für die Stadt und den Kreis Gießen. 1M7. M M. Mittwoch den 6. October B e k a n n t m a ch u n g. Wegen eingetrctcner Saatzeit werden diejenigen hiesigen Einwohner, welche Tauben halten, unter Bezugnahme auf den §. 79. des Feldstrafgesetzes vom 21. September 1841, hierdurch aufgefordert, solche von Donnerstag den 7. laufenden bis Donnerstag den 4. nächsten Monats, bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe von 1 fl. in den Schlagen einzuhalten. Gießen am 4. October 1847. Der Großherzogl. Hessische Kreisrath des Kreises Gießen. In dessen Abwesenheit Z u l e h n e r. Besondere Bekanntmachung. 1771) Töchterversorgungsanstalt. Wir ersuchen diejenige» Einwohner des Groß- herzogthums, welche noch im Laufe bieseo Jahres, Töchter unter fünf Jahren in dem Institut aufnehmen lassen wollen, ihre deßfallssgeu Aumel- duugeii, der Vorbereitung der Aufnahme wegen, zeitig genug hieiher gelangen zu lassen. Darmstadt den 14. Sept. 1847. Der Verwaltungsrath der Ludewigs- und Luisen-Stifiung. Frey. Versteigerungen. 1881) Der Transport von circa 5 Cubikklaf- tern Grund vom Langensteeg an den Riegelpfadweg, veranschlagt zu 40 fl., soll Freitag den 8. d. M., Morgens 11 Uhr, und zwar am Riegelpfadweg selbst versteigert werden. Gießen den 4. October 1847. Der Bürgermeister Gg. Reibe r. 1877) Schleußenbau bei Naunheim. Dienstag den 12 October d. Z., Vormittags 10 Uhr, sollen die zur Erbauung zweier Schleußentbore und. einer Zugbrücke für die Schiffsschlcuße zu Naunheim erforderlichen Arbeiten: . 1) Zimmerarbeit, veranschlagt zu 1500 fl., 2) 'LMbindcrarbeit, „ „ 83 „ auf der Baustelle au die Wenigstbietendcu öffcnt- lich versteigert werden. Gießen den 1. October 1847. Gr. Kreisbaumeister Holzapfel. 1882) Montag den 18. d. M., Nachmittags 2 Uhr, sollen, auf freiwilliges Ansuchen der Johannes Keils Wittwe an der Stadtpforie dahier, deren zustebeude Güterstücke, als: Alt. Neu. sHKlftr. 5 %7 276 Wiese, hinter den Schicßgärteu, au der Nodheim r Straße, 2 “/130 259 Acker, rechts am Aulwege, 4 25/,.oo 317 Acker, auf der Warthe, 16a. 29/41 154 Acker, am Altenfeld, auf das Bruch stoßend, 12 2%5 384 Acker, am Ohleberg, rechts des Erdkauterwegs, 22 3%s 337 Acker, bei der Taubentränke, am Waldbrunnen, 22 39/,5a. 169 Wiese, daselbst. 43a d9/.i4 76 Acker, hinter dem'Waldbrunnen, 43b 39/54aJ 17 Acker, daselbst, 42 39/s', 231 Acker, daselbst, 21 4%0 145 Acker, links der Chaussee, 18 4%7 144 Acker, daselbst, 11 28/„ 442 Acker, am halben Zehnten, rechts am Schützgaßbrnunen Weg, 12 23/58 380 Acker, daselbst, 33 4%3 220 Acker, über dem Schaferbrunnen, 7 45/76 310 Acker, an dem Badeuburger Fußpfad und au der Marburger Straße, 612] ' Gem arkung Wieseck: Alt. 5?eil. cffiftr. 137% "X. 434 Wiese, an der Ursulum, an Moritz Wallenfels, 3260/1a. 2%3 242 Wiese, über der Gänsbach, an •® Spruck, auf dahiesigem Rathhaus öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 4. October 1847. Der Beigeordnete R ü' h l. 1883) Versteigerung von Bauarbeiten. Montag den 11. d. M., Vormittags 10 Uhr, sollen in dem Gemeindehaus zu Beuern die zum Abbruch des dortigen Kirchthurmdachs, zur Herstellung eines Notbdaches und eines Glockenstuhles erforderlichen Arbeiten: 1) Zimmerarbeit, veranschlagt zu 350 fl. 2) Tachdeckerarbeit, „ „ 32 „ 3) Schlofferarbeit, „ „ 16 „ ent die Wem'gstnehmenden öffentlich versteigert werden. Gießen den 3. October 1847. Gr. Kreisbaumeister Holzapfel. 