Anzeigeblatt für die Stadt und den Kreis Gießen. Jü 67. Samstag den 21. August 18^7. Frucht- u. Victualienpreise zu Gießen vom 21. bis 28. August 1847. Fleifchtaxe. 1 Pfund gutes Ochsenfleisch . . . 1 „ Kuhfleisch...... 1 „ Rindfleisch..... 1 „ Kalbfleisch..... t „ Schweinefleisch .... 1 „ Hammelfleisch gemästet i „ Leberwurst . . . . « • „ Bratwurst .... 1 „ Schwartemagen . . . 1 „ Blutwurst...... 1 „ gemischte Wurst . . t „ geräucherter Speck . . . 1 „ Schinken...... 1 „ Dörrfleisch..... 1 „ Rindsfett...... 1 „ Hammelsfett..... t „ Schweineschmalz ausgelassenes . *...... 1 „ ^desgleichen, unauSgelaflen kr. 13 11 10 7 16 11 16 20 20 18 12 28 20 18 18 18 26 26 Ps. 1; — 1 - 91 nm. Die Zu- gaben dürfen in weiter nicht«, al« lnFlcischvondcr- sclben Gattung bestehen ,u. ,war aufioPfd. Fleisch nichtmchralsan dcrthalbPfd.u.s. w. nach Proportion, welche« auf i Pfd. nicht völlig 5 Loth ausmacht. Köpfe, Füße, Ge- raub.wieauchdic ganjblurigenund nichtgenicßbarcn Stücke vom Hal« sind von der Zu- gabegänzlich ausgeschlossen. Brodtaxe. » W- "binäres Brod. au3 , @erflett, unb \ " i 1 Kornmchl bestehend o /, „ ff l 2 Pf. gemischtes Brod, QUd , Waizen- und a ” " " ( 4 Kornmehl bestehend ö ff ff ff J 5| Lth. Waffcrwcck..... 4j » Milchbrod..... Marktpreise. 1 Maas Milch ......... auch........ 4 Epcr........... 1 Pfund Waizenmehl . . . . ., . . 1 ii grob geschälte Gerste .... 1 >, klein geschälte Gerste..... • kr. 6 11 17 6 13 19 1 1 8 22 23 8 4 8 12 pf. 8 2 2 2 Städte G em äs Fru 6 Waizen ) tp r e Korn i f e. Gerste Hafer ‘ Erbsen Linsen ♦ Friedberg..... Gießen...... Grünberg..... Marburg..... Wetzlar..... das Malter das Malter das Malter das Mött der Scheffel Pf- 20( 20( 9( jt. 10 10 16 7 kr. 10 5 10 sz Pf-l 190| 200i 84 fl. 8 8 8 14 1 kr. 41 50 19 16J Ps 170 72 fl. 6 ~7 11 4 kr. 18 36| 3 |si 1 1 l^| | «>0 | kr. 50 58i Pf. El 11 1 1 1 1 F il 1 1 1 1^1 tgi. 1 1 1 l| kr. Edictalladung. Versteigerungen. 1122) Da über das Vermögen des Georg Wilhelm Ferber, Wilhelms Sohn, Metzgers und Wirthes zu Gießen, der Coucurs erkannt worden ist, werden alle Diejenigen, welche aus irgend einem Grunde etwas an denselben zu fordern haben, aufgefordert, ihre Ansprüche in Selbstperson oder durch gehörig Bevollmächtigte Montag den 23. August l. Z.- Morgens 8 Uhr, dahier geltend zu machen, widrigenfalls dieselben ohne weitere Bekanntmachung von der Concurs- maffe ausgeschlossen werden. Gießen den 10. Juni 1847. Gr. Hess. Stadtgericht. Muhl. Dr. Zimmermann. 1307) Montag den 23. August d. Z., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhaus, die dem Gastwirth Magnus im Garten dahier zustehende alt neu lDKlftr. ' 240^° yi36 44 Hofraithe in den Wallgärten, I91s/i0 /a? 682 Grabgarten daselbst, (ehemals 24OÄ1 Ebh. Schneider'scher Garten) öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 6. Juli 1847. Der Beigeordnete Rühl. 1539) Künftigen Montag den 23. d. M. r Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Behausung des Herrn Kaufmann 500 Stern in der Wallthorstraße die, zum Nachlaß der Andreas Müller's Wittwe gehörigen Mobilien, be- stehend in Möbeln, Bettwerk, Weißzeug und son- stigen Gerätbschalten, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 19. August 1847. Wilhelm Rühl, Vormund. 1498) Lieferung von Hammelwolle. Die Lieferung von fünf Centnern weißer und einem Centner naturschwarzer reiner Hammeiwolle für die hiesige Anstalt, soll im Soumissionswege an den Wenigstfordernten vergeben werden. Hierzu Lusttragende wollen ihre desfallsigen Soumissionen längstens bis zum 24. d. M., Vormittags 10 Uhr. auf dem Directorial-Büreau dahier, woselbst auch die Lieferungsbedingungen zuvor eingesehen werden können, versiegelt und mit der erforderlichen Aufschrift versehen, portofrei cinreiche». Marienfchloß am 12. Ang. 1847. der Verwalter Bauer. 