Nächsten Samstag, den 27. Deccmber, erscheint fein Anzeigeblatt. Die Red. Aigeigeblall für die Stadt und den Kreis Gießen. J| Hirsch : Hr. Binzer, Fabrik, v. Hatzfeld; Hr. Kreutz, Haudelsm. v. Lutzen; Hrn. Fuhr!. Göbel v. La,ibach, Sudler v. Rumrud u. Benner v. Herbornseelbach. In der Sonne : Hrn. HandelSl. Knieriem v. Frankenheim, Vvrier v. Sudel u. Morenhaut v. Hohensolms ; Hrn. Fuhrt- Nebel n. Nickel v. Bicken - Hr. Scheuermann, Schniied v. Friedrichsfeld. ' In den Privathäusern. Bei Hrn. Auoth. Witte: Hr. Algeier, Pfarr. v. Eudorf. Frucht- und Mehlpreise von nachbenannten Städten und Fruchtmärkten. Gießen ; Außerdem wurden noch 3 Malter Erbsen im Mittelpreis zn 9 st. 40 fr. und 1 Malter Wicken im Mittelpreis zu 7 ft. 50 fr. verfällst. a i e n. Korn. Ger st -. H a f e r. K a r t o f f e 1 n. Ort und Datum. Auf- Ber- Mittelpreis Aut- Ber- Mittelpreis Auf- Ber- Mittelpreis Auf- Ver- Mittelpreis Auf- Ver- Mittelpreis gefahren kauft Malter. gefahren kauft vom Malter. gefahren kauft vom Malter. gefahren kauft vom Malter. ge- tahre» kauft. vom Malter. MItr. MItr. Pf. fr. MItr. MItr. Pf. ft MItr. Mltr. Pf. fl. Er. Mltr. Mltr. Pf. fl. [Er- Mltr. Mltr. Pf. fl. kN Gießen, 19. Decbr. 139 139 200 13 5 26 23 j 180 9 32 26 16 160 26 16 16 120 4 20 26 15 200 3 11 Butzbach, — ~ — — 200 — 180 - — — — 160 — — — 120 — 1__ _ _ 200 - - Geünberg, 20. 218 218 200 12 18 26j 26' 180 9 12 30» 30» 160 6 50 321 32 j 120 3 51 36j 36! 200 .3 13 Friedberg, 12. „ 330 311 200 12 54 20 8 180 8 57 110 86 160 7 19 20 13 120 4 6 12 12 200 2 33 Mainz, 19. „ — 931 200 13 10 — 215 180 16 — 252 160 7 46 — 145 | 120 4 39 i 1 — — 200 2 40 Der Weihnachtsabend. Als Kind feierte man Weihnachten wie die lebendiggewordenc Mährchenzeit. Die Augen zu! sonst bläst Christkindchen sie aus! Das war schon die hundertste Stufe auf der Wanderung in den Hellen lichten Himmel hinein. Vorher kamen die nieder» Stockiverke. An der untern Sprosse dieser Jacobstraumleiter der Freude siand im umgewandten Pelzrock mit langer, frisch aus Besenreisern gewundener Ruthe der schauerliche Knecht Ruprecht im nördlichen Deutschland oder St.-Niklas im südlichen und fragte mit drohender Stimme; Kannst du auch beten? Gebetet wurde dann mit kläglicher, zähneklappernder Angst, aber doch mit Herzensandacht; denn das neugeborene Jesulein, die bescheidene Krippe, der wandernde Morgenstern, die Weisen mit Myrrhen und Aloe, das ganze blühende, orientalische Nachtgedicht der Heilandsgeburt mit den Hirten auf den» Felde, den Engeln, die ihnen aus der Höhe den Weg wiesen, dem immerdar gläubigen Joseph und der glückseligen Maria, das lebte im Herzen wie linde, milde, duftende Sommernacht, wenn auch die Hände froren, die Nase blau anlief und die Füße in Schnee gesteckt werden mußten, weil sie die eom- pletteste Erstarrung von der Eisbahn mitgebracht hatten. Die Wochen wurden schon von der ersten Gans zu Martini nach den Sonntagen gezählt und zwar Trinitatisweise, dann wurden es nur noch die Tage, zuletzt die Stunden. Addentszeit hieß die ganze höchst merkwürdige Periode. Die „Curenvejungcn" sangen des Abends auf den Straßen und sammelten in blechernen Büchsen; Nüsse und Aepfel wurden an Markttagen in Vorräthen eingekauft, aber noch nicht gezeigt, sie rasselten und dufteten nur; die ganze Erde war ein großes flüsterndes und tuschelndes Geheimniß. Auf die Mährchenzeit kam dann die rationalistische. Für Säbel, Flinten, bleierne Soldaten gab es nun Schulmappen, Reißfedern, Schreibebücher und neue Hosenträger. Man nahm schon mit größerer Kühle den Kalender in die Hand und rechnete die mystischen Begebenheiten nach der üblichen Chronologie ab, wie die Zerstörung Karthagos und die Hinrichtung Kon- radin's von Hohenstaufen, dieses Hauptfactums der deutschen Geschichte im Kopfe jedes gefühlvollen Untertertianers. Man sah schon das Mährchen in seiner künstlichen Veranstaltung, die groben Drähte der Komödie; man lachte schon über das Wispern der Aeltern wie ein Neolog oder ein Geolog über die Schöpfnngsgeschichte. Bekanntlich sinv das die