1852) Montag den 11. Octbr., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Nathhause auf Ansuchen der L. D. Höstereich's Erben: Flrb.-^4F IHKlft. Gießer Gemarkung: 37i<>9 383 Wiese im Heegstrauch, neben C. D. Vogt, Daniels Sohn; Wiesecker Gemarkung: 27(,5 340 Wiese in der Speck, neben Johs. Hammel IV. in Annerod; 21/72 218 Wiese daselbst, neben Heinrich Anbei, nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 29. Sept. 1847. Der Beigeordnete Rühl. Feilgeboten. 1872) Bei Beginn der Herbst-Saison bringe ich mein Fabrikat in Sy- birienne, Castorin, das Neueste in Buckskin und Tüffel, letzteres ein neuer Stoff für Iagdröcke, in empfehlende Erinnerung. Der Verkauf auch für den Detail ist jetzt in meinem Hause, in den Neuen- bäuen. B a l l i n et Comp. 1875) Ich bringe hiermit meine Säcke, zu Kartoffelsäckeu geeignet, ä 6 und 8 fr., in empfehlende Erinnerung, und bemerke noch, daß ich 13 Stück für ein Dutzend gebe. Caspar Huhn, in der Caplansgasse. 1873) Bei Unterzeichnetem steht eine, nach einer ganz neuen Construction gefertigte, Kelter zu verkaufen. G. Renzel, Schmiedmeister in der Neustadt. 1880) Kanapöe's, Stühle, Schlafsessel, Betten tc. sind bei mir billig zu verkaufen und auch zu vermietben. Ferner habe ich eine schöne Auswahl von Fußteppich.Mustern von den höchsten bis zu den niedrigsten Preisen erhalten, und bitte ich ein verehrliches Publikum, mich mit recht zahlreichen Aufträgen zu beehren. Eduard Strack. 1874) Eine Partie gute Aepfelweinfässer sind zu verkaufen bei PH. Zörb. 1821) Senf in Töpfen, Tafel - und Mostsenf, Chocolade, neue Häringe und Sardellen, trockenes Obst, Limburger- und Schweizerkäse tc. bei Höste reich, auf der Mänsburg. 1842) Die vorzüglichsten Sorten Aepfel, (Tafelobst,) sind korb- und malterweise zu verkaufen.^ Bei wem? sagt Ausgeber d. Bltts. 1855) Eine neue Aepfelmühle ist zu verkaufen bei D. Stamm, Schreinermeister. 1866) Reue Holländer Milcher Häringe ä 4 fr. pr. Stück bet I. ®. Appel. Zu vermiethen. ,1876) In meinem Hause sind zwei freundliche möblirte Zimmer mit Sopha's, gleich beziehbar, zu vermiethen. Ludw. Setzer, Marktstraße Lit. D. .AS 179. 1841) Ein Logis, bestehend in 5 heizbaren Stuben, 2 Kabinetten, einer Kammer, verschließbarem Keller, Holzplatz und Mitgebrauch der Waschküche, ist zu vermiethen und kann alsbald bezogen werden bei Christian Busch, zum Darmstädter Haus. 613 Vermischte Nachrichten. Bitte an edle Menschenfreunde. Die sehr arme Gemeinde Watzenborn und Steinberg muß eine bedeutende Reparatur ihrer Kirche, welche den Einsturz drohte, und deßhalb theilweise abgebrochen worden ist, vornehmen. Von einer epidemischen Krankheit heimgesucht, von bedeutenden Gemeinde- und Privatfchuldcn schwer belastet, vermag sie nicht, diese Reparaturkosten allein zu tragen. Es sind derselben zwar bereits zur Linderung ihrer Noch von mehreren Seiten, namentlich auch aus dem Verein der Gustav-Abolph-Stiftung, Unterstützungen zugeflossen: dies Alles aber i|t nicht hinreichend. Von höchster