jAnzcigefilatt ..... .. i . i... '. ■> TiA'.l/.. v . .• .. w :f,, für die Stadt und den Kreis Gießen. JV» 512. Mittwoch den 26. Mai 18517* Bekanntmachung. Das im Regierungsblatt AS 20. vom 18. l. M. erschienene Gesetz, die Verträge über Lieferung von Getraide, Reps, Magsamen, Hiilscnfrüchten, Ka> toffeln und Mehl von Seiten der Producenten betreffend, wird durch nachstehenden Abdruck noch besonders zur Kenntniß der diesseitigen Kreisangehörigen gebracht. Gießen den 20. Mai 1847. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen Prinz. Gesetz, die Verträge über Lieferung von Getraide, Reps, Magsamen, Hülfenfrüchtm, Kartoffeln und Mehl von Seiten der Produccnten betreffend. LUDWIG ii. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein re. re. Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen hiermit, wie folgt: ' Art. 1. Jeder Vertrag, durch welchen ein inländischer Producent, der zur Zeit des Erscheinens des gegenwärtigen Gesetzes nicht patentistrter Handelsmann ist, sich verbindlich macht, Getraide (Waizen, Korn oder Roggen, Gerste, Spelz oder Dinkel, Hafer, Heidekorn oder Buchwaizen, Hirsen) Reps, Magsamen, Hül- sensrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) Kartoffeln oder Mehl nach der Erndte des gegenwärtigen Jahres zu einem anderen Preise zu liefern, als zu dem zur Zeit des Vertrages bestehenden oder zu dem Preise, welcher nach der Erndte des betreffenden Gegenstandes zur Lieferungszeit der laufende sein wird, ist verboten und nichtig. Art. 2. Die Bestimmung des vorhergehenden Artikels findet auch Anwendung auf den Vertrag, durch welchen der Producent seine bevorstehende diesjährige Erndte an Getraide, Reps, Magsamen, Hülsenfrüchten oder Kartoffeln, sei es bezüglich seines ganzen Besitzthums oder einzelner Grundstücke, auf dem Halm oder am Stock, in Bausch und Bogen oder nach einem bestimmten Maße oder Gewicht verkauft. Art. 3. Auch die bereits abgeschlossenen Verträge der in den Art. 1 u. 2 beschriebenen Art sind nichtig. Art. 4. Wenn von Jnkrafttretung des gegenwärtigen Gesetzes an gegen das Verbot der Art. 1 u. 2 Verträge abgeschlossen werden, so verfällt sowohl der Käufer als der Mäkler in eine Polizeistrafe von 25 bis 300 Gulden. A r t. 5. Kann die zuerkannte Geldstrafe nicht beigetrieben werden, so muß sie im Gefängniß, und zwar mit 24 Stunden für jeden Gulden, verbüßt werden. In keinem Fall darf jedoch die Verwandlung dieser Geldbuße in Gefängniß die Dauer von 3 Monaten übersteigen. Art. 6. Die erkannt werdenden und eingehenden Strafen kommen der Armenkasse des Ortes zu gut, in welchem der Verkäufer wohnt. w Art. 7. Die in Unseren Provinzen Starkenburg und Oberheffen bestehende Verordnung vom 20. Juni 1817, in so weit diese über den Verkauf anderer Früchte und Crescenzien als Getraide, Reps, Magsamen, Hülsenfrüchte und Kartoffeln verfügt, bleibt fortwährend in Gültigkeit. 298 Art. 8. gegenwärtige Gesetz tritt mit dem Tage seines Erscheinens im Negierungsblatte in Kraft und wird, sobald es die Verhältnisse gestatten, durch eine besondere Verordnung zurückgenommen werden. Itrkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und des beigedrückten Staatsfieaels. Darmstadt, am 17 Mai 1847. (L- s.) LUDWIG. du Thil. Besondere Bekanntmachungen. 984) Die, in Folge eines Mißver- standnisses, in v*6 41. des Anzeigeblatts ange- kündigte Versteigerung der Hofraithe sammt Garten des Maurermeister Jacob Reiber dahier, wird hiermit widerrufen. Gießen den 22. Mai 1847. Gr. Hess. Stadtgericht Muhl. 93t) Die Stadt Lich beabsichtigt künftigbin vier Vieh- und Krämermärkte jährlich abzuhaltrn; der erste wurde gehalten Dienstag nach Ostern den 6. April, der zweite fällt auf Dienstag nach Pfingsten den 25. Mai, der dritte auf Dienstag nach Jacobi den 27. Juli und der vierte auf Dienstag nach Michaeli den 5. Oktober. Es wird zugleich bemerkt, daß vor der Hand kein Stand- und Pfiastergeld erhoben und der bestellte Marktmeister den Marktbesuchcrn in jeden Fällen behülf- lich sein wird, was überhaupt von den Einwohnern Lichs, die Handel und Gewerbe betreiben, zu erwarten steht. Die Herren Bürgermeister werden ersucbt, dieses im Interesse ihrer Gemeinden zu veröffentlichen. Lich den 17. Mai 1847. Der Gr. Hess. F. S. Bürgermeister Vogt. Versteigerungen. 982) Dienstag den 1. Juni d. I., Vormittags 11 Uhr, wird in dem hiesigen Landgcrichtslokal eine Kuh mit Kalb öffentlich gegen baare Zahlung verkauft. Gießen den 15. Mai 1847.