Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsölatt für den Areis Kielen. Rr. 43. Donnerstag den 9. April 1868. Besondere Bekanntmachungen Da es in neuerer Zeit mehrfach vorgekommen ist, daß sich hiesige Einwohner, welche in die Armenliste ausgenommen sind, von Privatärzten, welche mit dem klinischen Hospital in keiner amtlichen Verbindung stehen und dazu nicht beauftragt sind, ärztlich behandeln lassen und die dadurch entstehenden Medicamenteurechnuugen der Kliuikkasse zur Bezahlung vorgelegt werden, so wird hierdurch zur Kennt- nißnahme der hiesigen Herren Aerzte und Apotheker, sowie zur Nachachtung für die Stadtarmen bekannt gemacht, daß vertragsmäßig die ärztliche Behandlung und Verpflegung von erkrankten armen Einwohnern von Gießen, welche in die Armenliste aufgenommen wurden, nur von den Herren Aerzten des klinischen Hospitals vorgenommen werden und daß allenfallsige Mediramentenrechnungen über Verordnungen von Privatärzten weder von der Kasse des klinischen Hospitals, noch von der hiesigen städtischen Armenkasse ausbezahlt werden. Gießen, am 3. April 1868. Die Armen-Commisston der Stadt Gießen. Z. A. d. D.: Felfing, Beigeordneter. (2377) E d i c t a l l a d u n g. 2383) Nachdem die Andreas Schäfer Eheleute von Kloster Arnsburg unterm 30. Januar d. I. mit der Mehrheit ihrer gerichtsbekannten unbevorzugten Gläubiger einen Stundungs- und Nachlaß-Vertrag abgeschlossen haben, dessen Einsicht in der Registratur der unterzeichneten Behörde freisteht, so werden alle Diejenigen, welche eine bestimmte Erklärung darüber noch nicht abgegeben haben, sowie etwaige noch unbekannte, unbevorzngte Gläubiger hiermit aufgefordert, um sogewisser von heute an binnen 4 Wochen ihre Forderungen dahier anzuzeigen, resp. ihre etwaigen Einwendungen gegen das Arrangement vorzubringen, widrigenfalls solches ohne Rücksicht auf sie bestätigt und in Vollzug gesetzt werden würde. Lich, am 2. April 1868. Grobherzogliches Landgericht Lich. Sartorius, Cellarius, Landrichter. Landgerichts-Assessor. 2360) Das Abonnement auf regelmäßige Mittheilungen der von einer größery Zahl meteorologischer Beobachtungsstationen telegraphischem Berlin zusammenfließenden täglichen Witterungs-Nachrichten, welches bisher auf einige Hauptorte beschrankt war, soll in Folge höherer Anordnung vom 1. April er. ab auf alle Telegraphen-Statio- nen des Norddeutschen Bundes ausgedehnt werden. Der Abonnementspreis ist einstweilen auf 3 Rthlr. pr. Monat festgesetzt. Mit Bezug auf die früher» bezüglichen Bekanntmachungen werden Behörden und Personen, welche die tägliche Mittheilung der Zusammenstellung gedachter meteorologischer Witternngs - Nachrichten unter den angeführten Bedingungen wünschen, ersucht, ihr desfallsiges Abonnement bei der Orts- telegraphen-Station anzumelden- Frankfurt a. M., den 1. April 1868. Die Telegraphen - Direction. I. V.: Dr. Meyer. Versteigerungen. Holzversteigerung in den Domauial- waldunzen der Oberförsterei Eichelsdorf. 2374) Mittwoch den 15. und Donnerstag den 16. d. M., werden im District Lappenwiescnschlag nachstehende Holzsortimente versteigert: a. Brennholz: Scheidh. Prügelh. Stockh. Rcish. Holzart. Stecken. Buchen 688 Vzi. El. 163 240 630 „ 29 II. El. — — — Elsbeeren— lv2 — — Eichen — — — 1 B. Bau-, Werk- und Nutzholz: Eichen: 7 Stämme von 9 — 15!? Zoll Durchmesser und 25—80 Fuß >*. Länge, mit 328 Cubikfuß, Buchen: 25 Stämme von 13—25*/a Zoll Durchmesser und 25—55 Fuß Länge, mit 1942 Cubikfuß, Elsbeeren: 4 Stämme von 9>/2 —14 Zoll Durchmesser und 22—45 Fuß Länge, mit 157 Cubikfuß. Anfang der Versteigerung jedesmal Morgens präcis 9 Uhr. Zusammenkunft im Holzschlag bei den ersten Holznuminern. Das Holz sitzt großentheils unmittelbar an dem chaussirten Langder Vicinalweg. Das Bau-, Werk- und Nutzholz kommt sämmtlich am ersten Tage zum Ausgebot. Eichelsdorf, den 4. April 1868. Großherzogliche Oberförsterei Eichelsdorf. ______________Heyer.______________ 2384) Donnerstag den 16. April, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause die dem I. Sauerbier gehörenden Grundstücke auf dessen Ansuchen an den Meistbietenden versteigert werden, als: Flur Nr. iHKlftr. i6/?h 263 Acker auf der Hohleiche, ‘6/212 529 Acker daselbst, 16/2i4 153 Acker daselbst, ‘6/215 186 Acker daselbst. Sollten keine Steigliebhaber erscheinen, so sollen die Grundstücke auf 4 Jahre verpachtet werden. Gießen, den 8. April 1868. In Auftrag: Weidig, Ortsgerichtsmann. Feilgebotenes. Kleesamnen ©. BW 2354) In der Höpfner'schen Condito- rci (Neustadt, Oswald's Garten), sind Zucker - Eier und sonstige Gegenstände, passend für Ostern, in reichster Auswahl und zu den billigsten Preisen zu haben. Um gütigen Besuch bittet ________Friederike Appel, Wittwe. 2372) Mehrere Kochöfcu, sowie einige Sparherde, sind zu verkaufen bei Christian Lony, __________in der Mühlgasse.__ 2378) Chocolade von Joh. PH. Wagner in Mainz (Compagnie fran^aise) empfiehlt in bekannter Güte _________________ PH. Schlatter. 2367) Fertige Herrenhemden, Kragen, Manschetten, Brust-Einsätze, Herren- und Damenstrümpfe, Halsbinden, Hosenträger, Unterhosen und Unterjacken in reicher Auswahl bei Carl Wenzel. 2385) Nußbaum Fonrnire sind einige Päcke billig abzugeben bei ______I. Rothenberger, Lindenplatz. 2386) Eine frischmelkende Ziege, sowie mehrere Lämmer zur Zucht, sind zu vcr- kaufen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl. 2387) Ein noch ungespieltes Pianino von Schmechten (Berlin) ist zum Fabrikpreise zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts._____________________________________ 2350) Frische Sendung Portland-Cemcnt zu ermäßigtem Preise empfiehlt ___________________I. G. D. Bapst. 