Anzergeblatt der Stadt und des Regierungsbezirks hi Auswärts abonnirt man sich bei allen Postämtern In Gießen bei der Erped. tCanzleib-rg Lit. B. Nr. 1.) — EinrückungSgcbühr für di- gespalten- EorpuSz-il- 2 kr. Jfä 7. Mittwoch den 23. Januar isso: Amtlicher Theil. Erscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwoch und Sonnabend. — Preis de« Jahrgangs für Einheimische 1 fl. 30 fr., für Auswärtige incl. Postaufschlag 1 st. 42 kr. Polizeiliche Bekanntmachung. Die Stelle eines Polizeidieners in der Stadt Gießen ist in Erledigung gekommen und wird zur Wiederbesetzung derselben Concurrenz hierdurch eröffnet. Qualificirte Bewerber haben ihre Gesuche dis zum 30. l. Mts. dahier einzureichen. •'3Kr;:;i am 22. Januar 1850. Der Großh. Bürgermeister. In dessen Verhinderung der Beigeordnete Rühl. (117 Etzitkalladungen. 112) Gießen. Forderungen jeder Art an den Nachlaß des Heinrich Ludwig Horn von Steinbach sind im Termine Freitag den 8. Februar d. I., Vormittags 10 Uhr, so gewiß dahier anzuzeigen und zu begründen, widrigenfalls sie bei der Ordnung dieser Verlassenschaft keine Berücksichtigung finden werden. Gießen am 12. Januar 1850. Gr. Hess. Landgericht. Ploch. 80) Gießen. Forderungen jeder Art an das im Betrage von 1130 fl. 16 fr. überschuldete Vermögen des von Gr. Hofgencht dahier für concurs- fällig erklärten Caspar Becker IV., Finken's Eidam, von Altenbuseck sind im Termin Freitag den 8. März d. I., Vormittags 9 Uhr, bei Vermeidung des obne besonderes Präclusiv« Decret eintretenden Ausschlusses von der Masse dahier anzuzeigen und zu begründen. Gießen den 8. Januar 1850. Gr. Hess. Landgericht. Ploch. Besondere Bekanntmachung. 110) Gießen. Die Schulgelder vom IV. Quartal 1849 sind binnen 8 Tagen zur hiesigen Stadtkasse zu bezahlen. Gießen den 17. Januar 1850. Der Stadtrechner Enders. Versteigerungen. 102) Gießen. Folgende, dem Kaufunger StiftfondS zugehörigen Früchte: 1 Malter Waizen, 66 « Korn und 40 ir Hafer, sollen Donnerstag den 24. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem dahiesigen Rathhause öffentlich versteigert werden. Gießen den 17. Januar 1850. C. Fuhr, SyndicuS des Kaufunger Stiflfonds. 2368) Rödgen. Die in dem Grundbuch mit und 73/s bezeichnete hiesige Hofraithe, welche in einem Wohnhaus, Nebengebäuden, dann Stal- 46 lung für 10 Stück Rindvieh, Scheuer, Hofraum und Hausgarten besteht, soll Montag den 18. Februar 1850, Mittags 2 Uhr, im Hause selbst freiwillig versteigert oder auf 6 Jahre verpacktet werden. Die Gebäude find durch die neue Herrichtung im besten Zustande und die ganze Hofraithe eingefriedigt ; sie eignet sich deshalb sowohl für einen Städter zu einem ländlichen Wohnsitz, als auch wegen der Räumlichkeit zu einem größeren gewerblichen Betriebe. Nähere Bedingungen sind bei A. Balser in Gießen und im Versteigerungstermin zu erfahren. Rödgen bei Gießen den 19 December 1849. Der Bürgermeister Seipp. baren Gebote erzielt werden sollten, die Hofraithe sowohl, als auch die Güterstücke auf 3 Jahre verpachtet werden. Gießen den 21. Januar 1850. Im Auftrag dessen Bevollmächtigter C. Weidig. 113) Gießen. Montag den 28 d. Mts., Nachmittags von 1—4 Uhr, wird im Saale des Gasthauses zum Adler eine große Parthie wollene Tucker in allen Farben durch den Unterzeichneten gegen gleich baare Zahlung versteigert. Gießen den 16 Januar 1850. Chr. PH. Vogel. 120) Gießen. Montag den 4. Februar d. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf freiwilligen Antrag des Joh. Balth. Wei- diq, G. W. S. III. von Gießen, dermalen in Kurhessen wohnhaft, die demselben zustehenden, in hiesiger Gemarkung gelegenen Immobilien, als: alt Pag. u. Nr. 1 neu 416 □filftr. 