- Gr. Hess. Landgericht das. Ploch. 983) Donnerstag den 10. Juni d. I. Morgens 8 Uhr, werden die zum Nachlaß der Gr. Oberförster Reitz Eheleute zu Lindenhof bei Hatzfeld gehörigen Mobilien, bestehend in Hausrath aller Art, Schränken, Kommoden, Bcttwcrk, Silber, Kleidung, darunter die Staätsuniform eines Reviersörsters, Gewehren, Sattelzeugs Oeconomie-- und Stuhlwagen u. s. w. in der Wohnung des Christian Reitz zu Lindeuhof gegen baare Zahlung der Erbvertheilung wegen meistbietend versteigert. Sodann haben Diejenigen, welche Forderungen an den Nachlaß haben, solche in 14 Tagen so gewiß hier z u melden, als sie sonst bei der Vertheilung nicht berücksichtigt werden. Battenberg am 18. Mai 1847. Gr. Hess. Landgericht. Stockhausen. Gebhard. 979) Die Herrichtung eines Bluunens auf dem Selzersbcrg, in Maurerarbeit bestehend, und zu 49 ft. 40 fr. veranschlagt, soll Mittwoch den 26. Mai, Morgens 8 Uhr, auf dem Nachhause dahier au den Weuigstfordernden Vergeben werden. Gießen den 17. Mai 1847. I. V. d. B. Der Beigeordnete Rühl. 954) Wegen cingetretener Verhinderung kann die im vorigen Anzeigeblatt bekannt gemachte, auf Mittwoch den 26. l. M. anberaumt gewesene Versteigerung der den Herrn Seipp und Asmus zustehende» Besitzung auf dem Gleiberg, erst Donnerstag den 27. l. M., Nachmittags 3 Uhr abgehalten werden. Gießen den 20. Mai 1847. Pfannmüller II. 985) Holzversteigerung. Montag den 31. d. M., des Morgens um 8 Uhr, werden im Frankenbacher Gemeindswald, Distrikte Enzigenberg und Hungerberg rc. 71 Stämme, 3242 Cubikfuß, Eichen-Bau- und Werkholz von 12—33Zoll Durch, Messer und 10—50 F Länge, und 1 Stamm Buchen-Werkiwlz, 28 Z. Durchm. und 10 F Länge, versteigert. Die Zusammenkunft ist im Distrikt Enzigenberg, unterhalt) der Chaussee am Jschelschcid. Frankenbach am 22. Mai 1847. Der Bürgermeister Kraft. 940) HolzversteigMMg im Revier Königsberg. Donnerstag den 27., Freitag den 28. und Montag den 31. Mai d. Z., jedesmal tort Vormittags 9 Uhr an, sollen in den Domauialwaldnngen des Reviers Königsberg, nachstehende Holzsortimente versteigert werden: 1) im Distrikte Schmittstatt: 14 Stecken BucheN-Scheicholz, 1 „ Eichen« „ 22 ,, Bnchen-Prügelholz, 1 ,, Eichen- „ 91% „ Buchen-Stockholz, 50 Wellen Eichen-Reisholz und 1 Stamm „ Bauholz, 33 Cubikfuß hltd.; 2) im Distrikte großer Rodenberg: 3 Stecken Buchen-Scheidholz, 162 „ „ Prügelholz, 108 ,, ,, Stockholz und 4925 Wellen „ Reisholz; 3) int Distrikte Vierruthen: 7 Stecken Buchen-Scheidholz, 9 ,, Eichen- „ 51 „ Buchen-Prügelholz, 4 „ Eichen- „ 180 „ Buchen-Stockholz, 6 ,, Eichen- ,, 50 Wellen „ Reisholz und 8 Stämme Buchen-Werkholz, 341 Cubf. halt. Die Zusammenkunft ist am ersten Tage im Distrikte Schmittstatt, unten bei den Wiesen; am zweiten Tage im Distrikte großer Rodenberg, bei dem sog. Radfcld, und am dritten Tage im Distrikte Vierruthen, bei dem Pflanzgarten. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird bis Martini d. I. Zahlungsfrist bewilligt. Königsberg den 19. Mai 1847. Der Gr. Hess. Rcvierförster des Reviers Königsberg. L. Dittmar. 981) Donnerstag den 27. d. M., Nachmittags 1 Uhr, soll das diesjährige Gras von */2 Morgen Gelände auf den sog. Bleichgärten, in zwei Abthei- lungen, öffentlich meistbietend verpachtet werden. Liebhaber wollen sich bei der Wohnung des Bleichers Schürz dahier einfinden. 930) Versteigerung von Arbeiten zur Erbauung eines neuen Rachhauses in Lich. Samstag den 29. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen im Gasthause zum Hirsch in Lich die zur Erbauung eines neuen Rathhauses daselbst erforderlichen Arbeiten, veranschlagt 299 Glaserarbeit zu 7) 8) Weißbinderarbeit zu tt 4417 3430 959 3197 351 ff ff 1) Maurerarbeit zu 2) Steinhauerarbeit zu 3) Zimmerarbeit zu 4) Dachdeckerarbeit zu. 5) Schreinerarbeit zu . 6) Schlosserarbeit zu 5208 fl. 4401 „ 5059 „ 1263 „ 36 fr. 03 „ 13 „ 59 „ 48 „ 57 „ 02 „ 38 „ 9) Spenglerarbeit zu . 