Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kießen. 18GS Donnerstag den 12. März Ne. 31 Amtliche Bekanntmachungen Gießen, den 9. Mar) 1868. 87 35 307 Eichen-Pflugsreh; 1 7 Der Wellen Stecken Eichen-Scheidholz, Wellen bei der Licher 20 '/z 1674 Erlen- 9 Erlen- 30 Erlen- 29 Erlen- 850 7 15 franco Giessen Wellen Stecken Stockholz, Reisholz, 215 Eichen - Stämme 8 Buchen- „ 44 Nadel- 94 Eichen - Stangen 64 Buchen- „ 92 Nadel- „ 18*/» 8174 7825 5500 26 37 39 ■ 2076 27- 317- 377j 1031 8 1174 725 den, als: Flur Nr. 740 77-U-7Z 17/o 4%72 PttiK vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kl. Holzverfteigerung im Gießener Stadtwalde. Erscheint wöchentlich 'Acu mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. - Expedition; Canzleiberg II. Brennholz: Stecken Eichen- u. Nadel-Prügelholz, „ „ „ „ Stockholz, Wellen „ „ Fichten-Retsholz, Eichen- und Nadel-Durchforstungs- Wellen. Holzversteigerung. 1489) Kommenden Montag, den 16. d. Mts., Borinittags 10 Uhr anfangend, oll im hiesigen Markwald nachbenanutes Holz, unter den vor der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden: 57 Eichen-Stämme von 8 Pis 34 Zoll Durchmesser und 10 bis 65 Fuß Länge, 5677 Cubikfuß enthaltend, 53 Eichen-Stangen, 83,7z- Cubikfuß enthaltend, " 7 Nadel-Stämme, 114Cubikfuß enth-, 576 Fichten-Stangen, 1207 ,, ,, Die Zusainmcnkunft ist im District Eiscn- kaute. , . , , Bellersheim, den 9- März 1868. Der Markntcister: Bopp. Holzversteigerung im Hattenröder Gemeindewalde. 1486) Mittwoch den 18. und Donnerstag den 19. März sollen auf dem abgetriebenen Walddistrict Stückmeide weiter versteigert werden, als: Flur Nr. 6/138 M/233 Pflanzgarten. Annerod, den 5. März 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod. Groß.___________ Scheidholz, Stecken Buchen-, Eichen- und Prügelholz, Stecken Buchen-, Eichen- und Stockholz, Wellen Buchen-, Eichen- und Gießen, den 10. März 1868. In Auftrag: Weidig, Ortsgerichtsmann. I. Bau-, Werk- und Nutzholz: 88 Fichten-Baustämme von 6 bis 13 Zoll Durchmesser und 20 bis 55 Fuß Länge, ~ Fichten-Stangen von 3 bis 5 Zoll Durchmesser und 25 bis 55 Fuß Länge, Eichen-Baustämme von 6 bis 10 Zoll Durchmesser und 20 bis 40 Fuß Länge, Eichen-Stangen von 3 bis 5 Zoll Durchmesser und 15 bis 40 Fuß Länge, 10 „ 38 „ 1 , . 49f/2 tr 5 „ 3450 Wellen Die Zusammenkunft ist auf Chaussee an der 6. Schneiße. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. August d. I. gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 10. März 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Vogt. Eichen- „ Buchen-Prügelholz, Eichen- „ Buchen-Stockholz, Eichen- „ Buchen-Retsholz, □jflftr. 9 Hofraithe in der Neustadt, 64 i Acker, Laggärten am Krof- 148 j dorfer Weg, 7-1., 7-2. Kl., 150 Wiese, jetzt Garten, am Mühlweg, 1. Klasse, 68 Grabstück auf dem Sand, 1498) Montag den 16. März d. I-, von Vormittags 9 Uhr an, _ . soll in dem Gießener Stadtwalde, District Oberhag, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als: Stecken Buchen-Scheidholz, „ „ Prügelholz, 7-4. Klasse,. 266 Acker rechts am Erdkauter Weg, 7-3., 7-4. Klasse, 166 Acker am Erdkauter Weg, 7-3., 7-4. Klasse, 130 Acker am Nahrungsberg, 3. Klasse. m/53it.54 3%2 37l29 33/194 versteigert werden. Leihgestern, am 10. Marz 1868. Großherzogliche Bürgermetsteret Leihgestern. Heß._____________ ___Anfang wird, mit dem Bau- und Werkholz beginnend, Morgens 9 Uhr in dem nicht weit vom Orte abgelegenen, durch chaussirte Wege gut zu erreichenden Districte Steinhauerarbeit, „ „ 72 Schreinerarbeit, „ « 14 Schlosserarbeit, „ » u Weißbinderarbeit, „ „ 6 Steinbach, den 8. Marz 1868. . Großherzogliche Bürgermeisterei Stembach. K. Schön, Bezirksbauaufseher. Versteigerungen. 1501) Montag den 16: März, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die den Erben des Johannes Friebel zustehenden Immobilien, auf deren freiwilliges Ansuchen, in Erb- und Eigcnthum versteigert wer- 59 Lärchen-Stämmchcn = 153 Cubikfuß haltend. Die Zusammenkunft findet oberhalb des Orts statt und wird der Anfang präcis um die bestimmte Stunde gemacht. Beuern, am 9. März 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Beuern. Otto. 1502) Montag den 16. März, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die den Erben des Heinrich Noll III., S-, gehörende Grundstücke auf freiwilliges Ansuchen in Erbe und Eigenthum versteigert 50 „ Eichen- „ meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist zur bestimmten ^Stunde im District selbst. Großen-Buseck, am 9. März 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Buseck. Wagner. Arbeitsv ersteigerung. 