neu lUKlftr. 190,7 sollen auf dem alt 325/ ,stung,bie sog. Sandkaut am Schiffen- berger Wege, „ 56 Rth. 5 Sch. der Rest des Justus Müller, Donnerstag den 22. Juli b. I., des Vormittags 9 Uhr, ' 13 Hofraithe in der Kacharinen- gasse öffentlich meistbieteud versteigert werden. Gießen den 15. Juli 1847. Versteigerungen. 1232) Güterversteigerung bei der Stadt Gießen. Nachfolgende städtische Grundstücke, nämlich: 1070,03HlKlftr. ob? 31513/16 Rth. Acker und Wü- Gießen den 28. Juni 1847. , I. V. d. B. Der Beigeordnete Rühl. 1328) Montag den 6. September d. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Nathhaus die dem Schreinermeister Kirschner dahier zustehende Nachhause dahier an den Meistbietenden versteigert werden. Der Beigeordnete ■ Rühl. 1321) Main-Weser-Eisenbahn, Bauarbeiten und Steinlieferung. . Tie zu 876 fl. veranschlagte Maurerarbeit zur Erbauung einer Brücke über den Lausbach, in der Gemarkung Langgöns, das Andren von 11 Cubik- rinfrcrii Schichtmaucrsteinen aus den Brüchen bei Rockenberg und Butzbach, sowie bas Liefern von 8 Cubikkiastern bergleichen, aus den Brüchen bei Langgöns und Kirchgbnö, wirb Samstag ben 24. b. Mts., Vormittags 9 Uhr, steige?^"^ jln" Stern dahier öffentlich vcr- Butzbach ben 15. Juli 1847. Der Gr. Hess. Seckions-Jngenieur der Section Butzbach. Meyer. 1320) Main-Weser-Eisenbahn. Handarbeit und Steinlieferung. Butzbach den 15. Juli 1847. Der Gr. Hess. Sections-Jngenieur der Section Butzbach. > ' Meyer. . 1327} A r b e i t s v er st e r g e r u n g. Künftigen Freitag den 23. d. M., Nachmittags 3 Uhr, An^eigelrllrtt für die Stadt und den Kreis Gießen. FH* _______Mittwoch den 21. Juli 1S17. Besondere Bekanntmachungen. > ,?30S) Die auf beute fälligen Pachtgelder von geliehenen städtischen Grundstücken, stnd binnen 8 Tagen an die hiesige Stabtkasse zu bezahlen. Gießen am 15 Juli 1847. Der Skadtrcchner Enders. 1322) Main-Weser-Eisenbahn. Tüchtige Arbeiter stnbeü Beschäftigung bei den Erdarbeiten im Gambacher Wald gegen angemessenen Lobn. a Butzbach den 17. Juli 4847. Der Gr. Hess. SectionS-Jntzenieur der Section Butzbach. Meyer. zum Schiffenbergcr Die Lieferung von 10 Cubikklaftern Chausstr- Wege verwendeten ste-ven und die zur Fahrbarmachunq eines Theiles Ackers d.Gasthalkers des Weges von Pohlgöns nach Ga.nbach erfordere ltche, zu 84 st. veranschlagte, Cbaussirarbcit wird Samstag den 24. b. Mts., . Vormittags 9 Uhr, un Gasthause zum Stern dahier öffentlich ver- 428 soll zu Beuern die Anfertigung neuer Subsellien rc. in die Synagoge daselbst, circa zu 77 fl. veranschlagt, öff ntlich wenigstnckmend versteigert werden. Rödchen den 17. Juli 1847. In Auftrag Hahn, Wegbauaufseher. Feilgeboten. 1318) Reis, h 10 fr. per £* in guter Qualität bei r I. G. Appel. 1319) Rahmkäse von sehr guter Qualität und in Kistchen von 8 L billigst bei I. G. Appel. Zu vermiethen. 1317) In meinem neu erbauten Hause vor dem Wallchor ist die mittlere Etage, mir allen Bequemlichkeiten versehen, zu vermiethen und alsbald zu beziehen. Auch habe ich einen großen gewölbten Killer zu vermiethen. Daniel Stamm. 1323) Zwei neue freundliche Mansardenzimmer mit Cabinct und ein möblirles Zimmer, sind zu vermiethen Lit. D. 181. 1300) Ein Familienlogis ist ju, vermiethen und sogleich beziehbar bei Pb. Lüde fing. Vermischte Nachrichten. 1324) Um Vielen meiner Kunden den Glauben zu benehmen, meine hiesige Färberei würde durch meinen bevorstehenden Ueberzug nach Gießen aufhören, bemerke ich hierdurch, daß dieselbe nach wie vor fortgesetzt werden wird. Lollar am 20. Juli 1847. Emanuel Stern. 1329) Wohnnngsveränderung Bon heute an wohne ich bei Frau Bauausseher Schelds Wittwe auf dem Neuenweg, und bitte unter Zusicherung reeller und prompter Bedienung um geneigten Zuspruch. Gießen den 19. Juli 1847. Karl Heil, Küfermeister. 1322) Den Herrn Gemeinderath Eonrad Weidig habe ich gerichtlich bevollmächtigt, alle meine hier noch liegenden Güterstücke zu verkaufen, alle Gelder für mich einzunehmen und in meinem Namen zu quittiren, ebenso noch etwaige Forderungen an mich, zu bezahlen. Gießen den 19. Juli 1847. I. B. Weidig. 1325) Es wird ein Laufmädchen in. Dienst gesucht; bei wem, sagt d. Erped. d. Bltts. 1326) Ball im Kloster Arnsburg bei Lich. Meinen geneigten Gönnern mache ich hiermit die ergebenste Anzeige, daß ich nächsten Sonntag den 25. Juli einen Ball für gebildete Stände in hiesigem Kaisersaal halten werde. Hierzu lade ich höflichst ein, und verspreche reelle und billige Bedienung, sowie gute Tanzmusik. Friedrich Henzel. 1283) In der Alerander-Wellenbade- An statt ist ein grünseidener Regenschirm verwechselt woreen ober aus einem sonstigen Versehen von seiner Stelle gekommen, weßhalb um Zurückstellung deffelben an diese Anstalt ersucht wird. