3iiuigcMatt für -ie Stadt Gießen und die Kreise Gießen, Grünberg und Hungen. .M 3S. Samstag den 29. April 1848. Dieses Blatt erscheint jeden Dienstag und Freitag, Abends. Der Pränumerationsbetrag lst. jährlich für Emheunlsche Ist. 30 kr., halbjährlich 45 fr., für Auswärtige incl. Postaufschlag 1 st. 42 fr., halbjährlich 51 fr. Auswärts abonmrt man sich bet den zunächst gelegenen wot Postämtern. In Gießen bei der Expedition, Cauzleiberg Lit. b. Nr. 1. Einrückungsgebühr für den Raum der gespaltenen Eorvus-Zeue 2 tr. Inserate müssen jedesmal an dem Tage vor dem Erscheinen dieses Blattes bis Morgens 9 Uhr längstens an die Redaktion gelangt >eyn. Viktualienpeeise Fleischtaxe. Gienen den 29. April i Grimberg ; den 29. April i Hungen den 29. April Büdingen den 29. April «K Friedberg den 29. April per Pfund .1- fr. |vf.| kr.'pf. fr. pf. kr.!pf. kr.!pf. kr.'pf. Ochsenfleisch I2j — 1 12 — 12 — 121- 12 — Knhfleisch . 9‘ 2 9 2 9 — 101 — 10 — Rindfleisch . 8j 2 —' — 8 2 9 — 8 — 8 2 Kalbfleisch . 6 2 — 6 2 7 — 6 — 6 — Schweinefl. . 14 j— ■ *"-- 14 - 14 — 141 — 14 — Hammelfl. . 10 — —.— 9 — 10 — 10 - 9 — Schaafs!. . . —' — — 1 — 7 — 7 — 7 — — —. Leberwurst . 16 — - — 16 - 15 — 14 — 16 — gem. Wurst. 12'— — - — 12 - 10 — 12! — 10 — Bratwurst . 18 — ________________1_______________ 18 - 16 — 17 i — 18 — Schwartem.. 18- — ■ — 18 — 15 — 14 — 18 — Blutwurst . 16 — - - 16 — 15 — >12 — 16 — geräuch.Speck 28 — ! |28 - 24 — 24 — 28 — Schinken . . 20 — — — 20 — 120 — 20 — 20 — Dörrfleisch . 20 — — 20 - 20 — 28 — 21 — Rindsfett 20 — — — 20 — 18 — 18 — 24 — Hammelsfett 20 — —' — 20 — 18 — 16 — 18 — Schweine- 1 schmalz, aus- gelassenes . 26 — — — 26 — 24 — — — 27 — dgl., uuausgel. 24 — — 24 — 201 20 — 24 — Brodtaxe. Gießen den 29. April Grünberg den 29. April Hungen 1 den 29. April ! ! Büdingen 'l den 29. April 1 Nidda den 29. April Friedberg den 29. April S| kr.!pf. fr. । Vf. fr. Pf. fr. Pf. fr. lpf. fr. Pf. 2 ä) - läGerste-)— 4 '• 5 Olepen j ,S; &i-l 10 — —1 — 9 — 5 — 10 _ 4 3 9 2 51"—■ 10 — 5 i 10 2 6 0 jGrünberg 151 — —, — 15 — 14 1 — — — % ® Walzen- und 51 2 111 1 1 1 1 5 2 11 — 1 1 Li. - - — 6 g Kornmehl besteh. I6l 2 _t — 16; 2 — — — — — — — 1 — ---— > i'< - B w. . *-jLJ > ■11 : «mm L.lQ L. Q L.lQ L. Q L. Q L. Q Für 1 fr. Wasserwerk. . 6|— — 6j- 5 s 5| 2 5 3 „ 1 fr. Milchbrod . . 5 — 5 — 5 — 5 — 5 — 5 — Marktpreise. fr. Pf. fr- Pf. kr-'pf. fr. Pf fr. Pf. fr. Pst 1 Maas Milch..... 6 — — — —' — — — — — - — 1 Pfund Butter . . . . 23 — —!— —•;-- — — — — — — auch . . • 241— — — - — ------------------------------- ; --------------------------------- — . — 4 Handfäse ...... 81- ' i ' - - — - .— — — 5 Eier....... 4| — — - —— - - — — — 1 Pfund Waizenmehl . . . — 1 — ---------------I---------------- NB. Die Zugaben zum Fleisch dürfen nur in solchem von derselben Gattung bestehen, und zwar auf 10 Pfd. nicht mehr als andeithall Pfund ?c. nach Proportion, welches auf 1 Pfd. nicht völlig 5 Loth ausmacht. Kopfe, Füße, Geraub, wie auch die ganz blutigen und nicht genießbaren Stücke vom Hals sind von der Zugabe gänzlich ausgeschlossen. Fruchtpresse Frucht- Gießen । 28. April | Grünberg 22. April Hungen 1 31. Dezbrf Friedberg 1 14. April | Büdingen 1 12. April | Lauterbach 12. April Darmstadt I 1. Jan. | Mainz 15. April Marburg 25 März Wetzlar 22. April gat- tmig. M I t e x. Mott Scheffel fl. fr- fl. fr. ff. ! fr- fl. fr. fl. fr. fl. fr. fl. 1 fr. fl. fr. JL( kr- LIL- Pf. Waizen 9 7 9 — 9 14 9 20 10 — _ — 9 14 7 52J 4 48 — Korn. 6 40 6 — — _ 6 39 7 24 7 __ — -— 6 44 5 32i 2 55 — Gerste 5 30 5 — ________________ _________________ ' 5 39 6 15 6 — _ — 5 27 4 37 2 35 2 Hafer 4 39 4 20 — _ 4 48 4 50 i 32 — ,— 3 30 3 21 1 49 2 Erbsen - -- - - - - ____- ____ _ __ _ _ _ __ ___ —. _ _ .