Jlnzcigeblatt für -ie Stadt Gießen und die Kreise Gießen, Grimberg und Hungen. ’./fo AH. Montag den 26. Juni R8H8. Dieses' Älatt erscheint wöchentlich drei Malr Montag,. Mittwoch und Sonnabend. Der Pränumerationsbetrag ist für ein ganze- Jahr für (Kiuheiinische ist. 30 frv für ein halbes Jahr 45 fr., rür Auswärtige mcl. Vostau^schlag 1 st. 42 fr., -ha^hjahyl. -l fr. Uuiroartl aboiuurt urau sich bei den zunächst gelegenen lobl. Vosiamseru. In Gießen bei der Erpevition, Eanzleibifrg Lit. B. sJiV. l. Einruckungvgeduyr sur den Raum der gespaltenen Eorpus-Zeile 2 fr. ' . ‘ . Inserate müssen jeoesmal an dem Tage vor dem Erscheinen dieses Blattes an die Nevakrion gelangt BürqerHarde. sjtM Der Wachdienst ist in folgender Weise geregelt: den 26. Juni Comp. Tborwart 3 Rotte ft 27. ff H Roloff v • n ff. 28. ff tr Geisel „ „ fr 29. ft ft Ferber « » // 30. ff ir Bardeleben 3. „ , 7J- // 1. Juli n Reiterei, Lieut. Dieffenbach. ,f! ' ;‘j y ir 2. ff ft Fuhr 3. Rotte ff 3. ff ii Zimmer,, „ tf 4. H Ricker „ „ if 5. ff Thorwart 4. Rotte ff 6. ff u Roloff „ " n 7. ft if Geisel „ „ ff 8. ft ff Ferber „ „ 4 innC V 9. If ff Bardeleben „ „ ff 10. If u Fuhr ii H ff 11. II it Zimmer u ir ir 12. II it Ricker „ „ H')Q tf -Id) If ii Thorwart 1. » if 14. tr it Roloff „ ir ')! :■ lf)30v ff 15. If it Geisel „ „ ff 16. tf ir Ferber „ tr '•>(11? f)'; ir 17. If u Bardeleben 1. tr if 18. u II Reiterei, Lieut. Rau ch. - H tf 19. it If Fuhr 1. Rotte tf 20. u u Zimmer „ „ // 21. n v STtcfCt n ii Die Mitglieder der Bürgergarde ersuche ich, im Dienst der Wache pünktlich zu seyn. Ohne Urlaub seines Hauptmanns darf Keiner auf der Wache fehlen. L. Großmann, Oberstlieutenant. Gefundene Gegenstände. Eine Brille, eine seidene Kappe und ein Arbeitsbeutel mit einem Sacktuch, sind gefunden und auf Gr. Polizeibüreau dahier abgegeben worden. Gießen am 24. Juni 1848. •l!" 456 Versteigerungen. 1278) Gießen. Mittwoch den 5. Juli d. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf..dahiesigem RachhauS, die der Wittwe des Küfers Phil. MagnuS und deren Sohn Christian Magnus dahier zustehende Grundbuch lüKlftr. */,86 36 Hofraithe in Idem Wallgarten vor dem Seltersthor an der Schoor, 7, S7 682 Grabgarten daselbst, an der Hof- raithc (ehemals Schneider'scher Garten,) zum Letztenmal öffentlich meistbietend versteigert werden. Und wird hierzu bemerkt, daß dem Meistbietenden, ohne Rücksicht der Taxation, der Zuschlag und die Genehmigung sogleich ertheilt wird. Gießen den 20. Juni 1848. 1307) Staufenberg. Bauholz -- Versteigerung. Dienstag den 4. Juli d. I., Vormittags 8 Uhr, sollen in dem Gememdewald der Gemeinde Staufenberg, Distrikt Eichwald 1) 50 Eichen-Baustämme von 10 — 50' Länge und 10 — 37" Zoll Durchmesser im Ganzen 8362 Cbkf. enthaltend, 2) 2 Buchenstämme von 12 — 20' Länge und 31 — 34" Durchmesser, 271 Cbkf. enthaltend, 3) 29 Kiefernstämmc von 20 — 38' Länge und 6 — 10" Durchmesser, 470 Cbkf. enthaltend, öffentlich versteigert werden. Die Zusammenkunft ist in dem alten Eichwald. Staufenberg am 24. Juni 1848. Der Bürgermeister Fischer. 