Prei! vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 51 fr. Gießcmr Aiijägtr. Erscheint wöchentlich dreimal. Dienstags, Donner- stagS und Samstags. — Expedition: Canzleiberx Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Nr. M2. Donnerstag den 3. Decemder 1808. Amtliche Bekanntmachungen. den Besondere Bekanntmachung. den Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Dienstag Mittwoch Donnerstag In von der der ff ff u 7) 8) 9) 10) 11) 12) 13) 14) 15) 16) Zwar: 3- December, Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet hatte, schritt dieselbe zur Berathuug der auf der Tagesordnung stehenden Fragen: I. Bei welchem Grade der Neife des Getreides sollte mit der Grnte desselben begonnen werden? Die Verhandlungen über diese Frage leitete Herr Dr. Gros von Colnhausen ein. Derselbe wies zunächst hin auf den bedeutenden Körnerverlust, welchen das allzulange Stehen- lassen des Getreides auf dem Halm nach sich ziehe, sodann auf die Einbuße, welche die Qualität des Strohes dadurch erleide. Je früher der Halm. geschnitten werde, desto mehr nähere sich der Futterwerth des Strohes demjenigen des Heugrases; auch wachse ganz reife Frucht im Liegen bei Regeuwetter viel leichter aus, als halbreife. In Frankreich schneide man viel früher als hier zu Lande. Der rechte Zeitpunkt sei der, wenn der Kern beim Zerdrücken noch weich, aber nicht mehr milchig sei- An der Discussion bethciligten sich sodann Herr Beigeordnete Möhl von Gießen, welcher darauf aufmerksam machte, daß die frühgeschnitteue Frucht gerade darum von den Müllern am meisten geschätzt werde, weil die besten Körner zuerst ausfielen, ferner die Herren Lehrer Schlapp von Rödgen, Dr. Kraft, Oeconom SB ort man«, Dr. Hempel von Gießen, welche sämmtlich die von Herrn Dr. Gros ausgesprochene Ansicht theilen. Die Herren Wortmann, Dr. Hempel und Andere machten übrigens noch darauf aufmerksam, daß Saatfrucht und Brauergerste vollständig ausgereift sein müsse, erstere weil sie sonst zu ungleich aufgehe uud letztere weil die Malzkeime sich im andere» Falle ungleichmäßig entwickelten. Von mehreren Seiten (Lehrer Schlapp, Secretär Gros von Arnsburg, Dr. Gros, Dr. Hempel) wurde noch empfohlen, die Sommergerste möglichst früh zu säen und das Land zu diesem Zweck im Herbste so vorzubereiten, daß im Frühjahre nur noch eine Bearbeitung mit dem Existir- pator oder Scarrisicator (der Schuhegge) nöthig werde. Die frühgesäete Gerste entwickle sich besser und reife gleichmäßiger. II. Die Discussion über die weitere Frage: Welche Mittel dürften sich empfehlen, um dem in hiesiger Gegend allgemein üblichen Blättern der Nkun- kelrüben, wodurch ein so bedeutender Ausfall an den Wurzeln selbst herbeigeführt wird, entgegen zu ar- 2) Samstag 3) Dienstag 4) Mittwoch 5) Donnerstag 6) Samstag Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß bie"uuf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, die übrige» Zahltage dagegen für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 25. November 1868., Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. Versteigerungen. Brodlieferung auf das 1. Vierteljahr 1869 für die Garnison Gießen. 8974)2 Freitag den 4. Dccember, Vormittags 10 Uhr, soll die Lieferung von Brod für die Garnison Gießen aus das 1. Vierteljahr 1869 durch Soumissionen vergeben werden. Die Soumissionen sind bis zu dieser Zeit in das am Eingang des Büreaus der Gar- nisoyverwaltung in der Zeughauscascrne Die Interessenten werden daher aufgefordert, die Zahlung an diesen Tagen m 5. 8. 9. 10. 12. Protokoll über die am 11. November 1868 zu Lang-Göns abgehaltene Generalversammlung des landw. Bezirkvereins Gießen. Unter dem Vorsitze des ersten Directors des Bezirksvereins Provinzial-Directors Dr. Goldmann, und in Anwesenheit von etwa 30 Mitgliedern des Vereins und vieler dem Verein nicht angehöriger Landwirthe. 8964) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und 1) Donnerstag den Diese Frage wurde nach stattgehabter Berathung, bei welcher sich die Herren Dr. Gros, Freiherr von Rabenau und Dr. Kraft betbeiligteu, einstimmig bejaht. Ebenso wurde der Antrag des Freiherrn von Rabenau angenommen: „der Staatsregierung durch den Provinzialverein zur Erwägung anheim geben zu lassen, ob nicht beim Steiuklopfen für die Staatsstraßen die Einführung der Maschinenarbeit sich empfehle." Dem von einer Seite hiergegen erhobenen Einwand, daß dies zum Nachtheil für die ärmere Klasse führen werde, hatte der Herr Antragsteller mit dem Hinweis auf die bei der Einführung der landwirthschaftlichen Maschinen gemachten Erfahrungen begegnet. IV. Die weitere Frage: Wie kann der landwirthfchaftliche Verein für Förderung der Fortbildungsschulen thätig fein? rief eine lebhafte Verhandlung hervor. Der Vorsitzende bemerkte zunächst, daß die vor Kurzem zu Gießen abgehaltene Generalconfereuz der Lehrer des Kreises Gießen sich dahin ausgesprochen habe, daß die landwirthschaftlichen Fortbildungsschulen nur dlirch Einführung gesetzlichen Zwangs zum Besuch zu einer gedeihlichen Entwicklung gelangen könnten.