Amzcigeblntt für die Stadt und den Kreis Gießen. J\1. '40. Mittwoch den 19. Mai 18Ä7. Besondere Bekanntmachung. 931) Die Stadt Lich beabsichtigt künstighin vier Vieh- und Krämermärkte jährlich abzuhalt-n; der erste wurde gehalten Dienstag nach Ostern den 6 April, der zweite jällt auf Dienstag nach Pfingsten den 25. Mai, der dritte auf Dienstag nach Jacobi den 27. Juli und der vierte ans Dienstag nach Michaeli den 5. October. Es wird zugleich bemerkt, daß vor dec Hand kein Stiud- und Pstaiiergeld erhoben und der bestellte Markt- meister den Bi'arktbejuchern in jeden Fällen bebülf- lich sein wird, was überhaupt von den Einwöhnein Lichs, die Handel und Gewerbe betreiben, zu erwarten steht. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses im Interesse ihrer Gemeinden zu veröffentlichen. Lich den 17. Mai 1847. Der Gr. Hess F. S. Bürgermeister Vogt. Versteigerungen. 923) Folgende, dem Heinrich Schäfer II., Kammmacher von Gießen, gehörigen Immobilien: alt neu mKlstr. ass, l/437 7 Hofrailhe in der Kühgasse, 11 2/j13 131 Acker, Laggärten in den hintersten Schießgärten, 17 7136 2 05 Acker, zwischen dem Gleibcrger und k.einen Grasweg, 7 ,7441,3107 Acker au der Schoor, 2 31/1S0 542 Acker am Gruninger Pfad, sollen ” Montag den 21. Juni I. I., Nachmittags 2 Uhr, auf hiesigem Ralhhaus öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen am 4. Mai 1847. Gr. Hess. Stadtgericht. Mn hl. Haberkorn. 895) Die Reinigung der sog. Taubcntränkc, gegenüber dem Winhshause zum Pfau, veranschlagt zu 14 fl., soll , Donnerstag den 20. Mal d. I., Vormittags 9 Uhr, auf dem Rathbause dahier an den Wenigstfordern- den vergeben werden. Gießen den 11. Mai 1847. I. V. d. B. der Beigeordnete Rühl. 92 <) Die Lieferung der im 2. Semester d. Z. im Universitäts-Marstalle eifm verlieben Fourage, soll Donnerstag den 20. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf der Universitäts-Kanzlei dahier, nochmals einer öffentlichen Versteigerung an den Wemgst- nehmendiii ausgesetzt werden. Gießen am 12. Mai 1847. Gr. Hess. Universitäts-Rentamt. Martin. 896) Holzversteigerung im Gießer Stadtwalve. Donnerstag den 20. Mal l. I., Vormittags 9 Uhr, sollen in dem hiesigen Sladtwalde, Distrikt Han- geistein: 5 Stecken Buchen-Schcidhvlz, 4'/, „ „ Piügelholz, 1 „ „ Stockholz, 1350 Wellen ,, Reisholz, 159 Stecken Eichen-Scheidholz, 18'/. „ „ Prügelholz, 108 7. „ „ Stockholz, 2550 Wellen „ Reisholz, 5 Stecken Linoen-Stockholz, 50 Wellen „ Reisholz, 62 Eichen-Stämmc von 4012 Cubikfnß, 1 „ Stange „ 1!/. „ öffentlich versteigert werden. Gegen vorlchriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. October v. I. gestattet. Die Zusammenkunft ist am großen Steinbruch im Hangelstein. Gleßen am 12. Mai 1817. Der Bürgermeister. I. d. V. Der Beigeordnete Rühl, 922) Donnerstags den 20. d. M-, Vormittags 10 Uhr, 282 sollen auf der Universitäts-Reitbahn dahier, 2 ab- aäiiqiqe Schulsattel, sowie verschiedene Zäume und Niemen, öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden. Gießen am 12. Mai 1847. Gr. Hess. Universitäts-Rentamt. Martin. 898) Der dem Herrn Hauptmann Freiherrn v. Ran zu Hanau zustchende Struthof, bestehend in 90 Kasseler Acker Gelände in Wermertskäuser und circa 6 Morgen in Rüdingshäuser Gemarkung, mit Wohnhaus, Scheuer, Stallung, Brennerei und Backhaus, soll Freitag den 21. d. M-, Bormi ttags 11 Uhr, in der Wohnung des Wirthes Kliebe zu Londorf auf 18 Jahre öffentlich verpachtet werden, wozu Pachtliebkaber hiermit eingeladen werden. Die Packtbedingungen werden im Termin eröffnet, sind jedoch auch bei mir und Herrn Kliebe in Londorf einznschcn. Gießen den 13. Mai 1847. Dr. Sames, Hofgerichtsadvokat. 933) Montag den 31. d. Mts., Nachmittags 2 Ukr, soll auf dahiesigem Rathhaus, auf freiwilliges Ansuchen des Philipp Euler, Schäfer dahier, die demselben zustehende alt neu lüKlstr. 