Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 kr. (Steuer IWM Erscheint wöchentlich dret- mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — EMedilion: Canzleibtrg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kichen. Rr. 78. Samstag dcn 4. Juli 1868. Bro-p reife: 4 Pfund gemischtes Brod 19 kr. 4 Pfund Roggenbrod 16 kr. Amtliche Bekanntm achungen. Die ViehPreisvertheilungen in 1868, insbesondere die Versteigerung des vom landw. Verein für Oberheffen angekauften Rindviehes und der Schweine englischer Race betr. Gelegentlich der diesjährigen Vieh-Preisvertheilungen zu Alsfeld und Butzbach wird das von dem landw. Verein von Oberhessen angekaufte Vieh englischer Racen zur öffentlichen meistbietenden Versteigerung an Landwirthe der Provinz gebracht werden. Zu Alsfeld werden ein Bulle der englischen Shorthornrace, sowie ca. 8—9 Stück Schweine verschiedenen Alters und Geschlechts der Suffolk- und Berkshire-Race, und zu Butzbach gleichfalls ein Sborthornbulle, sowie 14—16 Stück Schweine verschiedenen Alters und Geschlechts der Suffolk- und Berkshire-Race versteigert werden. Die näheren Bedingungen werden vor der Versteigerung bekannt gemacht- Laubach, am 6. Juni 1868. Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen. I- d. A-: Der Vicepräsident: Dr. Gros. Besondere Bekanntmachungen. Aufforderun g. 4694) Forderungen und Ansprüche an den unter der Rechtswohlthat des Inventars angetretenen Nachlaß des verstorbenen Bäckers Georg Balser von Gießen sind binnen drei Wochen gehörig dahier anzumelden, widrigenfalls dieselben bei der Regulirung der Verlassenschaft keine Berücksichtigung finden. Gießen, den 15. Juni 1868. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. _____________Muhl.___________ 4720) Forderungen jeder Art an Anton Bender II. von Langsdorf sind bis zum 22. Juli d. I-, Vormittags 10 Uhr, dahier anzumelden, weil dessen Ehefrau auf Sicherstellung ihrer nicht unbedeutenden in die Ehe beigewendcten, aber oerrungenen Vermögens angetragen hat. Hungen, den 22. Juni 1868. Großherzogliches Landgericht Hungen. I. A- d. L-: _________Pilger, Landgerichts-Assessor- Edictalladung. 4696) Nachdem über das Vermögen des Levi Kaufmann zu Ettingshausen der Concursprozeß erkannt worden ist, wird Liquidationstermin auf Montag den 3- August l. I-, Vormittags 9 Uhr, bestimmt, worin alle Forderungen und sonstigen Ansprüche an die Masse, bei Meidung des stillschweigend erfolgenden Ausschlusses, anzuzeigen und zu begründen sind. Zugleich soll in diesem Termin ein Gläubiger- Ausschuß und Massecurator gewählt werden, webhalb alle nicht persönlich Erscheinenden ihre Vollmachten hierauf sogewiß auSzudehuen haben, als sie sonst der Wahl der Mehrheit der Erschienenen bcistimmend werden angenommen werden- Lich, am 26- Mai 1868. Großherzogliches Landgericht Lich. _____________Sartorius.________ 4668) Wegen des an dem Vicinalweg nach TrciS vorzu- nehmenden Neubaues kann die ser Weg bis auf Weiteres mit Fuhrwerk nicht passirt werden. Ein Nothweg ist zwar über die Wiesen angelegt worden, jedoch kann derselbe mit schwererem Fuhrwerk nicht befahren werden. Mainzlar, am 27. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Mainzlar. Vogel. Absperrung der Steinberger Straße. 4657) Der Vicinalweg von Gießen nach Steinberg wird wegen bevorstehender Versteinung vom 3. Juli bis 15. September im Domanialwald vom Schindanger bis zur Einmündung des Steinberger Fußwegs abgesperrt. Für Fuhrleute, welche unterdessen die nicht abgesperrten Strecken benutzen wollen, ist ein besonderer Verbindungsweg eröffnet- Gießen, den 30. Juni 1868. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Dr. ® raubt. Versteigerungen. 4719) Dienstag den 21. Juli, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die Grundstücke, zum Nachlasse des Konrad Gerhard gehörig, als: 5/369 Wiese in der der Schäfer- lüKlstr. den Hadders- den Gleiberger Nr. 170 Acker, links am Krofdorfer "/ö-,7 82,9 «/87,5 42/126/6 127 271 Acker daselbst, 385 Acker über dem brnnnen, j Acker daselbst, 367 Acker daselbst, 107 155 Acker auf der Warth,, W59 U-19a,2 42/77,S 123/Scheppeck, 1241 294 Acker daselbst, gibt 421/* fr-, 100 Acker auf der Rothhohl, Acker und Wiese auf Weißerde, 228 Acker auf der Weißerde, 231 Acker in der Schwarzlach, (Acker in der Schwarzlach, 150 Acker über dem Rodt, auf die Rothgärten, VesU.es, 3 11-70 l7/146,l 146,3 146,7 148,3 148,7 168,6 2'V 103,3 25/114 25/156,3 26/lS2 152a 153b 29/22 W/127 40/128,3 128,6 4VsS,S öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, den 3. Juli 1868- Großherzogliches Ortsgericht Gießen- Ebel. \ 954 i Acker in der Lichtenau, an A- der Steinkaute gegen die d )W, - ■ Weg, 5/185,6 289 Acker, auf den Krofdorfer Weg, 193 Acker, auf graben, 326.Acker, auf 2701 Weg, 3 j 197 153' Acker und Versteigerung von Chauffeear- beiten. 4666) Montag den 6. Juli, Morgens 10'/2 Uhr, sollen im Gasthaus zur Krone zu Lollar die Handarbeiten zur Unterhaltung der Staatsstraße von Gießen bis Lollar in 3 Loosen, und Mittwoch den 8. Juli, Morgens 10 Uhr, im Gasthaus zum Engel in Lich die Handarbeiten der Staatsstraße vom Hes- smbrücken-Hammer nach Butzbach, und zwar von Abtheilungsnummer 206 bis Lich, wenigstnehmend versteigert werden. Die resp. Großherzoglichen Bürgermeister werden ersucht, diese Versteigerungen int Interesse ihrer Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 30. Juni 1868. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. Holzapfel- Maurerarbeit, veranschl. Steinlieferung, Steinfahren, Chaussirarbeit, Handarbeit, Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. zu 89 fl. 33 kr. „ 3 „ 54 „ „ 10 „ 48 „ „ 16 „ 48 „ 3 f ___ Arbeitsversteigerung bei der Stadt Gießen. 4660) Montag den 6. Juli 1868, des Vormittags 9 Uhr, sollen auf dem Rathhause zu Gießen folgende Arbeiten an den Wenigstfordernden vergeben werden, als: Der Voranschlag über diese Arbeiten liegt auf dem Rathhaufe zur Einsicht offen. Gießen, den 29. Juni 1868. 4683) Dienstag den 14. Juli, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhause die Hofraithe des Georg Braun, als: Flur Nr. Dftlftr. */iosU-io8a 52 Hofraithe auf dem Reichen- ViosU-log» 91 Grabgarten daselbst, gibt 26 kr- abgel. Grundrente, nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 24. Juni 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. Pferde - Versteigerung. 4697) Donnerstag den 9- Juli 1868, Vormittags 10 Uhr, werden in der Gendarinerie-Caserne dahier zwei ausrangirte Dienstpferde gegen baare Zahlung öffentlich versteigert- Gießen, den 2- Juli 1868- Großherzogliches Gendarmerie - Divisions- Commando Oberheffen. Supp, Rittmeister. 4701) Bei dem unterzeichneten Postamte sollen am 13. Juli, Vormittags 11 Uhr, drei Reposituren, jedes mit verschiedenen Gefachen, neun Rahmen, zur Illumination bestimmt, eine eiserne Kiste, eine Schlittenkufe, der Kasten eines 9sitzigen Omnibus und der Kasten eines 6sitzigen Wagens und andere Gegenstände, unter den bei der Versteigerung bekannt zu machenden Bedingungen, öffentlich versteigert werden. Gießen, den 2. Juli 1868. Postamt. In Vertretung: ____________________________L 0 chmann. Holzversteigerung im (Siebener Stadtwalde. 4658) Montag den 6. Juli d. I., von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Heingesboden und Neuhege (abgeholzte Schießbahn) nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als: 4 Stecken Nadel-Scheidholz, 243 „ „ Prügelholz, darunter befinden sich Heckenpfähle, 214'/- Stecken Nadel-Stockholz, 10273 Wellen „ Reisholz, 1068 Nadel-Stämme mit 9467 Cubikfuß, 1701 „ Stangen „ 6252 . „ worunter sich Hopfenstangen befinden. Die Zusammenkunft ist auf der Chaussee nach Grünberg an der 1- Schneiße. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. November d. I. gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 30. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. 4693) Dienstag den 7. Juli, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahicsigem Rathhause die Grundstücke, zum Nachlasse des Ludwig Becker gehörig , als: Klar Nr. □JWte. M/245 210 Acker am untersten Weiher, gibt 16 V4 fr-, 23/24Sz3 173 Acker daselbst, gibt 11'A fr., 23/i73 208 Wiese am obersten Weiher, gibt 4 2 fr-, 24/?6 160 Acker, auf den Barresgraben, gibt 5', z kr., «Zm 368 Acker am Hasenköppel, im halben Zehnten, gibt 37 kr., 26/i4o 64 Äcker auf der Weißerd, gibt 153/4 fr-, 3%07 183 Äcker in der Oberau, am Verdries'schen Weiher, S0/io9 417 Acker daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 22. Juni 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. _________________Ebel.____________ 4711) Montag den 6. Juli, Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Wohnung des Schneidermeisters Brück in der Flügelsgasse die zu dessen Nachlaß gehörenden Mobilien, bestehend in Bettwerk, Weißzeug, Kleidern, Haus- und Küchengeräthschasten, gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Gießen, den 3. Juli 1868. In Auftrag: W e i d i g, Ortsgerichtsmann. Die Vergebung von Arbeiten bei der Stadt Gießen. 4659) Montag den 6. Juli 1868, des Morgens 9 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhaufe folgende Arbeiten an den Wenigstfordernden vergeben werden, als: jJiaurerarbeit, veranschl. zu 226 fl. 6 kr. Schreinerarbeit, „ „ 175 „ 47 „ Glaserarbeit, „ „ 94 „ 24 „ Schlofserarbeit, „ „ 69 „ 8 „ Wcißbinderarbeit, „ „ 100 „ 30 „ Dachdeckerarbeit, „ „ 33 „ 36 „ Die Kostenüberschläge über diese Arbeiten sind auf unserer Geschäftsstube offen gelegt. Gießen, den 30. Juni 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________ Vogt._____________ 4678) Donnerstag den 16. Juli l. I., Vormittags 10 Uhr, soll dahier die Lieferung von 25 Stück wollenen Betttepptchen, 280 Gentner Rührer Steinkohlen, Fettschrot, I. Qualität, durch Soumission vergeben werden. Muster und Lieferungsbedingungen liegen auf unserem Bureau ztzr Einsicht offen- Marienschloß, den 26. Juni 1868. Großherzogliche Landeszuchthaus-Direction. ____________Knispel.