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 18 Juli Dem Bürger und TabackS« fabrikanten, Georg Fulda, eine Tochter, Marie Karoline Anna, geboren den 18 Juni. Denselben. Dem Bürger und Schreinermeister, Wilhelm Vetzbcrger, ein Sohn, Wilhelm Martin Satt Jacob, geboren den 7. Juli. Denselben. Dem Bürger und Schneidermeister, Georg Wilhelm Wagner, ein Sohn, Ferdinand Alexander, geboren den 1. Juli. Beerdigte. Den 15. Juli. Der Großherzogliche pensionirte Stallmeister, Karl Ludwig August Gebhardt, alt 78 I. 8 T., gestorben den 13. Juli. Den 1 7. Juli. Anna Margarethe Büßer, des verstorbenen Bürgers und Gasthalters im Adler, Philipp David Büßer, hinterlassene Wittwe, geborne Jhring, alt 44 I. 2 M. 20 T., gestorben den 16. Juli. Denselben. Ludwig Karle, des verstorbenen Großherzoglichen BauaufseherS , Johannes Karle, ehelicher Sohn, all 4 I., gestorben den 16. Juli. Den 18 Iuli. Marie Elisabeth?JohannetteChristine Weidig, des Bürgers und Schmiedmeisters Georg Weidig, eheliche Tochter, alt 1 I. ö M 25 T , gestorben den 17. Juli. Israelitische Gemeinde. Geboren. Den 1. Juli. Dem Bürger uüd Kauf mann, Simon Landauer, eine Tochter, Zerlina. 429 Angekommene und abgereiste Fremden vom 16. bis 19. Juli 1847. Handelsm. v. Beuern. In der Sonne: Hr. Wagner, Fr Goldman» v. Ershausen. Hr. Rühl, Handelsm. rn Billingen. Hrn Geschäftsl Lehmann, Hartmann, u. Stein. Zauer v Nntcralba. Jungfer Glätz ». Herborn. Hrn. Gc- schäftSl Dehnhardt v. Ershausen u Nau v. Leidenhofen. Michelnau u. Dietz ». Biedenkopf. Fr. Gausel v. Rödelheim. Sr. Bobe, Geschäftsm. v. Oberbiel Frl. Hofmann v. Reis, kirchcn. Hrn. Geschäfts!. Geitz u. Althaus v. Bromskirchen, Seker v. Kehl u. Dippel v. Leisel. Jungfer Dichel v Reiskirchen. Hr. Liesmann, Geschäftsm v. Alsfeld, tzr. Benner, Oeron. v. Trais. Sr. Großmann, Müll. v. Höchst. Jungfern Böhmer v. Amöneburg u. Will» Hermeshausen. Hrn Gc- schäitsl. Landmann v Gedern u Söhnchen v. Brandoberndorf. Hr. Hub, Kupferschm v. Weimar. Hr Schmitt, Geschäftsm. v. Dauernheim Fr Löber v. Oberbiel Hrn. Geschäfts!. Fuchs v. Burkhardsfelden, Bittet v. Frankcnberg, Rothschild v. Angeroth u Kircher v. Wailenrod. Im Stern Hr. Betting, Gürtl. v. Bingen Hr. Sieb, Privätm v. Weilburg. Hr Tedler, Fuhrm v Queckborn. Hr Böckler. Kammmach. v. Heiligenstadt Hr. Bernhardt, Friseur v. Paris. Fr Kuhn m Tocht v. Mannheim Hr. Alberti, Buchdr. v Berlin. Hr Krölch, Fuhrm. v. Lahr. Hr. Schnapper, Litbogr v. Bingen. Hr. Bonsieb, Privatm. v. Corbach. Hr. Schimber, Först, v. Friedensdorf. Hr. Knipp, Fuhrm. v. Sachsenbcrg. Hr Hallenberg, Privatm. v. Frohnhausen. In den Gasthäusern. Im Kappen: Hr Dörmens, Privatm. v. New-Bork Hrn. Cand. Kahn u. Deutsch v. Breslau. Hrn. Kst. Langs- dorf v Friedberg u. Wagner v. Aschaffenburg. Hr. Fenge, Referend. v. Berlin Hr Müller, Just-R v. Nordhausen' Hr (Dtein, Kfm. v. Aulda Hr. v. 8avkr^ne, ^ctnbr a. Ostpreußen. Hr. Gerinke, Kfm. v. Magdeburg. Hr. Wolff m. Fr, Rent. v. Braunschweig. Hr. Jäger, Kreisbaumeist v. Thalitter. Hr. Tasche, Ingen v. Marburg Hr. Adelberg. Techn v Cassel. Hr. Prikett, Offiz, v Holstein Hr de la vauffage, Akadem. v. Paris. Hr Splingardt, Ober. Ingen, v. Cassel. Hr. Wühler, Fabrik v. Leipftg. Hr. Zlegftr, Kfm v. Gotha He. Kopf, Privatm. v. Hannover Hr Dietz, Kfm. v. Crcfcld. Hr Schmidt, Just.-R. v. Celle, pr. Hartwig, Fabrik, v. Berlin. Hr Varrentrapp, Profess, v. Braunschweig. Hrn. Kst. Purgold v. Leipüg, Lcischewitz v. Bremen, Trunk v. Creuznach u. Gamberts v Cölu Hr. Lorenzen, Dr. phil v. Stockholm. Hr v Schachtmeper, » Berlin. Hr Sieberlist, Revierförst. v. Birstein. Hr Schaffer in Fam, Privatm. v Cassel. Hr. Mack, Cons. v. Moskau. Hrn Kfl. Meinhardt v. Mergentheim u. Elsner v. Magdeburg. ö /»> Einhorn Hrn Rent Hap m. Bedien, u. CotterS v. London. Gräfin v. Bennigsen m. Bedien, v. Hannover. Graf v. Schweidnitz m. Bedien., Mas. u. Hr. Bornwaffer m Bedien., Lieutn. v Wetzlar. Hr. Baron v. Suckow m. Bedien., Capit. v. Coblenz. Hr. Schnabel, Partie, v. Mecklenburg. Hr. Bänder, Kfm. v. Hamburg Fr Supcrint. Klein m. Fam. v. Altenburg. Hr. Lorenz, Kfm v. Aachen. Hr. Kröning, Fabrik, v. Solingen. Hr. Schweigmann, Rent. v DMeldorf. Hr. Theiß m Fr., Rentmeist v JeS- Weiß, Kfm. v. Frankfurt. Hr Ballauf, Rent. v. Potsdam. Hr. Bavaur m. Brud., Kfm. v. Wien. Hr. V. Mandler m. Fam. u. Bedien., Partie, v. Stockholm. Hr. ' Berbwitz, Privatm. v. Stuttgart. Hr. Heinzerling, Kfm. v. Coblenz. Hr. Mehrebach m. Tocht., Dr. med. v. Merseburg. H»- v. Reitzenstcin, Gutsbes. v. Magdeburg. Hr. v. Kram- Well, Mas. v. Prag. Hrn. Mal. Marber v. München u. Weisel v. Düsseldorf. Hrn. Kst Zachner v. Crefeld, Wilkens v- Coln u. Hophcres v. Leipzig. Hr. Maper, Fabrik, v. Boston. Hr. Magnus, Kfm v. Trier Hr. Baneampencuth m. Fam. u Bedien, Rent. v Brüssel. Hr. Bottier, Fabrik, v. Wesel Hrn. Kst. Moos v. Aachen, Herrbin v. Frank- furt u. Saulfuß v. Magdeburg. Hr. Pfeiffer. Gutsbes. v. Mainz. Im Prinz Carl: Hr. Wendel, Privatm v. Hermann- stein. Hr. Fischer, Geschäftsm. v. Alsfeld. Hr. Bach, Oecon V-Lflsel Hr Metz, Kutsch.