Änzeigeblatt für die Stadt und -en Kreis Gießen. JÜ 86. Mittwoch den 27. Oktober 18S7. Gefundene Gegenstände. Ein ledcrnes Halsband, - eine Arbeitstasche, ein Sackmesser, ein kleines Halstuch und cm Paar wollene Strümpfe, ein tuchener Regenschirm sind gefunden und -auf Großherzogl. Polizeibüreau dahier abgegeben worden. Gießen am 25. October 1847. Besondere Bekanntmachungen. 1986) In der letzten Zeit mehren sich die Anzeigen über Nichtbefolgung der Vorschriften des Oetroi - Reglements vom 21. Juli 1843 in einer Weise, daß ich mich, aus Rücksicht auf das Interesse der Stadt- angehörigen, veranlaßt finde, auf die pünktlichere Befolgung jener Vorschriften, insbesondere aber aus die Ablieferung, Vorzeigung und Aufbewahrung der betreffenden Scheine , dringend aufmerksam zu machen, und die Bemerkung beizufügen, daß bei künftig vorkom- menden Anzeigen wegen Nichtbeachtung der Bestimmungen des besagten Reglements, aus die gewöhnlichen Entschuldigungen keine Rücksicht genommen werden kann, vielmehr jedesmal strickte Beurtheilung nach den gesetzlichen Vorschriften eintreten muß. Gießen den 20. Oetober 1847. Der Bürgermeister G g. Reiber. 1837) CLnlaöung ;u der Hauptversammlung des Spar- und Leihkasse-Hereins für den Kreis Giessen. Die diesjäbrige Hauptversammlung der Mitglieder des Spar« und Leibkasse-Vereins für den Kreis Gießen wird Freitag den 29. Oetober, Vormittags um 10 Uhr, auf dem hiesigen Rathhause abgehalten werden. Ich beehre mich, die verebrlichen Mitglieder des Vereins hiervon in Kenntniß zu setzen und wünsche, daß dieselben dieser Hauptversammlung um so mehr beiwohnen möchten, als nicht nur die für das Jabr 1846 gestellte Rechnung zur Genehmigung vorgelegt, sondern auch die' Wabl eines neuen Directors und eines Sccretärs des Vereins sür die nächsten drei Jabre vorgenommen werden soll, indem die Vollmachten der im Jahr 1844 Gewäblten am Ende dieses Jahres erloschen sind. Gießen den 26. September 1847. Der Director des Vereins Hoffmann. 1960) Main-Weser-Etsenbapn. Handarbeiter Bei den Erdarbeüeu in der Section Butzbach finden Handarbeiter an mehreren Stellen dauernde Beschäftigung mit einem Verdienste von gegen 50 Kreuzern in der Regel. An dem Einschnitte im Gambachcr Waid ist eine Barracke mit Schlafstätten und einet Speiseanstalt zur Benutzung für Fremde errichtet. Butzbach den 15. Octbr. 1847. Der Gr. Hess. Sections-Jngenieur der Section Butzbach. M e i) e r. Versteigerungen. 1954) Donnerstag den 28. l. M., Nachmittags 2 Uhr, foffen in dem Hause der Goppelius Lilienfeld's Wittwe, die Effekten der abwesenden Louise Wittich 662 von hier, bestehend in Hauben, Hüten, Bändern und dergleichen Vorräthen für ein Putzmachergeschäft meistbietend versteigert werden. Gießen den 18. October 1847. Großherzogl. Hessisches Stadtgericht. Muhl. Dr. Zimmermann. 1998) Montag den 1. November, Morgens 11 Uhr, soll auf hiesigem Ralhhaus die Anfuhr von Lahn- kies auf den Gleiberger Weg und die Wegfuhr von Steinen auf der Schoor, im Voranschlag zu 46 st-, sodann Handarbeit, bestehend in Plauirung des Schuttes auf der Fürstenbrunnenwiese und Fertigung von Baumlöcherfl am Lerchenwäldchen, im Betrag von 47 fl. 40 fr., an die Wenigstfordernden versteigert werden. Gießen den 25. October 1847, Der Bürgermeister Gg. Reiber. 1987) Donnerstag den 4. und Freitag den 5. November d. I-, werden etwa 160 Centner gutes Heu, einige Wagen gutgemachtes Grummet, Stroh, Früchte, Wagen, Pflug, Egge, ein gutes Zugpferd, Geschirr, Sattel und Zeug, Oeconomiegerathe, zwei gute Fahrkühe u. s. w., des Abzuges wegen, im Pfarrhause zu Ulrichstein gegen baare Zahlung versteigert. 1979) Main-Weser-Eisen bahn. Samstag den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, ' ' soll in dem Gasthaus zum Promenadehaus dahier der Transport von etwa 7000 Centnern Bahnschienen von der Mainkur bei Offenbach auf die Baustelle des Stationshauses bei Lollar unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen an den Wenigstfordernden öffentlich in Accord gegeben werden. Gießen den 20. October 1847. Der Gr. Sections-Jngenieur der Section Gießen. 1 L. Lindt. Feilgeboten. 1992) I. W. Schuler's unv er brenn« liche Lampendochte, auf alle Arten von Lampen anwendbar, empfiehlt PH. Lüdeking. 1963) Alle Sorten Frucht-, Mehl- und Kar- toffclsäcke, wie auch verschiedene Geldsäckchcn empfiehlt L. I a h r e i s. 1994) Gute weiße Kartoffeln sind zu verkaufen bei B. Möhl, in der Kaplansgasse. 