____________ Arbeitsverweigerung. 4699) Montag den 6. Juli, Vormittags 10 Uhr, .sollen in dem Bürgermeisterei-Bureau nach- Wagnerarbeit, veranschl. zu l Schmiedarbeit, Dachdeckerarbcit, Pflasterarbeit, 10 34 22 soll theilungshalber verkauft werden- Auskunft hierüber giebt Müller Seibe in der Funkemühle bei Wildungcn. L Herbftrübensamen, lange weiße und halblange weiße, in bester Qualität, empfiehlt die Samenhandlung von Carl Deines, am Markt, neben dem Rathhaus. 54 30 Feilgebotenes. 4726) Zu der am 14. Juli d. I- gelegentlich des landwirthschaftlichen Festes in Alsfeld stattfindenden Ausspielung von Vieh und landw. Gerüthen sind Loose, » 18 fr-, zu haben bei Rathsdicner V e h ü e r g e r, „ Moll- Zn verkaufen. 4728) Ein altes Clavier für 25 ff. — Näheres bei der Exped. d. Bltts. Steinlieferung, Steinklopfen nnd Handarbeiten an den Ortsstraßen und Wegen, veranschl. zu 132 „ — „ Daubringen, am 1- Juli 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Daubringcu I. A-: L- Hahn, Bezirksbauaufseher. Lehmsteine. 2721) Montag den 6. Juli, Nachmittags 3 Uhr, werden in dem Zeughaus dahier 2 Wände, aus ca- 15,000 Lehmsteinen bestehend, auf den Abbruch öffentlich versteigert. ! Gmpfehlmrg! 4691) Indem ich noch verschiedene Eisin- roaaren, als: Werkzeuge,Beschläge, Schlösser, Ketten, Waagenschrauben, Psnuukuchenpfan- nen re. mit hierher gebracht habe, so gebe ich solche unter beut Einkaufspreise ab. Markus Engels in den Neuenbauen Lit. B- Nr. 73. 4714) Umzugshalber steht ein feuerfester Geldschrank zn 70 fl. und eine Dräsine für Kinder zu 7 fl. zu verkaufen- Adresse bei der Expcd. d. Bltts-_____________________ 4672) Frische Sendung feiner Matjes- Häringe bei Fr- Bieler, am Kreuz. 4673) Neue Häringe bei Karl Hoffmann. 4670) Eine Chaise und ein Wagen sind zu verkaufen bei H. M. Jughard, _____________Mcirktstratze Lit. D- Nr. 219. 4665) JohanntStranbenund Stachelbeeren, xr. Schoppen 2 fr., bei C. Rahn. Blech- Cinmach-Büchsen neue-. ster Construction, mit doppeltem hermetischem Verschluß, empfiehlt in verschiedenen Großen (4679) Wilh. Orbig, Stenenbäuen 85. 4698) Familienverhältnisse halber bin ich Willens, mein in der Mühlgasse stehendes Haus zu verkaufen. Dasselbe enthält acht vollständige Familienwohnungen, Keller, Schweinstall, Miststätte, Hofraum und eine separate Waschküche; ferner einen Brunnen nebst Pumpe, mit sehr gutem Wasser ver- ehen, sowie eine Mansardenstube, welche an einen einzelnen Herrn vermiethet werden kann.___________Philipp Schmall- Mühlenverkauf. 4682) Die in nächster Nähe der Kreis« stadt und des Badeorts Wildungen gelegene sog. Neumühle, enthaltend: 1) zwei Mahlgänge mit französischen Steinen, alles ganz von Eisen nach neuester Construction gebaut, 2) eine Reinigungsmaschine, desgl-, 3) eine Malzschrotmühle, desgl., 4) eine Sägemühle, alles von Eisen, Gattervorrichtung zu mehreren Sägen, Wagenlänge 30', alles ganz Neu, 5) eine Oelmühle mit Stampfer. Das Ganze hat eine gute und frostfreie Wasserkraft in zwei Gefällen. Ferner eine Oeeonomie von 25 Magdeburger Morgen, wovon 6 Morgen Aecker, 6 Morgen Wiesen, IVz Morgen Obst- und Gemüsegarten, in unmittelbarer Nähe der Mühle gelegen, 4686) Creuznachcr nnd Nauheimer Mutterlauge empfiehlt Julius Wallach. 4690) Eichene Pfosten, Fichten- und Tannen-Stangen zu Spalieren, Obstbaumstützen, sowie tannenes und eichenes Bauholz, zu billigen Preisen bei H. I. Köhler, Neustadt. 4664) Alle Sorten Johan,tistrauben, das Pfund zu 3 fr., sind zu verfaufen. Wo ? sagt die Exped. d. Bltts. | Lilionese, ?lf entfernt in 14 Tagen v alle Hautunreinig- feiten, Sommcrspros- = sen, Leberflecken, Pockenflecken, Finnen j Flechten,A gelbe Haut, Röthe der Nase unb » 5" 9 scrophulöse Schärfe. Garantirt, 'S«?" k 1 ff. 30 fr. it. 48 fr. Allein ächt? " bei Cari Frech in Gießen. folgende Arbeiten öffentlich wenigstnehmend in Accord gegeben werden, als: ~ 8,fl.- fr. 4718) Zwei möblirte Zimmer mit Ca- binet sind zu vermiethen und sofort beziehbar Neuenweg Lit. B. Nr. 195. 4675) -Ein Logis, bestehend aus 4 Stuben, 2 Kammern, Küche, Keller und Holz- tall, nebst Mitgebrauch der Waschfüche, ist zu vermiethen und nm 1. September d. I. zu beziehen bei Balth. Lenz, (Restauration zur Erholung.) 4705) Das seither von Frau Domänenrath Melchior bewohnte Logis ist durch deren Wegzug von hier anderweit zn vermiethen. Louis Noll, Pulvermühle. 4702) Zwei Familienlogis sind zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 4710) In H. Becker's neuem Hause auf der neuen Anlage sind noch Logis zu vermiethen von je 8 Zimmern und den nöthi- gen Räumen, sodann wird auf 2 Mansar- )en-Wohnungen aufmerksam gemacht von je 5 Zimmern, Küche nebst Mitgebrauch der Waschküche und des Bleichplatzes, das Ganze beziehbar den 1. Octobcr. Auf Verlangen kann auch Stallung dazu abgegeben werden. 4716) Der obere Stock in meinem Hause, von Herrn Prof. Köllner bewohn:, ist vom 1. October d. I. an anderweit zn vermiethen._____Kempfs. 46(49) Ein schön möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen. Auch kann ein Pferdestall dazu abgegeben werden. Näheres bei der Erped. d. Bltts.___________ 4700) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei C. W. Dietz, '__'__am Markt. 4667) Ein Zimmer mit Cabinet und ein einzelnes Zimmer, beide möblirt, sind für nächstes Semester zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 4692) Ich beabsichtige: 1) die Postlocalitäten in meinen: Hause von: 1. November 1868 ab ander- weit zu vermiethen, und 2) meine an der früheren Synagoge stehende Scheuer zu verkaufen. Pacht-, beziehungsweise Kaufliehaber wollen sich gefälligst mit mir benehmen. Chr. Müller Wittwe, im Einhorn- 4684) Ein vollständiges Familienlogis, bestehend aus 4 Zimmern nebst Zugehör, ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen. A- K. Worms, Seltersweg. 4723) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei August Dickorö. Vermischte Anzeigen. 4706) Bei der heute nach Maßgabe der Statuten des Gesellschafts-Vereins vorge- nommencn Ausloosung wurden die Schuld- icheine Nr. 20, 241 und 323 zur Rückzahlung bestimmt, was mit dem Anfügen bekannt gemacht wird, daß vom 1. Juli l. I. an die Verzinsung aufhört. Gießen, den 2. Juli 1868, Der Gesellschafts-Vorstand. 4717) Ein braves Mädchen, im Kochen und allen Hausarbeiten unterrichtet, bereits schon lange Jahre in einem Dienst, sucht, durch plötzliche Auflösung der Haushaltung genöthigt, eine anderweitige Stelle. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 4708) Ein kleines goldenes Kettchen mit Kreuz ist verloren worden. Der Finder wird gebeten, es gegen eine Belohnung ju Lit. B. Nr. 107 abzugeben. 4709) Das Anfahren von 4 Cubikklaf- tern Basaltsteine und 6 Cubikklaftern Sandsteine wird in Accord gegeben. Auch fön? neu noch tüchtige Maurergesellen gegen einen Lohn von 1 fl. bis 1 fl. 30 fr. dauernde Beschäftigung erhallen. Chr. Petri, __Maurermeister. 4713) Ein Herren-Shawl ist gefunden worden. Zu erfragen bei der Exped. d. M- Commis - Gesuch. 4671) In ein hiesiges Geschäft wird ein Commis gesucht. Offerten sind schriftlich bei der Exped. d. Bltts. unter Nr. 4601 abzugeben. ______________ 4677) Altes Zeitungspapier tauft I. Rothenberger, _________________________ Lindenplatz._______ 4712) Sonntag den 5. Juli: TmtZvevMÜgeir in Krofdorf, Musik durch die Capelle des Wetzlarer 8. Jäger-Bataillons, wozu ergebens! einladet Kah letzt. s Gewklbebank zu Gießen. General-Versammlung Montag den 6. d. M., Abends 8 Uhr, im Leib sichen kleinen Saale. Tagesordnung: 1) Eröffnung der Stimmzettel zur Abänderung der Statuten. 2) Berichterstattung über den diesjährigen Vereinstag. Gießen, am 1. Jnli 1868. Der Vorstand. | Die ersten Neuheiten in: Blousen, Hauben, Gürteln, Röcken, Piquehiitchen, Brachen, Hosen, Schürzchen, Kämmen, Kragen u. Stulpen, Corsetten u. Crinolmen- IetKetten, Sommer- und Glace Handschuhen empfehle ich stets zu den billigsten Preisen. Wilhelmine Fuhr. Feinen holländischen Tabak der Firma Henricus Oldenkott H. Zoon § Co. te Amsterdam empfiehlt Half-Canaster a 24 kr. I. Zoort ä 28 „ II. „ ä 36 „ 301. 24 T., gestorben am 13. Juni. Den 16. Juni. Dem Lademeister bei der Cöln - Gießener Eisenbahn, Wilhelm Cremer, eine Tochter, Katharine Adriane, alt 1 I. 6 M-, gestorben den 14. Juni. Den 23. Juni. Dorothea Boretti, ledig, aus Friedberg, alt 36 I-, gestorben dm 22. Juni. Den 3. Juli. Dem Lademeister bei der Cöln-Gießener Eisenbahn, Wilhelm Cremer, eine Tochter, alt 3 I- 2 M- 12 T-, gestorben den 2. Juli. w Z i n s Ä e r’sclier Garten, i S a m st a g den 4. und Sonntag den 5. Juli: oder: die Grystallgmtte der Majaden, eonftruirt und urraugirt vom Unterzeichneten. Zum Schluß: Kischsiacker zu Ließen. Sonntag den 5. Juli- Carl Löber am Lindenplatz. Friedrich Zülch auf dem Seltersweg. Georg, Balser Wittwe in der Neustadt. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Hemeinbe zu Hießen. Gottesdienst. Am 5. Juli. Morgens: Pfarrer Landmann. (Feier des heil- Abendmahls.) Nachmittags: Mitprediger-Viear Drescher. 4703) Ein tüchtiger Wagnergeselle findet dauernde Beschäftigung bei Wilhelm Velten, , Wagnermeister in Großen-Linden. Gemüthlichkeit. 4725) Sonntag den 5. Juli: Ausflug nach Braunfels. 4704) Sonntag den 5. Juli: Kriegerfest bet Gastwirth Wagner (zur Krone) in Krofdorf, wozu ergebenst einladet das Comitü. Politische 9k rr rr - s ch a u. Darmstadt, 1. Juli. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer wurden die Beschlußfassungen des Abgeordnetenhauses, die Erhöhungen der Gagen für 1868 abzulehnen und der Verwahrung gegen die Einführung der preußischen Militärgesetze ohne stän- bische Genehmigung bcizutreten, angenommen. — Die mit Preußen abgeschlossenen Eisenbahnverträge wurden nach längerer Diskussion, in welcher nur von Dumont die Ablehnung derselben befürwortet wird, von der zweiten Kammer mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Berlin, 28. Juni. Wie verlautet, ist es die Absicht der Staatsregierung, die Vorarbeiten für die nächste Landtagssession derart zu beschleunigen,« daß der Landtag zeitig im Herbst zusammentreten könne. Die Eröffnungssession dürfte bereit- im Monat October erfolgen. Gleich nach der Constituirung des Abgeordnetenhauses soll demselben der Staatshaushalt für bas Jahr 1869 vorgelegt werben. In een einzelnen Ministerien sind die Etatsaufstellungen schon im Gange. Die Regierung hält es für sehr wich, tig, daß die Feststellung des Budgets noch vor Neujahr bewirkt werde. Dabei besteht die Meinung, daß der Landtag vielleicht im Stande sein werbe, seine Arbeiten überhaupt bis Weihnachten zu erledigen. Bald nach dem Lanbtagsschluß findet die re- gelmäßige Session des norddeutschen Reichstages statt. Auch das Zollparlament dürste im nächsten Frühjahr wieder einberufen werden. Berlin, 30. Juni. Die vierteljährigen Staatseinnahmen betrugen 18,284,000 Thalcr. Bei der Einkommensteuer zeigte sich eine Zunahme von einer Million, während bei den Zöllen, der Accise, dem Stempel und Postwesen eine Abnahme von einer halben Million Thaler gegen 1867 stattgefunden hat. Berlin, 30. Juni. Wir haben bei einer anderen Gelegenheit, darauf hingewiesen, daß die Absicht vorliege, für die gesammte deutsche Handels-Marine das internationale See-Signal-System einzuführen. Jedes Schiff führt bekanntlich ein Signal, wodurch es sich in seiner Individualität zu erkennen gibt. Die Modalitäten nun, unter denen die Einführung erfolgen soll, sind im Marine-Ausschuß des Bundes- rathes berathen und das Resultat derselben vom Bundesrathe acceptirt worden. Es soll danach eine besondere Schiffsliste aufgestellt werden, worin jedes Handelsschiff einzutragen und die mit dem Präsenzstande der Marine in fortwährender Uebcreinstimmung zu halten ist. Jedes Signal besteht aus 4 Buchstaben und sollen die Signale in 9 Gruppen getheiit werden. 4 Gruppen kommen davon auf Preußen, die 5. Gruppe kommt auf Mecklenburg, die 6. auf Oldenburg, die 7. auf Lübeck, die 8. auf Bremen und die 9. auf Hamburg. Die in diesen Bezirken heimathsgehörigen Fahrzeuge erhalten besondere Signale, tue sich dadurch auszeichnen, daß in jeder Gruppe andere Buchstaben voranstehen. Berlin, 1. Juli. Die „Prooinzial-Correspon- denz" meldet: Der König wird nächste Woche nach Ems und die Königin nach Eoblenz r.isen.— Die Kron. Prinzessin wird sich nut ihren Kindern nach Reinhards, brunn begeben, woyin ter Kronprinz folgen wird. — Nach der heutigen Abentnummer der „Zukunft" wurden die wegen Hochvcrraths vrrurtheilten Hannoveraner durch EabinetSordre begnadigt und werden heute ihrer Haft entlassen. München, 29. Juni. Der Vertrag zwischen Balern und Nordamerika ist dahin ratificirt, raß in einem der beiden Staaten Naiuralisirte, die sich im früheren Vaterlande wieder ansiedeln, das neueiwor- bene LtaatSdürgerrecht behalten sollen, wenn fie nicht ausdrücklich darauf Verzicht le sten. 3Vien, 2. Juli. Der Wiener Gemeinderath hat fast einstimmig folgende Dringlichkeitsanträge angenommen : Der Gemeinderath protestlrt feierlichst ge. gen die verletzenden Aeußerungen der päpstlichen Al- Iveutivn; Die Regierung besitze das vollste Vertrauen des Gemeinderaths und die päpstliche Allocution sei eine unberechiigte Einmischung in Die Gesetzgebung des Staates; der Gemeindcraty erwarte zuversichtlich, die Regierung werde diesem Uebergriffc mit aller unerläßlich nötdigen Energie begegnen. Paris, 28. Juni. Die Manöver im Lager von Chalons während der Anwesenheit des Kaisers sollen nach den ofsiciellen Berichten, sehr glänzend auSgc- fallen sein. Wenn man denselben Glauben schenken Vars, so thaten die Soldaten 5 bis 6 Schüsse in der Minute. Die Berichte besagen, sie hätten nicht mehr geschossen, weil sie Befehl hatten, ihren Eifer zu mäßigen; es scheint jedoch, daß man eS eigent- lich gar nicht notyjg gehabt hätte, sie zu zügeln, da ferb|\läiehS^9eU1r '4 bie noch nicht wei- tcr als bl8 fünf Schüssen in der Minute haben bringen können. Das Lager von Chalons selbst kostet übrigens den Staat ein Heidengeld. Am letzten Donnerstage, wo die Manöver unter dem Be- fehle des Kaisers stattfanden, wurden allein für 900,000 Francs Pulver und Munition gebraucht. Paris, 1. Juli. Im gesetzgebenden Körper»kri- tisirt ThierS bei der Budgetdebatte fdie Vermehrung der Ausgaben. Er vertheidigt die Ausgaben für das Militärwesen. Er will, daß Frankreich frei sei, aber er will ihm sein Schwert nicht rauben. Die europäische Situation habe sich geändert. Das Präju- diz Frankreichs gebiete die Wachsamkeit. Die militärische Situation müsse imposant sein, nicht zum Behufe eine- Kriegs, — denn ein Krieg würde Deutschland einigen, dar zum föderativen Geist zu- rückkehre, seitdem es glaubt, daß Frankreich nicht intervenire, — aber um zu zeigen, daß Frankreich neue Usurpationen verhindern werde. Wenn unglücklicherweise die Kammer nicht versammelt sei, könne man einen Krieg befürchten, da die Minister unverantwortlich seien. Man müsse die Constitution in Bezug auf diesen Punkt revidiren. London, 30. Juni. Der Enthüllung des Lu- therdenkmals in Worms wird von der englischen Presse eine große Beachtung zu Theil. Die meisten der liberalen Blätter widmen dem Feste besondere Betrachtungen, die von verschiedenen Ausgangspunk- ten aus sämmtlich in der Bedeutung von Luthers reformatorischer Thätigkeit und der geistigen Anregung, die den Grundstein für eine neue Wiederge- burt des deutschen Reicher gelegt, zusammenlaufen. „Daily News" stellt die Feier in Worms dem bevorstehenden Concil in Rom gegenüber und meint, es sei befriedigend, daß gerade zu einer Zeit, wo Rom die Menschheit wieder in die Finsterniß zurückzuschleudern suche, die katholische Welt zur lebhaften Er- kenntniß gelange, wie das Werk des excommunicirten Mönchs gewachsen und gediehen sei, um sich dann zu fragen, ob der bessere Theil der Welt im Besitze der Staaten sei, die noch heute die Herrschaft des Papstes anerkennen, oder derer, die Luthers Lehren gefolgt sind. Warschau, 28. Juni. Die jüngste Amnestie ist bis jetzt noch nicht zur Ausführung gekommen; es verlautet aber, baß die Behörden mit einer Re- Vision der Listen aller wegen politischer Vergehen nach Sibirien Verbannten beschäftigt sind, und diese Beschäftigung Dürfte noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen, da die Listen noch jetzt nicht weniger als 39,558 Namen enthalten. Constantinopel, 28. Juni. Prinz Napoleon hat dem Sultan einen Besuch gemacht und dabei Den Medschidi-OeDen in Diamanten erhalten. Sodann besuchte er Den Vicekönig von Aegypten und empfing Den Besuch Fuad Pascha'S. Er hat Übrigens nicht in dem ihm vom Sultan angebotenen Palaste Wohnung genommen, souDern ist an Bord seiner Jacht geblieben. Vermischtes. Gießen, am 2 .'siili. Im Laufe der nächsten Woche werden vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom III. Quartal l. I. nachbemerkte Anklagen zur öffentlichen Verhandlung resp. Aburthellnng kommen: Den 6. Zull, Vormittags 9 Uhr, gegen Peter Becker von Lumda, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Vertheidiger Großh. Hofgerichtsadvvkat Hensler. Den 7. Juli, Morgens 8 Uhr, gegen Georg Sauer von Mainzlar, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Vertheidiger Großh. Hofgerichtsadvvkat Dr. Eckstein. Den 8. Juli, Morgens 8 Uhr, gegen Heinrich Schombert von Kirtorf und Ernst Schäfer von da, wegen ausgezeichneten Diebstabls; Vertheidiger Großb- HofgerichtSadvokaten Labroisse und Krauskopf. Den 9. Juli, Morgens 8 Uhr, gegen Philipp Kling von Ober Mörlen, wegen Verführung zur Unzuchz; Vertheidiger Großh. HokgerichtSadvokat Kratt. Den 10. Juli, 'Morgens 8 Uhr, gegen Heinrich Hild von Ortenberg, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Vertheidiger Großh- Hofgerichtsadvokat Pfannmüller II. Den 11. Juli, Morgens 8 Uhr, gegen Daniel Waltcr'S Ehefrau von Freien-Seen, wegen 'Meineids — Steinbach, bei Michelstadt, 24. Juni. Hier ist ein öjähriger Knabe, der seinen zwei von Bienen überfallenen Ge- schwisterchen zu Hülfe eilen wollte, von de» gereizten Thieren selbst so zerstochen worden, daß er sein hulfreicheS Beginnen mit dem Leben bezah en mußte. Die beiden andern Kinder sind außer Gefahr. Berlin. Am 25. v. M. wurde vor dem hiesigen Crimi- nalgericht eine Anklage gegen den Redakteur der Staatsbürgerzeitung wegen Verspottung von Glaubenslehren der katholischen Kirche verhandelt. Dieselbe ist erhoben auf Grund eines Artikels, in welchem die Entbindung der Königin von Ungarn von einer Prinzessin, statt eines ersehnten Prinzen, besprochen wird. Es ist darin die Rede, daß die Exkönigin von Neapel ihrer Schwester, der Kaiserin, eine Reliquie überbrachte, bestehend aus einem aus Wachs gefertigten Knaben, in dessen Hinterkopfe drei Splitter aus den Gebeinen eines Heiligen steckten, und daß die Concordatler großes Leidwesen darüber empfinden müßten, daß diese Reliquie sich als nicht wunder- thätig genug erwiesen hatte, um den Wunsch sowohl der Wöchnerin, als der Ungarn nach einem Knabe« zu erfüllen. Der Staatsanwalt begründete die Anklage mit einem Ausspruch des Tridentiner Concil», wonach Reliquien in Ehren zu hallen und vor Entweihung zu schützen seien. Auf die Erklärung deS Angeklagten, daß der Artikel einer Wiener Zeitung entnommen und umgearbeitet worden sei, weil er sich bewußt gewesen, daß er so, wie er in einem katholischen Staat unbeanstandet geblieben war, in dem protestantischen Preußen nicht wiedergegeben werden dürfte, daß er Protestant sei, an die Wunderthätigkeit der Reliquien nicht glaube, und deßhalb auch keine Pietät vor ihnen empfinde, erkennt der Gerichtshof auf Freisprechung. Bremen, 1. Juli. In der gestrigen Generalversammlung des norddeutschen Lloyd wurde der Bau zweier neuer Dampfschiffe für die Linie von Bremen nach Baltimore und die Erhöhung des Actien - Kapitals um 700,000 Thaier einstimmig beschlossen. Die Aetienvermehrung ist durch den Reservefond überwiegend gedeckt. Für die Lieferung der Dampfer wurde ein Termin von zehn Monaten bestimint und soll alsdann alle 14 Tage eine Fahrt nach Baltimore stattfinden. Bremen. Der berühmte deutsche Reisende G. RohlfS hat unterm 31. Mai aus Zulla von sich hören lassen. Er wird bald zurückkehren und bringt neue Sammlungen höchst interessanter Gegenstände aus Abyssinien mit. — Für die gestrandete» Auswanderer des Lesfing sind schon über 7000 Thaler Unterstützungsgelder eingelaufen. Für jeden der Auswanderer ist bereits eine Zahlung von 20 Thaler, nach dem Eintreffen in den Vereinigten Staaten zu empfangen, ausgefetzt, Weimar. Vom Ausschuß des deutschen Turnverein» ist bestimmt worden, daß der vierte allgemeine deutsche Turntag am 20. und 21. Juli d. I. in Weimar stattfinden soll. S« werden sich hiezu aus ganz Deutschland mehr als 200 Abgeordnete einsinden, von denen jeder 300 bis 500 Turner zu vertreten hat. Die Tagesordnung umfaßt vorläufig 1) die Neuwahl de» Ausschusses; 2) das Turnfest 1869; 3) den Ausschuß und Cassenbericht; 4) die Aufnahme einer neuen Statistik; 5 > Anträge zur Geschäftsordnung und Organisation der Kreis«. Herrieden. 