2874s '/ass 9 Hofraithe im Tiefeuweg, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen am 10. Mai 1847. Der Beigeordnete Rühl. 891) Versteigerung von Maurerarbeit. Freitag den 21. Mai l. I, Nachmittags 1 Uhr, soll auf der Schlcusenbaustelle bei Naunheim die Maurerarbeit zu einer massiven Schiffsschleuse, im Anschläge zu viertausend neunhundert und sieben- zehn Gulden (ohne Materiallieferung) unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen vom 16. d. M. an auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Gießen den 10. Mai 1847. Der Gr. Provinzial-Banmeister der Provinz Oberheffen. No ak, d. Z. Vikar. 919) Mittwoch den 26. l. M, Nachmittags 2% Uhr, soll die dem Herrn Seipp und Asmus zur stehende Besitzung auf dem Gleiberg, in dem Local selbst einer nochmaligen Versteigerung ausgesetzt und der Zuschlag sofort ohne Vorbebalt weiterer Genehmigung errheilt werden. An dem nämlichen Tage kommen sodann die zur Wirrhschaft nöthigen Gegenstände zur Versteigerung. Die Verkaufsbedingnngen sind bei den Herren Eigenthümern, sowie bei Unterzeichnetem zu erfahre». Gießen den 15. Mai 1847. Pfannmüller II. 935) Versteigerung von Bauarbeiten. Die Unterhaltungsarbeiten pro 1847 an den Central-Eaineral-Zoll-Grundlasten und Forstgebäik- den, bestehend in: 1) Maurerarbeit, veranschlagt zu 610 ff. 2) Zimmerarbeit, ,, ,, 7 3) Dachdeckerarbeit, ,, ,, 693 4) Schreinerarbeit, „ ,, 240 5) Schlosserarbeit, ,, ,, 257 6) Glaftrarbeit, „ ,, 210 7) Weißbinderarbeit, ,, „ 227 8) Spenglerarbeit, „ „ 28 werden Dienstag den 25. Mai v. I., deö Vormittags um 9 Uhr, ff ff ff ff ff ff ff 43 fr. 20 „ 50 „ 48 „ 52 „ 51 ,, 33 „ 58 „ in dem Promenadehaus vor dem Neustädterthor dahier, unter den vor der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an die Wenigst- fordernden öffentlich versteigert. Voranschläge und Bedingungen sind auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht aufgelegt. Gießen den 16. Mai 1847. Der Gr. Provinzialbaumcistcr Noak, z. Z. Vikar. 932) Dienstag den 25. Mai d. I., Vormittags 11 Ukr, soll in hiesigem Bürgerhospital die Lieferung von 80 Stecken Bnchen-Scheidholz an die Weiügstnehmenden versteigert werden. Gießen atu 14. Mai 1847. Der Rechner Lauer. 892) Donnerstag den 20. Mai l. I., Nachmittags 2 Uhr, soll im Gasthaus zum Prinzen Karl dahier das Brechen und Anfahren von 130 Kubikklafter Haard- steinen zu den Uferbauwerken der Lahn unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich vergeben werden. Gießen den 10. Mai 1847. Der Gr. Provinzial-Banmeister der Provinz Oberhessen. Noak d. Z. Vikar. 911) Main-Weser-Eisenbahn. Handarbeit. Die zu 1560 fl. veranscklagten Erd- und Chaussirungs-A> beiten zur Herstellung des lieber# gangs an dem Vicinalweg von Niederweisel nach Ostheim werden Freitag den 21. d. Mts., Vormittags 9 Ubr, an Ort und Stelle öffentlich versteigert. Butzbach den 13. Mai 1847. Der Gr. Hess. Sections-Jngenieur der Section Butzbach M e y e r. 930) Versteigerung von Arbeiten zur Er-- bauung eines neuen Rathhauses in Lich. Samstag den 29. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen im Gasthause zum Hirsch in Lich die zur Erbauung eines neuen Ratbbauses daselbst erforderlichen Arbeiten, veranschlagt 1) Maurerarbeit zu . . . 5208 fl. 2) Steinbauerarbeit zu . . 4401 „ 3) Zimmerarbeit zu ... 5059 ,, 43 Dachdeckerarbeit zu. . . 1263 „ 5) Schreinerarbeit zu . . . 4417 „ 6) Schlosserarbeit zu . . . 3430 ,, 7) Glaserarbelt zu . . . . 959 ,, 8) Weißbiuderarbeit zu . . 3197 ,, 9) Spenglerarbeil zu . . . 