iAnzeigeblatt für die Stadt und den Kreis Gießen. JVö. M. Mittwoch den 28. April 18317* Edictalladungen. 7i5) Der Einwohner Conrad Dickert und dessen Ehefrau- geborne Wagner von Wehrda, haben am 18. April 1808 dem Tribunals-Procu- rator Schlarbaum zu Marburg für ein Darlehn von Achtzig Gulden Fr. Währ., verzinsbar mit fünf Procent, folgende ihnen eigenthümlich zu- stehende, in der Wehrdaer Gemarkung gelegene 1) Acker 5% Rth. Erbland im Bingen, an Jacob Schefer und Jacob Wagner, 2) '/.Acker 6/, Rth. Erbland daselbst, an Ja- cob Wormsbächer und Johannes Kock, 3) Acker ß‘/2 Rth. Erbland noch daselbst, an Johannes Dittmar und Johannes Reezncr, 4) 31/, Rth. im Gemeindsländchen am Sand, an Nicolaus Wormbächer und Jac. Weber speciell verpfändet. Das Capital nebst rückständigen Zinsen ist laut der am 15. März 1838 von der Witlwe des aenannten Tribunal-Procurator Schlarbaum in ihrer Eigenschaft als Vormünderin ihrer Kinder ausgestellten, gerichtlich beglaubigten und dahier producirtcn Quittung ausbezahlt worden, die Original-Ausfertigung der Obligation aber abhanden gekommen. Heinrich Trier und dessen Ehefrau Gertraud geborne Dickert von Webrda, welche durch Kauf Eigenthümer der gedachten Grundstücke geworden sind, — haben, gestützt auf die angegebenen Thatsachen, um Mortification gebeten. Jbrem Anträge gemäß werden etwaige unbekannte Besitzer der abhanden gekommenen Obligation hiermit öffentlich aufgcfordert, solche binnen drei Monaten von heute an, so gewiß hier vorzulegen, und ihre Rechte daran geltend zu machen, als solche sonst für erloschen erklärt und die Einträge in den Hy- pothekenbüchern des unterzeichneten Gerichts gelöscht werden sollen. Marburg am 31. März 1847. Kurfürstlich Hessisches Landgericht. Hille. vdl. Schmidt. 528) Zur Abwendung des Concurses über den erblosen Nachlaß der Wittwe des Stadtförsters Peter Löber, Anna Martha, geb. Schanz dahier, wird Termin auf deu 29. April d. I., Morgens 9 Uhr, angesetzt, in welchem etwaige Gläubiger ihre Forderungen anzumelden haben, widrigenfalls dieselben als den Beschlüssen der Mehrheit beitretend angesehen werden. Felsberg am 17. Mär; 1847. Kurf. Hess. Justizamt. Pfeiffe r. vdt. Gehren. Versteigerungen. 782) Die zu dem Nachlasse der Frau Steuer# secretär Balser dahier gehörigen Mobilien, als: Silber, Zinn, Porzellan, Weißzeug, Betten, Möbel u. s. w., sodann zwei Schuldverschreibungen der Stadt Gießen von je 500 st. sollen Mittwoch den 28. d. M., und die folgenden Tage, Nachmittags 2 Uhr, und Flur XXVII. 36 203. 220 Klftr. Garten am langen Steeg und Sandkauter Weg Samstag den 1. k. M , Nachmittags 2 Uhr, in der Wohnung der Verstorbenen, auf dem Neuenweg an den Meistbietenden öffentlich versteigert werden. Gießen am 24. April 1847. Im Auftrag Gr. Hofgerichts. F. Wörner, Hofgerichts-Secretär. 736) Holzversteigerung im Gießer Stadtwalde. Donnerstag den 29. April l. I., Vormittags 9 Uhr, sollen in dem hiesigen Stadtwalde, Distrikt Anna# berg, Hochwarte und Faulerboden: 230 219’4 Stecken Buchen-Scheidholz, 86 „ „ Prügelholz, 157 „ „ Stockholz, 6665 Wellen ,, Reisholz, 8% Stecken Eichen-Scheidholz, 97’/, „ „ Prügelholz, 60 „ „ Stockholz, 2210 Wellen „ Reisholz, 3 Stecken Kiefern-Scheidkolz, 43/4 >> „ Prügelholz, 2 „ „ Stockholz, 250 Wellen ,, Reisholz, 9% Stecken Fichten-Stockhokz, 450 Wellen „ Reisholz, 1. Stecken Erlen-Scheidholz, i tr tr Prügelholz, 1 rt r> Stockholz, 2 „ Weidcn-Scheidholz, 2 ft rt Prügelholz, 1 tr tr Stockholz, 110 Wellen Reisholz, 77 Eichen-Stämme, von 1138 Cbffß. 27 Buchen- „ „ 1078 rt 14 Kiefern- „ „ 235 rt 33 Fichten- „ „ 705 rt 154 Eichen Stangen „ 30672 tr 131 Buchen- „ „ 168 rr 4 Kiefern- „ „ 21 rt 53 Fichten- „ „ 209’4 „ 950 Stück Zuckererbsenreiser öffentlich versteigert werden. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. October 1847 gestattet. Die Ausammeiifuuft ist am Lumpenmanus- brunnen. Gießen am 21. April 1847. Der Bürgermeister. Z. d. V. Der Beigeordnete Rühl. 634) Arbeitsversteigerung. Die bei der Herstellung der Kirche zu Watzenborn vorkommenden Bauarbeiten, als: 268 fl. tr ft tf rt tr Dachdeckerarbeit, Schreinerarbeit, Schlosserarbeit, Glaserarbeit, 52 48 31 36 3) 4) 5) 6) 7) sollen 537 500 368 24 65 151 d- 2-, 33 fr. 14 ,, 1) Maurerarbeit, veranschlagt zu 2) Zimmerarbeit, ,, „ Vormittags 10 Uhr, auf dem Bureau des Gr. Bürgermeisters zu Watzenborn unter den alsdann bekannt gemacht werden- Weißbinderarbeit, Donnerstag den 29. April den Bedingungen an die Wenigstnehmenden öffentlich versteigert werden. Der Plan, Voranschlag und Steigbedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsscht offen. Gießen den 8. April 1847. Der Gr. Provinzialbaumeister der Provinz Oberhessen. Müller. 781) Main-Weser-Eisenbahn. Arbeits-Versteigerung. Montag den 3. Mai d. I., Vormittags um 9 Uhr, soll in dem Gasthaus zum Promcnadehaus dahier die Lieferung von 6 Paar Pumpen von Blech, zusammen veranschlagt zu 256 ff. 24 fr. unter den im Termin befannt zu machenden Bedingungen an den Wenigstfordernden in Accord gegeben werden. Gießen am 25. April 1847. Der Gr. Hess. SectionsJngenieur. L. Lindt. 773) Bauholzversteigerung. Dienstag den 4. Mai d. I., des Morgens 8 Uhr, sollen in dem hiesigen Gemeindewald, Distrift Eichwald : 1) 65 Stück Eichen-Baustämme, von 10—45' Länge, 20 — 48" Durchmesser, im Ganzen 7993 Cubiffuß enthaltend, 2) 91 Stück Kiefern-Baustämme, von 10—45' Länge, 5—17" Durchmesser, im Ganzen 1565 Cubiksuß enthaltend, 3) 10 Stecken auserlesenes Eichen-Scheidholz, welches sich zu Kiefer- und Glaserholz besonders eignet, unter den bei der Versteigerung befannt gemacht werdenden Bedingungen meistbietend versteigert werden. Der Versammlungsort ist in dem Eichwald. Staufenberg am 23. April 1847. Der Bürgermeister Fischer. 769) Mit der auf Donnerstag den 29. dieses, im Ebel'schen Kaffcehause an beraumten Büchcrver- steigerung. zum Nachlaß der Herren Geh. Med.-Räthe Balser und Milbrand gehörig, wird erst Montag den 3. Mai, Nachmittags 3 Uhr, in demselben Lofake der Anfang' gemacht. Kataloge sind noch zu erhalten bei Ehr. PH. Vogel. Gießen am 24. April 1847. 231 774) Lohrinde-Versteigerung. Freitag den 30. April d. M., Vormittags 10 Uhr, werden in der Behausung des Unterzeichneten, circa 60 bis 70 LL Lohrinde aus dem Gemeinde- Wald Bodenhard, öffentlich meistbietend versteigert. Pohlgöns am 16. April 1847. Der Bürgermeister Schopfs. 652) Donnerstag den 29. d. M., Vormittags 9 Uhr, soll in der Wohnung der Unterz,ichneten ein in gutem Zustande befindlicher Familienwagen, eine 4sitzige Cbaise, 2 Pferdegeschirre, ein Leiterwagen und ein 5sähriges Pferd gegen gleich baare Zahlung meistbietend verkauft werden. Marburg am 10. April 1847. Hermann Runkel's 1r Wittwe. Fe ilg eboten. 776) Schwerzer- und Limburger Käse, Spiritus, Nordhauser Fruchtbrandwein empfiehlt Z. G. Appel. 780) Guimpen, Franzen und sonstigen Posa- mcnterie-Besatz zu Kleidern und Mantillen in reicher Auswahl empfiehlt M. Heß. 777) Mein Lager von sehr abgelagerten Cigarren in allen Qualitäten, Rauchtabacke von allen Sorten und Varinas in wurmstichiger Waare bringe ich in empfehlende Erinnerung. Z. G. Appel. 779) Ausgesetzte Waaren. 50 l>ts 60 Mousselines de laine- Kleider, Jaconnets, Ginghams,Som- mer-Shawls, Orleans rc. zu bedeutend herabgesetzten Preisen empfiehlt M. Heß Lit. A. Nr.55. 778) Chocolade in den besten Qualitäten billigst, Stearin- und Wachs-Tafellichter, Thee, als Pecco-, Perlen- und Gunpowder- in Vg und */4 K Paüeten empfiehlt zur geneigten Abnahme Z. G. Appel. 764) Ein zweispännigcr Wagen mit eisernen Aren ist zu verkaufen. Wo? sagt d. Erped. d. Bltts. 755) Mein Wohnhaus bin ich willens aus freier Hand unter vorteilhaften Bedingungen zu verkaufen. Hierzu Lustbabende bitte ich, sich unmittelbar an mich zu wenden. Moritz Hering. 767) Eine Parthie schöne Fichtcn-Stangen sind zu verkaufen auf der Pulvermühle bei CH. Mayer. Zu vermiethen. 768) Zwei möblirte Stuben mit Kabinet sind zu vermiethen bei Christian Busch, im Darmstädter Haus. 771) Lit. C. M46. auf dem Seltersweg sind zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. Bei der Re- tion d. Bltts. das Nähere. 768) Ein Stübchen für eine einzelne Person ist zu vermiethen in Lit. D. AS 58. 