Behörde ist deßhalb der genannten Gemeinde eine Hauscollecte in den Kreisen Gießen und Friedberg gestattet worden, und es wird noch im Laufe dieser Woche eine verschlossene Büchse, und auch eine Liste in Circulation gesetzt werden, so daß es Jedermann freisteht, seinen Beitrag entweder in die Büchse einzulegen, oder in die Liste einzutragen und zu behändigen. An edle Menschenfreunde dahier,^ welche ihren Wohlthätigkeitssinn schon so oft bethätigt haben, und im Wohlthun nicht ermüden, richten die Unterzeichneten nun ihre ergebenste Bitte, um milde Beiträge zur Erreichung dieses erhabenen Zweckes. Gießen den 4. October 1847. Dr. Engel. Gg. Neiber. 1879) Morgen beginnt mein Privatunterricht im Schreiben, Rechnen und Zeichnen. Gießen den 6. October 1847. B. Falkenberg. 1878) Der Pfandschein jVß 4827, von einer Cylindcruhr, ist verloren worden. Der redliche Finder wird gebeten, denselben an den Unterzeichneten abgeben zu wollen. M. Levi. 1884) Am verflossenen Freitag ist aus dem Familienwagen von Friedberg nach Gießen eine gri'utc Saffian - Brieftasche, ans der Außenseite mit C. B. bezeichnet, mehrere Briefe, ein Zeugniß, zwei preussische Fünfthaler- und ein Einthalerschein enthaltend, verloren worden. Wer dieselbe an die Erpeditiou dieses Blattes zurückbringt, erhält eine Belohnung von Elf Thalern 1823) Ein Mann, der über Treue und Fleiß die ausgezeichnetsten Zeugnisse besitzt, sucht als Ge- hülfe bei einem Advokaten oder irgenVwo auf einem Büreau dauernde Unterkunft. Das Nähere in der Expedition dieses Blattes. Kirchliche Anzeigen- Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 2. October. Eine uneheliche Tochter, Luise, geboren den 15. Juli. Den 8. October. Dem Bürger und Spenglermeistcr, Daniel Löber, eine Tochter, Friedericke Auguste, geboren den 3. September. Den 4 October. Dem Großhcrzoglichen Postmeister, Balthasar Voigt, ein Sohn, Ferdinand Karl Ludwig Joseph, geboren den 27. August. Angekommene und abgereiste Fremden vom 1. bis 3. October 1847. I n den Gasthäusern. im Eitihorn; Hru Kfl. Wcpdt v. Mainz u. Gresser v. Fulda. Hr Franck, Reni. v. Cöln $>r. Cornelius, Wasserb.-Direct. v. Wesel. Hr. Meper, Gpmn. v. Wildes- hausen. Hrn. Kfl. Scherling v. Brennen u Grütter v. Elberfeld Hr. Koppe, Fabrik, v. Zweibrücken. Hr. Lindt, Kfm. v. Bremen. Hr. Dicssinbach, Dec v. Schlitz. Hr Puche- witz, Rent v Moskau. Hr. v. Golf, Partie, v. Prcisach. Hin Kfl. Langensträßer v. Herford u Fröhlich v. Plenau. Hr. Fitzkp, Partie, v. Münster. Hr. Ncuhaus, Occon. v. Graudenz Hrn Kfl. Kttchler v. Frankfurt, Derbert v. Amsterdam u. Zanders v. Cöln Hr. Specht, Rent. v. Ludwigs- brunn. Hr. Teschenmacher, Kfm. v. Barmen. Hr. Baron v. Reichmaun in. Bedien., Kammerhr. v. München. Hrn. Kfl. Hapdoru v. Bremen u. Sievers v. Wien. Hr. Dolle, Fabrik, v. Saarlouis. Hr. v. Sarewitsch, Rent. v St. Petersburg Hrn. Lieutn. Freiherr v. Eräfe v. Berlin u. v. Gauer v. Coblenz. Hrn. Kfl. Walters v. Bielefeld, Meper v. München u Hopmann v. Höchst. Hr. Fries m. Fr., Dort, v. Gießen Hr. Sänger, Kfm. v. Frankfurt. /»> Kappen: Hr. Verdeck, Stud. v. London. Hr. Hänsel, Ksm. v. Cassel. Hr. Hempel, Chem, v. Dortmund. Hr. Gaßner, Dr. med. v. Mainz. Hrn. Kfl. Wagner