Änzeigrblatt für die Stadt Gießen und die Kreise Meßen, Grünberg und Hungen. 1818 JVo HO Freitag den 12. Mai Dieses Blatt erscheint jeden Montag, Mittwoch und Freitag, Ab-ndS. Der Pränumerat.onsbetrag tfi jährlich für Emhnmcsche 1 fl> M kr jährl. 45 fr., für Auswärtige incl. Postaufschlag 1 ff. 42 kr., Lalbjährl. 51 fr. Auswärts. abonmrt man sich ber den zunächst gelegenen ltvr. :ämtern. In Gießen bei der Erpedition, Canzleiberg Lit. B. Pr. 1. EinrückungSge^hr für den Raum der gespaltenen Corpus-Zerle 2 fr. Inserate müssen jedesmal an dem Tage vor dem Erscheinen dieses Blattes brs Morgens 9 Uhr längstens an dre Redaktion g la g 1 \ , t ktualienpreise Fleischtaxe, Gießen en 13. Mai Grünbrrg den 10. Mai Hungen en 10. Mai Büdingen D Nidda _ D 3 Friedberg oen 10. Mai Brodtaxe. Gießen i o Grünbrrg >en 10. Mai ===== Hungen den 10. Mai Büdingen 3 D Nidda Z d" Friedberg den 10. Mai __ fr. Pf. Pf. per Pfund I ft. Pf. fr-; Pf. fr. Pf. fr. Pf. fr. Pf. fr.'pf. K fr. Pf. fr. Pf. fr. Pt. fr. Pf. fr. Ochsenfleisch Kuhfleisch . Rindfleisch . Kalbfleisch . Schweines!. . Hammclff, . 12! — 10 - z 14 — 9; 2 n fi 111 — 12 1 6 14 9 2 12 9 9 7 14 10 11 1 1 1 1 1 12 10 ? a 13 10 1 1 1 1 1 11 12 ” 10 — 8 2 6 — 14 — 10 — 2 4 6 2 4 6 , i zGerste-)^ Gießen ||Äonl, , Vormittags 10 Uhr, auf hiesigem Ralhhaus nochmals, und mit dem Bemerken versteigert werden, daß der Zuschlag un- Gläubigeraussorderuug. ^27) (Gießen ) Forderungen an den Nachlaß des dahier verstorbenen Gr. Pfarrers HaNnagel sind Donnerstag den 15. Mai d. I., auf dem hiesigen Hofgerichtsgebäude bei dem Unterzeichneten anzuzeigen und näher zu begründen, gegenfalls sie bei der Verfügung über den Nachlaß unberücksichtigt bleiben. Gießen den 19. April 1848. In Auftrag Gr. Hofgerichts der Provinz Oberheffen. I. Elwert, Hofgerichtsseeretariats-Aecessist. Besondere Bekanntmachungen. 877) Gießen. Die Musterung und Loosziehung für das Jahr 1848. Wege» der diesjährigen Musterung und Loosziehung werden die Eonseriplionspstichtigen auf die kreisräthliche Bekanntmachung vom 6. d. M. v*S 38. des hiesigen Anzeigeblatts mit dem Bemerken verwiesen, daß wenn sie noch irgend einer Verständigung bedürfen, diese hier ertheilt werden soll. Gießen den 10. Mai 1848. Der Bürgermeister Gg. Reiber. 878) Gießen. Das im Monat März d. I. fällig gewesene Iste Ziel Communal-Steuer ist binnen 14 Tagen zur hiesigen Stadtkasse zu bezahlen, Gießen am 10. Mai 1848. Der Stadtrechner Enders. Versteigerungen. 894) Gießen. Die auf den Schoor-, Wieseck- und Chausfeeböschungen befindlichen Grasuutzungen sollen Donnerstag den 18 d. M, Morgens 10 Uhr, auf hiesigem Rathhause versteigert werden. Gießen den 12. Mai 1848. Der Bürgerin:.stec Gg. Reiber. wiederruflich erfolgt. Gießen den 8. Mai 1848. Der Bürgermeister Gg. Reiber. 858) Gießen. Dienstags den 16. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll auf der hiesigen Universitäts-Kanzlei die Lieferung von 320 Stecken Buchen-Scheidholz in die hiesigen Universitäts-Anstalten, an den Wenigstnehmenden versteigert werden, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Gießen am 6. Mai 1848. Gr. Hess. Universitäts-Rentamt Martin. 860) Gießen. G r a s v e r st e i g e r u u g. Der diesjährige Grasertrag von den Gräben und Böschungen der Chausseen des hiesigen Bezirks, soll in nachgeuanmen Terminen auf Ort und Sielle an die Meistbietenden öffentlich verpachtet werden: 1) Montag den 15. d. M., auf der Straße von Gießen nach Butzbach und vonHohlgöns bis zur preuß. Gräuze gegen Wetzlar. Anfang Vormittags 7 Uhr vor hiesiger Stadt. 