Änzcigcblatt für -ie Stadt Gieße» und die Kreise Gießen, Grünberg und Hungen. Montag den 3. Juni 18ät8. wöchentlich drei Mal: Montag, Mittwoch und Sonnabend. Der Pränumerationibetrag ist für ei« ganzes Jahr Lli tv 1 ff- ’ jur ein halbes Jahr 45 ft., für Auswärtige incl. Postauffchlaa 1 ff. 42 ft., halbjahrl. 51 fr. Auswärts abonnirt Wnum r.Jun<1^? gelegenen lobt. Postämtern. In Gießen bei der Erpedition, Eanzlelberg Lit. B. Nr. 1. Einrücknngsg-bühr fiir idcn ^r. Reiß, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Asal, Stud. v. Ettlingen. Hr. Schaub, Dort. v. Büdesheim. Hrn. Kff. Korf v. Lippstadt u. Schmeiser v. Hamburg. Hr. Robert, Amtm. v. Frankenhausen. Hrn. Kfl. Berger v. Mainz, Münchhof v. Nordhausen u. Linckert v. Altcnschmidten Hrn. Stud. Wolloth v. Bonn u. Cruzclius v. Gießen. Fr. Pöntzel v. Brnunfels. Hrn. Kst. Brechmann v. Carlshafen, Paschke v. Frankfurt u. Manner v. Leipzig. Hr. Weißhaupt, Rent. v. Düsseldorf. Hr. Braun, Apoth. v. Augsburg. Im Einhorn: Hrn. Kst. Kaufmann v. Elberfeld u. Hertz v. Odelsan. Fr. Habicht tu. Fam. v. Alsfeld. Hr. Rübsamen, Rent. v. Hamburg. Hrn. Kfl. Baumann v. Düsseldorf, Röder v. Maisenhausen u. Steinbach v. Halle. Hr. Pocklitz, Geschäftsm. v. Aachen. Hr. Lanosberg, Fabrik. V. Kaiserslautern. Hr. Zimmermann, Weinhndlr. v. Alzei. Hr. Dremmel, Rent. v. Berlin. Fr. Geh. R. Kraft m. Fam. u Bedien, v. Lippe-Dettmolo. Hr Häring, Oecon. v. Halberstadt. Hr. Fricke, Sang. v. Wien. Hr. Schleu- ning, Postsecrct. v. Herzseld. Hr. Thamsen, Kapit. ».Hamburg. Hr. Schiffermüller, Rent. v. Basel. Hr. Wundram m. Fam. u. Bedien., Medic-R. v. Berlin. Hr. v. Gähren, Geh. R. v Fürth. Frls Hähnlcin u. v. Aller v. Coburg. Graf v. Laubach m, Bedien, v. Laubach. Hrn. Kfl Cramer v. Vilbel u. Cahlenbeck v. Schwelm. Hr. Schlick, Hofmstr. v. Laubach. Im Prim Carl: Hr. Höhr, Uhrm. v. Schönach. Hr. Franck, Kfm. v. Schlichtern. Hr. Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr. Rauch, Oecon. v. Hattersheim. Hr. Henckel- mann, Mal. v. Düsseldorf. Im Darmstaedter Haus: Hr. BvllenheiM, Tischl. V. Roßdorf. Hr. Loos, Geschäftöm. v. Gladenbach. Hr. Drotts Bauaufseh. v. Eckelshausen. Hr. Schmidt, Geschäftsm. v. Breitenstein Hr. Gewalt, Schloss v. Coblenz. Hr. Wagner, Geschäftsm. v. Düsseldorf. Hr. Wallenstein, Handelsm v. Großcnbuseck. Hr. Rapp, Fuhrm. v. Homberg Hr. Spahn, Schloff, v. Eberstadt. Hr. Veitner, Geschäftsm. v. Grünberg. Hr. Schwelg, Geom. v. Lauterbach Im Stern: Hrn. Schausp Mutti u. Mvtioni a Parma. Hrn. GeschäftSl. Spruck v. Annerod u. Braun v. Daubringen. In der Rose: Frl. Alopfla v. Wien. Hr. Wagner, Geschäftsm. v. Großenbuseck. Hr. Leuchs, Handl.-Dien. v. Augsbvrg. Zungfer Moger v. Kronach. In den Privathäuscrn. Bei Hrn. Br Weber - Hr. Weber, Gpmn. v. Darmstadt. — Bei Hrn. Decan-Rechn. Dauernheim: Fr. Schullh. Hahn v. Fauerbach. — Bei Moritz Wallenfels Wittwe: Fr. Nessel v. Darmstadt. — Bei Hrn. Ph Magnus: Hr. Mag. nus, Privatm v. Elberfeld. — Bei Fr. Landricht. Mosler: Hr. Franz, Forstmstr. v. Weilburg u. Frl. Schneider v. Oberfchmidten. Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen. (Beiblatt.) So oft Stoff vorhanden ist, erscheint dieses Blatt als Beiblatt zum hiesigen Anzeigeblatt und wird diesem alsdann angedruckt oder auch besonders beigegeben. Es werden darin ausgenommen Anfragen, — Rechtfertigungen, — Vcrtheidigungen, — Rügen rc. Die Jnseratgebühren hiervon werden ohne Ausnahme per Zeile in gewöhnlicher Schrift mit 2 kr. berechnet. An alle Deutsche, denen das Geschick hungernder Mitbrüder und ihr eignes Wohl am Herzen liegt. Dringende Bitte um schleunige Veranstaltung einer Natio- nal-Sammlung zur Abwehr der Gefahr drohenden Volksnoth. Dunkle Wolken thürmen sich am Horizonte des Vaterlandes, der unlängst noch von der Morgenröthe der jungen Freiheit erglänzte; die Jubelklänge sind verrauscht und es ertönen angstvolle Klagen und Berichte von nah und fern. Vor Allem betreffen sie die stündlich wachsende, schon manchen starken Damm zerbrechende Noth der besitz- und arbeitslosen Mehrheit des Volkes, die kaum noch des Rufes der allgeschästigen Verführung bedarf, um zu dem Aeußersten bereit zu siyn. Rüste man sich doch darum nicht blos zur Ausrichtung des neuen Staatsgebäudes, ohne den Grund und Boden desselben vollkommen zu sichern, ohne die aufgeregten Massen zu beschwichtigen, die in blinder Wuth sich einhcrwälzend schon das Fundament des kühn geträumten, hoffnungsreichen Baues zertrümmern könnten. Denn wer bürgt dafür, daß jene anarchischen Zustände, welche bereits in allen Theilen Deutschlands zum erschreckenden Ausbruch kamen, nicht bei irgend einem unerwarteten, vielleicht nur zu nahem Wendepunkte in allgemeine Verheerung und Plünderurg ausarten, die freilich den Armen selbst, was manche von ihnen nicht begreifen, kaum für den Augenblik nützen, alle Besitzenden aber zu Grunde richten und das Vaterland einer blutigen Schreckensherrschaft, einem völligen Ruin, einer jammervollen Sclaverei Preis geben würde. Eine große, allgemeine Gefahr, die man sich nicht länger verhehlen kann