1264) Niederweisel. Der Beigeordnete Rühl. 1268) Gießen. Versteigerung von Acker- und Wiesenparzellen. Die von dem zur Erbauung der neuen Straße vor dem Neustädter Thor angekauften Gelände übrig gebliebenen Parzellen, sowie die von der alten Straße entbehrlich gewordenen Flächen sollen Dienstag den 27. d. M., Vormittags 9 Uhr, auf Ort und Stelle an die Meistbietenden öffentlich versteigert werde». Gießen am 19. Juni 1848. Gr. Kreisbaumeister Holzapfel. 1300) Grün in gen. 6) Weißbinderarbeit n ii ii ii n ii ii 1) 2) 3) 4) 5) Dachdeckerarbeit Schreinerarbeit Schlosserarbeit zu II II H II Kirche als: 23 fl. 42 fr. 44 „ 40 174 „ 20 5 „ 45 11 „ 30 Montag den 3 Juli d. I., Morgens 10 Uhr, soll im Gemeinde-Local die Herstellung nachverzeicff neter Rcparaturarbeiten an hiesiger ' Maurerarbeit veranschlagt Zimmerarbeit 6) Weistbinderarbeit „ „ 9 „ 52 „ unter den vor der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an tüchtige Handwerker in Aecord gegeben werden, welches hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Grüningcu den 21. Juni 4848- Für den Kirchenvorstand: Deichert, Leidich, Pfarrer. Bürgermeister. Mobilien-Verkauf. In dem Wohnhause des Freiherr» von Wiesenhütten auf dem Hofe zu Niederweisel werden Donnerstag den 29. d. M., Nachmittags 2 Uhr, verschiedene, sehr gut erhaltene Meubles, als So- phas, Stühle, Tabourets, ein Schreibtisch von Palisander, verschiedene Tische von Mahagoni, ein großer Spiegel mit Goldrahmen, ein Etagere von Mahagoni mit Spiegelwaiid, verschiedene Uhren (Pendules) von Bronze und Alabaster, verschiedene Ofenschirme von lackiertem Eisenblech, zwei Fußteppiche, mehrere Kupferstiche in Goldrahmen, eine Parthie ausgezeichnet schöner Crystallgefäße und feiner Tasse», so wie ein ganz neues Billard meistbietend, gegen gleich baare Zahlung verkauft, wozu Kauflustige hiermit chigeladen werde». Niederweisel de» 19 Juni 1848. In Auftrag: der Gärtner Mills. Feilgeboten. 1286) Gießen. Wegen Liquidation meines Geschäftes gebe ich die noch vorräthigcii Weine, bestehend «Us 34r, I2r und 46r Bodenheimer, Hahnheimer, Rüdesheimer, Deidesheimer, Forster, Wachenheimer, Ober-Jngelheinier in ganze» Ohmen zu den Einkaufspreise» ab. I. Balth. Seipps Witiwe. 1302) Gießen. Mit einem Vorrath Blumen bin ich wieder zurück gekommen. I. Schaum, Handelsgärtner. 457 1270) (Gießen.) .. Aromatisches Kräuteröl, zum Wachsthum und zur Verschönerung der Haare. Dieses vorzügliche Oel wird unter der Garantie verkauft, daß es mindestens dieselben Dienste leistet, als alle bisher angepriesenen »heueren, oft über 1 Rthlr. kostenden Artikel dieser Art. DaS Flacon von derselben Größe ä % Rthlr. Pr. Crt. Die rühmlichst bekannt gewordnen Keill)olz- schen Hühneraugen- und Warzen- Pflaster, das Packet mit 4 Stück zu — fl. 36 fr. „ Töpfchen u 15 „ » 1 » — » Alleinige ächt englische, nach den neuesten Erfindungen verbesserte, El eeteieitäts- oder Rheumatrsmus-Ablerter; ein unfehlbares, sicheres, tausendfach