Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 51 kr. Gießener Anzeiger. W Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstag» und Samstags. — Expedition: Canzleibkrg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen. Rr. -T2. Dicnstng den 7. April isös". Besondere Bekanntmachungen. Edictalladung. 2323) Zu dem Nachlasse des kürzlich verstorbenen Johannes Hammel VIII. von Annerod ist auch Heinrich Peter von Annerod als Jntestaterbe gerufen. Derselbe ist schon längere Jahre unbekannt wo? abwesend, weshalb er resp. seine Erben aufgefordert werden, sichffogcwiß von heute an binnen drei Monaten darüber zu erklären, ob sie die Erbschaft antreten wollen, als sonst unterstellt werden wird, daß sie auf dieselbe verzichten. Gießen, am 1- April 1868. Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher, Bramm, Landrichter. Landger.-Assessor. 2325) Im Firmen-Register des unterzeichneten Gerichts ist heute folgender Eintrag vollzogen worden: Baruch Meyer zu Leihgestern hat sein unter der Firma seines Namens betriebene Geschäft mit Vieh und Specereiwaaren am 28. Mai 1867 niedergelegt und ist in Folge hiervon benannte Firma gelöscht worden. Derselbe Baruch Meyer hat auch die seinen Söhnen Benjamin, Salomon und Joseph Meyer ertheilte Vollmacht resp. Procura zurückgenommen. Gießen, den 2. April 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. __________________M u h l.___ 2324) Das Abonnement auf regelmäßige Mittheilungen der von einer größern Zahl meteorologischer Beobachtungsstationen telegraphisch in Berlin zusammensließenden täglichen Witterungs-Nachrichten, welches bisher auf einige Hanptorte beschränkt war, soll in Folge höherer Anordnung vom 1. April er. ab auf alle Telegraphen-Statio- nen des Norddeutschen Bundes ausgedehnt werden. Der Abonnemcntspreis ist einstweilen auf 3 Rthlr. pr. Monat festgesetzt. Mit Bezug auf die frühem bezüglichen Bekanntmachungen werden Behörden und Personen, welche die tägliche Mittheilung der Zusammenstellung gedachter meteorologischer Wittcrungs - Nachrichten unter den angeführten Bedingungen wünschen, ersucht, ihr dcsfallsiges Abonnement bei der Orts- telegraphen-Station anzumeldcn. Frankfiwt a. M-, den 1. April 1868. Die Telegraphen - Direction. I. V-: Dr. Meyer. Versteigerungen. 2295) Donnerstag den 9. April, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Rathhause die den Erben des Schneidermeisters Carl Brück gehörende D8lur Nr. oKlstr. Vioro 9 Hofraithe in der Flügelsgasse, *%2o,3 187 Grabgarten im Gartfeld, Grabstück auf dem Sand, erbvertheilungshalbcr, an den Meistbietenden versteigert werden. Gießen, den 2. April 1868. In Auftrag: Weidig, Ortsgerichtsmann. Steinbruch - Verpachtung. 2303) Mittwoch den 8. April, des Nachmittags 1 Uhr, soll _ der der hiesigen Gemeinde gehörige Steinbrnch in den Mauern, an der Staatsstraße gelegen, anderweit, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, auf dahiesiger Bürgermeisterei verpachtet werden. Steinbach, nur 3. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinbach. _____________Horn.____________ 2326) Mittwoch den 22. April, Nachmittags 1 Uhr, werden in dem Hause des Schuhmachers Ph- Psaff in der Kaplansgasse dahier verschiedene Möbel, als: 1 Sopba, 3 Commo- den, 2 vollständige Betten, 1 Bohnenschneidmaschine rc. re. meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert. Arbeitsversteigerung. 2341) Mittwoch den 15. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause nachverzcich- nete Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als: Planirarbeit am Ettingshäuser Weg, veranschlagt zu . 470 fl. 33 kr. Mauerarbeit daselbst, veranschlagt zu.......314 „ 48 „ Mauerarbeit an dem Fried- Hose, veranschlagt zu . . . 399 „ 39 „ Rathhause, veranschlagt zu 43 „ 57 „ Stcinbrechen, Fahren, Setzen und Zerschlagen derselben zur Unterhaltung der Wege, veranschlagt zu.....110 „ — „ Nieder-Bessingen, den 3. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder-Bessingen. I. A.: K. Schön, Bezirksbauauffeh er. H o l z v e r st e i g e r u n g. 2327) Dienstag den 14. d. Mts. sollen in dem Fürst!. Walddistrict Herrn- garten bei Willingen: 56V2 Stecken Eichen-, Buchen und gemischtes Scheidholz, 15434 „ desgl. Prügelholz, 583/i „ desgl. Stockholz, 285 „ desgl. Reiserholz, 278 Schichten desgl. „ Mittwoch den 15. d. Mts. ebendaselbst: 117 Eichen-Stämme — 4759 Cubikfuß, 10 gemischte Stämme = 225 Cubikfuß, 165 Nadelholz - Stämme und Stangen = 2546 Cubikfuß, und Donnerstag den 16. d. Mts. in dem Fürstlichen Walddistrict Thiergarten bei Hungen: 48 Stämme Eichen-Nutzholz - -1127 Cbkf., 9 „ gemischtes „ — 200 „ 17l/z Stecken Eichen-, Buchen- und gemischtes Scheidholz, 153 „ desgl. Prügelholz, 39V» „ desgl. Stockholz, 215 „ desgl. Reiserholz, öffentlich verkauft werden. Der Anfang ist jedesmal Vormittags 9 Uhr. Hungen, den 3. April 1868. Fürstliches Rentamt- ______________________Demme.______ Holzverkauf in der Königlichen Oberförsterei Krofdorf. 2333) Donnerstag den 23. April, um 9 Uhr Vormittags, kommen zu Salzböden bei Herrn Weißbrot aus dem Königlichen Forste Salzböden znr öffentlichen Versteigerung: 1) District 82, Hardt: 302 Klftr- Buchen-Reiser II. Klasse, 3 Weichholz-Stämme mit 14 Cubikfuß, 16 „ Stangen 11. Klasse, */2 Klftr. Weichholz-Kloben, 6'4 „ „ Knüppel II. Klasse, 38 „ „ Reiser II. „ 2) District 84, Hasengarten: 68 Eichen-Stämme mit 765 Cubikfuß, 83/« Klftr. Eichen-Klobcn, 11 „ „ Knüppel II. Klasse, 99 „ „ Reiser II. „ 243/< „ Buchen-Stöcke, 288 „ „ Reiser II. Klaffe, 4 „ Weichholz-Reiser II. Klasse. 