4544) Versteigerung von Pflasterarbeiten bei der Stadt Gießen. Dienstag den 24. August l. Z., Vormittags 9 Uhr, soll bei der Stadt Gießen Pflasterarbeit, veranschlagt zu 28 fl. 52 fr., an den Wenigstfordernden versteigert werden. Gießen den 18. August 1847. P Z. B. d. B. der Beigeordnete Rühl. 1512) Grasversteigcrung bei der Stadt Gießen. Tas Grummetgras von der Fürstenbrunner Wiese soll ' Dienstag den 24. August l. Z., Vormittags 9 Uhr, auf der Bürgermeisterei dahier an den Meistbietenden versteigert werden. Gießen am 19. August 1847. I. d. B. der Beigeordnete Rühl. 1524) Montag den 23. August d. I., Nachmittags um 4 Uhr, sollen nachstehende Arbeiten dahier, als: I. im Schulhaus: 1) Maurerarbeit, Voranschl. zu 131 fl. 2) Schreiuerarbeit, - " „ 474 u 3) Schloffermbeit, „ „ 269 „ 4) Glaserarbeit, // » 106 „ 5) Weißbinderarbeit, „ „ 333 u 36 20 46 8 fr. // II n fi II. Vicinalweg von hier nach Fellingshausen: 1) Planirarbeit, Voranschl. zu 168 ff. 58 fr. 2) Steinbrcchen, „ w 144 „ — u 3) Steinaufsetzen, n 24 // 36 „ 4) CKausstrarbeit, „ ,/ 231 „ 40 u einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt und an den Wenigstfordernden vergeben werden. Crumbach den 16. August 1847. Der Bürgermeister Weber. 1523) Bekanntmachung. Auf den Antrag der Peter Schäfers Eheleute von der PnlvermüKle bei Niederkleen sollen nachstehende Gebäulichkeiten, nämlich: ein zweistöckiges Wohnhaus, 26 Fuß lang und 20 Fuß tief, eine Scheuer, 30 Fuß laug und 22 Fuß tief, ein Stall, 29 Fuß lang und 10 Fuß tief, Freitag deu 27. August d. I., Voimiltags um 10 Uhr, auf den Abbruch öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Gebäude befinden sich noch in gutem Zustande und sind mit Ziegeln gedeckt. Steigliebhaber können sich im Termin an Ort und Stelle cinfinden. Atzbach deu 14. August 1847. Königliche Landschreiberei. Okto. Feilgeboten. 1525) Eine in vollkommen gutem Stand befindliche Aepfelmühle ist zu einem ganz billigen Preise bei der Handlung Joh. Balth Noll in Gießen zu verkaufen. ,s,7> 1847t Milcher-Häringe empfiehlt I. G. Appel. 1537) Das von meiner Bauerei übrig gebliebene, noch brauchbare, eichene alle Baubolz, beabsichtige ich, den Kubikfuß ä 12 fr., zu verkaufen. Dr. Mettenheimer. 1544) Baierisches Lagerbier per Flasche 9 kr. im Caf^ Lind. 1544) Gutes baierisches Bier bei Carl Kliebe in Wieseck. 1545) 10—12 Wagen alter Lebm sind zu verkaufen. Wo? sagt die Erped. d. Bltts. 1552) Mein Topelen Lager, bestehend in einer großen Auswahl sehr scköner und billiger Tapeten, sowie in Glanztapeten von 24 kr. an, bringe ich in 501 empfehlende Erinnerung. Auch habe ich mehrere gutgepolsterte KanapeS und Stühle, mit Plüsch und Damast überzogen, wegen Mangel an Raum sehr billig zu verkaufen. Wilhelm Reiber, auf dem Kirchenplatz. Zu vermiethen. 1540) Eine Familienwohnung, aus 3—5 Zimmern und zugehörigen Räumen bestebend, wird bis 1. Oktober beziehbar. Stein, Lil. A JVa 36. 1541) 3—1 Zimmer sind mit oder ohne Möbel, an einzelne, wo möglich nur 2 Herren, zu vermietben. Das Nähere bei der Erpcd. d. Bltts. 1520) Durch den Wegzug des Herrn Dr. Fries von liier, wird das von demselben seither bewohnte Logis im Mittlern Stock meines Hauses erledigt, und kann bis Anfang October bezogen werden. Dasselbe enthält 5 heizbare Zimmer, 2 Mansarden rc. und ist auf der Sommcrscite freundlich gelegen. W. Keller, Neuenbäuen Lil. B. AS 54. 1526) In den Neuenbäuen Lil. B. AS 75 sind einige möblirte Zimmer zu vermiethen. 1538) Bei dem Unterzeichneten sind zwei Familien-Wohiinngen, die eine gleich, die andere — im Nebenbau — im October d. I. beziehbar, zu vermiethen. l)r. Mettenheimer. 1495) Zwei freundliche gut möblirte Zimmer mit Sopha, das eine mit Cabinet, sind auf das nächste Semester zu vermieihen bei Ioh. Kraft Brühl II. Lit. B. Na 62. nahe am Kanzleiberg. 1530) Drei möblirte Zimmer, wobei zwei mit Cabinet, sind zu vermiethen bei Georg Lampus Lit. C. ÄS 1. am Kreuz. 1534) Zn meinem Hause ist ein Keller zu »er» miethcn. E. L. Reis in der Wallthorstraße. 1532) Ein Logis ist zu vermiethen und kann sogleich bezogen werben bei Jacob Wirth, Schrcinermeister- 1529,) Eine Wohnung, bestehend in drei Stu« ben, Kammer, Küche, Keller und Holzstall, ist zu vermiethen und im October zu beziehen bei Emil Loos. 1555) Ein gut möblirtes Zimmer ist auf nächsten Cours zu vermiethen bei Heinrich Schneider, Lit. B. AS 137. 1547) Bei mir sind zwei freundliche möblirte Zimmer mit Sopha, gleich beziehbar, zu vermiethen. Ludwig Selzer, Marktstraße Lit, B. .AS 179. A uszu leihen. 1533) 800 st. liegen in hiesiger Stadt zum Ausleihen bereit. Wo? sagt die Erped. d. Bltts. 1531) 273 ft. können aus dem Kirchenkasten zu Wieseck gegen gerichtliche Obligation alsbald ausgeliehen werden. Näheres bei dem Decauats- rechner Dauern he im. Vermischte Nachrichten. 