351 „ 10) Die Lieferung von 500 Bütten Kalk 36 fr. 03 „ 13 „ 59 „ 48 „ 57 „ 02 „ 38 „ 26 ,, an die Weuigstforderuden versteigert werden, was man mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß bringt, daß die Pläne und Voranschläge bis zum Tag der Versteigerung auf dem Bureau des Gr. Kreisbaumeiflers zu Grünberg znr Einsicht offen liegen. Lich am 16. Mai 1847. Der Gr. Hess. F. S. Bürgermeister Vogt. 909) Main-Weser-Eisenbahn. Erdarbeiten. Zn der Gemarkung Griedel werden Freitag den 21. d. Mts, Nachmittags 3 Uhr, für 1700 fl. Erdarbeiten versteigert. Die Zusammenkunft ist an dem Ukbergang des Bockenbeimer Bachweges. Butzbach den 13. Mai 1847. Ter Gr. Hess. Sections-Jngenieur der Section Butzbach. Meyer. 918) Holzversteigerung. Dienstag den 25. Mai l. I., Vormittags 9 Uhr, 283 sollen in dem Königsberger Gemekndswald, Distrikten Lebnchen und Etzbachseite, 4*4 Stecken Buchen-Scheidholz, 15 „ Eichen- „ 5*4 „ Buchen-Prügelholj, 5 „ Eichen- „ 31 „ Buchen-Stockholz, 21 „ Eichen- „ 800 Wellen Buchen-Reisholz, 200 „ Eichen- „ 6 Stück Eichen-Baustämme, 681 Eubckf. halt., unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen dem Meistgebot ausgesetzt werden. „ Die Zusammenkunft ist auf dem Lehnchen. Königsberg am 15. Mai 1847. Der Bürgermeister Krauskopf. 920) Main-Weser-Eisenbahn. Steinfuhrlohn. Das Fahren von 17 Cubikklaster Steinen aus den Lanagönser Brüchen, zu dem Durchlaß in Abtheilung 75 der Gemarkung Langgöns, wird Donnerstag den 25. Mai, Vormittags 10 Ubr, auf dem Ralhbause zu Langgöns versteigert. Butzbach den 16. Mai 1847. Der Gr. Sections-Jngenieur Meyer. 893) Holzversteigerung im Crumbacher Gemeindewald. Mittwoch den 19. d. M-, von des Morgens 9 Ubr an, sollen in dem Gemeindewald, Distrikt Himberg und Hegwald 50',4 Stecken Eichen-Scheidbolz, 56% „ Buchen-Prügelholz, 11% „ Eichen- „ 29% „ Buchen-Stockholz, 23% „ Eichen« „ 350 Stück Buchen« und Eichen-Wellen, 576 Cubikfuß Eichen-Bauholz; sodann soll Donnerstag den 20. d. M., von des Morgens 10 Ubr an, das in der Langheck, auf dem abgeholzten Stück an der Chaussee gelegene Holz, alS: 219 Stecken Buchen-Scheidholz, 20 „ Eichen- „ 126% „ Buchen-Prügelholz, 13% „ Eichen-Prügelholz, 123 „ Buchen-Stockholz, 13% „ Eichen- „ Freitag den 21. d. M., Morgens 10 Uhr, 284 119 Stämme Eichen Bau- und Werkholz in bekannter Güte, 4 „ Buchen Bau- und Wcrkholz in bekannter Güte, 8025 Buchen-Wellen und 550 Eichen- ,, öffentlich versteigert werden. Die Versteigerungsbcdingungett werden vor der Versteigerung bekannt gemacht. Crumbach den 10. Mai 1847. Der Bürgermeister Weber. 917) Dienstag als den 25 Mai, Morgens 8 Uhr, sollen im Großeulinder Gcmeindewald, Distrikt Stangen, 2% Stecken Eichen-Prügelbolz, 717, „ „ Stockbolz, 7600 E chen- und Weicbholz-Wellen versteigert werden. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird geborgt bis Ende October d. I. GroßenlinLen am 16. Mai 1847. Der Bürgermeister Menges. 939) Samstag den 22. Mai l. I., Vormittags 10 llbr, soll auf der Heyer'scbcn Hardt die Beifuhr von 10 Kubikklafter Mauersaud an den Wenigstnchmen- den versteigert werden. 938) Der Unterzeichnete läßt Dienstag den 25. Mai l. I., des Vormittags 9 Uhr, in seiner Wohnung in den Neuenbäuen, einen Familienwagen, Oekonomiewagen, eine bequeme viersitzige Chaise, Leitern, Pflug, eine Egge, Ketten rc., sodann 3 Pferde, Pferdegeschirr und mehrere zur Ockonomie brauchbare Gegenstände öffentlich meistbietend versteigern. Gießen den 18. Mai 1847. Moritz Hering. Feilgeboten. 778) Choeolade in den besten Qualitäten billigst, Stearin- und Wachs-Tafellichter, Thee, als Peccol, Perlen- und Gunpowder- in 7g und 74 8 Packcten empfiehlt zur geneigten Abnahme I. G. Appel. 926) Eine schöne Auswahl Möbel-Wachstuch empfehlen billigst Gebrüder Heß, Kreuz Lit. C. Jg 190. 925) Liqueur und Brandwein verzapft über die Straße F erd. Mayer au der Schloßgasse. 