3) District 85, Hasengarten: 121 Eichen-Stämme mit 1364 Cnbikfuß, 4*4 Klftr. Eichen-Kloben, 6 „ „ Knüppel, 47 „ „ Reiser II. Klaffe. Sämmtliche Eichen-Stämme eignen sich vorzugsweise zu Schnitt- und Werkholz. Krofdorf, den 4. April 1868. Der Königliche Oberförster: v. Meib o m. A r b e i t s v e r st e t g e r u n g 2342) Freitag den 17. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause nachverzeichnete Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als: l. An den Schulgebäuden: Maurerarbeit, veranschl- zu 1 fl. 48 kr- Schreinerarbeit, „ ,, 28 „ — „ Schlofferarbeit, „ „ 16 „ — „ Weitzbinderarbeit, „ „ 22 „ — „ II. An der Einfahrt der Kuhwiese: Schreinerarbeit, veranschl. zu 29 fl. 44 kr. Schlofferarbeit, „ „ 12 „ 16 „ Weißbinderarbeit, „ „ 7 „ 59 „ III. An den Ortsstraßcn und Wegen: Steinbrechen, Fahren, Setzen nnb Zerschlagen derselben, veranschlagt zu.....150 fl. 10 kr. Dorf-Gill, am 4. April 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Dorf-Gill- I- A-: K- Schön, Bezirksbauaufseher- Feilgebotenes. Kleesaamen D. Garantie für reine Cacao und Zucker. 2290) Lager der vorzüglichen Dampf- Chocoladcn aus des Fabrik von Franz Stott- wcrck in Köln a. Rh. unterhalten in Gießen Louis Frohnhäuser und I. A. Busch Söhne; in Hungen A. Buch; in Lich H. C. Biuginann. ____ 2317) Unsere rein gehaltenen rothen und weißen Weine bringen wir in empfehlende Erinnerung. I. A- Busch Söhne. 2288) Frische Sendung Portland-Cemcnt zu ermäßigtem Preise empfiehlt ___________________I- G. D- Bapst. 2328) Bier von Gg- Heß L Comp- über die Straße zu 5 kr. Ebel- 2319) Nächsten Donnerstag trifft frischer Blumenkohl, Rosenkohl, Schwarzwurz und Häuptersalat ein. I- A. Busch Söhne. 2339) Glace-Handschuhe, Herren- Halsbinden, letztere zu 6 kr. das Stück, bei Ph. Schlatter. 2293) Eine Partie große Paekkisten, sowie eine Aufziehmaschine mit Rollen und Seil, zu verkaufen bei Wilh. Balser, Neustadt, im D- Wirth'schen Hause. 2318) Jeden Tag frisch abgekochten Schinken und Hamburger Rauchfleisch, Prima Gothaer und Göttinger Cervelatwurst, Blascnschinken, ganzen wcftphälischen Schinken, Gothaer «chinken ohne Beinknochen empfehlen I. A- Busch Söhne. 2331) Von heute an kostet das Tafelsalz wieder 6 kr. Philipp Oppermann. 2311) Ein neuer Confirmandcn-Anzug ist billig zu verkaufen bei Meyer Rothenberger, Neuenweg- 2306) Durch günstigen Gclegenheitskauf kann ich Portefeuillewaaren, namentlich Cigarren -, Näh- und Häkeletuis , Tabaksdosen, Necessaires, Flacons, Brieftaschen und Mappen, Portemonnaies rc-, auffallend billig verkaufen und wird sowohl die Solidität der Arbeiten, als auch die Auswahl Jeden zufrieden stellen- E- Eich en berg- 1 Frische Schellfische treffen nächsten Mittwoch ein. I. A. Busch Söhne. 2299) In der Höpfner'schen Conditorei (Neustadt, Oswald's Garten), sind Zucker-Eier und sonstige Gegenstände, passend für Ostern, in reichster Auswahl und zu den billigsten Preisen zu hnben- Um gütigen Bestich bittet Friederike Appel, Wittwe- 2345) Mein auf das Reichhaltigste assortirte Schnhwaaeen - Lager bringe ich hiermit in empfehlende Erinnerung. Daniel Ntoog, Schloßgaffe. Eas-toiit-cas und Sonnenschirme. Das Neueste. Große Auswahl. (2297) Billige Preise. H. Hochstätter Wittwe. Damen-Mänlei und MauMeu in Wolle und Seide neuester und geschmackvollster Faeou empfehle ich fn großer Auswahl zu billigen und festen Preisen. M o r i tz Heichelheim, (2338) Seltersweg Lit. C. Nr. 185. 2305) Einem verehelichen Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich bei meinem Schuh- und Stiefel-Lager auch alle Lorten Herren- und Damenschäftchen führe. Durch gute Quellen bin ich in den Stand gesetzt, dieselben billiger, als jedes andere Geschäft zu liefern.________________________K. Grünebaum, Sonnenstrane. Mnrktschreieeeien helfen nichts!! 2334) Wie immer, so auch dieses Zahr, empfehle ich meine selbst gefertigten Schirme in allen Galtungeu. Stoffe zum Ueber- ziehen sind in großer Auswahl vorhanden. F. W. Frank. 2304) Ich bringe mein Schuh- und Stiesel-Lager in empfehlende Erinnerung. K. Grünebaum, Sonnenstmße. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. Bankgeschäft in Wien, Kolowratring Nr. 4. (2296) WWWWWWW 1 443/4-45 2302) Den 2. Osterfeiertag findet gnt- besetzte Tanz-M»sik 88 1864r Heinrich Reh, in Oppenrod. 9 9 9 9 5 9 57i/3-58i/2 49-51 50-52 54-56 37-39 291/2-301/2 55-59 50-52 28-29 Pr. Gass. Sch. Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. Pistolen „ doppelte Holl. fl. 10 St. Ducaten 20 Frankens!. in Hamburg, Bank- und Wechselgeschäft. <8 /g Actien. Frankf. Bank 1261/4 Oester. Bank 719 „ Creditact. 193 Darmst. Bankact. 2241/2 2332) In Lit. A. Nr. 220 sind drei möblirte Zimmer zu vermietheu.__ 2320) Ein kleines möblirtes Parterre Zimmer ist zu vermietheu bei ______________Philipp Lampus. 2300) Ein möblirtes Zimmer ist zu ver- miethen bei___________Wittwe Grube. 2301) Ein möblirtes Zimmer mit Cabi- net ist zu vermietheu bei A- Noll, im Stern. 2307) Ein gut möblirtes Zimmer, vorn heraus, ist zu vermiethen bei ___________________E- Eichenberg. 2284) Im Russischen Hof ist ein großes Familienlogis zu vermiethen. 2222) Einige möblirte Zimmer, an der Hauptstraße, sind zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts.____________________ 2287) Mehrere gut möblirte Zimmer sind zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d- Bl. 2298) Ein schönes unmöblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Earl Plank, Lederhändler. 2321) Lagerräume sind zu vermiethen bei B- Katzenstein. Kunst - Wascherei. 2346) Hiermit die ergebene Anzeige, da ich vom 3. d. Mts- an nicht mehr in dem Schlosser Nagel'schen Hause in der Brandgasse, sondern auf dem Neuenweg bei Herrn Sauer, Lit. B- Nr- 134, wohne. Elise Schneider, geb- Weil. 2337) Wenn der freundliche Leser von Lessings „Nathan der Weise" seine Lektüre beendigt hat, was in 2 bis 3 Tagen geschehen kann, so wird er gebeten, das Buch bei Pedell Link wieder abzugeben, damit dieser nicht nöthig hat, dasselbe im Hause des Lesers abzuholen. Beachtenswert!!! 2315)5 Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie gegen Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Specialarzt Mr. Kirchhoffer, in Kappel bei St. Gallen (Schweiz.) 2286) Eine Lehrlings-Stelle ist auf einem hiesigen Comptoir sofort oder innerhalb 3 Monaten zu besetzen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. unter Nr. 2145. 2291) Zum baldigen Eintritt suche ich einen gewandten Wirthschafts-Jungen. Louis Busch Wittwe. Militair-Vorbereitungs-Anstalt f. d. Offizier-, Fähnrich-, Seecadetten- und Freiwilligen-Examen. Pensionat. Prospecte in allen renommirten Buchhandlungen Deutschlands. Jochens. Major z. D., Lehrer am Kö-nigl. Cadettencorps, Berlin, Holzmarktstr. 6. (2340) 2335) Ein Kutscher wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Zu erfragen bei der Expedition dieses Blattes.____ 2329) Wir suchen noch 6 bis 7 gewandte Spulerinnen. Dieselben verdienen pr. Woche im Accord 4Vs fl. und können bei dieser Arbeit auch schwächere Leute Beschäftigung erhalten. ________Gail'sche Wollenspinnerei. 2336) Ein goldner Armring ist gefunden worden, und kann derselbe gegen die Jnse- ratgebühren in Lit. B. Nr. 80, Neuenbäuen, in Empfang genommen werden.__________ 2310) Mehrere junge Männer finden dauernde Beschäftigung bei __F. Habeuicht, Lampenfabrik. 2312) Den zweiten Osterfeiertag: Bricker-Ball im Leib scheu Saale, wozu höflichst einladet Der Vorstand. 2294) In einen hiesigen Gasthof wird Börseunachrichten. 4. April 1868. Preuss. 4l/2% Obi. 95^ Frankf. 3V2% Obi. 81stg Nass. 41/2% Obi. 943/4 Kurh. 4% Ohl. 893/8. Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 89% „ 31/2% do- do. 84 Bayer. 5% Obi. 101 5/b „ 4V3% 1jährige 93'4 „ 41/2% Vsjährige 933/s "Würtemb. 4V2o/o Öbl. 93 (4 Baden 4'/?/o Obi. c. E.L. 933/4 Oestr. 5% b. R. 63 t/g „ 5% National 54 Vs Wechsel. Amsterd. k. 8. 1 OO5/s Augsb. k. 8. 993,4 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 98 (g Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 885j, Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119Vs Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94'/g Wien k. 8. lO2’/8 Disconto 3°/o G. Geldsorteu. Politische 9k n n d s ch a u Gießen, 5. April. In der gestrigen Generalversammlung des Bürger-Clubs wurde zunächst die Rechnung für bas letzte Halbjahr geprüft, welche trotz des bedeutenden Aufwandes für Zeitungen und Bücher, der Anschaffung eines werthvollen Mobiliar's und der glänzenden Festlichkeiten, welche die Gesellschaft abgehalten, noch einen namhaften, theilweise verzinslich angelegten, Ueberschuß aufwies. Sodann wurde bas Budget für das nächste Zahr fesgestellt. Hierauf legte der jetzt abtretende Vorstand seine Ansichten über die Zukunft des Vereins in einem, Testament betitelten, von sämmtlichen Mitgliedern unterschriebenen Schriftstück nieder; in diesem war die Idee des zukünftigen Besitzes eines eignen Club- Hauses ausgesprochen und die Mittel und Wege hierzu m klarer eingehender Weise beschrieben; dasselbe wurde von der Versammlung angenommen und darauf beschlossen, das bereits verzinslich angelegte Capital als Anfang eines Baufonds zu betrachten und dem- selben alle zukünftigen Kaffeüberschüsse und Zinsen zuzuweisen. In ber nun folgenden Vorstandswahl wurden die seitherigen Mitglieder desselben wieder neu und außerdem Herr C. Becker gewählt. Gießen. Obwohl nicht zu verkennen ist, daß von Seiten der obersten Postverwaltungsbchörve für den Personenverkehr auf den Routen und nach den Gegenden, welche nicht mit Eisenbahnen versehen sind, mit anerkennenswerther Liberalität Sorge getragen wird, so möchte es doch scheinen, daß nach einer Richtung hin dem Bedürfnisse nicht die ge- bührende Rechnung getragen wird. Wir meinen die Poftverbindung zwischen Gießen und Grünberg resp. Alsfeld und der ganzen damit im Zusammenhang stehenden Gegend. Schon seit Jahren wird die Personenpost nach dieser Richtung des Sommers um 3 Uhr Nachmittags, des Winters um 1 Uhr Mit- tags von Gießen ab befördert, während es uns scheinen will, baß der Abgang der Post des Morgens nach Ankunst der Eisenbahnzüge von Frankfurt resp. Cassel her, also etwa um */29 Uhr, dem Interesse des Publikums mehr entsprechen würde. Wir halten diese Tageszeit nicht deßhalb für entsprechender, weil wir der Ansicht wären, daß mit jenen Eisenbahnzügen auch viele Passagiere für die Post nach der gedachten Route hin ankämen, sondern deßhalb, weil es uns bekannt ist, daß nur wegen des späten Abgangs der Post des Nachmittags um 3 resp. 1 Uhr für die Reise nach Alsfeld u. s. w. der keineswegs vortheilhaftere Weg über Kirchhain ober Neustadt gewählt wird, unv weil wir die tägliche Wahrnehmung machen, daß die