9 2 384 24 3 324a 22 4 91a 98 l 92 148 93 197) 5 98 542 6 99 552 7 115 612 8 185 329 9 186 327 10 187,, 385 11 187,5 385 12 123 470 13 136 492 14 137 493 Wohnhaus mit halbem Hinterhaus auf dem Kreuz, neben Andreas Weidig, Hofraum mit Scheuer in der Kaplansgasse, neben Jeremias Andreas Busch, Scheuer mit Hofraum und Nebengebäude in der Katha- rinengasfe, neben PH. Lonp, jetzt Carl Sack, Acker auf der Weißerd oben am Weg, neben Kaspar Spieß, Acker neben vorigem, an Hofger.-Director von Hellmold , Acker daselbst neben vorigem Stück, an Peter Plank, Acker in der Stephansmark in der neuen Eintheilung, stößt auf den Weg, Acker auf dem hoben Rain am Schiffenberger Weg, neben PH. Berger, Acker daselbst neben vorigem, Acker daselbst neben vorigem, Acker daselbst neben Carl Ebel, Wiese am Erdkanterweg, neben Georg Becker im Promenadehaus, Acker daselbst neben Daniel Ockels Wittwe, Acker daselbst neben Theodor Lotz, einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. Die näheren Bedingungen werden im Versteigerungs- Termin bekannt gemacht. Steiglustige ladet man hierzu ein und bemerkt, daß, falls keine annehm- Feilgebore n. 115) Gießen Bischoff, per Maas 2 st., Cardinal, per Maas 1 fl. 20 fr., in sehr guter Qualität bei M. Sil bereisen. 101) Gießen. Ein Wiener Flügel, aus der ersten dortigen Piano-Fabrik, ist wegen Mangel an Raum zu verkaufen. Wo? sagt d. Erped. d. Blus. 87) Gießen. Ich bin gesonnen, meinen Garten am Riegelpfad und meine 2 Aecker, der eine hinter den Eichen, der andere in der Schwarzlach gelegen, aus freier Hand zu verkaufen oder zu verpachten. A. H. Jughardts Wittwe. 75) Gießen. Von einem renomirtcn Haus in Altbaiern sind mir 1848r Hopfen, zu verhält- nißmäßig sehr billigem Preis, gegen das Product aus vorigem Jahr, angetragen. Muster liegt vor, und kann danach im Ballen von mir bezogen werden. Zu vermiethen- 114) Gießen Bei Friedrich Vogt in der Wallthorstraße ist ein Logis, bestehend in 3 Stuben, Kammer, Boden, Keller, Holzstall und Waschküche, zu vermiethen und kann im April bezogen werden. 111) Gießen. Eine Familienwohnung ist bis zum 1. April d. I. zu vermiethen bei Franz Peppler, Lit D. Nr. 120. 85) Gießen. Lit. D. Nr. 48 in der Neustadt ist eine Familienwohnung zu vermiethen und am 22. März d. I. beziehbar. 25) Gießen. In meinem neu erbauten Hause vor dem Neuenwegerihor ist der erste und zweite Stock zu vermiethen; jeder bestehend ans 4 aneinanderstoßenden Zimmern, Kammern, Küche, Keller, Theil am Boden, Mitgedrauch der Waschküche und verfchloffener Holzremise. Gottl. Strauch, Maurermeister. 47 Vermischte Nachrichten. 119) Gießen. Daß ich in meinem Wirthslocale ein gutes Billard aufgestellt habe, bringe ich einem verehrten Publikum in Empfehlung. F. Mayer 7 an der Kirche. 118) Gießen. ES wird ein braves Mädchen, das mit allen häuslichen Arbeiten umgehen kann, in Dienst gesucht. Das Nähere ertheilt die Erped. i>. Bltts. 121) Gießen. Ein Gebund Schlüssel sind gefunden worden und können dieselben Lit. C. Nr. 88 wieder in Empfang genommen werden. A u s z u l e i h e n. 116) G ießen. 120 st. Vormundsgelder liegen gegen 5% zum Ausleihen bereit. Bei wem? sag die Erped. d. Bltts. Affisenverhandlungen vom ersten Quartal 185 0. 24. Jan. Anklage gegen Conrad Diemer von Billertshausen, wegen Majestätsbeleidigung. Verth.: Dr. Eckstein. 25. und 26. Jan. Anklage gegen Dr. jur. Heinrich Dernburg von Gießen und Theodor Leistner von Schönhaide, wegen der, bei der Volksversammlung im Philosophenwalde verübten Verbrechen. 