1962) Von feinstem Braunschweiger Flachs habe ich neue Sendung erhalten. L. I a ly reis. Zn vermiethen. 1997) Zwei freundliche, neu ausmöblirte Zimmer, mit der Aussicht auf die Straße, sind auf dem Neuenweg Lit. B. 113. auf angehenden CourS zu vermiethen. 1988) Bei Conr. Schneider in der Marktstraße Lit D. 180. ist eine möblirte Stube mit Sopha zu vermiethen. 1989) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet und Sopha ist zu vermiethen bei Kaufmann Münch, auf dem Kreuz. 1991) Zwei Zimmer sind zu vermiethen bei Lotse. 1993) In meinem Hause sind zwei möblirte Zimmer mit Sopha zu vermiethen. L. Selz er, Marktstraße Lit. D. .A5 179. 1995) Zwei Stuben mit oder ohne Möbel sind zu vermiethen. Bei wem? sagt die Erpedition dieses Blattes. 1996) Zwei möblirte Stuben sind zu vernlie« then bei Abraham Bepfuß. 1982) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen bei L. Scharmann, in der Schloßgasse. 1977) Zwei gut möblirte aneinanderstoßende Zimmer, find zusammen oder auch getrennt zu vermiethen bei Marguth, an der Stadtkirche. 1999) Ein gut möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei ' Heinrich Schneider, Neuenweg Lit. B. AS 137. Vermischte Nachrichten. 2001) Am Rechnennnterricht, den ich täglich, Nachmittags von 4 bis 5 und Abends von 6 bis 7 Uhr ertheile, können noch mehrere Schüler Thcil nehmen. Emanuel Stern. 663 ^ewerÄ-Fem’w. Die geehrten Mitglieder hiesiger Localsection des Gr. Gewerb-Ver- eins, welche in den beiden Haupt-Versammlungen vom 16. August und 4 September l. I. die Majorität bildeten und mit den Unterzeichneten stimmten , werden zu einer weiteren Besprechung ihrer Angelegenheiten auf nächsten Donnerstag den 28. Qctober 1847, Abends halb 8 Uhr, in das Kaffeehaus des Hrn. D. Ebel hierdurch eingeladen. Gicßen den 25. October 1847. Die Vereinsmitglieder: G. C. Th. Heerz, Adolph Möhl, E m a it n c l Ster n. 2000) Zum Zweck einer gemeinschaftlichen Besprechung über die Frage: ob künftiges Jahr ein Sängerfest dabier stattfinden soll, werden scrmmt liebe Mitglieder der hiesigen Gesangvereine höflichst eingeladen, sich künftigen Samstag den 30i d. M., Abends 8 Uhr, im Saale des Gasthauses zum Prinz Carl dahier einfinden zu wollen. Gießen den 25. October 1847. Der Vorstand des Liederkranzes. 1990) Den 10. October wurde auf dem Sel» lersbcrg ein Bisitenkartenbüchclchcn verloren, welches nur alö Andenken besonderen Werth hat. Der redliche Finder wird ersucht, es bei der Erpedition dieses Blattes gegen angemessene Belohnung abzugeben. 1955) Einem verehrten Publikum mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich mich hier als Glasermeister eiablirt habe. Mein Bestreben wird seyn: stets gute und dauerhafte Arbeit zu liefern, wodurch ich hoffe das Zutrauen meiner verehrten Freunde und Gönner zu gewinnen. Meine Wohnung ist bei Hrn. Kauft». Stern in der Flügclsgaffe Lit. A. JV&. 63. Cclrl Bicrau, Glasermeister. 1927) Daß ich zur Bequemlichkeit meiner Geschäftsfreunde in Oberhessen, bei A. Balser in Gießen, ein Lager meiner sämmtlichen Spielkarten errichtet habe, die zu den gleichen Fabrikpreisen wie hier abgegeben werden, bringe ich mit der Bersicherung der Dauerhaftigkeit und Eleganz meines Fabrikats zur Kenntniß; auch ist der Preiscourant dort auf Verlangen zur Abgabe vorräihig. M. Fromm ann, Spielkartcnfabrikani in Darmstadt. Kirchliche Anzeigen. Evangelische (Gemeinde. Getaufte. Den 24. October. Dem Bürger und Frachtfuhrmann, Konrad August Leng, eine Tochter, Luise Katharine, geboren den 7. Ociober. Denselben. Dem Bürger und Wirth, Theodor Lonp, eine Tochter, Margareche Elise Marie, geboren den 29. September. Denselben. Dem Bürger und Glasermeister, Christian Daniel Fillmann, eine Tochter, Helene Ernestine, geboren den 5. October. Denselben. Dem Bürger, Steindeckermeister und Wirth, Heinrich Friedrich Rvthauge, ein Sohn, Johann Heinrich Friedrich, geboren den 25. September. Denselben. Ein unehelicher Sohn, Karl, geboren den 3. October. Denselben. Dem Bürger und Schuhmachermeister, Heinrich Balser, eine Tochter, Philippirw Wilhelmine Frie- dericke, geboren den 5. October. Denselben. Dem Bürger und Bildhauer, Ludwig Leib, ein Sohn, Karl Christian Ludwig Martin, geboren den 30. September. Angekommene und abgereiste Fremden vom 22. bis 25. October 1847. Inden Gasthäusern. Hr. v. Frankenfeld, Offiz, v. Breslau Hr. Heß, Kfm. v. Im Einhorn - Hrn. Kfl. Adrian v. Bielefeld u. Frep Aschaffenburg. Hr. Franzkp, Sind