765) Claviere von 6 Octaven sind zn vcr« miethen bei Margutb, an der Kirche. 783) Bei mir ist eine möblirte Stube mit Kabinet und Sopha zu vermiethen. L. Wagner, in der Flügelsgasse. 784) Ein möblirtes Zimmer mit der Aussicht auf den Brand ist zu vermiethen bei H. Hochstätter. 772) Ein Logis im oberen Stock meines Hauses bestehend in 3 Stuben, 2 Cabincttcn, Küche und sonstigen Bequemlichkeiten steht vom 15. Juli d. I. an, anderweit zu vermiethen bei D. Ebel, zum Caffcchaus. 770) Durch die Vermietbung eines Thcils meines großen Logis auf dem Seltersbergc bin ich in den Stand gesetzt ein Logis an eine kleinere Familie, bestehend aus 4 Piecen, Küche, Schwarzzeugkammer und sonstigen Räumen abzugeben; auf Verlangen wird auch ein Stück Garten verabfolgt. Keßler. 786) Eine möblirte Sube ist zu vermiethen bei Conrad Schneider in der Marktstraße 232 761) Eine möblirte Stube ist zu vermictben bki Bäcker Schäfer am Rachhaus. 687) Bei mir ist eine möblirte Stube mit Sopha und Cabinet zu vermietben. Wilhelm Rühl, Lvhnkutscher, wohnhaft in der Flügelsgasse. 739) Zwei Stuben, die eine mit großem Cabinet, sind möblirt zu vcrmiethen in Lit. A. Uf 189. 758) Zwei Claviere zu 6 Octaven stehen bei Cantor Schwabe zum Verleihen bereit. Auszuleihen. 743) In dem Kircheukasten zu Watzenborn lke- gen 116 ft. 30 kr zum Ausleihen bereit. Watzenborn den 20. April 1847. Der Kirchenrechner Schmehl. 632) 300 ft Curatelgeld sind in hiesige Stadt oder die Umgegend gegen gerichtliche Hypothek zu verleihen. Die Redaktion sagt bei wem. Vermischte Nachrichten. 775) Nheumatis mus-Ableit er. Von unseren nicht nur allein fast in ganz Europa, sondern auch bereits in den vereinigten Freistaaten von Nordamerika und in Merico rühmlichst bekannten, von der Berliner und mehreren anderen Sanitäts- Behörden, sowie von den englischen Chemikern Curfield und Ab b a t geprüften verbesserten Rheu- matismus-Ableitern ä Exemplar mit vollständiger Gebrauchs-Anweisung 10 Sqr., stärkere 15 Sgr. und ganz starke 1 Rthlr. , Gegen chronische und akute Rheumatismen, Gicht, Nervenleiden und Congestionen hält Herr I. G. Appel in Gießen stets Lager. Nachstehendes möge statt aller Anpreisungen als Beleg für die Gediegenheit unserer verbesserten Rheumatismus-Ableiterdienen. IVillt» ejULayei* Comp. in Breslau. A t t e st Prüfungen der neuesten Zeit ist cs Vorbehalten geblieben, den inneren Zusammenhang des menschlichen Organismus mit dem tcllcorischen deutlich zu erkennen und das Jnfluiren des letzteren auf den ersteren durch sinnlich wahrnehmbare Erscheinungen zu beweisen; besonders haben alle jene Stoffe, bohcm Grade Elcctricitä't oder Magnetismus besitzen, einen entschiedenen Einfluß a“f °as Wohlbefinden des Menschen, weßhalb man auch vielfach Electricität sowohl wie Magnetismus als Heilmittel versucht, ganz besonders aber gegen rheumatische Leiden und zwar mit dem günstigsten Erfolge. Da nun aber die Anwendung dieser beiden Agentien durch die bisher bekannten Maschinen und Apparate ost sehr beschwerlich und die Anschaffung derselben höchst kostbar ist, so hat man mehrfach versucht, Vorrichtungen zu treffen, welche durch die Einfachheit ihrer Construction minder kost- * „ durch die Zusammenstellung bestimmter Stoffe fortwährend im Stande sind, einer -/K rtnC'^ Unb dem Magnetismus verwandte Wirkung auszuüben, so haben auch die Herren JtStlhelm Maper 8? Coinp. Hierselbst nach langen und angestrengten Bemühungen einen s. g. Rheumatismus Ableiter konstruirt, der aus harzigen und metallischen Stoffen — den beiden Haupttragern von Electricität und Magnetismus — zusammengesetzt ist und daher wohl im Stande fein dürfte, wegen fortwährender Ausströmung jener eigentkümlichen Naturkräfte in den geeigneten Krankhelts'Fallen Rheumatismus und Rervenleiden, Linderung zu verschaffen. Mehrere Kranke welche einige Zeit jene Ablcüer getragen, versicherten mich mindestens, Minderung ihrer Leiden erlangt zu haben und raumen diesem Mittel schon nm deßhalb vor vielen anderen einen Vorznq ein, weil seine Anwendung durchaus nicht belästigt. Breslau den 21. Fcbrnar 1847. Dr. Bitrkner, t-L’ S.) prakt. Arzt, oper. Wundarzt und Geburtshelfer. 