v. Mühlhausen u. Braß m. Fr. v. Offenbach. Hr. v. Kando m. Fr., Rent. v. Wien. Hrn. Lieutn. Graf v Decken m. Bedien, u. v. Alten m. Bedien v. Hannover. Hr Richter, Kfm. o. Leipzig. Hr. Logas, Postsecret. v. Romrod. Hr. v. Sparre, Landr. v. Wetzlar. Hrn. Kfl. Geer u. Rosenbaum v. Frankfurt Hr. Dörr, Apoth. v. Windecken. Hrn. Kfl. Scholl v. Mannheim u. Bergmann v. Bremen. Hr. Mütter, Kreis- baumeist v. Bingen Hrn. Kfl Wießler v Mainz u. 3immer v. Offenbach. . Hr. Mcsioor, Stud. Chem. v. Luzern. Hr. Fritze, Lieutn. v. Wetzlar. Hr. v. Haagen m Fan, u. Bedien., Rent. v. Berlin. Hr. v. Katie m. Bedien., Lieutn. v. Fürstenwald. Hrn Kfl. Langenstrauß v. Hirschfeld, Brand v. Wetzlar, Bonbard v. Halle, Drcffeler v. Hannover u. Menget v. Berleburg. Hr. Fehlinck, Profess, v. Stuttgart. Hrn. Kfl. Sonnen v. Cöln, Boden v. Bremen, Rodde v. Münden u. Boos v. Speyer. Hr. Scholl, Pfarr. v. Mainz. Hr. Meiboreck, Forstmeist v Dessau. Fr. v. De- venberg v Fulda. Hr. Haumann, Kfm. v. Hannover. Im Prinz Carl: Hr. Thomas, Kfm. v. Altenkirchen. Hr. Eifert, Occon u. Fr. Schmitt v. Lieblos. Fr. Heberling v. Obersorge. Hr. Schwefel, Geschäfts!«. v. Leusel. 614 Hr. Cramer, Privatm. v. Romrod Hr. Döll, Handelsm. ». Erfurt, Hr. Häuf, £> Foriwangen. Hrn. Geschäftsl. Schiefer v. Alsfeld, Michel v. Öderan, Zinßer v. Holzbausen, Zeincr u. Flick v Dleitenhain u. Preuß v. Ronzendorf. Hr Nord, Barb v. Gießen Hrn Geschäftsl. Lauber v. Breitenstein, Hcrt v. Keffenroth u. Müller v. Angersburg. Im Stern. Hr. Eugelbach, Bote v. Biedenkopf. Jungfer Wagner v. Allendorf, Hr. Stremel, Schmied v Biedenkopf. Hr. Trost, Fuhrm. v. Braunfels. Jungfer Bröscher v. Rabs- dorf. Hr. Girmann, Fuhrm. v. Siegen Jungfern Wiedner v. Allendorf u. Nieodcmus v. Harbein Hrn. Fuhrt. Sittig u. Schütz v. Münden. in der Sonne: Hr. Ehrhardt, Handelsm. v. Gotha. Fr. Goldmann v. Ershausen. Hr. Müller, Geschäftsm. v. Stcinsurt. der Hase Hrn. Handelst. Lisemer v. Arnheim it. Appel v. Londorf Hr. Iteul, Schrein v Holzheim. Hrn Geschäftsl Kamm v. Breitenbach u. Müller v. Biedenkopf. Hr Groll, Handelsm. v. Endbach. Hrn. Geschäftsl. Reitz v. Rollshausen u. Mathwog v Hausfelden. Hr. Gerhardt, Bürgermcist v. Köstrich. In den Privathäuser, n. Bei Hrn. Realschuldien. Reiß: Jungfer Welcker v Alsfeld — Bei Fr Regier.-R. Heß: Fr. Ackermann v. Mainz. — Bei Hr». Fuhrm. Noll: Fr. Seeg v Lehheim. — Bei Hrn. Access. Jäger: Hr. Jäger, Privatm v. Schlitz. - Bei Hrn Setigm. Kaufmann: Fr Herz m. Sohn v. Weilburg -- Bei Hrn B. Peppler: Hr Gortb, Privatm v. Heppenheim — Bei Hrn Lieutn Rüdi: Frl Gotb v. Lorsch. - Bei Hrn Werkführ Richartz: Frl. Ball v Ebernburg — Bei Hrn. Kfm. Tasche: Hr. Eberhardt, Protocoll. ». Darmstadt. — Bei Hru. PoHz.-Wachtmeist. Bicrau: Hr. Bicrau, Först v Dexbach. — Bei Hrn Landr. Welcker: Hr. Dick, Dort v. Hohensolms. - Bei Hrn Regier.