— -- Linsen 302 Bekanntmachung. Die nächtliche Ruhe der Einwohner hiesiger Stadt ist bisher so ost und in vielen Fällen auf so grave Weise gestört und es sind so häufige Ercesse verübt wordeu, daß darüber von vielen Seiten laute Beschwerden geführt worden sind. In Einschreitung gegen solche Ruhestörungen ist bisher mit besonderer Nachsicht verfahren worden, weil man hoffte, daß dieselben nur vorübergehend seyn würden. Da sich jedoch diese Hoffnung nicht verwirklicht hat und die hauptsächlichste Veranlassung dazu darin gefunden werden muß, daß seither der Schluß der Wirthshäuscr vor Mitternacht nicht mehr zur Ausführung gebracht worden ist, so finden sich der unterzeichnete Gr. Kreisrath, der Vorstand der Stadt und der Generalrath der Bürgergarde, in gemeinschaftlichem Einverständnisse, veranlaßt, die hiesigen Einwohner davon in Kenntniß zu setzen, daß von nun an die Vorschriften über Handhabung der Feierabendstunde — jedoch vorläufig mit Erweiterung derselben von 11 auf 12 Uhr wieder in Ausführung werden gebracht werden, und sprechen dieselben die zuversichtliche Erwartung aus, daß — nach den Erfahrungen, welche alle hiesigen Bürger gemacht haben werden, und bei der nun aus billigen Rücksichten gewählten Erweiterung der" Feierabendstunde — diese Bekanntmachung genügt, um der genommenen Maßregel Erfolg zu verbürgen, und der unangenehmen Nothwendigkeit zu überheben, die öffentliche Ordnung, im Interesse aller Einwohner der Stadt, durch Anwendung von Strafen herzustellen. Sämmtliche hiesigen Wirthe werden gewiß gerne bereit seyn, mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Beobachtung der Feierabendstunde und zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung überhaupt mitzuwirken. Gießen den 22. April 1848. Der Gr Kreisrath. Der Stadtvorstand. Der Generalrath der Bnraeraarde. Prinz. — Gg. Reiber. Daniel Wirth. Fillmann. Höstereich. I. P. Möhl. Herbert. B. Vogt. Louis Labroisse. C. Müller. C. Weidig. Kempff. — Dr. Kraft. E. Pistor. L. Großmann. E. L. Ferber. Credner. Bieler. m L ~. Schotten den 22. April 1848. Betreffend: Die Zahlung der rentamtlichen Ausstände. Der Großherzoglich Hessische Rentamtmann des Rentamts Schotten an sämmtliche dem Rentamte noch verschuldende Bezirk sbewohner. Mit Abführung der rentamtlichen Ausstände ist beinahe ein gänzlicher Stillstand eingetreten. Die Rcntamtskaffe soll aber fortwährend ihre Verbindlichkeiten erfüllen. Eine Masse Holzhauerlohn, Kuliurkosten rc. ist fortwährend zu bezahlen, während ich genöthigt bin, wegen Mangels an Geld viele Zahlungsanweisungen zurück zu weisen. Die Holzhauer sind größten Theils arme Leute, welche ihre Guthaben nicht lange entbehren können. Ich stelle deshalb besonders an die wohlhabenderen Bewohner des hiesigen Rentamtsbezirks das Ersuchen , obige Thalsachcn zu berücksichligen und Ihre' Schuldig'eiien zum hiesigen Rentamte baldigst abzuführen. Nur ungern ordne ich das Zwangsverfahren an, wäre aber dazu genöthigt, wenn sie meinem Ersuchen nicht nachkommen sollten. P r ä t o r i u s. 303 Bekanntmachung, die Anwendung des Chloroforms bei chirurgischen Operationen, sowie überhaupt bei Krankheiten betreffend. Da daS neuerdings zur