155t) Erklärung! Gegen das Urtheil des Großherzogl. Hofgerichts zu Darmstadt, durch das hiesige Anzeigeblatt unter Na 1497 publicirt, habe ich den Recurs an das Oberappellations« Gericht in Darmstadt ergriffen. Ich bitte daher bis zur Entscheidung dieses, Gerichtshofes um Suspendirung alles Urtheils in dieser mich so niederbeugenden Angelegenheit. Der Unterzeichnete wird sich nie unter die Cu« ratel eines Dritten stellen, am wenigsten unter die seines absichtlich zum Curator bestimmten Todt- fcindes; wohl aber stelle ich mich von heute an freiwillig unter die Cura- tel des verehrlichen Gesammtpublikums der Stadt Gießen. Wer mich der Verschwendung zechen kann, den bitte ich hiermit um schriftliche Deposition seiner Aussage bei Großherzogl. Landgerichte zu Seligenstadt, oder allhier. — Ohnehin mich schon namenlos unglücklich fühlend durch seltsam und schrecklich erlebte Schicksale, weiß ich wahrlich nicht, wie ich diesen alles zernichtenden Schlag ertragen soll. — Einer schonenden Theilnahme und einer delikaten Rücksichlsnahme empfiehlt sich angelegentlichst der weder an Geist noch an Herz bankerott gewordene Friedrich Nköder Gießen den 18. August 1847. 1553) Wir bringen zur Kenntuiß sämmtlicher Mitglieder des Gesellschafts-Vereins, daß statt des ausgefallenen Stiftungsballes eine „P a? t i e" im Busch'schen Garten Mittwoch den 1. September abgehalten werden wird. Gießen den 19. Aug. 1847. Der Gescllschaftsvorstand. 1506) Zu der im nächsten Semester stattfindenden Büchervcrsteigerung werden noch Bücher bis Ende September unter den billigsten Bedingungen angenommen. Gießen den 13. August 1847. CHr. PH. Voge l. 502 ' B ek an ntmachu n q. 1554) Die Erfahrungen, welche die hiesigen Einwohner im Laufe dieses Jahres in Hinsicht auf den Bezug des »othwendigsten Lebensbedürfnisses, des Brodcö, haben machen müssen, haben, wie bereits bekannt, die Bildung einer Actien-Gesellschaft veranlaß), welche den Zweck hat, jedem Mitglied sein Brodbedürfniß um den selbstkostenden Preis zu verschaffen. Die Statuten dieser Gesellschaft sind von der Behörde genehmigt und die Gesellschaft ist auf deren Grundlage nunmehr für constituirt erklärt worden. Die Statuten sind bereits im Druck und werden erster Tage jedem Mitgliede zugestellt werden; auch kann Jedermann, welcher sich dafür intcressirt, dieselben jetzt schon bei dem durch überwiegende Stimmenmehrheit bestellten Rechner der Gesellschaft, Herrn Fr. Zimmer, cinsehen und sobald sie gedruckt sind, ein Eremplar derselben gratis erhalten. Bis jetzt besteht die Gesellschaft ans ungefähr 300 Mitgliedern, welche bereits über 400 Actien ä 20 fl. gezeichnet haben. Es ist in den Statuten Sorge dafür getragen, daß auch jeder Unbemittelte an den Vortheilen der Gesellschaft Theil nehmen kann, indem cö gestattet ist, die Einlage von 20 fl. mit 30 fr. monatlich einzuzahlen. Auch ist die Einrichtung getroffen, daß jedes Mitglied sein Brod von der Gesellschaftsbäckerei um den selbstkostenden Preis käuflich beziehen, oder dasselbe aus eigner Frucht zu Hause vorbereiten und vom Gesellschastsbäcker backen lassen, oder daß es seine Fracht auf den Gcsellschasts- Spcicher liefern und dafür verhältnißmäßig Brod nach und nach beziehen kann. Jedem hiesigen Bürger steht bis zum 31. l. M. der Beitritt zu dieser Gesellschaft frei und liegt deß- halb die Subskriptionsliste bei dem Rechner, Herrn Zimmer, zur Einzeichnung so lang offen; spätere Anmeldungen können nur unter gewissen Bedingungen, je nach Beschluß des Ausschusses, beachtet werden. Vom 1. September an findet die Zusendnng des bestellten Bi ödes an dje Aktionäre Statt und es kann von ihnen im Gesellschafts-Backofen gebacken werden. Veränderungen iii der Bestellung, welche auf den Monat Oktober Geltung haben sollen, müssen vor dem 1. k. M. bei der Verwaltung angezeigt werden, bei welcher auch alle Wünsche in Bezug auf die Sortimente und Behandlung des BrodeS, sowie die Zeit der Zusendung oder des BackenS zeitig vorzubringen sind. Dieselbe wird sich auf dem Seltersweg in dem "Hause Lit. C. Nr. 74., neben dem Gasthaus zum Prinz Karl, befinden. Endlich wollen die Herren Aktionäre ihre Einlagen, nämlich diejenigen 1 ter Klasse 5 fl. per Actie, die 2ter Klasse aber 1 fl., längstens bis zum 1. September, bei dem Rechner Herrn Zimmer gegen