v. Göttingen. Hr. Schulze, v. Frankfurt. Fr. Geh. R. v. Schcrlitz m. Fann u. Bedien. Kfm. v. Ludwigsburg. Hr. Eckhart in. Fr., Jnsp. v. Düs- v. Merseburg. Hr. Ranzingrod, Rcntamtm. a. Schlesien, seldorf. Hr. Vogel, Ksm. v. Mainz. Hr. Mertens, Bau- 664 meist, v. Berlin. Srn. Kfl. Dreßler v. Alsfeld, Ruhl v. Wiesbaden u. Harick v. Straßburg. Fr. Champriauer v. Paris. Hr. Miloradowitsch m Bedien., Nent. v. St. Pc- tersburg. Hrn. Kfl. Condanstou v. Metz u. Bauer v. Hanau. Hr. Kaiser, Privatm. v. Heidelberg Hr. Schmitt, Kfm. v. Mühlhausen. Hr. v. Cbarleomagne, Propriet. u. Hr. Schweizer, Kfm. v. Chalons-aur-marne. Hr. Scheib, Caud. thcol. v. Combach. Hr. Schäfer, Privatm. v. Cöln. Hrn. Kfl. Jacoby v. Düsseldorf u. Langenbach v. Freiburg. Hr. Welb, Künstl v. München. Hr. Deyninger m. Fr., Rent. v. Berlin. Hr. Lehr, Gastw v. Meiningen. Hr. Franck, Lehr. v. Marburg. Fr. Fritze m. Tocht. v Cassel. Hr. Walther, Sind med. v Breslau. Hr v. Rock, Rent v. Hannover. Hr. Sander, Arzt v. Frankfurt a. d. Oder. Hrn. Kfl Schunck v. Felda, Falkenstein v. Mannheim, Vogel u. Schäfer v Mainz. Hr Leißlcr, Partie, v. Münden. Hr. Wüstenfeld, Rent. v Er- langen. Hr. Hahn, Beamt, v. Pillenburg. Hr. Brauneck, Archit. v. Alsfeld. im Kappen: Hrn. Lieutn Kerapf u. Glock v. Darmstadt. Hr. Floss«, Postbeamt. v. Frankfurt Hr. Hempelmann m. Fr., Fabrik, v. London. Hr. Schröder, Bergbeamt. v Goßlar. Hr. Baumert, Dr. Chem. v. Breslau Hr Seipold Kfm. v. Bremen. Hr. Zinkhahn, Fabrik, v. Fulda. Hr' Frobcng, Buchh. v. Mühlhausen. Hrn. Kfl. Schmitt v. Hannover, Meyer v. Frankfurt, Marloh v. Münden u. Hempel v. Hanau. Hr. Metten, Rittmeist. v. Osnabrück. Hr. Krause, Gutsbes. v. Cassel. Hr. Bosse, Kfm. v. Hanau. Hr. Rothschild, Occon. v. Cöln Hr. Korbitz, Kfm. v. Nordhausen. Hr. Groos, Stud. v. Coblenz. Hr Werner, Privatm v Monshausen. Hr. Dippeko, Oecon. v. Hofgerßmar Hrn Kfl' Aschoffen v. Barmen, Wolf u. geifert v. Meisen. Hr. Freiherr v. Rabenau m. Bedien, v. Londorf. Hr. v. Hamilton v. Darmstadt. Hr. Wagner, Stud. v. Heidelberg. Hr Stottler, Privatm. v. München. Hr. Petzhold, Partie v Leipzig. Hr. Groß, Kfm. v. Homberg. Hr. v. Hühne m’ Fanr., Partie v. Coblenz. Hr. Muthreich, Kfm. v. Halle. Hr. v. Greve, Lieutn. v Langensalza. Hrn. Kfl. Eicke v. Hannover u. Brand v. Bremen. „ ,lmJ!r'nz Carl: Hr Reichel, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Carle, Mull. v. Niederohmen. Hr. Gescheidt, Schrein, v. Butzbach. Hrn. Offiz, v. Dreoky a. Schlesien u. v. Gilser v. Posen. Hrn. Kfl. Litthauer v. Cassel u. Scheid v. Mainz. Hrn. Müll. Habe, orn u. Röder v. Altenburg. Hr. Werth. Hammer, Kfm. v. Frankfurt. Hrn. Geschäftsl. C. Heyd u. I. Heyd v. Butzbach. Hr. Gebhardt, Privatm. v. Göttingen Hr. Borger, Spedik. v. Offenbach. Hr Gerlach, Occon. v. Obermockstadt. Hr. Becker, Geschäftm. v. Riederohmen Hr Fang, Kfm. v. Marburg. Hr Lemp, Pfarr. v Altenstadt. Hrn. Oecon. Grcb v. Engelrod u Eifert v. Dirlammen Hr Leipp, Fabrik, v. Battenberg. Hr. Ort, Geschästsm. v. Hatzfeld. Hr. Hahn, Stud med. u. Hr. Lahr, Stud. jur. v. Bonn Hrn. Kfl. Dicht v. Frankfurt u. Blumenthal v. Rennertehausen. Hr. Werner, Bürgcrmeist. u. Hr. Fuchs, Oec- v. Großkarben. Hr. Land, Privatm, v. Isenburg Hr. Metz, Fabrik, v. Homberg. ' Im Adler -. Hr. Schwan, Oecon. v. Battenfeld. Hrn. Stud. Kleinschmidt u. Hegmanu v. Idstein. Im Darmslaedter Baus: Hr. Berger, Geschästsm. v. Freienseen. Fr. Höchst v. Worms. Hrn. Geschäftsl. Seitz v. Bockenau u. Groß v. Bußhalle. Hr. Magel, Cant, v Grün- derg.'.Fr. Saucrfcld v. Blofeld Hr. Kuhl, Fuhrm. v. Houiberg. Hrn Geschäftsl. Köster v. Lich u Glaser v. Grünberg. Hr. OchS, Steueraufseh. v. Alsfeld. Hv. Rüffel, Ge- schäftSm. v. Marburg. im Stcm Hr. Benermann, Fuhrm. v. Niederseen. Hr. Londer, Privatm. v. Ulm Hr. Schneider, Fuhrm. v. Marburg. Jungfer Wagner v. Trais. Hrn. Fuhrl. Klug v. Königstein, Stöppler v Dingelstädt u. Kunckel v. Drei- denbach. In der Sonne: Hr. Lehmann, Geschästsm. v. Unteralba. In der Rose. Hrn Geschäftsl Salzenberber v. Homberg u Oßwald v. Werda. Hr. Raab, Scrib. v. Ulrichstein. Hr. Göbel, Tuchm v. Schotten. In den Privathäusern. Bei Hrn. Schneidermeist. Franz: Hr d'Amour, Geom. n, ~ ^ki Hrn Hofger.