Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 fr. Eießemr Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstag-, Donner- stags und Samstags. — Expedition: Canzleibera Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für dm Areis Kichm Nr. 16 Donnerstag den K. Februar 1868 Nähmaschinen 00 Carl Hardt. Holz 1251 Wellen IV, 15 23-/4 Unbekannte Pachtliebhaber haben sich über ehre Qualification im Termin zu legitimiren. Hattenrod, am 28. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. Petry. 661) Zwei möblirte Zimmer mit einem Cabinet sind, getrennt oder zusammen, in der neuen Anlage zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts- 683) Durch Wegzug der Wittwe Arnold t das von derselben bewohnte Logis ander- weit zu vermiethen und sogleich beziehbar. ______________ Theodor Vetzberger- Den Verkauf von eisernen Kisten. 679) Montag den 10. Februar 1868, Vormittags 9 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause zwei eiserne Geldkijten an den Meistbietenden versteigert werden. Gießen, den 31. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Dio Verthoilung der Zinsen aus der Lony'schen Stiftung. 677) Diejenigen, welche bei der Ver- theilung der Zinsen berücksichtigt werden wollen, haben sich binnen 14 Tagen auf unserem Bureau zu melden. Gießen, den 4. Februar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Vogt. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. Z a g d v e r p a ch t n n g. 662) Samstag den 15. Februar l. I., Nachmittags 1 Uhr, km k und Waldjagd in der Gemar- rung Hattenrod auf weitere 6 Jahre ander- weit verpachtet werden. Besondere Bekanntmachungen. 676) Paul Hahn von Annerod beabsichtigt, mehrere Grundstücke zu veräußern, an welchen seinen Kindern als Erben ihrer verstorbenen Mutter Miteigenthumsrecht zusteht. Zu diesen Kindern gehört auch Katharine Hahn, deren Aufenthaltsort nicht bekannt ist. Dieselbe oder deren Erben werden daher aufgefordert, sich sogewiß binnen sechs Wochen von heute an über ihre Zu- stlmmung zu em beabsichtigten Verkaufe zu erklären, als solche unterstellt und der Veräußerung die gerichtliche Bestätigung ertheilt werden wird. Gießen, den 29. Januar 1868. Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher, A. Bramm, Landrichter. Landger.-Assessor, 667) Sehr preiswnrdige Weine, Pr. Flasche zu 22, rkv, 36 kr. u. s. w., Uber die Straße, bei ____________ Gebr. Ebel. Feilgebotenes. Augenwasser von Apotheker Dr. Geist, sicheres Mittel zur Erhaltung, Stärkung und Herstellung der Sehkraft, k Flasche 1 st. 45 kr., Mittel gegen Gicht, k 9 kr., Crystallhellen flüssigen Leim, das Beste, um Porzellan, Glas, Marmor, Korku.s.w. dauerhaft zu leimen, k Flacon 18 kr., Konigs-Räucherpulver, k 9 und 18 fr., sy**<»6» pectorale balsami«xuefür Brustkranke und an Husten Leidende, k Flasche 45 kr., Unauslöschliche Zeichnentinte zum Zeichnen auf Leinen- Seide, Baumwolle u. s. w., k Flacon 27 kr., Anatherin - Mundwasser, das Beste und Feinste zur Erhaltung der Zähne, a Flasche 54 kr., Fluide imperiale, das vorzüglichste Mittel, die Haare in 20 Minuten natürlich braun oder schwarz zu färben, in Etuis a 1 st. 28 kr., Generalversammlung. 669) Auf nächsten Sonntag, den 9. Februar Nachmittags 4 Uhr, werden die Mitglieder der Leichenkasse-Gesellschaft zu einer Generalversammlung in das Gasthaus zum Rappen mit dem Wunsche eingeladen, sich recht zahlreich einzufinden. Tagesordn ung: 1) Abhör der Rechnung pro 1867, 2) Ergänzungswahl des Vorstandes, 3) Vorlage der Kostenbeträge über den neu zu erbauenden Leichenwagen. Gießen, am 3. Februar 1868. Für den Vorstand: Georg Schmitt. ! Ausverkauf! 659) Wegen Aufgabe des Geschäfts Vollständiger Ausverkauf sämmtlicher Waaren bei Gebrüder Heß, Kreuz. Steinernes Geschirr S?en Gattungen wieder vorräthig bei lb28) I. K. Tub, | Johanna Bogel, g i© wohnhaft am Afterweg, I 8 übernimmt jetzt schon Strohhüte zum 8> I© Waschen, Farben und Aendern. (689) Z 678) Montag den 10. Februar 1868, von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Schutzbezirk Fernewald, Districten Strangswiese und Bruderwinter, nachverzeichnetes ~ ' öffentlich versteigert werden, als: I-/4 Stecken Wiener Putzpulver, k Packet 4 und 7 kr-, Fernstes Eau de Cologne, sowie nervenstärkenden Blumcngcrst der frü- / Heren Klosterfrau Johanna Giovani Francini, (686) empfiehlt Carl Frech. Schuchelub. 695) Von jetzt ab Spielabende: Montag und Freitag im Lindenhof, zweiter Stock. Der Vorstand. V e r st e i g e r u n g e n. 674) Auf freiwilliges Ansuchen der Erben des Johannes Weil sollen Dienstag den 11. Februar, Nachmittags 2 Uhr, auf dahiesigem Rathhause dessenJmmobilien, bestehend in: Flur Nr- sHKlftr. Vbti 9 Hofraithe in der Weidengasse, 3g/»2s 231 362 Acker, Garten am Nahrungsberg, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. Januar 1868. Großherzoglichcs Ortsgcricht Gießen. Ebel. eigenen Fabrikats, ^Wlichster und dauerhaftester Construction, nach Grov er L Baker's und Wb eeler Wllsons Systemen empfiehlt der Unterzeichnete Gewerbtreibenden und Fanlilien- angehorigen zum Einkäufe auf's Angelegentlichste, und wird derselbe während drei "aäen von Samstag den 8. bis Montag den 10. Februar eine Anzahl Maschm n ver chstdener Sh; Äa’®* "b Preise: 25 ff. bis 120 fl. ■ Darmstadt, den 3.. Februar 1868. 50 Wellen „ 239 Nadel-Stämme mit 7178 Cubikfuß, 10 Eichen- „ „ 190 „ 112 Nadel-Stangen „ 444 „ Die Zusammenkunft ist auf dem Wege von Annerod nach Steinbach an der Strangs- wiese. Nadel-Scheidholz, „ Prügelholz, „ Stockholz, >1 Wellen „ Reisholz, 3-/2 Stecken Eichen-Prügelholz, ■* ‘ Stockholz, ReiSholz, 672) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen und am 1. März zu be- ziehen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 670) Im „Russischen Hof" sind mehrere möblirte Zimmer zu vermiethen. Vermieth ungen. 