918) Eine Auswahl lebender Blumen und die besten Qualitäten Gemüsesaamen sind zu den billigsten Preisen im Nassauer Hof bei Kunst- und Handelsgärtner Kn ifpel zu haben; bemerkt wird, daß zu der Blumenauestclluug jede Woche neue Sendungen Blumen kommen; er bittet um geneigten Zuspruch. 924) Mein Cigarrenlager bis zu den feinsten Sorten in abgelagerter Waare, zu den billigsten Preisen empfehle ich. Ferd. Mayer an der Schloßgasse. 928) Aepselwein von bester Güte die Maas zu 20 kr. außer dem Haus bei I. Bramm. 929) Einige schöne Nachtigallen- und Lerchen, käsige, sowie eine Canarienvögelkecke sind wegen Mangels an Raum zu verkaufen. Wo? sagt die Erpedit. d. Bltts. 936) Bei Unterzeichnetem liegen mehrere Hausen guter, alter Strohdungleimen, sowie eine Par- thie Falzziegel, 100 weiß, zu verkaufen. Gießen den 19. Mai 1847. G. D. Brühl I. am Kanzleiberg. Zu vermiethen. 915) Im vormaligen Schießbaus ist die unterste Etage, bestehend in 3 Stuben, Küche, Bodenkammer, Holzstall, Keller und Mitgebrauch des Waschhauses zu vermiethen und Ende Juni zu beziehen. Vermischte Nachrichten. 916) Zehnter Rechenschafts - Bericht sder Berlinischen Lebens-Versieh rrnngs-Gesellschaft. Der am 30. April d. I. in der General-Versammlung der Actionairs der Berlinischen Lebens-Vcr- ficherungs-Gesellschast vvrgelegte, statutenmäßig revidirie Rechnungs-Abschluß für das Zahr 1846 hat aber- 285 Geschäftseröffnung. 934) in Lich , empfiehlt sich hierdurch mit seinem neu etablirten Geschäft m Colonial- S'pecerei- Eisen- und Holzwaaren sowie in Hohl- rmd Tafelglas nebrt allen in dieses Fach einschlagenden Ltrtikeln, zu den billigsten Preisen. Lich den 16. Mai 1847. 856) Das große Badische StaatSan- Obige Loose werden bis zum 15. ZuU 1847 hoM 14 Million Golden bietet Gc- jederzeit ä fl. Bo 30. zuruckgenommur, daher zur wiune von ft. 30000, 40000, 35000, Porto- und Müheirspcnung die Einrichtung getrof- 15000, 12000, 10000, 5000, 4500, fen ist, daß nur der Differenz von fl. 1 30 pr. 4000, 2000, 1000- die nässte Ziehung findet Loos einzuscnden ist am 31. Mai a, e. statt und empfehle hierzu On- Julius Stiebel junior, giualloose ä fl. 37 Plaue und j>de Auskunft gratis. Ganqur'er in Frankfurt a M. Bureau Wollgrabcn. mals so günstige Geschäfts-Ergebnisse nachgewiesen, daß für das Jahr 1851, in welchem der Ueberschliß des vergangenen Jahres zur Vertheilung gelangen wird, eine gleich günstige Dividende als die bishe g ^Es gingen 770 Versicherungsanträge ein, zu dem Gesammtbetrage von 941,700 Thalern. Nach Ab- r.chnunq der nicht angenommenen, der durch Ablauf der Policen und anderweitig ausgeschiedenen, so 1 verstorbenen Versicherten — zusammen 383 Personen mit 563,700 Thlr. Kapital ^*6 des Jahres 1846 gegen das Jahr 1845 ein reiner Zuwachs von 371 Personen mit 378,000 Thalern. Die Todesfälle belaufen sich auf 126 Personen mit 130,100 Thalern. Am Schlüsse 1846 blieben 6115 Personen mit Sieben Millionen 262,000 Thalern hei der Gesellschaft versichert. Das gegenwärtige Gesellschafts-Vermögen beträgt 2,062,961 Thalcr 19 ®ßr- 2 Pf- Der in diesem Jahre zur Vertheilung kommende Uebcrschuß aus dem Jahr 1842 gewahrt fiir dle lN demselben bei der Gesellschaft auf Lebenszeit versichert gewesenen Personen aberma.s e- ne Dividende von 14-/ pro Cent des Betrages der im Laufe desselben von ihnen bezahlten Pramren und wird statutenmäßig auf die von jetzt ab ferner von ihnen zu zahlenden Prämien in Abrechnung gebracht respecüve baar ^SBtr können jetzt mit voller Zufriedenheit auf die Resultate der ersten 10 Jahre des Bähens des Instituts zuiückblicken und dürfen, von einem .heilnehmenden Publikum unterstützt, hinsichtlich der GrundprlN- cipicn nuferes Instituts durch gleichmäßige günstige Rechnungs-Abschlüsse gerechtfertigt und von a ßcrgewohn, Itd'en Unfällen verschont geblieben, das hoff, ungsrolle Vertrauen hegen, daß die