« In dem Provinzial'Verein werde'in der Kürze Pie obige Frage behandelt sind insbesondere darüber bcrathen werden, ob der Verein durch Bewilligung von Prämien aus Vereiüsmitteln an die Lehrer thätig sein und zur. Gründung von Fortbildungsschulen auf diesem Wege mitwirkeu solle, wie dies in Starkenburg geschehe. @r j der Vorsitzende, sei für die Fortsetzung solcher Prämien und beantrage, dem Provinzialverein eine Tbätigkeit in dieser Weise zu empfehlen. Mehrere der anwesenden Lehrer (die Herren Schlapp von Rödgen, Zeiß von Lang-Göns, Müller von Holzheim) äußerten sich hierauf, zum Thcil auf Gründ der von ihnen gemachten Erfahrungen dahin, daß nur der auf gesetzlichem Wege einzuführende Schulzwang eine Garantie für Gründung und Fortbestand laudwirthschaftlicher Fortbildungsschulen biete, alle anderen Mittel würden sich nach ihrer, der Redner, fester Ueberzeugung als erfolglos erweisen, weil das Interesse uud der Sinn für weitere Ausbildung als solche die Volksschule gewähre, unter der Landbevölkerung noch bei weitem nicht genug rege geworden seien. In gegcntheiligcm Sinne sprachen sich die Herren Dr. Kraft, Freiherr von Rabenau und Dr. Gros aus. Die Sache müsse sich uatur- gemäß, ohne Anwendung von Zwang, aus sich selbst heraus entwickeln; der Grundsatz der Freiheit der Entwicklung müsse hier zur Geltung gelangen, wie er bei'dcm Handwerk zur Geltung gekommen sei. Herr Secretär Gros bemerkte sodann : In Baden hätten schon im Jahre 1854 54 Fortbildungsschulen bestanden; es sei dort von keinem Zwang die Rede; ähnlich verhalte es sich in Württemberg. Warum sollten also bei uns Fortbildungsschulen, wie solche in Starkenburg und Rheinhessen bereits bestünden, gesetzlicher Zwangsmittel bedürfen ? Der Lehrer, welcher wahres Interesse für die Sache habe, werde bald ein Auditorium haben. Aus der Provinz Oberheffen hätten mehrere Lehrer an dem landwirthschaftlichen Lehrcursus zu Darmstadt Theil genommen; uud diese warteten nur auf Unterstützung durch ihre Gcmeiuden oder den Verein, um Fortbildungsschulen zu eröffne» Ma» solle diese Unterstützung nunmehr durch Bewilligung von Prämien gewähren. Nachdem sodann noch Freiherr von Rabenau beantragt hatte, über die Einrichtung der Fortbildungsschulen in Württemberg und Baden Erkundigung einzuziehen, wurde zur Abstimmung geschritten und hierbei der Antrag des Vorsitzeu- den, sowie der letzterwähnte Antrag des Freiherrn von Rabenau mit Stimmenmehrheit angenommen. V. Schließlich wurde Lollar als Ort der nächsten Generalversammlung des Bezirksvereins bestimmt. 15. December, 16. „ 17. 19. 22. 23. 24. 29. 30. 31. beiten? , eröffnete Herr Dr. Gros, welcher constatirte, daß unsere kleinen Landwirthe, bei welchen allein oder vorzugsweise das Blättern üblich sei, bei weitem nicht so schwere Rüben erzielten, wie die größere» Oeco»ome», obwohl die sonstige» Verhält»isse gleich feie» — »»d welcher aus Liebig's Agriculturchemie intercs- saute Mirtheilnngen über die vo» dem Eugläudcr Anderson angestellte» vergleichende» Versuche machte. Redner zog daraus den Schluß, daß nur das vor- derliche Blättern die Ursache der ungünstigeren Ergebnisse beim Rübenbau der kleinere» Landwirthe sei und erwähnte weiter, wie die Rüben zu ihrer Ernährung gerade der Blätter bedürften uud das Wachsthum der ersteren erst beginne, wenn die Blattbildung beendigt sei. Das durch das Blättern gewonnene Futter sei ein ganz erbärmliches, wie das Aussehen der betreffenden Thiere beweise. ~ ähnlichem Sinne äußerten sich die Herren Schlapp, Dr. Kraft und Freiherr Rabenau von Friedelhansen. Letzrerer bemerkte insbesondere, daß grade Zuckerstoff durch die Blätter der Rübe zugeführt werde, eine Vermiudenmg Blätter daher eine Beeinträchtigung der Zuckerbilduug involvirc. Allseitig wurde empfohlen, diesen Ansichten durch geeignete Belehrung in betheiligtcn Kreise» Eingang zu verschaffen. III. Der Vorsitzende eröffnete hierauf die Discussion über die Frage: Dürfte es bei dem Mangel an Arbeitskräften für die Landwirthfchaft nicht angezeigt fein, dahin zu wirken, daß das Klopfen der Chausseefteine, welches fo vtcle Hände in Anspruch nimmt, nur in den Wintermonaten vorgenommen werde? Zur Beglaubigung: ör. G o l d m a n n. befindliche Soumissionskästchen cinzulegen! und liegen auf genanntem Bureau die Bedingungen zur Einsicht offen. nyimgcii 5111 u||vn. Gießen, den 30. November 1868. Regenschirme 'M QO Gießener Gaswerk. rung. Anker 13 48. — Der 8998) n Hoch! X X X — X X — I Die 9002) chen zu kaufen Löwengasse Nr- 117. Geschäfts-Kalende? GO von Genfer Uhren Lager bei C. Zitzmann i Uhrmacher, 8972) Für zwei confirmirte kräftige Jungen, von denen der eine die Schreiner-, der andere die Schuhmacherprofession erlernen will, werden Lehrmeister gesucht, welche dieselben gleichzeitig in Kost und Logis nehmen. — Lusttragende wollen sich baldigst an den Unterzeichneten wenden, Der Großh. 