Prris vierteljährlich 36 fr. mit Bringcrlohn. Durch rie Post bezogen vierteljährlich ‘ 51 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Eanzlkiberg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Lreis Kielen. Ne. 27. Dienstag den 3. März 1868. Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, am 28. Februar 1868. Betreffend: Die Erhebung der Forststrafen bei Großherzoglichem Rentamte Gießen vom 1. Quartal 1868. Das Groß herzogliche Rentamt Gießen an fämmttiche GroßherMliche Bürgermeistereien des Rentamtsbesirks Giesten. Sie wollen in Ihren Gemeinden alsbald durch die Schelle bekannt machen lassen, daß die Forststraftn vom 1. Quartal 1868 bis rum 15. März l. Z. bezahlt sein müssen, widrigenfalls den gesetzlichen Bestimmungen gemäß das Zwangsverfahren eintritt. L y ll ck e r. Besondere Bekanntmachungen. Qeffentliche Aufforderung. 1267) Kaufmann Heinrich Ferber dahier, dessen Vermögen nach dem gerichtlichen Status aetivorum et passivorum überschuldet ist, hat mit seinen Gläubigern ein Arrangement abgeschlossen, dessen Inhalt den Betheiligten auf der Registratur hicsigeu Gerichts zur Einsicht offen liegt. Es werden demgemäß alle diejenigen Gläubiger des Heinrich Ferber, welche eine Erklärung" über das Arrangement noch nicht abgegeben und etwaige unbekannte Gläubiger des Heinrich Ferber hiermit aufgefordert, sogewiß binnen 4 Wochen etwaige Einwendungen gegen das Arrangement dahier vorzubringen, widrigenfalls sie damit ausgeschlossen und als dem Arrangement beitretend angesehen werden. Gießen, den 24. Februar 1868. Grotzherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, l)r. v. Schmalkalder, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. G d i r t a l l a d u n g. 1268) Von den Jntestaterben des verstorbenen Johannes Schäfer XIII. von Annerod haben einzelne die Erbschaft unter der Rechtswohlthat des Inventars angetreten. Forderungen jeder Art an den Nachlaß des genannten Johannes Schäfer XIII sind daher, soweit es noch nicht geschehen, bei Meidung der Nichtberücksichtigung binnen vier Wochen bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden. Gießen, am 26. Februar 1868. Grobherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher, A. Bramm, Landrichter. Landger.-Assessor. Bersteigerungen. 1262) Dienstag den 17. Marz, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhause das Grundstück des Erbanus Müller, als: Flur Nr. □Jtlftr. 162 Wiese auf dem Sand, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 3. Februar 1868. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. _________________Ebel.______________ 1270) Künftigen Freitag, den 6. März, des Nachmittags um 2 Uhr, soll auf hiesigem Rathhaus ein sehr tüchtiges Zugpferd nebst Geschirr und Wagen meistbietend versteigert werden. Hermanustcin, den 29. Februar 1868. Das Königliche Ortsgericht. ________________Wagner-_________ Holzversteigerung im Lollarer Gemeindewalde. 1266) Freitag den 6. März, Morgens 9 Uhr, sollen im Districte Pfaffeustrauch, in der Nähe des Hofes Hcibertshausen anfangend, versteigert werden: 27 Stecken Buchen-, Eichen- u- Kiefern- Scheidholz, 333/4 Stecken Buchen-, Eichen- u. Kiefern- Prügelholz, 27*/4 Stecken Buchen-, Eichen- u. Kiefern- Stockholz, 3314 Wellen Buchen-, Eichen- u. Kiefern- Reisholz, 21 Eichen-Stümme von 7 bis 18 Zoll Durchmesser und 15 bis 45 Fuß Länge, mit' 1066 Cubikfuß, 296 Nadel - Stämme von 5 bis 12 Zoll Durchmesser und 20 bis 86 Fuß Lange, mit 4767 Cubikfuß, 60 Buchen-Stangcn mit 12 Cubikfuß, 93 Nadel- „ „ 402 Lollar, den 28. Februar 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Lollar. Geißler. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich 1269) Künftigen Montag, den 9. März, Morgens halb 9 Uhr, sollen im District „Riedwald" auf der Pfaffenschueiße, am Ettingshäuser Feld anfangend, versteigert werden: 87 Stecken Buchcn-Scheidholz, 1. Elast, 105 „ „ u. Eichen-Prügelholz, 103 „ „ „ „ Stockholz, 10500 Wellen „ „ „ Reisholz, 8 Stecken Buchen-Werk-Scheidholz, 84 Eichen-Stämme von 868 Cubiksuß, 87 starke Fichten-Stangen, zu Bau- und Wagnerholz tauglich. Lich, am 2. März 1868. Fürstliche Oberförsterei Lich. Eigenbrodt. 1256) Donnerstag den 5. März d. I., Vormittags 9 Uhr, sollen in dem Wiesecker Gemeindewalde, District Essigpfad, folgende Holzsortimente versteigert werden, als: 75 Stecken Buchcn-Scheidholz, 45 „ „ Prügelholz, 28 „ „ Stockholz, 2325 Wellen „ Reisholz, 9>/z Stecken Eichen-Scheidholz, 5 „ „ Prügelholz, 4 „ „ Stockholz, 25 Wellen „ Reisholz, 13 Eichen-Stämme von 6—12 Zoll Durchmesser, 415 Cubikfuß enthaltend, 13 Eichen-Stangen, 3 Buchen-Stämme, 285 Cubikfuß euch., 7 „ Klötze, für Metzger sich eignend. Wieseck, den 27. Febrimr 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Wieseck. Lang. 1192) Dienstag den 3. März, Vormittags 10 und Nachmittags 1 Uhr, wird eine große Partie Eichen-, Pappelund Tannenbohlen auf der Katz en st ein - Eicheuberg'schen Besitzung meistbietend versteigert. Der Massecurator: Th. Batst. Feilgebotenes. Künstliche Dünster. 1282) Knochenmehl, Phosphat, Kali, Wiesen- und Blumendünger, rohen und aufgeschlossenen Guano empfiehlt _________________________Emil Pist0r. 1275) Aepfel, süße und andere, die Meste zu 30 kr., bei H. Becker, Schulstraße. 1283) Cemcnt in frischer Waare bei _________________________Emil Pist0r. 1274) Auf der Obermühle bei Königsberg sind 6 schwere Wagen und 4 Zugpferde zu verkaufen. Georg Will- ! Ausuerkaus wegen Geschäfts-Ausgabe! 1280) Da wir unfern Ausverkauf am 1 5. März zu schließen beabsichtigen, so werden die noch übrigen Kleiderstoffe, schwarze Luftres, Thibets, Taffete, schwarze Shawls re. zu nochmals bedeutend herabgesetzten Preisen verkauft. Gebrüder Heß, Kreuz. 1273) Weingrüne Stück- und Fuderfaß verkaufen billig Gebr. Ebel. Höchst ausgezeichnete Trookenhese in 4 - Pfund - Paqueten, in stets frischer Waare, das Pfund zu 22 kr-, bei (1263) Th. Emrich, in Ortenberg. 