2361) Bier von Gg. Heß L Comp. über die Straße zu 5 kr._____Ebel. 2356) Durch günstigen Gelegenheitskauf kann ich Portefcuillewaaren, namentlich Cigarren-, Näh- und Häkeletuis, Tabaksdosen, Necessaires, Flacons, Brieftaschen und Mappen, Portemonnaies rc., auffallend billig verkaufen und wird sowohl die Solidität der Arbeiten, als auch die Auswahl Jeden zufrieden stellen.________E- Eichenberg. 2379) Corsetten, Erinolins und Glacc- handschuhe empfiehlt PH. Schlatter. 2367) Glacc- und Sommer-Frand- schuhe von vorzüglicher Qualität, Weiß- waarcn, seidene Shäwlchcn, Corsetten und Crinolinen empfiehlt C. Wenzel. | Selters- und Soda-Wasser in Vi und ‘/2 Flaschen zu Fabrikpreisen, sowie pr. Glas 2 kr., bei Carl Wenzel, Seltersweg. V e r m i e t h u u g e it. 2363) In der früher Sauerbier'schen, jetzt Weimar'schen Mühle ist ein ganz neu hergerichtetes mit allen Bequemlichkeiten versehenes Familienlogis zu vermiethen und sogleich beziehbar. Nähere Auskunft crtheilt ________Daniel Moo g, Schloßgasse. 2364) Mehrere gut möblirte Zimmer mit Cabineten sind zu vermiethen bei _________________Wittwe Martin. 2357) Ein gut möblirtes Zimmer, vorn heraus, ist zu vermiethen bei ____;__________________E- Eich en berg. 2359) Lagerräume sind zu vermiethen bei___________________B. Katzenstein. 2349) Mehrere gut möblirte Zimmer sind zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bl. 2347) Im Russischen Hof ist ein großes Familienlogis zu vermiethen.______ 2370) Ein großes Familienlogis, möglichst mit einer großen Parterre-Stube, wird zu miethen gesucht- Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.___________________________ 2371) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Louis Petri II., - _____ Neuenweg. Vermischte Anzeigen. 2369) Es werden noch junge kräftige Leute als Dienstmänner zu engagiren gesucht. Nur Solche wollen sich melden, die mit guten Zeugnissen versehen sind. Die Direction des Dicnstmann- ___________Instituts in Gießen._____ Kunst - Wascherei. 2365) Hiermit die ergebene Anzeige, daß ich vom, 3. d. Mts. an nicht mehr in dem Schlosser Nagel'schen Hause in der Brandgasse, sondern auf dem Neuenweg bei Herrn Sauer, Lit. B. Nr. 134, wohne. __________Elise Schneider, geb- Weil. 2362) Ein Kutscher wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Zu erfragen bei der Erpedition dieses Blattes. 2355) Den 2. Ofterfeiertag findet gut- besetztc Torrz-MME statt, wozu ergcbenst cinladet ______Heinrich Reh, in Oppenrod. 2348) In meiner Mineralwasser-Anstalt findet noch ein tüchtiger Arbeiter dauernde Beschäftigung. _______ Dr. A. Mettenheime r. 2358) Mehrere jnnge Männer finden dauernde Beschäftigung bei _________F. Haben icht, Lampcnfabrik. 2375) Den 3. Ofterfeiertag findet gut besetzte Tanz-MM auf der Badenburg Statt. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt- I. Duill Wittwe. ■ 2380) Allen Denjenigen, welche M M unfern verstorbenen unvergeßlichen M I Gatten und Vater /■/ ) Moritz Kreiling M Mi zu seiner letzter Ruhestätte begleitet S W haben, sagen wir hiermit unseren M M innigsten Dank. ■ M Die trauernden Hinterbliebenen. M 2373) Sauerkraut wird gekauft- Zu erfragen bei der Exped- d- Bltts. Auf dem Staufenberg ist bei günstiger Witterung den 2. Oster- feiertag Laiy-Musck im Freien, wozu ergebenst einladet (2376) Heinrich Fink. | Glücks - Offerte, t § 2352) Das Spiel der l'reiburger J <8 Staats-Präinien-Obligatio- | H neu ist von der Grossherzog- >> 2 lieli Hessischen Regierung t -A gestattet. | „Gottes Segen bei Cohn!“ | | rosse Oapitaiien- 1 erl» os (i 1, A K. | von über 3 Millionen. «A Beginn der Ziehung am IS. April /, ■>'- d. .1 ■ I War s Tliir. oder 1 Tlilr. g H kostet ein vom Staate garantir- g Z tes wirkliches Original-Staats- x- 1-008 (nicht von den verbotenen Pro- g f messen) aus meinem Debit und worden H solche gegen 1‘rank.irte Einsendung ö des Betrages oder gegen Post- ?; Vorschuss selbst nach den ent- Z ferntesten Gegenden von mir A- I versandt. & r. Loos. Sielten Loose kosten nur Tlilr. AS — fl. SR südd. Mit k. k. Stempel versehene Loose empfehlen VOELCKER & (.*"• (2353) Bankgeschäft in Wien, Kolowratring Nr. 4. 2388) Ich zeige hiermit ergebenst an, daß ich das von Schmied- meister Hellmold Wittwe seither betriebene Schmiedegeschäft in deren Hause in der Löwengaste übernommen habe und halte mich zu geneigten Aufträgen bestens empfohlen. Gießen, März 1868. Theodor Vogt, Schmiedmeister. Zinß er scher Garten. 2382) Den zweiten Osterfeiertag: Großes Militär-Concert, ansgeführt vom ganzen Musik-Corps des hiesigen Jäger-Bataillons, unter Leitung seines Capellmeisters Herrn Schellhaus. Anfang 4 Uhr. — (Siitree für Herren 12 fr., für Damen 6 kr. 2381) Die Badische allgemeine in Karlsruhe, gegründet im Jahre 1835, schließt unter ganz vortheilhaften Bedingungen alle Arten von Lebens- und Rentenversicherungen nach dem Princip der Gegenseitigkeit mit Anspruch auf Dividenden und Zinsengenuß ab. # Ueberficht des Geschäftskreises: 1) Lebensverstcherungs - Verträge, 2) Versorgungs-Verträge: a. Leibrenten verschiedener Art, b. Altersversorgungen, c. Versicherung von Studien- und Lehrgeldern, d. Versicherung von Capitalien, e. Aussteuer - Verträge, 3) Kinderversorgungs - Verein. Die Versorgungs-Anstalt hat einen Sicherheitsfonds von gegen 9 Millionen Gulden auf doppelte Hypotheken angelegt und bietet unter specieller Staatsaufsicht ganz besondere Sicherheit und Vortheile. Der Gewinn der Anstalt kommt ausschließlich den Versicherten, welche sämmtlich zugleich Mitglieder derselben sind, zu gut. Den Abschluß von Verträgen vermitteln die Unterzeichneten, bei welchen auch specielle Auskunft, sowie Prospecte, Antragsformulare rc. zu haben sind. Jean Boeck in Gießen, v. Sack in Wetzlar. Gerichts-Secretär Schellenberg in Braunfels. