Gießener Anzeiger Rr. 2. 186S kU Pf 6 Wellen t | exclusive etwaiger lOVz Sgr. | Controlsteuer, MM". r "L Preis vierteljährlich 36 fr. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 32 kr. ebne Postausschlag. 72 Cubikfuß Buchen-Stammholz von 20 bis 25 Fuß Länge. Wieseck, den 2. Januar 1867. Großherzogliche Bürgermeisterei Wieseck. Lang. 38) Der nächste Verkauf der Strick- und Häkelgarne zu den bekannten Preisen für das gewogene Zollpfund findet Dienstag den 21., Freitag den 24. und Samstag den 25. Januar 1868, jedesmal von Morgens 10 Uhr an, ohne Unterbrechung der Mittagsstunden, im Saale des Gasthofes zum Prinz Carl statt. — Die zum Verkauf kommenden Garne find total fehlerfrei. — Auch wird an diesen Tagen zweifaches Garn zum Beistricken an Fersen und Fußspitzen zum Verkauf kommen. ______________________G a i l siche Wollenfpinnerei. Die Zusammenkunft ist auf der Licher Chaussee an der 5. Schneiße. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Mai k. I. gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, am 20. December 1867. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Kochsalz zu Salinen-Preisen ab Erfurt, Halle, Dürrenbcrg oder Astern. Erflirt, den 8. December 1867. Carl Ludwig, König!. Salznicderlagen - Vorsteher, Firma: I. A. Karst. Holzversteigerung im Wiesecker Gemeindewalde. 58) Montag den 6. Januar 1868, Abends 6 Uhr, werden im Locale des Herrn Herbert die dem Verein im nächsten Jahre zufallenden Häute an den Meistbietenden versteigert. Die Rechnung pro 1867 liegt zur Einsicht der Interessenten 14 Tage bei Unterzeichnetem offen. Wortmann. Anzeigen belebe man bis längstens Montags, Mittwochs oder Freitags, Morgens 9 Uhr, bei uns abgeben zu wollen. Die Expedition. Betreffend : Die Besetzung der erledigte» Forstnrtsstelle zu Aunev. 55) Vorbemerkte Stell mit dem Wohnsitze in Annerod, ist erlyt und, soll wieder besetzt werden. Für eselbe wird hiermit Bewerbung mit Fi von 14 Tagen unter dem Bemerken ebnet, daß Auswärtige sich mit Zeugnisj über Verhalten und Befähigung auszuwm haben. Mit der Stelle ist ein -halt von 290 fl. verbunden. Gießen, am 21. Decem: 1867. Großherzogliche Bürgneisterei Gießen. Vog Oefen und Kochherde in allen Arten und großer Auswahl empfiehlt (39) I. G- T>. Bapst. Dienstag den 7. Januar 1868, Vormittags 9 Uhr, im Rathhause öffentlich vergeben werden. Gießen, den 31. December 1867. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleibera Lit. B. Nr. 1. Samstag dm 4. Januar ■■■ 3 4% 250 23/4 2-/4 200 6 79 27 2150 44) _ Das Brechen und Anfahren von 1 Cubik-Klafter Steine, veranschlagt zu und 18 fl., soll 6 Besondere Bekantmachungen. Spar- und Leilaffe zu Lich. 56) Die Zinsen vonJahr 1867 werden an den vier Mittwoche des nächsten Monats, den 8., 15t, 22. nd 29. Januar, an der Kasse dahier auszahlt. Später an den gewöhnlichen freitiigen Zahltagen. — Indern ich die Jnterestten zur Empfangnahme einlade, bemer ich zugleich, da nach den günstigen Bejnniungen des Ver- glckchs vom 18. März). I. vom Januar an neue Einlagen angemmen werden, und daß der Tag der Gerat - Versammlung, durch welche auch die nen Wahlen zu geschehen haben, den Gubigern in aller Kürze auf diesem 2Bei bekannt gemacht werden wird. Lich, den 24. Decemk 1867. Der Director: Weber. Jagd. 45) Die am 1. Juli d. Js. leihfällig werdende „jagb auf der 5000 Morgen großen Gemarkung Wismar soll Freitag den 10. Januar er., Vormittags 10 Uhr, auf meiner Schreibstube dahier anderweit auf 6 resp. 9 Jahre verpachtet werden. Krofdorf, den 1. Januar 1868. Der Bürgermeister: Colnot. Amtliche Bekanntmachungen. In dem Landeszchthaus Marienschloß soll die erledigte Stelle einer Ausseherin über die weiblichen Geianaenen mit einem Geballe nnn 1ff in sytoAr setzt^werden Itta0§= nb Abendkost nebst 1 Pfund Brod täglich, im Anschläge von zusammen 65 fl. jährlich, wie auch freier Wohnung, Holz und Licht auf Widerruf 6c' . ^Bedingung für lese Anstellung ist vor Allem Sittlichkeit und guter Leumund, sowie die erforderliche Bildung und persönliche Rüstigkeit- Die Bewerberinnen dürfen äuch^im WnßzMgnäh^.^^ 4° 3118 besonderes Erforderniß erscheint endlich die Kenntniß und Gewandtheit in allen weiblichen Arbeiten, namentlich Die AnmeldunKer Bewerberinnen hat längstens bis zum 30. Januar k- I. unter Vorlage der erforderlichen Nachweise zu geschehen. Die beizubringeoen Sitten- und Leumunds-Zeugnisse müssen von dem betr. Geistlichen und Bürgermeister beglaubigt sein. Gießen, den 21December 1867. Großherzogliche Prooinzial-Direction Oberhessen. Dr. G o l d m a n n. Holzversteigerung »»Gießener Stadtwaldc 57) Montag den 6. Jaiin 1868, von Morgens 9 Ulan, soll m dem Gießener Stadtilde, Districte Heegstrauch und Waldshute, mverzeichnetcs Holz öffentlich versteigert ivem, als • 113*/4 Stecken Nadel-Prüge,» 49-/t „ „ Stocks, 3254 Wellen „ Rcishe 184 Nadel-Stamme mit 15 Cubikfuß, 549 „ Stangen „ 21 Salz Offerte. 