JVo. uw. Mittwoch den 29. December 1832 *w RW HMMWWL WÄWRÄ M8W s.7 Anzeigen ans vcrich,-denen Schritten die gespaltene CorpuSzeile 3 ft. 1 ArrzcigMatt der Amtlicher T h e i l. 8. 25. Anzeige von Sterbsällm. des Standes, 3) der M, für die Großherzoglichen Ortsgerichte in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen. (Fortsetzung.) .——— . . 2) Ätnbev auö einer früheren Ehe vorhanden, dann müssen b tie Jt(tcr Un^t,cr Aufenthaltsort dieser Kinder, sowie der Kinder und Enkel re. früher verstorbener Kinder- die Zeit, wann die zweite Ehe eingegangcn wurde, und ' Ä,nwr» R fs2 ma llnt> ^uiiainc .bcö früher verstorbenen Ehegatten angegeben werden. Stand unk /^e'sKinder hinterlassen, so sind die Namen des überlebenden Ehegatten und die Namen der $ S ^,wrt ber "Ochsten Verwandten des Verstorbenen anzuführcn. tev in "W • verstorbene endlich y vcrschsidcner^ Kind/"^? N' das Alter und der Wohnort der hinterlassenen Kinder und der etwaigen Kinder re. früher dtv Verstorbenen, oder, wenn keine solche vorhanden sind, dieses und alsdann zugleich die Namen der -- --- Famtlienverhältiüffe, . t' • < 5» h n-10’^' wnnn ter 2iod des Verstorbenen erfolgt ist, und L lonst erheblich erscheint, dem Gericht unverzüglich und noch ehe die Beerdigung stattfindet, anzuzeiaen -u beurtäle? ^er den Vorstehern obliegenden Verpflichtung, daß nämlich das Gericht dadurch in den Stand gesetzt we/den 8*, ““ *1* ■"*' - •*** «■ «*.4 S AM yerÄe«”"®’5'"* ”6 06 t,r «Ä« WÄ8 «« »mtitto« war. I. ledig, so ist anzuführen : b°ibe Eltern oder doch noch der rechts Vater oder die rechte Mutter leben. Vermögen zügefallc^n war/ "Hal * 5 ' W W unb im dichte anzuführen, ob dem Verstorbenen schon eigenes In e Vermögen, so ist bezüglich der Familicnverhältnisse nichts weiter zu erwähnen; hat er aber baln-ii l Vermögen, mag dieses nun von den Eltern Herkommen oder von Verwandten, mögen eö die Eltern im Nutzen der vollbürtiÄ ^^ä" Collateralstcner halber, außer den Namen der Eltern, auch die Namen und das Ater Namen und / ^'schwister sd. h. solcher Geschwister, welche beide Eltern mit dem Verstorbenen gemein haben), sowie , w "***»•**."• •**«* - *w «*,®**t **"|i,,b ***** *” War der Verstorbene U' verheirathet und _ A. Init er Kinder hinterlassen, und zwar Süid aber'"^" aus dieser einen Ehe, dann ist nur dieses Verhältniß anzugeben. l)®e" Zunamens °“e Sterbfälle, welche sich in ihrem Dienstbezirk ereignen, unter genauer Angabe: 2) des Standes, 648 1-^. ' J1' -. , Stand und Wohnort dcr nächsten Verwandten anzugeben. Hatte der Verstorbene Verniögen seines früher verschiedenen Ehegatten in Nutznießung, so sind auch die Erben des Letzteren im Berichte anzuführen. Wenn der Verstorbene uneheliche Kinder hinterlassen hat, so- sieben die Vorsteher nicht zu versäumen, dieses anzugeben, mag 'nun der Verstorbene ledig, verheirathet oder verwittwet gewesen seyn. Dabei sind alsdann zugleich auch Namen, Akter, Stand und Aufenthalt solcher unehelicher Kinder anzuführen. Was bas unter Ni'. 5 oben erwähnte „sonst Erhebliche" betrifft, welches die Vorsteher ebenfalls einberichten sollen, so werden die Vorsteher naw.entlich darauf aufmerksam gemacht, daß sie in ihren Berichten anzugeben haben : wenn cs zu ihrer Kenntniß gekommen ist, daß der Verstorbene ein Testament hinterlassen hat, ebenso wenn demselben eine Verwaltung oder Vormundschaft übertragen war, wenn von den nächsten Verwandten, welche nach ihrer, der Vorsteher, Ansicht als Erben gerufen sein werden /Jemand durch Abwesenheit, Blöd- oder Schwachsinn, ober als erklärter Verschwender ver- hinbert sein wird, die Erbschaft selbst anzutreten und das Vermögen selbst zu verwalten. Haben die Vorsteher den Nachlaß versiegelt, so ist dieses mit dem Anzeigebericht zu melden und das darüber ausgenommene Protocoll beizufügen. Endlich werden sich die Vorsteher in ihrem Bericht sogleich über die Größe des zurückgelaffenen Vermögens, und ob dasselbe aus beweglichen oder unbeweglichen Sachen besteht, auch ob Gegenstände vorhanden sinb, die sich nicht ausheben lassen, wenigstens im Allgemeinen äußern. Dabei >virv den'Vorstehern zur Pflicht gemachtin allen Fällen, wo der Verstorbene weder Kinder oder Enkel noch Eltern oder Großeltern hinterläßt, dessen Erbschaft also aus Seitenverwandte oder Fremde fällt, — die muthmaßlichen Erben auf die ihnen gesetzlich zustehende Befugniß, wornach sie innerhalb sechs Wochen vom Todestage des Erblassers an, der Collateralsteuer halber, ein Privat-Jnventar zu errichten und dem betreffenden Gericht vorzulegen berechtigt sind, aufmerksam ru machen, und daß dieses geschehen, in ihrem Berichte anzuführen. , Ist xs unmöglich, den Bericht sogleich vollständig zu erstatten, so haben die Vorsteher dieses zu bemerken und dre Punkte anzudeuten über welche die erforderlichen Angaben noch fehlen, diese aber alsdann durch einen späteren Bericht unverweilt nachzutragen. ' ' (Fortsetzung folgt). Di, Zu Nr K. G. 3835. Gießen am 11. December 1852. Betreffend • Das Gesetz über Erwerbung des GrundeigenthumS und die besonderen rechtlichen Folgen des Eintrags eines Erwerbstitels in dem Grundbuche in den Provinzen Starkenburg und Ob.rheffen. Das Großherzoglich Hessische Kreisamt des Kreises Gießen tzurWnhT m -r?i <■: - schiilüN mrck Inhalt der Bekanntmachung Gr. Ministeriums dcr Justiz vom 16. v. Mts. (Reg.-Blatt Nr. 52 vom 23. v. Mts.) soll das im Reg. Blatt Nr. 11 von diesem Jahre publicirte Gesetz vom 21. Februar 1852: ■ Die Erwerbung des GrundeigenthumS und die besonderen rechtlichen Folgen des Eintrags eines Erwerbstitels in dem Grundbuche in den Provinzen Starkenburg und Oberhesscn betr., mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hohcii des Großherzogs, nicht, wie tn der BekamUmachuug Großh. Ministeriums der Justiz vom 23. Juli d. I. (Reg-Blatt Nr. 41, Seile 318) bestimmt ist, mit dem 1. November d. I., sondern erst mit dem 1. Januar 1853 in Kraft treten. Wenn wir gleich unterstellen dürfen, daß von Ihnen die geeigneten Vorkehrungen zur Wahrung der ErwerbStüel von Gütern der Gemeinden und Schulen bereits getroffen sein werden, so daß die hierzu laufende Frist nicht versäumt wird, — so sehen wir uns doch veranlaßt, auf den nahen Ablauf der letzten Frist noch besonders aufmerksam zu machen. ' Wir weisen Sie zu dem Ende hiermit an, jedenfalls noch vor dem erwähnten Zeitpunkte, die nach den Bestimmungen des oben allcgirien Gesetzes zur Sicherstellung des GrundeigenthumS der Gemeinden, Schulen u. s. w. geeigneten Anträge bei Gericht ru stellen wobei wir Ihnen zugleich bemerken, daß in den Fällen, bei welchen eS außer dem unvordenklichen Besitze, an andern Erwerbstiteln fehlen sollte, die Erwirkung der den unvordenklichen Besitz nachweiseuden Bescheinigungen von den betreffenden Orts- Vorständen reichlich erscheint. „ . . Eckstein. Zu Nr. K. G. 4159. Gießen am 23. December 1852. Betreffend: Den Steuerausschlag für 1853. Das Großherzoglich Hessische Kreisamt des Kreises Gießen der diese der als kapi das 1 6 Reic Wvl geac kapii 2 Eon mack den habe stillst dahi weg! tors schus nach scheit a tt sämmtliche Großh. Bürgermeister dieses Kreises. Nach einer Benachrichtigung Seitens der Gr. Ober-Steuer-Direction werden die Steuerzettel für das Jahr 1853 alsbald 2 durch Erpressen an Sie abgesendet werden. In Folge Ersuchens der gedachten Behörde empfehlen wir Ihnen, die Steuerzellci sogleich nach Empfang an die Steuerpflichtigen ertheilen zu lassen. , (s)n ö E ck st e i n , RegierungSrath. L >rz< 649 ten Gießen den 28. December 1852. : Die Einbringung der -direkten Steuern für das^Jahr 1853. Nts.) dem Gerichtliche und privat - Bekanntmachungen. 898 lUKlstr. Acker unter der Hardt, 97 n 57 tr 261 543 u 35 203 n 125 "Zügen. n des Bericht indem Ortselbe ens »der hen der sam niste- i erst alsbald, lerzrttel von — so 10/ 'n 10/ /S7 >ag nv >es ten m- er, -er- er- Acker am Gleiberger Pfad, auf der Hardt, Acker auf der Hardt, über den Gärten, Wüstung auf der Hardt, rechts am Gleiberger Pfad, Acker auf der Kop- pelhuth, i "'''rzeichnelen 11 Grundstücke mit dem Hardt- ' Hofe von seinem verstorbenen Pater ererbt und seit dessen Tode im Besitz, ist aber nicht im Stande, Eigenthumsurkunden über deren Erwerb vorzuweisen. Es werden daher alle diejenigen, welche glauben, Et- genthums- oder sonstige Ansprüche an besagte Grundstücke machen zu können, hiermit aufgefordert, dieselben so gewiß binnen vier Wochen, von dem ersten Erscheinen dieser Aufforderung in der Landeszeitung an gerechnet, vor unterzeichnetem Gerichte geltend zu machen, als sonst dem jetzigen Besitzer die verlangten Eigenthumsurkunden zugestellt werden sollen. Berzeichniß der Grundstücke. Gemarkung Gießen: Besondere Bekanntmachungen. 2506) Gießen. Die in Artikel 16. und 20. des Gesetzes vom 22. März d. I. vorgeschriebene Ausloosung der Haupt- und ErgänzungS-Geschwornen für die Assisen Edictalladungen. 2160) Gießen. Nach erkanntem Concurse über das Bermögen des Schuhmachers Balthaftr Möhl zu Gießen werden Alle, welche Ansprüche an denselben haben, aufgefordert, solche bei Vermeidung stillschweigend erfolgenden Ausschlusses Mittwoch den 5. Januar k. I, Vormittags 10 Uhr, dahier anzuzeigen und zu begründen, aech wegen Vergleichs, Bestellung eines Gura* tors, Erwählung eines Gläubiger-Ausschusses ic., Erklärung abzugeben, indem nach den Beschlüssen der Mehrbeit der Erscheinenden verfügt werden wird. Gießen den 19. October 1852, Gr. Hess. Stadtgericht daselbst Muhl. W ö r n e r 24,63) Gießen. Balthaser Fill- manti von rem Hardthofe bei Gießen, Sohn des .hier verstorbenen Glasers, Gottsried E»nrad Fillmann, hat die unten näher Ernennung Heinrich Heller als Bürgermeister der Stadt Lich. an sämmtliche Gr. Bürgermeister dicses Stenerbezirks. Durch die Verhandlungen der Stände des Großherzogthumö über das Finanzgesetz, haben sich die Steuerausschlagsarbeiten der Art verzögert daß die Steuerzettel für das Jahr 1853 .lucrst Heute an Sie abgegeben werden können; Sie werden deshalb dieselben ohne allen Verzug und so rasch als tbunlich an die Steuerpflichtigen vertheilen lassen, damit nach den Bestimmungen der §§ 8 und 9 der Allerhöchsten Verordnung vom 2. März 1820 entsprochen wird. Um unnützen Beschwerden und Reclamutionen vorznbeugen, mache ich Sie zugleich darauf aufmerksam, daß im Jahr 1852 als dir.ee ie Steuer nebst dem Beitrag zu den Staats* und Provinzialstraßenbaukosten monatlich auf einen Gulden Normalsteuerkapital = 3 hlr., von 10 ft. == 7 fr. 2 5/100 hlr., von 100 fl. = 1 fl. 15 fr. 45/100 hlr. ic. ausgeschlagen worden sind, für das Jahr 1853 dagegen hat 1 fl. Normalsteuerkapital — 3 3/10 hlr., 10 fl. = 8 fr. 97/00 fyh-., 100 fl. — 1 fl. 22 fr. 1 65/ hlr als directe Steuer und Beitrag zu den Staats- und Provinzialstraßenbaufosten, sowie als Verpflegungsfosten der Reichswuppen beitragen; wornach mithin, wenn sich auch das Sleuerkapital durch den Ab- und Zugang von Immobilien, durch Wohnungsveränderungen, sowie durch den Anfang und die Niederlegnng von Gewerben nicht geändert haben sollte, diesem ohn- geachtet sich der Beiiraq um 3/lo hlr. vom Gulden, um 92/00 blr. von 10 fl., um 7 fr. 1 2/10 hlr. von Hundert Gulden Steuerkapital erhöht hat. Sie wollen deshalb auf Anfragen den Sieucrpflichtigen diese Erläuterungen erlheilen. Hirsch. Polizeiliche Bckanntmachung. Gefundene Gegen st ände. Ein Paar Handschuhe ein Schleier von braunroter Farbe, ein blauer wollener Kinder-Stola und ein wollenes Halstuch. Diese Gegenstände können von den Eigenthümern ans dem Gr. Polizeibüreau dahier in Empfang genommen werden. Gießen am 28. December 1852. Der Gr. Hess Pol.zei-Eommissar L. N o v e r. S3etrromf ’ Theater und C-ncert; täglich (unter der Rubrik : „Was giebt es Neues ?") eine kurze buudnst ab-r voll stand, ge Rundschau aus dem Gebiete der Politik und des öffentlichen Lebens, wodurch dem seh f q ch Durchsehen großer politischer Zeitungen erspart wird; ein vollständiges Coursblatt der htesigen Börse, G '' Branntwein-Berichte; daS Frankfurter Amtsblatt im AuSmg . . a-^la aaranlln werden Die Inseraten kann bei der großen Verbreitung des „Frankfurter Anzeigers« der beste Erfolg hierorts vorkommenden amtlichen Versteigerungen müssen laut stadtgerichtlichem Decret m diesem r 1 9 .chekden. 681 iad«)909Ü .»L wyw Probeblätter stehen auf Verlangen gratis zu Diensten. Frankfurt am Main im Deccmber 1852. Die Expedition. B e k <1 u ntm achun g. Das Änzeigcblatt für die Stadt und den Kreis Gießen erscheint auch im nächsten Jahre wöchentlich zweimal, am Mittwoch und Sonnabend. Avertissements jeder Art, welche längstens bis Drenstag Morgens 9 j|hr att die Erpedition eingesendet werden, werden in das am Mittwoch erscheinende, und diejenigen, welche längstens bis Freitag Morgens 9 Uhr eingehcn, in das am Sonnabenderscheimiide Blatt ttitfgeuontmett. Die Pränumeration für das ganze Jahr ist für Einheimische 1 fl. 30 kr., für das halbe ^zahr 4d kr. 1 c . Bringerlohn; für Auswärtige für das ganze Jahr incl. des Porto's und Postgebühren^ 1 ft. 42 kr., fur das halbe^Jahr 5l kr. Da das Abonnement auf dieses Blatt mit dem 31. December d. zu Ende geht, so belieben sich diejenigen auswärtigen Abonnenten, welche solches auch für das nächste ^ahr fort zu halten wuns-en, wegen Bestellung desselben an die ihnen zunächst gelegenen löblichen Postämter oder Posterpedlttonen und Emh - mische an die unterzeichnete Expedition zu wenden und den Pränumerationsbetrag franco emzusenden. ' Aie Expedition -es Änzeigcblattes für -te Stadt und den Krers Gteßen. Angekommene und abgereiste Fremden In den Gasthäusern. Im Happen: Hr Rehm, Oeconomieverw. v. Kämmen; Hr. Roth- scheid, Oeconom v. Vöhl; Hr. v. Täuber, Oberlicutenant 0. Mainz; 6tn. Studenten Goldschmidt v. Heidelberg, Voirin u. Thielemann v. Marburg u Petersen ». Mainz; Hr Fresenius, Ingenieur,». Hanau; Hrn. Cou- riere Tarre u. Wagner v. Wien; Hr. Suabediffen, Forstinspector v. Me- bungen; Hr. Thiel, n. Lehrer v. Celle; Hr. Graf de Ferra, Gesandt- schaftssecretair v. Wien; Hr. Schaumburg, Oeconom v. Alsfeld; Hr. Dr. Zllessp v. Bonphad; Hrn. Kaufl. Hepcr v. Barmen, Stein v. Hannover, Stern, Hahn u. Köhler v. Oberstem, Marcus v. Creuzna», Reinach nebst Familie v. Mainz, Braud u. Dick v Düsseldorf, Rothschild v. Vöhl, Dietrich v. Miltenberg, Wagner v. Mainz, Beer v. Frankfurt, Schwarz v. Pprmont, Specht v, Cöln, Bähnert v. Erfurt, Einhorn v. EalSruhe, Fuhr vom 23. bis 26. December 1852. v. Cöln, Stumpf v. Camberg, Dietrichsen v. Kiel, Reiersberg v. München. Scharf v. Leipzig, Schlciter v. Nürnbergs Rosenfeld v. Franken- thal, Cloos v. Speyer, Bose v. Gladenbach, Stern v. Bohl, 8ultet »• Frank urt, Weiß v. Langensalza, Heßthaler v. Cöln. Stark v. Brunn, Deltlinger v. Stuttgart, Oehmig v. Nordhausen, Bohm v. Lörrach, N.eß v. Berlin u. Reitle v. Wien. 3m Einhorn: Hr. Cellarius, Reviersörster v. Gladenb. ch; Hr. v. Stütznagel, Offizier v Braunfels; Hr Schönfeld, Juwelier v. Hanau; Hr. v. Qnednon, Offizier v. Coblenz; Freihr. v. Subach, Kammerherr v Meiningen - Hr. Marbach, Gutsbes. v. Hannover; Hr. Graf Pvtulrcka v. Posen; Hr. v. Ramsin, Gutsbes. v. Westerhagen; Hr Hartenberg, Oberförster v. Buchenau; Hrn. Studenten Graf v. Solms-Laubach. v. Laubach u. Graf v. Lehrbach v. Darmstadt; Hr. v. Münch-Bcllinghausen, 654 Gold- und Silber-Cours vom 27. December 1852. Frachtbriefe f K3- Des hedorstchendenNeusahrstggcs wegen wird blatt, schon FreitagMittags ausgegeben werden n»d bütmE deshalb Ann ncen, für diese Nummer, längstens bis Donnerstag Morgens J Uhr, . Lltts abgeben zu wollin, da später eintreffend« Jn,eral.°nen unbernctlrchtrgt brs atr nächsten Nummer liegen bleiben müssen. * - —----~' " " ' ' " Druck und Leriag der G. D. BrülU'scken Buck- und Steindruckerei. z«, Hess. Bevollm. v. Cassel; Hr. Reichenbach, Gutsbes.^ u. Hr, vr Lcff- p.hrer v Berlinl Hr. v. Bochlitz, Gulsbes. y. sfiotna; Fraulern Limonier o. Lyon; Hr. y. Rctzone, Gutsbesitzer y. Mecklenburg!^>rr Hall- wachs, Assessor v, Alzey; Hrn. .Ämtfl. Dreuuß y, Endingen, Kutter 0. SDZain;, Blum v. Weingarten, Renaud y. Vyon, Opp.nhcrmer, -achs, P - ler, Schwertmantt? Jacobsohn, Reoimes, Poppe Brauner, ^unienthal m Frankenstein o. Frankfurt, Supp y. Werlburg, Funck v Magdeburg, «affe y Eisenach Berq d. Fulda, Franke d. Frankfurt, Steinmetz v Wiesbaden, Beilner y?Paffau'; Gutenstein v. Heusenstamm, Eckstein, Hess, Witbebura ikyy Bknheim u Meyer v. Frankfurt, Mandel w Marnz, ÄTÄ3I •; ;■ Sranffint Len re v Langens« za, Löwenstein v. Berlin, Emmerling v. Magdeburg, Schätzler y Hildesheim, Bohlmann o. M.itau-, paffen o. Förster o. Leipzig, Nibilina ». Berlin, Gimel y. össs^km.t, Wust y. Cöln, Steiner y. Paris, Christ v. Wien, Lachmatm v. Marnz, Fache- berg y. Berlin, Spielhagen v. Leipzig u. Metzner y. Porter . . lirnij Carl: pr. Braun, Oeconom d. Rudlos; Hr. Ältin, Bürgermeister y. Celle; Hr. Forster, Optikus y. Creuznach; Hr. K o atz , Maler y Berlin; Hr Cölle, Obergcrichtsrath y. Dresden', Hr. «am- mann, Optikus y. Stuttgart; Hr. Rab, Student v. Zweibrücken, Hr. gitntier y. Plauen; Hr. Löhr, Privatm y. Coblenz; Hr C($oii- TAS « . ©Un; pr Westersatz, Beamter y Lützolv: Hr. Wenter, Prioatm. y. Mannheim; Hr. Schnttder, Student r. Jetta, Hrn. Bfeil u. Nagel y. Darmstadt; Hr. Mepcr, Student ». Heidelberg, P*- Hitzel, Militär y. Weimar; Hr. Dr. me.l Schreiber o Gent; Hr. Krau- bold, Part. y. Helmstedt; Hr. Schocke, Nent. y Laumnnc, Hrn. Kauch Kündel y. Kohifart, Oberländer y Chemnitz, Aden y. ^rn^berg, Riinke y Hersfeld, Pfeiffer y Gotha, Simon o. Elberseld, Stein d. Hal-e. ^rrn v' Stuttgart, Tehfärt y. Strasburg, Greiff y- Berten u. Fleescher y. 8t'SM D-emstädl-r Haus: Hr. Braun, Handelsw. y. Wiickerberz Hr. Knieüm, Gastwirth y. Alsfeld: Hrn. Geschastsl. Muller y. Keachrgcken, Eiert u. Mengel y Oberostciden, Hermes y. Homberg er. Weegand y. Cassel; Hr. Cschle, Uhrenhändler y. Foetwangen. --IRINM uom irw-iur^Mr,: 4Jw .... und wie solche btt den Bahnen -es mitteldeutschen Eisenbahn-Verbandes zu, birecten Seförbevmig zwischen d-u Endrunde» B-rlm, GarUbafrn m» »baNin.zcn (Bupl) zur Amumdung komme», nach dem -nulich-n F-emnI-e a. Mett ge, find stets vsrräthig zu finde» bei Ä®^ ut. ß. Nr'. 1. In d e n P riva t h ä uf e r n. Bei Hrn. Weichenwärter Bremer: Frau ffienck y. Oberweidbach. - Bei Hrn Hofger.chts-Adeokat-Dorr.steff: Hr. Oberleru enalch Ly-ststeff o. Darnesiadt. — Bei Hrn. Cantor Schwabe: Hr. Gunther, Geometer y. Lauterbach, Fräul. Lindenborn o. Wetzlar u. Hr. Rothschild, Gymnasiast, y. Darmstadt. - Bei Hrn. Landgerichts-Aclnar Euler: Hr. ^r. Dieffen- bach y. Aizcy. — Bei'Hrm Verwalier Haas: Hr. Haas, Corporal y. Darmstadt — Bei Hrn. Forstmeister y. Buseck: Hr. o. Buscck, 8ieittenant y. Darmstadt. — Bei Hrn. Andreas Grab: 8rm> «ulzmann nebst «ohn y Langen — Bei Hrn C. Silberctscn: Hr. Faustmarm^ nebst Fra«, LandqerichlS-Assessor v. Furth. — Bei Wittwe Orth: Hr. Spamer, Prr- yuttit y. Homberg. — Bei Hrn. Holzhändl. D. Wrrth: Hra. Gebr. Mul- Icr Kaust y Hanau. — Bei Frau Rentamtm. Bott: ir. Rerierf. Bott y Höchst. — B>i Hrn. Carl Sartorius; Hr. Völker mbst Fraul. Tochter y' Maroura — Bei Hrn. Kaufmann H. B. Peppler: Hr. Gauff, Kam- niann, Hr. Farr, Juwelier u. Hr. Peppler, Bierbrauer o. Hanau u Hr. Pe, plcr, Pharmaceut y. Herboin. — Bel Hin. Schremerm. Krailmg Fräulein Raukamp y. Remagen. - Bel Hrn. I.nieersitatedlener Z mmer- mann: Hrn. Zimmermann v. Darmstadt u. Zimmermann o. Wetzlar. — Hrn Lot.nmeister Lehr: Fräul. noch y. Alsseld u. Fraul. Klein y. füngen - Bei Hrn. Gottl. S.rauch: Hr. Ernst, Stein Hauer y.MeiNM- acn » ei Hrn. F. Ho.berg: Hr. Hirschhorn, Raufmann r>. Friedberg. Bei Hrn. Steuereinnehmer Reim: Hr. Keim, Oberfeldwebel o Rutberg. — Bei Hin. Thorschr. Höpsner: Hr. Hopfner, Lchrrfts. y. zrankfuit. Bei Frau Hosgcrichtsseer. Bapst: Hr. Bapst, Kausm. v. Frankfurt. Bei Arrt ftaufm. I. Landauer: Hr. Goldschmidt u. Hr. Landauer y. Hom- bura — Bei Hrn. Hofgerichtsrath Weber: Hr. Weber r. Wuidhausem — Bei^ Jungfer Sack: Hr/Rose, Schuhm. y. Darmstadt. — Bei vrn. Bal- ilinfer Simon: Hr. Kliffmüller y. Landau. — Bei Cathanna Motz. Hr. iuälinq y. Wiescck — Bei Frau Hosgerichtsrath y. »rüg: Fraul. y. Krug y Hombe g - Bei Hrn. Schirmmacher Eiff: Hr. Löffler o Offenbach. - Bei Hm Wirth Busch int Garten: Fräul. Volmer v. Ludwigshafen. - Bei Hrn' H. Elkan: Hr. Elkan, Kausm. y. Frankfurt. Gold. 11. । kr. | Silber. «1- 7. kr,_ Diverae. slctien und Loose. Brief Geld 84 7 Pistolen ..... Pr. Friedrichsd’or . . Holl. 10 fl. Stücke . . Rand-Ducaten. . . . 20 Francs-Stücke . . Engi. Souverains. . - Gold al Marco . . . 9 44 9 55 9 52 5 38 9 27‘/, 11 :p 51 383 i — Laubth.,. ganze . . - Preuss. Tiialer . . . 5 Frankenthaler . . 1 Hochhaltig Silber . . Gering- u. niittelh. . 2 457, 217, Kurhessische Loose .... Sardinische Loose..... Oöln-Aachen.....• .................. Ludwigsb.-Bexbach . - • • Frdr.-W dhsi-N ordbahn . > • 97 48 44-7. 113 97 46 Disconto 2 Geld. 4. Sulzbach, beeid. Makler. Wir sind der Leute wiederholt Schüsse auS Da knallten Auf, Bertram, Hochwaldes. „Horch, ein Sd'uß in der Hilt unfern Schmalthieren." „Heer Baron, fragen wir genug mit des Weges kundig, sollen uns nicht entgehen " Richtung deS KahlbergeS! — DaS Auch in -cm Kcitensturm die Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. 1. Der Wildschütze. Ein Schuß krachte durch daS Gebirge, donnernd brach frch der Wiederhall an den Felsen der Thalschlucht und in allmählichem Sausen verlor sich der Schall in den entlaubten Aesten deö Händen und Dir wird di- Genugthuung so wenig, als ihm die Strafe entgehen." Bertram wendete sich zähneknirschend zur Seite. Sein gereiztes, ohnehin rauhes Wesen lechzte nach Blut und es ward ihm schwer, dicß Gelüste zu bezwingen. Aber er kannte die Weise seines Herrn, wußte, kaß mit diesem, wenn er etwas befohlen hatte, nicht zu spaffen war und so fügte er sich, obgleich heimlich murrend. Die Wachmänner waren inzwischen dem Niedergcschoffencn genaht und dieser wälzte sich einem daliegenden Fclsblocke zu, indem er sein Gesicht im welken Ricdgrase zu verbergen suchte. „Holla, Bursche," rief jetzt der immer noch zornglühende Bertram, „brauchst Dein Gesicht nicht zu verbergen! — Es sind ehrliche Männer, di- Deine Bekanntschaft machen wollen und die schon Deines Blickes werth sind!" Mit diesen Worten wendete er den Dahingestreckten auf die Seite und zog ihm die Pudelmütze vom Haupte. Der Baron fuhr betreten zurück: „Heinrich Du? — Unmöglich! — Und doch ich sehe Dich ja leibhaftig vor meinen Füßen!" Der Verwundete schluch die Augen nieder, bald aber wurde ein Kampf auf seinen Zügen bemerkbar und wie mit Anstrengung richtete er den Blick auf den eistaunten Frager empor. „Wundern Sie sich noch, Herr Baron, mich auf diese Weise zu treffen? Ich dächte doch, wenn man das Ganze richtig überschaut, so wäre meine jetzige Lage kein Räthsel mehr. „Ich weiß, wo Du hinaus willst," erwicderte der Baron, int Aeuße'ren gefaßt, die Brust jedoch voll Ingrimm. „Andern bürdest Du auf, was Du selbst verschuldet und sind keine Menschen zur Hand, so haben es die Verhältuisse gethan." nicht lange. Geben Sie Befehl und jene Diebe dehnte mit aufgeriffcnen Augen die Nasenflügel zur weiten Rundung aus, als ob er die nahende Gefahr wittern wollte. Der jüngere aber, mit dem Ausweiden deS Schmalthieres beschäftigt, ließ das Messer sinken und blickte verwundert und fragend auf den Genossen, der jetzt plötzlich aufsprang, und in raschem Griffe die Flinte von der Buche herabriß. Ohne Zaudern wollte er zwar dem Beispiele folgen, doch ehe er sich empor raffen konnte, schallte ihm der donnernde Ruf BertramS entgegen: „Die Waffen nieder, oder wir geben Feuer!" r Entsetzt wankte er sofort zurück: denn seinen Blicken begegneten von allen Seiten Jäger im Anschläge. Der A-ltere aber rief hohn- lachend und mit funkelnden Augen: „Ehe ich mich in das Zuchthaus vergrabe, kann ich es immerhin noch einmal wagen!" und von seinem schnell gerichteten Rohre flog daS Feuer und donnerte der Schuß aus der Waldung. Der Einäugige zuckle, doch eben so schnell war seine Doppelflinte gesenkt und zwei rasch aufeinander folgenden Schüssen folgte Geheul und Gewinsel. Zornsprühend griff er dann nach der Jagdwehre des Barons: „Verdammt, ich habe den einen schlecht gefaßt, er eilt davon, ich muß die Röller ihm besser nachlaufen lassen," da hielt der Herr den Arm deS Gereizten zurück. „Laß ab, Bertram; Du sichst, Einer liegt am Boden. ES ist genug des vergossenen Blutes!" > „Und diese Wunden verdienten nicht den Tod? entgegnete der Alte, indem er den A-rmel aufstreifte und mehrere von groben Schroten zeriffene Stellen zeigte. „Ich will nicht, daß noch ein MehrereS geschehe!" versetzte der Baron in befehlendem Tone. „Der Getroffene ist jetzt in unfern den Dorandringenden. Uebn den Felsendamm der Höhe schritten die Manner und stiegen vorsichtig das Jenseile herab zu einem enllcgenen Platze des Waldes, wo aus sonst üppigem Grase eine Quelle hervorriejelte. Der Einäugige spähte und nickte, dann rief er leist die Hunde zurück und legte sie an die Koppel. „Ich täusche mich nicht. — Gnädiger Herr, wir überraschen sie int Lager." , Er deutete durch das Nebelgrau ver Bäume nach einem fernen lichten Fleckchen, daS auS der Dämmerung des Waites schimmerte. Der Baron hielt die Hand über die Augen und blickte angestrengt in die bezeichnete Richtung. „Du bist im Jrrlhum, Alter." „Ich und irren?" und die Narbenfalten BertramS verzogen sich zu sarcastischem Lächeln. „Dort, ein Alter und ein Jüngeier; an der Buche das Jagdgeräth und am Boden daS erlegte Wild." Der Baron lugte nochmals scharf nach der Ferne und schüttelte den Kopf, alS aber die Jägerburschen bejahend nickten, deutete er mit der Hand, den Weg zu verfolgen. Langsam schlichen die Waitmänner näher dem bezeichneten Orte mit bald harten sie denselben in Halbmondform umstellt. Da hob der ältere Wildschütze den bärtigen Kopf in di- Höhe und Der Angeredete zauderte. iden Bergen und dem Barone schwollen die Stirnadern. „Nein, cs ist nicht länger zu ertragen!" rief er mit steigendem Unmuthc. — „Wäre es in der Ebene, wo der Bauer stlner Pflan'.ltngcn sich erwehrt, so müßte ich eS hinnehmcn. Aber hier — - ■ meinen eigenen, nur allein hierdurch leitenden im Gebirge, in meinen eigenen, nur allein yterturrp uiuruvu. Waldungen, das spärliche Wilt mir zu stehlen, das ertrage, wer es kann' Steht mir Recht und Gewalt zur Seile, ,o will lch mick, nickt länger von Tagedieben verhöhnen lassen. Auf, Bertram, hinein in die Schluchten! Thue, was Deines Amtes ist und wozu das Gesetz Dick ermächtigt!" Der auf geforderte alte Jäger drückte die Mutze mit dem Fuchsschwanz- fester auf den Kopf und indem sein Einauge aus dem blatternarbigen Gesickte mit der Scharfe des Adlerblickes leuchtete, ließ er die Hunde los und winkte den Jägerburschen nach dem Abhange, der jenseits der Thalwiese sich dehnte. Der leichte Frost hatte den Moorgrund zum festen Boden um- geschaffen und mit sicherem Tritt« eilten die Waitmänner über seine sonst trügerische Fläche. Balt klimmten ,ie die Anhöhen hinauf durch blätterloses Gestripp und über leichtes Feistngervll und tu p,uuCC strichen vor ihnen her, wedelten und schnüffelten. Der Baron aber im eleganteren, obwohl nicht motischen Ja,dkleite, die Doppelflinte über tu Schulter geworfen, folgte mit kräftigen Schritten 2 „Spotten Sie nur, Sie gebietender Herr," versetzte der Danieder- liegende mit einem giftigen Blicke. „Es ist ja so wohlfeil, den Gesunkenen noch vollends in den Staub zu treten; es ist ja so leicht, den Unglücklichen mit Spott auch noch zu begeifern!" Der Angeredete fuhr zornig auf und griff nach dem Waid- meffer, die Jägerburschen aber fielen ihm in den Arm, während Btrtrams Einauge Plötzlich in wildem Jrrwischfeucr leuchtete. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Am 12. Juli, Mittags 12 Uhr, fand auf dem Lindenplatz dahier ein Liebes-Turnier in einem durch den Zudrang einer großen Menschenmenge gebildeten Circus Statt. In demselben trat auf : ein Liebespaar, und führte unter beständigen Acclamationen der Zuschauer „des Lebens Licht- und Schattenseite", oder „wie es eben ist und wie es sein sollte" und Einiges über die menschlichen Erzeugnisse— und deren pflichtmäßige Erhaltung vor. Nachher: mit besonderer Bravour, die Mutter der Geliebte und die beiden Geliebten mit Wiederholungen der vorigen Scenen und einigen neuen Abwechselungen auf dem Gebiete der allgemeinen Holzung. Die ganze Vorstellung endigte mit den durchdrungensten schmerzlichsten Gefühlen und unter Thränenströmen. — Von Basel schreibt man vom 10. Juli: Der Vorabend dcS fünften eidg. Sängerfestes ist da, die Stadt prangt im Festschmuck, alle Straßen find mit Kränzen, Blumengewinden und Ehrenbogen geschmückt. Auf dem Petersplatze steht die Festhütte, die schönste welche bis jetzt in der Schweiz gebaut worden ist. Gestern Morgen reiste die eidg. Sängerfahne von Luzern ab, Kadetten, Tambouren, Blechmusik, Wimpel und Sträuße tragende Knaben und eine früh aufgeweckte Bevölkerung begleitete sie. Auf ihrem Zuge nach Basel schlossen sich zahlreiche Sängerchöre an. Heute gegen Abend wurde sie im Sommerkafino beim St. Jakobsdcnkmal empfangen und bei ihrer Ankunft in Basel mit 22 Kanonenschüssen salutirt. Von allen Straßen zogen jubelnde Sängerschaaren in die hoch bewegte Stadt. Im Sravlkasino wurden die Quartierbillets ansgetheilt. Die Stadt wimmelt von Fremden und morgen dürfte schwerlich in irgend einem Gasthofe Platz gefunden werden. Die reichen Baseler Familien scheinen sich nicht am Feste bethciligen zu wollen; wenigstens hört man klagen, daß sie auf das Land gezogen sind, und trotzdem, daß Mangel an Wohnungen ist, ihre geräumigen Häuser doch nicht dem Qiiartiercomike zur Verfügung gestellt haben. — In Berlin sollen sich titelt Personen haben blenden lassen, ihre rothen oder grauen Haare durch eine angepriesene Tinctur zu färben und sollen sie dabei an eines jener metallischen Mittel ge- ralhen sein, welches höchst gefährlich ist und sich nicht allein durch äußere Einflüsse leicht zersetzt, sondern die Haare auch grün und blau färbt. Das Berliner Publikum soll sich an den Dort herumgehenden Grün- und Blauköpfen sehr ergötzen. — Am 30. Juni soll in London die Tochter des mediatisirten Radscha v. Kurz, Prinzessin Gourumma, aus der brahmanischen Religion zum Christenthum übergetreten, durch den Erzbischof von Canterbury getauft worden und die Königin Victoria Pathe gewesen sein. — In Franken hat in den Thälern die Erndte der Winterfrucht allenthalben begonnen und liefert gegenüber den im Frühjahre -laut gewordenen Befürchtungen über den dünnen Stand namentlich beim Korn ein sehr erfreuliches Resultat. Korn gibt eine gute Mittelerndte, die Körner sind voll und dünnschalig, dasjenige, welches gewogen wurde, wiegt per Scheffel 25 Pfund mehr, als das vorjährige, was gewiß von Belang ist. Weizen gibt eine । volle Erndte, die Gerste ist goldgelb, ohne Flecken, dünn von Hülse und schwer, wie sie der Brauer haben will, dabei trockneten bei dem gegenwärtigen heißen Weiler (wir haben häufig noch um 4 Uhr Mittags 28" R. im Schatten) die Körner rasch. Hafer ist bei uns noch zurück, er verlangt Regen, daher vorjährige Frucht über 10 ft. bezahlt wird. Futterkräuter beginnen bei der anhaltenden Trockne nachzulassen, doch ersetzt hier die ergiebige Wiesenmähe einen allenfallstgen Ausfall. Ebenso geht der Lein nicht recht in die Höhe. Recht erfreuliche Hoffnungen für unsere Häcker bietet der Stand der Weinberge dar, die Blürhe ging ungestört vorüber und verbreitete jenen feinen aromatischen Geruch, den der Kundige stets für ein bedeutungsvolles Anzeichen auf einen guten Herbst annimmt. Die Weinpreise sind in solcher Aussicht auch wieder zurückgegangen, wie auch vieles Bier unserer Brauer, das anfängt die Sünden seiner Fabrikanten zu verkünden, d. h. um einen Hierlands gebräuchlichen Ausdruck anzuführen, „es zickt." Von Kartoffelkrankheit hat sich bis jetzt noch keine Spur gezeigt, man hat zwar alle möglichen Vorsichtsmaßregeln beim Aussuchen und Stecken der Saatkarioffeln gebraucht, diese auch so spät als möglich eingelegt, ob aber damid dem Erscheinen der Schrecken erregenden Krankheit genugsam vorgebeugt ist, wird sich Anfangs August zeigen, wo die Krankheit in den Stauden zuerst sich bis jetzt zeigte. Die Getreidepreise sinken jetzt rasch; Weizen, der noch vor 14 Tagen 21 fl. galt, kostet jetzk 17 ft. und Korn 15 fl. Man glaubt, daß letzteres nach dem Ausdrusch tut Durchschnitt auf 11 —12 fl. für den baverischen Scheffel sich stellen wird. — Der „Schw. Merk." berichtet aus dem badischen Kinzigthal, wie zwei Fruchthändler, um die Aussicht zu trüben, Kartoffelfelder mit Vitriolöl besprengt hätten, damit das Kraut die Symtome der Kartoffelkrankheit zei.,e. Da man zu so schlechten Mitteln greift, so muß es wirklich mit dem Stand der Kartoffeln und Früchte gut aussehen. — Die Abreise deS Grafen v. Chambord von Frohsdorf nach Wiesbaden soll zu Ende d. M. erfolgen. — Ein Trupp bewaffneter Montegriner aus Zugga soll die Panduren des Kandilucks von Trebijen überfallen und drei derselben gekövft unv drei derselben schwer verwundet haben. Von den Montegrinern soll nur ein Individuum leicht verwundet worden sein. — Ein Herr Dr. de Saire will durch Einimpfung die Lungenseuche beim Vieh verhüten. Das preuß. Staatsministerium hat im Hinblicke auf die eminente Wichtigkeit der fraglichen Entdeckung Behufs der Prüfung eine Commission ernannt. Sollte, wie kaum gezweifelt wird, das Ergebniß ein günstiges fein, so ist der Gewinn für die Ackerbau- und Viehzuchttreibenden ein unermeßlicher. Auch die franz. Regierung hat die Sache in die Hand genommen und den Generalinspector der Thierarzneischulen und Schäfereien Frankreichs nach Deutschland geschickt, um den Sitzungen der oben erwähnten Commission beizuwohnen. Den Erfolg werden wir mil- theilen. — Um den zu Straßburg erwarteten vielen Fremden Nachtlager bieten zu können, wird die Frucht- und die gedeckte Halle in s. g. Caravanserails nmgeschaffen. Am Rhein wird eine Tribüne gebaut, von welcher 4000 Personen die Evolutionen der Pontoniers mit ansehen können. — Vom 19.— 22. Juni fand in Newyork ein großes deutsches Gesangsfest statt, das allen Theilnehmern zur Ehre gereichte. Die amerikanischen Zeitungen sind voll des Lobes. Es bewegte sich streng in den Grenzen eines Sängerfestes. — Bei Königsberg wurde gegen eine Dame die Klage aus Meineid erhoben, weil sie bei einer beschwornen Frage ihr Alter ans Eitelkeit um 12 Jahre zu niedrig angab. Druck und Verlag der G. D Brühl'schen Buch- und Steindruckeret. JK S Beilage. Auch in dem Keitensturm die Liebe. Novell- aus ccm Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Der Baron ward nach und nach ruhiger, dann blickte er den Verwundeten gefaßt und mit Verachtung an und wendete sich zu den Jägerburschen: ,,^>ank Euch, daß Ihr mich vor einem übereilten Schritte zurückgehalten habt. — Ich ließ ihm Unterricht ertheilen und gab ihm Kost und Lohn. Nicht genug, daß er sich alles dessen unwürdig j gemacht und mir mit Undank vergolten hat, so hätte ich auch noch durch eine allzurasche That mich selbst und — mein gute? Kind — Nein, nein, ihr Freunde, ihr habt sehr wobl gethan! — Fort jetzt mit dem Wilddiebe zum Gericht und dann in den Kerker." Er nahm die Flinte in den Arm und eilte flüchtigen FußeS durch die Thalschlucht nach dem Wege, der am Abhange in den Wald hinein sich mündet. Bertram aber bedeutete seine Gehülfen und diese fertigten schnell aus abgehauenen Zweigen eine Bahre, auf welcher sie den Verwundeten nach dein Wege trugen, den der Baron so eben eingeschlagen hatte. 2. Tante E u s e b i a. In einer Stube des Schlosses Dannberg, die mit rothem Seidendamast austapeziert und mit alterthümlichen Meubeln bestellt war stand an dem hohen Fenster eine jugendliche Frauengestalt und spähte durch die großen Spiegelscheiben über entlaubte Bäume hinab in das winterlich öde Thal. Das einfach gescheidelte, mit schönen blonden Flechten geschmückte Haupt sinnig schüttelnd, schlug dieselbe jetzt die dunkeln, blauen Augen, als wenn ihr Inneres von leisem Schmerze berührt wäre, zum Himmel auf. „Es scheint Sie etwas unangenehm zu bewegen, mein gnädiges Fräulein?" sprach ein schöner, junger Mann, von schlankem Wüchse und braun gelocktem Haare und Bart, der etwas zurück in ! ihrer Nähe stand, indem er die schwarzen Augen voll Gluth und > innerem Leben auf die Angeredete theilnehmend heftete. Diese wendete den Blick zu dem Sprechenden und schaute i demselben mit einem gewissen süßmelancholischen Ausdrucke eine kleine j Weile in die fragenden Augen, dann entgegnete sie mit bedenk- ! licher Miene: „Wir hätten Sie, Herr Baron, nicht hier zurückhalten sollen | Der Vater und Bertram mit den Jägerburschen allein auf der Jagd, ist in den jetzigen Zeiten wirklich nicht ohne Gefahr." „Sie malen sich die Sache zu trübe aus," versetzte der junge Mann unter Lächeln. „Wer sollte ihm denn etwas zu leide thun?" „Sie fragen noch," entgegnete das Fräulein wie mit leisem Verweise, „und kennen eben sowohl die Heftigkeit des Vaters und jenes alten Jägers, als die jetzige Ungebunveicheit unserer Bauern und deren offene Verhöhnung alles Gesetzlichen und Bestehenden?" „Sie denken zu schlimm von unserem Landvolke," entschuldigte fein und bescheiden der junge Baron. „Ich habe mich auf meinen Gütern nicht darüber zu beklagen." „Mein Vater ist doch so gerecht und gut," sprach hierauf die Jungfrau, indem eine Thräne in das dunkle Auge ihr sich zu stehlen schien, „und er will aller Orten gewiß nur das Beste!" „Das muß sein Feind ihm bezeugen," siel der junge Mann feurig ein. „Aber eben darum, weil er nur daS Gesetz, waS Menschen schreiben, nicht das, waS Gott in eines Jedweden Brust mit Demantschrift geprägt, anerkennen will, hat er mit seiner Zeit gebrochen und deßhalb stürmt jetzt gegen ihn diese, von ihm ab gestoßene Zeit." „Ach, Moritz!" seufzte verstohlen das Fräulein und reichte dem jungen Manne, jedoch so, daß eS in der Stube nicht bemerkt werden konnte, die Hand. (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Am 21. Juli stürzte ein Theil und am 23. Juli ein weiterer Theil des hiesigen, längere Zeit notdürftig gestützten, academischen Treibhauses ein. Es wurden dabei werthvolle Gewächse nicht allein nicht unbedeutend beschädigt, sondern es gingen sogar manche ganz zu Grunde. Auch hätte es bald ein Menschenleben gekostet, indem daS des Univ.-GärtnerS dabei in großer Gefahr schwebte. — Am 20. Juli wurde einem hiesigen Einwohner, welcher eine Jagdflinte trug, am Eck der Hintergaffe von einem hier stationirten Geusdarmen ein Waffenpaß abgefordert. — In Heidelberg sind in Folge der unerträglichen Hitze in voriger Woche ein Student und ein Fremder geistesverwirrt geworden. — Die Bürgergarde Homburgs ist durch landgräfliche Verordnung aufgelöst worden. — Dr. Guido GörreS in München ist am 14. d. Mts. einer langwierigen Krankheit erlegen. — In Zornheim, zwischen Mainz und Alzei, hat sich das Unglück ereignet, daß Schweine, in ein offenstehendeS Zimmer gedrungen , ein kleines in der Wiege liegendes Kind halb auffraßen. Gräßliche Nachlässigkeit von Eltern! — Der kurhessische Landtag wurde am 16. d. Mts. mit einer Anrede des Kurfürsten vom Throne eröffnet. Der Eid auf die neue Verfassung wurde den Abgeordneten erlassen. — Professor Henle in Heidelberg hat einen Ruf nach Göttingen erhalten und angenommen. — In Merrhausen, Sand und Breitenbach haben in der Nacht vom 19. Juli Wolkenbrüche großen Schaden, besonders an Brücken, Dämmen und Gebäuden verursacht. Die Fulda war bei Cassel 5 Fuß gestiegen und führte am 20. d. Mts. viel Futterwerk und Flachs mit sich. Bei Wolfshagen ertrank eine ganze Heerde Schaafe. — Der Prinz-Präsident ist am Sonntage um halb 1 Uhr in Straßburg angekommen. 101 Kanonenschüsse, das Geläute aller Glocken, der donnernde Ruf: Es lebe LouiS Napoleon! empfingen ihn. Die Feierlichkeit der Loconiotiven-Einsegnung ic. ging ruhig von statten. — Auch Preußische Oberoffiziere haben sich nach Nancy begeben, um den Prinz-Präsidenten im Namen S. Maj. des Königs zu begrüßen. — Der Fremdenandrang bei den Festlichkeiten in Straßburg ist enorm. Fenster, von wo die Ceremonien beobachtet werden können sind zu Preisen, wie sie kaum zu Kaiserkrönungszeiten in Frankfurt bezahlt wurden, vermiethet. In Gasthäusern ist kein Unterkommen zu finden. Wagen und dgl. find gar nicht mehr zu haben. — Am 19. Juli, 7 Uhr Morgens, ließ der Prinz-Präsident die in Straßburg garnisonirenden Truppen auf der Robertsau die Revüe passiren. Er trug hierbei die Generallieutenants-Uniform und wurde bei seinem Erscheinen mit dem Ruf: „Vive Napoleon!