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. BÖrsennachricliten. 7. April 1868. Preuss. 4*/2% Obi. 95’/2 Frankf. 3st2»/g Obi. 8O3/4 Nass. 41/2% Obi. 941/2 Kurh. 4O/o Obi. 89-/8 Hess. 40/o Obi. b. Roths. 89’/s „ 3V2% do. do. 84 Bayer. 5<>/0 Obi. lOL/s » 4‘/2O/o 1jährige 931/4 „ 41/2% Vsjährige 933/8 Würtemb. 4i/2°/o Öbl. 931/4 Baden 41/2% Obi. c. E.L. 93-/g Oestr. 5% b. R, 631/4 „ 50/0 National 537/g „ 5% Metall. Obi. — „ M. steuerf. 5O3/4 Amer. 6»/0 1882r Bds. 753/g „ 60/p 1885r 743/4 Actien. Frankf. Bank 125 Oester. Bank 721 „ Creditact. 1931/2 Darmst. Bankact. 224 . Prioritäten. 5O/o östr. F. St. E. B. 258 Ludwigsh.-Bexbach 1491/2 Maxbahn 105 !/2 Bayer. Ostbahn 1221/4 Hess. Ludwigsbahn — 3O/o östr. Stsb.-Prior. 513/s 3% östr. s. Lombard. 427/8 3% Livorneser 28*/2 Toscaner 421/4 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5O/o Elisabeth-Prior. 727/g do. II. Emiss. 7Oi/i Anlehensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 557/g Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144i/2 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 38 4% bayr. Präm. Anl. 991/g 40/0 badische Loose 973/4 Badische fl. 35 Loose 5 l3/g 1858r Prioritätsloose 1331/2 1860r Loose 721/4 1864r „ 88 Wechsel. Amsterd. k. S. 10O5/g Augsb. k. 8. 991/4 Berlin k. 8. 105 Bremen k. S. 981/g Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 88-/g Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1191/2 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 947s Wien k. 8. 1023/4 Disconto 3% G. Geldsorten. Pr. Gass. Sch. 1 443/4-45 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 57i/2-581/z Pistolen . . 9 49-51 „ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankens!. 9 29‘/2-30i/2 Engi. Souver. 11 55-59 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 28-29 Schutzengesellschäfl in Gießen. Heute Mittag um 3 Uhr: Schießübung auf das neue Feldscheibenbild. Landwiethsehaftliehes. Futtermischung. Einer der am Wenigsten entwickelten Zweige der Viehhaltung ist die geeignete Futtermischung. Soll der thierische Organismus in allen seinen Theilen recht gedeihen, so ist es unerläßlich demselben in der Nahrung diejenigen Nährstoffe zuzuführen, die nicht allein die Entwicklung des Körpers in allen seinen Theilen gleichmäßig und ausreichend unterstützen, sondern die auch dem speciellen Nutzungszwecke (Milch-, Fleisch-, Woll- rc. Production) den gebührenden Vorschub leisten. Thatsache ist es, daß die eiweiß-, käsestoff- und kleberreichen Nahrungsstoffe die verschiedenen Weichtheile des Thierkörpers auözubilven die Fähigkeit haben, daß hingegen die Stärkemehle und Zuckcrstoffe vorzugsweise die Athmung des Thicres unterhalten und fettbildend wirken. Beide Arten von Futtermitteln müssen daher in einem geeigneten Verhälinisse zu einander stehen. Ausschließlich nur Athem- und Fettbildner füttern zu wollen, würde zur Folge haben, daß die Ausbildung der Muskeln, also der Kraftleistungsorgane unzureichend erfolgen könnte, woher cs denn auch kommt, daß Zugthiere, auch bei der reichsten Fütterung mit Kartoffeln und Rüben rasch ermatten und ihrem Dienste dauernd nicht vorstehen können, während die Fütterung von gutem Heu, Hafer, Kleie und Schrot stets, selbst wenn die Thiere weniger fleischig erscheinen, bedeutende Kraft und Ausdauer verleihen. Und wollte man die Stärkemehl- und Futterstoffe von der Fütterung ganz ausschließen, so würden manche Funktionen des Thierkörpers ganz unterbleiben, oder ungenügend erfüllt werden, z. B. die Fetterzeugung bei der Milchprovuktion. Aber auch verschiedene Mineralstoffe dürfen den Futtermitteln nicht fehlen, namentlich nicht der phosphorsaure Kalk, welcher das Material zur Knochenbildung liefert. Wie oft ist es doch der Fall, daß ein Mangel an solchen nicht allein die Weiterentwicklung junger Thiere hemmt, sondern daß er auch ältere Thiere, der so sehr der Gesundheitszustand untergrabenden Knochenbrüchigkeit überliefert. Aus allen diesen Gründen bildet das Smdium der Futtermischunzslehre für jeden Landwirth nicht allein einen sehr interessanten, vielmehr einen praktischen sehr nützlichen Gegenstand. Das Setzen der Obfibäume. Jeder Jüngling und Mann bemühe sich diejenigen Stellen mit Obstbäumen zu bepflanzen, welche dazu geeignet sind. Was die Natur zu schaffen hat, be- darf seine Zeit im steten Entwickelungsgange, andere Schöpfungen und Ziele können durch verstärkte Kräfte auch bei Versäumungen noch zeitig erreicht werden l Wer in seiner Jugend nicht pflanzt, hat wenig Hoffnung, im Alter noch Zeugen seiner gesegneten Wirksamkeit zu erblicken! ■— Die beste Anlage ist ein geschützter mäßiger Abhang nach Süden und Südosten und zwar eine gruppenweise Bepflanzung; denn gerade hierdurch erhalten die Bäume Schutz und die Befruchtung durch den gegenseitigen Blüthenstaub ist sicherer. Von Nebel stark heimgesuchte Thäler und Niederungen eignen sich durchaus nicht bet Thalzug zu Anlagen. Der Boden selbst ist maßgebend, welche Art von Bäumen gepflanzt werden soll, ob Birnen, Aepfel, Nußbäume oder Steinobst. Bei steinigem, thonigem Untergründe taugt kein Birnbaum, weil die tiefgehenden und weniger zähen Wurzeln nicht einzudringen vermögen. Hierzu eignen sich Aepfel-, Zwetschen-, Kirschen- und Nußbäume. Zunächst ist also der Boden maßgebend, welcher Baum gepflanzt werden darf. — Hierin liegt auch der Grund bei den kümmerlich aussehcnden und nicht vorwärts gehenden Anlagen bei aller Pflege! — Die Gruben müssen möglichst tief und breit gemacht werden und über Winter hin recht ausfrieren. Das Setzen im Frühling ist immer das Beste; denn die angeschnittenen Wurzeln und Verletzungen nehmen leicht