1476) Freitag den 13. März, Nachmittags 1 Uhr, sollen auf hiesiger Bürgermeisterei nachver- „ Prügelholz, „ Stockholz, „ Reisholz, Nadel-Prügelholz, 1. Klasse. Gießen, den 10. März 1868. In Auftrag: Weid ig, Ortsgerichtsmann. „ „ Prügclholz, „ „ Stockholz, „ Lärchen- „ Wellen Buchen-Reisholz, „ Lärchen- „ „ Tannen- „ 1473) Freitag den 13. März l. I-, von. Morgens 9 Uhr an, , soll im hiesigen Gemeindewalde, Dtstricren Tempel und Köpfel, nachstehendes Holz versteigert werden, als: 174 Stecken Buchen-Stockholz, 86 Wellen „ Reisholz, 23/t Stecken Eichen - Scheidholz, 1374 ,, u Prügelholz, 187t „ „ Stockholz, 1400 Wellen „ Reisholz, 31, Stecken Birken-Schetdholz, Nadel-Prügelholz, „ Stockholz, Reisholz, ,, Eichen-Stämme von 7',- bis 11 Ts Soll Durchmesser und 15 bis 25 Fuß Lauge, Erlen-Stämmc von 5sr bis lOhst Zoll Durchmesser und 10 bis 25 Fuß Lange, werden, als: [—I ffilf tl* U 340 Äcker an der Weilburger Grenze, 7-3., 7-4. Klasse, 290 Acker zwischen dem Aul- und Leihgesterner Weg, 7z3., 7-4. Klasse, 378 Acker am Atzelbusch, 7-3-, Stockholz, Reisholz, mit 4966 Cubikfuß, „ US „ „ 859 „ „ 332 „ „ 203 „ 416 788 Wellen „ Reisholz, 102 Eichen-Stämme von 7 bis 18 Zou Durchmesser und bis 50 Fuß Lange, 3407 Cubikfnß enthaltend. Die Zusammenkunft ist im -rempel beim Feilgebotenes. Klecsaameu Ernst Hermes. II. An dem Kirch gart en: Maurerarbeit, veranschl- zu 27 fl- 3b tr. 28 „ zeichnete Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als: I. An der Kirche: Zimmerarbeit , veranschl. zu 6 st. 17 tr. Schreinerarbeit, „ « 31 „ oi „ Spenglerarbeit, „ ,, 49 „ 30 „ Weißbinderarbeit, „ „ 16 ,/ 4U „ MW* *■ * Bekanntmachung. * Gandenberger, Oberstlieutenant und Bezirks-Commandeur. 1494) Ein sehr gutes wenig gebrauchtes Clavier ist billig zu verkaufen. Näheres bei der Expcd. d. Bltts. ______________■ Photographie- Album, Nahmen und Goldleisten, in größter Auswahl zu auffallend billigen Preisen, empfiehlt 1480)Georg Lndeking. 1483) Mn gut erhaltenes, halb ver- decktes einspänniges Chaischen ist preiswürdig ui verkaufen bei Sattler Ferber. H o 1 z v e r st e i g e r u n q. 1488) Künftigen Freitag, den 13. d. Mts-, von' Morgens 9 Uhr an,» soll im hiesigen Gemeindewalde , Districten Langenbruch und Burghain, nachfolgendes Holz versteigert werden, als: 877t Stecken Buchen-Scheidholz, 2974 487- 1 3850 300 4975 Garantie. - Zalil.mgserleichteruiigen. - Prospecte gratis. Für Giessen und Umgegend wird ein Agent oder en-o-ros-Käufer zum Verkauf dieser Maschinen gesucht. (14b7) Ö _____....--- 1503) 1 0 0 Stück Eichen-Stämme von 15 bis 56 Fuß Länge und 10 bis 22 Zoll Dicke ' 4330 Cubrk- fuß enthaltend, sollen Montag den 23. l. Mts., von Vormittags 11 Uhr an, zu Schmidthof bei Kirchhain metstbietend verkauft werden. Versteigerung von Obstbäumchen bei der Gemeinde Steinbach. 1513) Montag den 16. März 1868, des Nachmittags 1 Uhr, _ , sollen auf hiesiger Bürgermetsteret circa 300 Stück veredelte Aepfel- und Biru- Skammchen an den Meistbietenden verstei- aert werden. „ , Die Herren Bürgermeister werden um Bekanntmachung dieser Versteigerung ersucht. Steinbach, am 10. März 1868. . Großherzogliche Bürgermeisterei Steinbach. ______ Horn. __________ Holzversteigerung im Anneroder Gemeindewalde. 1504) Montag den 16. März l. I., von Morgens 9 Uhr an, soll im Leihgesterner Gemeindewalde nachverzeichnetes Holz, als: " Stecken Buchen-, Eichen- und En detail. J Preis-Ermäßigung. äh-Maschinen f von rover <$* Malier, von 100 fl. an, Wheeler 4* Wilson, von o5 fl. an,. | Moire. Singer und vielen anderen, Mandanascltinen, von 20 fl. an, Moritx Weiler, | Zeil 69 in Frankfurt a M. $ En gras. gemacht. Hattenrod, am 9. März 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. J______________M eng cl._______________ Holzverfteigerung. 1485) Dienstag den 17. d. Mts-, von Morgens 9 Uhr an, . sollen in dem hiesigen Gemeindewalde, District Schlieberg: 8 Stamme Eichen-Bauholz von lc> bis 49 Fuß Länge uitb 6 bis 22 Zoll Durchmesser, zusammen 488 Cubikfuß, 137 Stecken Buchen-Scheidholz, litt. B. 'JiT. i. 1471) Portland - Eement in frischer Waare, Dung-Gyps, Steinkohlen und Braunkohlen enipfichlt ____________________I. D- Bapst. 1510) Mehrere Körbe voll Buxbaum sind zu haben bei _____Ehr. Burckhardt, am Asterweg. 1497) Ein Haufen Dünger, 2 bis 3 Wagen voll, ist unentgeldlich zu haben bei Balth. Lenz. Dermiethungen. 1511) Der dritte Stock meines Hauses an der „Neuen Anlage" ist zu vermiethen und eventuell schon Ostern zu beziehen. _____________________Prof. Dr. Lange. 