. Kassel, 13. Nov. Man hat seither Alles und Alles ertragen und cntfchultiigt, was ter Großstaat Kurhessen gebracht hat: die hohen Steuern und die mangelhafte Justizvcrfassung, die Amtesccrctäre und die enormen Sportelsätze, die altpreußischen Laut» räthe und die Cvntrolversammlungen. Man hat aber geglaubt, daß damit das Maß ter Neuerungen voll geworden und nun auch entlich einmal die Aera ter Segnungen unv Beglückungen ihren Anfang nehmen werten. Dem ist jetoch nicht so, und selbst tie Größen des NationallibcraliSmuS, die Oetker und Harnier, die Wiegand und Nebelthau, die Weigel und Hupfeld stehen vor dem Berge und wissen nicht, was sie zu der Vorlage wegen Umgestaltung der Lanrescretitcasse sagen' sollen. Die Herren selbst würden dazu natürlich schweigen; aber das geht nicht. Geschehen muß in diesem Falle eine That, weil sonst das letzte Nestchen von Autorität zu Grunde geht, was ter Nationalliberalismus bei den ehrenwerthen Männern des Landes genossen hat. Die Vorlage greift dießmal etwas zu tief, denn selbst der wohlstehende Bürger, der Mann, der es sonst machen kann, steht zu der LanteScredilkasse meist in sehr intimen Beziehungen, ist ihr verhaftet mit einem Kapital, tas er zu billigen Zinsen und bequemen Annuitäts-Abtragungen erhalten hat. Wien, 12. Nov. Das Budget für die Armee unv Marine ist jetzt definitiv festgestcllt; für die Armee im Ordinarium und Extraordinarium mit reichlich 45 Millionen, für die Marine mit reichlich 11 Millionen. Die Armee ist dabei zu (in runden Zahlen) 20,000 Offizieren, 258,000 Soldaten unv 38,000 Pferden angenommen. Wien, 14. Nov. Die neueste „Amtszeitung" veröffentttcht ein Hanvschreiben des Kaisers an den Reichskanzler, welches in Bezug auf die künftige Titulatur des Kaisers FolgcnteS bestimmt: Der Eingang von Staatsverträgen habe zu lauten: Kaiser von Oesterreich, König von Böhmen rc. und apostv- lischer König von Ungarn, im weiteren Vertragktcxte Vie abgekürzte Form Kaiser von Oesterreich unv apostolischer König von Ungarn, Vann die Bezeichnung: Sc. Maj. der Kaiser und König oder Seine kaiserliche unv königliche apostolische Majestät. Die Ge- sammtheit aller Königreiche unv Länver soll mit dem Ausdruck österreichisch - ungarische Monarchie und österreichisch » ungarische Reichsalternative bezeichnet wcrven. Prag, 9. Nov. Bekanntlich war dem Fürst- Erzbischof von Olmütz, Lanvgrafen von Fürstenberg, eine Geldstrafe in der Höhe von 20,000 fi. ange- droht, wenn Vie AuSfolgung der zurückbehaltcnen EhegerichtSactcn nicht erfolgen würde. Freitag war der Termin abgelaufen, unv an vemfelben Tage erfolgte, wie Vie „N. Z." mittheilt, die Auslieferung der Acten vurch den fürsterzbischöflichen Secretär an vaS Olmützcr Kreisgericht, ohne daß von vcm ge- nannten Gericht eine Pression ausgeübt werden mußte. ES hat demnach von der Bezahlung ver angevrohtcn Geldstrafe von 20,000 fl. sein Abkommen gefunden. Rechtsgültig sind bisher nur Vie Entscheidungen Ves Kreirgcrichts bezüglich ver Strasen von 2u00 fl. unv 5000 fl.; die Entscheidung des OberianvesgerichtS bezüglich ves dritten StrasbetragS von 10,000 fl. ist noch nicht bekannt. Brünn, 10. Nov. In hiesigen aristokratischen Kreisen erzählt man sich, F.-M.-L. Fürst Winvisch- grätz habe sich nach Wien begeben, um dort Namens eines Theiler res stävtischen Avels gegen Vie Ein- führung Ver allgemeinen Wehrpflicht Protest ein- zulegen. Paris, 12. Nov. Kaum von einer schweren Krankheit hergestellt, tritt auch ver greise Berryer in die Bresche. Das Schreiben an ven Electcur, welches seinen Beitrag zu vem Bauvin'schen Denkmale begleitete, lautete: „Herr Revacteur! Am 2. Dccbr. 