28- Juni. Nachdem UNS von Süd- und Nordwesten, zuerst mit und dann ohne elektrische Erscheinungen, Wolkenzüge erreicht hatten, heiterte sich der Himmel über Centraleuropa wieder auf, und zog sich das schlechte Wett« nach Süden und Nordosten zurück. Indessen hat da« europäische Luftmeer doch nicht jene vollkommene Ruhe, welche, wie im vorhergehenden Monate dem schönen Wetter mit Sicher, heit längere Dauer verspricht. München, 21. Juni. Der „Allg. Zeit." wird geschrieben : „Die erste Aufführung „Der Meistersinger von Nürn- bern" ist soeben, Nachts 11 Uhr, beendet, und ich will Ihnen, trotz der späten Nachtstunde, noch mit wenigen Zeilen anzeigen, daß die Aufnahme der Oper eine sehr glänzende war. Se. Maj. der König ließ Hrn. Richard Wagner bei Beginn der Aufführung in die große Kaiserloge rufen und neben sich Platz nehmen, so daß der Componist an der Seite des Monarchen die ganze Aufführung übersehen konnte. Schon nach dem ersten Act rief da« Publikum Hrn. Wagner und bie Hauptdarsteller, eS erschienen aber nur die letzteren auf der Bühne; nach dem zweiten Act wiederholten sich die Rufe: Wagner! Wagner! so lange, bis derselbe an der Brüstung der Kaiserloge erschien und für diese hohe Auszeichnung dankte. Sofort wiederholte sich der Hervorruf in der stürmischsten Weis«, und dasselbe war denn auch am Schluß der Oper der Fall. Solch hohe Auszeichnung, wie heute Hrn. Wagner, ist bi« jetzt in unserem Hoftheater noch niemand zu Theil geworden. Die Aufführung der Oper unter Hrn. v. Bülow'S Directivn war eine in allen Theilen meisterhafte; alle» wirkte mit sichtbarem Eiter zusammen, das große Werk in der würdigsten und vollendetsten Weise zur Darstellung zu bringen. DaS ist denn auch in vollster Weise gelungen." München, 30. Juni. Wir wissen nicht, ob eS ein iro- nisirender Scherz ist, wenn der „Tribüne" von hier au« al« „verbürgt" geschrieben wird, die Ebergeuyi sei zur Oberaufseherin in der CorrectionSanstalt Neudorf, die ihr zum Zwa?gS- aufenlhalte dient, ernannt worden. Danach dürfte Graf Gustav Chorinskp, wie die „Zukunfi" bemerkt, alle Aussicht haben, Festungs Commandant von Passau zu werden. Baiern. Die Stadt Speyer beabsichtigt zur Erinnerung an den dort im Jahr 1529 abgehaltenen Reichstag ein Denkmal zu errickten, uno hat eine Deputation den Köniz von Preußen in Worm« um feine Unterstützung gebeten Wien. Eine Erfindung, welche in Fachkreisen viel von sich sprechen macht, ist der „Automat - Telegraph" de« hiesigen Telegraphen - Inspektors Schneider. Man vermag jetzt mit Benutzung de» bestehenden Morse sehen Appapat«, bloß durch Hinzufugung einiger wohlfeilen Nebenapparate zum Zweck der vorgängigen DarNellung der abzusendenden Depeschen auf entsprechende Pavierst.eifen (mittelst den Moese'schen Zeichen analoger Ausschnitte) bis zu 200 Depeschen ä 30 Worte in der Stunde bei nur 3 Millimeter Eisendrahtstärke abzusenden. Gegenwärtig können nur etwa 46 Depeschen a 30 Worte befördert werden. Ohne Steigerung des Beiriebsmaterials nnd bei geringer Vermehrung der Beamten wird es dadurch möglich werden, die Telegraphengebühren ohne Nachtheil für den Staatssäckel auf ’/3 oder '/< herabzusetzen; -chon die Herabsetzung auf die Hälfte würde von großem Werth für den Verkehr sein. Um den letzteren in Wien ar- lach ag- lage vie- und alch in Di- war rem solenn iro- als lfie- stav Kn, unq enk- von und nut» iber Iter päu wie her- len. lud« > zu klä- ung mßt a beicht die auch auf von gen mit urch der ent- na- der den. de- nnd lirch für di« den hat tftt. der att. acht St. sind ini| rie- nil- zu «rei Es ist seither mehrfach vorgekommcn, daß Uebertretcr der Strafbestimmungen des Gesetzes über das Postwescn des Norddeutschen Bundes vom 2. November 1867 sich durch Gesetzesunkenntniß zu entschuldigen versucht haben. Da die betreffenden Bestimmungen theilweise neu sind, beziehungsweise von den früheren in dem Postbezirk bestandenen wesentlich abweichen, und durch die Publication im Bundes-Gesetzblatte und Regierungsblatte in Folge davon, daß dieselbe mit dem ganzen übrigen umfangreichen Inhalte des gedachten Gesetzes zugleich erfolgte, nicht in dem Maße dem Publikum bekannt geworden sein dürften, als es im öffentlichen Interesse wünschenswerth ist, so bringen wir die einschlägigen Vorschriften des Gesetzes, sowie des in Ausführung desselben erlassenen Reglements vom 11. December 1867 hiermit nochmals besonders,mit dem Anfügcn zur allgemeinen Kenntniß, daß ein Berufen auf Unkenntnitz des Gesetzes nicht entschuldigt. Gießen, den 29. Juni 1868. Großherzogliches Kreisamt Gießen In Verhinderung des Kreisraths: Ke kuck 6, Kreisassessor. Anschluß der Fahrten nicht cinstellt, die Strafe des §. 27 verwirkt. §. 29. Im ersten Rückfalle wirv die Strafe (§§. 27, 28) verdoppelt, und ferneren Rückfällen auf das Vierfache erhöht. Im Rückfalle befindet sich derjenige, welcher, nachdem er wegen einer der in §§. 27 und 28 bezeichneten Uebertretungen vom Gerichte oder im Verwaltungswege Strafe rechtskräftig verurtheilt worden ist, innerhalb der nächsten fünf Jahre nach Verurtheilung eine dieser Uebertretungen verübt- §. 30. Mit dem vierfachen Betrage des defraudirten Porto, jedoch niemals ter einer Geldbuße von Einem Thaler, wird bestraft: 1) wer Briefe oder politische Zeitungen, den Bestimmungen des §. 2 zuwider, auf andere Weise, als durch die Post, gegen Bezahlung verschickt; 2) wer Gegenstände unter Streifband oder Kreuzband zur Versendung mit der Post einliefert, welche überhaupt oder wegen verbotener Zusätze unter Streifband nicht versandt werden dürfen; 3) wer sich zu einem portopflichtigen Schreiben einer, von der Entrichtung des Porto befreienden Bezeichnung bedient oder ein solches Schreiben in eine Senkung verpackt, welche bestimmungsmäßig unter einer portofreien Rubrik befördert wird; 4) wer Postfreimarken oder gestempelte Briefcouverts nach ihrer Entwerthung zur Frankirung einer Sendung benutzt. Inwiefern in diesem Falle wegen hinzugetretener Vertilgung des Entwerthungszcichcns eine härtere Strafe verwirkt ist, wird nach den allgemeinen Strafgesetzen beurtheilt; 5) wer Briefe oder andere Sachen zur Umgehung der Portogefälle einein Postbeamten oder Postillon zur Mitnahme übergibt. §. 31. Im ersten Rückfalle wird die Strafe- (§. 30) verdoppelt und bei ferneren Rückfällen ans das Vierfache erhöht. Im Rückfalle befindet sich derjenige, welcher, nachdem er wegen einer der in den 8- 30 bezeichneten Uebertretungen vom Gerichte oder im Verwallungswcge zur Strafe rechtskräftig verurtheilt worden ist, innerhalb der nächsten fünf Jahre nach der Verur- thcilung eine dieser Uebertretungen verübt. §. 32. Wer wissentlich, um der Postkasse das Personengeld zu entziehen, uncin- gctragen mit der Post reist, wird mit dem vierfachen Betrage des defraudirten Personen- gcldcs, jedoch niemals unter eineq Geldbuße von Einem Thaler bestraft. §. 33. In den §. 30 unter Nr. 2 bis 4 bestimmten Fällen ist die Strafe mit der Einlieferung der Sendung zur Post verwirkt. 8- 34. Außer der Strafe muß in den Fällen des §. 30 das Porto, welches für die Beförderung der Gegenstände der Post zu entrichten gewesen wäre, und in dem Falle des §.,32 das defraudirte-Personeygeld gezahlt werden- In dem §- 27 unter Nr- 2 und §'. 30 unter Nr- 1 bestimmten Falle haften der Absender und der Beförderer für das Porto solidarisch- . .....• §- 35. Kann die verwirkte Geldbuße nicht beigetricben werden, so tritt eine, ver- hältnißmäßige Freiheitsstrafe ein- Die Dauer derselben soll von dem Richter so bestimmt werden, daß der Betrag von Einem Thaler bis zu zwei Thaler» einer Gesäugnißstrafe von Einem Tage gleich geachtet wird. Die Freiheitsstrafe beträgt mindestens Einen Tag, zu vier und zwanzig Stunden gerechnet, und höchstens sechs Wochen. §. 36. Hat Jemand mehrere Post- oder Porto-Uebertretüngen begangen, so kommen die sämmtlichen dadurch begründeten Strafen zur Anwendung. Der Versuch einer Post - oder Porto-Uebertretung und die Theilnahmc au derselben bleiben straflos. §.37. Post- und Porto-Uebertretungen (§§. 27 bis 32) verjähren in Einem Jahre, von dem Tage an gerechnet, an welchem sie begangen sind. Die Vorladung des Beschuldigten zu seiner Verantwortung im Verwaltungswege unterbricht die Verjährung. , c §. 38. Die Postbehörden und Postbeamten, welche eine Uebertretung entdecken, sind befugt, die dabei vorgefundenen Briefe oder andere Sachen, welche Gegenstand der Uebertretung sind, in Beschlag zu nehmen und so lange ganz oder theilweise zurückzuhalten, bis entweder die defraudirten Postgefälle, die Geldstrafe und die Kosten gezahlt oder durch Caution sicher gestellt sind. Diese Vorschrift findet auch Anwendung auf die Pferde uud Wagen, mit welchen ein Fuhrmann bei der Verübung einer der in dem 8- 27 bezeichneten Uebertretungen betroffen wird- §- 39- Die in den §§.27 bis 32 bestimmten Geldbußen fließen zur Post-Armenoder Unterstützungskasse. Preis vierteljährlich 36 ft. mit Bringertohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 fr. Gesetz vom 2. November 1867. Abschnitt IV. Strasbestimmuugell bei Post- und Portodefraudatwnen. §. 