10) Die Lieferung von 500 Bütten Kalk an die Wenigstfordernden versteigert werden, was man mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß bringt, daß die Pläne und Voranschläge bis zum Tag der Versteigerung auf dem Bürcau des Gr. Kreisbaumcisters zu Grünberg zur Einsicht offen 26 „ liegen. Lich am 16. Mai 1847. Der Gr. Hess. F. S. Bürgermeister Vogt. 989) Holzversteigerung im Muttershäuser Gemeindewald. Freitag den 28. Mai d. A., Vormittags 8 Uhr, sollen in dem hiesigen Gemeindewald, Distrikt Mausburg, Wäldchen und Wchrholz: 30 Stecken Buchen-Scheidholz 57 „ „ Prügelholz 21 ,, Eichen-Scheidhol; 14 „ „ Prügelholz 33^ „ Buchen-Stockholz 2 t1/« „ Eichen- ,, 4000 Stück Wellen Buchen-, Eichen- und Nadel- Reisholz 2450 Kiefern Bohnenstangen 14 Eichen Baustämme von 30 — 50 Fuß Länge und 20 — 36 Zoll Durchmesser, im Ganzen 937 Cubfs. haltend, an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Der Anfang und die Zusammenkunft ist tnt Distrikt Wäldchen am Vizinalweg von Ruttershausen nach Wißmar an der Lahn. Ruttershausen den 20. Mai 1847. Der Bürgermeister Klinkel. Feilgeboten. 960) Reis zu 16, 12 und 14 fr. das Pfund, empfehle ich zur geneigten Abnahme. Z. G. Appel. 988) Ausgezeichneten guten vorjährigen Hopfen, hiesiges Gewächs, ist zu verkaufen bei Gottlieb Strauch, Maurermeister. 959) Muskat-Rosinen empfiehlt I. G. Appel. 300 Gustav-Adolph-Verem. Die statutenmäßige jährliche Hauptversammlung des oberhessischen Zweigvereines der Vu/iav-A-olph-S'iiftung soll Mittwoch -en 16» Juni d. I. , Vormittags IO Uhr, im Buschffchen Gartenlocale dahier stattfinden, was mit dem Bemerken öffentlich hekannt gemacht wird, daß etwaige Wünsche und Vorschläge von Mitgliedern des Vereines, wenn fie nicht längstens bis zum 12. Juni zur Kenntmß des Vorstandes der Versammlung nicht zur Sprache Gießen am 19. Mai 1847. 986) Der unterzeichnete Vorstand benachrichtigt die verehrlichen Mitglieder des Gesellschafts- Vereins, daß der auf den 1. kommenden Monats angekündigte Stiftungsball mit Rücksicht auf die dermaligen drückenden Zeitverhältniffe nach Beschluß der vollen Beamtenvcrsammlung ausgesetzt worden ist. Gießen den 24. Mai 1847. Der Gesellschafts-Vorstand. Dr. Hillebrand. Völker. 856) Das große Badische Staatsanlehen von 14- Million Gulden bietet Gewinne von fl. 30000, 40000, 33000, 13000, 12000, 10000, 3000, 4300, 4000, 2000, 1000. Die nächste Ziehung findet am 31. Mai a. c. statt Uttd empfehle hierzu Ori- ginattoose Ä fl. 37 Plane und jede Auskunft gratis. Obige Loose werden bis zum 15. Juli 1847 jederzeit a fl. 35 30. zurückgenommen, daher zur Porto- und Mühecrsparung die Einrichtung getroffen ist, daß nur der Differenz von fl. 1 30 pr. Loos einzusenden ist. Julius Stiebel junior, Banquier in Frankfurt a. M. Büreau Wollgraben. gebracht worden sein werden, in gebracht werden können. Der Vorstand. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Ge m'e i n d e. Getaufte. Den 23. Mai. Dem Bürger und Schmied- meister Philipp Karl Walther, eine Tochter, Marie Ernestine, geboren den 4. Mai. Denselben. Dem Bürger und Metzgermeister, Heinrich Lenz, eine Tochter, Sophie Henriette, geboren den 9. Mai. Denselben. Dem Bürger und Schuhmachermeistcr, Ludwig Selzer, eine Tochter, Karoline Regine, geboren den 8. Mai. Denselben. Dem Bürger und Rothgttbcrmeister, Hermann Pugge, ein Sohn, Hermann Daniel Karl August Martin, geboren den 29 April. Denselben. Eine uneheliche Tochter, Karoline Fric- dericke Johannette Elisabethe Christine, geboren den 2. Mai. Beerdigte. Den 22 Mai. Wilhelm Karl Schmidt, des Bürgers und Uhrmachers, Heinrich Schmidt, ehelicher Sohn, alt 3 M. 2 T., gestorben den 20. Mai. Den 24. Mai. Georg Eduard Karl Philipp Barth, Großherzoglicher Hofgerichts - Secretariats - Accessist dahier, alt 2t I. 10 M. 8 T., gestorben den 22. Mai. Künftigen Sonntag, den 30 Mai, findet die Feier des heiligen Abendmahls wieder Statt, und von da an weiter alle 14 Tage. Zugleich bringt man die frühere Einrichtung, nach welcher die Communi- canten sich bis längstens zum Freitage bei dem Opfermann anzeigen und aufschreiben lassen sollen, damit man weiß, ob und wie viele Personen zum heiligen Abendmahl gehen wollen, hiermit in Erinnerung. Angekommene und abgereiste Fremden vom 21. bis 24. Mai 1847. 