233 693) Einem verehelichen Publikum mache ich -ie ergebenste Anzeige, daß ich mich dahier als Buchbinder etablirt habe, durch geschmackvolle solide Arbeit werde ich das mir geschenkte Zutrauen zu rechtfertigen nnd zu erhalten suchen. Die bisher unter der Firma ,,D» Kühns Wittwe" bestandene Leih-Bibliothek habe ich für meine Rechnung übernommen, ich werde mich bestreben den Anforderungen und Wünschen meiner geehrten Kunden durch Anschaffung der neuesten und besten Werke zu entsprechen und bitte um zahlreichen Zuspruch- Meine Wohnung ist im elterlichen Hanse Lit. A, vto 104. Friedrich Kühn. 753) Ein auswärtiges, gebildetes junges Mädchen, welches inPutzarbcit, Kleidermachcn,Feinnähen und Stopfen, sowie auch in der häuslichen Arbeit wohl erfahren ist, sucht eine Stelle bei einer Herr- schaft als Kammermädchen oder in einem Laden. Das Nähere ist zu erfahren in der Erped. d Bills. Wohnungsveränderung. 695) Seit dem Heutigen befindet sich mein Geschäftslocal in dem Hause des Herrn Conrad Möhl, Marktstraße Lit. D. Nr. 185. Mit der Bitte, um ferneren geneigten Zuspruch, verbinde ich die Zusicherung solider und prompter Bedienung. Gießen den 19. April 1847. Heinrich Kühn, Buchbinder & Schrcibmatcrialienhändler. 785) Das Anzrigeblatt pro 1845 wird zu kaufen gesucht Von wem? sagt die Rcdaction d. Bltts. 716) Es wird ein gutes Tricbviertel zu leihen gesucht. In der Erped. d. Bltts. das Nähere. 762) Für ein Mädchen vom Lande ist ein Dienst offen. Näheres bei der Erped. d. Bltts. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 2 r. A pril. Dem Bürger und Fuhr, mann, Konrad Müller, ein Sohn, Karl Adolph, geboren den 3. April. Den 25 April Dem Bürger und Privatscribenten, Lorenz Jost, ein Sohn, Georg Emil, geboren den 3 l. März. Denselben Dem Bürger und Lackirer, Friedrich Karl Looö, ein Sohn, Karl Georg, geboren den 24. Marz. Beerdigte. Den 24 April. Anna Elisabcthe Felsing, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Hofuhrmachers, Diele, rich Wilhelm Felsing, hinterlassene Wittwe, gebornc Stohr, alt 51 3 5 M. 13 T., gestorben den 21. April. Denselben. Johann Ludwig Christian Heß, Hand, lungsdiencr, des vc.storbcnen hiesigen Bürgers und Gastwirths im Anker, Johann Georg Hell, ehelicher Sohn, alt 30 I. 5 M. 26 T., gestorben den 20. April. Den 25. April. Heinrich Andreas Jughardt, Bürger und Schönfärbermeister dahier, alt 52 I. 2 M. 14 T., gestorben den 23. April. Angekonnnene und abgereiste Fremden vom 23. bis 26. April 1847. Oppermann v Wallmerad u. Schenck v. Weckburg. Hr. Micklcr, Fabrik v. Leipzig. Hrn Kfl. Jost v. Frankfurt, Schmitt v. Mainz u. Knilling v. Cöln. Hr. Haßncr, Hauptm. v Cvblenz Hr. v. Geicrfeld, Ingen, v. Hamburg. Hr. Kehl, Oecon v. Straßburg. Hr Schmiedtborn, Dr. med. v. Stockholm. Hrn. Kfl. Schuster v. Stuttgart, LucaS v. Nürnberg u. Reuter v. Frankfurt. /,„ Einhorn-. Hr. Hofmann, Fabrik, v. Alsfeld. Hr. Rosenklanz, Kfm. v. Offenbach. Hr Dehrend m. Sohn, Banq. v. Hannover. Hr. Toltin, Cons. v. London. Hr. Ruffi, Kfm v. Magdeburg. Hr. Aschehang, Chcm v. Christians«. Fr. Kühne m. Fam. u Bedien., Rittcrgutsbes. v. Danzig. Hr. Roscborn, Schiffscapit v. Rotterdam. Hrn. Kfl. Leffmann m. Schwest. v. Basel u Pilgheim v Hamburg. Hr. Wilkens, Fabrik, v. Ange» Hrn. Kfl. Goßlmg v. Gra- venhorst u. Mepcr v. Münden. Hr. Zuhorn, Gutsbes. v. Gröningen. Hr. Papenburg, Kfm. v. Lennep. Hr. Muller m. Tocht., Geh. Staatsr. v. Cassel. Hr. Mellinger, Stud. 3 n den Gasthäusern. Im Kappen: Hr. Schreiber, Chem. a. Ostfriesland. Hrn Kfl Lamp v. Hanau, Lutz v. Cöln u. Capito v. Staa- den. Hr. Strecker, Bauaccess. v. Nidda. Hrn Kfl. Färber v. Cöln u Klein v. Aachen. Hr. Strauß, Stud. v. Göttin- fltn. Hrn. Kfl. Köhlreuter v. Stuttgart, Kipper v. Schwelm u. Hammer v. Aschaffenburg Hr. Stundt, Ingen, v. Butz- bach Hrn Stud. Mepcr v. Bern u MareinkowSky v. Posen Hr. Pront, Kfm. v. Coblenz. Hr. Wetzel, Profess, v. Mar- bürg. Hr. Wallau, Kfm. v Mainz. Hr. Vogt, Profess, v. Gießen. Hr. Werner, Forstmeist. v Seligenstadt. Hr. Bern- schein, Kfm. v. Würzburg