Anzeigeblatt für die Stadt und -en Kreis Gießen. M 32. Mittwoch -en 21. April 184t7. Bekanntmachung, die Auswanderungen aus Deutschland nach Nordamerika über Belgien betreffend. Die Königlich Belgische Regierung hat sich veranlaßt gesehen, die Anordnung zu treffen, daß künftig nur solche Auswanderer an der belgischen Grenze zugelassen und mit der Staatseisenbahn weiter befördert werden, welche entweder 1. an baaren Reizmitteln 93 fl. 20 fr. (200 Franken) für jede Person über 15 Jahren, und 70 fl. (150 Franken) für jede Person bis zu 15 Jahren (Säuglinge bleiben außer Berechnung) vorzuzeigen im Stande sind, oder 2. sich im Besitze von Verträgen mit Schiffsrhedern oder Agenten von solchen in Deutschland befinden, wonach die Letzteren sowohl die Ueberschiffung, als auch die Verköstigung und Verpflegung der Auswanderer während der Reise durch das Königreich Belgien bis Antwerpen übernommen haben, — oder endlich 3. im Besitze solcher Papiere sind, aus denen hervorgeht, daß ihre Ueberfahrt gesichert ist, und weiter die nöthigen Mittel zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse während der Reise auf belgischem Gebiete bei sich haben. Diese Anordnung der Königlich Belgischen Regierung wird hierdurch noch besonders zur Kenntniß der diesseitgen Kreisbewohner gebracht. Gießen am 16. April 1847. Der Gr. Hess. Kreisrath des Kreises Gießen. Prinz. Edictalladungen. 703) Nachdem der Auszüger Wilbelm Müller von Großseelheim durch Beschluß Dem 23. März d. I. als Verschwender unter Curatel gestellt worden, so wird dieses mi! dem Anfügen zur öffentlichen Kennrniß gebracht, daß dadurch der Verlust des Veräußerungsrechts und die Unfäbigkeit in An- sebung seines Vermögens sich verbindlich zu machen für den Curanden herbeigeführt ist, daher die bezüglichen Rechtsgeschäfte gültig nur mit dem Kurator — als welcher Conrad Klingelböfer Ur. von Großseelheim heute verpflichtet ist — abgeschlossen b. w. nur an diesen auch Zahlungen geleistet werden können. Kirchheim am 14. April 1847. Knrfürstl. Justiz-Amt. Gleim- vdt. Pfeiffer K. A. Prakt. 715) Der Einwohner Conrad Dickert und dessen Ehefrau gehonte Wagner von Wehrda, Haven am 18 April 1806 dem Tribunals-Procu- rator Schlarbaum zu Marburg für ein Darlehn von Achtzig Gulden Fr. Währ., verzinsbar mit fünf Procent, folgende ihnen eigcnthümltch zu- stehende , in der Wchrdaer Gemarkung gelegene Grundstücke 1) a/4 St cf er 5% Rth. Erbland im Bingen, an Jacob Schesee und Jacob Wagner, 2) '/.Acker 6/^ Rth. Erbland dase.bst, an Jacob Wormsbächer und Johannes Koch, 3) Slcfer 6% Rth Erbland noch daselbst, an Johannes Dtttmar und Johannes Reczner, 4) 3'/, Rth. im Gemeindsländchcn am Sand, an Nicolaus Wormbächer und Jac. Weber speciell verpfändet. Das Capital nebst rückständigen Zinsen ist laut der am 15. März 1838 von 214 der Wittwe des genannten Tribunal-Procnrator Schlarbaum in ihrer Eigenschaft als Vormün, derin ihrer Kinder ausgestellten, gerichtlich beglau, bigten und dahier producirtcn Quittung ausbezahlt worden, die Original-Ausfertigung der Obligation aber abhanden gekommen. Heinrich Trier und dessen Ehefrau Ger« traut» geborne Dickert von Wehrda, welche durch Kauf Eigenthümer der gedachten Grundstücke geworden sind, — haben, gestützt auf die angegebenen Thatsachen, um Mortificatio» gebeten. Ihrem Anträge gemäß werden etwaige unbekannte Besitzer der abhanden gekommenen Obligation hiermit öffentlich aufgcfordert, solche binnen drei Monaten von heute an, so gewiß hier vorzulcgen, und ihre Rechte daran geltend zu machen, als solche sonst für erloschen erklärt unv die Einträge in den Hy- pochekenbüchern des unterzeichneten Gerichts ge» löscht werden sollen. Marburg am 31. März 1847. Kurfürstlich Hessisches Landgericht. Hille. vdt. Schmidt. Versteigerungen. 