Elnilchtungen unsrer Gesell- sch-ft J“*" ffäfci jlwn ««■ d-i Stu™, w-'ch- thätige Fürsorge für ihre Familien ausübcn wollen. h., 9 d Die vergangenen Dionate des gegenwärtigen Jahres zeigen den gewohnten günstigen Fortschritt dcS Geschäfts der Gesellschaft. Berlin, den 8. Mai 1847. ™ Direction der Berlinischen LebensverstchernnJunk. v. Oldenburg Hr. Clanz, Kfm. v. Goßlar. Hr. Wittmann, Amtm. v. Asendorf. Hr. Soll- mitz, Kfm. v. Kettwig. Hr. Hirsch, ©teuercommiff. v. Darmstadt. Hrn. Kst. Brauns v. Hamburg u. Kaiser v. Aachen. Hr. Renner, Dr. jur. v. Krefeld. Hr. Krebs, Capit. v. Magdeburg. Hr. Kleischer, Kfm. v. Dettmold. Hr. Bergmann, Dr. med v. Nordheim. Hr. Frey, Fabrik, v. Mannheim. Hrn. Kfl Beinboth v. Cöln u. Hällrich v. Clauberg. Hr. Stumpf, Reut. v. Bremen Hr. Jäger, Distr -Einnehm, v. Schlitz. Hrn. Reut. Knepgth m. Fam. u. Bedien, v. London u. Hill m. Fam. v. Bclfeast. Hr. Schall, Kfm. v. Langensalza. Hr. Goldschmiedt, Commiff v. Nordhausen. Hr Plakaballero m. Bedien., Capit. u. Hr. Muranda m. Bedien., Lieutn. v. Barcelona. Hr. Michelson, Stent v. Gibraltar. Hr. Lange, Kfm. v. Haiger. Im Kappen: Hr. Levita, Stud. v. Mainz. Hrn Kfl. Schloßmann v. Bremen, Weber v. Hamburg, Hirsch v. Mainz u Merck v. Hanau Hr. Asar, Oecon. v Sachsenberg. Hr. Leitner, GutSbes. v. Schwelm. Hrn Kfl. Franck v. Mainz u. Wolf v. Mannheim Hr. Günther, Oberfiu.-R. u. Hr. Lerch, Oberbaur. v. Darmstadt. Hr. Wachenhoff, Arzt v Dritte. Hrn. Kst. Haberkorn v. Bremen, Jlliger v. Braunschweig u. Winroth v. Pforzheim. Hr. Rosale, Partie, v. Cadir. Hrn. Kfl. Wagner v. Berlin u. Reuig v. Neuwied. Hr Lehmann, Uhrm. v. Verdun. Fr. Mager v. Hamburg. Hrn. Kfl. Fuchs v. Offenbach u. Weber v. Gotha. Hr. Klein, Hüttenbes. v. Karlshütte. Hr. Lammse, Kfm. v. Cöln. Hr. Kilian, Dr. med. v. Heidelberg. Hr. Groß, Mineral, v Hamburg. Hr. Schmidtz, Oberst-Lieutn. a Mailand Hr. Winther, Kfm v. Stuttgart Hr. Esau, Doct. v. Sachsenberg Hr. Eisner, Kfm. v. Hamburg Hr. Hedderich, Stud. med. v. Göttingen. Hrn. Kfl. Heinz v. Crefeld u Jung v Leipzig. Im Prinz Carl: Hr. Wirthwein, Gand v. Büdesheim. Hr. Gescheidt, Schrein, v. Butzbach. Hr. Höhr, Uhrm. v. Schönau. Hr. Ullerich, Oecon. v. Gladenbach. Hr Römer, Kfm. s. Schlitz. Hr Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr. Abel, Kfm. v. Bonn. Hr. Lorch, Geschäftsm. u. Hr. Kirchner, Oecon. v. Lauterbach. Hr. Henning, Forstverwalt v. Rüsselsheim. Hrn. Oecon Herr u. Bürbach v. Willmar. Hr. Schmitt, Geschäftsm. v Romrod. Hr. Drescher, Tech», v. Cassel. Hrn. Kfl. Kreuter v. Iserlohn u. Eifländer ».Mainz. Hr Stürz, Oecon. v. Herbstein. Hr. Geldhause, Mechau, v. Coblenz. Hr. Stammer, Oecon. v Melbach. Hr Wal« ther, Kfm. v Oberohmen. Hr. Lang, Privatm v. Obersorge. Hr. Bast, Kfm. v. Vilbel. Hr. Bettheimer, Chir v. Fritzlar. Hr. Schreivogel, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Schon- beiu, Fabrik, v. Alsfeld. Hr. Seibert, Geschäftsm. ».Stockhausen. Hr. Daht, Kfm. v. Frankfurt a d. O. Hr. Rohrbach, Privatm. v Wetzlar. Hr. Ohlenschläger, Kunstl. v. Schwerin. Hr. Schneider, Kfm. v. Gladenbach. Hr. Vogel, Kfm. v. Mainz. Im Darmstaedter naus: HkN Handelst. BÜbkk v. Winterberg, Bügel v. Dillingen u. Schmitt v. Dauernheim. Jungfer Flischhorms v. Simmshausen. Hrn. Handelst. Rauch v. Watenhain, Müller v. Kirchgöns u. Häfner v. Aschaffen- bürg. Hr. Knispel, Geschäftsm. v Laubach. Hr. Schmidt, Stud v. Oberstädten. Hrn. Geschästsl. Mederloch v. Thalitter, Schleuning v. Schlüchtern, Binzer v. Hatzfeld, Betz v. Berleburg, Rückert v. Gedern, Goldschmiedt v. Spangen- berg, Schneider v. Watzenborn, Horn v Trohe u. Eimer v. Hausen. Hr. Wurm, Handelsm. a. Tprol. Im Stern-. Fr. Bemsel m. Sohn v. Frankfurt. Hr. Fischer m. ©chwest., Schuhm. u. Hr. Wehrbach m. «chwest., Steinb. v. Giebelstadt. Hr. Keich, Schuhm. v. Biedenkopf. Hr. Veit, Schrein, v. Friedberg. Hr. Meper, Handelsm. v. Offenbach. Hr. Schneider, Fuhrm. v. Marburg. Hr. Müller, Privatm. v. Augsburg. Hr. Stremel, Eisengieß. v. Biedenkopf. Hr. Beitner, Chir. v. Friedberg. Hr. Jung m Schwest., Handl.