Veranlassung zu Faulstellen falls man im Spätjahre setzt. Nicht beziehe man Bäume aus vernachlässigten Schulen, denn die Sastgefäße sind zu eng und die Rinde zu hart, und der Baum selbst kann die reichgebotene Nahrung auf seinem neuen Standort nicht zinsbar machen; sein Kleid ist zu eng und störrig. Oie von kärglichem Boden bezogenen Stämmchen haben allzuviel Wurzeln und müssen solche, die über einander stehen, sauber an der Wurzelkrone abgeschnitten werden, weil allzuviel Wurzeln unthätig bleiben. Die meisten Wurzeln lasse man nach Westen gehen, um den aus dieser Himmelsgegend kommenden Stürmen zu begegnen und einen geraden Stand zu veranlassen. In die Mitte des Loches stoße man den Stützen ein, der an dem oberen Ende aber spitz zugeschnitzt sein muß, damit die etwaige scharfe Oberfläche nicht einschneide, der Stützet darf aber nicht zur Krone hinreichen. — Um möglichste Reibung zu vermeiden, binde man mit einem dünnen Strohseil den Baum an, das Band muß aber in Gestalt eines Achters angelegt werden. — Die Krone muß mit den Wurzeln, nachdem die Aestchen auf mehrere Augen zurückgeschnitten wurden, in ein entsprechendes Verhältniß gesetzt werden, jedenfalls mehr Wurzeln als Aeste. — Auf Wüstungen taugen am wenigsten Kernobstbäume. Am besten setzt man Kirschbäume, welche namentlich bei etwaiger Realisirung der Eisenbahn sehr zu berücksichtigen sein dürfen. Hackfrüchte in Rottfeldern. In manchen Orten säet man noch immer Gelberüben (Möhren) auf Rottfelder. Da sieht man dann nicht selten im Spätjahre statt eines schützenden Pfahls 3—4 Gelberüben und ein Stöckchen mit 3—4 krüpplichen Blättchen stehen, und wenn ein unvorsichtiger Karst den Gelberübensegen aus dem Boden schafft, gibt er dem kaum sichtbaren Stöckchen einen Hieb oder einen Ruck, der das schwache Geschöpf vollends vernichtet. Entrinnt es aber auch der Gefahr des Erstickt- oder Todtgeschlagenwerdens, so muß es meistens in Einstigen Jahren kümmerlich sein Leben fristen, denn die Möhren haben ihm seine beste Nahrung entzogen. Manche Weinbergspflanzer gedenkens besser zu machen, sie setzen Kartoffeln aufs Rottfeld. Das gibt emen Kartoffelkrautwald, unter welchem man oft die jungen Weinstöcke suchen muß. Statt das auf dem Acker gewachsene Kartoffelkraut verwesen zu lassen und den gewonnenen kalireichen Dung den Rottfeldern zuzuführen, bringt man in Kartoffelkraut und Kartoffeln die Hauptnahrung der Rebe, das Kali vom Nottfeld weg. Will man die Rottfeldzwischenräume mit Hackfrüchten bepflanzen, so lasse man doch die Hackpfianzen weg, setze Weißkraut u. dgl. dahin, und behacke mit Viesen zugleich das ganze Feld. F e uil Das Testament des Großonkels. Drittes Kapitel. (Fortsetzung) Maria de Witt mochte 21 Jahre zählen; sie war von mittlerer Größe und von vollen, ja, fast üppigen Formen. Sie war eine junonische Gestalt vom vollkommensten Ebenmaße; ihr Antlitz hatte einen orientalischen Typus, Haar und Augen glänzend kastanienbraun, der ganze Ausdruck entschieden und energisch. In den Salons der Aristokratie würde sie gewiß eine Menge Bewunderer um sich versammelt haben, doch sie war blos die Tochter eines armen Bäckers, der seinen Laden unten in Greenwichstreet gehabt hatte. Hier, wo das Comptoir der Firma Fletcher und Drydeck sich befand, und wo Harri Gratman oft Gelegenheit gehabt hatte, sie zu sehen, hatte sie seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen; ihre Mutter war frühe gestorben und als ihr Vater derselben folgte, wurde es Harri leicht, das sechszehnjährige Mädchen zu einem Schritte zu bewegen, den, ein Mal gethan, es zu spät ist zu bereuen, der über die ganze Zukunft entscheidet. Harri hatte ja nur gethan, was Andere auch thaten, er machte die Mode mit, und beschwichtigte die nach kurzer Zeit wach werdenden Vorwürfe seiner Geliebten mit dem Trost, daß er sie einst heira- then werde. Er hatte ihr eine reizende kleine Cottage in der Nähe Hobokens gemiethet, wo sie ihm nach Verlauf eines Jahres einen Sohn gebar. Ein Jahr nachher starb der alte Drydeck, fein Großonkel, er übernahm selbst die Firma und da er gezwungen war, verwickelter Handelsgeschäfte halber nach Europa zu reisen, so übergab er die Führung seines Hauses seinem vertrauten Commis, und Buchhalter, Namens Jansen, der auf diesem Comptoir von unten auf gedient hatte und nachdem er denselben in sein Liebesverhältniß eingeweiht, nahm er Abschied von seiner Familie und Maria und trat seine Reise an. Die Geschäfte waren drüben verwickelter als er geglaubt, und seine Abwesenheit verzögerte sich um zwei Jahre, obgleich manches Mal dunkle Gerüchte über den Ocean gedrungen waren, er führe in London ein sehr ungebundenes wüstes Leben, so glaubte man ihnen nicht, denn er war in New-Aork in dem Kreise seiner Bekannten als ein Muster der Mäßigkeit und Enthaltsamkeit bekannt, seine Freunde machten ihm sogar eine übergroße Sparsamkeit, ja Genauigkeit zum Vorwurf. Vier Jahre hatte jetzt das Verhältniß mit Maria de Witt gedauert, als ein Brief von ihm ihr seine baldige Heimkehr anzeigte. Maria de Witt hatte natürlich keine glänzende Erziehung erhalten, doch sie war ein Mädchen von natürlichem scharfen Verstände, und da sie seit ihrer Verbindung mit Harri viel auf die häusliche Einsamkeit angewiesen war, so hatte sie sich die Zeit mit leichter Romanlectüre zu vertreiben gesucht, mit der Zeit hatte sie auch Besseres gelesen und durch dieses Lesen hatte ihr Geist einen gewissen Grad von Bildung erreicht, sie hatte eine gewisse Tournüre in ihrem Wesen angenommen, und ihre Gedanken hatten sich, wie leicht zu begreifen ist, einer romantischen Richtung zugewandt. Daß Harri's Mutter um das ganze Verhältniß genau wußte, werden wir bei einer späteren