3 n den Gasthäusern. Im Rappen: Hr. Paul, Privatm. v. Arolsen. Hrn. Kfl. Pagel u. Bogt v. Bremen, Schmitt v Cöln u. Frei- muth v. Schwelm. Hrn. Oecon. Klein v. Cassel u. Braun v. Oberurf. Hrn. Kfl. Kling v. Wiesbaden, Hoppe v. Lübeck, Schuster v, Miltenberg, Paste v. Mannheim, Rindskopf u. Meißner v. Frankfurt, Rathmann v. Cassel u. Eberhardt v. FriedrichShütte. Hr. Wetter, Jäg. v. Isenburg. Hr. Pfeil, Kfm. v. Cassel. Hr. Jung, Privatm v. Heidelberg. Hrn. Kfl. Fichsncr v. Bingen u. Herzinger v. Arenborn. Hrn. Sind. jur. v. Hahn u. v. Bolschwing v. Göttingen. Hrn. Kfl. Kruse v. Mainz, H, Müfler v. Frankfurt u. L. Müller 301 v. Barmen. Frl. Müller v. Biedenkopf Hr Windler, Hauptm. v. Hannover. Hrn. Kfl. Behrens v. Osnabrück, Henckel v. Rheidt, Groß v. Frankfurt u. Oltmann v. Bremen. Hr. Ludringshaus m. Fam. u. Bedien., Rent. v. Amsterdam Hrn. Stuck. Lantz, Euler u. Laurth v. Bonn. Hr. Freiherr v. Rabenau v. Grünberg. Hr. Jäger, Privatm. v. Schlitz. Hr. Junghahn, Kfm. v. Coblenz. Hr. Hofmcper, Ingen, v. Cassel. Hr. Feldmann, Kfm. v. Mannheim. Im Einhorn: Hrn. Kfl. Datfcld v. Frankfurt, Ohler v. Barmen u. Fischer v Dürckheim. Hr. Lorenz, Hauptm. v. Philadelphia Hr. v. Buckau, Ingen, v. Magdeburg. Hr. Brown, Capit. v. Hamburg. Hr. Lehste, Gutsbes. v. Mün- den. Hr. Schlcmann, Thierarzt v. Coblenz. Hr. Grube, Kfm. v. Barmen. Hrn. Partie. Winschotte u. Hüdepohl v. Paris. Hr. PetiS, Kfm. v. Wolfenbüttel. Hr. v. Buth, Partie, v. Trier. Hr. Rosenthal, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Frimborn, Fabrik v. Pforzheim. Hr. Stahl, Kfm. v. Bremen. Hr. v. Zarasky, Licutn. v. Luxemburg. Hr. Mooskopf, Kfm. v Bingen. Hr. Bullin, Fabrik, v. Altona. Hr. Freiherr v. Osten m. Tocht., Gutsbes. u. Hr. v. Henning, Archit. v. Bickeburg. Hrn. Kfl. Liebmann v. Leipzig u. Wagner v. Lübeck. Hr. Bergmann, Partie v. Wesel. Hrn. Kfl. Deigmann v. Bremen u. Kilster v. Eisfeld. Hr. Postels, Rent. v. Cöln. Hr. Schneider, Advoc. v. Friedberg Hr. Denker, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Schneider, Gerichtssecret. v. Odenkirchen Hrn Kfl. Tendering v. Rheidt, Leipold v. Nürnberg u. Kaufmann v. Elberfeld. Hr Hartlaub, Partie, v. Brandenburg. Hr. v. Kollmann, Major v. Hannover. Hr. SameS, Kfm v. Hamm. Hr. Jevers, Fabrik, v. Her- fort Hr. Hoffmann, Apoth. v. Grünberg. Hr Cramer m. Fr, Privatm. v. Wiesbaden. Hr. Klein, Registrat. v. Mainz. Hr. Weidenbusch, Advoc. v. Darmstadt. Hr. Diepholz, Kfm. v. Cöln. Hr. WohlerS, Dr. >»eck. v. Bielefeld. Hrn. Kfl. Robert v. Düsseldorf u. Bcrgfitter v. Ahrweiler. Im Prinz Carl: Hr. WirthwkM, Cand. V. Büdesheim. Hr. Drescher, Techn. v. Cassel. Hr. Scebold, Privatm. v. Friedberg Hr. Schäser, Ingen, v. Wimpfen. Hr. Hölzen- leuchter, Oecon. u. Hr. Rothhahn, Fabrik, v. Felda Hr Löderich, Pacht v. Wörrstadt. Hr. Ortmüller, Kfm. v. Weilburg Hr. Bchrmann, Privatm. v. Kronenburg. Hr. Zimmer, Sluck v. Göttingen. Hr. Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr. Ulrich, Fabrik v. Schotten. Hr. Bopp, Kfm. v. Rüsselsheim. Hr. Wolf, Oecon. v. Dautphe. Hr. Gutmann, Privatm. v. Romrod. Hr. Schönfeld, Fabrik, v. Schotten. Im Adler-. Hr. Schneider, Secret, v. Wetzlar. Im Stem: Jungfer Bolp v. Friedberg. Hrn. Privat!. Nebhut u Vierheller u. Hr Julmann, Scrib. v. Homberg. Hr. Weber, Fuhrm. v. Haiger. Hr. Meper, Handelsm. v. Offenbach. Hr. Seitz, Privatm v. Homberg. Hr. Böhle, Fuhrm v. Sachsenberg. Hr. Veitner, Chir. v. Friedberg. Hr. Stahl, Müll. v. Wohra. Jungfer Kratz v. Ruppertenrod. Hrn. Handelst. Danny u. Graudy a. Italien. Hr Weber, Privatm. v. Königsberg. Unterhaltendes. Die Christrose. Erzählung von N..... . B..... (Fortsetzung.) II. Das Gäßchen, das Klärchen durchschritt, war öde und still; nur selten ein Fenster hell erleuchtet; selten vernahm man die Stimmen fröhlich jubelnder Kleinen. Im Darmstaedter Haus: Hr. Diebel, GkschäftsM. v, Leisel. Hrn Fuhrt. Ditschler v. Büdingen u. Lenz v. Köthen. Hrn Geschäftsl. Blum ». Hattenrod u. Geisel v. Leisel. Hr' Wurm, Handelsm. a Tyrol. Hrn. Musik. I. Unger, Wild, E. Unger, Erlbeck, Betz ».Schneider v. Gottesgab. Hr. Engel, GcschäftSm., Hr. Graf, Lehr., Jungfer Melzer u. Fr. Käufer v. Darmstadt. Hr. Müller, Först, v. Niederorke. Hr. Carl, Müll. v. Nehbrücke. Hr. Sulzer, Schausp v. Leipzig. Hr. Müller, Geschäftsm. v. Kirchgöns. Fr. Fiffel v. Hungen. Hrn. Geschäftsl. Holzapfel v. Berleburg u. Sauch v Lauterbach. Hr. Will, Müll. v. Königsberg Hr. Hombergcr, Handelsm. v. Romrod Hr. Philippi, Bauaufseh. v. Darmstadt. Jungfer Hofmann v. Äeiskirchen. In der Sonne: Hrn. Handelst Schäfer v. Untcrwit- tershain u. Wagner v. Beuern. In der Rose: Jungfer Schwab v. Nidda. Hrn. Ge- schäftsl. Lincker v. Götze u. Wallon v. Trais. Fr. Holler v. Grünberg Hr. Schimmel, Geschäftsm. v. Hildburghausen. Hr. Junker, Maur. v. Winnenrod Jungfer GanS v. Ganseburg. I n den Privathäusern. Bei Hrn. Asscff. Stein: Hr Carl, Kfm. v. Frankfurt. — Bei Hrn. Schneidermeist. Kratz: Hr. Kratz, Kaufm. v. Cöln. — Bei Hrn. Goldarbeit. Hanau: Frl Hanau v. Friedberg. - Bei Hrn. Hofger.