2) Dienstag den 16 d. M., -' Vormittags 11 Uhr, auf der Straße von Kleiulinden gegen Wetzlar. 3) Mittwoch den 17. d. M., Straße von Gießen über Lollar bis zur Kurh. Gränze. Anfang wie ad 1. 4) Donnerstag den 18. d. M., Straße von Gießen nach Lindenstruth. Anfang wie ad 1. 5) Freitag den 19. d. M., Straße von Gießen über Steinbach gegen Lich. Anfang Vormittags 7 Uhr beim Schießhaus. 330 6) Samstag den 20. d. M., Straste von Gießen nach Frankenbach. Anfang Vormittags 7 Uhr jenseits der neuen Straße. Gießen am 8. Mai 1848. Gr. Kreisbaumeister Holzapfel. 859) Gießen. Dienstags den 16. d. 9JL, Vormittags um 10 Uhr, soll auf der hiesigen Universitäts-Kanzlei die Liefe, rung von 4,0 Stecken Buchen-Scheidbolz in das hiesige Gymnasium an den Wenigstnehmenden versteigert werden, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Gießen am 6. Mai 1848. Gr. Hess. Gymnasialkasse. M artin. 891) Gießen. Im Kunhard'schen Hause im untern Stock, sollen Montag den 15. d. M., Nachmittags 2 Uhr, verschobene Mobilien, als Bettladen, Tische, Com- mode, ein sehr gutes Klavier und sonstige Haus- gerälhschaften, meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Gießen im Mai 1848. Feilgeboten. 875) Gießen. Bei meinem Knopfmachcrge- schäft habe ich folgende Artikel zum Verkauf ange« schäft, als: alle Sorten Knöpfe für Herrn und Damen, Häckel-, Strick- und Nähseide, Gold- und Silberfaden, Besatzband, Gareeschnure und geklip- pclte Kortel, Suitage, Blattschlag an Damenkleider, Franzen, Gardinenhalter, von verschiedenen Mustern, weiße und farbige Schnur, pariser Spaar- seive, Eisen-, Linnen- und Baumwollzwirn, Näh-, Steck- und Haarnadeln, Quasten aller Arten, weiße Spitzen, Schwarz-Roth-Gold Band, verschiedener Breite, Strohschuh, welche sich besonders für Leute stehender Geschäfte und schweißige Füße eignen; Flintenriemen :e. PH. Katt re in, Lit. B. .4$ 90. 882) Gießen. Von nachfolgenden, durch ihre Wirkungen rühmlichst bekannt gewordenen Artikeln, befindet sich alleiniges Lager bei Endesunterzeichnetem: F1 andre de Chine, von tHUin &* Gump, in Paris, Untrügliches und unschädliches Mittel, grauen, verbleichten und rothen Haaren binnen wenigen Stunden eine natürliche und dauernde schwarze oder braune Farbe, je nach dem Wunsche des Gebrauchenden, zu geben. Dasselbe wird unter der Bedingung verkauft, daß, wenn nach richtig vor- gcschriebenem Gebrauch die versprochene Wirkung nicht erfolgt, der dafür gezahlte Preis zurückerstattet wird. Preis für die große Flasche mit geirauer Gebrauchsanweisung 1 Rthlr, Pariser Äaimkitt. V ortrefflichstes Mittel zur Erhaltung und Pflege der Zähne, in feinen Etuis mit Gebrauchsanweisung » 1 Rthlr. Auf die leichteste Weise kann man sich damit jeden schadhaften und hohlen Zahn auökitten und denselben gleich andern gesunden Zähnen, wieder tauglich machen. Die durch Zutritt von Luft und Speisen öfters entstehenden Zahnschmerzen, sowie ; ein übelriechender Athem werden dadurch gänzlich vermieden. Der Kitt wird nach wenigen Stunden steinhart und haftet ganz fest. Cosmetique-Americain. Neues erprobtes und unschädliches Mittel zur Vertreibung der Finnen und des Kupfer- Ausschlages im Gesicht, sowie zur Herstellung einer reinen zarten Haut. Preis pro Flacon mit Gebrauchsanweisung % Rthlr. Die