634) Arbeitsversteigerung. Die bei der Herstellung der Kirche zu Watzenborn vorkommenden Bauarbeiten, als: 1) Maurerarbeit, veranschlagt zu 268 ss. 33 fr. 2) Zimmerarbeit, „ 3) Dachdeckcrarbeit, „ 4) Schreinerarbeit, „ 5) Schlosserarbeit, „ 6) Glaserarbeit, ,, „ 537 ,, 14 „ „ 500 „ — ,, „ 368 „ 52 „ „ 24 ,, 48 „ „ 65 „ 31 ,, 7) Weißbiuderarbeit, „ „ 151 ,, 36 „ sollen Donnerstag den 29. April d. Z., Vormittags 10 Uhr, auf dem Bureau des Gr. Bürgermeisters zu Watzenborn unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen an die Wenigstnehmenden öffentlich ycrRaigart werden. Der Plan, Voranschlag und Steigbedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Gießen den 8. April 1847. Ter Gr. Provinzialbaumeister der Provinz Oberhessen. Müller. 626) Freitag den 23. April d. Z., Nachmittags 2 Uhr, wird bei der Schneidmühle von Franz Peppler & Comp. dabier, eine Parthie 1 u. 2 Zoll dicke Bohlen von Eichen« und Buchenholz, sowie eine Quantität Stammholz-Abfälle und Späne zur öffentlichen Versteigerung gebracht. 702) Freitag den 23. April l. I., Morgens 9 Uhr, sollen in dem Altenbusecker Gemeiudewald, Distrikte Seewald, Hangelflein rc. 17 Stecken Buchen-Scheidholz, 73'/, „ „ Prügelholz, 12 „ Eichen- „ 17 „ Buchen-Stockbolz, 2 ,, Eichen- „ 2175 Stück Buchen-Welleii, 450 „ Eichen- „ 1225 „ Nadel- „ 12 „ Eichen-Stammholz, 3 „ Buchen- „ 489 „ Eichen-Stangen, 249 „ Buchen- ,, und 8364 „ Bohnen- „ öffentlich meistbietend versteigert werden. Altenbuseck den 19. April 1847. Der Bürgermeister Wagenbach. 701) Freitag den 23 April d. I, Nachmit a^s 1 Uhr, sollen in dem Naunheimer Gemeiudewald, Distrikt Homberg: 1) 13 Stecken Buchen-Scheidholz, 2) 15 „ Eichen- „ 3) 10 ,, Buchen-Prügelholz, 4) 13 „ Eichen- „ 5) 17 „ Buchen-Stockholz, 6) 15 „ Eichen- „ 7) 190 Stück Buchen-Wellen Reisholz, 8) 250 „ Eichen- „ „ 9) 10 „ Eichen-Stämme, 683 Cbkf. halt., 10) 21 „ Kiefern- „ 740 „ „ versteigert werden. Tie Zusammenkunft ist zur obigen Stunde am Viehtiieb. Naunheim am 16. April 1847. Der Bürgermeister I. Schäfer. 700) Montag den 26 April d. A., Morgens 8 Uhr, sollen auf der Bürgermeisterei zu Oppenrod nachstehende Arbeiten zur Erbauung eines neue» Spritzenhauses, als: 215 1) Maurerarbeit, veranschlagt zu 30 öffentlich wenigstnehmend, unter den steigerung bekannt gemacht werdenden bei der Vei- Bedingungen 2) 3) 4) 5) 6) Zimmerarbeit, Dachdeckerarbeit, Schreinerarbeit, Schlosserarbeit, Weißbinderarbeit, 38 fl. 176 „ 94 „ 23 ,, <1 ,, 26 „ — fr. 27 „ in Accord gegeben werden. Oppenrod am 16 April 1847 Der Bürgermeister Weis. 714) Samstag den 24. d. M., Vormittags um 10 Uhr, soll in dem Gr. Domanial-Distrikt, Unterer Burgwald, die daselbst in dem EichenloK-Schlag AS 1. in diesem Jahre gewonnen werdende Eichenlohrinde unter den bei der Versteigerung noch weiter bekannt gemacht werdenden Bedingungen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist zur bestimmten Stunde in dem obengenannten Schlag M. 1. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird bis Martini d. I. Zablungsftist gestattet. Nachgebote werden nicht angenommen. Der Forstschütze Kaiser in Staufenberg ist beauftragt, auf Anfrage den Lobschlag vorzuzeigen. Altenbuseck den 17. April 1847. Der Gr. Hess. Ncvierförster des Reviers Buseck. Bötz. 698) Donnerstag den 22. April, Nachmittags 2 Uhr, soll bei dem Küfer Balthaser Weidig auf dem Reicheusand, in dem Hofe des B. Plank, Tische, Bänke, Commode, Schränke, Küserwerkzeug u.Vgl.; ferner Montag den 26. April, Nachmittags 2 Uhr, soll alt neu 5 “/ns ». 208lüKlftr. Acker, zehntf., auf dem 126 Hegstrauch und Sandkautcr- weg, 7,2, 7-3 Kl. auf hiesigem Rathhause versteigert werden. Gießen den 18. April 1847. Adolph Möhl. 629) Da ich entschlossen bin, mein Wohnhaus nebst den dazu gehörigen Oekouomie-Gebäuden, Donnerstags den 22. d. M., Nachmittags 2 Uhr, und zwar unter sehr vortheilhaften Bedingungen, auf dahiesigem Rathhause meistbietend versteigern zu lassen, so erlaube ich mir hiermit, solches zur Kenntniß zu bringen. Gießen een 11. April 1847. Bäckermeister Balt h. Weidigs Witlwe. Feilgeboten. 