-Advoc. Wetzler: Fr. Bauer v. Friedberg — Bei Hrn Kfm. Stern- Hr. Stern, Privatm. v. Friedberg. — Bei Hrn. Kfm. Reiß: Hr. Reiß m. Fr, Doct. v. Mainz. — Bei Hrn. Kfm. Müller - Hrn Privatl. L Müller v. Leykgestern, C. Müller v. Friedrichsdorf u. Beer v Dorlar — Bei Hrn. Hutmach Gail: Fr. Müller v. Gladenbach. — Bei Hrn. Bäckermeist. Wallenfels: Hr. Wilms, Privatm. v. Stargard. — Bei Hrn. Stuck. Obern- dörfer: Hr. Daum, Oecon. v. Darmstadt. — Bei Hrn. Univ -Richt. Dr. Trygophorus: Fr. Odrist Fenner v. Homburg — Bei Hrn. Mechan. Staudinger: Hr Staudinger, Oecon. v. Appenrod. - Bei Hrn. Geh. R. Knorr: Frl. Fre- seniuS v Gladenbach. — Bei Hrn Goldarbeit. Heinrich: Fr. Herbert v. Nheinböllerhütte. — Bei Hrn. Stallknecht Jost: Hr. Feldmann, Privatm v. Grünberg. — Bei Hrn. Schnci- dermcist. Weil: Hr. Weil, Privatm. v. Oppershofen — Bei Hrn. Hofger.,R. Wortman»: Hr. Wortmann, Kfm. v. Bremen — Bei Hrn. Fabrik. Fulda: Hr Rausch, Stuck, jur. v. Marburg. — Bei Wittwe Frech: Fr Gaßner v. Gaual- geshcim. — Bei Hrn. Phyfik.-Arzt Dr. Weber: Hr. Weber, Gymn. v Büdingen. - Bei Hrn. Kfm. Münch: Hr. Reich« mann, Rentmeist. ». Hohensolms. — Bei Hrn. Hofger.-R. Schäfer - Hr. Jäger m. Tocht., Landricht. v Großkarben. — Bei Hrn. Kfm. Hoffmann- Hr. Evers, Stuck v. Göttingen. — Bei Wittwe Weidig t Hr Fleischhauer m. Fr., Privatm. v. Haarhausen. — Bei Wittwe LampuS - Hr. Lampus, Rent. u. Hr. Merck, Schrifts. v. Darmstadt. Klärchen schaute hin und' wieder in ein niederes Fenster des Erdgeschosses; aber sie erblickte nie Etwas, das ihr Muth gcmächt hätte, die Bewohner dieser ärmlichen Räume um Aufnahme anzuflehen. Denn in diesem Viertel wohnten meistens arme Handwerker, Taglöhner, die kaum für ihre Familien genug auf- bringrn konnten. Die Arme ging daheö immer weiter dem Ende der Gasse zu, wo sie sich bald in dem Gedränge verlor, das die glänzende Hauptstraße der Stadt 302 erfüllte. Hier bot sich ihr ein prächtiger Anblick dar. Fast aus allen Fenstern wallte ein Lichtmeer; übtrall in den Häusern sah man Tannenbäumchen, die ihre grünen Zweige unter einer flimmernden Last bogen. Neugierige wogten hier in Menge vor den hcllerleuch- teten Gewölben, um die reichen Herrlichkeiten, die so lockend ausgebreitet dalagen, zu betrachten. Klärchen war ganz erstaunt ob dieseni Glanz und Schimmer, den sie noch selten gesehen; denn sie war beinahe nie aus ihrem Stübchen gekommen. Bei diesem flimmcrn- den Flitter vergaß sie Ihren Hunger, die empfindliche Kälte Und ihre schreckliche Hülflostgkeit. Besonders bezauberten sie die niedlichen Dinge, die sic in dem hellerleuchteten Gewölbe eines Zuckerbäckers zu sehen bekam. Träumend lehnte sie ihr blasses Gesichtchen an die großen Chrystallglasscheiben und schaute träumend in die süße Fecnwelt. Was nur Schönes zu erdenken ist, war hier lockend ausgebreitet. Riesen, Zwerge, Mönche, Engel, Krippchen, Könige, Hirtinnen, Purzelmännchen, Landleute u. s. w., Alles in bunter Menge durcheinander; darunter hoben sich wieder feingeschliffene Crystallgefäße, aus denen die Lichter in Regenbogenfarben wiederstrahtten. Darauf lagen Südfrüchte, bunte Kleinigkeiten und Zuckerwerk in Menge. Bei diesem Anblick wurde Kiärchens Eßlust rege, und Mit ihr kam wieder ihre ganze Hülflosigkeit vor die Seele. Traurig eilte sie von dieser Stelle weg, und schritt weiter, bis wieder ein Gewölbe, das von hellem Gaslichte glänzte, ihre Aufmerksamkeit fesselte. Sie blieb auch hier stehen und schaute. Hüte mit Federn und Blumen, allerliebste Barrctte und Turbans, niedliche und geschmackvolle Spitzcnhäubchen füllten den Raum des Schaufensters. Im Innern des Gewölbes trieb sich eine Schaar eleganter Damen herum, bewunderte, plauderte, verglich und wählte, unter denen mit zuckersüßer Miene die Besitzerin all' dieser Herrlichkeiten umherging und ohne Maßen das lobte, tvaS irgend Einer die Gnade gehabt hatte, zu gefallen. Klärchen hatte heute noch nirgends so freundliche Gesichter gesehen und sie dachte bei sich selbst: „Da will ich doch hineingehen und diese freundliche Frau anreden , sie sicht ja so gütig aus Und sie legte ihre kleine zitternde Hand auf die glänzende Klinke; sie drückte, und behend öffnete sich die Thüre und das erschrockene Mädchen stand, sie selbst wußte nicht, wie, im glänzenden Ladengewölbe der Modistin. i Es hatte sie Niemand bemerkt, oder, wie es vielmehr schien, es wollte sie Niemand