27. Mit Geldbuße von fünf bis fünfzig Thalern wird bestraft: 1) wer gewerbcmäßig Personen befördert, ohne die nach §. 1 erforderliche Genehmigung der Postverwaltung zu besitzen; oder wer von den Bedingungen der jhm ertheilten Concession abweicht; 2) wer unbefugte Briese oder politische Zcituugen gegen Bezahlung (§§. 2, 3) befördert. Wenn die Beförderung in versiegelten, zugenähten oder sonst verschlossenen Packe- ten erfolgt, so trifft die Strafe den Beförderer nur dann, wenn er den verbotwidrigen Inhalt des Packetes zu erkenneu vermochte. §. 28. Wird das in §. 1 ausgesprochene Verbot des Wechsels der Transportmittel durch den Anschluß mehrerer für sich erlaubter Fuhrgelegenheitcn umgange», so hat jeder Unternehmer, wenn er auf geschehene Aufforderung der Postvcrwaltnng ^en w Er >chst g«- .h»- an- iin- t. i ist lag Es >ge- ■ z« in« lu«- ati- Der Erscheint wöchentlich Dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition': Canzleiberg Bit. B. M. 1. Abschnitt V. Strafverfahren bei Post- und Portodefraudationen. §• 40. Die Untersuchung in Post- und Porto-Defraudationssachen wird summarisch von den Postanstalten oder von den Bezirks-Aufsichsbeamten geführt und darauf im Verwaltungswege von den Ober-Postdirectionen, beziehungsweise von den mit deren Funktionen-beauftragten Postbehördcn, entschieden. Diese können jedoch, so lange noch kein Strafbescheid erlassen worden ist, die Verweifimg der Sache zum gerichtlichen Verfahren verfügen und ebenso kann der Angeschuldigte während der Untersuchung bei der Postbehörde, und binnen zehn Tagen präklusivischer Frist, nach Eröffnung des von letzterer abgefaßten Strafbescheides, auf rechtliches Gehör antragen. Dieser Antrag ist an die Postbehörde zu richten. Der Strafbescheid wird alsdann als nicht ergangen angesehen. Einer ausdrücklichen Anmeldung der Berufung auf rechtliches Gehör wird es gleich geachtet, wenn der Angeschuldigte auf dje Vorladung der Postbehörde nicht erscheint oder die Auslassung vor derselben verweigert. Abschnitt I. Gewerbnnäßiste Beförderung von Personen und Sachen. §. 1. Wer gewerbemäßig auf Landstraßen Personen gegen Bezahlung mit regelmäßig festgesetzter Abgangs- oder Ankunftszeit und mit unterwegs gewechselten Transportmitteln befördert, bedarf bann der Genehmigung der Postverwaltung, wenn zur Zeit der Errichtung der Fahrgelegenheit auf der Beförderuugsstrecke eine wenigstens täglich abgehende Personenpost bereits besteht. Fuhrgelegenheitcn, welche am 1. Januar 1868 bereits errichtet sind, bedürfen einer Genehmigung der Postverwaltung zu ihrem Fortbestehen nicht. §. 2. Die Beförderung 1) aller versiegelten, zugenähtcn oder sonst verschlossenen Briefe, 2) aller Zeitungen politischen Inhalts gegen Bezahlung von Orten mit einer Postanstalt nach anderen Orten mit einer Postanstalt des In- oder Auslandes ist verboten. Wenn Briefe und Zeitungen (Nr. 1. und 2.) vom Auslände eingehen und nach inländischen Orte» mit einer Postanstalt bestimmt sind, ober durch das Gebiet des Norddeutschen Bundes transitiren sollen, so müssen sie bei der nächsten inländischen Postanstalt zur Weiterbeförderung eingeliefert werden. Unverschlossene Briefe, welche in versiegelten, zugenähten oder sonst verschlossenen Packeten befördert werden, sind den verschlossenen Briefen gleich zu achten. Es ist jedoch gestattet, versiegelten, zugenähten oder sonst verschlossenen Packeten, welche ans andere Weise, als durch die Post befördert werden, solche nilverschlossene Briefe, Fakturen, Preiscourante, Rechnungen und ähnliche Schriftstücke beizufügen, welche den Inhalt des Packcts betreffen. §. 3. Die Beförderung von Briefen und politischen Zeitungen (§■ 2.) gegen Bezahlung durch exprefse Botcu oder Fuhren ist gestattet. Doch darf ein solcher Expresser von nur Einem Absender abgeschickt sein und dem Postzmangc unterliegende Gegenstände weder von Anderen mitnehmen, noch für Andere zurückbringen. Reglement vom i 1. Decemde'r 1868. §. 14. i. Gegen die für Drucksachen festgesetzte ermäßigte Taxe können befördert werden: alle gedruckte, lithographirte, metallographirte, photographirte ober sonst auf mechanischem Wege hergestellte, nach ihrem Format und ihrer sonstigen Beschaffenheit zur Beförderung mit der Briefpost geeignete Gegenstände, einschließlich gebundener oder • brochirtcr Bücher. Ausgenommen hiervon sinS die mittelst der Copirmaschine oder mittelst Durchdrucks hergestcllteii Schriftstücke. II. Die Sendungen müssen offen, uiib. zwar entweder unter schmalem Streif- ober Kreuzband, ober aber in einfacher Art zusammengefaltet eingeliefert werden. Das Band muß dergestalt angelegt sein, daß dasselbe abgestreift und die Beschränkung des Inhalts der L-ei>dung ans Gegenstände, bereit Versendung unter Band gestattet ist, erkannt werden kann. „ . III. Die Sendungen können auch aus offenen Karten (Geschäfts -Amfe, Preio- Courante, Familien-Anzeigen und dgl. enthaltend) bestehen. Die Karte muß aus einem festen Papier angefertigt sein, und die Größe derselben soll nicht wesentlich von oem Mast eines Postanweisungs-Formulars ober eines gewöhnlichen Brief - Couverts av- IV. ' Die Adresse kann auf dem Streif- ober Kreuzbande ober aber aus der Sendung selbst angebracht fein. Der 'Sendung kann eine innere, mit der außer en »vercin- stimmende Adresse beigefügt werden. , ' . , , .... . . , V. Mehrere Gegenstände dürfe» unter einem Bande versendet werden, so fern sie von demselben Absender herrühre» und überhaupt zur Versendung unter Band gegen die ermäßigte Täxe gceigirct sind; die einzelnen Gegenstände dürfen aber alsdann nrcht mit verschiedene» Adresse» oder besonderen Adreß-Umschlagen versehen fern. VI. Circulare rc. von verschiedenen Absendern dürfen nur dann, wenn sie aus ein und b emf elb en Blatte ober Bogen gedruckt, lithographrri oder meinllographrrt siud, unter einem Bande versendet werben. VII. Die Versendung der bezeichiictcn Gegenstände gegen btc ermäßigte Taxe ist unzulässig, rvenir diestlbeu, nach ihrer Fertigung durch Druck u. f. sw, irgend welche Zusätze — mit Ausnahme des Orts, Datums und der Namensunter,chrtft, beziehtmgs- rocifc Firmazeichnunä —-,' oder Aendecunge» am Inhalte erhalten gab en. Es macht dabei keinen'Unterschied, ob die Zusätze oder Aenderungen geschrieben oder auf andere | Weise bewirkt sind, z. B. durch Stempel, durch Druck, durch Uebertieben von Worten, i"S SS Riffern oder Zeichen, durch Punktiren, Unterstreichen, Durchstreichen, Ausradrren,. Durchstechen, Ab- oder Ausschneiden einzelner Worte, Ziffern, oder Zeichen u. f. ro. Anstriche am Rande zu dem Zwecke, die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine bestimmte stelle hinzulenken, sollen jedoch gestattet fein- ~ t VIII. Auf der inneren ober äußeren Seite des Bandes dürfen Zusätze irgend welcher Art, welche keinen Bestandtheil der Adresse bilden, sich, nicht befinden, mit Ausnahme des Namens, der Firma, sowie des Wohnorts des Absenders. IX. Unter die verbotenen Zusätze ist das Coloriren von Modebudern, Landkarten rc. nicht zu rechnen; die Bilder und Karten dürfen aber keine Handzeichmmg, sondern müssen durch Holzschnitt, Lithographie, Stahlstich, Kupferstich, Photographie u. s. w. her- gestellt^seim^ ^Eis-Couranten, Cours-Zetteln und Handels-Circularen ist, außer den nach Abs. VII. anwendbaren Zusätzen, die handschriftliche Eintragung der Preist, sowie des Namens des Reisenden, ferner die handschriftliche oder auf mechanischem Wege bewirkte Aenderung der Preisansätze, sowie des Namens des Reisenden gestattet. XI. Den Correcturbogen können Aenderungen und Zusätze, welche die Correctur, die Ausstattung und den Druck betreffen, hinzugefügt, auch kann denselben das Manu- script beigelegt werden. Die bei Correcturbogen erlaubten Zusatze können in Ermangelung des Raumes auch auf besonderen, den Correcturbogen beigefugten Zetteln angebracht sein. „ , ,. ~ ... XII. Sendungen, welche sich zur Beförderung gegen die ermäßigte Taxe Nicht eignen, können vor der Absendung dem Aufgeber zurückgestellt werden. XIII. Drucksachen müssen frankirt sein und dürfen das Gewicht von V- Pfund nicht übersteigen. Zur Frankirung sind thunlichst Postfreimarken zu verwenden. Versteigerung von Shorthornvieh betreffend. 2Rir macben das landw. Publikum darauf aufmerksam, daß gelegentlich der von dem landw. Verein von Oberhessen aus den beiden diesjährigen Vieh-Preisveitheilungen zu Alsfeld und^Butzbach abgehalten werdenden Versteigerungen von englischen Schweinen und Shorthornbullen, die Handelsleute Gebrüder Katz von Steinbach auch zwei Rinder der Shorthormace, und zwar eines zu Alsfeld und eines zu Butzbach, der meistbietenden Versteigerung aussetzen werden. Lanbach, am 24. Juni 1868. Das Bureau des landw. Vereins von Oberhelsen. 752 .K. jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. den Mindest- an Bedingungen AuswÄN derer SL 447/6-45Vb 4734) Zwei Familienlogis sind zu ver- miethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 9 5 9 fordernden vergeben werden. Voranschlag, Pläne und nämlich: Maurer- und Steinhauerarbeit, st. Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. 7052 5710 984 3201 84 1620 168 Börsennachriditeu. 4. lull 1888. Aug. Raab- Jacob Münch. NS. Laden und Wohnung ist zu vermiethen. 57'st-58>/z 48-50 49-51 54-56 38-40 27>/r-28>/r 53-57 49-51 27-28 fr. 52 28 49 40 2 23 30 Vermischte Anzeigen. 4758) Ein Geldtäschchen wurde gefunden. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Prioritäten. 50/q östr. F. St. E. B. 266'st Ludwigsh.-Bexbach 157 Maxbahn 1071/4 Bayer. Ostbahn 126) Düsseldorf, den 1. Juli 1868. Vermiethuugen. 4747) Ei» freundliches Familienlogis für eine stille Haushaltung ist zu vermiethen und am 1. October zu beziehen. —j—___________ L. Kämmerer. Preuss. 41/2% Obi. 95g/i Frankf. 3*/2% Obi. 81 Vg Nass. 4i/2% Obi. 943/4 Kurh. 4O/o Obi. 881/4 Hess. 4°/g Obi. b. Roths. 90i/s „ 31/2% do. do. 843/4 Bayer. 