Änzeigeblatt für die Stadt Gießen und die Kreise Gießen, Grünberg «nd Hungen. JV1 o«), Mittwoch den 28. Juni 18418. Dieses Blatt erscheint wöchentlich drei Mal: Montag, Mittwoch und Sonnabend. Der Pränumerationsbetrag ist für ein ganzes Jahr für Einheimische Ist. 30 kr., für ein halbes Jahr 45 fr., für Auswärtige incl. Postaufschlag 1 fl. 42 fr., halbzahrl. 5l fr. Auswärts abonmrt mau sich bei den zunächst gelegenen lvbl. Postämtern. In Gießen bei der Expedition, Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Emruaungsgebuyr für den Raum der gespaltenen Corpus-Zeile 2 fr. Inserate müssen jedesmal an dem Tage vor dem Erscheinen dieses Blattes an die Redaktion gelangt sepn. Edictattadllng. 1253) Grünberg. Nachstehende Psandein- träge stehen in den Pfandbüchern des unterzeichneten Gerichts noch offen: 1) über 100 fl. zu 5% am 26. März 1834 bei Joh. Heinr. Rühl II. zu Waikartshain als Cura- tor des abwesenden Joh. Heinr. Kircher daselbst, gegen Verpfändung von s/40, 2) über 50 fl. zu 5% am 1. Februar 1831, gegen Verpfändung von 7 Grundstücken bei Heinr. Rühl II. daselbst, (beide von Joh. Conr. Theißen Eheleute zu Waikartshain), 3) über eine unbestimmte Schuld am 15. Juni 1801, gegen Verpfändung von 3%g und General- Pfand bei Gastwirth Beyer in Freienseen, von Joh. Heinr. Faust, Tambours Eheleute und dessen Eidam Joh. Conr. Wöll und Frau zu Großeneichen, 4) über 60 fl. am 9 Mai 1804 bei Hr. Horst zu Oberohmen, gegen Verpfändung von 134%3 und Generalpfand von I. Conr. Wöll's Eheleute zu Großeneichen, 5) über 100 fl. zu 5% am 5. April 1826 bei Mar Rau zu Lumda, gegen Verpfändung der Hos- raithe 2%0 von Joh. Peter Sprankel I. und dessen Frau Elisabeth, gcborne Hauth, 6) über 29 fl. von Joh. Heinr. Leni und Frau Dorothea, geborne Paul zu Großeneichen bei Joh. Müller daselbst am 29. Juni 1790, gegen generelle, auch specielle Verpfändung von 7 Grundstücken, 7) über 60 fl. von Joh. Adam Müller's Frau zu Großeneichen bei Kaufmann Kratz in Oberohmen am 7. Mai 1810, gegen generelle und specielle Verpfändung von 7 Grundstücken, ausgenommen. Die Betheiligten bestreiten das Fortbestehen der Forderungen, behaupte» deren Abgeiragenseyn, haben auch mehr oder weniger Bescheinigungen deßhalb vorgelegt, und das Löschen der Pfandeinträge beantragt. Diesem Gesuche wird stattgegeben und das Löschen der Pfandbuchseinträge vollzogen, wenn Einsprache binnen 6 Wochen dahier nicht erhoben wird. Wer hiernach Ansprüche an die betreffenden Forderungen resp. Einsprache gegen das Löschen der Einträge in den Pfandbüchern bilden will, muß es binnen der oben bestimmten Frist thun, widrigenfalls solche unberücksichtigt bleiben. Grünberg den 23. Mai 1818. Gr. Hess. Landgericht daselbst. Weicker. T h a l e r. Besondere Bekanntmachung. 1310) Frankfurt a. M. Bekanntmachung. Mit dem 1.k. M. beginnt zu Vöhl, im Groß- herzogthum Hessen, die Dienstwirksamkeit einer P o st- erpedition, sowie eine zu gleichzeitiger Beförderung von Briefen und Päckereien eingerichtete Personenpost zwischen diesem Orte und Sachsenberg, welche letztere in nachfolgender Weise unterhalten wird: Abgang aus Vöhl. Montag Dienstag Donnerstag Samstag Ankunft in Sachsen berg, 9 Nhr 30 Minuten Vormittags, zum Anschluß an den Arolsen-Marburger Wagen. 