Anwendung namentlich bei chirurgischen Operationen empfohlene chemische Präparat „Chloroform" unter Umständen ebenso nachtheilige Wirkungen äußern kann, wie der Schwefeläther, so finden wir unS veranlaßt, die in der Bekanntmachung vom 22. Mai 1847 (Nr 21 des Regierungsblatts) enthaltenen Bestimmungen über die Anwendung von Schwefeläther-Jnhalationen bei chirurgischen Operationen, sowie bei Krankheits-Zuständen überhaupt, mit höchster Ermächtigung auf die Anwendung des Chloroforms auszudehen. Cs ist demnach die Anwendung dieses Präparats von nun an nur den in der gesammten Heilkunde geprüften und approbirten Aerzten allgemein erlaubt, dem übrigen Heilpersonal dagegen, insbesondere den Wundärzten, Zahnärzten und Hebammen, im Allgemeinen bei Vermeidung disciplinärer Bestrafung untersagt und nur dann gestattet, wenn dabei ein in der gesammten Heilkunde geprüfter und approbirter Arzt zugezogen wird. Darmstadt am 30. März 1848. Großherzoglich Hessisches Mmisterium des Innern. In Verhinderung des Ministers: v o n K u d e r. v. L e h m a n n. Edictalladung. 602) (Grünberg.) Der sehr unbedentende Nachlaß deS am 27. Juni v. I. in Flensungen verstorbenen Konrad Schnabel von hier, ist überschuldet. Zur Abwendung des Concursverfahrens werden auf den Antrag des bestellten Curators, Christoph Sudheimer von hier, die bekannten und unbekannten Gläubiger des genannten Konrad Schnabel hiermit anfgefordert, zum Versuch eines Arrangements im Termine Donnerstag den 4. Mai d. I., Morgens 9 Uhr, entweder in Selbstperson, oder durch zu einem Vergleichsabschlusse gehörig Bevollmächtigte vertreten, dahier zu erscheinen, wobei von dem Ausbleibenden angenommen werden soll, daß er den Beschlüssen der Mehrheit der Gläubiger beitreten werde. Grünberg den 16. März 1848. Gr. Hess. Landgericht das. Welckcr. Besondere Bekanntmachung. 775) (Gießen.) Der nächste Gießer Jahrmarkt, welcher im Landkalender irrthümlich auf den 9. u. 10. Mai eingetragen, ist wie in der Regel in der ersten, nach Ostern fallenden Woche, demnach dieses Jahr den 2. und 3. Mai, und ersuche ich hiernach die Ortöbehörden dieses tu ihren Gemeinden öffentlich bekannt machen zu lassen. Gießen den 26. April 1848. Der Bürgermeister Gg. Reiber. Versteigerungen. 739) (Gießen.) Montag den 1. Mai d. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhaus das zum Nachlaß des Karl Ludwig Arnold dahier gehörende Grundbuch y333 1 Klftr. Wohnhaus mit Grund in der Katharinengasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 17. April 1848. Der Beigeordnete Rühl. 719) (Staufenberg.) Dienstag den 2. Mai d. I., sollen in dem Gemeindewald, Distrikt Eichwald, 49 Eichen-Baustämme von 20—50' Länge 25— 37" Durchmesser, im Ganzen 8626 Cubik- fnß enthaltend, 2 Buchenstämme, von 12—20' Länge, 31—34" Durchmesser, im Ganzen 271 Cubikfuß enthaltend, sowie 12 Stecken auserlesenes Eichen-Scheidholz, welches sich zu Kiefer- und Glaserholz besonders eignet, versteigert werden. Der Anfang ist Morgens 9 Uhr in dem Eichwald. Staufenberg den 15. April 1848. Der Bürgermeister Fischer. 776) (Gießen.) Dienstag den 2. Mai 1848, Vormittags 10 Uhr, 304 lasse ich die aus dem Nachlast des verstorbenen Apolhckers Herrn Rittershausen zu Herborn, noch beinahe ganz neue viersitzige Chaise mit noch zwei fehlerfreien Pferden mit delu nöthigen Geschirr, dazu, vor dem Gasthaus zum Einhorn dahier, gegen gleich baare Zahlung versteigern. Auch wird bei sicherer Bürgschaft ein weiterer Zahltermin ein- geränmt. Gießen den 27. April 1848. Fr. Peppler. F e i l g e b o t e n. 784) (Gießen.) Meine neu erhaltenen Maaren in pure laine, Mousse!ine laines, Bal- z.ariiie, Baregc, Tolle du Japan, Organdes soll, Teile du iNord, Fi! a. Mar- eber u. >ch: Hr. of. Br. - Bei ladi. - Issest. v. , Access. Pf: Hr. t Lang: vrst. v. Ir. Pitt- leißbind. 