und darf, erheischt eine außergewöhnliche Vorkehr, an der sich rasch und nachdrücklich alle Freunde des Volkes und Vaterlandes betheiligen müssen, ohne die Wirksamkeit des Parlamentes abzuwarten. Wohl wird sich dieses auf's Redlichste und Entschiedenste der gerechten Sache unserer leidenden Brüder annehmen, aber welche lange, bedenkliche Zeit muß noch verstreichen, bis die Maßregeln zur Abhülfe eines inzwischen vielleicht unüberwindlich werdenden Nothstandcs nur erst berathen und in's Werk gesetzt sind! — Auch handelt es sich zunächst nur um Verhütung einer Gefahr, die einzig und allein durch eine freie, mitten auö dem Volke heraus der Reichsvcrsammlung entgegenkommende und ihre Wirksamkeit sichernde Liebesthat zu beschwören ist. — Der Stimme des Gewissens folgend, wende ich mich darum vertrauensvoll an alle gleichgesinnten Bewohner Deutschlands und fordere sie dringend auf, freiwillige patriotsche Gaben zusammen zu bringen iiiib der Reichsversammlung mit dem Ersuchen zur Verfügung zu stellen, daß dieselben schleunigst in den zumeist bedrängten und gefährdeten Gegenden des Vaterlandes verwendet würden, theils zur unmittelbaren Dämpfung augenblicklicher Noch, theils zur Verschaffung von Arbeit, vornehmlich aber zur angemessenen Unterstützung der Ans Wanderung, welche durch die jetzige Jahrszeit so sehr begünstigt, dem Armen für die nächste Zukunft ein Loos verheißt, daö ihm die Heimath selbst unter den günstigsten Verhältnissen nach Jahren kaum zu bieten vermag. Wohlan denn, schreiten wir ungesäumt zu einem solchen Werk aufopfernder Liebe! Es wird an sich schon eine wunderbare Heilkraft bewähren in den krampfhaften Zuckungen dieser Zeit. Es wird den Geist der Versöhnung, des Friedens und der Hoffnung in die Hütten der verzweifelnden Armuth bringen und neuen Aufschwung dem Ansehen und der Macht des Gesetzes verleihen, dessen freventliche Verletzung sich jetzt noch mit dein Scheine des Rechts umhüllt. Damit wird aber endlich auch das Vertrauen wieder in die Paläste, wie in das Haus des Bürgers einkehren, der öffentliche Crcdit, Handel und Industrie auf'ö Neue erstarken, dann wird erst ein Band der Liebe und Eintracht sich um alle Glieder des Vaterlandes schlingen, vor Aller Augen die Zukunft zu einer helleren Aussicht sich gestalten können. Wohl ist eine herrliche, sehr empfehlenswerthe 400 Sache, die Errichtung einer deutschen Kriegsflotte, aber das hungernde Volk bedarf einer größeren Rücksicht, und da ein lauter Hülferuf für dasselbe nicht durch eine dazu berufene Wachterschaar von einer höheren Warte des Vaterlandes erging, wie man längst gewünscht und gehofft, so sendet ein Einzelner ihn endlich selbst hinaus in Deutschland's Gauen. Möchte er nicht wie die Stimme eines Predigers in der Wüste verhallen, möchte Gott ihm Kraft verleihen , möchten begeisterte Herzen, beredte Lippen ihn weitertragen, möchte tausendfach sein Echo wiedertönen in dem lärmenden Gewühl der Märkte, wie in den Räumen der Gotteshäuser; möchte groß und segensreich seine Wirkung seyn! Als Hamburg von verzehrendeit Flammen heim- gesucht worden war, steuerte man Millionen zusammen!, und herrlicher stieg die alte Reichsstadt ans ihrer Asche empor. Sollte man jetzt geizen, wo ein Funke, ein Windstoß hinreicht, um gährende Massen zu einem unauslöschlichen, allverheerenden Brande anzufachen? Der dringendsten Roth zu steuern, welche nach der letzten Umwälzung in Frankreich sich einstellte, wetteiferten alle Stände der französischen Nation in Darbringnng patriotischer Gaben. Für Volksbewaffnung wurden unlängst in Rom Geschmeide, Silbergeschirre, geweihte Medaillen, Rosenkränze dargebracht ; und von den Franzosen, von römischen Frauen und Mönchen sollten Deutschlands Söhne und Töchter sich beschämen lassen, wenn es das er- habeudste Werk der Bruder - und Vaterlandsliebe, wenn es die allgemeine Rettung gilt? Ueberschauen wir nur das Brandübel, welches die Bande der Gesellschaft zerfrißt, in seiner ganzen Ausdehnung und erwägen wir das entsprechende Maß der Mittel, welche vorerst gegen dasselbe aufgeboten werden müssen. Eigenthum, Leben, Freiheit jedes Einzelnen sind, gefährdet und ihre Erhaltung ist um keinen Preis zu theuer. Wer in den Tagen der Vergangenheit viele Tausende gewann, der wird doch um etliche nicht knickern wollen, wenn Alles auf dem Spiele steht. Aber auch der wenig Besitzende muß das Aeußerste, was er unter den jetzigen mehr oder weniger für Alle drückenden Zeitverhältnissen vermag, auf dem Altäre des Vaterlandes zum Opfer bringen. — „Einer für Alle, Alle für Einen!" muß unsere Losung seyn. — Wer Ohren hat zu hören, der höre! Zwar ist es aus einem alten großen Kapitel nur eine einzelne Seite, die hier ausgeschlagen liegt, aber sie ist entscheidend für die ganze Zukunft. Lasse man sie um des Himmels Willen nicht unbeachtet! Noch ein Blatt weiter im Schicksalsbuche und wir erblicken vielleicht mit Schaudern in Flammenzügen das allgefiirchtete Schreckenswort: Zu spät! Weder wohlhabend noch besoldet und am Beginne einer Laufbahn, auf der ich für meine eigne Existenz, kämpfen muß, will ich doch gern sogleich zum anregenden Worte die eigne That hinzufügen, und verpflichte mich selbst hierdurch zu einer vorläufigen Gabe von 30 fl. zu dem angegebenen Zwecke. — Weitere Gaben und Zeichnungen, die man recht sehr zu beschleunigen bittet, nimmt aus hiesiger Stadt und Umgebung einstweilen die Erped. des Darmstädter Wochenblattes an. Die Nedaetionen aller volksfreundlichen Blätter werden um Mittheiluug dieses Ausrufes und um thä- tige Beförderung seines Zweckes in ihren Kreisen ersucht. Darmstadt, am Vorabende d. 18. Mai 1848. Dr, Knispel. 