“ 4 begrüßt. Im Gefolge des Prinz-Präsidenten war ein Oesterreichi- j scher General und Preußische unv Badische höhere Officiere. Der Prinz-Präsident begab sich mit Gefolge nach der Revue an den j kleinen Mein, wo die Truppen ein kleines Manöver ausführten. Hiernach bestieg er ein festlich geschmücktes, mit Adlern geziertes Schiff, das ihn auf das linke Ufer des großen Rheins brachte. Am rechten Rheinufer lag eine mit Badischen Farben gezierte Barke. Die Französischen Truppen besetzlen das linke Ufer, während die Badischen auf dem rechten Ufer ausgestellt waren. Die Großherzogin Stephani laugte um IO1/, Uhr an und verfügte sich an die Seite Louis Napoleons. Zu gleicher Zeit wurde innerhalb einer halben Stunde eine Brücke über den Fluß geschlagen, wobei kleine Gondeln zwischen den einzelnen Pontons mit großer Schnelligkeit hindurch fuhren. Hiernach begab sich der Prinz-Präsident zu Pferd auf das Badische Ufer, besichtigte die Badischen Truppen und dankte ihnen für ihre Anwesenheit bei diesem Feste. Die Feste schlossen mit einem großartigen Balle im Schauspielhause. Der Präsident wohnte demselben 2 Stunden bei unv eröffnete den Ball mit der Gattin deS Maires — und am 20. Juli begleitete er seine Muhme, die ver- wittwete Großherzogin Stephani, nach Baden-Baden. — Aus Straßburg schreibt man vom 21. Juli: viele Festbesucher haben uns wieder verlassen. Der Präsident der Republik kommt morgen aus Baden zurück und tritt Abends seine Reise nach Paris an und wird sich in Luneville nur aufhalten, wo ihn Festlichkeiten erwarten. Herr Lefebre-Durufle, Minister öffentlicher Bauten, hat gestern die Rheiubauten bis Lautenburg beaugenscheinigt und dabei versichert, Bewilligungen nöthiger Hülfsgelder zu weiteren Flußbauten beantragen zu wollen. Beflaggte, schön beleuchtete Boote mit Musikcorps fuhren gestern Abend auf der Jll in den Kanal. In den Straßen wird das Bildniß Louis Napoleons und Erinne- rungs-Medaillen der Eisenbahn-Einweihung, sowie des Aufenthalts deS Präsidenten verkauft. Ein gänzlicher Sinneswechfel in der Politik bemerkt man hier. Wer hätte je geglaubt, daß das Straßburg und Elsaß, welches so sehr im Ruse des Social-Demokratismus noch vor einem Jahre stanv, innerhalb so kurzer Zeit so außerordentliche monarchische Kundgebungen an den Tag legen würde? — Auch hier bewährt sich das alte Sprüchwort: „Andere Zeilen, andere Sitten!" — Ein Schulknabe in Nuits hat, ohne Jemanden etwas zu sagen, einen Brief in Versen an LouiS Napoleon geschrieben, worin er ihn bai, ihm sein Einkommen von einer Minute zu schenken. Er erhielt eine eigenhändige Antwort des Präsidenten, mit einer Anweisung auf 25 Fr. Das Einkommen beträgt jede Minute 23 Fr. 4 Cts. — Kürzlich ging von Paris ein Convoi von Seefischen rc. und Früchten, die sämmtlich frisch von Marseille angelangt waren, nach Straßburg ab. Dasselbe bestand aus 120 Steinbulten, 200 Thunfischen, 300 Hummern, unv andern Seekrebsen, vielen Schildkröten, ferner vielen Melonen, Ananas, Pfirstchen, Aprikosen, Birnen und Trauben. Auch große Massen frischer Gemüse gingen dahin ab. In mehreren Waggons hat man Oefen aufgestellt, um die Speisen während der Fahrt gleich kochen zu können. — Die Statthalterei der Lombardei soll eine Kundmachung erlassen haben, wornach alle Bücher und alle andern Drucksachen nur durch die Post befördert werden dürfen. Dawidcrhanvelnde sollen als Verbreiter verbotener Schriften behandelt und mit dem Verbot der Ausübung ihres Geschäfts bestraft werden. — Bei Paris wurde neulich ein Mann verhaftet, der seit lange — Es sollen obrigkeitliche Erlasse vorgekommen — worin es heißen soll, daß alle kirchliche Handlungen von unbefugten GeistliLen null unv nichtig unv ohne rechtliche Wirkung seien. Daraufhin hat denn ein Mann in Berlin, welcher sich vor Jahren „deutschkatholisch" hatte trauen und seine Kinder taufen lassen, seine nun alternde Frau verlassen und sich mit einem jungen Mädchen, nach gesetzlicher Form, in einer vom Staate anerkannten Kirche trauen lassen. — Wenn's wahr ist? wie viele Männer würden da wünschen im Jahre 1848 „veutschkatholisch" sich getraut haben zu lassen? — Der durch seine Wissenschaft auf dem Gebiete der Geographie rühmlichst bekannte Hr. Aug. Petermann ist von der Königin Victoria zum Geographen ernannt worden. Er soll diese Ernennung einem von ihm wohldurchdachten Plane zur Auffindung Franklin's zu verdanken haben. Die englische Regierung wird darnach diesen Herbst noch, oder längstens im nächsten Frühjahr ein Schiff von England aus durck den Golfstrom unv Spitzbergen und N.-Semlin nach der Behringsstraßc virigiren lassen. In der geographischen Anstalt des Hr». Petermann soll auch der in der plastischen Geographie ausgezeichnete Geograph Ravenstein ans Frankfurt, sowie mehrere andere Deutsche, in Thätigreit gesetzt worden sein. Ein Beweis, — und erfreulich ist es, zu sehen — daß deutsches Wissen unv deutscher Kunstfleiß auch außer Deutschland Anklang finden, und ihnen überall Anerkennung zu Theil wird. — Aus Basel theilt man uns mit: der musikalische Theil unseres Schweizer-Sängcr-Festes ist vorüber, und er darf ein in jeder Beziehung recht gelungener genannt werden. Die Aufführung der allgemeinen Chöre war ausgezeichnet und jedenfalls die vollcnvelste, welche noch in der Schweiz stattgefunden bat, was um so schwerer wiegt, als die ansgewählten Musikstücke viele Schwierigkeiten darboten. Wenn auch die Deutschen in der Schweiz nickt geliebt werden, so hat doch Vie deutsche Musik heute hier einen schönen Triumph gefeiert. Die Leitung des Chors durch Hrn. Mustkvirektor Reiter verdient die ausgezeichnetste Anerkennung. Dem Conccrt folgte die Preisaus- theilung auf dem Festplatze. Herr Schnpver von Wartensee eröffnete als Präsident des Kampfgerichts, das Urtheil. Als Einleitung sprach er Worte voll Geist und Humor; jever Gedanke traf; jedes Wort zündete. Gekrönte Preise erhielten: 1) Die Harmonie von Zürich unter Abts Leitung seine herrliche Fahne, gestickt von den Damen des Reiter'schen Gesangvereins und eine Preismedaille als Ehrengeschenk des Stuttgarter Lieverkranzcs); 2) Frohsinn von St, Gallen (dieser wie die meisten folgenden Vereine erhielten stl- berne Becher); 3) Liedertafel von Bern; 4) Cäcilienverein von Aarau; 5) Winterthur; 6) Stadtverein von Zürüch. — Ehrengaben bekamen : 1) Liedertafel von Solothurn; 2) Freiburg; 3) Olten; 4) Harmonie von Luzern. Als Anerkennung der Leistungen erhielten kleinere Andenken: Die Harmonie von Locle, der Männerchor von Unterstraß bei Zürich, der Posamentirvercin in Basel, Waldenburg in Baselland. Nach der Preisverthcllung sprach Schnyvcr noch einige, mit treffendem Witz gewürzte Worte im Luzerner Deutsch; dann strömte Alles der Hütte zu und ein lauter, unenvlicker Jubel brauste durch die festlichen Räume __ I„i Monat Mai wurden auf der Badischen Bahn 212,680 Reisende unv 335,160 */2 Str. Güter befördert. Die Einnahme beträgt 253,215 st. 9 fr. . __ Die Straßburg-Pariser Eisenbahn kann erst Anfangs August dem Verkehr übergeben werden. . __ In Waldshut (Baven) wurde am 17. d. Mts. em Raubmörder hingerichtet. Es ist dies das zweite Todesurtheil, vas rer Prinz-Regent sanctionirt. — Zehn und eine halbe Stunde braucht ein Zug aus der Bahn von Straßburg nach Paris. - mit Hülfe zweier abgerichteten Hunde jeden Abend auf Katzen- Diebstahl ausging und die gefangenen Thiere dann in einem Sack nach Hause schleppte. Das Fleisch verkaufte er an Speisewirthe, die Haut an Hutmacher und Pelzhänvler.______ ----— Druck und Verlag der G. D. Brühi'schen Buch- und Stelndluckerei. M 3. Beilage. Auch in -em Aeitenfturm die Liebe. Novelle aus cem Frühjahre 1848. ■ nmoihiSÖ I ' n';/ iv 1' ' ! (Fortjetzung ) „Muth, meine Thekla!" flüsterte dieser. „Ich weiß, Sie lieben mich, aber auch nicht weniger den Vater und ich bin mit diesem nicht eines Sinnes; dieses , sowie die Unmöglichkeit ausgleichend einschreiten zu können, bedrängt Ihr Herz. Doch diesen Knoten wird die Zeit lösen — " „Over ihn' gewaltsam zerhauen", setzt Thekla schaudernd hinzu. „Schon wieder Schreckgestalten", entgegnete freundlich ter Baron. „Der Winter liegt ausgebreilet im Thale, wird nicht auch bald der Frühling kommen? Muth, wiederhole ich, meine Theure. Lassen Sie unS hoffen und die Blumen des Lenzes werden auch uns wieder blühen! — " Ein furchtbarer Aceord des an der Seite stehenden Flügels fiel hier ein, dann perlten klare Läufe die Tasten auf und ab und ein Triller präparirte den donnernden Schluß der Cadenze. Die auS dem traulichen Geflüster Aufgeschreckten blickten nach dem Instrumente, über dessen ausgeschlageuem Notenpult eine Dame in dunkelbraun sammtuem, geschmackvollem Gewand, mit schwarzen Socken und feurigen, entschlossenen Augen hervorsab. Die, obgleich nicht mehr jugendlichen, doch immer noch in lebhafter Anmuth spielenden Züge derselben nahmen den Ausdruck der Mißbilligung an und sie schüttelte, während ihre schön geformten Hände paustrten, wie unwillkürlich den Kopf. Dann aber, als ob sie jetzt die Erinnerung wieder fände, begann sie austs neue mit leicht hingleitenden Fingern über die Claviatur zu stürmen, bis endlich eine klare, schmelzende Melodie dein Tongewühle entstieg. Variirend verfolgte i sie eine Weile dieses Thema, süß melancholisch das Auge senkend, > dann aber schloß sie plötzlich mit einer Dissonanz daS Spiel nnd stand rasch vorn Flügel auf. Der Baron und Thekla hatten den wunderbaren Tönen zuge- i hört und wollten die Vortragende beloben. Diese aber gebot mit ■ der Hand Stillschweigen und schritt einigemal in großer Bewegung durch das 3immer, worauf sie in schneller Fassung stehen blieb. Ein Blick voll leidenschaftlicher Erregtheit warf sie auf Thekla, j den diese schweigend hinnahm, dann ward ihr Auge freundlicher und blieb mit sichtlichem Wohlgefallen auf dem jungen Manne haften. „Aber Herr Baron von Marnstein, ich hätte doch von ihrer sonstigen Liebenswürdigkeit erwartet, daß Ihr schöner Tenor unserer musikalischen Unterhaltung die wahre Weihe ertheilen würde?" ließ sich die Tante vernehmen. „Entschuldigen Sie, Gnädige," war des Befragten artige Erwiederung, „daß ich im Gespräche mit Fräulen Nichte meine angenehme Pflicht auf Augenblicke vernachläßigen konnte." Mit die>en Worten nahm der junge Mann das Fräulein an der Hand und führte sie zum Flügel. Hier verbeugte er sich und feinem Beispiele folgte die Begleiterin, dann Deutete er auf den verlassenen Sitz vor dem Pianoforte und äusserte scherzend: „Wir sind zu Befehle und wenn nun das gnädige Fräulein, Tante Eusebia —“ Die Genannte, durch die artige Folgsamkeit geschmeichelt, hatte sich bereits niedergelassen, bei den letzten Worten fuhr jedoch ein unwilliger Blick derselben im raschen Fluge auf den Redenden, daß dieser mit einem bedeutungsvollen Seitenblicke auf Thekla plötzlich verstummte. „Tante Eusebia und immer Tante Eustbia!" wiederholte sie im vorwurfsvollen Tone. „Bin ich denn nicht mehr ihre Freundin? — Haben Sie denn die glücklichen Abende des Maimondes schon vergessen, an welchen Sie mir ewige Freundschaft gelobten?" Marnstein geriet!) in einige Verwirrung als ihm jedoch Tbekla hinter dem Rücken der Tante bedeutsam mit den Augen winkte, ergriff er die Hand der Redenden und drückte sie an seine Lippen. Ein freundlicher Blick und ein verstohlener Händedruck waren die Antwort, wonächst Eusebia in Die Tasten griff und, wie es schien, die Einleitung zu einem Terzette begann. Kaum waren jedoch einige Takte verklungen, als auf dem Schloßhofe Lärm entstand, Hunde bellten, das Federvieh schnatterte und bald darauf Männerstimmen vernehmlich wurden. (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Das Rheinische Sextett aus Worms, was sich hier schon einigemal produeirte, hatten wir das Vergnügen zu hören. Durch seine gute Musik erwarb es sich viele Anhänger und Freunde. Nicht minder hat sich das Starkenburger Doppel-Quartett auS Darmstadt, welches sich zum Erstenmale in unserer Stadt hat hören lassen, durch seine auSgewählten und gut eingeübten Musikstücke das Lob und den Beifall des Publikums allgemein erworben. Wir sehen deßhalb einem baldigen Wiederkehren desselben entgegnen. — Kürzlich übernachtete eine fremde Weibsperson in einem hiesigen Privathause und logirte sich, nachdem sie sich etwas elegant umgekleidet hatte und ihr dies so ein gutes Ansehen verlieh , in ein hiesiges Gasthaus und gab dort vor: mit dem Frühzug nach Kassel abreisen zu wollen. Als man ihr Morgens den Abgang der Omnibusse nach Dem Bahnhofe melDete, gab sie vor: Daß sie ihre Sachen noch nicht georDnet habe und deßhalb erst mit dem folgenden Zuge abreisen wolle. Bei der Abreise übergibt sie vor Dem Zimmer Dem Kellner Die Reisetasche rc. zur Besorgung in Den Omnibus unD so schließt sie mittlerweile die Zimmerthüre ab und nimmt den Schlüssel, anstatt solchen im Wirths- jimmer abzugeben, bei sich. Wie sehr erstaunte aber die Dienerschaft, als diese das Zimmer öffnete und gewahrte, daß die vermeinte elegante Dame die Betten abgezogen rc. und alles bei sich gesteckt und sick damit auf und davon gemacht hatte — und nichts weniger als eine wahre Gaunerin gewesen sei. Die Polizei setzte ihr nach und ertappte sie in dem nahen Orte Wieseck bei Gießen, dieselbe ist bereits in Gewahrsam, wo sie ihren verdienten Lohn erwartet. — Dem König Ludwig soll ein Pfälzer Bauer einen prächtigen Strauß Feldblumen mit Den Worten überreicht haben: „Vivat Der König! So wie Die wilDe Blume schön sinn, so sinn auch Die Pfälzer gewachsen, aber eS sinn aach Dischteln Darunner; gewwe Se acht!" — Bei Dem Einzug L. Napoleons in Paris will man den Ruf: „es lebe Die Republik!" „es lebe Der Präsident!" „es lebe Napoleon!" gehört haben. In verschiedenen Kreisen in Paris erklärt man Den ersten Rus als einen u nnn'tgen Protest gegen daS Bestehende??? — Den zweiten als feiuDfelig — Den Dritten als der gegenwärtigen Lage, zum Kaiserthume am passendsten. — - und Stklndruckerci. an, daß von rvewoynern ves vsonunriu» ■* wurden, di- nicht »ölhig haben, zu declariren. ...... — Vor einigen Tagen wurde eine Frau im Gefängnige zu Herford (Westphalen), welche den Gesetzen zuwider zum Fenster heraussah, nach vorausgegangener Warnung des Postens von diesem — Es soll ausgefallen sein, daß der Prinz.Prästdent auf seiner Straßburger Reise keine officielle Reden gehalten habe. Auf die zahlreiche Kundgebungen, soll er nur gewohnte, wohlwollende Worte geantwortet haben. Nur in Dijon hat er für nothwendig zu sprechen erkannt, um allen Einsichtigen die wahre politische Lage zu bezeichnen. Mehrere Personen, welche sich bei dem Einzuge Louis Napoleons in Paris, heftige Äusserungen erlaubten, sollen verhaftet worden sein. , — Der franz. General Lamoriciere soll am 26. Juli unfreiwillig Koblenz verlassen und sich nach Mainz und von da mit Familie nach Wiesbaden begeben haben. __ Am 26. Zuli rettete der 13 jährige Acker aus Seligenstadt ein schon mit dem Tode ringendes Kind, durch Schwimmen auf dem Rücken, aus den Fluthen des Maines. __ In der Bayerischen Armee werden 10,000 Mann beurlaubt, Dabei wird Löhnung gespart und eine Menge Arbeitskräfte für die reiche Erndle gewonnen. — Im Bad Ems zählt am 19. Juli die Kurliste 3130 Kurgaste. __ I,n Preußischen werden Handwerksgesellen, welche das dreißigste Lebensjahr zurückgelegt, 5 Jahre auf der Wanderschaft waren und während den letzten 8 Wochen nicht 4 Wochen in Arbeit gestanden und mit Reisegeld und Wäsche versehen sind oder bei denen Erkennungszeichen, die auf unerlaubte Verbindungen schließen lassen; — auch die, bei welchen aufrührerische Schriften gefunden werden, über die Grenze gewiesen. __ Der König Mar von Bayern reist Ende künftigen Monats nach Wien und über Triest nach Spanien. __ In Pesth ist eine Falschmünzerbande von 20 Personen entdeckt und verhaftet worden und soll ausgezeichnetes Werkzeug und 4660 Srück fertige Schatzscheine ä 10 st. bei derselben gefunden worden sein. __ Am 20 Juli fiel im Schwarzwalde, während einem Gewitter, Schnee und bedeckte den höchsten Gipfel des Fcldberges daselbst, wie er kaum im Winter dort vorkommt. __ Am 25. Juli wurde in Zürich und in Lindau Morgens früh 2 Uhr 50 M. ein heftiger Erdstoß verspürt, so daß die Häuser zitterten und die Fenster klirrten. __ Am 25. Juli schwamm ver k. bayer. Lieutenant vom 4. Jägerbataillon, N. Sleevogt in 3% Stunden von Bregens nach Lindau über den See. __ Am 25. Juli fand auf der Westbahn, zwischen Bamberg ] und Haßfurt die erste Probefahrt statt und wurde in einer Stunde zurückgelegt. — In Ludwigshafen wurden am 26. Juli 27 Bauplatze, pr. Morgen zu 1200 bis 9000 fl. versteigert. Di- projectirt gewesenen bedeutenden Lagerhäuser sind fertig und von den für Baulichkeiten veranschlagten 350,000 fl. sind bis jetzt 17,000 fl. zu Neubauten verwendet worden. — In Bremen ward kürzlich ein Individuum verhaftet, welches die Rolle eines reisenden Kunsthändlers spielte, in Wahrheit aber ein höchst gefährliches Subject war. Bei ver Visitation fand man alle möglichen Siegel von Behörden bei ihm, womit eine Mass- Gauner falsche Pässe gestempelt bekommen hatten. __ Ein Eonducteur steckte, noch im Stuttgarter Bahnhof, den Kopf zum Wagen hinaus, ein zu nahe stehender Laternenpfahl verletzte ihn so, daß er wohl das Leben einbüßen wird. __ Zwischen Nimes und Lyon wurde die Diligence von einem einzigen, bis an die Zähne bewaffneten Kerle angehalten. „50 Franken, mehr verlange ich nicht," schrie er in den Wagen, und die 6 — 8 Helden varin legten die Summe zusammen, reichten sie demüthig hinaus und der Strauchritter verschwand. — In Jnjour ist vor einigen Tagen bei starkem Gewitter ein Meteorstein von 500 Gramme Schwere gefallen._________ . __ Der Constitutioneü will aus zuverlässiger Quelle wissen, daß im Jahre 1851 aus Califvrnien für 81,622,885 Piaster oder 408,114,428 Fr. an Gold ausgeführt wurve. An Douane in San Francisco wurden 41,422,885 Piaster ausclarirt. Cs verließen 26,000 Personen San Francisco; nimmt man nun auf jeden Kopf 1,200 Piaster, so ergiebt dies 31,200,000 Piaster. Annehmen kann man, daß wenigstens für 1 Million Gold nicht in Umlauf kam. Das Eontrole-Bureau hat für 4 Millionen geprägt — Münze, die nur im Lande gilt. Auch nimmt man an, daß von Bewohnern des Eontinents 4 Millionen ausgeführt s__ff Gestern bat ein Eonducteur der Taunusbahn das Unglück beim Einsammeln der Billette auszugleiten und zwar in dem Augenblicke als der Train mit voller Kraft durch das Rebltöcker Wäldchen 'dahinbrauste. Der Unglückliche wurde eine Strecke weggeschleudert und alsbald durch eine von Frankfurt abgesendcte Loco- mative nebst angehängtem Waggon in den Bahnhof gebracht. Wenn auch keine tödtlichen, hat sein Fall doch schmerzliche Folgen. __ In Berlin spielte ein junger Mann Billard. Einer seiner Freunde erlaubte sich im Einvcrständnih mit einigen anderen Gasten den Scherz: dem Spielenden die Brieftasche, weiche 400 Thaler Papiergeld enthielt, aus der Tasche zu ziehen. Als nach Endigung der Partie der Spieler zahlen will, findet er zu seinem Schrecken die Brieftasche nicht. Die Gesellschaft ergötzt sich zwar eine Zelt lang an der Verlegenheit deS jungen Mannes, bis endlich der Freund sich entschließt, ihm die Brieftasche zurückzustellen. W>e sehr er. schrack aber dieser, als er gewahrte, daß ein wirklicher Gauner ihm die Brieftasche des Billardsspielers ohne allen Scherz aus der Tasche gestibitzt und damit sich aus dem Staube gemacht habe und er nun den Verlust tragen muß. — Zu Heiligenstadr (Provinz Sachsen) brachte eine Weibsperson ihre 3 unehelichen Kinder deßhalb um, weil ihr ein junger Mann die Heirath versprochen, wenn sic diese 3 Kinder nicht haben würde Die Mörderin wurde hingerichlet. — Aus der Münsinger Alb hat ein junger Uhrmacher, welcher die Tochter eines Bäckers lieb hatte, von deren Vater aber be- 1 harrlich abgewiesen wurde, diese seine Geliebte und sich selbst । erschossen^ österreichischen ist ein neues Ehegesetz erschienen, welches in zwei Abtheilungen zerfällt. Di- eine enthält die Bedingung: die ! Hindernisse der Eingehung einer gültigen Ehe; die andere die straf- rechtlichen Anordnungen. Den Pfarrern ist selbstständig das Erkennt- i mß von Ehehindernissen eingeräumt, wenn gleich ein politischer i CvnsenS dazu vorhanden wäre; jedoch soll den Betheiligten der REs an eine eigene, aus geistlichen und weltlichen Behörden zusammengesetzte Kommission zust-hen, um die Aufhebung deS 1 pfarramtlichen Erkenntnisses geltend zu machen. Auch sollen ine ! Bestimmungen über die Auflösung gültiger Ehen dann abgefaßt und nicht unwichtige Paragraphen m Bezug auf Eh-hindermsse ' und Dispensation, rücksichtlich letzerer, so wie ub-r die Wirkung j einer gültigen Che und über den Scheidungsproceß, beseitigt wor- -I Diesen Sommer soll auf dem Schlosse Frievrichsborg in Dänemark eine große Freimaurer-Festlichkeit stattfinden. Der Kronprinz ! von Schweden ist von dem Könige von Dänemark hierzu kingeladen woiden^us Belgien, dem Unterrhcine u. s. w. gehen ■ gleichfalls Berichte von Gewittern mit Hagelschlag ein. M 4 Beilage Auch in -em Aeitenfturm die Liebe. 'Jiotede au8 sein Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) „Sie kommen von der Jagd zurück," rief Thekla freudig aus, „und scheinen reiche Beule gemacht zu haben; denn die Taschen der Jägerburschen sind gefüllt." „Auch etwas Großes haben sie erlegt," fügte Eusebia hinzu, „denn siehe nur, dort tragen sie es auf einer Bahre." Thekla erblich bei dem letzten Worte und ihre Augen suchten in dem Getümmel des Hoies nach dem Baler, llmsonst waren jedoch die ängstlich umhergejagten Blicke; denn nirgends wollte der Ersehnte sich zeigen. ' lnu u-nfig -nd r.ipi!* Da trugen die Jäger ihr Gesiechte durch das Lhor, setzten dasselbe nieder und zogen das darüber geworfene Tuch auf die Seile. „Allmächliger Goll!" rief jetzt Thekla voller Entsetzen aus und stürzte nach dem Ausgange, wohin ihr Eusebia und Marnstein erschreckt solgten. Wie sie jedoch nach der Thüre griff, öffnete sich dieselbe und es trat in die Stube, zwar mit ernstem Antlitze, aber doch mit freundlichem Gruße — der Vater. Heftig fiel ihm das Mädchen um den Hals und preßte ihn krampfhafi in die Arme. „Lieber Himmel, was ist denn geschehen?" fragte der Euige- tretene, indem er ebenfalls voll Schreck und unter Staunen umher- blickte. „Nichts," entgegnete Eusebia mit unbefangenem Tone, „wemg- stens so gut, wie Nichts. — Ein Jrrthum." „Die Liebe für den Vater," fiel Marnstein beschwichtigend ein, „ließ sie das Schrecklichste befürchten." „Ach, ich verstehe", entgegnete der Vater und herzliches Wohlwollen leuchtete aus seinen Augen. „Der Himmel hat mich jedoch bewahrt und nur die Frevler der gerechten Strafe überliefert." Von allen Seiten wurde nun der Angekommene — den wir als den Baron Dannberg sofort erkennen — mit Fragen bestürmt und einfach, ohne Schmuck und rednerischen Prunk, erzählte derselbe das unser» Lesern bereits bekannt- Abenteuer mit den Wildschützen. Tante Eusebia srohlvckte und nickte ihren Beifall, Thekla schauderte und hob das Auge mit Wchmuth zu dem Himmel, der Baron Marnstein aber schaute dem Erzählenden in ernster Miene in das Gesicht und — schwieg. Befremdet erwiedcrte der alle Dannberg diesen Blick auf gleiche Weise, dann runzelte er die Stirne und fragte mit markirtem Tone: „Nun und Sie, lieber Baron, was würden Sie an meiner Stelle mit dem ergriffenen Wilddiebe jetzt anfangen?" Marnstein verharrte noch eine Weile im Schweigen, dann entgegnete er mit eintöniger, aber bestimmter Sprache: „Er hat den Lohn seines Vergehens hinweg und so würde ich ihn heilen lassen und ihm — die Freiheit schenken." Dannberg betrachtete den Redenden, legte die Hände auf den Rücken und ging einmal in der Stube schweigend hin und her, während Theklas Blicke unter Hoffen, die Eusebiens unter Befürchten, ihm folgM. In der Absicht, den Vorschlag Marnsteins mit zarten Worten zu unterstützen, wollte Thekla dem Vater jetzt schüchtern nahen, als sich dieser mit freundlicher Miene gegen die Frauen wendete. „Der Bote aus der Residenz ist mit mir angekommen. Neue I Zeitschrift- und Modejournale mit vortrefflichen colorirten Bildern. Beseht einmal die getroffene Auswahl und laßt mich Eure Meinung । hören." Ohne die. Antwort abzuwarten, drängte er Beide nach der Tbüre und Eusebia entfernte sich unter Danksagen für des Bruders Galanterie, während Thekla mit dem Ausdrucke der tiefsten Be- ' kümmerniß in ihren lieblichen Zügen derselben folgte. Unter der Thüre sendete sie noch einen flehenden Blick zu Marnstein, welchen dieser mit einem ernsten, aber tröstenden Nicken beantwortete. . . Der alte Dannberg und Marnstein waren jetzt allein. ■Huf- merksam betrachtete Jener nochmals Diesen, dann fragte er wieder- „Also, was Sie vorhin sagten, wäre wirklich Ihre reiflich überlegte Meinung? . . „Sie ist es und ich habe dieselbe — was ich tn der jetzigen Zeit besonders räthlich erachte — gegen Sie offen und ohne Hehl flU g Ein ^Anflug von Gereiztheit strich über des Alten Miene, die derselbe jedoch zu bemeistern suchte. „Ich weiß, worauf Sie hiüdeutcn. Die von jugendlichen Brauseköpfen angestifteten und von leichtsinnigen und in ihren Verhältnissen zerrütteten Menschen geschürten Mißstimmungen und Unzufriedenheiten der Landleute gegen Zehnien, Jagd, Holznutzungen, Patrimonialgerichtsbarkeit, Pfarrer, Schulze, Schulmeister und we-ß der liebe Himmel gegen was noch all mehr, diese ganz aus der Luft gegriffenen Beschwerden soll ich alle berücksichtigen und bei meinen Rechien jedem beliebigen Uebertreter der Gesetze durch Du Finger sehen2 — Aber, lieber Baron, daraus wird, so lange wenigstens ich, Sebaldus von Dannkron, Erb- und Gerichtsherr auf Dannberg bin — Nichts." (Fortsetzung folgt.) .t Was giebt es Neues? — Zwischen der holländischen und der belgischen Regierung sind alle Vorkehrungen zur Verbindung beider Länder durch eine Eilen- bahn getroffen Man wird also bald von Morgens früh bis zum Abend den Weg von Brüffel nach Amsterdam machen, wie auch nach Gießen, Frankfurt, Mainz, nach Straßburg, nach Paris und "°—^All°n Berechnungen der Aerzte entgegen kommt uns (schreibt man aus Berlin) die Cholera immer näher. „Von Kasisch, wo unter 12000 Einwohnern 1800 starben, hat »c sich schon bis Bose«, und es heißt, auch nach Danzig verbreitet. Traurige Nach- richiei, das. ^«es am 31. Juli zu Speper von Stapel gelassenen,'nach Holland bestimmten, zum Erstenmal- eines dort neu erbauten Seeschiffes aus dem Schiffsbauplatz- dHelbst, zur Aufnahme Sr. Majestät.des Königs von Bayern und Gemahlin und Sr. König!. Hoheit des Großherzogs von Hessen und Gemahlin, errichtete Estrade brach gerade, wie sich die hohen H-rrlchaften daraus befanden, unter denselben zusammen. __ Nach höherer Anordnung vom 31. Juli haben die Burgergarden in Kurheffen ihre Armatur rc. gegen Quittung tn's Zeug- h-»a -kiz-stiefern.... l 8 — Am 12. August wirv die Paris-Straßburger Eiesenbahn dem öffciulichen Verkehr übergeben. Reisende, welche Abends 7% Uhr Paris verlassen, treffen am folgenden Abend um 6 Uhr 44 M. in Frankfurt a. M. und 9 Uhr 50 M. in Gießen ein. Frankfurt Hal von Paris nur noch eine Entfernung von 24 Stunden und Gießen von Paris 27 Stunden. Wir sind demnach Paris etwa 97 Stunden näher gerückt. — Zur Vervollständigung einer Gr. Hess. Militär-Chronik, soll Gr. Kriegsministerium ein Rescript an das Commanvo der Armee- Division erlassen und zu erkennen gegeben haben, daß zu den bis jetzt vorliegenden Materialien einer Geschichte von den Jahren 1798 bis 1815 noch durch weitere einzelne ausgezeichnete Thalen, Erlebnisse und besondere Schicksale von Kriegern, jeden Grades, den obigen Sioffen beigefügt werden soll. Niederzusetzende Corps-Commissionen sollen zur Erreichung des Zweckes bei activen und iircht activen Militärs Erkundigungen über ihre Personalgeschichte einziehen, chronologisch zusammenstellen und an Gr. Kriegsministerum ein- senden. Hiernach soll, wenn der von Gr. Kriegsministerium entworfene Plan, bei Ausführung in allen Punkten genau beachtet wird, das Großherzogthuni Hessen ein militärisches, geschichtliches Musterwerk erhalten, wie bis jetzt noch keines erschienen sei. — Am 2. August hat die Polizei in einer Caserne zu Paris ein Lied, „Un Empereur qui n’est pas corporal“ betitelt, mit Beschlag belegt. Wie versichert wird, soll dasselbe von den Soldaten im Geheimen viel gesungen werden. — Aus der bad. Pfalz wird neben ven- andern günstigsten Ernteberichten auch der treffliche Stand des Tabaks und der Reben erwähnt. Tabak wirv da und dort schon eingeheimst, die Trauben dürften in Monatsfrist völlig zeitigen. Dagegen wird über Futtermangel geklagt, da die Julihitze das Grummet ungenießbar gemacht. — Unlerm 27. Juli soll I. Maj. die Königin von Griechenland die Regentschaft angetreten haben. — In Amerika, auf der Buffalo-Newvork-City-Eisenbahnlinie, wirv eben eine Riesenbrücke von 230 Fuß Höhe und 500 Fuß Spannung erbaut. 600 Cutr. Eisen zu Bolzen und das Holz von 210 Acres Wald soll dazu erforderlich sein. — König Otto I. von Griechenland, ist nach Deutschland abgereist. Se. Hochwürden der Mönch Papulakis, ver Anstifter vcr Bewegungen in der Mainau, soll kurz vorher gefangen worden sein. — Es ist unglaublich, daß in neuerer Zeit ein geistlicher Beamte der hohen weltlichen Regierungen vorgreifen soll, da doch viele edle Gesellschaft allen Schutz genießt unv im strengsten Sinne ves WorlS die weltliche Gesetze, welche nach der Machtmeinung mit ven göttlichen übereinstimmen, thut. Die Aburtheilung über Papulakis wird die betreffende Anklage darthun, ob derselbe der Gerechtigkeit zuwiderhandelte. — In Italien haben die Bischöfe nun sogar ein Circular erlassen, welches bei Strafe ver Ausschließung von ven Sakramenten ras Drucken, Verlegen unv Kolportiren aller vom heil. Stuhl verbotenen Werke verbietet, ven Gläubigen das Lesen solcher Schriften untersagt unv ihnen anbefiehlt, vor vem Lesen eines Buches over einer Zeitschrift den Pfarrer zu befragen, ob es nicht auf dem Inder stehe. Ebenso wirv der Besuch von Schauspielen, welche dem Klerus Nachtheiliges enthalten, von ihnen untersagt. — Für die Festlichkeit bei der Rückkehr Sr. M. ves Kaisers von Oesterreich nach Wien sind 30,000 ft. ausgesetzt worden. — Der Stadtrath von Paris hat zur Feier des Napoleons- tages 90,000 Fr. angewiesen. — Einer der berühmtesten Stierkämpfer Spaniens, der bei dem letzten großen Siiergefechte in Madrid unter den Augen Ver Königin fiel, ist an seinen Wunden gestorben, seit 3 Monaten das dritte Ovfer Vieser barbarischen alten Unsitte. Druck und Verlag der G. D. Br — Die ,jPreuß. Wehrzeitung" sieht in einem Artikel: „Bonaparte und die franz. Armee" durch letztere den europäischen Frieven bedroht. Napoleon, statt sich durch die Wein rc. Spenden die Armee geneigt zu machen, sei von ihr abhängig und wenn diese neuerrings aus Speculation, Ehrgeiz oder auch um sich für Waterloo zu revanchiren ein Stück Weltgeschichte machen wolle, bliebe dem Neffen deö Kaisers nichts übrig, als ihr de» Willen zu thun. — In Langenselbold bei Frankfurt soll am 28. Juli die Gemahlin des Don Miguel demselben einen Prinzen geboren haben. In Folge dessen wurden gleich Couricre an alle Höfe abgefcrtigt, um diesen Fall zu notificiren. Der junge Prinz wirv von seinem Vater als Kronerbe Portugals angesehen. — Die Vermählung Louis Napoleons mit ver Prinzessin von Wassa soll insofern auf Hindernisse gestoßen sein, als der in österr. Diensten stehende Vater der Braut die Einwilligung versagt. Doch soll der Bräutigam die Erlaubniß der Mutter und Großmutter für genügend halten. — Die Begegnung der österr. und preuß. Majestäten in Ischl wirv nächstens stattfinden. __ Auf Tahiti ist Revolution ausgebrochen; die Republik ist proclamirt, ein Präsident gewählt unv vie Königin Pomare aus eine französische Fregatte geflüchtet. — Die Verbindung des jungen Kaisers Franz von Oesterreich mit der Prinzessin Sivonie von Sachsen wird eifrigst betrieben. — In der bayerischen Pfalz und im bav. Unterrheinkreise tritt die Ruhr mit einiger Heftigkeit auf. . < — Es ist kaum glaublich, welch' greulicher Rohheit und Bestialität Menschen fähig sinv. Als trauriger Beleg viene Folgendes: Ein kaum 25 Jahre alter Einwohner von PtrmasenS «.bayer. Pfalz) warf letzten Sonntag, Nachts halb 11 Uhr, sein 4jähriges Knäbchen in einen Ziehbrunnen. Durch das Jammern des Kindes wurden Leute herbeigelockt, die es noch retteten. Dieses Scheusal von Vater hat auch erst kürzlich, als dessen Frau, eine würdige Genossin, mit welcher er schon als 20jähriger Bube in wilder Ehe lebte, in's Gefängniß wandern mußte, sein auveres /4 Jahre altes Kind vem Gefängnißverwalter vor Vie Thüre gelegt. Uebrigeus wurve der Unmensch, welcher leine That gar nicht leugnet uilv so ruhig darüber spricht, als habe er einen Kie|elstein in ven Brunnen versenkt, vor feiner Verhaftnahme von einigen entpörteit Weibern unbarmherzig durchgeprügelt, unv das „Von Rechtswegen, wie uns vünkeit will. — In Gaildorf hat ein junger Bursche einen Bäckerlehrling I erschlagen unv dessen Geld — 3 bis 4 fl. Weckgelv — geraubt. — An ver polnischen Grenze kam jüngst auf einem Jahrmärkte bet ergötzliche, für Vie Betroffenen unangenehme Fall vor, daß allen Bärtigen unter 60 Jahren, welche sich nicht über geleistete Bartsteuer mittelst Schein legitimiren konnten, ohne Weiteres vem Barbier verfielen. Mancher 2 oder mehr Fuß lange Kinnbart wurve da abräsirt, was Viele bewog lieber ihre feilgehaltene Maaren als ihren Gesichtsschmuck im Stiche zu lassen unv eiligst auf und vavon- zu gehen. .... __ Am 30. Juli wurve der größte Theil der metmngl|chen Stnvt Eisfelv ein Raub der Flamnmt. __ In Bregenz und Feldkirchen wurde am 28. Juli, Nachts 2 Uhr, ein starkes Erdbeben verspürt. __ A,n 31. Juli brach auf ver Nheinwerfte ves Hrn. Haniel in Ruhrort aus der Insel int Hasen ein furchtbarer Branv aus unv verbreitete sich östlich über Vie ganze Insel. — Großenrosenburg, eine k. Domaine bei Magdeburg, ist abgebrannt. Acht Menschen kamen um's Leben, siebenzehn wurden ver- : letzt. — Ein Dorf in der Nähe wurde einige Stunden früher, als die Leute alle im Felve arbeiteten, ein glaub der Flammen. üb/'lchm Buch- und Steinvruckerei. M 5. Beilage. Auch in -em Aeitensturm die Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) „Aus der Luft gegriffen, Nennen Sie die Beschwerden unserer Bauern," entgegnete Marnstein bescheiden aber mit Würde, „und doch wie tief begründet und die Klagen dieser unglücklichen Menschen! Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. Wenn die Landleute aber das ganze Jahr hindurch gearbeitet haben, so erhalten ste nicht allein nichts, sondern die eignen Beschützer — wenigstens sollten ihre Herren dieses sein — nehmen ihnen noch die Früchte ihres Fleißes hinweg und geben die Erzeuger derselben dem Mangel preiß!" „Haben meine Bauern je Mangel erduldet? habe ick dieselben jemals bedrückt?" fuhr Dannberg heftig auf. „Niemals," versetzte Marnstein mit Nachdruck. „Aber eben darum, verehrter Herr Baron — den ich wünschte mit einem mir theueren Namen einst begrüßen zu dürfen — weil Ihr Herz gut ist und Sie nirgend das Schlechte wollen, darum sollten Sie auch dem jetzigen Umschwünge der Zeit kein Hinderniß bereiten und Rechte formell aufgebe», die Sie thatsächlich schon längst bei Seite gelegt haben." (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Das neu errichtete Sommer-Theater auf dem Loos'schen Felsenkeller dahier, bestehend aus der Heidelberger Stavtlheater- Geseüschafk unter der Direction des Hrn. Spahn, hat mit seinen Vorstellungen — die bei günstiger Witterung jeden Tag (und zwar Sonntags Nachmittags um 5, an den Wochentagen dagegen um 6 Uhr) statifinden — nunmehr seit dem 31. v. M. den Anfang gemacht. Unter den Bühnenmitgliedern desselben sind uns aus früheren Zeiten Die Herren: Gräf und Spahn, Frau Schulz — vom Stadttheater des Herrn Friese— sowie die Herren Faber und Forlner — vom vorjährigen Sommertheater—als Künstler noch in sreundlichem Gedächiniß und durch ihr angenehmes gutes Spiel noch jetzt die Lieblinge des Gießener Publikunis. Auch die Leistungen der Herren I a u ß, S ch u n k, T i s ch e n d o r f, Heinritz rc. der Damen: Spahn, Mutscklechner, Bärenfcld k. haben bereits gerechtes Lob geärniet und scheinen bei ihrem Abgänge von hier ebenfalls bei dem hiesigen Publikum in schönem AnDenken zu bleiben. Wie nun der Director, Herr Spahn bei dem stitherigen Stadttheater keine Opfer gescheut, um den Ansprüchen des Publikunis in jeder Weise zu entsprechen und ihm jeglichen Genuß zu bereiten, wofür wir ihm unfern herzlichen Dank zollen, und »voraus man ersehen, daß auch kleine Bühnen Erfreuliches leisten können, so wird derselbe auch bei dem Sommertheater seinen erworbenen Ruf zu bewähren suchen; denn, wie man hört, hat er cs sich zur Aufgabe gemacht, von den interessantesten Stücken der neuesten Literatur auf demselben vorführen zu lassen. Ganz abg>sehen von der romantischen Lage des Loos'schen Felsenkellers, Restauration rc. und den ja äußerst billig gesetzten Eintrittspreisen (24 und 12 kr., das Dutzend Billets für den ersten Platz ä 18 kr.), so steht hierdurch dem Publikum manche gesellig vergnügte Stunde zu Gebot, und dem Director, als einige Anerkennung seiner Bemühungen rc., ein recht zahlreicher Besuch in Aussicht. — Des von königl. preuß. Behörden schon seit mehreren Jahren verfolgten Verfertigers falscher Tresorscheine, ist man endlich durch 1 sinnige und originelle Weise habhaft geworden. Obgleich er sich bei dieser Fälschung mit scineni Gewinn von 2000 Thlr. noch zeitig genug nach Amerika auf und davon gemacht halte, so genügte cs ihm dennoch nicht, jenseits des Oceans damit zusrieden zu sein, son- | tmi er suchte auch von Amerika aus falsche Tresorscheine nach Deutschland einzuschmuggeln. Hierdurch wurde den königl. preuß. Behörden immer mehr und größere Verlegenheit bereitet. Ihn auf ungewöhnlichem Wege habhaft zu werden, setzte man zu diesem Zwecke 2000 Thlr. Prämie für Denjenigen aus, welcher ihn einer preuß. Behörde überliefern würde. Einem preuß. Polizei-Agent von Berlin, welcher sich daraufhin incognito nach Amerika begab, glückte es, ta ihm Namen und Singnalement bekannt war, denselben ausfindig und zugleich seine Bekanntschaft zu macken. Dabei gewann er ihn zum Freund, und versicherte sich seines Vertrauens so, daß der bethorte Falschmünzer den Versicherungen seines vermeinten Freundes vollen Glauben schenkte, und sich entschloß, mit demselben nach Europa zurückzukehren und vereint mit demselben in Bremen, unter den Versicherungen der glänzendsten Aussichten, ein rentables Geschäft zu gründen. Beide schifften sich somit unter dem geschlossenen Freundschaftsband vor 3 Wochen auf dem Dampfschiffe „Washington" nach Europa ein und gelangten in 13 Tagen in Southamion an. Hier aber läßt augenblicklich der Polizei-Agent nach Berlin thelegraphiren, daß er mit dem Falschmünzer aus Amerika am 1. August in Bremcrhafen an's Land steigen würde. Es eilen sofort Preußische und Bremer Polizeibeamten nach Bremer- Hafen unv kaum, daß der Falschmünzer mit seinem angeblichen l Freunde (Polizeiagent) an's Land gestiegen ist, ist er auch schon verhaftet und in Ketten. — Den Mann, welcher sich bereits durch den atlantischen Ocean vor allen Verfolgungen sicher glaubte, erreichte dort die Hand der Nemesis und wieder in Europa lebenslänglicher Kerker. So ist der Wechsel der Zeit! — Letzter Tage wurde im Beisein Sr. k. H. des Großherzogs bei Gernsheim von den Hess. Pionnieren eine Brücke über den ‘ Rhein geschlagen. — Am 3. August fand bei Veranlassung einer Haussuchung von Seiten des Universitatsrichters v. Salomon in Bonn, bei 5 Stu- ■ denten-Corps nach Waffen, ein Studenten-Tumult statt, wobei die I Fenster des Rathhauses eingeworfen, der Student Brousse schwer . verwundet und 11 andere verhaftet wurden. — Wie in ganz Frankreick, so soll auch in Deutschlaud in allen Orten, wo franz. Gesandte restdiren, der 15 August als franz. Nationalfcst kirchlich gefeiert und für L. Napoleon gebetet werden. In Frankfurt a. M. wird dies im katholischen Dome ftattfinden. — Der Riesen-Ballsaal zu dem Napoleonsfcste am 15. August in Paris wirv nicht weniger als 2000 Personen fassen und mit 200 Kronleuchtern und 300 Girandolen beleuchtet werden. Das auf Den elpseischen FelDern zu der Feier dieses Nativnalfestes erbaute Theaier, auf welchem nur Mililärstücke gegeben werden, ist so groß, daß eia ganzes Regiment Cavallerie und ein Regiment Infanterie ' auf einmal auf der Bühne Evolutionen machen können. — Einer der Bären im Berliner zoologischen Garten wurde i kürzlich krank und alle Bemühungen der Aerzte schienen vergebens, ! als der Patient auf einmal eine — Serviette mit Kirschen von , sich gab, die Meister Pez wahrscheinlich von einem Besucher entge» j gengenommen und mit Haut und Haar verschluckt hatte. 