-Registr. Herzberger: Hr. Ulrich, Asseff v Ortenberg — Bei Fr. Bürgermeist. Schneider: Hr. Schalck, Dort, v Mainz. — Bei Hrn. Schrciucr- melst. Henckelmann: Jungfer Gravelius v. Grünberg. — Bei Hrn. Fabrik. Homberger: Frl. Ballin v. Marburg — Bei Hrn. Lande. Weicker:. Fr. Pfarr. Weicker v. Watzenborn. - Bei Wittwe Ferber im Hessischen Hof: Hr. Schertie, Mal v. Frankfurt. — Bei Hrn. Kfm Mayer: Hr. Mayer, Kfm. v Frankfurt. — Bei Hrn. Rathsch. Seipp: Fr. Apoth. Seyfried v. Bußbach — Bei Hrn Postpack. Kauf: Hr. Haus, Privätm. v. Heppenheim. — Bei Hrn. Stud. Röschen: Hr. Roschen, Cand theol. v. Friedberg. — Bei Hrn. Metzger I. Möhl: Hr. Lang, Kupferschm. v. Marburg. — Bei Wittwe Haas: Hr. Weiht, Küfer, v. Frankfurt. — Bei Hrn Ober- inspect. Dietz: Hr. Rabenau m. Fr., Kamm-Secret, u. Hr. Goidmann, Doct. v. Büdingen. — Bei Hrn Gastw. Becker: Hr. Goidmann, Deean.-Rechn, v. Biedenkopf. — Bei Nrn. Gastw. Busch im Garten: Hrn. Realschül. F. Ennemoser u. I. Ennemoser v. Alzei. — Bci Hrn. Rechn. Kehr: Hr. Kehr, Rechn K.-Acceff. v. Darmstadt. UnterhaLtendes rmd Gemeinnütziges. Der Informator. „Das ist unmöglich!" erwiederte Werner; „ich bin Novelle. (Fortsetzung ) „Ach, das sind lauter brodlose Künste, mein lieber Herr Werner," versetzte der Kaufmann Hellmuth. „Lassen Sie uns einmal die eigentliche Hauptaufgabe des Lebens ins Auge fassen! Sie besteht in dem bekannten weisen Spruche: corrigez la fortune. Das heißt mit andern Worten: Hilf Dir selbst, so wird Dir Gott helfen. Sie hatten bisher in der Welt kein Glück. Sie müssen sich cin'S schaffen! auch schon so sehr an das Unglück gewöhnt, dasi ich an gar kein Glück mehr glaube. Ich mag angreifen, was ich nur will, Alles geht verkehrt. Ich gehöre ganz ausgemacht zu jenen Menschen, denen das But- terbrod just immer auf die unrechte Seite fällt." „Sie sind aber Magister; nicht wahr?" „Ach, das kann heut zu Tage jeder Wicht werden. Anch lege ich diesem stolzkliugenden Namen ganz und gar keinen Werth bei." „Desto mehr aber andere Leute. Uebcrhaupt mein lieber Herr Magister, sie sind ein vortrefflicher Mensch, 665 aber zu Zeiten doch etwas überspannt. Werden Sie einmal nüchtern, werden Sie prosaisch und die Poesie des Lebens wird Ihnen ungesucht in die Arme stürzen. Genug, Sie müssen Ihr Glück selbst schaffen, das hilft Ihnen Alles nichts, und wenn Sie mir folgen wollen, so kann es Ihnen so leicht nicht fehlen. Wissen Sie was? Sie müssen heirathen." „Heirathen?" fragte Werner erstaunt. „Haben Sie denn daran noch nie gedacht?" „So gut wie nie. Wer wird in aller Welt denn an'8 Heirathen denken, ehe er seine eigene Eristenz gesichert neht? versetzte Werner. „Sie müssen -es thun, Sie müssen eS nächstens thun." „Ich habe kein Vertrauen zu den Frauen." „Magtsterchen, Magistercheu! Sie sind ein recht junger Mann, und können Ihr Glück machen. Ich weiß da etwas für Sie. Die Parthic ist ganz wie für Sie geschaffen. Ein wundcrnettcs Püppchen von einem Mädchen, die wenigstens ihre 50,000 Thalcr mitbekommt. Aber klug müssen Sie'S anfangen, sonst wird nichts aus der Sache. Soll Ich Ihnen mehr sagen, oder nicht? „Das Thema ist mir gerade nicht verhaßt," crwic- derte Werner. „Halte ich auch Ihren Vorschlag für weiter nick>ts als einen Scherz zur Zeitverkürzung, so höre ich doch Ihrer Unterhaltung immer gerne zu!" „O Sie skeptischer Schelm!" sagte Hellmuth. „Hören Sie mich nur erst einmal weiter! Vor Allem eine Frage: Könnten sie sich nicht entschließen, auf eine Zeitlang Informator zu werden?" „Ach, ein Hauslehrer ist ein geplagter Mensch!" seufzte Werner, der schon in drei -Häusern in dieser Qualität conditionirt hatte. „Die goldene Selbstständigkeit geht am Ende doch über Alles!" „Aber bei dieser goldnen Selbstständigkeit werden Sie verdammt wenig Gold zu sehen bekommen. Sie sind mir die Antwort noch auf eine frühere Frage schuldig: haben sie wirklich als magister liberalium artium promovirt? Man schimpft jetzt so viele Leine Doctor und Magister, die es gar nicht sind. Besitzen Sie ein Doktordiplom?" „Hier sehen Sie es,", erwiederte Werner, ein Papier aus der Tasche ziehend; „ich halte heute einen Gang zum Minister vor, und. steckte es deshalb zu mir." „Vorirefflich!" 