1171. E r kl ä r u tt g. Die in der letzten Nummer des „jüngsten Tags" gegen mich von anonymer Seite her erhobenen Beschuldigungen erkläre ich hiermit für ein Gewebe schamloser Verlenmdungen, gegen die ich unverzüglich die nöthigen Schritte zur Einleitung einer Untersuchung gethan habe. Von dem Resultate dieser Untersuchung werde ich seiner Zeit das verehrliche Publikum in Kenntniß setzen. Heuchelheim am 5. Juni 1848. Reidel, Bürgermeister. 1185. Bekanntmachung. Der räuberische Zug einer verbrecherischen Bande von Gröningen gegen i)en Hof Ludwigshöhe (woran bev dortige Beigeordnete Friedrich Engel den größten Antheil nahm) schildert sich hinlänglich durch die Theilnehmer, als eine Rotte von Bösewichtern, die leider durch meine Abwesenheit den Ort ihres Verbrechens ungestraft verlassen haben. Nur der Geistesgegenwart und dem Muth meiner Frau verdanke ich das Leben der Meinigen und die Rettung meines Vermögens. Die gegen die, mit einer Trompete eingerückte, verbrecherische Bande eingeleitete gerichtliche Untersuchung, werde ich später veröffentlichen. Hof Ludwigshöhe im Mai 1848. Der Verwalter Barth. 1154. Versteigerung der Gememderechnerstelle zu Burkhardsfelden. Dienstag den 6. Juni d. I., Vormittags 9 Uhr, soll die Gemeiudercchnerstelle von Burkhardsfelden unter sehr vortheilhaften Bedingungen nochmals bei dem hiesigen Backhaus öffentlich versteigert werden. ' Burkhardsfelden den 3. Juni 1848. Mehrere Bürger. 401 Copia, 1174. Herr Pedell Fleischer! Auf die Aussage von Ihnen gegen Ihren Herrn Schwager R. kann ich nicht umhin, mich schriftlich an Sie zu wenden, als sonst mein Stillschweigen darüber: ich betreibe ehelichen Zwist und sonstigen Unfug — wie Sie mich beschuldigt haben — mich als einen Mensch bezeichnen müßte, der weder Religion noch Bildung genossen hätte. Ueberhaupt scheint es mir, daß Sie vielleicht zu so etwas fähig seyn könnten, woran ich aber noch nie gedacht habe; denn solche Ideen können nur aus einem ganz niedrigen, verworfenen Character auftauchen. Herr Fleischer! Ich erkläre Sie folglich hier- . mit so lange für einen falschen, verläumderischen Menschen, bis Sie mir Beweise liefern werden, und zwar gewissenhafte, wo nicht, so werde ich diesen verläumderischen Character öffentlich zu enthüllen wissen, indem mir mein Name und meine Ehre viel höher stehn und mir mehr werth sind, als daß ich dieselben von einem solchen characterlosen Subjekte verunglimpfen lassen sollte. Dies ist meiue Erklärung, worauf ich binnen 24 Stunden die Beweise besagter Beschuldigung verlange, sonst bin ich genöthigt, obiges Versprechen in Erfüllung zu bringen. Gießen den 1. Juni 1848. Theodor Bickhardt. Auf die Nichtbeantwortung vorstehenden Briefs hin, welchen ich Herrn Fleischer kürzlich zugesaudt habe, fühle ich mich genöthigt, den eben Genannten nochmals, und zwar öffentlich aufzufordern, seine Beweisgründe für die gegen mich verschmitzt geführten Beschuldigungen, binnen der oben erwähnten Frist von 24 Stunden, mir frei und offen genügend geltend zu machen; indem ich überzeugt bin, daß ein Mensch, ver die Fähigkeit besitzt, gegen seine Verwandten mit derartigen entehrenden, und auf unverkennbarer Bosheit beruhenden Acußerungen zu Felde zu ziehen, sich auch nicht scheuen wird, öffentlich aufzutretcn und im Angesicht seines Gegners sich zu vertheidigen; im entgegengesetzten Falle rechne ich es mir zur Pflicht, eine Erklärung gegen den genannten Verlänmder einem rechtdenkenden Publikum zu veröffentlichen. Theodor Bickhardt, Maschinenmeister. 1157. Aus dem 8. Wahlbezirke. Während über Deutschlands Zukunft in der konstituirenden Nationalversammlung getagt wird, richtet jeder Deutsche, dem des Vaterlandes Wohl am Herzen liegt, seine Blicke auf die Männer, welche das Vertrauen des Volkes nach Frankfurt entsendet, um durch eine stattliche Reform die Grundrechte des deutschen Volkes sicher zu stellen und mittelst Umgestaltung aller politischen und socialen Verhältnisse den Grundstein zu Deutschlands Einheit, Größe und Macht zu legen. Mit gerechten Erwartungen haben auch die Wahlmänner des achten Wahlbezirks den Mann ihres Vertrauens zur thatkrästigen Mitwirkung bei dem Formen und Bilden des Deutschlands künftige Geschicke bedingenden Baues gerufen und verbürgt dessen mit Umsicht und Ueberzengungstreue verbundene Redlichkeit, daß er die gehegte Erwartung erfüllen werde. Bereits hat dcr gesinnungstüchtige Abgeordnete des 8 Wahlbezirks durch einen Antrag auf