«ar An- it. Cu- >. rsön- tmat lisch, risti- rfttt. rund, rben. tben. eine, egie- : Fi- tnb« mit vom oste» bem >»ig- am »tut. »ab, mste, seren Car! stoph 1 zu eine» üßeir „SS eine bi« be« ieben haste > bet ®ar.- i bet liegt, liffät ittel, läßt innte alte njlet heint inten lnion unb lisch- i bie eßen. ' bet »eit au«. onft. »hier tben. tiobe mbe« @nbe t et rben, auch annt tung hrem bse- schen hun- inbet t bie eußi- w baß epre- ttsch- eich» tben. ment oviiij teilen ch in inig- nben. icher- tonce ; an »eiche tatu« ’ SR- otte, rüffel igten »en e in it ft« new unb nben tübr Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 ft. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstag» und Samstags. — Erpedition: Canzleibrrg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Sießen. Nr. V2 Donnerstag den 6. August 1868. Brodp reife: 4 Pfund gemischtes Brod 18 kr. 4 Pfund Roggenbrod 15 kr. Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, sm 1. August 1868. Betreffend: Den Nachtwachedienst. Das Großherzogliche Kreisaml Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. In der Instruction für die Nachtwache vom 11. April 1853 ist bestimmt, daß die Nachtwächter verpflichtet find, in den Monaten Mai, Juni, Juli, August und September schon von 9 Uhr Abends an bis Morgens um 4 Uhr und in den übrigen Monaten von 8 Uhr an bis Morgens um 5 Uhr stündlich den Rundgang durch sämmtliche Straßen des. Orts zu machen und die Stunden blasen. Wenn wir nun auch nichts Wesentliches dabei zu erinnern finden, daß in den Monaten Mai, Juni, Juli und August der Nachtwachedienst erst um 10 Uhr Abends beginne, so müssen wir doch ernstlich rügen, daß, wie zu unserer Kenntniß gekommen ist, Einzelne von Ihnen selbst darüber hinausgehende Anordnungen ohne unsere Genehmigung erlassen haben. Bei der gegenwärtigen trockenen Jahreszeit muß im Hinblick auf vorliegende Feuersgefahr auf strengste Handhabung des Nachtwachedienstes gesehen werden, und beauftragen wir Sie daher, bei Vermeidung eigener Verantwortlichkeit Ihre etwa entgegenstehenden Anordnungen sofort durch entsprechende Bedeutung des Nachtwachepersonals außer Kraft zu setzen. In mehreren Gemeinden soll außerdem für die Verschling des Beiwächterdienstes keine Vorsorge getroffen sein. Indem wir Sie in dieser Beziehung auf unser Ausschreiben Nr. 43 vom 11. August 1853 verweisen, fordern wir Sie zum Bericht binnen 3 Tagen darüber auf, ob in Ihren Gemeinden besondere Nachtbeiwächter bestellt, oder die Sicherheitswachmannschaft zur Versehung dieses Dienstes beordert ist. Wir bemerken Ihnen noch, daß wir die Gendarmerie des Kreises angewiesen haben, die pünktlichste Vollziehung des Nachtwachedienstes zu controliren und daß wir Nachlässigkeiten in dieser Hinsicht aufs Strengste bestrafen werden. Dr. Goldman». Zu Nr. K. G. 1934. Gießen, am 17. Juli 1868. Betreffend: Das Polizeistrafgefetz, insbesondere die Reinhaltung und Wegsamkeit der Ortsstrafien. Loeal-Reglement. Im Anschluß an das Local-Reglement Nr. V. vom 8. October 1856 wird mit Ermächtigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 8. April d. I. zu Nr. M. d. I. 4529 auf Grund des Art. 114 des Polizeistraf-Gesetzes hiermit für die Provinzial-Hauptstadt Gießen verordnet: Die Besitzer der an den „Canzleiberg^ angrenzenden Gebäude sind verpflichtet, außer dem zwischen ihren Hofraithen und der Gosse befindlichen Raume, den Platz selbst bis auf 10 Fuß Entfernung von der Gosse zu reinigen. Die Reinigung des übrigen Theiles des Platzes wird auf Kosten der Stadt Gießen geschehen. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Goldman n. Besondere Bekanntmachung. 5394) Die Stadtbauaufseherstelle dahier, mit welcher ein jährlicher Gehalt von 300 fl. verbunden ist, wird mit dem 1. October l. I. erledigt. Concurrenzfähige Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei der unterzeichneten Stelle anmelden. Gninberg, den 27. Juli 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Arnold. Verweigerungen. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 5406) Montag den 10. August d. I., von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, District Unterhag, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als: 14 Stecken Eichen-Prügelholz, 23 „ „ Stockholz, 625 Wellen „ Reisholz, 3 Stecken Nadel-Priigelholz, 8 „ „ Stockholz, 400 Wellen „ Reisholz, 133 Eichen-Stämme mit 2543 Cubiksuß, 27 Nadel- „ „ 582 32 Eichen-Stangen „ 113 „ 14 Nadel-Stangen „ 67 „ Die Zusammenkunft ist auf dem Schiffen- berger Weg. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1- Decbr. d. I. gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 3. August 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen ______________Vogt-___________ Holzversteiqerunq. 5413) Donnerstag den 13. d. Mts., von Nachmittags 2 Uhr an, sollen in Folge der Betriebs-Regulirung im hiesigen Gemeindewalde, Districten Hoher- berg und Dorfwiese: 54 Stecken Buchen-Scheidholz, 10 */< „ „ Prügelholz, 16 „ „ Stockholz, 1107 Wellen „ Reisholz, 1 Stecken Eichen-Prügelholz, meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist zur bestimmten Stunde im District Hoherberg. Großen-Buseck, am 4. August 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Buseck. Wagner. Feilgebotenes. 