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M Ferner: Spieldosen mit 2 bis 12 Stücken, worunter | solche mit Necessaires, Cigarrenstän- | der, Schweizerhäuschen, Photographie- | AlbumS, Schreibzeuge, Haudschuhka- | sten, Cigarren - Etuis, Tabaks- und | Zündholzdosen, Puppen, Arbeitstisch- | chen, alles mit Musik; ferner Stühle, | spielend, wenn man sich setzt. Stets | das Neueste empfiehlt I. H. Heller in Bern. \ Zu Weihnachtsgeschenken eignet sich nichts besser. In keinem Salon, an keinem Krankenbette sollten diese Werke fehlen. Preiscourante sende franko; auch besorge Reparaturen. Lager fertiger Werke. Ocfcn und Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Heueruugs-und Küchenaeräthschaften, «kein- und Braunkohlen, in ganzen -und getheiltcn Waggon-Ladungen und im Einzelnen (8960) empfiehlt_________ I. G. D. 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Vermiethrrugen. 8988) Ein geräumiges Logis (5 Zimmer) auf dem Seltersberg, welches auch als zwei getrennte benutzt werden kann, ist auf Weihnachten zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts.___________________________ 9012) Ein kleines Logis ist zu vermiethen unb sogleich beziehbar bei __Schmied Uu verzagt. 9005) Der 2. und 3. Stock meines Hauses, ersterer bestehend aus 3 Stuben, 2 Ca- bineten, Küche u. s. w., letzterer bestehend aus 3 Stuben, Küche u. s. w-, sind zu ver- miethcn und bis den 1. März 1869 beziehbar. Karl Zimmermann, ________________Ncueubäuen B. 84. 8993) Einige Zimmer, mit oder ohne Möbel, sind zu vermiethen bei _________________Eduard Spier- 8963) In Lit- B- Nr- 77 in den Neuen- bäuen ist ein Logis zu vermiethen und kann im Februar k- I- bezogen werden-________ 9006) Eine Familienwohnung ist zu ver- mietheu Lit- B- Nr. 90.____________________ 8959) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- straße Lit- A. 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Vioze 20 Hofraithc in der Wallthor- straße, gibt 7 fr. abgelöste Grundrente, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. November 1868. Großhcrzogliches Ortsgericht Gießen. Ebel. in größter Auswahl, zu den billigsten Preisen. Auch wird das Ueberziehen und Repariren von Schirmen billigst und schnellstens besorgt bei H. H o ch st ä t t e r Wittwe, __Schloßgasse._______________ 8965) Alle Sorten einfarbige und geringelte Strickwolle, Ternaux- und Castorwolle, Häkel-, 9?äh-, Strick- und Stick-Seide,»Perlen, Stramine und Stickmuster, ferner eine große Partie angefangene Schuhe, Cigarren - Etuis und Haussegen empfiehlt zu billigen Preisen a st d v n v (i h ? d e $ d n 1 k il 3 fi u S u 3 3 8 u o v Ii i h s n 8958) Donnerstag den 3. December: 5. Abonnements-Concert im Saale des Herrn Ph. Leib, ausgesiihrt vom ganzen Musikcorps des Großh. Hess. II. Jnf.-Regiments. Die verehrten Abonnenten werden ersucht, ihre Karten mitzubringen. Anfang 7 Uhr- — Entree für Nichtabonnentcn ä 18 fr. Programme an der Kasse. (Man bittet, nicht zn rauchen.) Im Verlage von I. Schneider in Mannheim ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: HeimathkläNge, Lieder für religiöses Gemüth sieben von Johann Philipp Glökler. 8^=5' Zweite Auflage. 8° geh. 24 Sgr. — 1 fl. 24 fr. rhein. — Eleg. geb. 1 Thlr. = 2 fl. 12 fr. rhein. Wir empfehlen diese, von ächt religiösem Geiste durchwehte, Lieder-Sammlung auch in der neuen Auflage als ein vorzügliches Festgeschenf. Noch ein Urtheil über de» Lahrer Hinkenden Boten. Zürich, in der Schweiz, 27. September 1868. Ihr Jllnstrirter Familienfalender des Hinfenden Boten verdient vollkommen die außerordentliche Verbreitung, die er seit Jahren findet, die größte und ausgedehnteste, wie sie, so viel ich weiß, fein ähnliches Unternehmen in Deutschland gefunden hat. Es ist ein achter Volfskalender; er bringt seinen Lesern viel in einer kernigen, allaemein verständlichen Sprache, und immer mit jenem, gerade Ihrem Hinfenden Boten eigenen köstlichen Humor, der im fröhlichen Scherz wie im bitteren und das Herz ergreifenden und erschütternden Ernst seine wohlthuende Wirfung nicht verfehlt. So spreche ich Ihnen denn meinen aufrichtigsten Danf dafür aus, daß Sie eine besondere Ausgabe Ihres Kalenders für meine liebe Heimath Westphalen veranstaltet haben und ich zweifle nicht, daß er dort viele Leser finden wird, die sich an seinem Inhalte erfreuen werden, wie dieser mich so sehr befriedigt hat. Dabei muß ich jedoch einen Vorbehalt machen, der den politischen Theil Ihres Kalenders betrifft. Ich bin alt geworden im Dienste der Freiheit und des Rechts. So war ich, wie ich gegen jeden Krieg bin, den nicht ein Voll zur Abschüttelung eines Joches unternehmen muß, auch gegen den von 1866 und gegen seine Folgen. Deutschland muß und wird einig werden; aber nur durch freie Verbindung seiner Volksstämme. (8997) Dr. J. 11. II. Tennne. Telegraphischer Schiffsbericht, mitgetheilt von Chr. Wallenfels, jun. Angekommen in New-Pork r Das Bremer Postdampfschiff Union, Reisedauer 10 Tage — Stunden, „ » „ Deutschland, „ 11 „ — „ „ Hamburger „ Germania, „ 11 „ — „ Angekommen in Havanna und New-Orleans r Das Hamburger Postdampfschiff Bavaria, Reisedauer 18 Tage — Stunden. Abgehend: Am 5. December Dampfer Hansa von Bremen nach New-Zjorf. „ „ „ „ Java „ Liverpool „ » » 9' „ ,, Westphalia „ Hamburg „ „ „ 30. „ „ Aragv „ Bremen „ „ i> 31. „ „ Saxonia „ Hamburg „ New-Orleans- Dampfer St r et g o mit ermäßigten Preisen. Nähere Ausfunft ertheilt und Contracte schließt der Obige ab. Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zn haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg. Börsennachrichten. 1. December 1868. Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 307 Ludwigsh.-Bexbach 160% Maxbahn 106 Bayer. Ostbahn 127 Hess. Ludwigsbahn 139 3% östr. Stsb.-Prior. 54% 3% östr. s. Lombard. 44% 3% Livorneser 32% Toscaner 49% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 95 % 5% Elisabeth-Prior. 75% do. II. Emiss. 73% Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 170 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 41% 4% bayr. Präm. Anl. 103% 4% badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 54% 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 785/g 1864r „ — Wechsel. Amsterd. k. S. 99% Augsb. k. 8. 99% Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 96% Cöln k. 8. 104% Hamburg k. 8. 87% Leipzig k. 8. 104% London k. 8. 119 % Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 100% Disconto 3%% G. Geldsorten. Pr. Cass. Sch. 1 44%-45 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 58-59 Pistolen . . 9 49-51 „ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankens!. 9 26%-27% Engi. Souver. 11 54-58 Buss. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 27-28 Preuss. 41/2% Obi. 94% i Frankf. 3%0/0 Obi. 80% Nass. 41/2% Obi. 95 Kurh. 40/o Obi. 871/8 Hess. 4% Obi. b. Roths. 90% „ 31/50/0 do. do. 86 Bayer. 5% Obi. 102% „ 4%% 1jährige 96% „ 41/2% '/.jährige 961/2 Würtemb. 4'/2% Öbl. 94% Baden 4%% Obi. c. E.L. 94% Oestr. 50/0 b. R. 60% „ 50/0 National 52% „ 5% Metall. Obi. — „ M. steuerf. 52% Amer. 6% 1882r Bds. 79% ! „ 6% 1885r 78% Aetien. Frankf. Bank 121 1 Oester. Bank 685 I „ Creditact, 241 Darmst. Bankact. 265% Feuilleton. Unschuldig und doch nicht schuldlos. Criminalnovelle von Julie Düngern. lFortsetzung.) Entmuthigt und unentschlossen schüttelte der Fremde das Haupt; plötzlich schien ihm ein neuer Gedanke in den Sinn zu kommen. Mit einer raschen Bewegung streifte er den Handschuh ab und zog einen Ring vom Finger, in dessen dunklem Email ein großer Brillant glänzte. Flora sah auf die schöngepflegte aristokratische Hand. An dem Finger, von welchem der Reif eben abgezogen worden, glänzte noch ein Trauring, der weit und lose an dem schlanken Gelenke hing und leicht abzustreifen schien, nachdem der andere hinweggenommen war. Der Mann reichte den Brillant durch das Gitter dem erstaunten Mädchen. „Wenn Ihnen als Christin die Ruhe eines Nebenmenschen, und als Tochter das Glück Ihrer Mutter etwas werth erscheint, so bringen Sie diesen Ring zu ihr, zeigen Sie ihr nur denselben, das kann ihr ja durchaus nichts schaden. Wenn sie den Ring erkennt, wird sie mich jedenfalls rufen lassen. O seien Sie barmherzig, Fräulein, denn auch meine Zeit ist beschränkt!" Mechanisch nahm Flora das kostbare Pfand aus des Mannes zitternden Fingern und eilte durch den Garten, die Terasse hinauf in das Haus und in das Krankenzimmer. Als sie, noch von der Erregung des eben Gesehenen tief ergriffen, die Thüre rascher als gewöhnlich aufmachle, fuhr die Kranke von ihren Kissen in die Höhe und Anna sah vorwurfsvoll auf die Eintretcnde. Das Mädchen trat dem Bette näher, und die herabhängende Hand der Mutter ergreifend, wollte sie dieselbe an ihre Lippen ziehen, aber die fieberweißen Finger der Patientin berührten den kalten Ring und entsetzt rief sie aus: „Was hast Du da, Flora, eine Schlange hat mich berührt, so glatt und kalt, sie wird mich stechen, mich umbringen!" „Beruhige Dich, theure Mutter," flüsterte das Mädchen und schlang kosend ihre Arme um der Mutter Hals, wie um sie zu schützen. „Es ist ein Ring, den Du berührt hast und der mir eben von einem Manne gegeben wurde, der ein früherer Bekannter unseres Hauses zu sein scheint. Wenn es Dich aber aufregt und Du mir nicht recht hübsch und brav bleibst, so zeige ich Dir ihn gar nicht." Frau Waller hatte sich tut Bette aufgerichtet und faßte nach der Tochter Arm, als diese wie im Scherz ihre Hand zurückziehen wollte. „Wer ist's, Flora, und wo ist der Ring," stammelte sie, und die Fieberröthe war einer so töttlichen Blässe gewichen, daß ihre Tochter sich über die Folgen ihres Wagestücks entsetzte. Doch lag ein so leidenschaftliches Flehen in den Augen der kranken Frau, daß Flora willenlos, wie von höherer Macht getrieben, die geschlossene Hand öffnete und die Botschaft