-R. Müller: Hr. Schlirper, Lieutn v. Berlin. NnterhaltettdeS und GeMeinnütziges. (Moderne H a n d w e r k s m iß b r ä u ch e.) (Schluß ) Ein neuer Fabrikant suchte dadurch in die Reihe der älteren gewinnend zu treten, daß er wohlfeiler, als diese, verkaufte, die bald gezwungen wurden, wenigstens nachzufolgen; oft auch zu übertreffen suchten. Diese feindseligen Bemühungen dauern, bis wiederum ein neuer Concurrent als gemeinschaftlicher Feind aller älteren auftritt und zu neuem Wettstreite Anlaß gibt. Bei solchem niedrigen und erniedrigenden Wetteifer fängt Einer nach dem Andern an, bald hier einen Faden, bald dort eine Masche, bald hier von der Länge, bald dort von der Breite und Weite u. s w. immer vom innern Gehalt, etwas abzuziehen; weil Jeder den vorigen Gewinn, so viel als möglich, erhalten, und durch Ersparung des innern Werthcs die Mittel zur vermehrten Wohlfeilheit erlangen wollte. Daher konnte es in Deutschland nie zu so großen Unternehmungen, als in England, kommen. Dieses Spiel gegenseitiger Gewinnsucht, ob es wohl nie aufhört, geht unter den Gewcrbtreibendcn von Neuem an, wenn irgend Einer eine neue gc- winnrciche Erfindung gemacht hat Die Messen und Märkte, welche sonst für die Industrie eine so große Unterstützung waren, dienen nun zur beschleunigten Beförderung dieses ehrlichen Glückspiels, das schnell bis auf den höchsten Punkt, sowohl der Wohlfei heit, als der Schlechtigkeit der Waaren getrieben wurde. Die englische Industrie hatte nie eine andere Aufgabe als die, immer tüchtiger, schöner, und nach dem höchsten Grade der Vollendung strebend, zu arbeiten; und wenn dies geschehen ist, nach der Arbeit, wir umgekehrt die deutsche vor ihr — den Preis des Vollendeten, unbekümmert wie er aus- fallcn, und gewiß, daß er nicht unbillig sepn werde, zu bestimmen. Wenn so die Realität und das Ehrgefühl sich selber befriedigt haben, und wenn nach der Belohnung, welche 'dieses Bewußtscpn gibt, auch der .Nutzen rechtlich belohnt, so entsteht ein neues, höheres Unternehmen, nämlich das, denselben Zweck durch wohlfeilere Mittel, durch Maschinen zu erreichen und leblose Hände, anstatt belebter anzuwenden. Dadurch ist es England — immer das ehrenwerthe Ziel der Vollendung beihehaltend — gelungen, hinter dieser Vollendung fast dieselbe Wohlfeilheit zu erreichen, auf welche der Krämergeist ausging. Der Deutsche arbeitet um wohlfeil, der Engländer um g u t zu arbeiten; dieser erfindet dadurch, gut und wohlfeil zugleich sepn, wir verlernen Beides. Dahin führt das Vergessen ehrwürdiger Vorfahren und ihres Geistes und Thuns und ihrer Bemühung, kunstreich und ehrenvoll in jedem Handwerk und in jeder Knust das Höchste zu erreichen. Gegen solche Vorwürfe indessen, die man allerdings nicht ohne alles Recht unsrer Industrie macht, ist gar vieles zu sagen. Vielleicht ein ander Mal ausführlicher darüber bei einer kommenden Gelegenheit. Im Allgemeinen muß das Publikum den Geschmack seiner Handwerker bilden. Es wäre viel gewonnen, wenn der gebildetere Theil der Verbraucher, die sehr anständige Mühewaltung übernehmen wollte, sich 615 über die Erzeugung seiner Bedürfnisse gehörige Belehrung zu verschaffen, er würde dann nicht Unmöglichkeiten verlangen und darauf mit einem vornehmen Eigendünkel bestehen, welcher heimliche Erbitterung und Verachtung erzeugt. Er würde dann nicht fehr billige Forderungen unverschämt finden und in Gefahr kommen, den letzten, ehrlich verdienten Groschen abzuzwacken, ein schändliches Verfahren, wodurch der redliche Handwelker zuletzt genöthigt wird, ein Betrüger zu werden. Unsere