Jahre, wo, wie in dem Rainrund'schen Mährchen, oft schon ausgerufen wird: Ach, was haben doch die Kinder Alles mit ihren Aeltern auszustchen! Die guten Aeltern sinv dann über die Weihnachtszeit schon vergnügter als die aufgeklärten Jungen, die bei all' der Freude ihre Ferienarbeiten im Kopf haben müssen und zur Bescheerung ohnehin nur Das bekommen, was sic „auch so" erhalten würden, Dinge, die alle nach Leder riechen oder nach Tuch und dem ewigen Papier. Dann aber die Jünglingszeit. Ach! Der Weibnachtabend war dann schon oft nicht mehr der lustigste, sondern der traurigste Tag im Jahr. Man war von seinen Aeltern entfernt, entweder durch Entfernungen der Erde oder Entfernungen des Himmels schon. Die Lichter wurven nicht mehr angezündet; man hörte nur die Weihnachtslust im Nachbarhause, sah fremde Fenster schimmern, hörte fremde Kinder jauchzen, man machte einen Gang durch die Straßen, um das wehmüthige Herz zu stillen. Du liebe ernste Jünglingszeit! Du verschwiegene heilige Knospe der ersten freiern Lebensentfaltung! Du erste heilige Sabbathstille unv Morgenfrühe des Menschenthums, eingeläutet meist von trauernden Glocken ! Denn welche Erfüllung wird wohl schon den allgewalt - gen Jugendträumen ? Welcher erste Gruß des Lebens, des wirklichen, des rauhen Lebens der Pflichten und der Geschicke, ist wohl ein liebevoller unv freundlicher? Bereits bilvet sich auch schon das ganze Jahr hindurch um das Jünglingsherz die harte Schale, die das junge Leben braucht, um in der stoßenden Welt mit fortzu- koinmen. Starr, kalt werden die Grundsätze. Große, schroffe, spartanische Gesetztafeln werden aufgehängt in der innern Brust. Plancher Zug um die Lippe lächelt schon dämonisch und spröde wirft sich ver Mund auf, sieht der Jüngling was er zu hoffen hat und vergleicht es mit Dein, was er gewinnen möchte. Am Weihnachtsabend bricht dann noch einmal die Eisdecke des Jahres. Auf einige Stunden sinken noch einmal alle gefrorenen Eispaläste der Seele, in deren bunten Lichtbrechungen sich der Jüngling schon gefällt. Das unsterbliche Anrecht auf Glück, das wir tief und unauslöschlich und durch keine Philosophie Hinwegzureden in unserer Brust tragen, meldet sich noch einmal wieder in diesem Theater wenn weiden! Jahren des Prüfens und des Hoffens, oft der Von diesen der Täuschung, wäre mancher Weihnachtsabend zu erzäh- ! Dual und D^ck und Verlag vor G. D. Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. Weiheauqenblick — und dann mit so unwiderstehlicher Macht, daß manchen, Jüngling die Weihnachtszeit ost nichts bescheert als Thränen ein Geschenk freilich, das auch seinen Werth hat und geradezu werden können. m Dann kommen wieder ganz eigene neue Perioden. Ging es von jeder ersten Liebe gleich zum Traualtar, so hatte man von seinen ferner« Weihnachtserinnerungen leich.er erstem Die ersten Weihnachten der Ehe, wo man ungeduldig die ost noch lallenden Kinder schon zur Freude am Llchterbaum zwingen mochte “ Z“ tarn. »I- **m f° 1« M<» MM SÄ ff ä» tzSSNSLSS 5ÄÄ ’äL'Un und all' unsere Torten. . 3 Am Christabend erinnert man sich, wie man fremd einst stand als Gast au einem Lichterbaum, vielleicht bei Menschen, die untere Freunde schienen und Feinde wurden. I» jenem Jahre ward uns Das beschieden, in diesem ein Anderes, da zündete man den eigenen Baum an in seiner jungen Ehe und die Sorge war vielleicht-der einzige Gast/ der an de», kargen Tische stand, der nur der U reichlich schien. Da zählte man noch der Häupter wenige, die uns gehörten, dann drängten sich zahlreichere um die hestlen Achter, manches Antlitz strahlte vor Freude, und es fehlte ,chon bei de Erinnerungsbild.