Aufhebung der Majorate und Fideikomisse in Deutschland sein erspriesliches Wirken bethätigt, indem er, die Interessen der Landwirthschaft ins Auge fassend, bemüht ist, vom deutschen Grund und Boden einen Krebsschaden, welcher in der massenhaften Anhäufung von Grundbesitz in den Händen Einzelner zu erkennen ist, für ewige Zeiten zu entfernen. Möge der Abgeordnete des 8 Wahlbezirks auf der betretenen Bahn fortwirken, und in dem freudigen Bewußtsein, für Wahrheit, Recht und Freiheit gestrebt zu haben, seinen schönsten Lohn finden! Schließlich wird noch bemerkt, daß der Abgeordnete des 8 Wahlaezirkö zur Unterscheidung von zwei andern Deputirten gleichen Namens in der Nationalversammlung als Hofmann von Darmstadt bezeichnet wird und eine Verwechselung und Irrung umsomehr zu vermeiden sein dürfte, als einem andern Hofmann, dem bekannten Führer der Pietistenparlhei in Würtenberg, der Aufenthalt an des Maines Strande dem Vernehmen nach schon hin und wieder durch Dissonanzen und Disharmonien verschiedener Art verleidet worden. (Fortsetz, des Art. in der vorigen Nummer, überschrieben: Lich im Mai 1848.) Auch in unserem Städtchen sehen wir gegenwärtig einen Beschluß des Ortsvorstandes zur Reife gedeihen, über dessen Zweckmäßigkeit man wohl mit Recht die größten Zweifel erheben sollte. Als im Jahr 1846 der hiesige Ortsvorstand beschloß, ein neues Rath- und Schulhaus unter einem Dach erbauen zu lassen, war ein großer Theil desselben der löblichen Ansicht, daß man, weil es der hiesigen Stadt nicht an Mitteln fehle, nicht blos ein dem Zweck nothdürstig entsprechendes Gebäude herrichte, sondern ein solches, das neben einer zweckmäßigen inneren Einrichtung, auch ein Aeußeres besäße, das unserer Stadt auf ewige Zeiten hin zur Z'Ä^e ge- reiche. Demgemäß wurde ein Plan unseres hiesigen Fürstl. Solms. Bauinspeetors für ungenügend besun- 402 den und ein solcher, den die Gr. Oberbaudirection zur Genehmigung empfahl, angenommen, worauf das Bauwesen alsbald unter technischer Leitung der Gr. Baubehörde begann. — (Dieser genehmigte Plan ist weder, wie der Einsender des kühnen Artikels in Nr. 15 der Sprechhalle meint, „eine kleine, aber verwegene Nachbildung des „Stadthauses zu Amsterdam" noch wird das Rath- und Schulhaus „circa 80,000 fl," kosten, er ist vielmehr in edlem bizantpnischem Style gehalten und seine Ausführung wird die dafür veranschlagte Summe von circa 39,000 fl. kaum erfordern, da beiden jetzt bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über die Verantwortlichkeit der Gr. Baubeamten, die im Falle einer leichtsiniiigen Ueber- schreitung des Voranschlages vor Gericht gestellt werden können, der Voranschlag gewiß nicht überschritten werden wird.) — Als nun in Folge der Zeitereignisse im März dieses Jahres man sich auch hier, wie ja in allen standesherrlichen Bezirken, zur Geltendmachung verschiedener Rechte und Forderungen versammelte, gelang es einer gewissen Partei, — die wir nicht näher zu bezeichnen brauchen, da man ss- la hier zur Genüge kennt, und deren Mitglieder größtentheils dabei illlkkessirt waren, den Unwillen der Bevölkerung besonders nur auf Anordnungen des Ortsvorstandes hinzulenken, — es als einer allgemeinen Wunsck der Licher Einwohner vorzustcllen, daß der Rathhausbau von dem Fürst!. Solms. Bau- inspecior ausgeführt werde. Der Letztere mußte (,) die hierdurch entstehende Ersparniß der Aufsichtskosten berechnen und da die so gefundene Ersparniß natürlich sehr bedeutend war, so würde es thörigl geschienen, wenn man gegen das Eintretenlassen derselben damals geeifert hätte. Doch wir wollen jetzt einmal die Sache näher untersuchen. Es ist anzunehmen, daß bei der Bedeutendheit des fraglichen Schul- und Rathhausbaues unsere Regierung wenigstens die Hand über die ganze Auöiührung durch den Gr. Kreisbaumeister halten läßt, nur Herr M. den Bau leitet; es werden also auch für die Zukunft Diäten des Gr. ■ Kreisbaumcisters entstehen. Weiter ist zu berücksichtigen: 1) daß die größten Kosten für Aufsicht, welche durch Anfertigung der Pläne und Nebenrechnung der Maurer- und Steinhauerarbeit entstehen, zum Theil schon bezahlt sind, zum Theil mit Ende dieses Jahres aufhören (die alsdann noch entstehenden Aufsichtskosten sind sehr gering, da die übrigen Arbeiten nicht beständig überwacht werden müssen); 2) daß die Aufsichtskosten, welche für die voll- kommnere Leitung eines Baues bezahlt werden, selbst wenn sie etwas theuerer, doch eigentlich weit billiger sind, als die geringsten Kosten, die für eine unvollkommene Leitung ausgegeben werden. Bei einer solchen unvollständigen Leitung und Aufsicht geht nämlich noch viel mehr als das an den Aufsichtskosten Ersparte an allen Ecken der Erde des Bauwesens durch die schlechtere Arbeit zu Grunde; 3) daß die Leitung und Beaufsichtigung des Baues in der Person des Fürstl. Bauinspectors M. und der des Wegaussehers Förster immer nur eine unvollkommene seyn und bleiben kann, was man auf Verlangen auf das Leichteste beweisen kann; 4) daß der fragliche Rath- und Schulhausbau nicht blos nothdürftig