bemerken. Doch Klärchen blieb ruhig stehen und faßte Hoffnung; denn es dünkte ihr, jene freundliche Frau habe sie gesehen. Und so war es auch. Jetzt, da alle Damen um das „Allerneueste" sich geschaart hatten, schlich die Modistin behende zu Klärchen, und stellte sich so vor sie, daß .sie Niemand mehr sehen konnte. Ihre rosige Miene war ganz verschwunden und ihr Gesicht hatte einen ganz anderen Ausdruck, und in rauhem Tölle redete sie leise die Zitternde attl „Was willst dü?" „Ach gute Frau," entgegnete Klärcken, „ich flehe Ihr Mitleid an, ich möchte gerne . . ." „So! — du bist von der Sorte?" unterbrach jetzt die Modistin das Mädchen zornig; „man ist doch keinen Augenblick sicher vor dem Lumpenpack. Da kommen sie Noch Nachts und betteln die Leute an. Ich will dir jetzt rathen, kleine Vagabundin, hinauszuge- hen; denn ich habe nicht länger meine Zeit mit dir zu verlieren." Und während der letzten Worte schob lie das Mädchen langsam zur Thüre hinaus. Hier stand nun das verdutzte Klärchen, zitternd und weinend. Diese Worte hatten sie mehr gebeugt, als jede Mißhandlung. Trostlos, ohne mehr auf Etwas zu achten, schritt sie weiter. Hunger und Frost durchschaucrten Ile; doch um keinen Preis hätte sie jetzt Jemanden anzuzprechen vermocht; denn die ihr eben wiederfahrene Behandlung hatte sie ganz an den Menschen irre gc- sührt. Es stiegen in dem armen Kinde allerlei finstere, düstere Gedanken auf. Doch nach einer Weile versank sie wieder in ihr voriges stilles Wesen; ihr Gang wurde immer langsamer, und als sie eben in eine Gasse, die zu ihrem alten Quartier führte, einbog, zeigte der Lichtschimmer einer Laterne zwei große Thränen in ihren Augen. Sie war mit sich selbst unzufrieden; denn sie sagte verdrießlich vor sich hin: „An Allem, was mir so eben wiederfuhr, bin ich |etb|t lchuld. Ich hätte mich eher bei den Leuten Umsehen sollen, statt müßig in der kalten Kammer zu sitzen. Ich wäre gewiß irgendwo aufgehoben." Die Kälte nahm immer mehr zu, und der überfrorene Boden ward immer glätter. Sie ging immer schneller, aber gerietst unglücklicherweise auf eine allzu- glatte Stelle, gleitete aus und stürzte mächtig auf den harten Boden. „Heiliger Gott!" schrie sie; dann war Alles, still. Nirgends hörte man einen Tritt; nirgends war ein Mensch in der Nähe. Da näherte sich von ferne her das dumpfe Rollen eines Wagens. Dies schien Klärchens Ohr nicht zu entgehen; denn sie suchte sich wieder aufzuraffen. Der Wagen war noch einen Steinwurf ferne und man konnte deutlich der Pferde schnellen Tritt unterscheiden. Jetzt überkam Klärchen wahre Todesangst; mit der letzten Kraft hob sie das bleiche Haupt, suchte auf den Händen wegzukriechen; aber sie sank wieder kraftlos zurück. Ein Angstruf entrang sich der gepreßten Brust, und das Mädchen sank jetzt in volle Bewußtlosigkeit..... III. Wir sehen uns in eincm überaus niedlichen Zimmer. Der erste Anblick zeigt uns, daß hier eine reiche Dame wohnen müsse. Von der geschmackvoll bemalten Decke schwebt eine Alabasterlampe, die ein angenehmes Licht verbreitet; die Wände sind mit einem wohlthuen- den Grün überkleidet, gegen das wunderschöne Gemälde in Goldrahmen reizend abstechen; eine überaus reiche Toilette steht vorn in der Nähe des einen Fensters, daneben ein ganz neues Kamin, auf dem eine Menge Zimmerblumen blühen, gegenüber steht ein grün- damastenes Ruhebett. Den Hintergrund des Zimmers nimmt ein überaus schönes Bett ein, neben das ein moderner. Lehnstuhl gerückt ist. Hier sitzt eine junge Dame. Ihr Köpfchen, das sie unS nicht zukehrt, lehnt traurig auf der weißen schöngeformten Hand, und ihr Blick haftet ängstlich auf einem bleichen Gesichtchen, das unter der seidenen Decke des Bettes halb versteckt ist. Jetzt erregen Schritte auf der Flur ihre Aufmerksamkeit. Sie erhebt sich so leise als möglich, eilt der Thüre zu, die sie geräuschlos öffnet. Mit tiefer Verbeugung naht ein ältlicher, freundlicher Mann. Nach den ersten Begrüßungen zieht ihn die Dame zum Lager der Kleinen, die in sanftem Schlafe ruht; und, einen fragenden Blick auf diesen Mann heftend, flüsterte sie: „Was meinen Sie, Herr Doktor. Geht es besser? „Beruhigen Sie sich, gnädige Frau," entgegnete leise der Arzt, „ich finde sie weit besser, als vor einer Stunde, da ich sie das erstemal sah. Die Kleine, hat nur Erholung, Stärkung und Ruhe nüthig. Wer wird denn auch unter Ihrer Pflege sterben mögen?" setzte er schmeichelnd