Industrie hat jetzt die doppelte Aufgabe, das bessere Neue zu erstreben und das gute Alte nicht zu verlassen. Noch scy mir vergönnt, wenn auch nur vorübergehend, eines Umstandes, mit dem dem Gegenstände angemessenen Ernst und Nachdruck, Erwähnung zu thun, der hier nicht ganz übergangen werden kann. In keinem Munde ist die Klage über schlechte Zeiten häufiger, ja in letzter Zeit dringender gewesen, als in dem der Gcwerbtreibcnden. Indessen ist der Jammer des Menschengeschlechts so alt als seine Geschichte und die Klage über die Noch der Zeiten erbt sich fort von einem Geschlecht duf das andere. Tas erste hat an das jetzige seine Trauer laut werden lassen über die Last der Gegenwart und über den Verlust einer schönern und bessern Vergangenheit. So verschieden aber, als jederzeit d>e Thatsachen gewesen sind, die im Allgemeinen als Gründe für solche Klagen angeführt wurden, so verschieden lauten auch noch die Stimmen, durch welche sich unsere Zeit nicht minder mißmuthig und verstimmt als die frühere über ihre eigenen Gebrechen sich vernehmen läßt. Bei ihnen aber heißt es insbesondere: „Gcwerbefreihcit." Würde die Gewcrbefreihcit nichts, gar nichts weiter hcrbeigefübrt haben als das Streben zur Veredlung des Gewerbes, so wäre aus dieser Rücksicht diese Freiheit schon das köstlichste Kleinod unserer Verfassung zu nennen. Wer hat eö von den Gcwerbtreibcnden wohl sonst dcr Mühe werth gehalten, auf geistigem Wege vor- und fortzuschrciten. Wer von (ilhii den reichen und angesehenen Zunftmeistern der früheren Zeit hätte cs mit seiner Ehre verträglich gehalten, im uncrmcßlichcn heiligen Gebiete der Naturwissenschaften Belehrung zu suchen und hätte den Trieb, sich und seine Thätigkeit auch geistig zu begründen, gefühlt oder ausgesprochen? Was endlich bringt uns hier zusainmcn? die unter uns durch die Gewcrbc- fteihcit allgcmcin gewordene Wahrheit, daß Stillstand Rückgang ist, so in der Natur, so in unsirn Werken. Was haben aber die Zünfte gethan, um den Forderungen dcr Zcit und dcn Fortschritten der Wissenschaften zu folgen? Nicht nur nichts, sie haben sogar die Ncuercr gehaßt und verspottet; selbst in dem alten Sauerteig rühren war ciu Verbrechen an der Innung. Viele dcr Gewerbtrcibenden könnten ohne Gewer- befreiheit kaum den achtbaren Platz ausfüllen, den sie jetzt einnchmcn, es wäre denn, sie hätten die alternde Wittwc oder die anrüchige Tochter, eines M isters als schwere Last mit durch'ö Leben geführt. Welche Wohlthat für uns Alle, daß ihre Kenntnisse sie unabhängig von allen Gevatterschaften und die Moralität crtödtcnde Rücksichten machen, welcher Vor- theil für sie, daß sie unabhängig, frei der Ausbildung und Ausdehnung ihres Gewerbes leben können, während sie früher von den erstarrten Banden des Zunftzwanges umfangen, mit dahin wirken mußten, daß dem faulen, unwissenden Mitgliede ihrer Innung der unverdiente Lohn seiner, dem Namen nicht der That nach, meisterlichen Arbeit nicht entging. Wohl uns, daß kein Stand mehr sich auf Kosten der übrigen mästen kann. Der Bürger muß überall mit seinen Händen auch dcn Geist in Thätigkeit erhalten; so ist es recht und nur dadurch crhcbt er sich über die Maschine, mit dcr nur die rohe Kraft