3ei Hrn. - Bei köpf. — ., Rect. Wittwe 17. lieber die politische Bildung, Reife und Befähigung des Prof. Bo gt zum Volksvertreter. Jost und Michel. Jost. Na! Michel, der hat d'rsch aber g'sagt! Michel. Wer denn? Jost. I! der Prof. Vogt im Beiblatt zum Wurstblatt, Nr. 33, u. 3). Michel. Na! was hat er denn g'sagt? Jost. Daß es nicht wahr sei, daß ein Staat mit einer Kammer eine Republik, und ein System mit einem Ober- und Unterhause, wie in England, eine constitutionelle Monarchie sei, weil Kurhessen nur eine Kammer hat und keine Republik, sondern ein consti- tutionellcr Staat ist, und umgekehrt Nordamerika eine Republik ist und zwei Kammern hat. 16. Antwort der mehreren Bürger. Auch ohne eine so hohe politische Bildung zu besitzen, als Herr Prof. Vogt sich deren rühmen mag, glauben wir doch, unsere Worte vertheidigen zu können, aber unsere Worte, nicht jene, welche Herr Prof. Vogt uns unterlegt, nachdem er solche aus dem Zusammenhang gerissen und durch Hin- weglassungen entstellt hat. Wir haben nicht allgemein gesagt: „Ein System mit einem einzigen Volkshause sei nichts anders als eine Republik." Wir haben vielmehr gesagt: „Ein System mit einem einzigen Volkshause für ganz Deutschland auf rein demokratischer Grundlage ist nichts anders als eine Republik." Dieses aber ist wahr; denn gerade darin besteht die Eigenthümlichkeit einer Republik, daß in derselben alle Staatsangelegenheilen ihre Regelung einzig und allein durch den völlig unbeschränkten Willen des Volks erhalten, d. h. ans rein demokratischer Grundlage beruhen. Wohl können in einer Republik ein, zwei und vielleicht auch mehr Kammern bestehen, doch sie alle bilden, als aus dem Volk hervorgegangen, kein eigentliches Gegengewicht gegen die unumschränkte Macht des Volks. Bei einer monarchisch demokratisch eonstitutio- nellen Verfassung dagegen bildet wenigstens der Regent, beziehungsweise dessen verantwortliches Ministerium, ein solches Gegenwicht, wobei es alsdann an und für sich gleichgüliig ist, ob dem Regenten ein ober zwei Kammern gegenüberstehen. Keineswegs aber ist dieses unter den gegenwärtigen Verhältnissen für Deutschland gleichgültig. Denn es läßt sich mit Bestimmtheit erwarten, daß, wenn neben der Vertretung des deutschen Volkes durch das Volkshaus nicht auch die Regierungen der einzelnen deutschen Staaten in einer ersten Kammer repräsentirt werden, man dem künftigen Staatsoberhaupte keine Macht einräumen wird, welche bedeutend genug wäre, um ein Gleichgewicht zu Stande zu bringen. 10 Michel. Da hat der Vogt auch ganz recht: darin liegt auch gar nit der Unterschied zwischen Republik und Monarchie: der Unterschied liegt nur darin, daß eine Monarchie einen erblichen Fürsten hat, eine Republik aber immer das Oberhaupt wechselt, so daß die ehrgeizige Mensche immer h'nauf, oben hin wolle. Die aber h'nauf wolle, die trete die andern Bürger erst in Dreck, und auf sie herum , wie man es ja deutlich genug in Frankreich sieht. Ah, schönes Ideal von Staatsverfassung!! Sieh'st du, darum will der deutsche Michel keine Republik. Darum bin ich entschiede gege den Vogt, weil