Gelegenheit erfahren. Maria hatte lange sinnend in die laue Sommernacht hinausgeschaut, — sie wachte und rings um sie schlummerte die Natur — das Geräusch der den Fluß kreuzenden Dampfböte tönte aus der Ferne zu ihr herüber, — da drang Plötzlich aus dem Hintergründe des Zimmers cet Ruf p „Mama, Mama, wo bist Du?" an ihr Ohr; schnell wandte sie sich um, schloß das Fenster und eilte an das Bettchen ihres Lieblings, das neben dem ihrigen stand, — nach wenigen Minuten erlosch das Licht und die himmlische Cottage lag da wie die anderen Häuser, umgeben vom Schleier der Dämmerung, nur bewacht von dem großen göttlichen Vaterauge des allgütigen Vaters dort oben. „Schon wenige Stunden nachher zuckten die ersten Strahlen der Morgen- röthe über das Firmament im fernen Osten und der lichte Streifen, welcher die Meeresfläche säumt, wo sie den sich senkenden Himmelsbogen zu berühren scheint, wurde immer goldiger und Homers rosenfingrige Aurora streckte ihre Hand aus dem Oceane empor, das siegreiche Gestirn des Tages verscheuchte all- mälig die Nacht, und erfüllte die unzähligen langen Straßen der Handelsmetropole mit lautem Lärm und neuem Leben. Auf den Schiffen int Hafen und auf den Rays an der ganzen South- und Weststreet sing es an sich zu regen, die Magazine öffneten sich, um von neuem die Produete und Waaren aus aller Herren Länder aufzunehmen, junge Commis eilten auf die Comptoirs, um die Schreibtische ihrer Prineipäle abzuftauben, denn dieser alte Bremer Zopf hat sogar hier auch auf unseren Comptoirs Eingang gefunden, die Frühstücksstände öffneten sich, um die nach heißem Kaffee dürstenden Seelen zu befriedigen und aus den Straßen, die aus der Stadt nach dem Hafen führten, drängte eine Menschenwelle die anderer zu neuem Schaffen und neuer Arbeit. Obgleich es nicht die Sitte der Kaufleute im Allgemeinen ist, so früh an ihre Comptoirarbeiten zu gehen, was gewöhnlich erst um 8 Uhr der Fall ist, so war doch Perry Myers am heutigen Morgen schon unter den Frühesten mit am Hafen, doch nicht um schon auf sein Comptoir in Southstreet zu gehen, sondern er lenkte vielmehr seine Schritte nach einem Wachkhäuschen in der Nähe der Wallstreet, welches einigen Zollhausbeamten zum zeitweiligen Aufenthalt diente. Jever Kaufmann hat unter den Zollhausbeamten mehr oder weniger Freunde, oder besser gesagt, jeder Zollhausbeamte hat unter den Kaufleuten mehr oder weniger Proteges, je nachdem dieselben--contrebandiren, oder nicht eontrebandiren. Auch Perry MyerS hatte seine Protectoren, und da er wußte, daß für gute Worte viel zu haben ist, so hatte er sich entschlossen, sich an Mr. White zu wenden, den er auch richtig auf seinem Posten traf. Nachdem Beide die ersten gewöhnlichen Gemeinplätze unter einander gewechselt hatten, begann Perry: „Ich bin gekommen, Sie um eine Gefälligkeit zu bitten, Mr. White." „Was ich für Sie thun kann, Mr. Myers, steht zu Ihren Diensten." „Können Sie durch den an Bord gehenden Ofsizier des Zollhauses schon eine Stunde nach Ankunft eines Dampfers wissen, ob diese oder jene Person mit angekommen ist, wenn Ihnen der Name aufgegeben ist?" „Allerdings, Mr. Myers, wir brauchen in der Office des Pursers nur die Passagierliste durchzusehen, um jeden Namen heranszusinden." „Sehr wohl, Mr. White. Mit Einem der ersten Dampfer von Liverpool wird eine Person ankommen, für die ich mich sehr interessire, und deren Ankunft ich um jeden Preis sofort wissen möchte." Er zog ein Papier aus der Tasche und fuhr fort: „Hier finden Sie feinen Namen, und wenn er unter angenommenem Namen reisen sollte, auch sein Signalement. Sie könnten ja einen Beamten zu diesem l e t o «. Zweck benutzen, der an jenem Tage keinen Dienst hat, und der blos zu diesem Zwecke verwandt würde. Wenn der junge Mann ankommt, wird er natürlich einen Wagen nehmen, um nach einem Hötel zu fahren, da ich auch wünsche, zu wissen wo er wohnt, so möge jener Beamte gleichfalls einen Wagen nehmen und ihm nachfahren, sich erkundigen, was die Nummer feines Zimmers ist, ob er allein, oder mit Begleitung angekommen ist, — überhaupt möge er die ge- nauesten Erkundigungen einziehen. — Und hier erlauben Sie mir, Ihnen im Voraus Ihre Auslagen zu vergüten," und damit schob er ihm eine Zehndollarnote in die Hand. „Sie sollen auf das Prompteste und Beste bedient werden, Mr. Myers," erwiederte Mr. White, worauf sich Beide die Hände schüttelten und Perry Myers sich langsam entfernte. Der Letztere schien mit dem Erfolge des gehabten Gespräches sehr zufrieden zu fein, denn als er jetzt freudigen Muthes seinem Comptoir zuwandelte, murmelte er vor sich selbst hin: „Eine Nacht Ruhe ist doch immer gut einen vernünftigen Entschluß zu fassen; jetzt weiß ich, was ich will, und wie ich daran bin. Daß in Grat- man's Haufe wieder Etwas vorgeht, ist klar, und ich will mir dieses Mal Licht verschaffen, koste es was es wolle. Daß John an Allem diesem mit die Veranlassung ist, scheint mir außer Zweifel zu fein, und deßhalb will ich entweder Evelinen und ihre Familie vor ihm schützen, oder ich entgegengesetzten Falle ihm das Wort reden." Unter solchen Gedanken schlenderte er durch Wallstreet und bog durch Wil- liamstreet nach der Ecke von Exchange Place, um dort in dem Keller des Herrn Schulze sich durch ein solides Frühstück zu weiterem Tagewerk zu stärken. Das Lokal war mit anderen, zu demselben Zweck Essenden angesüllt und es war eine Lust mit anzusehen, wie Alle ihre Schuldigkeit thaten. Es ist ganz gewiß, daß ein guter Restaurateur im Centralpunkte der Handelswelt New-Norks mehr Einfluß auf die Geschäfte ausübt, wie Mancher glaubt. Nimmt er z. B. nicht das feinste Oel, oder wohl gar etwas starkes Oel zu feinem Hummersalat ä la mayonnaise, so