genügen, sondern auch zur Zierde unserer Stadt dienen soll, weßhalb es gerade darauf ankommt, daß die Leitung und Beaufsichtigung des Neubaues möglichst vollkommen sey. Mit Vorstehendem glaubt Einsender dieses zur Genüge dargethan zu haben, daß es durchaus nicht im Interesse des Rathhausbaues und also auch nicht in dem der Stadt Lich liegt, wenn durch Aenderung der Aussicht in der beabsichtigten Weise Ersparnisse (?!) eingeführt werden sollten. Auch die bei dem Bau beschäftigten Handwerker mögen sich keine falsche Vorstellungen von den Vortheilen machen, welche durch eine solche Aufsichtsänderung für sie etwa entstehen könnten und nur bedenken, daß die Urtheile, die ein Meister sich durch Pfuscherei erwerben kann, immer nur eingebildet sind. Möchten sich die Bürger unseres Städtchens an denen von Laubach ein Beispiel nehmen, welche recht gut das Nachtheilige einer unvollkommenen Aufsicht, auch selbst bei unbedeutenderen Gemeindcbauten zu erkennen die Gelegenheit gehabt haben, damit nicht wieder einmal der Fall eintrcte, daß die Licher (ob zum Erstenmale bei Neubauten?) durch Schaden klug gemacht werden müssen *). Brrchstaben-Räthsel. Der Mensch, für welchen man 12 3 4 bestellt, Der hat sein Thun vollbracht in dieser Welt, Weh ihm! wer dieses Thun wie 2 3 4; Viel besser wär' es dann, er bliebe hier. — Des Himmels Gnade sey für ihn erfleht, Wenn 4 3 2 und 1 den Ort umweht, In dessen Tiefe 1 2 3 4 steht. Friedrich Fischer. *) Der entgegengesetzten Meinung steht ebenfalls unser Blatt offen; doch bitten wir um Kürze. Wenn sich der Stoff häuft, müssen wir Artikel, wie dieser ist, zusamwenschmelzen. D. Red. Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Sieindruckerei. Sprechhalle für j eit gemäße Mitth eilungen. (Beiblatt.) So oft Stoff vorhmidcn ist, erscheint dieses Blatt als Beiblatt zum hiesigen Anzeigeblatt und wird dlesem alsdann augedruckt oder auch besonders gratis b-iqeqcben. Es werden darin ausgenommen. Anfragen, - Rechtfertigungen, - Vcrtheidtgungcn, — Rügen -c. Die Jnseratge- bührcn hiervon werden ohne Ausnahme per Zeile in gewöhnlicher Schrift Mit 2 kr, berechnet. Replik auf die Widerlegung in 4. der Hess. V. Z. Die Worte der Aufklärung in JV6.. 16. der Sprechballe werden von dem Advokaten Crebner s Verdächtigungen rc. genannt; während sie doch nichts seyn sollten, als Aufklärungen über die wahrscheinlichen Ursachen von den, in .A8 14. erwähnten großen Aufregungen dahier. Der vaterländische 2C. Verein und Credner hätten es mir Dank wissen sollen, wie mir eine große Menge der hiesigen Einwohner jetzt danket, daß ich die Sache von einer andern Seite beleuchtet habe; es ist dadurch ja Veranlassung gegeben worden, etwaige falsche Gerüchte endlich aufzuhellen. Auf Dank habe ich zwar nicht gerechnet; aber daß mein gut gemeinter Artikel mit so heftigen Schimpfworten belegt werden würde, habe ich von der ruhigen con- stitutionellen Entwicklung, auch nicht erwartet. Ein kleiner Jrrthum im Datum, oder in der Person, wird gleich eine Lüge, die unschuldige Anführung eines Gerüchts, wird eine perfide Verläumdung genannt! Wozu der allzu große Eifer, wozu das maaßlose Schimpfen? Mit Schimpfen und Toben wird kein Prozeß gewonnen, mit Schimpfen und Toben wird das Publikum nicht überzeugt! Der Verfasser der Aufklärungen hat Niemand verläumdet, er hat nur Gerüchte angeführt und bei den, selbst von Herrn Dr. Eckstein anerkannten Thatsachen hat cr sich nur im Datum geirrt. Das Publikum wird über die Berichtungen, welche es durch Hrn. Dr. Eckstein nunmehr bekommen hat, sich mit mir beruhigt und befriedigt halten, und dieses würde Hr. Dr. Eckstein ohne Schimpfen ebenfalls erreicht haben, wenn es ihm darum zu thun gewesen wäre, lieber einige Punkte ist man jedoch noch nicht ganz klar geworden, ich erlaube mir deshalb die Fragen: wenn Credner die Anrede an die Wahlmänner deö 6. Wahlbezirks nicht selbst entworfen und nicht selbst verbreitet hat, ob er sie auch nicht ausgearbeitet hat? Ob er nicht selbst den Druck überwacht und die gedruckte Anrede nachher nicht hat verbreiten lassen? Ich frage ferner: ob, wenn in dieser Anrede nicht die von mir augedeuteten Worte über die Gießer Wahlmänner gestanden haben, auch nicht der Sinn davon darin gewesen ist? Daß Sie Hrn. Dr. Credner hinter den Vorsitzer des vaterländischen 2c. Vereins verschanzen wollen, das gilt nicht, in einem constitutionellen Staate ist die Person des Ministers für alle seine Handlungen verantwortlich, folglich muß es auch der Vorsitzer des vaterländischen 2c. Vereins seyn! Es ist dieses jedoch nur individuelle Ansicht und mag ich darüber nicht weiter mit einem Juristen streiten. Schließlich will ich mir noch erlauben zu erklären, daß die Aufklärungen in Nr. 16 der Sprechhalle ebenso wenig Schmähungen seyn, als daß sie einen Bruch der Freundschaft zwischen Ihnen Hr. Dr. und Credner verursachen, noch daß sie dem vaterländischen 2c. Verein irgend ein Mitglied entziehen sollten, denn geschmäht ist Niemand; auf Ihre Freundschaft mit Credner bin ich nicht eifersüchtig und von den