43) Bei Aufhebung des Monopols versende ich Erfurter Steinsalz in allen Sorten gegen Hwanco-Einsendung des Betrags zu folgenden Preisen in Waggons frei ab Bahnhof Erfurt: ^stfelsalz (Erfurter Steinsalz) ä 2-/s Rthlr. versteuert, Viehsalz ll 5 Sgr. ..... Mehsalz-Lecksteine (ca. 12 Stück Pr. 1 Ctr.) Düngesalz ä 3-/4 Sgr., Gcwerbesalz rc., pro 100 Pfd. ohne Verpackung; gute Säcke zu 150 Pfd. Inhalt ä 7*/2 Sgr., des- „ gleichen geringere ä 200 Pfd. Inhalt a 7*/2 Sgr. können bcigegeben werden. Berste ig er n gen. 81) Dienstag den 18. chruar, Nachmittags 2hr, soll auf dahiesizem Rathhie die Hofraithe des Johann Joseph Langen, als: Flur i)ir. oKlsti. V47 21 Hofraithe i der Itenstadt, gibt Vä kr., „ JA» 11 Hofraum ir Scheuer das., öffentlich meistbietend verstört werden. Gießen, den 2. Januar 38. Großherzogliches Ortäricht Gießen. Ebel- 76) Freitag den 10 d. Mts. sollen in dem Wiesecker Gemeindcwalde, Districtcn Haide und Dörrloch, nachverzeichnete Holz- ortimente versteigert werden, als: 11 Stecken Buchen-Scheidholz, „ „ Prügelholz, „ „ Stockholz, Wellen „ Reisholz, Stecken Eichen-Scheidholz, _ „ „ Stockholz, „ Reisholz, Stecken Kiefern-Scheidholz, » „ Prügelholz, ii 11 Stockholz, Wellen „ Reisholz, 1276 Cubikfuß Kiefern-Stammholz von 5' 2 bis 10 Zoll Dicke und 10 bis 45 Fuß Länge, 257 Cubikfuß Kiefern-Stangenholz von 15 bis 30 Fuß Länge, 56 Cubikfuß Fichten -Stainmholz von 7 bis 9 Zoll Dicke und 30 bis 45 Fuß Länge, 224 Cubikfuß Eichen - Stammholz von 10 bis 12 Zoll Dicke und 20 bis 45 Fuß Länge, LE" Einladung zum Abonnement. Mit dem 1 Januar 1868 hat das Abonnement auf dieses Blatt begonnen. Dasselbe erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donwrstags und Samstags, und kostet in Gießen vierteljährlich 36 Kreuzer frei in's Haus geliefert. Auswärts kann nur bei dss Post oder den Landpostboten abonnirt werden und kostet vierteljährlich 32 Kreuzer, wozu jedoch noch der Postausschlag hinutritt. — Die seitherigen Abonnenten werden ersucht, ihre Abonnements rechtzeitig zu erneuern, damit dieselben vollzählige Exemplare bekommen können. Universitäts-Wand- und Adreßkalender sind, 8 Kreuzer pr Stück, zu haben in der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch.) Wiederverkäufer erhalten Rabatt. 82) Frische Cabliauen, Schellfische, Roll-Aal in Gelee, Reunaugen, Austern, abgekochten Schinken, neuen Lattig in Häuptern empfingen Z. A. Busch Söhne. ® , 48) Filzschuhe, beste Qualität, § ® billigst bei I ® W. Seuling, Neuenbäuem ® 50) Briefcouverts mit Franco-Marken bei_______________________A. Balser. Weister flüssiger Leim von Ed. Gau bin in Paris. 42) Dieser geruchlose Leim wird in kaltem Zustand zum Leimen von Porzellan, Glas, Marmor, Holz, Kork, Pappendeckel, Papier angewendet, und ist unentbehrlich in den Haushaltungen und Verwaltungen, pr. Flasche 14 und 28 fr. In Gießen bei Ernst Hermes, Materialist. Feilgebotenes. 54) Weine, Arrac, Rum und Cognac, sowie Punsch-Essenze, Li- queure, Kunsthefe und Essige von anerkannter Güte, eigene Fabrication, zu den billigsten Preisen, empfiehlt _________________Pitthan, im Adler. 73) Pferdedecken billigst bei ___________Gebrüder Heß, Kreuz. 52) Respiratoren in allen Qualitäten empfiehlt I. Schellenberg, Seltersweg. 65) Geschäftsbuches jeder Art, aus der Fabrik von König und EbHardt in Hannover, empfiehlt PH. Ludekrng. Thnnrcnifn von Bergmann /o 1882r 76% Geldsorten. PiDass. Sch. 1 44’/s-45i/g Di Cass.-A. — Pr'riedrdor. 9 57i/2-58*/2 Polen . . 9 48-50 doppelte 9 49-51 H. fl. 10 St. 9 53-55 Daten . . 5 37-39 2Frankenst. 9 29l/2-301/2 El. Souver. 11 54-58 Bs. Imper. 9 49-51 11. in Gold 2 _3?i/2-28t/ä AnlelieBislwwse. Kurh. 10 Thlr. Loose 53'/4 Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. 40 e Rundschau P o l Gießen, 1. Jan. Ohne gerade dem heutigen Neujahrsgruß (stehe unten Paris) Napoleons eine besondere Wichtigkeit beilegen zu wollen, so muffen wir doch denselben in's Auge fassen und zwischen den Worten zu lesen suchen, ob er Krieg oder Frieden bringt. Die schon seit längerer Zeit im Munde Napoleons geläufig gewordenen Redensarten von Friedensversicherungen und dergleichen finden wir auch wieder in dem heutigen Neujahrsgruß, aber wir sind diese Worte schon so gewöhnt, daß wir immer etwas GegenthciligeS dahinter zu suchen haben. Wie ließen sich sonst auch die ungeheuren Rüstungen Frankreichs erklären? Es gilt, ein ungeheures schlagfertiges Heer zu schaffen. Nach der Vorlage in der Kammer und nach den wiederholten Erklärungen der Minister Niel und Rouher sollen jährlich 100,000 Mann ausgehoben werden und 9 Jahre dienen. Daraus wird eine stehende Armee von 450,000 Mann gebildet, die außerhalb der französischen Grenzen kämpfen soll, 400,000 Mann Reserve, ebenfalls schlagfertig und 400,000 Mobilgarde für den Dienst im Innern. 