10 — Am 8. August brach in Orb, zwei Stunden von Gelnhausen, ein Feuer aus, das 100 bis 120 Häuser :c. verheerte. Ein Knecht, dem ein brennender Balken auf den Kopf fiel, wurde wahnsinnig, mehrere andere Leute schwer verletzt. Der Brand wülhete sehr lange. Die hingeeilten Spritzen aus der Umgegend waren andern Tages noch am Orte der Verwüstung. — In Lotzbeuern auf dem HundZrück brannten, durch den Blitz entzündet, 55 Häuser re. nieder. ■— Der Generallieutenant v. Schreckenstein, welcher den Prinzen Wilhelm von Preußen zu den Manövern der Russischen Garden in Krasnoe-Selo begleitete, stürzt bei dieser Gelegenheit, durch das Scheuwerden des Pferdes eines russischen Offiziers, mit seinem — Auf dem berühmten Ehinger Schaafmarkt wurden im Ganzen 5000 Schaase gut verkauft und für das Paar (höchster Preis) 22 ft. bezahlt. — In Graubünden haben sich letzter Tage auf einmal 5 Bären gezeigt. Einer davon wurde erlegt, ein zweiter gestreift. Auch herrscht dort die Viehseuche. — Die Leipziger (auch andere) Buchhändler klagen über flauen Geschäftsgang; sie sagen: daS Geld, wofür man sonst Bücher kaufte, wird jetzt zu Reisen verwendet. — Hr. Harring hatte die Ehre, am 30. Juli der Königin von England in besonderer Audienz eine 28pfündige Stufe gediegenen Goldes zu vräsentiren, welche in den Goldminen von Australien Pferde und zerbrach dabei 3 Rippen und erhielt noch weitere nicht unbedeutende Verwundungen. — Bei der Nachfeier des Wiesen-Markts am 25. Juli zu Erbach, geriethen zwei Messerschmiede, Gebrüder Fris von Neustadt, über 1 fr. zu wohlfeilen Verkaufs in Streit, wobei der jüngere Bruder dem älteren mit einem Kneif in den Hals stach unv dabei die Halsvenen durchschnitt. Durch schnell herbeigeeilte ärztliche Hülfe wurde der Verblutung vorgebeugt. Der Thäter ist verhaftet und der Gestochene außer Gefahr. — Mit dem Demobilisiren der Rheinfestungen scheint es Ernst zu werden. Auch werden aus den Wällen in Coblenz bereits die Pallisaden wieder beseitigt. — Dieser Tage beginnen in Ehrenbreitensteiir die Versuche zur Auffindung einer warmen Quelle. — In Liverpool Hal sich eine Gesellschaft gegründet, die auf der Wasserstraße über Rotterdam, Mainz, Frankfurt, den Ludwigs- canal und Donau Oesterreich mit engt. Eisen und Eisenblech versorgen will. Vier Schiffe haben bereits diesen Weg gemacht. — Ganz in der Nähe von Harburg, an der burtehuler Chaussee, hat man ein reiches Steinkohlenlager entdeckt, und zwar keine Braunkohle, sondern eine schön glänzende schwarze Kohle. — Mehreren Verbannten, u. a. die HH. Creton, Duvergier de Hauranne, Chambolle, Thiers, Lasteyrie, Michel de Bourges, Joli, Bae, ist die Rückkehr nach Frankreich gestattet. Nicht so Chan- garnier und Lamoriciere. — In Valencia wird nächstens ein Kampf zwischen einem gefunden wurde. — Nächstens wird den preuß. Handwerkern, gleich wie nach Bremen, auch das Wandern in die Schweiz wieder verboten werden. Die dort befindlichen werden zurückgerufen, den -fremden von dort nach Preußen wollenden aber der Eintritt versagt werden. — Eine Zeitung von Bordeaur erzählt von einem Pachter, welcher als Nachtwandler wiederholt seine eigenen Hühner unv Tauben stahl. Die von ihm selbst aufgestellten Wächter machten diese sonderbare Entdeckung. — In Mayland sollen am 30. Juli bei einer Hinrichtung dreier Verbrecher durch den Strang, nach einer neuen Methode, mehrere Civilärzte zum Gutachten eingeladen worden sein. — In der Provinz Malaga soll die Traubenkrankheit ausgebrochen, und sehr bedenklich für die Traubenzüchter sein. — In Ungarn wurde ein ganzes Dorf, mit Ausnahme eines einzigen Geböftes, eingeäschert. — Ein seltnes Mißgeschick hatten kürzlich 22 Passagiere des engt. Schiffes „Ottilia". Sie fliegen in Liverpool an's Land, glaubend, ihr Schiff werde so und so lang liegen bleiben, als sie aber wieder in den Haken kamen, war es fort. Sie fahren mit Ertrabahnzug nach Holvhaev, nehmen dort einen kleinen Dampfer und bekommen auch richtig die schöne „Ottilia" in Sicht, aber 4 Meilen westwärts, mit vollen Segeln vor dem Wind dahinfliegend. Nachjagen, Kanonensignale, alles vergebens: die untreue „Ottilia" ist mit Hab und Gut, Gepäck und See-Ausstaffirung auf dem besten Weg nach — Australien und die Reisenden heute noch jungen Elephanten und mehreren jungen Stieren stattfinden. Ein gräßliches Vergnügen! — Das schwierige Unternehmen des Austrocknens des Haarlemer Meeres ist zu Ende gebracht. Wo früher Meereswogen stürmten, sieht man jetzt nur noch einige Wasserlachen, denen man Abfluß zu geben jetzt beschäftigt ist. — Trotzdem die Londoner Münze wöchentlich 300,000 Stück Sovereigns schlägt, kann die Bank doch den vielen Nachfragen nicht genügen. Das meiste Gold geht nach Australien, in der letzten Woche allein eine halbe Million Stück Sovereigns. — Im Frankfurter Main-Neckarbahnhof kam am 7. August ein Conducteur, von Sachsenhausen gebürtig, durch einen ungtücklichen Sturz um's Leben. — Für die durch Hungersnoth Bedrängten in Deutschland wurden von in Constantinopel lebenden Deutschen 3600 Piaster gesammelt. — Ein Seitenstück zu der großen Kornähre mit 80 Körnern, die neulich in Würzburg gezeigt wurde, ist ein Traubenstock im Garten der Witw. Kraus in Laubenheim, welcher hundert und zwanzig vollkommene Trauben trägt. — In der Gegend von Knopp (Pfalz) hat in einer der letzten Nächte ein Wolf zwölf Schaase zerrissen, während vier Stück ganz verschwunden find. Auch bei einer andern Heerde soll ein solches Unthier gesehen worden sein. - ...I- in----n---. — - te. ..Mr1,— -. er-T- Redaclion, Druck und V< in Liverpool. — Die Wirthshauskosten zu New-Bork sind in der Regel für Fremde und Einheimische sehr groß. Ein Herr, welcher unvorsichtigerweise ein großes Broadway-Hotel bezog, ohne vorherigen Mieth- vertrag abgeschlossen zu haben, fand, daß seine Rechnung für die Woche 180 Dollars betrug ober 37 Pfd. St. Ein Congreß- Mitglied, auf feinem Wege nach Washington begriffen, ließ sich im Astor House ein Bett auf drei Stunven geben, wofür ihm 1% Doll, angerechnet ward. — Ein Kanarienvogel als Berräther! In Leipzig entkam jüngst ein folches Thierchen seinem Käfig und flog in ein Kellerloch. Der Eigenthümer ging also zu den Inhabern jenes Kellers, einem Ausläufer nebst Frau, die aber unter allen möglichen Ausflüchten das Oeffnen zu verzögern suchte». Dies erregte Verdacht und als Polizei kam sanden sich eine Menge Maaren aufgestapelt, deren rechtmäßige Erwerbung noch nachzuweisen ist. — Am 9. Juni Morgens 3 Uhr soll in Petersburg ein Theil ber Mauer des Kreml, 10 Faden in der Länge, und 4*/2 Faden in der Breite, eingestürzt sein und einige in der Nähe weilende Menschen unter den Trümmern begraben worden fein. Die schnell zur Rettung getroffenen Maßregeln ließen zuerst eine Frau von 44 Jahre auffinden, welche wieder in's Leben gebracht wurde. Weiter fanden ein Mann von 40 und eine Frau von 30 Jahren ihren Todt dabei. __ «g von G. D. Br Uhl I. M «. Beilage Auch in dem Keitensturm die Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung) | Der Alle ward roth im Gesichte und sendete einen zornigen Blick zu dem lebhaft Redenden, dann sprach er mit Heftigkeit: _ । „Auch Sie hat der Neueruugssturm in seinen Kreisel gefaßt und in das tolle Treiben des wilden Heeres mit hineingerissen! — Es ist mir leid; denn ich — ich bleibe bei dem Alten, welches unfern Vorfahren und deren Schutzbefohlenen Glück und Segen und ruhige Tage bereitet hat. Das ganze weite, rings um mein Schloß gelegene Land war meiner Vorfahren Eigenthum. Wenn sie erlaubten, daß einzelne Häusler sich dort anbauten gegen eine ge- . wisse jährliche kleine Abgabe an Erträgnissen des Landes, so waren sie hierzu von Gott und Rechtswegen befugt und wenn ich dann ihr Recht ererbt unv dieses übe, wer will Gewalt, Druck, Belästigung und wie die beliebten, von übergelahrten Herren erfundenen Titel alle heißen mögen, es nennen?" „Vor dem Richterstuhle der Menschen/' sprach Marnstein, „werden Sie diesen Prozeß nickt verlieren. Allein ich appellire , an eine höhere Instanz und diese wohnt — in Ihrer eignen B r u st." Dannberg fuhr betreten zurück, faßte sich aber bald und entgegnete mit festem Tone: \ „Ich will hierüber nicht weiter mit Ihnen streiten. — Was aber den gefangenen Wilddieb anbelangt, so bleibt dieser verhaftet und das Gerickt wird sein Unheil fällen. Nur durch Furcht, nicht durch Liebe halten Sie die Ordnung aufrecht. Wollte ich alle Forst- und Jagdfrevler mit Güte bessern, so würde, bis es gelänge — wenn es überhaupt möglich wäre — mein ganzer Wald umgehauen und mein Wildstanv zerstört sein." „Ich kann nur rathen," versetzte Marnstein mit ernster, warnender Rede, „und habe nichts zu befehlen." „Ick nehme es schon auf mich," sprach der Alte mit zuversichtlichem Tone, „aber Ihnen, Herr Baron," setzte er dann mit bedeutungsvollem Kopfnicken hinzu, „möchte ich denn doch auch einen Rath ertheilen." Der Angeredete trat einen Schritt näher und gab, die Hand gesenkt und deren Fläche gegen den Alten gerichlet, durch bescheivene Mienen zn erkennen, daß er zur Anhörung des Ratbes bereit sei. Dannberg spreizt- hierauf die Beine, legte die Hände wiederum auf den Rücken und besah Marnstein von unten bis oben, dann versetzte er gewichtig und mit Nachdruck: „Sie lieben meine Tochter und das Mädchen ist Ihnen nicht abholt. — Wollen Sie eine Vereinigung erzielen, so verfolgen Sie nicht weiter den Weg, den Sie betreten haben. Ihre eingeschlagene Richtung ist nicht die unsere und muß Sie von uns entfernen!" „Herr Baron —" stammelte Marnstein und Eiseskälte rieselte ihm durch alle Glieder. „Kein Wort der Erwiederung. — Sie wissen, was Sie wissen sollen, bemessen Sie danach Ihre Schritte." Er ging festen Trittes aus dem Zimmer und ließ den jungen Mann in starrem Erstaunen zurück. 3. Gerichtsverhandlungen. In der Amts- und Gerichtsstube des Schlosses Dannberg saß der alte Amtmann Kronhelm und neben ihm der ebenfalls bejahrte Amtsschreiber Weller. Vor den Gerichtsschranken befand sich, auf einem hölzernen Stuhle sitzend, ein junger Mann von etwa vier und zwanzig Jahren mit schwarzem dichten Haar und Bart. ^>aS Antlitz bleick, schaute das dunkle Auge glühend und lebendig unter langen Wimpern durch richte und buschige Augenbraunen keck und verwegen hervor. Es war ver als Wilddieb und wegen Beihülfe zu einem Mordattentate angeklagte und verhaftete Heinrich. Der Amtmann schüttelte bedenklich den weißen Kops und firirte, über die auf die Nase weit herabgezogene Brille hinweg sehend, den Angeklagten mit einem Blicke, aus welchem Unglaube und leiser Aerger zu erkennen war. „Sic bleiben also dabei", begann er endlich mit warnender Stimme, „daß der flüchtige Wilddieb Sie zur Theilnahme an seinem verbrecherischen Werke gezwungen habe und daß Ihnen derselbe im klebrigen ganz unbekannt sei? (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — In Gießen erhielt ohnlängst ein arineS Dienstmädchen von ihrem Liebhaber (ein Schuhmachergeselle) ein Paar neue Schuhe zum Geschenk und geht mit diesem nach Heuchelheim zur Kirchweihe. Mittlerweile dort angekommen, tanzt unv spricht es mit einem andern Burschen. Der Liebhaber, aus Argwohn oder Eifersucht, zieht darauf seiner Liebsten einen von den ihr geschenkten Schuhen zur Strafe aus, so daß es sich augenblicklich einen anderen Schuh leihen muß. Darauf verläßt es den Tanzplatz unv geht augenblicklich in die Lahn und ertränkt sich. — Betrachten wir uns alles Geschichtliche in der Welt, von frühesten bis zu -den neuesten Zeiten, so finvcn wir gar zu oft, daß Humanilät, freundliche Gesittung und Fortschritte rc. in ihrem ersten Aufleben durch Diejenigen ersticken, die unter verschleierter Maske der Frömmelei und in Schaafspelz vermummt, sich das Ansehen geben, als sorgten sie aus Vaterlandsliebe für das geistige und materielle Wohl und Glück der Völker. Sie vermögen dabei aber nicht einmal ihre politischen Fäden zu verbergen, an Venen ;te ziehen und weben? Dies beweis'! gerade eben wieder der über die handelspolitische Frage sich verbreitende Artikel der in Köln erscheinenden „Deutschen Volkshalle," deren Schlußworte also lauten: „Für materielle Zwecke ist dieses Blatt nicht gegrünvet. Alle Zollverträge der Welt sind ihr Kleinigkeiten im Vergleich mit einer einzigen Regicrungsmaßregel, durch welche die Freiheit des katbol. Glaubens beeinträchtigt wird. Eine einzige kirchliche Anstalt liegt uns mehr am Herzen, als alle Fabriken der Monarchie; und wir sind auch überzeugt, daß die Macht Preußens in Deutschland viel weniger von der Zolllinie abhängt, als von der Jesuitenlinie. Man wird es erfahren." O,'Du glückliches Volk, rufe jetzt aus: Es ruhen alle Werke! Es ruhen alle Arbeiten! Es ruhet aller Hanvel! Oeffne nur Deine Arme unv empfange Du die Dich beglückenden Jesuiten. Dann Volk, nur dann fällt Manna für Dich vom Himmel! und Du brauchst nicht mehr zu sorgen für den andern Morgen. Auch sind Dir alle Deine Sünden, die Du heute thust, ja morgen vielleicht um 3 fr. wieder vergeben.^ Wir wollen hierbei jedoch nicht zürnen irgend einer Konfession und noch weit weniger Religionshaß predigen, sondern wir wollen nur dahin wirken, daß nicht auch moralische Kräfte zum Dienste schnöder knechtender Prinzipien im Volke mißbraucht und auf gleisnerische Weise verführt werden. Der Mensch hat zwar nicht die Kraft, das Loos der Völker zu bestimmen, sondern daS Verhängniß! — Ebensowenig glauben wir, daß ein vernünftiger Mensch, sei er 12 J Katholik oder Protestant, den in der [in Köln erscheinenden „Deutschen Wolkshalle" enthaltenen vergleichenden Artikel, über Zoll-, Handels-, Fabrik- und Jesuitenlinie, billigen werde. Es will uns dagegen auch vielmehr bedünken, daß die, welche sich bethören lasse» , die oben bezeichnete Linie zu betreten, Manchen — davon, dahin führe, wo einst Heinrich IV. Kaiser der Deutschen in aleichcr Weise hingeführt und so oemuthsvoll und unterwürfig unter den inernen Ringmauern der Feste Canossa, Burg der mächtigen Mark- grästn Mathilris von Tuscien, im Bußkleide niit entblößtem Haupte und Füßen, 3 Tage und 3 Nächte vor den Augen des Papstes Gregors, im Schnee stehend, von Hunger und Durst gepeinigt, dieses Papstes Barmherzigkeit erflehen mußte, bis er endlich das Work der Gnade aussprach und ihn wieder in den Schooß der Kirche aufnahm. So will man es! Dies der Fingerzeig und die Richtung jener Linie! — Zu Algier ist das auf den Napoleonstag, am 15. August, bestimmte große Feuerwerk, verfrüht, schon am 7. August in die Luft — geflogen. 7 Artilleristen kamen dabei um's Leben. — Am 14. August Morgens 8 Uhr brach in dem Arbeitszimmer des Prinz-Präsidenten L. Napoleon Feuer aus. Der Brand soll L. Napoleon viel Kummer machen. DaS Napoleonsfest am 15. August ist größtentheils zu Wasser geworden. Der unaufhörliche Regen und Wind zerstörten viel der Jlluminationsvorrichtungen, löschten die Beleuchtungen aus und riß die Dächer von den Zuschauerlribünen weg. Biele der Adler, Kaiserkronen und Navo- leons-Namenszüge verwehele der Wind. Auch wurde der große Riesenballsaal größtentheils zerstört. Dabei war das Schlimmste, die Damen der Halle hatten ihre Toilette umsonst gemacht. Das Seegefecht auf der Seine beschränkte sich blos auf eine Kanonade und Musketenfeuer. Das Feuerwerk: die Scene der Besteigung des Sr Bernhard mißlang gänzlich; der Wind trieb die lein- wandnen Felsblöcke in die Lüfte. Der Ball ist später, am 17. August abgehalten worden. — Kapellmeister Liszt hat zur Napoleonsfeier in Weimar eine eigene Messe componirt. — Damals und Jetzt! Welcher Contrast zwischen damaliger Zeit, des JahreS 1815 und 1852; — zwischen den Menschen, — Thaten und Begebenheiten ic. — Jetzt aber auch zwischen dem Ramendes damaligen Mannes,—der zwar an Thaten-7-reich, aber fast von allen europäischen Völkern verwünscht und 1815 mit „Tyrann" bezeichnet wurde, indem er so vieles Menschenblut vergossen rc. ein Thier mehr als einen Menschen achtete, Throne wanken machte, in seiuem Uebermuthe sich selbst Gott auf Erden wähnte, für dessen Besiegung, Gefangennehmung und Vernichtung, zum Heile der Völker, in allen I deutschen und nicht deutschen Kirchen Gott gedankt und gebetet ward. Jenen Namen, vielwcnigcr den jetzigen Mann ohne Thaten, begrüßen jetzt dieselben Völker mit Enthusiasmus — veranstalten Feste und Kirchengebete? — O, Ihr Völker, die Ihr Euch groß wähnet: Ihr er- । medrigt und beschämt Euch selber! '— An der Krimm in Rußland sollen die, eine reiche Erndte — Der Großfürst Thronfolger von Rußland und Gemahlin werden bis zum 24. August am Grosh. Hofe zu Darmstadt erwartet und den größten Theil deS Herbstes zu Auerbach im Fürstenlager zubringen. Auch der fürstliche Landsitz Jungenheim wird während dieser Zeit von Fürstl. Gästen betvohnt werden. — Am 16. August ist im Dom zu Mainz der Oberstudienrath, Stadtpfarrer und Dekan Dr. Lüft von Darmstadt als Ehrendom- capilular instaliirt morden. Die Ernennungsurkunde soll die Gründe der ungewöhnlichen Auszeichnung enthalten. Auch soll der Bischof von Mainz bei diesem Acte die großen Verdienste, Wissenschaft, Tugenden, Erfahrungen und Geschäftstüchtigkeit des Hrn. Dr. Lüft, hervorgehoben und noch besonders darauf aufmerksam gemacht haben. — Das letzte von den Antillen in England angekommene Dampfboot hat die reichste Labung der edeln Metalle und Edelsteine herübergebracht, die wohl je an Bord eines Schiffes verladen wurden. Es brachte an edlen Metallen und Edelsteinen für 3,500,000 Doll., ausserdem an Perlen 6000 Doll., an Gold für 450,000 Doll., an Silber in Barren und Piastern für 300,000 Doll. Diese werthvolle Ladung war in 1100 Kisten verpackt, 80 Tonnen schwer. — Die in Deidesheim wegen Aussteckung deutscher Fahnen, bei Anwesenheit des Königs Ludwig von- Bayern, daselbst abgesetztcn Stadträthe, sollen den Recurs ergriffen haben. Der Pabst Pins VI. hat am 4. August in einem eigenhändigen Schreiben an den Bischof von Mailand eine Belobung ergehen lassen, weil dieser Prälat, bei einer Proclamativn an das tcssinische Volk, wegen religiösem Verfall, geweint habe. — Ein holländischer Soldat (von Geburt ein Brandenburger), welcher in Java, in der Garnison von Patnam stand, [wurde im Innern in einem mörderischen Gefechte gegen die wilden Stämme verwundet und von den Wilden gefangen genommen. Das Loos dieser Gefangenen ist, daß sie erwürgt werden. Auch dies hätte unferm Brandenburger in einem Augenblick zu erwarten gestanden, wenn nicht gerade in dem Momente der Häuptling des Stammes, ein kolossaler Wilder mit tätowirtem Gesichte, ihm mit geschwungener und sogleich wieder gesenkter Keule entgegen getreten wäre und in wohlbekannten Tönen zu ihm die Worte gesprochen hätte: „Aber Böhnemann! um Jotteswillen, wo kommt Ihr her? Wie jehts in Potsdam?" Dieser Häuptling soll ein ehemaliger Preußischer Deserteur gewesen sein, welcher sich nach Java hatte anwerben lassen. — Urquiza hat am 2. Juli in Buenos Ayres einen Staatsstreich ausgeführt und diese Stadt einer Dictatur unterworfen, deren Ende nicht abzusehen sein soll. Die Repräsentanten-Kammern sind aufgelöst, die Preßfreiheit aufgehoben und 4 der populärsten Repräsentanten sind des Landes verwiesen. Die Geschäfte sind gclähntt — das Vertrauen untergraben und soll große Gährung herrschen.— Gräuel aller Art und Bürgerkrig sind dort vor der Thür. — A. Görgey soll nach neueren Nachrichten von Klagenfurt auf die Festung Kufstein gebracht werden. — In Jena erschoß beim Scheibenschießen ein Professor den versprochenen, Getreidefelder von den dort in Masse sich eingefundenen Heuschrecken vernichtet worden und der Boden stellenweise vier Zoll hoch damit bedeckt gewesen sein. Heu konnte wenig kin- gebracht werden. Die Halmen der Früchte mußten in Eile abge- mäht werden, um nur Stroh zu retten. — Das Dampfschiff „Henry Clay" auf welchem sich 400 Personen, größtentheils Newyorker, befanden, fuhr mit dem Dampfschiff „Amerika" auf dem Hundson-Strom in Amerika um die Wette und gerieth dabei in Brand. 70 Personen, Weiber und Kinder, sind theils verbrannt, theils ertrunken. Die übrigen stürzten sich, halb brennend, in's Wasser und retteten mit Noch so ihr Leben. Zeiger. — Der wegen Vergiftung eines Kindes in Untersuchungshaft gewesene Dr. Schuchart, von Cassel hat gestern durch Oeffnen einer Pulsader am Schenkel, feinem Leben ein Ende gemacht. — Die Getreide - und Kartoffelerndte in Irland ist eine sehr günstige. — In den Ardennen flüchteten bei einem Gewitter, am 5. d. M., ein Landmann, seine Frau, Kind und Schwiegermutter unter aufgestellte Fruchtgarben. Der Blitz traf diese Garben, und als nach bem Gewitter die Schwiegermutter nach ihren Angehörigen sehen will, findet sie — Leichen. DteOaction, Druck und Verlag von G. D. Brühl I. und bl u Stemp vorhall heit re u seine !1 Recht, vorentl gerath, 2 ialso ff dem Z der A f bei S Brille lju He Schul: Dienst schaftli f und s r weiche den A der-H Welt Sie st setzte 1 Priva nur 11 Baror ließ 1 getäuf da er wäre 1. warf r staune wissen abhän kurzer Fassur i' M 7. Beilage. Auch in -em Aeitensturm -ie Frede. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung) Heinrich schlug die Augen nieder, bald aber sammelte er sich und blickte dem Frager keck in das Gesicht: u „Es ist so, Herr Amtmann, wie ich angegeben habe." „Ihre Aussagen," versetzte der Amtmann, „tragen zu sehr den Stempel der Unwahrscheinlichkeit, als daß ich dieses Ihnen noch Vorhalten sollte. Sie würden besser thun, wenn Sie die Wahrheit redeten und dadurch der Gnade sich würdig machten/' „Ich verlange keine Gnade," entgegnete der Verhaftete und seine Augen funkelten in giftigem Spott, „ich fordere nur mein Recht. Hätte der Baion von Dannberg mir dieses nicht früher vorenthalten, so wäre ich weder hinaus in die Wälder und Schluchten gerathen, noch stände ich jetzt vor Ihnen als Angeschulvigter." Amtmann Kronhelm warf einen bedauernden Blick auf den also Redenden, darauf zuckte er die Achsel und wendete sich zu dem Schreiber: „Schließen Sie das Protokoll und sorgen Sie für die Vorlage der Arten." Weller nickte, schrieb und legte dann die couvertirten Acten bei Seite. Der Amtmann aber verließ unterdessen, nachdem er die Brille bei Seite gelegt hatte, seinen Platz und trat aus den Schranken ,Iu Heinrich, dem er mit freundlicher Miene die Hand aus die Schulter legte: „Sie waren früherhin, gleich mir, in des Herrn Barons Diensten und unser damaliges Verhälrniß war gewiß ein freundschaftliches. Ich häkle gewünscht, Ihnen nützlich sein zu können." „Das stehl ganz in Ihrer Hand," sprach rasch der Angeklagte und sein lauerndes Auge heftete sich fest auf den Redenden. „Nicht also," entgegnete dieser und wehrte mit der Hand, „ich weiche nicht von meiner Pflicht." Heinrich klemmte die Lippen zwischen die Zähne und betrachtete den Alten mit sarcastischem Blicke. „Diese Antwort hätte ich mir denken können. — Als mich der' Herr Baron plötzlich seiner Dienste entließ und hülflos in die Welt hinaus jagte, bat ich Sie um Ihre Vermittlung. Erinnern Sie sich noch »er Antwort, die Sic mir damals gaben?" „Dieselbe trte- jetzt," entgegnete Kronhelm unbefangen. „Aber," setzte er mit würdigem Ernste hinzu, „Sie hatten als verpflichteter Privatsecretair wichtige Documente auf Die Seile gebracht, die ich nur mit Mühe wieder herbeischaffen konnte; Sie hatten Des Herrn Barons Vertrauen, Der Sie als Waise erziehen unD unterrichten ließ und der fest auf Ihre Treue baute, auf das schmählichste getäuscht; konnte er weniger thun, als Sie Ihrer Dienste entlassen, da er zu einer peinlichen Anklage gegen Sie berechtigt gewesen wäre?" „Wegen unbedeutender, elender Papiere!" rief Heinrich und warf Den Kopf mit Verachtung in die Höhe. „Elender Papiere?" wiederholte Der Amtmann und heftete staunend und zurücktretend den Blick auf den Verhafteten, „und Sie wissen, daß der Besitz der ganzen Herrschaft Louisenruh davon abhängt?" Heinrich wurde verwirrt und schwieg, nahm sich indessen nach .kurzer Weile zusammen und entgegnete mit mühsam errungener Fassung: I „Das wußte ich nicht. — Man hatte untersuchen und mir mein Recht sprechen sollen. Es würde dann vielleicht aus den Beweggründen sich ergeben haben —" „Beweggründe!" siel der Amtmann ein, „O, reden Sie! — Es könnte doch vielleicht —" „Jetzt nicht mehr!" erwiederte Heinrich mit Heftigkeit indem sein funkelndes Auge in einer Mischung von Zorn, Haß und Gift zur Zimmerdecke hinaufflammte. „Auch hier erschallt der Zeiten- | ruf: „z u spät!"—Ich gehöre nun einmal zum giftigen Gewürm 1 und kann gegen verletzenDe Fußtritte nur mit scharfem Zahne beißen!" Mit bitterem Hohne auf allen seinen Zügen wendete er sich um und ging gegen Die Thüre. Dort nahm ihn Der eingetretene j GertchtsDiener in Empfang, dann hörte man int Vorzimmer Geklirre ! von Ketten, hierauf schwere Tritte Bewaffneter und Dann — ward es stille. (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Am 26. August wurden auf der Bahnstrecke, im Lindner- Markwald , zwischen Gießen und Großenlindcn, einem Bahnwärter, welcher sich im trunkenen ZustanD quer über die Schienen gelegt hatte, mit dem 9'/? - Ubr - Zuge die Beine abgefahren. Er starb in Folge dessen nach 4 Stunden. — Am 26. August wurde in Frankfurt ein Mann, welcher falsche l Banknoten verfertigt hatte, verhaftet. — In Kurheffen wird Die ZunftorDnung, wie sie vor 1831 bestand, wieder eingeführt. Ein Verbot des Ministeriums, wornach alle bis jetzt noch nickt zünftigen Meister, bevor sie sich nicht in die Zunft haben aufnehmen lassen, keine Gesellen und Lehrlinge halten dürfen, soll schon erschienen sein. — In Magdeburg hat dieser Tage ein Postsecretär, wegen Veruntreuung an Der Posikasse, dadurch, daß er sich in Die Elbe stürzte, seinem Leben ein Ende gemacht. — Der commandirende General des Garde - Eorps, General- Lieutenant von Prittwitz hat von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland einen kostbaren Ehrendezen mit golDenem Griff und Beschlag und mit fol enter Inschrift erhalten : „Dem Führer der preußischen Garden in Den Jahren 1848, 1849, 1850, 1851 und 1852 zum Andenken von seinem ihn verehrenden Nikolaus." — Genfer Witz. Als am Sonntag den 15. August zu Genf ein Landwehrbataillon in Schlachtlinie in den Schanzgräben stand und sein Oberst auf einem Schimmel im Galopp Die Fronte entlang ritt, steckte ein Possenreißer von Den Jägern sein Käppi auf sein Bajonnel und schrie : „Es lebe der Kaiser!" Seit dieser Zeit soll man in Genf oieß Bataillon die kaiserliche Garde nennen. — In Magdeburg ist das Nervenfieber in hohem Grade und die Cholera ausgebrochen und fordern täglich Opfer. — In Der Schweiz wurDe am 23. August zwischen Zürich und Bern unD zwischen Zofingen unD Basel Die Telegraphenlinie zerstört. — In Hamburg fanDen in voriger Woche fast jeDen Tag Brände Statt. Am 24. August brach in Der Deichstraße Nr. 4 auf einem BoDen, wo 300 Ballen Baumwolle aufgehäuft lagen, Feuer aus. — In Plymouth kamen Dieser Tage bei einem Dort ausgebrochenen BranDe eine Mutter mit ihren zwei Kindern in den Flammen um. — In Irland soll nach allen Berichten die Kartoffelerndte sehr günstig und Die Krankheit derselben gänzlich verschwunden sein. 14 — 3n Brüssel soll am 23. August, Abends, der daselbst eben anwesende kaiserl. k. österreichische Feldmarschall - Lieutenant Baron von Huynau öffentlich verhöhnt und ausgezischt worden sein. — In Paris wurden am Abend des Balles der Damen der Halle 38 Personen, die im Verdacht standen, eine Katastrophe an- zustiflen, verhaftet. — An sämmtliche Truppen, welche während der Reise des Kaisers von Oesterruch in Uügarn vor dem Monarchen zur Parade aus- rückken, wurde eine dreitägige Gralisiöhnung verabfolgt. — Auf allen Würtembergischen Fruchtmärkten sind die Preise der Früchte und Kartoffeln bedeutend gefallen. — Auf dem Balle des March« des Jnnocents zu Paris wurde der Gemahlin des Ministers Persigny ein ungeheurer, in seiner Art prachtvoll ausgestattcter Blumenkorb im Namen der Dames und Forts de la Halle überreicht. Der Korb war von so riesigen Dimensionen, daß ihn sechs pariser Sacklräger, Foris de la Halle, nur mit Mühe tragen konnten. — Für die bei der Ueberfabrt versunkene und später von den Helgoländern aufgefischte und angekaufle „Gustav-Adolf-Statue" wird in München eine neue gegossen werden. — Professor Dr. H. Müller, bisher Redacteur der in Cöln erscheinenden „Deutschen Volkshalle" ist aus den preußischen Staaten verwiesen worden. — Prof. Stiesset von Carlsruhe, der bekannte Meteorologe und Herausgeber des Wetterpropheten „Zeus", ist, nachdem er erst vor 3—4 Wochen von Weinheim, allwo er sich einer Kaltwassercur unterzogen, nach Helgoland gereist war, dorten von einem Schlaganfall betroffen und alsbald gestorben. — Auf der Pai is-Straßburger Eisenbahn hat sich schon ein Unfall ereignet. Bei Nancy senkte sich in Folge von Hochwasser ein Via- duct, wodurch die Schienen sich verrückten und der Zug aus dem Geleise kam. Mehrere Personen wurden verletzt. Auch befand sich der Kurfürst von Hessen auf diesem Zuge. Die ganze Linie wird jedoch bereits wieder befahren. — Seit einigen Monaten fährt der Berliner Fabrikant Fonrobert in einem Wagen, dessen Räder, statt mit eisernen Reifen, mit Guttapercha umkränzt sind, ohne daß dieser von Hrn. F. erfundene Beschlag sich abgenutzt hat. — In Ungarn werden gegenwärtig durch Agenten von Hamburger Häusern große Einkäufe von Schweinen gemacht. Im amerikanischen Staat Kentucki wurden im vorigen Winter 880,000 Schweine zu Markt gebracht. — In England ist so großer Mangel an Erndte-Arbeitern, daß man Soldaten dazu verwendet. — Unter den deutschen Einwanderer» in Amerika kommen in neuerer Zeit sehr viele Selbstmorde vor. — In der Florenzer Arena ließ sich neulich ein Kunstreiter, der : den Lebenslauf des Kaisers Napoleon darzustellen hatte, beikommen, i bei der Krönungs-Scene, wobei vom Publikum gezischt wurde, Krone : und Scepter mit Füßen zu treten, wofür er 24 Stunden eingesteckt und der Circus 14 Tage geschlossen wurde. — Ein böhmischer Lithograph, der nach und nach für ca. 50,000 fl. Banknoten sehr täuschend gefälscht und auch in klingende Münze umgesetzt hat, ist auf dem Wege nach Amerika. Die telegraphische Depesche kam um nur einige Stunden zu spät nach Bremen. — In der Nähe von Friedberg, auf Gr. Hess Gebiete, ist man| eben damit beschäftigt, eine warme Quelle, durch Bohlversuche, auf;; zusilidcu. Man soll sich zwar schon oft gewundert haben, daß bief nicht schon früher geschehen ist. Solches Unlernehmen ist erfreu-, lich zu vernehmen. — In Mannheim wurde dieser Tage ein großes „Blech-Conceri" angrkündigt. Auch nicht übel! — Ein Schuhmachermeister aus Apolda soll das von den Wissenschaftlern lange vergebens gesuchte Verfahren, Wasser brennbar zu machen, gefunden haben und damit nach England gewandert sein, um es dort je theurer je besser an den Mann zu bringen. — Fünf arabische Familien, darunter vier Brüder Abdel-Kader's, sind nach Algier zurückg. bracht worven, so daß nur noch 40 Araber auf Schloß Amboise gefangen gehalten werden. — Es soll versichert worden sein, die franz. Regierung habe dem britlischen Cabmete den Vorschlag gemacht, gemeinschaftlich in Merico zu interveniren, um die verwirrten Zustände dieser Republik in Ordnung zu bringen. In England soll diese Nachricht einen günstigen Eindruck gemacht haben? — In Ungarn verüben Räuberbanden Scheußlichkeiten, wie man sie nur von amerikanischen Rolhhäuten gewohnt ist. Weniger als 5 bis 6 Gendarmen dürfen sich gar nicht blicken lassen, sonst sind sie verloren. Für einzelne Gegenden sind diesen auch noch 200 Uhlanen beigegeben. M r s c e 1 1 e n. (Nach Stambul! ihr Künstler! —) Der Bruder' Donizetti'S ist seit einigen Zähren Ober-Kapellmeister der Militärbanden des Sultans. In einem Gespräche erkundigte sich der Sultan | kürzlich, wie cs ihm in Stanibul gefalle. — Ach, Sire, es wäre das irdische Paradies, wenn ich eine bessere Wohnung hätte. — Dein Haus ist also nicht bequem? — Mein Haus? Sire, ich habe kein Haus, ich wohne im Hotel. — Nun gut, so lasse dir ein Haus bauen. — Und womit, Sire? Nicht mit Märschen und Tänzen kann ich die Bauleute bezahlen. — Wenn nichts weiter ist, so schicke sie nur zu mir. — Einige Monate später erhob sich vor Donizetti ein piachtvvller J Palast auf einem freundlichen Hügel des Bosporus. Als der Sultan den Kapellmeister wiedersah, sagte er : Ich hoffe, daß es dir nun zu Hause gefällt. Jetzt darfst du dich nicht mehr über dein Haus beklagen. — O, Sire, Ihnen verdankt ich dieß schöne Haus, an dem ich viele Freude hätte, wenn ich es bewohnte. — Und weßhalb nicht? — Weil es nicht meublirt ist, wofür die Tapezierer 200,000 Fr. verlangen, um es nach meinem Geschmacke zu machen. — Du hast mich nicht verstanden, ich habe dir gesagt, du sollest dir ein Haus bauen lassen; deine Tapezierer bezahle ick ja, wie ich deine Maurer bezahlte. — Kurz, Donizetti bewohnt sein Haus jetzt. Er crhieit Weine für seine Keller, Pferde für seine Ställe, Ambra für seine Tschiboucks und Neger zur Be- I dienung. — Im Berliner Jntelligenzblatt annoncirt sich ein angehender Heiralhs-Candirat mit den Worten : „Ein junger Mann von 28 Jahren (schwarzbraun), der it." Das ist ungefähr so, wie Roßkämme ihre Pferde anzukündigcn pflegen. — Aus Rottweil (Würtemberg) berichtet die dortige Chronik : ■ Am 17. d. Mts., Nachmittags, zog ein Schwarm von Milliarden geflügelter Jnsecten über die Stadt her, wie man sie in solcher Menge seit vielen Jahren nicht gesehen. Ihr Zug ging von Südost nach Nordwest und dauerte über eine Stunde; die Höhe, welche sie durch- — Kürzlich sprang ein Bauer, der pr. Eisenbahn von Leipzig abgegangen, in dem Augenblick aus dem Wagen, als der Zug an dem Weg vorübersauste, der nach seinem Dorfe führt. Er starb in Folge dessen. — An der Gothaischen Grenze ließ neulich ein Mädchen ihren Säugling allein im Hause, und als sie zurückkam, war das Kind von — Raiten todigebissen! flogen, gab ihnen das Ansehen schnell segelnder Wolken. Revaclion, Druck und Verlag von G. D. Brühl I. t man , auf: ß dies erfreu: mccrt" Wis- cnnbat »ändert M. ader's, tlraber ! habe ick in epublik einen | , wie weniger sonst । noch n k ‘ Brüter lilitär: I Sultan i wäre :te. — re, ich I iffe dir n und iter ist, tvolier; : Ich' 1 nicht ife ich ich cs irt ist, «einem > habe ezierer nizetti Pferde r Behender n 28 Roß- mik : । arten ftenge nach >urch- Jß. 8. Beilage. Auch in bem Aeitenjlurm die Liebe. Novelle auS dem Frühjahre. 1848. (Fortsetzung) Amtmann Kronhelm stand wie versteinert und sein alter Actuarius falzte vor lauter Berwuntcrung ganz zwecklos Papiere und warf mit denr Ellenbogen die Streusandbüchse um. „Herr Amtmann," begann endlich der Letztere mit bescheidenem Kopfsenken, „ich erlaube mir, eine Bemerkung Ihnen mitzutheilen. Zch glaube, der Jnquistt ist verliebt." Kronhelm lächette: „Worauf gründet sich Ihre Vermuthung?" „Er macht Verse. Unter seinen Papieren habe ich etwelche gefunden." „Wohl möglich, daß er Verse macht" versetzte der Amtmann gleichgültig, „denn er war immer so ein Phantast. Was soll aber dieses Derliebtsetn hier ausmachen?" Der Actuarius blickie scheu in der Amtsstube umher und als er sich fest überzeugt hatte, daß er und der Herr Amtmann auch wirklich ganz allein seien, hielt er die Hand vor den Mund und stüsterte geheimnißvoll: „Wenn Sie erst wüßten, in wen er verliebt ist!" Neugierig rückte der Amtmann näher und hielt fein Ohr nach dem Vot sichtigen. „Er ist in das gnädige Fräulein verliebt," flüsterte dieser und duckte den Kopf in die Schultern. Der Amtmann fuhr betreten zurück und drohte warnend mit dem Finger; der Actuarius aber lächelte pfiffig und gcschwichtig: „Sie sind des Handels einig und es geht zwischen Beiden schon Du und Du. —" Der alte Schreiber brachte aus den Acten ein Papier zum Vorschein und zeigte es dem Amtmanne: „Sehen Sie die Ucberschrift: Thekla? — Nun höre» Sie! Wo ich fei und wo mich hingewendet, Als mein flücht'ger Schatten Dir entschwebt? Hab' ich nicht beschlossen und geendet, Hab' ich nicht geliebet und gelebt? „Und daS meinen Sie, hätte er selbst gedichtet?" fragte Kronhelm. „Es ist von fei n er Hand geschrieben," erwiederte der Actuarius und bekräftigte seine Meinung durch einen bedeutungsvollen Wink mit der Hand. „Schon gut," lächelte jetzt der Amtmann; „vorerst aber behalten Sic Ihre Wahrnehmung für sich. Es ist dieselbe ein Acten- geheimniß und ich verpflichte Sie speciell auf Verschwiegenheit." Der Actuarius legte die Hand auf die Brust und verbeugte sich in pflichtschuldigster Ergebenheit, dann nahm er feine Acten unter den Arm und verließ unter höflichen Grüßen das Amtszimmer. Kronhelm fah dem Abgegangenen lächelnd nach. „Auf diese Art schweigt er. Andern Theiles hätte er seine Vermuthungen doch nichc aufgegeben und dem gnädigen Fräulein vielleicht ein unangenehmes Gcwäscke angerichtet. Unser guter Schiller mag sich einmal gefallen lassen, daß bei Hrn. Weller der Angeklagte feine Stelle vertritt. Der Dichter wird wahrscheinlich an seinem Ruhme hierdurch nichts cinbüßen." Der Amtmann ging nun zu seinem Sitz zurück und wollte eben zur Arbeit sich niederlassen, als nach leisem Anklopfen die Thüre langsam aufging und Fräulein Thekla den Kopf vorsichtig in das Zimmer steckte. „Sic sind allein, Herr Amtmann?" „Wie Sie sehen, gnädiges Fräulein." „Darf man Sie auf einige Minuten stören?" „Wird mir eine Ehre sein." Das Fräulein sprang in die Stube und der alte Amtmann holte einen Stuhl. „Darf ich bitten?" „Wenn Sic erlauben? — Aber Herr Amtmann, vorerst geloben Sic Verschwiegenheit. — Was ich Ihnen zu vertrauen habe, ist delicater Natur. (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? —- Am 3. September traf mit dem 11-Uhr-Zuge Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein, nebst hohem Gefolge, von Darmstadt kommend dahier ein und nahm im „Gasthof zum Einhorn" ähr Absteigguartier — und Abends 6 Uhr langten mit einem Ertrazug Ihre K. K. Hoheiten der Thronfolger von Rußland nebst Gemahlin und Gefolge dahier an. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen rc. empfing Ihre K. K. Hoheiten den Thron» folger von Rußland und Gemahlin auf hiesigem Bahnhofe unter liebevoller herzlichster Begrüßung; Sie verweilten mit freundlicher Unterhaltung aller Umgebenden auf hiesigem Bahnhofe eine halbe Stunde und setzten sodann mit diesem Ertrazuge die Reise nach Darmstadt fort. — Für jeden aufrichtigen, redlichen Deutschen und Vaterlauds- freunb, der es mit dem allgemeinen Interesse, sowie in handelspolitischer und gewerblicher Beziehung wohlmeint, muß es erfreulich fein zu vernehmen, daß Preußen endlich einmal frei, offen und entschlossen her- vorgetreten ist und am 30. August eine Erklärung abgegeben hat, welcher Hannover , Braunschweig, Oldenburg und die Thüringischen Staaten sich angeschlossen haben : an dem Grundsätze der Reconsti- ; tuirung des Zollvereins festhalten zu wollen und nicht gewilligt fein, bevor dieser rccoustituirt worden, — mit Oesterreich über einen Handelsvertrag in Unterhandlung zu treten. Wenn es wahr ist, so hat die preußische weise Regierung sich ein unbestrittenes großes Verdienst um das große allgemeine, commerziclle Interesse und des deutschen Volkes Wohl erworben. — Die preußische Regierung läßt sich den Weinbau am Rheine sehr angelegen sein, denn es wurden im Jahre 1851 durch ihre Unterstützung über 47000 edle Reben gekauft und an atme Winzer vertheilt. — Nachrichten aus Berlin zu Folge hatten Sc. k. Hoheit der Prinz von Preußen bei einem Manöver bei Krekow das Unglück vom Pferde geworfen zu werden. Sogleich eilten Aerzte nach Stettin, welche aber die Folgen als nicht bcsorgnißcrregend erklären. — Wegen des erlittenen großen Hagelschavens wurde den Steuer- pflichtigen der Stadt Bockenheim die Grund- und Gewerbesteuer für die Monate October, November und December nachgelassen. — Louis Napoleon ist fortwährend leidend. Er hat sich einer Waffercur unterzogen. | i — Meister Pez im zoologischen Garten in Berlin, der erst neulich an der Serviette mit den Kirschen beinahe erstickt wäre, ist nun doch als Opfer seiner Naschhaftigkeit gefallen. Ein Knabe ließ seine Mütze in den Zwinger fallen, an deren Schirm der arme Bär i verendete. 