3M iAnzcigeblatt für die Stadt «nd »en Kreis Gießen. 36. Mittwoch den 3. Mai 18£7* Edictalladungen. 834) Die Vormünder über die Kinder des verstorbenen Jacob Krailing I., Z. S., Wirths zu Heuchelheim, haben dessen Nachlaß nur unter der Rechlswohlihat des Inventars angetreten. Es werden daher alle, welche irgend einen Anspruch an Krailing zu bilden haben/aufgeforvert, denselben im Termine Montag den 17. Mai l. I., Morgens 8 Uhr, dahier geltend zu machen und näher zu begründen, wid.igenfalls bei der beabsichtigten Schuldentilgung keine Rücksicht darauf genommen werden wird. Gießen am 27. April 1847 Gr. Hess. Stadtgericht Muhl. vr. Zimmermann. 746) Da gegen die Wittwe des Karl Schmidt, Kunigunde geb. Schneider zu Lohra, eine Ver- mögens-Ueberschuldung sich herausgestellt hat, so werden hierdurch deren Gläubiger mit der Bedeutung, daß die Nichterscheinenden dem Beschlüsse der Erscheinenden für beistimmend erachtet werden sollen, auf den 31. Mai d. I., Vormittags 10 bis 12 Uhr, anher vorgeladen, um alsdann ihre Forderungen summarisch anzumelden und nothdürftig zu begründen, dem vom Gerichte anzustellenden Güte-Versuche beizuwohnen, und sich nach Umständen über die Wahl eines Kurators zu vereinigen. Frohnhausen am 12. April 1847. Kurfürstl. Zustiz-Amt. Amelung. vdt Gagel. Versteigerungen. 827) Holzversteigerung im Gießer Stadtwalde. Die am 29. v. M. in dem hiesigen Stadtwalde, Distrikt Annaberg, Hochwarte und Fauler- boden, gehaltene Holzversteigerung ist des großen Umfangs wegen nicht vollendet worden und soll daher Donnerstag den 6 Mai l. I, Vormittags 9 Uhr, - fortgesetzt werden. Die Zusammenkunft ist am Lumpenmannsbrunnen. Gießen am 1. Mai 1847. Der Bürgermeister Z. d. V. Der Beigeordnete Rühl. 743) Samstag den 8. Mai d. 2v Vormittags 10 Uhr, soll auf der Gcschäftsstube des Unterzeichneten die Lieferung des nachstehend verzeichneten Brennholzes pro 1847/48, und zwar: 1) für das hiesige Provinzialarresthaus: 40 Stecken Buchen-Scheidholz undf 25 „ „ Prügelholz, 2) für das hiesige Militärkommando: 37 Stecken Buchen-Scheidholz, an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen am 21. April 1847. Conze», Gr. Criminalkafferechner. 816) Samstag den 8. Mai, soll ein Stück Planir- und Chaussirarbeit versteigert werden, veranschlagt zu 160 fl. Steinbach den 29. April 1847. Der Bürgermeister Horn. 822) Holzversteigerung im Revier Königsberg. Montag den 10. Mai, von Vormittags 9 Uhr an, sollen in dem Domanialwald-Distrikte Bleidenberq 83 Stecken Buchen-Scheidholz, 64 h „ Prügelholz, 402% „ „ Stockholz, 2 „ Nadel- „ 525 Wellen Buchen-Reisholz und 213 „ Eichen- „ versteigert werden. Die Zusammenkunft ist auf dem Bubenroder Wege, im obengenannten Distrikte. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird bis Martini d. I. Zahlungsfrist gestattet. Königsberg den 28. April 1847. Der Gr. Hess. Revierförster des Reviers Königsberg. Dittmar. 773) Bauholzversteigerung. Dienstag den 4. Mai d. I., des Morgens 8 Uhr, sollen in dem biesigenGemeindewald,Distrikt Eichwald: 1) 65 Stück Eichen-Baustämme, von 10—45' Länge, 20 — 48" Durchmesser, im Ganzen 7993 Cubikfuß enthaltend, 246 2) 91 Stück Kiefern-Baustämme, von 10—45' Länge, 5—17" Durchmesser, im Ganzen 1565 Cubikfuß entkalkend, 3) 10 Stecken auserlesenes Eichen - Scheidholz, welches sich zu Küfer- und Glaserholz besonders eignet, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen meistbietend versteigert werden/ Der Versammlungsort ist in dem Eichwald. Staufenberg am 23. April 1847. Der Bürgermeister Fischer. 815) Montag den 10. Mai, Vormittags, sollen im Steinbacher Gemeindewald, Distrikt Geseng: 100 Stecken Buchen-Scheidholz, 30 „ „ Prügelhvlz, 80 „ „ Stockholz, 10 ' „ Eichen-Scheidholz, 7 „ „ Stockbolz, 700 Wellen Eichen-Reisholz, 400 ,, Kiefern- ,, 9 Stecken Kiefern-Prügelholz, 700 Cubikfuß Kieseru-Bauholz, 500 ,, Buchen- u. Eicheu-Werkholz; sodann Nachmittags 1 Uhr, in der Embach 800 Clibikfuß Eichen-Bauhvlz versteigert werden. Steinbach den 29. April 1847. Der Bürgermeister Horn. 828) Die im Schlage „Heeg" des Atzbacher Gemeindewaldes zu gewinnende Eichenlohrinde von circa 12 Ctr.. soll Dienstag den 11. d. M, Vormittags 9 Uhr, dahier versteigert werden. Atzbach den 1. Mai 1847. Der Bürgermeister Colnot. 838) Nächsten Donnerstag den 6. d. M., Nachmittags um 2 Uhr, sollen in meiner Behausung mehrere Gegenstände dem Meistgebote ausgesetzt werden, wobei auch einiges Wellenholz, Scheidholz, Meubles, ein Kinderwägelchen rc. vorkommen. Knorr O.-A-G-Rath. 810) Bau-, Nutz- und Brennholzverff-ige- rungen in dem Revier Hohensoims. Dienstag den H. Mai" d Z., des Morgens 8 Uhr anfangend, werden in nachbenannten Domanialwald-Distrikten, als: 1) Jsel scheid, nächst der Chaussee und ohn- weit Frankenbach; 237 Schlagholzhaufen, Buchen-, Eichen- rc. Reis- holz, mitunter Nutzholz, unter den bei dieser, sowie bei nachbeuannten Versteigerungen bekannt gemacht werdenden Bedingungen dem Mcistgebot ausgesetzt. 