663) Ein geehrtes Publikum erlaube ich mir ergebenst auf mein jetzt neu affortirtes Lager von Tapisserie-Gegenständen aufmerksam zu machen; Stickmuster zu Ofenschirmen, Sofakissen, Oralier, Jagdtaschen, Flintenriemen rc., überhaupt die neuesten Muster; ferner bemerke ich, daß ich jetzt vieles bedeutend billiger verabreichen kann, da ich jetzt alles aus erster Hand und en gros beziehe, z. B. ombrirte Häkclseide, welche 15 und 16 fr. kostete, kann ich jetzt zu 12 fr. ablassen, auch führe ich jetzt Slick- und Besatz-Chenille, Häckelzwirn u. s. f. Außerdem empfehle ich einen bedeutenden Vorrath von Galanterie und Lederarbeiten, namentlich Gesangbücher in Sammt und Leder, zu äußerst billigen Preisen. Ph. Schlatter am Kreuz Lit. B. AS 98. 706) Meine reiche Auswahl in Mousselines de laine, Cachemirienne, Brillantine, Mousselines, Jaconnets, Balzarine, Ginghams, sowie schwarze, farbige und faeionirte seidene Kleider- zcuge, Mull, Badist, IXanzoc, Tüll, Spitzen, Schleier, Orleans und Lustre von 24 fr. die Elle, sodann Shawls, Echarpes, Ficlius, CuFs^ Foulards, Herrnbinden, Shlips und Cravatten in neuestem Geschmack, fertige und angefangeue Stickereien, Stramin und Wolle, Strick- und gestammte Häckelseide, ä 12 fr. das Strängchen, Hä- felzwirn, Chenille rc. zu den billigsten Preisen empfehle ich bestens M. Heß, Lit. A. AS 55. 711) Bei Unterzeichnetem sind einige Ohm Wein, Rüdesheimer Berg, von dem Jahrgang 1811, 7i oder 7« ohmweise zu verfaufen. Br. Balser, prakt. Arzt, 705) Schwarze und weiße Strohbüte, von 36 fr. bis 1 fl., sowie eine große Auswahl Borden, Ztal. und Brüssel. Damen- und Mädchen-Hüte, Bänder, Bouquets, Sonn- und Regenschirme, alle Sorten Handschuhe in glace, file d'Eeosse,Seide rc., Stickereien und Bronze-Maaren kann ich durch vortheilhafte Einkäufe billigst emvfehlen. M. Heß. 680) Geriebene Oelfarben, zum Anstrich fertig, bei Emil Pistor. 216 708) Rock, Hosen und zwei Westen, noch ganz neu und für einen Consirmanden ftrfr eignend, sind billig zu verkaufen. Wo? sagt d. Erped. d. Bllts. 713) Bei mir ist täglich zu dem laufenden Preise zu baden: Korn, Walzen, Erbsen, Hafer, sowie Weiß, und Roggenmehl. L- Cabn in den Neuenbänen. 688) Fortwährend sind noch Falzziegel zu verkaufen bei 5- Sl. Busch auf dem Kreuz. 692) Eine Partbie Dorrwcllen sowie eine weiße frischmelkende Ziege sind zu verkaufen. Wo? sagt t>. Erped. d. Bltts. Zu vermiethen. 687) Bei mir ist eine möblirte Stube mit Sopha und Cabinet zu vermiethen. Wilhelm Rühl, Lohnkutscher, wohnhaft in der Flügelsgasse. 694) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen bei Schneidermeister Franz in der Hintergasse. 697) Ein gut möblirtes Zimmer nebst Cabinet und Scpha, welches eine sehr schöne Aussicht hat, ist zu vermiethen bei May! and er auf dem Scltersweg. 689) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei Heinr. Ferber am Rathhaus. 709) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei Friedrich Otto. 710) Ein möblirtes Zimmer, mit Sopha und Cabinet versehen, ist zu vermiethen bei Jean Gertig in der Sonne. 712) Ein geräumiger, etwa 26 Stückfaß ausnehmender. Keller ist bei mir zu vermiethen. Dr. Balser, prakt. Arzt. 670) Zwei kleine Stuben nebst Küche und Kammer mit oder ohne Möbel sind zu vermiethen auf der Mäusbnrg Lit. B. .AS 30. 674) Ein gut möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Georg Becker, im Promcnadehaus. 679) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen in lat. D. .AS 181. 3s uszuleihen. 632) 300 fl. Curatelgeld sind in diesige Stadt oder die Umgegend gegen gerichtliche Hypothek zu verleihen. Die Redaktion sagt bei wem. Vermischte Nachrichten. Wohnnngsvseanderung. 695) Seit dem Heutigen befindet sich mein Geschäftslocal in dem Hause des Herrn Conrad Möbl, Marktstraße Lit. D. Nr. 185. Mit der Bitte, um ferneren geneigten Zuspruch, verbinde ich die Zusicherung solider und prompter Bedienung. ' Gießen den 19. April 1847. Heinrich Kühn, Buchbinder & Schreibmatcrialienhändler. 699) Bitte ttm gütige Beachtung Ein ordnungsliebender, zuverlässiger Mann, dessen Einkommen sich in dieser Tbeuerungs-Periode sehr verringert bat und dessen Verhältnisse nicht geeignet sind, öffentliche Unterstützungen zu beanspruchen, leidet mit seiner Familie große Roth. Er offerirt seine Dienste im Schreiben, sei es für Herrn Advocaten oder als Comtorist. Weiteres kann mit demselben mündlich besprochen werden, indem man ihn mit Allem betrauen kann. Gütigst bei d. Erpedit. zu erfragen. 