'versetzte Hellmuth. „Ein Titel wirkt viel bei Frauenzimmern. Unter einer Frau Doktorin kann man sich alles Mögliche denken. Genug, ich sage Ihnen, wenn Sic mir folgen, so sind Sic ein geborgener Mann." „Aber was ratheu Sie mir zu thun?" „Die Jnformatorstelle unbedingt annehmen, zu der ich Sic empfehlen werde. Ich traf heute mit meinem Freund, dem Eominerzienrath Harder zusammen; dieser fragte mich, ob ich ihm nicht einen Lehrer für feine jüngeren Kinder wüßte. Da dachte ich gleich an Sie, und machte ibn sogar vorläufig schon auf Sic aufmerksam. Sie bekommen dort ein Salair von 300 Thalcrn nebst freier Wohnung und Kost, und haben sich der anständigsten Behandlung zu erfreuen. Nun ist dieses Ancrbietcn nicht annehmbar ?" „Allerdings," versetzte Werner; „aber was hätte ich dann für eine weitere Aussicht?" „Das will ich Ihnen -gleich sagen. Herr Com- merzienrath Harder hat nämlich eine Tochter von achtzehn Jahren, aus die Sie gewiß mit Erfolg specu- lircn könnten. DaS Mädchen ist wunderschön. Sic hat zwar eine Menge Anbeter. Auch wollen die Eltern hoch mit ihr hinaus. Aber das thut Alles nichts. Ich kenne Rosalien genau. Sie sieht nicht auf Reich- thum. Sie würde sich mit einem kenntnißreichen, braven Manne glücklicher fühlen, als mit einem reichen, herzlosen Taugenichts. Und was ich dazu beitragen kann, diese Verbindung zu Stande zu bringen, daS soll gewiß geschehen!" „Aber ich weiß ja noch gar nicht, ob ich dem Mädchen, und ob sie mir gefallen wird?" „Nur nicht so viele Aber! Ich weiß zum Voraus, daß Sic ganz entzückt sepn werden, wenn Sie sie nur sehen. Und was Rosalien betrifft, so -befindet sich zwar ein kleines Hinderniß, was aber gar nichts zu bedeuten hat. Ist nämlich seit ein paar Tagen Braut; doch —" . „Braut?" fragte Werner verwundert. „Und das nennen Sic ein'Hei nc8 Hinidcrniß?" „Freilich, weil wir den Bräutigam leicht auf die Seite räumen können," sagte Hellmuth. „Es ist ein junger Lieutenant, der dem Spiel ergeben ist und bis über die Ohren in Schulden steckt. Rosalie liebt ihn gar nicht. Aber die Eltern möchten ihn gern zum Schwiegersohn , weil er von altem Adel ist und den Glanz ihres Haules noch durch fein Wappen erhöhen würde. Machen Sie sich darüber keine Skrupel. Gehen Sie nur morgen Vormittag gegen elf Uhr hin und stellen Sie sich vor. Ich werde den Commerzienrath .heute noch auf Ihr Erscheinen vorbereiten." Die Flasche war geleert und Beide brachen jetzt auf. Unterwegs instruirte Hellmuth unfern Werner »och ein wenig, wie er sich ungefähr bei Eommerzien- raths zu benehmeu habe, worauf sich der arme Can- didat mit dem Versprechen, den Rath -des lustigen Kupplers zu befolgen, von diesem trennte. 2. Am nächsten Morgen kleidete sich Werner, so gut er cs vermochte, an und begab sich mit zagendem Ge- müth auf den Weg. Als er in die Peterstraße gelangte, fiel ihm schon von Weitem das große Prachtgebäude des Commerzienrath Harder'S ins Ange. Mit klopfen- dein Herzeu stieg er die glattgefchenertcn, mit Teppichen ' bekleideten Treppen? die zum ersten Stockwerk führten, 666 hinan. Der Commerzienrath war gerade unten im Comptoir; man bat ihn, einstweilen einzutreten, man wolle den Gebieter indessen zu rufen gehen. Als er die Thür öffnete', sah er sich in einen wahren Gemäldesaal versetzt. An den Wänden des geräumigen, saalgleichen Zimmers prangten eine Menge der auserlesensten Bilder auS allen Schulen. 9(uf beiden Seiten schlossen sich dem Saale zwei Reihen von andern, Zimmern mit offenen, ineinandergehenven Thüren an. Schüchtern und verblüfft von all' dem Glanze blieb er bei seinem Eintritt stehen und betrachtete die Herrlichkeiten, als sich auf einmal daS Zimmer zur rechten Hauv öffnete und ein Mädchen hereintrat, deren Anblick ihn plötzlich aus aller kaum errungenen Fassung brachte. „Sie wollen zu meinem Vater?" fragte sie. „Er wird sogleich erscheinen." Das waren allerdings ganz gewöhnliche Worte. Aber der Ton, die Melodie, mit welcher sie gesprochen wurden, versetzten Werner in ein Verzückeu, das ihn nicht zu Worte ^kommen ließ. „Sind sie vielleicht Herr Werner?" fragte sie weiter. „Zu dienen, mein Fräulein," stotterte verlegen Werner. „Wir haben so viel Gutes von ihnen gehört," fuhr sie fort, „daß es den Vater gewiß recht freuen wird, Ihre Bekanntschaft zu machen. Es wollte uns bis jetzt nickt recht glücken, einen Informator zu finden, der mjt tüchtigen Kenntnissen so viele schätzbare andere Eigenschaften verbände, wie wir dieß von Ihnen..." Der Vater erschien und unterbrach das Mädchen. Auf dem Antlitze des Commcrzienraths, eines langen, Hagern Mannes, lagen Stolz und Kälte in zurückschreckendem Bunde zusammengesellt, ein Eindruck, dex den guten Werner auf den ersten Augenblick wenig zurückschreckte. Auch seine Worte hatten eine gewisse Gemessenheit, durch welche sich Werner genirt fühlte. „Sic sind mir von meinem Freund Hellmuth als Hauslehrer empfohlen," sagte er. „Haben sie aber auch Neigung zu diesem