1851 habe ich in ver Nationalversammlung, vic in der Mairie des zehnten AronvissementS versammelt war, ein Decret beantragt und durchge- setzt, wodurch der Präsivent der Republik abgesetzt und für vogelfrei erklärt wird, und Vie Bürger zum Wivcrstand gegen Vie Verletzung der Gesetze, deren der Präsivent sich schuldig machte, aufgeforvert wur- ven. Dieses Decret wurde in Paris so weit bekannt gemacht, als eS möglich war. Mein College, Herr Baukin, hat ven Befehlen der Assemblee mit Nachdruck Folge geleistet; er fiel ihnen zum Opfer, und ich fühle mich genöthigt, an der zur Errichtung eines Sühn-Denkmals auf seinem Grabe eröffneten Subscription Theil zu nehmen. Empfangen Sie meinen Beitrag, und genehmigen Sie rc. Paris, 11. Nov. 1868. Berrye r." — Die „France beklagt „dieses bedauerliche System der Confussion der Ideen und Parteien". Sie vonnert Berryer zu, er habe „bis 1868 gewartet, das Anvenken Bauvin's zu ehren, währenv er nicht so lange gewartet habe, um dem Kaiser und dem Kaiserthum ven Eid der Treue zu schwören." Das trifft allerdings Berryer blutig, aber besser wird dadurch die Stellung der Regierung in dieser tollen Geschichte nicht. Die „France" klopft schließlich an's Schwert und ruft der Opposition zu: „Hinter der Regierung gibt es auch noch eine Armee, deren Soldaten alle guten Bürger sinv, und deren Wahlsprnch heißt: Haine ä l’anarchie!“ Paris, 13. Nov. Wie ver „Gaulois" wissen will, ist eine ausgedehnte Verschwörung entdeckt wor- Vcn, für welche Vie Subscription für das Denkmal Baudin's nur der Vorwand und das Losungswort gewesen sein soll. In einem gestern deßhalb abge- haltcnen Ministtrrath wurde beschlossen, energisch vorzugehen unv das allgemeine Sicherheitsgesetz zur An- wenvung zu bringen. — Die „Patrie" wiederholt ihr Dementi betreffs einer angeblichen Revision des Pariser Vertrags hinsichtlich der Donaufürstenthü- mer. Der Pariser Vertrag bitte ein untheilbares Ganze, auf vem vie Orvnung und der Frieren im Orient beruhten. Einen Stein dieses mit enormen Opfern durch Vic Westmächte errichteten Gebäudes berühren, hieße alles Bestehende in Frage stellen. Madrid, 14. Nov. Das Manifest des Wahl- comilö's betreffs Vereinigung der tret liberalen Parteien ist veröffentlicht. Dasselbe proklamirt alle diejenigen Freiheiten, die schon früher durch die revolutionären Junten zugesichert tourten. Besonders spricht cs sich auch für religiöse Freiheit aus, welche für alle Zeiten Vie Freiheit ver Gewissen sichere. Die Stelle betreffs der zukünftigen Regierungsform lautet: „Die monarchische Staatsform ist geboten durch Vie Sortierungen ter Revolution unb ter Con- soiitiirung ter Freiheit. Die Monarchie von Gottes Guaven ist für immer dahin. Die zukünftige Monarchie wird ten VolSrechten ihre Entstehung verdanken, aus allgemeinem Stimmrecht hervorgehen, ein Symbol ter Volkssouveränetät fein, unt alle Freiheiten und öffentlichen Rechte ter Bürger über tie Einrichtungen unt Befugnisse ter Monarchie stellen, welche mit temokratischen Einrichtungen ausgerüstet wirt." Das Manifest schließt: Die Liberalen werden tie durch die eonstituirenden Cortes eingesetzte Gewalt achten. Vermischtes. Darmstadt, 14. Nov. Tas heute erschienene Megie- rungsbtatt Nr. 58 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichen Kriegsministeriums, bie Ergänzung des OfficiercorpS betreffend. II. Bekanntmachung Großherzoglichen Kriegsministeriums, die Formirung der Landwehr betreffend. Zufolge Allerhöchster Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs soll vom 1. Januar k. I. un die nachstehende Formation der Landwehr ins Leben treten: Erstes Landwehrregiment, gebildet aus dem Landwehrbezirke Darmstadt I. Zweites Landwehrregiment, gebildet aus den Landwehrbezirken Gießen und Friedberg. Drittes Landwehrregiment, gebildet aus dem Landwehrbezirke Darmstadt II. Viertes Landwehrregiment, gebildet aus den Landwehrbezirken Mainz und Offenbach. Jeder Infanterie-Brigade gehören hiernach 3 Landwehr- Bataillone zu. Die 49. Infanterie-Brigade erhält ihre Ergänzung, sowie die Completirung im Falle der Mobilmachung aus der Provinz Oberheffen und aus Darmstadt I., die 50. Infanterie- Brigade aus der Provinz Rheinhessen und Darmstadt II. Dem 1. Jnfanterie-Regimente werden zu seiner vollständigen Ergänzung die größeren Leute