des Fremden übergab. Mit heftig klopfendem Herzen beobachtete sie die Wirkung, aber kein Laut kam über die Lippen der Kranken. Mit weit geöffneten glänzenden Augen betrachtete sie den Ring und drückte ihn dann leidenschaftlich an den Mund. Die alte Dienerin hatte sich bei dem leisen Zwiegespräch an das Fenster zurückgezogen; jetzt sah sie auf die Gruppe und wie sie den Ring erblickte, stieß sie einen Ausruf des Staunens aus. Die Kranke wandte mühsam ihr Haupt zu ihr, und jetzt sah Flora, daß Thränen in ihren Augen standen. „Komm her, Anna," flüsterte sie mühsam, „ängstige Dich nicht zu sehr um mich, ich glaube, daß ich jetzt wieder gesund werde; laß mich nun aber einen Augenblick mit Flora allein." „Aber der Ring," sagte die Alte, „es ist derselbe — „Derselbe, den Du bei mir sah'st," war die Entgegnung; „nun aber geh' und sorge, daß wir nicht gestört werden." Als die Alte draußen war, schlang die Kranke den matten Arm um das Haupt ihrer Tochter und brachte ihren Mund zu deren Ohr. „Wer gab Dir den Ring?" war ihre hastige Frage, „und was wurde dabei gesagt?" „Ein Fremder, ein großer, schlanker Mann, übergab mir den Ring, theure Mutter, und flehte mich an, Dich, wenn auch nur auf einen Augenblick sprechen zu dürfen. Ich safite ihm, Du seiest krank; er beschwor mich dennoch, sein Lcbensglück hänge davon ab." Ein Strahl inniger, tiefer Freude glitt über das Gesicht der Kranken. „Wo hast Du ihn gelassen?'' fragte sie weiter — „Er steht am Gartenthor und wartet auf Einlaß." „So nimm den Schlüssel und führe ihn durch den Garten hierher, sorge aber vorher, daß ihn Niemand sieht." — Eine mächtige Veränderung war in den letzten Momenten mit Frau Waller vorgegangen; von Minute zu Minute wurde ihre Stimme kräftiger, ihr Auge weiter und glänzender, mit liebevoller Hast drängte sie Flora mit der Hand von ihrem Bette hinweg; diese gehorchte, mit bebender Eile raffte sie den Schlüssel weg, der am Brette hing, und huschte einem Schatten gleich im Schutze der hereinbrechenden Dämmerung durch Hof und Garten, bis sic an der Gitterthüre stand. Athcmlos stand sie da, steckte den Schlüssel in das Schloß und öffnete dem Fremden, der mit einem „Gott sei gelobt" ihre Hand ergriff und innig drückte. Flora sagte blos: „Folgen Sie mir eilig und leise, die Mutter will Sie sehen, doch soll es Niemand wissen; ich baue auf Sie, daß die arme Mutter nicht in zu heftige Gemüthsbewegung verfällt." — »Ich werde sie schonen, wie das Licht meiner Augen, was mir nicht theu- rer ist als die Arme," war seine Antwort. Flora hatte ihm ihre Hand gelassen und in raschem Laufe zog sie ihn mit sich fort durch den Garten, Hof und Haus, bis vor ihrer Mutter Thüre. Noch einmal mahnte sie leise zur Besonnenheit, öffnete die Thüre und trat mit dem Fremden ein. Frau Waller streckte demselben ihre zitternden Hände entgegen, der starke Mann bebte vor tiefer Rührung und Bewegung und sank vor dem Bette der Kranken auf die Knie: „Sidonie, armes liebes Herz," sagte er, „so muß ich Dich wiederfinden und sie?" — er deutete fragend auf Flora — Frau Waller zuckte zusammen, als ihr Auge das der Tochter traf; kaum bemerkbar nickte sie dem Manne ein „Ja" zu. „Laß uns einige Minuten allein, mein Kind," befahl sie der Tochter. Flora's Auge flehte, bleiben zu dürfen, aber sie glitt gehorsam und willig zur Thüre hinaus und ging mit verschlungdnen Händen in athemloser Spannung im Gange auf und ab, in steter Besorgniß auf die Stimmen im Krankenzimmer lauschend, die bald mehr oder minder laut zu ihr heraus schallten. Sie wollte nicht horchen, aber trotzdem vernahm ihr Opfer manches rasch gesprochene Wort. „So hast Du mein gedacht?" fragte ihre Mutter. „Im Glück und im Unglück, Sidonie! Ach, ich war selten glücklich; sage noch einmal, daß Du mir verzeihst" — „Von ganzer Seele, mein Freund, ich trage gleiche Schuld." — (Fortsetzung folgt.) Darmstadt, 28. No». Den Ständen ist ein Gesetzentwurf, Die privatrechllichc Stellung der Erwerbs- unv WlrthfchaftSgcuvssenfchaften in den nicht zum norvDeutschcn BunDe gehörenDen GebietStheilen betreffend, zur Berathung und Beschlußuahme vorgelegt worden. Darmstadt, 30. Nov. Der Finanzausschuß lehnte in Ermanglung des Classensteuergesetzes die Berichterstattung über Die Piorogation Dc< Finanzge- setzes ab. Einer entspreebendeu Regierungsvorlage entgegensehenD, vertagten sich Die StänDe. Berlin, 30. Nov. Der Bundesrath ist beute Mittag bet Abwesenheit deS Grafen Bismarck durch den Präsidenten des Bundeskanzleramts, G. R. v. Delbrück, eröffnet worden. Berlin, 1. Dec. Im Abgeorduetenhause beantragte heute bei der Berathung des Justizetats Windthorst, das Haus möge erklären, die Stellvertretung der Obertribunalrälhe Durch Richter, die nicht etatsmäßige Obertribunals-Mitglieder feien, sei gesetzlich unzulässig, sowie Die für die Vertretung ge- forrerten 1000 Thaler nicht bewilligen, liebet den Antrag entsteht eine lebhafte Debatte. Dafür sprechen Der