unfehlbare überraschende Wirkung dieses Mittels hat sich durch vielfache damit angestellte Versuche so bewährt, daß man dasselbe allen Personen, die an obigen fatalen Entstellungen des Antlitzes leiden, mit vollkommenem Rechte empfehlen kann. Ananas - Pomade. Feinstes Haarparfüm zur Verschönerung der Haare und das Wachslhum derselben kräftig befördernd. Preis pro Topf % Rthlr. Creme pour dresser - Ferei’ft. In der Generalversammlung am 8. Mai sind die Artikel*) — welche von der Versammlung in Offenbach vorschlagsweise ausgestellt, und in der bevorstehende» Hauptversammlung daselbst zur Veschluß- nahme kommen sollen — berathcn und vervollständigt worden. Es ist ferner beschlossen worden, daß jedes Gewerbe, resp. jede Zunft, einen Ausschuß von einem oder mehreren Mitgliedern ernennen soll; daß sich diese Ausschüsse Samstag den 13. Mai, Abends 8 Uhr, , im Lokale des hiesigen Gewerb-Vcreins versammle» sollen, um daselbst Abgesandte für die Offenbacher Hauptversammlung zu ernenne». , Der Tag zu diesem Eongreß der Gewerbtreibende» ist zur Zeit noch nicht festgesetzt, wird aber m die 3te Woche des Monat Mai fallen. Der Vorstand der L o e a l s e k t i o n. 869) Gieße». Zwei oder drei Gvnniasiasten, oder Realschüler von 11—14 Jahre», können Wohnung und ans besonderen Wunsch auch Kost erhalten bei einem hiesigen Lehrer, der denselben neben der nölhigen Aufsicht auch die etwa erforderliche Nachhilfe zugleich mit seinen eigenen Kindern widme» würde. Das Nähere bei der Erped. d. Bltts. 880) Gießen. Zahnärztliche Anzeige Zahnarzt Weinert aus Mainz ist dahier angekommen und wohnt bei Herrn Messerschmied Sartorius auf dem Seltersweg. Gießen de» 8. Mai 1848. 874) Gießen. Es könne» noch einige Herren den Mittag- und Abendtisch bekommen bei Ph. Kattrein Lit, B. JVo. 90. 893) Gießen. Am 13. Mai nimmt die im Sommerhalbjahr bestehende Samstag-Abendtafel im großen Saale wieder ihre» Anfa»g. Theil»ehmer wolle» sich gefälligst belegen. Punkt Acht Uhr wird servirt, Preis des Couverts 24 fr. Joh. Hr. Busch im Garten. 866) Gießen. Ein getigerter Hühnerhund, mit braunem Kopfe und Behänge, unregelmäßig gezeichneter, weißer Stirne, von welcher das Weiße nach dem einen Behang auffallend herabzieht, ist abhanden gekommen. Wer über deiiselbe» Lit. C. 46 Auskunft ertheilt, erthält eine gute Belohnung. 886) Gießen. In dem Zeichenunterricht sowohl wie auch im Musterzeichnen empfiehlt sich Auguste Trapp. 890) Altenbuseck. Der israelitische Vorstand hat die Absicht, zur Erbauung eines Frauenbades ein Capital von 6—700 fl. aufzunehmen. Die Unterzeichneten sind hiermit nicht einverstanden, widersprechen vielmehr die Nothwendigkeit eines solchen Bades für die jetzige Zeit und erklären hiermit aus das feierlichste und legen dagegen Verwahrung ein, daß sie weder für Capital noch Zinsen haften. Altenbuseck den 9. Mai 1848. Isaak Rothschild. Gutkind Rothschild. Isaak Klipstein. Simon Löb (Lewer). Liebmann Löwer. Nathan Kohlberg. Simon Blondheim. 883) Gießen. Sonntag den 14. Mai findet auf dem Hardthose gut besetzte II st r in o ii i e - M u s i k Statt. 