600,000 Mann müssen wir jederzeit über die Grenze führen können, sagte der Kriegsminister Niel. Er setzte hinzu: Die Infanterie hat ein ausgezeichnetes Gewehr und bis zum Frühjahr werden alle Soldaten damit versehen sein. Unsere Arsenale sind wohl versorgt, unsere Magazine gefüllt, unsere Festungen im besten Stand, Alles ist vorbereitet. Wir Franzosen haben das lebhafte Blut der Gallier. Wir können nicht lange die Gefahr ertragen, wir gehen ihr entgegen und ziehen den Krieg einer allzulangen Be- unruhigung vor. Gegen wen oder für welche Sache rüstet Frankreich mit solcher Macht und Ungenirtheit? — „Das gestörte Gleichgewicht Europas muß herg-stellt werden, sagte der Berichterstatter des Gesetzes in der Kammer, Greßier, es wird nur durch große Kriege hergestellt. Zweimal jedes Jahrhundert sieht man sie eintreten, man sucht sie nicht und man vermeidet sie feiten." — Der friedfertigste unter den Ministern, Rouher, rief: „Wir müssen 800,000 Soldaten haben — nicht etwa für deFall einer Koalition gegen Frankreich, in welchemall sich Frankreich Aliirte zu verschaffen wissen trürl sondern für den Fall eines einfachen Dues mit irgend einer Großmacht." Mit wem hat Frankch im Sinne sich zu duel- liren? Wer ist der Stör des europäischen Gleichgewichts? — In der Ärmer wurde der Gegner nicht genannt, aber anoeutet. Die ministeriellen Zeitungen sind nicht zurhaltend. La France sagt, „Der Krieg wird cs der Umgestaltung Deutschlands h e r v eg e h e n, er wird kommen, wenn Preußen denltain überschreitet." Ist das deutlich genug? In Frankreich nennt jedes Kind den Gegner. Dieben Pariser Zeitungen verkündigen ein nahe bevvrhendes Anlehen und das Verbleiben des Marsch« Mac Mahon in Paris an der Seite des Kaisei General Fleury soll nach Algier geschickt werden, n ihn als Eeneralgouver- neur zu vertreten. Gießen, 3. Jan. Der den gestrigen Nachmittagszug fahrende Locomotivführer ist zwischen Nau- heim und Butzbach von der Locomotive, an der er etwas nachseden wollte, da er Unregelmäßigkeiten im Gang der Maschine wahrnahm, Kopfüber herunter- gestürzt und der ganze Zug ging über ihn hinweg. Die Verletzungen des Unglücklichen sind bedeutend und zweifelt man an seinem Aufkommen. Darmstadt, 30. Dec. Das heute erschie- neue Regierungsblatt Nr. 51 enthält : I. Bekannt- machung Großherzoglichen Ministeriums des Groß- herzoglichen Hauses unv des Aeußern, die Gesetze und Verordnungen des Norddeutschen Bundes betr. Die nachstehender, durch das Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes für die zu diesem Bunde gehörigen GebietStheile des Großherzvgthums bereits verkündigten Gesetze, nämlich: 1) über das Paß. wesen, vom 12 October 1867; 2) über die Freizügigkeit, vom 1. November 1867; 3) betreffend den BundeShauihaltsetat für das Jahr 1867, vom 4. November 1867; 4) betreffend die Organisation der Bundesconülate, sowie die Amtsrechte und Pflichten der Sundesconsuln, vom 8. November 1867; 5) betrffend den außerordentlichen Gelv- hevarf des Noddeutschen Bunves zum Zwecke der Erweiterung de Bundcs-Kriegsmarine und der Herstellung der Kitenvertheidigung, vom 9. November 1867; 6) beteffend die vertragsmäßigen Zinsen, vom 14. Novmber 1867; 7) betreffend die Feststellung des Hashaltseiats des Norddeutschen Bundes für das Ihr 1868, vom 30. October 1867 — werden duch Abdruck im Regierungsblatt zur allgemeinen Knntniß gebracht. Die unter Nr. 1 und 2 erwählen Gesetze treten, in jenen Landes- theilen, mit em 1. Januar 1868 in Wirksamkeit. Die übrigen (esetze haben daselbst ihre verbindliche Kraft erhalte,: Das unter Nr. 3 bezeichnete am 6. v. M., die unter Nr. 4, 5 und 6 aufgeführten am 19. v. M-, das unter Nr. 7 genannte am 28. v. M. I. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Fianzcn, die Erhebung einer Abgabe von Salz br. In Betreff der Ausführung des Artikels 6 d, Gesetzes vom 9. November d. I. wird Nachstehwes zur öffentlichen Kenntniß gebracht: Für jede der cstehenden inländischen Salinen ist ein besonderes Sqsteueramt errichtet worben, welchem die Erhebung und Eontrolirung der Abgabe von dem auf bei Saline gewonnenen Salze obliegt. Das Salzstevamt Wimpfen ist Vem Hauptzollamt Darmstadt, bc Salzstcueramt Nauheim dem Hauptzollamt Gießemnd bas Salzsteueramt Theoborshalle Vem Hauptzolint Mainz untergeordnet. Die obere Leitung der e Erhebung und Eontrolirung der Abgabe von lalz betreffenden Angelegenheiten ist der Ober-ZvDirection übertragen. III. Bekanntmachung Gryerzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Erriung eines Nebenzollamts erster Klaffe zu BenSheimiktreffend. Mit Beziehung auf den §. 