Empfang der Interims-Scheine, welche znr Legitimation beim Empfang des Drodes oder bei Benutzung des Backofens nothwendig sind, einzahlen; eS steht jedem frei, mehr als die ausgeschlagenen Beträge ei'nzulegen. Die provisorisch berechneten Brodpreise werden Samstag den 28. l. M. im Wochenblatt bekannt gemacht werden. Der von der Gesellschaft erwählte Ausschuß. Dr. Staff, Provisor. Dirigent. I>r. Buss, Stellvertreter desselben. Krauskopf, an die Stelle veö Hrn. Zimmer eingetretener Sekretär. Auöschußmitglieder: Rühl, Wissig, Heyer, Straub, »r. Knapp, pro Dr> v. Liebig: Engelbach, Snbstitut. Errichtung einer Fehranstult für die «HZMheMmMmschKfteN. In Folge der mir von hoher Schulbehörde er- theilten Erlaubniß, Privatunterricht in den Handels- Wissenschaften zu geben, zeige ich hierdurch ergcbenst an, daß ich diesen Unterricht nunmehr beginnen werde. Vorläufig wird sich derselbe auf folgende Gegenstände beschränken, wie sie nachstehende fünf Abthcilungen ergeben, von denen, eine von der andern unabhängig, jede einen besondern Lehrgegcn- stand bilden wird, der beliebig gewählt werden kann, und zwar: {nach vorzüglicher in der Praris bewährt gefundener Methode , 3) kaufmännische Arithmetik, oder das gefammte Rechnen in so weit es auf das praktische Geschäftsleben in weitester Beziehung Anwendung findet, 4) Wechsel-, Staatspapier-, Bank-, Uesancen-Kunde u. s. w., 503 5) kaufmännische Korrespondenz und Formenlehre, wozu auch der Unterricht im deutschen Styl gehört. Ich werde täglich deö Morgens von 9 — 12 und des Nachmittags von 2 — 4 Uhr in meiner Wohnung, der früheren des Herrn Professors Dr. Knapp, im Hause deS Herrn Stadtrechner Enders, anzutreffen sehn, um nähere Auskunft zu ertheilen und Anmeldungen anzunehmcn. Gießen den 12. August 1847. Emimuel Stern. Durch vorbcmerkte Lehranstalt ist Jedem, nur nicht dem in den Wochentagen mit seiner Arbeit beschäftigten Handwerkslel-rlinge und Gesellen, Gelegenheit gegeben, sich diejenigen mercantilischen Kenntnisse zu erwerben, die ihm zum zweckmäßigen Betriebe seines künftigen Gewerbes unentbehrlich sind; cs wird aber gewiß nicht an vorwärts strebenden jungen Leuten fehlen, die gerne einen Theil der ihnen des Sonntags zn Gebote stehenden Zeit zu ihrer ferneren Ausbildung verwenden würden, wenn sie nur die gehörige Anweisung und Anleitung dazu Härten. Um nun einem solchen Mangel abzuhelfen, werde ich auch eime SoEtOgsschmZe errichten, worin ich jeden Sonntag, entweder vor oder nach dem Gottesdienste, einen zweistündigen Unterricht in der einfachen Buchführung, im Rechnen und im Briefstyle geben werde. Arme Handwerkslehrlinge werden diesen Unterricht gratis erhalten, dagegen haben Gesellen und vermögende Lehrlinge vierteljährig ein kleines Lehrgeld zu entrichten. Näheren Aufschluß hierüber .werde ich gerne jedem Fragenden ertheilen, und können auch hierzu täglich Anmeldungen bei mir stattfinden. Gießen, wie oben. Emanuel Stern. 1527) Es wird ein braves Laufmädchcn in Dienst gesucht. Bei wem? sagt die Erped. dieses Blattes. 1536) Ein Studiosus der evangcl. Theologie wünscht noch mehreren Kindern gegen ein geringes Honorar Privatunterricht zu ertheilen, sowohl in sremden Sprachen, wie auch besonders in der Mathematik. Kindern hiesiger Bürger, welche etwa an Werktagen verhindert wären, würde er den Unterricht Sonntags zu ertheilen gerne bereit scyn. Das 9iähere ist zu erfragen in der Erpedition dieses Blattes. 1519) Ein Mädchen, welches mit Einfassen und Steppen der Schuhe umzugehen weiß, kann wöchentlich einen Tag Beschäftigung erhalten. Bei wem? sagt die Erped. d. Bltts. 1528) Hiermit mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich mich als Herren- und Damen-Schub- inachermeister dahier etablirt habe. Durch billige und solide Arbeit werde ich mir die Zufriedenheit aller mich beehrenden Kunden erwerben, und bitte daher um geneigten Zuspruch. Meine Wohnung ist bei Herrn Steindcckermeistcr Rotbaug in der Neustadt. Heinrich Pfeil, Schuhmachermeister. 1469) Bei Maurermeister Gottl. Strauch in Gießen können zn dem Schlcußenbau bei Raun- beim und zu dem Brückenbau bei Lollar, 50 100 Maurergesellen, mit gutem Lohn, Beschäftigung erhalten. Gießen den 9. August 1847. 