1481) Eine möblirte Stube mit Cabinet, Sommerseite, ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 1491) Ein kleines Logis ist zu vermiethen Lit. A. Nr. 105, Asterweg._________________ 1495) Im Russischen Hof ist ein kleines Familienlogis zu vermiethen._______ 1479) In einer Gartemvohnung ist eine möblirte Stube mit Cabinet, auf Verlangen auch ohne Möbel, zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts.___________________ 1477) Ein kleines Logis ist zu vermiethen Flügelsgasse Lit. A- Nr. 90._______________ 1478) Ein Haus, auf Verlangen auch ein Theil Garten dazu, ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei _____________________B- Katzenstein. 1470) In Lit. E. Nr. 4 auf dem Sel- tersbcrg ist ein freundliches Mansarden- Zimmer mit Cabinet von Ostern an zu vermiethen._________________________________ 1468) Ein freundliches, möblirtes Zinuner mit Cabinet in einer Gartenwohnung ist zu vcrmietheu und sogleich zu beziehen. Nähe- res bei der Exved. d. Bltts.________________ 1469) Mein in der Marktstraße gelegenes elterliches Wohnhaus, Lit. D. Nr. 211, ist im Ganzen zu vermiethen; auch bin ich Willens, wenn sich Liebhaber dazu finden, dasselbe aus freier Hand zu verkaufen. Fritz Mühl, Metzger. Vermischte Anzeigen. 1500) Die Sclterspförter ^Schäferei-Gesellschaft beabsichtigt einen Schafhirten zu miethen. Diejenigen, welche sich zu dieser Stelle melden wollen, haben sich zu gleicher Zeit des Anmeldens mit Zeugnissen über ihre Qualification, sowie über ihre Fami- licnverhältnisse und Aufführung, von ihrer Ortsbehörde zu versehen und bei dem Unterzeichneten das Nähere zu erfragen. Gießen, den 10. März 1868. C- Weidig, als Salzmeister. 1499) Hierdurch mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich von jetzt an bei Herrn Th. Vetzberg er wohne, und bringe ich zugleich mein irdenes Geschirr, feinste Frankfurter und Marburger Waare, in empfehlende Erinnerung. Philipp Pfeiffer, ________________in der kleinen Mühlgasse. 1482) Ein gebildetes Frauenzimmer mit allen erforderlichen Kenntnissen, welches schon größerem Haushalte vorgestanden, sucht eine passende Stelle. Näheres bei Frau Schneider, Neustadt Nr. 94 in Gießen.__________________________________ 1492) Nr. 55 hat das Schemelstühlchen und Nr. 110 den Nähstein gewonnen. Vogel, Polizeidiener. Liederkranz. 1484) Samstag den 14. März feiert der Gesangverein »Licderkranz" sein 26jäi)rigcs Stiftungsfest im Saale des Promenadehauses. Freunde des Vereins können gegen Karten & 9 fr., welche bis zum Freitag gelöst sein müssen, durch Vereinsmitglieder ein geführt werden. — Anfang 8 Uhr Abends. __________________D er Vorstand. 1509) Ein Wohnhaus mit Hofraum oder sonst sich zum Geschäftsbetrieb eignenden Räumlichkeiten, ziemlich in der Mitte der Stadt gelegen, wird zu kaufen gesucht. Nä- heres bei der Exped. d. Bltts._____________ 1506) /o östr. Stsb.-Prior. 533/8 3% östr. s. Lombard. 43’/g 30/0 Livorneser 273/4 Toscaner 403/4 Frankl. Hypoth.-Bank — Frankl. Vereins-Kasse — 5O/o Elisabeth-Prior. 743/4 do. II. Emiss. 73 20 Frankens!. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Vorträge im Club-Saale pm Besten des Frauenvereins. 1514) Freitag den 13. März, Abends 7 Uhr: Vortrag des Herrn Professors Dr. Henke zu Marburg über das häusliche Leben und das Ende des Thomas Morus. Karten zu 24 fr. für einzelne Personen und zu 1 fl. für Familien in der Rick er'- schen Buchhandlung und Abends am Eingang. Oberhessische Gisenbahneu. 1515) Die Gegner der Oberhessischen Eisenbahnen verlieren noch den Verstand. Aus einer und derselben Quelle kommen die beiden Artikel. Der erste — die Banquiers stecken 8y2 Millionen ein, und der zweite Artikel — die Aktien werden an der Berliner Börse zu 70 pEt. ausgeboten. Wir überlassen dem gesunden Menschenverstand der Leser solchen Unverstand zusammen zu reimen und solche Widersprüche zu lösen. Uebrigens hört man, daß die Unternehmer, nachdem die Eon- cession für die Ludwigsbahn bekannt ist, aus gleichem Fuße behandelt sein wollen und gleiche Vortheile verlangen. Pr. Gass. Sch. Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. Pistolen . . „ doppelte Holl. fl. 10 St. Ducaten Preuss. 4*/2°/o Obi. 95S/8 Frankl. 3’/,% Obi. 80-/4 Nass. 4’/,o/o Obi. 94-i/g Kurh. 40/0 Obi. SOS/, Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 9O’/8 „ 3>/,°/o do. do. — Bayer. 5% Obi. 1015/g „ 4’/,% 1jährige 933/8 » 4’/,0/g ’/aiährige 933/4 Würtemb. 41/2°/o Öbl. 937/g Baden 4’/20/o Obi. c. E.L. 935/8 Oestr. 5% b. R. 64’/, „ 5% National 553/4 „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuert. 51 ’/2 Amer. 6% 1882r Bds. 75’/4 „ 6% 1885r 74 Actien. Frankl. Bank 126’/s Oester. Bank 725 „ Creditact. 192 | Darmst. Bankact. 