681) Ein freundliches Familienlogis mit allem Zugehör, Sommerseite, ist zu vermiethen und baldigst zu beziehen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 680) Ein freundliches, möblirtes Zimmer ist zu vermiethen Neustadt Lit. D. Nr. 27. Amerikanische Nähmaschinen für alle häuslichen und gewerblichen Zwecke versehen mit den neuesten und praktischsten ÄÄM Vorrichtungen, werden unter vollständiger Garantie und gegen erleichterte Zahlungsbedingungen empfohlen bei Alexander Mayer. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Juli 1868 gestattet. . £>ie Großherzoglichen Bürgermeistereien per umliegenden Orte werden ersucht, dies ™ ")ren Gemeinden bekannt machen zu Gießen, den 31. Januar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 987) Ein junger Bursche, der mit Pferden umzugehen versteht und in der Oeco- nomie bewandert ist, wird als Knecht zu miethen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. ® c^..690) Strohhüte zum Waschen, | c< Farben und Aendern werden rasch und 8 ® billigst besorgt bei I ® Julius Landauer. ® VKKAKTKAKKiKKKGNGKKKKKKTAW 6?3) Ich bin beauftragt, anzustellen: Tüchtige Agenten für die Lebens-, Feuer- und Haaelbranche und nehme hauptsächlich auf solche Bewerber aus dem Handels-, Lehrer-, Beamten- oder Landwirth - Stande Rücksicht, deren Bildung und Lebens-Stcl- lung ste zum unbefangenen Verkehr in ihrem Kreise befähigt. Bewerber wollen ihren Anerbietungen Re- ferenzen beifügen, wo man sich Auskunft erholen kann, und sind die Eingaben sofort an den Unterzeichneten zu richten. Die be- ahrgtsten Bewerber erhalten den Vorzug und können auf lohnende Beschäftigung zählen. ________Carl Gaule, in Darmstadt. 675^ Ballkränze P: nnstis zu den feinsten, in reicher Auswahl, bei Wilhelmine Fuhr. 666) 5 bis 6 Zugwagen von 5 bis 13 Gentner Tragkraft stehen zu verkaufen: auch können solche gegen Vergütung verliehen werden. Ferner ist daselbst eine noch Mein Zustand sich befindliche Chaise mit Glasverdeck billig abzugeben. _________G. Unverzagt. 664) EM-, Von heute an nehme ich Hute zum Waschen und Faqonniren an. Gießen, den 1. Februar 1868. S. Flörsheim. 684) Ein Garten oder ein Stück Grabland auf dem Hamm oder dem Sand wird zu leihen gesucht. Das Nähere ist bei der Exped. d. Bltts. zu erfahren. Verlaufen. “^62 694) Ein junger Hund, schwarz, mit braunen und weißen Abzeichen, hat sich verlaufen. Dem Wiederbringer eine Belohnung. Wo? sagt die Exped. d. Bltts. . 692) Einem geehrten Publikum mache ich hiermit die ergebenste Anzeige, daß ich mich dahier als Hebamme niedergelassen habe. Ich besitze genügende Zeugnisse über meine Befähigung in diesem Fache und hoffe, das Vertrauen, welches man mir schenken wird, in jeder Beziehung zu rechtfertigen. Emma Löwenthal, wohnhaft bei Joseph Beyfuß, Neustadt. 596) Ein Mädchen sucht Beschäftigung im Nähen (auf Wunsch auch mit der Nähmaschine) oder Bügeln. Näheres bei der Exped. d. BlttS- 622) In die Conditorei des Unterzeichneten wird ein Lehrling gesucht. Ed. Lind. 627) Ein ordeiitlicher junger Mensch findet dauernde und leichte Beschäftigung in meinem Atelier. Hans St ix. ...682) Zwei gute große Pferde, 7- und 9fahrig, und ein Victoria-Wagen stehen zu verkaufen im __________Prinzen Carl zu Gießen. 693) 100 Ctr. gutes Heu und Grum- ff-rr ’ zusammen ober in kleineren Quan- titaten, verkauft__A. Balser. .664) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei Wernhard Brück, __Flügelsgasse. 660) Im „Russischen Hof" sind La- gerraume zu vermiethen. 655) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei __Fr. Fürst, in der Neustadt. 656) Ein freundliches, möblirtes Zimmer mltsCabmet in einer Gartenwohnung ist iU vermiethen und sogleich zu beziehen. Nähe- res bei der Exped. d. Bltts. 658) Ein freundliches, möblirtes Zimmer ist am Canzleiberg Lit. B- Nr. 67 billig zu vermiethen. d Vermischte Anzeigen. 671) Ein junger Mann wünscht als Ein- . r^hsr zu dienen. Hierauf Reflectirende wollen sich bei der Expedition dieses Blat- i tes melden. 688) 696) Geldsorten. der § Borseunachrichten. 4. Februar 1868. 44V8-45i/8 571/2-581/2 49-51 50-52 54-56 37-39 291/2-301/, 54-58 50-52 27-28 G8L) Reifende nach Amerika befördert billigst Christian Wallenfels, Jmx. Im Darmstädter Haus. Donnerstag den 6. Februar 1868: Heute Abend von 7 — 8 Uhr: Zweiter Vortrag zum Besten der Ostpreußen. vr. Merkel: „Ueber die Todesstrafe." f m , Wegen plötzlicher Erkrankung wird Herr Dr. UIntann seinen Vortrag erst an der Geschwister Mucker und Erckrath. Anfang halb 8 Uhr. Freitag den 7. Februar: Jrn Lindenhof. Anfang halb 8 Uhr. Vetter und Base. Eine Familiengeschichte. Z Ftlialhandlungen vorläufig in: § Bern unv Stuttgart. «ö» Annahme von Inseraten für die: Allgemeinen Anzeigen K „Gartenlaube", Auflage 230,000 Exemplare. 4% badische Loose 99% jDucaten Badische fl. 35 Loose 513/gä20 Frankens:. 9 „Gewiß, Onkel! Aber was isl's denn mit Vetter Robert? Wie fanden Sie ihn? Sie sprachen mir noch gar nicht von ihm !" Robert? Ei nun, ein wackrer Junge!" sagte Der Commerzienrath. „Ich fand ihn sehr verändert und zu seinem Vortheil. Er ist gesetzt und ruhig geworden, und hat in seinem Wesen etwas so Bescheidenes und FreunDlicheS, daß er mich mehr an seine Mutter, als an meinen Bruder Lukas erinnert. Du magst ihm sagen, Pauline, daß ich ihn beim Gabelfrühstück begrüßen werde, weil ich erst den Neffen hier im Geschäfte einfuhren will. Und nun Gott-bc- fohlen, liebes Kind!" setzte er hinzu und griff nach Hut und Stock. „Adieu, Onkelchen!" m „Auf Wiedersehen, Büschen!" sagte der Buchhalter und gab Paulmen einen warmen Händedruck- Es war schon nahe an Mittag, als Herr Balder und Rudolph von der Fabrik zurückkehrten zum Dejeuner. Als sie die Höhe erstiegen hatten und sich dem Lanvhause näherten, sahen sie einen Reiter den Zaun entlang sprengen, und der Buchhalter runzelte die