bewährtes Mittel gegen chronische Rheumatismen, Gicht, Reißen und Congestionen aller Art 2C. von Graliam et ( oinp. in London. Diese allein ächten Ableiter sind mit genauer Gebrauchsanweisung in drei verschiedenen Sorten, das Stück a '/, Rthlr , stärker wirkende ä J/2 Rthlr., und ganz starke, nach deren Gebrauch selbst jahrelange hartnäckige Nebel weichen müssen, ä 1 Rchlr. in Gießen allein zu haben bei Carl Frech. Die Zahl der Zeugnisse über die unfehlbare Wirkung unserer, nach allen Welttheilen verbreiteten Ableiter beläuft sich bereits auf mehrere Tausende, wesihalb wir es für überflüssig halten, nur einzelne hier anzuführen. <*raliam et t'omp. 1242) Gießen. Mal a g a direct bezogen, in sehr vorzüglicher Qualität und in mit dem Siegel des Absenders versehenen Flaschen, empfiehlt ä 1 fl. 6 fr. per Flasche I. G. Appel. 1288) Gießen. Ein noch in gutem Zustande befindlicher zweispänniger Wagen mit allem Zugehör steht zu verkaufen, oder gegen einen einspännigen Wagen zu vertauschen. Näheres bei der Redaetion d. Bltts. 1299) Gießen. Meine sehr gut stehende Hafer-Ernte, in der Schwarzlache, von circa einem Morgen, bin ich Willens zu verkaufen. H. Rot Hauge. Zu vermiethen. 1304) Gießen. Eine kleine Familienwohnung und mehrere möblirte Stuben sind zu vermiethen, und Mitleser zum Frankfurter Journal werden gesucht, auf der Mäusburg Lit. B. JVä 30. Vermischte Nachrichten. 1308) Gießen. bewerb - General - Versammlung der Mitglieder der Localscction, Montag den 3. Juli, Abends 7'/, Uhr. Wahl des Vorstandes und der Ansschußmitglieder. In Gemäßheit des Beschlusses der General-Versammlung vom 19. Juni werden beide Wahlen direct seyn. Mit der Bitte sich zahlreich bei dem Wahlakt, um Minoritätswahlen zu verhüten, bctheiligen zu wollen, ladet ein Der Vorstand der Localsection. 1301) Gießen. Die für die deutsche Flotte gelieferten Arbeiten und sonstigen Gegenstände, von Gießener Frauen und Jungfrauen, werden Dienstag den 27. und Mittwoch den 28. d. M., in der kleinen Aula ausgestellt und die Verloosung am Donnerstag vorgenommcn. Das Co mite. 1306) Gießen. Die Mitglieder des vaterländischen demokratischen Vereins dahier, werden ersucht, heute den 26. Juni, Abends 8 Uhr, sich recht zahlreich im Vereinslokale, des Gasthauses zum Prinz Carl, einzufinden Gießen den 26. Juni 1848. 1303) Gießen. Es wünscht Jemand im Lateinischen, Griechischen und Französischen Unterricht zu erthetlen. Wer? sagt die Erpedition d. Bltts. 458 Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Kopulirte. Den 25 Juni. Karl Lang, Bürger und Landgerichts -Actuariats-Gehülfe dahier, des Bürgers und Tuchmachers, Johannes Lang in Alsfeld, ehelicher Sohn; und. Christine Köhler, des hiesigen Bürgers und Schreinermeisters, Jacob Köhler, eheliche Tochter. Denselben. PHilipp Karl Kröckcr, Bürger und Fabrikarbeiter dahier, des verstorbenen hiesigen Bürgers und KüfermeisterS, Philipp Peter Kröcker, ehelicher Sohn: und Katha- rine Elisabethe Wetteroth dahier. Getauft. Den 2 5. Juni Dem Bürger und Kaufmann, Ludwig. Jabreis, eine Tochter, Henriette Wilhelmine, geboren den 15, Mai. Beerdigte. Den 23. Juni. Ein unehelicher Sohn, Franz, alt 1 M. 9 T., gestorben den 22. Juni. Den 24. Junis Der Großherzogliche Universitäts- Gartner und Lieutenant bei der Bürgergarde dahier, Johann Peter Wernhard Sauer, alt 45 I. 8 M. 24 T., gestorben den 22. Juni. —r r"r-nrx-h'i—ii im-ntir j.