696) Es wünscht Jemand in der Nähe der Stadt */4 bis J/2 Morgen Grabland zu leihen. Das Nähere in Lit. C. .AS 153. 690) Ich wohne bei Herrn K. Schultheis III. in der Marktstraße. Pfannmüller II., Hofgerichts-Advocat. 691) Clavier-, Guitarre-, Flöten- und Gesangunterricht, sowie Rotenschreibcn und Clavierstimmen bringt in empfehlende Erinnerung. W Magen, Musiklehrer Lit. B. M 75. 716) Es wird ein gutes Tnebviertel zu leihen gesucht. Zn der Erped. d. Bltts. das Nähere. 217 693) Einem verehelichen Publikum mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich mich dahier als Buchbinder etablirt habe, durch geschmackvolle solide Arbeit werde ich das mir geschenkte Zutrauen zu rechtfertigen und zu erhalten suchen. Die bisher unter der Firma „D. Kühn's Wittwe" bestandene Leih Bibliothek habe ich für meine Rechnung übernommen, ich werde mich bestreben den Anforderungen und Wünschen meiner geehrten Kunden durch Anschaffung der neuesten und besten Werke zu entsprechen und bitte um zahlreichen Zuspruch- Meine Wohnung ist im elterlichen Hanse Lit. A. v4$ 104. Friedrich Kühn. 707) Ein braves Mädchen, welches gilt kochen kann und mit allen sonstigen häuslichen Arbeiten umzugcben weiß, wird auf Johanni in einer kleinen Haushaltung in Dienst gesucht. Die Redact. d. Bltts. sagt wo? 704) Ein Frauenzimmer, welches in seinen weiblichen Arbeiten erfahren ist, sowie auch eine Haushaltung zu führen versteht, sucht hier oder in der Umgegend eine angemessene Condition. Das Nähere ist in der Erped. d. Bltts. zu erfahren. Theater in Gießen. Mittwoch den 21. April 1847 Letzte Vorstellung! im Saale des Gasthofs jitm Einhorn zum ersten Male: Köck und I rr ft e. Berliner Localposse mit Gesang in 2 Akten, von Beckmann. Vorher: Fig und Pflegma. Singspiel in 1 Akt, von Angely. Die Direktion. Geld CourS vom 20. April ff. kr. Gold- und Silber-Sorten. s 24 24 11 9 S 9 9 11 z Neue LouiSd'or FriedrichS'dor 5 SS »61 32 57 57 43t 45 20 22 20 20 Frank-Stücke . . . Holl, io fl. Stücke . . . Engl. SouverainS . . Laubthaler ...... Preußische Thaler . . . . Fünf-Franken-Thaler . . , Hochhaltiges Silber . . Grring-mittelhaltigeS Silber Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 18. April. Dem Bürger und Uhr- wacher, Philipp Christian Leo, eine Tochter, Johanna Karo- lint, geboren den 17. März. Denselben. Dem Bürger und Gasthalter im Hirsch, Heinrich Becker, eine Tochter, Sophie Wilhelmine, geboren den 2. April. Angekommene und abgereiste Fremden vom 16. bis 19. April 1847. I n den Gasthäusern. Im Einhorn: Hr. Reimers, Stud. mcd. v. Gardig. Hrn. Sfl. Auser v. Hamburg u Ahlhorn v. Utrecht. Hr. Bellerne, Fabrik, v. WipPerSfurt. Hr. Allart, Kfm v. Coburg. Hr. Werth, Partie, v. Paderborn. Hrn. Kff Bor- mont v. Gröningen, Wimberger v. Hagen u. Mehldorf v. Hannover. Hr. Löwenburg, Rent. v. Wißmar. Hr. Holzmann, Müll. v. Sprenglingen. Hr. Walther, Kfm. v. Elberfeld Hr. Häuser, Gutsbes. v. Hannover Hrn Kfi. Schäler V. München u. Schneider v. Elberfeld Hr. Blöß, Gutsbes. v Hamburg. Hr. Sauerbier, Mal. v. Wien. Hr. Debour, Stud. v. Straßburg. Hr. Heidesheim, Fabrik, v. München. Hr. Nieschwitz, Privatm v. Hannover. Hr. Wilhelm, Kfm. v. Crefeld. Hr. Dr. Schneider, Sicht« v Frankfurt. Hrn. Kff. Martino v. Frankfurt, GlaS v. Cassel, Ar v. Rheidt u. Weil v. Nürnberg Hr. Holzapfel, Baumeist. v. Grünberg. Hr. Dremel, Partie, v. Aachen Hrn Kfl. Petit v Brüssel u. Burkel v. Andernach. Hr. Sulzer, Rent. v. Copenhagen. Hr. Glückhof, Gutsbes. v. St. Goar. Hrn. Kfl. Hornecker v. Aachen u. Weißbrod v. Mainz. Im Kappen: Hr. Rumser nt. Fam. u. Bedien., Rent. v. London Hr. Frisch, Kfm. v. Mainz. Hr. v. Hoff, Lieutn. v. Coblenz. Hr. Donner, Kfm. v. Halle. Hr. CaffiuS, Hosr. v. Schwerin. Hr. Bankschmidt, Kfm. v. Leipzig. Hr. Gredel, 218 Pfarr. #. Grünberg. $>r. Haberkorn, Asm. v. Frankfurt. Hr. Leißner, Pfarr. v Lauterbach. Hr. Weiß, Stud. v. Frankfurt