5378) Ein noch sehr gut erhaltenes Cla- vier ist wegen Wegzugs zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 5407) Eine Aepfelmühle nebst zwei Keltern steht zu verkaufen bci I. & W. Wallenfels. 5383) Jung^ Rattenpinscher sind zu verkaufen Neuenweg B. 134. 5416) Dreimal- und Haushaltungs- waagen, Krlterschrauben rc. empfiehlt Emil Pistor. 5391) Ein noch in gutem Zustande befindlicher Flügel ist wegen Mangels an Raum billig zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. Thpprenifp Don 11 <"«•»••»«>••» * illvLIÄvllvj Comp. in Paris, wirksamstes Mittel gegen alle Hautunreinigkeiten, empfiehlt a Stück 18 kr. (4398) Julius Wallach. 5408) Ein noch gut erhaltener Flügel steht wegen Wegzugs zum Verkauf. Wo? sagt die Exped. d. Bltts. | Wechsel auf Hew-York zum Tagescourse sind stets zu haben bei JUtt/yei* JÄ/3 bis 2>/3 Thlr. täglich. - Station bei Ems. - Dr. Runge. Agenten Gesuch 5109) Ein altes bedeutendes Weinhaus zu Bordeaux, Eigenthümer beträchtlicher Weinberge, welches in der Lage ist, ausnahmsweise günstige Bedingungen stellen zu können, sucht gewissenhafte Agenten für den Verkauf seiner Weine an Privatkunden für ein oder mehrere Städte. Man reflectirt nur auf Personen, welche gute Verbindungen haben, thätig sind und gute Referenzen geben können. Offerten in deutscher oder französischer Sprache sind zu richten an Mr. E. 0. B. 63 nie Pelegrin Bordeaux. 5414) Ein Familienlogis und mehrere moblirtc Zimmer sind zu vermiethcn bei _________W- Ferber, am Lindcnplatz. Frankf. Bank 125 Oester. Bank 761 „ Creditact. 223 % Darmst. Bankact. 242 Ackerbauschnle in Cleve. Anfang des Winterhalbjahr: Dienstag den 6. October. 5405) Logis incl. Bett, volle Kost von 12 Thlrn. monatlich bei achtbaren Familien. Nähere Auskunft ertheilt Dr. Fürstenberg, Director. 5403) Ich suche einen Hausburschen. S- Hirsch Sohn. 5399) Die Besitzer von Büchern aus der Bibliothek des Gesellschafts-Vereines dahier werden ersucht, dieselben binnen 8 Tagen zurückzuliefern. Gießen, den 3- August 1868. Dr. Zimmermann, Bibliothekar. Wechsel. Amsterd. k. 8. 100% Augeb. k. S. 99% Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 97% Cöln k. 8. 104% Hamburg k. 8. 88 Leipzig k. 8. 104% London k. 8. 119% Lyon k. 8. — Paris k. 8. 943/, Wien k. 8. 104% Disconto 30/0 Q. Anfang 5V2 Uhr. — Entrse ä Person 15 kr. Programm. Erste Abt Heilung. Schützen-Marsch von Faust. Ouvertüre zur Oper „In gaza ladra“ von Rossini. Morgenblätter-Walzer von Joh. Strauß. Potpourri aus der Oper „Der Troubadour" von Verdi. Quadrille aus der Oprette „Die Herzogin von Gerolstein" von Offenbach. „Schöne Geister begegnen sich", Charivari von Zulehnch. Zweite Abtheilung. Preis-Ouverture von Gurt»er. „Freundliche Grüße an Gießen", Polka von Reifert. Phantasie aus „Freischütz" von C. M. v. Weber. „La rose blanche“, Polka-Mazurka von Hage r. Cavatine aus der Oper „Giovana d'Arco" von Verdi. „Alte und neue Zeit", Melange von Reisert. Warnung. 5402) Es ist bekannt, daß der Milzbrand eine äußerst gefährliche, ansteckende Krankheit ist und daß die Häute von Vieh, welches daran gefallen ist, den tödtlichen Krankheitsstoff gar leicht auf Menschen übertragen, wenn sie abgezogen und transportirt werden. Deshalb soll alles am Milzbrand gefallene Vieh mit der Haut begraben werde!:. Gegen dieses Gebot wird aber gar viel Vieh, das Milzbrand hatte, unter Verheimlichung dieser Thatsache abgetedert. Es giebt nur ein Mittel, der dadurch hervorgerufenen Gefahr vorzubeugen, nämlich ein Gesetz, welches das Abledern irgend welchen gefallenen Viehes, es mag Namen haben, wie es will, verbietet, und Behörden, welche dieses Verbot schnell in Ausführung bringen. Gießen, den 3. August 1888. Israel Klebe, Fellhändler. tieldsorten. Pr. Gass. Sch. 1 44%-45% Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 58%-59% Pistolen . . 9 46-48 „ doppelte 9 47-49 3 i« tze rscher Garten Donnerstag den 6. August: Großes ausgeführt vom ganzen Musik-Corps (O Munn) des Großh. 2. Infanterieregiments von Offenbach (unsere demnächstige Garnison), unter Leitung seines Dirigenten Herrn Reisert. 5410) Ein Familienlogis, bestehend aus o Zimmern und den nöthigcn Beguemlich- keiten, ist zu vermietheu und den l. Octo- der zu beziehen bei Georg Malkomesius, ____________________Marktstraße. An epileptischen Krämpfen (Fallsucht), Kopf-, Brust- und Magen- krampf Leidende werden sicher und dauernd hergestellt. Beweis mehrere Hundert Dank- sagungsschreiben aus allen Staaten Europas. Näheres unter genauer Angabe der Adresse durch Frau Ww. I. Plaumann, Neandcr-Str. Nr. 18, Berlin. (5395) 5380) Ein im schreibenden Fache geübter Mann sucht auf einem hiesigen Comptoir oder einer Advocatur Beschäftigung, und wünscht derselbe sogleich einzutreten. — Nähere Auskunft ertheilt die Expedition dieses Blattes. Nachträglich wtrd zu dem in diesem Blatte erlassenen Aufrufe berichtigend bemerkt, daß die durch das Brandunglück heimgesuchten Bewohner Laisa's in der Nassauischen Assecuranz mit ihren früheren Capitalien zwar versichert, solche aber zum Wiederaufbau ihrer Gebäude viel zu gering sind. Gießen, den 4. August 1868. Lyncker, Rentamtmann, Namens der übrigen Mitunterschriebenen. Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 259% Ludwigsh.