Hr. Landers, Privatm. v. Het- delbirg. Hrn. Kfl Kirsch v. Allenfeld, Müller v. Coln, Becker v. Weilburg, Boden v. Bremen u. Georg v. Haiger. Hr. Stang, Secret, v. Biebrich. Hrn Stud. Jung v. Mainz u. Schmidt v. Fulda. Hrn. Rcnt. KrivailuS u. Loudvois v. Straßburg. Fr. v. Röder m Tocht v. Göttingen. Hr. Heiner, Kfm. v. Eisenach. Hrn. Stud Stahl v. Limburg, 234 v. Mainz. Hr. Pfeiffer, Hofmusik, v Carlsruhe. hr. Mann, Notar u. hr. Mann, Stud. v Mainz, hr. Wankelbach, Kfm. v. Herborn. Hr. Seip, Siud. v. Bensheim. Hrn. Kfl. Baumgarten v. Odenkirchen, Meßner v. Eßlingen u. Orth v. Deutz. Hr. Cassebohm, Fabrik, v. Bremen Hr Toveaur, Rent. v. Paris Hrn. Kfl Biermann v. Düsseldorf u. Schröder v Neustadt. Hr. Wortfeld, Partie, v. Leipzig. Hr. Struve, Gutsbes. v. Osterode. Fr. Hartmann m. Tocht. v. Aurich. Hr. Stolze, Affcff. v. Haarburg. Hr. Lübberu, Postverwalt. v. Ottersberg. Hr Jochheim, Apoth v. Haarburg. Hr Kahn, Kfm v. Mainz. Hrn. Stud. H. von dem Busche u. R von dem Busche v. Düsseldorf. Hr. Tacher, Apoth. v. Haagen. Hr. Brinkmann, Kfm. v. Bielefeld. Hr. Kaiser, Fabrik, v Offenbach. Hrn. Kfl. Baumann v. Ulm, Weil v Mainz u. Peppler v Frankfurt. Hr. Merck, Medic.-R. v. Darmstadt. Hr. Schreiber, Reut. v. Göllheim. Im Prinz Carl: Hr. Wirthwein, Cand v. Biebesheim. Hr. Bach, Oecon. u. Hr. Rappel, Spengl v. Nidda. Hr. Kuhl, Kfm. u. Hr. Rauch, Geschäftsm v. Werthheim. Hr. Beckmann, Stud. v. Osnabrück. Hr. Grünewald, Gcom. v. Elsheim. Hr. Lahr, Privatm. u. Hr. Hast, Fabrik, v. Marburg. Hr Eigenbrod, Stud v Wimpfen Hr. v. Gund- loch, Gutsbes. v. Hannover. Hr. Pfeil, Oecon. v. Oberohmen. Hr. Kaufhold, Geschäftsm. v. Lauterbach. Hrn. Kfl. Fap v. Hannover u. Ranstätter v. Worms. Hr. Löwenstein, Archit. v Wiesbaden. Hr. Weigand, Doct v. Berlin. Hr. Gellheim, Privatm. v. Ruppertenrod. Hr. Lcmp, Oecon. v. Ulrichstein. Hr. Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr. Lang, Kfm. v Alzei. Hr. Merckel, Privatm. v Friedberg. Hr. Gcibel, Oecon. v Crainfeld. Hr. Bogel, Lehr, v. Frank furt. Hr. Winnecker, Gcom. v Vilbel. Hrn Metzg Goldschmidt v. Altenstadt u Völsing v. Romrod. Hr. Sepfried, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Kuhn, Geschäftsm. v. Stadecken. Vonhausen, Oecon. v. Weilburg Hr. Deckhcine, Maschinen- meist. v. Mainz. Hr Kaufmann, Lithogr v Carlsruhe. Hr. Reitz, Privatm. v Altenkirchen. Hr. Dannebaum, Kfm. v. Brilon. Im Hirsch: Hrn. Fuhrl. Finkernagel II Semmler ö. Unterseibertenrod. Hr. Sommer, Geschäftsm. v. Bräunges- hain. Jungfer Dietrich v. Obersorge. Im Darmstaedter Haus HrN Geschäfts!. Richard v. Wetzlar, Levi v. Rülfenrod, Eschle v. Fortwangen, Müller v Kirchgöns, Ercher v Aachen, Zimmer ». Amöneburg u. Stieglitz v. Darmstadt. Hr. Heinze, Sold. v. Vöhl. Hrn. Geschästsl. Weber v. Königsberg u. Pfeil v. Heringshausen. Hr. Schartmüller, Kfm. v. Carlsruhe. Hr. Heil, Geschäftsm. v. Schlitz. Hr Störtz, Speich -Verwalt, u. Hr Dietz, Land- ger.-Dien. v. Vöhl. Hr. Frohnhäuser, Tuchm. v. Biedenkopf. Hrn. Geschäfts! Friederich v. Zelle, Schmidt v. Niederesch- bach, Söhligen v. Oberndorf u. Werner v. Gladenbach Im Stcm: Jungfer Bodenbender v. Ungefähr. Hr. Zimmermann, Fuhrm. v. Weilburg. Hr. Becker, Schrein, v. Weimerling. Hr. Ruppel, Web. v. Alsfeld. Hr. Car!, Bürgermeist. v Bellmuth. Hr. Seiermunv, Buchb. v. Emel- rod. Hr. Marinisi, Zinngieß. v. Bülge Hr. Handwerk, Buchdr. v. Hildcngosa. Hrn. Handels!. Meper v Offenbach u. Weiser v. Schabenhausen. Hr. Drucker, Ma! v. Eichsel. Hr. Hens, Privatm. v. Freienstein. Jungfer Müller u. Hr. Röder, Oecon. v Nordeck. Hrn. Musik Müller, Kurth, Scrferd u. Falter v. Fulda. In der Sonne: Hr. Zündhöfer, Handelsm. v. Schotten. Fr. Funck m. Schwest. v. Beuern. Hr. Schomper, Handelsm. v. Odenhausen Hr. Theiß, Geschäftsm. v. Belnhausen. Hr. Seele, Lithogr. v. Nordhausen. Hr. Trabandt, Web. v. Lauterbach. Jungfer Becker v. Leisel. Hr. Konrad, Metzg. v. Bolluiß. In der Hose: Hr. Fried, Färb. v. Volkmarsen. Hr. Dechert, Geschäftsm. v Storndorf. Hr. Schäfer, Gastw. v. Oberglcen. Hr. Schleuning, Geschäftsm. v. Dirlamen. Hrn. Wcißb. Müller u. Wolf