5% Obi. 1023/g „ 41/2% 1jährige 96*/a „ 41/2% Vsjährige 963/a Würtemb. 41/2% Öbl. 94 */2 Baden 41/z«/» Obi. c. E.L. 941/4 Oestr. 5% b. R. — „ 5% National 53>/g „ 5O/o Metall. Obi. 48?/8 „ M. steuerf. 51*/s Amer. 6% 1882r Bds. 77% „ 6Q/o 1885r 76ya Action. Frankf. Bank 125 Oester. Bank 777 „ Creditact. 2031/2 Darmst. Bankact. 2321/2 4755) In eine hiesige Holz- und Steinkohlen - Handlung wird ein Lehrling gesucht. Das Nähere bei der Expedition dieses Blattes. Versteigerung von Früchten. 4751) Nächsten Samstag, Nachmittags 3 Uhr, soll in dem ehemals Engelbach'- schen Hause, bez. Garten: Korn aus dem Halm, Kartoffeln im Felde (etwa 60 Malter, zum großen Theil Frühkartoffeln, welche schon reis sind), Dünger in der Grube, ein Bienenstock (Dzierzon) und eine Partie Boh- nenstangen versteigert werden._____________ 4746) Dienstag den 21. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, läßt die Unterzeichnete ungefähr 100 noch Besondere Bekanntmachung. Oeffentliche Aufforderung. 4742) Ansprüche jeder Art an die nachverzeichneten Immobilien Beuerner Gemarkung, welche verkauft werden sollen, nämlich : 1 56, 564, 1052. 11 823. III/3. 111/203. V/177. V/435. IX/748. 749, welche aus dem Namen des Ionas Griesheim von Beuern und X/453 und 1163, welche auf dem Namen der Jonas Griesheim's Erben von da eingetragen stehen, sind sogewiß binnen sechs Wochen bei dem unterzeichneten Gerichte anzumclden, als sonsten ohne Rücksicht auf solche der Kaufbrief bestätigt und die fraglichen Parcellen dem neuen Erwerber im Mutationsverzeich- niß zugeschrieben werden. Gießen, am 3. Juni 1868. Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher. Feilge boten es. 4757) Täglich frisch ab gekochten west- phältsche» Schinken, Göttinger und Gothaer Cervelatwurst, Hamburger Rauchfleisch und feinsten Blasenschinken empfehlen I. A- Busch Söhne- 4743) Johanntstraube» und Stachelbeeren, pr. Schoppen 2 kr., bei_______________________C- Rahn. 4737) Umzugshalber steht ein feuerfester Geldschrank zn 70 fl. und eine Dräsine für Kinder zu 7 fl. zu verkaufen- Adresse bei der Exped- d- Bltts- 4741) Cement, Viehsalz bei Flick & Kröll. 4748) Beim Ober-Steuer-Controleur Elsferding zn Wetzlar stehen zwei gut gerittene und brauchbare Pferde, wovon das eine auch als Wagenpferd zu gebrauchen ist, wegen Stellungsveränderimg zu verkaufen. 4732) Ein Logis, bestehend aus 4 Stuben, 2 Kammern, Küche, Keller und Holzstall, nebst Mitgebrauch der Waschküche, ist zu vermiethen und am 1- September d. I. zu beziehen bei Balth. Lenz, ____(Restauration zur Erholung.) 4738) Der obere Stock in meinem Hause, von Herrn Prof. Köllner bewohnt, ist vom 1. October d. I. an anderweit zu vermiethen. Kempfs- Zur Warnung. 4749) Vom 2. auf den 3. d. Mts. sind mir zwei Stück Flachse-Tuch von Baumwollen - Einschlag, ca. 39 bis 40 Ellen, aus der Bleiche entwendet worden, vor deren Ankauf gewarnt wird. Derjenige, welcher den Thäter namhaft machen kann, erhält eine Belohnung von 10 fl. Kirch - Göns, den 4. Juli 1868. ________________________A. Kloos. 4754) Zwei Schreinergesellen finden auf Bauarbeit Beschäftigung bei ______Schremermeister Zimmermann. 4733) Altes Zeitungspapier kauft I. Rothenberger, Lindenplatz. Pr. Gass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 Pistolen . . 9 „ doppelte 9 Wechsel. Amsterd. k. S. 100 Augsb. k. 3. 100 Berlin k. S. 1047/g Bremen k. S. 98 Cöln k. S. 1043/j Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119’/8 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 943/4 Wien k. 8. 103 Disconto 3% G. Geldeorteii. Z» des reki der »ei uni ha! lad es ter Tr S: we St so H- sch lä: ild B lie ke> ih sie tri in le I. rii fl« iti A i' $ u g f< is g 0 t i ihr die glücklichsten Nachrichten von ihrem jungen welcher Weib. . . . Haben Sie Madame Bonaparte ge- aber ein aufopferndes und herrliches — Sie verehren die Tugend . sehen? — Ja, Fräulein. — Schon! Und haben Sie Paare. Die runde Tafel war durch einen prachvollen Armleuchter erhellt, sich in der Mitte erhob. An ciitem runden Tische giebt es keinen Ehrenplatz. Beweist dies vielleicht, daß Gott, indem er der Erde die sphärische Gestalt verlieh, die Gleichheit beabsichtigt hat? Wir überlassen es dem ersten, besten Logiker, welcher sich damit beschäftigen will, diese schwere Frage zu lösen. Coralp, welche dem Fenster gegenüber saß, konnte nach Herzenslust die duftigen Wohlgerüche einathmcn, welche aus dem Garten emporstiegen. Zu ihrer Rechten hatte sie den Director, den Herrn des Hauses. Der Offizier saß an Garten blickte. Die Nacht war herrlich. Barra« folgte als Ehrenwachter dem und wird sich später.an meinem Weine berauschen. Die Zunge wird ihm gelöst werden. — Fräulein, fuhr er fort, Niemand kann Ihnen besser als der Hauptmann Neuigkeiten von unseren Generalen in Egypten mittheilen, unter welchen Sir so viele Bewunderer zählen. — Was macht Kleber? fragte Coraly. — Er ist noch immer sehr schön, berichtete Reymond. — Und Lannes? — Immer noch tapfer, mein Fräulein. — Ach, und Desaix? mein lieber Desaix? — Ist noch immer verständig, schöne Coraly, versetzte er mit einem Blick, welcher zu sagen schien, daß vielleicht sie allein es wagen dürfe, solch' eine ruhmvolle Eroberung zu versuchen. — Bah! antwortete sie. Die Almeen, sagt man, sollen reizend sein. Tanzen sie wie wir, Hauptmann? — Fräulein, eine Almee tanzt nicht, sie wiegt sich zwischen Himmel und Erde. Es sind harmonische Undulationen, unvergleichliche Stellungen und Be- wegungen. Der ganze Leib der Almee begleitet durch seine Sprache, wenn ich ich mich so ausdrücken darf, den gemessenen Takt der indischen Trommel. Die Phantomime ohne Hülfe von Gesten ist höchst lebendig und namentlich durch den Ausdruck der Blicke belebt. — Und findet der strenge General en Chef Vergnügen daran, die Almeen tanzen zu sehen? — Gewiß, er lächelt, er sieht hin-- — Und träumt von seinem Feldzugsplane, fügte Coraly hinzu. O, er liebt unsere Kreolin, eine Almee des Occidents, nicht wahr? — Nein, Fräulein, antwortete der Offizier mit einem Anflug von Strenge; ihrer Herzensseite. _ Der Haushofmeister zerlegte auf einem Nebentische die Speisen und setzte sie auf die Tafel; drei große Lakaien in blauer Uniform mit rothen, goldbe- treßten Aufschlägen bedienten die Gesellschaft. — Hauptmann, fragte Barras, haben Sic viel Reis, mit Safran gefärbt, in Egypten gegessen? Hier ist ein türkischer Hahn, den ich Ihnen empfehlen kann. n . — Welch' ein Glück, rief Coraly aus, in der Levante gewesen zu sein I Ich mache mir eine ganz zauberhafte Vorstellung von diesem Lande. — Fräulein versetzte der Offizier, Egypten und derjenige Theil von Syrien, welchen ich gesehen habe, beweisen mir, daß man sich den Orient im Allgemeinen zu wunderbar vorstellt; damit will ich keineswegs sagen, daß er nicht in Wirklichkeit das lebendigste Interesse bei uns erweckte. — Sie haben ihn jedoch als Sieger betrachtet, meinte Coraly. — Im Gefolge eines großen Siegers allerdings, mein Fräulein. — Hauptmann, nahm Barras das Wort, was halten Sie von diesem Amsel-Ragout? Die Amseln sollen von Malta gekommen fein. — Malta! versetzte Coraly mit einem tiefen Seufzer. Giebt es dort heutzutage nur noch Amseln? — Haha, lachte der Direktor, fragen Sie den Hauptmann! Er begleitete Bonaparte bei der Einnahme Maltas. — Wirklich? Und die Ritter, Herr Hauptmann? — Fräulein, sie versuchten gar keine Vcrtheidigung. Sie schifften sich ein, und wir gaben uns keine.Mühe, ihnen den Weg zu versperren. — So daß, sagte Barras mit einer Ironie, welche dem Offizier nicht entging, so daß Bonaparte, mein Fräulein, in Malta allerdings nur noch Amseln fand, wie Sie eben bemerkten. r o — Ich? wandte Coraly lebhaft ein. Ich hätte das gesagt? Bonaparte ist mein Heros! — Und auch der meinige, fügte Barra« hinzu. __Mich dünkt, sagte der Hauptmann mit einer bezaubernden Gleichgültigkeit, daß er ein Heros für alle Welt ist. _ Welch' ein Genie! rief Coraly aus. Und was für ruhmvolle Waffengefährten ! Ein ausdrucksvoller, elektrischer Blick wurde verstohlen dem Hauptmann zugesandt. Dieser fing ihn tapfer auf und erwiederte ihn von Herzen. — Er ist unser, dachte Barras und stieß Coraly's Fußspitze heimlich an. — Hauptmann, nahm er von Neuem das Wort, glauben Sie, daß der Madeira, welchen Sie trinken, zwanzig Jahr alt ist? Der alte Spitzbube, der Bey von Tunis, hat ihn mir gesandt, vermuthlich, damit der Friede zwischen ihm und der Republik erhalten werde. — Das ist ja ein wahrhaft historisches Essen, meinte Coraly. Alles hier kommt aus der Levante. — Ist Ihnen das unangenehm, Fräulein? — Bewahre! Es freut mich im Gegentheil, Bürger Direktor. Ein zweiter Blick, nicht minder gefährlich, als der erste, flog zum Hauptmann hinüber, der, als ein tapferer Soldat, Feuer mit Feuer erwiederte. . — Schön, dachte Barras. Er berauscht sich schon an ihrer Schönheit zärtlichen Gemahl überbracht? — Ganz wie Sie sagen-- — Nun, und darf man Sie ohne Indiskretion fragen, ob ihre Strohwitt- wenschast bald zu Ende geht? Sie ist so unglücklich, die arme Kreolin . . . Hofft sie? erwartet sie — ? — Sie hofft, Fräulein. Was den mehr oder minder entfernten Zeitpunkt des Generals en Chef betrifft, so kann Ihnen sicher der Präsident des Directo- riums die beste Auskunft darüber geben. Barras biß sich auf die Lippe.. Er hoffte auf eine Indiskretion und hörte im Geiste beständig das Rauschen der Wellen, welche Bonaparte zurückführen sollten, dessen Ankunft er, wie man weiß, so sehr fürchtete. — Wir müssen unfern Mann entschieden betrunken machen, dachte er. — Sie haben mir noch nichts von Monge und Benholet, meinen beiden gelehrten Freunden, gefügt, fing Coraly wieder an. — Fürwahr, Fräulein, das sind ein Paar tapfere Männer. Bei der Af- faire von Romanich haben Monge und Bertholet in einem Rettergefecht mit den Beys von Chebreffa wacker ihre Säbel und Pistolen gebraucht, der Eine auf einem Dragonerpferde und der Andere auf einem herrlichen Grauschimmel, einem Arader von reinstem Blute. Coraly lachte hell auf. — Ich