« Homberg. Hr. Bock, Privatm.' v. Wah en. Hr Leis, Kfm. v. Schlitz. Sr. Dechert, Oecon. v. Leisel. Hr. Baumann, Kfm. v. Düsseldorf. Hrn Metzg Grunebaum u. Schaubach v. Hanau Hrn. Privatl. Hoos v Klimbach u. Haas v. Rabenstein. Hr Walter, Kfm v Gelnhausen. Hr. Brückinann, O.con v. Bermuthsheim Hr Bindewald, Kfm. v. Dillenburg Hr. Bing, Gastw v' Offenbach. Hrn. Kst. Schreivogel v. Frankfurt u Seitz v Berleburg. Hr. Schnell, Privatm. v. Altenmühl. Hr Drei- mann, Kfm. v. Mainz. Im Darmstaedter Haus: Hrn. Geschäfts! Stroh v. Unterhaltendes und Gemeinnütziges. $ c 5 M,n 9« war, so daß die Käufer, namentlich die weniger Be- . t^lngesendet) Da in den letzten Monaten mittelten, es oft ganz frisch, ja soaar nock warm «n unserer Stadt oft Mangel an trockenem Brvde vom Ofen weg genießen mußten, was, wie allgemein In der Bo«; Hrn. Handelst. Stern, Stein, Roßbach u. Keßler v. Burkhardsfelden. Hr. Matern, Geschäftsm. v. Großcnbuseck. Fr Trauch v. Rosenthal u. Förster v. Marburg. Hr. Fap, Steinh. v. Landenhauscn. In den Privathäusern. Bei Hrn. Geh. R Knorr- Hr Knorr m. Sohn u- Be- dien., Oberapp.-Ger.-R. v. Darmstadt — Bei Hrn. Tapcz. Strack: Fr. Canzl. Schmitz v. Darmstadt. - Bei Hrn. Prof. Dr. Klein- Frls. Siebold u. Stockhausen v. Darmstadt __ Bel Hrn. Hofger.'Advoc. Wolf- Frl. Wolf v. Eichelsdorf — Bei Hrn. Profess. Dr. v. Grolman: Frl. Vahlkampf v Frank- furt. —. 83et Hrn. Postmeist. Kempf- Hr. Krug m. Fam Ober-pP. Ger.-R. v, Darmstadt. ” Sri Fr. Landr.Knorr': 8r- Vf«rr Klmgelhvter v. Butzbach. - Bei Hrn. Kufermeist. Schmall I : Frl Stalb v. Luisendorf. — Bei Hrn. Physik. Arzt Dr. Stammler- Frls Stammler v. Alsfeld u. Langer- mann v Ortenberg. - Bei Frl. Dietz: Fr Dietz v. Frankfurt, Fr. Forstmeist Dietz u. Frl. Kanneugießer v. Eichelsachsen. — Bei Hrn Stadtricht. Muhl: Frl. Wundt v. Laudenbach, Hr. Stockhausen, Gpmn v. Darmstadt u Sr Schmidt m. Fr, Rechn -R. v. Wiesbaden. - Bei Hrn' Hvfger.-R Roth: Fr. Kamm -Secret Andrä v. Wächters- bach u Fr. Apoth. Werner v. Friedberg. — Bei Fr Stall- meist. Gebhardt- Hr. Gebhardt m Fr., Landger.-Asseff. v. Battenberg - Be, Hrn. Schneidermelst Pimpert: Jungfer Molli v Hohensolms. - Bei Wittwe Rolhenberqer: Fr. Kraushaar v. Rödelheim - Bei Hrn Fabrik Ballin: Hr. Reitz, Tuchm. v. Schotten. — Bei Hrn. Lieutn Rüde- Frl, Brenner v. Darmstadt. — Bei Wittwe Rautenstrauch: Jung- ^atbur8- — Bei Hrn. Schneidermeist. Weilt Hr. Muller, Oecon. v. Ockstadt. 430 bekannt, sowohl für den Geldbeutel, als besonders für die Gesundheit sehr nachthcilig ist, da ferner die hiesigen Bäcker nicht geneigt sind, den Brodteig für ihre Kunden in deren Häuser anzustellen, wie cs doch wohl überall, in kleineren und größeren Städten als Gießen aus Verlangen 'geschieht, — so erlaubt sich der Einsender den Vorschlag zur Errichtung eines Backhauses durch gemeinschaftliche Beiträge, wie deren an mehreren Orten aus gleichen Gründen unternommen wurden, und fordert alle Betheiligten auf,, über obigen Vorschlag in diesem Blatte ihre Ansichten auszusprechcn, welche die Redaction gewiß bereitwilligst aufnehmen wird, da sie einen für die gesammten hiesigen Einwohner höchst wichtigen Gegenstand betreffen. (E ingesend e t.) Alle öffentlichen Nachrichten und Ansichten der Verständigen stimmen bei reiflicher Erwägung darin überein, daß die allgemeine Theuerung, der nun fast erlebten guten Ernte ungeachtet, mehr oder weniger fortbauern wird. Von dieser Theuerung ist mit wenig Ausnahmen ganz Europa ergriffen, zu einer so allgemeinen Brodlosigkeit bleiben Zufuhren zur See unzureichend. Die einmalige gute Ernte wird nicht ausreichen, um durchgängige Billigkeit der Lebensmittel herbeizuführen. Ein Zuruf an Diejenigen, die sich zu leicht sanguinischen Hoffnungen hiugeben und da glauben, es sey nun alle Noth überstanden, dürste daher nicht überflüssig sepn, nebst einer Warnung an die Besitzer von Reichthum und Ueberfluß vor Ueppkgkcit und Verschwendung, die er so häußg erzeugt. Darum muß die Sitten-Einfalt und Tugend öfterer in den 'Hütten der Armuth Zuflucht suchen. Wenn sie hier nicht immer wohnten, so war der Einfluß des ersteren gewöhnlich Ursache der Verdorbenheit. Wie einzelne Ortschaften und Familien sehen wir ganze Nationen in die furchtbarste Sittcnververbniß versinken, sobald ihr Wohlstand den höchsten Gipfel erreichte. Diese tiefe Wahrheit kann dem ernsten Beobachter nicht entgehen, sie ist auf die Warnungstafeln der Geschichte aller Zeiten ausgezeichnet, bis in das graue Alterthum längst verödeter Staaten und Königreiche. Und doch ist alles Beginnen der