Straße nach Grünberg des Morgens mit Wägen befahren wird, welche Geschäftsreisende, Anwälte, Bewohner der Gegenden Grimberg u. s. w. dorthin bringen, von denen die wohlfeilere Beförderung mit der Post nur wegen des zu späten Abgangs derselben nicht benützt werden kann. Wenn wir aber andeuteten, daß die Eisenbahnzüge von Norden und Süden abzuwarten wären, so geschah dich nur deßhalb, weil aus die Möglichkeit, daß mit denselben Passagiere für die Post nach Grünberg, Alsfeld u. s. w. ankommen, unseres Erachtens Rücksicht zu nehmen ist. Daß dich in der That nur selten der Fall sein wird, geben wir recht gerne zu und würden es deßhalb auch in der Ordnung finden, wenn die Post früher, etwa um 71/, Uhr, befördert würde. Wir hoffen, daß die hiesige Post- verwaltung die vorstehenden Andeutungen ur Erwägung ziehen wirv. Berlin. Die neue Prüfungs-Ordnung für Postbeamte läßt auch sogenannte Civil-Anwärter für die niedere Postlaufbahn zu. Der Bewerber soll die Reife der Secunoa eines Gymnasiums oder einer Realschule haben, oder, falls er eine solche Schule nicht besucht hat, die entsprechenden Kenntnisse durch eine Prüfung darlegen; er darf nicht jünger als 17 und nicht älter als 25 Jahre sein, und muß namentlich ein ungeschwächtes Seh. und Gehörvermögen haben. Bei dem Eintritt sind 200 Thaler als Kaution zu hinterlegen. Nach dreijähriger Post- dienstzeit hat der Anwärter eine Prüfung bei der Oberpost - Direction abzulegen, von deren Bestehen die Bestätigung als Postexpedient abhängt. Bei schlechtem Ausfall kann eine Wiederholung stattfinden, und fällt dann die Prüfung wieder ungünstig aus, so muß der Anwärter aus dem Postbienste scheiden. Die Postexpedienten können als solche in den Nachgeordneten Stellen bei den Postämtern und den Postexpeditionen, deßgleichen als Büreaubeamten zweiter Klasse bei den Oberpost-Dircctionen angestellt werden. Eine Vorsteherstelle bei einer Postexpedition erster Klasse kann der Postexpedient nur durch den Nachweis erweiterter Amtskenntnisse vor der Ober- post-Direction erwerben. Berlin. Von gut unterrichteter Seite hört das „Dr. 31." über die Ausdehnung der Freizügig- keit auf Süddeutschland, wie die maßgebenden Kreise an der Ansicht sesthalten, daß, welcher Modus (ob int Wege des Vertrags mit den Einzelstaaten, oder durch eine Vorlage des Zollbundes- rathes an das Zollparlament) auch schließlich gewählt werden dürfte, doch niemals die volle Autonomie des norddeutschen Bundes resp. des Reichstags über diese Gesetzgebungsmaterie in Frage kommen dürfe. Berlin. Die „Russische Correspondenz," die für ein osficiöses Organ der Regierung gilt, nimmt von dem Besuche des Prinzen Napoleon in Berlin An» laß, Preußens Neutralität im Falle eines orientali- schen Krieges zu erörtern Sie schreibt: „In Bezug auf die Neutralität Preußens, die zu verlangen der Prinz Napoleon gekommen sein soll, für den Fall eines gegen Rußland im Orient gerichteten Krieges, muß man die Lage aus sehr weiter Ferne betrachten, um an eine solche Erklärung zu denken. Was würde Frankreich durch die Trennung Rußlands von Preußen gewinnen? Würde diese letztere Macht die ausgezeichnete Gelegenheit eines allgemeines Kampfes sich entgehen lassen, um ihre Einheit zu vervollständigen? Und dann? Würde die zu ihrem Vortheil beobachtete Neutralität sie vor der Gefahr eines Kriegs mit Frank- reich bewahren? Im Jahre 1853 folgte Oesterreich den Rathschlägen der Westmächte, es trennte sich von Rußland und setzte die Welt durch seinen Undank in Erstaunen; welchen Vortheil hat es von diesem Vcr- rathe gehabt? Geschlagen von Frankreich, velassen von England, verlor cs zuerst Italien, und darauf, sieben Jahre später, von beiden Mächten verlassen, Deutschland. Das Beispiel ist nicht zu verführe- risch, um die alten erprobten Sympathien von Preußen und Rußland zu untergraben. Aber es ist eitel, Hypothesen zu widerlegen, die von selbst zerfallen. Der Frühling wird nicht die seit einem Jahr gefürchteten Verwickelungen ankündigen. Kaiser Napoleon hat mehrere Beweise seiner aufrichtigen Friedensliebe ge- gegeben, und er wendet allen seinen Einfluß an, um die durch die Ereignisse in Deutschland hervorgeru- fene Erregung zu beschwichtigen und die Blicke vom Rheine abzulenken. Es bleibt also nur der Orient mit denselben Gefahren und denselben Widersprüchen einer tyrannischen und ungerechten Regierung. Aber Rußland ist an dieser Lage nicht schuld." Berlin. Es wird jetzt von Paris aus bestätigt, daß ein Rundschreiben Bismarck'S in Bezug auf den Besuch des Prinzen Napoleon dort tingt- troffen fei, und durch dasselbe constatirt werde, daß mit der Reise des Prinzen Napoleon keine politische Mission verbunden war. Es werden darin die Be- ziehungen zu Frankreich als fortdauernd ausgezeichnet vargestellt. Berlin, 30. März. Der neue Postvertrag mit Dänemark fetzt ein Porto von 2 Sgr. für den fran« kirten Brief zwischen Deutschland und Dänemark fest. Für Hamburg, Lübeck und die Elbherzogthümer wird das Porto li/i Sgr. betragen. Berlin. Es soll vom Bundesrathe beabsichtigt sein, gleichzeitig mit der Einführung der für das Gebiet des norddeutschen Bundes projectirten neuen Maß- und Gewichtsordnung auch die Bestimmung gesetzlich einzuführen, daß man zu Lieferungen von Wein, wenn sie in Fässern erfolgen, sich nur solcher Gebinde soll bedienen dürfen, deren innerer Raum von der AichungSbehörde gemessen worden ist, und die zur B-glaubigung mit einem