v. Romsthal. Hrn. Geschäfts!. Musch v. Hechingen u. Harres v. Romrod In den Privathäusern. Bei Hrn. Superint. Simone Hr. Thudichum, Stud. v. Büdingen. — Bei Hrn. Regier..R. Eckstein: Fr! Renner v. Friedberg. — Bei Jungfer Weber: Jungfer Koch v. Dürkheim. — Bei Hrn Drechst. Helwig: Hr. Helwig, Oecon. v. Maulbach. — Bei Hrn. Stallknecht Jost: Fr. Hedderich v. Grünberg. - Bei Hrn. Hofger-Advoc. Franck: Jungfer Kinkel v. Battenberg — Bei Hrn. Melchior Noll: Hr. Hoß, Privatm. v. Frohnhausen. — Bei Hrn Schuhm. Dietz: Fr. Klomp v. Herborn. — Bei Fr. Secret. Merck: Hr. Schober, Stcuercommiff v Vöhl. - Bei Hrn. Dachdcck. Koch: Jungfer Hormann v. Trobe. — Bei Wittwe Georgp: Fr. Oppermann v Luderbach. — Bei Fr. Hauptm. «childwächter: Frl. Bücking v Alsfeld. — Bei Hrn. Salom. Heichelheim: Jungfer Wolfs- kehl v. Grünberg — Bei Hrn. Schrein Tränckner: Hr. Knippel, Schrein, v. Hopfgarten. — Bei Hrn. Schrein. Petri: Jungfer Kuhl v Frankfurt. — Bei Hrn. Glaser Fillmann: Jungser Balser v. Lich. Vermischtes. Wer verhängnißvolle Nagel. (Fortsetzung.) Er zündete die bereit stehende Lampe an und leuchtete mit ihr nach dem Wärmemesser. „Beinahe sechszehn Grad! ha! da ist auch fast das ganze Holz verfeuert! Ist das ein Freund oder Feind gewesen? Wahrlich es thäte Noth, ich verschlösse noch das Gewächshaus besonders." In Gedanken versunken stand Matthäus da. Die Fenster des Gewächshauses waren mit Brettern sest verwahrt. Es war so still, so warm und huschlich in dem duftenden Raume. Die Blumen senkten träumerisch ihre Kelche oder hatten dieselben, wie der Mensch seine Augen ini Schlafe, dicht geschlossen. Die grünen Blätter schimmerten saftig in der Lampe schwachem Schimmer, regten sich aber nicht, als ob sie von einem Zauberbanne getroffen wären. Matthäus bemerkte Nichts, er löschte die Lampe aus und ging hinauf in sein Bett. Auch ohne geweckt zu werden, stand Matthäus zu der bestimmten Stunde auf. Dieß war heut um drei Uhr Morgens der Fall. Der junge Gärtner warf seinen Schlafpelz um, öffnete das Kammerfenster und steckte, um sich völlig zu ermuntern, das Haupt hinaus in die frischkalte Morgenluft. Noch war es völlig dunkel draußen. Nur ein 235 Breiter, grauer Streifen deutete in unbestimmten Umrissen den Lauf des Elbstromes an, über welchem der Hauch Gottes — ein kühler Morgenwind — schwebte. Völlig ermuntert verließ Matthäus seine Schlafkammer, um hinabzusteigen und mit einem Arme voll Holz nach dem Gewächshaus zu gehen, dessen Wärmestand nach seiner Meinung wieder einer Erhöhung bedurfte. Allerdings war die Luft darin bedeutend abgekühlt, daher der junge Gärtner, ohne erst nach dem Wärmemesser zu sehen, sich anschickte, im Ofen nachzulegen. Da traf der laute, abgemessene Athemzug eines schlafenden Menschen plötzlich sein Ohr und bewirkte, daß Matthäus schnell die Lampe anzündete, mit welcher er sodann dem Schläfer nachzuspüren ging. Er fand denselben unter dem Raume eines Blumengestelles ausgestreckt, wo dieser, anstatt auf Flaumfedern oder Eiderdunen, auf Blumenzwiebeln, Strohwischen und Papiersäcken fester und süßer denn ein König schlief. Der eingedrungene Gast schien ein Dreißiger zu seyn, war mit einem ziemlich groben Düffelrocke bekleidet und hatte neben sich ein Bündel liegen, das jedenfalls seine ganze Habe enthielt. Matthäus glaubte in seinem guten Rechte zu sepn, wenn er dieses Bündel einer näheren Untersuchung würdigte, daher er die Lampe hin- stellte und auszupacken begann- Zu seiner Beruhigung zeigten sich weder Pistolen noch Dolche, weder Dietriche noch Meißel und Bohrer, wohl aber kamen eine Wasserflasche und ein Barbierbecken von blankem Messingbleche, Varbiermeffer, Streichriemen und Wetzsteine, Aderlaßschnepper, Schröpfköpfe, Messer, Scheelen und Zangen von besonderer Bauart zum Vorschein. „Ein Dieb ist es nicht. . ." sprach Matthäus vor sich hin, indem er die Vorgefundenen Gegenstände wieder etnsäckelte, Haber nur zu gewiß, daß Niemand anders mein Holz gestern Abend verfeuert hat. Run, wissen muß ich doch, wer der Mann ist und warum er gerade mein Gewächshaus für eine Herberge angesehen hat. He! guter