wetteifern will, hier und da auch unverständiger Weise kämpft und damit sich selbst am empfindlichsten schadet. Häufig hören wir selbst cie, welche der Gewer- befreihcit volle Geltung widerfahren lassen, dcn Wunsch äußern: cs möge Jeder, der ein Gewerbe ausübcn will, seine Fähigkeit dazu auch Nachweisen, wie solches bei einem und dem andern Handwerks- und Künstlergcwerbe jetzt .auch gesetzlich erfordert wird. Ich frage Cie aber, welche Sicherheit wird der Gesellschaft dadurch? Stürzen z. B, Häuser, Zimmer und Ufir deshalb »i ch t zusammen? und sind nicht auch dort überall Menschlichkeiten nachzuweisen? Ist jener Ausweis dcr Fähigkeit zum Gewerbe oder zur Kunst so erschöpfend möglich, daß dadurch jeder Gefahr in dem betreffenden Gciverbe vorgebeugt werden kann? und dient er nicht auch andrerseits dazu, manche Ungebühr zu privilcgiren und zu verewigen ? Nur die dringende Rücksicht für die öffentliche Sicherheit mag die Halbheit solcher.Einrichtungen rechtfertigen. Was nun die Klage um größere und schädlichere Pfuscherei anbetrifft, so ist gerade die wachsende Kumtniß dcr Gesellschaft von dcr Würdigkeit ter Gkwerbceleistungen eine der größten Hauptstützen für das Gewerbe selbst. Jeder erkennt mehr und mehr, daß um Spottpreise nur spottschlcchte Waare geliefert werden kann und so lange es nicht an Thoren fchlt, wird und kann cs auch nicht an solchen Gcwcrb- treibendcn fehlen, die bei leichten, unhaltbaren, pfuscherhaften Waaren besser ihre Rechnung finden, als bei solchen, wo ihnen Kenntniß und Betiicbssähigkcit ohnedicß nicht ausreicht. Bedarf es unter uns wohl besonderer Beweise, daß wir eine sehr bcdcutcnde Zähl so achtbarer Hand- 616 Werker und Künstler haben, die so solide, tüchtig und nach allen Erfordernissen der Kunst und des besten Geschmacks arbeiten, wie zu keiner Zeit während des Gewerbezwanges. Ob solche Leistungen bei uns nicht noch billiger herzustellen wären, will ich nicht verneinen, allein das liegt im Allgemeinen daran, daß die Materialien hier bei uns nicht ausreichend und nur auf Umwegen, daher vertheuert zur Auswahl kommen; ein Uebelstand, dem die Gewerbefreiheit gewiß am kräftigsten entgegenwirkt und daher auch mit der Zeit heben muß. Ein weiterer Vorwurf, der der Gewerbefreiheit gemacht wird, ist der, daß der Gewerbebetrieb lange nicht mehr so allgemein zur Wohlhabenheit führe als früher. Indessen ohne einen einzelnen Stand nennen zu dürfen, mache ich sie auf die durch und durch veränderte Lebensweise und Lebensansprüche aufmerksam. Wer das bescheidene Haidekraut baut, darf keine Weinlese halten wollen. Wer füllt die Unzahl der Zeit und Geld raubenden Vergnügungsorte, die den Unternehmern so lockenden Gewinn gewähren, daß sie sich fort und fort noch vermehren? Wer lebt heute noch so bescheiden, eingezogen und anspruchslos seinem bürgerlichen Gewerbe, als es vor dreißig Jahren sein Lehrherr that? und endlich nennen Sie mir ungeachtet dieses gewaltigen Verkennens unseres Lebenszweckes Einen Gewcrbtreibenden, der tüchtig und arbeitsam, mit der Zeit und ihren Forderungen fortschreitend, auch den kleinen Gewinn nicht verachtend, darben müßte unter uns? Vergessen Sie endlich nicht, daß mit uns die Freiheit der