108 des leiten Theils der Zollordnung vom 9. März 183 wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Bensheim an Stelle des seitherigen mit der OrtSeinnehmerei zweiter Klaffe verbundenen Nebenzollamts zweiter Klaffe ein Nebenzollamt erster Klaffe mit unbeschränkter Befugniß zur Ausfertigung und Erledigung von Begleitscheinen und mit Nieber- lagerecht von Tabak, Wein, Spirituosen, Kaffee und Salz, in Verbindung mit einer OrtSeinnehmerei erster Klaffe für die inneren indirecten Abgaben, errichtet worben ist und mit dem 1. Januar 1868 in Wirksamkeit treten wird. IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Besteuerung des Biers im Großherzogthum Baden betreffend. Durch Gesetz vom 18. Nov. l. I. ist im Großherzogthum Baden zunächst für die Monate December 1867 und Januar 1868 die Steuer von dem daselbst bereitet werdenden Bier von 5 Kreuzer auf 7 Kreuzer für die badische Stütze und in demselben Verhältniß auch die Uebergangssteuer von dem aus anderen Zollvereinsstaaten in das Großherzogthum Baden eingeführt werdenden Bier von 7,8 Kreuzer auf 11 Kreuzer für die Stütze, oder von 1 ff. 18 fr. auf 1 ff. 50 fr. für die badische Ohm erhöht und in gleicher Weise die Steuerrückvergütung von dem aus dem Großherzogthum Baden unter Controle über die Landesgrenze ausgeführt werbenden Bier von 6,5 Kreuzer auf 9 Kreuzer für die Stütze oder von 1 ff. 5 fr. auf 1 ff. 30 fr. für die badische Ohm festgesetzt worden, was mit Bezugnahme auf die Anlage B. des Schlußprotokolls zum Vertrage vom 8. Juli d. I., die Fortdauer des Zoll- und Handelsvereins betreffend (Reg.-Bl. Nr. 47), zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. V. Bekanntmachung, die Verkündigung gerichtlicher Anzeigen in der Provinz Rheinhessen betreffend. Das Großherzogliche Bezirksgericht Mainz hat in feiner Generalversammlung vom 6. December b. I. in Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 12. Januar 1852 das „Mainzer Journal" als dasjenige in der Provinz Rheinhessen erscheinende Zeitungsblatt bezeichnet, durch welches die in dem Bezirke des genannten Gerichts nothwendig werdenden, im Art. 1 der gedachten Verordnung aufgeführten gerichtlichen Anzeigen für die Dauer des Jahres 1868 zu verkünden find, und hat dieser Beschluß die nach Art. 2 der erwähnten Verordnung erforderliche Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz erlangt. VI. Bekanntmachung, die Verkündigung gerichtlicher Anzeigen in der Provinz Rheinhessen betreffend. Das Großherzogliche Bezirksgericht Alzey hat in feiner Generalversammlung vom 7. December d. I. in Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 12. Januar 1852 die „Wormser Zeitung" als dasjenige in der Provinz Rheinhessen erscheinende ZeiinngSblatt bezeichnet, durch welches die (n dem Bezirke des genannten Gerichts nothwendig werdenden, im Art. 1 der gedachten Verordnung aufge- fuhrten gerichtlichen Anzeigen für die Dauer des Jahres 1868 zu verkünden sind, und hat Cjefer Beschluß die nach Art. 2 der erwähnten Verordnung erforderliche Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz erlangt. Berlin. Millionen armer Menschen thun den Schritt vom alten ins neue Jahr mit Seufzen; denn die Noth schreitet mit ihnen über die schmale Schwelle und der Hunger pocht an Thür' und Fenster. AuS Ostpreußen, dem deutschen Gränzlande, von der Natur zum Theil stiefmütterlich bedacht, von der russischen Gränzsperre arg heimgesucht und von den neuen Verkehrsmitteln vernachlässigt, erschallen grelle Hülferufe nach Deutschland, dem die Ostpreußen 1812 vorangegangen sind mit siegreicher Erhebung gegen Napoleon I. Zwei Erndten waren sehr spärlich, die diesjährige Erndte ist eine vollständige Miß- erndte, selbst die Kartoffeln fangen an selten zu werden ; die Noth erstreckt sich, wie die Hülferufe melden, über mehr als eine Million Menschen. Die Erde ist gefroren, der Schnee bedeckt sie und verhindert, die Arbeiten an den Eisenbahnen, die gebaut weiden sollen, zu beginnen. Es müssen andere Hülssmittel als Eisenbahn- und Wegebauten gefunden werden. Die Regierung selber hat darauf verzichtet, allein helfen zu können, der Kronprinz selber fordert patriotische und christliche Menschen auf, ihr Scherf- lein beizusteucrn, um die Hungernden zu speisen und er wird's sicher nicht vergeblich gethan haben. — (Die Expedition des Gießener Anzeigers ist erbötig Gaben für die Ostpreußen in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern.) Stettin, 21. Dec. Das hiesige Coursblatt schreibt: Trotz der sonst um diese Zeit ganz ruhenden Nachfrage nach industriellen Aetien war es diese Woche recht lebhaft, da das Privatpublikum sich beeilt, zu den billigen Coursen das flotte Material aus dem Markt zu nehmen. Namentlich waren es Germania-Aktien, die schnell steigend zu 94 — 96 gesucht wurden und würbe das Geschäft noch größere Dimensionen angenommen haben, wenn eS nicht so sehr an Abgebern gefehlt. Wie wir hören soll das Geschäft