Freund!" — er rüttelte den Schläfer — „wer sind wir denn und was wollen wir hier?"' Der Fremde öffnete ein Paar kecke, durchdringende Augen, blickte seinen Examinator an und versetzte eben nicht erschrocken, vielmehr in halb unwilligem Tone: „Was wir hier wollen? Ihr seht es ja, guter Freund — schlafen! Wer wir sind? Ein Jünger des großen Aeskulap! Ein Diogenes iit. der Tonne!" Nach diesen Worten streckte der Gast sich wieder lang ans und schloß seine Angen. Diese Keckheit verdroß den Gärtner. „Ein Lappländer mögt Ihr wohl sehn..." versetzte er spitz, „und mein Gewächshaus für Eure Tonne angesehen haben. Nach dem, was dieser Schnappsack enthält, hätte ich Euch eher für einen vagirenden Bar- biergesellen gehalten." „Gesellen?" fuhr der Fremde ärgerlich aus; „ich hin ein Meister und kein Geselle, darf innerlich und äußerlich turiren nach meinem Gutdünken." „Nun, so rathe ich Euch, mit Euch, oder vielmehr mit Eurem Geldbeutel den Anfang des Kurirens zu machen. Nicht so? Ihr wolltet das Schlafgeld ersparen und bettetet Euch deßhalb auf meine Zwiebeln hier?" „Zwiebeln?" fragte der Fremde verwundert; „aus Zwiebeln hätte ich gelegen? Ha, darum hatte ich auch solche gezwiebelte Träume in dieser Nacht." „Unterlasset Eure Winkelzüge," sagte hier Matthäus ernsthaft, „und antwortet auf meine Frage, Wer und warum Ihr hier seyd?" Der Fremde setzte sich auf und entgegnete lustig: „Ich bin der Neid, wenn Jhr's wissen und glauben wollt. Aber nicht der weiche, sondern der harte Neid, denn ich schreibe mich mit dem t, nehme also ein eben so hartes Ende wie der weicke Neid zuletzt. Ich bin Meister in der Wundarzneikunst und aus Herzberg hierher gewandert, um in Dresden meine Kunst auszuüben. Denn, nachdem ich die Herzberger insgesammt auf die Dauer gesund gemacht habe, sind sie undankbar genug, sich nicht mehr um mich zu bekümmern , mich vielmehr darben zu lassen. Und weil mir das Geld ausgegangen war und mich darum kein Gastwirth in sein Haus eingehen lassen wollte, so suchte ich, wie der Hamster, irgend ein Loch, wo hinein ich fahren konnte, und siehe da, ich fand es hier und recht glücklich; aber ich verlange die Herberge nicht umsonst, soll ich Euch schröpfen, zu Ader lassen, operiren, purgiren oder vomiren lassen? Ich stehe mit Allem zu Diensten." Matthäus dachte hier an seine preßhaste Mutter, jedoch fühlte er noch kein rechtes Zutrauen in die Kunst seines Gastfreundes. Da es überdieß noch Nacht war und Frau Nischeck fchlief, so erklärte Matthäus bloß seine Zustimmung für das längere Verweilen des Fremdlings. „Auch wir sind hier Fremdlinge gewesen," sagte Frau Nischeck, als später ihr Sohn sie von des Fremden Anwesenheit benachrichtigte, „und Pflicht ist es daher für uns, Gleiches mit Gleichem zu vergelten- Geh', mein Sohn, lade den Mann zu unserer Frühstückssuppe ein." Bald erschien Neit, der Wundarzt, und unterwarf seine Wirthin einer genauen Prüfung ihres leidenden Zustandes. Neit verordnete;, Frau Nischeck schenkte ihm Vertrauen, und verspürte gar bald eine bedeutende Besserung ihres Zustandes, Von Dankbarkeit getrieben, gestanden butter und Sohn dem Helfer nicht nur den ferneren Besitz einer Lagerstätte im Gewächshause, sondern auch die Theilnahme an den einfachen Mahlzeiten zu, welche die Gärtnerfamilie täglich hielt, und zu welchen Nett erst dann seinen Beitrag geben sollte, 236 wann er zahlungsfähige Kunden erhalten haben würde. Denn an Kunden mangelte es ihm allerdings nicht, sobald sich die Kunde von seinem Vorhanvenseyn auf dem Sande verbreitet hatre; aber leider waren es lauter solche, die wenig mehr als einen schönen Dank zur Bezahlung darbrachten. Neit hatte alle Hande voll zu thun unter den armen Bewohnern jenes Stadt- theiles; da aber damals noch keine öffentlichen Blätter bestanden, in welche ein angehender Arzt den Dank für seine gelungenen Kuren selbst einrücken lassen und — bezahlen konnte, so blieb auch Nett den höheren und wohlhabenderen Ständen unbekannt. Bisher hatte ihn sein Ehrgeiz abgehalten mit dem Scheerbeutel zu laufen. Aber auch dazu verstand er sich, als er gewahrte, wie sein