hoffe, fügte Barras hinzu, daß der General en Chef einen Bericht hierüber an das Institut senden wird. Sie kennen ja seine Passion für diese gelehrte Gesellschaft, deren Mitglied er ist. — Uno deren Zierde er bildet, wie Sie, General, versetzte der Hauptmann. Barras verneigte sich nachlässig und ließ ein Lächeln erblicken, dessen Be- dentung schwer zu verkennen war. — Beiläufig, fragte Coraly, werden Sie Sieyäs besuchen? — Ja, Fräulein. — Der AbbF lernt jetzt reiten, erzählte der Direktor. Hauptmann, er wird Ihr Schüler fein, wenn es Ihnen Vergnügen macht. — Und zum Tausch, fiel Coraly ein, wird er Ihnen metaphysische, staats- ökonomische und sogar theologische Lektionen erteilen. — Ich danke, mein Fräulein, antwortete der Hauptmann. Ich besitze keinen Ehrgeiz. — Gar keinen, Hauptmann? — Doch, ich habe mich geirrt: — den, der Republik zu dienen. — O, wie unbestimmt —! — Und Ihren schönen Augen, mein Fräulein, setzte der Offizier hinzu, in- dem er verstohlen in den Mienen des enttäuschten Direktors zu lesen versuchte. __ Er ist ein Diplomat und folglich ein Emissair, dachte Barras. Ein gewöhnlicher Offizier hätte mir schon, ohne sich zu besinnen, alle Pläne de« Siegers verkauft, indem er zehnmal auf die KriegSthaten seines Generals getrunken hätte. Das Abendessen nahm feinen Fortgang, und alle drei Gäste besaßen glück- licherweise denselben guten Appetit. Es ist wahr, das Mahl war vortrefflich und die Weine von der vorzüglichsten Qualität. Den Vorspeisen folgten verschiedene Braten, welche nach allen Regeln der ausgesuchtesten Kochkunst bereitet waren. Man wird ein Redner, aber ein Dichter und Bratenkiinstlcr wird ge- ! boten. Diese Kunst läßt sich nicht erlernen, und der Koch von Klein-Luxembourg bewies das am heutigen Abend. Ein Gerücht Wachteln mit Truffelsauce erhielt das einstimmige Lob aller Gäste. Diese halbfetten Wachteln waren mit einer fabelhaften Brühe getränkt. Erfunden während dieser Periode eines ausgesuchten Epikuräismus, gerieih sie ein halbes Jahrhundert lang m Vergessenheit und wurde - dem Himmel sei Dank - zum Ruhme und Gluck unsere« Zeitalttr« wieder entdeckt. Wir wollen hier dieser Ananaswurste gedenken, welche das Pa- lais Luxembourg unter der Republik des Directors Barras erfinden und welche dasselbe Luxembourg durch eine unerklärliche Schicksals - Jrome unter einer mo- ""»W” W.) Die Verschwörer von 1799. Roman von be Saint - Felix. (Fortsetzung) Coraly verneigte sich, ohne aufzustehen, mit so viel Anmuth und Würde, daß der Offizier einen Augenblick über den Stand der schönen Unbekannten im Zweifel war. Indern er sie grüßte, warf er einen flüchtigen Blick auf die Züge des Direktors. Reymond las in Barras Gesicht, was er zu wissen begehrte. — Der Herr Hauptmann kommt von Egypten, Fräulein, begann der Di- rektor. Er kann Ihnen von Tausend und einer Nacht erzählen; er hat Wunder gesehen. — Ich finde hier Wunder genug, antwortete Reymond, Coraly anschauend, welche ihm durch einen zärtlichen und feurigen Blick dankte. — Oh, oh! der Herr ist galant, sage ich Ihnen, mein Fräulein — galant und tapfer! Was will man mehr? Sie müssen ermüdet sein, Hauptmann; ich habe mir erlaubt, Sie ohne Umstände zu einem vertraulichen Abendessen einzu- laden, wie ein General seinen Adjutanten. — Eine große Ehre für mich, mein General, versetzte Reymond, welchem cs diesmal leicht gemacht wurde, ohne Gefahr die Titulatur „Bürger" zu un- terlassen. . ... Es war ungefähr zehn Uhr Abends. Ein Haushofmeister, in schwarzer Tracht und mit einem Stahldegen an der Seite, erschien auf der Thürschwelle. — Herr Direktor, sagte er, das Essen ist servirt. — Darf ich bitten, Fräulein? versetzte der Graf. Hauptmann, bieten Sie ihr den Arm! , _ „ . Den Claquehut unter dem linken Arme, näherte der Offizier sich Coraly, welche sich groß und mit lieblicher Majestät wie eine Muse erhob. In der Thai, sie glich einer solchen zum Verwechseln, wenn man diese stolzen und doch so anmuthigen Züge und dies schöne schwarze, nach griechischer Art geflochtene Haar mit dem Kranze von langen Verbenenblättern erblickte. Coraly lehnte sich nachlässig auf den rechten Arm des Hauptmanns und schritt mit ihm in den Speisesaal, zu welchem man heute Abend einen kleinen, länglichrunden Salon bestimmt hatte, dessen hohes, geöffnetes Fenster auf den Darmstadt, 2 ; Juli. Die Foridauer kee Gültigkeit der zwischen dem Großherzogthum Hessen mit der früheren freien. Stadt Franhurt, Kurheffen und Nassau abgeschlossenen Inrisvictivusverträge ist fraglich geworden; mindestens können solche in früherer Weise formell nicht aufrecht erhalten werden. In einer zu diesem Zweck gebildeten Commission, in welche hessischer Seite geheime Staatsrath Frank gewählt ist, sollen daher die Normen betreffs Vollstreckung oon Urtheilen, Auslieferung von Verbrechern, sowie anderer in Die Justiz einschlagenden internationalen Beziehungen mit Preußen festgestellt werden. Berlin, 2. Juli. In den letzten Tagen sollen' von München und Karlsruhe aus vertrauliche Anfragen in Betreff Der Ansichten des hiesigen Cabinetö über die Gründung eines Südbundes stattgefunden haben. Wie man sagt, ist die Antwort eine sehr zurückhaltende gewesen, wozu die Abwesenheit des Grafen Bismarck ein treffliches Motiv abgab; möglich, daß der Artikel der gestrigen „Kreuzzeit.", welcher die Unmöglichkeit eines Süvbundes auselnandersetzt, die Antwort sein soll. Es scheint übrigens, daß man hier gegen jede Form des Südbundes, welche nur im allergeringsten die durch die Bkndmtzvrrtrckge bom Herbst 1866 geschlossene militärische Aohängigkeit der Süvstaatcn von Preußen alteriren würde, ganz tuD schieden prvtcstiren wird; so lange Vie Versuche nicht an dieses Verhältniß rühren, wird man sich weder abrathcnv noch zuraihend äußern. Berlin, 2. Juli. Die von Preußen gehegte Absicht, in der Bay von Limon eche Colonie und Flottenstation anzulegen, ist in Folge des strengen Frst- haltens an der sog. Monroe-Doclrin von Seiten der Regierung von Costa Rica gescheitert, wonach bekanntlich kein Stück Lanv in Nord- oder CentralAmerika von einer nicht republikanisch, n oder einer transatlantischen Macht erworben werden soll. Berlin, 3. Juli. Für die „Zehn-Millionen- Anleihe" des norddeutschen Buntes, welche sehr schnell realisirt werden wird, sollen der Regierung sehr ver- lockende Anerbietungen gemacht worden sein, wenn sie sich entschließen will, das Geld in Form eines Lotterieanlehens aufzunehmen. Diese Jeee stößt jedoch, wie wir hören, in den betreffenden Kreisen auf sehr großen Wiverspruch, und man wird zu einer einfachen Anleihe greifen, für welche die augenblickliche Stimmung, des Geldmarktes auch recht, günstige Chancen bietet. Wir gestehen, daß wir cs auch ziemlich sonderbar finden würden, wenn der norddeutsche Bund, der soeben durch bas Gesetz über die Schließung der öffentlichen Spielhäuser sein Votum gegen das Spiel abgegeben hat, jetzt gleich darauf selbst eine. Aufmunterung zum Spiel Durch Ausgabe eines Lotterieanlehens geben würde. Berlin, 4. Juki. Das Nothgewcrbegefetz ist vom BunveSrathe mit allen gegen die eine Stimme von Mecklenburg-Schwerin angenommen worden. München, 4. Juli. Der König genehmigte die Bildung einer Militärconvention der süddeutschen Staaten für die gemeinsamen militärischen Angelegenheiten. SüdveutschlandS und zur Erfüllung ber hierauf bezüglichen Bestimmungen des Prager FrievenS., Wien, 3. Jul. Die heutige „Wiener Zeit." veröffentlicht die Ausführungsverordnung zum Ehegesetz. Durch dieselbe wird die Dispensation von Eheaufgeboten und Ehehindern,sscn den politischen Behörden zugewicsen, werden die Modalitäten bei Abschließung von Noth-Crviichen bestimmt und die Führung der Civilregister geregelt. Die „Wiener Zeit." bringt ferner eine Verordnung, welche die Anzahl der Normatage (gesetzliche Feiertage)-herabsetzt, den Vertrag zwischen Oesterreich unv Baiern über den Anschluß ver Gemeinve Jungholz an das baierische Zollchstem und die kaiserliche Sanctivn des Gesetzes in Betreff der Aufhebung des Beftiskungszwanges bei Bauerngütern. Wien, 5. Juli. Das heutige „Tagblatt" meldet, daß ver Reichskriegsminister eine sofortige Beurlaubung vv 22 Mann pur Compagnie angeorc net habe, wodurch eine ungefähre Reduktion der Armee um 36,000 Mann erzielt wird. Paris, 2. Juli. Im gesetzgebenden Körper erklärte beute der.Finanzminister Magne bei Fortsetzung der Finunzdebatte, die Läge Europa'ü. sei seil zwei Jahren epceptioneü, was seinen Gegendruck auf die Finanzen äußern müßte. Es gebe zwei Arten, um Cen Frieden zu- erlangen : entweder, allgemeine Enl- waffnung over Herstellung des Gleichgewichts durch allgemeine Bewaffnung. Wenn alle Völker ent aff- neten, so durst- auch Frankreich nicht bewaffnet bleien. Er stimme zehr dafür, denn es'hcl e den §:- nanzen auf. Der Minister we.st schließlich die übei = ^rlebenen Angriffe gegen das Buvget zurück. Ollivier ’ sagt, Vie Regierung wolle Alles zugleich thun. Sie wolle zugleich.Ausgaben für den Frieden und für den Krieg machen. Frankreich sei erdrückt unv gezwungen, seine Schulden durch Anlehen zu liquidiren. Schließlich werde die Reutensteuer, Die Papiervaluta u. dgl. unausbleiblich sein. „Entwaffnen wir zuerst und ganz Europa wird uns nachfolgen!" — Die „Presse" theilt ein Gerücht mit, nach welchem der Kaiser dem Minister Rouher den Titel eines Vice- präsiventen ces Privaiconsells und Conseilministers crtheilt habe. Paris, 2. Juli. Die römische Correspondenz des „Monde" bestätigt, daß Vie päpstliche Bulle, welche vaS ökumenische Concil einbrachte, nicht bloß an die römisch-katholischen, sondern auch an die griechischen und protestantischen Bischöfe erlassen worden ist, und sie fügt hinzu, man habe gegründete Hoffnung, eine gewisse Anzahl der letzteren, namentlich der englischen, dem Rufe Folge leisten zu sehen. — Wie das „Memorial diplomatique" meldet, werden Prinz Humbert und Prinzessin Margareta nächsten Montag den 6. d. M. das Schloß Monza vei lassen, um ihre projectirte Reise nach Deutschland