28. Jan. Anklage gegen Joh. Michel Reuß von Sich, wegen unerlaubter Befreiung eines Gefangenen. Verth.: Dr. Buff. Angekommene und abgereiste Fremde In den Gasthäusern. Im Einhorn: Hrn. Kfl. Gottschalk v. Mainz u. Reinhard v. Leipzig. Hr. Seyfert, Reut. v. Frankfurt. Hrn. Rent. Kaiser v. Braunschweig u. Rei v. Paris. Hr Schmitt Pian. v. Frankfurt. Hrn. Kfl- Henlein v. Frankfurt, «in. Vernagel v. Mainz u. Daumer v. Frankfurt. Hr. Deicher, Musikvir. v. Marburg. Hr. Eckhardt, Oberbaur. u Hr. Berg, Jnspect v. Coblcnz. Hrn. Kfl. Steif v Hamburg u. Neger v. Leipzig. Im Rappen: Hrn. Kfl. Richt v. Neuwied, Gruß o. Gelnhausen u. Comtader v. Düsseldorf. Hr. Schiermann, Oecon. v. Hungen. Hr. Schenck, Bergr. v. Biedenkopf. Hrn. Kfl. Hoffmann v. Elberfeld, Selzer v. Frankfurt u. Mainzer v. Mannheim. Hr. v Schenck, Rent. v. Darm, stadt. Hr. Götze, Schreiucrmstr. v. Berlin. Hr. Kremer. Kfm: v. Frankfurt. Hr v. Loßberg, Stud. v. Fuloa. 7« Prinz Carl: Hr. Schäfer, Müller v. Lanshcim. Hr. Schneider, Cand. v. Lauterbach. Hr. Gulerwunsch, Privatm. v. Alsfeld. Hr Schad, Bürgcrmst, Dechardt, Gastw., Kühl, Schuhm., Suppes, Lehrer u. Glitsch, Oecon. v. Landenhauscn. Hr. Hof, Kfm. v. Maiuz. Hr. Spamer, Metzg. v. Schotten. Hr. Schlirm, Nothgerb. v. Frankenberg. vom 19. bis 21. Zanuar 1850. Hr. Hang, Wagn. u. Hr. Walser, Kfm. v, Frankfurt. Hr. Kolb, Privatmann v. Schliß. Hr. Schlorb. Metzger v Schotten. Hr. Felde, Kfm. v. Gedern, pr. Mogk polzhdl. u. Hr. Reitz, Wirth v. Echzel. Im Darmstaedter Haus’. Hrn. Geschäfts!. Jkckkl ». Grünberg, Fenchel v. Gredel, Schmidt, Flch, Schad u. Herchel v. Landenhausen, Lenz v ^roßenllnden, Eichle v. Fortwangen u. Di'schler v. Büdingen, Mals, Nahm ». Ww v Nlevermörlen, Cahn v. Rutters ausen, Aon v. Hungen, Bamberg v. Nordecken, Hartmann v. Hanau, Nell v. Hviz- hausen u Bachenheimer v. Rauschenberg Im Sern-. Hr. Eple, Gerb. v. Bieberach. Hrn. Privat!. Bensler v. Staufenberg, Porr v. Oberhausen, Weigel v. Combach u. Lipfelv v. Dernbach. In den Privathäusern. Bei Hrn. Pistors Wtw. Hr. Pistor, Oecon. v. Frauen, prisn'tz. — Bei Hrn. Schloffermstr. Nagel: Fr. Stumpf v. Langgöns. — Bei Hrn. Baucand. Lauckardt: Hr. Lau- ckardt, Oecon. v Stade. — Bei Hrn. Ferd. Mayer: Hr. Eckstein, Kfm v. Frankfurt u. Hr. Mayer, Lehrer v. lllten- buscck. — B u n Ein Besuch im Kloster La Trappe. Mit welchem Vergnügen sahen wir den letzten Strahl der scheidenden Sonne sich hinter den düstern Wolken des Horizonts verbergen, als wir mit langsamem Schritte die Anhöhe vor dem kleinen Dörfchen Soligny hinaufstiegen. Während des Tages hatten wir den Staub mancher langen Meile von unfern Füßen geschüttelt, in der Hoffnung, noch am Abend das weltberühmte Kloster La Grande Trappe zu Perche zu erreichen. In Soligny angekommen, waren wir nur noch anderthalb Stunden von unserem Ziele entfernt, das, in dichten Waldungen verborgen, uns mit seinem kühlen Schallen nach der Hitze des Tages freundlich einladend entgegenwinkte. Gegenüber der Kirche erkannten wir an dem gewöhnlichen Zeichen eines in hellen Farben auf weißem Grunde über der Thür gemalten Billards das „Kaffeehaus" des Dorfs. Wir traten ein, um uns für einen Augenblick zu erholen nnd wieder einmal die gewöhnlichen Getränke des Volks, Bier und Branntwein t £ S. genannt, zu kosten, bevor wir eine Zeit lang den fleischlichen Begierden und den guten Dingen der Welt Valet sagten und uns der Einfachheit köstlicher Dis- ciplin unterwarfen. „Wollen die Herren noch diesen Abend nach dem Kloster?" fragte die Cigenthümerin des Kaffeehauses, als sie, unserer Bitte gemäß, auf den Tisch eine Flasche