1260) Prima Bamberger Zwetschcn, pr. Pfd. 9 fr., bei Ernst Hermes. A 11 11 o n e e. 1195) Eine Auswahl feine Ballblumen, sowie eine Partie sehr schöne Häubchen, empfehle ich zu billigen Preisen. Strohhüte werden zum Waschen, Färben und Faoonniren angenommen und sehr schnell und pünktlich besorgt. Betty Rothenberger, ________________Neuenweg B. 195._____ 1252) Ein Haufen Mist ist zu verkaufen im Darmstädter Haus. 1290) Ein Wagen, noch in gutem Zustande, ist zu verkaufen bei L. Klingelhöffer Wittwe, __________________in der Neustadt._________ 1277) Ein schöner, 3 Monate alter Hofhund von sehr großer Race ist zu verkaufen. Nähere Auskunft ertheilt die Exped. d. Bltts. Bermiethungen. 1287) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei A. Schultheis, junior, __Selterswcg Lit. C. Nr- 10. 1272) Ein Familienlogis ist zu vermiethen bei Schreiner W- Pfeil, _______________________Sandgasse._______ 1255) Das Logis meines Nebenhauses ist anderweit zu vermiethen; demselben können noch zwei große Zimmer im Haupthause beigegeben werden. ____________Dr. A- Mettenheimer. 1257) Ein Haus, auf Verlangen auch ein Theil Garten dazu, ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei ________________ B- Katzenstein. 1248) Ein freundliches, möblirtes Zimmer mit Cabinet in einer Gartenwohnung ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen- Nähc- res bei der Exped. d- Bltts._________________ 1249) Im „Russischen Hof" ist ein kleines Familienlogis zu vermiethen. 1251) Mein in der Marktstraße gelegenes elterliches Wohnhat,rs, Lit. D. Nr. 211, ist im Ganzen zu vermiethen; auch bin ich Willens, wenn sich Liebhaber dazu finden, dasselbe aus freier Hand zu verkaufen. Fritz Möhl, Metzger. Vermischte Anzeigen. Zucht- und Mast-Vieh-Ausstellung mit Prämnrung. Internationale Maschinen-Ausstellung und Markt von Maschinen, Geräthen rc. für Land-, Forst-, Garten- und Haus - Wirthschast in Frankfurt a. M. am 7M 8.1 9. und 10. Mai 1868 von der Süddeutschen Ackerbau-Gesellschaft und dem Frankfurter Land- wirthschaftlicheu Verein. ... 1264) Programme, Prämienliste und allgemeine Bestimmungen für berde Ausstellungen, Formulare zu Anmeldungen werden auf franco entlaufende Bestellungen gratis verabfolgt: 1) Von dem General-Sckretariat der Süddeutschen Ackerbau-Gesellschaft, Schwanenstraße 11 in Frankfurt a. M- , . 2) Von dem Sekretariat des Landwirthschaftlichen Verems, Herne Hochstraße 10 m Frankfurt a. M- 3) Von der Expedition dieses Blattes. Die Ausstellungs-Commission. Oberhessische Eisenbahnen. 1284) Die Regierung hat bestimmt erklärt, die Eisenbahnen nicht bauen zu wollen, weil sie den Staat, dessen Finanzkräfte schon so stark in Anspruch genommen sind, bei den jetzigen Zeitverhältnissen nicht in ein so bedeutendes Gcldunternehmen verwickeln will. Sie erreicht den Zweck auf eine für den Staat billigere Weise, sie überläßt den Bau der Privatindustrie und garantirt einen gewissen Zinsenbetrag. Wenn das Geld theuer ist, wie eben, muß man hohe Zinsen zahlen. Früher konnte der Staat für versprochene 4 fl. Zinsen 100 fl. voll bekommen, jetzt muß er mindestens 5 versprechen, wenn er 100 fl. haben will. Der Staat kann daran nichts ändern. Wenn er eben Pariere ä 3*/2 pCt. ausgäbe, so würde Niemand dafür 100 fl. bezahlen, sondern 74—75, weil sie eben nach dem jetzigen Preis des Geldes nicht mehr werth sind. Wenn man also mit einer Rente von 3>/z fl- eben nicht 100, sondern nur 74—75 Capital haben kann, so ist das hart, aber kein Verlust, weil man für den Preis eben nicht mehr Waare erhalten kann. Indem man also erhält, was zu erhalten ist, ist es ein Unsinn zu sagen, daß die Differenz bis zu 100 Profit für die Bankiers sei, wie es ein Unsinn sein würde, einem Fruchthändler, der eben den Waizen zu 17 fl. verkauft, nachzusagen, daß er mindestens 7 fl. Prosit in den Sack stecke, weil der Waizen vor Jahren nur 10 fl. gekostet habe. Prioritäten dürfen nur ausgegeben werden, wenn sich die Regierung von der Noth- wcndigkeit überzeugt. Wir dürfen überzeugt sein, daß der Regierung das Beste des Landes eben so am Herzen liegt, als dem Rechenmeister, der sich sub Nr. 1130 hören läßt. Wer nicht Schwindel in die Welt werfen will, kann leicht berechnen: 1) daß die Garantie noch nicht 3 pCt. des nothwendigen Kapitals beträgt und daß 2) die Garantie einer Rente den Staat vor allem Risiko schützt, das in dem Anschaffen des Kapitals liegt. Als vor Jahren die Frucht theuer und deßhalb das Brod kleiner wurde, glaubten Einige, daß das Brod lediglich zuin Profit der Bäcker so klein geworden sei und riefen auch: Selbstbacken sei die Loosung. Die Selbstbäckerei trat in's Leben. Die Actionäre verloren ihr Geld und erkannten, daß man am klügsten nicht Alles selbst thut, sondern denen überläßt, welche die Sache verstehen. Keinen Schwindel mit falschen Rechnungen verbreiten, sondern die Regierung in ihren wohlwollenden Plänen für die Provinz kräftig unterstützen, das sei die Loosung. 1265) Ein schwarzer Schleier wurde verloren und bittet man, denselben abzngeben bei Carl Gail. Turnverein. 1278) Freitag den 6. März, Abends 9 Uhr, in der Turnhalle: Generalversammlung. Tagesordnung: Berichte. Beisitzerwahl. Schauturnen. Der Vorstand. Für Cigarren- und Tabaks- Arbeiter. 1271) Sämmtliche obengenannte Arbeiter, welche zu den Sammlungen am 13. und 14. August 1867 Beiträge geleistet haben, diene zur Nachricht, daß die noch übriggebliebenen 18 fl. 5 fr-, abzüglich 34 fr. Unkosten, bei der am 23. d. Mts. stattgehabten Versammlung durch Einstimmigkeit den Ab- gebranntenj in Trendelburg zugedacht worden sind. Gießen, den 1. März 1868. Der Vorstand. 1276) Es sucht Jemand als Einsteher für einen Militärpflichtigen einzutreten. — Wer? sagt Ausg. d. Bltts. 1281) Ein junges Mädchen aus hiesiger Stadt, das in allen häuslichen Arbeiten erfahren ist, sucht eine Stelle. Das Nähere bei der Exped. d. Bltts. 1254) Zur Ordnung des Nachlasses des Fabrikanten August Burk von hier werden Diejenigen, welche Forderung an denselben haben, aufgefordert, ihre Rechnungen binnen 8 Tagen bei dem Unterzeichneten einzureichen. Derselbe ist von den Erben ermächtigt, die Ausstände einzucassiren, weß- halb die betreffenden Schuldner sich mit mir in Benehmen setzen wollen. Eckstein, Hofgerichtsrath. 