er hat drucken lasse: „Eine republikanische Verfassung betrachte ich als das Jreal (die größte Vollendung) einer Staatsverfassung". Im obigen hat er sonst Recht. Jost. Na! warunl hast du denn das Obige gesagt, eine Kammer mache die Republik, wenn du nun selbst das anders ansiehst. Michel, (leise) Das war ein anderer Michel. Du weißt, es giebt einen großen deutschen Michel, und dann viele viele kleine. Dao war mein Vetter! Jost. Also bleib'st dabei, du wählst den Vogt nicht? Michel. Nein! Auch den Herrn Moritz Carriere nicht, u. s. w. Jost. Davon kannst d' 'n andermal rede. Was hast du gegen den Vogt? Michel. Sieh'st du, ich sprech' nicht gegen den Prof Vogt als Menschen, was er sittlich vor Gott Werth ist: da kann er ein ganz guter Mensch sein, wie der deutsche Michel auch, das geht zunächst nur ihn und den lieben Gott an. Ich red' nur davon, was er für politische Grundsätze hat, und wornach er als Abgeordneter für das Volk wirken will. Das geht uns aber gar sehr an: das gilt für uns und unsere Kinder. Wer aber öffentlich auftritt, der muß Urtheile anderer wünschen. I o st. Na! was meinst du da? Michel. Nach meinem dummen Verstände hat der Prof. Vogt einen höchsten politischen Grundsatz, der entweder gar kein Grundsatz, oder ein sehr bedenklicher ist. I o st. Ich bitt'! lieber Mitbürger, das wäre ja schlimm, sehr schlimm ! ! Mache l. Er sagt mit dürren Worten: die Republik sei sein Ideal, er wolle sie aber nicht, wenn sie die Mehrheit nicht wolle, er will sie also, wenn sie die Mehrheit will. Er sagt weiter: die wahre Freiheit ist der Wille des Volkes, d. h. doch wieder, der Wille der Mehrheit. Er will also immer, was die Mehrheit will. Jost. Ich hab' schon gebitt'! ist das nicht der rechte politische Grundsatz? Michel. Nein! Hör nur! Will denn die Mehrheit immer das Rechte? Hängt denn die Wahrheit immer von der größeren Zahl ab? Wirkt denn da nicht immer die Meinung vom größeren Vortheil, zunächst vom leiblichen Wohlbefinden ein? So hat kein Staatsmann, kein wahrer Politiker geurtheilt. Der große englische liberale Minister Grey, der die Reformbill und die Emaneipation der Katholiken durchgesetzt hat,, hat gesagt: „Wer das Volk vertreten und führen will, der muß sich nicht in die Räder hängen, sondern sich auf den Bock setzen", d. h., der muß über- alle politische Fragen seine eigene feste Ueberzeugung haben. Das nennt man: politische Grundsätze haben. Wer aber nur der Mehrheit folgt, nur will, was die Mehrheit will, der hat nach meinem dummen Verstände keine festen oder bedenklichen Grundsätze als Politiker. Darnach würde ein solcher Abgeordneter immer der Mehrheit, d. h. , den Ereignissen folgen und sich anfchlicßen. Dann wäre es ja ganz gleichgültig, wen wir nach Frankfurt schickten. Jost. Mir geht ein Licht auf, Michel fahr' fort, ich bitt, was ist denn der wahre politische Grundsatz, den ein Abgeordneter haben muß? Michel. Das ist nur: das Recht, d. h. was vor Gott und Menschen recht ist, vor den Menschen ist aber nur recht, was vor Gott recht ist. Jost. Michel, Michel, du bist reactionär! Michel. Laß gut sein, so dumm ist der deutsche Michel wirklich nicht. Nur ein Dummkopf ist jetzt reactionär. Aber die Radicalen brauchen das Wort nur, um manchen ehrlichen Manu zu verdächtigen, als Schlagwort. Jost. Was willst du denn eigentlich? Michel. Was der Bürgerverein in Darmstadt will: ein freier constitutioneller Mann, freie eonsti- tutionelle Monarchie, mit allen den Rechten und allen den Freiheiten für das Volk, wie es der Darmstädter Vaterlandsverein ausgesprochen hat. Darum wähle ich den v. Gagern in Darmstadt. (Forts, folgt.) 