-Dien. v. Arolsen. In der Sonne; Hr Wagner, Handelsm. v. Beuern. Hrn. Bergl Münch v. G-oßkamsdorf u. Häuser v. Göswitz. In der Kose: Hr Schneider, Schmied v. Alsfeld. Hr. Euler, Bierbr. v. Cassel. Fr. Rühl v. Garbenteich. Hr. Hofmann, Geschäftsm ».Ulrichstein. Hr. Eckstein, Handelsm. v Vadenrod. Hr. Hild, Strumpfweb. v. Traisa. Hr. Plaum, Geschäftsm. v. Hattenrod. Hr. Wolf, Steinh. v. Lich. In den Privathäusern. Bei Hrn. Condit. Höpfner: Hr. Freiherr v Schenck, Lienin. v Darmstadt. — Bei Hrn. Profess. Dr. Weiß: Hr. Weiß, Rentamtm. v. Frankfurt. — Bei Hrn. Scrib. Faber: 287 Hr. Rindewald, Schullehr. v. Münster. — Bei Hrn. Küfer König: Fr Kriegk v. Darmstadt. — Bei Hrn. Glaser Ftll- mann: Jungfer Balser v. Lich. - Bei Hrn. Joh. Weil: Jungfer Constanz v. Wetterfeld. — Bei Hrn. Stud Zacharias Hr. Wimpf, Kfm. v. Weilburg. — Bei Hrn. Schneid. Loch: Hr. Nickolai, Forstsch. u Hr. Kann, Müll v. Rausch- bolzbausen. — Bei Hrn. Profess. Dr. Umpsenbach: Hr. Schüler, Lehr. u. Frl. Metternich v. Mainz. - Bei Hrn. Sind. Borbacher: Hr. Graf v. Mandelsroh, Sind jur. v. Göttingen. — Bei Hrn. Post-Büreau-Dien. Pfaff: Jungfer Pfaff v. Kinzenbach. — Bei Hrn. Metzgermeist. Vogt: Frl. Vermischtes. Per verhängnißvolle Hagel. (Schluß.) „Wegen meiner Verlobung wolltet Ihr ein Selbstmörder werden 2 Und warum denu das 2" „Weil ich Euch so gut war und Euch heirathen wollte," Platzte Matthäus heraus. „Guter Gott!" sprach Christel und schlug die Hände zusammen. „Warum habt Ihr mir dieß nicht eher gesagt?" „Weil ich eher noch keine Frau ernähren konnte. Nun aber bin ich dieß im Stande und hatte mir darum fest vorgenommen, vergangenen Sonntag um Euch anzuhallen. Da kam Herr Neit am Freitage zuvor und sagte mir, daß Ihr sene Braut wäret. Und da kam ich auf den bösen Gedanken, den mir der Herr verzeihen wolle," gestand Matthäus. „Ach, warum sagtet Ihr mir auch dann noch nichts!" klagte Christel. „Sollte ich Euerm Glücke hinderlich sepn?" fragte Matthäus. „Ich bin ein armer Gärtner und kein reicher Hofchirurgus, kann Euch keine Schnur So- phienducatcn zum Maalschatze und kein theures Seidenzeug mit großen Blumen zum Brautkleide schenken." „Was schadet das?" entgegnete Christel weinend, „die Blumen Eures Gartens sind doch weit schöner und ich würde mich glücklich geschätzt haben . . ." „Hinaus!" unterbrach sie hier der Leibchirurgus, „hinaus mit Euch! Laßt mich allein, ich beschwöre Euch!" Er schob mit Gewalt das Paar durch die Thüre fort. „Neit, Ihr werdet doch nicht?" rief Matthäus argdenklich und blickte forschend umher, ob ein Strick in der Nähe liege. „Denkt an den Nagel und an den lieben Gott." „Schweigt!" gebot Neit strenge, „und tragt um mich keine Sorge." „Ö, Christel!" sagte Matthäus draußen zu der Jungfrau, „war es Dein Ernst mit dem, was Du im Gewächshaus sprachst? Ach, wie lauge schon ijt'S, daß ich Dich so recht von Herzen lieb habe, hast Dn denn nichts davon gemerkt?" „I nun, manchmal glaubte ich es wohl," versetzte Christel verschämt, „und Gram war ich Euch auch nimmer, wie Ihr gleichfalls gemerkt haben müßt." Walz v. Lich. — Bei Hrn. Kfm. Bach: Hr. Müller, Kfm. v. Labr. — Bei Wittwe Schmincke: Hr. Saalfeld, Cand. theol. v. Friedberg. — Bei Fr. Schirmer: Hr. Schirmer, Kfm. v. Bremen. — Bei Fr. Jnspeet. Melior: Hr. Melior, Cand. v. Friedberg. — Bei Hrn Schuhm. Zutt: Hr Jörg, Uhrm. v. Friedberg — Bei Hrn Seiler Huhn: Frls. M. Hoffmann u C. Hoffmann v. Grünberg. — Bei Hrn. Gastw Becker: Hrn. Privatl. Rappel v. Nidda, Knick u Lang v. Friedberg. - Bei