2) Hclfholz; Freitag den 14. Mai d. I., Morgens 8 Uhr aufangend, fD^l'n^ie Holzsortimente auf einer bequemen Abfahrt dem Mcistgebot ausgesetzt werden. Der Anfang ist aus dem Todtmal. 3 Qualität. // 5 2 Qualität. 80 u tf 152 27 33 6 87 93 83 16 7 80 16 72 71 Stück Eichenklötze, 24—27 Zoll Durchmesser U"d 12—20 Fuß Länge, 241 Cubikf. haltend; Gr. Hess. Maaß, Stecken Buchen-Scheidholz, 1. Prügelholz, „ „ Eichen-Scheidhvlz, „ „ -V' PrüMholz, „ „ Stock-, Buchen- und Eichenholz, 1. Qualität, 4 Buchen-Reisholz, 1. Qualität, 84’4 Haufen Buchen-Klafter-Reisholz, meistbietend versteigert werden, welches hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gelange. Nachtrag. c 4) 2m Distrikt Pfaffe,iinark, nächst Blasbach, sollen Montag de» 17. Mai d. S , Morgens 8 Uhr ansangend, 27 Stück Eichenklötze, von 11—19 Zoll Durchmesser und 19—26 Fuß Länge, 841 k ™ , Eubikfuß haltend; Preußisches Maaß, dem Meistgebot ausgesetzt werden. Hohensolms den 3. Wai 1847. Forsthaufen Buchen Reisholz, . Haufen Blichen- und Eichen-Klafter-Reisholz. 3) Sodann im Domanialwald-Distrikt, "die Wiedelbach genannt, ohnweit der Chaussee bei Willsbach, auf einer bequemen Abfahrt, sollen Dienstag den 18 Mai d. I., Morgens 8 Uhr anfangend, Stück Eichenklötze, von 16—26 Zoll Dicke und 14—28% Fuß Länge, 338 Cu- blkfuß haltend; Gr. Hess. Maaß, „ Buchenklötze, von 15—17 Zoll Dicke und 10 Fuß Länge, 42 Cubf. halt., Siecken Buchen-Scheidholz, 1. *" ff Prügelbolz, ,, Eichen-Scheidholz, „ ff Prügelbolz, „ Buchen-Skockholz, „ Eichen „ Schöfer, Revierförster. Fellgeboten. 791) Bairisch- und Lagerbier, Bischoff und Punsch-Essenz, Tafel-, Most- und Düsseldorfer Senf, Senf in Töpfen, Cbokolade, trockenes Obst, Perlgerste, neue Sardellen, Häringe n. s. w. bei H ö st e r e i ch ___ . _ auf der Mäiisburg. 777) Mein Lager von sehr abgelagerten Ci- garren in allen Qualitäten, Rauchtabacke von allen Sorten und Varinas in wurmstichiger Maare bringe ich in empfehlende Erinnerung. I. G. Appel 8r33 Strohhüte, Band u Schirmlaaer empfehle zu den billigsten Preisen M. Heß, _ . I it. A. JVa 55. 711) Bei Unterzeichnetem sind einige Obm Mein Rüdesheimer Berg, von dem Jahrgang 1811 /i oder ^ohmweise zu verkaufen. vr. Balser, prnft. Arzt. 778) Schweizer- und Limburger Käse, Spiritus, Nordhäuser Fruchtbrandwein empfiehlt . I. G Appel. 832) Mein Handschuh-Lager für Damen, Herren und Kinder in glace, fils d'Ecosse, ecibe und Baumwolle zu den 'billigsten Preisen empfiehlt bestens M. Heß. 826) Eine aus 200 Stück bestehende sehr gut erhaltene Siegelsammlung ist zu verkaufen. Bei wem? sagt d. Erp cd. d. Bltts. 825) Gute Sorten Lattichpflanzen, gespitzte Zuckererbsenreiser, große und kleine Bindweiden vorkauft L. Hartmann, in der Schanze. Zu vermiethen. 771) Lit. C. M 46. auf dem Seltersweg ssud zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. Bei der Redaction d. Bltts. das Rädere. 784) Ein möblirteö Zimmer mit der Aussicht auf den Brand ist zu vermiethen bei H. Hochstätter. 712) Ein geräumiger, etwa 26 Stückfaß ausnehmender Keller ist bei mir zu vermiethen. Dr. Balser, prakt. Arzt. 803) Bei ttuterzeichuetem stehen einige 6 Octa- ven haltende Claviere zu verleihen. H. Leicht. 823) Lit. D. AS 84. ist eine Familienwohnung zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden. 761) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen bei Bäcker Schäfer am Ralhhaus. 831) Ein Gartengrasstück circa V, Morgen stuf dem Rodt ist zu vermiethen. Das Nähere ist im Hause des Herrn Oberinspector Dietz zu erfragen. 830) Eine Familienwohnung, welche Anfangs Juli beziehbar ist, ist zu vermiethen bei H. H e l l m o l d, in der Löwengasse. 247 824) Eine Stube mit oder ohne Möbel ist zu vermietden, auf Verlangen kann auch eine Kammer und Küche abgegeben werden bei Mittwc Stohr, in der Schloßgasse. Vermischte Nachrichten. 837) Da ich Sonntag den 8. d. M. von hier wegziehe» werde, so ersuche ich alle Diejenigen, wel l en ich vielleicht noch etwas verschulde, sich bis dahin bei mir mit ihren Forderungen zu melden. Knorr O.-A.-G.-Rath. 836) Bei Maurermeister I. Reiber können am di-sigen Lahnbrückcnbau noch 20 Steinhauer und 20 bis 30 Taglödner für dieses Zahl dauernde Beschäftigung erdalten. Gießen den 3. Mai 1847. 835) Ich wodne jetzt bei Herrn Schuhmachermeister Franz auf dem Marktplatze. C Häuf er, Damenkleidermacher. 839) Tarizunterrichts Anzeige. Unterzeichneter macht die ergebene Anzeige, daß er hier angekommen ist und im Laufe dieser Woche mit seinem Tanzunterricht beginnen wird. Carl Hummel Tanz- ilnd Balletmeister, wohnhaft im Gastdaus zum Einhorn AS 36. 806) In die Weinhandlung von B Seipp wird ein auswärtiger, mit den nöthigen Vor- keuntnissen versehener, solider junger Mann in die Lehre gesucht. Gießen im April 1847. 829) Einem verehrlichen Publikum mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich bei meiner Handschuhwascherei auch eine förmliche Färberei in allen Farben von Glace- und waschledernen panl- schuden errichtet habe, wobei ich noch bemerke, daß das Leder den schönsten Glanz wieder erhält uno verspreche pünktliche und billige Behandlung. L. Hartmann, in der Schanze. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Koputirt. Den 2. Mai. Christian Wilhelm Planck, Bürger und Metzgermeister dahier, ein Wittwer; und Katharine Marie Friedel, des verstorbenen Bürgers und Schubmachermeisters, Heinrich Friedel, eheliche Tochter. Getaufte. Den 2. Mai. Dem Bürger und Schneidermeister, Ludwig Balthasar Klingelmeper, eine Tochter, Luise Christiane, geboren den 9. April. Denselben. Dem Lehrer an der ersten Freischule dahier, Johannes Römer, eine Tochter, Johanna, geboren den 12. April. 248 Beerdigte. Den 1. Mai. Heinrich Lerch, Taglöhner, des verstorbenen OrtsburgerS und Leinewebers, Peter Lerch zu Breidenbach, ehelicher Sohn, alt 49 I. 2 M. 3 T , ae- storben den 29. April. ' 0 Denselben. Susanne Mathilde Sauerbier, des Bür Angekommene und abgereiste Fremden In den Gasthäusern. Im Einhorn.-. Hr. Dr. Geffken m. Fr., Asst ff. v. Wißmar. Hr. Dr. Tellkampf, Profeff. v. Berlin. Hr Luhr- mann, Kfm v. Dortmund. Hr. Strakosch, Fabrik, v. Münden. Hrn. Kfl. Heß v. Hamburg u. Lukas v Elberfelv. Fr. Gräfin v. Eiben m. Bedien, v. Reden bei Mecklenburg u. Fr. v. Westphal v. Mecklenburg. Hr. Stechmüller, Rent. v. Regensburg. Hr. Schwabe, Kfm. v. Storndorf. Hr. v. Lingen, Offiz, v Jülrch. Hr. Lauter, Kfm. v. Osnabrück. Hr de Tallenap m. Fam. u. Bedien., Gesandt, v. Paris. Hr. Krebs, Fabrik, v. Cöln. Hrn. Kst. Böckler v. Straßburg u. Herbert v. Fürth Hr. Sattler, Hauptagent v. Triest. Hrn. Kfl. Löwcnfeld v. Amsterdam u. Menger v. Hanau. Hr. Hummel, Balletmeist. v. Mainz. Hrn. Kfl. Bertram v. Frankfurt u Köferstein v. Mtich. Hr. Fischer, Oecon. v. Fulda. Hr. Adler, Kfm. v. Münster. Hr. Haslich, Kunstgärtn. v. Haarlem. Hr. Strock- Holter, Privatm. v. Neustadt. Hr. Lühr, Kfm. v. Leipzig. Hr. Dickinson, Rent. v. Hüll. Hr Häger, Grav. v. Heidelberg Hrn. Partie, v. Behrnegendank u. v. Malzahn v. Berlin. Hr. Werning, Kfm. v. Hannover. Hr Freiherr v. Petschow m. Fam. u Bedien , Rent. v. Copenhagen. Hr. Blenchenschmidt, Partie, v. Bürschcidt. Hr. Becker, Kfm. v. Oldenburg. Im Kappen: Hr. Werner m. Tocht, Forstmcist. v. Battenberg. Hrn. Kfl. Beper v. Frankfurt, Dörnberg v. Offenbach, Schäfer v. Kaufbcuern u. Maper v. Darmstadt. Hr. Cramer, Stud. v. Montabaur. Hr GöckuS, Kfm. v. Steinheim. Hr. Glier, Oecon v. Hannover. Hrn. Kfl. Bachmann v. Frankfurt u. Schlemm v. Hamburg. Hr. Junge, Hauptm. v. Luxemburg. Hrn. Fabrik. Löber v. Bielefeld u. Strauß v. Fürth. Hrn. Kfl. Ortenberg v. Schlitz u Hell- drod v. Aachen. Hr. Dittmar, Revierförst. v. Königsberg. Hr. Erck, Hüttcnbes. v. Berlin. Hrn. Kfl Lauter v. Frankfurt u. Schröder v Cöln. Hr Pagie, Comm. v Aschaffenburg. Hr. Darbp, Chem. v. London. Hrn. Kfl. Börgemann ». Bremen u. Gerdeler v. Darmstadt. Hr Klein, Privatm. v. CarlShütte. Hrn. Kfl Haas v. Hannover, Kochmüller v. Mainz u Boden v. Bremen. Hr. Couvrcur, Stud foest v. Bevep. Hrn. Kfl. Völkel v. Haiger u. Trillmann v. Ru- dolphstadt. Hr. Äasqiie, Propriet. v. Lyon Hrn Kfl. Spiegelberger v. Düsseldorf u. Kuhl v. Breslau. Hr. Wagner, Stud. v. Marburg. Hr. Werke, Bierbr. v. Frankfurt. Hr. Cahn, Kfm. v. Cöln. Hr. Busch, Forstgeh. v. Neuwied. Hr. WilmS, Apoth. v. Cöln. Hr. Mekwo, Maj. v. Coblcnz. Hr. Schüler, Bauaufsch. v. Lollar. Hrn. Kfl. Dürkheim v. Offenbach, Lauer u. Gericke v. Frankfurt. Hr. v. Gohr m Fr., Gutsbes. v. Hannover. Hrn. Kfl. Eller v. Mainz, Betz u. Schäfer v. Frankfurt. Im Prinz Carl: Hrn. Cand. Wirthwkin V. BÜdeSheitN u. Elgenbrodt v. Wimpfen. Hr. Scharmann m Sohn, Ge- schäftSm. v. Felda. Hr Spamer, Metzg. v. Schotten. Hr. Wagner, Oecon. v. Friedrichsdorf. Hrn. Partie. Winter v. Darmstadt u. Koch v. Isenburg. Hr Schönbein, Kfm. v. Altenburg. Hr. Geibel, Oecon. v. Altenstadt. Hr. Weil, Gärtn. v. Hanau. Hr. Krauli, Geschäftsm. v. Landau. Hr. Wehner, Fabrik, v. Büdingen. Hr. Hens, Kfm. v. Offenbach. Hr. Lehnhardt, Oecon. v. Friedberg. Hr. Stammler, Kfm. v. Saarlouis. Hr. Kleinstüber, Bürgermeist. v. Schönthal. Hr. Dellwig, Geom. v. Schotten. Hr. Kammer, Pacht, v. Umstadt. Hr. Lohberg, Privatm. v. Fritzlar. Hr. Borger, Spedit. v. Offenbach. Hr. Schwindler, Kfm. v. Bonn. Hr. Köhler, Oecon. v. Leisel. Hr Höhr, Uhrm. v. Schönau. Hr. Roth, Kfm. v. WormS. Hr. Schmitt, Privatm, Hrn. gers und Müllermeisters, Johannes Sauerbier, eheliche Tochter, alt 4 I. i T., gestorben den 28 April. Den 3. Mai. Gertrude Katharine Elise Juliane Reiber, des Bürgers und Schuhmachcrmeisters, Friedrich Reiber, ehe- liche Tochter, alt 2 I. 5 M. 8 T., gestorben den 1. Mai, vom 30. April bis 3. Mai 1847. Stud jur. Kirchner u. Walther v. Marburg. Hr Willmann, Geschäftsm. v. Großgeran. Hr. Harmes, Oecon. v. Berstadt. Hr v. Fach, Stud. phil. v. Breslau. Hr. Dippel, Oecon. v Leisel. Hr. Franck, Fabrik, v. Alsfeld. Hr. Löwenstein, Archit. v. Höchst. Hr. Vonhausen, Gutsbes. v. Altona. Hr. Heil, Geschäftsm. v. Bergheim. Hr. Estermann, Dr. med. v. Obersaulheim. Hr. Thieme, Kfm. ». Berlin. Im