Hr. Engelbund, Dr. jur. v. Göttingen. Hr. Bengk, Profess, u. Hr. Genth, Privatdoc. v. Marburg Hr. Ludwig, Stud. v. Halle Hr. Wagner, Lehr v. Bruchsal. Hr. Horn m. Fr., Oecon. v. Hannover Hrn. Kfl Brücke v. Berlin u. Berthold v. Barmen. Hr. Radde, Postcommiff. v Wetzlar. Hr Hundelfinger, Oecon. v. Nauheim. Hr. Bachmann, Kfm. v. Frankfurt Hr. Gürtler, Fabrik v. Darmstadt. Hrn Kfl. Bnrck v. Mainz, Falk v. Hannover, Spier v. Alsfeld, Sachs v. Cöln u. Neff v. Mannheim. Hrn. Privat!. Deibert m. Fam v Norrhaufn u. Bützer v. Königsberg Hr. Wienhcim, Forstmeist. v. Burggemünden. Hrn. Kst März v. Frankfurt, Brand v Augsburg, Stern v. Alzei u Volkmann v. Hamburg. Fr. Honie v. Hallenberg. Hr. Hochgesandt, Ingen, v. Friedberg. Hr. Müller, Fabrik, v. Solingen. Hr Best, Privatm. v. Hanau. Hr. Klein, Stud. v. Wiesbaden. Hrn Kfl. Weber v St Goar, Klirfor v. Bremen u Becker v Frankturt. Hr. v. Eckofolster, Kamm.-R. v. Oldenburg. Hrn. Kfl Billo v. Worms, Herrmann v. Stockholm u. Klirr v. Biebcrich. Hr. Meper, Rent. v. Hameln. Im Prim Carl: Hr. Uhler, Handelsm. v. Storndorf. Hr. Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr Klein, Geschäitsm. v. Büdingen. Hr- Ströbel, Kfm. v. Nidda. Hrn. Gefchäftsl. Fertig v Bergheim, Sang v. Nidda u. Appel v. Frankfurt. Hr. Blum, Juwel, v Magdeburg. Hr. Stein, Oecon. v. BechtholShcim. Hr. Thieme, Kfm. v. Berlin. Hrn. Oecon. Gerlach v Friedberg u. Fuchs v. Großeneichen. Hrn. Geschäfts! Frankenstein v Wenings u. Reh v. Berstadt. Hr. Otto, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Rapp, Fuhrm. v. Hatzfeld. Hr. Stein, Oecon. v. Oberbreitenbach. Hr. Gcscheid, Schrein, v. Butzbach. Hr. Walentin, Kfm v. Hamburg. Hr. Günther, Oecon. v. Schellbach. Hr. Seelheim, Privatm. v Mainz. Hr Schmitt, Fabrik, v. Hersfeld. Hrn Privatl. Rössing v. Friedberg u. Roth v. Oberwöllstadt' Hr. Kleinschmitt, Stud v. Idstein. Hr. Köhler, Oecon. v Hirzenhain. Hr Gun« trnm, Kfm v. Alzei. Hrn Stud. Maul u Körner v. Heidelberg. Hr. Scheller, Mal. v. München. Hr Michel, Privatm. v. Oberohmen. Hr. Döll, Kfm. v. Hanau. Hrn. Gruß u. Scheld v. Oberbiel. Hr. Leipert, Br. med. v. Erfurt. Hr. Schue, Fabrik, r. Düsseldorf. Im Stern: Fr. Müller v. Kleinscheid. Hr. Michael, Privatm. u. Hr Levi, Buchb. v. Büdingen. Hr. Müller, Müll v. Naumburg. Hr. Schulz, Scrib. v. Biedenkopf. Hr. Gebauer, Färb, v Nomenz. Hr. Seibert, Fuhrm. v. Karlshafen. Hrn. Färb. Reifenberg v. Heinau u. Lempe v. Launhold. Hrn. Kürschn. Keller v. Karlsruhe u. Schäfer v. Marburg. Hr. Trost, Fuhrm v. Braunfels. Hr. Meyer, Handelsm. v. Offenbach. Hrn. Fuhrl. Strotmann v. Billstein tr. Meckel v. Erntebrücken. Hr. Feitner, Chir. u. Hr. Beith, Mechan. v Friedberg. Jungfer Hofmann v. Darm- stadt. Hr. Lenz, Privatm. v. Wentershausen. Fr. Flörsheim m. Kind v. Wehrholz. Im Darmstaedter Haus: Hrn. Handelst. Berger v. Freienfeen, Fay v Holzhausen u. Löber v. Winterberg. Hrn. Gefchäftsl Müller v. Kirchgöns u. Walther v. Beuern. Hr. Hermann, Stcinh. v. Mannheim. Hr. Roth, Gcschäftsm. v. Wiesbaden. Fr. Duttenberg v. Henzheim u. Fr. Kranz v. Landau Hrn Gefchäftsl. Plcil v. HerSseld. Rönig v. Schönau u. Hagel v. Landau. Hr Eschle, Handelsm. v Fortwangen. Hrn. Privatl. Hagebach v. Haustädten, Louisdor v. Rund, Kolb u. Fick v. Brohlwiegen u. Pauli v. Krumbach. Jungfern Siegel v. Wehrholz u. Ditschler v. Krumbach. Hrn. Gefchäftsl. Rössing v. Wehrholz, Löwenthal v. Frankfurt u. Jacob v Albach. In der Sonne: Hr. Stein, Handels«, v. Traisa. Jungfer Juley v. Mengeshausen. Hr Bies, Gcschäftsm. v. Doten- hauscu Hr. Teugerfahr, Büchsenmach. v. Erdeborn. Hr. Ruppert, Geschäftsm. v Frohnhausen. In der Hose: Hr. Metzler m. Fr., Schneid, v. Lich. Hrn. Schuhm. Schmitt u. Dorth v. Großenbuseck Hr. Horn, Beigeordnet, v. Trohe Hr. Schlosser, Geschäftsm. v. Kirschgarten. Hr. Jung, Fuhrm. v. Watzenborn. Hrn Gcschäftsl. Kircher v. Landenhausen, Schenck v. Mieß, Oppermann v. Frankfurt, Borck v. Großeneichen u. Carle v. Felda. Hr. Simon, Handelsm. v Hattenrod. Hr. Hisserich, Geschäftsm. v. Homberg. Jungfer Baum v. Gladenbach. Hrn. Privatl. DebuS u. Lcyfeld u Hr. Thomas, Geschäftsm. v. Günterod. In den Privathäufern. Bei Hrn. Regier.