Berufe?" „Warunr nicht?" versetzte Werner bescheiden, auf den Rosalie, das reizende Kind, einen zu angenehmen Eindruck gemacht hatte, um die Stelle nicht unter jeder Bedingung anzunebmen. „Wenn Ihnen meine geringen Kräfte genügen, werde ich Mich sehr glücklich schätzen, Ihr geneigtes, ehrendes Zutrauen nach bestem Willen und Genüssen zu rechtfertigen." Harder theilte ihm nun das Weitere über seine Obliegenheiten mit, und äußerte den Wunsch, Werner möchte die Stelle möglichst bald antreten. Das war es gerade, was der bescheidene Informator gewollt hatte, und mit der größten Bereitwilligkeit erklärte er jeden Tag, jede Stunde ihm genehm. „Nun gut, so kommen Sic denn morgen!" versetzte der Commerzienrath. „Apropos, nicht wahr, Sie sind auch musikalisch?" In diesem Augenblicke ließen sich im Nebenzimmer die Töne eines Pianofortcs hören. „Ein wenig," versetzte Werner, „ich lernte zwar schon seit meinem sechsten Jahre Clavierspielen, doch hab- ich die Musik immer nur als Nebensache betreiben können." Während dieser Worte ertönten einige nichtssagende Läufer über das ganze Clavier hinweg, die zwar von einer gewissen technischen Fertigkeit, aber von wenig Geschmack und Gefühl des Spielenden zeugten. „Cs ist mein Carl," sagte Harder, als er bemerkte, daß Merner lauschte. „Lassen Sie uns doch einmal näher treten! Er hat gewandte Finger und spielt leichte Sachen schon vom Blatt, aber ich weiß selber nicht, was dem Jungen fehlt. Sein Spiel will mir nicht recht behagen." Als sie in das Nebenzimmer traten, fiel Werncr's Auge sogleich auf einen Spiegel; dieser zeigte ihm einen Anblick, vor dem er gewissermaßen erschrack. Er sah nämlich die schöne Rosalie mit einem jungen Offizier in einer Fensterbrüstung des folgenden Zimmers stehen. Die beiden Verlobten schienen in eine vertrauliche Unterhaltung vertieft. Eine kleine Regung der Eifersucht bemeisterte sich in diesem Augenblicke seiner Seele, allein er war zu sehr Philosoph, um diese Bewegung seines Innern Herr über sich werden zu lassen, und that deshalb, wie wenn er nichts bemerkte und dem Spiele des Knaben mit Aufmerksamkeit zuhörte. Harder bat darauf Werner, einmal selbst Etwas zu spiele». Der Candivat spielte ganz einfach, aber mit so viel Ausdruck, daß das Liebespaar näher trat. „Delieiös!" sagte der Lieutenant. „Süperbe!" der Commerzienrath. „Sie haben gerade das, was dem jungen Schüler hier fehlt." „So möchte ich auch spielen können!" wünschte Rosalie. „Jetzt freut mich's doppelt, Sic gewonnen zu habensagte Harder. „Ich entdecke immer mehr schöne Eigenschaften in Ihnen und bitte Sie, doch ja morgen schon in mein Haus einzuziehcn." Werner verbeugte sich tief über das halb gefühlte, halb mit gütiger Herablassung ausgesprochene Compliment und beurlaubte sich für heute. 3. Durch die Messe ward Leipzig in eine Weltstadt umgewandelt. Leute von allen Nationen drängten sich in buntester Menge durch die Straßen. Das Hotel de Paris bildete Abends den Hauptsammelplatz der Fremden. Dorthin wandte sich auch Lieutenant von Rosenfeld, Rosaliens erklärter Bräutigam, dem hcute von einem 667 Freunde eine Summe von 4000 Thalern anvertraut worden war, um sie morgen einem Handlungshaug der Stadt zu übergeben. Ein leidenschaftlicher Spieler, hatte er der Lockung nicht widerstehen können, eine Rolle Dukaten von jenem Geldc zu sich zu stecken, in der Hoffnung auf reichen Gewinn. Ehe er sich aber in das Spielzimmer begab durchflog er einmal die beiden großen Säle, wo für tausend Personen Raum genug zum. Speisen vorhanden war. Mit Mühe fand er eine leere Stelle an dem einen Ende der großen Tafel, woselbst sich einige seiner Freunde aufgepflanzt hatten, und eine Flasche alten Rüdesheimer und einige aus der kolossalen Speisekarte ausgewählte Leckerbissen versetzten ihn im Kreise seiner Bekannten -- bald in die heiterste Weinlaune. Da traf ihn auf einmal der bekannte Blick eines nicht weit von ihm entfernten Mädchens und störte ihn auf einen Augenblick in seinem muthwilligen Zecherfrohstnn. War es ja auch Caroline, die reizende Tochter des verdienstvollen aber armen Majors von Bergheim, mit welcher er früher verlobt gewesen und die er schändlicher Weise verlaffen und der Tochter des Leichen Commerzienraths Harder aufgeopfert hatte, weil Geld die einzige Triebfeder seiner Heirathsspecu- lationen war, Caroline nichts, dagegen Harders Rosalie im Ueberfluß besaß. So unangenehm ihm dieser Anblick im Augenblick war, so