aus der Provinz Oberheffen zugewiesen und das 3. Regiment erhält die ihm etwa fehlende Mannschaft aus Rheinhessen. Die Jäger recrutiren aus den entsprechenden Brigadebezirken, die übrigen Waffen aus allen Provinzen. III. Dienstnachrichten. Am 7. Oct. wurde der Pfarrer Euler zu Kastel zum katholischen Pfarrer zu Viernheim — und am 9. Oct. der Pfarrer S cheu rer zu Mainz zum katholischen Pfarrer zu Marienborn ernannt. IV. Gestorben: am 13. Oct. der pensionirte Steueraufseher Hartmann zu Grünberg; — am 20. Oct. der Polizeirath Elwert zu Darmstadt. Aus dem Großherzogthum Hessen, 9. Nov. Bei Gelegenheit der Anlegung einer neuen Straße bei dem Dorfe Kotten im Eisenacher Oberland wurde ein interessanter antiquarischer Fund gemacht, bestehend aus riesigen Skeletten nebst silbernen Armspangen,'mit Perlen besetzt, und Messer in eigen« thümlicher Form. Nach der Ansicht de« Prof. Dr. I. Knop- flersch aus Jena, welcher zum Zwecke weiterer Nachforschun- 1 gen die fragliche Stelle besuchte, gehören die genannten Objecte dem heidnischen Alterthum an. Aus dem Vogelsberge. Die Kartoffelkrankheit hat in diesem Jahre fast ganz aufgehört. Nur in gebirgigen Gegenden, wo die Kartoffelernte durch die Dürre bei der dünnen Ackerkrume schwach war, findet sie sich in diesem Jahre, und auch da nur selten. Dagegen finde ich sie in diesem Jahre an den feinen blauen Kartoffeln auch auf unserem Grunde, während sie Andere an denselben feinen blauen in hiesiger Gegend nicht haben. Die Ursache, daß sie sich bei Meinen findet, liegt wohl darin, daß wir die Setzkarloffeln im vorigen Jahre,' 1867, im Garten zogen, wo der Schalten dec Bäume und der Mangel an Luftzug den Pilz beförderte. Dagegen in der Wetterau, und selbst in den tiefgründigeren Gebirgslagen des Vogelsbergs ist bei dem reichen isegen der Ernte diese Krankheit fast nnbemerkbar. In dem schwereren Boden hat man auch jetzt rauhschaligere Kartoffeln eingeführt, die dem Pilze besser widerstehen. Dennoch scheint die Hauptsache die zu sein, daß die Witterung, der Segen von oben, allein im Stande ist, das Nebel zu heilen, daß die Krankheit dagegen auftritt, sobald Kälte und Regen im Vorsommer den Pilz befördern, wo er im schweren Boden eine krankhaft gedrückte Kartoffel findet. Berlin, 6- Nov. In den letzten Tagen hat das Obertribunal eilten Prozeß endgültig entschieden, der für den ge- sammten Handelsstand von höchster Wichtigkeit ist, und lassen wir deßhalb hier einen ausführlichen Bericht über denselben folgen, um so mehr, als zwei Tabaksfabrikanten die streitenden Parteien in diesem Prozeß, der die wichtige Frage über die Nachahmung der Waaien-Etikeltes behandelte, waren. Zufolge eines sehr erheblichen Absatzes des von Arnold Böninger in Duisburg fabrizirten sogenannten Reutertabaki hatten die Fabrikanten Eichhorn und Gontermann in Kalk bei Eöln beschlossen, ebenfalls derartigen Tabak, dessen Consuntenten besonders die ärmeren Bevölkerungsklassen des Rheinlandes bilden, anzufertigen und ihn völlig dem Böninger scheu ähnlich zu signiren. Auf den dieselben Dimensionen ausweisenden Pa- queten befanden sich ganz gleiche Embleme und Verzierungen, und auch der dem Tabak den Namen gebende Reuter war auf den Enveloppcn angebracht. Dagegen waren folgende Abän- dernngen auf den Eichhorn'schen Etiketten wahrnehmbar. ES hieß nämlich in der holländischen Unterschrift anstatt „Fabrik von Arnold Böninger, Fabrik nach Arnold Böninger, und weiter unten, aber ebenfalls in holländischer Sprache, sand sich die Bemerkung, daß dieser von Eichhorn und Gontermann gefertigte Reutertabak nicht zu verwechseln sei mit dem Bö- ninger'schen. Dieser Zusatz umfaßte etwa 6 dis 7 Zeilen und stimmte in der Anlage mit einem ähnlichen auf den Böninger'schen Original-Etiketten befindlichen völlig überein, zeichnet sich aber durch einen schlechten und rmdetttlichen Druck aus. Böninger, durch die ihm hierdurch entstehende Conenrrenz in- dignirt, dennncirte, und die erste Instanz des Zuchtpvlizeige- richts nahm den Thatbestand des §. 