Mitgliedern des vaterländischen re. Vereins wüßte ich in keinerlei Weise einen Gebrauch zu machen. Nach dieser Erklärimg werben wohl ihre harten Ausdrücke auf der Widerlegung allein hängen bleiben müssen. Ihnen Hr. Dr. will ich indessen nicht anrechnen, was der Advokat und Freund Credner's gesagt hat, auch versichere ich Sie, daß ich Sie nicht für den Verfasser der Friedensworte gehalten habe, und auch mich auf keinen Druckfehler in meinen politischen Meinungen je berufen werde. Sie sind ein viel zu intelligenter Advokat, als daß Sie Worte des Friedens äußern sollten, wenn noch Hoffnung da ist, den Prozeß zu gewinnen, und unser politischer Prozeß ist noch keineswegs der Entscheidung nahe. Es empfiehlt sich übrigens Ihrer ferneren Gewogenheit, der Anonymus von Nr. 16 der Sprechhalle. Gießen den 4. Juni 1848. 1215. Langgöns. Gegenerklärung aus die sogenannte Erwiderung des Gemeinderechners A. Henrich, vom 26. v. M. Die Erfahrung lehrt es, daß Pillen oft nicht sehr wohlschmeckend sind, gleichwohl aber auf den ganzen 420 Organismus, insbesondere bei Unterleibsbeschwerden häufig sehr wohlthätige Wirkungen äußern. Der Arzt ordinirt auch oft in betreffenden Krankheitsfällen: repetatur mixtura, bene efficit — d. h. man wiederhole das Rezept, die Wirkung ist gut. Wie ein elektrischer Zauberschlag scheint der Zuruf an unsere Mitbürger zu Langgöns vom 12. v. M. in Bezug auf den Gemeinderechner Henrich eine Pillennatur in sich geführt und eine derartige, sehr ersprießliche Wirkung nach sich gezogen zu haben. Derselbe scheint wirklich an Bauchgrimm und eigentlichen Unterleibsbeschwerden zn laborircn. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, daß er radiealiter möge geheilt werden. Fehlt etwa noch ein stärkeres Brechpulver oder eine sonstige Laranz, so werden wir aus Gründen der Humanität die geeignete Sorge dafür tragen. — Es ist wirklich der unverantwortlich schon jahrelang nachgeschleifte Rezeß vor ganz Kurzem th eil weise getilgt worden; von wem? wissen wir zur Zeit noch nicht; ob von dem Erbürgermeister Fresenius, oder von dem gleichfalls Gemeinderechner gewesenen Water des jetzigen, oder von diesem selbst? Letzterer ist übrigens, wie ihr, Mitbürger! alle zur Genüge wißt, ein gewaltiger Nimrod, und es wäre seiner Lieblingsneigung, dem Jägdeln, etwas Mäßigung zu empfehlen; es wäre sehr zu wünschen, daß er unfern armen Brüdern an jedem Werktage ihre Zahlschuldigkeiten abnähme und nicht bestimmte Zahltage einhielte, denn er hat nicht so sehr viel zu thun, daß ihn seine Gemeindeeinnehmerei diese Zahltage einzuhalten nöthigte. Doch, er hat sich als ein Ehrenmann hingestellt und Gefälligkeiten zu üben versprochen. Zur Zeit können wir davon, jedoch leider! noch keine rühmen. Wie wenig er übrigens sich das Wohl der Gemeinde zum Ziele gesteckt hat, davon zeugt der fragliche Rezeß mehr wie zur Genüge, welcher seinem eigenen Geständnisse zufolge, schon jahrelang nachgeschleift worden und bis jetzt immer noch nicht gänzlich getilgt ist. Mag derselbe nun herrühren, von wem er wolle, er durste in keinem Falle jahrelang nachgeschleift werden. Da indessen der Rest desselben nach der Erwiderung des -Rechners jetzt getilgt werden soll, so erwartet die Gemeinde diese Verwirklichung unverzüglich. Ist aber das Ergehen des Rechners bei seinem Jägdeln zur Hebung allenfallsiger Unterleibsbeschwerden nicht genügend, so müssen die Vertrauensmänner von Langgöns, die übrigens nicht den Vorwurf ungehörigen Verhaltens auf sich laten wollen, mit energischer Thatkraft darauf Bedacht nehmen, dem Herrn Rechner die geeigneten Purgir- und Larirmittel zuzuführen. Also wohlan, Herr Rechner! rasch zur Tilgung des Rezesses geschritten! — Zum Schluffe diene »och als Entgegnung, daß ich, Joh. Velten VIII., als ein ganz schlichter Bauersmann, an die Vürgermeister-Candidatur gar nicht denke. Das, was ich gethan, habe ich ganz rücksichts- und anspruchslos aus innerer Ueberzeugung gethan. Nur Wahrheit und Recht sind die Zielscheiben meines Wirkens. Auch der 11 anderen Ortsbürger Denk- und Handlungsweise ist die nämliche. Prahlen ist unsere Sache nicht. — Uebrigens zeugen viele Gedankenstriche, wie sie in der jenseitigen Erwiederung vorkommen, von Gedankenl e e r e. Langgöns am 9. Juni 1848. Johannes Velten VIII. für sich und Namens der anderen bekannten 11 Ortsbürger. 