-Bexbach 159',4 Maxbahn 108% Bayer. Ostbahn 127% Hess. Ludwigsbahn 134% 3% östr. Stsb.-Prior. 53% 3% östr. s. Lombard. 43% 3% Livorneser 31 Toscaner 46% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 75 do. II. Emiss. — Anlehengloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 55% Nassau fl. 25 b. Roth. 36% Gr. Hess. fl. 50 b. R. 154 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 39% 4% bayr. Präm. Aul. 103 % 4% badische Loose 100% Badische fl. 35 Loose 53% 1858r Prioritätsloose 142 ' 1860r Loose 76 1864r , 100% ^?^^"'!^^orps der hiesigen Jäger stattstnden und behufs der Betheiligung daran eine Subfcriptionsliste in Circulation 4 Personen)"auf^30 Kr^f^ges''^^»nSpreiS ist für Herren auf IS Kr., für Damen auf 9 Kr. und für ein Familien-Billet (bis zu Zu recht zahlreicher Betheiligung ladet Namens des ganzen Musik-Corps ergebenst ein: ________________________________________________________ Schellhaas, Musikmeister. Z Zn mierhen gefacht womöglich in der Nähe des Lindenplatzes ein größeres möblirtes Zimmer, oder ein kleineres mit Cabinet. Gefällige Anträge mit Preisangabe unter L» E. K. an die Expcd. d. Blits.___________________________ 5415) Auf Michaeli wird ein braves Mädchen, das etwas kochen kann, gegen hohen Lohn gesucht. Das Nähere bei der Exped. d. Bltts._____________ (General - Versammlung. 5389) Die Mitglieder des Krankenuntcr- stützungs-, Sterbekasse- und Wittwemmter- ftützungs-Vereins werden zur Abhör der Rechnung vom 1. Juli 1867 bis dahin 1868, sowie zur Ergänzungswahl des Vorstandes, auf Montag den 10. August, Abends 7 Uhr, in die Wohnung des Wirths Friedrich Führer mit dem Wunsche eingeladen, sich recht zahlreich einfinden zu wollen. Bemerkt wird noch, daß die Rechnung vom 3. bis zum 10. August bei dem Präsidenten zur Einsicht osten liegt. Gießen, den 29. Juli 1868. In Auftrag des Vorstandes: _______Weidig. liörseiinachrlchten. 4. August 1868. Preuss. 41/2% Obi. 95% Frankf. 3%% Obi. 81-/« Nass. 4%% Obi. 95% Kurh. 40/c Obi. -- Hess. 4% Obi. b. Roths. 89% „ 3%% do. do. — Bayer. 5% Obi. 102% » 4%% 1jährige 96% » 4%% Vaiährige 96% Würtemb. 4>/z% Obi. 95 Baden 4>/z0/g Obi. 0. E.L. 94% Oestr. 5% b. R. — „ 5% National 54% , 50/o Metall. Obi. 48% „ M. steuerf. 53% Amer. 6% 1882r Bds. 75% „ 6% 1885r 74% Aetien. Auswanderer nach Amerika befördert wöchentlich vermittelst Dampf- und Segelschiffen bei reeller und billigster_________ Bedienung I. M Schulhof, am Ratbhaus. Durch langjährigen Aufenthalt in Amerika bin ich im Stande, jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbabn, sowie fämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mausburg. Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankenst. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 o38b) Auf dem Seltersberg ist eine möblirte Stube mit Cabinet zu vermietheu. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 5388) In meinem neuerbauten Hause (int der Anlage ist die Bel-Etage zu ver- mtethen und am 1. October zu beziehen. ________________________Fr- Schwaab. 5382) Ein freundliches Familienlogis, bestehend aus 4 Zimmern, Küche, Keller u. s. w-, ist zu vermietheu. Näheres bei der Exped- dieses Blattes. 5401) Im Russischen Hofe sind zwei ineinandergehende große Zimmer, mit oder ohne Möbel, zn vermietheu und sogleich zu beziehen. 5383) Ein Familienlogis und ein möblirtes Zimmer sind zu vermietheu bei H- Sauer, Neuenweg- 5385) In Becker's neuem Hanse auf der Anlage sind noch Logis mit allen Bequemlichkeiten, Bleichplatz und Waschküche zu vermietheu und den 1. October beziehbar; auf Verlangen kann auch Stallung dazu abgegeben werden. 5379) Im Cafe Kuhlmann sind mehrere Zimmer an ledige Herren, mit oder ohne Möbel, zu vermietheu und Mitte October d. I. zu beziehen. 5381) In Lit- A. Nr. 98 am Asterweg ist ein möblirtes Zimmer zu vermietheu. ______________Carl Wallenfels I. 5376) Ein Familienlogis ist zu ver- miethen. Näheres bei der Exped. d- Bltts. cs o> CO 1 10 Feuilleton. Die Verschwörer non 1799. Roman von de Saint-Felix. (Fortsetzung) Diesmal streckte Helene de Rencey ihre Hand dem republikanischen Haupt- mann entgegen, welcher auf diese schöne und edle Hand einen ehrerbietigen, aber sehr herzlichen Kuß drückte. Eine Biertelstunde nachher .fianb unser Offizier wieder bei seinem guten Kameraden, der sich unter dem Baum, an welchen er gebunden war, wie eine Antilope auf's Gras gestreckt hatte, und im Galopp schlugen Beide den Rückweg nach der Stadt Tours ein. Wahrend des aufregungsvollen Drama's, das soeben auf dem Schlosse gespielt worden war, hatte Sultan nach vielem ungeduldigen Wiehern, Scharren und Stampfen sich, wie gesagt, unter der schattigen Eiche zum Schlummer ausgestreckt und Glieder dehnend, seinen Kamm an der Baumrinde scheuernd, vielleicht von der Wüste träumend, sich über die Maßen gelangweilt. 