19. An Herrn Professor Vogt. Sie sind noch nicht mit sich im Reinen, ob die künftige Centralregierung Deutschlands zwei Kammern oder Eine haben soll. Wenn darin auch nicht, wie „mehrere Bürger" gemeint, der Unterschied zwischen Republik und Monarchie steckt, so ist es doch jedenfalls unter allen den Fragen, welche in Frankfurt werden verhandelt werden, die wichtigste und schwierigste. Wenn Sie über jene wichtigste Frage noch nicht mit sich selbst klar sind, wie vertagt cs sich mit Ihrem Gewissen, sich als Candidat für Frankfurt zu melden? Sie betrachten eine republikanische Verfassung, ähnlich der amerikanischen, als das Ideal einer Staatsverfassung. Gehört die Sclaverei, welche zur Schande der Menschheit dort herrscht, auch mit in Ihr Ideal? Gott behüte uns vor solchen Idealen 11 Sie sagen, Sie seyen für die Republik, möchten aber nicht der Majorität Gewalt angethan sehen, und Sie würden jedem Versuche, durch Gewalt eine politische Ansicht durchzusetzen, entgegeutreten. Wir danken Ihnen bestens — bemühen Sie sich ja nicht — wenn von Gewalt die Rede ist, so sind die starken und zahlreichen Arme der Majorität da; Sie müssen diese Majorität für sehr schwach oder sehr feig t alten, wenn Sie glauben, daß sie sich durch Gewalt werde eine Staatsform aufdringen lassen. Was würde man aber wohl in Frankreich oder England zu einem Candidaten sagen, der erklärte: „ich bin zwar für die und die Ansicht; wenn ich aber sehe, daß die Majorität dagegen ist, so werde ich sie fallen lassen." Das Gelindeste, was man ihm authäte, wäre wohl Das, daß man ihn von der Bühne zischte. Ich sprach vorher vom Gewissen. Erlauben Sic mir Sie zu fragen, ob Sie auch ein Gewissen haben. Sie werden mir diese Frage nicht übel nehmen, denn wie man allgemein und von glaubwürdigen Leuten hört, haben Sie ein Buch geschrieben, worin Sie das Daseyn Gottes, die Unsterblichkeit und die menschliche Seele läugnen. Sollte ich hierin falsch berichtet seyn, so bitte ich Sie um Widerlegung. Bin ich aber recht berichtet, haben Sie mithin nach Ihrer eigenen Ansicht keine Seele, so wird mir wohl die Frage verzeihlich seyn, ob Sie ein Gewissen haben. Sie sehen also, daß es vorläufig noch seine großen Bedenken Hal, Ihnen unsere Stimme zu geben. Ein Ob er Hesse. 21. In der gestrigen Nummer des jüngsten Tags, wird es als ein Manöver der Rückschrittsparthei ausgeschrieen, daß freie constitutionelle Männer den Minister H. Gagern als Candidat zur constitui- rendcn Versammlung in Frankfurt in Vorschlag brachten. Ein solcher Vorwurf ist so ungereimt, daß er in der That keiner Erwiederung bedarf, und würde gewiß eine Entgegnung nicht erfolgt sein, wenn nicht der fragliche Artikel in schmähenden Worten die Frage gestellt hätte, ob wohl Gagern durch Annahme der etwa auf ihn fallenden Wahl das Volk betrügen werde!! Betrachten wir die Verheißungen, welche unser Erbgroßherzog durch daö Edict vom 6. März dem Volke gab, so werden wir finden, daß diese Verheißungen, soweit sie unser engeres Vaterland betreffen, wenn auch zum kleinen Theile, schon zur Wahrheit wurden, daß andere wiederum ein nationales Interesse für ganz Deutschland haben und nur durch die Beschlüsse der in Frankfurt zusain- mentreienden constituirenden Versammlung verwirklicht werden können. Ist cs aber nicht Pflicht