Hirsch: Hr. v. Trach, Stud v. Breslau. Hr. Lenzinger, Fabrik, v. Neustadt. Hr. Schmunkli, Geschäftsm. v. Dresden. Hr. Mürschncr, Stud. v. Haag. Im Stern: Hrn. Färb. Dohlen v. Lahr u. Steckler v. Worpswede. Hrn. Fuhrt HenS u. Girrmann v. Herborn. Hr. Wetter, Oecon. v. Ebershausen. Hr. Hofmann, Töpf. v. Wegscheidt. Hrn. Privatl. Klos v. Hatzfeld u. Hillgärtner v. Klimbach. Hrn. Mal. Wolti v. Zofingen u. Reiße v. St. Gallen. Frl. Thurlet, Schausp v. München. Hr. Rabenau, Küfer v. Großenbuseck. Hr. Beitner, Chir. u Hr. Veit, Schrein, v. Friedberg. Hr. Meper, Handelsm. v. Offenbach. Hrn Färb. Storiöppe v. Mirkolz, Tschippon u. Jäger v. Halberstadt. Hr. Wilhelm, Bürgermeist. v. Ger- denrod. Hr. Günther, Fuhrm. v. Paderborn. Jungfern Jung v. Arolsen u. Baum v. Hanau. Im Darmstaedter Haus HkN. Geschäfts! Blwckhardt v Reifenberg, Müller v Kirchgöns, Frohnhäuser u. Heil v. Biedenkopf u. Leidncr v. Winterberg. Hr. Stürz, Speicher- vcrwalt. v. Böhl. Hr. Eschle, Uhrm. v Furtwangen. Hrn. Geschäftsl. Hild v. Selters, Schüttler v. Brausen, Held v. Großzimmern, Becker v. Celle, Stock v. Hcbloö, Scheck v. Frankfurt, Zimmermann, Wagner u. Dohle v. Sellbach u. Schneider v. Dodenau. Hr. SüS, stud. v. Eltville. Hr. Schmitt, Geschäftsm v. Ziegenhain. in der Sonne: Hr. Wagner, Handelst», v. Beuern. Hrn. Geschäftsl. Mahler v. Winnenrod u. Seipp v. Homburg. Hr. Becker, Handelsm. v. Oberlauterbach Hrn. Geschäftsl Kamm u Birkhöfer v Heringshausen. Hr. Rönke, Hutmach' v. Königsberg. Hr. Köckritz, Fuhrm. u. Fr. Welwer m. Kind v. Stettin. in der Kose; Hr. List, Geschäfts!«, v. Lauterbach. Hr. Metzler, Schneid, v. Lich. Hr. Weisenhausen, Bergm. v. Kilianstätte. Hr. seibert, Schrein, v. Echzel Hr Prö- scher, Metzg. v. Ulrichstein. Hr. Rinck, Bcigeordnet. u. Hr. Lotz, Geschäftsm. v. Wommelshausen Hr. Jungker, Maur, v. Winnenrod. Hr. Weber, GeschäftSm. v. Hopfgarten. In den Privathäusern. Bei Fr. Regier. R. Heß: Hr. Heß, Gpm. v. Mainz u. Hr. v. Krug, Oberapp.-Gerichts-R. v. Darmstadt. — Bei Wittwe Scharmann: Fr. Zelt v. Beuern. — Bei Hrn. Schuhm. Felfing: Frl. Hermann v. Frankfurt. — Bei Hrm Stud. Oberndorfer: Hr. Löll, Oecon. v. Wehrdorf. — Bei Hrn Stud. Sonnemann: Hr. Sonnemann, Techn. v. Grünberg. — Bei Fr. Hofkamm.-R. Oßwald: Frl Bose v. Ortenberg. — Bei Hrn Stud. Zachariä: Hr. Kunz, Stud. v. Marburg u. Hr. Klein, Privatm. v. Biedenkopf. — Bei Hrn. Kfm. Landauer- Hr. Kaufmann m. Fr., Privatm. v. Schotten. — Bei Hrn. Profeff. Dr. Schäfer- Hr. Dr. Cröß- mann, Dircct. v. Friedberg. — Bei Fr. Nickolai: Fr. Schmelz v. Cassel. — Bei Fr. Kamm.-Secret. Schmitt: Hr. Wegelin, Stud. v. Büdingen. — Bei Hrn Wagn. Steinberger: Jung, fer Schlupp v. Lollar. — Bei Hrn. Schuhm. Rödel: Hr. Klamer, Bäckermeist. v. Friedberg. — Bei Fr. Poseincr: Hr. Poseiner, Bauaufseh, v. Grünberg. 249 Vermischtes. Wer verhängnisvolle Nagel. (Fortsetzung.) Reit stieg hinauf. Nach einer kleinen Weile kehrte er schnell zurück, holte aus der Küche und andern Orts herbei, wessen er benöthigt war, und eilte zu den Kranken wieder hinauf Niemand trat ihm hindernd in den Weg, denn Alles stoh vor ihm wie vor der Pest selbst. Als er nach längerem Aufenthalte wieder in die Gaststube trat, sprach er voll gerechter Entrüstung zu dem, vor ihm in einen Winkel gekrochenen Ehepaare: „O, Ihr herzlosen Menschen! Zieht Ihr nicht den meisten Gewinn von den polnischen Juden, die nur bei Euch einzukehren und einen schönen Thaler Geld aufgehen zu lassen pflegen? Un'o Ihr wäret grausam genug, die Kranken oh»e alle Hülfe zu lassen! Dem Verschmachten nahe sand ich sie bereits und welch' eine Blutschuld hätlet Ihr aus Euer Haupt und Haus geladen, wäre ich nicht in dem entscheidenden Augenblicke hergekommen! Bald bin ich wieder hier; bis dahin lasset die Kranken in Frieden." Neit begab sich in seine Wohnung — das jetzt von Gewächsen freie Gewächshaus — zurück. „Jst's wahr," rief ihm sein Wirth entgegen, „daß die Pest in den „drei Linden" ist und daß Ihr bei den Pestkranken gewesen seyd?" , „Wiederum ist die geschwätzige Zunge schneller gewesen als die helfende Hand," brummte Neit. „Ich versichere Euch, Freund Matthäus, daß Ihr nicht um ein Haar anders gethan hättet als ich. Denkt Euch! Menschen, es seyen Juden oder Christen, ohne allen Beistand zu lassen! Das Herz im Leibe wäre Euch zer- schmolzen bei dem Anblicke, den ich hatte. Als ich in die Stube der kranken Juden trete, empfängt mich eine übelriechende Stickluft, so daß mein erster Gang nach dem Fenster hin ist, um den davor befindlichen Vorhang zu entfernen und einen Flügel zu öffnen. Bei dem Scheine des nun hereinbrechenden Tagelichts erblickte ich in der Mitte des Zimmers eine halbnackte Menschengestalt, die, von schmerzenden Beulen schrecklich entstellt, wimmernd und auf allen Vieren kriechend, die flehenden Worte hervorlallt: „Wasser! o nur einen Schluck Wasser!" — Ich