855) (Gießen) Das Scheibenschießen auf dem Hardthofe findet von nun an jeden Mittwoch (Nachmittags 4 Uhr) Statt, welches mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis! gebracht wird, daß auch solche Herren, welche nicht Mitglieder der Schützengesellschaft sind, an den Schießübungen Theil nehmen können. Gießen de» 8. Mai 1848. ' Der Vorstand der Schützengesellschaft. Frischbäcker zu Gießen. Kirchliche An,ei««» Sonntag den 14. Mai. Christian Löber in der evangel eben Gemeinde zu Gießen. Neustadt Christian Wallenfels in der Wallthorstraße. Chri- Gotkesdrenft. Am 14. Mai. Morgens! Kirchen- stian Lampus auf dem SelterSweg Heinrich Noll im Stern, rath Dr. Engel. Nachmittags: Pfarrer Bonhard. *) Diese Art. find bereits in Nr. 35. d. Bl. veröffentlicht worden. 333 mlung in Veschluß- den, daß soll; daß »ffenbacher v aber in as Weiße izieht, ist Lit. C. elohnung. wricht soll sich rapp. Vorstand inenbades Die Un- n, wider- s solchen ! :rmit aus । irung ein, ften. ). Isaak Lieb mann londheim. kai findet ik mit dem lieber der i llschaft. eßen. s: Kirchen- Becrdigte. Den 8. Mai. Johannes Steinberger, Bürger und Wagnermeister dahier, alt 58 I. 9 M. 18 T., gestorben den 6. Mai. , , Den 9. Mai. Johannette Marie Elisabethe Walz, des hiesigen Bürgers und Satilermeisters, Georg Philipp Andreas Walz, Ehefrau, geborne Fricbel, alt 59 3. 23 T, gestorben den 7. Mai. Die Pfarrgeschäfle in der nächsten Woche besorgt Kirchenrath Dr. Engel. Israelitische Gemeinde. Geboren. Den 13. April. Dem Bürger und Buch- bindermeister, Isaak Rothenberg, ein Sohn, 3»lins. Den 25. April Dem Bürger und Kaufmann, Ferdinand Meper, eine Tochter, Emma. Beerdigt. Den 27. April. Der Bürger und Fruchthändler, Levi Cahn, alt 40 I. 3 M., gestorben den 28. April Angekommene und abgereiste Fremden vom 10. bis 11. Mai 1848. In den Gasthäusern. Im Prinz Carl: Hr. Finger, Kfm. v. Crcfeld Hr. Günther, Geschäftsm. v. Friedberg. Hr. Rausch, Spedit. v. Großeneichen. Hrn. Kfl. Groß u. Klatt v Frankfurt. Hrn Oecon. Hörr u. Laux v. Collmar. Hr. Köhler, Pfarr. v Lirfeld. Hr. Doht, Geschäftsm. v. Dautphe. Hr. Seeger, Oecon. v. Vilbel. Im Einhorn: Hr. Konder, Kfm. v. Worms Fr. Bon- gaptp m. Fam. u. Bedien, v. Paris. Hr. Fleckhammer, Fabrik, v Dürkheim. Hr. Freiherr v. Lothringenburg in. Bedien., Gener.-Maf. u. Hr. Seyfort, Adjut v. Wien. Hr. Lichtenhammer, Verwalt, v. Siegen Frls. v Huthcwill, v. Bockfelden u. Litzentruß v. Constanz. Hr. Lanzinns.Beninga, Kammerhr. a. Ostfriesland. Hr. «treng, Cand. phil. v. Frankfurt. Fr. Wilhelmy, Oberlehr v. Constanz Hr. Berthold, Ingen. v. Liebenau. Hr. Stakemann, Kfm. v. Baltimore. Hr. Bernheimer, Apvth. v. Eupen. im Kappen: Hr. Cramer, Kfm. v. Elberfeld. Hr. Förster, Dachdeck. u. Hr. Plitt, Kfm. v. Gladenbach. Hr. Mohr, Stud v. Offenvach. Hrn. Kfl. Schneider v. Cassel u Ambron v. Münden. Hr. Beringer, Fabrik, v Offenbach. Hrn. Kfl. Strauß v. Amöneburg u. Zeppenfeld t>. Altcndorn. Hr. Mai, Stud. v. Coblenz. Hr. Günther, Oberfin-R. v. Darmstadt. Hr. Bersch, Dr. jur. v. Marburg. Hr. Fischer, Kfm. v. Düsseldorf. Im Darmstaedter Haus : Hr. Schneider , Geschäftsm. v. Rosenthal. Fr. Weisensee v. Niederroßbach. Hr. Schmitt, Geschäftsm. v. Mornshausen. Hrn. Handelst Engel v. Ebersgöns, Eschle v Fortwangen u. Berger v. Freienseen. Im Stern: Hr. Engelberg, 'Färb. v. Marburg. Hr. Schäfer, Privatm. v. Ammenhausen. Hr. Franck, Fuhrm. v. Marburg. In der Kose: Jungfer Gail v. Naunheim. Hr. Buß, Barb v. Butzbach. Hr. Seidel, Seifensied. v. Auerbach. Hr. Beck, Schneid, v. Grünberg. In den Privathäusern. Bei Hrn. Superint. Simon: Hr. Briegleb, Pfarr. v. Altenschlirf. M i s e e l l e sr. Landwirthschaftliches. Kultur-Verfahren des Dr. I. F. Klotzsch, um die Kartoffeln gegen Krankheiten