1258) Schutt zum Auffüllen kann gegen Trinkgeld abgeladen werden bei B. Katzenstein. Epileptische Krämpfe (Fall-! sucht) heilt Ur. O. Killisch, Spezial- ! arzt für Epilepsie, Berlin, Jägerstr. z 75/76. Auswärtige brieflich. (1261) | 1288) Ein zuverlässiges Mädchen wird gegen guten Lohn in Dienst gesucht. Von wem? zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. 1259) Ein Lehrling wird in ein hiesiges Fabrikgeschäft gesucht. Näheres bei der Exped. d- Bltts- 1286) Ein braunseidener Regenschirm mit weißem Griffe wurde gefunden und kann derselbe bei mir in Empfang genommen werden. W- Zurbuch. 1211) Ein Mädchen, welches kochen kann und in allen Hausarbeiten erfahren ist, wird gegen guten Lohn in Dienst gesucht- Von wem? sagt die Exped- d- Bltts. Jaeob Krichelsche Schönfärberei in Homburg. 1289) Nächste Absendung Freitag den 6- März- Gegenstände zum Färben und Drucken besorgt prompt I- Ch- Retter, am Kreuz. 1 Auswanderer befördert billigst Christian Wallenfels, jun. Merhesllsche Eisenbahnen. 1285) Die in Nr- 24 und 26 dieses Blattes bezüglich der oberhessischen Eisenbahn niedergelegten Ansichten und Berechnungen sind mit Ausnahme der Prioritätsfrage so sehr von den meinigen abweichend, daß ich gegen die mir angedichtete Autorschaft dieses Artikels öffentlich Verwahrung -einlegen und die vereheliche Redaktion um die nöthige Erklärung bitten muß. Gießen, den 1- März 1868. Hcinr. Hornberger. Wir bescheinigen hiermit, daß uns der in Frage stehende Artikel durch die Zeitungs- Annoncen-Expedition von Haasenstein «fe Bögler in Frankfurt a. M. zugesendet worden ist, weshalb wir feinen Anstand nahmen, denselben in den Anzeiger anonym aufzunehmen, da die Herren Haasenstein & Vogler, ein uns schon seit langen Jahren befreundetes und mit uns in Geschäftsverbindung stehendes Haus, Erklärt haben, die Verantwortung dafür übernehmen zu wollen. Ob dieser Artifel nun seine Autorschaft in Gießen oder anderwärts hat, können wir nach dem eben Mitgetheilten nicht ermessen. Die Redaction des Gießener Anzeigers. 1279) 300 fl. sind gegen gerichtliche Sicherheit zu verleihen. Wo? sagt die Exped. d. Bltts. Theater in Gießen. (Im Cafv Leib.) 1253) Mittwoch den 4. März 1868: Der erste Waffengang des kleinen Richelieu. Lustspiel in 2 Akten, von Heine. Hierauf: Cin gebildeter Hausknecht, oder: Verfehlte Prüfungen. Posse mit Gesang in 1 Akt, von Kalisch. W. Kern, Director. Biirseunachrichten. 29. Februar 1868. Preuss. 41/2% Obi. — Frankf. 3V?/o Obi. 811/4 Nass. 41/2o/o Obi. 94i/2 Kurh. 40/0 Obi. 893/4 Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 897/8 „ 3i/3% do. do. 83 Bayer. 5% Obi. lOl’/g „ 41/2% 1jährige 931/4 » 4 V2°/0 Vejährige 933/4 Würtemb. l'/VVo Öbl. 935/s Baden 41/2% Obi. c. E.L. 94 Oestr. 5% b. R. 66 „ 5°/o National 553/4 „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuerf. 51 Amer. 6% 1882r Bds. 75 „ 60/q 1885r 74i/a Aetieii. Frankf. Bank 126 Oester. Bank 721 f „ Creditact. 191 f/2 | Darmst. Bankact. 2201/2 Prioritäten. 50/0 östr. F. St. E. B. 26O V2 Ludwigsh.-Bexbach 1563/4 Maxbahn 107 Bayer. Ostbahn 120 Hess. Ludwigsbahn 131 30/0 östr. Stsb.-Prior. 53'/2 3% östr. s. Lombard. 435/j 3% Livorneser 281/4 Toscaner — Frankf. Hypoth .-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 50/0 Elisabeth-Prior. 76 do. II. Emiss. 73% Wechsel. Amsterd. k. S. 100i/2 Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. S. 105 Bremen k. 8. 977/a Cöln k. S. 105 Hamburg k. S. 883/g Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119’/2 Lyon k. S. — Paris k. 8. 953/g Wien k. S. 101% Uisconto 3% G. Geldsorten. Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 541/2 Nassau fl. 25 b. Roth. 36i/2 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144 Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4'1/0 bayr. Präm. Anl. 985/g 40/0 badische Loose 981,2 Badische fl. 35 Loose — 1858r Prioritätsloose 134* 2 1860r Loose 72Z/g Pr. Gass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 Pistolen . . 9 „ doppelte 9 Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankenst. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 447/8-451/8 57i/2-58*/2 49-51 50-52 54-56 37-39 32-33 54-58 50-52 271/2-281/2 Für die Abgebrannten in Trendelburg wurden von den Cigarren- und Tabaksarbeitern gesammelt und an uns abgeliefert abzüglich der Unkosten 17 fl. 31 fr. Weitere Beiträge werden mit Dank angenommen. Die Expedition. Feuilleton. Vetter und Bafe. Eine Familiengeschichte. (Fortsetzung) Der Buchhalter gab Henrietten stumm die Hand und suchte sie mit einem bedeutsamen Blicke zu beruhigen. Herr Gottfried Balder aber ging mit starken Schritten im Zimmer auf und ab und hatte das Haupt tief aus die Brust gesenkt. „Das sind meine Freuden!" murmelte er halblaut mit einem tiefen Seufzer vor sich hin. „Ich hoffte heute Abend ein Freudenfest hier zu feiern mit den Meinigen, ich rechnete auf Dankbarkeit, Liebe und Ergebung, und finde Verstocktheit, Vorurthcil und Bitterkeit! ... Ist dich ein Leben, das der Sorgen und Mühsale lohnt?" „O, Papa, sein Sie großmüthig und vergeben Sie ihr!" ries Henriette und warf sich an des Vaters Hals. „Legen Sie nicht dem Herzen zur Last, was nur die erregten Nerven verschuldet haben! Bedenken Sie, wie unvorbereitet uns die Nachricht traf, als wie ein Blitz aus wolkenlosem Himmel!" „Ja, bester Onkel, üben Sie Nachsicht!" bat auch Pauline von der andern Seite. „Wenn Sie ahnen könnten, wie furchtbar die gute T— die Frau Com- merzienräthin ■— gelitten hat, als so eine Dame nach der andern kam, und mit heuchlerischer Theilnahme und schlechtverhehlter Schadenfreude erfahren wollte, ob es wahr sei, daß der Balver'sche Glücksstern untergegangen? .... ach, liebster Onkel, das war doch eine schwere Prüfung und Heimsuchung! — Aber nun kommen Sie zu Tische, oder ich muß die Suppe noch einmal an's Feuer setzen lassen! — Zu Tische, zu Tische!" 