9. Die eiserne Kiste. Bierunvzwanzig Stunden nach der Scene, welche auf dem Schlosse von Rencey stattgrfunden hatte, langte der Hauptmann Reymond in Paris an. Es war schon finstere Nacht, als er über die elysäischen Felder ritt, um sich nach seiner Wohnung in der Straße des Faubourg St. Honorö zu begeben. Bernhard erkannte den Schritt des Pferdes; er eilte an das Thor, welches er hastig öffnete und vorsichtig wieder schloß, sobald der Hauptmann im Hofe war. — Nun, Bernard, was giebt es Neues ? fragte der Offizier, sein Pserd in den Stall führend. — Das sollen Sie gleich erfahren, Hauptmann, antwortete der Pförtner mit geheimnißvoller Stimme. —- Teufel! sagte Reymond, das heißt also es lauert eine Schlange unter den Blumen. — Es heißt, daß mein Hauptmann ein beglückter Krieger ist. — Wieso? fragte Reymond, indem er Sultan zum letzten Male streichelte. — Kommen Sie zum Essen, mein Oberst, versetzte Bernard. — Unmöglich! antwortete der Offizier. — Kommen Sie, Herr General, kommen Sie! rief Bernard. — Es ist wirklich schade, daß man das Feldmarschallsamt abgeschafft hat, lachte der Offizier und trat in das Zimmer, wo Marguerite ihn, den Tisch deckend, erwartete. Bernard beeilte sich, zwei Briefe herbeizuholen, welche gestern für den Haupt- mann angelangt waren. — Da! sagte er. Hier ist zuerst eine Depesche für Sie, welche durch eine berittene Ordonnanz überbracht wurde. — Gut versetzte der Offizier, es ist eine Generalstabs-Ordre für morgen. Die Herren wollen durchaus alle Tage mein Gesicht sehen, es kostet ihnen schreck- lich viel Mühe, sich an meine Physiognomie zu gewöhnen. Sage mir, Bernard, sehe ich Wie ein Verschwörer, wie ein royalistischer Lump aus? — Nein, nein, Hauptmann, erwiederte Bernard; aber Sie sehen wie ein ehrlicher Mann aus, und eben veßhalb — — — Ah, Du magst recht haben; das erregt ihnen Furcht. Du bist ja recht garstig boshaft. — Hier, mein Hauptmann, ist noch etwas, das Sie weder boshaft, noch garstig finden werken. Dies Billet-doux wurde von einer schönen Dame eigenhändig überbracht. Ihr Wagen hielt vor unserer Thür. Sie ließ mich rufen und sagte mir, den Kopf ein wenig aus dem Schlage vorbeugend: „Dies Billet ist für den Hauptmann Reymond." Ja, aber sie flötete diese Worte mit einem so sanften Tone und reichte mit das Briefchen mit einer so weißen Hand, daß ich mit offenem Munde ganz verzückt stehen blieb. Der Wagen war schon Weit entfernt, als ich noch immer reglos mit dem Billet auf derselben Stelle staut, dessen Duft mich wie ein köstlicher Wein berauschte. — Du bist wirklich zu empfindsamer Natur, Bernard, lachte der Hauptmann. Frau Marguerite, nehmt Euch in Acht, Euer Herr Gemahl ist der Versuchung gefährlich ausgesetzt! — Während dieses Geplauders hatte Reymond das Briefchen entfaltet. Es enthielt die Worte: „Sie sind ein schlechter Mensch, ein Türke, ein Mameluck, ein Beduine, ein erbarmungsloser Feind. Sie haben mich verlassen! . . . Und doch hatte ich Ihnen so viel Aufopferung bewiesen, indem ich Sie aus den Fallstricken befreite, welche man Ihnen im Luxembourg gelegt hatte. Ich müßte sie eigentlich Ihrem Geschick überlassen — aber ich bin großmüthig. Man überwacht Sie; man wird Ihren wirklichen Namen in Erfahrung bringen; man weiß mit Bestimmtheit, daß Sie confpiriren, und man wirb ®te auf frischer That der Verschwörung ertappen. Die Polizei stellt sich die Aufgabe, Sie des Verbrechens zu überführen. Geben Sie Acht auf sich! Barras ist wüthend; der Abb«; Sieyäs fürchtet Sie und wünscht Sie zu sprechen; Fouchö heg» Verdacht gegen Sie und läßt Ihre Schritte durch seine Agenten bewachen; Talleyrand schweigt, aber er hört den Leuten zu, welche von Ihnen wen, schließt die Augen, scheint zu schlummern und denkt nach. Wenn Sie eompromittirt werden können, verlassen Sie Paris. — Ich biete Ihnen in meiner Eremitage zu Montmorency ein Asyl an. Leben Sie wohl, Undankbarer, Türke und Mameluck! Gor al p." — Sie ist eine gute Seele, sprach Reymond und ließ das Billet an der Lampe ausflackern. — So, weiter nichts? murmelte der ehrliche Bernard. Ich habe sie für eine große Dame gehalten. — Sie ist eine sehr große Dame, mein Freund, die sogar einen Hof- ß»at hält. — Ah, mischte sich Marguerite in'« Gespräch, indem sie eine grüne Erbsensuppe auffüllte, eine Theaterkönigin? Seit der Revolution haben wir nur solche Prinzessinnen. Aber, Herr Graf, es werben auch wieder andere kommen. — Marguerite, liebe Freundin, unterbrach sie ter Hauptmann, mäßige Deine Worte! Ich bin Republikaner. — Sic? Wohl eben so sehr, wie ich, Herr Graf? — Marguerite, Deine Grundsätze sind verderblich und Deine Ansichten verdammungswerth; aber Deine Erbsensuppe ist vortrefflich. Der Offizier aß mit großem Appetit. Als ihm der Kaffee gebracht worden war und er sich mit Bernard allein befand, wurde er ernsthafter und lenkte das Gespräch ällmälig auf seine Familien-Angelegenheiten. Der ehrliche Pförtner ertheilte ihm als ehemaliger Haushofmeister jegliche Auskunft, zu welcher ihn sein Gedächtniß und seine Notizen in Stand setzten. — Also, fragte Reymond, blieb uns beim Tode meine« armen Vaters kein Eigcnthurn mehr, außer diesem Hause und dem Landgute Vandore in Burgund? — Wie Sie richtig bemerken, Herr Graf. Vandore war vor der Revolution reichlich seine sechshunderttausend Francs werth. Heutzutage brächte es keine dreihunderttausend ein. Dies Haus, welches damals auf hunderttausend Thaler geschätzt wurde, ließe sich heute nicht für mehr als hundertunbzwanzig dis hundertunddreißigtausenb Francs verkaufen. ■— Und das ist Alles, was uns übrig bleib», nicht wahr, Bernard? — Leider, ja! Der Herr, Ihr