Stirne, als er in demselben den ^nn ernannte, welcher gestern Abend am Arme Jda's erschienen war. Der Bursche macht Adelheiden eine Fensterparade, dachte er, und fragte den Commerzienrath, als^Der Reiter grüßend vorüber-geritten war: „Wer ist der Herr da, Onkel, der Die so freundlich gegrüßt hat?" , „Ich weiß es nicht," war die Antwort; „ein Fremder, glaub' ich, ein Italiener, der hier in den Gasthöfen herumlungert und die jungen Fabrikantensohne lehrt, was sie noch nicht wissen. Ich kenne ihn nicht." _ „Und doch war er gestern auf Ihrem Balle, Onkel, und ließ Laschen jDa nicht aus den Augen und vom Arme." „Wirklich?" rief Der Commerzienrath erstaunt; „das möcht' ich mir jedoch bestens verbeten haben. Daß er in meine Salons kommt, das geht meine Frau an; aber um ihm Zutritt in der Familie zu geben, dazu bedarf er , denk ich, auch noch meiner Erlaubniß." „Wie heißt er denn?" „Er nennt sich, glaub' ich, Damiani und gilt für einen italienischen Flüchtling vom Stande," versetzte der Commerzienrath. „Damiani« Damiani?" wiederholte Rudolph nachdenklich; „der Name ist mir zwar fremd, aber dieses Gesicht muß ich schon irgendwo gesehen haben. Aber wo? Das fällt mir jetzt um alle Welt nicht ein." . Mittlerweile hatten beide Herren das Landhaus erreicht und das elegante Familienzimmer betreten, wo die ganze Familie und die Gaste ihrer harrten. Der Commerzienrath begnügte sich, die Frau v. Seewald und ihre beiden Tochter und die junge Gräfin Spaneck mit conventwneller Artigkeit zu begrüßen, und bemerkte mit einiger Befriedigung, daß sie schon wieder in Reisekleidern waren und von ihrer Heimkehr sprachen. Er widmete sich seinem vermeintlichen Holländer Neffen, den er auf das Herzlichsie begrüßte, und überließ es Ruvolfh, Preuss. 41/2% Obi. 95% Frankf. 31/2% Obi. 821/4 Nass. 41/2% Obi. 943/4 Kurh. 40/0 Obi. 893/4 Hess. 4O/o Ohl. b. Roths. — „ 31/2% do. do. 851/2 Bayer. 5% Obi. 1015/s „ 41/2% 1jährige 93% „ 4i/20/0 1,2jährige 94% Würtemb. 41/2% Öbl. 933/4 Baden 41/a°/o Obi. c. E.L. 933/4 Oestr. 50/0 b. R. 61% „ 50/0 National 54% „ 5% Metall. Obi. 46% „ M. steuerf. 49% Amer. 6% 1881rgBds. 77% „ 6% 1882r 76_______ Actien. Frankf. Bank 127% Oester. Bank 675 T Creditact. 187% Lärmst. Bankact. 224 (Fortsetzung.) „Nun, wie hast Du geschlafen, Rudolph ? Was hast Du geträumt ?" fragte er Ich" Oheim? Bah, ich schlafe so fest, daß ich selten träume, und doch träumte mir ausnahmsweise von Väschen Pauline, das arme Kind fei in Der falten Kammer schier ■ erfroren, wie Ihre Camellien und Azaleen draußen im Freien, und sehen Sie, Onkel, mein Traum hat nicht gelogen, denn das arme Kind ist ganz frostblau." , ,, Ach, Vetter! Ich habe gar nicht kalt!" rief Pauline errothend; „mir war in dem Sommerstübchen ganz wohl, denn ich bin gewöhnt, kalt zu schlafen. Bah, fühlen Sie nur her, Onkel, wie kalt diese fleißige rührige Hand sich anfühlt!" rief Der Neffe, froh mit dieser Gelegenheit die runde hübsche Hand Paulinens drücken zu können. „Sie müssen gleich Anstalten treffen, lieber Onkel, daß ich mein Quartier auf der Fabrik nehmen kann, und Paulinchen wieder ihr Stübchen bekommt, sonst ist das gute Kind ja ganz heimathlos." „Aber Vetter, welche gottlose Reden!" rief Pauline tadelnd; „ich hier heimathlos, bei meinem gütigen iheuren Oheim!" Und sie schlang den Arm um den Commerzienrath und hauchte ihm einen kindlich dankbaren Küß auf die Wange, den er gerührt erwiedertc, und Der Den Neffen unD Vetter einigermaßen neidisch machte. , , , „Sei nur zufrieden, Paulinchen !" sagte der Commerzienrath; „mir zu liebe magst Du Dich noch eine ober zwei Nächte in Dem Kämmerchen behelfen, bis Die weiblichen Gäste fort sind; dann bezieht Rudolph eines Der Gastzimmer, unD Du hast wieder Dein Dachstübchen für Dich allein." „Wie? ich soll nicht in der Fabrik wohnen?" rief der Neffe Buchhalter beinahe fröhlich überrascht. . „Mit reichten; Du sollst mir hier im Hause zur Hand sein zederzeit, wann ich Dich bedarf, Rudolph!" Aber Die Tante, bester Onkel! Wird sie Damit cinverstanDen sein? Wir» sie mir Den Aerger nicht nachtragen, Den ich ihr gestern Abend verursacht habe?" Ich werde meinen Willen durchsetzen, Rudolph; wem ich mein unbedingtes Vertrauen schenke, der verdient auch an meinem Tische zu sp-isen und mit mir unter Einem Dache zu wohnen! Und alle Bitten und aller Widerwille meiner Weibsleute sollen mich dießmal nicht von meinem Entschluß abbringen! Sie sollen und müssen Dich als Hausgenossen anerkennen." „Gott geb's," sagte Der Buchhalter lächelnd; „ich bin nicht immer eine Kratzbürste, sondern beiße nur, wenn man mir die Zähne weist!" „Ein echter Balder!" sagte der Commerzienrath. „UebngenS brauchst Du Dich um die Frauensleute gar nicht zu bekümmern. Geh' Du Deinen Weg, Rudolph, und laß ihnen den ihrigen." Pr. Cass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 Pistolen . . 9 „ doppelte 9 4°/q bayr. Präm. Anl. 100 |Holl. fl. 10 St. 9 5 Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 246 Ludwigsh.-Bexbach 157 y8 Maxbahn 1073/g Bayer. Ostbahn 1193/4 Hess. Ludwigsbahn 1305/s 3% östr. Stab.-Prior. 52^ 3% östr. s. Lombard. 42Ve 3% Livorneser 281/g Toscaner 41V4 Frankf. Hypotb.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 751/4 do. II. Emiss. 73 Anleliensloose* Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. 1431/4 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 421/2 Wechsel. Amsterd. k. S. 1001/4 Augsb. k. S. 100 Berlin k. S. 105 Bremen k. S. 975/g Cöln k. S. 105 Hamburg k. S. 88^/g Leipzig k. S. 105 London k. S. 119*7s Lyon k. S. — Paris k. S. 94?/g Wien k. S. 993/4 Disconto 30/tz G. Miensverficherungsbank f. D. in Gotha. 