entsprechenden Zei- chen von Teilen der Behörden versehen worden sind. Eine Aichungspflichtigkeit hat bis jetzt nicht in solcher Ausdehnung, sondern bekanntlich nur in Bezug auf die Maße und Gewichte bestanden, mit welchen der Verkäufer seine Maaren tut Detailverkehre ausmißt oder auswiegt. Berlin, 3. April. Vom Reichstag wurde gestern der Antrag Waldeck'S und Genossen aus Zahlung von Diäten an tue Abgeordneten mit 97 gegen 92 Stimmen verworfen. Wir heben aus der Debatte nur hervor, daß Graf Bismarck als Grund des Nichtanschlusses der Süddeutschen an den norddeutschen Bund den Umstand anführte, daß den dortigen Regierungen die Verfassung des nortbeutschen Bundes „zu liberal" sei. Berlin. Auf den Bericht des Ausschusses des Bunvesrathes für Justizwesen (Referent Dr. Curtius) wurde in der 6. Sitzung beschlossen, die Bundesregierungen zu ersuchen; 1) die Fortsetzung und Vollendung des Grimm'schen deutschen Wörterbuchs, als eines bedeutsamen nationalen Unternehmens, theils mit Geldmitteln (gemäß den Anträgen der germanistischen Section der deutschen Philologen-Versammlung) theils und insbesondere dadurch zu unterstützen, daß den zur Fortsetzung und Vollendung des Werkes berufenen Gelehrten solche Stellungen zu Theil werden, welche nicht allein ihre nothwendigen Bedürfnisse decken, sondern auch genügende Muße zu rascher Förderung des Werkes gewähren; 2) dem Bundeskanzleramt ihre entsprechenden Entschließungen mitzutheilen. Kassel, 3. April. Heute Vormittag hatte sich auf der Main-Weserbahn zwischen Kassel und Gensungen, bei einem Pulver-Transport der Inhalt von drei angefüllten Munitionswagen entzündet und ge- rieth in Brand. Zum Glück gelang es der escor- tirenden Mannschaft, einem weiteren Umsichgreifen des Feuers vorzubeugen. Hanau, 2. April. Die auf den Verdacht der Verbreitung des vielgenannten Flugblattes hin festgenommenen kurf. Forstbediensteten sind heute ihrer Haft wieder entlassen worden. (Hess. Volksztg.) CmS, 28. März. Nach einer Mittheilung der „Mittelrh. Ztg." weiß man hier durchaus nichts von einem Besuche des Kaisers Napoleon während der bevorstehenden Saison, ober gar von einem solchen während gleichzeitiger Anwesenheit des Königs von Preußen. Daß König Wilhelm im Laufe des Sommers wieder kommen wird, hat derselbe schon voriges Jahr versprochen. Wien. Am 30. März, an welchem T'ge im Herrenhaus, wie bekannt, die Debatte über das Schulgesetz begann, war der Hauptredner ohne Zwei- fei Professor Rokitansky. Die Worte dieses hoch- berühmten medicinischen Forschers werden sicherlich 'auch außerhalb Oesterreichs lebhaften Widerhall sin- den; wir geben deßhalb nachfolgende Stellen aus seiner Rede. Professor Rokitansky geht aus von einer Darlegung des Geistes unseres Zeitalters oder unserer Civilisation. Hier sind vorherrschend die realistische Forschung auf dem Gebiet der Wissen- schäft, die materialistischen Bestrebungen im prakti- schen Leben, beide tief begründet in der menschlichen Natur und untereinander in nothwendigem Kausalnexus. Redner weist diesen Satz in einer eingehen- den Schilderung näher nach und fährt dann fort: Wer wollte läugnen, daß diese unsere Civilisation ihre Mängel habe? Die Rücksichtslosigkeit in der Concurrenz, die Ausbeutung der Menschen durch die Menschen, der Hochmuth und die Eitelkeit, die namentlich seit der concordatlichen Zeit so liebevoll gepflegte Heuchelei! (Heiterkeit.) Hier hätte die Kirche Manches durch Milde zu bessern! Das wäre meines Ermessens ein angemessener und dan- kenswerther Wirkungskreis für dieselbe. Ihr Hal es aber seit jeher mehr beliebt, den geistigen Fort- schritten, namentlich der empirischen Forschung und der exacten Wissenschaften und ihren unerbittlichen Folgerungen, theils stetig, theils in periodischen Aus- brüchen von Entrüstung entgegenzutrcten, allerdings mit wenig Erfolg und immer mit Zugeständnissen und Inkonsequenzen. . ■ Ich frage, was wir denn eigentlich lehren und lernen sollen, damit wir unfern unveräußerlichen Drang nach Wissen befriedigen kön- neu? Man erlaubt uns zu lesen — aber um die Bibel nicht lesen zu dürfen; zu rechnen — bis zur Zinsenrechnung exclusive, eine geistlose Grammatik, eine parteiisch geschriebene Geschichte, eine Phisophie, die von Dogmen ausgeht, um wieder zu Dogmen zu gelangen. (Bravo! links.) Die Stellung, welche Vie Kirche gegenüber der freien Forschung und Lehre, namentlich auf realistischem Gebiet, einnimmt, ist in der Befürchtung gegründet, daß dadurch der dogmatische Glaube beeinträchtigt werden könnte. In der That, wenn man näher zusieht, ist die Befürchtung nicht ungegründet. Die Kirche ist bereits in manches Gedränge mit der Wissenschaft gerathen und wird es noch, wenn sie noch weitere Entdeckungen auf dogmatischem Gebiet machen und die Anerkennung derselben dem Verstand der Generation zumuthen wollte. (Heiterkeit.) Ich will hierauf nicht weiter eingehen, aber ich gebe zu bedenken, Wissen und Glauben sind zwei durchaus verschiedene Dinge. Wir wissen aus Gründen, glauben auf Autoritäten. Wissen urgirt den Fortschritt, Glauben kann nur auf Innigkeit Anspruch machen. Wir wollen beide ganz und gar und unverkürzt, aber eben deßhalb und wegen der theoretischen Unvereinbarkeit soll auch die Lehre, der Unterricht in beiden frei sein, namentlich aber soll die Schule von der Kirche nicht bevormundet werden. Kein Fortschritt, keine Wahrheit, keine Errungenschaft auf geistigem Gebiet soll unse- rer