hebe den langbärtigen Mann, den ein heftiger Ficberfrost abschüttelt, auf sein Lager zurück und hole vor allen Dingen den begehrten Trunk herbei; dann gehe ich an das weiter Nölhige. Ich mußte Alles in Allem werden: Heber, Leger, Kammerdiener, Krankenwärter, Stubenmädchen, Köchin, Arzt, Apotheker, Tröster, doch das Letztere nur für den einen Juden, sintemal der andere bewußtlos lag. Fortan werde ich wohl meine Zeit meistens bei meinen polnischen Juden zubringen müssen." „Eure Hand her!" sagte Matthäus gerührt; „Ihr habt als barmherziger Samariter gehandelt. Doch woher nahmt Ihr den Muth, zu den Pestkranken zu gehen , die von Jedermann, selbst von Euren Standes- genossen, geflohen worden sind ?" „Wer mir den Muth gab, fragt Ihr?" entgegnete Neit; „Jener Nagel dort und dann Eure Vorwürfe! Zwar soll der Arzt selbst vor dem Teufel üch nicht fürchten, also auch nicht vor der Pest, obschon ich nicht glaube, daß diese tue beiden Juden in Besitz genommen hat. Aber ich habe den Lindenwirth und seine Frau in der Meinung gelassen, weil sie außerdem im Stande wären, meine beiden Patienten hinaus auf die Straße werfen zu lassen. Ansteckend mag die Krankheit wohl seyn: darum habe ich mich auch geweigert, Euch- die Hand zu geben, werde mich auch etwas fern von Euch halten, doch die Pest — nein, diese ist's nicht." „Sie war es doch nicht!" wiederholte Neit nach zwölf Tagen, als er mit vergnügtem Gesichte heimkehrte und vor seinen Wirth und dessen jetzt völlig hergestellte Mutter trat. „Wißt Jhr's, daß meine Juden vorhin nach Leipzig abgesegelt sind mit frischem Winde und frischer Gesundheit? Geld habe ich freilich nicht von ihnen für meine Mühe bekommen, dagegen großen Dank, herzlichen Händedruck und das Versprechen, in Zukunft sich bei mir abfinden zu wollen. Herrn Mädler's Rechnung hatte fast all ihr Reisegeld aufgeheu machen und zu den Wechseln mochten sie nicht greifen wollen, wie ich vermuthe. Denn daß sie noch etwas sehr Wenhvolles bei sich haben mußten, habe ich aus der großen Aengstlichkeit ersehen, mit welcher sie ihr Bettstroh bewachten." „Eine gute That belohnt sich schon von selbst," sagte Frau Nischeck. In seinem Schlosse zu Dresden saß der Churfürst von Sachsen und König von Polen, August der Starke, gefangen. Gefangen war Derselbe, der zinnerne Teller mit den Händen zusammenrollen, Hufeisen zerbrechen, Stierhälse auf einen Hieb durchtrennen und auf jeder Handfläche einen Menschen stehen zu lassen vermochte. Gefangen saß der Beherrscher mehrerer Millionen freier Unterthanen und zwar in den schlimmen Fesseln der — Krankheit. August II. saß wirklich, denn er hatte einen bösen Fuß, jedenfalls eine Folge seiner Unmäßigkeit int Essen, Trinken und Lieben. Nichts ist geeigneter, die menschliche Hoheit und Macht in ihrer Nichtigkeit erscheinen zu lassen, als Krankheit des Geistes oder des Leibes. August der Starke saß jetzt, ein schwacher, hinfälliger und hilfloser Mann mit einer Leidensmiene, in seinem weichen, vergoldeten Purpursessel und dachte seufzend der goldenen Tage seiner genußreichen Jugend. Theuer bezahlte Leibärzte kamen und gingen wieder, ohne daß sie dem königlichen Patienten hätten helfen können. 250 Man hatte des Königs Uebel für so gefährlich und bedenklich befunden, daß in einer Berathung der sämmtlichen Leibärzte die Frage aufgeworfen worden war, ob nicht die Wegnahme des kranken Fußes vom Körper durch die dringendste Nothwenvigkcit geboten werde? Allein da die sächsischen Jünger Aeskulap's auf ihre alleinige Verantwortlichkeit zu einem eben so gewaltsamen als leidigen Mittel nicht schreiten wollten, so hatte man einen Eilboten nach Paris abgehen lassen, welcher der dortigen medizinischen Fakultät eine genaue Beschreibung über den Stand und die jetzige Beschaffenheit des königlichen Fußübels hinterbringen und eine Entscheidung der aufgeworfenen Frage verlangen sollte. Natürlich wußte der Monarch nichts von der Gefahr, welche über seinem kranken Fuße und über seinem Haupte zugleich schwebte. Er duldete, litt und klagte. Seine Leute aber, welche jetzt keine guten Tage mehr bei ihrem Gebieter hatten, "erschöpften sich in Trost- und Heilmitteln, welche sie dem hohen Kranken submissest in Vorschlag brachten. Da geschah es eines Tages, daß mit des Königs Bewilligung ein neuer Heilkünstler in das hohe Krankenzimmer eingeführr wurde, und zwar zum größten Aerger der königlichen Leibärzte, welche sich, beobachtend und heimlich des Quacksalbers spottend, in einiger Entfernung ausgestellt hatten. Der Mann, welcher dem König rathen sollte, war nämlich kein Studirter und wenn noch heut' zu Tage die Studirten mit mitleidiger Geringschätzung auf alle Nichtsiudirten herabzublicken pstegen, so war dieß damals noch weit mehr der Fall. Der neue Heilkünstler war aber Niemand anders, als — unser Neit, welchen einer der königlichen Laguaien, auf die Kunde von der wunderbaren Herstellung der beiden Juden, seinem hohen Gebieter empfohlen hatte. Neit