-R. Eckstein: Hr Bingmann, Cand. theol. v. Rodhcim. — Bei Hrn. Landger.-Affeff Heyer: Hr. Preu« schen, Cand. v. Darmstadt. — Bei Hrn. Kirchcndien. Schneider: Hr. Schneider, Probat, v. Darmstadt. — Bei Hrn. Bürgermeist.-Geh. Faber: Jungfer Jung v. Heuchelheim. — Bci Hrn. Oberapp.-Gerichtsr. Knorr: Hr. Schenck, Gymn. v. Weilburg. — Bei Wittwe Leng: Fr. Rappolt v. Alten, bürg. — Bei Hrn. Rothgerb. Planck: Jungfer Rabenau v. Trais. — Bei Hrn. Apoth Witte: Fr. Rect. Algcier v. Butzbach. — Bci Wittwe Rothenberger: Hrn. Commis Adler v. Steinbach u. Holberg v. Frankfurt. — Bei Hrn. H. ClooS: Hr. Cloos, Privatm u. Jungfer Hanckel v. Wilsbach. — Bei Hrn. Stadtricht. Muhl: Fr. Weiß v. Großkarben. — Bei Wittwe Pistoc: Hr. Föbel, Mechan. v. Wallau — Bei Hrn. Hofger -Abvoc. Steinbergeri Frl. Reiber v. Romrod.— Bei Hrn. Bauaufseh. Mirka: Hr. Gärnet, Gastw. v.Qucck« born. — Bei Hrn. Kfm. Winvccker: Hr. Emmel, Pfarr. v. Elm. Vermischtes. Ein Deutscher an Deutsche. (Als Manuskript gedruckt, zur srankirten Versendung an die resp. Rcdactionen der deutschen politischen Blätter und sonstige Zeitschriften, mit dein Ersuchen um unentgeldliche Aufnahme in ihre Spalten J (Fortsetzung und Schluß.) Leipzig gebührt die Ehre, den großen Nutzen, welcher namentlich den sächsischen Fabriken aus einer solchen Institution erwachsen muß, aufgefaßt, gewürdigt und dadurch zuerst Hand an die Ausführung gelegt zu haben, daß daselbst zweimalhundert- tausend Thaler zum Actien-Fond einer Conjunctur-Assecuranz-Compagnie zusammengebracht wor-en sind, welchem Beispiel, wie zu erwarten steht, mehrere andere deutsche Städte folgen werden. Die Bestimmung der Conjunctur-Assecuranz-Com- pagnieen, welche da, wo Verkaufsniederlagen als zweckmäßig erscheinen, errichtet werden, besteht darin: diejenigen Jndustriescheine sicher zu stellen, die zur Vermehrung der jetzt mangelnden Zahlungsmittel als Repräsentanten derjenigen Maaren oder sonstige wcrth- - volle Gegenstände ausgestellt werden, die für den Augenblick nicht zu verkaufen sind, oder noch nicht rcalisirt werden sollen, mithin bis sie versilbert werden, als unbewegliches Vermögen betrachtet werden müssen. Um dieses Vermögen nicht als ein todtes Capital dem Handel zu entziehen, um dasselbe beweglich zu machen, und dem allgemeinen Verkehr zu- zusühren, damit es zum Ankauf von Produkten und Fabrikaten von den Verkaufsnicderlagen benutzt werden kann, wird es dergestalt garantirt, daß die »Con- junctur-Affecnranz-Compagniecn" die dagegen auege- stellten Jndustriescheine mit baarem Gelbe nach ihrem Nennwerth einlösen, falls die für dieselben haftenden Maaren oder Gegenstände durch Conjunctur oder sonstige Verhältnisse werthlos geworden sehn sollten. Da somit' die //Conjunctur-Affecuranz-Compagnieen" die Preisverminderungen, den Verderb ober sonstige Eventualitäten, welche die Hypotheken der Jndustriescheine treffen könnten, gegen eine zu zahlende Affe- curanz Prämie versichern, wird der relative und veränderliche Werth dieser Hypotheken in einer positiven nach Silber, die Mark sein zu 27 Mark 12 Schillinge Hamburger Banco, abgcschätzten Valuta verwandelt, wodurch die Jndustriescheine für die Jn- baber einen gleichen Werth als klingende Münze bekommen, sie jedenfalls dafür alle Bedürfnisse des Lebens in den Verkaufsniederlagen erhalten können. Der lausende Risiko der „Coujunetur-Assecuranz- Compagm'een" ist nicht sehr bedeutend, da für die Preisveränderungen zuvörderst das Gewinn- und Verlust-Conto des Jndustrie-Aetien-FondS der Pro- ducenten und sodann der Industrie-Fond der interimistischen Geschäfte und künftig der Institution aufzukommen haben, sie folglich erst in dritter Priorität in Anspruch genommen weiden, weshalb auch Aetien-Gesellschasten, überall wo Verkaufs-Niederlagen erforderlich sind, leicht werden gebildet werden können. Nach Constituirung derselben wird keine lange Zeit erforderlich seyn, durch die interimistischen Geschäfte meines SInleihe-Jnstituts dem praktischen Nutzen