Jugend vorenthalten sein. Nur das Fassungsvermögen, der Grad desselben, mit der nöthigen Rücksicht auf die Gebote der Moral, die Rücksicht auf den dereinstigen Beruf soll Maß und Tiefe des Unterrichts bestimmen. Das wollen wir umsomehr, als nach dem Urtheil der tiefsten Denker die Entwickelung der Intelligenz der einzige Weg ist zur Veredelung des moralischen Werths. (Bravo! links.) Damit es nach dem Gesagten nicht scheine, als hätte ich nur die Mittelschule und die höhern Bildungsanstalten im Auge gehabt, will ich mich auch in Betreff der Volksschule aussprcchcn. Was man hier vorzüglich gegen die Trennung der Volksschule von der Kirche vorbringt, das ist, daß man sagt: es handelt sich in der Volksschule nicht um den Unterricht allein, sondern um die Erziehung des Kindes, und zwar zur Gottesfurcht, zum Gehorsam, zur Unterordnung u. s. f. Nun, wir wollen gewiß diese Erziehung auch, wir wollen, daß die Kirche dabei das Ihrige thue, wir wollen aber auch den Lehrer dazu berufen. Beide sollen sich zur Erreichung des gemeinschaftlichen Zieles wechselseitig unterstützen, inveß wollen wir auch noch eine Erziehung in anderer Richtung, damit im Kinde schon der ganze Mensch herangezogen werde. Wir wollen im Kinde Liebe und Interesse am Wissen und Erkennen geweckt, seinen Verstand entwickelt uno er zum selbstständigen Denken angehalten sehen; weil vieß aber beim gegenwärtigen Zustand der Bevormundung von jener Seite, die sich Vie ganze Erziehung vindiciren will, notorisch nicht geschieht, over wenigstens nicht zur Genüge geschieht, so wollen wir auch Vie Volksschule frei machen, dabei aber auch dafür sorgen, daß der Lehrerstand in seiner AuSbil- vung und äußern Stellung gehoben werde. Indem ich mich für die Abtrennung der Schule von der Kirche ausspreche, will ich den Unterricht und das Erzie- hungswesen der Aufsicht und Leitung des Staates und der weltlichen Unterrichtsbehörve unterstellt wissen. Diese sind berufen, int Verein mit Männern, Vie auf den Lehrstuhl aus der Familie kommen, den Unterricht nach Methode und Inhalt, nach den vorgezeichneten Principien zu regeln und zugleich für die Besetzung der Lehrämter mit moralischen, mit Fach- kenntniß und Lehrgabe ausgestatteten, freisinnigen und selbstständigen Männern möglichst ohne Rücksicht auf ihre Confession zu sorgen. Ich werde also für das Majoritätsvotum eintrcten, weil ich darin einen Schirm gegen mittelalterliche Verwilderung, (Brovo!) gegen kirchliche Sclaverei, weil ich darin ein Palladium der Lehr- und Gewissensfreiheit sehe. (Lebhafter Beikall im Hause und auf den Gallerien.) Karlsbad. Wir hatten vor einiger Zeit Ge- legenheit, die Karlsbader Mineralwasser-Versendung des Hrn. Hcinr. Mattoni daselbst zu sehen. Der Absatz des Karlsbader Wassers und seiner Ouellen- produkte soll dem bedeutenden Besuche des vorigen Jahres zufolge, ein fabelhaft großer sein und sich nun über die ganze Welt erstrecken. Das Karlsbader Wasser kann füglich als ein Unicum unter den Heilwassern genannt werden, wirv und muß auch in ver Folge die größte Versendung erreichen. — Die vielen Gratis-Sendungen an die Krankenhäuser, Anstalten und Vereine heben wir noch besonders hervor und verdienen dieselben die vollste Anerkennung. London, 27. März. Das wichtigste und er- frculichste Resultat der gestrigen Unterhaussitzung war jedenfalls, daß der seit vielen Jahren vergeben« gestellte Antrag Mr. Otway's behufs Abschaffung der Prügelstrafe in der Armee in Friedens- zeiten, trotz der Opposition des Kriegsministers, mit 152 gegen 127 Stimmen angenommen wurde. Und somit hatte die berüchtigte englische Peitsche im Landheere sowohl, wie auf der Flotte, ihr Ende erlebt. Feuilleton. Das Testament des Großonkels. Zweites Kapitel. (Fortsetzung) „Diese Maschine wäre jetzt vorläufig in Bewegung gesetzt worden," sagte sie zu^sich selbst, „und da wir einmal im Zuge sind, laßt uns gleich heute Abend zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. — Zum ehrwürdigen Herrn Druse in der fünften Avenue!" rief sie dem Kutscher zu, und rasch rollte der Wagen dahin. Nach wenigen Minuten hielt derselbe vor der Wohnung des Predigers, der sich zu Hause befand und dem Madame Gratman bald darauf in seinem Studirzimmer gegenüber saß. Nach den ersten Begrüßungsförmlichkeiten begann sie: „Ew. Ehrwürdcn wissen, daß ich mich stets über das Urtheil der Welt hinausgesetzt habe, weil ich mich darüber Hinwegsetzen konnte, denn ich hatte mir keine Vorwürfe über die Vergangenheit zu machen, dennoch hat es mir nicht an Anfeindungen gefehlt." „Das weiß ich, werthc Freundin," erwiederte er, „und Sie haben dieselben mit christlicher Ergebung in dem Willen des Herrn ertragen." „Das war meine Pflicht," fügte sie hinzu. „Heute habe ich die Nachricht von meinem lieben Sohne Harri aus London bekommen, daß der Aelteste sich gleichfalls in, letzter Zeit dort aufgchalten hat und wahrscheinlich mit einem der ersten Dampfer von England hier eintreffen wird. Was er gegen mich wieder im Schilde führt, kann ich nicht wissen, jedenfalls nichts Gutes, und ich muß daher auf Alles gefaßt sein." „Wollte der gütige Gott," sagte der Prediger salbungsvoll, „dieses ver- stockte Herz zum Guten lenken und zur Neue, daß es bittend der Mutter nahen und demüthig um Verzeihung flehen möge, um sich so der Versöhnung würdig zu machen." „Versöhnung, Ew. Ehrwürden!" fuhr sie heftig auf, „wo denken Sie hin? Zwischen mir und ihm ist an keine