-.i j-uiiZ. rmw i ffiMifiiii uni, t -. r'.-x. Angekommene und abgereiste Fremden vom 23. bis 25. Juni 1848. 3 n den Gasthäusern. Im Einhnm: Hr. Wöhler, Staatsr. v. Easiel. Hr. Schwarz, Kfm. v. Mainz. Hr. Weht, Ingen, v. Münden. Hr. Holzdorfer, Lieutn. v. Aachen. Hrn. Fillmann v. Frankfurt u. Simon v. Deidesheim Fr. Thalmüller m. Fam. v. Darmstadt. Baron v. Eckhardt, Lieutn v. Dresden. Hr. Schleiermacher, Sang. v. Halle. Hrn Ksi. Holzer v. Lennep u. Hartmann v. Cöln Hr. Seitz, Kreisr v Nidda. Hrn. Kfl. Ar u Klingelberg v. Düsseldorf. Hr. Kramer, Fabrik, v. Eschweiler. Hr. Gangreber m. Fr., Privatm. v. Brechhausen. /»> Happen- Hrn. Ksi. Grünebaum u. Bonn ».Frankfurt. Fr. Eigcnbrod m. Tocht. v. Hof-Lauterbach. Hr. Con- radp, Sind, jur v. Göttingen. Hr. Rauscher, Kfm. v. Düsseldorf. Fr. Baß v. Cassel. Hr. Böckel, Ingen, v. Minden. Hr. v. Klein, Forstm v Mecklenburg. Hrn Kfl. Matthes v. Frankfurt, Messing v. Fürstenberg' u. Fincke v. Mainz. Fr. Mührt m. Tocht. v. Göttingen. Hr. Dittmar, Revierförst. v. Königsberg. Hrn. Kfl. Steinharter v. Offenbach, Hauraud v. Vlotho, Beper v. Frankfurt u. Funck v. Lippstadt. im Prinz Carl: Hr. Rühl, Metzg. v. Schotten. Hr. Hardt, Papierfabrik, v. Wetzlar. Hr. Eberhardt, Ge- schäftsm. v. Emmrich. Hr. Roth, Kfm. v. Elberfeld. Hr. Borger. Spedit. v. Offenbach. Hr. Sommerlad, Geschäftöm. v. Biedenkopf. Im Dar-nslaedter Haus: Hr. Roth, Lehr. V. Gedern. Jungfer Biugel v. Brouiükirchcn. Hr. Heinzerling, Ge- schästsm. v. Biedenkopf. Hrn. Soldat. Spieß v Dautphe u. Debus v. Gündcroih Hr Drullmann, Fuhrm. v. Wetzlar. Hr. Feist, Hanvelsm v. Frankfurt. Hr. Schäfer, Gensd. v. Biedenkopf. Hr. Hornseck, Geschäftsm. v. Romrod. in der Rose: Hrn. Geschäftsl. Richardt v. Homberg u. Heroer v. Arnheim Hr. Feldmann, Glas. v. Grünberg. Hr. Schmitt, Tuch:,:, v. Arnstadt. Hr. Hofmann, Geschäftöm. v. Wohnfeld. In den Privathäusern. Bei Hrn. Carl Silbereisen: Fr Haas v. Dillenburg. — Bei Hrn. Heinr. Eiff: Frls. F. Eiff u. E. Eiff v. Frank- furt — Bei Fr. Revierförst Reitz: Frl. Münch v. Ulfa. — Bei Hrn. Crimin.-Caff-Rechn. Conzen: Hr. Wagner, Decan v. Worms — Bei Hrn. Jean Gertig: Hr. Röschen, Cand. v. Oberroßbach. — Bei Hrn. Prof. Dr. Zimmer: Hr. Ewald, Freipred. v. Darmstadt. — Bei Hrn. Kfm. Hensler: Hr. Reißel, Kfm. v. Hanau. — Bei Hrn. Hofger -Advoc. Gott- schalck: Hr. Köhler, Gpmn. v. Büdingen. — Bei Hrn. Gärtn. Weis: Hr. Weis, Gärtn. v. Marburg. Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilnngen. (Beiblatt.) So oft Stoff vorhanden ist, erscheint dieses Blatt als Beiblatt zum hiesigen Anzeigeblatt und wird diesem alsdann angedruckt oder auch besonders gratis beigegeben. Es werden darin ausgenommen: Anfragen, — Rechtfertigungen, — Vertheidigungen, — Rügen ?c. Die Inseratgc- bühren hiervon werden ohne Ausnahme per Zeile in gewöhnlicher Schrift mit 2 kr. berechnet. In einer der letzten Volksversammlungen wurde der Antrag gestellt: dem Gem.-R. einen Bürgerausschuß noch an die Seite zu stellen, welcher bei allen ' Veranlassungen mitzusprechen die Befugniß erhalten soll und den Gem.-R. controliren. Dieser Ausschuß soll auS. 30 Personen bestehen und bei der höheren Behörde dahin gewirkt werden, daß bei demuächsti- gcr Revision der Gemeindeordnung die Sache vorgesehen und somit in's Leben gerufen werde. Ein Rcdner.'nach dem Herrn Antragsteller, ein Mann saus dem Verwaltungsfach, Herr Kreissecr. Vogel unterstützte diesen nwnströßen Antrag als aus seinem Herzen gesprochen und bemerkte, daß nach seiner Ansicht dieser Ausschuß auS 45 Personen bestehen müsse. — In Offenbach, bemerkt derselbe weiter, sey ein gleicher Ausschuß unter seiner Mitwirkung in's Leben getreten; eS erfreue sich diese Einrichtung der vollsten Anerkennung und er könne deshalb nur rathen ein ähnliches Institut auch hier in's Leben zu rufen. Der Antrag wurde, wie begreiflich, angenommen, allein da ich, als einigermaßen mit der Gemeinde-Ordnung bekannt, mir nicht zu erklären vermochte, wie ein Bürgerausschuß ohne gesetzlich sanktionirt zu seyn, neben dem Gem.- Rath bestehen kann, und wie der Stadtvorstand von Offenbach schwach genug sein konnte, die berufene Controle anzucrkennen, nahm ich Veranlassung, nähere Erkundigung hierüber einzuziehen. Das Resultat der erhaltenen Mittheilung überzeugte mich bald, daß bei dem bemerkten Antrag und dem, der ihn unterstützte ein bedeutendes ' Mißverstäudniß Statt' gefunden hat; denn während der Herr Antragsteller einen Bürgerausschuß dem Gem.-R. an die Seite gegeben wissen wollte, der darüber zu wachen hätte, daß von dem Gem.-R. keine Unge- fihlichkeiten begangen werden oder vielmehr, daß derselbe das. Jntcfesse der Stadt nach allen Seiten luw getreulich wahre, hab der Redner nach ihm einen Volksausschuß verstanden, was aus der Bezugnahme ans Offenbach hervorgeht. Der Volksausschuß in Offenbach, -der zum Theil aus Mitglieder nicht orts- angehörigeb Personen besteht, hat aber nicht die Verpflichtung den Gem.-R. zu überwachen, sondern es hat dieser sich neben den Local- *) den allgemeinen Angelegenheiten zn unterziehen und vertritt die Stelle der in Offenbach gebräuchlich gewesenen wöchentlichen Volksversammlungen. ■— Nichts desto- weniger wurde der Antrag zum Beschluß erhoben, obgleich zwischen demselben und dem Amentement ein sehr wesentlicher Unterschied besteht. Ohne indessen hierüber etwas weiter zu sagen, gehe ich auf den Antrag und auf das, was damit bezweckt werden soll, über. Wenn ich einen Bürgerausschuß, jedoch nicht von so coloffaler Größe, unter Umständen auch für zweckmäßig halte und zugebe, daß nicht so leicht Beschlüsse gefaßt werden können, welche der Allgemeinheit nicht zusagen, so glaube ich doch, daß bei angeniessener Oeffentlichkeit ein Bürgerausschuß ein durchaus überflüssiges und zweckloses Institut ist, und nur dazu dienen kann, einen schleppenden Geschäftsgang hervorzurufen. Denn, wenn man bedenkt , daß alle Gegenstände, welche dem Gem.