Staatsverfassungen und des Privatlebens auf das Ziel des Wohlstandes gerichtet, überall das Getöse nach Reichthum und Wohlleben. Aber ein unbegreiflich und unerbittlich Schicksal waltet und steckt das Ziel, welches keine Nation und kein Einzelner im Leben überschreiten soll. Darum wohl dem Volk, wie dem Privatmanne die ihr Genius liebend, lange auf der Mittelstraße führte, oder mit Leiden und Armuth im Kampfe thä- tig erhält. Es ist deswegen kein Unglück, sondern die Morgenrvthe eines wahren mäßigen Wohlstandes, welche ich unter dem Gutmüthiqsten aller Regenten für die Nachkommen unseres Vaterlandes anbrechen sehe, daß wir mit Armuth und schlechten Zeiten im Kampfe beharren müssen. Möchten es die Gesetzgeber im Volk beherzigen, auf Ordnung und Sparsamkeit das beständige Augenmerk richten, und Jeder, vom Größten bis zum Geringsten diese weise Vorschriften stets freudig befolgen , mst dem Gedanken, daß schlechte Zeiten und herbe Schicksale stets gute Menschen erziehen. S . . . Die jetzigen gesellschaftlichen Zustande. (Fortsetzung ) Wenn wir den Gesellenstand betrachten, so sind wir durch die eigcnWmlichen Verhältnisse desselben und die schroffe Scheidewand, welche noch im geselligen Leben zwischen Meister und Geselle besteht, vollauf dazu berechtigt. Was für den Studirenden die Universitätszeit, das ist für den Handwerker die Gesellenzeit, d. h,, die Zeit zur tüchtigen Ausbildung für den künftigen Berus, aber auch die Zeit lebensfroher, kräftiger Jugend, der Ideale und Träume, wo der Lebensbechcr hoch aufschäumt und von der inner» Kraft oft übersprudelt. Aus Studenten und Gesellen, den Jüngern der Wissenschaft und des Gewerbfleißes ruht hauptsächlich die Zukunft des Vaterlandes. Es ist die Zeit, wo der werdende Mann sich bildet, und wie hier sich der Charakter gestaltet, so bleibt er meistens für das ganze Leben. In früheren Zeiten, wo sich die Stande schroff entgegenstanden, wo die Universitäten mit Vorrechten überhäuft waren, da standen sich auch Student und Geselle in. der größten Schroffheit gegenüber. Der Student, im Gefühle einer höher» Bildung und stolz auf seine Vorrechte, sah mit Verachtung und Hohn- auf den Gesellen, und ein Bursche, der einem Knoten die Hand gedrückt hätte, wäre sicher in Verruf gekommen. Der Geselle aber sah mit Neid auf den bevorzugten Studenten, und in dem thörichten Streben, Studentenmanier und Sitten nachzuahmen, mußte er natürlich lächerlich werden, und fo stieg der gegenseitige Haß, der ost genug in blusige Händel ausbrach. Noch ist eine Umwandlung dieses Verhältnisses, wie es die Vorrechte und Vorurtheil stürmende Zeit bietet, nicht erfolgt, aber doch dürfen wir die Anfänge dieser Umwandlung begrüßen, denn sie hat auf mehreren Hochschulen von dem bessern, von den Ideen der Zeit durchdrungenen Theile der Studenten begonnen. Es giebt freilich noch andere Ursachen der Absonderung der Staatsdiener vom Gewerbe treibenden Bürger; aber eine gewichsige liegt gewiß in der Scheidewand zwischen Studenten und Gesellen, und sollen sie später im bürgerlichen Leben sich näher rücken, so müssen sie schon in der Jugend mit freundlicheren 431 Aussätzigen, dessen Berührung verunreinigt, ausschließen und so der Mittel der Bildung selbst berauben. Man erwäge es wohl: Je mehr Bildung im Volke, desto weniger Hefe! es nicht mehr auffallend finden, wenn der Geselle am selben Tische fitzt, aber fester als im Studenten fitzt das BoruNheil gegen ihn im Meister. Man klagt über die Rohheit der Handwerksgesellen; wir fragen : Hat die Gesellschaft ein Recht zu ihrer Klage? Was thut'sie denn, um dem Gesellen die Möglichkeit der Bildung zu verschaffen? Verschließt sie ihm nicht alle Mittel derselben? Doch hat auch der Geselle kein Recht zur Klage, wenn sobald er selber Meister geworden, macht er's nicht besser. Wenn aber fe der Drang, sich sür's Leben zu bilden, namentlich der Drang nach politischer Bildung, die doch kein Bürger eines konstitutionellen Staates entbehren kann, die Gesellen, die von allen Classen der Gesellschaft ausgeschlossen find, unter sich zusammenführt, dann wehe ihnen! Dünn riecht's nach Communismus, und sie werden mit Feuer und Schwert vertrieben. Ist es aber Pflicht der Gesellschaft, für die möglichste Bildung aller ihrer Stände zu sorgen, so sollte sie nicht einen ganzen, ehrenwerthen Stand wie einen Augen sich betrachten lernen. Oder was kann z. B. für ein freundliches Verhältniß bestehen zwischen einem Beamten und einem Meister, die sich früher in irgend einer Universitätsstadt verhöhnt und „geholzt" haben? Soll dies anders werden, so ist zweierlei nöthig. Der Student, dessen Vorrechte jetzt ohnehin leere Seifenblasen geworden sind, lasse von seinen Vorur- theilen ab, und der Geselle suche eine höhere Bildung zu erwerben, dann werden beide