zu schützen. Die Kartoffelpflanze, welche den jährigen Gewächsen beigezählt werden muß, repräscntirt in dem Kar- toffelknollen, der sich auS dem Stengel entwickelt, den perenmrenden Theil einer Pflanze. Während nämlich die Dauer ihrer Entwickelung den jährigen Gewächsen analog ist, stimmen ihre Functionen genau mit denen dicotyler Sträucher und Bäume überein. Sie unterscheidet sich dadurch von allen in Europa für ökonomische Zwecke cultivirten Gewächsen und kann nur mit den Saleppflanzen, die bei uns unter der Benennung Knabenkraut, Kukuköblumen oder Ragwurz aus der Tribus Ophrydcae der natürlichen Ordnung Orchideae bekannt sind, deren Kultur uns noch bevorsteht, verglichen werden. Beide Knollen gehören zur Kategorie der Nahrungspflauzen und haben mit einander gemein, daß in den Zellen der Knollen Stärkemehlkörner und mehr oder weniger stickstoffhaltige: Schleim aufgespeichert werden; die Zellenwände selbst aber die merkwürdige Eigenthümlichkeit besitzen, durch Kochen mit Wasser gallertartig aufzuquellen und dadurch leicht verdaulich zu werden. Während jedoch der Saleppknollen stets nur eine KnoSpe oder einen Keim zeigt, entwickelt der Kartoffelknollen deren mehrere, häufig sogar viele. Die Kartoffelpflanze hat es mit allen jährigen Gewächsen gemein, ihr Hauptbestreben dahin zu richten, Blüiheu und Früchte zu entwickeln. Sie hat es ebenfalls mit den übrigen jährigen Gewächsen gemein, diese Entwickelungsperiode je nach der Beschränktheit ihres Wurzelvermögens abzukürzen, sowie sie dieselbe durch ein vermehrtes Wurzelvermögen zu verlängern im Stande ist. Wir sehen in der Natur, daß Pflanzen mit geringem Wurzelvermögen ein schwächliches, oft küük- mecliches Ansehen haben, dabei aber früher zur Blüche und Fruchtreife, als kräftigere, mit stärkerem Wur- zelvermögen begabte Eremplare gelangen. An den ausdauernden Gewächsen nun gewahren wir ein zweites Streben, das darin besteht, Nahrungsstoffe zur Consumtion der Pflanze zu bereiten und dieselben zu rcserviren. Die Bereitung dieser Nahrungsstoffe geschieht durch die physiologische Thätigkeit der Blätter unter Einfluß der Wurzeln. 334 Je kräftiger und größer die ersteren sind, um desto mehr wird dieser Bereitung Vorschub gethan. Rcservirt werden diese nährenden Stoffe in der gefärbten Rindenschichte der Sträucher und Bäume; bei der Salep- und Kartoffelpflanze in dem Knollen. Aber nicht allein diese nährenden Stoffe, auch die Zellen selbst verdanken der physiologischen Thätigkeit der Blätter und Wurzeln ihren Ursprung. (Forts, folgt.) Wiederum hat der liebe Frühling die Natur in ihr festliches Gewand gehüllt. Ueberall, wo das Auge sich hinwendet, schaut es in's Grüne. Die Wiese prangt von fetter Weide, der Vögel Sang schallt aus dem grünen Walde in lieblichen, melodischen Klängen, die Felder beginnen ihre Schätze zu entfalten, der Strahl der Sonne entlockt dem Baume seine Blüthen und gibt, wie goldne Perlen einem Hochzeitkleide, dem Ganzen seinen höchsten Schmuck. Als sollten auf die vielen mageren Jahre, recht viele fetten Jahre folgen, so muß es demjenigen bedünken, der die Natur mit Kenneraugen prüft. Schon im vorigen Jahre floß aus dem Füllhorn unserer guten Mutter, der Natur, ein reicher, reicher Segen. Dieselbe Aussicht steht uns wieder offen. Diese Erscheinung ist um so erfreulicher, als — wir hoffen es — durch eine höhere Gewalt den Wucherern ihr Handwerk nun förmlich gelegt werden