Wittwe Schultheiß: Hr. Eich, Privatm. v. Friedberg — Bei Hrn Christ. Petri: Hr. Ockel, Spengl. u. Hr. Ockel, Küfer v. Friedberg._____________________________ „Und Du könntest die Frau eines armen Kohl- gärtners werden und die Dir gebotene glänzende Stellung darüber vergessen?" Christel senkte ihr Köpfchen bejahend auf ihr Busentuch nieder. „O liebe, liebe Christel," rief Matthäus voller Freude, umfing das Mädchen und wollte schon einen Kuß auf dessen Rosenlippen drücken, als er plötzlich die Hände wieder sinken ließ und hastig sprach: „Laß mich erst nach dem Neit sehen, ob er sich etwa zum zweiten Male aushängen will." Er näherte sich dem Gewächshause und schielte verstohlen durch dessen Fenster. „Gottlob!" sprach er zurückkehrend, „er liegt vor dem bösen Nagel auf den Knien und betet! Nun habe ich keine Sorge mehr um ihn. Aber, Christel, um wieder auf unsere Sache zurückzukommen, hast Du auch bedacht, daß Du als meine Frau mir wirst im Garten helfen, zum Beispiel Wasser pumpen, jäten, mit grüner Waare zu Markte fahren müssen?" „Biel lieber als den ganzen Tag nähen," bethenerte Christel. „Deine zarten, weißen Händchen werden hart und schwielig werden, und einen Huf bekommen, Dein Gesicht und Hals werden die Sonnenstrablen bräunen und verbrennen . . ." „Thut Alles nichts! Ich lasse mir nicht Angst machen durch Dich," versetzte Christel. „Wird aber auch Deine Mutter einwilligen wollen?" fragte Matthäus besorgt. „Gewiß!" erwiderte Christel. „Vielmals hat sie Dick zu ihrem Schwiegersöhne gewünscht, und hört sie, daß der Leibchirurgus schon am Stricke gezappelt hat, so gibt sie ihm gleich die Schippe." Da umfing Matthäus seine Braut und küßte sie zum ersten Male, und er sprach dabei mit gerührter Stimme: „Du hast recht gehabt, Mutter, daß der Herr Alles wohl machen würde." Jetzt kam auch Neit aus dem Gewächshause herausgeeilt. „Ich habe den Nagel ans der Wand gezogen," sprach er hastig zu Matthäus, „und nehme ihn mit heim, denn ich habe ihn theuer erkauft und daher verdient." „Nehme Er auch Seine Schnur Dneaten und das Brautkleid mit," sagte Christel, Matthäus war mir eher gut als Er, und ich ihm nicht minder," 288 „Trage ich etwa nicht schwer genug an dem Korbe, den Sie mir aufhängt?" versetzte Neit, „soll ich noch mehr anflaven? Behalte Sie den Plunder, Jungfer ! Aber darf ich bei Ihrer Hochzeit den Ehrentanz mit Ihr tanzen, den ich als glücklicher Bräutigam Ihrem Liebsten zugedacht hatte?" „O, zehn für einen!" rief Matthäus dankbar aus, Ihr seyd ein edler Mann, Neit! Nun ist Eure Sünde ganz und gar ausgewetzt und der liebe Gott gewiß Euch wieder hold und gütig." „Der bewußte Nagel war doch zu etwas gut!" behauptete Neit. „Ohne ihn hättet Ihr Beide Euern Mund nicht aufgethan und wir Alle wären unglücklich geworden." „Nicht der Nagel," erwiderte Matthäus andächtig, „sondern Gottes Gnade, welche das böse Thun der Menschen zum Besten zu lenken weiß." Auf der Hochzeit des glücklichen Brautpaares tanzte Neit wirklich den Ehrentanz mit der Braut und mehrere noch dazu. Auch schien seine Fröhlichkeit keine bloß erkünstelte zu sepn, denn: verleiht Rechtthun nicht die reinsten Freuden? Als Hochzeitsgeschenk zeigte Neit eine Urkunde vor, in welcher er sich als den Käufer des Gartengrundstücks auswies, welches Matthäus in Pacht hatte. Dieselbe sicherte ferner der Familie Ni- scheck die lebenslängliche Befreiung von jeder Pachtsumme zu, und bestimmte, daß nach dem Ableben jener das Wohnhaus armen Wittwen der böhmischen Gemeinde als Zufluchtsstätte dienen und von dem sonstigen Ertrage des ansehnlichen Gartengrundstücks mittellosen Kindern der nöthige Schulunterricht gewährt werden sollte. Also ist cs gehalten worden bis auf den heutigen Tag. Die Christrose.