hinzu. Doch die Dame verwies ihm diese Aeußerung lächelnd und winkte ihm nach einem Nebengemache. „Sie wissen noch gar nicht, lieber Herr Doktor," Hub sie hier an, „wie ich zu diesem armen Mädchen gekommen bin. Ja, sehen Sie, das ist eine ganz eigene Geschichte; und ich halte mich für verpflichtet, ste Ihnen zu erzählen, wenn Sie mich nicht zu unterbrechen geloben." „Ihr Zutrauen gnädige Frau, freut mich ungemein" entgegnete der Arzt, „und mit vielem Vergnügen gebe ich das Versprechen." „Denken Sie sich," sprach sie weiter, „denken Sie sich, ick wäre heute bald die Mörderin dieses Kindes geworden. Wie sie ja wissen, sollte ich heute Abend der Vorstellung der fremden hohen Gäste bei Hofe anwohnen und bin auch dort gewesen; aber ich sehnte mich balv nach Hause. Daß mein Verschwinden nicht so bemerkt würde, hatte ich meinem Kutscher befohlen, auf einem Nebenwege nach Hause zu fahren. So kam ich nun durch mehrere öve Gassen. Nicht weit vom Christophthore hält mein Kutscher Plötzlich. Ich zog an der Schnur und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. Da antwortete er mir ganz erschrocken, cs liege Etwas vor seinen Pserden, das ihm wie ein Kind vorkomme. Denken Sie sich — ein Kind. Ich dieses hören und zum Schlag hinaushüpfen war Eines. Ach, was sah ich! — wirklich, ein armes Kind, das *is aus einer Kopfwunde heftig blutete, halberstarrt auf dem Boden liefen. Ich schauderte vor dem Gedanken, daß vielleicht meine Pferde dieses arme Wesen hätten zerstampfen können." (Fortsetzung folgt.) Eine der Hauptursachen der, vorzüglich in den letztvergangenen beiden theucrcn Jahren hervorgetretenen Armuth so vieler Familien, ist der gänzliche Mangel an Sparsamkeit im ledigen Stande. Hätte die Frau in den letzten 10 Jahren vor ihrer Verheirathung in den manchen Feierstunden jährlich nur 50, also wöchentlich 1 Stück Garn gesponnen und für sich verweben lassen, so würde sic den neuen Haushalt freudiger beginnen können, denn sie hätte dann nicht nur für gesunde, sondern auch für kranke Tage die erforderliche Leinwand auf geraume Zeit, während jetzt die Aerzte und Hebammen oft bei noch jungen Leuten nicht einmal das Wenige an Leinen finden können, was ne notwendig gebrauchen, nicht zu gedenken, wie sehr bei solchem Mangel die Reinlichkeit und somit die Gesundheit leidet. Kann man ja oft in der verkommenen jungen Ehefrau das noch kurz- vorher so schmucke Mädchen kaum wieder erkennen. An vorräthige Strümpfe und dauerhafte, solide Kleidung wird in den Blüthe-Jahren gar nicht gedacht, denn die Sorge für Mützen, Hüte, Mäntel, Umschlagetücher, Gürtel und wie die unentbehrlichen Dinge alle heißen, läßt dazu keine Zeit, so wenig, als die zur Erholung dringend erforderlichen Besuche der nahen und fernen Belustigungsorte und der so häufig wiederkehrenden Festlichkeiren, bei denen die Fremden die meiste Einnahnte bringen, einige Thaler jährlich in die Sparkasse wandern lassen. Ist ja doch nicht einmal Zeit, für sich selbst zu stricken, zu stopfen und zu nähen, wovon die vielen Bestellungen an Strickerinnen und Näherinnen laut zeugen. Freilich muß man in diesem Falle bedenken, daß während des schlechten Schulbesuchs auch nicht einmal so viel gelernt ist, und so ist cs denn besser, die freie Zeit und die Stunden, weiche man der Arbeitszeit entwendet, an der Thür oder beim Wandeln im Mondscheine selbander sich zu Nutze zu niachen, als zwischen den vier Wänden seine Sachen zu rüstern, oder sich die erforderlichen Fertigkeiten nachträglich durch fleißige Uebung anzueignen. Das Erlernen des Spinnens, dessen sich einst Königinnen nicht schämten, einem heutigen sogenannten Fräulein zuzumuthen, wäre freilich ein unerhört hartes Ansinnen. Auch der Junggeselle kann nach Bestreitung der Ausgaben für Bier, Branntwein, Pfeife, Tabak, Cigarren, Festgelage re. re. keinen Groschen erübrigen, um dermaleinst die ersten Einrichtungskosten eines klei- 304 neu Haushaltes decken zu können, dazu ist ja auch das Borgen und Schuldigbleiben gut. Betrübend ist es, daß es noch immer wahr ist, daß eine Mutter wohl sieben Kinder unterhalten kann, aber diese nicht eine Mutter ernähren können. Unsere Kirchen und Sonntagsschulen stehen leer, während in den Schenken es an Stühlen für die Gäste fehlt. Tabak, Bier und Branntwein, so wie das damit eng verbundene Wirthshausleben sind aber so zinN Bedürfniß geworden, daß wegen Befriedigung desselben Scham und Ehrgefühl bei Seite gesetzt werden und Frau und Kinder Noth leiden müssen. Denn cs ist nicht der Groschen und mehr, der tagtäglich darauf geht, sondern die kostbare Zeit zum Verdienen wird vergeudet und die Lust zur Arbeit schwindet mehr und mehr; es wird schlecht gearbeitet und darum ist am Ende keine Arbeit mehr zu bekommen. Mit dem Wünsche, daß diese wohlmeinenden Worte nicht ganz nutzlos seyü weiden, fordern wir alle Hausgenossen, Lehrherrcn, Meister und Eltern dringend auf, ihre Untergebenen zur Häuslichkeit und Sparsamkeit mit Liebe und Ernst anzuhalten, und so der Armuth einen festen Damm entgegen zu setzen.