15. „Vetter," flüsterte Pauline dem Buchhalter zu, als sie das Obstkörbchen und das Dessert auf den Tisch gesetzt hatte, „ich denke, wir gehen weg und lassen die Familie allein, sonst thut die Tante keinen Mund mehr auf. Ich bringe Ihnen Ihr Gläschen Grog in Onkels Zimmer hinüber!" „Und leisten mir Gesellschaft, bis der Oheim kommt, mit dem ich noch manches zu besprechen habe," versetzte der Buchhalter. „Topp, unter dieser Be- dingung gehe ich Ihnen voran!" Und er schlich sich in aller Stille davon. Nicht lange darnach folgte ihm Pauline auf des Oheims Privatzimmer und brachte ihm den Grog, den er seither jeden Abend mit dem Oheim gemeinsam zu nehmen pflegte. Es drängte Paulinen, mit dem Vetter zu reden, nicht allein aus Neugier, zu erfahren wie denn alles so plötzlich gekommen sei, sondern auch aus aufrichtiger Dankbarkeit, weil sie ihm instinktmäßig das Verdienst beimaß, durch diesen Schritt der Retter ces Oheims und der ganzen Familie geworden zu sein. Und offen und herzlich, wie sie war, ohne jede Spur von falscher Ziererei und Prüderie, drückte sie ihm denn nun ihre dankbare Anerkennung in herzlichen einfachen Worten aus. Er lehnte diesen Dank und das ihm beigemessene Verdienst aber ebenso unbefangen ab, wie es ihm gezollt worden war. „Sie wissen ja, liebes Väschen, daß die erste Idee, dem Oheim auf diese Weise zu helfen, eigentlich von Ihnen herrührt! Daß Sie das größste Verdienst dabei haben, baß die Sache gelang!" „Ich?" rief Pauline verwundert. „Nun ja doch! Erinnern Sie sich nicht des Abends, wo wir allein zusammen speisten, und Sie mir erzählten, wie den Oheim der Schlaf meide und er oft beinahe bis zum Morgen in seinem Zimmer auf- und niedergehe, seufze und mit sich selber rede? Und ist Ihnen nicht mehr gegenwärtig, wie Sie damals die Aeußerung thaten: „Ach, wenn sich doch ein Käufer zu dem ganzen Geschäfte fände, oder wenn doch Vetter Robert ahnen könnte, welche Sorgen und Aengsten den armen Oheim quälen! Entsinnen Sie sich dissen noch?" „O ja, Vetter, aber das war nur so ein Einfall von mir!" „Jedoch ein glücklicher, liebes Väschen, und ich griff ihn auf, machte ihn mir zu eigen, und so ermhr Robert mit Einem Male die kritische Lage des Oheims und die Mittel zu ihrer Beseitigung! Darum gebührt Ihnen das Hauptverdienst !" „Nein, Ihnen, Vetter, denn Sie haben den Gedanken erst fruchtbar gemacht!" sagte Pauline. „Sie sind überhaupt cin merkwürdiger Mensch! Was Sie angreifen, das gelingt Ihnen, und Sie sind wie der gute Genius in dieses Haus hereingekommen. Seit Sie da sind, ist der Oheim ganz anders; er läßt sich nicht mehr so geringschätzig von der Tante behandeln und macht seinen Willen geltend. Und dann ist er weit besonnener t..:d ruhiger geworden und ist nicht mehr so verstört und sorgenvoll. Sie haben ihn gerettet, Vetter, denn wenn diese Unruhe, diese Qual der Sorgen und geistigen Aufregung noch eine Weile so ungemindert angedauert hätte, so würde er diesem Zustand erlegen fein, — davon bin ich lebhaft überzeugt. Und darum bin ich Ihnen auch recht dankbar, wenn Sie mir gleich zuweilen — Grauen einflößen!" „Ich Grauen einflößen?" rief der Vetter lächelnd; „wie so denn, Väschen? Bin ich denn ein solcher Knecht Ruprecht?" Politische Rundschau Darmstadt, 29. Februar. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 12 enthält: L Verordnung, die Organisation von Landwehr- behörden betreffend. In militärischer Beziehung wird laut §. 1 das Großherzogthum, welches einen Divisionsbezirk bildet, in zwei Infanterie-Brigade-Bezirke eingetheilt. — Zeder Infanterie - Brigade - Bezirk ist in drei Landwehr - Bataillons - Bezirke, jeder der letzteren in die ihrer Größe entsprechende Anzahl von Compagnie- Bezirken eingetheilt. Jeder Infanterie-Brigade entsprechen drei Landwehr-Bataivons-Bezirke, aus welchen erstere der Regel nach ihren Ersatz und ihre CompletirungSmannschaften erhalten. — Für die Reiterei, Artillerie, Picnniere und Train werden die Ergänzungsmannschaften aus dem ganzen Gebiete des Großherzogthum« gestellt. Der §. 2 enthält die nähere Eintheilung der erwähnten Bezirke wie folgt: A. Bezirk der 1. (49.) Infanterie-Brigade. 1. Landwehrregiment. Den I. Landwehr- Bataillons - Bezirk Gießen bilden die Landwehr- Compagnie-Bezirke: 1) Gießen, bestehend aus dem Kreise Gießen, 2) Grünberg, dem Kreise Grünberg, 3) Alsfeld, dem Kreise Alsfeld, 4) Lauterbach, dem Kreise Lauterbach, 5) Schotten, dem Kreise Schotten. Den II. Landwehr-BataillonS-Bezirk Friedberg bilden die Landwehr-Compagnie-Bezirke: 1) Friedberg, bestehend aus dem Kreise Friedberg, 2) Nidda, dem Kreise Nidda, 3) Büdingen, dem Kreise Büdingen, 4) Vilbel, dem Kreise Vilbel. Den III. Landwehr-Bataillons - Bezirk Darmstadt I. bilden die Lanvwe hr - Compagnie - Bezirke: 1) Darmstadt I., bestehend au« der Stadt Darmstadt, 2) Darmstadt II. bestehend aus den übrigen Orten des Kreises Darmstadt, 3) Laugen, bestehend aus den zu dem Kreise Offenbach gehörigen Orten: Langen, Bieber, Dietzenbach, Dreieichenhain, Dudenhofen, Egelsbach, Froschhausen, Götzenhain, Hain- Hausen, Heusenstamm, Jügelsheim, Klein - Welzheim, Mainflingen, Neu-Isenburg, Obertshausen, Offenthal, PhilippSeich, Rembrücken, Seligenstadt, Sprendlingen, Weiskirchen, Zellhauscn, 4) Offenbach, bestehend aus den übrigen zu dem Kreise Offenbach gehörigen Orten: Offenbach, Bürgel, Dietesheim, Groß-Stein- Heim , Hainstadt, Hausen , Klein - Auheim , Klein- Krotzenburg, Klein-Steinheim, Lämmerspiel, Mühlheim, Rumpenheim; 5) Dieburg, bestehend aus dem Kreise Dieburg. B. Bezirk d er 2. (50.) Jnfanterie-Bri- gade. 2. Landwehr-Regiment. Den I. Landwehr- Bataillons-Bezirk Darmstadt II. bilden die Landwehr - Compagnie - Bezirke: 1) Neustadt, bestehend aus dem Kreise Neustadt, 2) Erbach, dem Kreise Erbach, 3) Lindenfels, dem Kreise Lindenfels, 4) Heppenheim, den Kreisen Heppenheim und Wimpfen, 5) Bensheim, dem Kreise Bensheim und 6) Groß- Gerau aus dem Kreise Groß-Gerau. Den II. Landwehr - Bataillons - Bezirk Mainz bilden die Landwehr-Compagnie-Bezirke: 1) Mainz L, bestehend aus der Stadt Mainz, 2) Mainz II., bestehend aus den übrigen Orten des Kreises Mainz, 3) Bingen, bestehend aus dem Kreise Bingen. Den III. Landwehr - Bataillons - Bezirk Worms bilden die Landwehr-Compagnie-Bezirke: 1) Worms, bestehend aus den zu dem Kreise Worms gehörigen Orten: Worms, Dalsheim Heppenheim a. V. W>, Herrnsheim, Hochheim, Hohen-Sülzen, Horchheim, Kriegsheim, Leiselheim, Mölsheim, Mörrstadt, Monsheim , Neuhausen, Nieder-Flörsheim, Ober-Flörsheim, Offstein, Pfeddersheim, Pfiffligheim, Wachenheim, Weinsheim, Wies-Oppenheim; 2) Osthofen, bestehend aus den übrigen zu dem Kreise Worms gehörigen Orten: Osthofen, Abenheim, Alsheim mit Hangen-Wahlheim, Bechtheim, Bermersheim, Blödesheim, Dittelsheim, Dorn-Dürkheim, Eich, Eppelsheim, Gimsheim, Gundersheim mit Enzheim, Gundheim, Hamm, Hangen - Weisheim , Heßloch , Ibersheim, Frettenheim, Mettenheim, Monzernheim, Rhein-Dürkheim, Westhofen; 3) Oppenheim, bestehend aus dem Kreise Oppenheim; 4) Alzei, bestehend aus dem Kreise Alzei. §. 