daß derselbe diesem oder jenem kleinen oder großen Rothschild schwer int Magen liegt, tote schwer werden das die österreichischen Papiere empfinden, denn wenn unsere großen österreichischen BanquierS an Unverdaulichkeit leiden, leiden die österreichischen Course an totaler Verstopfung; und gesetzt den Fall, der Madeira hat einen Stich, so wird dieser oder jener MolasseSritter aus der Beaverstreet sicherlich die süße Waare um keinen viertel Cent niedriger losschlagen ; und gesetzt den Fall, der Barkeeper hätte ein Mal aus Versehen einen Seidel genommen, der nicht vorher in Eis gelegen hätte, so würde dieser oder jener Tabacksbroker schon vom blosen Ansehen Sodbrennen bekommen und dafür nachher seinen Verkäufern sage», der Markt sei flau; aber dem Allen ist Gottlob nicht so, der kleine Rothschild in Broadstreet hat einen so delicaten Lunch zu sich genommen, daß er noch zwei Stunden nachher in der Rückerinnerung schwelgt, und österreichische Course sind geschmeidig und lassen mit sich handeln; der Zuckervertilger in Beaverstreet hat statt Eines drei Glas Madeira getrunken, eine Fliege auf seiner Nase wird zum Kupferstecher und die Consignataire in Cuba müssen ein Paar Procente mehr Haare lassen; das Bier war so kalt, daß es den Brokern im Halse zufror und sie sich eine halbe Stunde an der Sommerseite des Customhauses hinstellen mußten, um wieder aufzuthauen, und siche da, Käufer und Verkäufer finden die Geschäfte lebhaft; — Alles dieses sind die Folgen eines guten Frühstücks, und man darf daher mit Recht sagen: Heil den Geschäften, wenn der Geist Epikurs über der Wallstreet schwebt!" — Immer stärker wurde das Gewimmel der Menschen, das Eilen und Jagen durch die Straßen in wilder Hast, Alle, wie die Rennpferde nach einem Ziele strebend, nach dem allgewaltigen und allmächtigen Dollar. Die Comptoirs und Schreibstuben füllten sich, die Bücher wurden wieder vorgenommen, die letztempfangenen Briefe wieder kurchgelesen, und wie in einem großen Uhrwerke fing Jeder da wieder an, wo er am vorigen Abend aufgehört hatte. (Fortsetzung folgt.) Mt i s c e l l e. Vor etwa neun Wochen wurden durch den Prediger der in Köln etwa 50 Mitglieder starken Baptistengemeinde vier Mannspersonen und vier Frauenzimmer an einem Abende, wo ein abscheuliches Schnee- und Hagelwetter herrschte, unterhalb Deutz im hoch angeschwollenen Rheine getauft. Von diesen Neugetauften ist ein erwachsenes Mädchen am 28. v. Mts. begraben worden. Eine Erkältung, welche sie sich bei ihrem Taufacte zugezogen hatte, soll schuld an ihrem Tode sein. Die Annahme der Baptisten, daß eine solche Taufhandlung keine Nachtheile für die Gesundheit herbeiführen könne, ist hiernach wohl nicht ganz stichhaltig. Wir entnehmen der „Köln. Ztg." nachfolgende Darstellung des Vorgangs am 25. Januar: „Die vier weiblichen Täuflinge traten zum Zwecke der Umkleidung in eine Kammer des Zeltes (zwischen Deutz und Mülheim liegt das „Fischerzelt" der Gebr. Wattler), die vier männlichen, der Täufer (Prediger der Gemeinde) und ein Diakon in den abgeschlossenen Netzschuppen. Bald darauf erschienen der Täufer, in schwarzem Talare und rundem Hute, und die Täuflinge, bekleidet mit einem Hemd aus sogenanntem Bieberstoffe, über welches sie einen weißen wollenen, mit leinenem Gürtel versehenen Mantel geworfen hatten, in dessen Saum unten kleine Bleikugeln eingenäht sind. Die Fußbekleidung bestand aus Uebeischuhen. Die Täuflinge, sämmtlich im Alter von 15—28 Jahren, traten alsdann in einen Kreis um den Täufer, um sie herum die Ge- meinvemitglieder. Mit entblößtem Haupte sprach der Täufer ein auf die bevorstehende Handlung sich beziehendes, die Anwesenden sichtbar ergreifendes Gebet, welchem ein einstimmiges „Amen" der Gemeinde folgte. Der Täufer nahm dann den ersten Täufling bei der Hand, stieg mit ihm das Ufer hinab und muthig in's Wasser hinein, etwa zehn Schritte weit, so daß ihnen das Wasser bis an die Hüsten ging. Nun sprach der Täufer die in allen christlichen Consessionen bekannte Taufformel und tauchte den Täufling vollständig unter Wasser. Inzwischen war der Diakon mit dem folgenden Täuflinge in's Wasser gefolgt, diesen dem Täufer zuführend. Hierauf geleitete er den zuerst Getauften bis an'S Ufer, wo derselbe von einem anderen Diakonen zur Ankleidekammer geführt wurde. Die weiblichen Täuflinge geleitete eine Diaconissin. In lautloser Stille ver- harrte die zuschauende Menge am Ufer. Nach Beendigung des Taufaktes zog die Schaar, nachdem die Neugetauftcn von einem jeden einzelnen Mitgliede herzlich bewillkommt worden waren, fröhlich von bannen und gelangte, Psalmen singend, gegen 10 Uhr in Köln wieder an. Darmstadt, 26. März. Das gestern erschienene Regierungsblatt Nr. 16 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, einer Schenkung an die Gemeinde Raubach, im Kreise Erbach. Ihre kqiserl. Majestät die Kaiserin von Rußland haben der Gemeinde Raubach, im Kreise Erbach, ein Geschenk von 100 fl. zum Zwecke theilweiser Abtragung einer von der genannten Gemeinde für Erbauung eines Schulhauses aufgenommenen Schuld zugcwendet. — Se. königl. Hoheit der Großherzog haben diese Schenkung allergnädigst zu bestätigen geruht. II. Bekanntmachung der Großherzoglichen Ministerien des Innern und des Kriegs, die Einsetzung einer Prüfungs-Commission für einjährige Freiwillige betreffend. Nachdem Se. königl. Hoheit der Großherzog mittelst allerhöchster Entschließung vom 4. d. M. die Einsetzung einer Prüfungs-Commisston für einjährig Freiwillige mit dem Sitze zu Darmstadt genehmigt haben, wird dieß mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Anmeldungen zum einjährigen freiwilligen Dienst von jetzt ab bei der