16 — In Paris sind kürzlich drei Matrosen der österreich. Handelsmarine aus Californien angekommen, wovon ein jeder ein Vermögen von 150,000 Fr. sich ergraben hat. Doch malen sie das Leben in den Minen nicht sehr lockend. Einer davon sagte : „Man lebt dort wie unter wilden Thieren und muß immer bis an die Zähne bewaffnet sein." — Am 31. August, Abends 7 Uhr, entlud sich über Würzburg ein mit Sturm und Hagel begleitetes Gewiirer. Eine Siunde von Würzburg bei Hochberg fiel ein Wolkenbruch, wodurch der säst vertrocknete Kühbach zu einem reißenden Strome im Nu anschwoll und die unteren Räume der Häuser und Keller, der in dec Nähe liegenden Häuser, füllte. Der Heidelberger Eilwagen, welcher in der Nähe bei Höchberg in dieses Unwetter kam, wurde weggeschwemmt, der Postwagen zertrümmert und ein Pferd und ein Passagier kamen dabei in den Fluthen um und ein Pferd wurde stark beschädigt wieder aus den Fluthen gezogen. Der Conducteur, der Postillon und ein Passagier reiteten sich mit Mühe noch durch Hinaufsteigen auf Bäume und Mauern. — In Lupez in der Schweiz entstand bei den NationalrathS- wahlen allgemeine Prügelei. In Freiburg wurden tumulluaiische Auftritte dadurch vermieden, daß das Büreau den Tumultuanten die Fahne wegnehmen ließ. Um bei dem Volke auf die National- rathSwahl zu wirken, ist eine von einem Jesuiten in Lyon veröffentlichte Brochüre verthetlt worden, worin unter anderen folgende Sätze vorkommen sollen : „Der Jesuit, d. h. der ehrliche Mann, ist ein Kind des Volkes, aber er ist kein Demokrat." „Der Demokrat stammt in gerader Linie vom Satan durch Kain, Chan, Judas, Luthers?), Calvins?), Robespierre, Carrier, Ochsenbein, Druey, Mazzini re. ab." „Demokratie ist religiöse und politische Heuchelei, ein Abgrund von Schande und Elend für dre Menschheit." Unfehlbares Mittel dagegen: „Geht zur Ohrenbeichle und fleißig zum h. Abendmahl. — Der König von Schweden hat sich von Zürich nach Goldau begeben, und auch den Rigi bestiegen. — Eine originelle Art einem Selbstmörder das Leben wieder zu geben, kam jüngst auf einem ostpreußischen Dorfe zur Anwendung. Eine Frau findet ihren Sohn erhängt aus dem Speicher; in ihrer Angst holt sie den Schulnieister, der den Selbstmörder auch abschneidet, mit einem tüchtigen Stock aber so windelweich prügelt, daß dem Jungen das Leben wiederkehrt und er bittet „man möge ihn jetzt zufrieden lassen." — Während des Gewitters schlug der Blitz in eine Scheune in Homburg v. d. H., zündete, und Scheune und Haus ward vom Feuer verheert. — In Jugenheim an der Bergstraße hat ein Igjähriger Knabe einen 12jährigen Knaben mit einem Stocke so zugerichtet, daß der Mißhandelte andern Tags starb. — Im Canton Basel hat sich kürzlich eine schiefe große Waldfläche abgerückt, ohne sonst Schaden.anzurichten. In den entstandenen Abgründen hört man tief unten Wasser rauschen. — Am 28. Aug. wurde der Schuhmacher Gros von Pirmasens, welcher, wie unlängst berichtet, sein eigenes Kind in einem Brunnen zu ertränken gesucht hatte, vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt. — In Paris werden bald Tausende von Stickerinnen brodlos werden, da man jetzt mit dem Jacquardsschen Webestuhl den Mousselin ebenso durchwirkt, stickt und auszackt, ivie durch Hände Arbeit. Kl ideellen. — Man schreibt aus Stetiin vom 23. August : Ein furchtbar tragisches Ereigniß erfüllt heute die ganze Start mit Schrecken. Am gestrigen Sonntag Nachmittags hatten sich die beiden hiesigen Marler in einem Boote zur Entenjagd auf den Damm'schen See begeben. Beim Nachhausefahren schwirrt noch eine vereinzelte Ente auf; v. D. legt an, aber in dem Moment des Losdrückens steht auch sein Freund B. hinten im Kahne auf und empfängt die ganze Schrotladung in den Hintcrkopf. Der Getroffene stürzt zusammen, und fein unglücklicher Gefährte wird von Schmerz und Reue io übermannt, daß er in übereilter That den zweiten Gewehrlauf unteres Kinn setzt und sich den Kopf zerschmettert. So wurden die beiden unglückseligen Schützen von den Booksführern nach Hause gebracht, v. D. als gräßlich verstümmelte Leiche, B. noch lebend, aber bereits mit dem Tode ringend. Er ist in der Nacht gestorben, v. D. lebte in den glücklichsten Verhältnissen und hinterläßt eine zahlreiche Familie, während B. unverheirathet war. Möchten doch alle Sonntagsjäger diese schaurige Warnung beherzigen! — (Im Kaltwasserbad.) (Der Wärter trifft einen schon aus- gekleideten Patienten in der Nähe der großen Touche mit einem Regenschirm an, und will ihm diesen entreißen.! Wärtern I, was wollend denn mtt’ii Schirm?" — Patient : „Millionen Donnerwetter ! Ich kann doch wahrhaftig nicht unter die furchtbare Brause treten ohne Schirm? Wenn ich nun am ganzen Leibe naß werde? Den Tod kann ich ja davon haben!" — Eine junge Dame warf sich nach vollendetem Tanze ihrer ganzen Länge nach mit übergeschlagenen Füßen sehr erhitzt in einen unweit ihres Tänzers befindlichen Lehnsessel und sprach : „Ach ich bin wie gekocht!" „Und doch noch so roh!" erwiederke der Herr. — Nach und nach macht das hiesige Theater Propaganda, und mau sieht mit Freuden, daß die Zahl der Zuschauer sich mit jedem Male vergrößert, und was mehr heißen will, daß die einmal Gewonnenen nicht wieder untreu werden, sondern mit gesteigertem Interesse ihre Besuche wiederholen. Es ist dieß das beste Testimo- nium für die guten Leistungen dieser Gesellschaft, und man scheint einzusehen, daß auch das nicht ganz Vollkommene bilden und ergötzen kann, ja daß der Genuß hier ost ein größerer ist, als da, wo die schützende Firma eines Hof - oder Stadtiheaters die Acteurs zu Nachlässigkeiten und Unarten, die Direetion zur Ueberschätzung ihrer Kräfte und zu Mißgriffen in der Wahl des Repertoirö verleitet. — Wenn Einige etwas unklug bedeutendere Stücke auf dieser Bühne zu sehen wünschten, so meine ich, daß gerade in dieser Hinsicht die Direetion einsichtsvoll zu Werke gegangen sei, da sie sich wohl bewußt ist, daß nur ein Beuedir, Kalisch, Töpser w. ihre Sphäre ist, unv daß sie lieber etwas Unvollkoinntenes verbessert, als Besseres unvollkommen darstellt. — Ich bin weit entfernt, der hiesigen Bühne ein unbedingtes Lob zu spenden, — von diesem Vorwurfe werde ich mich reinigen, wenn es mir erlaubt sein wird, nächstens dein Publikum eine kurze Kritik über die einzelnen Kräfte derselben vorzulegen, — aber ich meine, wer Einmal das hiesige Sommertheater besucht, könne nicht, ohne ungerecht over unverständig zu erscheinen, läugnen, daß dasselbe Elemente in sich faßt, die in ihrer Sphäre das Beste zu leisten vermögen. Betrachtet man nun noch Sie Verhältnisse, unter denen diese Bühne steht, — die völlig aufgehobene Illusion, die erst dem Spiele Natürlichkeit und Annehmlichkeit gibt, die mannigfachen Störungen, die von dem Theil des Publikums, der mit den eingetretenen Ferien zum Glücke sich entfernt hat, mit der größten Anmaßung und Rücksichtslosigkeit ausgeführt wurden, — so muß man sowohl den Muth, wie die Fähigkeit der Schauspieler bewundern, die das leisten, was diese in Wahrheit leisten. — Die Hinterbliebene Familie des in der Lindener Mark verun- glückteit Bahnwärters widerspricht dem Artikel in Beilage Nro. 7 d. Buchholtz und Dadelsen, zwei intime Freunde und geübte Schützen, insofern : daß der Tod desselben nicht durch Trunkenheit und Selbstverschulden berbeigeführt. worden sei. pieDacnoii, Druck und Verlag von G. D. Brühl I. 18 Ml i s c e t l e. bewährt, daß über den Erfolg kein Zweifel mehr besteht. Das Redaktion, Druck und Verlag von G. D. Brühl I. kam Fall lange Zeit in einem Theile Ein Jägerbataillo» und Der» (Es deS eine Abtheilung Uhlanen, nebst den Feldjägern, trieben die säubern Gesellen in die Sümpfe, worin viele umkamen, die übrigen, nachdem ste drei Tage bis an die Hüften im Morast gesteckt und vom Militär 12 todtgeschossen, 48. verwundet hatten, sich ergaben. Sie werden in Pesth demnächst füsilirt. niederfielcn. herrscht nicht die Cholera, feiten und zolldick auf einzelnen Stellen — In Magdeburg und Naumburg wohl aber die Cholerine. — Die große Räuberbande, welche Ungarns hauste, ist endlich aufgehoben. — Kürzlich wurde in Mannheim einem Auswanderer eine ame- rikanische Adreßkarte, einer Banknote ähnlich sehend, zu 250 st. aufgeschwatzt. Der Berrüger wurde jedoch sammt dem Gelde in Mainz! festgenommen. — Ein Kaufmann in Neustadt in der Pfalz wurde wegen kaufs von arsenikhaltigem Fliegenpapier um 3000 Frs. gestraft, ist diese strenge Strafe nämlich im Gesetze vom Germinal —- Der König von Neapel hat 347 Galeerensträflingen, die an der Trockenlegung eines großen Seebehälters mitwirkten, die Freiheit geschenkt. Jahres XI ausgesprochen.) — Daß unsere deutschen Künstler noch immer nicht so schlecht bezahlt werden, zeigt wieder der Sänger Ander, der, wie es hieß, nach London einen Ruf erhalten hatte, jetzt aber einen neuen Con- tracl in Wien abschloß, der ihm 10,000 fl. Jahresgage, 3 Monate Urlaub, und im Falle, daß er seine Stimme einbüßt, eine Pension von 2500 fl. pr. Jahr zustchert. „Wochenblatt der nass. Land- und Forstwirthe" räth folgendes Verfahren an: „Ist die Auspflanzung des Weißkrautes, Wirsings, der unter- und obererdigen Kohlrabi ic. geschehen, so werden am Umfange des bepflanzten Ackers oder Beetes in eine Reihe 1—!'/? Fuß von einander entfernt, einzelne Hanfkörner gesteckt. Diese entwickeln alsbald kräftige Hanfpflänzchen, die, weil sie nicht, wie aus dem Hanfacker, mit ihres Gleichen im Schluß stehen, nach und nach fingerdicke, ästige Stengel bilden und deßhalb, wie eine Schutzhege, den Acker oder das Beet ringsum einfricdigen. Der eigenthümliche Geruch des Hauses ist nämlich den Schmetterlingen, welche die Gemüse- und Kohlfelder bestreichen, um darauf ihre Eier abzusetzen, zuwider — und zwar so zuwider, daß auf 3 bis 5 und mehr Schritte Entfernung von frischen Hanfpflanzen sich kein Schmetterling niederläßt. Wo aber keine Eier hingckegt werden, da können sich auch keine Raupen entwickeln; und selbst von anstoßenden Krautäckern, welche nicht mittelst Hanf geschützt sind, werde» keine Raupen auf den geschützren Acker überlaufen, weil die widrige Pflanze wie ein nicht zu überschreitender Zauberring wirkt. Gemüsefelder, welche sehr lang und breit sind, werden auch noch innerhalb des umfassenden Schutzgeheges mit den nöthigen Zwischengehegen von Hanf bepflanzt. Auch genügt es, in entsprechender Entfernung die Hanfpflanzen einzeln unregelmäßig zwischen den Gemüse- oder Kohlpflanze» aufkommen zu lassen. In der Rheinebene des Großherzog- thums Baden — der hohen Schule des rheinischen Hanfbaues—, wo bekanntlich der Hanf, welcher Samen reifen sott, nur in einzeln stehenden starken, stämmigen, vielästigen Pflanzen auf den Rändern von fast allen Hackfrüchtefeldern : Kartoffel-, Runkelrüben-, Krautäckern rc. gebaut wird, verkauft man den Bast dieses Hanfes an Seilspinncr. Znni Verspinnen für Garn ist er zu grob und zu ästig." — I» Cassel wird demnächst ein Fruchtmarkt eingerichtet werden. — Die drei Töchter des Generals Genieau, Oberbefehlshaber der franz. Truppen in Rom, wurden von St. H. dem Pabst reich dotirt. Dem Sohne des Generals ward ein Majorat verliehen. —t In Nordamerika ließ neulich ein junger reicher Pflanzer eine Negerin peitschen. Vier andere Sclaven holten hierauf de» Pflanzer aus dem Bett und peitschten ihn zu Tode. Die Thäter wur- den aber vcrrathen und von der Lynchjustiz, der die Assisenverhand- lungen zu lange währten, aufgeknüpft. — In Warschau sind bereits 20,000 Menschen an der Cholera gestorben. ■— In Bonfeld (Würlemberg) wurden jüngst circa 300 Spatzen auf einen, Platze ganz zerfetzt lodt gefunden. Man erschöpft sich in Bermuthungen nach der Ursache, da die Gewitter nicht mit Schloßen begleitet waren. — (Hanf schützt gegen Raupen). DaS Verfahren, mit Hanf die Gemüscraupen abzuhalten, ist in andern Gegenden, z. B. in Westphalen, so bekannt und hat sich so oft und schon so lange daß Danzig zum preuß. Hauptkriegshafen benutzt werden soll. — Am 5. d. M. blieb bei Ulm ein Bahnzug, trotz Vorspann, flecken; als man nachsah, waren die Schienen mit Tausenden von Raupen bedeckt, welche durch das Zerquetschen die Bahn schlüpfrig machten. Ganze Rübenäcker haben die Thiere abgefreffen. — Neber den schon srüher gemeldeten Mord in Flörsheinr erfährt man folgendes Nähere: Der Wärter heißt Appel, war erst 4 Wochen mit seiner zweiten Frau verheirathet und als diese ihm das Nachtessen in's Bahnhäuschen brachte und mittheilte, daß sie bei der Kirchweihe von ihren Eltern kein Geld erhalten, lockte ir das arme Weib an das Mainufer, schlug sie dort unbarmherzig rmd warf sie dann, selbst bis an den Gürtel im Wasser watend, in die Fluthcn. Der Verbrecher soll ein schon längst übel berüchtigtes Subject sein. Man sagt, er habe sich im Gefängniß erhängt. — Den bäuerischen Bierbrauern, welche mit Anfang September Winterbier sieden wollten, wurde dicß nicht gestattet, da die häufigen Erscheinungen von Diarrhöe rc. offenbar dadurch vermehrt und am Ende gefährlich würden. — Die Tabakserndte in der Pfalz, Baden rc. hat überall begonnen und liefert in Qualität und Quantität ein ausgezeichnetes Resultat. Hohe Preise werden geboten. — Auch Die Hopfenerndte verspricht einen guten Ertrag. — Bei Bordeaux sind vor Kurzem zwei Locomotiven in einem Tunnet zusammengestoßen; 8 Reisende wurden erheblich verletzt. — In Frankreich sollen demnächst die Hazardspiele wieder erlaubt werden. — Ein Pariser Stadtsergeant, der einen Transport Hunde zum Abdecker begleitete und unterwegs einen davon erstach, von dem das Blut ihm eine kleine Handwunde bespritzte, ist an der Wasserscheu gestorben. — Es werden jetzt in Frankreich Brief-Freimarken mit dem Bildniß des Prinz-Präsidenten geprägt. — Zwei in London ausgestiegene Luftschiffer stürzten herab und blieben t§dt. ' , — In Nord-Italien, so in Lugano, wie in einzelnen Gegenden der Schweiz wurden die Felder von wolkendichten Schwärmen geflügelter Ameisen heimgesucht, die ordentlich den Himmel verdun- — 3" Wien werden Versuche mit Erzeugung und Benutzung i — Auf der Eisenbahn zwischen Heidelberg und Frankfurt von Schießbaumwolle im Großen gemacht und dazu ein eigenes f jüngst eine Kassette mit 1640 fl. abhanden. Ei» ähnlicher Laboratorium errichtet. fnin neulich auf einer preuß. Eisenbahn vor. — Nach dem „Danz. Dampfbvo!" wäre es ziemlich entschiede», ' .N 10. Beilage Auch in dem Aeitenfturm die Fiebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) 4. Nächtliche Erscheinung. In Bem Gefängnißgewölbe von Schloß Dannberg, dessen einziges vergittertes Fensterchen nach dem, in die Felsen gehauene», Graben zu ging, schimmerte von der Steindecke eine aufgehängte Leuchte und erhellte mit zweifelhaftem Scheine den beschränkten, unterirdischen Raum Auf einem nothdürftigen Lager ruhte der gefangene Henrich und stützte, den Ellenbogen auf das Knie gelehnt, den Kopf in die hohle Hand. Tausend Pläne und Ansichten, Meinungen und Entschlüsse, kühne Begriffe und verwegene Speculationen trieben sich, wie Gewitterwolken von Winden über Felsenriffe gepeitscht, in seinem Gehirne umher. Er fühlte sich angeregt, gehoben, wieder gestürzt und willenlos hin und her geschleudert. Er empfand die Eindrücke, aber er vermochte nicht, dieselben zu sichten und zu ordnen, noch weniger aber sie zu beherrschen. Bon einander überstürzenden, unklaren Empfindungen gemartert, sprang er jetzt aut und trat an das enge Fensterchen, durch das er hinaus in die kalte, vom Nebel umflorten Mond schwach erhellte, Winternacht starrte. „Hat er", begann er jetzt dumpf brütend, indem er die Hand an das Eisengitter krallte, „aus der verborgenen Walveseinsamkeit mich gezogen und willenlos in sein Schloß gebracht, so ist es auch jetzt seine verdammte Schuldigkeit mich auf dem Wege aufrecht zu erhalten, den er wandeln mich nicht allein lehrte — nein, den zu gehen er mich vielmehr gezwungen hat. — Warum ließ er mich nicht in meiner Köhlerhütte? — Mit beschränkten Kenntnissen verzehrte ich dort mein kärgliches Mahl, zufrieden mit meinen Verhältnissen und unbekannt mit der Welt politischen Händeln. — So aber muß er ans einer Jagd Gefallen an dem muntern Knaben finden, er reißt ihn aus den Armen der, jetzt längst entschlafenen, Eitern, lernt ihn höhere Bedürfnisse, geistigeres Leben kennen und nun der Mann die Frucht genießen will, die man dem Knaben vorgegaukelt, läßt man das schöne Traumbild ihm verschwinden und stößt ihn unbarmherzig hinaus in die Wildniß, die einst ihn geboren ! — Was ich gethan, war Nothwehr! — Wirf den Menschen in's schäumende Wasser und, um sich zu retten, reißt er den andern hinab in die Fluth — wer kann ihn des Mordes bezüch- tigen? Aber die Welt und ihre Gesetze denken anders, darum muß sie geändert werden diese Welt und vernichtet diese den Armen höhnenden Gesetze! — Zwar werden sie sich wehren. Aber nimm ein Beispiel daran, armer, gedrückter, mißhandelter Mensch, und gebrauche, gleich ihnen, die dir ebenfalls verliehenen Kräfte des Geistes und die Spann- und Schnellkraft deines Armes!" Mit entschlossenen Blicken schritt Henrich einigemal in dem Gewölbe hin und her, dann trat er wiederum zum Fenster und heftete den Blick voll heißer Sehnsucht auf die leicht bewegten Gipfel der schwarzen Tannen. „Die Zeit ist um und aus dem fernen Dorfe im Thalgrunde ! tönte schon des Wächters Horn den Ruf der Mitternacht. Hat sein ■ Zettel nicht gelogen, so ist der Augenblick nahe, wo ich Rechnung werde tragen können all' den Unbilden, die mir von grausamer Herren Hand geworden sind." Er lauschte nach der stillen Gegend, die ein leiser frostiger I Wind surrend durchstrich und langsamer dünkte ihm die Zeit ihreit ! Flug zu durcheilen. Da zeigte sich seinem ängstlich suchenden Blicke i ein leichter dunkler Punkt unter den Fichten und wie der Mond ! jetzt klareres Licht über die Berge sendet, so unterscheidet fein heißes \ Ange eine Gestalt, die in verschwommenen Umrissen winkt und Zeichen gibt. „Er kommt! — Es naht die Hülfe!" jubelte er leise. „Es schwebt mit florumspannten Dämonsflügeln heran die Rache, die Vergeltung!" Und sein Auge funkelte und die Brust schwellte hoffendes Ungestüm. Aber wie er mit mächtigem Verlangen hinaussah in die umschleierte Nacht, da blitzten ans den Felsen jenseits des Grabens Flammen auf und Schüsse knallten durch die schweigende Gegend. Hallo und Geschrei folgte dem donnernden Wiederhalle und gespen- sterhaft huschten schwarze Gestalten an den Föhren vorüber und glitten unheimlich hinab in's Thal. Dann ward es wieder stille und der eisige Wind strich mit seinem eintönigen Summen über die schwankenden Wipfel. Mit aufgerissenen Augen hatte er in das Helldunkel geschaut, mit angestrengtem Ohre gehorcht und wie die Gegend in theilnahm- losem Schweigen jetzt verharrte, so warf er sich mißmuthig auf sein hartes Lager. „Verloren! — Alles verloren!" (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Die „Prenß. Wehr;." macht darauf aufmerksam, wie trotz den Versicherungen tiefen Friedens gegenwärtig in Frankreich nicht unbedeutende Rüstungen, besonders Armirnng der Festungen, vor sich gehen; ebenso bei der Cavallerie. — Die „Kasseler Zeitung" vom 13. d. Mts. enthält das Ausschreiben des Finanzministeriums, die Aufnahme eines Anlehens von einer und einer halben Million Thalern betreffend — Die Todtenbunds - Untersuchung in Bremen ist nunmehr geschlossen. — Die „Augsb. Abdztg." bezeichnet Hof als den muihmaßlichen Ort, wo die Besprechung der Darmstädter Verbündeten in der Zollvereinsangelegenheit stattfinden soll. — Vorige Woche hat man die ganz zerstochene Leiche eines Dampfschiffkellners unterhalb Eöln aus dem Rhein gezogen. Er soll mit Matrosen Streit gehabt, so zugerichtet und ins Wasser geworfen worden fein. — Letzter Tage, Abends, wurde in Eöln ein junges Mädchen von einem jungen Burschen verfolgt und als sie ihn abgewiesen, mit einem Messerstich tractirt, der gefährlich lein soll. — Aus Spalt wird geschrieben, daß in diesem Jahre der Hopfen um 14 Tage früher reif geworden ist. Qualität ausgezeichnet, Quantität wie voriges Jahr. — In Gera erschoß sich jüngst ein allgemein geachteter Lieutenant. — Aus einer Statistik der englischen Assisen deS Monats Juli und August geht hervor, daß in dieser Zeit sünfundzwanzig Kindesmörderinnen vor Gericht gestanden. In den meisten Fällen wurden sie freigesprochen. — Der Ausbruch des Aetna währt fort und richtet vielen Schaden an. In sämmtlichen Kirchen der Insel werden deßhalb Bußgebete veranstaltet. 20 __ Die letzten Blätter aus New-Uork melden, daß cs dem j feine besten Kleider an, und verließ mit dem Mädchen seine Woh- dorligen preuß. General -Consul Schmilt gelungen, eine Fabrik i nung. Sie gingen nach der Ecke einer Straße, und in einiger preußischer Thalerscheine zu entdecken und aufzubeben. Die Scheine i Entfernung folgten ihnen drei Freunde des Mädchenö, welche viesem sollen äußerst täuschend nachgemachl sein. । im Falle der Noch beispringen sollten. Unterwegs tbeiUe ihr Joubert 5 mit, vaß er einem Freunve 1000 Pfd. angeboten habe, unter der j Bedingung, daß er ihm beistände, sie nochmals aus dem Hause ! ihrer Eltern zu entführen. Während sie sich unterhielten, nahm AM t 5 f e 1 l e 1t. Rebecca plötzlich ihren Hut ab, warf ihm in heftigen Worten sein ehrloses Benehmen vor, sagte ihm, daß sie von der Falschheit seines — Die See- Schauspiele, die man in Toulon zur Feier der Anweseitheit des Präsidenten vorbereitet, sollen das Großartigste sein, was Frankreich in der Art noch gesehen hat. Die Haupt- Scene wird den Rückzug der englischen Flotte im Jahre 1793 vorstellen. Schon jetzt wimmelt Toulon von Fremden, und alle Quartiere der Stadt sind schon bestellt. Als Ballsaal wird ein großes Amphitheater gebaut, dessen Hauptseite ein großartiges Diorama bilden soll. Aus Paris schreibt man unterm 8. Sept., daß täglich von Paris auf den Eisenbahnen von Lyon und Orleans ganze Convovs mit Geräthschaften für Feuerwerke, pyrotechnische Dinge aller Art, Fahnen, und eine Unzahl anderer Gegenstände abgingen, welche alle an die Städte und Orte geschickt würden, die der Prinz-Präsident der Republik auf seiner Reise etwa berühre unb die dann zu dessen Empfangsfeierlichkeit gebraucht werden sollen. Die Franzosen sind einmal das Volk der Diode und des Plaisirs, weßhalb denn auch aus lauter Langweile, Spielereien aller Art, sowohl im Großen, wie im Kleinen, getrieben werden. Der Präsident des Volks, des Vergnügens und der Mode macht eben eine Plaisir reise auf Rechnung und — des Volkes, auf welcher ihn Die Minister, wenn auch nicht des Mitgenusses halber, begleiten. Wie dankbar dich denn auch von dem Präsidenten anerkannt wird, geht daraus hervor, daß er zur Hebung der Gewerbe und für des gute müthigen Volkes Wohl und Glück und zu der Welt Ruhe und Frieden, — durch präsidentelles Decret, eine Reserve - Armee errichten kaffen will. — O du eben glückliches, und doch nicht beneidenswerthes, in kindlichem Plaisir schwelgendes Frankreich, mit deinen vielen glänzend-freudigen, ans Langweile dir selbst bereitenden Erlebnissen — und deinem guten Präsidenten der Republik ohne Republik und einem Gedanken-Kaiser als Embryo, eines jetzigen Plaisirreichs. Kein Reich und fein Land auf Erden vermag es, sich so überglücklich, über seinen oberen Verwallungs-Ehef, in Freudenbezeigungen zu ergießen und sich so darin zu erschöpfen, wie du, und doch Alles nur für diese Zeit, aus lauter Langweile und Mode! — — Zur Sittengeschichte N ord a merika's. Die amerikanischen Damen sind nicht so hilfsbedürftig, wie ihre Schwestern in der alten Welt, und wissen sich nöthigenfalls selbst Recht zu schaffen, ohne erst die Vermittlung des stärkeren Geschlechts in Anspruch zu nehmen. Ein Beispiel davon wird aus New-Orleans berichtet. Ein Fräulein, Rebecca Bernstein, halte sich von einem gewissen Joubert entführen lassen, war aber auf Befehl des Gerichts gezwungen worden, wieder zu ihren Verwandten zurückzukehren, denen es gelang, sie von der Verwerflichkeit' der Mittel zu überzeugen, durch die der junge Mann sie getäuscht hatte. Sie faßte nun, dis zum Wahnsinn erbittert über die Schmach, die er ihr angeihan, den Entschluß, unterstützt von einigen Verwandten und Freunden, eremplarische Rache an ihm zu nehmen. Sie suchte Joubert, der Kaufmann ist, eines Sonntags in feinem Laden auf, und lud ihn zu einem gemeinschaftlichen Spaziergänge ein, indem sie ihm zugleich sagte, daß es ihr gelungen sei, aus dem elterlichen Hause zu entfliehen. Der Vater Jouberts, der Gefahr fürchtete, wollte seinen Sohn nicht gehen lassen, aber dieser erklärte, daß er es mit der ganzen Welt aufnehmen wolle, wenn seine Rebecca bet ihm sei, zog feierlichen Eidschwures, daß er weder von Negerblut noch verhei- rathet sei, überzeugt sei, und zog dann so rasch, daß es ihm nicht möglich war, bei Seite zu treten, ein Pistol hervor und drückte loS. Die Kugel fuhr ihm durch die linke Backe und zerschmetterte die Backzähne. Joubert wankte, aber das Mädchen zog in seiner Verzweiflung noch ein zweites Pistol, hielt es ihm dicht vor das Gesicht und drückte los. Dießmal versagte die Waffe jedoch, und die Freunde des Mädchens, die von Joubert Gewalt fürchteten, eilten jetzt herbei, um sie zu unterstützen, Einer derselben trat mit dem Pistol in der Hand vor den Verwundeten hin und bot ihm einen ehrlichen Zweikampf an, aber Rebecca erklärte, daß sie sich selbst Recht verschaffen wollte, entriß ihrem Freunde das dritte Pistol, und versuchte noch einmal, ihren Verführer zu erschießen. Joubert zog sich zurück, wie das wüthende Mädchen auf ihn losging, und verdankte ftine Rettung nur dem Umstande, daß Rebecca mit der Waffe nickt umzugehen wußte. Es begann jetzt eine Unterhandlung, und Joubert erklärte vor der versammelten Menge, daß er mit Rebecca, seitdem tiefe das elterliche Haus verlassen, nur zwei Mal zusammen gewesen sei. Er sprach die größte Reue über feine verbrecherische Absicht und seine früheren Täuschungen aus, und gab zu, daß ihm nur nach Verdienst geschehen. Da diese Erklärungen den Betheiligten genügend erschienen, fuhren sie in einem Wagen von dannen und überließen es Joubert, sich seine Wunden verbinden zu lassen. Als der Scandal fast zu Ende war, kam ein Polizeidiener dazu und wollte das Mädchen verhaften; da aber Joubert erklärte, et hätte keine Anklage gegen sie zu machen, und habe verdient, was ihm widerfahren, so sah sich der Polizeidiener nicht veranlaßt, weiter einzuschreiten. AnecÄote. — Eine Anecdote aus dem Leben. In einer der größten voigtländischen Städte lebt ein Wirth, ein wahres Original, dessen von einem beständigen Bierrausche umbämmerter Geist zuweilen auf die allerseltsamsten Einfälle kommt. Einmal besucht ein Stadtkind, das als Gymnasiast oft ein Gast des Hauses gewesen war, in der Ferienzeit zum ersten Male als Student nach langer Abwesenheit den Stammtisch wieder. Kaum eingetreten, wird er von dem am Ofen sitzenden Wirthe, dessen Gedächtniß in den Fluthen des Bieres etwas schwach geworden ist, mit dem freundschaftlichen Vorwurfe empfangen : „Nu, uf Sie könnt' ich recht bös fein ! So lang wegzubleiben und waren doch früher alle Tag' da." Der Student entschuldigt sich mit seiner Abwesenheit und macht dem Wirth bemerklich, daß er gegenwärtig in Leipzig studire. „Ah su! Se studiren ja! Nu, was studiren's denn?" „Theologie", lautete die Antwort. Der Wirth sinnt eine Weile nach, die Hände über den Bauch gefaltet, und giebt endlich das Resultat seines Nachdenkens durch den Orakelspruch zu erkennen: „Wissen Sc, Herr Studente, trenn ich was zu befehlen hätte, so müßten alle Theologen een Jahr uf de Wanderschaft gehen, damit sie die fremden Religionen kennen lernten! ytcoaciion, Druck unO Vetllrg von ti>. D> Druhl 1. M II Beilage. Auch in dem Keitenftnrm die Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung) Noch oftmals wiederholle er die Worte in leisem Murmeln und schwächer dann und immer schwächer, bis sich sein Auge zu umdüstern begann und der gereizte Augenstern der Erde Bilder, von der Nacht umtaumelt, nicht mehr in sich saugen wollte. War cs der Schlaf, war er es nicht? — Bewußt- und theilnahmlos sank er zurück, doch in dem Innern des Gehirns brannte lichterlohes Feuer und verzehrte die Kühle, wenn sic erquickend um die Stirne ihm sich schlingen wollte. Die Winternacht war hingeeilt bis zur zweiten Stunde und von der Schloßuhr zitterte noch der leise Glockenschlag durch die Stille, da warf der Gefangene sich auf die Seite seines Lagers und strich die Haare von der Schweiß benetzten Stirne, als ob er die wilden Gebilde, die erbarmungslos im Schlafe ihn gehetzt, dort verwischen wollte. Und wie sein Auge auf der kleinen Kcrkerthüre absichtslos verweilte, da war es ihm, als ob der Riegel klirrte. Er richtete sich empor und horchte, sich zu überzeugen, ob nicht ein wiederholtes Zerrbild ihn äffen wollte; aber deutlicher und erkennbarer traf der leise klirrende Ton sein Ohr und wie er angestrengt und ängstlich schaute, so regte sich auch die Thüre und es trat mit unhörbarem, leichtem Fuße herein — eine Fraucngcstalt, in weite Gewänder gehüllt und das Haupt dicht umschleiert. Starr wurzelte sein Auge auf der nächtlichen Erscheinung, die jetzt die faltenreichen Gewänder leise rauschend bewegte, und mit der Hand langsam und bedeutungsvoll winkte, die Stelle zu verlassen. „Wer bist du", rief er nun mit metallloser, heiserer Stimme aus, „daß du herabsteigest in die Höhle, wo das Elend nistet und die Welt ihre eigene Verworfenheit und Schande vor dem Rächcr- auge verbirgt?" Keine Antwort, nur leises Seufzen stahl sich aus der Verhüllung und die Gestalt wendete sich, wie in Bewegung, auf die Seite. Bald aber hob sie abermals den Arm und wiederholte ihr bedeutungsvolles Winken. „Ich soll dir folgen?" Die Erscheinung neigte bejahend das Haupt. „Und wer bürgt mir dafür, daß deine Schritte nicht in's Verderben führen?" Die Gestalt schritt zurück, heftete das verschleierte Antlitz wie betreten auf den Fragenden, dann legte sie die Hand auf das Herz. „Du willst mich befreien?" Das verhüllte Frauenbild öffnete rasch die Thüre. „Ich habe die Hefe des Lebens bereits gekostet und die Zukunst vermag nur Besseres mir zu bieten. — Warum sollte ich also zagen? — Vorwärts, ich folge dir !" Rasch wendete sich jetzt die Gestalt und schritt geräuschlos durch die Kerkerthüre auf den engen Gang, den daö Mondlicht undeutlich erhellte. Henrich folgte mit vorsichtigem Tritte und laut pochendem Herzen, erwärmt von dem Strahle der Hoffnung und durchbebt von dem Spukhaften der Führung. So ging es hinauf über die enge Wendeltreppe, unaufgehalten, von keinem Wächter belästiget und überall öffneten sich gehorsam die verschlossenen Pforten. Der stillen Brücke entlang war er der Führerin gefolgt und von dem frischen Schneewinde umspielt, betrat sein Fuß die Außenseite des Grabens, wo noch das letzte Gitter seine Flügel aufsperrte und ihm die vollste Freiheit gewährte. Die Gestalt hemmte ihren Schritt und deutete nach dem nahen Fichtenwalde. „Wer du auch sein magst, Unbekannte, ich danke dir. — Doch soll ich nie erfahren, wer dem Unglücklichen solchen Antheil gewidmet hat?" Die Befragte schüttelte verneinend das Haupt und winkte abwehrend mit der Hand. Henrich blieb sinnend stehen. Hoffnungen, die er leise und verstohlen früher nährte, und die er kaum sich selbst zu gestehen wagte, blitzten ein trügerisches, neckendes Feuer. „Wenn sie es wäre? — Wenn sie, entschlossener als du, kund gäbe das verschwiegene Leben des Herzens? — Und du zagst noch und hast nicht den Muth, ein Gleiches zu wagen?" Und abermals und dringender winkte die Gestalt zur schleunigen Entfernung, aber Henrich trat mit kühnem Entschlüsse auf sie zu und faßte krampfhaft die winkende Hand : „Soll ich mein Glück nur ahnen, ihm nicht auch in’S offene Auge sehen? Halber Genuß ist Qual! — Parum verlasse ich dich nicht, Du zeigest mir denn das holde Antlitz, das mir die Seligkeit in feenreicher Wahrheit lächelt!" , ' Das Frauenbild wollte entfliehen, er aber schwang rasch seinen kräftigen Arm um den schlanken Leib und zog es näher zu dem Dunkel der schwarzen Fichten. „Barmherzigkeit!" flehte die Ergriffene und hob den Arm zu dem Himmel. Da wich treulos die Umhüllung von dem Haupte und der Mond spiegelte sich in einem schmerzerfüllten Auge. Ungestüm preßte er jetzt die Flehende an die wild pochende Brust, doch wie er die Retterin weiter in des Waldes Dunkel zerren wollte, so wurden Schritte laut, die über gefrorne Wurzeln knarrten und Stimmen riefen verstohlen und leise. Da ließ Henrich ab von seinem frevelhaften Beginnen und eilte, von der drohenden Gefahr erschreckt, flüchtig zur Thalschlucht, das Frauenbild aber huschte mit gespensterhafier Schnelle zurück zum Schlosse. (Fortsetzung folgt.) Was giebt es Neues? — Die Manöver der Gr. Hess. Truppen haben am 20. Sept, bei Seeheim begonnen und erstrecken sich nach dem Frankenstein und durch das Mühlthal bis Oberramstadt. — Die neuliche Berliner Depesche wird dahin berichtet: Preußen habe nur die genannten Staaten geladen, es sei aber unrichtig, daß es erklärt, mit den andern nicht mehr verhandeln zu wollen. — Die weitere Reise des Prinz-Präsidenten von Frankreich ist von denselben Resultaten begleitet, die wir bereits zu Anfang desselben berichteten. In Moulins wurden so viele Kränze und Blumen in und um den Wagen geworfen, daß die Pferde kaum fortkommen konnten. Unaufhörliche Rufe : „Es lebe der Kaiser!" — Auch bei München regnete es so anhaltend, daß das Militär wahrscheinlich das Uebungslager nicht beziehen kann. — Der Luftschiffer Poitevin war in London der Tierquälerei angeklagt, weil er mit einem Pony aufgestiegen. Er wurde freigesprochen. Seine Frau aber, die als „Europa" auf titiem jungen Stiere in die Luft fuhr, mußte 5 Pf. St. Strafe zahlen, weil der Skier, welches eigentlich eine junge — Kuh war, so übel zur Erde kam, daß er todtgeschlagen werden mußte. „Eraminer" fragt mit ächt englischer Derbheit, wer hier eigentlich die Bestie sei?! 22 — Ein Ertrablättchen der „Baseler Ztg." meldet : „Wir sind für heute in die Unmöglichkeit versetzt, unser Blatt erscheinen zu lassen. In Folge des Steigens des Rheines, wie cs seit 18 17 nicht mehr der Fall war, ist unsere Druckerei unter Wasser gesetzt, und wir können daher weiter nichts thun, als unser» Lesern diese kurze Anzeige, die in einer andern Officin gedruckt wird, mittheilen." — Durch den am 16., 17. und 18. Sept, angehaltenen Regen, und durch den Zufluß der Aar, hat der Rhein eine Höhe erreicht, welche die von 1824 weit übertrifft. Bei Sickingen, sowie an mehreren anderen Stellen, sind die Rheindämme durchgebrochen und haben die Fluthen vielen Schaden und Verwüstungen an Häusern und Feldern angerichtet. Das Militär wurde zur Herstellung der Dämme requirirt — Durch die starken Regengüsse ist die Donau 11% Fuß über das Mittelwasser gestiegen und überfluthet die Sohle des im Bau begriffenen Mittelpfeilers zu der über die Donau bei Ulm geführt werdenden Eisenbahnbrücke. — Am 15. Oct. wird die Neunkircher-, Saarbrücker-, Forbacher- Eisenbahn eröffnet und damit die direcie Verbindung zwischen Ludwigshafen und Paris hergestellt. Ebenso auch zwischen hier und Paris, durch Benutzung der Main-Weser- und Main-Neckarbahn bis Mannheim (Anschluß Ludwigshafen). — In Karschaü in Ungarn wurde am 12. Sept, eine Blutspelunke entdeckt, fn,,.welche ein junges Mädchen Männer mit List hineinlockte und diese sodann mit Veihülfe Bewaffneter ermordete und stch ihrer Habe bemächtigte. Sieben Männer verschwanden in einigen Wochen spurlos in Karschaü, ohne daß Jemand auch nur im Geringsten Auskunft darüber hätte geben können; bis endlich die Polizei der Mördergrube auf die Spur kam und die bewaffneten Raubmörder festnehmcn ließ. Die angestellte Untersuchung wird das Nähere ergeben. — Toulon will Lyon, woselbst Louis Napoleon mit unbeschreiblichem Jubel empfangen wurde, wo möglich noch überbieten. — Man ist allgemein der Meinung, daß noch dieses Jahr das Kaiserreich proclamirt wird. — Der englische Standard läßt sich aus Rom d. d. 4. September schreiben: „Ein amerikanischer Gentleman, der sich in Cali- fornien ein Vermögen von mehreren Millionen Dollars gemacht hat, ist in Rom angekommen, um Sr. Heil, dem Pabst Pius IX. eine zu 80,000 D. geschätzte Probe des gelben Metalls zum Geschenk anzubieten." — In der „A. A. Ztg." finden wir die Notiz, daß ein Hr. Nr. Reimann in Berlin, welcher schon viele Schwindsüchtige geheilt, kürzlich wieder eine Dame, die durch das beständige Zehrfieber schon zum Skelett abgemagert war, gerettet habe. Er öffnete ihr die Brust und entfernte die große Eitermaffe. Die Patientin ist ganz wohl. — Bei der Enthüllung der Statue des Kaisers Napoleon in Lyon schloß eine Rede des Prinz-Präsidenten so : „Wenn der bescheidene Titel Präsident die große Mission erleichtern konnte, die mir anvertraut ist untr vor der ich nicht zurückschrack, so bin ich es nicht, der aus persönlichem Interesse diesen Titel gegen den des Kaisers umzuändern wünschte." ,— Der neuerliche Ausbruch des Aetna hat schauerliche Verwüstungen angestellt. Die armen Leute, die endlich mit aller Mühe dem unfruchtbaren Boden etwas abgewonnen, mußten händeringend zusehcn, wie der glühende Lavastrom sich unter doniierühnlichem Gekrache aus dem Vulkan erhob und über ihre Felder und Weinberge ergoß, Alles verheerend und zerstörend. Das Brechen der Obstbäumk, das Fortbrenncn der Rebstöcke, gewährte ein schreckliches Schauspiel! — Dw Herzogin von Orleans, welche gegenwärtig in der Schweiz reist, wurde sammt ihrer Begleitung durch Unvorsichtigkeit des Kut- schers in einen gefüllten Graben geworfen. Die Herzogin soll das Schlüpelbein gebrochen haben und die klebrigen schwer verletzt stin. BWlff von Paris ist in Mainz angekommen und im blschosttchen Palais abgestiegen. letzte Woche griff in der Umgegend von Rom eine Räuberbande einen französischen Bagagewagen, der eine Geldkasse mit sich a, ,nn' uni> "aEdem die Escorte entwaffnet, brachte sie die „Prile" in Sicherheit. ~ Die Banditen sind auch theilweise beritten und erstaunlich wählerisch bei dem Fange. Reisende haben nur ihr Geld zu spendwen, Uhren, Edelsteine und dergl. verschmähen die Buschklepper. Bei Biebrich wird eine große Glasfabrik errichtet, in dortiger Gegend die erste. — Die österr. Beamten dürfen fortan keine Voll- und Knebelbarte mehr tragen. — Jenny Lind-Goldschmidt hat 400,000 Rthlr. Zettel zur Errichtung von Mädchenschulen in Schweden geschenkt. ^aubt, ganz England werde wegen dem Hinscheiden Wellingthows freiwillig Trauer anlegen. — In Nevers sollen nächtlicher Meile aufrührerische Plakate angeschlagen, von der Polizei entfernt und mehrere Personen verhaftet worden sein. — Die ausgetretenen Flüsse und Bäche in der Schweiz richteten große Verheerungen an. Der Rhein steigt noch fortwährend. Die Brücken bei Hüningen und Basel sollen weggerissen sein. Bei Straßburg macht das Militair Schutzdämme und die Wohnungen auf der Rheininsel wurden geräumt. Weiter oben stehen die Felder unter Wasser, so daß nur die halben Aeste der Bäume sichtbar sind und die Leute, im Nachen herumfahrend, das Obst einheimsen. — Da in der Pfalz die Hopfen- und Tabakserndte alle Hände in Anspruch nimmt, so haben auch die Kinder „Hopfen- und Tabaks- fcrien" erhalten. — Dagegen lauten die Nachrichten aus der Pfalz beunruhigend. Die fatale nasse Witterung mach- die Trauben alle faul und die Hoffnung auf einen 1846er zu Wasser. M i s c e l l e n. — Nach dem „Morning Chronicle" will ein Engländer Namens Brown ein neues Constructionssystem für Schiffe erfunden haben. Er will Dampfer bauen, mit denen in 48 Stunden der Weg nach Amerika zurückgelegt wird und in 15 Tagen die Strecke nach Indien und zurück. Die Schiffe sollen ungeheuer groß sein und Wogen und Stürmen leicht widerstehen können. Dabei ist ihre Bewegung so gleichförmig, daß es auf denselben keine Seekrankheit mehr gibt. Was will man mehr? — Ein sächsischer Förster, Namens Gastell, „der nunmehr 82 Jahre alt geworden und das Geheimniß nicht mit in die Erde nehmen will", veröffentlicht unter den Inseraten der Leipziger Ztg. vom 7. September nachstehendes Mittel gegen den Biß toller Hunde, welches er seit 50 Jahren gebraucht und womit er vielen Menschen und Vieh geholfen haben will : Man besorge sogleich warmen Essig, oder laues Wasser, wasche die Wunde aus und trockne sie; alsdann gieße man einige Tropfen mineralische Salzsäure in die Wunde, weil mineralische Säure das Speichelgift auflos't, wodurch die böse Wirkung aufgehoben wird. — Ein Amerikaner will eine Flinte erfunden haben, die wenig schwerer als eine gewöhnliche sei und mit der man in anderthalb Minuten 50 Schüsse losfeuern kann. Redaciion, Druck und Verlag von G. D. Brühl I. 12. Beilage. Auch in -em Aeitensturm die Fiebe. Novelle aus dein Frühjahre 1848. (Fortsetzung.) 5. Quälender Argwohn. Die flüsternden Stimmen wurden vernehmbarer und aus dem Dickicht des Waldes schritten Männer jetzt hervor, deren Waffen im Mondscheine blinkten. „Sah'st du genau und hast dech nicht geirrt?" „Mein Auge sieht wie ein Käuzlein in der Nacht. Es war ein schlanker, junger Mann mit einem Barke, der wie ein aufgescheuchter Hirsch durch das niedere Strauchwerk von dannen floh." „Und er kam vom Schlosse ?" „Wie ich nicht anders zu glauben vermag. Er wird wohl eine Liebste dort haben, mit welcher ein Stelldichein stattgefunden hat. — Sie herzten und küßten sich und wie wir nahten, stoben sie auseinander." „Das Frauenbild in's Schloß?" „Also habe ich genau wahrgenommen. — Sie hatte Mühe, ihre zerzausten Gewänder in Ordnung zu bringen." „Ihre Gewänder!" lächelte der Frager und zuckte wie spottend die Achseln. „Gnädiger Herr", erwiederte der Andere gleichsam beleidigt, „das Liebcken war weder eine Magd, noch eine Bauerndirne, vielmehr ein stattliches Frauenbild, so eine — Dame." Betreten fuhr der Erstere zurück, dann schränkte er seine Arme und blickte sinnend bald auf die gefrorne Erde, bald auf die nicht erleuchteten Fenster des Schlosses. „Im Schlosse weilet nur Thekla und die Tante — doch ja, auch die Kammerzofe", murmelte er leise für sich hin. — „Wer hätte zu später Nachtzeit diesen abenteuerlichen Schritt gewagt? — Eusebta — ? — Nicht glaublich! — Die Zofe — ? Nicht möglich ! — Aber — aber — O, hinweg mit solchen entsetzenvollcn Gedanken! Wie kann ich zweifeln an dem reinen Sonnenlichte, wenn sein sanfter Strahl mir Lebensfeuer in die Adern gießt?" Der Begleiter hatte sich entfernt und verweilte am Abhange unter den schwankenden Fichten bei den andern ihm gefolgten Genossen. Alle sahen erwartungsvoll auf den jetzt hin und her schreitenden Herrn, der bald unverständliches Selbstgespräch vernehmen ließ, bald mit verstummtem Munde starr nach dem alten Dannberg blickte. Der Mond, von Wolken seither überdeckt, trat jetzt mit freundlich klarem Lichte hervor und sein milder Schein läßt uns in dem allein hin und her Wandelnden den jungen Baron Marnstein und sein Gefolge, als eine Schaar bewehrter Diener und Jäger erkennen. Die letzteren blickten nach einer Weile fragend und verwundert einander an. „WaS sollen wir denn hier? — Es ist doch ein seltsames Ding, um Mitternacht schnell aufzubrechen und durch wilde Hecken und steif gefrontes Reisig über Berg und Thal zu eilen! — Wenn uns vielleicht ein verirrter Wanderer gefchen hat, so werden wir morgen vom wilden Jäger Horen, der nächtlicher Weile vom Marnstein zum einsamen Dannberg gefahren ist." „Still, still!" flüsterte ein Anderer. „Der gnädige Herr kommt auf uns zu. Nun wird sich das Näthsel losen." Der Baron kam zu seinen Dienern. Sein Gesicht war bleich und das Auge funkelte wild. „Folgt mir; aber leise und schweigend, damit unser Nahen nicht Schrecken errege." Kaum hörbar schritt die gesammte Schaar zum Dannberge heran und der Baron eilte auf das außerhalb des Grabens befindliche Gitter. Es war verschlossen. Er untersuchte und drückte an der Klinke, wie jedoch diese klirrend zurückfuhr, rasselte cs jenseits mit Ketten, polterten Tritte und die wachsamen Doggen bellten, daß es laut an den Mauern und fern aus den waldigen Bergkronen wiederhallte. Mit diesem Getöse ward es aber auch lebendig in den Fenstern der kleineren Wirthschaftsgebäude. Stimmen riefen, Tbüren rasselten und knarrten und in kurzer Zeit eilten bewaffnete Männer durch den Hof und der alte Jäger Bertram trat mit der gespannten Doppelflinte an das jenseitige Ufer des Grabens. „Wer da?" war sein trotziger und entschlossener -Ruf. „Bertram, ich bin cs mit meinen Leuten. Kennst du meine Stimme?" „Ei freilich, Herr Baron; jetzt kann ich Sie auch bei dem Mondlicht ganz genau erkennen. — Was führt Sie denn zu dieser Frühstunde hierher? — Hat Sie das Bauernpack auch verjagt?" „Schweige und wehre deinen Hunden ab, dann öffne und du sollst Alles erfahren." „Raß, Dian, Karo, kusch! rief der Einäugige und die Köder schlüpften verstummt in ihre Hütten. Jetzt schlarfte der Alte in seinen Pelzsockcn über die Brücke und öffnete mit dein Schlüssel das Gitter. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Die Nachrichten über die Cornplotte gegen das Leben des Prinz-Präsidenten Louis Napoleon bestätigen sich vollkommen. Die große Höllenmaschine wurde in 28 Theilen von ebensovielen Individuen angefertigt und wurde erst am Tage vor L. N's. Einzug in Marseille in einem eigens gemietheten Hause, an welchem der Zug vorübcrkommen sollte, aufgestellt. Der Polizeiconunissär, der die ganze Sache sammt den Urhebern kannte, machte Abends 10 Uhr mit 10 Agenten in jenem Hause einen höchst unerwarteten Besuch und nahm das Mordinstruntent in Verwahrung. Ein Betheiligter wurde im Hause, die andern gleichzeitig in ihren resp. Wohnungen arretirt. — Für die vor einiger Zeit in Floren; zu SOjähriger Galeerenstrafe verurtheilten Madini's, welches Urtel deßhalb erfolgte, weil diese beiden Personen von der katholischen zur protestantischen Kirche übertraten, verwenden sich im Augenblick viele und angesehene Protestanten in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. __ Der mit der bayerischen Regierung abgeschlossene Staats- Vertrag über die Mainz-Ludwigshafener Eisenbahn hat die Genehmigung S. k. H. des Großherzogs von Hessen erhalten. — Bei den pfälzischen Gerichten haben sich jüngst wieder zwei seither im Eril gelebt habende Revolutionsbetheiligte freiwillig gestellt. Der Eine wurde s. Z. zum Tod, der Andere zu einjähriger Haft verurtheill. Man glaubt, cs würden nächstens noch mehrere diesem Beispiel folgen. — Unlängst bekannte ein Sträfling in Marburg, der wegen eines Mordes saß, sich ohne Grund eines zweiten Mordes schuldig, blos, um während der Untersuchung von einem Ort zum andern gebracht zu werden, und Luftveränderung zu haben. Ml i s c e l l e n. kommen." — Man gab ihr drei davonkommen. Unfall eines amerikanischen Dampfboots. — Schon wieder ein Druck und Verlag Der tV- D. Brühlsictzen Buch-- und SteiuDluckerei. blieben auf dem Platze. wurden, sind seitdem 4 gestorben. Das Verbiet des Untersuchungsrichters lautete auf zufälliges Verunglücken. — Auf einer Barke, die von Panama nach Honolulu fuhr, wurde ein Deutscher, der einen Mord begangen, von den Passagieren (114 gegen 32 Stimmen) zum Tod verurtheilt. Dem Spruch folgte alsbald Vie Vollziehung. Bei Bristol sprang der Kessel des Reindeer, unv 28 Personen Von 20 Andern, die furchtbar verbrüht — In Magdeburg wollte sich vor einiger Zeit ein junger Mann dadurch um's Leben bringen, daß er einen Pf-ifenkopf mit Pulver stopfte, brennenden Schwamm darauf legte und das Ganze in den Mund führte. Dasselbe Verfahren ließ sich letzter Tage ein dortiges Dienstmädchen beikommen, aber, wie dem jungen Mann, zerriß ibr das erplodirende Pulver nicht den Kopf, sondern bloß den Mund. — In Pesth wurden jüngst wieder ausrührerische Proclamatconen angeklebt gefunden und heimlich Koffuth's - Bildnisse ausgestreut. Erstere riß die Polizei herab, letztere wurden freiwillig der Behörde übermacht. und sie gleich verhafteten. — In den Vereinigten Staaten gehören Ehescheidungen zu den größten Alltäglichkeiten. Die Lerington Sentinel erzählt, cm Staate Missistppi, Grafschaft Holmes, lebe eine noch rüstige, gut confervnte Frau, die sich 1823 im September zum ersten Male verehelichte, sich aber sofort scheiden ließ und dann noch drei Manner nahm, von denen sie ebenfalls wieder geschieden wurde. Um das funsundzwanzigjährige Gedächiniß ihrer ersten Ehe würdig zu begehen, schied sie sich 1848 non ihrem vierten Manne, wohnte dem peichenbcgcuig- nisse des zweiten bei und heirathete den ersten wieder. Die Heiraths- Ceremonien dieser fünften Ehe wurden von dem dritten Manne vollzogen. Seil vier Jahren lebt sie mit ihrem fünften oder bester gesagt ersten Manne im besten Einverständniß. — Nach der „Ea.ladian Tribüne" starb in der Nahe von Montreal, in Berlhier, ein Hr. Karl Boucher, 106 Jahre alt. Er war dreimal verheiralhet und Vater von sechsz.g Kindern. Es überleben ihn 43 Kinder, 66 Enkel, 13 Urenkel, 20 Neffen, 70 Ur-Neffen und 12 Ur-Ur-Neffen. i — Nach den letzten Nachrichten aus Bombay vom 6. August ! sind in den englischen Besitzungen Ostindiens ungewöhnlich viele I Schlaganfälle und Sonnenstiche vorgekommen, und die hitzigen Fieber ! haben außerordentlich viele Opfer gefordert. Durch zu häufigen ' Regen soll die Indigo-Aerndte fast ganz zu Grunde Mangen sein. I __ In Manchester starb kürzlich ein Gerber, welcher 2t)0,000 Pfd. St. hinterließ, die er in seinem Geschäfte erworben. i — (Gemüsereinigung). Wer nicht Lust und Zelt ha, i Schnecken und Würmer vom Gemüse, Salat rc abzulesen, der lege ! die Pflanzen nur ein paar Minuten in Salzwafser, woraus alles Ungeziefer schnell die Pflanzen verläßt und wdt umherschwimmt. In England steht daher zu diesem Behufe stets ein Gefäß Mit Salz, wasser in der Küche.____________________________ ____ in Berlin geweiht. , , — Neulich kamen in das bad. Amt Blumenfeld zwei Mönche, . ein Capuciner und ein Benediktiner; beide waren vor 20 Jahren als Uhrenhändler fortgezogen und widmeten sich in Italien ihrem jetzigen Stand. Deutsch sprechen sie nur noch gebrochen. . — Die günstigen Erfolge der Reise Louis Napoleons lin Süden Frankreichs üben an der Pariser Börse, wie nalürtich, den besten Einfluß. Der Präsident hat unter den größtmöglichen Acclama- tionen und Kaiserrufen Lyon verlassen und sich in's Jsere-Departement begeben. Auch dort der wärmste Empfang. In Grenoble begrüßten ihn unaufhörliche Kanonensalven van der Citadelle und ebenfalls wieder enthusiastische Ruse : „Es lebe der Kaiser!" Die ganze Stadt war illuminirt. __ Einem Schreiben aus Marseille vom 20. Sept, zufolge, ist am Frühmorgen dieses Tages das angefertigte Feuerwerk durch das zufällige Erplodiren einer Bombe in die Luft geflogen. Das Dach der Werkstätte wurde abgehoben und das Gebäude fast gänzlich in j Trümmer gelegt. Einige Personen erhielten schwere Verwundungen. ; Der Director der Fabrik wird wahrscheinlich nicht mit dem Leben i 24 __ Ein Königsberger Schuhmacher lud in diesen Tagen zur Taufe seines achten Kindes sämmtliche Landtags-Deputirte als Zeugen ein. Dieselben nahmen die Einladung an, ließen sich durch einen aus ihrer Mitte bei der Taufhandlung, welche in der katholischen Kirche Statt fand, vertreten und dem Vater veS Täuflings ein Pathengeschenk von zwanzig Thalern überreichen. „ f . __ Bei Gonsenbeim wurde ein in Mainz m Arbeit stehender Bäckerqesell durch viele Messerstich- ermordet gefunden. Sieben Gulden und eine Uhr hat der Mörder seinem Opfer entwunden. __ In Bern wurden kürzlich zwei lebendige, nur nut Maulkörben ^versehene Wölfe, die im Ganten Waadt eingefangen worden, in den Straßen herumgeführt. __ Vom Straßburger Münster aus gesehen, soll die dortige Gegend während der letzten Zeit das Bild eines großen S-e's abgegeben haben. Die Telearaphenstangen und die oberen Theile der Bäume, die noch aus dem Wasser hervorragren, bezeichneten die — Die Zahl der auf der letzten Frankfurter Herbstmesse umgesetzten Bürden Leder beläuft sich auf 9 bis 10000. __ Man schreibt aus Weimar : Unsere Regierung hat soeben die Nachricht erhalten, daß ein kürzlich in Paris verstorbener wohlhabender Mann, Namens Leidersdorf, den Nachkommen Schülers in männlicher Linie eine ewige Rente von 400 Thalern vermacht hat. __ Aus Duderstadt wird vom 20. Sept, gemeldet: Eine furchtbare Feuersbrunst hat bereits 250 Häuser und 110 Scheunen und Stallungen in Asche gelegt und noch ist dem Element k-m E-nhalt 9Ct— $or Beginn dieses Jahres, bis halben November, wurden in Hamburg 23,457 Zwischendecks-Passagiere eingesch'fft. __ Bei einer kürzlich von der Jrvingianer-Gemeinde in Liegultz abgehaltenen Abendmahlsfeier fungirte ein Schn-iderges-Ue als Pn-st-r, ein Schuh- und Stellmacher als Diakonen. Sie sind dazu eigendv — Eine Spitzenarbeiterin hat vor Kurzem zu Paris durch Geistesgegenwart sich und ihr Eigenthum zu schützen gewußt. Fräulein Rosalie D.... kam Abends gegen 9 Uhr nach Hause zurück und fand zu ihrem Erstaunen Licht in ihrem Zimmer, das halb offen war. Sie trat ein und fand zwei Männer damit beschäftigt, ihre Wäsche und Habseligkeiten einzupacken. Einer der beiden Kerle trat mit drohender Haltung auf st- zu, sie verlor aber nicht die Fassung und sagte : „Verzeihen Sie, komme ich hier nicht recht 1 Wohnt hier nickst Fräulein Rosalie!"— „So ist es", erwnderte einer der Diebe; „sie ist aber nicht hier und wird sehr spat nach Hause kommen." — „Ich bin Ihnen dann recht sehr verbunden" , antwortete das muthige Mädchen, „wenn Sie ihr sagen wollten , daß - " Mit diesen Worten eilt |ie ihre Freundin Marie hier gewesen." aus dem Haus- nach der nächsten Wache. Soldaten mit, welche die beiden Diebe noch bei ihrer Arbeit fanden fl li E fi C u l< Bi u 2 a G g ei d f n S r s k l S f c j ä i I r e l r e e i r x 1 l .,N 13. Beilage. Auch in -em Keitensturm -ie Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung.) „Hagel und Donner, eine ganze Compagnie! — Was hat sich denn ereignet?" „Bei mir, gar nichts", entgegnete Marnstein und seine Augen liefen suchend an den Fenstern des Herrenhauses umher. „Aber bei Euch? — Was war das für ein Schießen um Mitternacht?" „Dacht' ich mir es doch gleich", rief Bertram und schlug freudig überzeugt in die Hände, „daß Sie unfern Herrn nicht im Stiche lassen würden, wenn ihm etwa auch so eine nächtliche Brand- und Demolirungsvisite betrunkener und rasender Bauern, wie unlängst dein Herrn Grafen Elsterbach, zugedacht werden sollte! Aber bei uns hat das keine Gefabr. Wie Sie sehen, stehen wir alle unfern Mann." „Aber das heutige Schießen?" „Ja so. — Hatte gar nichts auf sich. — Unser gefangener Wilddieb und Mordatteutater, wie der Amtsschreiber sagt, sollte aus seinem Loche geschafft werden. Bertram aber sieht mit seinem Einauge scharf genug und seine Hunde haben gute Nasen. Da geriethen wir ihnen auf die Fährte und da gab es eben Pis, Pas!" „Niemand verwundet?" „Geschweißt hat es. Es waren Nummer drei." „Wir werden bei dir auf einen Augenblick eintreten und nach einiger Rast entfernen wir uns wieder; ich will nicht, daß man die Herrschaft weiter störe. — Schlagen deine Hunde immer einen solchen Höllenlärm?" „Immer. — Nur bei mir und bei dem gnädigen Fräulein machen die Bestien eine Ausnahme. Zwar aus ganz verschiedenen Beweggründen. Bei mir wegen der Peitsche, bei dem gnädigen Fräulein wegen der Brocken." Marnstein durchrieselte Kälte, eisiger als jene, welche um seine Wange schnitt. Er blieb wie angewurzelt stehen und blickte unwill- kührlich hinauf zu gewissen Fenstern, die ihn an so Manches freundlich erinnerten. Und wie er so verstummt hinaufschaute, da wechselten plötzlich Lichter durch die Stuben, Schellen wurden laut und bald öffnete sich die Hausthüre, aus welcher zuerst ein Diener, dann aber der alte Baron Dannberg im weiten Pelzrocke eingehüllt, hervorschritt. Betroffen fuhr dieser, als er die Menge der Männer auf dein Hofe gewahrte, zurück, aber Bertram verständigte schnell seinen Herrn und so kam dieser freundlich näher und reichte dein immer noch im Sinnen dastehenden Marnstein grüßend die Hand. Der alte Dannberg hatte das mit Letzterem unlängst gepflogene politische Zwiegespräch rein vergessen, auch hatte das Abenteuer der verwichencn Nacht keinen bleibenden Eindruck auf ihn gemacht und er war daher in der angeknüpften Unterhaltung unbefangen und heiter. Desto verstimmter und einsilbiger antwortete Marnstein, in welchem die Erzählung des Jägers von dem nächtlichen Stelldichein eine furchtbare Unruhe erweckt hatte. Wie hier fragen? Wie sich erkundigen, ohne die Ehre auf's Tiefste zu verletzen? — Und doch durfte er nicht in der Ungewißheit bleiben, wollte er nicht sich und noch Jemand zu Grunde richten. Diese Erwägungen stürmten ihm wilv durch den Kopf und ließen ihn alle Fragen Dannbergs überhören. Betreten schüttelte dieser endlich den Kopf: „Junge Leute und lauter Gefühl. Die Besorgniß hat auf Sie mehr gewirkt, als Sie sich gestehen wollen. — Treten sie ein und erholen Sie sich. — Zwar sind meine Frauenzimmer zu Bette und Sie werden sich daher mit dem alten Papa allein begnügen müssen, der bei einem Glase Weines, oder Kaffee, wenn Sie wollen —•" „Hat sie der Fluchtversuch nicht erschreckt?" fiel Marnstein mit bebender Stimme ein. „Thekla, sowie meine Schwester, fammt dem Kammemtädchen blieben auf ihren Zimmern. Ich denke nicht, daß der Vorfall, den sie vielleicht gar noch nicht genau kennen, besonderen Eindruck auf sie gemacht hat." Marnstein schlug das Herz etwas freier. Er schöpfte tie Atbem, dann reichte er dem alten Barone die Hand, um der Einladung zu entsprechen. Wie Beide jedoch den Schritt nach dem Herrcnhause wenden wollten, eilte der unterdessen sich entfernte Jäger Vertrant herzu und zog den eben in das Haus eintretenden alten Baron ziemlich unsanft wieder aus demselben. „Gnädiger Herr", flüsterte er, jedoch in seiner Weise so vernehmlich rauh, daß es Marnstein ebenfalls verstehen mußte, „man hat uns überlistet. Während von Außen ein Scheinangriff erfolgte, war der Verrath im Innern unseres Schlosses thätig. Tritte im übrig gebliebenen Schnee machten mich aufmerksam. Ich forschte dort am Amksgefängnisse und der Vogel — ist entwischt!" „Wetter!" rief Dannberg, „Kerl, redest du wahr?" „Thun Sie, was ich gethan habe, überzeugen Sie sich " Alle eilten jetzt nach dem festen Seitengebäude, wo das Amts-- local fammt den Gefängnissen sich befanden und der Erfolg ihres Forschens war, daß der alte Jäger die Wahrheit geredet hatte. Sprachlos stand der alte Dannberg, dann aber gcrieth er in Zorn und Wuth, die um so mehr sich steigerten, als er nicht wußte, gegen wen er deren Ausbrüche richten sollte. Die gesammte Dienerschaft zog sich zurück, nur Bertram trat entschlossen gegen den Tobenden beran. „Was ich vorhin gesagt, muß ich jetzt wiederholen. Wir haben einen Verräther im Schlösse." „Over eine Verrätherin", setzte, hierdurch ermuthigt, der Jäger Marnstein's hinzu. „Schweige", donnerte der Letztere. „Eine Verrätherin?" rief Dannberg, „nein, er soll reden!" Marnstein wendete sich hingweg und der Jäger fuhr fort: „Eine Dame ging zurück in's Schloß —" „Ha, ha", fiel jetzt Bertram lachend ein, „du bist der blaue Kilian, und ein guter Freund vom Nordhäuser. Freilich du hast wieder Geistererscheinungen gesehen." — Vertraulich - ernst trat er zu dem alten Baron heran — „Glauben Sie doch das dumme Geschwätz von dem Burgfräulein nicht." „Ueberflüsfige Warnung", entgegnete Dannberg, dann zu dem Jäger gewendet, „fahre fort mit deiner Erzählung." „Nein, er soll nicht reden", riefMarnstein heftig aus, „seine Dummheit soll nicht den Samen des Argwohnes säen!" Aengstlich zog sich der Jäger zurück und Dannberg betrachtete mit Staunen den so heftig aufbrausenden Marnstein. „Ich begreife zwar nicht, was hier vorgeht", begann er endlich, „aber so viel scheint mir doch auch Hat, daß der Bursche da Gespenster gesehen hat. Außer meiner Schwester und Tochter, sowie der Zofe ist keine Dame auf dem Schlosse und daß diese alle drei ihre Zimmer nicht verlassen haben, dafür stehe ich." Marnstein warf einen zweifelnden Blick auf den Redenden, dann drückte er demselben rasch und heftig die Hand. 26 L. Napo- in seinem Wagen auf der Straße. Druck und Verlag der ($. D. Brühl'scben Buck)- und Steindruckerei. aber läug- habeN sich stücke in die Stube Bertrams. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Ndeues? ' — In einem Dorfe bei Grenoble überreichte ein öjähriges Mädchen dem Präsidenten eine Blumenkrone mit den Worten: „Nehmen Sie, Hoheit, diese Krone von Blumen an, sie ist ohne Dornen." L. N. hob die Kleine in den Wagen, und sagte zu ihr: „Meinst du wirklich, mein Kind, daß deine Krone ohne Dornen ist? Arme Kleine, du wirst eines Tags auch noch erfahren, daß jede Krone (couronne bedeutet im Französischen „Kranz") ihre Dornen hat, selbst eine Nosenkrone." Der Präsident küßte das Mädchen und schenkte ihm ein goldenes Armband und eine werthvollc Tuchnadcl. '.— .An der kath. Stadt Geisa, im Großherzogthum Weimar, ist durch Unterstützung von Seiten des Gustav-Adolph-Vereins und des Großh. Hauses eine protestantische Kirche erbaut worden. Anklagen erhoben, die ihn auch als den Mörder des Dr. Rampold von Eßlingen bezeichnen. — Der cvang.-theol. Professor Dr. Höflinger in Erlangen ist zum dritten Ober - Consistorialrath in München ernannt worden. — Da die Traubenfäule immer noch zunimmt, so hat am 4. October die Weinlese in der Pfalz schon begonnen, und hofft man trotzdem doch noch einen guten Wein zu erzielen. — Am 4. Oktober hat der Beckerffche Prozeß begonnen. Um 8 Uhr besetzten Militär-Abtheilungen und Polizei die Zugänge zum Appellhofe. Die Angeklagten fuhren in einem Omnibus unter militärischer Bedeckung zum Gerichtshöfe. Nachdem die Angeklagten ihre Plätze im Gerichtssaale eingenommen, wurde dem Publicum der Zutritt in die Zuhörerräume gestattet. — Zwischen Oesterreich, Sachsen und Bayern ist ein Ueberein- kommen zum gegenseitigen consularischen Schutze der Staatsangehörigen im Auslande getroffen worden. — Ueber die in neuerer Zeit stattgefundenen Stürme laufen die traurigsten Nachrichten in Bezug auf Unglücksfälle ein. Allein auf der Rheinstrecke von Düsseldorf bis Emmerich sollen 30 Schiffe verunglückt und 10 davon gänzlich versunken sein. — Die Stürme der letzten Tage haben auch in und bei Hamburg wild gehaust. Eine Mauer schlug um und tödtete cm Mädchen, ein anderes Kind verwundend; Schornsteine fielen auf die Straße, ein hohes Gerüst an einer Kirche brach zusammen und die dicksten Balken wurden wie Schwefelhölzer geknickt. Die Alster- Wellen, gingen haushoch und rissen u. A. die 22' breite Veranda eines Hauses mit sich fort u. s. w. — Am 5. October starb in Mainz Dr. Kirnberger in Folge eines Schlaganfalls, während seiner Umfahrt zu seinen Patienten, ordnen wir nach reiflicher Ueberlegung an : Art. 1. un müssen alle Frauen Maulkörbe tragen. Gegeben tc. ieon." — Die Polizei ist hinter den Spaßvögeln her. — Gegen den bis zur Evidenz überführten, bis jetzt nenden Mörder des Majors/ v. Glaser in Stuttgart Mi scelle. — AuS Halle schreibt man vom 28. September : Bor einiger Zeit hat ein merkwürdiger Deserteur eine Nacht in den Arrestlocalen auf der hiesigen Hauptwache zugebracht. Er hatte sich vor etwa vier Wochen in Frankfurt a. M. freiwillig gestellt, war von dort hierher tranSportirt und wurde von hier aus über Berlin und Stettin weiter befördert, um in Bromberg vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Ueber daS bewegte Leben dieses Menschen theilen wir Folgendes mit: Peter Blüm, 48 Jahre alt, desertirte, nach seiner eigenen Angabe, am 28. September 1817 von der 1. Schwadron des 3. (damals 6.) neumärkischen Dragoner. Regiments, welches, unter dem Befehl des Obersten v. Dessow, zur Division des Generals Henckel v. Donnersmarck gehörig, damals in Bar le Duc stand. Er ließ sich unter Ludwig XVTH. für den Prinzen von Hohenlohe anwerben, diente diesem sechs Jahre, machte 1822—23 den Krieg in Griechenland mit, und wurde schließlich in Marseille verabschiedet. Er ließ sich darauf in der holländischen Marine anwcrben und ging von Brabant aus unter dem Befehl des Colonel Marlinsky auf eine Fregatte von 54 Kanonen. 1826 wurde er in Rotterdam verabschiedet. Darauf ging er in Amsterdam als Matrose auf die Fregatte Sumatra unter dem Obersten Lucas, machte mit diesem eine Reise nach Rio de Janeiro, von da nach Montevideo, den westindischen Inseln, nach Cura^ao und von dort nach Blissingen zurück. Mit demselben Schiffe unternahm er eine Reise nach dem Pico de Tcnerifa, nach der Küste, des holländischen und englischen Guyana, nach Price Island, Rio de Janeiro, Montevideo, Veracruz, Havanna, Cura^ao, Jamaica und St. Helena. Am 26. März erhielt er den Abschied in Vlisfingen und ließ sich darauf als Bürger und Maurer in Lille, in Flandern, nieder. 1833—35 diente er darauf im 6. Bataillon des 6. Grenadier« Regiment der Fremdenlegion in Afrika und wurde von Louis Philipp mit der deutschen Legion unter dem General Birnelle nach Spanien geschickt, woselbst er mehrere Schlachten gegen Don Carlos mitmachte. 1837 erhielt er in Pamplona den Abschied und ging als Colonist nach Algier, woselbst er bis 1848 blieb. Im Januar des genannten Jahres ließ er sich in Bordeaur' als Maurer nieder, von dort aus wollte er einen Krieg in Spanien mitmachen gegen Don Carlos und Cabrera, konnte aber nicht über die Grenze kommen und ging deßhalb von Marseille nach Sicilien, wo er bet Catanea gefangen wurde. Als Gefangener mußte er 7 Wochen mit 300 Leidensgefährten auf der See zubrin;en, und wurde schließlich mit 170 Genossen nach Calabrien gebracht. Dort wurde ihm die Haft unerträglich, und nahm er 1849 beim 4. Schweizer- Regiment in Neapel Dienste, aus welchem er im November 1850 verabschiedet wurde und durch Italien und die Schweiz sich nach Straßburg begab. Dort mußte er in Folge einer früher in Spanien bei Balbastro erhaltenen Blessur im Hospital liegen, von wo er nach Paris an Louis Napoleon um Unterstützung schrieb. Als er keine Antwort erhielt, machte er sich selbst nach Paris auf, um Louis Napoleon zu sprechen, was ihm jedoch nicht gelang. Da erhält er plötzlich einen Brief seines Bruders, der ihn auffordert, endlich in die Heimath (Neuteich im Danziger Werder) zu kommen, wo die Eltern beiderseits noch am Leben sind. Er gibt diesem Briefe Folge, meldet sich in Frankfurt a. M. vor vier Wochen als Deserteur und von dort ist er hierher gebracht. Seine verschiedenen Abenteuer vollführte er unter dem Namen Wilhelm Kruger. — In Marchiennes (Frankreich) würden in einer der letzten Nächte gedruckte Zettel angeschlagen, welche besagten : „Allgemeine Sicherheits-Maaßregel. Decret des Präsidenten. In Anbetracht der Schwatzsucht der Frauen und der daraus entspringenden liebel Von heute Der alte Amtmann mit feinem Actuar, mittlerweile herbeige- — 3n verflossener Woche wurden 5000 polnische Pferde, für holt, nahmen nun an dem Gefängnisse einen Befund auf und 'Rechnung der französischen Regierung, auf der Nordbahn nach während Beide eraminirten und protocollirten, begaben sich die Frankreich befördert. Herrschaften nach dem Herrenhause, die Jäger aber zu einem Früh- -— ----------- M 14 Beilage. Auch in -em Aeitenfturm die Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) 6. Verderblicher Rath. Eusebia saß bei Thekla auf dem Zimmer und vor beiden dampfte aus den vergoldeten Tassen der Kaffee. Erstere blickte dann und wann unruhig und neugierig in den Schloßhof, Thekla dagegen schlug mit bleichen Wangen das tiefliegende Auge zu Boden und wagte nicht zu antworten, wenn die Tante das Wort an sie richtete. Die Kammerzofe Sophie, ein rasches munteres Mädchen, trat jetzt herein. Ihr lebendiger Blick fiel auf das Fräulein und als sie deren Trübsinn bemerkte, schütielte sie besorgt und theilnehmend den Kopf. Plötzlich aber, wie von einem zugeflogenen Gedanken angeregt, legte sie ihr Gesichtchen in heitere Falten und begann mit scherzendem Tone: „Die Katastrophe der beuligen Mitternacht brachte uns gegen Morgen noch ein lustiges Nachspiel. — Herr Baron von Marn- stcin —" sie verbeugte sich mit anspielender Grazie gegen Thekla — „hat uns mit einem Hülfe verheißenden Besuche erfreut. — Für die Sicherheit unseres Gefangenen, des schönen, aber — “ sie fuhr mit der Hand vor der Stirn herum — „überspannten Herrn Heinrich kam er indessen zu spät: denn dieser hat sich heute Nacht, ohne Abschied zu nehmen, davon gemacht." „Davon gemacht?" rief Eusebia und ibre Augen funkelten. „Wie war dieß möglich?" „Das Burgfräulein soll ihm durchgeholsen haben", entgegnete Sophie unter ironischem Stirnrunzeln und gewichtigem Lächeln. „Mein Gott", rief die Tante, „Thekla, wie du noch bleicher wirst! Es ist ja von der fabelhaften Erscheinung die Rede." „Ei freilich", fügte die Zofe verwundert bei. „Sie wissen ja, welche Geisterseher und Herenbanner unsere Waidmänner find. Ein Jäger des Herrn Baron von Marnstein will sogar dieses Mal das Burgfräulein bis vor dem Grabengitter in der Nähe der Schwarztannen gesehen haben." Thekla zitterte und fiel Eusebien in den Arm. Diese wurde aufmerksam und heftete den prüfenden Blick auf die höchst verlegene Jungfrau, die sich in ihren Armen wie verbergen wollte. „Gehe doch mit deinen dummen Geschichten", herrschte sie jetzt die betretene Zofe an. „Du siehst, wie unangenehm deine Erzählung meine Nichte berührt und demungeachtet kannst du deine schwatzhafte Zunge nicht zähme» ! — Entferne dich an deine Arbeit." Das Mädchen machte ein kleingläubiges Gesicht und ging. „Thekla", begann jetzt die Tante mit rheilnehmender, aber ernster Warnung, „es geht etwas in dir vor, was dein ganzes Wesen mächtig ergreift. Schweigen wird dich verzehren, Mittheilung aber erleichtern. Willst du der Freundin nicht vertrauen?" Das Mädchen zauderte. Sie kannte Eusebia's Gefallen an Marnstein und deren rasches, leidenschaftliches Wesen. Aber ihr Herz war zu voll, ein Ueberfließen desselben dringendes Bedürfnis;, auch mochte ihr sanftes gutes Gemüth, das stets das Beste von Andern glaubte, der blutsverwandten Freundin nichts Arges unterlegen und so entfloh der bebenden Zunge das in dem Busen still verborgene Geheimniß ihrer Neigung zu Marnstein uud des gewagten nächtlichen Werkes ihrer kindlichen Liebe. „Ihr liebt euch!" rief die Tante und ein, dein Mädchen sonderbar flirrendes, Feuer strömte aus ihren Augen. „Ich kann es nicht bergen", entgegnete Thekla und leise Röthe flog über ihre bleichen Wangen, „eS hängt mein Herz an ihm für alle Ewigkeiten!" Eusebia durchmaß das Zimmer mit raschen Schritten. Gedanken und Entwürfe stürmten durch ihr Gehirn und fieberhaft jagten sich ihre Pulse. Theklas Auge folgte ihr bittend. Sie hatte der guten Tante zuviel gethan, wie könnte sonst dieselbe so lebendige Theilnahme ihr widmen? Endlich ward die Letztere ruhiger. Den Kopf gesenkt, das Auge unter den schwarzen Wimpern aufwärts gerichtet, trat sie auf Thekla hinzu und faßte deren Hand. „Du hast mir früherhin einmal vertraut, daß Henrich bei den Kinderspielen dich immer ausgezeichnet habe Marnstein kann dieses wissen und bedenke, wenn er jenes und das, was heute Nacht du gewagt, zusammenhält! — Wird er den abenteuerlichen Streich für ein Erzeugniß heißer kindlicher Liebe und übergroßer Besorgniß für den Vater halten? — Nicht dein Herz befrage, dein sonst so klarer Verstand soll mir die Antwort geben. — Du wirst aufs Neue bleich — siehst du, so sprechen sich deine Befürchtungen durch dich lelber aus. Du hast die qualbringenden Furien der Eifersucht und des Mißtrauens für ihn heraufbeschworen und wirst ein treuliebendes Herz verlieren!" Thekla blickte starr auf die also redende Eusebia, daun fiel sie unter heißen Thränen auf das Sopha. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Aus Mainz schreibt man vom 7. October: Wie sonderbar oft der Zufall mitspielt, davon hatten wir dieser Tage hier einen recht pikanten Beleg. Als nämlich am 3. d. Mts. Abends verschiedene Abtheilungen k. k. österreichischen und k. preußischen Militärs mit den resp. Musikchören in Castet sich aufgestellt hatten, um den erwarteten König von Hannover bei seiner Ankunft gebührend zu begrüßen, ließ sich in der Dunkelheit ein rheinaufwärts fahrendes, mit Flaggen bedecktes und durch Laternen erhelltes Dampfboot erkennen, worauf alsbald der Donner der Kanonen erscholl und Alles sich bereit hielt, den König bei der Landung zu empfangen. Das Schiff landete, und siehe da: ihm entstieg nickt der König von Hannover, sondern die ehrwürdige Wittwe des verstorbenen Königs Louis Philipp und ihr berühmter Sohn, der Sieger von Tanger und Magador, der Prinz von Joinville, welche einen so solennen Empfang in einer deutschen Bundesfestung wohl schwerlich erwartet hatten. Unmittelbar nach der Landung verfügten sich die erlauchten Reisenden in das „Hotel Barth" und trafen daselbst den ehemaligen Präsidenten der römischen ronstituirenden Versammlung, den Vetter des Präsidenten der französischen Republik und Besieger der Homburger Spielbank, Lucian Prinzen von Eanino. Welches Mißverständnis; und welche Begegnung! Da bei der Ankunft des Prinzen v. Joinville bereits alles Pulver verschossen worden war, l'fo hatte man sogleich nach neuem geschickt, welches auch noch zeitig genug einlraf, um bei der endlich erfolgenden Ankunft des Königs von Hannover nachträglick wirken zu können — Außer dem Triumphbogen auf der Austerlitz - Brücke, der bei der Rückkehr deS Prinz-Präsidenten in Paris autgeführt sein wird, haben u. A. auch die Arbeiter eines neuen Kunstreiter-Circus nach- | gesucht, in dessen Nahe einen weiteren Triumphbogen errichten zu : dürfen. 28 — Bei einem Bankette, welches die Handelskammer von Bor- deaur dem Prinz-Präsidenten gab, erwiederle dieser auf einen Toast des Vorsitzenden u. A. : Um das Wohl des Landes zu schaffen, ist es nicht nöthig, nach neuen Systemen zu greifen, sondern vor allen Dingen Vertrauen in die Gegenwart, Sicherheit für die Zukunft zu geben. Das ist es, warum Frankreich zum Kaiserreich zurückkehren zu wollen scheint. Nichtsdestoweniger gibt es eine Besorgnis;, auf welche ich antworten muß. Aus dem Geiste des Mißtrauens sagen manche Personen : das Kaiserreich ist der Krieg. Ich, ich sage : das Kaiserreich, das ist der Frieden. Es ist der Frieden, denn Frankreich wünscht denselben, und wenn Frankreich befriedigt ist, dann ist die Welt ruhig. Die Rede, die oft durch die lebhaftesten Beifallsbezeugungen unterbrochen wurde, machte überall große Sensation. An der Börse stiegen die Fonds k. bedeutend. — Die königl. preuß. Gesandtschaft bei der Eidgenossenschaft fordert mit Erlaß vom 8. October alle preußischen Handwerksgesellen in der Schweiz auf, binnen vier Wochen in die preußischen Staaten zurück zu kehren und zu diesem Zwecke ihre Pässe auf ihrer Kanzlei in Bern viferen zu lassen. Als Grund deS Befehls werden die „verderblichen Bestrebungen gewisser Arbeiterverbindungen in der Schweiz" angegeben. — Am 10. Oktober erhielt die um Carlsrubc gesammelte badische Armee ihre neuen Fahnen. Ein Feld-Gottesdienst wurde ab- gehalten, hierauf von kath. und evang. Geistlichen die Fahnen geweiht und diese sodann den Bataillons übergeben. — Es gibt gegenwärtig kein Land in Europa, wo das Volk so billig Brod ißt, als in der Walachei, indem der L^Pfd. schwere Laib Weißbrod nur 4 fr., und von schwarzem Brod nur 3 fr. fostct. — Aus der Pfalz meldet man gute Preise für den jungen Wein. 1000 Liter Most von den besseren Haardtlagen werden von 130 bis zu 400 fl. bezahlt. — Unter Aufsicht des Gouvernements werden jetzt zu Paris in den verschiedenen Quartieren der Arbeiter 25 große Bazars eingerichtet, wo alle Spezereiwaaren, Salz u. s. w. zu einem bestimmten, aber möglichst geringen Preise zu haben sind. — Man hatte in Hüll zu Anfang dieses Jahres darauf gerechnet, im Durchschnitt 1000 deutsche Auswanderer pr. Monat zu crpediren. Jetzt stellt es sich heraus, daß die Agenten sich ver. rechnet haben. Es kamen nämlich seit Januar bis jetzt über 15000 Deutsche durch Hüll, somit an 6000 über die veranschlagte Zahl. — Lucian Napoleon, der glückliche Spieler, soll den Armen Homburgs 25000 Frcs. und dem ihn bedienenden Kellner 50 Na- poleonsv'or geschenkt haben. — Die Eröffnung der Bahnstrecke von Schweinfurt nach Haßfurt ist auf den 1. November verschoben. — Es sollen auf dem Wege von Helstngör bis Stettin 14 Schiffe in den letzten Tagen verunglückt sein. — Louis Napoleon ist nach Nochefort unterwegs. — Am 14. October in aller Frühe (4 Uhr) flog die neue Holzhütte des Herrn Gerlach, auf der Insel am Untermainthor bei Frankfurt a. M., mit einem fürchterlichen Knall in die Luft. Es waren in derselben zu dem bereits eingetretenen Herbste verfertigte Feuer- werkssachen aufbewahrt. — In der Porcellanfabrik zu Sevres wird für Ludwig Napoleon ein vollständiges Tafelservice mit den kaiserlichen Wappen angefertigt. — Der eben erschienene „Almanach der Präsidentschaft" für 1853 zeigt an, daß er für 1854 als „Almanach des französischen Kaiserreichs" erscheinen werde. — Im Waterkloof — dem Hauptnest der Kaffem unter Ma- como — hat man Gvldstaub gefunden. Bestätigt sich's, daß auf dem Kn" ein neues Californien ist, so sind die Folgen unberechenbar. Druck unv Verlag ver G. D. Br — Jago de Cuba, nach Havanna die größte Stadt der Insel, wurde Ende August tmrd) em Erdbeben gänzlich zerstört. — Die überländische Post brachte über Triest die Nachricht, daß 9000 Mann englische Truppen bei Herat, an einem persischen Meer- busen, ausgeschiffk wurden, muthmaßlich um die Selbständigkeit Herats zu schützen. — In Paris wurden am 9. d. M. neun Somnambulen zu Geld- und Kerkerstrafe verurtheilt, weil sie ihre Träume rc. dem Publikum mitgetheilt und verkauft haben. — Noch immer gehen Hiobsposten über die Folgen der letzten Herbststürme ein. Ein Dampsschiffkapilain, der von Riga kommt, will allein bei Bornholm 17 große»e Schiffe auf dem Strande gesehen haben. Rheder und Affecuranzen sind sehr niedergeschlagen. — Es kommen immer häufiger unter unfern Vereins - Gulden holländische Guldenstücke vor, welche kleiner als jene und um 5 fr. das Stück weniger werth sind. Im gleichen Verhältnisse ist der Werth der holländischen % und 2% Guldenstücke. Man warnt das Publikum vor der vollen Annahme dieses fremden Geldes. Wie man sagt, haben die Holländer mehrere Millionen unserer Gulden eingeschmolzen. — In Darmstadt brannte vor einigen Tagen ein Haus und eine Scheune nieder. — Der Großfürst Thronfolger von Rußland nebst Gemahlin weilen gegenwärtig am Stuttgarter Hof. — Auf dem Jura find am 2. d. M. drei Kinder, welche Ziegen weideten, vom Schnee überfallen und erstickt worden. — Seit dem 7. October Abends bis zum 8. Morgens Hai es zu Freiburg in Schlesien stark geschneit. Straßen und Dächer, so wie die Berge, sind mit dichtem Schnee belegt. — In Bordeaur hatte ein jüdischer Kaufmann sein Haus mit den Worten Christi geschmückt : „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!" — Ebendaselbst wurden Ludwig Napoleon n. a. Deputationen auch eine aus der Seegegend La Teste, aus Mädchen bestehend, vorgestellt, die ihm die Erzeugnisse ihrer Heimath: Austern, Fische, Honigwaaren rc. Überreichten. Auf ein Compliment der Sprecherin erwiederte der Prinz : „Mademoiselle! Sie sind selbst das schönste LandeSproduct; ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!" Sprack's und holte der Schönen eine sehr prachtvolle Nadel aus seinem Cabinet. „Monseigneur", antwortete das Mädchen, „ich bedurfte dieses Juwels nicht, um Ihr Andenken zu bewahren; Ihr Bilvniß wird stets in mein Herz eingegraben bleiben! — In Düsseldorf wurde ein Deutscher (seines Standes ein Barbier) , welcher aus Amerika kam und dort preußische Thalerscheine fertigen half, sammt einem seiner Mitschuldigen verhaftet. ! ___ Bei der badischen Armee ist jetzt eine „Unteroffiziersgarde" errichtet, in welcher alte Oberfeldwebel und Oberwachtmeister ein- ' treten und in Bet sie außer Montur und Armatur jährlich 500 fl. ! Gehalt beziehen. — Louis Napoleon wird, wie officiell angekündigt tst, am 16. B. M. in Paris einziehen. Alle weltlichen und geistlichen Behörden : werden zum Empfang bereit sein. Im Bahnhof ist ein Mustkkorps von 300 Mann aufgestellt. Von einem der Triumphbogen werden zwei Mädchen, den Ruhm darstellend, mit Eichen- und Oelblätter- Kränzen herniederschweben, vierzig andere weißgekleidete Mädchen streuen Blumen. Ueberall werden große Zuschauertribunen gebaut, ■ die Häuser verziert rc. — In Belgien wurde kürzlich auf der Strecke von Cretl nach i St. Leu ein Mann verhaftet, der einen großen Stein auf die i Schienen legte, um, wie er nachdem eingestand, einmal in seinem I Leben das Schauspiel eines Eisenbahn-Unglückes vor Augen zu haben. — Bürgermeister Henkel ist nach verbüßter Festungshaft von Spangenberg wieder in Cassel eingelroffeu. _______________ ü h l'schen Buch - und Sleindruckem. M 15. Beilage Auch in dem Aeitcnjiurm die Fiede. Novelle aus Dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) „D, rathen, helfen Sie mir, theuerste, liebste Tante!" waren endlich die Worte ihrer zitternde» Lippe. „Erkräftige dich", sprach die Angeredete entschlossen, „vergrabe | den Vorfall in Vergessenheit und wenn davon die Rede kommt, so weißt du nichts." „Und wenn er mit den: treuen, seelenvollen Blicke mir in'8 ' Auge schaut?" „So wirst du seinen Blick mit gleicher Treue erwiedern." „O, Tante, begreifen Sie auch, was Sie da verlangen?" ! „Dein Glück will ich gründen. Kannst du meiner Vorschrift ■ nicht nachkommen, so handle anders. — Du schaust mich verwundert an? — Thue, was du zu deinem Besten nicht lassen kannst!" Thekla sprang auf und fiel der Tante uni den Hals. Diese drückte der tief Bewegten einen Kuß auf die brennende Stirne, während ihr Ange jedoch mit elcctrischem Glanze wild zum Himmel fuhr. Die entstandene Panse wurde durch den Eintritt res Bedienten unterbrochen, der die Damen auf das Zimmer des alten Herrn Barons einlud. „Muth gefaßt und gehandelt nach meinem Raihe", flüsterte Eus bin und beide begaben fich nach dem Orte, nvo man ihre Anwesenheit wünschte. In dem großen Wohnzimmer des alten Barons Dannberg, reichlich verziert mit Sinnbildern des Waidwerks, großen Jagdgemälden und mit Tischen, Stühlen und Kronleuchtern von geschnör- keltem Holze und seltsamen Geweihen, stand in der Nähe des holländischen Camins, worin ein lustiges Feuer flackerte, Marnstein ; und vor ihm lehnte sich der alte Dannberg beguem in einen der ■ beschriebenen Stühle. Wie es schien, ruhten Beide aus von einem lebhaft geführten Zwiegespräche, in welchem keiner den andern zu überzeugen vermocht hatte. Dannberg, der indessen am meisten an die Unfehlbarkeit seiner Grundsätze, als durch die Zeit erprobt und das Alter geheiligt, glauben mochte, nahm nach einem behaglichen Zuge aus dem Madeira - Glase am ersten wieder das Wort. „Glauben Sie mir, (i 6er Baron, dieses ganze neue Getreibc ist nichts, als leerer Firlefanz voll hochtrabender hohler Phrasen. Eitelkeit, Selbstsucht und — daß ich cs gerade heranssage — Narrheit find die Keime, aus denen all' das buntscheckige Gewirre pilsenartig in die Höhe schießt. Läßt das feuchte Moderwelter nach und scheint einmal wieder die Sonne des klaren Verstandes, so werden die Giftschlingen auch vertrocknen und Salamander, Unken, Blindschleichen und Ottern werden sich verkriechen in den Sumpf ihrer Unbedeutendheit, wohin sie gehören. — Sie schweigen? — Also habe ich recht und Sie gestehen, daß jetzt die Welt in Täuschung ist befangen und daß die Wahrheit fvrtgeflogcn ist." „Ja wohl, ja wohl!" seufzte Marnstein und trat zum Fenster, seinen Blick auf den Seitenflügel des Schlosses richtend. Dannberg sah ihm verwundert nach. Erst bis auf das Aeußerste gekämpft und nun leichten Kaufes das Feld geräumt! Dieß konnte er nicht reimen. Während er noch überlegte, össnete der Bediente die Thüre und Tante Eusebia mit Thekla an der Hand traten ein. Man grüßte sich; aber die Verbeugung Marnsteins hatte etwas Ungewisses — ein Phosphorschein, der leuchtete, aber nicht wärmte — und Thekla's Neigen erfüllte eine Unsicherheit, die überdieß in Blässe und fliegender Nöthe des gesenkten Antlitzes sich kund gab. Fragen und Antworten wechselten mit unerheblichen Sätzen von wenig, oder gar keinem Interesse und die Unterhaltung wollte zu keinem Zuge gelangen. Thekla brach es das Herz. Sie konnte nicht mehr an sich halten und sendete eine» warmen, herzinnigen Blick zu dem Manne ihrer Liebe. Gleichwie aber der heiße Blitz unschädlich abspringt von deni wetterleitenden empfindungslosen Eisen, so prallte der milde Strahl des liebeleuchtenden Auges fruchtlos zurück an Marnsteins trüber, kalter Miene. Der Vater schüttelte den Kopf: „Du hast nicht wohl geschlafen, meine Tochter?" Tbekla reichte deni Vater die Hand und blickte fragend nach der Tante, worauf diese einen Blick auf Marnstein warf und dem Mädcken ermuthigcnd mit den Augen winkte. „Nun, Thekla", wiederholte jetzt Dannberg und schaute besorgt seiner Tochter in's bleiche Antlitz, „dich hat das Schießen gestern Abend sehr erschreckt und sicherlich hast du diese Nacht nicht geschlafen?" Tbekla zauderte, aber die Tanie winkte nochmals und so stotterte sie unter Zagen : „O nein — mein guter Vater — ich schlief — recht wohl." Marnstein bebte zusammen. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Vorgestern wurde in Frankfurt a. M. ein gräßliches Verbrechen versucht und auch theilweise vollführt: ein Raubmord. Ein aus dem Badischen gebürtiger Mann ließ einen seiner Anverwandten zu sich kommen, angeblich um ihm Verschiedenes zu verkaufen und dann auszuwandern. Der Käufer fand sich ein, wurde von seinem säubern Verwandten in ein Hinterzimmer eines Gasthauses, i» der Klostergasse, geführt, dort sogleich niedergeschlagen und seiner Baarschaft (ca. 28% fl.) beraubt. Auf das Schreien des Opfers drangen die Hausbewohner ein, der Tbäter hatte aber schon durch das Fenster die Flucht ergriffen und wurde bis jetzt nicht eingebracht. Steckbriefe sind erlassen und der Mißhandelte ist außer Gefahr. — Ein Casseler Kaufmann hat sich wegen fehlgeschlagenen Spe- culationen entleibt. — Am 16. d. M. wurden zwischen Marburg und Cassel 6 Eisenbahnwagen zertrümmert, aber kein Menschenleben gefährdet. Es brach nämlich, während der Güterzug in vollem Lauf war, an einem der vordern Wagen eine Achse. __ Bei einer der letzten der eben int Gange befindlichen Ziehungen der Lotterie in Frankfurt a. M. kam ein eigener Fall vor. Auf eine Nummer fällt ein Preis von 300 fl. Der anwesende Col- lecteur verläßt bald hierauf den Saal und begegnet dem Loosinha- ber, dem er von der Sachlage Kunde gibt. Dieser, das Glück wditer versuchen wollend, fragt nach einem weitern Loos, acquirirt es auf der Straße und geht damit in das Ziehungslocal. Er ist aber kaum zehn Minuten da, so wird sein neues Loos mit 6000 fi. gezogen. — Der Collecteur soll seine Eile, mit der er den Saal kurz zuvor verließ, bitter bereuen. — In Cassel wurden jüngst mehreren Wirthen, die während der Revolutionszeit thätig mitwirkten und ihre Localitäten dem aufrührerischen Treiben liehen, die Concessionen entzogen. 