Antragsteller, Rcichensperger und Rönne. Twesten beantragt die Streichung des Wortes „gesetzlich". Der Justizminister erklärt: Der Antrag WinDlhorst'S sei ihm sehr unangenehm. Es sei bedenklich, Die Organisation DeS obersten Gerichtshofes anzufechten, nachdem dieselbe über ein Menschenalter hindurch unangefochten bestanden. Der Zweck des Antrages ziele nicht auf Sparsamkeit ab, sondern lediglich auf Anstellung von Hülfsarbeitern. Der Justizminister fährt fort: „Das wird Ihnen niemals gelingen. Ich rede offen. (Sensation.) Vom Könige zur Ausrechterhaltung der Rechtsordnung berufen, werde ich meine Aufgabe erfüllen mit einer Energie des Willens, die nichts zu wünschen übrig läßt. (Sensation.) Täuschen Sie sich nicht in meiner Person oder durch Zeitungsnachrichten. Ich habe keine liberale Neigung, noch Die Lust, mit einzelnen Parteien zu liebäugeln. Wenn es sein muß, werbe ich Hülssarbeiter beim Obertribunal mit Diäten anstellen und Diäten beim Etat in Rechnung setzen. Das ist ein Conflict, den die Regierung nicht sucht, wohl aber gezwungen annimmt. In solchen Fällen werde ich noktzigenfalls mit Schärfe vorgehen und zu höheren Stellen Dem Könige nur solche Personen Vorschlägen, von Denen ich weiß, daß sie ein Mandat zum Abgeordnetenhause nicht annehmen. (Lärm.) Ich weiß, daß ich Ihnen ein Acrg-rniß gebe, aber ich habe cs Ihnen vorausgesagt." Twesten bemerkt sehr erregt: selbst in Den Jahren des Conflicts habe das Abgeordnetenhaus nicht solche Drohungen, solche Pcovoeationen vorn Ministertische gehört. Der Justizminister werde sich besinnen, ehe er seine Worte verwirkliche. Er hoffe, daß Der Justizminister nicht immer auf seiner Meinung bestehen werde. 1866 habe er den Sieg Oesterreichs über Preußen herbeigewünscht. 1868 habe er das Decret Der Beschlagnahme Des Vermögens seines Königs unterzeichnet. Hoffentlich werde er auch in seinem jetzigen Vater- lande sich nachgiebig zeigen. Wenn das Abgeordnetenhaus Die betreffende Position absetze und Der Justizminister dennoch dieselbe verausgabe, so sei ein Verfassungsconflict vorhanden. Die Worte des Ju- stizminifters seien eine Provoeation, nachdem die Debatte zuvor rein sachlich geführt worden fei. (Leb- Hafter Beifall. Große Aufregung.) Der Justizmi- nister entgegnet: Er habe gegen Die persönlichen Angriffe Twesten'S kein Mittel her Vertheidigung, Da fein Eid ihn binde. Lasker wünscht Vertagung Der Debatte wegen allzugroßer Aufregung des Hauses. Jaeobp erklärt sich Dagegen, da Die Abgeord- neten heule nur hätten aussprechen hören, was sie thatsächlich seit Jahren erlebt hätten. Ferner sprechen Heise und Bethusy-Huc und zwar für Bewilli- gung Der Positionen. Waldeck bemerkt: Nach Der Rede des Justizministers müsse man Die beanstanDete Position streichen, unbekümme-t, was daraus folgen möge. Der Justizminister mache das Wohl DeS Landes von seinem Verbleiben abhängig und predige Die Lehre seiner Unersetzlichkeit. Er warne vor Dem Fortfahren auf diesem Wege. Die beanstanDete Position wird Darauf mit 192 gegen 160 Stimmen abgelehnt und Der Antrag Windhorst's angenommen. Bremen, 27. Nov. Heute ist in Folge einer Aufforderung des DundeSratheS eine obrigkeitliche Verordnung zur Ergänzung Der bisherigen Vorschrif- ten über die Beförderung von AuSwanberem erschie- nen. Das Wesentliche derselben besteht darin, Daß von Dem Verbote der Benutzung Des Orlogdeckcs zum Transport von AuSwanDerern keine Dispensation erthcilt werden soll, daß übelriechende und der Gesundheit nachtheilige oder gefährliche Ladungen auf Auswandcrcrschiffen verboten sind, daß Der Inhalt der Medieinkisten regulirt wird und endlich, Daß zur Verhütung Der Mitnahme von Passagieren, Die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, eine ärztliche Untersuchung der Auswanderer stattzusinden hat. Paris, 27. Nov. Der Kaiser geht mit Dem Plane um, nach erfolgter Constituirung einer definitiven Regierung in Spanien den bisherigen Gesandten in Madrid, Mercitr, seines Postens zu entheben. Man hat es höheren Ortes sehr übel vermerkt, daß Mercier bezüglich Der spanischen Revolution so wenig diplomatische Sehergabe bewiesen hat, und noch in Der zwölften Stunde jene peinliche Enttevue veranstalten konnte, Die unter diesen Verhältnissen offenbar ein politischer faux pas war. Nur um die provisorische Regierung, Die in Frankreich von Anbeginn so unverkennbare Sympathien hatte, nicht zwecklos zu desavouiren, hat man Mercier vorläufig in seiner Stellung belassen. Er wird indcß gewaltige Anstrengungen machen dürfen, das allerhöchste Stirnrunzeln, Das er sich zugezogen hat, wieder zu glätten. — Wie ich von wohlunterrichteter Seite erfahre, wird mit Rücksicht auf die jüngsten Kund- gebungen Die geheime Polizei noch sorgfältiger und umfassender organisirt werden, als bisher, und das will viel heißen. Es gibt hier kaum einen Com- miffär oder einen Concierge, der nicht Mitglied dieses modernen Vehmgerichts wäre, und in Den feinsten Cirkeln kann man