in diesem Jahre recht günstig liegen und nachdem es durch veränderte Organisation auf die solideste Basis begründet, darf man jetzt eine von Jahr zu Jahr steigende Rente erwarten. National- versicherungs-Actien wurden in Kleinigkeiten bis 119 und nur Stettiner Union bis 105 bezahlt, Vulean mit 86 gehantelt. München, 23. Dec. Vorgestern traf in unserem auswärtigen Amte eine telegraphische Depesche von Stuttgart ein, welche rnittheüte, daß die Vereinbarungen, wie sie jüngst auf der Münchener Wehreonferenz erzielt wurden, Seitens der württem- bergischen Staatsregierung die ausbedungene Ratification erhalten haben. Somit sind die Verträge von Baden und Württemberg ratificirt; nur in Baiern hat man die Unterschrift des Königs, der unter der Zeit bekanntlich von Hohenschwangau nach München übersiedelte, noch nicht erlangen können. München, 24. Dec. Verschiedenen Zeitungen ging die Nachricht zu, daß Baden bei der Ratifikation der Vereinbarungen, welche von der jüngsten Militär - Conferenz zu München getroffen wurden, wesentliche Vorbehalte gestellt habe. Aehnliche Nachrichten über dasselbe Factum kommen auch über Feuil Vetter uni» Base. Eine Familiengeschichte. (Fortsetzung.) — „Offegestanden, Zirkler," sagte Pauline und wickelte einen Streifen Rosapapier unsren kleinen runden Finger, um ihn zu einer Rose zu gestalten, und auf ihren fangen leuchtete ein Roth auf, das diese treuherzigen offenen Züge gleicbfamerflärte; „offen gestanden, Zirkler, ich habe die Sorten nicht aus dem Kopfeemacht! Nein, das wäre doch für ein einfaches Landmädchen wie ich zuviel langt! Die Farbennuancen und den Bau der Blumen versteht ja nur ihr Gäer! — Aber sehen Sie, Thomas, wie ich neulich drüben des Onkels Bücher stäubte in seinem Privatzimmer, da fiel mir ein französisches Buch in die -£d mit lauter schönen wunderbar hübschen Abbildungen von Rosen. Dieß >' ich mir geholt und darnach meine Papierblumen gemacht. Sehen Sie, h. sind die verschiedenen Nuancen von Papier und h.er ist ein Pinsel und Cari, womit ich zuweilen nachgeholfen habe. Und glauben Sie nun nicht auch, ß uns geholfen ist?" „Freilich, in herziges Mamfellchen! Dank Ihnen ist mir nun geholfen! Nun brauch ich ine eigenen getriebenen Rosenblühten nicht abzuschneiden, und wir ersparen ein Louisd'or für diejenigen, welche wir von anderen Gärtnern hätten kaufen la müssen ■— wenn ich nämlich darum geschrieben hätte, wie es die Madame vollt hat!" — „Und ierspare Ihnen den Zank der Tante, der Ihnen nicht geschenkt worden wäre, toi sie erfahren hätte, daß Sie nicht um die Rosen geschrieben haben!" sagte Pine. „Als ob ichcht besser wüßte, Mamfellchen, daß man Ende Oktobers die Blüthen von geibenen Rosen mit Gold aufwiegt!" sagte Zirkler mürrisch. „Und wozu auch ne getriebene Rosen? ich bitte Sie, Mamsell Pauline! Kostet denn das j nicht ohnedies schon ein Sündengeld? Und wäre es nicht schon Unsinn undn-oel, die schönen Rosen so auf die Kränze zu heften, wo sie doch im Qualund der Hitze eines solchen Ballsaals in wenigen Minuten schon schlaff und if würden? Nein, fürwahr, solch ein verrückter Einfall .. l e t o n. — „Stille, stille, lieber Mann! wenn jemand das hörte!" flüsterte Pauline und ergriff beschwichtigend feinen Arm. „Sie sollen die Tante nicht noch mehr erzürnen, denn sie ist Ihnen ohnedem gram genug. Lassen Sie uns froh fein, daß mein Einfall mit den Papierblumen nun doch alles zufrieden stellt..." „Wenn's nur geht, Mamfellchen! Wenn die Madame nur nichts merkt, denn sonst bricht das Gewitter über uns beide herein, und das möcht' ich Ihnen für mein Leben nicht wünschen!" — „Oh, dafür ist gesorgt, Thomas!" sagte Pauline lebhaft. „Ich habe an Alles gedacht. Wir geben dem Tapezier die Guirlanden und Kränze von Fichtenreisern mit den Rosen erst in der letzten Viertelstunde vor dem Beginne des Balls zum Aufhängen; ferner hab' ich ihn angewiesen, sie so hoch zu hängen, daß man den Unterschied nicht genau sieht, und endlich ist die Tante kurzsichtig, und heute von so viel Sorgen in Anspruch genommen, daß sie nicht Zeit haben wird, die Rosen auf ihre Echtheit zu untersuchen, und .... wissen Sie, Thomas ! das ist noch eine Art Anspruch auf Verdienst von meiner Seite! .... wenn alle Stränge reißen, so sagen Sie der Tante einfach: da keine von den bestellten Rosen eingetroffen und ihre eigenen nicht genügend gewesen seien, so habe ich mich anheischig gemacht, Ihnen einen Vorrath von künstlichen zu liefern — nur damit der Wille der Tante erfüllt werde!" „Mamfellchen, Sie sind ein Prachtmädel! Na das muß Ihnen der Neid lassen, in diesem Köpfchen da steckt ein halber Advokat!" rief der Gärtner heiter. „Wenn Sie nicht noch im Hause wären und der alte Herr, da wär'S meiner Treu nicht mehr auszuhalten mit dem hochmuthigen Weibervolk da oben . . . ." — „Oh, stille, lieber Alter! stille!" sagte Pauline; „die Wände haben Ohren — wozu sich noch mehr Feindschaft machen? Genug, wenn man uns ungeschoren läßt! Auf Dank wollen wir ja gar nicht rechnen! Und nun lassen Sie mich, Alker, denn ich muß mindestens noch zwei Dutzend Rosen machen, wenn es für alle Kränze und Guirlanden reichen soll!" Damit klapste sie ihm schelmisch auf die Schulter und schloß das Fenster. 