des Mannes, unter dessen Mitwirkung die Verheißungen des Edicts vom 6. März dargeboten wurden, daß er selbst thätig den Bau fördern helfe, dessen Vollendung die volle Verwirklichung der von ihm garantirten Versprechungen möglich macht, muß nicht gerade er sich doppelt berufen fühlen mitzuwirken, wo es sich um Deutschlands Größe, Einheit und Freiheit handelt? Daß der edle Gagern eine unendliche Arbeitslast übernimmt, kann 'Niemand leugnen, der nicht auf kindische Weise schon jetzt Mißtrauen gegen die vollständige Erfüllung der Mission dieses VolkS- ministers säen will, — allein Gagern iit auch der Mann, der Ungewöhnliches, Außerordentliches zu leisten befähigt ist; und wenn er sich bereit erklärt eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen, so soll Niemand daran zweifeln, daß er das auf ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen und die Forderung der nationalen Interessen Deutschlands neben den spcciellen unseres engeren Vaterlandes möglich machen wird. Gießen den 27. April 1818. 22. Offene Fragen an Herrn Professor Vogt. Erste Frage. Ist es wahr — wie cs munkelt — daß Sie mit Herwegs) bisher in Korrespondenz standen? Ist es nicht wahr, so ergeht die Bille an Sie, durch offene und unumwundene Verneinung aufJhr Ehrenwort das Gemunkel niederzuschlagen. Denn bei aller gutmülhigen Leichtgläubigkeit an künftige goldene Tage will man denn doch von einem Herweg!) für die „Heckerci" bei uns nichts wissen. Zweite Frage. Wie gefällt Ihnen das brave und treue Benehmen unserer Hessen im Kampfe gegen die Aufrührer, die aus der Schweiz herüberkamen? Nicht wahr, es verdient in ganz Deutschland den Beifall, der sich im Hessenlande aller Orlen darüber ausspricht? Sagen Sie uns doch, ob auch Sie diesen Beifall theilen? Sprechen Sie es schwarz auf weiß aus, zu Ermuthigung^ Ihrer Freunde — zur Beruhigung der Zweifler. Za, die gefährlichsten Feinde der allgemeinen Freiheit find diejenigen, welche alö Freiheitsdespolen mit Schwert und Fackel in der Hand daher sturmen und unter dem gefälschten Namen der Freiheit uns zu ihren Knechten zu machen trachten. Sie beschwören eine Reaclion herauf, die Niemand wollen kann und will; Sie ttöthigen sie uns am Ende auf, wenn wir sie für ein geringeres liebel erkennen werden, wie die Wohllhat derWill- kührherrschäft, mit welcher jene Freiheisapostel uns beglücken möchten. 12 Darum lassen Sie unseren braven Bataillonen unseren Beifall zurufen! Sie haben den Geist der Tapferkeit und Ehre treu bewahrt, der die Fahnen der Hessen in Deutschland wie in Rußland, in Spanien wie in Frankreich stets umstrahlte. Ein solcher Kern der Volksbewaffnung gewährt der allgemeinen Freiheit eine beruhigende Schutzwehr gegen die Umsturzplane unsrer Freiheits- löweu und ihrer Schakals. Eine Beifallsadresse an unser tapferes Truppenkorps wäre wohl ein würdiger Gegenstand für eine Volksversammlung. Sprechen Sie sich darüber doch auch gefälligst aus 23. Eine in Nr. 17 der freien hessischen Zeitung enthaltene Erklärung des Herrn L. Th. Felsing und eine „mehrere Bürger" unterzeichnete schriftliche Eingabe, betreffend die vom vaterländischen Vereine vorgeschlagenen Wahlmänner, scheinen von der Ansicht auszugehe», als wären die Vorgeschlagenen hinsichtlich der Wahl gewisse, besondere Verbindlichkeiten eingegangen. Unser Verein, als ein Verein freier deutscher Männer, kennt durchaus keine andere Verbindlichkeiten als die: nur dem, nach eigner Ueberzeugnng Tüchtigsten, seine Stimme zu geben. Uebrigens ist die vom vaterländischen Vereine ohne Datum ausgegangene Liste von Wahlmännern zu einer Zeit, in welcher der unterzeichnete Vorsitzende dem Vereine noch nicht angehörte und daher ohne alle persönliche Mitwirkung desselben aufgestellt worden. Gießen den 27. April 1848. Der vaterländische cvnstiiutionell-demo- kratische Verein. C r e d n e r. vdt. Dr. Eckstein, Schriftführer. 