sah sich nicht mehr ähnlich. Sein braunes Haupthaar war frisirt, gepudert, gelockt und endete hinten in einen schwarzseidenen Haarbeutel. Ein seidener Frack mit breiter Stickerei und kurze Beinkleider von demselben Stoffe und rehfahler Farbe hatten die Stelle des Düffelrockes und der grauen Tuchhosen eingenommen. Eine weiße lange Atlasweste mit ihren breiten Taschen umfloß den ganzen Leib bis zur Ungebühr und ein Degen mit weiß lackirter Scheide und stahlblitzendem Griffe hing wehrhaft an der linken Seite. Biaßblaue Seidenstrümpfe mit rothen Zwickeln und Schuhe mit breiten, silbernen Schnallen schmückten das Untergestelle des Wundarztes, welchem nichts übrig geblieben war, als sein etwas kupferfarbiges Antlitz und der weit ausgreifende Paßgang, mit dem er sich in Begleitung seines Gönners, jenes anrathen- den Laquai's, dem Könige nahete. Aber Neit's Miene war eine finstere, ja Zorn verrathende; seine Stirn hatten drohende Falten überzogen, und seine zusammengekniffenen Lippen schienen nur mühsam schweigen zu wollen. So trat er vor den König hin, welchem er eine unbeholfene Verbeugung machte. August H. heftete einen Blick, in welchem sich Schmerz mit Verdruß paarte, auf den neuen Leibarzt, wendete dann das Antlitz abseits und streckte ächzend das kranke Bein vor, welches ein geschäftiger Diener von seinen mannigfachen Hüllen, Umschlägen und Pflastern zu befreien strebte, um der ärztlichen Untersuchung Vorschub zu leisten. Indessen hatte Neit 3eit. gehabt, seinen Monarchen, den er zum erstenmalc und noch dazu in solcher Nähe sah, aufmerksam zu betrachten. Hätte dieser eine goldene Königskrone statt der weißen Nachtmütze auf dem Haupte, einen Scepter statt des Krückenstvcks in der Hand getragen, als gewappneter Krieger mit dem Feldherrnstabe in der Rechten auf einem Streitrosse, wie er in Dresden's Neustadt in Erz abgebildet ist, anstatt auf dem Krankenstuhle gesessen, gewiß, Neit würde — dieß seh zu seiner Entschuldigung gesagt — nicht gewagt haben, zu sprechen, wie er in Wahrheit jetzt sprach. Beide Arme lang ausstreckend und starr auf die Stickerei der Aermel wie auf die Spitzenmanschetten blickend, hob der Wundarzt mit bitterm Tone an: „Nun, Ihr schönen Kleider! so sprecht und rathet doch, wie der königlichen Majestät da zu helfen sey! Ihr schweigt? Wollt nicht, rathen? Na, wie wird's? Bezeigt Ihr keinen Respekt vor Eurem hohen Herrn?" Wer malt hier das Erstaunen, wie den Schreck sämmtlicher Anwesenden bei dieser unehrcrbietigen Sprache des Heilkünstlers? Absonderlich trauten die Höflinge ihren durch Schmeichelei verwöhnten Ohren nicht, indeß die Hofmedici schadenfroh die Hände in ihren Rocktaschen rieben. Selbst der König geruhte über eine solche, noch nie vernommene Rede in ein allerhöchstes Staunen zu geraihen, welches sich durch einen Zornesblick auf den Sprecher, durch eine abwehrende Handbewegung und durch die hastig gesprochenen Worte: „Fort, fort mit ihm!" — kund gab. Der Hände viele waren hierauf bemüht, den gröblich aufgetretenen Wundarzt aus dem königlichen Krankenzimmer zu entfernen und in ein Seitenkabinet zu versetzen. Als hier alle mit Vorwürfen auf den Schweigsamen einstürzten , platzte bei diesem die längst schon im Innern flammende Bombe. Auf das gebohnte Tafelwerk nieder klatschte der Chapeau-bas. Ein heftiger Griff an die Schläfe und nach dem Nacken schickten jenem die beiden falschen Scitenlocken und den Haarbeutel nach. „Zum Teufel mit Euch und Eurem Wüste!" rief Neit, indeß unter seinen ungestüm zerrenden Händen die Näthe des engen Nockes krachten. „Mich wie ein neugebornes Kind einzuschnüren und zu windeln," ritz, ratz, die theuren Manschetten blieben stückweise an seinen Fingern hangen. „Sucht Euch einen Affen aus," die Weste flog vom Leibe, „den Ihr nach Eucrm Belieben anputzen könnt." Schuhe, Strümpfe und Beinkleider sanken unter Neit's Ungestüm zu Boden, der in ungleich kürzerer Zeit, als vorhin die Hofbedienten bedurft hatten, seine Umwandlung bewirkte. Mittlerweile sagte der Monarch zu seinem ganz bestürzten Lcibdiener: „Holleufer! Du hast mir einen Wahnwitzigen statt eines Arztes zugeführt." „Ach, Ew. Majestät," klagte Holleufer, „noch ganz versteinert bin ich vor Schreck und Entsetzen. Der Mensch war erst vollkommen vernünftig und nur dann, als wir ihm die Hofkleidung anlegten, begann er, sich ungebecdig zu zeigen. Wenn Ew. Majestät geruhen wollten, allergnädigst zu erlauben, daß der Mensch noch einmal und zwar in seiner schlichten Alltagskleidung vor Ew. Majestät erscheinen dürfte, vielleicht . . . soll man nicht Alles versuchen, um die großen Schmerzen Ew. Majestät möglichst zu lindern?" In dem Augenblicke, wo Reit das königliche Schloß zu verlassen sich anschickte, sah er sich von seinem Gönner Holleufer zurückgeholt und beschworen, die vorige Scene nicht zu wiederholen, sondern seine ganze Kunst aufzubieten, um dem hohen Patienten genugzu- thun. Gehorsam angelobend und folgsam wie ein Lamm schritt