sehr schmerzte ihn die Bemerkung, daß Caroline neben einem jungen Mann saß und sich sehr vertraulich mit ihm unterhielt. Denn da er Caroline von jeher mehr geliebt hatte, als Rosalien, so befiel ihn eine ganz natürliche Anwandlung von Eifersucht, die er nur mühsam unterdrückte. Er mußte sich im Stillen Vorwürfe machen, daß er sehr unrecht gehandelt habe, Fräulein von Bergheim zu verlassen und beschwichtigte sein Gewissen mit; dein freilich sehr plau- sibeln Grunde, daß er mit Carolinen bei ihrer beiderseitigen Armuth und seinen vielen drückenden Schulden ja doch nicht glücklich geworden wäre. Caroline war heute wunderschön. So schön, so reizend hatte er sie noch nie gesehen, und es kostete ihn viele Mühe, die Vergangenheit durch die Hoffnung » auf eine goldene Zukunft zu vergessen. In dieser peinlichen Lage, in der sich Gefühl und Gedanken um die Herrschaft stritten, fielen ihm plötzlich seine Goldstücke und der Zweck seines Hierseyns ein, und rasch gings nun eine Treppe höher hinauf, durch mehrere spärlich erleuchtete Gänge nach dem Spielzimmer. Der Eintritt in ein derartiges unheimliches Gemach hat, wenn man aus lebhafter Gesellschaft kommt, immer etwas Unheimliches und Beklemmendes. Auch ihn wandelte ein derartiges Gefühl an und schon schwankte k er noch mit dem Entschlüsse, ob er nicht lieber wieder hinausgehen sollte. Da traf eben eine Karte mit 100 Dukaten, gerade dieselbe, die er aus dem Pointirbuch gezogen hatte um mit ihr den Anfang zu machen. Er zog eine andere und setzte. Sie gewann, und so die dritte, vierte und fünfte. Darauf fehlte er ein paarmal, kam dann aber wieder in's Treffen, eine Abwechslung der Chance, welche für den Spieler den höchsten Reiz, den größten Genuß bildet. Jetzt bog er paroli, six-' douze- und vingt-quatre- Ieva, und — traf. Schon hatte er einen recht hübschen Haufen Dukaten beisammen, als stch auf einmal sein Glück änderte. Ungeduldig werdend, suchte er es nun zu forcircn, aber es entfloh ihm und sein Geld flog im Galopp fort. Es dauerte nicht lange, so war seine ganze, wider Wissen des Eigenthümers erborgte Rolle Dukaten verspielt. In der Aufregung rannte er nach Hause, und holte eine zweite Rolle. Diese hatte dasselbe Schicksal, wie die erste. In noch größere Bewegung versetzt, stürzte er abermals nach Hause und steckte jetzt den ganzen Rest des ihm anvertrauten Geldes zu flch. Er mußte ja seinen Verlust wieder hereinbringen. Tollkühn rief er bet seinem Wiedererscheinen: „Va banque!“ und setzte auf die Dame. Alles lauschte athemlos. Der Abzug begann: L’as et valet — sept et huit — neuf et roi __ la dame et dix — »Die Dame hat verloren!" sagte der Bankier mit gewohnter Gleichgültigkeit und strich mit kalter Ruhe die blanken Goldstücke ein. Todtenbleich und besinnungslos wankte Rosenfeld aus dem Zimmer. Spieler haben mit Trunkenen das Eigene, daß beide sich ihren Zustand nicht anmMen lassen wollen, obwohl immer ohne Erfolg. Als sich der unglückliche Spieler auf der Straße befand, schlug er flch mit der geballten Faust vor die Stirne. Fast ohne Bewußtseyn wankte er in der Nacht zum Thor hinaus. Einen schneidenden Contrast zu seiner gräßlichen Stimmung bildete der Helle, klare Himmel, an dem der Mond mit unwandelbarer Ruhe strahlte. Er wollte beten, aber sein Gemüth war zu irdisch, um sich zu Gott erheben zu können. Tausend wilde Gedanken durchrasten sein Gehirn. Wenn er morgen die 4000 Thaler nicht ablieferte, so stand er ehrlos da, und doch sah er keine Möglichkeit, eine solche Summe in so kurzer Zeit herbeizuschaffen. Mehrmals umschwebte mit grauenhaften Gespensterklauen der Gedanke an Selbstmord seine Seele und nur die nahe Aussicht auf die reiche Heirath hielt ihn von diesem Schritte zurück. Einigemal dachte er sogar daran, Rosalien Alles zu entdecken; allein sein Vcrhält- uiß zu ihr war noch zu neu und zu delikat, und er war ohnehin wegen seiner Schulden schon mehrmals bei ihr verläumdet worden, als daß er es hätte wagen können. Wer aber sollte ihm helfen? Alle seine nächsten und nahen, ja selbst entferntere Bekannte hatte er schon längst in Anspruch genommen, und 4000 Thaler? (Sortf. folgt.) 