30 — Auch der Tag nach dem Einzug Louis Napoleons war für Paris ein Festtag. Ungeheuere Menschcnstrvme bewegten sich hin und her, um noch einmal und recht behaglich die Triumphbogen u. s. w. zu beaugenscheinigen. — Ganz besonders gefiel, daß der Prinz beim Einzug ca. 10 Schritte vor und hinter sich freien Raum hatte und so seine Person sich überall den Blicken des Volks darbot. In seinem Gefolge bemerkte man einen Mameluk, in der Kleidung Rnstan's, dem Diener seines Onkels. — In Meiningen wurde eine Frau, die mit ihrer jetzt 13 Jahre alten Tochter mehr als 30 Diebstähle begangen, zu 1 '/jährigem Gefängniß verurtheilt. Die Tochter, weil sie von ihrer Mutter gezwungen wurde, erhielt nur 14 Tage Hast. — Der alte Turnvater Jahn ist am 15. d. M. in Freiburg an der Unstrut im 74. Lebensjahre gestorben. Er war der Sohn eines Predigers zu Lanz in der Priegnitz. — In Breslau ivttrde ein Mo.U'c, dem das Portrait einer Dame, wegen Unähnlichkeit, zurückgeschickt worden war, -und er dasselbe mit der Unterschrift „Wegen Nichtbezahlung ausgestellt" in seinem Schaufenster aufhängte, zu 14tägiger Haft verurcheiit. — Am 10. d. M. stieg die Gräfin v. B. zu Paffy, bei Paris, aus der Diligence, um ihr Gepäck untersuchen zu lassen, und dann, ehe sie nach Hause ging, noch einen Besuch zu machen. Die sie begleitende Magd brachte das Gepäck nach Haus. Als die Gräfin kam, vermißte fle einen kleinen Eabas, welcher 50,000 Frcs. in Gold, eine bedeutende Summe in Bank-Obligationen, 15,000 Fr. 4 pCt.-Renten und mehrere Silbersachen enthielt. Die Polizei hat bis jetzt nichts entdeckt. — Das am 16. Sept, mit 400 Auswanderern von London nach New-Orleans abgesegelte Schiff Bhurtpore ist zu Grund gegangen. Fünf Personen fanden den Tod. — Aus Belgien meldet man, daß Antwerpen in aller Stille in besten Bertheidigungszustand gesetzt und ein bonapartistisches Com- plott sorgsam überwacht werde. — Die Wiener Zollconferenzen haben am 20. d. M. begonnen. Von Kurhessen ist geh. Legationsrath v. Meyer, von Bayern Mi- nisterialrath v. Hermann, von Hessen-Darmstadt Ministerialrath v. Biegelebe», von Nassau Obersteucrrath Scholz abgeordnet. — Bei Eisenach wurden durch das Schnauben einer daherbrausenden Loeomotive eine weidende Rindviehheerde scheu. Drei dieser Thiere warfen sich auf den Zug und wurden von den Rädern zermalmt. Durch Bremsen des Trains wurde weiterem Unglück gesteuert. — In Tessenderloo (Belgien) explodirte am 10. d. M. ein Faß Pulver, wodurch ein Haus völlig zerstört und etliche Personen ge- tödtet, andere verstümiuelt wurden. — Wiesbaden zählte während der letzten Saison über 22,000 Kurgäste. — Den hessen-darmstädtischen Civilbeamten, die früher in Militärdiensten gestanden, ist nachträglich gestattet worden, einfache Schnurrbärte zu tragen. Ein französischer Botaniker will aus einer bisher ganz unfruchtbaren Pflanze, Oegilops avita, vorzüglichen Waizen erzeugt haben. Es soll ihm nämlich gelungen sein, von diesem Unkraut Körner zu erzielen, welche dem Waizen vollkommen entsprechen und eben so nahrhaftes Mehl geben. In Kürze werden zu Hadainar Redeinptoristen - Patres zu Abhaltung von Misstonspredigten erwartet. — Bei Mülheim am Rhein fand man kürzlich in 30—40 Fuß Tiefe einen Backenzahn eines urweltlichen Elephanten. Dieß beweist von Neuem, paß auch die Umgegend von Cöln in der Urzeit Elc- phanteu halte und eine von der jetzigen total verschiedene kliinatische Beschaffenheit haben mußte. — Kaum sind die Klagen Über die Ueberschwemmungen im Elsaß und der Schweiz einigermaßen verstummt, so werden neue laut ; die Hochwasser in Kroatien, Slavonien, Kärnlhen re. richten enormen Schaden an und fordern viele Menschenleben. — Kinkel wird diesen Winter in Manchester Vorlesungen über deutsche Literatur halten. — In Spanien wurde am 10. d. M., am Geburtstage der Königin, allen wegen politischen od.r Preß-Vergehen Gefangenen Amnestie ertheilt. — Zwischen Laibach und Cilli kam ebenfalls ein Eisenbahnunglück vor. Gebirgswasser wälzten ein Felsstück auf die Bahn, worauf der Nacht-Güterzug stieß. Die Loeomotive sprang aus den Schienen, riß eine Mauer um und wäre sammt dem Zug in die angelchwollene Save gestürzt, hätte ein Cvnducteur nicht die Ver- bindungskette gelöst. Maschinist und Heizer blieben todt auf dem Platze. — Abd - el - Kader soll freigelaffen, refp. nach Brnssa, einer Stadt von 50,000 Einwohnern in Kleinasien gebracht und dort internirt werden. Ludwig Napoleon hat die Freilassung auf der Reise durch Ambosse genehmigt. — In Lyon hat die Polizei eine geheime Pulverfabrik entdeckt und den Inhaber verhaftet. — Die Kaninchenzüchter ans Ostende wollen um Herabsetzung des Zolles petitioiiiren. Sie liefern jetzt allwöchentlich 5 0- bis 10 0,000 Kaninchen nach London, wovon stch dort ca. 100,000 Menschen nährey, würde der Zoll aber gänzlich aufgehoben, so könnten sie dreimal so viele Kaninchen liefern und dreimal so viele Hungrige fälligen. — lieber die letzte Leipziger Messe herrscht nur ein Urtheil : daß sie eine mittelmäßige war. Von vielen Artikeln war großer lieber: fluß am Markte. - — Außer den preußischen ist nun auch den Handwerksgesellen aus mehreren anderen deutschen Staaten das Reisen in der Schwei; untersagt. Man glaubt, daß in Kurzem alle deutschen Bundesstaaten dieses Verbot erlassen werden. — Ain Abend des 18. Octobers brannten auf allen Höhen des Thüringer Waldes Freudenfeuer. • — Der franz. Senat ist auf den 4. November einberufen. Erfolgt von demselben ein der Gründung des Kaiserreiches günstiger Ausspruch, so wird die Aenderung der Staatsforin der Gutheißung des Volkes unterlegt. IN iscellen. — Zur Warnung wird Folgendes mitgetheilt : Zwei Wirths- töchter in Berlin nahmen, an heftigen Zahnschmerzen leidend, ihre Zuflucht zu einem vielfach augewendeten sympathetischen Mittel; es steckte nämlich jede ein Stückchen sogen. „Elephantenlaus", (große, fast nierenföi mige Steinfrucht) in das Ohr. Kurze Zeit darauf schwollen nicht allein die Köpfe, sondern auch die übrigen Körper- theile der beiden Mädchen in unförmlicher Weise an und mit einer mehrwöchentlichen sehr schmerzhaften Krankheit mußten sie diesen unberufenen Heilversuch büßen. Die Frucht war noch frisch und der in der Schaale enthaltene Saft scharf ätzend. — Zu La Carolina, in der deutschen Colonie in der Sierra Morena in Spanien, starb am 30. v. M. der letzte der dorthin ein- gewanderten Deutschen. Er hieß Paul Firminich, wurde 121'/ Jahre alt und zog int Jahre 1774 aus Maischoß, im Ahrthale, mit feiner Frau und 8 Kindern nach Spanien. Er war 22inal Alcalde feines Ortes, hatte feit 16 Jahren Gehör und Sprache verloren, war aber geistig noch ziemlich rüstig, nahm seit 30 Jahren nur Honig, Brod und Wasser zu stch und war der einzige in Spanien lebende Mann von über 100 Jahren. Druck unv Verlag der G. D. Brühl'schen Buck- und L-teindruckerei. M 16. Beilage. Auch in -em Aeitensturm die Frede. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung) „So hast du also nichts erfahren von dem Spuke des Burg- träuleins?" fuhr Dannberg fort, indem er dem Gespräche eine scherzhafte Wendung zu geben versuchte. „Sophie hat uns davon erzählt" — Marnsteins Auge flammte und die Tante winkte.— „sonst — weiß ich nichts davon." „Bei all’ seinem '.liigiütfe", fiel jetzt Manchem mit bitterem Tone ein, „war der ®&«itgene doch zu beneiden. Er konnte rechnen auf Liebe und Treues In dem Busen Theklas erwachte jetzt plötzlich jungfräulicher Stolz und Unwillen, daß der Geliebte ihr so leichthin mißtrauen konnte. Plötzlich gefaßt entgegnete sie : „Wie mancher Rechner täuscht sich, weil er die Zahlen nicht richtig erkennt." „Die Zahlen sind klar genug", versetzte Marnstein mit fortwährender Bitterkeit, „und Zahlen täuschen nicht." Der alte Dannberg blickte die Redenden verwundert an, dann entgegnete er mit ernstem Tone : „Was du auch sagen magst, meine Tochter, so hat der Vorfall der entschwundenen Stacht dich eben so mißlaunig gestimmt, als hier vcn Herrn Baron, mit dem ich heute wieder schlechterdings nicht Übereinkommen kann. — Ich hatte eigentlich beabsichtigt, Viesen Morgen ein Stündchen mit Euch angenehm zu verplaudern, dann bei dem heitern Märztage einen kleinen Spaziergang zu machen hinab in daö Thal, wo Alles geschäftig sich regt. Allein so wie die Sachen jetzt stehen, wird es besser sein, wenn wir vorerst uns trennen und abwarteu, bis auch bei Euch heiteres Wetter einge- rreten ist." Er stieg aus und faßte Marnstein an der Hand. „Sie haben recht, die Trennung ist das Beste", sprach jetzt dieser scharf betont mit einem bedeutsamen Blicke auf Thekla. Dieser fuhr die Rede, wie ein Dolchstich, durch das Herz. Sie wollte antworten; aber die Tante zog unbemerkt sie am Kleide und so schwieg sie. Wie aber die Männer gingen, konnte sie sich nickt überwinden, ihnen schmerzlich nachzublicken und wie die Thüre in’S Schloß fiel, so sank auch sie der Tante erschöpft in den Arm. „Ich bin zu schwach, solch verwegen Spiel auszuführen", rief sie unter Thränen. „Ein einzig Wort, aus treuer Seele zu ihm gesprochen, wird leicht das ganze Mißverständniß lösen!" Eusebia bebte zusammen, faßte sich jedoch schnell : „Gieb ihm Gewißheit, daß du jenen Schritt gewagt hast, und du bist verloren für immer. Ja, wenn du die Thal zurücknehmen könntest! — Doch auf die That läßt sich nur weiter bauen. So baue denn, aber mit Klugheit und Vorsicht. — Noch weiß er nicht — er kann nur ahnen und Ahnungen sind Träume, die sich verwischen lassen." Noch manches Wort wurde zwischen Beiden gewechselt, bis endlich Eusebia das tief betrübte Mädchen auf ihr Zimmer geleitete, dann aber unter glcißnerischen Trostesworten schied, und mit raschem Schritte auf ihr eignes Zimmer eilte. Hier riß sie das Fenster auf und ihr Auge voll dunkler Gluth fuhr suchend über Berg und Thal, bis endlich an dem Bache, wo die Mühle von Dorf Dannberg fernher klapperte, cs einen Ruhepunkt fand. „DerZufall war mir günstig", rief sie voll muthigen Triumphes, „und ich habe den kühnen Wurf gewagt. Noch rollen die Würfel, doch sie werden Glück mir bringen!" — Eine sanftere Regung durchbebte sie und das wilde Feuer ihres Auges milderte sich. — „Es wird daS Herz ihr brechen! — Aber" — und Blitze zuckten wieder unter den Wimpern — „soll denn das Meine zum Opfer auserkoren sein. — Kampf um Kamps! Wehre dich Nichte; denn wie bei dir gilt es mein Alles und ich kann nicht mehr leben, soll ich nicht Siegerin sein!" Sie setzte sich an den Flügel und die wilden Accorde, untermischt von sanften, klagenden Weisen, gaben ein treues Blld der stürmisch aufgeregten Seele. ' (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Am 26. October ist Se. Maj. der König von Hannover auf der Rückreise aus Würtemberg dahier eingetroffen und ohne Aufenthalt mit einem Ertrazuge der Main-Wescrbahn weiter gefahren. — Aus Oppenheim, Dienheim, Nierstein u. s. w. werden Bekanntmachungen erlassen, daß die Weinlese begonnen habe. Aller Orten hofft man auf einen 1848er. — Dem Vernehmen nach dürfte die Erhebung der Gemahlin des Kurfürsten von Hessen in den Fürstenstand demnächst erfolgen. Bereits bezeichnet man die Würde mit dem Titel einer Fürstin von Rinteln. — Am verflossenen Samstag kamen von Hanau die den verschiedenen Gemeinden abgeforderten Bürgerwehrwaffcn, auf 5 Wagen verpackt, auf vem Wege nach Kassel hier durch. — In der Stacht vom 21. auf den 22. October wurden einem Uhrmacher in Offenbach nahe an 70 ihm zur Reparatur übergebenen Uhren gestohlen. — Obergerichtsrath Hänersdorf, gegenwärtig in Marburg lebend, ist in Hanau zum Oberbürgermeister erwählt worden. — Uebcr den Gehalt der heurigen Frankenwcine hören wir, daß der Most von einem dem k. Aerare gehörigen Grundstücke 115 Grad, der von einem Weinberg des Würzburger Spitales sogar 119 Grad wiegt. — Freiherr Hans Christoph Ernst v. Gagern, als Schriftsteller und Staatsmann rühmlichst bekannt, starb am 22. d. M- auf seinem Landsitze zu Hornau. Er erreichte ein Alter von 87 Jahren. — Der Bruder des berüchtigten Wucherers Wolf besuchte kürzlich diesen im Gefängnisse zu Frankenthal und soll er ihm den Rath gegeben haben : sich verhungern zu lassen oder Kieselsteine zu verschlucken, er wolle dann für die Kinder sorgen. Durch diese Prozedur wäre die große Wucheruntersuchung auf einmal zu Ende und die in Frage stehenden 35,000 fl. gerettet. — Der Münchener Landrath hat die Wiedereinführung der Prügelstrafe, bei Raufercesfen, beschlossen. — Die gemeldete Rundreise des Prinz-Präsidenten im Norden Frankreichs reducirt sich auf einige kleine Ausflüge. — Gleichzeitig mit der Proklamation des Kaiserreiches soll, so geht ein Gerücht, von Froschdorf aus ein fusionistischcs Manifest erlassen werden. Auch sagt man, die nach dem 2. December erilirtcn Generale sollten zurückberufen, die Armee reducirt und eine kaiserliche Garde errichtet werden. — Di« Prinzessin Carola Wasa, die man als Louis Napoleons Braut bezeichnet, wird in Morawetz in Mähren zur katholischen Kirche übertreten. — 30 Millionen soll die Civilliste des künftigen Kaisers von Frankreich betragen. Louis XVI. bezog 25 Mill., ebensoviel Kaiser Napoleon I. — Die HH. Salomon Rothschild von Wien, James Rothschild von Paris und Lionel Rothschild von London halten eben zu Frankfurt a. M. einen Familiencongreß. — Die französische Regierung reclamirt von der belgischen die Kosten des Feldzugs vom Jahre 1831 und 32 und der Einnahme der Citadelle von Antwerpen mit 12,294,530 Fr. — Letzter Tage machten in Berlin Fürst Reuß (Husarenlieute- nant) und v.. Zastrow (Dragonerlieutenant) eine Wette von 100 Friedrichsd'or, welche Summe dem zufallen sollte, der im „Dauerlaufe" zuerst Potsdam — 4 Meilen von B. — erreiche. Hr. v. Z. legte die Strecke in 2% Stunden zurück, sein Gegner konnte bei Glienicke, nahe bei Potsdam, nicht mehr fort. — Aus „durchaus verlaßbarer Quelle" wird der „Boss. Zeit." aus Wien versichert, daß bereits Unterhandlungen zwischen Oesterreich und Preußen zur Verständigung der Zoll- und Handelsfrage eingeleitet sind. — In der Gemeinde von Dour hat sich in einer Steinkohlengrube das Gas entzündet, wodurch 30 Personen umgekommen sein sollen. — Am 18. Oktober stieß in der Nacht im Canal (England) die preußische Brigg von 260 Tonnen, Der Zollverein, auf vaS englische Dampfschiff von 800 Tonnen, Le Metropolitain, und versetzte demselben einen solchen Stoß, daß das Wasser eindrang, in weniger als zehn Minuten das Feuer unter den Dampfkesseln ausgelöscht war und das Schiff versank. Der Capitän und die aus 22 Personen bestehende Mannschaft, die ihre Habseligkeiten nicht retten konnten, wurden auf dem Zollverein ausgenommen und nach Portsmuth gebracbt, wo der Zollverein die erlittenen Beschädigungen ausbessern lassen mußte. — In Burgos wettete im Cirrel von Bekannten der 17 Jahre alte Sohn eines angesehenen Beamten, er wolle zwanzig Glas Branntwein trinken und hinterher eine Cigarre rauchen. Der junge Mann goß auch die 20 Glas in einen Humpen und leerte diesen mit Einem Zuge. Als er aber den brennenden Fidibus an die Cigarre brachte, da entzündete sich der mit Alkohol geschwängerte Hauch und der Unglückliche stürzte todt nieder. — Der Bau der Eisenbahn von Konstantinopel nach Belgrad soll wirklich schon nächstes Frühjahr in Angriff genommen werden. — Durch Rcorganisirung der Justiz- und politischen Länderbehörden soll im österr. Staatshaushalt jährlich eine Ersparniß von ca. 7 Mill. Gulden erzielt werden. — In den Sälen der großen Oper in Paris soll nächstens ein napoleonischer Ball zu 20 Fr. Eintrittsgeld gegeben und der Ertrag nach Abzug der Kosten den Ueberschwemmten des Niederrheins überschickt werden. — In England erstrecken sich jetzt die Telegraphen über 4000 Meilen und haben 300,000 Pfd. St. gekostet. 800 Personen sind im Dienst. — Während anderwärts der Himmel seine Schleusen geöffnet, mehr als nöthig war, schmachtet man in der Türkei seit Monaten nach einem befruchtenden Regen. Die Pflanzen sind mit einer dicken Staubdecke überzogen, die sie wohl bis zum Winter behalten werden. — In Dörnigheim ist unter dem Rindvieh die Lungenseuche ausgebrochen und deßhalb Ortssperre angeordnet. — Mehrere mcricanische Städte wurden neulich von den Jndia- nern geplündert und zerstört. Druck und Berlag der G. D. Bri — Im zoologischen Garten in RegentS Park in London ereignete sich dieser Tage ein trauriger Vorfall. Gosting, der Wärter der Schlangen, brachte denselben ihr Futter. Aus Uebermuth nahm er eine der giftigsten Schlangen, eine schöne fünf Fuß lange Cobra (li capello, aus ihrem Behälter und ließ dieselbe sich um seinen Hals winden. Das giftige Thier biß ihn in's Gesicht. Die Wunde blutete stark. Der Wärter, welcher sein Schicksal kannte, brachte die Schlange in ihren Kasten und ließ den Director des Gartens rufen, der ihn sogleich nach dem Spital der Gower-Straße bringen ließ. Nach einer Stunde war der Gebissene des Todes Opfer. Er schien gar nicht zu leiden, das Gift wirkte narkotisch und so starb er in einer Art Lethargie. In Constantinopel, allwo vor Kurzem noch Niemand Abends über die Straßen gehen konnte, ohne Uhr, Börse :c. abgenommen ju bekommen, ist es durch die Thätigkeit der Polizei ein wenig sicherer geworden. Sie schickt ohne Weiteres dem Gesindel etwelche „blaue Bohnen" nach, die ihre Wirkung thun, und so ist man, wenn auch nicht immer allein, doch in kleiner Gesellschaft sicher. Eine Laterne muß Jeder tragen, der nicht bis zum Morgen eingesteckt sein will. "5It Vew-Uork sind in den letzten 12 Monaten nicht weniger als für 4 Mill. Doll, neue Häiqer gebaut worden, außerdem wurden aber noch 6 Millionen für andere Bauten aufgewendet. Wieder taucht das Gerücht auf, daß Sir John Franllin's Erpedition gefunden worden ist. ES klingt zu schön, uni wahr zu fein, jnt „San Francisco Herald" liest man nämlich folgende kurze Correspondenz aus Monterey, 19. August 1852: Ich erfahre, daß die englischen Entdeckungs-Schisse, Erebus und Terror, in Santa Barbara angekomm i sind; die Mannschaft ist vom Scorbut stark mitgenommen. Bei London duellirtcn sich letzter Tage zwei Franzosen, die sich vorher über Politik gestritten (der Eine vertheidigte Ledru Rollin, der Andere Loms Blanc). Einer der Duellanten fiel, sein Gegner und die Secundanten wurden verhaftet. — Englische und holländische Kapitalisten suchen die Concession zur Erbauung einer directen Eisenbahn von Harburg nach Bremen, Oldenburg, Leer, Gröningen, Leuwarven ic. zu erlangen. Hamburg wäre damit auf dem kürzesten Weg mit Holland und England verbunden. — Der Aetna-Ausbruch dauert noch fort, doch ergießt sich die Lava nur noch über die alten Lavaselder. IN iscellen. . „— (K°chen der Hülsenfrüchte). Um hartkochende Hülsen- früchtc in ganz kurzer Zeit vollkommen weich zu kochen, mischt man ihnen, wenn sie an's Feuer gesetzt werden, eine kleine Menge Soda bei, etwa einen Kaffeelöffel voll auf ein Gericht für 6 Personen, Selbst solche Hülsenfrüchte, welche schon mehrere Jahre alt sind, lassen sich auf diese Weise noch ganz weich kochen. Auch dadurch soll man das Weichkochen der Hülsenfrüchte erreichen, daß man dieselben Abends zuvor, ehe sie gekocht werden, in Salzwasser ein- wcicht, und sie darin bis zum Auffetzen quellen läßt. llui Hülsenfrüchte leichter verdaulich zu machen, übergießt man dieselben einige Tage vor dem Kochen mit soviel Wasser, daß dieselben damit bedeckt sind. Nach einiger Zeit fangen sie an zu keimen; sobald der Keim 2—3 Linien lang ist, kocht man nun die Früchte auf die gewöhnliche Weise. Die Hülsen treten dabei an die Oberfläche der kochenden Masse und können leicht entfernt werden. hl'schen Buch- und Sleindruckerei. JK n. Beilage. Auch in -em Zeitensturm -ie Fiebc. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) 7. SKlau genährtes Hoffen. In den Straßen der Resident wogten tausende, sowohl in der Stadt selbst wohnende, als von dem Lande hereingezogene Menschen umher und sammelten sich endlich auf dem großen Raume vor dem fürstlichen Schlosse. Die meisten hatte die gewaltige Richtung des Zeitenstromes erfaßt und sie beabsichtigen, aus reiner Liebe für Freiheit und Recht, Abänderungen und Verbesserungen der vorhan- denen Zustände, ohne daß es jedoch vielen von ihnen hinlänglich klar war, auf was und in wie weit sich das Gewünschte erstrecken sollte. Wie es aber zu allen Zeiten der Fall gewesen ist, daß sich edleren Bestrebungen, die Selbstsucht, der Eigennutz und andere, noch weniger lvbenswerthe Gesinnungen aufgedrungen und so dem Gelingen einer gutgemeinten Sache ein lähmendes Gewicht angehängt haben, so geschah es gerade auch wiederum hier. Neben den zeitgemäßen Reden vernünftiger Männer ließ der Unverstand aberwitziges Geschrei erschallen und seine Stimme war lauter, als die der Einsichtsvolleren. Die Regierung hatte gegen den lärmenden Haufen das Militär anrücken lassen, solchem jedoch alles gewaltthätige Einschreiten untersagt. So standen denn Bürger und Krieger einander gegenüber und betrachteten sich gegenseitig mit Mißtrauen. Rechtschaffene Männer suchten zu vermitteln, die sich der Wirren Freuenden überschütteten dagegen — jedoch wohlweislich aus weiter Ferne — die sonst sehr geachteten Krieger mit Hohn. Aber zum Glücke wußten sich Letztere zu mäßigen und so wurde Unheil verhütet. Da verlangte der Landesvater, daß eine Deputation ihm die Beschwerden vortragen sollte und als jene von sachkundigen Männern schnell ernannt war, verfügte sie sich in's Schloß. Nicht lange, so kehrte sie mit der Willfahrung des Vorgetra- genen zurück unv wenn früherhin der Schloßpiatz von drohendem Geschrei erfüllt war, so erschallte derselbe jetzt von freudigem Jubel, der sich zu ungemessenem Jauchzen steigern, als der Landesvater endlich auf dem Balkone des Schlosses erschien und für die treue Anhänglichkeit an sein Haus mit wenigen herzlichen Worten dankte. Unter wiederholten Lebehochs defilirten nun die Truppen am Schlosse vorüber und begaben sich in ihre Casernen, während die Bürger zwar noch eine Zeit lang auf dem Schloßplatze verweilten, dann aber allmählig zu den Ihrigen kehrten, um denselben die frohe Mähre von gänzlicher Beseitigung der Unruhen zu überbringen. So wähnte man jede Gefahr glücklich vorübergegangen; aber dennoch trieben sich am Nachmittage lärmende Haufen in den Straßen der Residenz umher, deren wilde Fröhlichkeit ost von auögestoßenen Drohungen begleitet wurde. Zwei bärtige Männer, älter der eine, jünger der andere, sonderten sich von einem dieser Haufen plötzlich ab und nahmen ihren Weg nach dem Stadtthore. „Herrlich, vortrefflich!" jubelte der Erstere, „wie wir es haben wollen, so geht es. — Zum Teufel auch mit ihren ganzen Ver- sassungsgeichichten! — Was kann uns der Kram dann nützen? — 6S ist doch weit bester, wir nehmen die jetzige Gelegenheit wahr und Morgen für uns. — Unsere Jagdfrevler und Holzdiebe haben gleich angebissen. Lasse du mich aber erst einmal an die Bauern gerathen, die sollen den gnädigen Herren die Hölle noch beiß machen. Vor allen Dingen, lieber Henrich, nur mich nicht verrathen!" „Deine Bemerkung ist überflüssig, alter Brenno", entgegnete der Jüngere. „Hätte ich dich mit hineinziehen wollen, so war mir dazu Gelegenheit genug gegeben. Allein ich weiß, daß es besser geht, wenn in einer Untersuchung einer allein ist. Zwei sind eine schlimme Sache; was der Eine nicht plaudert, verschwätzt der ■ Andere und am Ende sitzen Beide fest. Also — schwieg ich." „Bist ein prächtiger Bursche!" frohlockte der Aeltere. „Aber sage mir nur einmal, wie du dem verdammten Loche entkommen bist?" ,,Jugendverbindungen!" antwortete Henrich, leichthin und sich in die Brust werfend. „Man weiß sich interessant zu machen, um I etwas Liebes wagt ein Mädchen schon viel — sehr viel!" „Um dich?" lächelte Brenno mit Zweifel in dem Blicke. „Um mich!" bekräftigte Henrich mit gewichtigem Nicken. „Ein andermal mehr davon; denn siehst du da oben an dem Fenster jenes prachtvollen Hauses, an dessen Seiten Cypressen stehen? — Da i muß ich jetzt hinein. Das soll ein köstlicher Spaß werden!" Mit diesen Worten verließ Henrich seinen, ihm verwundert nachsehenden Begleiter und eilte nach dem bezeichneten Hause, hinter dessen einem Fenster die undeutlichen Umrisse einer reich geschmückten Dame sichtbar waren. Rasch zog er die Klingel. Ein alter, mit Silberborden galonirter Diener öffnete und blickte verwundert und staunend ans den Einlaß Begehrenden. Dieser aber stieß den Fragenden bei Seite und eilte über die breite Treppe hinauf in's obere Stockwerk. Mit kühner Hand klopfte er an eine Thüre, die er für die ■ rechte hielt und auf Las „Herein!" trat er festen Schrittes in daS geöffnete Zimmer. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Der Großfürst Thronfolger nebst Gemahlin haben Darmstadt wieder verlassen und sich vorerst nach Venedig und Wien begeben. — Das Mainzer neue Casino, dessen Mitgliederzahl mehr als 500 beträgt, ist polizeilich geschloffen worden. Polizeibeamte bewachen die Eingänge. — Die Pfälzer Winzer, die zu zeitig ihre diesjährige Crescenz um 190 unv 200 fl. pr. Fuder abgaben, raufen sich jetzt die Haare, indem der Wein nun schon bis zu 380 fl. bezahlt wird. — Die Edinburgher Eisenbahn - Gesellschaft mußte neulich einem Reisenden, der wegen Zuspäteintreffens eines Zuges in seinen Geschäften Schaven erlitt und deßhalb gerichtliche Klage führte, Entschädigung zahlen. — Baron James v. Rothschild erhielt von S. M. dem Kaiser von Oesterreich das Comthnrkreuz dcö Ordens der eisernen Krone. — Die Güter, welche der Kurfürst von Hessen in Böhmen acgüi- rirte, haben die Summe von vrittehalb Millionen Gulden gekostet. — Pfälzischer Hopfen und Tabak der letzten Erndte sind sehr gesucht. Tabak besserer Qualität wird bis zu 25 fl. pr. Ctr. bezahlt; für Hopfen werden ebenfalls gute Preise bewilligt. — Eine neuangestellte Berechnung ergibt, daß in Frankfurt durchschnittlich pr. Jahr 10,000 Ctr. Kaffee und noch einmal soviel Zucker consumirt wird. — Den Aerzten und Wundärzten im Landgebiete der freien Stadt Frankfurt wurde aufgegeben, gewisse -Arzneien (ca. 33) für dringende Fälle stets porräthig.zu Halten. 34 — In München befehden sich zwei Parteien; die eine sagt, es sei recht, daß die bayerische Victoria auf dem Siegesthor der Stadt den Rücken kehre, die andere bestreitet dieses, und so setzt es eben manche harte 'Reden und am Ende auch — Püffe. — In Würzburg trat vor Kurzem ein Protestant zum Katho- licismus, in Berlin ein Jude (Stadtrath H. Jacobson) zum Dcutsch- katholicismus über. — Eine übel beleumundete Frau, in der Judengasse in Frankfurt wohnend, wurde am Abend des 28. Octobers tobt im Bette gefunden, Natten hatte» das Gesicht bereits zernagt! — Im Berliner Thierarzneischulgarten fanv man in der dort nur 2 Fuß tiefen Panke jüngst ein etwa 20 Jahre altes Frauenzimmer tobt. Die Klcibung war sehr fein unb es sind Anzeichen eines Verbrechens vorhanden. — In Dresben warf sich ein Schneibergeselle aus Nordheim unter einen Frachtwagen und ließ sich die Räder über den Kopf gehen. Die Ursache zu diesem Setbsimord ist noch nicht bekannt. — Der von Frankfurt aus verfolgte Raubmörder Schmibt ist in Heppenheim an der Bergstraße ergriffen worben. Weil er aber Hess. Untcrthan ist, wird auch dort Untersuchung und Bestrafung erfolgen. — Frankreich unb einige italienische Staaten sollen ebenfalls Willens sein, ihren Angehörigen aus dem Handwerkerstände die Rückkehr aus der Schweiz zu befehlen. — Louis Napoleon hat einem Münchener Portier, welcher früher lange bei ihm diente, sein Portrait und auch klingende Beweise seiner Anhänglichkeit zukommen lassen. — In München wurde in einer dehfletzten Nächte einem Herrn, während er das Hausthor auischloß, von einem nachschleichenbcn Burschen Uhr sammt Kette entrisse». Der freche Dieb entkam glücklich. — Auch aus der Schweiz wird über die Frechheit des Gesindels geklagt. Raubmorde, Diebstähle rc. am Hellen lichten Tage sind nichts Seltenes. — Zu dem am 15. oder 16. d. M. stattfindenden Leichenbegängnisse des Herzogs von Wellington wird sich auch eine sehr große Zahl preußischer Officiere nach London verfügen. — Von dem Leichenbegängnisse des Herzogs von Wellington heißt es : Die Spcculation hat sich des hMhmten Todten vollends bemächtigt. Die „Times" wimmelt von Fenster - Vermiethungs - Anzeigen. Ein ganzes Fenster kostet 20—25 GuUeen, ein einzelner Platz 2 — 5 Guineen. Trotzdem wird kein Plätzchen frei bleiben. — Ein Schiff, das mit Schlachtvieh nach London unterwegs war, wurde im Canal von einem Sturm so unmanierlich angelassen, daß der Capital» 237 Ochsen und 258 Hämmel über Bord werfen mußte. — Auf einzelne Schiffe der deutschen Flotte sind Kausgebote aus Englanb eingelaufen. Die osterr. Anerbietungen sollen ratificirt worben sein. — Dem deutschen Dichter Pfeffel soll in Colmar ein Denkmal errichtet werden. — Gerüchte wollen sogar einen Besuch der russ. Kaiserin in Frankreich in Aussicht stellen. Dieselbe werbe in Pau ben Winter verleben unb dann von ihrem hohen Gemahl abgeholt werden. — Abb - el-Kader ist in Paris auf eine seiner Würde entsprechende Weise empfangen worden. Auch das Volk grüßte ihn ehrfurchtsvoll. Ueberall drängt man sich heran, ihn zu sehen. Er ist, unserer Schätzung nach, etwa 44 Jahre alt, hat sehr schöne schwarze, sanfte Augen unb ein gmmüchiges unb blasses Gesicht. Alan hat ihm aus bem Grunbe alle Merkwürdigkeiten rc. gezeigt, ihn beschenkt, bannt er seine ehemaligen Feinde achten und bewundern lerne. Er wird erst nach Proclamirung des Kaiserreiches Frankreich verlasse». — In einer alten spanischen Bergveste (bei Vitoria), die jetzt abgetragen wird, hat man neuerdings wieder einen großen Schatz, 500,000 Piaster an Werth, amgefunden. Es sind dies zertrümmerte Kirchengefäße. Alte Umwohner wollen sich »och erinnern, daß während der franz. Invasion schwerbeladene Soldaten sich auf den Berg geflüchtet und in den Ruinen verschwunden seien. Ihre Verfolger hätten hierauf Holz und Reisig in die unterirdischen Schlupfwinkel geworfen, dasselbe angezündet, alle Ausgänge dicht verrammelt unb so die Feinde erstickt. Dafür sprechen auch die Skelette von sechs Menschen und sechs Gewehre, die bei den Schätzen lagen. — In Nordamerika herrscht nach den neuesten Nachrichten die Kartoffelkrankh.it. Im Staate Maryland unv angrenzende» Districten liefert die Kartoffelerndte eine» geringen Ertrag. Es gießt Dort Gutsbesitzer, die kaum die Aussaat, viele aber gar »ichts erndten. — Die Zahl der jetzt in Californie» ejngewanderten Chinesen beträgt über 27,000. Ende dieses Jahres wird sich aber die Zahl verdoppelt habe», ben» es sind immer 30 Schiffe unterwegs. Bis jetzt habe» sich jeboch nur 22 Frauen vom Kantonflusse iii’6 Gold- land gewagt. M i s c e l l e n. — (Stachelige Küsse). Die Jndiaiierinnen im hollänbischen Guiana suchen sich, wie S. Frievmaun erzählt, auf eine in ber Thal höchst seltsame Weise gegen zärtliche Angriffe zu vertbeibigen. Im Munde nämlich tragen sie zwei Stecknabeln mit großen Knöpfe», welche sie mit großer Behendigkeit durch eine an der Unterlippe angebrachte künstliche Oeffnung heraus- und wieder zurück- schieben können. Auf diese Weise wird jede Indianerin, wenigstens so weit sich dem äußern Ansehen nach schließe» läßt, zum noli me tangere, unb bas Küsse» ist bem Uttberufene» gefährlich. — (Es ist gefährlich, eine Locke zu verichenken), ben» bie Somuambülen lesen aus ber Locke bas ganze Leben ber- ober desjenigen, von dessen Haupte sie genommen ist. Ein Beweis davon kant kürzlich in Paris vor. Ein junger Mann in der Provinz hatte sich mit einem schönen Mädchen dort verlobt und die Heirath sollte bald erfolgen. Der Bräutigam mußte indeß vorher in mancherlei Geschäften »ach der Hauptstadt reisen und als Amulet erbat er sich eine Locke von der Geliebten. I» Paris hörte er nun überall davon reden, daß die Somuambülen, denen man eine Locke vorlege, anzugeben vermochten, wie die Person sich befinde, von der Jte herrühre. Um also Nachricht von der Geliebte» zu erhalte», ging der Bräutigam zu einer Somnambüle unb legte ihr die Locke vor. — „Die Person, von welcher bieß Haar herrührt", sagte die Hellseherin, „hat viel geliebt unb viel gelitten." — Der Bräutigam machte große Augen. — „Sie ist seit zwei Jahren Wittwe." Da lachte der Bräutigam. „Sie hat den Mann, de» sie liebte, verlöre»; ob durch ven Tod ober durch Trennung weiß ich nicht", setzte die Somnambüle hinzu. Der Bräutigam erklärte lachend, daß bie Dame, von welcher er die Locke erhalten/ ein junges Mädchen sei, bie Hellseherin aber blieb unerschütterlich bei ihrer Erklärung unb fügte überdieß hinzu, ber Geliebte ter Dame ,ei »jn Soldat. Da wurde ber. Bräutigam bedenklich; er kehrte, ohne seine Ankunft zu melde», i» bie Stabt zurück, in welcher seine Braut wohnte und erfuhr endlich nach vielem Fragen, daß dieselbe allerdings früher ein vertrautes Verhältuiß mit einem Officier gehabt habe, ber seit zwei Jahre» i» Algier sei. Aus Verbruß darüber, baß sie >hm Ließ verschwiegen, sanbte ber Bräutigam bie Locke bem Mädchen zurück, meldete ihr, wie er durch dieselbe die Wahrheit erfahren und erklärte zugleich, daß ihr Verhaliniß geloset sei._______________ Druck unv Verlag Der G. D. Vruhl'schen Buch- uuD istemDruderei. 18. Beilage. Auch in -em Keitensturm die Fiebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Eusebia von Dannberg, noch an demselben Fenster weilend und in das Getümmel der Strane blickend, mar höchlichst betroffen, als sie sich auf das entstandene Geräusch umwendete und den Einge- drungenen bemerkte. Henrich grüßte mit Anstand, firirte dann das Fräulein und begann mit kecker, leichfertiger Rede : „Sie sind wohl sehr überrascht, meine Gnädige, mich hier zu sehen? — Es geht manchmal so wunderbar in der Welt zu und da wir geringeren Leute jetzt auch etwas gelten, so dachte ich, der Baronesse wird dein Besuch nicht unangenehm sein." — Eusebia, die ihren Plan schon längst entworfen hatte, faßte sich schnell und entgegnete mit ruhiger, freundlicher Miene : „Zn der That, mein Herr Henrich, das ist er auch nicht. Ich freue mich vielmehr, Sie bei mir zu sehen." Henrich, voll Rachsucht gegen die Dannbergische Familie — versteht sich mit Ausnahmen — wollte Eusebien unangenehm und lästig sein und diese versicherte ihn jetzt, daß er willkommen sei. Die Reihe des Ueberraschtseins war daher an ihm. Eusebia weidete sich an seiner verlegenen Miene. Nach einer Weile, während welcher Henrich vergeblich Fassung zu erringen suchte, begann sie mit einschmeichelnder Rede ; „Sie wähnen in mir eine Feindin zu sehen.— Sie irren; ich habe meine Ansicht geändert." „Das Freifräulein von Dannberg!" rief jetzt Henrich unter Staunen. „Warum wunderten Sie sich nicht über den Herrn Baron von Marnstein", versetzte Eusebia mit gänzlich unbefangener Miene, „der seiner Ansicht wirkliche Opfer bringen mußte?" „Opfer, ich verstehe Sie nicht?" „Nachdem heute der Herr Baron von dem Volke auf dem Schloßplatze zum Sprecher erwählt worden und bei Serenissimus die Anrede gehalten hat, werden Sie doch leicht ermessen können, daß bei meinem Bruder seine Abfichten nicht mehr zu realisiren sind." Wie ein Blitzstrahl fuhr es jetzt Henrich durch den Sinn. Er betrachtete zweifelnd und fragend die Baronesse und diese — lächelte und nickte. Es kam ihm vor, als ob das Letztere auf Ermuthi- gung deuten sollte. „Marnstein wird", fuhr jetzt Eusebia wie absichtslos fort, „unter den jetzigen Conjuncturen auch schon von selbst alle Absichten aufgeben, da anderweite Aussichten sich ihm eröffnen und eine Verbindung mit einer solchen reaktionären Familie ihn in dem Sieges- fluge seiner Parthei nur aufhalten kann." „Fräulein", rief Henrich mit Begeisterung, verstehe ich Sie recht! ? — " „Bauen Sie nicht zu sehr auf meine Ansichten", entgegnete Eusebia mit glatter Gewandtheit, „sie könnten irrig sein, auch habe ich nichts gesagt." „Freilich", setzte Henrich halblaut und unter Stirnerunzeln hinzu, „ist die Zeit der Ständcunterschiede jetzt vorüber und ras Talent und Genie bricht sich unbehindert seine Bahn." „Es darf dem Manne nur der Muth nicht fehlen!" Henrich warf sich in die Brust und strich das Haar aus der Stirne : „Fräulein, Sie wissen mehr. „Wer war es denn, der den kühnen Schritt zu Ihrer Befreiung gewagt?" versetzte Eujebia mit schlauem Lächeln, indem sie listig nach dem erröthenden Henrich schaute. „O, ja, rief jetzt dieser mit Zuversicht, „ich täusche mich nicht, Theklas Herz schlägt noch eben so theilnehmend für mich, als in den Tagen, wo wir als Kinder mit einander spielten!" „Glauben und Hoffen liegen neben einander", entgegnete die Baronesse. „Darf ich auf Ihre Beihülfe rechnen?" fragte jetzt Henrich mit kecker Entschlossenheit. „Wahre Freunde einer Parthei verlassen sich in keiner Angelegenheit." „Was rathen Sie mit zu tbun?" „Für mich discret, für Thekla aber offen und wahr zu sein." „Darf ich wieder kommen?" „Meine Villa liegt eine halbe Stunde entfernt, dort können Sie mich ungesehen und allein sprechen." (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — In Frankfurt a. M. sprang am 9. d. M., Abends zwischen 7 und 8 Uhr, ein Mädchen von der alten Brücke in den Main und wurde, nur wenige Lebenszeichen von sich gebend, wieder herausgezogen. — Ein bayerischer Soldat, in der Nähe Offenbachs erstochen gefunden, wurde im dortigen Spital unlergcbracht. Die Untersuchung ist eingeleitet. — Am verflossenen Sonntag verunglückte zwischen Wiesbaden und Mainz ein Eonducteur der Eisenbahn. Er fiel, brach ein Bein und wäre noch beinahe in dem dort vorbeifließenden Mühlgraben ertrunken. — Ein ähnliches Mißgeschick widerfuhr einem Eonducteur der badischen Bahn. Beim Klettern um einen Wagen, beim Einfahren in den Heidelberger Bahnhof, stürzte er herab, und wurde ihm ein Fuß zerquetscht, Gesicht und Hände stark beschädigt. i — Der Mörder des Majors Glaser in Stuttgart ist zu Zuchl- \ Hausstrafe auf Lebenszeit verurtheilt. j — Das Gerücht, die preuß. Armee werde mobil gemacht und einige Corps am Rhein aufgestellt, soll ungegründet sein. ! — In einer der letzten Nächte ist dem von Köln nach Coblenz fahrenden Postwagen unterhalb Remagen eine Summe von etwa 9000 Thlr., so wie das Eoblenzer Bnefpacket auf eine noch nicht ermittelte Weise abhanden gekommen und nur letzteres wieder gefunden worden. Hoffentlich wird es gelingen, des Thäters habhaft zu werden. — In der Nacht vom 10. auf den 11. d. M. wurde in Unterpleichfeld dem Schweinfurter Boten, während er seine Pferde in den Stall führte, aus dem Wagen ein Koffer mit mehreren tausend Gulden baarem Gelve gestohlen. Alsogleich ordnete die Gensd'ar- uterie eine Streife an, in Folge deren der Koffer eine Viertelstunde vom Orte entfernt unversehrt gefunden wurde. Von den Dieben hat man noch keine Spur. — Vorgestern Nachmittag wurden in Frankfurt a. M. nicht weniger als 8 große Diebstähle vollführt und zur polizeilichen Anzeige ge- Darf ich meine Hoffnungen nähren ?" bracht. 