Vater, verkaufte zwei herrliche Landgüter in Berry, einen Monat nachdem Sie in bas Ausland gereist waren. Hätte er sich nicht damit beeilt, so würden diese Landgüter jetzt scquestrirt und gleich dem Uebrigen zu Nationalgüt-rn erklärt worden fein. — Und der Preis dieser beiden Güter, mein lieber Bernard? fragte der Hauptmann höchst sorgenvoll, ohne jedoch seine Aufregung zu verrathen. — Der Herr Graf erhielt dafür bedeukendc Summen — erwiederte Bernard. — Ich sehe, mein Freund, Du bist ebenso verschwiegen Wie treu. Soll ich Dir jetzt meinerseits Nachricht über jene Kapitalien geben ? Der Pförtner betrachtete feinen Herrn mit einem Ausdruck von lieber- raschuug und unvcrholener Freude. — Mein treuerer Herr, sagte er, das versiegelte Päckchen ist also in Deutschland in Ihre Hände gelangt . . . Gott sei gelobt! Wir hatten es einem würdigen Diener anoertraut, welcher sich zu den Emigrirten gesellen Wollte. — Bernard hier ist der Brief, welcher in dein Päckchen enthalten war, antwortete Reymond und drückte ihm mit lebhafter Rührung die Hand. Das Packet enthielt sechstausend Francs in Gold, welche fünf- oder sechsmal nicht wenig dazu beitrugen, mir das Leben zu erhalten. Was den Brief meines Vaters, den schwarzversiegelten Brief betrifft, so habe ich denselben erst gestern, vierzig Stunden von hier, geöffnet. Du weißt, was aus der Adresse geschrieben stand. — Ja, sagte Bernard mit Thränen in den Augen, ich sehe noch meinen alten Herrn, wie er den Brief versiegelte und die Worte schrieb . . . Aber, lassen Sie, o, lassen Sie mich noch einmal iie theuren Züge erblicken —! Reymond War tief ergriffen. Er wandelte nachdenklich auf und ab im Gemache. Der redliche Bcrnaro ergriff den Brief, welchen der Offizier ihm einge« händigt hatte, bewaffnete seine Nase mit einer großen Kneifbrille und las mit schluchzender Stimme die Worte: „An Reymond. Reymond soll diesen Brief nicht vor seiner Rückkehr nach Frankreich und nur in einem der beiden nachstehend erwähnten Fälle öffnen: 1) Falls er in Folge einer Verbess rung der öffentlichen Zustände das Besitzrecht seiner Güter friedlich wieder antreten könnte. 2) Falls er sich durch den Verkauf seiner Güter im Namen der Nation in Gefahr sähe, seines Eigenthums beraubt zu werden. Bernard, welcher den Inhalt dieses Briefes kennt, ist beauftragt, über die Interessen Reymonds zu wachen und ihn von einer drohenden Gefahr, wo möglich bei Zeiten, in Kenntniß zu setzen." (Fortsetzung folgt.) ................... Memorir-Verse zur Einprägung 1. Längen - Maße. DeS Maßes Einheit gibt uns ab Das Meter oder Deutsch: der Stab. Ein Hundertstel des Meters heißt Ein Centiineter, daß du's weißt! Ein Tausendstel an und für sich Heißt Millimeter oder*Strich Zehn Meter bilden — o wie nett! — Das Dekameter (deutsch: die Ke»»). Willst du ein Kilometer ba'n, Mil tausend Metern ist'S gethan. 2. Flächen-Maße. Das Meter, insofern's qnadrat'sch, Mißt flächt ich jeder Kladderadatsch. Quadrat'scher Meter hundert find Ein Ar — das ist doch deutl ch, Kind? Grad' hundert Ar sind ein Hectar — Ich denk' das ist dem Dümmsten klar. 3. Körpermaße. DaS Meter, wenn es knb'fch ist, mißt, Was körperlich zu messen ist. Ein Tausendstel davon — denk' an! — Heißt Liter oder einfach Kann'. der neuen Maß- und Gewichtsordnung. Ein halbes Liter heißt schlechthin Ein Schoppen — ,s ist nicht viel darin. Brauchst, Söhnlein, einen Scheffel du. Der Liter fünfzig nimm dazn; Doch hundert bilden, merk' dir das, Ein Hectvliter oder Faß. 4. Gewichte. Gewichtes Einheit bildet am Bequemsten wohl das Kilogramm. In tausend Theil' theilst du S mit Wonn'. Ein Gramm ist jeder Theil davon. Aufs Decagra mm (auch Neuloth) geh'» — Merk dir'S genau — der Gramme zehn. Jedoch ein Decigramm benams' Den zehnten Theis du eines Gramms. C e n t i - und M i 11 i g r a m m, o Sohn, Was das sagt, sagt der Name schon. Jetzt sag' ich dir noch kurz und rund: Ein halbes Kilogramm heißt Pfand. Ein Centn er wird, wie allbekannt. Die Summ' von hundert Pfund genannt. Zweitausend Pfund sind eine Tonn' — Nun geh! du weißt genug davon. Temperatur in Gießen, Juli 1868: niederste.................-{- 3,3" E. mittlere.................4- 15.40 „ Mittel früherer Jahr, . ...........+ 14 38 „ höWste.................4. 26,0 „ höchste 1865 am 21. Juli an derselben Stelle .... 27,5 „ Niederschlag: an 9 Tagen ........... 0,90 Par. Zoll. im Mittel früherer Jahre: 15 Tag« mit . . . 2,89 „ „ im Mai, Juni und Juli 1868: 26 Tage mit 5,19 , „ ....... 1859: 24 „ „ . 