sicher sein, daß jedes auch nur halb verdächtige Wort ein paar Stunden später in Die schwarzen Listen eingetragen wird. Das Institut verschlingt jährlich viele Millionen, aber scheint noch nicht auszureichen, um Die geängstigte Dynastie zu beruhigen. — Aus Dem Ministerrathe kommen fortwährend (offenbar durch eine horrente Jndis- cretion eines feiner Mitglieder) fast wörtliche Berichte unter das Publikum, und sind es besonders Die „TempS" und Der „Gavlois", Die augenscheinlich aus erster Hand schöpfen, wenn auch bei dem Letzter» Die poetische Ausschmückung nicht ausgeschlossen bleibt. Der Kaiser ist hierüber in Den letzten Tagen einige Male ganz empört gewesen, ohne indeß zu wissen, wo er seine Indignation zu fixircn hätte. — Hr. Lnlier ist in seiner Duellsache von Der siebenten Kammer wegen „absichtlicher Körperverletzung" (!!) zu zwei Monaten Gefängn ß verurtheilt worden. — Die Königin Isabella wohnte gestern mit Dem Prinzen von Asturien, welcher eben gestern feinen elften Geburtstag feierte, und mit großem Gefolge Der Vorstellung in Der italienischen Oper bei, wo Die Patti zum letzten Male Linda von Chamounix sang. Obgleich die Königin in Begleitung ihres Gemahls und des Prinzen unter großem Geräusch während Der Vorstellung in die Hofloge trat, verhielt sich das Publikum ziemlich gleichgültig. Madrid, 29. Nov. Die Manifestation Der republikanischen Partei hat auf Dem Platze vor Dem königlichen Palast stattgefunden. Castelar forderte das Volk auf, einen Schwur zu leisten, daß nie ein König in diesen Palast zurückkehren werde. Außer Castelar sprachen Orense und noch zwei andere republikanische Redner. Unter dem Rufe: Es lebe die Republik! löste sich das Meeting in vollkommenster Ordnung auf. — Es wird verkündigt, daß am 13. December eine neue republikanische Manifestation stattfinden werde, an welcher auch Deputationen aus den Provinzen Theil nehmen sollen. myrtTrara^Mnmnwnirmw.r■smcmwr r i '■inomeiTiii tmusaza gye Vermischtes. Giessen. (S itzung des Gemeinderath« vom 26. Nov.) Anwesend der Großh. Bürgermeister Bogt, die Ge- meinderathsmitgiieder Bücking, Feising, Gail, Haustein, Keller, Löb«, Nagel, Petri, Nicker, Rosenberg, Wallenfels, Weidlg I., Weldig II., Silbereffen und Möhl. In Betreff der Erbauung eines Posthauses zu Gieße» erklärte »ach Verlesung der Verfügung Großh. Kreisamts vom 16. Nov. und des Schreibens des Postamts vom 14. Nov. Gemeinderathsmilglied Rosenberg, daß er bereit sei, diese Angelegenheit nochmals einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen und in der nächsten Sitzung sein Gutachten abzugeben. In schriftlicher Abstimmung wurde Christian Euler mit 10 Stimmen als Forstschütze erwählt. Der Gemeinderath beschließt, aus Anlaß der Geburt eine« Prinzen des Hessischen Hauses eine Gratulation nach Darmstadt abzusenden. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. Gießen. 3m Jahre 1714 errichtete der Organist in der Burgkirche dahier, Johann Caspar Müller, Bürger und Perückenmacher, zum Besten der Orgel-Reparatur in dieser Kirche eine Lotterie, deren Gewinnste in Perücken bestanden und zwar in Allongeperückcn zu 367 Reichsthaler, da« LooS zu 1 Reich«tbaler, 95 gewinnende und 455 Nieten-Loose; ferner an spanischen Naturell-, Kurz- und Sommerperücken zu 500 st. Da« LooS ä 1 fl. 123 gewinnende und 377 Nieten - Loose. Darmstadt. Der mit 2000 ff. entwichene Ausläufer eines hiesigen Geschäftsmannes ist bereit« vorgestern Abend freiwillig mit dem ganzen Gelbe hierher zurückgekehrt und befindet sich dermalen in Haft. Cr hofft die Verzeihung seine« Prinzipals zu erlangen, dem er, wie gemeldet, 28 Jahre treu gedient. Köln. Wenn wirklich, wie prophezeit, der Kölner Dom und die deutsche Einheit zugleich fertig werden, dann wird in 8 9 Jahren der.Ausbau fertig fein. Den Kölner Dom wenigsten« verspricht der Baumeister Voigtel in dieser Zeit zu vollenden. Vom nächsten Frühjahre an wird man weithin e ne weiße Dampfwvlkc über den beiden je 160 Fuß hohen Thürmeu sehen: eine Dampfmaschine von 8 Pferdekräften wird Steinmassen bis zu 90 Centnern in 4 Minuten in die Höhe führen, wo sie dann auf einem Hchienengeleise über die beiden Thürme an ihre Stelle befördert werden. Im Mittel- alter brauchte man, um einen Stein von 40—50 Centnern hinaufznbringen, mindesten« einen Tag. Am schwierigsten ist die Aufstellung der Kreuzesblume auf der Spitze der Thürme. Da sie au« dem festesten Gestein hergeftellt werden muß und 90 Centn« schwer fein wird, so muß da« Gerüst die Höhe von mehr al« 525 Fuß erhalten. Magdeburg, 26. No». Hier hat am 24. d. in der Friedrichsstäbter Kirche eine seltene Feier stattgefunden. Die 73 Jahre alte Wittwe F. ist zum siebenten Male getraut worden. Die alte glückliche junge Frau erfreut sich noch einer seltenen körperlichen Rüstigkeit und ist ihrem jungen Ehemanue, der die dreißiger Jahre noch nicht «reicht hat, mit jugendlicher Liebe ergeben. Der jetzige Mann ist eigentlich schon der