3 handelt von der Organisation und dem Reffort-Verhältniß der Landwehr-Behörden. 1) Die Dienstangelegenheiten der Landwehr und aller zum Beurlaubtenstande gehörenden Militärpersonen restortiren von den Territorialbehörden, welchen insbesondere auch die Vermittelung der Beziehungen zwischen den Truppen des stehenden Heeres und der im Beurlaubtenverhältniß befindlichen Mannschaften obliegt. 2) In dem DivisionS-Bezirke fungirt das Divi- sions-Commando als oberste Territorialbehörde. 3) Dem Divisions - Commando steht ferner im Frieden in dem Divisions - Bezirk die Oberaufsicht und Mitwirkung in Bezug auf die gerichtlichen und die Disciplinarverhältnisse der Mannschaften des Beur- laubtenstandcS, auf die Hebungen der letzteren, auf die ökonomischen Angelegenheiten der Landwehr unv auf alle diejenigen Vorbereitungen unv Anordnungen zu, welche sich auf die Mobilmachung der Division beziehen. Bei Einsetzung stellvertretender Behörden im Falle des Ausmarsches gehen die Funktionen des Divi- sionS-Commando's zu 2 und 3 auf diese über. 4) Die Jnfanteric-Brigade-Commando'S — eventuell Vie stellvertretenden Infanterie - Brigade - Com- mando'S leiten und controliren die Thätigkeit der zu ihrem Bezirk gehörigen Landwehr - Bezirks - Com- maneo's und zwar unter dem unmittelbaren Befehle des DivisionS-Commando's. 5) Für jeden Landwehr-BataillonS-Bezirk ist ein Lanvwehr-BezirkS-Commando eingesetzt, welches unter dem virekten Befehle des betreffenden Infanterie- Brigade - Commanvo's steht. Die Thätigkeit der Landwehr-Bezirks-Commando's erstreckt sich auf: a) die Regelung aller Dienstverhältnisse und die Controle der Personen des Beurlaubtenstandes; b) die Vorbereitung unv eventuelle Ausführung aller militärischen Maßregeln, welche im Falle einer Mobilmachung für ihren Bezirk erforderlich sind; c) die Sicherung, Instandhaltung und, nach Maßgabe der anderweitig hierüber ergehenden Bestimmungen, die Beschaffung resp. Heranschaffung der für die Landwehr-Bataillone erforderlichen BekleivungS- und Ausrüstungs-Gegenstände, Waffen und Munition; d) vie Ersatz - Angelegenheiten; e) Vie Angelegenheiten der im Bezirk lebenden Invaliden. 6) In jedem Landwehr - Compagnie - Bezirk ist ein Bezirks- (Ober-) Feldwebel als Organ des Landwehr-Bezirks-Commanvo's zur Vermittelung des Verkehrs des letzteren mit den Mannschaften des Beurlaubtenstanves sta- tionirt. §. 4. Im Nebligen kommen bezüglich der Funktionen vcr Landwehr-Behörden, sowie bezüglich der Dienstverhältnisse der Mannschaften des Beurlaubtenstandes die Bestimmungen der königlich preußischen Verordnung, betreffend die Organisation der Land- wehr-Behörden unv die Dienstverhältnisse der Mannschaften des Beurlaubtenstandes vom 5. September 1867 in Anwenvung, vorbehaltlich der durch die abweichenden Einrichtungen des Großherzogtbums gebotenen, von Unseren Ministerien des Innern unv des Krieges innerhalb ihrer Ressorts zu treffenden weiteren Anordnungen. Die erwähnte Verordnung soll den zuständigen Militärbehörden, sowie den Kreisämtern wegen ver ihnen zukommendcn Mitwirkung bei der Controle der Mannschaften ves Beurlaubtenstandes, zum Dienstgebräuche zugestellt werden. II. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Großherzoglichen Hause« unv VeS Aeußern, den Bau einer stehenden Brücke über den Rhein bei Düsseldorf betreffend. III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Errichtung eines theologischen Seminars an Großherzoglicher Landes-Universität betreffend. „Sie sind ein gefährlicher Mensch auf alle Fälle," versetzte Pauline halb lächelnd, halb im Ernst und suchte ihm die Hand zu entziehen, die er ergriffen hatte. „Manchmal kommen Sie mir vor, als seien Sie gar nicht Der, welcher Sie sein wollen, und dann sind Sie doch immer wieder ein ganzer Balder. Ein merkwürdiger, ungewöhnlicher Mensch sind Sie jedenfalls, Denn wer so unerschrocken und keck wie Sie der Commerzienräthin stechenden Blick auszuhalten vermag, vor welchem alle im Hause ordentlich zittern, und toir ihr so offen Widerpart halten unv ihr die derbsten Wahrheiten sagen kann, das ist schon ein Mensch von bedeutendem Kopf und Willen!" „Ah so? Ist es denn ein so großes Verdienst oder eine so schwere Kunst, solch eine verwöhnte, sich selbst überschätzende, hochmuthsvlinde Frau nicht zu fürchten, eben weil man sie durchschaut?" „Hm," meinte Pauline, „aber wenn man ihr Brod essen muß, ist es ein Anderes; unv wenn ich nun Denfej, daß Sie kaum erst vor Kurzem als Buchhalter hier eingetroffen sind und nun gleichsam als die Seele des ganzen Ge- schäfs vastehen unv der Oheim selbst nur wie Vas Werkzeug Ihres Willens erscheint, so ist man doch versucht, ein Bißchen an Hexerei zu glauben, oder..." „Nun? Oder?" . . . „Wenigstens Sie für mehr zu halten, als Sie sein oder scheinen wollen!" sagte Pauline. „Sie haben alle Leute im Hause unter Ihren Willen gebracht. Die anmaßendsten von der Dienerschaft, die sonst jedermann mit Grobheit begegnen, fürchten Sie wie den leibhaftigen Bösen, und die besseren davon, wie der alte Gärtner, würden für Sie purch Wasser und Feuer gehen!" Der Buchhalter lachte laut auf und rief: „Oh, das ist eine sehr natürliche Sache, Paulinchcn! Ich habe die Gabe, die Gedanken der Menschen aus ihren Gesichtern zu lesen, und damit hängt zusammen, daß ich Die Schlechten durchschaue und einschüchtere, und den Guten mein Vertrauen und Wohlgefallen bezeuge. Und seit ich Denn einmal dem hochfahrenden Herrn Haushofmeister die Cravatte etwas zugeschnürt und ihm seine Veruntreuungen vorgehalten, und dem bengelhaften Lakaien Der Commerzienräthin einen Arm beinahe ausgerenkt, wie sie mir brutal begegnen wollten, und als ich