sich gegenseitig nicht nur vertragen, sondern achten lernen. Aber bis jetzt ist der Geselle gar übel daran. Er soll sich auöbil- den nicht nur sür'S Handwerk, sondern sür's Leben, aber wie anfangen? Selbst wenn er einen höheren Schulunterricht genoffen hat, so ist darum seine Bildung nicht vollendet, er muß durchaus auch mit Gebildeten umgehen, wenn er nicht in Gemeinheit versinken soll. Aber mit wem? Während dem Studenten alle Bildungsanstalten und Gesellschaften geöffnet sind, ist der Geselle von allen ausgeschlossen und einzig aus den Umgang mit Seinesgleichen beschränkt. Ja selbst der Meister, obwohl er selbst einmal nichts anders war, betrachtet den Gesellen als Proletarier und glaubt sich durch jede nähere Berührung mit ihm etwas zu vergeben, an seiner Würde zu schaden. Selbst die Dienstboten werden noch eher als Glieder des Hauses betrachtet, aber zwischen Meister und Gesellen, die er ja alle Tage fortschicken kann, hat daö Vorurtheil eine unnbersteigliche Kluft gezogen. Da soll ein Geselle einmal wagen, in einen geselligen bürgerlichen Verein ' sich zur Aufnahme zu melden, er wird keine größeren Gegner finden, als die Meister, die solche Ungebühr nie dulden würden, daß der GeDer Bastard von Gemappe. Historische Erzählung von F Menk. (Fortsetzung.) „Seltsam, seltsam," murmelte der König und seine Blicke flogen fragend zu Tristan hinüber. „Und Du weißt den Namen Deines Vaters ,nicht, auch kein Zeichen gab er Dir, woran er Dich je erkennen würde?" „Doch, ein solches Zeichen besitze ich," sprach der Knabe unbefangen. „Seht her, in dieser Kapsel steckt ein Stückchen Pergament und es ist darauf in wunderbaren Schriftzügen geschrieben, ich würde vor Unheil bewahrt werden, wenn ich es immer auf meiner Brust trüge." Ludwig griff hastig darnach und überlas es, in eine Fenstervertiefung zurückgezogen, mit der größten Aufmerksamkeit; dann gah er es mit, gezwungener Gelassenheit dem Knaben zurück und fragte: , Du hast Dich also mit eigenen Augen überzeugt, daß der Leichnam, welchen Du in dem Sumpf bei Nancy gefunden, der des Herzogs von Burgund war?" „Dem ist so. Ich habe den Herzog nie im Leben gesehen, aber mein Vater erkannte ihn gleich an einer Narbe im Hals; dann lief ich zum Herzog Rena'us und Alle bestätigten das, was mein Vater behauptet. Ich aber schlug alle Belohnung aus, welche mir einen Gewappneten über den Hof springen sehe, und mochte, gar zu gern ein Rittersmann werden." Der König war in tiefes Nachdenken versunken und überhörte beinahe das unschuldige Geschwätz des Knaben; endlich winkte er heftig mit der Hand und die Anwesenden zogen sich zurück, nur Tristan blieb. Eine geraume Zeit verstrich, ehe Ludwig Worte fand, die Aufregung seines Innern auszudrücken. „Hast Du es gehört, Tristan?" fragte er endlich, und seine Miene drückte Entsetzen uud Erstaunen aus. „Er würde einen mächtigen Gönner am Hofe finden, sprach der Knabe, und dieser Gönner bin ich. Ja, ich muß es seyn, es steht in dem Buch des Schicksals geschrieben. Sprich, Tristan, glaubst Du, daß das Leben zweier Menschen auf eine rätselhafte Weise mit einander verknüpft seyn kann? Wenn das Geschick dieses Knaben mit dem meinigen verbunden wäre, wenn sein Untergang mein Untergang, wenn sein Glück mein ftlle als Mitglied derselben Gesellschaft mit ihm trinke oder singe, das wäre gegen den Respect und — den der junge Rittersmann bot, und verlangte nur vor Zopf. Studenten giebt cs bereits (Ausnahmen), die .Euch geführt zu werden. Mein Vater hat mir gesagt , ich würde am Hof einen mächtigen Gönner finden. Ach, und ich freue mich immer, wenn ich 432 Glück wäre! Ja, Meister Cattier, der Astrolog, hat mir schon vor Jahren eine solche Deutung gegeben, ich entsinne mich gar wohl. Ich jagte einmal vor ein oder zwei Jahren in den lothringischen Wäldern und verirrte mich auf unbegreifliche Weise von meinen Begleitern. Wenig bekannt mit der Gegend, gerieth ich immer tiefer in den Wald und hatte schon die Hoffnung autgegeben, mich allein wieder herauszufinden, als ich plötzlich auf ein kleines, sorgsam gebautes Feld stieß, worauf ein Mann, in eine lange, braune Ein- siedlerkutte gehüllt, emsig arbeitete. Du kennst, Tristan, meine Ehrfurcht vor solchen frommen Männern. Ich nahte mich ihm gesenklen Hauptes und bat ihn um seinen Segen. Der Eremit sah mich lange durchdringend an und auch in mir stiegen seltsame Rückerinnerungen auf. Das Gesicht kam mir bekannt vor, und wie aus weiter Ferne stieg in mir das Gedächtniß einer hassenswerthen Vergangenheit auf. Der Eremit hob endlich sein Haupt und hüllte sich dichter in seine Kutte. „„Weiche von mir!"" rief er mit schauriger Stimme, „„es steigen zahllose Geister Erschlagener um Dich, Fremdling, auf; weiche von mir, ich habe keinen Theil an Dir."" Obgleich mir das Herz im