221 Feuilleton. Vetter und Base. Eine Familiengeschichte. (Fortsetzung) 17. Am andern Morgen rang die Morgendämmerung noch mit dem trüben, winterlichen Frühlichtc, als der Commerzienrath an die Thür von Roberts Zimmer pochte und ihm die Nachricht brachte, daß Pauline vermißt werde. Das Küchenmävchen hatte die Schlüssel zur Speisekammer von ihr holen wollen und Paulinens Zimmer unverschlossen, ihr Bett unberührt und auf ihrem Tischchen einen Brief gefunden, dessen Inhalt dem Oheim für alle feine Wohlihaten dankte, ihm des Mädchens Entschluß ankünvigte, fürder allein ihr Fortkommen zu suchen und unter Fremden Dienste zu nehmen, und ihm noch ein herzliches Lebewohl Robert Balder erblaßte, als er dieß hörte; aber seine gewöhnliche Selbst- beherrschung und Fassung verließen ihn nicht. „Ich werde ihr nachreisen, lieber Onkel, und sie wieder hieher zurückbringen," sagte er entschlossen. „Ich ahne, welche Richtung sie eingeschlagen. Sie sprach früher einmal von einer Freundin in Frankfurt, die ihr eine Stelle als Ladenmädchen verschaffen könnte. Paulme wird meine Frau — sie oder keine; das habe ich mir gelobt, und was ich recht will, das weiß ich auch zu erreichen. Wann geht der Schnellzug in der Richtung nach Frankfurt?" Der Commerzienrath nannte die Zeit — es waren noch mehr als zwei Stunden bis dahin. Weißt Du was, Robert, ich begleite Dich;" sagte er, „ich will einen Theil meiner Dchulv gegen Dich abtragen." Ich nehme es mit Dank an und erwarte Dich auf dem Bahnhofe, lieber Onkel"; die größte Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Pauline mit dem ersten Morgenzuge abgereist ist, der auf einer Kreuzung eine Stunde hält, und Den wir mit dem Schnellzuge noch überholen. Als Onkel Balder aus den Bahnhof kam, trat ihm Robert schon tm un- scheinbaren Reiseanzug entgegen, den Mantel im Arme, ein kleines Reisetäschchen an der Hand, den niedrigen Hut auf dem Kopfe. „Ich habe die L>pur unseres kleinen Flüchtlings bereits durch den Telegraphen ermittelt," sagte er mit einem ruhigen, zufriedenen Lächeln; „meine Ahnung hat mich nicht getäuscht; fte i|t auf dem Wege nach Frankfurt, wohin wir noch vor ihr kommen werden. In R. holt der Schnellzug den Gülerzug ein, und dann kommt Pauline entweder auf unfern Zug oder ich begebe mich auf den ihrigen, und Sie erwarten mich dann in diesem Falle zu Frankfurt auf dem — — Bahnhof, den Sie vor uns erreichen." Zu R. hielt schon der andere Zug, als der Schnellzug daher brauste, und mit einem Satz war Robert an Der Seite des Zugmeisters, dessen Dienste er rasch zu gewinnen wußte. Diesen neben sich stand er abseits auf dem Perron, als die Passagiere den Wartsaal verließen. Die Gesuchte war nicht darunter. Der Zugmeister des Schnellzuges überantwortete Robert feinem College» vom Güterzuge, und während der Schnellzug weiter brauste, machte Robert diesen mit seinem Anliegen bekannt und dienstwillig. Der Zugmeister ging langsam die ganze Wagenreihe entlang und blickte in jeden Wagen aufmerksam hinein. Endlich schloß er eine Thüre auf: Robert in seinen Shawl und Mantel verhüllt, den Hut tief in die Augen gedrückt, stieg ein, als das Signal „fertig gegeben wurde; die Thüre ward hinter ihm zugeschlagen und er saß in einer Abtheilnng dritter Klasse Paulinen gegenüber. Sie erblaßte unv bebte zusammen, er aber Hub nach dem freundlichsten Gruße an: „Sie sind fortgegangen, liebes Büschen, ohne mir Zeit und Gelegenheit zu meiner Entschuldigung zu gönnen. Aber Sie werden mir nun ein williges Gehör nicht versagen, wenn ich Sie um Verzeihung bitten will. Sie sind mir davon gelaufen, aber te werden es gerechtfertigt finden, wenn ich Sie verfolgte, denn wir kamen ja über» ein, des Oheims Haus solle keines von uns ohne das andere verlassen, och vm ein Mann, liebe Pauline, und muß mein Wort halten; darf ich nun reden i Sie konnte es ihm nicht wehren, und die Logik feiner Neigung? überwog bald alle ihre Bedenken. Ehe sie eine halbe Stunde lang mit einander gefahren, bemerkten die Mitreisenden, daß sie sich herzlich die Hand reichten, und daß er fremde Herr die ihrigen an seine Lippen zog. Und als sie in Frankfurt au - stiegen und sich der Barriere näherten, wo Das Gepäck ausgegeben wurde, say sich Pauline zu ihrer größten (Überraschung Dem OnkelzGottfricd gegenüber un wollte erschrocken ihren Arm aus demjenigen ihres Begleiters ziehen. „Nun, Kinder, seid Ihr wieder einig?" fragte der Commerzienrath. „Für das ganze Leben, lieber Onkel!" sagte Robert. „Meine uebe~ fuße Pauline hat mir Alles verziehen und mir nur die Bedingung gestellt, daß^wir in Stocksheim bleiben und nicht in die Villa Balder ziehen. Das geschieht aber nicht, denn ich habe das hübsche kleine