Versöhnung zu denken! Er hat mich zu tief gekränkt, als daß ich ihm je verzeihen könnte, eben so wenig werde ich vergessen, nie und nimmer." „Vergebung ist der Christen Pflicht," entgegnete der Prediger, „bedenken Sie, daß der Herr sagte: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unser» Schuldigern! Wenn er Reue zeigt, meine Freundin, so vergeben Sie ihm und nehmen Sie ihn wieder auf in ihre mütterlichen Arme, denn es wird im Himmel mehr Freude sein über die Rückkehr eines reuigen Sohnes, wie über fünfzig Gerechte." „Das kann ich nicht, Ehrwürden," antwortete sie, „und sollte dieß eine Schwäche sein, so will ich diese Schwäche büßen und andern Unglücklichen, deren es ja so viele gibt, die Liebe doppelt schenken, die ich ihm je hätte schenken können. Es gibt der Unglücklichen doch so viele, Sie müssen dieselben kennen, vergönnen Sie mir, soweit materielle Mittel dazu im Stande sind, daß ich das Meinige dazu beitrage, Wunden, die das Schicksal geschlagen hat, zu heilen. Nehmen Sie diese Börse, sie enthält fünfhundert Dollars, und vcrtheilen Sie diejelben unter die Armen; hier sind außerdem noch hundert Dollars, die ich der Anna Dufries zugestellt sehen möchte, eine Frau, die früher Dienstmagd bei mir war. Sie ist krank, möge dieß Geld ihr eine Erleichterung in ihrem Unglück verschaffen." „Der Herr wird Sie mit seinem Segen belohnen für das Gute, was Sie den Armen thun, und in mancher Hütte wird Ihr Name mit Inbrunst genannt werden. Doch können wir Nichts thun, um jenen jungen Mann aus den Händen befi Bösen zu erretten, — können wir ihn nicht zurückbringen auf die Bahn „Darüber erlaube ich mir kein Urtheil, das überlasse ich Ihnen. Ich habe jetzt das Meinige gethan; mag die Welt jetzt sagen, was sie wolle, ich trage das Bewußtsein guter Thaten in meinem Herzen, und Sie, Ehrwürden, wissen, ob ich den Tadel der Welt verdiene." „Das weiß ich," antwortete er, „drum wird auch der Herr Sie durch diese Tage der Prüfung geleiten und Sie in seinen heiligen Schutz nehmen." „Ich danke Ihnen für Ihren Trost," erwiederte sie, „und wo Sie glauben, daß ich der Armuth oder dem Unglück unter die Arme greifen könne, wenden Sie sich immer an mich, denn wer im Himmel ernten will, muß hier säen. Ihren Segen, ehrwürdiger Herr!" Der Geistliche reichte ihr die Hand und mit einer tiefen Verbeugung, scheinbar heftig bewegt und mit einer Thräne im Auge verließ ihu Mad. Gratman. Kaum hatte sie im Wagen Platz genommen, welcher sofort ihrem Befehle gemäß nach ihrer Wohnung rollte, so brach sie lächelnd in die Worte: „Welche prachtvolle Komödie! dieser alte heuchlerische Pfaffe, der mich so gut kennt, wie ich ihn, verdreht die Augen im Kopfe, wie ein welscher Hahn, wenn er vom Himmel und seiner Großmutter redet, und glaubt so wenig daran, wie ich daran glaube, daß je ein Dollar den Weg aus seiner Tasche in die eines Armen führen weide. Doch er ist eine mächtige Posaune in der Gemeinde und wenn auch ein solcher alter Prälat Einem sovieles Geld kostet, so ist doch dieser Himmelspolizist herrlich zu benützen und wird mir zum Lohn noch dazu einen Platz in der Loge des Paradieses aufbewahren." Unter solchen Gedanken und Selbstgesprächen kam der Wagen vor ihrer Wohnung an. Als ein alter grauköpfiger Diener ihr die Thüre geöffnet, drangen die schwellenden Töne des Erard'schen Flügels an ihr Ohr. Sie lauschte einen Augenblick und wandte sich mit den Worten zum Diener; „Ist Mr Perry im Salon und wer sonst?" „Mr. Perry Myers und Miß Evelinc sind allein, ich habe die andern Besuche abweisen müssen." „Man schicke mir meinen Thee aus mein Zimmer und sollte Eveline nach mir fragen, sage man ihr, ich wünsche allein zu sein." Nach diesen Worten schritt sic durch den Korridor und stieg die breite Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Was mochten die Gedanken sein, welche an diesem Abende den Geist jener Frau durchstürmten?" Sie hatte längst ihre Setbstbe- herrschung wiedergewonnen, sie pflegte nur in den ersten Momenten aufzubrausen und der Wuth ihrer Leidenschaften freien Lauf zu lassen, doch sobald sie sich ge- I?»11 hatte, sobald die Wolken von ihrer Stirne verschwunden waren, nahm auch ihre Physiognomie sofort wieder den Ausdruck eisiger Kälte an, und nur das Zucken des Auges würde vielleicht verrathcn haben, daß diese Frau nicht eine Lauste von Marmor sei. Dann faßte sie mit kalter berechnender Ueberlegung ihre Entschlüsse, Alles, selbst die kleinsten Nebenumstände, wurden auf's Genaueste erwogen, und wenn der ganze Bau des Planes in ihrem Kopfe fertig war, so folgte die Ausführung so sicher und unwiderruflich wie die Auflösung eines mathematischen Problems. Die Klänge des FlügeS waren indessen verstummt, Perry nahm Abschied von Eveline und zögerte noch immer, sich zu entfernen, Beide waren schweigsam und Jedes hing seinen Gedanken nach; endlich, als ob er plötzlich einen Entschluß gefaßt habe, fuhr er aus sezier Träumerei auf und EvelinenS Hände in die seinigen nehmend, sagte er: „Gute Nacht, mein treues Leben, o, möchtest Du mir vertrauen! doch ich will nicht in das Geheimniß Deines Kummers dringen, da es Dich betrübt. Beherzige nur das Eine, daß, wenn Du meiner bedarfst, nur ein einziges Wort von Dir genüft, mich an Deine Seite zu bringen, und glaube mir Eveline, ich besitze Macht genug, Dich zu schützen und zu schirmen! Lebe wohl!" Er drückte noch ein Mal ihre Hand, blickte in ihre sanften von Thränen umflorten