*) Feuilletons Dem Doktor und Apotheker W. Keller zu Berlin ist es nunmehr, nachdem von mehreren Andern bereits mit unbefriedigendem Erfolge die Erzeugung eines guten Bieres aus Kartoffeln versucht worden, gelungen, verschiedene Biersorten aus dieser Frucht herzustellen, als z. B. Lagerbier von der Würze und Stärke der englischen, Weiß-, Braun- und Bitter-Bier von der besten bayerischen. Die Kosten sollen ungefähr die Hälfte der auS Malz gebrauten betragen. Diese Viere werden nur aus Kartoffeln und einem geringen Zusatz von Malzstoff bereitet und bestehen in mehr oder weniger verdünntem Zustande aus Gummi, Zucker, Alkohol, Kohlensäure und Hopfcnertract, und wird der Klebergehalt im Malze als stickstoffhaltiger nahrungsfähiger Körper durch den Einweichstoff in der Kartoffel vollständig ersetzt. Die Kartoffelbierc sind also, selbst in Betracht der nährenden Bestandiheile, den besten Malzbieren gleich zu achten. Bestellungen auf diese Biere in Fässern werden Adlerstraßc Nr. 5 in Berlin angenommen. Man verspricht sich von dieser neuen Erfindung die Unterdrückung des Branntweins. *). Wir erlauben uns um Mittheilung von gemeinnützigen, landwirthschaftlichen und praktischen Aufsätzen über die gesellschaftlichen Zustände, so wie von unterhaltendem und belehrendem Inhalte zur nützlichen Verbreitung durchs Anzeigeblatt zu bitten. Aufsätze dieser Art können in der ehemals Heyer'- schen Buchdruckerei, Weidengasse Lit. B Nr. 79'/-, abgegeben werden. Die Redaction. (Schädlichkeit des Heißessens.) Ein englischer Arzt hat ein Werk in London herausgegeben: „Die Schädlichkeit des Heißessens" betitelt, worin er durch eine Menge von Beispielen zu beweisen sucht, daß die meisten Krankheiten der Menschen durch den Genuß der heißen Speisen herbeigeführt werden. Unter anderm heißt es in dieser Brochüre: „Die Thiere genießen sämmtlich kalte Nahrung, und sie bleiben im Naturzustände durchaus gesund. Der Mensch allein genießt rauchend heiße Speisen, als wenn er sich dadurch in die Klaffe der bösen Geister zählen wollte, welche das ewige Feuer ihrer Wohnungen auf der Oberwelt nicht vermissen können. Hütte der Schöpfer den Menschen zur Erhaltung ihrer Kvrpermaschine heiße Kost angewiesen, so würde die Lava als wohlschmeckender Brei aus den Eingeweide,! der Erde strömen, und die Baum- und Gartenfrüchte würden als feurige Kohlen dem Hungrigen entgegenlachen." Wir haben der Kochkunst keine Fehde geschworen, sie ist für Gaumen und Magen eine höchst ersprießliche Erfindung, aber der Mensch ahme nicht die heißhungerige Katze nach, welche das Fleisch aus dem Topfe zieht und es unter furchtbaren Qualen verschlingt. Was lieben die Frauen am meisten? In einem Männerzirkel warf man die Frage auf, „Was liebt die Frau am höchsten in ihrem Lebenslauf?" Der Eine sagt, das Putzen, der And're meint, den Mann; Der Dritte glaubt, das Tanzen, der Viert', die Kaf- feekann, Der Fünfte gar, das Schielen; der Sechst', das Rai- sonniren! Doch wollte keine Meinung zu einem Einklang führen. Ein alter Mann, der dieß alles mit anhörte, Mit einem schlauen Lächeln sich zu den Streitern kehrte: „Was jeder hier behauptet," so sprach er, „meine Herr'n Das liebt wohl jedes Weib und thut's von Herzen g-rn; Doch was ihr höher gilt, als selbst das Raisonniren, Es ist — der Frauen halt' ich vier, — es ist das Commandiren." Und Jeder sprach betroffen: „Der hat's getroffen." Ein östereichischer Landjunkcr ging aus die Jagd. Sein Begleiter schoß einen großen Adler. Neugierig eilte Jener hinzu uud fragte: „Was ist das für ein Thier?" — Antwort: „Ein Adler." — „I bewahre, a hat ja nur einen Kopf." — „Haltens zu ©naben' er ist wahrscheinlich aus dem Preußischen herüber gekommen." Drück und Verlast der G. D. Brühl 'schm Buch - und Steindruckerei in Gießen.