7 Nhr Morgens, 462 Abgang aus Sachsenberg, wie oben 2% Uhr Nachmittags, nach Ankunft des Marburger-Arolsencr Wagens. Ankunft in Vöhl, 5 Uhr Abends. Das Personengeld zwischen Vöbl und Sachsenberg beträgt, bei 40K Freigepäck 39 fr., nach und von den Unterwegsorten Herzhausen und N i e d c r o r t e im Verbältniß. Frankfurt a. M. den 21. Juni 1848. Geneeal-Direction der Gr. Hess. Posten. In Abwesenheit des General-Post-Directors. C. MüHer. Meyer. vdt. Kölle. Versteigerungen. 1312) Gießen. Montag den 14. August 1848, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigcm RathhauS die dem Karl Kaspar dahier zustehende Grundbuch Klftr. %25 17 Hofraithe in dem Katharinengäßchen öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 10. Juni 1848. Der Beigeordnete Rühl. 1309) Krofdorf. Freitag den 30. Juni, Morgens 9 Uhr, sollen auö der Oberförsterei Krofdorf, Revier Krofdorf und Salzböden nachstehendes Holz an den Meistbietenden öffentlich versteigert werden. 1) Revier Krofdorf: 1 Birkenstamm und 1 Birkenstange (Wagendeichsel), 13 Cubikf. enthaltend; 2) Revier Salzböden, Schlag Hemmstoß: 12 Buchenstämme, 737 Cubik- suß enthaltend, 7 Klftr. Felgenholz, circa 130 u Buchen-Scheidhokz, 11/4 ii ii Knüppel, 75 ii u Stöcke, 100 ii u Reiserholz, 2 ii Eichen-Scheidholz, 2 H „ Stockhvlz; Auö der Totalität Gehren: 11 Eichen-Stämmchen, 146 Cubikfuß, % Klftr. Kammholz, gemischtes Holz: 72 Klftr. Scheidholz, 4 i, Knüppel, 2'4 Klftr. Stöcke, 72 ii Reiserholz; Schloßberg, gemischtes Holz: 21/,, Klftr. Knüppel, 2% ,1 Stöcke. 11 U Reiser. Die Versteigerung beginnt Morgens 9 Uhr im Schlage Hemmstoß. Krofdorf den 25. Juni 1848. Der Oberförster Pass 0 w. 1307) Staufenberg. Bauholz - Versteigerung. Dienstag den 4. Juli d. I, Vormittags 8 Uhr, sollen in dem Gemeindewald der Gemeinde Staufenberg, Distrikt Eichwald 1) 50 Eichen-Baustämme von 10 — 50' Länge und 10 — 37" Zoll Durchmesser im Ganzen 8362 Cbkf. enthaltend, 2) 2 Buchenstämme von 12 — 20' Länge und 31 — 34" Durchmesser, 271 Cbkf. enthaltend, 3) 29 Kiefcrnstämme von 20 — 38' Länge und 6 — 10" Durchmesser, 470 Cbkf. enthaltend, öffentlich versteigert werden. Die Zusammenkunft ist in dem alten Eichwald. Staufenberg am 24. Juni 1848. Der Bürgermeister Fischer. 1250) Gießen. Freitag den 30. Juni d. I., Morgens 11 Uhr, wird in der Wohnung des Unterzeichneten für eine Gesellschaft Privatleute eine Quantität Buchen- Scheidholz in Abtheilungen von etwa 10 Stecken unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen zur Lieferung an den Wenigstfordernden vergeben werden Zur Steigerung ladet ein. W. Bott, Selteröweg Lit. C. Nr. 46. Feilgeboten. 1286) Gießen. Wegen Liquidation meines Geschäftes gebe ich die noch vorräthigcn Weine, bestehend aus 34r, 42r und 46r Bodenheimer, Hahnheimer, Rüdesheimer, Deidesheimer, Forster, Wachenheimer, Ober-Ingelheimer in ganzen Ohmen zu den Einkaufspreisen ab. J.Balth. Seipps Willwe. 1258) Gießen. Bei Gärtner Schmitt sind einige Wagen Mist zu verkaufen; daselbst ist auch eine Scheuer zu vermiethen. 463 1311) Gießen. Guitarren mit und ohne Mechanik, empfiehlt zur geneigten Abnahme 3. L. C. Münch. 1287) Gießen. Das seither unter der Firma I. B. Seipp betriebene Weingeschäft, soll unter sehr annehmbaren Bedingungen verkauft und die dazu gehörigen Lokalitäten vermiethet werden. 3- B. Seipp's Wittwe. 