1153. (Aus dem „Frankfurter Journal" No. 139.) Frankfurt, im Mai 1848. Die gegenwärtigen Zeitverhältnisie, die jeden Erwerb so sehr erschweren, ja das bereits Erworbene in vielen Hinsichten entwerthet und vermindert haben, müssen den Familienvater, dem das Wohl der Sei- nigen am Herzen liegt, mit Sorge für die Zukunft seiner Angehörigen erfüllen. — Es muß für den Geschäftsmann, für den Fabrikbesitzer, den Gewerb- treibenken, den Handwerker, für Jeden, der von dem Ertrage seiner Arbeit und Industrie lebt und plötzlich die Quelle seines Erwerbs in Folge der stattfindenden Krisis versiegen sieht, der Gedanke, daß er den Semigen in einem solchen Moment durch den Tov entrissen werden könne, ein peinlicher, nieder- drückenver sepn, und gewiß wird Jeder auf Mittel sinnen, dem Kummer und den Verlegenheiten, welche ein solches Ereigniß den Hinterlassenen bereiten würde, vorzubeugen. Nichts ist wohl geeigneter, diesen Zweck zu erfüllen, als die Lebensversicherung. — Durch Aufopferung einer verhältnißmäßig kleinen Summe ist Jedermann in den Stand gesetzt, den Seinigen ein Capital oder eine Rente zu sichern und sie dadurch vor Sorgen und Roth zu schützen. — Die Frankfurter Lebens-Versicherungs-Gesellschaft empfiehlt sich sowohl durch die Billigkeit ihrer Prämien, wie durch ihr großes Sicherheits-Capital, und endlich dadurch, daß sie die auf Lebenszeit Versicherten am Gewinne der Gesellschaft betheiligt, zur ganz besonderen Berücksichtigung für Diejenigen, die solche Versicherungen abzuschließen beabsichtigen. Wir glauben überhaupt, daß in den jetzigen düsteren Zeiten die Lebenoversicherungsanstalten mehr als je berufen sind, den hohen praktischen und moralischen Nutzen ihrer Wirksamkeit zu bethätigen, und fühlen uns deshalb 421 verpflichtet, die Aufmerksamkeit des Publikums auf diese gemeinnützigen Institute hinzulenken. 1216) Gießen. Aus der Erwiederung des Herrn Fleischer wird das Publikum hinlänglich ersehen haben, daß er sich von den Beschuldigungen nicht reinigen kann, sondern zu allen Dem stillschweigen will. Ich will's nicht, sondern auf dem Wege Rechtens gegen ihn verfahren, so sehr es mich auch anekelt, gegen Jemanden Etwas zu unternehmen, der die Niederträchtigkeit besitzt, das Feuer der Zwietracht unter Verwandten anzufachen und sich dann mit heißen Fingern zurückzuziehen. — Th. Bickbardt. 1208) E ch z c l l. Anzeige für Auswanderer. Wir wiederholen hierdurch die Anzeige, daß wir fortwährend regelmäßig am 1. und 15. eines jeden Monats große, geräumige Schiffe nach New-York und Baltimore abfertigen und nehmen wir dafür Passagiere zu den möglichst niedrigsten Ueberfahrtspreisen an. , . 3» E ch z e l l sind die Herren G eb r. Schwarz von uns bevollmächtigt bündige llebersahrts-Con- tracte abzuschließen und können sich Auswanderer daher mit vollem Vertrauen an dieselben wenden. Bremen im Juni 1848. I. I. Wichelhausen u. Comp. In Beziehung auf obige Anzeige bringen wir zur Kenntniß eines geehrten Publikums, daß unser bequem eingerichteter Wagen unter unserer Begleitung spätestens bis zum 20. d. M. wieder mit Auswanderern nach Bremen abgeht und bitten wir Anmeldungen zum Mitfahren uns bei Zeiten zugeheu zu lassen. Aufträge für Thran, Reis, Kaffee, Südfrüchte, Häringe, franz. Weine, Cigarren u. s. w. werden wir gern gegen Vergütung billiger Fracht auf's Prompteste besorgen. Echzell den 5. Juni 184.8. Die Agenten Gebr. Schwarz. Wie sieben Todsünden. I. A b t h c i l u n g. Die Herzogin (Fortsetzung.) 2. Olivier Raimund, ein junger Mann von höchstens vierundzwanzig Jahren, hatte eine anziehende, ausdrucksvolle Physiognomie; seine kurze Husarenjacke von weißem Tuche (aus welchem sich das rothe Band gut ausnahm) mit Borten von goldgelber Wolle verziert, seine hellblauen Hosen hoben seinen geschmeidigen, zärtlichen und schlanken Wuchs auf vortheilhafte Weise hervor, während seine kleine, gleichfalls hellblaue Husarenmütze, schief auf sein kurzes, gleich Schnurr- und Knebelbart hellbraunes Haar gesetzt, seiner Person vollends ein kokett militärisches Aussehen gab; nur hatte Olivier an diesem Tage statt eines Säbels einen großen Pack Papiere unter dem linken Arme, und in der rechten Hand trug er einen gewaltigen Bund Federn. Der junge Unteroffizier legte diese friedlichen Dinge auf einen Tisch, und rief fröhlich: — „Guten Tag, Mama Barbanson." Nachdem derselbe der alten Haushälterin aus bald zu errathendem Grunde einige Schmeicheleien gemacht, begab er sich zu dem Oheim nach der Sommerlaube im Garten. Jetzt folgte ein possirlicher Austritt, worin der Neffe den Oheim zu bestimmen suchte, der Alten anzukündigen, daß er einen Freund, einen Kriegskameraden zum Essen geladen habe. Aber der Oheim sckeute sich nicht minder als der Neffe vor der üblen Laune der Alten, besonders als der Neffe sagte, sein Gast sey ein Herzog. „Mein Oheim," sagte der junge Soldat entschlossen, als Madame Barbanson während dieser Verhandlung am Eingänge der Gartenlaube erschien, „jeder Rückzug ist uns abgeschnitten . . . mein Eingeladencr kommt spätestens in einer Stunde . . . wir müssen siegen oder sterben . . . vor Hunger . . . wir und mein Eingeladener, dessen Name ich Ihnen wenigstens sagen muß: es ist der Herzog von Senneterre." Da der Oheim indeß nicht zu bewegen war, dem Grimm seiner Haushälterin zu trotzen, so mußte der junge Husar sich dazu bequemen, wobei er aber wohlweislich den hohen Rang seines Gastes verschwieg, doch lief die Sache über Erwarten gut ab. „Jesus! mein Gott!" rief die Haushälterin mehr erschrocken als erzürnt, und erhob die Augen zum Himmel; „ein Gast . . . und heute ist der Tag nicht, an dem wir frische Speisen haben . . . wir haben nur eine Zwiebelstippe, das übrige Rindfleisch von gestern mit saurer Sauce und einen Salat." 