152Q Zur Vorfeier des hohen Namensfestes Sr. Königl. Hoheit des Großhcrzogs, findet Sonntag den 22. und Montag den 23. d. M- A3ormphie5 und Tan zmns» r auf dem Trieb Statt, wozu höflichst entladet Gießen den 19. August 1847. E- Pausch. 1546) Kirchweihe zu Heuchelheim. Sonntag den .22. August ist Heuchelheimer Krrch- weibe, wozu crgcbenst einladen die fämmtlichen Wirthe 1548) Bei Gelegenheit der Heuchelheimer Kirchweihe ist auch bei mir Sonntag den 22. d. M. Tuns-Musik anzutreffcn. El)r Braunetk- 1535) Kunst-Anzeig e. Die Seiltänzer - Gefellfchaft wird morgen Sonntag den 22. Ang. ihre letzte V o r ft e l l n n g auf dem gcspaniiten Seile zu geben die Ehre haben. Der Anfang ist Abends präcis 5 Uhr und der Schauplatz auf dem Brand. _ Zu dieser letzten Vorstellung ladet em htk- siges und auswärtiges Publikum crgebenst em lb Franz Knie Frischbacken. Sonntag den 22. Augnst. Heinrich Noll im Stern. Heinrich Noll in der Neustadt. Jacob Vogt in der Wallthor- straße. Johannes Jughard auf dem SclterSweg. Kirchliche Anzeigen- Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Am 22 August. Morgens: Sir« chcnrath Dr. Engel. Nachmittags: Pfarrer Bonhard^ Beerdigte Den 17. August. Johann Melchior Lampus, Bürger und Gastwirth in der Sonne dahier, alt 75 I. 28 T., gestorben den 15 August Denselben. Anna Marie Vogt, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Meßgermeisters, Philipp Bogt, hinter- läffenc Wittwe, geborne Wellig, alt 68 I 2 M. 12 $., gestorben den 15. August. 504 Denselben. Anna Maria Vetzbcrgcr, des verstorbenen hiesigen Bürg.rs und Rothgerbermeisters, Friedrich Konrad Vetzberger, hinterlaffenc Wittwe, geborne Müller, alt 81 3 , gestorben den 15. August. Denselben. Eleonore Müller, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Schuhmachermeistcrs, Andreas Müller, hin- terlaffene Wittwe, geborne Volp, alt 55 I. i M. 22 T., gestorben den 16. August. Den 18. August. Wilhelmine Elise Emilie Buff, de- Großherzoglichen Professors, Dr. Heinrich Buff dahier, ehe« lichc Tochter, alt 1 I. 5 M. 18 T, gestorben den 16. August. Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Kirchenrath Dr. Engel. blatkö „Ermunterung für die Handwerker." So sehr Ihr geschätzter Zuruf alle Beachtung verdient, so wären, dem Bestreben, den Gewerbetreibenden Entfesselung vom alten Schlendrian anzurathen, noch folgende Vorschläge zu fortschreitender Umgestaltung im Happen: Hr. Paul, Sind. v. Loudon. Hr. Boch- ächtcl, Buchh. v. Ludwigshütte. Hr. Eiienhardt, Kfm. v. Düsseldorf. Hr Wageram m. Fam., Gutsbes. v Hannover. Hr. Liebler, Offiz, v. Brandenburg Hrn. Kfl Buschtcr v. Dresden u Fischer v. Mainz. Hr. Klapp, Just -R. v. Dalwischthal. Hr. Stern, Doct. v Götiingen. Hr. Raab, Kfm. v. Mainz. Hr Grimm, Oberbaur. v. Darmstadt. Hrn Kfl Strieder v. Battenberg u. Daber v. Rheidt Hr. Hofmann, Partie. ».Braunschweig. Hr. Hausmann, Pfarr. v. Niederbeerbach Hrn. Kfl. Weber v. Biedenkopf u. Goid- schmitt v. Hamburg. Hr. Jäger, Access, v. Schlitz. Hrn. Kfl. Franck, Lauter, Griesmann, Stock u. Jochim v. Frankfurt, Hänle v. München, WirthS v. Cöln, Krore v. Berlin, Sewir v. Mainz u. Kläger v. Düsseldorf. Hrn. Oecon. Holler m. Fr. u. Horn in. Fr. v. Hannover. Hr. Klug, Kfm. v. Homberg. Im Einhorn: Hr. Usener IN Bedien., Senat, v. Frankfurt. Hrn. Kfl. Steinhaus v. Würzburg u. Dreier v. Frankfurt. Hr. Lohmann, Part. v. Hamburg. Hr. Haffner, Kfm. v. Kaufbeuern. Hr v. Preuschen, Privatm. v. Herborn. Hrn. Kfl. Blume v Magdeburg, Lipper v. Bamberg u. Pultenberg v. Bremen. Hr. Harrmann m. Fam., Rent. v. Osterholz. Hr. Freiherr v. Helmstädt m Fam. u. Bedien., Gutsbes v. Helmstädt. Hr Edelhof, Kreisbaumcist. v. Hildesheim. Hr. Marr, Hofpred. v. Laubach. Hrn. Kfl. Glas v. Cassel u. Mall v. Offenbach. Hr. Wilhelmsen, Dr. med. v. London. Hr. Reuter, Fabrik v. Darmstadt. Hki Antu, Stud v. Göttingen. Hrn. Rent. Bäcker m. Bedien., Schä- mer m. Bedien., Winld m. Bedien, u. Latter v. London. Hr. Hirsch, Kfm v Offenbach. Hr. Daubpn m. Fam., Rent. ».London. GrafBentick m. Fam. u. Bedien., Engl Gesandt, v. Frankfurt. Hr. Jaquemge, Propriet. v. Louvair Hr. Bouglr m. Fam., Rent. v. Paris. Hr. Pabst, Oberfin.- Kamm.