ihnen bei Gelegenheit von Jva's Flucht kaltblütig gesagt, daß ich demjenigen den Hals brechen werde, Der noch ein einziges Mal seinen Herrn verrathe, fürchten sie mich und lassen mich ihr böses Gewissen in ihren Mienen lesen." „Ja, das Schicksal Jea's ist. auch eines von Ihren Verdiensten, Vetter!" sagte Pauline. „Was wäre aus dem armen bethörten Mädchen geworden ohne Sie?" „Und ohne Sie, Bärchen! Sie haben mir ja die Mittel geliefert, das Complott rechzeitig zu hintertreiben!" „So? Ich dachte Sie hätten es auch theilweise in den Gesichtern gelesen?" sagte sie scherzend. „Allerdings, aber ich kann nur Gedanken lesen, oder allenfalls auch That- sachen!" (Fortsetzung folgt.) Lebensversicherung von Beamten. Das Generalbnndeöpostamt in Berlin hat einen wichtigen Schritt gethan, um die Postnnterbcamten im Bereiche des ganzen norddeutschen Bundes zur Begründung einer Bersorgung ihrer dereinstigen Hinterbleibenden mittelst der Lebensversicherung zu bestimmen. ES leistet jedem dieser Beamten, der sein Leben bei einer der dazu von dem Generalpvstamte ausersehenen Anstalten zu Gunsten der Hinterbleibenden versichert, gegen Deponirung der Police nicht nur einen baaren jährlichen Zuschuß zur Prämie von 17 Procent, sondern übernimmt auch die Mühe, die Prämie unmittelbar an die Versicherungsanstalt abzufuhren und sie in monatlichen gleichen Raten an dem Gehalte des Beamten abzuziehen. Die für dieses Jncaffo der Postbehörde von der Versicherungsanstalt zu gewährende Provision läßt sie ebenfalls dem Versicherten zu Gute gehen, wodurch für diesen eine weitere Ermäßigung des Beitrags eintritt. Nach dem vom Generalpostamte mit der G oth aer Lebcns- versichcrungSbank getroffenen Abkommen empfängt dasselbe eine Jncaffoprvvlsion von 3 Procent, so daß sich einschließlich jener 17 Prvcent das Prämienopfer für den Versicherten um 2 0 Procent ermäßigt, wozu durch die Dividende, welche derselbe bei Gotha genießt, eine weitere Ermäßigung von mindestens 33‘/g Procent hinzutritt. Die Versicherungskosten belaufen sich daher für eine Versicherung bei der Gothaer Bank noch nicht einmal auf die Hälfte der tarifmäßigen Prämien. Neben dieser großen Ermäßigung des Beitrags wirkt aber ganz besonders erleichternd der Unistand, daß der Versicherte für die Zahlung der Prämie nicht selbst zu sorgen hat, sondern daß die Sorge von der Postbehürde übernommen und daß die Prämienlast auf die Bcsoldungs termine des ganzen Jahres gleichmäßig vertheilt wird. In dieser Weise wird sie von dem Versicherten kaum merklich empfunden. ES wäre sehr zu wünschen, daß in ähnlicher Weise, wie nach Obigem vom Generalbundespostamte sehr wirksam geschehen, auch noch andere Vorstände der öffentlichen Verwaltung,, Etaats- oder Gemeindebehörden, sowie Vorstände von Instituten, industriellen Gesellschaften u. f. w., die ihnen untergebenen Beamten zur Eingehung von Lebensversicherungen zu bestimmen und sie dabei zu unterstützen suchten. Gar viele Beamte, welche für ihre Hinterbleibenden durch eine Lebensversicherung sorgen sollten, schenken ohne dringende Mahnung von Außen dieser Pflicht nicht die gehörige Beachtung, oder lassen sich von der Erfüllung derselben durch die Bcsorgniß adhalten, daß ihnen die Aufbringung des jährlichen oder halbjährlichen Beitrags zu schwer fallen, wo nicht gar auf die Dauer unmöglich sein werde. Ein Dazwischentreten der Besoldungsbehörde in obiger Weise mit mäßiger Subvention, welche als eine durch veränderte Zeitverhältniffe gerechtfertigte Besoldungserhöhung anznsehen wäre, würde der Benutzung der LebenSverncherung Seitens der Beamten großen Vorschub leisten und für deren Familien von der segensreichsten Wirkung sein, die Behörde selbst aber vor vielen Behelligungen durch Unterstützungsgesuche hülfsbedürftigcr Wittwen und Waisen früherer Beamten bewahren. Wenn die Lebensversicherung, wie dies in obigem Falle geschehen, zugleich in der Weise bewirkt wird, daß die Versicherungssumme äußersten Falls noch bei Lebzeiten des Versicherten, sobald er das 65. Lebensjahr vollendet hat, zur Auszahlung kommt, so wird durch sie zugleich ein Mittel gewonnen, die Pensionirung altersschwacher Beamten zu erleichtern. Es verdient daher diese Angelegenheit nach verschiedenen Richtungen hin die ernstlichste Beachtung der Behörden. Das theologische Seminar an der Großherzoglichen Ludwigs > Universität zu Gießen hat laut §- 1 seiner Statuten die Bestimmung, ras Studium der Theologie Studircnden durch selbstständige Hebungen ju fördern. Indem es die Strebsameren unter ihnen in unmittelbaren wissenschaftlichen Verkehr mit ihren Lehrern setzt, soll es sie zu einer gründlicheren und selbstthätigeren Aneignung theologischer Kenntnisse, dadurch aber auch zu einer tieferen und selbstständi- geren Einsicht in die theologische Wissenschaft führen, als sie ans gewöhnlichem Wege gewonnen wird. — Demgemäß hat es einen wissenschaftlich gelehrten Charakter, während das Prediger-Seminar zu Friedberg hauptsächlich die practische Vorbereitung auf das geistliche Amt zur Aufgabe hat. Um Zulassung zum Seminar kann, nach §. 8, nur Derjenige nachsuchen, welcher bereits ein Jahr auf einer deutschen Universität Theologie studirt hat. Das theologische Seminar ist, laut §. 14, ein Universitäts-Institut, welches wie die ganze Universität, unmittelbar unter dem Großherzoglichen Ministerium des Innern steht. Die vier Abtheilungen des Seminars bilden ein Ganzes, welches von der theologischen Facultät als solcher geleitet wird. Sie hat namenlich über Aufnahme und ^Ausschließung der Mitglieder, Vertheilung der Prämien, Anschaffung von Büchern für die Seminar-Bibliothek nach den Vorschlägen der Dirigenten zu beschließen.