36 — Die Stadt Hamburg, welche 133,000 Einwohner zählt, hatte jüngst einen Nachrichter nöthig. Die Stelle wurde ausgeschrieben, und in eilf Tagen meldeten sich 602 Scharfrichter-Candidaten, was um so auffallender ist, da die Stelle nur einem Hamburger Bürger anvertraut werden darf. — Zn Altona, wo kürzlich eine Schildwache gröblich insultirt wurde, ist den Wachposten Befehl crtheilt, bei ähnlichen Vorkommnissen Feuer zu geben. — Am 16. d. M. wird die pfälzische Bahn in ihrer ganzen Länge dem Verkehr übergeben und demnächst auch fliegende Post- bureaur errichtet werden. — Zu Duisburg hat ein Buchdrucker, der gerade rothe Tabaks- Etiquetten druckte, den Theaterzettel zum Geburtsfeste S. M. des Königs auch roth gedruckt, um, wie er sagt, seine gute preußische Gesinnung an den Tag zu geben. Die Polizei, die aber darin eine Demonstration sah, gab dem Buchdrucker einen Verweis, in welchem dieser eine Injurie zu finden glaubte und nun gerichtliche Klage führt. — Die Magd des Gefängnißwärters in Carlsruhe öffnete am 7. d. M. Nachts die Zellen zweier Gefangenen und entfloh mit denselben. Am 8. d. M. wurden sie alle drei wieder eingebracht, worauf sich das Mädchen im Gefängniß erhängte. — In München fand bei einem Pistolenduell ein junger Baron von Köster den Tod. Sein Gegner ist bis jetzt unermittelt. — Die Strafe lebenswieriger Haft ist über den Taunusbahnwärter, welcher vor Kurzem seine Frau bei Flörsheim im Main e> tränkte, verhängt worden. — Der Winkeler Einwohner, welcher seine 17jährige Tochter im.Schornstein aufhängte, um sie so zu tödten (das Mädchen befreite sich bekanntlich rechtzeitig), wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt. — Es ist jetzt ziemlich ausgemacht, daß die feierliche Bestattung des Herzogs von Wellington erst am 21. d. M., oder noch später, siattfinden wird. — Oesterreichische Officiere werden an der Leichenfeier für den Herzog von Wellington in London nicht Theil nehmen. — Die „D. Volksh." schreibt, es würden deßhalb keine österr. Officiere der Trauerfeier in London beiwohnen, weil S. M. erklärt habe : „Diese (die österreichische) Uniform war in London der Gegenstand der Beschimpfung des Straßenpöbels und eine Satis- faction ist dafür nicht gegeben worden. Ich will Sie nicht das zweite Mal einer gleichen Gefahr aussetzen." — Zu Versailles wurde am 5. November in einer Versteigerung ein Miniaturgemälde des Herzogs von Wellington, welches der berühmte Jsabey im Jahre 1818 malte, von dem Marquis Hcrlford für den enormen Preis von 10,600 Frcs. erstanden. — In Spanien kamen jüngst bei den Herrichtungen der Kirchenfeierlichkeiten zu Ehren Wellingtons und Castanos gegen 20 Personen um's Leben. Gerüste brachen und Arbeiter und anordnende Geistliche blieben tobt. — Dem Abgeordneten K. in Speier, der bei der neulichen Anwesenheit des Königs Plötzlich unpäßlich und unsichtbar geworden, wurde in der Nacht sein Haus ganz blau-weiß angestrichen. Diesen Schwank erzählt die „M. Volksbötin." — Nicht allein in Frankfurt, auch anderwärts haben die Herbst, feuerlichkeiten Unheil angerichtet. In Heilbronn, wo 6 Personen mit Feuerwerk-Anfertigen beschäftigt waren, fiel die auf dem Tische stehende Lampe um, entzündete das dort aufgeschüttete Pulver und dieses wieder sämmtliche im Zimmer angehäufte Schwärmer, Frösche rc. Eine Wand des Hauses ward hinausgedrückt und die HauSthüre so eingeklemmt, daß die Unglücklichen, die außerdem gräßliche Brandwunden davon trugen, sie lange nicht öffnen konnten und dem Ersticken nahe waren. — In Aschaffenburg wurden falsche s. g. engl. Krvnentbaler angehalten, die kaum als unächt zu erkennen sind. Da der eigentliche Werth derselben nur höchstens 40 fr. beträgt, so mahnen wir zur Vorsicht. Auf der Fr. - W. - Nordbahn wurden im September d. I. 36,000 Thlr. eingenommen, 13,088 'A Thlr. mehr als im September 1851. In Paris werden die Vorbereitungen zu dem großen Ereigniß der Proclainirung des Kaiserreiches immer rüstiger betrieben. Der Hofstab und die Garderegimenter werden organistrt, selbst die Kaiserkrone, die bei einem Juwelier in der rue Vivien ne in Arbeit ist, und die sehr reich und glänzenv werden soll, ist bald fertig. In den belgischen Militärgefängnissen Hal man jetzt arge- fangen, sowohl bei leichten als bei schweren Strafen das Zellen- System einzuführen. Die Sträflinge sind streng geschieden und Jeder hat Einzelhaft. George Sand erhielt von Louis Napoleon das Kreuz der Ehrenlegion. In der Pariser Münze sind versuchsweise Geldstücke mit dem Bildniß Louis Napoleons und der Umschrift „Napoleon Empereur“ unb auf bei" anbern Seite „Empire fran^ais“ geprägt worben. In Woolwich brach jüngst in einem Zimmer Feuer aus, über besten Entstehen bis jetzt ein Dunkel lag. Enblich kam man da- hinter : eine gezähmte, nachahmungslustige Dohle vertrieb sich die Zeit mit frei umherliegenden Streichhölzern, bis zuletzt eines zünbete. Eine im Hamb. Corresp. veröffentlichte Berechnung erweist, baß ber nun verstorbene v. Lengerke, Beamter ber Schulden-Admi- nistrations-Deputation, welcher im vorigen Jahre auf seinen Betrügereien ertappt wurde, in 36 Jahren dem Staate successive 100,000 Thlr. Ct. entwendet hat. — Der „Moniteur du Loiret" berichtet, daß, als kürzlich zu Beaugeuey zwei Brautleute in der Kirche getraut werden sollten, ein junges Piävchen, das den Bräutigam liebte, sich auf die Braut stürzte und bic|tr in allem Ernste vor dem Altar die Augen aus- zukratzcn versuchte. Nur mit genauer Mühe, wie man meldet, gelang es dem Bräutigam, und den Trauungszeugen die wüthend Eifersüchtige von ihrem Opfer loszureißen. — Fortwährend kommen in der Umgegend von Paris Angriffe auf einzelne Militärs vor. — Das Zuchtpolizeigericht hat vier Personen wegen Schmähung L. Napoleons verurtheilt. — Der König von Neapel hat die Niederschlagung von ca. 2000 politischen Untersuchungen angeordnet, sieben zum Tod Verurtheilten Zwangsarbeit diciirt und vielen Andern die, zum Theil langjährige Hast ganz geschenkt oder bedeutend gemildert. — In Persien sollen 400 Personen, an dem Attentat gegen den Schah betheiligt, grausam hingerichtet worden sein. — Die Pariser schwärmen noch immer für und um Abd-el- Kader, so daß er jetzt, der Massen Neugieriger wegen, Wachen vor den Thüren hat. — Das englische Parlament ist am 4. November eröffnet worden Es ist seit dem Regierungsantritt der Königin Victoria das vierte. — Die auf-Jersey lebenden französischen Flüchtlinge haben in englischen Blättern eine energische Protestation, unterzeichnet von Victor Hugo, Fonbertaud und Faure und mit einem heftigen Begleitschreiben deS Er-Abgeordneten Schölcher versehen, gegen die Wiedereinführung des Kaiserreiches veröffentlicht. — Webster soll, nach neueren Berichten aus New-Uork, auf seine Candidatur für die Präsidentschaft der Union Verzicht geleistet haben, und dies aus Gesundheitsrücksichten. — Kaiser Ferdinand soll in Prag erkrankt sei». — Eine telegraphische Depesche aus Petersburg meldet den Tod des Herzogs von Leuchtenberg. Druck und Verlag ber G. D. Brühl'schen Buch- unb Steiilbruüerei. JE IS. Beilage. Auch in -em Zeitensturm -ie Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Henrich war überglücklich. Er küßte Eusebien die Hand und eilte, vor Entzücken taumelnd, aus dem Hause. Eusebia sah ihm listig nach : „Die Marionette tanzt vortrefflich und wird mein Spiel gewinnen machen. Wie richtig, daß ich meines Herrn Bruders altes Schloß verließ und meine Wohnung hier in der Restvenz wieder bezog. — Marnstein ist hier und lebt in dem Strudel der TageS- ergebnisse. Ich werde schlau vie Saiten berühren, die angenehm in seinem Innern wiederklingen und während ich so leise in sein Herz mich schleiche, verdrängt Mißtrauen und Eifersucht ein anderes mir verhaßtes Bilv. — Ob er wohl heute kommen wird? — Ich hoffe es. — Doch in diesen Pracktgewändern varf er mich nicht treffen. Er liebt dieß nicht und ich muß vorerst auf seine Ideen eingehen." Sie klingelte und das Kammermädchen trat ein. „Den einfach weißen Anzug will ich anlegen." „Wie, gnädiges Fräulein, hier in der Residenz?" „Thue, wie ich befehle." Das Mädchen entfernte sich und Eusebia lächelte. „Wüßte sie den Preis, würde sie nicht sich wundern. Männer zu erobern, muß auch die Eitelkeit ihr Opfer bringen." Sicheren Schrittes verließ sie daS Zimmer. 8. S turmes-W ogen. Ein freundlicher Märztag eilte zu Ende und der öffentliche Hofgarten umzog sich mit Dämmerung. Während derselbe von Lustwandelnden sich entvölkerte und die Amseln zirpend die knospen- ; de» Sträuche durchschwirrten, belebten sich die Straßen der Residenz i mit fröhlich umherziehenden Menschen. j Ein prachtvoller Zapfenstreich des Garderegimentes, an welchen I Hunderte von Fackelträgern sich anschlossen, wandelte, umsurrt von j tausend Jubelnden, durch die festlich erleuchtete Stadt. Dem Laudes- vaier wurde vor dem Schlöffe die erste Serenade gebracht. Er erschien auf der großen Altane, Allen sichtbar durch die Beleuchtung großer Giraudolen, welche Bediente in Galla ihm zur Seite trugen, und dankte mit herzlichen Worten für die neuen Beweise treuer Anhänglichkeit und Liebe. Donnerndes Vivat und nie enden wollender Jubel der Kopf an Kopf gedrängten Menge war die Antwort. Der Musikzug setzte sich nun aufs Neue in Bewegung und nahm seine Richtung, die geschmückten Festordner an der Spitze, der Lindenallee entlang nach dem Bergthore. „Zu dem Manne ves Volkes", tönte es jetzt von tausend und aber tausend Stimmen, „zu dem wahren Freunde des Vaterlandes, zu dem kühnen Redner für Freiheit und Recht, zu Marnstein! Mit der Heftigkeit des vom milden Thauwinde geschwellten Bergstromes, wo Well' an Welle überschäumt, wälzte sich jetzt die vielbewegte Masse nach einem Gebäude zu, das in der Nähe des Thores aus einem weit sich dehnenden Garten in einsacher Größe hervorragte. Schon ordnete sich der nachgcfolgte Zug und das einsame Haus erleuchteten im ungewissen Scheine die vom Winde bewegten Fackelflammen, als Bediente aus dem Hause ängstlich heraus- kamcn und um die Ursache dieses nächtlichen Zusammenlaufes sich erkundigten. Von den Festordnern freundlich, von der Menge aber spottend, wurden die Erschrockenen verständigt, daß es sich hier um einen Act der Huldigung und der Dankbarkeit handle, worauf die Bedienten bemerkten, daß Herr von Marnstein nicht zu Hause, viel» mehr in einer Abendgesellschaft bei der Baronesse von Dannberg sich befinde. Betroffen hörte der Haufe diese Nachricht, die allmählig von Mund zu Munde fortlaufend, Anfangs leises Gemurmel, später aber tobendes Ungestüm veranlaßte. Dannberg, Bedrücker des Volkes, Förderer der Gewalt, Bezwinger der Freiheit, Parthei des Rückschrittes und viel dergleichen Worte flogen gellend durch die Lüfte und nur mit vieler Mühe gelang es den Festordnern, die rasch entzündete Menge einigermaßen zu beschwichtigen, damit dem allgemein verehrten Manne die Festserenade, wo er sich auch befinden möge, an dem heutigen denkwürdigen Tage dennoch dargebracht werden möge. Der Zug setzte sich nun abermals und zwar nach dem Wohn» Hause Eusebiens in Bewegung und die munteren Weisen der Musik übertönte von der einen Seite des buntscheckigen Gefolges Jubelruf, von der andern aber drohendes Heulen und Pfeifen. Marnsteins und Eusebiens Wohnungen lagen an entgegengesetzten Enden der Stadt und der Zug, der eine große Strecke durchwandern mußte, bedurfte deshalb eine geraume Zeit, bis er an dem Orte seiner neuen Bestimmung anlangen konnte. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Professor Dr. Schäfer in Gießen ist in Anerkennung seiner Verdienste um die Geschichte Portugals von der Königin von Portugal zum Commandeur des Christus-Ordens ernannt worden. — Ein Nordlicht wurde kürzlich hier und an vielen anderen Orten, als im Taunus, in Mannheim, Carlsruhe, Straßburg, Stuttgart ic. wahrgenommen. Gleichzeitig waren die Telegraphen, namentlich die bad. und würt., durch Einwirkung der atmosphärischen Electricität verhindert zu spielen. — Von nun an ist im Kurhessischen die ältere Verordnung, wornach fremdländische Israeliten (Dienstboten, Handwerksgesellen u. s. >v.) bei Strafe nicht in Dienste genommen werden dürfen, wieder in Kraft gesetzt. — Vom preuß. General-Steuerdireetorium soll bereits der Befehl zur Errichtung von Zollhäusern an der sächsischen Gränze ertheilt worden sein. — Am 13. Nov. stürzte sich ein junger Mensch von der Brücke bei Frankfurt in den Main, wurve aber noch gerettet. — Man hat erfahren, daß an derselben Stelle zwischen Cöln und Coblenz, wo kürzlich die Post beraubt wurde, vor einigen Jahren ganz dieselbe That zur Ausführung kam. Damals wurden ca. 6000 Thlr. gestohlen und die Diebe auch nicht entdeckt. — Das Obergericht in Kassel hat 14 Mitglieder des Stadtraths von Hanau theils zu 3 Monaten, theils zu 6 Wochen Gesängniß- strafe verurtheilt, weil sie 1850 den in Wilhelmsbad verweilenden Kurfürsten in einer Adresse zur sofortigen Rückkehr nach Kassel aufgefordert hatten. — Den Gasthofbesitzern in Kassel ist eröffnet worden, daß di« Concesfion zum Weinschank ihnen vom 1. April 1853 an nicht werde erneuert werden. Wie man hört, sollen ihnen dagegen Pachtbriefe für eine gewisse Reihe von Jahren, zu einem noch zu bestimmenden Pachtzins verabreicht werden. 38 — Die Neckardampfschifffahrts - Gesellschaft will sich, um die Concurrenz mit der Bruchsal-Bietigheimer Eisenbahn bestehen zu können, neue schnellsegelnde Boote bauen lassen und dann auch ihre Fahrten auf dem Rhein und bis Cöln ausdehnen. — In dem badischen Dorfe Ortenberg am Schwarzwald wollten am 1. November einige Zecher mit einem übrigens der Trunkenheit sehr ergebenen alten Musiker ihren Spaß treiben. Sie gaben demselben ein aus verschiedenen erhitzten Stoffen zusammengesetztes Getränk in solchem Maaße, daß er dem Tode nahe gebracht wurde, und um ihn zu retten, vergruben sie ihn fast brennend in Pferdemist. Allein vergebens; der Unglückliche hauchte bald sein Leben aus. — Am 10. Nov., als am Todestage des Robert Blum, wurde eine schwarze Fahne, auf einem Baume der Bornheimer Weide bei Frankfurt wehend, durch die Polizei herabgenommen. Gleiches geschah mit einer solchen, die am 11. früh vor dem Schaumainthore ausgesteckt war. — Die flüchtigen langfingerigen Hamburger Polizeibeamten wurden richtig in Liverpool erwischt. Die Schelme wären aber trotz des Telegraphirens durchgekommen, wäre das Boot in Liverpool nicht zufällig länger als gewöhnlich aufgehalten worden. — Der große Communistenprozeß, der in letzter Zeit in Cöln verhandelt wurde und Aller Augen auf sich zog, ist beendet. Frei- gesprochen wurden Erharv, Klein, Dr. Jacobi und Dr. Daniels. Perurtheilt wurden Bürgeis, Nolhjung und Röser zu 6, Dr. Becker, Otto und Reiff zu 5 und Leßner zu 3 Jahren und solidarisch in die Kosten. — Der heil. Vater ist den Neuangekommenen franz. Truppen auf der Straße nach Civitavecchia entgegengefahren und ertheilte ihnen den Segen. — Zu Paris ward am 12. Nov. ein Postbeamter, der nach und nach 122,308 Frcs. entwendet hatte, zu 12 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt. — In den Pariser Bilderläden findet man schon Louis Napo- leon's Portrait mit Hermelin, Scepter und Krone. — Das Manifest des Grafen Chambord ist erschienen, und zwar mit an gefügten Instructionen für die Anhänger Heinrich V. Sie werden darin aufgesordert, am 21. und 22. November ja nicht zu stimmen. — Die französische Armee, einschließlich der Heerestheile in Afrika und Rom, beträgt 370,000 Mann. Es soll — hiernach eine Verminderung von 30,000 Mann eingetreten sein. — In Paris soll seit Kurzem die Cavallerie in den dortigen Bahnhöfen Erercitien machen, die Pferde rasch in die Waggons zu bringen und sicher zu stellen. Ü Der am 16. Nov. in Frankfurt a. M. verstorbene Schauspieler, Herr Lcißring, hat ein Testament hinterlaffen, das eine höchst sonderbare Bestimmung enthält. Der Testator vermachte nämlich seinen Leib dem Senkenberger Stifte der Art, daß „ihm die Haut über die Ohren gezogen werden solle" und zwar durch die kunstgeübte Hand des Herrn Ur. F......... welchem zugleich für diese Function ein Honorar von 100 st. ausgesetzt ist. Auf eine sofort von Seiten des Stadtgerichts H. an die Verwaltung des Senkenberger Stiftes gestellte Anfrage über dte Annahme des Vermächtnisses, soll die Administration erklärt haben, daß sie die fragliche Haut fertig präparirt und kostenfrei annehme, jedoch ohne alle Verbindlichkeit. — Am 4. d. M. trat in Moravetz in Mähren die Prinzessin Carola Wasa zur katholischen Kirche über. — Am 13. v. M. war in London die Leiche des Herzogs von Wellington auf dem Paradebett ausgestellt. Der Zudrang war aber so groß, daß sechs Personen todt blieben. Eine Menge Kin- der, Frauen und alte Leute wurden unter die Füße getreten. — Abd-el-Kader hat neben anderen Sehenswürdigkeiten auch die franz. Staatsdruckerei besucht. Feierlich empfangen, wurden ihm dann verschiedene vor seinen Augen verfertigte tppographifche Meisterwerke überreicht, worunter mehrere in arabischer Sprache. Er sagte: „Gestern sah ich die Blitzschläge der Artillerie, aber in diesem Augenblicke sehe ich vor mir die großen Kanonen des Gedankens." — In Saarbrücken wurde am 7. d. M. ein gräßliches Verbrechen verübt. Ein Speisewirth, seit einiger Zeit kränklich, kam Abends spät und in ungewöhnlicher Stimmung nach Hause und ergriff ein Beil, um seine Frau zu tödten. Diese entriß ihm die Waffe und versteckte sie im Keller. Jn's Zimmer zurückgekehrt, kam ihr der Mann mit einem Hammer entgegen und schlug sie nieder. Uhlanen sprengten die Thüre und entrissen dem Wüthcrich sein Opfer, das jämmerlich zugerichtet ist, doch aber noch einige Hoffnung auf Rettung gibt. Ob der Thäter wahnsinnig, ob nicht, wird die Untersuchung ergeben. — F. W. Hackländer erhielt die preuß. goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. — In Merseburg nahm dieser Tage die Polizei eine berüchtigte Person fest. Sie gab sich für eine Tochter des Fürsten Pücklcr- Muskau auS, dem sie in ihrem 16. Jahre entlaufen sei, will mit in Algier gekämpft haben, zeigte mehrere, natürlich falsche, Orden vor, schmauchte ruhig ihre Cigarre :c. — In Zürich wurde ein s. g. „Verbrauchs-Verein" in’8 Leben gerufen, und sind daran bereits 70 Familien bethetligt. Durch Engros-Einkäufe der verschiedenen Nahrungsmittel genießen die Mitglieder nicht unbedeutende Vorthcile. Bäcker, Krämer u. s. w. schreien aber Zeter und Mordio. — Zwischen dem deutsch - österreichischen Postverein und den vereinigten Staaten von Norvainerika ist eine Uebereinkunft zur gegenseitigen regelmäßigen Beförderung von Briefen und Zeitungen in geschlossenen Kasten und zu sehr müßigem Porto zu Staude gekommen. — In Memel ist in der jüngsten Zeit ein Beamter int Duell gefallen. Er hinterläßt eine trostlose Frau und sieben kleine Kinder. Das Ehrengericht, dem die Sache vorher vorgelegt wurde, sprach : „Das Duell ist unvermeidlich!" — Wer ernährt nun die Kinder? Das Ehrengericht etwa? Die Wittwe mit ihrer Pension von 100 Thalern kann es nicht! — Wie gefährlich es ist, Geisteskranken die Freiheit zu geben, mag folgender Vorfall beweisen : Das Weib deS Hvfwächlers Rzesatz zu Schirakowitz bei Gleiwitz hatte im vorigen August ihrem zwei Jahre alten Kinde den Kopf mit einer Art abgehauen, worauf sie nach Gleiwitz in's Gefängniß gebracht ward. Im April dieses Jahres wurde sie entlassen unv ihrem Manne, der unterdessen nach Koset gezogen war, wo er noch zwei Kinder hatte, nachgeschickt. Am 4. 6. M. war der Mann abwesend, die geisteskranke Frau allein im Hause, als sie plötzlich eine Art ergreift und ihrem vier Jahre alten Knaben den Kopf abhieb und dasselbe bei dem dazukommenden sechsjährigen Mädchen wiederholt! Darauf deckte sie die Leichen mit einer Schürze zu, und sagte später auf Befragen ganz ruhig: „Was sollen die Kinder hier zur Plage!" — In Rußland soll ein großer Diebstahl (22,800 SR. in ruff. und poln. Bankbillets) vollführt worden sein. M i s c e l l e. — Für die London - Birmingham - Eisenbahn ist eine neue Loco- motive gebaut worden, die einen gewöhnlichen Personentrain in 2 Stunden von London nach Birmingham (140 engt. Meilen) befördert. Sie entwickelt bei größter Schnelligkeit 650 Pferdekraft. Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buck- und Stenidruckerei. M 20. Beilage. Auch in -em Keitenfturm -ie Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Das Haus Eusebiens war von tausend und abertausend Lampen erleuchtet, an verschiedenen Orten prangten symmetrisch wohlberech- netc, durchsichtige Gemälde und der neben anliegende Garten schimmerte in vielfarbigem Lichte bunter chinesischer Laternen. Das Ganze bot einen überraschenden, wahrhaft feenarligen Anblick. Aus den Fenstern der lang gedehnten Zimmerreihe des oberen Geschosses strahlte heller Kerzenschein und viele festlich gekleidete Personen trieben sich bei dem munteren Klange der Musik dort lebendig durcheinander. Karossen donnerten zu dem mit hohen, stammenden Candelabern erleuchteten Portale und die Dienerschaft in Festlivree umschwirrie die Geladenen zu gehorsamen Diensten. Einige Unordnung konnte indessen dem Manne von Sach- kenntniß in letzterwähnter Hinsicht nicht entgehen, deren Veranlassung vielleicht in der Stimmung des Tages und reelleren Genüssen gefunden werden dürfte. In den Prunkzimmern selbst befand sich eine Gesellschaft ganz heterogener Bestandtheile. Junge, kräftige, männliche Figuren, mit üppigem Bartwuchse und glänzenden entschlossenen Augen sitzen bei greisen, mit Orden gezierten Männer» und belehren dieselben, wie die Dinge jetzt zu ordnen und die Negierung des Landes einzurichten sei. Ruhig hören die Ergrauten die neue WciShut, in welche sie aus Angst und Besorgniß um ihre Zukunft theilweise einstimmen, doch finden sich auch Einige, die unwillig hinweg sich wenden und nur bet dem Hergebrachten verweilen wollen. „Sehen Sie", verständigte ein dicker RegierungSrath einen bandbehangenen wild aussehenden Radicalen, „ich bin stets für den Fortschritt gewesen, allein Sie wissen —" „Ja ich weiß", unterbrach ihn der Angeredete mit barscher Stimme, „daß die neue Forst- und Jagdordnung in Ihnen den erbittertsten Gegner fand." „Gefunden hat, mein Lieber, hat, bemerken Sie das recht wohl. — Jetzt habe ich meine Ansicht geändert" „Ah so!" bemerkte der Bärtige. „Das ist freilich etwas anderes!" und mit sardonischeia Lächeln verließ er den Verblüfften. „Alles fort", rief ein junger Mensch mit noch ganz glattem Kinne einem ernsten Geheimen Rathe zu, „Hofdiener, Hofgeschmeiß, die ganze Civilliste, alle Zöllner und Sünder, keine Abgaben mehr, damit die Freiheit ungehindert bei uns einziehe. Mit einem Worte: tabula rasa !" „Vollkommen einverstanden, erwiederte mit satyrischem Blicke der Geheime Rath, „Alles abrasirt. Schade nur, daß Manche gar nichts abzurastren haben!" Er ging und der junge Mensch machte ein ganz sonderbares Gesicht. Es wollte ihm halb unv halb bedünken, als ob in dieser Antwort Etwas gelegen hätte. Während nun aber die junge Männerwelt, so mit Staatsreformen beschäftigt, den alten Beamten die Köpfe in Ordnung brachte, saßen die schön geschmückten Mädchen verlassen in dem Ballsaale. — Nur einige Accessisten, die an die allzugroße Vergänglichkeit des Irdischen vor der Hand nicht so ganz^ und gar glauben wollten, opferten sich für Fraucnhulv mit ritterlicher Galanterie und retteten die Ehre der Männer. Die Treugebliebenen wurden aber auch mit minnevollcn Blicken belohnt. Die Dame des Hauses , Baronesse Eusebia, «welche seither sowohl der feurigen jungen, als der bedächtigen älteren Welt mir gleicher Huld unv Freundlichkeil entgegen gekommen war, wurde jetzt schon eine Weile vermißt. Dem Forschenden konnte es gelingen, sie in einem, an die letzten Gesellschaftszimmer anstoßenden kleinen Cabinete aufzufinden. Mit dem Geschmack- und der Erfahrung, die Eusebien eigen waren, hatte dieselbe dieses heimliche, still vertrauliche Plätzchen zu einem wunderlieblichen Aufenthalte gleichsam gezaubert. Obwohl der rauhe Märzwind noch die kahlen Fluren vurchstrich, so prangten dock hier die lieblichsten duftenden Blüthen und Spiegel mit Epheu vergittert, machten, durch mattfiimmernde versteckte Lampen erleuchtet, glauben, daß hier in freier Natur der holde Frühling sein Panier schon siegend entfaltet habe. Ein leichter Marmorlisch bot seine Dienste an und eine g fällige Causcuse von Seidenramast mit reichen Crezinen lud zu traulichem Geplauder. Hier finden wir Eusebien, wie fie den Baron von Marnstein an der Hand zu diesem Oerlchen süßer Schwärmerei und Vertraulichkeit geleitet Dieser war überrascht. Die Einsamkeit, in welche nur crn- zelne Töne der im Hause rauschenden wilden Freude zu dringen vermochten, that ihm, nach dem verlebten Tage der Aufgeregtheit, wohl und gerne mochte er gewahren, daß Eusebia ihn zu der Cau- seuse hingeleitete und sich an seiner Seite niederließ. Seine Führerin war, was auch die rücksichtslose Zeit an ihr gesündigt haben mochte, immer noch ein schönes ^rauenbild und Meisterin der Kunst, das leise Entflohene mit schmeichlerischer Gewandtheit zu ersetzen. Verstand, Feinheit und Geschmack waren die Schätze, mit denen sie geschickt und haushälterisch wucherte und durch welche fie den entfiohenen Rolenhauch der ^ügendsrische im fesselnden Interessant nicht vermissen ließ. Angeregt durch die Festlichkeiten röihetcn sich ihre sonst bleichen Wangen mit sanftem Jnearnat und funkelten iü der ve>führerischen Einsamkeit mit dem heiß ersehnten Gegenstände die schwarzen Augen ein sehnsuchtsvolles, lieblich strahlendes Feuer. Mußte man nun noch zugestehen, daß ihre mit feiner Koketterie geordnete Toilette nirgend überladen war und doch in Reich- thum ein schönes Ebenmaaß der Formen verrieth; so wird Marn- stein Nachsicht finden, wenn er seiner holdfreundlichen Wirthin eine I mehr als gewöhnliche Aufmerksamkeit widmete. (Fortsetzung folgt). ! Was giebt es Neues? — Hier wurde neulich eine Diebsbande entdeckt und bei, zolcher ' eine Masse Gestohlenes aufgefunden. Der Hehler und Genossenschaft ist verhaftet. Man vermuihet, daß die saubere Clique direct oder ! indireet ihre Hände bei den Diebstählen in der letzten Zeit hier und in der Umgegend mir im Spiel gehabt hat. — Zur selben Zeit hob die thätige Polizei zu Frankfurt euren auf der Friedbergergasse wohnendem Falschmünzer auf, dessen Passion es war, Guldenscheine anzufertigen. — Auf der Chaussee zwischen Bornheim unb Seckbach ist am 24. d. Mts., Abends, ein Viehhändler von zwei Kerlen angepackt und seiner gefüllten Geldkatze beraubt worden. — Der Gauner, welcher in Darmstadt die Ordensdiebstähle u. s. w. beging, und am 24. Nvv. in Frankfurt a. M. verhaftet 40 wurde, war früher schon mehrmals als „Student von Stein aus Gießen" dort anwesend. Jetzt nennt er sich „v. Löwenfels" und will von Toulouse gebürtig sein, spricht aber ein sehr guies Deutsch. — Aus rem kurfürstlichen Museum der Alterthümer und Seltenheiten in Cassel ist eine ganze Abtheilung goldener Medaillen, im Werthe von circa £0,000 Thlrn. gestohlen worden. Da kein Einbruch statt hatte, so nahm man einstweilen den Diener in Haft. — In Mainz fand am Abend des 22. d. Mts. eine Pulver- Erplosion statt. Ein in der Adlergaffe wohnender preuß. Artillerie- Unteroffizier beschäftigte sich nebenbei mir Anfertigen von Lust- Feuerwerken. Das Dienstmädchen kani den Vorräthen mit dem Lichte zu nahe und wurde nach der Erplosion als gerösteter Leichnam aus dem Schutte hervorgezogen. — Die Knaben-Erziehungsanstalt des bekannten früheren Lehrers Rüdiger in Hanau ist polizeilich geschlossen und der Genannte selbst verhaftet worven. Am 21. d. Mts. siarb nt Frankfurt a. d. Ö. der General der Infanterie und Staalsminister a. D. von Thile, im Alter von 70 Jahren. — In einer Aepfelweinwirthschafk in Frankfurt versuchte vergangenen Sonntag ein junger Weinreisender, der dort am Abend vorher sich einlogirt batte, einen Diebstahl mittelst Erbrechen einiger Kisten und Kommoden, woran er jedoch verhindert wurde. Er verschaffte sich trotzdem Gelegenheit zu entkommen. — Den oben gemeldeten Medaillen-Dicbstahl in Cassel hat nicht der Diener, sondern der Herr Museums-Jnspector begangen. Als die Sache ruchbar wurde, erinnerte man sich, daß er hier Schmel'- tiegel gekauft, dort zusammengeschlagene unv geschmolzene Münzen verkauft hatte und die Gerechligk.it ereilte ibn. — Großes Aufsehen machte in Heidelberg die Verhaftung eines dortigen Geschäftsmannes, welcher in Betreff einer an ihn gemachten Forderung von etwa 16 bis 1700 fl. des Meineids angeklagt ist. Der Angeklagte gehört einer ehrbaren alten Bürgerfamilie der Stadt an, ist unverheirathet und sehr reich. — In Nürnberg hat sich ein Uhrmacher durch Kohlendampf getödtet. — Sämmtliche in dem Communistenprozesse zu Cöln Verur- theilten haben am 16. d. Al. Cassation eingelegt. — In Rastatt wird jetzt der Festungsbau wieder eifriger als seither betrieben. Französische Officiere, die so häufig in Rastatt weilen, gestehen (so erzählt das M. I.) mit offenherziger Naivität • ./Wir sind heute recht gute Freunde, aber morgen heißt es piff paff puff!" — Vom Rhein, 22. Nov., meldet die „Pf. Ztg." : Wie vor einigen Tagen im Badischen ein aus England zurückgekehrtes Individuum über dem Versuch ertappt wurde, Aufrufe des Nevolu- tionscomite's zu verbreiten, so hat am 19. d. M. auch der Polizeidiener Schädler von Oggersheim einen Franzosen, Namens Faure verhaftet, welcher von Newyork kam und gleichfalls einen Pack verbotener Schriften mit sich führte. Derselbe wurde zur weitern Untersuchung des ihm zur Last gelegten Vergehens der königlichen Staatsbehörde in Frankenthal übergeben. — Am 23. November wurde von dem Cölner Asfisenhof in Betreff der Anklage wegen Hochverraths gegen Dr. Karl D'E st e r zur Zeit in der Schweiz lebend, erkannt. Derselbe wurde in contumaciam zum Tod und zur Zahlung der Kosten verurtheilt und verordnete der Hof die Veröffentlichung eines Auszuges dieses Ur- theils im Amtsblatt, sowie dessen Anheftung am Schandpfahl , — Das Patrimonial-Gericht zu Reichenbach (Sachsen) veröffentlicht unterm 19. November einen Steckbrief gegen den dortigen Bürgermeister Wilhelm Klengel, der entflohen ist und, so viel bis jetzt zu ermitteln gewesen, mindestens 5400 Thaler öffentliche, anvertraute Gelder mitgenommen hat. Druck unv Verlag oer G. £. Lrü — Daß die Pariser Post in den letzten Tagen so unregelmäßig in Frankfurt eintraf, daran ist eine Dammsenkung zwischen Forbach und St. Avold schuld, in deren Folge die Fahrten auf der Paris- Ludwigshafener Bahn Störungen erlitten haben. — Aus Gratz, vom 18. Nov. schreibt man: Laut telegraphischer Mitcheilung wurde an der Eisenbahnstation Sagor am 16. d. Mts., Abends 6 Uhr und am 17., d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, ein Erdbeben verspürt, weiches so bedeuteud war, daß einige Häuser Riffe bekamen. — Wie wir vernehmen, wird auf der Berlin-Hamburger Eisenbahn ihrer ganzen Länge nach vom 1. Mai 1853 an ein täglich von den beiden Endpunkten der Bahn, in Berlin und Hamburg erpedirter Nachtzug eingerichtet und dadurch einem von der Geschäftswelt lange gefühlten Bedürfnisse abgebolfcn werden. — Bei Toledo kam jüngst der Unfall vor, daß bei einem Manöver zwischen 300 Kadetten und einem Bataillon Infanterie letzteres so in die Hitze kam, daß Steine geladen, sowie auch Ladestöcke mitabgeschvffen wurden, in Folge dessen sechs Cadetken todt blieben. — Bei Deggendorf (Bayern) hat eine wüthend gewordene Katze 8 Personen gebissen. — Wie die „Presse" meldet, wird nächstens ein sehr kostbarer, als Geschenk für die kürzlich zur katholischen Kirche übergetretene Prinzessin von Wasa bestimmter Hausaltar aus Paris in Wien eintreffen. — In Paris wird ein Gensd'armeriecorps von 50 bis 60,000 Mann unter dem Commando des Generals Magnan errichtet werden, das eine Art kaiserlicher Garde bilden und in Paris garniso- niren soll. (Womit also die Reducirung der 30,000 Mann mehr als ersetzt ist.) — In Konstantinopel ist vollkommener Winter eingetreten, der dort so früh eine Seltenheit ist. — Das frische Haff ist theilweise schon mit einer Eisdecke belegt, so daß am 15. Nov. die Fahrten der Dampfschiffe von Königsberg nach Pillau vorläufig eingestellt werden mußten. — Die Hamburger Behöide ist in eine eigenthümliche Collision mit Englanv geraihen. L tzleres Land lieferte doch bekanntlich die entflohenen Polizeiofficianten aus, in der Meinung, daß sie öffentliche Gelder veruntreut hätten. Nun aber erfuhr der dieselben nach Hamburg begleitende englilche Constabler, daß sie blos private Schwindeleien begangen, wegen welcher allein die freie Insel Verbrecher nicht zurücksendet. Derselbe verlangt daher ihre Zurücklieferung an England und wandte sich sogar an seinen Gesandten. — Auf der preußischen Ostbahn dauern die Unfälle fort. Der am 18. November in Danzig angekommene Schnellzug führte sein fliegendes Postbureau statt in dem gewöhnlichen Postamts-Waggon in einem Packwagen mit sich. Unterwegs war nämlich an dem Postwagen eine Achse in Brand gerathen, weßhalb das Bureau auswandern mußte. — Aus Amerika wieder nach Hause zurückgekehrle Solothurner entwerfen ihren auswanverungslustigen Landsleuten ein so grauliches Bild von den Zuständen jenseits des Meeres, daß Viele wieder auspacken und in ihren Bergen bleiben. Ml i s c e l l e. — (Ein Charlatan.) Ein französischer Arzt kündigt in Pariser Blättern eine neuerfundene Methode an, die menschlichen Leidenschaften zu heilen. Der Mann behauptet, Arzneien gegen die Trunksucht, die Spielwuth, den Jähzorn, Hang zum Stehlen, kurz gegen jede Leidenschaft bereiten zu können.______________________ hl'schen Buck- unv Lteuivruckrrel. jn 21 Beilage. Auch in -em Keitensturm -ie Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung.) Eusebia wußte zu unterhalten und Marnstein, als Mann von Welt uito Ton, verstand zu antworten; so floß das leicht geführte Zwiegespräch, wie ein lieblicher Bach an Blumenufcrn, spielend fort. Von dem Feste, daß ihm zu Ehren veranstaltet worden, damit die Glorie immer schöner auf der neu betretenen Bahn ihn um- leuchren möchte, erzählte sic in anspruchloser Bescheidenheit, und äußerte in ungesuchten Worten herzliche Theilnahine an entschwundenen Hoffnungen und vereitelten schönen Träumen. Indem sie schlau beklagte, verdammte sie und in der scheinbar herzlichsten Theilnahine zerstörte sie, wie der Hagel des treulosen April bei Sonnenschein, die aufkeimende Saat jugendlichen Hoffens. Henrich hatte nicht verfehlt, Theklas Wirken bei seiner Befreiung, sowie deren frühere Th-ilnahme an ihm bei Kinderspielen in dem Kreise seiner gleichgesinnten Freunde auf eine Weise errathen zu lassen, die, eben weil sie sich in mystisches Dunkel verhüllte, jeden, auch den vermessensten Auslegungen, freien Spielraum gewährte. Marnstein waren dergleichen Gerüchte zu Ohren getragen worDen und zur Eifersucht geneigt, fanden sie bei ihm welligen Glauben. Er wollte Thekla vergessen, er glaubte, dich schon ge- than zu haben; an vermeinter Untreue wollte er sich rächen und hundert Ideen kochten schäumend in ihm auf, zu Deren heißerem Sieden Eusebia die verführerischsten Mittel schlau und mit nicht zu bemerkender Gefälligkeit lieferte. Marnstein, der treu, aber heftig — leidenschaftlich liebende Marnstein, im Siegestaumel bereits erstrebter Größe befangen, von süßem Dufte aller Orte gestreuten Weihrauchs umnebelt, nur Glanz und Herrlichkeit vor seinen Augen flimmernd, wankte in Der richtigen Erkenntniß und nahm die falschen Steine für die ächten. In allen Dinge» ist der rechte Augenblick, wird er benützt, der entscheidende und unsere kluge Wirthin kannte diese Wahrheit. Marnstein blickte in das verführerische, süße Gewährung verheißende Auge und, wie das scheue Vögelchen, vom Zauberblick der Schlange festgebannt, endlich in sein Todcsloos sich fügt, so konnte auch er der magischen, ja dämonischen Gewalt nicht fürder widerstreben, die Dem Syrenenliede unwiderstehlich entgegentrieb, und sein sonst im Leben so kraftvoller Charakter scheiterte an der gefährlichsten — der buhlerischen Klippe. Eusebia ruhte in seinen Armen und Durch die enge Spalte der nur angclehiit gewesenen, jetzt leise geöffneten^ Thüre luglen ein Paar dunkle Augen voll gi riger Freude. Henrich war es, der das Cabinet als dienstbarer Kobold uni- kreist, und Störungen verhütet hatte. Nun sprang der frische Scewinv glücklich auf, jetzt muß auch das stolze, schöne Schiff, mit allen Taumelfrcuden reich bewimpelt und beflaggt, aus seinem still verschwiegenen Hafen die Fahrt heraus in's kräftig wogende Weltmeer wagen. Der Lauscher, besser in solchen, als andern Künsten, erfahren, verstanv ohne Arg die Aufmerksamkeit zu leiten. Die kühne, junge Männerwelt vermag ja die Geheimnisse viseret zu bergen, warum also Anstand nehmen? Und Damen ist es Seligkeit, um etwas Holdverschwiegenes zu wissen. — Wundern wir uns daher, wenn das Geheimniß deS trauten Zaubercabinetes bald wie ein buntschil- ternder Schmetterling von Saal zu Saal, durch L'hombre, Boston und Whist und durch die Reihen aller Tänzer flattert ? Und während alle Zungen ob der neuen Mähre thätig ilch rühren, ertönet von der Straße lärmendes Geschrei, vom Klange fröhlicher Janitscharenmusik vurchhallt. Der Fackelzug mit seinen Festordnern und tausendköpfigem Gefolge naht dem Hause Eusebia's und schon hat er sich gerunvct zu weitem Halbkreise, da brauset wie ein Wettersturm ein furchtbar Heulen, Zischen und ein Pfeifen auf, als ob das milde Heer seinen Einzug in Herz und Mark erschütternden Mißtönen satanisch feier» wollte. „Marnstein hoch! — Pereat Dannberg!" schallte es in ^furchtbarem Gcwirre herauf und wie Die Branvung Des Meeres im Sturme an dem Felsen zerschellt, so zerstob der Ruf des Beifalls an der gewaltigen Masse des höhnenden und verspottenden Tobens. Die Gäste, thcilweise voll Angst und Entsetzen, geriethen in Verwirrung und die Damen, Gewaltlhätigkeilen besorgend, flüchteten nach den mehr entlegenen Zimmern. Hier sanden sie Marnstein und Eusebien in traulichem Beisammensein. Marnstein, unterrichtet, eilt- sogleich nach dem Balkonc, Eusebia aber voll Furcht und Entsetzen und gänzlich ohne Rücksicht auf die anwesenden Gäste, umklammerte denselben und hielt ihn zurück von dem, wie es ihr schien, gefahrbringenden Schritte. Da nahte Henrich mit wildlachenvem Blicke : „Rede müssen wir den vor dem Hause Weilenden stehen und ich will es an unseres gefeierten Marnstcins Stelle vollbringen." Ohne Antwort abzuwarten wendete er stch nach der Thüre des ; Balkones. „Lichter", kommandirte er den mit Armleuchtern herzutretenden । Bedienten und stieß Die Zitternren vor stch hinaus auf den Altan. . „Still! Still! Ruhig! Ruhig!" erschallte cs alsobald von der Straße und wie Der Gewiltersturm nach unv nach in den fernen Wäldern verhallt, so legten sich auch allmählig bis zu den rückwärts liegenden Gassen die aus der Versammlung aufbrausenden wilden | Wogen. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? j — Der deutsch-katholischen Gemeind- in Mainz ward von der Regierung die Auflage, schleunigst Die erledigte Pfarrstelle zu besetzen. — Mit d-r Uniformirung Der badischen Staatsdicner soll es ' nun auch Ernst werden. — In Folge deS letzten Brandes in der Rentengaffe in Mainz wurde eine Frau verhaftet. Sie soll das Feuer gelegt haben. — In Mannheim kamen dieser Tage einige Verhaftungen vor, die man mit den kürzlich circulirenden Londoner Flugschriften in Verbindung bringt. ' — In Berlin herrscht unter den Jnnungsgenossen große Bewegung. Die Bildung neuer Zünfte unv die Verschmelzung der« wandter Innungen soll hintertrieben werDen. 1 — Der Flottencommissär, Hr. Staaksrath Fischer, ist zur Be- ! richlerstattung in Frankfurt a. M. augekommen. — Im Nassauischen wurde neuerdings Die Verordnung wegen strengerer Feier der Sonn- und Festtage wieder in Erinnerung gebracht. — Zm Monat September d. I. wurden, nach einer soeben veröffentlichten Notiz, aus der badischen Eisenbahn 253,524 fl. 23 kr. eingenommen. 42 — Der Berliner Personenzug ist am 25. v. M. bei Magdeburg gegen eine Maschine gerannt unv wurden beide Maschinen, aber keine Menschen beschädigt. — Der Cölner Schnellzug gerieih bei Oschersleben aus den Schienen, die Loeomotive stürzte in einen nassen Graben, wo sie tief eingegraben liegt, und Tender und Waggons wühlten sich in den gänzlich durchweichten Bahndamm ein. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken, Führer und Heizer mit kleinen Verletzungen davon. — Der mit etwa 10,000 ff. unttrschlagenenen Geldern entflohene Bürgermeister Klengel von Reichenbach wurde in Münchberg verhaftet. Man fand bei ihm noch etwa 8000 fl. von besagtem Gelve vor. — Ain 30. Nov. hat die Mannheimer neu und trefflich orga- nisirte Feuerwehr sich rühmlichst bewährt. Es entstand dortselbst im „Russischen Hof" ein nicht unbedeutendes Feuer, welches aber durch die zweckmäßig geschulten Wehrmänner in kaum 2 Stunden und ohne das seither so beängstigende Geschrei unv ost sinnlose Hin- und Herrennen bewälli t war. — Die Kasse des Speyerer Sparinstituts wurde in der Nacht vom 24. bis 25. v. M. ihres ganzen Inhalts (7000 fl. in Bra- banterthalern und einer Guinee) beraubt. — In München wurden zwei deutschkatholische Familien, welche vom Magistrat angehalten worden waren, ihre Kinder taufen zu lassen, von ver Regierung dispensirt, da nach der verfassungsmäßigen Glaubens- und Gewissensfreiheit keinerlei Zwang stalt- finden dürfe. So erzählt der „Fränk. Cour." — Man schreibt aus München: Wir vernehmen mit freudigem Herzen, daß einer der geachiersten und bedeutendsten Professoren der Kieler Hochschule nach Würzburg berufen worden. — In Hamburg werden in diesem Monat mehrere Hundert Mormonen erwartet, welche aus Dänemark re., wo sie nicht länger geduldet werden, nach Amerika segeln. — Tübingen verzichtet auf die Ehre, nächsten Jahres als Versammlungsort der deutschen Naturforscher und Aerzte zu dienen! Man beabsichtigt die nächste Zusammenkunft in Göttingen abru- halten. — In Nassau sind die früheren Gesetze, wornach ein Civil- beamter nach 35 und ein Militärbeamter mit Offiziersrang nach 40 Dienstjahren Anspruch auf Ruhestand halte, aufgehoben Dagegen werden, wenn nicht Kränklichkeit re. eintritt, alle Staatsdiener mit dem 70. Lebensjahre p.nsionirt. — In den letzten acht Tagen kamen in Nürnberg sechs Selbstmorde vor. — Die Diebe, welche die Speyerer Sparkasse spolirten, sind ertappt und fast die ganze Summe aufgefunden. Es ist ein Gärtner und ein Taglöhner. — Der Fürst v. Pückler-Muskau widerlegt officiell zwei von den Zeitungen über ihn gebrachte Notizen: 1) daß er nicht gestorben, und 2) daß er die Religion nicht gewechselt habe. - Auf dem Ma>kte zu Salzburg werden jetzt wohlriechende Veilchen und reife Beeren feilgeboten ; am Fuße deS GaisbergeS in Salzburg stehl ein Kirschbaum in der Blüihe, und am Unter- berg, in einer Höhe von 5000 Fuß, fand vor einigen Tagen ein Bergsteiger die Alpenrosensträuche ganz frisch und mit Knospen besetzt. — Zn München fehlt seit einigen Tagen daS 12jährige Töchterchen eines Beamlen; dasselbe wollie in eine Musikstunve gehen und wird seitdem vermißt. Alle, selbst die sorgsältigst n Nachforschungen find bis jetzt umsonst geiresen. Man vermuthet ein Verbrechen. — Erst nach der Proelamation des Kaiserreiches will Graf Chambord bei den europäischen Höfen Protest einlegen. --Die vielbesprochenen Madaischen Eheleute sollen vom Groß- Herzog von ToSrana begnadigt und am 1. Deeember freigelaffen worden fein. — Alle Tage bringen die franz. Journale neue Entlassungen von Maires und Generalrälhen, welche der Wirkung des Cham- bord'schen Circulairs zugeschrieben werden können. — Am 29. und 30. Nov. Hal die Versteigerung des Weißzeuges und des Mobiliars des Hauses Orleans stattgefunden. — Der franz, gesetzgebende Körper wird daS Resultat der Auszählung in corpore nach St. Cloud bringen. Am 2. Deeember hält Louis Napoleon seinen feierlichen Einzug in Paris. Er wird von seinem ganzen Hofstaat umgeben und die ganze Pariser Besatzung ausgerückl sein. — Auf dem Viehmarkte zu Berlin, der vom 9. bis 10. Nov. abgehalten wurde, haben unsere inländischen Ochsen Coneurrenten aus ferner Zone erhalten. Neben den inländischen 461 Ochsen und 198 Kühen waren nämlich 41 Büffelochsen aus Bulgarien, der nördlichsten Provinz d r Türkei, erschienen. Einer derselben ist auf dem Viehmarkle im dorligeii Schlachthause zur Probe geschlachtet worden, und man Hal das türkische Fleisch sehr schmackhaft gefunden. — Sämmtliche in Paris arrsgestellten Bildnisse Napoleons im kaiserlichen Ornate sind confiscirr worden. — Der Stadlrath von Paris hat, um durch Wohlthätigkeits- handlungen die Erinnerung an die kaiserliche Volksabstimmung zu feiern, 160,000 Fres. bestimmt, um damit alle im Pfarrdhause befindlichen Matratzen und Decken auszulösen, die bei Säugammen gemachten Schulden zu bezahlen unv die ärmsten Schulkinder zu kleiden. — In der Times ist folgende Anzeige zu lesen: „Eine Dame, welche sich im Besitze einer dem Herzog von Wellington int Jahre 1841 abgeschnittenen Haarlocke befindet, wünscht einen Theil derselben gegen 25 Pfund Sterling zu veräußern. Sie wird genügende Beweise für die Aechtheit beibringen und hinreichende Aufklärung über die Art geben, wie sie in den Besitz der Locke gelangt ist." — Das Polizeigericht von Marylebvire in London hat kürzlich einen gewissen William King zu einmonatlicher Haft im Eorreelions- hause verurtheilt, weil derselbe seine Katze über dem Heerde aufge- hängt und lebendig gebraten hatte. — Am 23. November liefen drei Schiffe aus Australien mit mehr als sieben Tonnen Gold in der Tbemse ein; die stärkste Ladung , nämlich 150,000 Unzen (mehr als 6 Toirneii, und über 600,000 Pf. St. aii Werth) hatte der „Eagle" an Bord. Es ist der stärkste Betrag des edlen Metalls, welchen wohl je ein einziges Schiff führte. — Die in Paris gepflogenen Verhandlungen bezüglich der Post- vereinigung Frankreichs mit dem deutschen Postverein sind zu Ende und günstig arlsgefallen. — New - Uork zählt nach dem letzten Census jetzt 515,547 Bewohner, von welchen nur 27 7,752 eingeborne Amerikaner sind; die in der Stadt ansässigen Freniden belaufen sich auf 237,795, von denen 133,730 Irländer, 55,476 Deutsche, 22,824 Engländer, 7660 Schottländer und 4990 Franzosen sind. Die übrigen bestehen aus Schweizern, Canadiern, Spaniern, Schweden, Ungern und Italienern. — In den Arsenalen der französischen Marine herrscht die größte Thütigkeit. Auf allen Wersten werden Kiele zu neuen Schrauben- dampfschiffen gelegt. — Der Astronom Hiud hat schon wieder einen Planeten entdeckt. Derselbe steht jetzt zwischen den zwei Hellen Sternen in den Hörnern des Stiers. Druck und Verlag der G. D. Brühl'sckeu Buck- unv Steindruckerei. JE 22. Beilage. Auch in bem Jeitensturm die Ficbe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Mit Stentorstimme sprach nun Henrich : „Wie unter gefeierter Marnstein zum Urkräftigen und Schönen die Herzen lenkt, ist Euch bekannt. Wundert Euch daher nicht, wen» ihm in diesem Hause ein Gleiches gelungen und er für sich und uns eine Mitbürgerin mehr der gerechten Sache geivonnen hat. — Eintracht und Ltebe ist sein Symbol und dieß zu bethätigen, reichte er heute der Neugewonnenen die Hand als seiner Auserwählten des Herzens, als seiner Braut. — Hoch der Führer! Hoch seiner Erwählten! Das neue Brautpaar : Marnstein und Dannberg hoch, hoch, hoch!" „Hoch! Hoch!" schallte es mit dem Donnern eines Orkancs durch die gefüllten Straßen und die Gäste in dem Saale umstürintcn das neue Brautpaar und überschütteten es mit glückwünschenden Formeln. Eufebia antwortete unter freundlichem Erröthen, Marnstein aber ward bleich und taumelte. Er wußte nicht, wie tbm geschah. Da rief es von der Straße herauf stürmisch und verlangend seinen Namen und von mehreren bärtigen jungen Männern gedrängt, betrat er den Altan. LauteS Vivat, dann Schweigen, hierauf Marnsteins nach und nach kräftiger werdende Stimme. 9. Der Blitz zuckt nieder. In dem großen waidmännisch geschmückten Wohnzimmer des Schlosses Dannberg stand, während Thekla mit Handarbeiten beschäftigt in einer Fensternische saß, der alte Baron, rückwärts an einen großen alterthümlich geschnitzten, eichenen Tisch gelehnt, und vor ihm befanden sich eine Anzahl Bauern, größtenthcilS im Sonn- tagsstaate, an ihrer Spitze ein ehrwürdig aussehcnder Mann mit bieverem treuherzigen Blicke, der Schultheis von Dorf Dannberg. Letzterer war eben zu dem Ende einer Anrede gelangt und die Bauern harrten mit verschiedenartigem Ausdruck in ihren Gesichtern, auf die Wirkung des, nach ihrer Meinung, rhetorischen Meisterwerkes. Dannberg hatte unter ernstem Stirnerunzeln zugehört. Jetzt wurde seine Miene wieder freundlicher und lächelnd gab er folgende Erwiederung : „Eure Bitten sind bei mir unnöthig; denn was Ihr erlassen haben wollt, habe ich nie von Euch verlangt. Oder ist es nicht so? Sprecht, Schultheis!" „Freilich ist es so", entgegnete dieser stotternd und verlegen, „allein die Leute meinen, cs könnte auch einmal ein anderer Herr kommen, der nicht, wie Eure Gnaden dächte und da wäre es besser — " „Ja, ja", rief einer der Bauern, der mit struppigem Haar und unrastrtem Barte keck umhcrblickend, dem Sprecher zunächst stand, „drum ist eS besser, wenn das Volk iveiß, woran es ist und gegen all' diese Gesetzplackereien in Sicherheit sich befindet." Dein alten Barone schwollen die Stirnader». Mit durchbohrendem Blicke maaß er den also Nedenden, dann sprach er mit verweisendem Tone ; „Hat Er auch drein zu reden?" „So gut, wie der Schultheis", war die rasche Antwort; „denn von nun an sind wir Alle gleich." „Nun, so will ich Ihm zeigen", erwiederte jetzt der Baron mit Heftigkeit, „daß ich Seiner Gleichheitstheorie zur Zeit noch nicht huldige. — Er verläßt augenblicklich das Zimmer!" Der Bauer spreizte sich und machte >in grimmiges Gestcht. Vergebens suchte der Schultheis und die übrigen Begleiter denselben zur Befolgung deS Befehles zu bewegen. „Er macht noch Umstände!" rief nunmehr der Baron zornig umherblickenv. „Heda, holla, Bertram, Paul, Bastian, Martin", und in einem Nu standen die vier Gerufenen im Zimmer und harrten mit vor Freude glitzernden Augen der Befehle ihres Dienstherr«, „werft mir einmal diesen ungehobelten Gast zur Tbüre hinaus!" Der Schultheis wollte vermittelnd einschreiten. Ehe er jedoch doch nur ein geeignetes Wort hervorbringen konnte, hatten die dienstbaren Geister den revoltirenden Bauer gefaßt und ihn ohne besondere Umstände vor die Thüre transportirt. Aufgeregt ging der Baron in dem Zimmer hin und her und der Schultheis mit seinen übrigen Begleitern blickten auf denselben mit verlegenen und ängstlichen Mienen. „Darf ich mir zu reden erlauben?" begann endlich der Schultheis in bescheidener Ansprache. „Rede Er, Schultheis", ivar Dannbergs Antwort, indem er sich zur Ruhe zwang; „denn Er ist ein braver Mann, den ich immer hoch gehalten habe." „Ich wünschte, Euer Gnaden hätten diesen Michel Horn nicht hinaus werfen lassen, so sehr er es auch verdiente. Er ist ein gefährlicher Mensch, der durch sein Mundwerk in der Schenke vielen Einfluß hat." „Ist er gefährlich", entgegnete der Baron beschwichtigend, „so seid Ihr übrigen mir desto treuer." — Die Bauern verbeugten sich. — „Damit wir aber zu Ende kommen, so hört meinen Bescheid. Erleichterungen hinsichtlich der Jagd, des Forstes, der Frohnden und der Zehnten gewähre ich Euch für meine Person so viel Ihr gebeten habt. — Aber — merkt cs Euch wohl — meine Rechte gebe ich nicht auf und damit Gott befohlen! Er machte eine entlassende Handbewegung und die Deputation drückte sich durch die Thüre mit verschiedenen Mienen und Geberden. (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Am 7. Dezbr. Abends fand eine Schlägerei in Heuchelheim Statt, wobei der Bürgermeister bei Ausübung seiner Amtspflichten verwundet wurde. — Die Jesuilenpatres haben die seit 2 Wochen in der St. Bartholomäuskirche zu Frankfurt a. M. abgehaltenen Missionsprc- digten mit dem gestrigen Tage geschlossen. — Auch die nassauischen Handwerksgesellen dürfen von nun an die Schweiz nicht mehr bereisen. — Um den eigentlichen Namen des als Dieb der in Darmstadt entwendeten Orden in Frankfurt verhafteten Individuums zu erfahren, mußte man dasselbe photographiren. Aus Toulouse, wie der Gauner angibt, ist er nicht, dies bcweißt eine Probe, welche ein französischer Sprachlehrer mit ihm vornham. Die neuere Mode, Röcke auf beiden Seiten anzufertigen, beutete der Jndustrieritter ebenfalls mit Erfolg aus, indem er einen solchen bei seinen Gängen trug. — Die Mannheimer Sternwarte hat nun wieder einen Director erhalten. Es ist dies Hr. Dr. Nell aus Heidelberg. 44 — Zn Kassel fand man vorgestern drei Laden- und ein Küchenmädchen des Bäckers Weißenborn durch Kohlendampf erstickt. Dieselben hatten vor Schlafengehen den Ofen mit Bäckerkohlen gefüllt. — Zwischen Frankreich und dem Großherzogthum Hessen, sowie der Landgrafschaft Hessen-Homburg ist ein Vertrag zum Schutz des literarischen und musikalischen Eigenthums abgeschlossen worden. — Auf der Taunusbahn wurden int November d. I. 48,804 Personen befördert. Die Gesammteinnahme für diesen, so wie für den Transport von Gütern, Gepäck, Vieh ,c. betrug 28,180 fl. 38 fr. — Im Monat November l. I. wurden auf der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn 18,718 Personen befördert und hiefür, sowie für Güter-, Gepäck-, Vieh- rc. Transport; und einschließlich der Postsendungen 6661 fl. 22 kr. eingenommen. — Aus dem Rheingau werden zahlreiche und annehmbare Weinkäufe gemeldet. Der neue Rebensaft wird mit 20—25 fl. pr. Ohm bezahlt und sollen noch höhere Preise in Aussicht stehen. Ist den armen Winzern nur zu gönnen. — In Heidelberg ist ein Hamburger Student wegen grober Be- leidigung eines Universitätslehrers mit der geschärften Relegation auf 8 Jahre bestraft worden. Der beleidigte Docent, ein Jurist, dessen Vorlesungen am zahlreichsten besucht sind, soll von seinen Zuhörern in den nächsten Tagen einen Fackelzug erhallen. — In Baiern sollen, dem Vernehmen nach, stall der Franco- marken nunmehr gestempelte Couverts zur Einführung kommen. — Die preußischen Jäger - und Schützenabtheilungen sollen stall der Pickelhauben schwarze Hüte, mit an einer Seite aufgeschlagener Krempe erhalten, da das s. g. Sturmband am Zielen hindert und beim Tirailleurdienst auch das glänzende Metall an den Helmen nicht sehr zweckmäßig ist. — Der Prinz Carl von Preußen hatte bei einer Parforcejagd das Unglück mit dem Pferde in eine Sandgrube zu stürzen, wodurch eine Erschütterung im Rücken und int rechten Schenkel Sr. königl. Hoheit veranlaßt wurde. — An der Rheinbrücke von Straßburg wird ein französisches Polizeicommifsariat errichtet werden; es ist beauftragt, die Püffe zu untersuchen und zu visiren. — In Berlin hat die Polizei vor einigen Tagen eine Falsch- münzerbande während deS Druckes von Chemnitzer Stadlscheinen ertappt. Der Chef ist dir wegen ähnlichen Verbrechen schon früher bestrafte Lithograph Plotho. Auch ein Schuhmacher ist unter den Schuldigen. — Bis Neujahr soll in Wien und Prag der Belagerungszustand aufgehoben werden. Zu gleicher Zeit dürfte das neue Bürgerwehrgesetz und mehrere Gesetze über die künftige Gestaltung Ungarns publicirt werden. — Nach den „Hamb. Nachr." erwartet man in Petersburg höchsten OrtS, daß der neue franz. Kaiser feierlich die Verträge, welche dem europäischen Frieden zu Grund liegen, garantire, dann erfolge auch die Anerkennung. — Aus Hamburg werden bedeutende Getreide-Ankäufe, Seitens franz. Regierungs-Agenten, gemeldet. — Der osficiöse Correspondent der Münchener „Neuesten Nachrichten" versichert, daß verlässige Briefe aus Wien beruhigende Nachrichten für den Fortbestand des Zollvereins bringen. — Kinkel hat kürzlich in Manchester Vorlesungen über die neueste deutsche Literatur gehalten. — Ein kaiserl. Decret ertheilt allen denen Marine-Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten, die wegen Desertion oder sonstigem Ungehorsam in Untersuchung sich befinden, Amnestie. Ebenso denjenigen, welche sich gegen die Gesetze der Küstenfischerei vergangen haben. — Die in Frankreich noch verweilenden Polen haben dem Kaiser ein Anerbieten gemacht, dem zufolge sie sich bereit erklären, sich zur Disposition des Kaisers zu stellen , im Falle Frankreich von den fremden Mächten angegriffen werden sollte. Sie wollen hierin dem Beispiele ihrer Voreltern folgen, die dem verstorbenen Kaiser in allen seinen Kriegen bis auf den letzten Augenblick beigestanden haben und treu geblieben sind. — Das vorsiebend erwähnte Anerbieten der polnischen Emigranten soll vom Staatsminister Fonld sehr unfreundlich aufgenommen worden sein. Er soll bemerkt haben, der Kaiser werde sich von seiner Politik nicht entfernen. — Die ungewöhnlichen Rüstungen Englands, welche nach der Versicherung der englischen Staatsmänner durch die Gefahr einer französischen Invasion motivirt sein sollen, haben die französische Regierung zu einem außergewöhnlichen Anerbieten veranlaßt. Die englische Regierung ist nämlich aufgefordert worden, die französischen Häfen von einer Commission besuchen zu lassen, um sicv zu überzeugen, daß daselbst keine Vorbereitungen gemacht werden, die auf eilt drohendes Unternehmen gegen England deuten könnten. — Aus Merico wird der Ausbruch neuer Aufstände gemeldet. — Paris soll noch nie so vollständig erleuchtet gewesen seyn, als am Abend der Proklamirung deS neuerstandenen Kaiserreichs. Die meisten Gesandtschaftshotels, alle öffentlichen Gebäuoe, Läden und außerordentliche Privaihäuser strahlten im Lichkschmucke. ^>N den Departements ist die Wiederherstellung des Kaiserreichs mit großem Enthusiasmus begrüßt worden. — Würzburg soll mit Holzgas erleuchtet werden, da die Versuche in Heilbronn jüngst sehr gut ausgefallen sind. — Napoleon III. erster Ausgang galt den Kranken. Se. Majestät verfügte sich in die Civil- unv Militärhosvitäler und weilte über eine Stunde an den Krankenbetten. Im Hotel Dieu ließ er 20 000, int Militärhospital 10,000 Frcs. zurück. — Das dänische Militär in Altona beging den Tag der Wiederherstellung des sranz. Kaiserreichs durch eine Parade. __ Um 28. November wurde zu Saarlouis bei einem Uhrmacher, auf Veranlassung des Letzteren, ein Mann vom Lande fest- gehalten und der Polizei Übergeben, welcher zusammengeschlagen-S Silber, von Kirchen-Geräthschaften herrührend, verkaufen wollte, und welcher wahrscheinlich zu jener Bande gehört, die seit einiger Zeit so viele verwegene Diebstähle in den Kirchen der Gegend aus- geübt hat. T „ — Die neue Kaiserkrone Napoleons III |o(t nicht nur ein Meisterstück der Juwelierkunst seyn, sondern auch durch ihren Neich- thum an Edelsteinen und Perlen jeden bis dahin gesehenen Für- stenschmuck übertreffen. Der Juwelier Lemonier ist zum Ankauf von Edelsteinen zu diesem Prachtstücke in Rußland gewesen. Die Prinzessin Mathilde, welche eine kostbare Auswahl schwarzer Per- len besitzt, hat dieselben alle zum Schmucke der Krone zur Verfügung gestellt, welche Ende dieses Monats vollendet seyn muß. Nicht minder prachtvoll werden die Krönungswagen seyn, nach Zeichnungen der tüchtigsten Künstler in allen Theilen ausgeführt von den Wagen-Fabrikanten Diniere und Thomire. Aehiiliches soll Paris noch nie gesehen haben. Der Krönungs-Wagen Karl's X. soll damit gar nicht zu vergleichen seyn. Die Pferdegeschirre sind nicht weniger prächtig und unglaublich reich, so daß die Wagen mit den Geschirren auf 600,000 Franken geschätzt werden. Der Krönungsmantel wird auch auf 140,000 Franken geschützt. __ Nach der „Revue des beaur Arts" wird Napoleon das traditionelle Kostüm nicht anlegen, sondern bei feierlichen Anlässen Generallieutenants-Uniform mit dem Mantel und der Krone tragen. — Abd-el-Kader ist am 9. d. M. über Lyon und Marseille nach Vrnffa abgegangen. Druck unv Verlag der G. D. Brühi'schen Buck- und Steindruckerei. M ss Beilage. Auch in dem Zeitensturm die Liebe. Sioi'dte aus den, Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) Dannberg legte nach seiner Gewohnheit die Hände auf den Rücken und ging wiederum hin und her, dann trat er zu stmer Tochter unter die Fensternische und betrachtete deren z.erltch gestickte Handarbtt^ mcin Äinb, besonders dieses Laubwerk, waS um die so richtig gezeichneten Jagdembleme geschlungen ist. — Aber, du mein Gott, das Linnen ist ja »aß! — Ich glaube gar, du t)a|1 S nein, mein guter Vater", entgegnete Thekla, indem sie sich zu lächeln zwang, „es war der Vogel, der aus dem Bauer sein frisches. Wasser mir auf die Arbeit " „Kind", rief Dannberg mit liebevollem Warneton, „du redest nicht die Wahrheit!" .. , „O, Vater!" entgegnete Thekla, und hing, tleferschuttert die Arbeit hinwerfend, an seinem Halse. Der Alte preßte das Mädchen heftig ergriffen an seine Brust, dann geleitete er eS wieder zu dem Tabourete in der Nische. „Das habe ich nun", begann er hierauf mit theils ärgerlicher, theils bewegter Stimme, „von dieser Mondschein- und Eypresten- Resideuz-Erziehung! — Wärest du nach dem Tode de.ner seligen Mutter auf meinem alten Dannberge geblieben, so valte ich ein kräflig deutsches Eoelfräulein auS dir gemacht, das seinen Zelter bestieg und mit mir durch die Wälder trabte. Da aber muy meine Stiefschivester, die ihre spanische Abkunft Munoz Y Silveira nicht verleugnen kann, diese Närrin Cusebia, niich bewegen, dich dem Institute zu übergebe» und nun — da hat der Geier nichts al Gefühl — lauter Thränen nnd den phantastischen Herrn von Marn- stein oben drein!" „Marnstein", versetzte Thekla mit einem Anfluge von Stolze, „ist edel und gut. Ich darf mich seiner Liebe rühmen, obgleich — " „Wer spricht denn was dagegen?" siel der Alle unwillig em. „Allein er treibt es doch zu arg. Erst macht er mir die Bauern alle verwirrt und nun steht er gar noch an der Spitze der ganzen verrückten Landesbewegung." Thekla blickte betreten und neugierig zu ihm empor. „Ja sieh mich nur an", fuhr er wie spottend fort, „die Zei- tung, welche mir Bertram soeben aus der Residenz gebracht, wird wenigstens doch so unverschämt nicht gelogen haben. Da kannst du es lesen" — mit diesen Worten nahm er eine Zeitung vom Tische und hielt sie dem Mädchen hin — „wie er die Anrede bei u 11 feint allergnädigsten Fürsten gehalten, wie Allerhöchstderselbe Wohlgefallen an dem eminenten Talente gefunden und wie dein Maru- stein in das Ministerium ist berufen worden. Wenn er dann fort: fährt, Alles recht untereinander zu werfen, so kann es sich nicht fehlen, werden wir bald ein Ministerium : Marnstein haben. „Im Ministerium ist er!" rief Thekla freudig aus. „Ja, dort ist fein Platz. Sein klarer Blick, sein rechtlicher Sinn, sein warmes Herz berufen ihn vor allen Andern an diese Stelle!" Lächelnd betrachtete Dannberg die plötzlich so angeregte Tochter, dann versetzte et unter scherzendem Achselzucken : „Nun mir kann es recht sei»; denn ich will ihn ja nicht heirathen. Ich war ibm auch nie gram, obgleich ich seine Ansichten nicht ertragen konnte. Kannst du es, die du doch immer mir Was grebt es Neues t - Der Ordensdieb wurde am 11. d. M. von Darmstadt »ach Frankfurt gebracht, mit mehreren Personer' conftontirt und daun na* Mainz spedirt, wo das saubere Früchtchen ebenfalls Spuren seiner Thätigkeit hinterlassen hat. — Die Stadt Offenbach zählt gegenwärtig 95 große« und Heinere Fabriken, in denen 6000 Arbeiter mit einem Jahpeslohn von durchschnittlich 1,500,000 ft. beschäftigt sind. Der Werchcher Offenbacher Fabrikate (kurze Maaren-, Wagen - und Masä^ien- fabriken, Tabak-, Filz-, Seidenhut., Wachstuch-, Bleiweiß^Gerse- fabriken, Baumwollenweberei tc.) beläuft sich aus zahrltch 6/, Mitt. Gulden. — Bei Langgöns hat am 12. d. M. der Damtn der Mal»- Weserbahn eine Senkung erlitten. . — In Mannheim machte am Abend deS 8. Decbr. daS »iplötzliche Marschfertigmachen einiger Compagnieen Infanterie einige« Aussehen. In den Wirthshäusern machte das Warums und Wohin. viel Kopfzerbrechens. Die Einen meinten es ginge »ach Heideibe g die Andern nach CarlSrnhe, wieder Andere wollten Kehl in Gesayr wissen, biS endlich die Soldaten — wieder abhänglen und da blteven. — Den Wirthen in Eassel, welchen, wie wir früher schon erwähnten, die Concession entzogen wurde, ist nun die Auflage geworden, ihre Wirthschaften zu schließen. — Acht souveraine Staaten baben das neue französische Kaiserreich bis jetzt anerkannt, oder doch erklärt, dies zu thun, nämlich: Neapel, England, Belgien, die Schweiz, Spanien, Holland, Sar- . dinien und Frankfurt. beipflichtetest, desto besser. - Freilich wird er in Jer jetzigen Verwirrung wenig Zeit für feine Liebe übrig behalten. . „Er liebt mich treu", versetzte Thekla, ihre Hand mit Mer- "TilJÄ >»«" %»* fragend auf die Tochter heftete, „unlängst so eine Heine Miystim-, "'""^Thekla trat das Blut aus den Wangen. Doch faßte sie sich ***jrÄ*4» £: sucht und Tante Eusebia ertheilte mir offenbar Nicht g«le Rathschläge. Indessen kenne ich sei» Herz. Cs wird sich Alles scho $Um Mädchen"^"entgegnete Dannberg mit gewichtigem Kopsschüt^ teln, „du bist mir ein Räthsel. An einem Orte lauter Zagen und am andern Orte feste Zuversicht. - 3» nun »vr werden sehe» — Doch weil du von der Tante sprichst, so faßt mit et£, daß unser Evelope Bertram auch von Cuseblen etwas erzählte. Die soll ein Fest gegeben und das Volk eS mit einer Katzenmunk oer^err 4 haben. Ich habe von dem ärgerlichen Vorfälle nichts mehr höre, wollen und dem alten Schwätzer Ruhe geboten Der Tante ist schon recht geschehen, warum ist sie nicht hier geblieben. - Nun aber denke ich, wollen wir doch einmal den Rapport deS^ allen Jägers in aller Gemüthsruhe ganz anhoren und beleuchten. 8 Er trat an's Fenster und rief hinab : „Bertram, komme herauf!" und einige Minuten daraus stand der Gerufene im Zimmer. (Fortsetzung folgt). 46 — Dir Direktion der Friedrich-Wilhelms-Nordbabn schreibt auf den 29. d. M,, Dorm. 9 Uhr, in dein Hanau'schen Saal in Kassel eine General-Versammlung der Aktionäre aus. — In der Nacht vom 9. auf den 10. d. M. wurde auf der Eisenbahn zwischen Gunzenhausen und Nördlingen einem Locomotiv- führer von der Maschine der Fuß weggeriffe». — Das Marschfertigmachen deS Mannheimer Militärs in voriger Woche hatte darin seinen Grund, daß die Behörden in Heidelberg Demonstrationen der Studenten befürchteten, welch' letztere auf ven neuen Amtmann, wegen Verbots der „attischen Nächte" (lärmenden Uebersitz) nicht gut zu sprechen sind. — General Niellon soll nunmehr auch von der preuß. Regierung die Erlaubniß zum Bau einer Eisenbahn von Deuz über den Westerwald nach Wiesbaden erhalten haben. — Kaiser Ferdinand von Oesterreich schenkte dem Prager Kunstverein die große Summe von 10,000 fl. C. - M. Eine gleiche Summe erhielt dieser Verein von dem ständigen Landesausschuß. — Auch Würtemberg hat das neue französische Kaiserthum anerkannt. — Man spricht von der Verbindung des Kaisers Napoleon mit einer spanischen Prinzessin. Die Prinzessin von Wasa wird wahrscheinlich den sächsischen Thronfolger heirathen. — An den Mauern der Unterpräfectur von Pontoise sind in einer der letzten Nächte aufrührerische Placate angeschlagen worven; sie enthalten Schmähungen und Todesdrohungen gegen den Kaiser und die Behörden der Stadt; sic schließen mit den Worten : „Es lebe Heinrich V., der alleinige wahrhafte Souverain!" — Der Senat soll die vom General Maguan beantragte Erhöhung der Civilliste von 25 auf 30 Millionen zurückgewiesen haben. 25 Millionen bezog auch Napoleon I. — Dieser Tage begegnete eS einer armen alten Frau in Paris, als sie Sr. Maj. eine Bittschrift überreichen wollte, von dem Pferde des Kaisers umgeworfen zu werden. Letzterer ritt nicht eher weiter, bis er überzeugt war, daß der Unfall keine Folgen habe. Fortan find Petitionen nur den Portiers zu übergeben; welche sie dem Se- cretariat vorlegen. — Jeder Tag sieht in Paris eine neue Aktiengesellschaft auftauchen ; so ist jetzt eine Gesellschaft zusammengetreten, die unter gewissen Bedingungen den Canal von Aisne nach der Marne vollenden, die Marne selbst von Vitry nach Joinville canalisiren und den Steinkohlencanal fertig machen will. — Der Professor der Chemie, Balling, in Prag, hat die Erfindung gemacht, Bier so wie Suppe aus Bouillontafeln zu erzeugen, d. h. aus gepreßtem Hopfen und Malz schnell zu brauen. — Die „Presse" schreibt : In der jüngsten Zeit sind in Olmütz gar seltene Gäste aufgetaucht. Es haben sich auf dem Markte Zwanziger sehen lassen. Sie wurden sogar ohne Agio weggegeben und als Boten deS Auferstehungsfestes aller andern eingesargten Zwanziger voll Freude in Empfang genommen. — Während eS in Savoyen frühlingsmilde ist, liegt in den Straßen Turins hoher Schnee und die Posten über die Alpen sind auSgeblieben. — Der Ausbruch des Aetna hat nunmehr gänzlich aufgehört. — Die neuesten Nachrichten aus dem Goldlande Californien lauten wiederum günstig. In San Franzisco wurden vier gelegte Brände im Keim erstickt. Der Krieg mit den Indianern hat durch deren Unterwerfung fein Ende erreicht. Die goldgrabenden Chinesen feierten ein Nationalfest. — Nach dem „F. I." wären die sechs Schiffe der deutschen Flotte: Ernst August, Großherzog von Oldenburg, Hamburg, Frankfurt, Lübeck und Bremen um den Preis von 238,0.00 Rthlrn. nunmehr verkauft.______________ Druck und Verlag der G. D. Brü — Am 12. Nov. sprangen auf dem Ohio, nicht weit von der Stadt Beverly, die Keffel eines Dampfers Buckeye-Belle. Es waren außer der Schiffsmannfckaft vierzig Passagiere an Bord; unter diesen befanden sich sieben Frauen und Kinder, welche wie durch ein Wunder gerettet wurden; denn wenn auch die Cajüke über ihnen zusammenbrach, so wurde doch keine lebensgefährlich verwundet. Im Ganzen weiß mau nur so viel, daß 22 Personen bei dem Unfälle umkamen, wiewohl vorauszusetzen, daß derse!be mehr Opfer gefordert hat. Die Erploston war so stark, daß einzelne Stücke des Schiffes 400 Uards weit geschleudert und Leichen selbst auf den Ufern gefunden würd n. — In Neuenburg hatte ein dort etablirter Franzose sein Kaffeehaus illuminirt und mit einem Transparent „8 Mill. für Napoleon" versehen. Alsbald rottete sich Volk zusammen, das mit Steinwürfen das Ende der Beleuchtung herbeiführte. — Nach dem neuesten Tarif zahlt man jetzt von Gießen über Frankfurt »ach Paris (über Ludwigshafen und Forbach) in zweiter Klaffe 24 fl. 15 kr. Ueber Carlsruhe und Straßburg kostet es 27 ft. 11 kr. — Der aus dem Cölner Communisten-Prozeß bekannte Dr. jur. Becker ist nach Stettin gebracht worden. — Wie der „S. M." schreibt, gehen der Festung Landau sehr respectable Sendungen Munition ic. aus dem Mutterlande zu. Ebenso der Festung Germersheim. — Der Hamburger Senat beabsichtigt nun ebenfalls, eine wesentliche Beschränkung der Rechte der Israeliten eintreten zu lassen. — In Bremerhaven ist bereits ein englisches Dampfboot mit 200 Mann Besatzung angekommen, um die angekauften Schiffe von der deutschen Flotte zu übernehmen. — Die „N. Pr. Ztg." berichtet mit vieler Bestimmtheit ans Wien, daß von einer Vermählung des Kaisers Napaleon mit der Prinzessin Carola v. Wasa durchaus keine Rede mehr sei, indem der Prinz v. Wasa nimmer seine Einwilligung dazu gebe. — Der deutsche Bund wird das neue Kaiserreich erst nach erfolgter Anerkennung Seitens sämmtlicher Einzelstaaten ebenfalls anerkennen. — Der Schmuck der Kaiserin ist in Arbeit. Er stammt von Maria Antoinette her, kam dann an Josephine, die ihn der Königin von Westphalen vermachte. Hierauf erbte ihn die Königin Hortense und dann der jetzige Kaiser. Dieser versetzte ihn in London und löste ihn in letzter Zeit aus. — In Ungarn treiben die Räuberbanden ihr Unwesen in schaudererregender Weift, so daß jetzt die Civilgerichte durch Militair- standgerichte ersetzt werden. Vor Kurzem erst ist wieder ein Gutsbesitzer von 8 maskirten Räubern überfallen und getödtet worden. — In Madrid herrscht wegen der Auflösung der Cortes und wegen Einführung einer neuen Verfassung große Aufregung. Das Militair ist Tag und Nacht auf den Beinen. — Borsäure, die bis jetzt nur int Tinkal und in einigen wenigen Mineralien, dann aber noch in dem Wasser der durch vulkanische Dämpfe erhitzten Lagunen im ToScanischen und in der Salzsoole von Straßfnrth gefunden worden ist, hat Prof. Dr. Fresenius in dem Thermalwaffer des Kochbrunnens zu Wiesbaden nachgewiesen. Die Entdeckung findet sich in dem soeben erschienenen reichhaltigen neunten Hefte der „Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau", welches unter Anderem auch eine ausführliche Abhandlung von Dr. A. Schulz: „Mikroskopische Untersuchungen der wichtigsten Mineralquellen im Herzogthum Nassau" enthält, in welcher das Vorhandensein eines sehr vielartig gestalteten kleinsten thiersschen Lebens in jenen Wassern nachgewiesen wird, ©e.ioue Beschreibungen und Abbildungen dieser Thietchen sind den recht verdienstlichen Untersuchungen beigefügt. lU'schen Buch- und Sttindruckem. ,v. 24. Beilage. Auch in -em Aeitensturm -ie Liebe. Novelle aus dem Frühjahre 1848. (Fortsetzung ) „Deinen Auftrag", begann Dannberg, an meine Schwester Eusebia in der Residenz hast du richtig besorgt und wolltest mir vorbin bei deiner Rückkehr Bericht erstatten. Ich habe dich unterbrochen. — Fabre jetzt fort, wo du stehen geblieben bist." Bertram warf einen Blick auf das Fräulein, dann entgegnete er mit bedenklichem Stirnerunzeln : „Wenn der gnädige Herr befehlen?" „Ja, ja, ich befehle es." „Run meinetwegen!" Er räusperte, hustete, drückte die Fuchsmütze in den Händen hin und her und erzählte : „Wie also der Lärm vor des gnädiger. Fräuleins Eusebia Wohnung losgiog, begab ich mich auf die Straße, um einmal nachzusehen, wessen Gelichters denn die Speetakelmacher eigentlich feien und der erste, der mir in die Augen fiel, war ein wunderlich aussehender alter Kerl, den mir ein Bedienter als einen verwegenen Wildschützen mit Namen bezeichnete." „Vorwärts! mahnte der alte Baron. „Ich erwähne des Burschen nur", entschuldigte der Einäugige, „weil er mir so bekannt vorkam. Gesehen habe ich ihn schon einmal, aber er muß anders gekleidet gewesen sein." „Laß doch die Abschweifung und erzähle weiter." „Wie nun Alle recht nach Herzenslust lärmten, so erscheinen aus einmal auf dem Balkone des Hauses Lichter und den erhabenen Standpunkt betritt — Herr Henri ch." Dannberg sperrte den Mund auf und schlug verwundert in die Hände, auch Thekla trat überrascht näher. „Sie staunen," fuhr Bertram fort, „ich hätte mich bald auf den Kopf gestellt. Denn sagen Sie mir ums Himmelswillen, wie kommt der Mensch in so honette Gesellschaft?" „Zur Sache, zur Sache," befahl der Baron. „Der Herr Henrich beginnt nun eine Rede. Alles lauscht und auf einmal macht er es —" er. warf nochmals einen Blick auf Thekla und fragte: „Soll ich es sagen?" Der Baron stampfte unwillig mit dem Fuße: „Soll ich nochmals dir befehlen?" „Meinetwegen denn! — Er machte es wie der Herr Pfarrer in der Kirche und proclamirte ein Brautpaar." „Ein Brautpaar! — Wer? — Wen?" so riefen austs höchste gespannt, Vater und Tochter. Bertram zögerte, als aber des Barons Antlitz wiederholtlich sich verfinsterte, platzte er heraus: „Herrn Baron von Marnstein mit dem gnädigen Fräulein Eusebia . von Dannberg." Der alte Baron blickte dem Erzählenden noch eine Weile in's Gesicht, dann brach er endlich in helles Gelächter aus. Plötzlich bemerkte er jedoch, daß der Jäger erbleichend nach Thekla deutete und wie sein Auge dem Fingerzeige folgte, so gewahrte er seine Tochter, die lilienblaß wankte und sich an der Lehne eines Stuhles festhielt. „Um Gotteswillen, Kind, du wirst doch solch albernes Zeug nicht glauben?" „Ich fürchte — ich glaube — er hat — wahr geredet!" Mit diesen nach und nach ersterbenden Worten sank das Mädchen in die Arme ihres bestürzten VaterS. Keines Wortes fähig stand dieser, bis ihm endlich die hellen Thränen aus den grauen Wimpern perlten. So trug er die Ohnmächtige nach ihrem Zimmer. 10. Schachzüge. Baron Marnstein sprengte auf schweißbedecktem Rosse so schnell die BergeShöhe hinan und zum Hofthore seines alten Schlosses hinein , daß der nachfolgende Bediente nicht gleichen Schritt mit ihm zu halten vermochte und mit seinem, obgleich guten Pferde, erst eine Weile später dort ankam. Mit unruhigem, zerstörtem Blicke schwang sich der Baron von dem Pferde, warf demselben die Zügel auf den Hals und eilte die breite steinerne Schloßtreppe hinauf, wo ihm der Verwalter auf dem Corridore entgegen trat. „Ist der Amtmann von Dannberg bereits angekommen?" „Der alte Herr sitzt schon eine Weile in der gothischen Stube," entgegnete der Befragte. „Meinen einstweiligen Gruß und ich würde gleich bei ihm sein." Der Verwalter ging und der Baron eilte in sein Arbeitszimmer, wo er den Reiseoberrock schnell hinweg schleuderte und sich erschöpft auf ein Sopha niederließ. „Fassung! Fassung!" rief er dann warnend sich selbst zu. „Benütze die wenigen Stunden, welche dir von der Geschäfte Drang gelassen worden, um deine eignen Angelegenheiten zu ordnen, auf daß du wieder Kräftigung und Muth erhäüst, die fortwährenden Stürme zu bestehen!--Gott, Gott," rief er endlich und sprang abermals heftig aufgeregt von seinem Sitz in die Höhe, „dit siehst mein Herz, du weißt, wie aufrichtig ich es mit dem mir anvertrauten Lande meine und doch Überall Mißtrauen und aller Orte feindliches Entgegentreten auch den besten und förderlichsten Absichten ! — Und in dem Gewühle, das so mich umtobt, mein Herz zerrissen, zerfleischt und gefoltert von peinlicher Ungewißheit und meine Seele erschüttert und durchbebt von Reue und Verzweiflung! — Kann ich die Kette zerreißen, die mich an Eusebien fesselt?— Kann ich das Bild vernichten, das in dem Busen wie ein Hciligtbum die Siegesstrahlen flamhrt? — Gott, Gott, gieb mir Fassung und Ruhe und erleuchte mich, daß ich den rechten Weg erwähle, der aus diesem Labyrinthe zum stillen Frieden meiner Seele wieder führt!" (Fortsetzung folgt). Was giebt es Neues? — Nach einem neuen Erlasse müssen sämmtliche großh. hessische Staatsdiener bis zum Neujahre alle vorgeschriebenen Uniformstücke sich angeschaffl haben und im Dienste stets tragen. — Vor einigen Tagen fuhr ein vom Unterrhein kommendes, mit Rührer Kohlen schwer befrachtetes Schiff zwischen Keffelstadt und Hanau auf eine Sandbank und wurde so beschädigt, daß die Ladung in ein anderes Schiff verbracht werden mußte. — In Mainz ist gestern unerwartet ein Privat-Mädchen-Jn- stitut von der Behörde geschlossen worden. — Ein in Mainz dieser Tage verstorbener Rentier au8 Kostheim hat dem BürgerhoSpitale ersterer Stadt das schöne Sümmchen von 80—100,000 fl. vermacht. — In Mannheim wurde ein österr. Consulat errichtet und dem Hrn. Ed. Eysenhardt daselbst übertragen. 48 M i s c e l l e n. Druck unb Verlag der G. D. Brübl'scken Buck- und Steilivruckeret. sind in Wien wieder 2 Millionen Papiergeld so daß 6% Millionen aus den auf das An- Geldern getilgt sind. wurde vor einigen Bier vergiftet. — Am 20. d. verbrannt worden, lehen eingeflossenen kaiserliche Braut genannt. — Der Kaiser hat die Reise nach Compiegne gemacht und wurde dort warm empfangen. Jagd und Bali wurden arrangirt, — Zu Solothurn wurde diese Woche ein dreifacher Mordbrenner zum Tode verurtheilt. Derselbe heißt v. Arr, gehört einer adeligen, jetzt im Bauernstände lebenden Familie an, stand früher als gemeiner Soldat in neapolitanischen Diensten und war noch bei seiner Berurtheilung so roh, dem Gensdarmen lachend zuzurufen: „ich werde jetzt wohl das große Loos gewinnen!" — In Paris erzählt man sich, Napoleon werde sich mit einer Tochter des Herzogs von Cambridge verloben, und von anderer Seite wird eine Tochter des Herzogs Maximilian in Bayern als Feuergarben aus. __ Die Ulm. Ztg. berichtet von einem am 13. Dezember früh um 3 Uhr zu Ulm verspürten Erdstoß, der sich in einem mit Blitz verbundenen, dem Donner ähnlichen Schlage äußerle. — Einem Brauer in dem bayerischen Städtchen Traunstein Tagen von ruchloser Hand ein großer Sud __ In Zeilsheim bei Höchst wurde ein Falschmünzer mit sammt seinem Werkzeug, falschen Guldenstücken rc. von der Polizei auf- ge^ Dieser Tage starb in Koblenz nach langem Leiden der fürstl. Thurn- und Taris'sche Generalpostdirektionsrath H. Wal.cr. Er war 1807 zu Limburg geboren. — Im Königreich Sachsen soll hinfort bei Hinrichtungen statt des Fallbeils das Fallschwert zur Anwendung kommen. Em Dresdner Mechaniker hat berejis das traurige Werkzeug in Arbeit, das, leider, bald vielfach benutzt werden dürfte. __ Das Berliner Polizeipräsidium hat nunmehr mit der englischen Gesellschaft, welche ganz Berlin mit fließendem Wasser versehen will, den Vertrag abgeschlossen. Auch werden an vielen Punkte» der Stadt öffentliche Wasserständer »nv Springbrunnen unentgeldlich eingerichtet. — In dem Kirchspiel Kleinasbach (Würtemberg) kam letzte Woche eine merkwürdige Mißgeburt, jedoch todt, zur Welt: zwei zusammengewachsene Knaben. Die Kinder hatten Eine gemeinsame Brusthöhle, Eine Bauchhöhle, übrigens doppelte Eingeweide in den- selbm; zwei Herzen in Einem Herzbeutel. Die beiden Köpfe des Wunderkindes — vier Schultern und Arme, vier Füße rcaren wohl gebildet. e ~ , — Die Duellangelegenheit ! zwischen Fürst Wrede und Frhrn. von Lerchenfcld wird am 10. Januar vor dem k. Stadtgericht München zur Verhandlung kommen. __ In Magdeburg klagte sich eine Frau bei Gerlcht als Gattenmörderin an, die Polizei fand aber den angeblich Ermordeten gesund und frisch zu Hause: die arme Frau ist geisteskrank. __ Zn Ehren des kaiserlichen Gastes fand in Berlin große Truppenschau statt. Kaiser Franz Joseph führte dem Könige Friedrich Wilhelm IV., und umgekehrt dieser dem Erstgenannten ein Regiment vor. Die Musik spielte u. A. auch das „Gott erhalte Franz den Kaiser". Nach der Vorstellung mehrerer höherer Offiziere war großes Diner und Abends Theater, nur für Geladene. Die Militärschauspiele wiederholen sich bei Potsdam und Se. Majestät der Kaiser wird alsdann nach Wien zurückkehren. __ Am 18. Dez. ist ein Meteor auf der Hochebene des Jenaer Schlachtfeldes in der Größe des Vollmondes beobachtet worden. Es senkte sich am östlichen Himmel und schleuderte mehrmals — Ein neueres Schreiben aus Paris melket, daß neue Ge- sahren gegen das Staatsoberhaupt entdeckt, und darum die ^zagd feste von Compiegne abbestellt worden seien. — Im Pariser Jnvalidenhotel wurde am 15. d. M. der Jahrestag der Ankunft von Napoleons Asche kirchlich gefeiert. Am Fuße der Napoleons-Säule auf dem Vendomeplatz fand man viele Todtenkränze niederg-legt. Auch in Courbevoie, wo die Landung der Asche statt harte, wurde eine Trauerfeier veranstaltet. __ Abd-el-Kader hat sich in Marseille nach Brussa eingeschifft. Seine Familie besteht aus seiner Mutier, 79 Jahre alt, seiner lcgi- timen Frau, 32 Jahre alt, drei nicht legitimen Frauen und drei Söhnen, die 12, 10 und 9 Jahr alt sind. Zwei ältere Tochter sind verheirathet und wohnen in Marocco. __ In Montenegro (ein gebirgiges, tast unzugängliches, auf ca. 100 Q.-Meilen 100—110,000 Bewohner zählendes, an dl- Türkei gränzendes Ländchen) nimmt der Conflwt mit der Pforte, welche die Unabhängigkeits-Erklärung desselben nicht gut h-lyen will/ eine immer bedenklichere Wendung. In Oberalban.en werden Simpathieen für die Montenegriner bemerkbar, ein siamscher Häuptling an der Grenze von Albanien soll der Pforte den Gehör,am aufgesagt haben, dagegen eine türkisch- Armee marsch,-rttg sein. — Ledru-Rollin ist plötzlich reich geworden. Er odei vielmehr seine Frau hat 4,000,000 Frcs. geerbt. Letztere ist bekanntlich eine Engländerin und gehört einer sehr reichen Familie an. gebracht wird. meriner Thor befindet, ist gänzlich abgebrannt. . . — Als unlängst ein amerikanischer Redner in Emphase sei er Begeisterung sagte : „Ich st-he auf den. breiten Boden der Prm- cipien von 1798, und mein Arm soll erlahmen, wenn ich vo ihnen abiaffe"--wurde er von einem kleinen Schuster, der sich unter dem umstehenden Publikum befand, mit folgender Gegenrede unterbrochen : „Ihr st-h-t auf nichts anderem, ^ack, als auf meinen Stiefeln, die Ihr mir noch nickt bezahlt habt, und wosur Ihr nun so gut sein werdet, mir das Geld zu geben. — Wie weit jetzt in Paris der Schwindel getrieben wird, nicht allein au der Börse, sondern auch in der Handelswelt, beweist le Abreise von 12 jungen Mädchen nach Konstantinopel. Vier groß Pariser Mode-Geschäfte haben sich nämlich vereinigt, obige Damen equipirt, reichlich mit Geld versehen und sie unter dem er e eh eines herabgekommenen Lions nach Könstantinöpel gesandt, um rrr zu Gunsten dec französischen Dioden Propaganda zu machen. — So wie man unter den Menschen sogenannte Pechvögel findet, so gibt es auch unter den Tagen wahre Unglückstage. Ein solcher . Dies nefastus war der 7. Dec. für eine» Hausbe,ltzer ,n Neu,atz, indem an diesem Tage fünf verschiedene Unstucksfalle über ihn kamen, von denen jeder einzelne hinreichend gewe,en wäre, einen Menschen zur Verzweiflung zu bringen. Erstens entdeckte er früh Morgens, daß ihm seine Frau durchgegange» sei, die,eS Ung uck war allerdings noch kein positives, aber zweitens nahm ,ie ihm alles vorhandene baare Geld mit; drittens als er vom Gerichts- Hause, wo er die Flucht seiner Gattin gemeldet hatte, heimkam, stürtzte er über die Treppe hinab und verletzte ,lch dergestalt am Kopfe, daß man ihn in das Spital tragen mußte, und viertens, als er kaum dort angelangt war, hörte er, daß sein Haus brenne. Um das Maß seines Unglücks voll zu machen, wurde fun t-ns von der Gensd'armerie bei Rettung ,einer Hab,eltgkelteu ein Betrag von 100 ft. in Kossuih-Noten vorgefunden woft.r der Besitzer, sobald er das Spital verlassen kann, vor das Kriegsgericht Sein Haus, welches sich in Neusatz bet dem Te-