Gartenhaus von Klobe neben der Fabrik fammt Grundstück erworben, und gedenke mein liebes Frauchen dort einzurichten." Am Abend des folgenden Tages kehrten die drei Leutchen wohlbehalten nach Stocksheim zurück, und man feierte noch am selben Abend auf der Fabrik die Verlobung der beiden jungen Paare im engsten Kreise. Alle waren seelenvergnügt, bis auf die Tante Balder, die trüb und finster dreinblickte und einsilbig war. „Meine liebe Frau und ihr, meine beiden erwachsenen Töchter," sagte Herr Gottfried Balder unter Anderm an diesem Abende; „Ihr habt der guten Pauline wahrlich viel Unbill abzubitten. Aber Ihr müßt es desto williger khu», da sich das Schicksal mit solch' deutlicher Gunst des armen Landmäbchens angenommen hat. Es heißt in Der Schrift: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden." Was Euch beiden anspruchsvollen Fräulein trotz Eurer gerühmten Bildung nicht gelang, nämlich das Herz Eures Vetters zu rühren, das hat das einfache Väschen vom Lande zu Stande gebracht." „Das hat feinen guten Grund, lieber Onkel!" erwicderte Robert. „Ich bin zu weit herumgekommen unter den Menschen, um nicht zu wissen, daß wer solch' einen Edelstein kaufen will, besser thut, ihn im ungeschliffenen Zustande zu nehmen und nach seinem Geschmack schleifen und fassen zu lassen, denn — nichts für ungut meine schönen Cousinen! — ich habe der Edelsteine schon viele gesehen, aber Schliff und Fassung waren nicht immer nach meinem Geschmack. Und Der innere Werth des Juwels hier, der mich auf den ersten Blick anmuthcte, erhielt mich eonfequent in meiner Werthschätzung für das unbeachtete Väschen vom Lande, unsere kleine Aschenbrödel Pauline!" 18. Der gemeinschaftlichen Verlobung der beiden jungen Paare folgte in wenigen Wochen auch die Doppelhochzeit, welche im engsten Familienkreise gefeiert wurde. Rubolph'S Eltern und Geschwister und Paulinens Geschwister waren anwesend und theilten die allgemeine Freude, von welcher sich nur die Commer- zienräthin auSzuschließen schien. Die einzigen fremden, das heißt nicht zu Der Familie selbst gehörenden Gäste warm ein Herr van Haan und seine Frau, die nunmehrigen Bewohner und jetzigen Eigenthümer der Villa Balder auf dem Morgenbühl. Hendrick van Haan, ein Jugendfreund und Schulgefährte von Robert Balder, war vor einigen Monaten etwas leberleidend aus den Colonieen zurückgekehrt mit seiner jungen Frau, welche das Kind eines europäischen Vater« und einer malayischen Mutter war. Die eigenthümliche, beinahe wilde Schönheit und der ausgezeichnete Wuchs dieses Mädchens hatten den jungen reichen Kaufherrn nicht minder zu ihr hingczogen als ihre Munterkeit, ihr Geist und ihr Reichthum; aber wie ihm schon die vornehme Welt von Samarang jene Vcr- bindung mit Dem Liplap-Mädchen nicht vergeben hatte, so schien auch Die gute Gesellschaft seiner Vaterstadt Herrn van Haan eine solche Mißheirath nicht zu verzeihen, und er hatte sich Daher nach Stocksheim übergesiedelt, wo ihm und seiner wirklich liebenswürdigen, wenn auch etwas fremdartigen Frau derartige Vorur- thcile nicht begegneten. Wenigstens wurde dieses Ehepaar in denjenigen geselli- gen Kreisen, welche es auffuchtt, bald allgemein beliebt, und da Herr van Haan reich war und eine gewisse Ostmtation liebte, so wurde die Villa auf dem Morgenbühl balD wieder der Schauplatz allerliebster kleiner Feste, denen es nie an Gästen fehlte. , Nur Drei Personen wurden bei diesen Soireen nie gesehen: dte Commer- zienräthin und Robert Balder mit seiner jungen Frau. Mied die Commerzien- räthin dieft Kreise jetzt aus Mißmuth oder Neid, so war bei Robert und Pau- linen ein anderes Motiv: sie liebten sich zu innig, um in einem größeren ge- fettigen Kreise sich behaglich zu finden. Rodert hatte keine Freude an Der hohen Prunksucht, dem Materialismus und Genußleben, welchem die wohlhabenderen Kaufleute und Fabrikanten von Stocksheim huldigten; seine höheren, geistigen und intellektuellen Bestrebungen fanden in diesem Kreise nur wenig Befriedigung und nur wenige gleichgestimmte Genossen; diese letzteren fesselte er an sich, und bildete mit ihnen einen engem geistigern Kreis, welchem auch Rudolph und Henriette sich anschlossen. Die Geldaristrokatie von Stocksheim lächelte und spöttelte darüber, und nannte das Robert Balder'sche Haus ein bureau d’esprit, allem Robert war reich und unabhängig, und so mußte man ihn gewähren lassen. (Schluß folgt.) Theater. Am Freitag, den 13. d. M., steht uns abermals ein Kunstgenuß bevor. „Die Frau in Weiß", neuestes Repertoirstück von Charlotte Birch-Pfeiffer welches schnell die Runde an allen deutschen Theatern machte. Die ungetheilte