*) Erzählung von R.....B..... I. Es war der Tag vor der Christnacht. Der trübe Lichtschein des düster» Dezemberhimmels drang kaum durch die dichtüberfrorenen Fensterscheiben einer ärmlichen Dachkammer, in der eine eisige Kälte herrschte. Das Auge suchte vergebens ein Geräthe; nirgends war Etwas, weder am Boden noch an den Wänden, zu sehen, was einem Lager oder einem Sitze geglichen *) Christrosen, auch Jerichorosen genannt, sind besonders bei katholischen Landlenten häufig zu treffen. Sie kommen wirklich aus dem Morgeulande, wie ihr Name besagt, und waren immer ein wertheS Geschenk der Pilger. Diese Rose ist eine Art Immortelle, ganz unscheinbar von Ansehen, hat aber, (wie die Leute glauben) die wunderbare Eigenschaft, daß sie nur in der Christnacht, wenn man sie in'S Wasser setzt, ihren Kelch öffnet, und eine eigenthumliche Pracht entfaltet. Daher geschieht es auch heut zu Tage noch, daß an Vielen Orten die Leute bei der Christrose die Christnacht durchwachen und auS ihrem Entfalten Mancherlei deuten wollen. Anmerkung des Berfaffers. hätte. Mait wäre versucht gewesen, zu glauben, hier sey keine Wohnstätte für ein menschliches Wesen; aber dem war nicht so. Aus dem hintersten Winkel dieser armseligen Kam^ mer, der fast beständig in Finsterniß lag, tönte ein leises Seufzen und schmerzliches Wimmern eines zwölf- jähtigen Mädchens, das, ganz zusammengekauert, die Hände unter dem leichten Schürzchen, sich der Kälte zu erwehren suchte. Doch eö schien ihr nicht recht gelingen zu wollen; denn plötzlich erhob sich die Kleine aus ihrem Winkel, schlug heftig die Hände zusammen, um das Blut mehr in Bewegung zu bringen, nahte dann rasch dem großen Ofen, der allein die Zierde des GemacheS war, und betastete dieß Ungethüm mit frierenden Händen; bückte sich dann schnell nieder und spähete ängstlich nach etwas Holz, aber fand nur einige Splitter, die sie in den gähnenden Schlund des Ofens warf und anzuzünden versuchte. Doch sie brachte es nicht zu Stande und verursachte nur einen qualmenden Rauch, der das arme Wesen fast erstickte. Da schluchzte die Arme laut auf und ihrem Jammer Worte leihend, seufzte sie: „Gibi's in der ganzen Stadt, ja in der ganzen Welt wohl ein ärmeres Ding, als ich bin. O wenn ich doch auck gestorben wäre!" Weinend näherte sie sich jetzt dem Fenster. Gerade erklangen die Glocken der Hauptkirche, um die hohe Feier des morgigen Tages anzukündigen. Diese sanften Klänge brachten wieder etwas Ruhe in ihr Herz, und sie schaute mit thränendem Auge träumend in die werdende Dämmerung. Dieses Mädchen klagte nicht ohne Grund; denn sie hatte schon sehr Herbes in der Schule des Lebens erfahren müssen. Sie war eine arme Waise und so verlassen, wie jetzt, noch nie gewesen; denn nach dem Tode ihrer Mutter hatte sie ihre Großmutter aufgenommen und erzogen und fünf Jahre mit ihr nach Kräften Mühe und Arbeit getheilt. Aber die arme Großmutter wurde krank, und mußte lange leiden. Ihre kleine Habe schmolz von Tag zu Tag immer mehr, bis sie zuletzt nichts mehr ihr eigen nennen konnte, als ihre kleine Enkelin. Die Sorge um dieses Kind hatte ihr das lange Leiden noch mehr verbittert; denn sie wußte nicht, was aus dem Mädchen nach ihrem Tode werden sollte. Sie starb. Ach, wie weinte Klärchen, so hieß die Arme, als man gestern ihr Alles begrub! Die Gläubiger der Großmutter hatten nach deren Tode die noch übrige kleine Habe genommen; nur das iieine Klärchen wollte Niemand. Ja, die Hausfrau hatte ihr sogar mit harten Worten bedeutet, heute noch ihr Kämmerchen zu verlassen; denn die Mieihezeit wäre vorüber. Dieß Alles war so eben an Klärchens gedrücktem Geiste vorübergegangen, als sie die Abcndglocken aus ihrem trüben Sinnen geweckt hatten. (Fortsetzung folgt.) Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Lteindruckerei in Gießen.