-Calcul v. Darmstadt. Hr. Baron v Wpnecken m. Dedtin., Gutsbes. v. Luzern. Hr Weber, Kfm. v Hamburg. im Prim Carl: Hr. Knie m. Fam. u Bedien., Seilt, v. Neuwied. Hr. Hoffmann, Oecon. v. Frankenthal. Hrn. Oecon. Schuchard u. Becker v. Schwarz Hr. Rapp, Spedit. v. Hatzfeld. Hr. Rupprecht, Oecon. v Eifa. Hr. Stein, Verwalt, v. Schlitz Hr. Heldmaiin, Kfm. v. Gelnhausen. Hrn. Oecon. Berthold u Jost v Heckendorf Hr. Krebs, Fuhrm ». Hanau. Hr. Rothschild, Kfm v. Ortenberg. Hr. Zinn, Privatm. v Maar Hr. Schaub, Bürgermeist. v. Merkenfritz. Hr. Hühn, Müll. v. Birstein Hr. Bender, Schuhmacher, Schucilcr re., ermuntert werden könnten Zur Beförderung des Gewcrbflcißes müßten für jedes Gewerbe ein Verein zu gemeinschaftlichen Arbeiten zusammentretcn, das Rohmaterial aus Fabriken im Großen augekauft, an die Einzelnen in billigen Preisen abgegeben, eine gemeinschaftliche Vorschußkasse Geschäftsm v. Braunfels. Frl. Brächmann v. Schotten. Hr. Müller, Commiff v. Darmstadt. Hr. Müller, Pfarr. v. Bruchenbrücken. Hr. Scheller, Kfm. v. Coblenz. Hr. Klein, Geschäftsm. v. Mainz Im Hirsch: Hrn. Fuhrt Klingelhöfer v. Eckelshausen, Dönges v. Biedenkopf u. Eiches v. Osterode Im Darmstaedter Heus: Hr Vvnthal, Geschäftsm. v Wächtersbach. Hrn. Handelst. R. Hebe u. N. Hebe v. StierS- hausen. Hr. Busch, Jnstr.-Mach. v. Darmstadt. Hrn. Handelst. Hirschstein v Battenfeld u. Hirsch v. Offenbach. Hr. Sander, Goldarbeit, v. Wiesbaden. Hrn. Handelst. Lehn- hold v. Offenbach u. Bücking v. Alsfeld Hr. Drullmann, Fuhrm ».Wetzlar. Hrn Geschäftsl. Wohnthal ».Wächtersbach u. Wifficker v. Staufenberg. Hrn. Handelst. Schmidt v. Winterberg u Bittet v. Dillingen. Jungfer Weigel v. König. Hrn. Geschäftsl. Winnroth v. Glädenbach u. Wagner v. Traisa. />,, Siem: Jungfer Höchster v Storndorf. Hr. Isenberg, Handelsm. v. Hesborn. Hr Gerhardt, Privatm. v. Steinbach. Hr. Kraus, Gerb. v. Weiden. In der Sonne ; Hr. Muth, Geschäftsm. v. Battenberg. Fr. Wenzel v. Oberbrcitcnbach. Hrn Handelst. Goldmann v. Ershausen u. Erdet v. Andreasberg Fr. Trost v. Fran- kenberg. In der Hose: Hr. Borck, Schmied v.Belnhauscn. Hrn Geschäftsl. Achenbach v. Gladenbach, Wißner v. AUendorf u. Sauer v. Klimbach. Hr. Wolf, Steiuh. v. Lich. Hr. Spielmann, Privatm. v. Göttingen. Hr. Kahlert, Elasn. v. Lcngfurt. Jungfer Schalck v Homberg. Hr. Rausch, Geschäftsm. v Großeneichen. Hr. Nuckelshausen, Bürgermeist. v. Oppenrod. Hrn. Gastw. Dietz v. Ermenroth u. Eisfeller v. Felda. In den Privathäusern. Bei Hrn. Bürgermeist. Reiber: Fr Wagner v. Rudlos. — Bei Hrn. Maj Peppler: grls. de l'Have m. Schwest. v. Frankfurt u d'Qulrelepöt v. Grünberg. — Bei Hrn Sind Klein: Hr. Frickhöffer, Stud. v. Göttingen. — Bei Hrn. Bauautsch. Becker: Frl. Klier v Bessungen - Bei Ät Lldvoc Müller: Hr. Br. Müller, Landger.-Assess. v. Fürth. — Bei Hrn. Revierförst. Lang: Hr. Lang, Hvfjäg v. Friedberg. — Bei Fr. Hofgcr.-R Weber: Fr. Pfarr. Heiner v. Oberbreitenbach — Bei Hrn Leinw. Händl. Grieb: Hr. Ottmann, Lithogr. v. Fulda. — Bei Hrn. Kfm. Hast: Frl. Schlcuning v. Darmstadt. — Bei Hrn. Superint. Simon: Hr. Ebel, Pfarrvic. v. Grünberg — Bei Hrn. Wirth Ebel: Hr Ebel, Privatm. v. Wächtersbach. Unterhaltendes und Gemeinnütziges. (Eingesendet.) An Herrn E.> Verfasser des beizufügen, wodurch arme fleißige Schreiner, Schlosser, sehr zu beachtenden Aufsatzes in AS 66 des Anzeige- ' Angekommene und abgereiste Fremden vom 17. bis 19. August 1847. Inden Gasthäusern. 505 und Verkaufsniederlage errichtet werden. Zn der Niederlage lieferte jeder einzelne Mitarbeiter die Produkte seines Fleißes und empfängt aus der gemeinschaftlichen Kasse nach Zeit und Umständen den Lohn seiner Arbeit. In solcher Weise wirkt der ehemalige Franen- schncider S. bereits im Kleinen geräuschlos für arbeitslose Schneidermeister in hiesiger Stadt und gibt dadurch ein ehrcnwertbes Beispiel, das Nachahmung verdient. In der Folgezeit könnte successive Erweiterung derartiger kleiner Institute, gemeinschaftliche Werkstätten 2C., zur Hebung der Arbeiterklasse Großes bewirken; denn gar Vieles ist in der Welt klein begonnen worden und hat den Grund zu wohlthätigen größeren Anstalten gelegt. S . . . . Das Sängerfest -es Lahnbundes in Gieße n. Bei der kürzlich in Weilburg stattgefundenen Feier des dritten Sängerfestes deö Lahnbundes beschlossen die Vorstände der anwesenden 18 Vereine dem im nächsten Sommer zu veranstaltenden Frankfurter Fest nicht beizuwohnen, sondern nach der bestimmten Weise ein F e st des Lahnsänger- b und es f.nern zu wollen, und dach! en, ungeachtet der Bitten der