3,25 . „ Politische Rundschau Berlin, 2. August. Sämmtlichc Ortschaften bis zu 1500 Seelen sollen allmählich mit Te» legraphen • Stationen versehen werken. — Durch Ven Zutritt junger Leute aus norddeutschen nichtpreußischen Gebieten ist die Zahl ter Kadettenzöglinge auf 1800 Köpfe gestiegen. — Der Handelsminister begibt sich mit einigen Beamten nach dem Westerwalde, um Maßregeln zur gründlichen Abstellung des dortigen Nothstandes anzuordnen. — Wenn möglich, wird bis zur nächsten Reichstag«- fitzung auf Grund der stattgchabten Sachverstänkigen- Lernehmung Seitens des Bundesraths ein das ganze Gebiet des Hypothcnwefens umfassender Gesetzentwurf ausgearbeitet werten. — Aus den russischen Grenz- drzirken hat Vie Regierung weitere Mitthcilungen erhalten, aus denen hervorgeht, daß Milzbrand und Rinderpest starke Verheerungen anrichten. — Die Berliner Bäckergesellen wollen die Arbeit einstellen, weil die Meister das Verlangen, vie Nachtarbeit ab- zuschaffen, nicht eingehen wollen. Das Polizeipräsi- oium hat sich mit dem Militärcommando in Benehmen gesetzt, damit im Falle der Arbeitseinstellung der Bäckergesellen die im Militär befindlichen Bäcker au«- tzülfsweise verwendet werden. Nach den letzten Berichten ist unter den Bäckergesellen bereits Uneinig- feit ausgcbrochen und daher wahrscheinlich, daß der Linke keinen allgemeinen Charakter annimmt. Kassel, 1. August. In der ersten Hälfte des August wird rahier eine beträchtliche Anzahl frei- sinniger Rabbinen Deutschlands sich versammeln, um über neuerdings nothwendig geworrene durchgreifen- oere Germanisirung des jüdischen CultuS und anderweitige Fortschritte im Geiste der Zeit zu berathen. Seit länger als zwanzig Jahren hat eine solche Rabbinenversammlung nicht stattgefundcn. Einen gesetzgeberischen oder hierarchischen Charakter besitzt die- selbe, den vollständigen autonomen Gemeinden gegenüber nicht. Um so anerkennenswcrther aber ist es, hier gerade die Geistlichen energisch die Fahne des Fortschrittes aufpflanzcn und die Zeitbewegung innerhalb ihres Amtsgebietes fördern zu sehen. Gotha, 1. August. Die Gesammtsumme, um welche es sich bei der gegen den Rechtsanwalt Streik in Coburg erhobenen Anklage handelt, betragt nach der „W. Z." etwa 20,000 st. Die Aburtheilung des ohne Zweifel mehrere Tage in Anspruh nehmenden Falles wird nicht vor einem Schwurgerichte in Coburg erfolgen, da bei den Vorurtheilen, Vic Vase bst sowohl für als gegen den Angeklagten eri- stiren, die Wahl eines andern Ortes geboten erscheint. Voraussichtlich wird überhaupt die Sache erst die zu rem Zeitpunkte spruchreif sein, wo Vie neue Ju- stizgemeinschafr bereits in Kraft getreten ist. Wien, 1. Aug. Da« „Fremdenblatt" meldet: Aus die Anfrage des Präsidiums des deutschen Schützenfestes, ob Leipzig bereit sei, das vierte deutsche Bundesschießen zu übernehmen, antwortete der Leipziger Stavtrath telegraphisch ablehnend. Wien, 3. Aug. Gleichzeitig mit dem Ban- kett in der Schützens:sthalle fand gestern in den weltberühmten Räumen „Zum Sperl" eine Volksversammlung statt, in welcher über die deutsche Frage im Allgemeinen und über vie Zusammenwirkung Oesterreich« mit Snrdeutschlanv im Besonderen verhandelt werden sollte. Die hier anwesenden Wortführer der süddeutschen Volkspartei hatten, wie es scheint, in Folge der günstigen Aufnahme, welche ihre Reven und Trinksprüche in der Schützenfesthalle fanden, sich der Erwartung hingegeben, daß das Project eines parlamentarisch.militärischen Süvbunve« in den hiesigen liberalen Kreisen allgemeinen Anklang finden werde. Die gestrige „Volksversammlung" hat gezeigt, daß diese Voraussetzung eine irrige war. Zwar wurden die Resolutionen, welche die Zerreißung Deutschland« unv die Wiedervereinigung der getrennten Bestandtheile auf vem Wege der Annexion verdammten, von der Majorität gutgeheißen, aber der dritte Theil des Programms, eine. Erklärung vcs „Volks von Wien" zu Gunsten Ves süddeutschen Bundes war nicht durchzusetzen. Prag, 31. Juli. Die Polizei entfernte heute gedruckte Placate, in denen es hieß: Eine fremde Nation, Vie Russen, flechten die Geißel für die Bedrücker des czechischen Volkes; bald werde der unter ras Sclavenjoch gebeugte Nacken sich in Freiheit erheben. Darum auf zur Rache für die Schlacht am Weißen Berge und zur Erringung besserer Tage. Unsere Losung sei : Tov den NationSverräthern! Die Placat-Uaterschrift lautete: Taboriten. Ischl, 3. August. Fürst Gagarin, Avelsmar- schaa von Moskau, und dessen Sohn sind durch Uu- vorstchtigkeit heute im Mühlbach ertrunken. Paris. Rochefort'«, des Herausgebers der „Lan- ternc", Popularität, steigt immer mehr. Er ist jetzt so bekannt, daß man ihn unter dem Volke nicht mehr „Rochefort" nennt, sondern mit „Lui“ bezeichnet und die Arbeiter, die Commissionäre, selbst die Concierges reden sich des Samstags mit Ven Worten an: „Hast tu Ihn gelesen?" und wenn einer die 40 Centimes, was ein ungeheurer Preis ist, nicht erschwingen kann, so leiht er sich das rothe Buch bei vem anderen und jede einzelne „Lanterne" geht im Durchschnitt wohl durch 30—40 Hände, was bei einer Auflage von 120,000 Exemplaren ungefähr 4 Millionen Leser macht, so daß fast das ganze Frankreich, welches lesen gelernt, Rochefort's Prosa verschlingt. Unter diesen Umständen ist denn auch die „Lanterne" so zu sagen eine innere Frage geworden unv macht den Ministern mehr Kopfbrcchens, als die ganze übrige Presse zusammengenvmmen. Turin, 29. Juli. Das arme Italien scheint noch lange nicht am Ende seiner Chronique scanda- leuse zu sein. Der Diebstahl der Documcnte der Parlaments-Untersuchungs-Commission über die Wirx- sale der Südbahnen ist ein neuer Beleg dafür, wie weit die Schamlosigkeit der Consorten und ihrer Freunde geht, und mit welch eiserner Stirne sie dem Gesammturtheil der öffentlichen Meinung trotzen. Bekanntlich enthielten diese Acten schwere Beschuldigungen gegen den ehemaligen Finanzministcr Bastogi als Director der Südbahmn und gegen den jüngst zu Pari« verstorbenen Deputirten