422 „Nun! was wollen Sie denn mehr, Mama Bar- banson?" sagte Olioier freudig, denn er hatte sich die Haushälterin weit widerspänstiger gedacht. „Eine Zwie- helsuppe von Ihnen verfertigt . . . eine saure Sauce und ein Salat von Ihnen zubereitet . . . das ist ja ein Göttermahl, und mein Camerad Gerald wird sich gütlich thun wie ein König." „Warum haben Sie nicht den Tag gewählt, wo frisch gekocht wird! das war Ihnen ja so leicht, Herr Olivier!" „Das Unglück ist geschehen, Mama Barbanson . . . Alles, warum ich Sie bitte, ist, mich nicht vor einem alten Kiegskameraden aus Afrika zu beschimpfen." „Jesus! . . . mein Gott! können Sie das fürchten, Herr Olivier? Sie beschimpfen ... ich? ganz im Gegentheil, denn ich hätte gewünscht, daß . ." „Es wird spät," sagte Olivier, indem er diese Klage unterbrach, „mein Freund wird mit einem Soldaten- hunger ankommen ... Ah! Mama Barbanson, haben Sie Mitleiden mit uns!" „Ei, es ist wahr . . ." sagte die Haushälterin, „ich habe keinen Augenblick zu verlieren." Und die wackere Frau entfernte sich eilig, indem sie mit Schmerz wiederbolte; „Daß er nicht den Tag gewählt hat, wo frisch gekocht wird!" „Ah! . . . sagte der Veteran," als die Haushälterin sich entfernt hatte, „ich athme wieder frisch auf Nun! sie hat eS besser ausgenommen, als ich vermuthete . . . Du hast sie wohl behext . . . Aber nun ist an uns Beiden die Reihe, mein Herr Neffe! Du konntest cs mich nicht vorher wissen lassen, damit Dein Freund wenigstens ein leidliches Mittagessen gefunden hätte? Du ladest ihn so Knall und Fall? und es ist noch dazu ein Herzog . . . Aber sage mir ... wie Teufel hast Du bei afrikanischen Jägern einen Herzog zum Kameraden gehabt?" „Da haben Sie die Geschichte in zwei Worten, mein Oheim; ich erzähle sie Ihnen, weil Sie meinen Freund Gerald sogleich lieb gewinnen werden, denn es gibt nicht Viele von dieser Art und diesem Schlage . .. ich versichere Sie . . . Er und ich, wir waren Schulkameraden int Collegium Louis-le-Grand. Ich reise ab nach Afrika . . . sechs Monate daraus, wen sehe ich im Quartier ankommen? (wir lagen damals in Oran) meinen Freund Geralv in Kamisol und Reithosen." „Als gemeiner Reiter? ein so vornehmer und ohne Zweifel reicher Herr, und er ist nicht in die Militärschule zu St. Ehr eingetreten?" „Nein, mein Oheim." „So war es denn eine Laune, ein unbesonnener Streich?" „Nein, mein Oheim," sagte Olivier mit ergriffenem Tone, „das Benehmen Gcrald's war im Gegentheil vollkommen überlegt; er ist in der That ein sehr vornehmer Herr von Geburt, weil er, wie ich gesagt, der Herzog von Senneterre ist." „Ja, man sieht diesen Namen oft in der Geschichte Frankreich«," erwiederte der alte Seemann. „Der Adel der Familie von Senneterre ist eben nicht blos alt, sondern auch berühmt, mein Obeim; übrigens hat Geralds Familie den größten Theil des ungeheuren Vermögens, das ne ehemals besaß, verloren; es bleiben ihr, glaube ich, etwa vierzigtausend Franken Renten . . . Das ist viel für unser eins; aber es ist wenig, so sagt man, für Personen von hoher Geburt, und überdies hat Gerald zwei Schwestern auszusteuern." „Aber, sage mir doch, wie und warum Dein junger Herzog Soldat geworden ist?" „Zuerst, mein Oheim, müssen Sie wissen, daß dieser wackre Junge sehr originell, sehr geistreich ist, und seine eigenen Ansichten hat. So, als Gerald bei seinem Austritte aus dem Collegium das Alter hatte, um in die Rekruttrung zu fallen, sagte ihm sein Vater (er lebte damals noch) ganz natürlicher Weise, er Wollin eine Cinsteherkasse Geld einlegen, um ihn aus alle Fälle von dem Militärdienste zu befreien. Wissen Sie, was dieser sonderbare Junge antwortete?" „Nun, laß hören." (Fortsetzung folgt.) Landwirthschaftliches Wirkung des Salzes aus die Vegetation. Becquerel hat neue Versuche über die Wirkling des Salzes auf die Vegetation angestellt und dabei eine Methode angewendet, welche die diesen Gegenstand betreffenden Widersprüche zu heben im Stande seyn wird. Er beobachtete die Wirkung und den Einfluß des Salzes während des Keimens, des Wachslhums, der Bluthe, der Fruchtentwlckelung bis zum Absterben der Pflanze. Weil in diesen Perioden sehr verschiedene physiologische Bedingungen bbwalten, so war es sehr richtig, für jeden dersel- oen besonders den Einfluß eines Organö zu studtren, das den verschiedenen Perioden gemäß eine sehr ver- schiedene Wirksamkeit äußern könne. Die Schlußfolgerung Beequerel's über die beiden ersten Vegetationsperioden sind folgende: 1) Das Salz in seiner Auflösung beeinträchtigt im Allgemeinen das Keimen. 2) Wenn die Keimung geschehen ist, so kann man den jungen Pflanzen das Salz selbst in starker Gabe zukommen lassen, ohne fürchten zu müssen, auf die Gewebe nacktheilig einzuwirken und die Thätigkeit der Vegetation zu stören; das Salz begünstigt dann dieselbe. 3) Es ist zweckmäßig, bei der Eultur der Cerealien das Salz gegen den Monat März hin anzuwenden, ehe die Vegetation sich mit Macht regt. Die auszustreuende Menge hängt von den Gewächsen ab, welche man anbaut. Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.