-R. zur Berathung und Bcschlußnahme vorgelegen haben, auch an den Bürgerausschuß gelangen müssen, um dessen Zustimmung einzuholen, so ist es leicht begreiflich, daß die Erledigung doppelt so viel Zeit fordert, als bei der jetzigen Einrichtung nothwendig ist. Heut zu Tage verlangt man rasche Entscheidung, und ich frage, ob solche erwartet werden kann, wenn die Genehmigung zu den einzelnen Gegenständen bei dem Bürgerausschuß erst eingeholt werden muß? Die Antwort kann nicht zweifelhaft seyn. Daß eine größere Theilnahme an den Gemeinde-Angelegenheiten durch eine derartige Einrichtung hervorgerufen werden kann, will ich nicht bestreiten, allein, daß ein weit größeres Interesse erweckt wird, wenn alles, was die Verwaltung betrifft, zur Oeffentlichkeit gelangt, namentlich 1) die Verhandlungen der wöchentlichen Sitzpugen, 2) das Budget mit allen Bemerkungen, die auf die einzelnen. Posten Bezug haben und 3) die Verwaltungörechnung mit Angabe der *) Local-Angelegenheiten, welche nicht vor das Forum des Gem,-R. gehören. 460 Gründe der Mehr- oder Weniger-Einnahme und Ausgabe, Uebersicht des Schuldenwesens u. s. w. Dies wird von Niemand bestritten werden. Hierdurch erhält der Bürger fortwährend Gelegenheit, sich von der Wirksamkeit der Gemeinde-Behörde zu unterrichten; er erlangt Kenntniß über das ganze Verwaltungsfach und ist in den Stand gesetzt, über die Verhältnisse der Stadt ein Urtheil abzugeben, was bei einem Bürgerausschuß aber niemals der Fall seyn wird. Daß unter solchen Umständen der Gem.-R. nur auf der gesetzlichen Bahn voranschreitet und die Interessen der Stadl nach allen Seiten zu wahren sich bemühen wird, davon bin ich lebhaft überzeugt. Bin ich mit meiner Ansicht im Jrrthum, dann bitte ich um gefällige Belehrung. Gießen im Juni 1848. I. G. Appel. Wie sieben Todsünden. I. A b t h e i l u n g. Die Herzogin (Fortsetzung.) Aber da kommt er . . . ich will sie ihm vorstellen." — „Meine Mutter," sagte ich lebhaft, „ich bitte Sie, thun Sie es nicht ... Ich wäre gezwungen, unhöflich zu seyn. Dieser Herr mißfällt mir, und was ich von ihm weiß, macht dieses Mißfallen unüberwindlich. Wir waren mit einander aus der Schule und . . . — Jchkonnte nicht weiter sprechen, denn Macreuse kam auf meine Mutter zu; ich blieb bei ihr sttzen." — „Mein lieber Herr von Mar- ceuse," sagte sie mit der liebens würdigsten Miene zu ihrem Schützling, nachdem sie mir einen strengen Blick zugeworfen hatte, „ich stelle Ihnen meinen Sohn vor, einen Ihrer ehemaligen Schulkameraden, der sich außerordentlich freuen wird, die Bekanntschaft mit Ihnen zu erneuern." Macreuse machte mir eine tiefe Verbeugung, und sagte mit abgemessener Miene: „Ich war einige Zeit von Paris abwesend, mein