^ Die gemein- schaftlichen Verhandlungen über das Seminar werden nach der bestehenden Geschäftsordnung unter Vorsitz res Decans geführt. — Die Facultät ist bezüglich der Verwendung der Gelder der Aufsicht der academischcn Administrations-Commission in gleicher Weise, wie der Director des philologischen Seminars, unterworfen. (Schluß folgt-) Darmstadt, 29. Fcbr. Das vor Kurzem an die Stände gelangte Budget schließt trotz der in Aussicht genommenen Einkommensteuer und Erhöhung der bereits bestehenden Steuerarten mit einem Deficit ab. Die großh. Regierung glaubt, daß dasselbe mittelst zu erwartender Mehreinnahmen aus älteren Einnahmerubriken gedeckt werden könne und hat diese Ansicht auch den ständischen Ausschüssen gegenüber bereits ausgesprochen. Der Abg. Wern her, kessen gründliche Kenntniß des gejammten hessischen Finanz- und Steuerwesens stets allseitige und verdiente Anerkennung gefunden, theilt diesen Standpunkt der Regierung nicht, fonrern schlägt den wegen Anschaf, fungen in Folge Neuorganisation der hessischen Division erforderlichen, vorübergehenden Aufwand, daher auch das zu erwartende Deficit Weit hoher an, als dies Seitens des Finanzministeriums geschehen ist. Er hegt die Ansicht, daß der Ausfall mittelst eines Anlehens zu decken sei. Wir halten diese Ansicht für eine sehr bcachtenswerthe, da die erwarteten Mehreinnahmen in Folge der allgemeinen Geschäftsstockung sehr dürftig ausfallen mochten. Zwar lassen die Pachtangebote für Domanialgüter wieder ein sehr erfreulicher Steigen warnehmen, allein von den Erträgnissen der inCirecten Abgaben läßt sich ein Gleiches vorerst nicht erwarten und auch die Rückstände an indirekten Steuern dürften, nachdem so viele Arbeitskräfte eine inproructive Verwendung im Militärdienste gefunden haben, zu bedeutenderen Beträgen, als sie feit einer Reihe von Jahren beobachtet wurden, anschwellen. Ferner dürfte es den Anforderungen der Billigkeit entsprechen, an den Lasten, Welche in Folge der Ereignisse des Jahres 1866 den Steuerzahlern aufgebürtet werden müssen, auch spätere Generationen theilnehmen zu lassen; dieser Forderung zu genügen, scheint uns der Wernher'sche Vorschlag ganz geeignet. Berlin, 29. Februar. Der Landtag wurde heute von dem König in Person geschlossen. In der Thronrede spricht sich der König mit Genug- thuung darüber ans, daß die wichtigen Aufgaben in wesentlicher Uebereinstimmung der Regierung und der Landesvertretung gelöst Worten sind. Er dankte für die Bereitwilligkeit der beiden Häuser des Landtags, den Mehraufwand zur Aufrechthaltung der Würde der Krone bewilligt zu haben und erwähnt der Maßregeln wegen Linderung des Nothstandes in Ostpreußen , so wie der Belassung des Provinzialfonds für Hannover und der Uebereinstimmung mit den Ansichten der Regierung über die mit den ehemaligen Landesherrn von Hannover und Nassau abgeschlossenen Ausgleichungsverträge. Er schließt: Meine Regierung ist in ihren auswärtigen Beziehungen unausgesetzt bestrebt gewesen, ihren Einfluß für die Er- Haltung und Befestigung des europäischen Friedens zu verwerthen und kann ich mit Genugthuung bekunden, daß die Bestrebungen, die von Seiten der auswärtigen Regierungen in freundschaftlicher und wohlwollender Gesinnung getheilt werden, die Bürgschaft des Erfolges in sich tragen. Ich darf daher die Zuversicht aussprechen, daß das fester begründete Red aetion, D: allgemeine Vertrauen für die Entwickelung der geistigen und materiellen Güter und des Wohlstandes der Nation die gewünschten Früchte tragen werde. Berlin, 29. Februar. Der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstages hat an die Ministerpräsidenten der südlich des Maines gelegenen deutschen Staaten unter dem 26. Februar eine Petition gerichtet, deren Petitum dahin geht, „darauf hinzuwir- ken, daß im Anschluß an len Zollvereinsvertrag vom 8. Juli v. I. baldigst fernere Verträge zwischen dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten abgeschlossen, werden durch welche die Competenz des ZollbundeSratheS und des Zollparlamentes auf die in Art. 5 der Norddeutschen Bundesverfassung bezeichneten Gegenstände (dahin gehören nämlich: Freizügigkeit, Bestimmungen über den Gewerbebetrieb, einschließlich des Versicherungswesen; Bestimmungen über die Colonisation und die Auswanderung nach außerdeutschen Ländern; die Ordnung des Münz-, Maß- und GewichtSsystemeS; Feststellung der Grundsätze über die Emission von fundirtem und unfunvir- tem Papiergelde; die allgemeinen Bestimmungen über das Bankwesen; die Erfindungspatente; der Schutz des gejstichen EigenthumS; Organisation eines ge- meinfamen Schutzes des deutschen Handels im Auslande , der deutschen Schifffahrt und ihrer Flagge zur Sie und Anordnung gemeinsamer consularischer Vertretung, Welche vom Bunde aulgestattet wird; gewisse Beziehungen des Eisenbahnwesens; die Flöße- rei und Schifffahrtsbetrieb auf den mehreren Staaten gemeinsamen Wasserstraßen und der Zustand der letzteren, so wie die Fluß- und sonstigen Wasserzölle; Post und Telegraphenwesen; die gemeinsame Gesetz- gebung über das Obligationenrecht, Handels- und Wechselrecht und dar gerichtliche Verfahren), so weit sie das wirtschaftliche Interesse der Nation betreffen, erweitert Werde." Köln, 28. Februar. Die Pferdeankäufe für französische Rechnung nehmen ihren Fortgang und Waren in jüngster Zeit in Holstein, Oldenburg und Hannover sehr bedeutend. Ein Theil dieser Pferde kam vor einigen Tagen nach Köln und wurde per Eisenbahn weiter befördert. Werken die osficiösen Dienstmänner dieses Thema nicht auch einmal in Angriff nehmen? Mit der Paßgcschichte und der silbernen Hochzeit haben sie sich schon lange genug fast ausschließlich befaßt. Wiesbaden, 28. Febr. Dem Ministcrpräsi. denten v. Bismarck ist von einem Privatmanne eine Denkschrift über die Zustande im Westerwalde überreicht worden, Wofür dem Verfasser im Auftrage des Premiers von-Herrn v. Dicst viel Verbindliches gesagt worden sein soll. Wie wir weiter von glaubwürdiger Seite vernehmen, soll der Regierungspräsident aufs Bestimmteste versichert haben, daß dem Westerwald und seinen Zuständen eine unausgesetzte Sorgfalt gewidmet und eine Wiederholung des gegenwärtigen Nothstandes unmöglich gemacht werten solle. Ein hiermit in Verbindung stehendes Gerücht will sogar wissen, daß von Seiten der Regierung bereits eine namhafte Summe für öffentliche Arbei- ten, die im Westerwalde vorgenommen werden sollen, ausgesetzt worden sei. Wir glauben jedoch versichern zu können, daß dieses Gerücht bis jetzt noch einer thatsächlichen Unterlage entbehrt. Jedenfalls ist durch die Intervention der Regierung der Beweis gebracht, daß