achte, welchem die merkwürdige Wittwe ihr liebeerfülltes Herz schenkte; in ihrem letzten Wittwenstande hat sie nämlich mit einem jungen Manne zusammengelebt, der ihr, noch ehe sie denselben zum Traualtäre geführt, durch einen jähen Tod in Folge eines Sturze« bei ihrem Hausausbau entrissen wurde. Wien, 23. Nov. Reichskanzler Beust's Orden sind ihrem rechtmäßigen Eigenthümer wiedergegeben. Dieselben wurden am 21. d,, Vormittags 10 Uhr, also kurz nach vollbrachter That, bei einem Trödler von einem unbekannten Manne, der sich für einen Kammerdiener eine« sehr hohen Herrn ausgab, um 230 fl. versetzt. Auf Grund der erfolgten Kundmachung über den Diebstahl, in welcher für da« Zu- standebringen de« ThäterS eine Belohnung von 200 fl. in Aussicht gestellt war, hat sich der Trödler mit den Effekten selbst gemeldet und die Belohnung in Anspruch genommen. Für die Auffindung de« Thäter» sind bisher nur geringe Jn- zichten vorhanden. Schweiz. Vor den Assisen in Genf steht eine Verbrecherin, deren Handlungen, Motive und Mittel ein Räthsel sind. Jeauneret, Krankenwärteriii, 35 Jahre alt, von guter Herkunft, gebildet und vermögend, ist angeklagt, 6 — 7 Kranke, die an verschiedenen Deren und zu verschiedener Zeit ihr« Pflege anvertraut waren, vergiftet zu haben. Sie pflegte ihre Kranken, von denen sie nie einen früher gekannt hatte, mit großer Sorgsamkeit und Ausdauer, sie beraübte ihre Opfer nie und bewahrte kleine Andenken von ihnen liebevoll auf. Sie soll dieselben mit Belladonna und Atropin vergiftet haben; sie lernte diese Gifte iu der Anstalt eine« Arzte« kennen, dem sie sagte, sie sehe auf dem einen Auge nicht, der Arzt sagt, sie täusche ihn. Erst in den letzten Fällen entstand Verdacht gegen sie, sie wurde unvermuthet verhaftet und Belladonna und Atropin in Fläschchen bei ihr gefunden. Eine gewisse nervöse Reizbarkeit und Hinneigung zur Frömmelei sind die einzige» auffallenden Dinge an ihr. Ein kürzlich aus Polen zurückgekehrter Reisender schreibt der Schles. Ztg.: „Auf mehreren Dörfern des Grodnoer und Kownver Gouvernements hat nian die katholischen Emwohner in die Kirchen eScoriirt, da sie dieselben der im Rituale eingeführten russischen Sprache wegen nicht besuchen wollen. Auch die kirchlichen Arte wollen die Leute nicht mitmachen, seit selbe in russischer Sprache geübt werden. Man läßt daher zu Tausenden Kinder gegen den Willen der Ellern zwar katholisch, aber in russischer Sprache taufen. In Sostpol hat man einen Schmied verhaftet, welcher, wie jener englische Schmied zu Gretna-Green, sich damit befaßte, Trauungen an Brautpaare» zu vollziehen, die nicht in die Kirche gehen und russisch getraut werden wollten. Bon sech« auf diese Weise getrauten Paaren hat man die Männer unter die Soldaten gesteckt, die Ehen ab« selbst für gesetzlich ungültig erklärt. England. (Ein Hundertjähriger.) Daß man für etliche zehn oder zwanzig Jährchen jünger gelten möchte, al« der unerbittliche Taufschein nachweist, kommt im Leben hundertmal vor; eine seltnere Erscheinung aber dürfte es fein, daß die Oeffentlichkeit durch vorgeblich höheres Alt« düpirt wird, wie dieß „Old England" in der letzten Zeit pafsirt ist. Jrn Spital zu Greenwich war ein Invalide lange Zeit der Löwe des Tages. Trotz seiner 100 Jahre und seine« Stelzfußes war er rüstig und stark wie ein Jüngling, machte täglich die anstrengendsten Fußtouren und trank mit dem besten Appetit von der Welt ein bedeutendes Quantum Ale; selbst mit hübschen Dienstmädchen, denen er bei seinen täglichen Promenaden begegnete, wußte er sich noch auf dem freundschaftlichsten Fuß zu halte». Ein solches Wunder unversiegbar« Lebenskraft konnte nur in England möglich fein. Er war darum da« Schovßkind von Hoch und Niedrig, ein Gegenstand gerechte» Stolzes des herrlichen England«. Mit Leckerbissen aller Art wurde er fast zu Tode gefüttert, von der Königin alljährlich auf Weihnachten zur Tafel gezogen und reich beschenkt entlassen, als Naturwunder von Reisenden ausgesucht, denen er allerliebste Erzählungen von seinen Heldenthaten anno 1789 und später zum Besten zu geben wußte. Ab«, o Jamm«! Der Humbug versteckt sich heutiges Tages selbst hinter die geheiligten Locke eines greifen Haupte«. Der. Alte starb, und seine Papiere wiese» »ach, daß er in Wirklichkeit — 67 Jahre alt war. Gs war dem Schlaukopf gelungen, die Papiere seines Großvaters für sich auSzunützen. Lavatcr, der berühmte Physiognomist traf einst in einem Postwagen mit einem Passagier zusammen, dessen liebenswürdiges, wohlwollende« Gesicht ihn sofort anzog. „Wie befindet sich Ihre Heerde? fragt er denselben mit einem gewisse» Selbstbewußtsein. Der Fremde runzelt die Stirn und sagt kurz: „Ich habe keine! Ich bin kein Hirt!" Lächelnd er« wiederte Lavater: Kein Hirt im gewöhnlichen Sinne, sondern, wie ich, ein Hirt im Dienste de« Herr»! „Denkt nicht daran!" war die gröbere Antwort, „ich bin — Scharfrichter!" Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.