Vereine zu Limburg und Herborn der Stadt Gießen, als der älteren Schwesterstadt die Ehre zu, im nächsten Jahre die hohen Sängergäste aufnchmen zu dürfen. \ Zum Zweck der Berathung war bereits eine Versammlung der Vorstandsmitglieder der 3 hier bestehenden Vereine anberaumt, die aber durchaus ohne Resultat blieb. Es wäre jedoch zu wünschen, daß die Vereine selbst mehr Interesse an der Sache zeigten; denn sie sind es doch, die der ganzen Anstalt Leben und Geist geben sollen. In dieser Borstandsversammlung nun wurden bereits Stimmen laut, die befürchten ließen, der Eifer der einzelnen Bürger werde so gering seyn, daß sich die Stadt Gießen blamiren und hinter den kleineren Städten, die sich bei Anordnung der früheren Feste so aufopfernd und freundlich gezeigt, weit Zurückbleiben werde. Die Stadt Weilburg zumal hat die größten Opfer zu Empfang, Ausnahme und Bewirthnng ihrer Gäste gebracht, die alle noch recht gern und oft an die heiter verlebten Tage zurückdenken werden. Mit denselben Erwarlungen werden nun die 18 Vereine nach Gießen kommen und um so größer wird die Schande seyn, je nuhr man den ärmlichen Anstalten ansicht, daß Gießen das Fest nur haltest will, weil es einsieht, daß cs Revange schuldig ist, und so wohlfeil als möglich daran vorbei kommen möchte!-- Die Theilnahme in Weilburg war eine allgemeine. Sämmtliche Häuser der Stadt, bis auf die entlegensten Sackgäßchen waren aus's Prächtigste decorirt, sämmtliche Hausbesitzer hatten für Zimmer gesorgt, die mit der größten Gastlichkeit den Sängern geöffnet wurden; die Schulsäle selbst waren ausge- räuint und Betten darin aufgefchlagen; die Kosten des Festes trug nicht der Gesangverein, nicht die Stadt; sondern sie wurden durch Actien gedeckt, bei deren Uebernahme Verlust zu befürchten war, ganze Leinwandlager wurden ausgelcert und die theucre Waare unentgeldlich hergeliehen, — und warum soll in Gießen nicht auch ein solcher Gemcinsinn Wurzel schlagen können? Freilich darf der Staatsdiener nicht stolz herunterblicken auf ein Fest, dessen Bedeutung in unserer Zeit so recht klar wurde; freilich darf er sich nicht aus- schlicßcn und es zu tief unter feiner Würde halten, Thcil zu nehmen an dein Fest der Nation. Einsender dieses greift diese Anschuldigung nicht aus. der Luft, sondern hat wirklich mehrere Stimmen gehört, die da sagten: „Was geh'n uns die Spässe der Philister an!" O pfui! — Nun erlaube ich mir einige Vorschläge zur Entfernung der verschiedenen Bedenklichkeiten zu machen. Vor Allenr wird der Gcmeinderath die ganze Leitung des Festes zu übernehmen haben; das Fest ist ein Fest der Stadt und nicht der drei Vereine. Der Gemcinderath wählt die Mitglieder der verschiedenen Comitös; ihm liegt die Pflicht ob, nach allen seinen Kräften zu wirken und zu schaffen. Der Gemeinderath hat vor Allein darauf zu sehen, daß die Häuser der Stadt würdig decorirt werden; das nöthige Laubwerk wird unentgeldlich, wie auch in Weilburg, der Stadtwald liefern, denn ohne diese Maßregel möchte wohl vor dem Wallthor und auf dem SAtersberg ein geschmücktes Haus gefunden werden und die ganze Stadt mit trübem Aschcrnrttwochsgesicht einen traurigen Hintergrund zu einem Feste abgeben. Der Gemeinderath hat für ein passendes Lokal zu sorgen. So wird er sich etwa bereit finden lassen die Wiesen vor dem Philosophcnwald oder den Trieb zur Erbauung einer Festhalle herzugebcn. Für das Zusammenbringen der allerdings bedeutenden Kosten kann schon jetzt gesorgt werden; denn je eher dies geschieht, desto weniger Opfer kann es dem Einzelnen seyn. So könnten etwa z. B. die drei Vereine zu einem großen Concert zusammentreten, was ausnahmsweise stark besucht seyn müßte und so schon einige hundert Gulden abwerfcn könnte. Aetien zur Erbauung der Halle, sind eigentlich nur billige Vorschüsse, also wird gar mancher Bürger mit Vergnügen einige Loose nehmen, die sich ja im gün- ßigen Fall gut rcnürcn können. — Kurz Wrill' u r g hat gezeigt, wie man ein Fest feiern soll, Gießen wirds doch wenigstens nachmachen können und sich nicht blamiren wollen. — St. — 506 Abschied. A >l F I- B- Zum Lebewohl nimm diese heißen Zähren, Sie sogen, was die Lippe nicht vermag. Ich suhl' den Schmerz der Trennung sich vermehren, Mit jedem schaurig ernsten Glockcnschlag. Was sich so lieblich in dem Busen reget, Mit