668) Die Geschäftsergebnisse dieser Anstalt im Jahre IM wat en sehr günstiger Ack Durch einen reichen Zugang an neuen Versicherungen (2379 Peri- mit 5,052700 Thlr-), welcher nächst dem Jahre 1865 größer war als m irgend einem anderen sichre, ist die Zahl der Versicherten auf _ 31000 Pers., die Versicherungssumme auf 56,400000 Thlr., der Bankfonds auf 14,600000 Thlr. $ f ' Bei einer JahreSeinnahme von 2,600000 Thlr- waren nur 1,140000 Thlr. für 650 gestorbene Versicherte zu vergüten, welcher Betrag wesentlich hinter der rechnungsmäßigen Erwartung zurücksteht und den Versicherten eine abermalige hohe Dividende in Aussicht stellt- In diesem und den nächsten Jahren werden über Zwei uuÄ eine Halde Million Thaler vorhandene reine Ueberschüsse an die Versicherten vertheilt, was für das Jahr 1868 eine Dividende von 36 Proz. und für 1869 eine solche von 39 Proz. ergibt. Versicherungen werden vermittelt durch: Hofger.-Advocat F. Krauskopf in Gießen, Gutspächter Dr. Groß in Lich, Oskar Ehrhardt in Marburg. 1858r Prioritätsloose 129 lEngl. Souver. 11 1860r Loose 71% Buss. Imper. 9 1864r „ 81 y3 iDolj. in Gold 2 britteVfStoteTä 30 fr. bei den Herren Ricker und Ferber, sowie an der Kasse- 691) Die Badische allgemeine Versorgungsanstalt in Karlsruhe, gegründet im Jahre 1835, Zlnseiigenuß ab des Geschäftskreises: 1) Lebensversicherungs-Verträge, 2) Versorgungs-Verträge: a. Leibrenten verschiedener Art, b. Altersversorgungen, c. Versicherung von Studien- und Lehrgeldern, d. Versicherung von Kapitalien, e. Aussteuer - Verträge, 3) Kinderversorgungs-Verein- , ........... Die Versorgungs-Anstalt hat einen Sicherheitsfonds von gegen 8 MflUoneu Gulden auf doppelte Hypotheken angelegt und bietet unter speeieller Staatsaufsicht ganz besondere Sicherheit und Vortheile. Der Gewinn der Anstalt kommt ausschließlich den Versicherten, welche sämmtlich zugleich Mitglieder derselben sind, zu gut. Den Abschluß von Verträgen vermitteln die Unterzeichneten, bet welchen auch specielle Auskunft, sowie Prospeete, Antragsformulare rc. zu haben sind. Jean Boeck in Gießen. v. Sack in Wetzlar. , Gerichts-Seeretär Schellenberg m Braunfels. ! 8- Anzeigen aller Art werden besorgt mit: Schnelligkeit — Ersparmß von Porto und Spesen, sowie eigener Mühwaltung — Gratisbelege — Rabatt bei größeren s 5 Aufträgen — DiScretion — Special-Contracte mit besonders gun- g § stigen Bedingungen bei Uebertragung des gestimmten Insrrtionswessens. Sachse & Co. m Leipzig, t i 5 Zeitung-Annoncen-Expedttion. ° La n-Wirth schriftliches. Zum landwirthschaftlichen Fortbil- dungs - Unterricht. Der Redaction geht folgende Mitheilung zu: Von der Weschnitz. Den 14. Januar. Ich beeile mich, Ihnen nachstehenden kurzen Artikel aus der letzten Rümmer des Lindenfelser Jntelligenzblattes mitzutheilen: „Die Bewohner Affolterbachs wurden durch eine höchst zeitgemäße Neujahrsgabe anf's Freudigste überrascht. Die Väter der Gemeinde haben nämlich beschlossen, allen OrtSeinwohncrn Gc- legenheit zu geben, sich ihre sauer erworbenen Schulkenntnisse zu erhalten und die zu ihrem Berufe un- bedingt nothwenvigen Kenntnisse sich anzueignen. Sie haben demgemäß Herrn Lehrer Sturmfels veranlaßt, gegen ein Honorar von 100 fl. und 2 Stecken Holz an jedem Sonntage des ganzen Jahres 2 Stun- den und während der Wintermonate December, Januar und Februar an drei Wochentagen je 2 Stunden geeigneten Unterricht zu ertheilen. Er haben sich bereits 30 Schüler, darunter 4 verheirathete Männer, gemeldet. Dieser Akt ist um so mehr ein ehrendes Zeugniß für die genannte Gemeinde, als sie, so viel wir wissen nicht sehr bemittelt ist. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß Vie Initiative hierzu der dortige Herr Bürgermeister Heidenreich ergriffen hat, der für den landwirthschaftlichen Fortschritt eine ungewöhnliche Thätigkeit entfaltet." (Zeitschrift f. landw. Vereine.) Das atmosphärische Butterfaß, I. Seifried in Tachenhausen berichtet über das Ergebniß der Versuche, welche er mit dem atmosph. Butterfaß auf Ersuchen der Königlich Württemb. Centralstelle f. die Landw. angestellt hatte, Folgen» des: „Von frischer Milch, die zuvor auf 18 Grad Reaumur erwärmt wurde, erhielt ich schon nach 10 Minuten Butter, und zwar von 12 Schoppen Milch 9 Loth süße schmackhafte Butter. Die ausgebutterte Milch wog noch 85 Grad und ist somit noch zu jedem Zweck verwendbar. Ferner erhielt ich von 7 Schoppen saurem Rahm innerhalb 6 Minuten 1 Pfund 14 Loth Butter, was um ein Namhaftes mehr ist, als von einem gleichen Quantum Rahm, mit dem gewöhnlichen Butterfaß ausgerührt, in der Regel angenommen wird. Nach diesem Ergebniß wäre somit die Einführung des atmosphärischen Butterfasses sehr zu empsehlen, um so mehr auch, als eine Arbeit, die sonst Stunden in Anspruch nimmt, in wenigen Minuten be- wältigt werden kann. Noch habe ich zu bemerken, daß die Handhabung des Stößels ziemlich viel Kraft- aufwand erfordert, und dürfte deßhalb für größere Wirthschaften ein Butterfaß mit Hebelbewegung, wobei der Fuß am Boden angeschraubt werden kann, noch mehr zu empfehlen sein." (Wvchenbl. f. Land- und Forstw.) Zur Schweinezucht. Herr Ph. Mai, Gutsbesitzer zu Schwammhof i. R., berichtet, daß es für ihn Interesse gehabt habe, zu ermitteln, ob wirklich durch einen Zusatz von sogenanntem Futterknochenmehl zum Futter junger Schweine ein Vortheil erreicht werde und daß er darum einen Wurf Ferkel, die er selber groß zog, in 2 Abheilungen fütterte, und zwar der Art, daß die Futterrationen in der Quantität und Qualität für alle gleich waren, doch erhielten fünf derselben unter das Abendfutter je einen schwachen Eßlöffel voll ausgefällten phosphorsauren Kalk. Schon nach 6 Wochen machte sich ein wesentlicher Unterschied bemerkbar, und zwar zu Gunsten der mit phosphorsaurem Kalk gefütterten Thiere. Derselbe steigerte sich der Art, daß nach Ablauf von fünf Monaten für ein Stück 3 Thaler mehr erlöst wurde, als für das Stück der anderen Abihelung, welcher kein phosphorsaurer Kalk verabreicht worden war. (Durch die Allg. land- und forstw. Ztg.) Temperatur in Gießen, Januar 1868 : niederste.......... — 13,1° R. mittlere..........