2. „Du lieber Himmel! was man sich doch mit diesen Leuten ärgern muß!" rief Henriette Balder ganz außer sich. „Welch ein Unglück ist es doch, in Stuttgart. Um so mehr ist man in unserem auswärtigen Amte erstaunt, weil die großherzoglich badische Regierung die Verträge ohne jeden, auch den geringsten Vorbehalt retificirte, und es wird abzu- warten sein, in wie weit sich jene Nachricht, die anscheinend mit großer Bestimmtheit in die Welt gesetzt wurde, vielleicht durch irgend eine nachfolgende Erklärung Badens als begründet erweise. Florenz. Lord Clarendon ist in Florenz an- gekommen, wie die officiöse „Jtal. Corr." selbst meldet; offenbar in diplomatischer Mission. Die Nachricht des „Wiener Tageblattes", daß er einen englisch, preußischen Vermittlung-Vorschlag zu überbringen habe, wird zwar von derselben Correspon- denz sehr bestimmt dementirt. Es muß aber doch etwas daran sein; denn gleichzeitig zeigt sie die bevorstehende Ankunft des Lord Bloomfield, englischen Gesandten in Wien, an, und zwar mit folgender höchst bedeutsamer Note: „Man kennt die ganz besondere Wichtigkeit, die man den Reisen der politischen Notabilitäten Großbritanniens beizulegen hat. Diese wahrhaft distinguirten Männer wissen sich wäh- rend ihres Aufenthaltes in der Fremde genau über die Verhältnisse der Länder, welche sie durchfliegen, Rechenschaft abzulegen. So müssen wir uns darüber beglückwünschen, daß so hervorragende Persönlichkei- ten mit ihren eigenen Augen die wahre Situation ZtalicnS gegenüber Rom und den wirklichen Zustand der Sicherheit, der gegenwärtig auf der Halbinsel besteht, zu constatiren kommen. Wir fürchten ihr aufgeklärtes Urtheil über den Stand unserer Angelegenheiten nicht und unsere Regierung sieht mit Freuden, daß ihre Handlungen in diesem Augenblick sehr kompetente Zeugen haben." Florenz, 30. Dec. Der König ist gestern Abend von Turin wieder hier eingetroffen. — Die „Opi- nione" sagt: Menabrea suchte anfänglich ein neues Cabinet zu bilden, indem Gualterio und Mari aus- scheidcn, während Cordova mit dem Justizportefeuille und Scialoja mit dem Finanzportefeuille betraut, Cambray aber zum Minister des Innern ernannt werden sollten. Später versuchte er eine neue Combination, um sich die Mitwirkung der piemontesischen Deputirten zu sichern. Ponza und Sammartin wurden nach Florenz berufen und hatten eine lange Conferenz mit Menabrea, welcher eine zweite Zusammenkunft folgte, zu der auch noch andere politische "Persönlichkeiten zugezogen wurden. Rom, (via Marseille), 26. Dec. Als gestern nach dem Schluffe des päpstlichen Hochamtes die Cardinäle den Heilgen Vater zum Beginne des neuen Kirchenjahres beglückwünschten, erwiderte dieser einige improvisirte Worte, in welchen er von den Zuständen Jerusalems und Roms zur Zeit der Erscheinung Christi sprach. Damals sagte der Papst, war Judäa auf's Tiefste durch Parteiungen zerrissen und gespalten , während Rom das Bild der Macht und der Kraft darbot. Auch heute noch bietet Rom das Bild vollkommenster Einheit. Die Kirche schaart alle Kräfte der Gläubigen des ganzen Weltalls um sich, während ihre Feinte sich in Parteien zersplittern und dadurch ihren eigenen Untergang beschleunigen. Ohne Zweifel müssen wir aber gewärtig sein, daß sie sich noch zu einem letzten Angriffe sammeln werden. Darum wachet und betet, auf daß ihr zu Allem bereit gefunden werdet. Der Papst weihte hierauf den Sammthut und Ehrendegen, die, wie üblich, demjenigen Fürsten zum Weihnachtsfeste übersandt werden, welcher sich um die Vertheidigung der Kirche am verdientesten gemacht hat. Cardinal Andrea hat die ihm auferlegte Retractation in fünf Punkten acceptirt und an den Papst ein Schreiben gerichtet. In Folge dessen sind dem Cardinal seine Würden wieder zuerkannt worden, und die Angelegenheit ist damit erledigt. Paris, 2. Jan. Folgendes ist der Wortlaut der kaiserlichen Ansprache an das diplomatische Corps : „Ich schätze mich glücklich, das neue Jahr, wie immer, umgeben von den Vertretern aller Mächte zu beginnen und Ihnen wiederum meinen beständigen Wunsch kundgeben zu können, mit den auswärtigen Mächten die besten Beziehungen zu bewahren. Ich danke Ihnen für die guten Wünsche, welche Sie für Frankreich, für meine Familie und für mich dar- bringen." Der Kaiser antwortete dem Erzbischof von Paris auf dessen Ansprache: „Die Wünsche, die Sie für die Kaiserin, den kaiserlichen Prinzen und für mich hegen, rühren