Kritik, dessen sich obiges Schauspiel an allen bedeutenden Buhnen erfreute, spricht für den dramatischen Werth desselben. So überaus spannend er Roman, so überaus spannend ist das Schauspiel, und wir halten es daher für Pflicht, unser kunstsinniges Publikum auf die Vorstellung am Freitag ganz besonders aufmerk- sam zu machen, um so mehr, Da die Einnahme zum Benefiz der Frau Lindner, ein gern gesehenes Mitglied unserer Bühne bestimmt ist. Politische Rundschau Darmstadt, 9. März. Die zweite Kammer nahm heute nach sechswöchentlicher Unterbrechung ihre Sitzungen wieder auf. Unter der grüßen An- zahl neuer Eingaben erwähnen wir die Vorlagen der Regierung zur Concesfioniruug der hessischen Lud- wigSbahn zur Ausführung der mit derselben vereinbarten Bahnlinien, sowie des Hauses Erlanger und Eons, zur Erbauung der oberhessischen Bahnlinien Gießen-Gelnhausen undGießen-Fulda. Dernbürg beantragt die Erbauung einer Vicinaleisenbahn von Reinheim nach Reichelsheim im Anschluß an die Odcnwaldbahn. Hallwachs und Kempf inler- pelliren die Regierung wegen Aufhebung der Spielbank in Nauheim. Es wird sodann die Beralhung über den Gesetzentwurf, betreffend die Einführung mehrerer Gesetze des Großherzogthums in den neuen Gebietstheilen eröffnet. Es sollen hiernach das Po- lizcistrafgesetz, das Forststrafgesetz, das Feldstrafgesetz, das Jagdstrafgcsetz und das Gesetz, die Errichtung von Sicherheitswachen betreffend, auf die fraglichen Landestheile ausgedehnt werden. Durch das Polizeistrafgesetz ist auch das Verbot der öffentlichen Spielbanken ausgesprochen und sind verschiedene Abgeordnete der Ansicht, daß die Einführung des betr. Gesetzes die Aufhebung des Spiels in Nauheim nach sich zöge. Der Regierungscommissär glaubt jedoch, daß bezüglich dieses Punktes ein Ausnahmsfall vor- läge, indem man hierin durch ältere Verträge gebunden sei. Von mehreren Seiten wird noch das dringende Ersuchen an die Regierung gerichtet, die Aufhebung der Nauheimer Spielbank zu beschleunigen. Der vorliegende Gesetzentwurf wird mit einigen unwesentlichen Abänderungen einstimmig angenommen. Einige weiter auf der Tagesordnung stehende Gegenstände untergeordneter Bedeutung werden im Sinne der Ausschüffe erledigt Berlin, 5. März. Die „Nordv. Allg. Ztg." dementirt die von verschiedenen Seiten gemeldete Nachricht, die bei der Berufung des Zvllparlaments beobachtete Form habe die süddeutschen Höfe verletzt. Es seien vielmehr noch keine Einladungsschreiben erlassen. Die Form der Einladung werde übrigens voraussichtlich dieselbe sein, wie die bei den Einladungen zu den Zollvereinsconferenzen üblich gewesenen. Berlin, 7. März. In der heutigen Eröffnungssitzung des Norddeutschen Bundesrathes wurden die vorjährigen Ausschußmitgliever wieder gewählt und Braunschweig und Gotha als Stellvertreter in den fünften und sechsten Ausschußvertrag ernannt. An die Ausschüsse gingen sodann folgende Präsidialvorlagen: Vertrag mit Nordamerika über die Staatsangehörigkeit; Gesetzentwurf betreffend die Unterstützung der Familien einberusencr Ersatz-Reservisten; Gesetzentwurf betreffend die Transportvergütung für die Beförderung von Truppen auf den Eisenbahnen; Gesetzentwurf betreffend die Bewilligung von Pensionen an die vormals schleswig-holsteinischen Offi- ciere; Antrag auf Unterstützung des germanischen Museums re. Berlin, 9. März. Der Handels- und Zollvertrag mit Oesterreich ist heute Nachmittag um 4 Uhr im Bundeskanzleramte unterzeichnet worden. — Der Bundesrath Des deutschen Zollvereins hat das Präsidium ermächtigt, den Handelsvertrag mit Oesterreich sofort nach dessen Unterzeichnung dem ersten und zweiten Ausschüsse zu überweisen. Weitere dem Zoll- bundcsrathe vorgelegte Präsidialvorlagen sind ein die Besteuerung des Tabaks betreffender Gesetzentwurf, sowie ein Entwurf, betreffend die Einleitung eines Handelsvertrages mit dem Kirchenstaat. Verschiedene, der Competenz des Zollvereins angehörige Angelegenheiten sind von dem Bundesrathe des Norddeutschen Bundes an den Bundesrath des deutschen Zoll- Vereins abgegeben und wurden in der heutigen Sitzung desselben den betreffenden Ausschüssen überwiesen; darunter die Einleitung zum Zollanschlusse Mecklenburgs und Lübecks. Berlin, 7. März. Der Entwurf zu der neuen Gewerbe-Ordnung, der dem Bundesrathe und Reichstage zur Genehmigung vorgelegt werden wird, geht durchweg von den freisinnigsten Grundsätzen aus und enthält 10 Titel. Wir sind in der Lage, einen kurzen Auszug daraus geben zu können. Tit. I. Allgemeine Bestimmungen. Es werden darin die Principicn ausgestellt, von denen bet der Regelung der Gewerbcverhältnisse ausgcgangen werden soll. Der