1257) Gießen. Cigarren in sehr preiswerthen Qualitäten empfiehlt 3. G- Appel. (1288 Gießen. Ein noch in gutem Zustande befindlicher zweispänniger Wagen mit allem Zugehör steht zu verkaufen, oder gegen einen einspännigen Wagen zu vertauschen. Näheres bei der Redaetion d. Bltts. 1313) Gießen. Billiger Tapeten - Reste- Verkanf. Erne große Partie ganz seiner französischer Glanz-Tapeten mit den dazu passenden Borden, für kleine und große Zimmer eingetheilt, erlasse ich zu äußerst billigen Preisen, für kleinere Zimmer mit Borden zu 1 fl. 30 fr., für größere Zimmer im Verhältniß zur Stückzahl und Qualität der Tapeten zu höheren Preisen, empfiehlt H. Hochstätt er. Zu vermiethen. 1315) Gießen. Eine möblirte Stube mit einer schönen Aussicht ist an eine stille Person zu vermiethen. Wo? sagt Ausgeber dieses Blattes. Vermischte Nachrichten. 1308) Gießen. Gewerh - Verein. General - Versammlung der Mitgliederder Localsectiou, Montag den 3. Juli, Abeuds 772 Uh r. Wahl des Vorstandes und der AnsschnßmLtglLeder. In Gemäßheit des Beschlusses der General-Versammlung vom 19. Juni werden beide Wahlen direct sepn. Mit der Bitte sich zahlreich bei dem Wahlakt, um Minoritätöwahlen zu verhüten, betheiligcu zu wollen, ladet ein Der Vorstand der Localsection. 1316) Gießen. Nach der Anzeige in Nr. 58. des Wochenblatts soll schon morgen die Verlvosuug der zum Beste« der deutschen Flotte gelieferten Gegenstände stattfinden, nachdem nur 2 Tage (zu welchen Stunden?) die Ausstellung stattgefnnden hat. Es dürften noch manche Loose abgesetzt werden und noch mehrere Preise eingehen, wenn die Ausstellung bis über den Sonntag dauert, und die Ver- loosung erst nächsten Montag stattfindet. Das vereheliche Franeu-Comite möge dies berücksichtigen. Freunde für die Sache. 1314) Gießen Ein gesittetes reinliches Mädchen, welches mit guten Zeugnissen versehen, wird in eine stille Haushaltung in Dienst gesucht und kann sogleich eintreten. Wo? sagt d. Red. d. Bltts. Geld r Cours vom 26. Juni- fl. | fr. Gold- und Silber-Sorten. 11 9 5 9 10 12 2 1 8 24 24 Neue Louisd'or .... Friedrichs'dor .... Ducaten ....... 20 Frank-Stücke . . . Holl. 10 fl. Stücke . . , Engl. Souverains . . Laubthalcr..... Preußische Thaler . . . Fünf-Franken-Thaler . Hochhaltiges Silber Gering-mittelhaltigeö Silber 5 57| .'16 39 5 2 43| 45 20 24 20 464 Angekommene und abgereiste Fremden vom 26. bis 27. Juni 1848. I n den Gasthäusern. Im Einhorn: Hrn. Kfl. Faust ö. Heilbronn, Kirschon v. Mannheim u. Marr v. Dietz. Hr. Nau, Landmess. u. Hr. Offo, Cand. v. Rauschenberg. Hr. Hofmann, Verw. v. Hamburg. Hr. v. Leuthold, Negier.-N. v. Würzburg. Hr. Frankel, Partie, v. Hanau. Hr Fröhlich. Kfm. v. Dillenburg. Hr. Wormschler m. Fam. u. Bedien., Rcnt. v. Dresden. Im Rapyen: Hrn. Kfl. Seyfert NI. Bedien, v Offenbach, Urban v. Frankfurt, Müller v. Cöln u. Burger v. Mainz. Hr. Wagenführer, Baumstr. v. Wetzlar. Hrn. Kfl. Haurann v. Vlotho, Beyer u Francke v. Frankfurt. Baron v. Schönstädt, Gutsbes. v. Schönstädt. Hr. Henckel, Beamt, v. Oldenburg. Hr. Niemann, Kfm. v. Pyrmont. Im Prinz Carl-, Hrn. Fabrik. Schneider v. Altenfeld u Rathgebcr v Marburg. Hr. Eichhorn, Gcschäftsm. v. Coblenz. Hr. v. Meißner, Lieutn. v. Lurcmburg. Hr. Braun, Privatm. v. Wetzlar. Im Darmstaedter Haus: Hrn. Geschäfts!. Daus d. Bieber