Götterwonne meine Seele füllt, Zur stillen Wehmuth oft das Herz beweget; Das ist, geliebter Franz, ja nur Dein Bild. Was ich geträumt im seligsten Entzücken, Wenn ich im Waffenschmucke Dich erschaut, Und sich mein Geist verlor in Deinen Blicken, In Deiner Stimme Aeolsharfen-Laut. In eine Feenwelt versetzt mich wähnte, Wenn mir Dein Lächeln Deine Huld bewies, Und wenn Dein Arm um meinen Leib sich lehnte, Ich mich zur Glücklichsten der Mädchen pries. Was ich geträumt, soll Dir mein Äund verkünden, Wenn Dich mein Äug' nach Monden wiedersieht; Lass' dann in schöner Wirklichkeit mich finde», . Was mir so oft dein holder Blick vcrrieth. Die Seelen, die im Einklang sich gefunden, Hat die Natur zum höh'ren Zweck vereint; Nur Seligkeit blüht mir mit Dir verbunden, Leb' wohl, und denk', daß Sie Dich sehr beweint. Sträußchen für Damen. (Fortsetzung.) Maiblumen. Es tönt im Mai ein lieblich Klingen Zur Nachtzeit in dem grünen Wald, Bald tönt es stark, wie lustig Singen, Und leis' wie Geisterlaute bald. — * * * Das Maienfest war jetzt beendet Der Trank im Glase perlte rein, ■ Nun Alles froh nach Haus' sich wendet, Und denkt noch lang' an Mai und Wein. Verlassen steht der Wald und schweiget Der Festcsjubel, er verklang, Und Alles sich zum Schtnmmcr neiget Nach Maienlust und Fcstgesang. Des Mondes volle Scheibe gießet Auf Blnmenthau ihr Zauberlicht, Und Heller Silberschimmcr fließet Aus Maienblüthen voll und dicht, Was ist das für ein lieblich Klingen Im stillen Walde in der Nacht? Maiglöckchen läuten, Elfen singen I Das tönt so zart, das klingt so sacht'. Die Elfen tanzen leicht im Chore, Die Elfen singen wunderbar; Ein Perlchen Thau hat jed' im Ohre Und Maienblüthen in dem Haar. Des Mondes Silberschleier hüllet Die fliicht'ge Gruppe, wie in Dust; Und immer schneller, lusterfüllet, Durchschwebct sie die leichte Luft. H)a naht der Morgen. Alles stille! Maiblumen stehen fern und nah; Es glänzt der Thau, cs singt die Grille Ihr Eines-Lied; der Tag ist da! * * Maiblümchen ist ein Bild der Freude, Hell laden seine Glöckchen ein, Und hörest Du ihr still Geläute, Dann lasse Schmerz und Trauer sepn; Dann kehre ein zum grünen Wald, Und höre zu dem Frühlingsläuten, Und weißt Du nicht, woher es schallt, »Sep heiter!» soll sein Klang bedeuten. Feuilleton. Der Amerikanische Teufel ist der Name einer Ausgrabemasckiine, deren man sich jetzt in Amerika, besonders bei dem Bau von Eisenbahnen, häufig bedient. Sie erfordert zur Handhabung zwei Ingenieure und drei Arbeiter, ist tragbar, wird mit Dampf getrieben und leistet so viel, als dreißig Arbeiter. Sie füllt per Tag 200 Erdwagen, jeden zu fieben Tonnen Erde gerechnet. Wenn wir doch auch so ein Teufelchen zur Main-Weser-Eisenbahn hätten. Ein Chemiker in London will eine Flüssigkeit erfunden haben, mit welcher man den Druck in Büchern vertilgen und die Bogen wieder ganz weiß machen kann. Welche schätzbare Erfindung wäre dieß für die Verleger unabsetzbarer Speicherhüter! (Nutzen der Logik.) Bei Eröffnung der Eisenbahnfahrten von Wien nach Baden, trat ein Familienvater mit vier heirathsfähigen Töchtern an die Kasse und legte 36 kr. hin. Der Casster machte die Bemerkung, daß für die Person 12 kr. zu zahlen, und demnach für ihn und seine vier Töchter 1 fl. zu entrichten scy. Entrüstet darüber rief der Familienvater aus: die vier Mädeln sind meine Kinder, und Kinder zahlen nach der Annonce nur die Hälfte." — Man ließ den scharfen Logiker passtrcn. Ein Fürst sprach in einer Proclamation zum Volke: Ich will Euer Beßtes. — Ja das wissen wir wohl, meinte ein Jude, denn er will unser Geld. „Der erste Mimiker der Welt!" Unter diesem bescheidenen Titel, den er sich selbst beilegt, tritt gegenwärtig ein Herr Carotti von Venedig in Wien auf. Nach dem von ihm ausgcgebenen Programm will der große Mimiker mit seinen Gesichtsmuskeln einen ganzen Seesturm darstellen. Die Nase erscheine als Schiff auf dem Meere, durch die Bewegungen der, Äacken will er die Wellen bezeichnen, mit dem Munde heult er und ahmt den Donner nach, mit den Augen malt er Blitze u. s. w. — Läßt sich wohl eine noch erbärmlichere Gaukelei denken? (Berichtigung) In Nr. 66., im Art, „Ermunterung f. d. Handwerker," Zeile 23 ». u. lies statt „ihre .Spitzen — alle ihre. Spitzen." Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.