Großherzoglichen Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige zu geschehen haben. III. Bekanntmachung Großherzoglicher Obermedi- cinal-Direction, die Prüfung der Heilgehülfen betreffend. An die Stelle des verstorbenen Kreisarztes des Kreismevicinalamts Mainz II., Medicinalraths Dr. Simeons, ist der Hospitalarzt am St. Ro- chushospital zu Mainz, Dr. Hochgesand, zum Mitgliede der für Mainz bestellten Prüfungs-Commission für die Heilgehülfen bestimmt worden. IV. Nachweisung der in der Großherzogl Münze zu Darmstadt seit dem Abschluß der Münzconven- tion vom 25. August 1837 bis zum Schluffe des Jahrs 1867 stattgehabten Großherzogl. Hessischen Ausmünzungen. V. Bekanntmachung Großherzogl. Provinzial-Di- rcction Rheinhessen, den Ausschlag des GehaltS des Rabbinen zu Bingen für das Jahr 1868 betreffend. VI. Bekanmmachung Großherzogl. Kreisamts Offenbach, die Aufbringung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinde zu Offenbach für 1868 betreffend. VII. Uebersicht der für dar Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Be- dürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz VIII. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreiser Neustadt. IX. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse rer israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Darmstadt. X. Ertheilung von ErfinbungSpaten- ten. Seine königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 25. Fcbr. den Fabrikanten Jakob Mönch u. Comp. zu Offenbach auf deren Nachsuchen ein Erfinbungsvatent auf Vie durch vorgelegte Muster näher erläuterte Construciion einer Art Stahl- und vergoldeten Bügel-Verschlusses für Cigarren-Etuis, Porte-Monnais u. s. w., unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das er- theilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Erfindung ge- hindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums, — dem I. Fürth in Offenbach auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction eines Verschlusses für Portefeuillewaaren, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums, — dem I. P. Steinmetz zu Offenbach auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf das durch Zeichnung und Be- schreibung näher erläuterte Keller-System, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung der bereits früher bekannt gewesenen Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums, — dem Ernst Danner in Brüssel auf dessen Nachsuchen ein Erfindungrpatent auf das durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Verfahren, um die Felle, welche zur Bereitung von Hutstoffen dienen, von den Stutzen zu befreien, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Nie- mand in der Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während rer nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums, — am 7. März den Herzoglich Braunschweigischen Forstmeister Georg Alers zu Helmstävt auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construction einer Säge-Vorrichtung zum Aufästen der Nadelhölzer, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang ves Großherzogthums — und dem Rothger- bermeister Aloys Eschenlohr zu München auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten Ser« fahrungsweisen zur Herstellung langer Maschinenriemen ohne Naht, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, währeno der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu ertheilen. XL Gestorben: am 16. Febr. der evangelische Schullehrer Veith zu Langsdorf; — an demselben Tage der pensionirte Schullehrer Ztlles zu Affolterbach; — am 21. Febr. der Kreisarzt des Kreis« medicinalamts Erbach, Dr. Schulz; — an deins. Tage der evangelische Pfarrer Köhler zu Klein- Karben; — am 25. Febr. der Großh. General-Consul zu Philadelphia, ClamorFriedr Hagedorn. Darmstadt, 6. April. Prinz Ludwig hat in Folge von Differenzen, welche sich zwischen ihm und dem Präsidenten des Kriegsministeriums v. Grolman ergeben haben, und nachdem an maßgebender Stelle eine Parteinahme zu Gunsten des letzteren beliebt worden, das Kommando unserer Armeediviston nie« dcrgelegt. Gerüchtweise verlautet, daß die Durchführung einzelner Bestimmungen der Militärconvention Gegenstand des obwaltenden Conflictes und auch der preußische Generalstabsmajor v. Brandenstein, welcher die Functionen eines Militärbevollmächtigten bei der hiesigen Regierung versieht, an der Affaire betheiligt sei. Darmstadt, 6. April. Bei der großen Beliebtheit, welcher sich Prinz Ludwig hier allgemein erfreut, wird nur ungern der Nachricht von dessen Entschluß, die Stelle als Divisionär der hessischen Truppen niederzulegen, Glauben geschenkt, obgleich solche unzweifelhaft richtig steht. Der Großherzog soll zwar das Demisflonsgesuch abschläglich beschie- den haben; der Prinz erscheint aber, als krank angemeldet, nicht mehr zum Rapport beim Großherzog, und der seit vorigem Jahre accreditirte königl. preußische Generalstabsmajor v. Brandenstein ist in Folge der Angelegenhell sofort nach Berlin gereist. Die Besorgniß, daß, wenn der angeblich bestehende Com- petenz-Conflict schließlich nicht dennoch ausgeglichen werden sollte, des Prinzen Stelle einem preußischen General zu Theil werde (dessen Namen bereits verzeichnet wird), ist leicht erklärlich. Prinz Alexander soll sich für die Ausgleichung der schwebenden Differenzen zwischen dem Divisionär und dem Kriegsmi- nisterium sehr eifrig, jedoch vergeblich, bemüht haben. Daß im Laufe voriger Woche Prinz Ludwig mit dem Ministerpräsidenten v. Dalwigk eine nahezu zweistündige Conferenz hatte, ist nicht unbemerkt geblieben, und knüpfen sich hieran mancherlei Gerüchte. Oberst v. Jungenfelv versieht provisorisch den Dienst als Divisionär. Darmstadt, 