eine allgemeine Anerkennung zu verschaffen, um sodann eine Versammlung in einer dazu gelegenen deutschen Stadt, so zu sagen einen industriellen Con- greß anzusetzen, wozu Deputirle der verschiedenen „Conjunctur-AssecuranZ'Compagnieeu" und Verwal- tungs-Comiteen der Verkaufs-Niederlagen, sowie sonstige einsichtsvolle Männer eingeladen werden, um 1) die Statuten der vaterländischen „National- Jnstitution" zu revidiren und festzustellen, 2) den Ort in Deutscbland zu bestimmen, woselbst der Central-Sitz seyn soll, 219 3) eine Organisations-Commission zu ernennen, um die Etablirung zu ordnen. Das System der „National-Jnstitution" beruht auf den naturgemäßen Austauschungen der Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft vermittelst der diese Austauschungen repräscntirenden Industrie-Scheine anstatt in natura. Ein solches Repräsentativ-System habe ich schon auf dem Aachener Congreß in Vorschlag gebracht, und während den seitdem verflossenen dreißig Jahren unermüdet gesucht in Anwendung zu bringen. So wie aber jede neue Sache mit Opposition zu kämpfen hat, besonders wenn viele Privat- Jnteressen dadurch berührt werden, so ist dieses auch mein Loos gewesen. Der Verlust meines Vermögens, Anfeindungen, Verfolgungen und daraus hervorgegangene sehr trübe Schicksale, namentlich der bittere Schmerz, gedrängt von hartherzigen Gläubigern, welche mir keine Frist bewilligen wollten, sogar den Schutz der Gesetze in Anspruch nehmen zu müssen, jedoch lediglich nur, um meine Verpflichtungen mit den mir vorenthaltenen Geldern zu tilgen, welche auf gerichtlichem Wege einzutreiben die Zeit erforderten , die ich mir erbeten hatte. Solche Erfahrungen sind die Dornenkrone gewesen, welche ich als Lobn, mich dieser Sache ganz hingegeben zu haben, davon getragen habe. Doch die Freude, daß mir am Ende noch Anerkennung wird, die vorliegende Wahrscheinlichkeit, daß ich das, was ich für die Bestimmung meines Lebens gehalten, wofür ich nur allein gearbeitet, gelitten und gestrebt habe, noch in Erfüllung geht, wird mir einen hinlänglichen Ersatz für alle überstandenen Widerwärtigkeiten gewähren, und sollte ich den Tag der Jnstallirung der vaterländischen National-Jnstitution noch erleben, was ich kaum zu hoffen wage, da ich schon im nächsten Monat meinen siebenzigsten Geburtstag zurücklege, so wird dieser der glücklichste meines Lebens seyn, ich mit ihm mein Tagewerk als vollendet betrachten. Hamburg, im Monat April 1847. Heinrich David Schädtler, alleiniger Inhaber des ista durch Quoten- und Deposita- Gelder funfcirt.n und seit d. 5. siebruar 184 4 in Wirk, sanikett getretenen Anleihe-Instituts in Hamburg zu Vorschüssen auf Maaren. Per verhängnißvotle Nagel. Erzählung aus der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhundert-. Bon Gustav Nieritz *) Vor hundert und einigen Jahren erstreckte sich vor der Dresdner Neustadt ein weiter, unfruchtbarer Raum e) Au- den Stuttgarter Erheiterungen abgedruckt. D. R. 220 bis an den Saum der großen Dresdener Heide aus, der Beschaffenheit seines Bodens wegen mit dem Namen „der Sand" belegt. Des Glaubens halber aus ihrem Vaterlande vertriebene Böhmen ließen sich zuerst daselbst nieder und gründeten eine noch heute bestehende Böhmische Gemeinde, deren Glieder meistens Gärtner waren und durch eisernen Fleiß den unfruchtbaren Sandboden in gedeihliches Gartenland umwandelten. Später gesellten sich zu dem „Sand" der Theil des „neuen Anbaues", bis beide Benennungen jenes jetzt so stattliches und großen Stadtthciles in dem Namen „Antonstadt" untergingen und vielleicht nach wenig Jahren ganz vergessen seyn dürften. Natürlich waren die dem Elbstrome zunächst gelegenen Ländereien die ersten, welche von den eingewanderten Böhmen in Angriff genommen wurden, und ein allgemein unter dem Namen „das Neit'sche Stift" bekanntes, großes Gartengrundstück gehört noch heute der Böhmischen Gemeinde als Eigenthum zu und wird von deren Vorsteher verwaltet. Dieses Grundstück liegt auf dem rechten Elb- ufer zwischen dem Gebäude der Garnisonschule und demjenigen