gleichzeitige Betrieb mehrerer Gewerbe ist gestattet. Von dem Besitze des Bürgerrechts soll die Zulassung zum Gewerbe-Betrieb nicht abhängig gemacht werden. Frauen sollen das Recht haben, selbstständig Gewerbe zu betreiben. Die bestehenden Vorschriften über die Erfindungs-Patente verbleiben. Tit. II. Stehender Gewerbebetrieb. Die Vorbedingung dazu ist die Anmeldung der Gemeindebehörde , welche über die Anmeldungen genaue Register zu führen hat. Die Bestimmungen wegen der Gewerbe, die etwa besonderer polizeilicher Er- laubniß bedürfen, und der Medicinal-Gewerbe verbleiben. Seeschiffer und Seesteuerleute müssen sich durch BefähigungSzeugniffc der höheren Verwaltungsbehörden ausweisen. In Bezug aus die Prüfungen derselben wird der Bundesrath weitere Vorschriften erlassen. Die Befugniß zum selbstständigen Gewerbebetrieb soll auch das Recht bedingen, Gesellen, Ge- hülfcn und Lehrlinge zu halten. Von Handwerker-Prüfungen ist im Entwürfe keine Rede. Tit. III. Gewerbebetrieb imUmherziehen. Hierzu ist eine besondere polizeiliche Erlaubniß erforderlich. Tit- IV. Markt-Verkehr. Der Besuch der Messen, Jahr- und Wochenmärkte, sowie der Kauf und Verkauf auf denselben steht einem Jeden mit gleichen Befugnissen frei. Tit. V. Taxen. Polizeiliche Taxen sollen in der Regel künftighin nicht vorgeschrieben werden. So sie bestehen, sind sie in einer von der Ortsbchörde festzusetzendeir, höchstens einjährigen Frist aufzuheben. Tit. VI. Innungen. Alle zur Zeit bestehenden gesetzlichen Corporativnen dauern fort. Die Befugniß zum betriebe eines Gewerbes, für welches eine Innung besteht, ist nirgends vom Beitritt zur Innung abhängig. Tit. VII. Gesellen, Gehülfen, Lehr- linge und Fabrikarbeiter. Die Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind Gegenstände freier Uebercinkunft. Zum Arbeiten an Sonn- und Festtagen soll Niemand verpflichtet fein. Kinder unter 12 Jahren dürfen zur Fabrikarbeit nicht angenommen werden. Vor vollendetem 14. Lebensjahre darf die Beschäftigung bei dreistündigem täglichen Schulunterricht die Dauer von 6 Stunden nicht überschreiten. Zwischen dem 14. — 16. Le- bensjahre dürfen sie nicht über 10 Stunden beschäftigt werden. Die Beschäftigung darf nicht vor 51/2 Morgens beginnen und nicht über S1/^ Uhr Abends dauern. Mittags ist ihnen eine ganze Freistunde zu gewähren. Tit. VIII. Gewerbliche Hülfs- kass e. Tit. IX. Ortsstatuten. Tit. X. Verbrechen und Vergehen der Gewerbe- Treibenden. Hier wird der wichtige Grundsatz ausgestellt, daß die ConcessionSentziehung zum selbstständigen Gewerbebelrieb polizeilich nicht zulässig sein soll, sondern nur auf dem richterlichen Wege erfolgen kann. Auch wird Coalitionsfreiheit zugestanden. Berlin. Man sagt nicht nur, man liest's sogar, Bismarck arbeite an einer Abrüstung in Europa. Die Hälfte der Soldaten solle verschwinden , wie bei einer Luftspiegelung in den Wolken. Die Sage ist fast zu schön; wenn sie aber wahr würde — die Leute würden zu dem lebendigen Bismarck wallfahrten gehen, wie die Muselmänner zum Grabe des Propheten. Königsberg, 6. März. Nach heute hier ein- gelaufenen Meldungen haben in Labiau Ruhestörungen stattgefunden, indem eine den ärmeren Klaffen angehörige Volksmenge tumultuarisch vom Landrath und Bürgermeister die Herausgabe des angeblich vom König geschickten Geldes forderte. Einige Compagnien der Königsberger Garnison sind, wie sich das natürlich von selbst versteht, zur Wiederherstellung der Ordnung nach Labiau abgegangen. Lübeck, 9. März. Wie die „Eiscnbahnztg." meldet, beginnt morgen in Schwerin die CommissionS- berathung über den Anschluß beider Mecklenburg und Lübeck's an den Zollverein. Vorsitzender der Commission ist der Provincial-Steuerdirector Gröben aus Stettin, Mitglieder der Commission sind: 1 baierischer, 1 sächsischer, 1 Lübecker und 2 mecklenburger Commissäre. München, 8. März. Die zur Abholung der Leiche des verstorbenen Königs nach Nizza abgesandte Commission wird von dort heute Abend, wahrscheinlich zwischen 9 und 10 Uhr, nach München zurückkommen. Die sterblichen Ueberreste des Königs werden sofort auf einem sechsspännigen Leichenwagen, auf dessen beiden Seiten Hoflakaien igit Fackeln und Hatschiere sich befinden, nach der alten Hofkapelle der Residenz gebracht. An der Hofkapelle wird die Leiche von der Hofgeistlichkeit empfangen und auf dem Katafalke eingesegnet. Das Herz des Königs wird von dem Hofcommissär Graf Arco-Vallep und einem Hofgeistlichen nach der Allerheiligenhofkirche gebracht, wo dasselbe vom Stiftsvechant in Empfang genommen und in Gegenwart des Hoscommissärs in die Sakristei eingeschloffen und bis zur Ueberführung