7. April. Se. Großherzogl. Hoheit der Prinz Heinrich von Hessen sind zum Besuche des Großherzoglichen Hauses gestern Vormittag aus Berlin hier eingetroffen. Darmstadt, 7. April. Das Kriegsministerium fordert für außerordentliche Militärbevürfnisse des laufenden und des nächsten Jahres die Bewilligung von 2,077,009 fl. Die Kammer ist wegen der nicht auffchiebbaren Befchlußfassung über die Einführung des preußischen Militärstrafgesetzbuches auf den Abend einberufen. Berlin, 3. April. Der Streit um den Arti« kel 84 der Verfassung, der die Redefreiheit der Landtagsabgeordneten behandelt, ist mit heute als abgeschlossen anzusehen. Wie also auch immer das Urtheil des Obertribunals in Sachen contra Twesten lauten möge, es wird sich die Anrufung der Gerichte Seitens der Regierung gegen Abgeordnete wegen ihrer Aeußerungezi auf der Tribüne, sie mögen ausfallen, wie sie wollen, nicht wiederholen. Im Recht geblieben ist die Opposition, die den Art. 84 für uninterpretirbar ausgab, und die darum im preußischen Abgeordnetenhause gar nicht, im Reichstage nur im Sinne des Lasker'schen Antrags nur votiren konnte. Der Minister v. Bismarck, auf dessen Antrieb seiner Zeit das Herrenhaus die Regierung zur Verfolgung Twesten's aufforderte, hat heute förm- lich und ausdrücklich, ohne Hinterhalt und Einrede, alle seine früheren Urtheile über den Art. 84 der Verfassung zurückgenommen und zugesagt, den Streit dadurch beizulegen, daß die Regierung die Jniative zu legislatorischem Vorgehen ergreifen wird. Der Ministerpräsident stellt sich damit auf den Standpunkt der Fortschrittspartei des Abgeordnetenhauses, der correcter war, als der der national-liberalen Fraction, welche die Declaration ves Art. 84 der Verfassung anstrebte. Soweit die andern deutschen Staaten des Nordens die volle Redefreiheit noch nicht haben, wird sie ihnen in nicht ferner Zeit gewiß werden. Völlig verkehrt war die Ansicht einzelner Reichstags- Mitglieder, dem norddeutschen Parlamente fehle zur Sicherung der Redefreiheit in allen norddeutschen Stauten die Competenz. Was heute der Reichstag, endlich einmal mit einer leidlichen Majorität, zu Gunsten dieser Frage entschieden hat, das hat er bei zehn andern Gelegenheiten aus anderm Gebiet gethan, ohne daß es Jemand einfiel, seine Competenz zu bestreiten. Der Reichstag soll, wie die Herren von rechts wünschen, nur dann niemals competcnt sein, wenn es sich darum handelt, dem freien Wort, überhaupt einer freiheitlichen Bewegung, Terrain zu schaffen. Bremen. Die „Wes. Ztg." sagt mit Bezug darauf, daß am 1. April sämmtliche Schiffe der deutschen Nordsceuferstaaten ihre Flagge gestrichen haben und von der Gaffel aller Schiffe des norddeutschen Bundes die schwarz-weiß.rothe Flagge weht: „Der norddeutsche Bund übernimmt, indem er den norddeutschen Schiffen feine Flagge gibt, die Obhut über ein kostbares und mühsum errungenes Gut. Möge er es stets ausüben in dem Geiste der Freiheit, welche unsere Seeschifffahrt ohne künstliche Hülse und im Kampfe mit manchem überlegenen Nebenbuhler so weit gefördert hat, wie es thatsächlich geschehen. Möge die neue Flagge die Blicke des Binnenlandes zur See lenken, den Sinn dort empfänglich machen für den belebenden Hauch des Mee- res, und den Gedanken immer mehr erschließen, daß wir Deutsche nur dann wirklich aus die Dauer die Stellung eines großen Volkes behaupten können, wenn wir mit den andern Nationen wetteifernd an dem großen sich tagtäglich erweiternden und nach und nach alle Völker des Erdballes umfassenden Verkehr unfern gebührenden Antheil erlangen. Möge die schwarz wciß-rothe Flagge des norddeutschen Bundes lange und glücklich über unseren Schiffen wehen!" Paris, 29. März. Der Bericht des Kriegs- Ministers über die Organisation der mobilen Nationalgarbe bestimmt unter Pos. VIII: Es können auch Freiwillige in Die mobile Rationalgarde eintreten. Sie dürfen nicht unter 17 und nicht über 40 Jahre alt, und müssen für die Infanterie wenigstens 1 M. 55, für die Artillerie 1 M. 62 groß und gut beleumundet, sowie von dem zuständigen Familienhaupt zum Eintritt ermächtigt sein. Die Verpflichtung muß aus mindestens 2 Jahre eingegangen werden und kann sich nicht über 5 Jahre erstrecken. Auch kann unter denselben Bedingungen ein Wiedereintritt stattfinden. — In einem Annex befinden sich Bestimmungen über die Bildung von freiwilligen Schützencowpagnien und freiwilligen Batterien. „In einer noch nahe liegenden Zeit — sagt Der Kriegsminister —, als Die auswärtigen Ereignisse das Nationalgefühl so mächtig aufregten, vereinigten sich verschiedene von dem lebendigsten Patriotismus beseelte Bürger, um sich mit Ermächtigung der Regierung zu bewaffnen, um Schützengesellschaften zu bilden und in mehreren unserer Grenz-Departemente zur Landesvertheidigung beizutragcn. Nun kann durch das neue Gesetz einem solchen Wunsch sehr leicht entsprochen werden. Die Mitglieder solcher Frei- willigencorpS müssen sich aus ein Jahr verpflichten. Sie bilden freiwillige Schützeneompagnien mit einer von dem Kriegsministerium zu genehmigenden Uniform. Ihre Cadres, ihre Organisation und ihre Stellung zu der Armee sind dieselben, wie die der mobilen Nationalgarve. Sie können sich ihre eigenen Schießstände einrichten und sind nicht gehalten, die Exercitien der mobilen Nationalgarde mitzumachen. Sie werden in dem Falle, in dem die mobile Nationalgarde zur Activität einberufen wird, vornehmlich zur Vertheidung ihrer engeren Heimath verwendet. Aehnlich können auch, nach dem Vorbild einiger bereits vorhandenen freiwilligen Artilleristen, wie die bekannten Canonniers De Lille, freiwillige Batterien in festen Plätzen gebilDet werben. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.