wird. Es mag diese gemeinen Wucher-Seelen doch manchmal so recht gekitzelt haben, wenn alle zur Vernichtung ihres Handwerks aufgebotenen menschlichen Kräfte an ihrem bösen Willen scheiterten Ein gewisser Theil der Wucherer namentlich, hat sich zwar in dem Betriebe seines Handwerks bis jetzt immer noch nicht im Mindesten stören lassen, ja es scheint, als ob er frech genug wäre, selbst der Gottheit Hohn zu sprechen. Dies sind unsere Milch- Producenten und Verkäufer. Die Milchpreise schlugen auf zu einer Zeit, wo es Jedermann an seinem Orte sand. Aber diesen Preis nun, Angesichts der reichen Gaben des Herrn, noch beizubehalten, das heißt doch wohl nichts anders, als der Gottheit Hohn sprechen, sich an der Menschheit versündigen. Wenn irgend Menschen es verdienen, unter einer streng gesetzlichen Controle zu stehen, so sind cs gewiß hiesige Milch-Producenten oder Verkäufer; denn abgesehen von dem zu hohen Preise, so vermischt aber auch ein großer Theil derselben die Milch mit Wasser oder rahmt sie ab und buttert auch noch und begeht dadurch den sträflichsten Betrug. Eine chemische Untersuchung würde den eclatantestcn Beweis hiervon liefern. . Wenn daher menschliche Maßregeln, resp. die Polizeitare im Anzeigeblatt, wonach die Maß Milch schon längst 6 Kreuzer kosten soll, in der That aber hierfür nicht zu bekommen ist, gar nichts vermögen; so wollen wir, wie oben bemerkt, hoffen, daß eine höhere Macht oder Behörde diesem Treiben über kurz oder lang Einhalt gebieten möge. Wie sieben Todsünden von Eugen Sue. I. A b t h e i l u n g. W i e Hoffart h, oder: Die Herzogin 1. Nachdem der Commandant Bernard, ein geborner Pariser, während des Kaiserreichs in der Marine- Garde, und während der Restauration als Schiffs- Lieutenant gedient hatte, ließ er sich einige Zeit nach dem Jahre 1830 mit dem Ehrengrade eines Fregatten- Capitains in Ruhestand versetzen. Mit Wunden bedeckt, oft in den Tagsbefehlen erwähnt wegen seiner glänzenden Waffenthaten in den Seeschlachten des indischen Kriegs, und später genannt als einer der Tapferen im russischen Feldzuge, lebte Bernard, ein einfacher und gerader Mann von ausgezeichnetem Herzen, bescheiden von seiner Pension, welche kaum für seine Bedürfnisse ausreichte, in einer kleinen Wohnung in einer der einsamsten Straßen von Batignolles, einer neuen Vorstadt von Paris. Eine alte Haushälterin, Madame Barbanson genannt, war seit zehn Jahren im Dienste des Com- mandanten; obgleich sie ihm sehr ergeben war, machte sie ihm doch manchmal das Leben recht sauer, wie man zu sagen pflegt. Die würdige Frau war despotischen, stürmischen Charakters, und es machte ihr Vergnügen, ibren Herrn ost daran zu erinnern, daß sie, um in seine Dienste zu treten, eine gewisse sociale Stellung aufgegeben habe. Um die Wahrheit zu sagen, Madame Barbanson war lange bei einer in ihrem Fache berühmten Hebamme Gehülfin oder Lehrling gewesen. Die Erinnerung au ihre ehemalige Beschäftigung war für Madame Barbanson eine unerschöpfliche Quelle von geheimnißvollen Erzählungen; besonders gern erzählte sie ein Abenteuer mit einer jungen mas- kirten Frau, welche unter dem Beistände der Hebamme insgeheim ein niedlichen Mädchen zur Welt gebracht hatte, welches Madame Barbanson ungefähr zwei Jahre lang verpflegte; damals kam ein Unbekannter und forderte das Kind zurück. (Forts, folgt.) Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und St.indruckerei,