— 1,14 „ Mittel früherer Jahre.....— 0,84 „ höchste..........+ 7,8 „ Niederschlag: an 16 Tagen. . . . 2,16 Par. Zoll. „ Mittel früherer Jahre: an 17 Tagen . . . 1,71 „ „ sich die Gunst der Dame vom Hause totem zu erwerben, welche er am vergangenen Abeno so muthwillig verscherzt hatte. Den Buchhalter kümmerten jedoch die finsteren Blicke nicht, die ihm die Tante zuwarf, geschweige denn ihr einsilbiges Wesen. Er entschuldigte sich nicht einmal wegen der Störung, die er gestern verursacht hatte, sondern beklagte sich noch über cie Barschheit und verletzende Gleichgültigkeit, womit ihm die Dienerschaft begegnet sei. Da aber mit der Tante kein Gespräch anzuknüpfen war und sie von ihm zu Frau v. Seewald flüchtete, so wandte er sich an Henriette, die etwas bleich unv verstört am Fenster stand und in den trüben Herbsttag hinausblickte. Das kräftige, frische, dicke Mädchen war bewegt, und sichtlich bemüht, diese Bewegung zu verbergen, obschon ihr dieß nicht glücken wollte. „Guten Tag, Cousine! Zürnen auch Sie mir wegen des gestrigen Auftritts?" fragte der Buchhalter, und ergriff ohne Umstände ihre widerstrebende Hand. „Keineswegs, Herr Rudolph," erwiederte sie ihm kalt. „Sie traten in eine Welt, die Ihnen fremd war, und Ihr linkisches Benehmen ist deßhalb verzeihlich. Wir wollten Ihnen eine Demütigung ersparen, indem wir Sie nicht sogleich in diese Cirkel einführten, für die man sich erst gebildet haben muß!" „Allerdings, Cousine," sagte der Buchhalter ironisch. „Sie und die Tante hätten Recht gehabt, wenn ich der Bauerntölpel wäre, für den Sie mich hielten, und als welchen ich mich gestern gab. Allein ich glaube, ein junger Mann, welcher in den ersten Handels- und Fabrikstävten Englands fünf Jahre schon gelebt und auch einiges von der großen Welt gesehen hat, der würve eventuell wohl ebenso viel Lebensart und Weltgewandtheit an den Tag legen können, als die Lieutenants ober Stutzer einer deutschen Provinzialstadt!" „Wir erfuhren dieß erst von Vetter Robert," entgegnete Henriette; „hätten wir dieß gewußt oder auch nur eine Ahnung davon gehabt, daß Sie ein Freund von Vetter Robert sind, so hätten wir . . . ." „Natürlich, so wäre mir schon um des reichen Vetters willen eine freundlichere Miene gezeigt worden!" sagte Der Buchhalter ironisch. „Aber sein Sie gerecht, mein Fräulein, und gestehen Sie, daß es nicht meine Schuld war, wenn Sie erst durch den Holländer Vetter erfuhren, daß der Wetterfeloer kein ungehobelter Bauer sei, sondern ein gebildeter Kaufmann. Gestehen Sie ferner, daß es wenig Sympathie von Ihrer Seite für die Verwandten väterlicherseits ver- räth, eine Erkundigung unterlassen zu haben, die mit wenigen Worten Sie über den neuen Ankömmling aufgeklärt hätte, und daß es zum mindesten nicht sehr logisch gedacht war, einen tölpischen Bauernburschen vom Dorfe für befähigt zu halten, den verantwortlichen Posten eines Buchhalters in Ihres Vaters Comptoir zu bekleiden." Henriette biß sich auf die Lippen und konnte trotz ihrer Weltgewandtheit ein leichtes Erröthen nicht verbergen. „Ich gebe zu, das wir Ihre Epigramme einigermaßen verdient haben, Herr Rudolph Balder," gab sie nach einigem Besinnen zur Antwort. „Ich ehre Sie um der Gerechtigkeit willen, die in diesem Geständnisse liegt," fiel er ihr in's Wort. „Aber da Sie so eben unwillkürlich auch zugestanden, daß der Auftritt von gestern Abend nur eine Komödie war," fuhr sie streng und stolz fort, „so haben Sie sich sowohl des Rechts begeben, uns Vorwürfe zu machen, als des Rechts, von uns Vertrauen und freundliches Entgegenkommen zu erwarten!" „Sie gehen zu weit, Cousine!" entgegnete der Buchhalter. „Verscherzt habe ich dadurch noch nichts, und ich denke, Sie sollten mich nicht ganz ungehört verdammen. — Sie sollten erst die Motive kennen lernen, welche mir jenen rnuthwilligen Einfall eingaben, so zu erscheinen, wie man sich mich vorstellte. Sie hätten um Vetter Roberts willen nicht einen solchen Kontrast in dem Empfang unser beider an den Tag legen sollen, da wir beide ja in gleichem Grade mit Ihnen verwandt sind. Was mußte Robert von Ihnen denken, wenn er erfuhr, baß tiefe Hulbigungen nur seinem Vermögen galten, nicht seinem verwanbt- schaftlichen Verhältniß ? Wie unangenehm mußte ihn, ben einfachen gemüthlichen Mann, bie Verwahrlosung berühren, bie man sich so geflissentlich gegen feinen Detter erlaubte, blos weil berselbe ber Sohn minber wohlhabenber Eltern ist? — Schon um Ihrer selbst willen hätten Sie unb bie Tante nicht in biefen Fehler verfallen bürfen!" Henriette erglühte unb wanbte ben Blick ab; ihre Augen, schon zuvor mit Thränen voll, hatten Mühe, diese zurückzuhalten. „Glauben Sie nicht, daß seine plötzliche Widerabreise in einem Zusammenhang mit dieser Enttäuschung steht, die Sie ihm bereiteten, Cousine? flüsterte er ihr zu. Sie^schrack zusammen, unb heftete ihre großen Augen thränenseucht auf ihn. „Wie?