Gewerbe in'S Leben trat und unter unseren Äugen einem unfreien Zustande ein Ende machte, der Jahrhunderte vor uns fest, regungslos und unangetastet bestand und daß, mit Wehmuth muß man es bekennen, der Mensch überall, wo ihm beengende Banden gelöst werden, die Freiheit nicht immer verständig zum Guten allein braucht, vielmehr oft ausschreitend, nicht nur dem öffentlichen Leben, sondern auch sich selbst schmerzliche Wunden schlägt. Die Zeit und eine durchgreifendere allgemeine Bildung wird wohlthätig solche Ucbelstände ausgleichen. Wollen wir das wohlthätige Feuer verdammen, weil die ungeschickte Hand sich und Andere damit beschädigt? Eine Geschichte vom alten Dessauer. Schluß. Die Thür ging auf und der Schloßmeifter brachte auf einem porcellainen Teller vier Semmeln von verschiedenen Bäckern. „Na! daran verdirbt sich auch Keiner den Magen," sprach der Fürst als er das Backwerk sah. „Man möchte wahrhaftig eine Brille auf die Nase setzen, um die Dinger zu erkennen." Jetzt brach er eine derselben von einander; Geisau und der Schloßmeifter mußten mit davon essen, um dann ihr Urtheil abzugeben, was sich natürlich nach dem des Fürsten richtete, welches nicht sonderlich ausfiel , denn er hob die Zähne gewaltig hoch. „Zäh und Zach!" murmelte er mehr als mal, „darum sott mich auch die ganze Innung zach finden. Nichts mit Privilegien, denn reicht man den kleinen Finger, so nehmen sie gleich die ganze Hand. Privi- legicn sind der Krebsschaden des Handels und der Gewerbe, und wenn ich einmal einen so dummen Streich machte, so bin ich nicht sicher, daß den andern Tag wohl gar noch die Juden kämen und ein Gleiches verlangten. Diese müssen besonders im Zaume gehalten werden, denn sonst tauchen die Kinder Israels gar zu sehr empor und tanzen uns zuletzt auf dem Kopfe herum. — Hinweg mit diesen Semmelresten, könnt Sperlinge damit füttern. Werde Befehl geben, daß künftig scharfe Controle über die Bäcker geführt wird, und wenn sich die Müller unterfangen, wiederum einen Wasserkrakeel anznfangen, so sollen sie den alten Dessauer kennen lernen. Blind gehorcht und nicht gemuckst, so will ich's haben in allen Ständen, denn unser Einer ist nicht statt Teufels da. Kann das verdammte Raisonniren nicht leiden, darum sollen die Mäuler gestopft werden, gleichviel, ob Groß oder Klein. Hab' schon Manchem die Nase geputzt und denke auch noch mit diesen fertig zu werden. Darum hübsch aufgepaßt und mir nichts verschwiegen. Wurst wieder Wurst. Hast du gefehlt, so erwarte ein Gleiches. Dabei blcibt's, und wer über die Schnur haut und dann noch Spähne machen will, dem soll ein Kreuz-Stern- Schock-Millionen-Hageldonnerwetier auf den Pelz fahren. Als er so seinem Herzen Lust gemacht, gab er Befehl, seine Sachen herbcizubringen und die Pferde anzuspannen. Die Diener flogen mit Blitzesschnelle und mehr denn zwanzig Finger waren bereit, die Knöpfe an den langen weißen Kamaschen zuzuknöpfen. Seine llniforni mit dem schwarzen Adlerorden, so wie ein alter Mantel, der eher einer Mönchskutte ähnlich sah, wurden herbeigebracht. Er setzte eine Sanimtmütze auf sein Haupt und ergriff seinen gewaltigen Nohrstock aus dessen Ende ein großer Eisenstachel ragte — Dee Wagen hielt unten