Gartenhause, das gegenwärtig von den vier Prinzessinnen von Holstein bewohnt wird. Der Verfasser erwähnt dieses Grundstücks um deßwillen so genau, weil es der Hauptschauplatz nachstehender Erzählung ist, die ihm, als völlig wahr, von einem ehrsamen Mit- gliede der Böhmischen Gemeinde mitgettzeilt worden ist und sich, wie man zu sagen pflegt, auch hören läßt. # * * An einem kalten Nachmittage des Februarmonateö 1727 langte ein junger Mann, schweißgebadet und einen Schiebekarren mit aufgebautem Reißholze vor sich herschiebend, bei einem Gartenhause am rechten Elb- ufer an, das noch jetzt steht und unter dem Namen des „Neitsschen Stifts" in Dresden bekannt ist. Damals war das Holz noch nicht so selten und theuer wie in unsrer Zett und dem Unbemittelten daher vergönnt, seinen Bedarf an Brennholz auS dem nahen Walde zu holen, ohne bloß an das dürre Leseholz gewiesen zu seyn. Darum lag auch auf dem Reißig- haufen eine blanke Art oben auf, mittelst welcher manch' schöner, starker Ast von seinem Stamme getrennt worden war. Während der junge Mann seinen Schiebekarren niedersetzte, um das Thor zu öffnen, ging ein Fenster im Dachgeschosse auf und der Kopf einer bejahrten Frauensperson zeigte sich in demselben. „Gut, daß Du kommst, Matthäus!" rief jene ihrem Sohne entgegen; „ich habe schon wie aus Kohlen' gesessen. Die Fürstin Petrikowska hat zu heute Abend »ine Menge Blumensträuschen bestellen lassen und in meiner Augst, daß Du zu lange außenbliebest, wollte ich schon den Versuch machen, mit meinen geschwollenen Beinen in das Gewächshaus hinunter zu krabbeln. Da kam noch wie gerufen die Näther-Christel vorbei, die nun an meiner Statt die Blumen schneidet." Matthäus hatte hierauf nichts Eiligeres zu thun, als sein Holz in den Hofraum zu fahren und daun sich in das Gewächshaus zu begeben, dessen gewärmte Luft die wohlthätigste für seinen gegenwärtigen Zustand der Erhitzung war. Das Gewächshaus, zu dessen Eingang Matthäus über mehrere Stufen hinabstieg, war weder groß noch kostbar gebaut. Demungeachtet stand sein Inhalt keinem andern an Werthe nach, denn Matthäus war ein wohlerfahrener Kunst- und Ziergärtner, obschon die königlichen Hofgärtner ihn und seines Gleichen mit dem Spitznamen „Kohlhaaseu" belegten. Es ruht ein eigener, fast zauberhafter Reiz und Werth auf allen Erstlingen, seyen solche nun durch die Natur oder Kunst hervorgebracht. Wen erfreute daher nicht der Anblick eines bunten Flors von mannigfachen Blumen, wenn draußen starker Frost die Erde gefesselt und deren Kinder in ihr gefangen hält? Mitten unter des jungen Nischeck's Blumen stand aber jetzt eine, die er nicht gezogen, aber dennoch gern die seine genannt hätte, obschon er sich selbst Ließ nicht laut zu gestehen wagte. Diese Blume hieß Christel Weiser und steckte in einer einfach schlichten Hülle von brauner Leinwand, gleich wie die reizende Sängerin Nachtigall das unscheinbarste Kleid an sich trägt. Als Matthäus das Gewächshaus betrat, schlug ihm nicht allein wegen der gehabten Anstrengung das Herz ungestümer in der Brust, jedoch trachtete er danach, seine Wallung zu verbergen, daher er die Jungfrau leichthin begrüßte und sodann, gleich ihr, Blumen abzuschneiden begann. „Nun kann ich wohl gehen?" fragte Christel von dem andern Ende des Gewächshauses her; „ich besorge, daß ich mehr verderbe als nütze." „Bewahre!" versetzte Matthäus gepreßt und wischte sich die hellen Schweißtropfen vom hochgerötheteu Antlitze ; „wenn Sie sonst ein wenig Zeit übrig hat..." „Aber wenn ich Schaden mit meinem Brechen und Schneiden anrichte?" entgegnete Christel mit besorgtem Tone. Matthäus mußte der Jungfrau in seinem Innern Recht geben, denn dort brach und schnitt jene offenbar zu seinem Schaden, wiewohl beides ihn ganz und gar nicht schmerzte. Daher erwiderte er auch „Ich dächte gar! Meine Faust ist ja ungleich härter als Ihre Hand, Christelchen, und darum wird eS den Blumen nicht so wehe thun, wenn sie von Ihr geschnitten oder gebrochen werden." (Fortsetzung folgt.) Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei in Gieße».