des ..Bierre Manche“ setzte. Wir befahlen die Frage, und die stämmige Wirthin deren Palois anzeigre, daß sie wohl Zeit ihres Lebens sich nicht weit aus dem Orte entfernt hatte, der sie geboren werden sah, fuhr fort: „Nun, dann müssen Sie wohl Acht geben, denn der Weg ist schwierig, und wenn der Mond untergegangen ist, wird die Nacht finster genug werden. Doch Sie dürfen nur den Weg gerade fortgehen und weder rechts noch links sich wenden, so können Sie das Kloster nicht verfehlen." ... Wir dankten der guten Frau für ihre freundliche Weisung, erkundigten uns, ob wir von Wölfen und Räubern auf unserer nächtlichen Wanderung durch die 48 Walter etwas zu besorgen haben möchten, und alS wir darüber beruhigt und unsere Erfrischungen verzehrt waren, nahmen wir »och einmal unsere Reisetaschen auf, sagten der freundliche Matrone ein bon soir und setzten unfern Weg fort. In wenig Minuten traten wir in die düstern Laubgänge des Waldes La Pcrche. ' Wir hatten, ehe wir diese Pilgerfahrt unternahmen, unS verabredet, die Gastfreundschaft der Brüderschaft von La Trappe als Pilgrime in Anspruch zu nehmen und wo möglich vor dem Thore des KlosterS diesem Namen entsprechend, wegmüde und schwach zu erscheinen, so wie erst in der von allen erfahrenen Geschichtsschreibern des Abendteuerlichen festgesetzten grauen Stunde des Abends daselbst einzutreffen, und bisher war Alles nach unserm Wunsch geschehen. Die Müdigkeit namentlich war wirklich vorhanden, und sie zu vergessen, stimmten wir manches Lied, manche Ballade Alt-Cngland's an. Doch lange brauchten wir zu künstlichen Mitteln die Gedanken davon abzuwenden, unsere Zuflucht nicht zu nehmen, denn die Windungen des Weges, die kaum zwischen den Blättern zu erkennen und mit jedem Schritte von andern Steigen durchschnitten waren, riefen unsere Aufmerksamkeit in dem Maaße auf, daß wir jeden Gedanken an unsere Ermüdung vergaßen. Treffend hat man diese Gegend „La Trappe" ge- genannt, denn das Labyrinth der Wege, die in jeder Richtung den Wald durchschneiden, ist so verschlungen, daß der Fremde ein großer Freund des Abenteuerlichen sein muß, der ohne einen kundigen Führer diese labyrinthischen Gänge betrittt. Aber das Kloster nicht ohne einen Führer zu erreichen, würde unserer Reise die Hälfte ihres romantischen Reizes genommen haben, und hätte Pilgrimen nicht geziemt. Schon eine Stunde rathlosen Umherirrens in de» düstern Waldgründen jedoch war hinreichend, die romantischen Schwärmereien zu zerstreuen und die Besorgnis;, die Nachtauf dem knorrigen Aste einer alten Eiche oder in classi- scher Redeweise „sub tegmine fagi“ zubringen zu müssen, ließ uns unsere Kühnheit bitter bereuen. Furcht und Unruhe wuchsen mit der zunehmenden Dunkelheit des Abends; doch wanderte» wir fort, bis der plötzliche Ton einer Glocke in nicht bedeutender Entfernung und in der Richtung, die wir genommen hatten, so wie der Schimmer von Licht, der durch das Gebüsch, in das wir gerathen waren, von Zeit zu Zeit sichtbar wurde uns zeigte, daß wir uns dem Ziele unserer Wallfahrt näherten. — In einer Viertelstunde brachte uns ein lebhafter Schritt Angesichts des alten Hauses, ermattet und in jeder Hinsicht des Namens eines Pilgers würdig. Wir ließen uns auf zwei Steinen nieder, welche vor dem äußern Thore standen, überlegten, wie wir uns ferner benehmen wollten, und schritten dann an das Thor, um Einlaß zu begehren. Anfangs ertönte wohl die Glocke hell und lang, doch starben ihre Klänge unbeachtet hin; abermals wurde der Glockenring gezogen und der ruhige Schlummer der Nacht gestört — das Echo erklang aus dem Forste, der das Haus umgab und starb in leisen Schwingungen dahin, und siehe! jetzt regte sich der Ton von herankommenden Schritten. „Benedicite! — Was wollen Sie?" fragte eine dünne Stimme unter einer Haarmütze, die aus dem kleinen Fensterchen hervorschaute, das langsam geöffnet, uns die Gestalt eines Gärtners zeigte. „Charite! — „Charite !