mich tief. Sie entstammen einem edlen Herzen. Ich weiß, daß Sie die Interessen der Religion von denen des Vaterlandes und der Civilisation nicht trennen." Nach der Rede richtete der Kaiser einige besondere Worte an den Fürsten Metternich und einen huldvollen Gruß an Goltz. Der kaiserliche Prinz und der Prinz Napoleon wohnten dem Empfange bei. London, 24. Dec. John Bright, der am vorigen Abende eine lange Rede in Rochdale hielt, woselbst seinem in Manchester gewählten Bruder Jacob zu Ehren ein Meeting veranstcktet worden war, sprach u. A. ebenfalls über Irland und das Fenierthum, aber weniger gegen dieses als gegen England, das keinen Staatsmann groß gezogen habe, der Muth und Talent genug besitze, Irland gerecht zu werden. Er seinerseits stimme nicht in Vas Geschrei des Tages ein, daß vor Allem das Fenierthum bekämpft werden müsse, um hinterdrein die Beschwerden Irlands zu erörtern. Denn in der Regel vergesse man die Beschwerden, wenn die Roth überstanven. So sei es Irland gegenüber geschehen, das man 200 Jahre lange mittelst des Galgens regiert habe. Nicht eine einzige große heilsame Maßregel sei seit O'Connell's Zeiten zu Gunsten Irlands durchgeführt worden. Und da wundere man sich, daß ein Theil des erbitterten irischen Volkes sich zu Verschwörungen und gehässigen Verbrechen hinreißen lasse! Viele darunter seien im amerikanischen Kriege an blutige Thaten gewöhnt worden, da sei es nur natürlich, baß sie das Erlernte zu Zwecken verwenden, die sie für patriotisch'erachten. Ganz Europa deute jetzt mit Verachtung auf England. Französische, deutsche und italienische Zeitungen sprechen nicht mehr von Polen, Ungarn und Venetien, sondern von Irland und England, welches letztere seine Pflicht gegen ersteres schmählich verabsäumt habe. Ob die jetzige Regierung ihrer Aufgabe ge- wachsen sei, werde sich zeigen. Schon Sir Robert Peel habe, aus dem Amte scheidend, eingestanven, daß Irland seine größte Schwierigkeit gewesen, weit er seine toryistischen Kollegen und die Vorurtheile Englands nicht bezwingen gekonnt. Ob wohl die heutigen Tories weiser seien? Ob sie zur Heilung des Nebels andere Mittel in Bereitschaft haben, als den bloßen Schrecken ? Unter den Whigs sei es Irland allerdings bis jetzt nicht viel besser ergangen, denn auch den wohlwollendsten und einflußreichsten derselben habe es an Muth gefehlt, die irische Frage gründlich zu be- handeln. Zur Zufriedenheit Irlands gehöre die Gerechtigkeit und großes staatsmännisches Talent. Sollte England so tief gesunken fein, daß es keinen der Aufgabe gewachsenen Staatsmann mehr zu erzeu- gen vermöge? Besäße es einen, und gelänge es ihm, die richtigen Mittel zu erdenken und durchzuführen, er würde sich damit der Unsterblichkeit würdig machen. Petersburg, 27. Dec. Der „Russische In- valide" analistrt die diplomatische Korrespondenz, die orientalische Frage betreffend und sagt: Rußland stellte die orientalische Frage so deutlich aus, daß eine schnelle Lösung derselben bevorstejt. Athen, 21. Dec. Eine Ministerkrisis steht bevor. Komunduros droht mit Abdarkung, weil der König mit seiner Politik nicht einverstanden sei, welche zur Befreiung von Kreta auf snen Bruch mit der Türkei abzielt. Konstantinopel, 21. Dec. Die Pforte hat beschlossen die letzte Note der vier Mächte unbeantwortet zu lassen. Zürich, 22. Dec. Zum ersten Male seitdem Bestehen der Hochschule fand am letzten Samstag bei ganz ungewöhnlich starker Zuhörerschaft eine weibliche Doctorpromotion statt, indem nämlich die medicinische Falcnltät der Fräulkin Radeschka Suslowa aus Petersburg die Wurde liner Doctorin der Medicin, Chirurgie und Geburtshilfe ertheilte. Fräulein Suslowa studierte laut dem „Republikaner" seit ca. 4 Jahren mit Energie und Ausdauer Meoicin und bestand vor Kurzem mit Zufriedenheit, gleich einem Studiosen, das Doktorexamen, in Folge dessen ihr dann die höchste akademische Würde valiehcn wurde. Die Doctorin (1843 geb.) schrieb eine 24 Seilen lange Jnaugural-Dissertation („Beiträge zur Physiologie der Lymphherzen"), sie hielt eine deutsche quaestio inauguralis, der ebenfalls in deutscher Sprache eine Disputation über brit medicinische Streitsätze folgte. Das jusjurandum verlas in lateinischer Sprache der greife Universtäts - Secretär Ettmüller und nach der Creation zum Doctor hielt der Promotor Professor Dr. Rose eine längere schwungvolle Rede über die Wünschbarbit der allmä- ligen Emancipation der Frauen auch im Gebiete der Wissenschaften, wobei er besonders hervorhob, daß genau vor 50 Jahren die kürzlich verdorbene Charlotte v. Siebold von der Universität Gießen ebenfalls den medicinischen Doctorgrad erlangt habe. i. $- einer solchen Provinzialstadt wohnen zu müssen, wo man nicht einmal einen modischen Damenschneider Haden kann! Da hab' ich nun doch dieser Madame Fuchs