Busen fast i“ Eis gefror und Entsetzen mein Haar sträubte, so behielt ich doch noch Faffung genug, um Worte zu finden. Ehrwürdiger Mann, sprach ich, wirf nicht den Stein der Verdammniß aus mich; Mancher mag durch mich sein Ende -gefunden haben, aber ich muß ihr Blut auf mich rufen und werde es dereinst vor dem Throne des Allwissenden verantworten. „„Glaubst Du,"" sprach der Eremit zurück, „„Du seyst mir unbekannt? In diese Zelle tritt Niemand, dessen' Schicksal nicht klar vor mir läge. Du bist Ludwig XL, König voij Frankreich, und es kostete mich nur einen Wink und Deine Laufbahn hätte ihr Ende erreicht. Aber in dem geheimen Buch des Schicksals steht es geschrieben, daß Du noch lange, lange leben sollst. Dein Geschick ist wunderbar mit dem eines Zweiten verknüpft/"' setzte er, wie von einem Gedanken plötzlich ergriffe», hinzu und eine überirdische Verklärung verbreitete sich über seine blaffen Gesichtszüge. „„Hand in Hand, Band um Band, gleiches Glück, gleich Geschick, so stehts in den Sternen geschrieben; hab Acht auf diese Worte!"" und der Klausner verschwand," setzte der König erschöpft hinzu; „ich aber stand noch lange wie vom Blitz über die wunderbare Erscheinung getroffen. Daun aber bestieg ich mein Pferd und jagte wie von allen Furien der Geisterwelt verfolgt, zum Wald hinaus, und der Weg, den ich früher vergeblich gesucht, war jetzt wie von selbst gefunden. Als ich indeß am andern Morgen die Vertrautesten meiner Leute in den Wald sandte, den Klausner zu erforschen, da fanden sie nichts und Niemand vermochte mir zu sagen, wer der räthsclhafte Mann sey, und Niemand wußte in der öden Gegend etwas von einem Eremiten zu erzählen. In diesem Augenblick erst ward mir Lösung des wunderbaren RäthselS, denn, hörst Du, Tristan, hörst Du, dieser Knabe zeigte mir j nen räthselhaften Spruch des Einsiedlers in seinem Amulet!" Wir müssen uns in jenes Jahrhundert des Aberglaubens, der Gespensterfurcht zurückvenken; wir müssen ermessen, wie geneigt sich auch selbst die gebildetesten und gelehrtesten Männer den Einflüssen überirdischer Erscheinungen zei.ten; dann erklärt es sich von selbst, warum der König diese wunderbare Begebenheit für keinen Betrug hielt. Ludwig war es vor allen Anderen, der eine ehrfurchtsvolle Scheu vor dem Ueber- natürlichen, Seltsamen hegte. Er trieb noch jetzt, wo er dem Greisenalter nahte, eifrig Astronomie und ließ ttch willig von betrügerischen Spitzbuben ausplündern. Seine Leichtgläubigkeit benutzten noch mehr jene feilen Priester, die ihn stets umgaben. Das Gewissen, welches nie schlummert, niahnte ihn ernst und dringend an die Schuld, welche er dem Leben zu bezahlen hatte. Da warf er sich verzweifelnd der Religion in die Arme. Ans dem Tyrannen ward ein frömmelndes llngeheuer, das, Gott auf den Lippen, mit kaltem Blute mordete. Tristan bemühte sich nicht, den König von seinem Wahnglauben loszureißen. Ein Blick in die Vergangenheit erfüllte ihn mit übermüthigem Stolz. Er hatte sich seinem Herrscher unentbehrlich gemacht, was konnte ihm dieser Knabe schaden? Ludwig war leicht beweglich, ein Funke des Mißtrauens in sein Inneres geschleudert, konnte zur Flamme aufloderit. Und hier täuschte sich Tristan. Der König zeigte in Allem, wie eng er sich dem neuen Günstling verbunden glaubte. Es war nicht die Rede mehr von der Gewalt des Herrschers, von dem Ansehen des gekrönten Hauptes. Vor dem Knaben schwand jede Schranke; Tristan bemerkte schon nach wenig Monden, daß der König um die Gunst seines Emporkömmlings zu buhlen schien. Und dieser selbst! Aus dem Dunkel seiner Wälder hatte er /inen feuerigen, empotstrebeNden Sinn mitgebracht. Die Lehrer, welche ibn am Hofe umgäben, sagten ihm nicht immer neue Dinge; denn nicht ohne Kenntniß war dieses Kind der Natur. „Sein Vater habe ihn Vieles gelehrt," antwortete er ost, und der König gerieth in großes Erstaunen. Glänzende Anlagen entwickelte der schlichte Knabe und was ihn vor Allem zierte, war jene beharrliche Bescheidenheit, welche er den Schmeicheleien des feilen Hofgeschmeißes entgegen letzte. Von seinem Einflüsse, den er auf den König übte, hatte er keine Ahnung, eben so wenig beachtete er den Unterschied der Stände. Er saß unter den Rittern und Pairs so unbefangen, als sey er Ihresgleichen. Als ihm der König später das wichtige Amt eines Geheimschreibers anvertraute, da bekannte er offen und frei seine Meinung und verhinderte manche ungerechte, strenge That. So errang er sich die Gunst des Adels und des Volkes; wie ein guter Genius wacbte er über den König itnb ein milderer Geist schien sich herabzusenken 433 auf den strengen Herrscher von Frankreich. Der König hatte ihm, der sich nur als Ludwig kannte, den Na- ' men Pascal beigelegt. 