Susani, welcher von Bastogi für die Summe von 1,100,000 Fr. bestochen worden war, um die Concessiou der genannten Bahnen in die Hände Bastogi's zu bringen. Rom, 24. Juli. Nach den neuesten statistischen Aufnahmen beläuft sich die Bevölkerung der ewigen Stabt auf 217,378 Seelen, mithin 30,000 mehr als im Jahr 1858. Die Gesammtbevölkeruug des noch zum Kirchenstaat gehörigen Gebiets beträgt nicht über 720,000 Seelen. Zu den 217,378 Seelen Cer ewigen Stadt gehören 29 Cardinäle, 28 Pa- triarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 1372 Prälaten und Priester, 799 Seminaristen, 2947 Mönche und 2191 Nonnen. Außerdem 2394 Juden unv 2208 Jüdinnen und 4?8 Häretiker und Schismatiker, welche die russische, preußische, englische und amerikanische Kapelle besuchen. Nach der von den 54 Pfarrgeistlichen aufgenoinlnencn Statistik genießen 14,057 Kinder männlichen und 11,860 weiblichen Geschlechts den Schulunterricht in seinen verschiedenartigen Abstufungen. Vermischtes. Giessen. lieber die europäische Ernte lauten die Berichte in der Mehrzahl sehr gut. Als gewiß erscheint es, daß Frankreich wenigstens seinen Bedarf ernten wird; von mancher Seite wird behauptet, daß dasselbe viel zur Ausfuhr erübrigen werde. Der Ertrag ist reichlicher im Westen und Norden als im Süden des Landes. In England erwartet man auf gutem Boden mehr als eine Durchschnittsernte, während in den sandigen und hochgelegenen Gegenden nur ein dürftiger Ertrag in Aussicht steht. Ungarn soll durchschnittlich wenigstens ebensoviel, wenn nicht mehr, als voriges Jahr ernten. Bedenkt man, daß dort vom Monat August v. I. bis Ende Mai d. I. 7Va Mill, baierische Scheffel Getreide (die großen Mehlquantitäten gar nicht gerechnet) ausgeführt waren, und die Borräthe trotz der seither fortgesetzten Ausfuhr noch immer bedeutend sind, so wird man sich, wenn es auch hie und da Lücken geben sollte, auf einen hohen Preisstand nach der Ernte keine Rechnung machen können. Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kram, Mähren, Schlesien, Böhmen, Dalmatien werden sehr gute Ernten haben; in Galizien, in der Bukowina wird dieselbe nur mittelmäßig sein. In Rußland find die Preise in Folge der guten Erntcaussichten bedeutend gefallen, obwohl andere Berichte sagen, daß im Süden die Dürre viel Schaden ungerichtet habe. In Algerien fieht man, nach den neuesten B erichten, einer guten Ernte entgegen, so daß man noch zu erpvrtiren haben wird. Auch aus Italien lauten die Nachrichten erfreulich. Getreide, Wein, Oel, Reis, Seide, Alles verspricht einen guten Ertrag. Aus Spanien wird dagegen sehr geklagt, auch aus Schweden in Folge von Regenmangel. Am verschiedensten und oft widersprechend laute» die Berichte aus Nord- und Süddeutschland. Das unglückliche Ostpreußen hat theilweise eine Mißernte, im Uebrigen scheinen aber die Winterfrüchte so ziemlich überall mehr oder weniger gut gerathen zu fein. Auch die'Kartoffeln stehen überall vielversprechend. Reps ist in de» meisten Ländern gut gerathen. Giesse». Ein Berliner Blatt erinnert bei Mittheilung der Nachricht von dem Tode Vilmar's an dessen bekannte Behauptung, daß ihm der Teufel persönlich einen Besuch abge- stattet habe und fügt hinzu, daß es nur recht und billig sei, daß jener ihm nun auch einen Gegenbesuch mache. - Darmstadt, 30. Juli. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 41 enthält: I. Gesetz, die Versorgung der als Invaliden entlassenen Unteroffizieren und Soldaten betreffend. II. Gesetz, 1) die PenflonSerhöhung für die im Kriege invalid gewordenen, sowie für die überhaupt durch den activen Militärdienst verstümmelten oder erblindeten Offiziere der Linie und Landwehr und die oberen, beziehungsweise im Offiziersrang stehenden Militärbeamten: —• 2) die Unterstützung der Witt- wen und Kinder der im Kriege gebliebenen Militärpersonen aller Rangklaffen betreffend. III. Oeffenlliche Anerkennung einer edlen That. Am 2. April d. I., des Morgens um 9 Uhr, fiel die sechszehnjährige Magdalena Brückner von Klein-Steinheim j» p,r Nähe dieses Ortes in den Main und war bereits dem Ertrinken nahe, als der Floßherr Georg Joseph Bauer von Kronach im Königreich Baiern, in das Wasser sprang, um fie vor dem Ertrinken zu retten. Allein die Stelle war so tief, daß er nicht nahe genug bcikvmmen konnte, ohne sich selbst der Gefahr des Ertrinkens auSzusctzen. An einem Vorbau im Main begaben sich nun die drei Floßknechte Mathias Bauer, Eonrad Bauer und Lorenz Langold aus Kronach in das Wasser, bilde, ten mit den Händen eine Kette, und so war es dem am äußer, sten Ende befindlichen Conrad Bauer, welcher den Haken handhabte, aber dabei selbst dem Ertrinken nahe war, möglich, das Mädchen an das Land zu bringen, woselbst sie allmählig da« Bewußsein wieder erlangte. Seine Königliche Hoheit der Großherzvg haben dem Can- rad Bauer aus Kronach für diese mulhvolle, mit eigener Lebensgefahr verbundene That das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: , Für Rettung von Menschenleben" und den Schiffsknechten Mathias Bauer und Lorenz Langold für die hierbei geleistete thätige Beihülfe eine Geldprämie Allergnädigst zu verleihen geruht. IV. Ermächtigung zur Annahme fremder Or, den. Seine Königliche Hoheit der Großherzvg haben allergnädigst geruht: am 17. Juli dem Gymnasiallehrer in Pension Dr. Eich zu Worms die Erlanbniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Könige von Preußen verliehenen Königlichen Kroiien-Ordens dritter Klaffe — und von Seiner Majestät dem Könige von Würtemberg verliehenen Ritterkreuzes des Friedrichs-Orden« zu ertheilen. V. NamenSveränderung. Seine Königliche Hoheit der Grvßherzog haben allergnädigst geruht: am 15. Juli dem Paul Grobe ans Odernheim zu gestatten, statt seines bisherigen Familiennamens Grode in Zukunft den Familiennamen Schnorrenberger zu führen. VI. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: 1) am 23. Juni dem Schulamts-Aspiranten Rötgcr aus Astheim die erste katholische Schulstelle zu Gau-Bickelheim zu übertragen; 2) am 1, Juli den Lehrer an der Realschule zu Gießen Dr. Stein zum Direetor an der genannten Anstalt zu ernennen; 3) an demselben Tage dem Schullehrer an der evangelischen Schule zu Dudenrod, Gundermann, die evangelische Schulstelle zu Ober-Schmitten — dem Schulamts-Aspiranten Winkler ans Hvrchheim die katholische Schuistelle zu Ober-Flörsheim — dem Schulamts - Aspiranten Grim ans Hesselbach die katholische Schulstelle zu Dorndiel — dem Schulamts - Aspiranten Hechler aus Asbach die zweite evangelische Schulstelle zu Nieder-Florstadt — und 4j am 10. Juli dem Schulamts- Aspiranten Bernhard aus Alzev die katholische Schulstelle zu Frei-Weinheim zu übertragen; 5) an demselben Tage den vormaligen Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Worms, Georg Emrich, zum Aetnar bei dem Friedenögerichte Worms — und den Polizei-Commiffär zweiter Klaffe bei der Polizei- Verwaltung der Kreisstadt Worms, Anton Franz Rehr, zum Actuar bei dem Friedensgerichte Alzey zu ernennen; 6) am 15. Juli dem Schulamts.Aspiranten Kurz aus Dieburg die zweite katholische Schulstelle zn Ober-Wöllstadt zu übertragen; 7) an demselben Tage den Veterinär«;! Du. Leonhard aus Bönstadt zum Kreisveterinärarzt des KreiSvetcrinäramtes Gießen zu ernennen; 8) am 18. Juli dem Schulamts-Aspiranten Kl ässe rt aus Darmstadt die zweite katholische Schulstelle zu Eppertshausen zu übertragen; 9) an demsetben Tage den Lber- RechnungS-Probatvr erster Klaffe, Neuling, znm Ober.Rech- nungS-Revisor bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Ober-Rechnungs-Kammer — und den Ober-Rechnungs-Probator zweiter Klaffe, Gölz, zum Ober-RechnungS-Probator erster Klaffe bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Ober- RechnunqS-Kammer zu ernennen. VII. Charakterertheilungen. Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog haben allergnädigst geruht: am 25. April dem Kaufmann Huber zu Darmstadt den Charakter al« Hoflieferant zu verleihen. VIII. Cvnenrrenz für: die erste katholische Schulstelle zn Rockenberg mit einem Gehalte von 544 st. 30 kr. und einer Vergütung von 30 st. 40 kr. für Heizung des SchullocalS; dem Pfarrer und dem Gemeinderath zu Rockenberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. IX. Gestorben find: am 25. April der penfiouirte Schullehrer Litt zu Zell; am 2. Juli der Militärpeufionär Mo yat zu Mainz. Wien, 30. Juli. Seit Mitternacht bis heute Mittag hat es ohne Unterbrechung stark geregnet, so daß der Festplatz und die Wege dahin übel zugerichtet wurden. Auf dem Schieß- staude trat heute eine längere Pause ein, dagegen fand eine Bera- thung des Gesammt-Ausschuffes des deutschen Schützenbundes statt. Unter Anderem wurde über die Wahl des nächsten Vorortes berathen. Der Stadtrath von Leipzig theilte gestern telegraphisch mit, daß die gesummte Bürgerschaft die höchste Freude empfinden werde, wenn die Wahl auf Leipzig falle. Das Fest-omite wird in den heutigen Blättern wieder sehr scharf mitgenommen wegen der heillosen Wirtbschaft in der Festhalle. Gestern schossen die Schweizer allein 26 Becher heraus; aber auch deutsche Schützen, namentlich Tyroler, Baiern, Würtemberger und Badener trugen Beste davon. Als König des Schützenfestes wurde gestern Abend Michael Feßler aus Bregenz (Vorarlberg) proklamier; er schoß mit 3 Schüssen 60 Punkte auf der Feld-Jndustriescheibe. Ihm wird also der erste Preis, das auf 1500 Dollar geschätzte Steinway'sche Clavier, die Festgabe der Newyvrker Schützengesellschaft, zuerkannt werden. Auf dem Schnellfeuerstande machte Brechbühl au« Thun in der Schweiz in drei Minuten mit 30 Schüssen 26 Treffer. — Nachmittags um 5y2 Uhr fuhr der Kaiser in Begleitung des Hofmarschalls Hohenlohe in den Festplatz ein, wo er vom Statthalter, Bürgermeister Zelinka, und dem Festcomite empfangen wurde. Das zahlreich versammelte Publicum brach in stürmisches Hochrufen aus. Der Kaiser ließ fich vom Präsidenten des Eentralcomitv's, Dr. Kopp, die Herren Schröder, Fabricins und Sterzing vorstellen, besichtigte alsdann den Gabentempel, die Festhalle, die Schießstände und die Küche, wo er überall mit begeisterten Hochrufen der Volksmenge begrüßt wurde. Der Kaiser that in der Schießhalle drei Schüsse und trank in der Festhalle unter jubelnden Zurufen der Anwesenden auf das Wohl der Schützen. Nach anderthalbstündigem Verweilen verließ der Kaiser den Festplatz. Redaetion, Druck und Verlag der Brühl'scheu Dnickerci (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.