^Sie wissen schon? . . . Sprach er mit Ihnen barüber ?" »Ja, er äußerte gestern Abenb, baß er heute wieder abreifen müsse." „Unb sonst nichts? Bezeichnete er keinen Grund für diese Nothwendigkeit?" „Ach ja, mein Fräulein; Familienrücksichten — dringende Geschäfte wegen Wahrung seiner Interessen, — zumal angesichts dieser Handelskrise . . ." „O, Sie wissen noch mehr? Sie müssen mir alles sagen, Herr Rudolph!" „Bah, Cousine! ich habe ja ihr Vertrauen verscherzt!" . . . „Vetter!" flüsterte Henriette; „Sie sind grausam, unversöhnlich; vergeben Sie mir ! Ich sehe ein, wie gefährlich es ist, Sie zum Gegner zu haben." „Väschen, es ist stets gefährlich, einen Mann, zu beleidigen und zu kränken!" erwiederte der Buchhalter. „Jeder rechte Mann hält es für sein heiligstes Vorrecht , aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen, unb so Neigung wie Abneigung, Freunbschast wie Geringschätzung offen an ben Tag zu legen. „Vetter, ich verspreche Ihnen, biefen Rath zu befolgen! Aber ich beschwöre Sie, sagen sie mir offen, was Robert gesprochen hat!" flüsterte sie in tiefer Bewegung mit fltegenbem Äthern unb wogeitbem Busen. „Er sprach mit Ihnen über mich, über uns alle; — was sagte er ? Ich bitte Sie, antworten Sie mir offen, geben Sie mir Wahrheit!" „Der Vetter ist Ihnen herzlich gut; er bewundert Sie, er ist überrascht, Sie so herrlich entwickelt zu finden," erwiederte der Buchhalter. „Er hing mit einer gewissen Pietät und Innigkeit an Ihnen, als an einer Jugendneigung. Sie sind vielleicht seine erste Liebe. Unb bennoch ist er einigermaßen enttäuscht ." „Wie so ?'' fiel ihm Henriette in's Wort und ergriff unwillkürlich seine Hand. „Er fand Sie stolzer unb anspruchsvoller, als er von Ihrem Geist unb unb Verstand erwartet hatte — merken Sie sich, Henriette, bas finb seine eigenen Worte. — Er staunt über ben zügellosen fürstlichen Luxus in tiefem Hause, unb fragt sich, ob Ihnen bas Bewußtsein abhanben gekommen sei, baß Sie nur einen Kaufmann, einen Bürger zum Vater haben. Er ist nicht erbaut von tiefer kalten Vornehmheit, von tiefer leeren Ostentation, bie hier im Hause eingerissen sinb. Unb bieß bürfen Sie ihm nicht übel nehmen, Cousine! er ist ein Hvllän- ber, ist Kaufmann wie wir, ist ein Mann ber ben Werth bes Gelbes um so mehr schätzt, als er weiß, wie schwer es zu »erbienen ist unb welch ein Mittel es, wohlgehütet unb wohlbenützt, zur Wohlfahrt Aller werben kann! Unb aus ber rauschenben Musik heraus tönte ihm ber Nothschrei ber Armen, bie gestern in ber Fabrik broblos würben . . . ." »Das Frühstück ist angerichtet!" rief ber Lakai zur Thüre herein. „Ihren Arm, Fräulein!" flüsterte ber Buchhalter, und Henriette legte ihn in ben f einigen, bes erstaunten zornigen Blickes nicht achtenb, welchen bie Cvm- merzienräthin bem stechen Buchhalter, und des tadelnden, ben sie ihrer Tochter zuwarf._______________(Forts, folgt.) Literarisches. Das dritte und vierte Heft der so überaus billigen illustrirten Zeitschrift „Zu Hause" (Stuttgart, Verlag von Eduard Hallberger) bringen wieder reichen, umsichtig gewählten und tüchtig bearbeiteten Stoff, der in den weitesten Kreisen nützliche Belehrung verbreiten und in Verbindung mit schönen Illustrationen edle Unterhaltung gewähren wird. Zunächst lesen wir darin den Schluß der afrikanischen Skizze „König Zambiri" von dem vielgereisten trefstichen Erzähler G erst acker; unter dem Titel „Die Schreckensnacht von Glarus" bringt der schweizerische Schriftsteller A. Feierabend den Anfang einer geschichtlichen Erzählung, welche den erschütternden Brand von Glarus zu ihrem Gegenstände hat; „Erinnerungen aus dem amerikanischen Kriegsieben" von Richard Michaelis schildern in spannen-der Weise fmehrcre inrereffante Episoden aus dem großen Bürgerkrieg der letzten Jahre; die Fortsetzung deö größeren Romans „Ein vererbter Fluch" läßt in ergreifender Darstellung die dunklen Geschicke eines seltsamen Familienlebens an unserem Auge vorüber ziehen. Unter den vielen übrigen Artikeln dürften namentlich die „Weltausstellungsbilder" und „Papst Pius IX." ein hervorragendes zeitgeschichtliches Interesse haben, während die biographische Skizze von Or. Wilhelm Zimmermann: „Heinrich Theodor von Schön, der deutsche Staatsmann" unSmitten in jene bewegte Zeit versetzt, wo die FreiheitShoffnnngen des deutschen Volkes sich an den lieberalen Staatsaufbau Preußens anlehnten, und die Charakteristik Philipp Mclanchthon'S einen der hervorragendsten deutschen Reformatoren uns wieder in lebendige Erinnenmg bringt. Die natnrgeschichtlichen und ethnographischen Artikel, Sittenbilder und Schilderungen, die sich an passende Zeiten des Jahres und Ereignisse anknüpfen, werden in „Zu Hause" überall mit vielem Genuß und hoher Freude gelesen werden. Die Bilder, wie z. B. „Duncan Gray", „Die versunkene Krone" , „Ein Robbenkampf" und dasjenige aus Auerbach's „Joseph im Schnee", sind ebenso meisterhaft im Entwurf wie in der Ausführung. Außerdem fehlt es in diesenbeiden Hefte» an Stoff zu allerlei Kurzweil in Wort und Bild keineswegs. u , m'ji- T Politische Rundschau (Wett. SB.) back in Pflege. Redaction, Druck und Verlag der Bruch l'schen Druckerei (Fr. Chr- Pietsch) in Gießen. und faßte einen auf dem Vorderwagen stehenden Kasten, um zu hemmen. Unglücklicher Weise war er nicht befestigt, fiel vom Wagen herunter auf den Mann und mit diesem einen Rain hinunter. Der Hinterwagcn, in welchem sich die Frau mit zwei Kindern befand, löste sich los und stürzte nach. Der Mann blieb auf der Stelle tobt, die Frau und Kinder sind erheblich verletzt und befinden fich in Garn- Kaffel, 2. Febr. Dar von einer so gewaltigen Feuersbrunst heimgesuchte Trendelburg ist ein ehemals kurhessisches Städtchen, das auf einem Berge am linken Ufer der bei Karlshafen in die Weser mündenden Diemel, zwei Stunden südlich von Karls- Hafen und zwei Stunden nördlich von Hofgeismar liegt. Es gehört zum Amtsbezirk Karlshafen im Kreise Hofgeismar und zählt circa 140 Häuser und 950 Einwohner. Wie es bei den alten Sachsen Sitte war, befinden sich noch in den Wohnhäusern Trendelburgs, sowie der meisten anderen Orte in den Hess. Kreisen Hofgeismar und Wolfhagen, sowie in einem großen Theile Hannovers und Westphalens innerhalb der Wohnhäuser die Stallungen für das Vieh, die Scheunen, Holzschoppen rc., was beim Ausbruch eines großen Feuers die gefährlichsten Folgen hat. — Das Feuer, welches am 31. Januar Abends gegen 8 Uhr, wie es heißt, in einem Schafstallc eines Wohnhauses in der Nähe des Rentereigebäu- des ausbrach, griff in Folge des heftigen, allmählig in Sturm übergehenden Süd-West-Windes so rasch um sich, daß die benachbarten Häuser alsbald in Flammen standen, welche, vom