wackerer Wirth auch der niedrigsten Arbeiten sich nicht schämte und solche mit gleich großer Freudigkeit verrichtete. Neit bot seine Barbierdienste den Fremden in den Gasthäusern Dresdens an, allein sein großer Düffelrock und übriger Anzug waren fast immer die Ursachen, daß man ihn zurückwies, ja sogar dieß nicht selten mit schnöder Härte. Ueber diese Widerwärtigkeiten spottete Neit auf die lustigste Weise, wie überhaupt seine frohe Laune durch keine mißgünstige deö Schicksals niedergeschlagen wurde. Also schien es wenigstens. Doch wer vermag des Menschen Herz mit aW seinen Tiefen zu ergründen? Der erste April war gekommen. Um die Mittagszeit kam Neit mit dem Schcersacke heim. „Hier, Mutter Nischeck," sprach er zu seiner Wirthin, „sind zwei Silberdreier, die mir ein Sonnenbruder für das Ab- nehmen seines Judenbartes großmüthig geschenkt hat. Sonst waren cs lauter Aprilsgänge, die ich heute that. Schier möchte ich die Dresdener auch dafür in den April schicken, wenn ich nur wüßte wie und woniil?" Etwas einsplbig nahm Neit nun an der Mahlzeit Theil; dann ging er in sein Gewächshaus und Matthäus an seine Arbeit. „Was hat er nur zu nageln?" fragte Letzterer sich, ass er nach einiger Zeit die Schläge eines Hammers an der Rückwand des Gewächshauses vernahm; „er wird mir wohl die dünne Ziegelwand noch durchschlagen." Nach diesen Worten fuhr Matthäus mit Graben fort; allein eine unerklärliche Unruhe trieb ihn, das Grabscheit aus der Hand zu werfen und dem Gewächshause zuzueilen. Ein flüchtiger Blick durch dessen Glasfenster machte ihn einen Augenblick erstarren, dann aber desto schneller auf die Thür zuspringen. Dieselbe mit Hast aufreißend, vernahm er die Worte: „So leb' denn wohl, du schnödes Weltge..." Während die Ohren des jungen Gärtners diese Rede hörte», sahen dessen Augen, wie Neit die Schlinge eines Strickes, welcher von einem großen Nagel herabhing, um den nackten Hals, kerzengerade an der Rückwand und zwar mit den Füßen auf einem Schemel stand, den er bei dem raschen Eintritte des Matthäus sofort umzustoßen bemüht war, was ihm auch nur zu gut gelang. Allein nicht minder schnell hatte auch Matthäus eines der daliegenven und bereits geöffneten Rasirmeffer ergriffen und den schon zappelnden Arzt vom würgenden Stricke losgeschnittcn. Nachdem er noch die Schlinge beseitigt, legte er den Halbohnmächtigen auf dessen Lager nieder, wo er ihm die erste, beste Ader im Armgelenke zu öffnen bemüht war. Als das Blnt, welches anfangs durch den Aderlaß nur langsam tropfte, stärker zu fließen und dann zu springen begann, schlug Neit die Augen auf und stierte seinen Lebensretter mit einem furchtbar schrecklichen Blicke an. (Fortsetzung folgt.) Anekdoten. Während Dalberg in Paris war, machte er einer polnischen Fürstin heftig den Hof, welche auch von Napoleon sehr ausgezeichnet wurde. In einer Abend- gesellsthaft in den Tuilericn geht Dalberg — der geistliche Fürst — auf die Polin zu, sieht nicht, daß in der Nähe Napoleon steht, faßt dieselbe mit beiden Händen in die Seite, sprechend: „Schöne Frau, wie geht es?" Der Fürstin entfährt in demselben Augenblicke ein lautes Unglück, Alles sieht sich erstaunt nach derselben um; so auch Napoleon. Mit größter Unbefangenheit wendet sie sich demselben zu, und sagt: „Wenn man von so heiligen Händen berührt wird, so fährt der Böse davon." Lachen und Bewunderung dieser witzig geistreichen Wendung waren der Lohn der liebenswürdigen Ausländerin. Theumuig vor vierhundert Jahren. In dem Archiv der Abtei Hintersbach, am Sieben- gebirg, fand man ein Rechnungsbuch, worin das Jahr 1454 als das Jahr der großen Theuerung eingeschrieben steht, weil in demselben ein fetter Ochs 3% ft. kostete; eine Kuh 2 ft.; ein Kalb V3 ft.; 23 Hämmel 8 ft.; ein Schwein 1 ft.; 25 junge Hühner 1 ft.; 40 Dutzend Eier % ft.; 13 Pfund Butter % ft. Der großen Noch wegen schickte man einen Erpressen von dem Amtsdorfe Beyenburg mit drei Hellern nach Köln, mit welcher Summe derselbe das zweimalige Ueberfahrtsgeld und seinen standesmäßigen Unterhalt bestritt. Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.