gesagt: sie solle mir den Leib au dem Ballkleide etwas tief ausschneiden und passend machen, und nun schickt sie mir hier eine Robe, die ich absolut nicht tragen kann! Der Leib da ist um zwei Fingerbreiten zu eng! Die dumme fahrlässige Person!" Damit schleuderte Fräulein Henriette, die älteste Tochter des Fabrikherrn Balder, ein kostbares Ballkleid von bernsteinfarbigem Atlas, welches sie eben anprobirt und zu eng erfunden hatte für ihre etwas unter- , setzte und breite Figur, voll Unmuth mitten in das Zimmer ihrer Schwester hinein. „Aber so geht es mit den hiesigen Handwerksleuten immer! Nichts hat i Chic, nichts Eleganz, und so oft mir diese Fuchs, die doch für die erste in , ihrem Fache gilt, ein Kleid abliefert, ist es immer durch Abändern halb ruinirt, i ehe ich es nur tragen kann. Es ist ein Jammer, daß wir Papa's Geschäften zu Liebe in diesem armseligen Provinzialneste wohnen müssen!" 1 — „Ach, Schwesterchen, wer wird sich denn über eine solche Kleinigkeit so s ärgern?" versetzte die jüngere Schwester Ida und richtete sich von ihrem Divan < auf, in dessen Kissen sie geruht und einen neuen Roman gelesen hatte. „Ich i denke, Du gehst zu weit in Deinen Ansprüchen wie in Deinem Dorurtheil gegen i * die arme Fuchs! Sie kann doch andere befriedigen! Sind nicht Rosa und Emmy Kammerer, welche auch bei der Fuchs arbeiten lassen, immer sehr hübsch t gekleidet?" „Allerdings!" rief Henriette; „aber gerade dieß empört mich, daß sie mich £ so schlecht bedient, und ich wette, daß das Ballkleid von Rosamoor, wozu ich Julien Fink das Maas nehmen sah, nicht verpfuscht werden wird. Juliens v Kleiderleibe sitzen immer wie angegossen!" t — »Aber bedenke doch, Schwester, daß Julie einen ganz ausgezeichneten 8 Wuchs hat!" wandte Ida ein. „Sie ist schlank, klein und doch dabei hübsch e gerundet. Du aber bist untersetzt und wirst alle Tage korpulenter!" „Unsinn, Ida!" versetzte Henriette unmutig; „Julie verdankt ihre Figur nur ihrer Schneiderin und Korsettmacherin. Aber Madame Fuchs gibt sich mit Julien besondere Mühe, und mich läßt sie es entgelten, daß ich mich gelegentlich schon ungünstig über die geringe Geschicklichkeit der diesigen Arbeitsleute geäußert habe! »Was auch unklug von Dir war, Schwester!" fiel ihr Ida in's Wort. „Derartige Ansichten braucht man ja nicht an die große Glocke zu hängen, denn sie erbittern nur; und dann bleibt es doch wahr, daß Julie einen ganz vortheilhaften Wuchs hat!" — „Nein, ich behaupte sie ist hager wie ein Stecken!" rief Henriette rechthaberisch; „sie ist ein Skelett, ein Hutgestell; und ich möchte lieber noch zweimal so stark sein als ich bin, denn solch ein Atom, ein Schatten wie Julie. Gottlob daß ich noch etwas mehr bin als blos Haut und Knochen! Du hast freilich eine Vorliebe für kleine, hagere, schmachtende Schönheiten! Du holst Deine Begriffe von Schönheit und Deine Ansichten aus den endlosen Romanen, welche Du mit solcher Gier verschlingst, namentlich aus Deinen französischen Romanen, wo die Heldinnen lauter Milch und Mondschein und die Helden blasse, interessante, schwärmerische, Jünglinge sind, wie man sie im wirklichen Leben gar nie trifft. Nach Deinen Begriffen muß Julie dann eine Schönheit ersten Ranges fein. Aber das Einzige, um was ich sie beneide, sind nur ihre Balltoiletten und ihre geschmackvollen Roben, die immer wie angegossen sitzen . . . . Doch, komm, Ida! lege um's Himmels willen Dein Buch beiseite und probire Dein Ballkleid an! Ich möchte wissen, ob die Fuchs auch das Deinige verpfuscht hat!" Ida stand vom Divan auf, ein hochgewachsenes schlankes Mädchen von etwa achtzehn Jahren, sehr blaß und mit träumerischen großen grauen Augen und langen blonden Locken, die ihr etwas schwärmerisches fremdartiges gaben — „einen englischen Pli," auf den sie sich viel zu gute gab. Ida war das schnurgerade Gegentheil von ihrer kräftigen, blühenden, dunkeläugigen Schwester, die in jeder Bewegung ein reges Temperament und eine gewisse Thatkraft »er« rieth, während Ida eher etwas Indolentes und weichlich Sentimentales in ihrem Wesen hatte, zu welchem wohl auch das Kleid von blaßblauem Krepp paßte, das für sie im Nebenzimmer auf dem Sopha lag. „Ach geh', Henriette! wozu denn diese Eile?" sagte Ida und legte ihr Buch nur ungern auf den Gueridon. „Wozu den diese Eile? Es ist ja kaum halb vier und der Ball beginnt erst um acht Uhr. Wozu denn schon jetzt Toilette machen? ich möchte lieber diesen Band erst zu Ende lesen. Ich bin überzeugt, mein Kleid paßt mir und das Deinige kann ja Pauline auslassen, die sich auf solche Arbeiten gut versteht! Laß mich jetzt in Ruhe, denn ich bin gerade an der interessantesten Stelle, wo, Lord Rochester sich auf das einsame verfallene Schloß zurückzieht. . . ." ' (Forts, folgt.) Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. ■V V 4