269 des Strafgesetzes für erwiesen an, und vernrtheilte die Fabrikanten Eichhorn und Gontermann zu 100 Thaler Geldbuße. Jener Paragraph bedroht nämlich mit einer Strafe bis zu 1000 Thaler denjenigen, welcher Waaren oder deren Verpackung fälschlich mit dem Namen oder der Firma eines inländischen Producenten oder Kaufmanns bezeichnet, und hält auch die Strafe dann für »erwirkt, wenn bei der Waarenbezeichnung der Name oder die Firma mit geringen Abänderungen wiedergegeben werden, welche nur durch Anwendung besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden können. Die Berufungskammer in Cöln bestätigte am 24. August c. das erstrichterliche Urtheil unter Adoption der von diesem angenommenen Gründe, jdaß nämlich mit der fraglichen Etikettenimitation es nur auf die Täuschung deS Publikum« abgesehen gewesen sei. Da« dagegen eingelegte Caffationsgesuch glaubte in der Handlungsweise der Imploranten den Dolus zu vermissen. Niemand habe durch das incri- minirte Etikett sich täuschen lassen können, denn dar auf demselben gebrauchte Wort „nach" zeige deutlich, daß es sich um ein Produkt handle, dessen Bereitung nur dem deS Originals ähnlich fei, lasse aber die Absicht vermissen, dasselbe als aus der Fabrik des Böninger entstammt hinzustellen. Ferner sei auf dem Etikette der Hinweis enthalten, daß das qu. Fabrikat nicht mit dem Böninger'schen zu verwechseln sei. Der §. 269, welcher von einer fälschlichen, Signirung rede, treffe demzufolge nicht zu, auch könne Alinea 3 desselben, welches geringe, nicht sofort bemerkbare Abänderungen im Auge habe, nicht anwendbar erscheinen, denn wenn jene Endbemerkung Hinfortfalle, so entstehe dadurch ein etwa siebenzeiliger leerer Raum, welcher dem incriminirten Etikett ein ganz anderes Ansehen als dem Originale gebe. Die Oberstaatsanwallschaft führte dagegen aus, daß jener Paragraph nur deßhalb im Gesetz aufgenommen sei, um dem redlichen Kaufmann eine Garantie zu geben, daß die von ihm erfundenen und bereiteten Produkte nicht eine straflose Nachahmung von ausbeutungslustigen Concurrenten erfahren dürften. Die Differenz in den Abweichungen deS vorliegenden Etiketts sei so gering, daß man sie nnr bei besonderer Aufmerksamkeit wahrzunehmen vermöchte. Aber auf sie komme eS nicht einmal an, denn schon die bloße Erwähnung einer dem Fabrikanten nicht zustehenden Firma auf den von ihm zur Verpackung von Stoffen angewendeten Etiketten in- »olvire den Begriff der „fälschlichen Bezeichnung". Die bloße Citirung der Firma: „Böninger" sei genügend, den Thatbestand des §. 269 zu ergeben. Man dürfe die Peripherie des letzteren nicht einschränken, sondern müsse sie möglichst weit ausdehnen, wie dieß auch der jüngst hier versammelte HandelS- tag ausgesprochen habe. Nach längerer Berathung hat das Obertribunal die Nichtigkeitsbeschwerde zurückgewiesen und hierdurch „festgestellt, daß derartige, wie die criminirten, Etikettab- „änderungen immerhin unter den Begriff des §. 269 fallen, „und die Aufführung oder bloße Erwähnung rechtlich nicht „zustehender Firmen als fälschliche Aufführung zu betrach- „ten sei." Berlin, 11. Nov. Der gestern unterzeichnete italienisch- deutsche Posivertrag enthält 24 Artikel. Das Porto des ein« fachen Briefes nach Italien beträgt 3 Egr., von Italien nach Deutschland 40 Centesimi, der einfache unfrankirte Brief zahlt 5 Egr. oder 60 Eentesimi. Bei schweren Briefen über 15 Grammen wird für jedes Gewicht von 15 Grammen oder einen Theil davon ein einfacher Portosatz mehr erhoben. Den beiden Postverwaltungen soll gestattet fein, diese Gewichtsprogression zu erweitern, wenn sie im gemeinsamen Interesse solches zweckmäßig erachten. Drucksachen zahlen Vs Egr. oder 5 Centesimi. Die Transitkosten via Oesterreich, Frankreich, Belgien werden getheilt, via Schweiz von Italien ausschließlich getragen. Redaction, Druck und Verlag der Brübl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Giessen.