Neit dem Diener nach. (Fortsetzung folgt.) Wie Schil - wache. Im Jahr 1779, als in Nordamerika der Krieg mit den Engländern mit großer Lebhaftigkeit geführt wurde, war einmal eine Abtheilung des englischen Heeres am Ufer eines Flusses gelagert, und in einer durch die Natur so begünstigten Stellung, daß auch die geübteste Kriegskunst ihr nicht leicht beizukommen vermochte. Das Kriegführen in Amerika sah mehr einer Art von Wildjagd gleich, als einem regelmäßigen Feldzug. „Wenn ihr nach den Regeln der Kunst fechten wollt," sagte Washington zu seinen Soldaten, „so werdet ihr sicherlich den Kürzeren ziehen. Habt ihr aber so viel Kriegszucht gelernt, um einen vereinigten Angriff, und im Nothfall einen geordneten Rückzug machen zu können, so wird euch das Terrain eures Landes alle Jngenieurkünst ersparen." Dieser Grundsatz des amerikanischen Generals war so richtig, daß die englischen Soldaten fast mit nichts Anderem als mit dem Terrain zu kämpfen hatten. Die Amerikaner waren darauf bedacht gewesen, die Indianer in ihre Reihen- aufzunehmen , und diese leisteten ihnen Dienste in einer Weise der Kriegsführung, zu welcher ihre heimathliche Lebensart ste besonders geschickt machte, ©io sprangen aus ihren undurchdringlichen Wäldern und Gebüschen hervor, und richteten mit ihren Pfeilen und Beilen täglich Verheerungen in den Reihen der Engländer an, überfielen die Schildwachen, schnitten die Nachzügler ab, und wenn man sie dafür zur Nechen- 251 schast ziehen, und sie verfolgen wollte, so flüchteten sie sich mit einer Schnelligkeit, daß selbst die Reiterei sie nicht einholen konnte, in die Felsen und Gebirgsfesten, wohin ihnen zu folgen Verwegenheit gewesen wäre. Um diese ärgerliche Art von Kriegsführung, die so viel Verlust und so wenig Ehre eintrug, möglichst zu beschränken, pflegte jedes englische Regiment seine Außenposten weit vorzuschieben, Schildwachen in den Wäldern auszustellen, und um das Hauptkorps her beständige Runde machen zu lassen. Um diese Zeit war ein Regiment Fußgänger an den Gränzcn einer unübersehbaren Savanne aufgestellt. Sein besonderer Auftrag war, jeden Zugang zur Hauptarmee zu bewachen, und die Schildwachen, deren Posten in die Wälder vorgeschoben waren, von- Zeit zu Zeit abzulösen; der Dienst bei diesem Regiment war soniit gefahrreicher als der bei irgend einem andern. Auch der Verlust dieses Regiments war bedeutend. Die Schildwachen wurden auf ihren Posten immer von den Indianern überfallen und hinweggeschafft, ohne daß sie Allarm gemacht hatten, und ohne daß man nachher wieder etwas von ihnen hörte. Von der Art und Weise, wie man sie hinweg spedirte, war nachher keine ©pur mehr zu sehen; nur ein- oder zweimal entdeckte man einige Blutstropfen an den Blättern die an dem Boden lagen. Viele schrieben dieses unbegreifliche Verschwinden einem Verrath zu, und stützten sich dabei auf den unläUgbären Umstand, daß die so über- falienen Leute wenigstens ihre Musketen hätten abfeucrn können, und dadurch dem nächsten Posten ein Signal geben. Anderes die von dein Gedanken an Ver- rätherei nichts wissen wollten, begnügten sich damit, die Sache als ein Gebeimniß zu betrachten, das die Zeit schon aufkläreir werde. Eines Morgens, nachdem in der Nacht, wie gewöhnlich die Schildwachen ausgestanden waren, ging die Wache beim Sonnenaufgang vont Lager weg, um einen Posten abzulösen, der in beträchtlicher Entfernung im Walde stand. Der Posten war fort! Die Leute verwunderten sich, staunten, sahen einander an; allein der Fall war ja schon mehr vorgekommen. Sie ließen einen andern Mann da und zogen wieder ab, indem sie ihm besseres Glück wünschten. „Ihr braucht nicht zu sorgen," sagte der Mann mit Wärme, „ich werde nicht desertiren!" Die Ablösungsmannschaft kehrte nach dem Wachthaus zurück. ■ Die Schildwachen wurden alle vier Stunden av- gelöst, und zur festgesetzten Zeit märschirte die Wache wieder hinaus, um den Posten neu zu besetzen. Zu ihrem großen Entsetzen war der Mann fort! Sie suchten rings umher; aber es war keine Spur zu finden. Jetzt war es nöthiger als je, den Posten nicht leer zu lassen. Sie stellten also einen andern Mann hin, und zogen daiin wieder in's Wachthaus. Nun wurde der Aberglauben der Soldaten rege, und ein Gefühl des Schreckens lief durch das Regiment. Als der Oberst 252 von dem Umstand hörte, erklärte er, er wolle die Mannschaft selbst begleiten, wann die Schildwache abgelöst werde. Die Stunde kam, sie marschirten alle zusammen in den Wald hinein, — und stumm vor Schrecken sahen sie, daß der Posten leer war und der Mann fort! Unter diesen Umständen besann sich der Oberst, ob er den Platz mit einer ganzen Kompagnie besetzen, oder ihn abermals einer einzelnen Schildwache anvertrauen solle. Die Ursache dieses wiederholten Verschwindens von Männern, deren Muth und Ehrenhaftigkeit nie bezweifelt worden war, mußte herausgebracht werden, und wenn man bei der bisherigen Weise blieb, so hatte man wenig Wahrscheinlichkeit, diesen