3. Nach dem Tode des mächtigen Herzogs von Burgund begann der König a([e Machinationen seiner falschen, hinterlistigen Politik zu entfalten. Das Jahr 1477 war in jeder Hinsicht eins der denkwürdigsten in der französischen Geschichte urib entwirft uns zugleich das treueste Bild des mittelalterlichen Treibens. Ver- rath, Arglist und Treubruch auf beiden Seiten, nur hier und da taucht eine kräftige ritterliche Handlung, ein Zug heroischer Tapferkeit und Vaterlandsliebe auf und greift versöhnend in das Chaos ein. Ludwigs des Elsten Nächte waren schlaflos in dieser Zeit. Oft, wenn sein Günstling in der Morgenstunde zu ihm trat, zeigte er ihm das Kiffen seines Hauptes, welches naß von Thränen des Kummers und der Be- sorgniß war. Und dennoch konnte er trotz aller Anstrengungen das ersehnte Ziel nicht erreichen. Jene schwache Maria, die Tochter Karls des Kühnen, hatte er verachtet, aber er erfuhr, was ein Volk, das sein angestammtes Regentenhaus liebt, vermag. Von der ganzen reichen Erbschaft erhielt er nichts als die Städte in der Picardie und das Herzogthum Bourgogne. Aber selbst ihr Besitz brachte ihm wenig Freude; unter dem Volk glimmte der Zunder der Empörung fort und die Strenge des Königs fachte denselben nur zu oft zur Flamme an. Das Jahr^l478 begann unter den ungünstigsten Ausvicien. Auf schweißbedecktem Roß stürzte ein Bote durch das Thor des Schlosses Plessi^- les - Tours und verkündete, cs sey eine Empörung zu Berry ausgebrochen. Der König wüthete und schwur, die Rebellen mit Feuer und Schwert auszurvtten. Pascal hatte ihn nie in solcher Aufregung gesehen und fürchtete für die unglücklichen Bürger Alles. Eben als Dubouchage mit seinen Fähnlein vom König beordert wurde, trat der Jüngling auf 'unb erklärte sich dem Zug anschließen zu wolle». Ludwig erschrack, denn nur ungern mißte er seinen Schützling um sich. Allein Pascal drang so bestimmt und entschlossen darauf, daß der König endlich einwilligte. Der Zug brach auf und in eiligen Märschen langte man vor den Thoren Berry's an. Die Bürger standen wohlbewehrt auf den Mauern und schienen zum Aeußersten entschlossen. Dubouchage sandte einen Trompeter ab und ließ sie zur Uebergabe auffordern ; hohnlachend empfingen sie diesen und schwuren bis auf de» letzten Mann kämpfen zu wollen. Da ließ Dubouchage zum Sturm-blasen und ein entsetzlicher Kamps begann; hier stritten Verzweiflung und Freiheitsliebe, dort Grinun und Raubsucht ; aber bic lieber« macht siegte endlich. Die Mauern wurden erstiegen und die wackern Vertheidiger kämpfend zurückgedrängt. Die Sieger stürzten trunken in bie Straßen, erbrachen die Häuser und ein Würgen begann, dem Blutbad zu Jerusalem gleich. Pascal hatte selbst mit Löwenmuth auf der Mauer gestritten; gegen die Feinde fühlte er kein Erbarmen, — die Besiegten erheischten sein Mitleid. Welch' ein Anblick für den jungen Helden, als er • die blutgetränkte Stätte betrat! Dort Hülfgeschrei wehrloser Weiber, das Stöhnen der Verwundeten, hier das beutegierige Jauchzen unmenschlicher Sieger. Sein Häar sträubte sich, als ihm der Gott der Schlachten in so furchtbarer Gestalt engegentrat. Mit Dubouchage und wenigen seiner Getreuen eilte er durch die Straßen, dem Würgen Einhalt zu thun. Da tönte plötzlich aus einem stattlichen Hause weiblicher Klageruf. Ohne Säumen riß sich der-Jüngling von seinen Begleitern los, rannte die Treppe hinauf und stieß bie nächste Thür gewaltsam auf. Dort schallte ihm wilbes Jauchzen und Wehklagen entgegen. Ein Haufe betrunkener Soldaten hatte stch des Eigenthums der Hausbewohner bemächtigt und zerschlug int Uebermuth Fenster und Geräthschaften. Die wildesten und unbändigsten hatten den Hausherrn, einen ehrwürdigen Greis, in ihrer Mitte, und suchten unter den furchtbarsten Drohungen das Geständniß, wo er seine Schätze verborgen, zu erpressen. Einige andere hatten sich zweier junger Mätzchen bemächtigt und verfolgten sie unablässig mit ihren eckelhasten Liebkosungen. Kühn trat der junge Pascal unter sie Trunkenen und rief mit Donnerstimme: „Was.geht hier vor!" die Soldaten stuzten und sahen hoch auf, als sie einen unbekannten, jungen Menschen Ruhe gebieten hörten. Endlich zogen sie ihn lachend in ihren Kreis und stellten ihn auf einen Tisch. „Ei, gestrenger Herr Junker!" rief ihr Anführer, ein wilder, bärtiger Gesell, „Ihr nehmt es gar sehr genau mit uns. Wo habt Ihr denn das Cornmandiren gelernt?" „Nichtswürdiger Schurke!" schrie der Jüngling in edlem Grimm und riß den Degen aus der Scheide. „Achtung vor dem Gesetz! Ist Euch nicht ferneres Morden und Plündern streng untersagt? Augenblicklich entfernt Euch, oder -schwere Ahndung wird Euch treffen." Das riß kein alten Kriegskameraden den Geduldsfaden: „Unbärtiger Gelbschnabel!" rief er und stolperte trunken auf den Jüngling zu; „wart' ich will Dir einen Denkzettel geben." Und er. holte zum gewaltigen Streich aus, aber wie der Blitz saß ihm Pascals Klinge im Hals, daß der Betrunkene taumelnd zu Bode» stürzte. „Zurück!" rief er dann mit Hoheit und schwang sein Schwert, als die Andern auf ihn einbringen wollte», „zurück, ich bin Pascal, des Königs -Geheim- schretber !" Ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel konnte nicht unerwarteter, nicht sicherer treffen, als dies Wort.' Die Trunkenen waren pötzlich nüchtern und alle Klingen senkten sich. Der Jüngling aber befahl ihnen 434 stolz, sich zu entfernen, dann eilte er besorgt auf die zitternden Jungfrauen und den ohnmächtigen Greis zu. Die ersteren beruhigte er mit sanften Worten, den letzteren rief er durch schnelle Mittel ins Leben zurück. Die Mädchen wurden schnell vertraut mit ihrem Retter und erzählten ihm, daß sie, als elternlose Waisen, bei ihrem Großvater, jenem Alten, wohnten. Die Eine nannte sich Clotilde, Leokadia die Andere. Beide waren jung und schön und unwiderstehlich fühlte sich unser junger Freund zu ihnen hingezogen. Es wurden in diesem Augenblick Gefühle in ihm wach, welche seinem jugendlichen Herzen bisher gänzlich fremd geblieben waren. Er schlug errökhend die Augen nieder, so oft ihn die Eine oder die Andere mit den bescheidenen , sanften Blicken der Jungfräulichkeit ansah und ward herzlich froh, alH Duboucbage mit seinem Gefolge eintrat und ihn aus seiner Verlegenheit riß. Der schlachtengewohnte, rauhe KriegSmann sah verwundert bald aus die Mädchen, bald auf deu Jüngling: er ahnte gar bald den Zusammenhang. (Fortsetzung folgt.) Sträußchen für Damen. Die Ihr gleichet unfern Blüthen, Holde, nehmt uns gnädig auf. Sind wir auch nicht aus dem Süden, Wo der prächt'gen Ströme Lauf, Wo die Lüfte heiß uns glühten Brennende Farbenpracht aufs Haupt. Nein, aus Deutschlands Gauen Blüthen Sind wir, still von Grün umlaubt. Die Rose. Seht, wie sie glüht auf dem Strauche die Rose, Seht sie, ein herrliches Sinnbild der Liebe, Schmeichelnd umkos't sie des Zephprs Geliebe, Küssend naht sich ihr Amor, der lose. Morgen senkt sie das Haupt, es glüh'n Nicht mehr die vollen duft'gen Wangen, Töne der Liebe, des Scherzes erklangen, Rose und Liebe verblüh'n! /r. (Mrv fortgesetzt.) R ä t h s c l. Groß und einsam schweb' ich in den Lüften, Doppelt schall' ich in den Felsenklüften, Dieses Erdenrund berühr' ich nie. Unter Menschen suchst Du mich vergebens, Und von jedem Ziel das End' bin ich; Klein erblickst Du mich am Sternenhimmel, Größer, wenn Dein Mund von Liebe spricht. Engel wären ohne mich nicht Engel, Allah wäre ohne mich voll Mängel, Und dies Räthsel hätte keinen Sinn. L o g o g r p p h. Sagt Rechenmeister mir bestimmt, Wie man das Ganze ichreibt: Wenn man mir nimmt, Daß nur | bleibt Feuilleton. Jüngst war in einer Gesellschaft von Herren und Dainen auch die Rede yon der Jagd, wo denn mancher Sonntagsjäger seine Abentheuer re. zu erzählen nicht verfehlte. Unter Anderem wurde aber auch darüber gestritten, welches der Thiere denn eigentlich das sey, von dein man sagen könne, es werde ihm am meisten nachgestellt. Der Rehbock ohtie Zweifel, rief ein ergrauter Waidmann, ich allein habe schon einige 100 (Reh-)(?) Böcke in meinem Leben geschossen. Nein, der- Hase unstreitig, fiel ein junger Jäger ein, ist das geplagteste, Verfolgteste Thier der Erde, ich selbst pflege wöchentlich 2 Mal Hasenbraten zu essen, theils selbst geschos- senf (?), theils von Händlern gekaufte! Noch waren die ehrlichen Waidgesellen in- dem besten Streite, .da erhob sich eine witzreiche Dame, den Streit zu schlichten, mit den Worten: Nein, meine Herren, nicht dem Rehbock noch dem Hasen wird am meisten nachgestellt, das geplagteste, Verfolgteste, ärmste der Thiere ist — der Floh, (ich allein pflege hunderte die Woche zu erlegen.) (Die Rechnung nach dem Tode.) Als im 3"hre 1815 Napoleon von Elba ztzrückkam, kehrte, gleich Ney, auch der General Labedoyöre zu den Fahnen seines Kaisers zurück. Er wurde gefangen und durch den Ausspruch des Kriegsgerichts, wie Ney, zum Tode verurtheilt. Bis auf 2 Schritte trat er vor die 12 Schützen, die zur Vollstreckung des Urtheils kom- mandirt waren, entblößte ruhig seine Brust, bezeichnete die Stelle, wohin sie treffen sollten, — und sie trafen sie. Bald darauf erhielt seine 19jährige Frau das Verzeichniß der Kosten, welche sie zu bezahlen hatte, in welchem unter Andern, auch die abscheulichen Worte standen: „36 Franken Gratification für die 12 Mann, welche ihn erlegt, für jeden 3 Franken." So geschehen im ersten Jahre der Regierung des Allerchristlichsten Königs, Ludwig XVIII. von Frankreich. Was wird ei» Schneider, wenn er ein Paar fertige Hosen forlschafft? — Ein Hosenträger. Auflösung des Silbenräthsels in .AS 57. Schneeglöckchen. Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei in Gießen.