u. Rode v. Großenlinden. Hr. Braun, Handelsm. v. Winterberg. Hr. Bohle, Küfer v. Lampertheim. Hrn. Geschäftsl. Kann v. Ehringshausen u. Ganz v. Grebenau. Hr. Kuhl, Fuhrm. v. Homberg. Hr. Weigel, Först, v. Gladenbach. Im Stern; Hr. Plitt, Tuchm. v. Biedenkops. Jungfern Krug v. Münden u. Weg v. Eichelsdorf. Hr. Krämer, Buchdr. v. Heiligenstadt. In der Rose; Hr. Dolb, Maschin v. Speyer. Hr. Wehn, Schneid, v. Biedenkopf. Hr. Steinmüller, Gcschäftsm. v. Willsbach. Hr. Fischer, Musik, v. Reiskirchen. Hr. Schlosser, Oecon. v. Kirschgarteu. Hr. Glöser, Gaflw. v. Dodenau. Hr. Fischer, Bäcker v. Lich. Hr. Damm, Kupfcrschm. v. Carlsruhe. In den Privathäusern. Bei Hrn. Landger.-Dien. Fischer: Frl. Schultheiß v. Bleidenroth. — Bei Hrn. Buchdruckereibes. Brühl I.: Hr. Kunz, Kfm. v. Herborn. — Bei Hrn. Apoth. Witte: Frl. Vigelins v. Dodenau. — Bei Hrn. Hofger.-Sccret. Balser: Frl Knabe v. Schlitz. — Bei Wittwe Keil: Hr. Müller m. Fr., Doct. v. Oppenheim. — Bei Hrn. Lehr Beck: Hr. Becker, Gymn.-Lehr. v. Büdingen. — Bei Wittwe Orth: Hr. Orth, Schrein, u. Jungfer Scheid v. Darmstadt. wir Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen. (Beiblatt.) ” So oft Stoff »orhanden ist, erscheint di-stS Blatt als Beiblatt zumhi°si»cn M;°i»eblat.wird ^estm besonders gratis beigegeben. Es werden darin aMenommem Anfragen, - R chvertigimg-n, -vcirycioigung , » bühren hiervon werden ohne Ausnahme per Zeile in gewöhnlicher Schrift mit 2 ti. berechnet. Bei der letzten Gemeinderathssitzung (20. Juni) kamen die Anträge deö Prof. Dr. Vir und Maurermeisters Jacob Reiber zur Berathung. Ersterer verlangt, daß von dem Stadtvorstand die Polizei übernommen werde; Letzterer, daß einige und was noch besser wäre, die sämmtlichen Mitglieder des Gem.-R. zurück träten. Diese Anträge sind in eine Eingabe zusammen ausgenommen und, als von der Volksversammlung beauftragt von Georg Noll, I. Reiber, Dr. Weber, H. Ferber, H. Homberger, Tapez. Strack und Dr. Cramer unterzeichnet. Was die Eingabe selbst betrifft, so ist hinsichtlich der Polizei viel gesagt, allein nicht mehr, als was nicht schon vor 2 Monaten bei dem Gem.-R. zur Sprache gekommen wäre. Ein ähnlicher Antrag wurde vor 2 Monaten von einem Gem.-R.-Mitglied gestellt. Nach der Mittheilung Gr. Kreisraths an den Bürgermeister geht aber die höhere Behörde, bevor die neue Organisation in's Leben getreten ist, auf eine Ueber- tragung der Polizei an die Stadt nicht ein. Mehrere Mitglieder sprachen sich aus diesem Grunde gegen einen weiteren Erfolg der Sache aus, weil die neue Organisation wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen werde, allein die Mehrzahl beschloß bei Gr. Kreisrath die Sache abermals zur Sprache zu bringen. Was den Inhalt hinsichtlich der Abtretung des Gem.-R. anbetrifft, so ist bemerkt, daß einige, welche an den städtischen Angelegenheiten kein Interesse hätten oder durch ihr Amt oder Geschäft bei den Sitzungen zu erscheinen verhindert seyen, ausscheiden möchten. Der Gem.-R. möge dann auf Ergänzung oder auf förmliche Erneuerung, indem die Wirksamkeit hierdurch eine größere werde, antragen und dem Beispiel des Gem.