668 Gutenb e « g. Stumm saß, bad Haupt gebeugt, in tiefem Sinnen Hanns Gutenberg in längst vergang'ncr Zeit; Das große Heil der Völker zu gewinnen, Gab ihm bad Wesen ber Unendlichkeit! Und was ber Wahn ber Pfaffen mocht beginnen, Dem Sieg bes Lichtes wich die Dunkelheit. Das große Werk könnt' nicht im jSturtif zerstieben, Es lebt und wirkt in kunstgeformten Tppen! Ein Chaos dunkler, trüg'rischcr Gestalten War noch die Welt, in öde Nacht gebannt. Nur Willkühr schwang die Geisel, blindes Walten Beherrschte nur das dunkle Schattenland. Nichts Edles könnt', nichts Schönes sich entfalten. Fern lag des Lichtquells goldner Blumenstrand. Die Wcltenlehr', von Christus uns gegeben, Könnt' himmelan im Pfaffenthum nicht streben! Die Himmclsblüthe lag gebeugt im Staube, Fremd blieb ihr Heil dem menschlichen Geschlecht', - Die kalte Brust, ach! floh der fromme Glaube, Und so blieb ferne: Wahrheit, Lieb' und Recht! Dieß Alles war dem blinden Wahn zum Raube, Dieß war sein schwarzes, höllisches Geflecht'. Das öde All' verschloß der Tugend Blülhen, Das Herz erstarb in liebelosem Brüten! Da plötzlich zückte, wie vom Blitz getragen,' Des Lichtes Fackel durch die Erdennacht! Es fing im Dunkel mächtig an zu tagen, Der Geist erstand in Heller Strahlenpracht! Die Stunde hatte dir, o Welt, geschlagen, Das Riesenwerk der Liebe war vollbracht! Genesen war das große Weltenübel, Gedruckt von Gutenberg die heil'ge Bibel! Die Nacht verschwand! — Ein heit'res Morgenglühen Stieg segnend nieder zu der Völkerschaar, Des Herzens Keime fingen an zu blühen, Im Geiste ward es Helle, ward es klar. O großer Meister, edel war Dein Mühen, Ein Denkmal bleibt's der Menschheit immerdar! Du brach'st des Wahnes nachtgedeckte Schranken, Gabst hohen Schwung den bleiernen Gedanken! Und fester schloffen sich der Menschheit Bande, Und Eintracht kehrte in die Herzen ein, Das Christenthum, das hehre, gottverwandte, Erblühte segnends hell im Aetherschein! Der Mensch, er sehnte sich nach jenem Lande, Erkannte nun erst fein erhab'ncd Sepn. Und in des Wissens goldnen Götterarmen -Fing nun die Brust an lieblich zu erwärmen! Und was der Weise sinnt' im stillen Zimmer, Was in der Brust ihm, in der tiefen, glüht, Uno was dem Dichter bei der Lampe Schimmer Die Seele leis, wie Götterhauch, durchzieht. Und was des Forschers Äug' im Sterngeflimmer In späten Stunden mit Bewund'rung sieht: Das trägt die Kunst des Büchcrdrucks auf Schwingen Durch alle Welt, läßt's zu den Herzen dringen! O schöne Kunst auf hohem Strahlenthrone! Erhab'ne, stolze Lichtverbreiterin! Die Vorzeit gab den Lorbeer Dir ^um Lohne, Von Jungfrau'« Hand gepflückt mit keuschem Sinn — Die Gegenwart reicht Dir die Dornenkrone, Wirft das Verdienst Dir karg und schlicht dahin. Du stiegst empor zu aller Welten Wonne, Doch Deinen Jüngern sank die heit're Sonne! O Gutenberg! verklärter, großer Meister, Nur einmal steig' zu Deiner Kunst herab; O steig' herab Du am? dem Reich der Geister, Schau' Deine Jünger an dem Traüerstab. Vergebens! dort in sel'gen Sphären kreist er, Das Jenseits nie ein Herz zurück uns gab. Nur wenn wir selig einst zur Grube steigen. Will ed verklärt uns das Verlor'ne reichen! Theodor Looo. Sträußchen für Damen. (Schluß.) Vergißmeinnicht. An der Quelle lag ich schlummernd, Ihr Gemurmel fang mich ein. Und ein Traumbild mich umschwebte, Hell wie Frühlings goldner Schein: Und ein Blümchen stand am Wasser, Blühte da so schön und licht; Horch! da singt's in leisem Flüstern: „Nenne mich Vergißmeinnicht, An der Quelle blüh' ich einsam, Blau und golden ist mein Kleid, Doch mich atm unscheinbar Blümchen Flieht der Jugend Heiterkeit. Ach, der Thau in meinem Kelche, Eine Thräne ist's im Auge, Sonst war's eine Freudenthräne, Doch sie starb in Schmerzes Hauche. Meine Schwestern brach der Knabe, Steckt' sie an des Mädchens Brust, Und sie schauend, denkt Sie seiner. Und so blüh'« sie fort mit Lust. Meine Schwestern flocht die Jungftau Alle liebend sich zum Kranze, Gab ihn hin dem Treugdliebten, Blüh'n so fort im stillen Glanze. Und die letzten wand ein Bruder , Trauernd noch zu einem Strauße, Weihte ihn der tobten Schwester, , Die ihm schläft in stiller Klause. Ich allein, ich blieb vergessen. Ohne Freube muß ich blüh'n, Keine Hand will mich noch pflücken Und so welk' ich einsam hin." Blümlein schwieg. Sein leises Flüstern ’ Klang so bittend zu mir über, Wollt' es pflücken — da erwacht' ich, Murmelnd zog der Bach vorüber. Und so nehmt denn, holde Schonen, Zu dem Sträußchen klein und schlicht, DaS ich hier für Euch gewunden, Freundlich dieß — Vergißmeinnicht! er. R ä t h s e l. Mancher hat's am Stiefel. Mädchen wohlqemuth Liebens vor dem Bufen, beiden steht es gut. Druck und Verlag der G. D. Brüpl'scheu Buch- und Steindruckeren*