Zweck zu erreichen. Drei wackre Männer waren nun dem Regi- mente verloren gegangen, und einen vierten auf den Posten zu stellen, hieß ungefähr eben so viel, als ihn einem gewissen Untergang preisgeben. Der arme Bursche, an dem die Reihe war, den Posten zu beziehen, zitterte vom Kops bis zu den Füß n, obwohl sonst ein Mann von untadclhafter Cntjchlossinheit. „Ich muß meine Pflicht thun," sagte er zum Offizier, „ich weiß das; aber ich würde mein Leben lieber auf eine rühmlichere Weise verlieren/ „Kein Mann soll gegen seinen Willen hier Wache stehen," sagte der Oberst. Augenblicklich sprang ein anderer Soldat aus den Reihen hervor, und verlangte den Posten zu beziehen. Jedermann lobte seinen Entschluß. „Ich werde mich nicht lebendig gefangen nehmen lassen," sagte er, „und ihr sollt beim geringsten Geräusch von mir hören. Jedenfalls will ich mein Gewehr abschießeu, wenn ich auch nur die leiseste Bewegung vernehme. Wenn ein Vogel flattert, oder ein Blatt fällt, sollt ihr meine Muskete hören. Es kann sehn, daß ihr durch diese Weise aufgeschreckt werdet, während nichts dahinter ist; aber ihr müßt euch dies gefallen lassen, denn es ist die einzige Möglichkeit, der Sache auf den Sprung zu kommen." Der Oberste lobte seinen Muth, und sagte ihm, er thue ganz recht, beim geringsten zweifelhaften Geräusch Feuer zu geben. Seine Kameraden reichten ihm die Hand zum Abschied, und verließen ihn unter trüben Ahnungen. Die Kompagnie marschirte zurück, und erwartete den Erfolg im Wachthause. Eine Stunde war verstrichen, und jedes Ohr war auf der Lauer, um den Flintenschuß zu hören, als man auf einmal den Knall vernahm. Die Wachmannschaft machte sich augenblicklich auf den Marsch, begleitet, wie zuvor, von dem Oberst und einigen der er- sahrensten Ofsiziere des Regiments. Als sie sich dem Posten näherten, sahen sie den Mann auf sich zukom- men, wie er einen andern Mann am Kopfyaar auf dem Boden einher schleifte. Bei'm Näherkommen zeigte sich's daß cs ein Indianer war, den er geschossen hatte. Man verlangte sogleich weiteren Bericht von ihm. „Ich habe Ew. Gnaden gesagt," erzählte der Soldat, „daß ich bei'm leisesten Getöse Feuer geben würde. Dieser Entschluß hat mir das Leben gerettet. Ich stand noch nicht lange auf meinem Posten, als ich in geringer Entfernung Etwas rauschen hörte. Beim Hinsehen wurde ich ein amerikanisches Schwein gewahr, wie man sie gewöhnlich in diesen Wäldern sieht; das schnupperte so auf dem Boden hin, und schien unter den Bäumen und zwischen ven Blättern Nüsse zu suchen. Da diese Thicre so häufig sind, ließ ich es einige Minuten lang aus den Augen; weil ich aber immer auf der Hut und in beständiger Erwartung eines Angriffs war, sah ich doch wieder nach ihm hin, wie es so unter den Bäumen herum spazierte. Indessen hielt ich es nicht für nöthig, Lärm zu machen, und erwartete in meinen Gedanken die Gefahr von einer ganz andern Seite her. Doch fiel mir's auf als etwas Ungewöhnliches, daß das Thier rings um mich her ging, und einem dicken Gebüsch zusteuerte, das sich unmittelbar hinter meinem Posten befand. Ich beobachtete es deß- halb mit schärferem Blick; und als es nur noch einige Ellen von dem Gebüsch entfernt war, besann ich mich, ob ich nicht Feuer geben sollte. Aber fiel mir ein, meine Kameraden werden mich auslachen, wenn ich sie in Allarm setze dadurch, daß ich ein Schwein schieße. Ich war beinahe entschlossen, es gehen zu lassen, als es mir, gerade bei seiner Annäherung an das Dickicht, vorkam, wie wenn es einen ungewöhnlichen Sprung gemacht hätte. Nun zögerte ich nicht länger, ich zielte, schoß, und augenblicklich lag das Thier, vor mir ausgestreckt mit einem Schmerzenslaut, den ich nur einem menschlichen Wesen zuschreiben konnte. Ich ging darauf zu, und — denken Sie sich mein Erstaunen, als ich fand, daß ich einen Indianer getödtet hatte! Er hatte sich in die Haut eines dieser wilden Schweine so künstlich und vollständig eingehüllt, seine Hände und Füße waren so gänzlich darin versteckt, und sein Gang und Aussehen waren dem eines Schweines so ähnlich, daß man von der Entfernung aus den Betrug unmöglich entdecken konnte, da man ohnedies die Gestalt zwischen den Bäumen und Gebüschen hindurch nie ganz vollständig erblickte; und auch bei näherer Untersuchung würde man kaum darauf gekommen sehn. Der Mann war mit einem Dolch und einem Tomahawk bewaffnet." Dies war der Inhalt der Erzählung des Soloaten. Nun wußte man, auf welche Weise die andern Schildwachen verschwunden waren. Der Indianer verbarg sich unter dem Schutz dieser Verkleidung im Gebüsch, lauerte auf den Augenblick, wo er sie abwerfen konnte, sprang ohne vorheriges Geräusch auf die Schildwache los, und zwar so schnell, daß sie ihr Gewehr nicht mehr abfeuern konnte. So konnte er die Leute erdolchen oder scalpiren, und schleppte dann ihre Leichname hinweg, um sie in einiger Entfernung unter einem Haufen Blätter zu verstecken. Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.