anzutreten. Zuvörderst werden sie nach Wie» gehen unv den dortigen Hos besuchen, von da nach Prag, um der Kaiserin Maria Anna, ihrer Großtante, einen Besuch abzustatten, unv von da werden sie nach Dresden reifen. Paris, 3. Juli. In d,er heutigen S.tzung des gesetzgebenden Körpers wurde die Buvgetberathung fortgesetzt. Thiers entwickelt, baß Die Finanzsituatlvn sehr schlecht sei, und wie die geringste politische Bewegung ihre Gegenwirkung auf Die Finanzen äußere. Es sei zwar wahrscheinlich, Daß Preußen keine imen Unternehmungen machen und Daß der Fürstenmord in Belgrad Die^ europäische Ruhe nicht stören werde. Aber man müsse Die Finanzen verbessern, um lieber- raschungen vorzuoeugen. Der Finanzminister weist Dis bisherigen Angriffe ans das Budget zurück und führt aus, wenn ein Anlehen nölhig sei, so sei das eben nur der Fall, um das Handwerkszeug des Frie- Vens.zu vermehren, das zufällig auch das des Krieges fei. — Der Kaiser wird morgen einem hier stattfindenden Staatsrath präsidiren. — Die erste Nummer des Reveil" wurde confiscirt. London, 29. Juni. Die Rede des Generals v. Moi'tte über Die Stellung Preußens in Europa und seine Aufgabe, den Frieden zu hüten, gewinnt in den Augen der englischen Presse eine besondere Wichtigkeit, weil der General die dem Königshause nahe stehende militärische „Familie" vertrete, unv weil diese ^militärische Umgebung in vielen Fällen die Trägerin der Lieblingspolitik des Hauses sei. Das von General v. Moltke angekündigte Programm, das darin offen erklärte Streben nach dem ersten Platze in Europa zeige eine Wucht und Größe, die England bewundern müsse, selbst wenn (was nicht Der Fall) seine Interessen diesem Zfele widerstreben sollten. Nach Den abgetretenen Phrasen vom europäischen Gleichgewicht, von Frankreichs Empfindlichkeiten und den Handelsintereffen Großbritanniens wende man sich mit wahrer Erleichterung einer Rede zu, n welcher der zweite Mann in der stärksten europäischen Regierung keine Ansicht, keinen Wunsch, keine Politik, sondern Die entschiedene Absicht an den Tag lege, vas Primat in Europa an sich zu nehmen und den Frieden zu"wahrcii. Konstantinopel, 4< Juli. Heute fand unter dem Commando des Prittzen Jzzedin eine Parade zu Ehren des Prinzen Napoleon statt. Der Prinz Napoleon wird morgen Bruffa besuchen und Anfang nächster Woche abreisen. Vermischtes. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 2.. -Jul i.) Der Äemeindrrath beschließt, dem zweiten Stadtpfarrer die nachgesuchte.. Erhöhung der WohnnngSvergütung zu bewilligen. Der Gemeinderath beschließt, die Großh. Bürgermeisterei mit der Umarbeitung des Oktroireglements vom 21. Juli 1»--3, unter Berücksichtigung .der inzwischen stattgefundenen Abänderungen und Zusätze, zu. beauftragen und den. Oetroi- coutroleur zur Mitwirkung zu verpflichten. Dem H. Steinberger soll auf sein Gesuch um käufliche Uebetlafsnyg eines Thesis wer (Buchhändler Ferber'schen Hof- raithe bemerkt werden, daß der Gemeinderath nicht in der Lage sei, jetzt schon über die fragliche - Hofraithe zu verfügen. Der Gemeinderath gibt zur Ausführung der Erbauung eines Durchlasses in der Schwarzlach) welche zu 129 st. 43 fr. veranschlagt ist, seine Zustimmung.' , Die sofortige Inangriffnahme der Einrichtung des Wacht- ' Hauses am Nenenwegerthor zu MealsHülzwecken, zu 719 ft. veranschlagt, wurde beschlossen. . Das Baugesuch des Uniperfirätspebellen Ruckelshausen wird ngch dem vorgelegten Bauprojekt unter der Bedingung genehmigt, die Gebäude mindestens '25 Fuß in der fortgesetzten Linie von -der Mauer des Zinßer'schen! Gartens zurückzustellen. Der Genieinderath bewilligt das Gesteh' der Polizeidiener um Vergütung wegen Beaufsichtigung des Oetrois für das erste Halbjahr 1868. Der Gemeinoemth beschließt in Betreff per Reinhaltung der Straßen seine Antwort auf die Eingabe von Geheimerath Weber und Genossen zu veranlassen, und den Großh. Bürgermeister zu beauftragen, inzwischen Erkundigung einzuztehen, um welchen Preis hiesige Fuhrleute das Begießen der Universitäts- Straße zu übernehmen bereit seien. Der Wirthschaftsplau für die Stadtwaldungen von 1869 wird genehmigt. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. Darmstadt, 1. Juli. Das heute erschienene Regierungsblatt vir. 35 enthält: 1. Verorvnung, die Organisation des Kriesministe- riums betreffend. II. Bekanntmachung Großherzogliche» Finanzministeriums, die Vernichtung von eingezvgenen Grundrentenscheinen betreffend. III. Bekanntmachung der Großherzoglichen Commission für Ausgleichung der Kriegslasten des. Jahres 1866. IV. Dienst.nachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergändigst geruht: am 16. Juni dem Schulamts-Aspiranten cveorg Pohl aus Brensbach die dritte evangelische Schulstelle zu Rieder-Florstadt zu übertragen —■ und am 23. Juni den Bauaufseher Carl Jockel zum zweiten Kreisbauaufseher für das Kreisbauamt Alsfeld zu ernennen. V. Militärdienstnachrichten. VI. Ch arakterertheilnugen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst gericht: am 16. Juni dem Gemeinde-Einnehmer der Gemeinde Bessüngen, Friedrich Boßler, den Charakter als „'Rentmeister" zu Verleihen. Darmstadt, 28. Juni. Gestern Abend wurde das hiesige Schillerhaus eiugeweiht. Schon vor einiger Zeit haben ein paar Männer aus älteren Nachrichten herausgebracht, daß L-.chiller im Jahre 1784 ein paar Tage hier in Darmstadt gewohnt habe. ES war zu der Zeit, wo er feinen „CarWS" dichtete. Weihnachten 1784. Er hatte erfahren, daß der Herzog Karl August von Weimar am Hofe zu Darmstadt zum Besuch sei, und beschloß, den Zögling Wieland's und Freund Goethe'S kennen zu lernen. Frau v. Kalb gab ihm Empfehlungsschreiben mit, welche ihm den Zutritt zum Schloß verschafften. Er ward vom Herzoge von Weimar und der Landgräfin Caroline freundlich empfangen und aufgeforoert, den ersten Act seines „Carlos" dem Hofe vorzulesen. Die Vorlesung erweckte ein ungemeines Interesse für den Dichter. Schiller war von Weihnachten 1784 bis über Neujahr 1785 in Darm- - stadt., Er wohnte im Gasthause „zur Sonne." Dieß Haus liegt in der Altstadt, au^ der Ecke der Marktstraße und Schirmgasse, ganz dicht am Schlosse. Mehrere Verehrer Schiller's haben nun eine Gedenktafel fertigen lassen, die in die Wand des Hanfes eingefügt wurde. Gestern Abend wurde dieselbe mit einer kleinen Festlichkeit eiugeweiht. Die Tafel ist von schwarzem Marmor; eine Inschrift mit Goldbuchstaben verkündet dem Beschaue., daß Schiller einst hier wohnte und zum fürstlichen Rath ernannt wurde. Darmstadt 3. Juli. Wie die „D. Zeit." mittheilt, hat Schuldiener H. bereits zum drittenmal versucht, sich zu erhängen, um jedesmal wieder zum Leben zurückgerufen zu werden. -Ue Liebhabereien der Menschen sind ost sehr seltsam. Mtlltchc». Als interessante Schlußepisvde des Prozesses Chorinskh theilt man der „A. Abendz." mit, daß der Verthei- diger des Angeklagten, Hr. Dr. Schauß, von ■ demselben einen Brief erhielt, worin er für die unendliche Mühe und Sorgfalt seiner Vertheidiguüg Dank abstattet. Der Graf schreibt, er bedauere jetzt mehr als je. daß er nicht mit Glücksgütern gesegnet fei, es bleibe ihm sonach nur noch ein Mittel, seine Dankgefühle' zu bezeigen, und zwar dadurch, daß er dem Ver- theidiger hiermit die Brüderschaft — SchmolliS — anbiete! Coburg, 23. Juni. Von dem gestern zu Ende gegangenen 28. Schwurgericht für Coburg und Gotha wurde auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenenlll gegen 1) gegen den ledigen, 26 Jahre alten Bauernsohn Jobann Nie. Stamm-- berger von Unterlauter wegen Mord das TodeSurtheil ausgesprochen. Der. Angeklagte hatte am 12. Oktober v. I. eine 38 Jahre alte, imverheirathete Frauensperson, Namens Elisabeth» Zimmermann, die von ihm in. der Hoffnung war, in der rohesten Weise ermordet. Die ganze zweitägige Verhandlung bot das höchst traurige und wahrhaft empörende Bild von einem menschlichen Scheusal, und selbst bei dem Ausspruch des Todesurtheils änderte der Mörder nicht eine Miene, hörte dasselbe mit der frechsten Kaltblütigkeit an, und verlangte, in'S Gefängniß zurückgebracht, nach — Bier. Prag. Wer Prag besucht, lernt die rohe Großmannssucht der Czechen kennen. Sie glauben, die Welt spricht nur von ihnen, was sie für Kerle sind. Sogar der Prinz Napoleon, den sie für ihren Gönner halten, bekam ein Pröbchen ihrer lächerlichen Aufgeblasenheit. Eine Deputation besuchte ihn, und ein junger Dr. Grünschnabel führte das Wort. Sie werden nicht glauben, Prinz, daß ich zu Ihnen gekommen bin, damit es heißt, ich habe den Prinzen Napoleon gesehen. — Bewahre, mein Lieber, antwortete der Prinz, aber ich werde überall mit Stolz sagen, ich bin nach Prag gereist, um Sie, Herr Doktor, zu sehen. (Diamant als Felsenbohrer.) Eine Substanz, die bisher, mit Ausnahme einer einzigen praktischen Verwendung nur den Eitelkeiten der Menschheit diente, scheint aller Wahrscheinlichkeit nach ein Gegenstand viel größeren Nutzens zu werden. Es ist nämlich eine Diamantmaschine zur Durchbohrung von Felsen gebaut wordeu, und gegenwärtig bei der Bohrung eines Tunnels an der Bourbonnais-Eisenbahn in Thätigkeit. Wir können hier sogleich beifügen, daß für diese Arbeit Diamanten reinsten Wassers nicht nothweudig sind. Der schwarze Diamant von Borneo ist zu diesem Zweck hart genug. Die Maschine ist von sehr einfacher Coustruetiou. ES ist eine mit einem stählernen Ring endigende eiserne Röhre vorhanden, und in diesem Ring werden die Diamanten in mäßig kurzen Zwischenräumen von einander angebracht, und zwar eine Reihe am äußeren und eine Reihe am inneren Rande. Die Röhre ist zum Mehen eingerichtet, und natürlicher Weise wird Druck gegen den Felsen ausgeübt. Die Höhlung der Röhre nimmt den aus dem Felsen ausgeschnittenen Kern aus, der mit einem Hammer abgeschlagen werden kann. Die gegenwärtig im Gebrauch befindliche Maschine soll von einem sehr harten Felsen stündlich einen Meter abbohren, obgleich sie nur durch Wasserkraft getrieben wird. Redactton, Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.