24. Die anerkannt entschiedensten Republikaner werben so eifrig für Herrn Vogt. Könnten sie sich wohl bei diesem Candidaten beruhigen, wenn sie glaubten, er werde nicht für die Republik stimmen? 25. In Bezug auf die bescheidene Anfrage in Nr. 33 des deutschen Michels unter Nr. 4 erklärt die Redaktion, daß die Verfasser beider Artikeil ganz verschieden sind. 26. Erklärung. Alle Diejenigen, welche behaupten: ich habe bei der gestern zu Lich stattgefundenen Volksversammlung während der Rede meines Freundes und Col- legen, Pfarrer Steinberger von hier, „Herab mit ihm!" gerufen, erkläre ich hierdurch für Lügner und Verleumder. Grünberg den 26. April 1848. C. Glaser, Rector. 27. Man hat sich erlaubt, in einem hier verbreiteten Flugblatt „unter Andern auch mich als Wahlmann zur Wahl eines Abgeordneten zur constitui- renden Nationalversammlung in Frankfurt vorzuschlagen. Ich fühle mich dadurch veranlaßt, öffentlich zu erklären: 1) daß jener Vorschlag ohne mein Wissen und Willen gemacht worden ist; 2) daß ich, eintretetenden Falls, nicht im Sinne jenes Vorschlags stimmen werde. Gießen den 25. April 1848. Wolf, Hofgerichts-Ädvocat. 28. Man gebraucht alle, auch die schlechtesten Mittel, den Charakter der republikanischen Partei, die offen und ehrlich ihren Weg geht, zu verdächtigen. Man schreibt lächerliche Drohbriefe, unterzeichnet sie „im Namen der Fortschrittspartei" und weiset damit, ohne es offen heraus zu sagen, auf die republikanische Partei hin. Mögen die in der letzten Nummer des deutschen Michels abgedruckten Drohbriefe nun von betrunknen lustigen Burschen oder, wie wir es fast für gewiß halten, von Individuen der reactionären Partei geschrieben seyn, die sich auch sonst und an andern Orten solcher Mittel bedient hat; wir wollen hier, um solchen Verdächtigungen ein für allemal zu begegnen, erklären, daß wir solche Drohungen für abscheuliche Angriffe und Beschränkungen der persönlichen Freiheit halten, die wir ja selbst für Alle erstreben, daß es uns nie einfallen wird, unsre gute Sache mit solch erbämlichen Waffen zu verfechten, daß sich aber auch der hüten möge, der solche Briefe im Namen unsrer Partei verbreitet! Wir werden ihn ereilen! Im Namen des republikanischen Vereins. Nicht zu übersehen! Vorstehendes Schreiben (28), welches mir abermals anonym zugesandt wurde, veranlaßt mich, um jedem Vorwurf der Parteilichkeit zu begegnen, die in Nr. 3 der Sprechhalle ausgesprochene Bemerkung zu wiederholen, daß ich anonyme Zuschriften zur Aufnahme in eines meiner Blätter ferner nicht berücksichtigen werde. Zugleich füge ich hinzu, daß Jedem die Spalten meiner Blätter offen stehen, in welchen er seine Ansichten und Meinungen — gleichviel welche — aufstellen und vertheidigen kann. Ich kann hierbei aber auch die Versicherung geben, daß überUnterschriften, welche nicht zurOeffentichkeit gelangen sollen, das strengste Stillschweigen beobachtet wird. _________________________________G D. Brühl I._____________ Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steinvruckerei.