-R. in Darmstadt folgen, indem dieser freiwillig von der Verwaltung zurückgetreten sey. Nachdem der Gr. Bürgermeister den Vortrag beendigt halte, erklärte derselbe, daß er, da seine Zeit herum sei, schon vor 6 Wochen Gr. Kreisralh um die Vornahme einer neuen Wahl ersucht habe; daß dieses bis jetzt noch nicht geschehen sev, könne er nicht ändern; jedenfalls müsse er vor der Hand seinen Posten behaupten. Hierauf nahm ein Mitglied des Gem.-R. das Wort und setzte auseinander, wie er schon früher einem seiner Collegen gegenüber gesagt habe, daß wenn ein Mißtrauens- Votum von der Bürgerschaft einlange, er sofort ab- tretcn werde; dieser sei es noch zu thun bereit, allein nicht auf diese Eingabe hin; diese sei von L>taats- dienern und selbst von Personen, welche nicht einmal unserm Staate angehörten, unterzeichnet, und er glaube nicht, daß über reine Localangelegenheiten Nichtbürger ein Urtheil abzugeben hatten. Der Gem.-N. war damit einverstanven und verwahrte sich gegen alle und jede Einmischung Nichtbürger in städtische Angelegenheiten. Alle waren indessen der Meinung, daß wenn die Bürgerschaft in ihker Mehrheit in loyaler Weise erklärte: daß der Gem.-R. das Vertrauen nicht mehr, besitze, er ungesäumt abtreten wolle, allein von einer Volksversammlung, welche von Leuten aus allen Wclt- gegenden zusammengesetzt, wohl über allgemeine Angelegenheiten Beschlüsse fassen könne, ließ er sich ein Mißtrauens-Votum nicht diktiren. lieber das Zurücktreten wurde indessen noch einige Zeit diskutirt und von einem Mitglied der Wunsch ausgesprochen, daß der Gem.-R. nun ihn zum Rücktritt zu veranlassen, nicht auf der Majorität der Bürgerschaft beharre, sondern erklären möge, „daß wenn eine größere Anzahl von Bürgern durch Unterschrift ein Mißtrauen ausspreche, der Gem.-Rath zurücktreten wolle;" wenn man ihn nicht mehr haben wolle, so sei er weit entfernt, sich der Bürgerschaft aufzudrängen. Dieses wurde zum Beschlüsse erhoben und den Petitionairen hierauf das Geeignete zu antworten verfügt. Auf einen andern Gegenstand die Anschaffung von Waffen für die Bürgerwehr betr., wurde sodann übergegangen. Nach kurzer Debatte erklärte der- Gem -R. die Garantie übernehmen zu wollen, nur müffe erst von dem Genralrath das Bedürfniß angegeben werden. Außer andern für das Publikum wenig Interesse darbietenden Vorkommnissen, legte der Gr. Bürgermeister zum Schlüsse die An- 466 gelegenheit der Metzger vor. Durch ein eingehol- les Gutachten eines Advokaten liefert er den Beweis, daß die Aeussemngen der Metzger strafbar fetjen, für feine Person würde er die Sache ohnehin gerichtlich verfolgen und frage, waö der Stadtvorstand, welcher ebenfalls angegriffen sei, zu thun gesonnen wäre. Dieser glaubte mit Stillschweigen antworten zu sollen, entschied sich bei der Abstimmung aber doch mit 5 gegen 5 Stimmen für gerichtliche Verfolgung. Zwei Mitglieder enthielten sich der Abstimmung und der Bürgermeister gab bei der Stimmengleichheit den Ausschlag. —- l Vorläufige Erwiderung. Der in der gestrigen Sprechhalle enthaltene Aufsatz des Herrn I. G. Appel über den „monströsen" Antrag stimmt in Bezug auf die Unterstützung, welche ich demselben zugewendet habe, nicht ganz mit dem überein, was ich in der Versammlung vom 16. d. Mts. gesprochen und gewollt habe; meine dortigen, von Herrn Appel vielleicht mißverstandene Aeussemngen enthielten weniger eine Unterstützung, als vielmehr eine wesentliche Modifieation des Homberger'schen Antrags. Ohne