“ — war unsere schwache Antwort. „Nun, nun!" erwiderte der Fremde im Patois deS Landes, „es ist zu spät für Euch, eingelassen zu werden , aber niemals zu spät zum Erbarmen," und er reichte uns die Hand, um uns in die Pförtnerwohnung zu führen. Hier befreite er unS dienstfertig von unseren Reisetaschen und bat uns Platz zu nehmen. Darauf wurde ein kleines Verhör angestellt, über den Ort, wo wir herkämen, die Art wie und weshalb wir reisten, was wir in der Kürze und befriedigend beantworteten und zur Bestätigung unsere Pässe vorzeigten ; doch nach einem vergeblichen Versuch, sie „Brill' auf der Nase" und „beim düstern Schein der Lampe" zu lesen, gab sie unser freundlicher Frager mit den Worten zurück: „C’est bien, c’est bien, messieurs!“ und fügte sogleich die Frage hinzu: „Avez vous faim ?“ beantwortete sie aber auch fast gleichzeitig mit den Worten : „Pardon messieurs !“ und seinem Verschwinden auS dem kleinen Gemache selbst. Bald kehrtd der alte Thürhüter zurück, begleitet von einem kleinen, magern zwitterartig aussehenden Individuum, halb Mönch, halb Laie, und einem dienenden Burschen von ganz wohlgenährtem Aussehen, in venen wir nach ihrer Kleidung und Haltung Niemand anders erkannte», als den Koch und seinen Diener. (Forts, folgt.) Gemeinnütziges. Anzahl der B a u m w o l l e n sp i n n e r e i e n. Nach dem neuesten statistisch-national-Skonomischen Beiblatte zur „Hamburger Börsenhalle" beträgt die Gesammtzahl der auf der ganzen Erde bei der Bau ur- wollen spinnerei verwendeten Spindeln die Summe von 28,985,000. Beinahe zwei Drittheile hiervon, nämlich 17'/a Millionen Spindeln, kommen allein auf Großbritannien, wovon wieder auf England 15,554,619 »uf Schottland 1,709,878, und auf Irland 215,503, Spindeln fallen. Großbritannien zunächst steht Frankreich mit 4,300,000. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika (wo die erste Spinnerei erst 1824 angelegt wurde,) zählen 2 'Z2 Millionen, Oestreich 1'/, Millionen, der deutsche Zollverein 815,000, Rußland 700,000, die Schwei; 650,000, Belgien 420,000, Spanien 300,000 und Italien ebenfalls 300,000 Spindeln. Im deutschen Zollverein hat Sachsen die größte Spindelzahl, nämlich 541,868, Preußen 170,433 die übrigen Staaten zusammen 102,699. Die preußische Baumwollenspinnerei concenirirt sich in Schlesien, Westphalen und in der Rheinprovinz. Von de» 152 Maschinenspinnereien mit 5883 Arbeitern, die der preußische Staat am Schlüsse des Jahres 1846 hatte, befinden sich in Schlesien 11 mit 35,524 Spindeln und 1749 Arbeitern, (worunter 3 größere Anstalten mit 30,892 Spindeln und 1441 Arbeitern.) 3» Ost- und Westpreußen und in Posen gibt cS gar keine Spinnereien; in Pommern, Brandenburg und der Provinz Sachsen im Ganzen blos ^sieben mit 5980 Spindeln. In Frankreich findet sich fast die Hälfte sämmtlicher Baumwollenspinnereien in der Umgegend von Rouen, nämlich 292 Etablissements mit 1,890,000 Spindeln; Elsaß hat 88 Spinnereien mit 1,115,000 Spindeln; das Departement du Nord (Lille, Douai und Cambrai) 550,000 Spindeln. Für 1000 Spindeln sind durchschnittlich 14 Arbeiter erforderlich, sodaß also mehr als 60,000 Arbeiter bei diesem Industriezweige beschäftigt sind. Druck und Verlag der G. D. Brühl'sche» Buch- und Steindruckerei.