- des folgenden Jahres. Augen der Wonne, d.e empfingen — noch glücklichere, die spendeten, Jlnt*, Je älter man wird, desto mehr wird uns der Weihnachtsabend nur «och der Erinnerung geweiht bleiben und der eigentliche Tag Aller-Seelen werden. Freitag den 19. d. Mts. wurde uns der Genuß zu Theil, F Halm's „Fechter von Ravenna" über die Bretter geführt zu stchen , ches vor noch nicht gar langer Zeit ,n verschiedenen Z. unge, . Aufmerksamkeit des Publikums wegen seiner Anlo„cha,t auf sich zog , so bot uns dieses Stück einen doppelten Genuß durch seinen A egenen Inhalt nnd seine treffliche Darstellung Die Hauptp - thicen waren in den Händen der tüchtigsten Mitglieder. Herr Bullmann als Cajus Cäsar, hatte seine schwierige Roll, richtig aufgefaßt und bekundete hier den denkenden und fle.W n Spieler, welcher es versteht, sich Bahn zu brechen a.ff seinem do neu- vollen Pfade. Die Thusnelda sahen wir von Frl. Puthling mit einer Wahrheit und mit solchem Gefühl uns vergegenwärtigt daß sie alle Herzen zur Begeisterung hinriß, und glauben wir, daß ihre Thusnelda auf größeren Bühnen den Beifall erwerb.n würd', welcher ihr hier ungetheilt gespendet wurde. Ramis, Thusnelden Verwandte, durch Frau Weiser repräsent.rt, bewahrte 'Mn Ruf als Künstlerin und spielte die tröstende und helfende Verwand mit Treue. Die Parthie des Merowig wurde von Herrn Ruth- ling jun. dargestellt. Er führte uns den geraden, biedern alten deutschen Charakter durch richtige Auffassung desselben vor Augen und löste so seine Aufgabe recht gut und brav. Herr Ruthling fin., als Glabrio, Vogt der Fechterschule von Ol-venna war wn-d-r an seinem Platze und erwarb sich durch sein treffliches Sp.e den ungetheiltcsten Beifall. Er ist überhaupt ein Mime, der Ausgezeichnetes leistet. Herr Weiser, welcher Vie Rolle des Thumeliku- übernommen und hier keinen Fehlgriff gethan, zeigt., wie wuner, den tüchtigen und wahren Künstler, der mit Liebe m seinem Bern, wirkt und nicht auf den, einmal betretenen Wege .„nehalt. Sen, ■ Spiel wurde mit den, größten Beifalle belohnt. Das Ganze wurde durch die übrigen Mitglieder würdig unterstützt. Costume um .. Deeorationen waren entsprechend. Wüusckenswerth Ware es, wenn dieses Stück nochmals gegeben würde und sind wir überzeugt^ daß es ein volieö Haus macht. len und manche Geschichte daran anzureihen, manche, di- am häuslichen Herde würde Zuhörer finden dürfen — indes,en schließen wir mit der Bemerkung, daß man an Weihnachtsabenden sein ganzes Leben wie einen Rosenkranz an seinen Kugeln abzahlen kann Jedes Jahr bietet eine andere Erinnerung. Unsere Freuden und Leiden, unser Besitz und unser Verlorenes fuhrt Weihnachten uns am unmittelbarsten entgegen, all' unsere Lebenden laßt es uns Himmel kommt. di-. iJeit — der Liebe! „ , K E MM ■****** «**» **" „ch Auch d„ Smigling, »*« »--> m Stimm,« M', ,,, . ... ,uus u,hl gefullk«. r.chu.l, W1S anzchchig S nimmt nun tat ihn« Mühen ab und spielt selbst Schicksal und kommt schon m der Adventsreit zu den Geschwistern seiner Angebeteten, die Lafa.n voller A.pfel und Nürnberger Lebkuchen. Da glättet man on um der Liebe willen die Mephistophelesfalten aus, macht d.u J Ruprecht oder gar das Weihnachtskind nnd iiber,,eht,°gar ,n seinem Wscheerungseifer, daß auch an uns gedacht ward, nnftch ur un^ aearbeit.fi wurde in nnbelauschte» Stunden und seUP Ab.nds noch, wenn uns die Geliebte entlassen hatte, den zärtlichsten Abfchied ^Eßm an der Thür gegeben und sie zurückkehrend b^s tnf um Mitternacht noch bunte Blumen und Guirlanden stickt . lung-n rst niiithm, ifi der erste Eifer des Gebens en, Wetteifern mit den, Mäude sogar der Vogel bekommt einen neuen Vogelbauer, mite hofft man auch seine liebsten Wünsche abgelaufcht zu haben. , ’ F lick' Man trifft es meist bei Allen; leider! aber ost bei Derjenigen nickt der zu Liebe alle diese kindlichen Naivetäten m unser schon „dem Jahrhundert" angehöriges Herz zuruckkehren durs- te„. Auch verdrießliche und verstimmte Weihnachten gibt es. S. Mensch wird ohnehin dann immer am launenhaften, gerade die meisten Umstände gemacht werden, ,hnglucküchzw sehen. Auck diese lange Vorbereitung auf eine einzige licht.rfullt. Stunde, die zu Ende geht, wenn die kleinen, kurzen Wachsendchen me- verqcbrannt sind und hie und da in der grünen Tannenberrüchkei sckon Feuer ausbricht; auch diese wochcnlange Betriebfamkelt laßt schon an sich ein Gefühl der Ermüdung und der Erschöpfung Much in, nicht feit.« ®t» «««Kgm, di, g