nun in bett einzelnen Punkten jenen Aufsatz näher beleuchten zu wollen, und nicht aus Rechthaberei, sondern nur um der Sache selbst willen, finde ick mich dadurch veranlaßt, meine bei jener Gelegenheit offen kundgegebenen Ansichten über die zeitgemäße Möglichkeit und Nothwendigkeit einer größeren Betheiligung aller Einwohner, welche an der Gemeindeverwaltung ein Interesse haben, an dieser durch einen Bürgerausschuß oder Volksausschuß — wie man ihn nun nennen will — den Lesern der Sprechhalle vorzuführen, welche daraus entnehmen werden, daß Herr Appel den Motiven meines Vorschlags, der ebenso zeitgemäß, alö im Interesse des Gemeinderaths selbst und in dem Verlangen der Bürgerschaft begründet sein möchte, in Vielem beipflichtet. In einem der nächsten Blätter soll eine ausführliche Behandlung dieses Gegenstandes folgen- Gießen den 27. Juni 1848. Dr. Vogel. Die sieben To-sun-en. I. A b t h e i l u n g. Die Herzogin. (Fortsetzung.) „Er ist ein Marquis ?" sagte Olivier. „Was man nut Marquis heißen kann, und zwar von altem Schrot und Korn; er ist der Zweitgeborene in der herzoglichen und fürstlichen Familie von Haui- martel, deren Oberhaupt sich seit 1830 nach Deutschland zurückgezogen hat; aber obgleich Herr von Maille- fott entsetzlich buckelig ist, so ist er doch lebhaft und kräftig wie ein junger Mann, trotz seiner sünfund- vjerzig Jahre, und zudem . . . sieh ... Du und ich, wir sind, ohne uns zu rühmen, sehr gute Fechter nicht wahr?" ' „O ja." „Wohl, der Marquis würde uns auf zwölf Stöße acht vorgeben . . . Seine Handgriffe sind des unvergleichlichen Bertrand würdig, leicht wie der Vogel, rasch wie der Blitz." „Ach, diesen wackern, kleinen Buckeligen habe ich schon recht lieb gewonnen," sagte der Vetereran mit großem Interesse; „wenn er Duelle gehabt hat, so mögen seine Gegner gewiß komische Gesichtet geschnitten haben." „Der Marauis hat mehrere Duelle gehabt, in welchen er unvergleichlich war durch seine fröhliche Spötterei, seine Kaltblütigkeit und seinen Muth," er- wiederte Gerald, „das sagte mir mein Vater, dessen Freund et war." „Und trotz seines Höckers," fragte Olivier, „geht er in Gesellschaft?" „Zuweilen geht er alle Tage, dann sieht man ihn auch ganze Monate lang nicht mehr ... es ist ein sehr origineller Charakter. Mein Vater sagte mir, der Marquis sey lange äußerst melancholisch gewesen; ich, ich habe ihn stets fröhlich, stets scherzhaft und äußerst unterhaltend gesehen." „Aber man wird ihn fürchten wie das Feuer," bemerkte Olivier, „seinem Muthe, seiner Geschicklichkeit im Fechten und seinem Geiste." „Allerdings. Du kannst Dir kaum eine Vorstellung machen, wie sehr er schon durch seine bloße Gegenwart manche Personen in Verlegenheit setzt, ihre Unruhe erregt, sie einschüchtert, Personen, welche unsere Welt, die so empfindlich ist in Kleinigkeiten, wegen ihrer Geburt den Zutritt gestattet, obgleich ihre Niederträchtigkeiten bekannt sind. Um wieder auf Maereuse zu kommen, so verschwindet derselbe, sobald er den Marquis durch eine Thüre eintreten sieht, durch eine andere ..." Diese Unterhaltung wurde abgebrochen durch ein Ereigniß, das in einem andern Stadtviertel unbedeutend gewesen wäre, in Batignolles aber ziemlich ungewöhnlich war. (Forts, folgt.) Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.