Herr, und wußte nichts von Ihrer Rückkehr nach Frankreich; ich dachte nickt die Ehre zu haben, Sie diesen Abend bei Ihrer Frau Mutter zu treffen; wir sind in der That mit einander auf der Schule gewesen . . . und ..." — „Ei, wahrhaftig, es ist wahr mein Herr, sagte ich zu Marceuse ihn unterbrechend, und wenn ich mich recht erinnere, so inachten sie immer den Spion . . . zum Vortheile der Lehrer, Sie aßen sechs Kellerwürmer, um einen Sou zu erhalten, und Sie stachen den jungen Vögeln die . Augen aus;, das geschah vermuthlich auch in der liebreichen Hvffmtng, ihre Leiden würden ihnen im andern Leben angerechnet werden? „Gut getroffen," sagte der Commandant, laut auflachend. „Und was hat Marceuse darauf geantwortet? versetzte Olivier. „Das breite Gesicht dieses schlechten Kerls wurde purpurroth; er bemühte sich zu läckeln und einige Worte zu stammeln; aber meine Mutter wars mir einen vorwurfsvollen Blick zu, stand plötzlich auf und sagte zu unferm Manne, um ihn aus. der Verlegenheit zu reißen: „Herr von Marceuse, wollen Sie mir den Arm reichen? wir wollen eine Tasse Thee genießen?" „Aber," sagte Olivier, „wie hat denn dieser Mensch Zutritt erhalten, in Deiner so schwer zugänglichen Welt?" „Niemand weiß es," erwiederte Gerald. „Wenn einmal die erste Thür unserer Welt geöffnet ist, so öffnen sich alle übrigen von selbst; wer aber diese erste so schwer zu überschreitende Thüre diesem Macreuse geöffnet hat . . . das weiß man nicht; ... . Man glaubte indeß, er sey von einem gewissen Abbe Ledour, der in unserm Stadttheile den Ton angibt, in unsere Gesellschaft eingeführt worden. Es ist dies nicht ganz unwahrscheinlich, und deshalb habe ich nun gegen den Abbö einen ebenso großen Widerwillen, als gegen Macreuse.. Wenn übrigens meine Verachtung dieses schlechten Burschen einer Rechtfertigung bedürfte, so würde mich das Urtheil, welches ein ganz sonderbarer Mann, der sich jedoch nie in seinen Beobachtungen täuscht, über Macreuse gefällt hat, vollkommen rechtfertigen." „Und wer ist dieser untrügliche Mann?" fragte Olivier lächelnd. „Ein kleiner Buckeliger, nicht größer als. so," indem er seine Hand etwa vier und einen halben Fuß hoch hielt. „Ein Buckeliger?" fragte Olivier sehr erstaunt. „Ja, ... ein Buckeliger, witzig wie ein Dämon, beißend wie ein Teufel, unbeugsam wie eine Stange Eisen gegen Die, welche er verachtet oder wenigstens nicht achtet . . . aber voll Freundschaftlichkeit und Ergebebenheit gegen die, welche er achtet. . . . und diese sind in geringer Zahl. Uebrigens "verhehlt er Niemanden den Widerwillen oder die Thcilnahme, die er einsiößt." „Zum Glück für ihn erlaubt ihm sein Gebrechen, so freimüthig verfahren zu dürfen," sagte der Com- mandant, „denn sonst würde ihr Buckeliger wenigstens ein verteufelt gefährliches Spiel spielen." „Sein Gebrechen," versetzte Gerald lachend, „obschon der Marquis von Maillefort ungeheuer buckelig ist, so ist er doch . . ." (Forts, folgt.) Druck und Verlag der G» D. Brühl'schen Buch- und Steinbruckerei.