Sturm gepeitscht und weithin fortgetrieben, rasch mehrere nordöstlich gelegene Straßen ergriffen. Die furchtbare Gluth und der qualmende Rauch zwang die Hausbewohner und zur Hülfe Herbeieilendcn, nur die zur Hand befindlichen und ihnen am werthvollsten erschei- nenden Gegenstände zu retten und dieselben meist in die Kirche oder auf den Kirchplaß zu fchaf- fen, wohin der Wind glücklicherweise die Flam- men nicht trieb. Es konnte daher auch nur wenig Vieh, unter diesen hauptsächlich Pferde, welche sich leichter aus den Ställen bringen lassen, gerettet werden; dagegen verbrannten viele Ochsen, Kühe, Kälber, Schweine und etwas Geflügel. Es fehlte nicht an Hülfsleistungen, indem die Löschmannschaften sämmtlicher Städte und Dörfer aus der Umgegend allmählig herbeieilten. So waren aus Karlshafen, Helmarshausen, Liebenau und Hofgeismar sämmtliche Spritzen mit Kufen und Geräthen, aus letzterer Stadt auch ein starkes Kommando des daselbst garnisoni- renden Husaren-Regiments Nr. 13 und aus Kassel die Turnerfeuerwchr allmählig bei der Brandstätte eingetroffen. Von der letzteren ward die erste Ab- theilung mit Spritze und Rettungsapparat am 1. Febr. Morgens 4% Uhr mittelst Extrazuges und die zweite Ahtheilung Nachmittags 31/» Uhr in einem Eisenbahnwagen nach Trendelburg befördert. Auch die letztere leistete noch Hülfe. Denn als die aus der Umgegend zur Hülfe herbeigeeilten Spritzen- und Rettungsmannschaften nach der angestrengtesten Hül- feleistung und besonders durch das Niederreißen meh- rerer dem Feuer am nächsten ausgesetzten Häuser das Feuer bewältigt zu haben glaubten, brachen Abends nach Sonnenuntergang die Flammen aus zusammen- gestürzten Trümmern von Häusern von Neuem hervor und schlugen hoch zum Himmel empor, so daß die erste Abtheilung der Kasseler Feuerwehr, welche inzwischen nach dem nahen Hümme abgezogen war, um alsdann von dem dasigen Bahnhofe nach Kassel zurückzukehren, wieder nach der Brandstätte zurückge- rufen werden mußte, wo sie Abends 8 Uhr wieder eintraf. Nach vorläufigen Nachrichten hat das Feuer mehr als 40 Wohnhäuser, mithin fast ein Drittel sämmt- licher meist mit Feldfrüchten, Stroh, Heu, Holz rc. angefüllten und Vieh beherbergenden Wohnhäuser eingeäschert. Die inmitten der Stadt befindliche Kirche, sowie Rathhaus, Pfarrhaus, Schulhaus und Rentcrei, welche drei Gebäude in der Nähe der Kirche liegen, sind vom Feuer verschont geblieben. Glücklicherweise ist auch kein Mensch umgekommen, was vorzüglich dem Umstande zuzuschreiben ist, daß die Menschen vom Feuerlärm nicht im Schlafe über- rascht wurden und wenigstens so viel Zeit hatten, das nackte Leben zu retten. — Leider hat aber das Brandunglück den ärmeren Theil der Bevölkerung am härtesten betroffen, da dessen Habe meist gar nicht versichert war. Es thut also Hülfe hier vor Allem Noth. Die Expedition dieses Blattes ist gern erbötig milde Gaben an zunehm en und an ihre Bestimmung zu befördern. Vermischtes. Aus Oberhessen bringt das „Fr. I." einen Artikel, welcher sich gegen den Fortbestand und die Reorganisation der höheren Gewerbeschule in Darmstadt in folgender Weise ausspricht: Im Interesse des Landes kann es unmöglich liegen, für einen solchen zweifelhaften Wiederbelebungsversuch bedeu- tende Summen aufzuwenden und sicherlich gehen die Interessen des ganzen Landes denen einer einzelnen, ohnedies überaus begünstigten Stadt voran. Ein dringendes Bedürsniß unseres Landes ist dagegen die Aufbesserung der bestehenden Realschulen und ihre Umwandlung in sechsklassige. Die neuen Verhältnisse erheischen dringend eine Verallgemeinerung der Bildung, und der einjährige Freiwilligendienst macht Anstalten nöthig, auf welchen die dazu erforderlichen Kenntnisse erworben werden können. Diejenigen, welche höhere technische Studien machen wollen, haben hierzu auf der Landesuniversität oder auf auswärtigen polytechnischen Anstalten hinlängliche Gelegenheit; für unser Land bedürfen wir namentlich die Herstellung guter Mittelschulen, welche die Grund- läge zu jeder höheren Ausbildung legen. In diesem Sinne haben sich bereits einige der größeren Local- gewerbvereine unserer Provinz erklärt und hoffen wir, daß unsere Abgeordneten die Vorlage der Regierung reiflich erwägen und eine so bedeutende Summe, wie die verlangte, nicht zur künstlichen Erhaltung einer lebensunfähigen Anstalt bewilligen, dagegen unserem bis jetzt sehr kärglich bedachten Realschulwesen gründl.ich aushelfen werden. (Unterstützt) Butzbach. Am vergangenen Mittwoch ereignete sich auf dem Wege zwischen Holzheim und Gambach ein betrübender Fall. Das Wägelchen eines wandernden Künstlers gerieth an einer abschüssigen Stelle in's Laufen, so daß das Pferd es nicht aufzuhalten vermochte. Der Mann sprang aus jenem heraus Darmstadt, 30. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 7 enthält: I. Gesetz, die Wahlen der Abgeordneten zum Zollparlament betreffend. II. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Finanzen, die Wahlen der Abge- ordneten zum Zollparlament betreffend. III. Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für 1868 betreffend. IV. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu ver- leihen geruht: 1) am 30. November 1867 dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Höchst an ver Nidder, Johann Adam Meininger das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für vieljährige treue Dienste"; 2) am 6. December 1867 dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Stockstadtj: Heinrich Schneider, das allgemeine Ehrenzeichen mit derselben Inschrift; 3) am 12. December 1867 dem Schullehrer an der ersten Knabenschule zu Griesheim, Heinrich Decher, in Anerkennung seiner fünfzigjährigen mit Eifer und Treue geleisteten Dienste das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für fünfzigjährige treue Dienste"; 4) am 25. December 1867 dem Bürgermeister der Kreisstadt Offenbach, Heinrich Dick, das Ritterkreuz erster Klaffe des Philipps-Ordens; 5) am 1. Januar dem Kammermusiker Philipp Harbordt, in Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treu geleisteten Dienste, die golvene Verdienstmedaille des LudewigS-Ordens; 6) an demselben Tage dem Hofgartenaufseher ver Hofgärtnerei Auerbach, Christoph Hehl, das allgemeine Ehrenzeichen mit rcr Inschrift: „Für Verdienste"; 7) am 3. Januar dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Abenheim, Thomas Boxheimer das allgemeine Ehrenzeichen mit derselben Inschrift; 8) am 16. Januar dem Förster und Forstwarten in der Oberförsterei Homberg, Georg Sutter, mit Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treuen Dienste, das silberne Kreuz des Philipps-Ordens. (Schluß folgt.) Darmfiadt, 2. Februar. Der Finanz-Aus- schuß zweiter Kammer ist auf den 4. einberufen. Die Regierungsvorlage betreffs der Eisenbahnbauten ist zur Stunde noch nicht eingelangt. Berlin. Die Fürsten von Hannover und Nassau sind für den Verlust ihrer Länder im vorigen Jahre mit 25 Millionen Thalern von Preußen entschädigt worden. Diese Gelder sind aus der Kriegsanleihe genommen worden, lieber die Anerkennung dieser Verträge — der König von Hannover hat nicht auf seinen Thron verzichtet — wurde im preußischen Landtag verhandelt. Gras Bismarck ging selbst in'S Feuer und drohte mit seinem Rücktritt, wenn die Verträge nicht anerkannt würder. Er sagte u. A.: In Nicolsburg verhandelte man nach dem Kriege darüber, den drei besiegten Fürsten Theile ihrer Staaten zu lassen; den Oestcrreichern hatte man 100 Millionen für ihren Antheil an Schles- wig - Holstein geboten und alle Welt hätte diesen Preis nicht zu hoch gefunden im Vergleiche zu den Kosten ver Erwerbung Schlesiens im 7jährigen Kriege, aber Oesterreich verlangte Land und Leute: die Grafschaft Glatz und einen Theil von Oberschlesien. Das hat man heute vergessen. Ich würde heute denselben Vertrag noch einmal schließen und 10 Millionen mehr bewilligen, wenn Europa mit den Erwerbungen Preußens zu versöhnen die Wirkung dieser Bewilligung ist. Will ras Haus diesen Vertrag verwerfen, so thue es dies offen; dann wird es die Minister constitutioneller finden als es glaubt; dann werden die Verträge aus der Welt geschafft sein und anvere Minister und Grundsätze werden herrschen, aber nach 6 Monaten will ich Nachfragen, ob ich nicht Recht hatte. Ich wiederhole, unser Entschluß, abzudanken, wenn Vie Verträge fallen, ist nicht Komödie. — Diese Erklärung entschied. Viele Abgeordnete erklärten, sie stimmten mit schwerem Herzen für die Verträge, die schließlich mit 254 gegen 113 Stimmen ange- nommen wurden. Schultze-Delitzsch, Waldeck, Löwe- Calbe, Lasker stimmten gegen die Verträge. Finanz- Minister Heyd tröstete die Herren, Preußen werde das Geld balv genug durch Hannover und dessen Domänen wieder gewinnen. Die betr. Fürsten bekommen nicht das Capital, sondern nur die Zinsen ausgezahlt. Dresden, 2. Februar. Die „Constttutionelle Zeitung" schreibt: „Sicherem Vernehmen nach wird in ven nächsten Tagen ein königliches Decret an die Stände gelangen, welches die Aushebung der Todesstrafe ausspricht. Gotha, 31. Jan. Der gemeinschaftliche Land- tag der Herzogthümer Coburg und Gotha, welcher in den nächsten Tagen zusammentritt, um finanzielle Formalitäten zu erledigen, die thatsächlich bereits erledigt sind und in den Sonderlandtagen nochmals erledigt werden, bildet ein frappantes Seitenstück zu den Delegationen des österreichischen Kaiserstaates. Hier und dort derselbe Dualismus, derselbe Antagonismus, derselbe schwerfällige Regierung« - Mecha- nismus. Dort jenseits und diesseits der Leitha, hier diesseits und jenseits des Thüringerwaldes. Es fehlt weiter nichts, um Vie Komödie vollständig zu machen, als daß die transsylvanischen Herren Coburger, wie die Ungarn in ihrer Art, mit speeifisch fränkischer Tracht und mit speeifisch fränkischem Dinierte eoquet- tiren. Armes Oesterreich, wenn deine Delegationen eben so wenig unter einen Hut zu bringen sind, wie die Dcputirten der Herzogthümer Coburg und Gotha! Dann wird auch das beste Ministerium, dessen man sich hier und dort erfreut, immer nur eine Sisyphus- Arbeit verrichten. (Fr. II Hamburg, 4. Febr. Wie der „Hamb. Corr." berichtet, ist in den zwischen Preußen und Hamburg gepflogenen Verhandlungen über die Begrenzung des Freihafens ein völliges Einverständniß über die neue Zollgrenze erzielt worden. Karlsruhe, 4. Febr. Der Ministerpräsident und der Staatsminister der Finanzen und des Handels, Herr Carl Mathy, ist nach mehrwöchentlicher Krankheit in der vergangenen Nacht mit Tod abgegangen. Baden, 31. Jan. Während die Gesetzgebung den Lehrern kein anderes Recht körperlicher Züchti- gung einräumt, als Schläge auf die Hände der Schüler mittelst einer Ruthe, kommt es nicht selten vor, daß andere weit stärkere Züchtigungen ange- wenvet werden. Damit stumpft man das wichtigste Erziehungsmittel ab, nämlich das Ehrgefühl der Kinver, und setzt sich der Gefahr aus, mit dem Strafgesetz in Collision zu geräthen, wie andererseits die Schulkinder leicht eine bedeutende Verletzung erleiden können, wenn die Lehrer, die heilsame Schranke des Gesetzes überschreitend, sich in der Aufregung zu Tätlichkeiten hinreißen lassen. In allen diesen Beziehungen lehrreich ist die heutige Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer. Hauptlehrer R. von O. hatte schon oft Dienststrafen wegen Mißhandlung von Schülern erhalten, ließ sich aber dadurch nicht abhalten, seine Schüler zu schlagen, was im betreffenden Falle zur Folge hatte, daß ein schwächliches Mädchen von zwölf Jahren einen Bruch des rechten Schlüsselbeins erlitt, wofür der Schuldige zu einer Strafe von sechs Wochen Amtsgesängniß verurtheilt wurde. (Karlsr. Zig.)