Augen und ließ sie allein. Eveline sah ihm lange nach und schon waren seine Schritte verhallt, als ihr Blick noch immer auf die Thüre gerichtet war und sie folgte ihm immer noch mit den Augen des Geistes. Dann hob sie die gefalteten Hände empor und den Blick zum Himmel richtend, flüsterte sie: „O Du mein Vater über den Sternen, den ich im Leben nie gekannt, gib meiner Mutter den Frieden und nimm mich zu Dir, und laß Dein Kind ewig bei Dir wohnen!" Und wenn cs wahr ist, was die Dichter sagen, so trugen Cherubim das Gebet und die Thränen dieses reinen Herzens in goldenen Schaalcn zum himm- lischen Thron des ewigen Vaters. Drittes Kapitel. An demselben Abende, an welchem sich die in den beiden vorigen Kapiteln geschilderten Ereignisse zutrugen, war noch spät nach Mitternacht in der Nähe Hobokens ein einziges Fenster einer nördlichen Cottage erleuchtet. Die Vorhänge waren herabgelassen und hinter dem Fenster hatte der um diese späte Stunde heimkehrende Wanderer die unbeweglichen Schattencontouren einer weiblichen Büste erkennen können. Aucss sie war über einen Brief gebeugt, den sie gelesen, und immer wiedergelesen hatte. Auch dieser Brief trug das Poststempel Londons und die Handschrift war Harri Gratman'S. Eine Stelle schien sie besonders zu fesseln, denn sie schien die Buchstaben verschlingen zu wollen, und ihre Augen leuchteten vom Gefühle befriedigten Stolzes, je langer sie dieselben darauf heftete. „So stände ich endlich am Ziele meiner Wünsche," sagte sie zu sich selber, „er kehrt zurück, um mich nicht mehr zu verlassen, und ich habe die Opfer, die ich gebracht, nicht umsonst gebracht." Sie las leise für sich hin:---— „Der nächste Dampfer, die Europa, bringt mich zurück, und sobald ich nur abkommen kann, werde ich zu Dir eilen. Aus allen Briefen, die ich von meiner Mutter erhalten habe, geht hervor, daß Du unser Geheimniß treu bewahrt hast; ich danke Dir, Maria, für diesen Be- weis des Vertrauens, das ich in diesem Augenblicke nur mit der Ver- sicherung belohnen kann, daß das Geheimniß die längste Zeit gedauert hat, und daß bald der Augenblick kommen wird, wo wir den Schleier lüsten und unserer vor Gott geheiligten Verbindung bas Siegel aufdrücken dürfen, welches sie auch vor den Menschen heiligen soll. Er mag Dir räthselhaft erscheinen, warum meine so vorurtheilsvolle Mutter gerade jetzt einwilligen sollte, wo doch die Umstände noch dieselben sind, wie vor vier Jahren, — doch das ist mein Geheimniß, ein Geheimniß, das ich keinem Briefe anvertrauen möchte, und dessen Fäden ich erst seit Kurzem in meinen Händen halte, das aber meine theure Mutter veranlassen wird, mir in Allem meinen Willen zu thun; bis dahin jedoch noch die strengste Verschwiegenheit, jeder voreilige Schritt könnte Alles verderben, deßhalb lebe ruhig hin wie zuvor und laß Dir keinen Wunsch abgehen, so weit es Dir Deine Mittel gestatten. Jansen zahlt Dir regelmäßig monatlich hundert Dollars, doch gewiß, liebe Maria, es hat die längste Zeit gedauert, und bald wirst Du Dein Häuschen mit einer Wohnung in der fünften Avenue vertauschen. Es sollte mich gar nicht wundern, wenn Mutter unser Verhältniß kennte, doch da ich ihr gegenüber geschwiegen, so hat sie sich den Anschein gegeben, Nichts zu wissen, weil sie unsere Verbindung für eine vorübergehende Biaison hält, doch sie wird sich sehr bald in das Unvermeidliche fügen müssen." „Gewiß," unterbrach sich Maria, „sie wird sich fügen müssen, wenn es ihr auch noch so schwer wird. Ich gedenke noch ihres verächtlichen Blickes, als sie mir vor zwei Sommern in den clysäischen Feldern begegnete, sie und ihre bleich, gesichtige Tochter. Ich saß auf einer Bank im Schatten eines Baumes, meinen kleinen Harri im Schooße; ihr Blick traf mich, ein höhnisches Lächeln spielte um ihren Mund und ich sah, was ihre Lippen sagten: da ist das Bäckermäd- chen mit ihrem Bastard! die Staubwolke ihrer Karosse umhüllte mich, und sie war verschwunden. Wie Vieles wird dieser hochmüthigen Frau nicht nachgesagt, oder nachgeflüstert, denn Niemand wagt ihr die Wahrheit in's Gesicht zu sagen. O, wenn er wäre, wie sie! doch nein, ich will es nicht glauben, ich will es nimmer glauben! Er hat mich hintergangen, er hat mich verführt, — roch er liebte mich! Er war kein feuriger, romantischer Liebhaber, — doch er ist Kauf- mann, Geschäftsmann, und diese Art Leute schwärmen nicht! Er konnte mich zwei Jahre verlassen, dem bösen Urtheile der Welt ausgesetzt, und ich mußte schweigen, — doch er hat cs mir an nichts fehlen lassen, und jetzt schreibt er mir, daß er endlich mich vor der Welt anerkennen wolle, — und doch, woher diese Centnerlast auf meinem Herzen, die ich nicht bannen kann, diese Hoffnungslosigkeit inmitten der schönsten Hoffnungen, dieser Trübsinn, der den Schlaf von meinen Augen scheucht?" Sie hatte sich erhoben und schritt langsam durch das Zimmer in einen Nebcnsalon, dessen Fenster auf einen Balkon hinausgingen, welche eine Aussicht über den Fluß nach New-Uork gewährte. Der Mond stand hoch am Himmel und das schöne Panorama lag schweigend und ruhig vor ihr. (Forts, folgt.) Temperatur in Gießen, März 1868 niederste.................— 5,5» R. mittlere.................4. 3 25 „ Mittel früherer Jahre............2,52 „ höchste.................+ 9,7 „ Niederschlag: an 16 Tagen.......... 1,86 Par. Zoll- ______„ Mittel früherer Jahre: an 14 Tagen . . 1,39 „ Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Gießen.