die Presse bezüglich des Westerwälder Nothstandes sieh kaum einer Uebertreibung schuldig gemacht und die Regierung dadurch Gelegenheit erhalten hat, die hülfsbedürftigen Zustände des Westerwaldes gründlich kennen zu lernen; wenigstens soll sich Hr. v. Diest selbst in diesem Sinne mehrfach ausgespro- chen Haden. Hannover, 28. Februar. König Georg läßt durch seine Bevollmächtigten in London, Wie ter „K. Z." von dort gemeldet Wird, alle jene Geldposten einziehen, welche nicht zu den Staatsgelvern gehören, die nach dem Vertrage mit Preußen zurück- gesandt worden, sondern als Privateigenthum ihm verblieben sind und im Juni 1866 nach England befördert wurden. Die Summen werben nach Hietzing geschickt, so daß in England kein Vermögen des Königs zurückbleibt. Bis jetzt werde der König demnach seine Ueberjtebelung nach England nicht be- schloffen haben. , ' München, 29. Februar. König Ludwig I. ist in Nizza gestorben. Paris, 25. Febr. Nachmittags 3 Uhr. Die Aufregung, die in Paris herrscht, so schreibt man der „K. Z." ist im Zunehmen begriffen. Die erste Demonstration fand heute Morgen zwischen 9 und 10 Uhr in den ChampS ElysoeS statt. Es kam nämlich ein aus drei Wagen bestehender Zug, dem ein Mu- sikeorps vorherschritt, die Champs Elysües herunter. Auf dem ersteren Wagen befanden sich Männer, Frauen und Kinder, Alles in Waffen, und darüber f und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pie stand: „La loi militaire“; auf dem zweiten befand sich eine ungeheure Zeitung mit dem Titel: „L’Em- pire“; der dritte Wagen endlich war ganz leer; keine Menschenseele war darauf zu sehen, eine Fahne trug die Inschrift: „Droit de Reunion.“ Die drei Wa- gen, die von ungefähr 20 bis 30 Leuten zu Pferde, die alle mit Trauerfloren geschmückt waren (eS sollen Studenten gewesen sein) und von denen einer eine Standarte mit der Inschrift: „La France libre“ trug, begleitet waren, gelangten aber nur bis zur Mitte der Champs Elysäes. Dort wurden sie von einem Polizeicommiffär, der sich an der Spitze zahl- reicher Agenten befand, angehalten. Derselbe nahm die Embleme weg und geleitete den ganzen Zug nach seiner Amtswohnung. Eine Demonstration anderer Art ereignete sich, als die fetten Ochsen den Tuile- rien ihren Besuch abstatteten. Die Ochsen kamen dort um 1 Uhr an, wie dies immer der Fall ist, der Kaiser, die Kaiserin, der kaiserliche Prinz und der ganze Hof auf dem großen Balcone befanden. Der Schlächtermeister Duval begab sich in die Tuile- rien, um ihre Majestäten zu begrüßen. Als er wieher herunter kam, spielten die Musikbanden das bekannte: „Partant pour la Syrie“, und die Escorte der Ochsen stimmte das „Vive l’Empereur!“ an. In diesem Augenblicke ertönte plötzlich ein gewalti- tiges, man könnte sagen, tausendstimmige«: „Thiers, Thiers!“ Was das Wort bedeuten sollte, weiß ich nicht genau; eS schien aber ein Losungswort zu fein, was auch wieder laut wurde, als die Ochsen zur Begrüßung des Prinzen Napoleon nach dem Palais Royal zogen. Die Polizei, obgleich sie in Unzahl vertreten war — auf dem Carouffelplatze befand sich eine doppelte Cavalleriebedeckunz für die Ochsen —, schritt nicht ein und ließ den Ruf: „Thiers!“ ruhig feinen Laus gehen. Wahrscheinlich soll ter Ruf an- deuten, daß man das Juli-Königthum dem jetzigen Regime vorziehen würde. — Nachschrift. So eben höre ich, daß es auf dem Pont Neuf zu Bal- gereien zwischen Polizei-Agenten und Blousenmän- nern, zu einem ernstlichen Handgemenge gekommen ist und Verhaftungen stattgefunden haben. Anlasz , dazu gaben Demonstrationen, welche man ^.ber auf der genannten Brücke stehenden Re- -rtatue Heinrich'- IV. machte. Den fetten Ochjen ging nämlich eine Schaar von 300 Blousenmännern vor- aus. Als dieselben an der Statue ankamen, mach- . ten sie plötzlich Halt, zogen ihre Mützen ab und brachten ihr eine Ovation dar (nach Ei'igen sollen sie die Parisienne, eine Art von Marseillaise, angestimmt haben). Dann zogen sie weiter. Den Ochsen folgte eine zweite Schaar Blousenmänner, die dasselbe Manöver aufführen wollten, die Polizeidiener ließen es aber nicht zu und fielen über sie her. Ein ziemlich heftiger Kampf entstand, wobei den Polizei- dienern der Sieg verblieb- Nähere Einzelnheiten fehlen noch. Paris. Während die untere Strömung der gouoernemcntalcn französischen Kreise noch an der Ernennung des Generals Beyer zum badischen Kriegs- Minister herumnagt, beschäftigt man sich in den oberen Regionen der diplomatischen Welt mit einem Gerüchte von ganz anderer Tragweite. Es ist nämlich da von einer vemnächst bevorstehenden Sendung des Prinzen Napoleon nach Berlin in besonderem Auftrage (dieselbe meldet die „Patrie" heute in ' ((runter Weise) die Rede, die man natürlich nicht i. : ihm mit der orientalischen Frage in Verbindung zu Paris, 27. Febr. Die Minister Pinard uUD Baroche haben den Vicepräsiventen Jerome T vid ihr tiefes Mißfallen darüber auSgedrückt, daß im 24. Februar, al« Havin das Erkenntniß des yren- gerichteS zur Vorlesung bringen wollte, die mtzung aufgehoben, ohne die Kammer zu consultiren- Die Deputirten von Paris erhielten übrigens Adressen,, welche sie auffordern, den Gegenstand bei,dem Wie-, derzusammentritte der Kammer zur Sprache zu brin gen und ihre Entlassung zu geben, wenn ihnen n cht Genugthuung werde. Paris, 27. Februar. Die Ruhestörungen, die am 24. auf den Straßen vorgekommen sind (bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes mit- getheilt), sind so ernstlicher Natur, daß man einen Augenblick die plötzliche Panik der Börse daraus zu erklären dachte. Dieß ist nun zwar nicht der Fall; es geht aus den heutigen Abendblättern, die natürlich sonst mit keiner Silbe von den etwas mehr als earnevalslustigen Vorgängen sprechen, zur genüge her- vor, daß einzig und allein die russischen Jntriguen, die den Franzosen überhaupt stark in be*- Knochen zu liegen scheinen, die Börsenredoute verau.ußt haben. Das „Journal de Paris" ist überzeugt, daß die Artikel des „Journal de St- Petersb urg" all' Viesen Lärm verursacht haben; im Uebrigen hält es Dafür, daß wenig Grund zu ernstlicher Besorgniß vorhanden fei.________________________________/ sch) in Gießen-