nach Altötting aufbewahrt wird. Stuttgart, 7. März. Der „Staats-Anzeiger" enthält die Verordnung, durch welche die Wahlen zum Zollparlament zum 24. d. M. angesetzt werden. Dasselbe Blatt publicirt das Contingentsgesetz. Wien, 7. März. Die ReichSrathSdelegation nahm heute den Antrag Pratobevera's an, welcher, entgegen dem Ausschußantragc auf Bewilligung von 672,440 fl. für Neubauten von Festungswerken, die Bewilligung von 996,000 st. befürwortete. Der Kriegsminister dankte bei dieser Gelegenheit für die bewilligte Summe zur Anschaffung neuer Waffen. Florenz, 7. März. Die „Italienische Corre- spondenz" meldet, daß die Militärbehörden Italiens und des Kirchenstaates gestern ein Uebereinkommen abgeschlossen haben, dem zufolge die Verträge über Unterdrückung des Brigantenwesens auf den Territorien beider Länder wieder in Kraft treten. Washington, 6. März. Präsident Johnson ist zum 13. d. M. vor die Schranken des als Gerichtshof constituirten Senats gefordert. Die Pro- cevur, die in Nordamerika wenigstens in Bezug auf einen Präsidenten noch keinen Präcedenzfall hat, ivtrb. also in dieser Woche schon ihren Anfang nehmen. Als Ankläger tritt das Repräsentantenhaus auf: der Senat, als Gerichtshof constituirt, wird richten. Oberrichter Chase, Republikaner und entschiedener Gegner Johnson's wird den Vorsitz führen. Die Anklage in ihrer ursprünglichen Fassung, lauiefe dahin: „Die AemterbesetzungS-Acte verletzt zu haben, sowohl durch seine Ordre zur Absetzung StantonS, wie durch die Erhebung des Generals Thomas zum Kricgsministcr ohne Zustimmung des Senats; ferner: der Armee-Bill dadurch zuwider gehandelt zu haben, daß er General Emery zur Befolgung solcher Befehle verleitete, die ohne Grant's Gegenzeichnung demselben zugefertigt wurden." Das Repräsentantenhaus scheint indessen gefühlt zu haben, daß diese Anklage auf schwachen Füßen stehe. Das Haus hat sich daher veranlaßt gesehen, derselben noch einen Collectivartikel hinzuzusügen, in welchem es den Prä- ftoenten in Bausch und Bogen beschuldigt, „sich gegen den Kongreß vergangen zu haben, indem er denselben in seinen öffentlichen Reden geschmäht und die Gesetzmäßigkeit desselben bezweifelt habe." UebrigenS wird berichtet, daß die Einzelstaaten und auch Mili- tärabtheilungen bereits anfangen Partei zu ergreifen und sich , je ' nach ihrer Stellung zur Frage, dem Congreß oder gtein Präsidenten zur Verfügung stellen. Ist dies ernsthaft gemeint und erschrecken die streitenden Parteien nicht im letzten Moment noch vor dem Maß der Verantwortlichkeit, so wäre der Bürgerkrieg da. V c r m i f ch t e S. Gießen. Der seitherige Privatdocent an der hiesigen juristischen Facultät, Dr. Merkel, ist zum außerordentlichen Professor für Criminalrecht ernannt worden. Gleichzeitig sind zu außerordentlichen Professoren befördert worden die bisherigen Privatdocen- ten an der medicinischen Facultät Or. Kehrer und Dr. Birnbaum. Ersterem wurden die theoretischen Vorlesungen über Geburtshülse und die Prüfung im Schlußexamen, Letzterem die technische Leitung der Entbindungsanstalt, sowie der mehr practischc Thcil des Unterrichts überwiesen. Darmstadt, 7. März. Gestern Mittag gegen 12 Uhr schlug der Blitz in den Nieder-Ramftätter Kirchlhurm ein. Das entstandene Feuer wurde bald gelöscht, jedoch ist der Schaden nicht unerheblich. Obgleich vor einem Jahr dasselbe Ereignis; eingetreten war, hatte man leider versäumt einen Blitzableiter anzulegen. Darmstadt, 10. März. In verflossener Nacht um 11 Uhr kam im Laboratorium des Großhcrzog- lichen Zeughauses ein Feuer zum Ausbruch. Der Dachstuhl des nach dem Paradeplatze gelegenen zweistöckigen Mittelbaues, in welchem sich das Bureau der Zeughausverwaitnng befindet, brannte zusammen. Das Feuer war erst um 1 Uhr vollständig gelöscht. Schotte». Die sogenannte Slovakcnkrankheit (Fleckenfieber) ist auch hier in 3 Fällen aufgetreten. Die befallenen Personen verkehrten häufig in einem Wirthshaus, in welchem die Mausfallenhändler ihr Absteigequartier nahmen. Von diesen 3 Fällen verlief keiner tödtlich, wenn auch zwei unter den Symptomen eines schweren Typhus, der eine war mit brandiger Bräune (Diphlcritis), der andere mit Lungenentzündung verbunden, der dritte hatte einen leichten Verlauf unter den Erscheinungen eines nervös- gastrischen Fiebers (Typhoid.) Aschaffenburg, 7. März. Nachdem sich ge- stern Nachmittag ein Gewitter mit Hagel über unserer Stadt entlud, hatten wir heute Früh ein starkes Schneegestöber und am Nachmittag zog abermals ein Gewitter, von öfterem Donner begleitet, über unsere Gegend. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr- Pietsch) in Gießen.