Imzeigeblatt für die Stadt und den Kreis Gießen. 62. Mittwoch den 4. August 1S47. Amtlicher T h e i l. Gießen am 30. Juli 1847. Betreffend: Die Aufstellung der Tagebücher über den Besitzwechsel der Immobilien. Der Großherzoglich Hessische Steuercommissär Hirsch an sämmtliche Herren Bürgermeister des Steuerbezirkö Gießen. Mit Bezugnahme auf das Ausschreiben vom 10. Juni d. I. im Anzeigcblalt 3$ 48. wollen Sie nunmehr die Tagebücher über den Besitzwechscl der Immobilien abschlicßen und ohne weiteren Verzug mit den betreffenden Urkunden, Meßbriefen rc. zur weiteren 'Amtshandlung an mich einsenden Damit die Brandversicherungskatastcr in Beziehung des Besitzes in völlige Uebereinstimmung mit den Grundsteuerkatastern gelangen, wollen Sie erstere genau durchgehen und die hiernach nöthigen Abänderungen in die vorgeschriebenen Verzeichnisse über die Bcsitzwcchsel der Gebäude eintragen. Hirsch. Besondere Bekanntmachungen. 1401) Diejenigen Debeilten, welche mit der Bezablung des 2ten Ziels der Communalsteuer und der Schulgelder vom 2ten Quartal b. I. — von den gegenwärtig schulpflichtigen und im lausende» Jahre confirinirten Kindern — noch im Rückstände sind, werden hiermit aufgefordert, diese Gelder binnen 8 Tagen an die Stadtkaffe zu berichtigen. Gießen am 2. August 1847. Der Stadtrechncr Enders. 1404) Main - Weser - Eisenbahn. An dem Einschnitte im Gambacher Wald finden Arbeiter Beschäftigung auf mehrere Jahre Dabei wird bemerkt, daß eine Baracke mit Schlasstäiten und zur Beköstigung der Arbeiter hergestellt, und zu erwarten ist, daß die Eröffnung der Speisean- stalt in der Kürze stattfinden wird. Für einen Arbeitstag ist auf einen mittleren Verdienst von mindestens 40 Kreuzern, in der Regel von gegen 50 Kreuzern bei fleißigen Arbeitern zu rechnen. Butzbach den 31. Juli 1847. Der Gr. Sections-Ingenieur der Section Butzbach. Meyer. 1402) Marktverlegung. Der auf Mittwoch den 18. August l. I. fallende Markt zu Nidda ist, wegen der an diesem Tage stattfiridenden Loosziehung deb Militärpflichtigen des Kreises Nidda, auf Donnerstag den 19. desselben Monats verlegt worden, was man hierdurch zur öffentlichen Kenntniß bringt. Nidda den 30. Juli 4847. Der Gr. Bürgermeister Riddel. Versteigerungen. 1407) Arbcitsvcrsteigcrung bei Ver Stadt Gießen. Handarbeit, veranschlagt zu 10 fl. Sfr. Fuhrenarbeit, „ ,, 10 „ 48 „ soll , Mittwoch den 4. August d. I., Vormittags 8 Uhr, auf dem Ratbhause dahier an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen den 2. August 1847. I. V. d. B. der Beigeordnete Rühl. 460 1406) Montag den 23. d. M>, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathdause auf freiwilliges Ansuchen der Bäckermeister Balthasar Weivigs Wittwe dahier, deren zustchende Güterstücke, als: □klafter. 276 Acker, am Krosdorfer Weg, 299 Acker, am Wiesmarcr Weg, links, 427 A cker, am Krofkorser Weg an der Brücke, 365 Acker, an der Weilburger Grenze, 318 Acker, an dem Gleiberger Weg, 265 Acker, hinter den Schießgärten an der NodKeimer Straße, 400 Acker, am alten Schlag, 164 Acker, am Heegstrauch, am Weg, 366 Acker, am Grüninger Pfad, an das Hospital, 273 Acker, am alten Feld, an dem Bruch, 323 Acker, im Gartfeld, 322 Wiese, daselbst, 90 Acker, auf dem Sand, 189 Acker, an der Sleinkaute, gegen die Hohl, 214 Acker, auf den Weg, 316 Acker, in der Lichtenau, auf die Wiesen, 296 Acker, an der Warth, 202 Acker, am Mittelweg, 538 Acker, auf dem Laufertsröderweg, 175 Wiesegartcn, im Gartfeld, 10t Acker, auf dem Aulweg, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 2. August 1847. Der Beigeordnete Rühl. 1386) lKtrohlieferuüg. Mittwoch den 11. August d. I., Vormittags 10 Uhr, soll aus dem Directorial-Büreau dahier, die Lieferung von 25 Fuder Roggenstroh, für die hiesige Anstalt, in fünf gleichen Abtheilungen, an dieWe- nigstfordernden einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden, wovon man die Steigliebhaber in Kenntniß setzt. Murienschloß am 28. Juli 1847. I. «. der Verwalter Bauer. 1381) Versteigerung von städtischen Grundstücken. Nachfolgende städtische Grundstücke, nämlich: 1070,03 L)Klaftcr oder 31513/J6 Ruthen Acker, die s. g. Sandkaut, links des Schiffenberger Wegs, 190,7 ^Klafter oder 56 Ruthen 5 Sch., als Rest des zum Schiffenberger Wege verwendeten Ackers des Gastnaltcrs Justus Müller sollen, da die bei der ersten Versteigerung geschehenen Gebote nicht annehmbar erschienen, Samstag den 7. August l. I., Vormittags 9 Uhr, einer nochmaligen Versteigerung ausgesetzt werden. Gießen den 28. Juli 1847. I. V. d B. der Beigeordnete Rühl. 1363) Samstag den 7. August, Nachmittags 3 Uhr, werde ich zu Dorlar auf dem Rathhause die noch in brauchbarem Zustande befindlichen Brauereige- räthe dieser Gemeinde, bestehend in einer kupfernen Braupfanne, einem Maisch-, Kühl- und Würzbottich (1390, 1550, 1330 und 820 Quart haltend), einem steinernen Maischtrog rc., einer Versteigerung aussitzen. Atzbach, den 22. Juli 1847. Königl. Preuß. Bürgermeister- Amt. E o l » o t. 1414) Nächsten Freitag den 6. August, Vormittags um 8 Uhr, sollen I. die Reparaturarbeiten an dem hiesigen Backhaus, als: 1) Maurerarbeit, im Voranschlag zu 40fl. 48fr. 2) Zimmerarbeit, „ 3) Schreinerarbeit,,, 4) Weißbinderarbeit, 5) Schlosierarbeit, „ 6) Glcherarbeit, „ ‘ „ 1 „ „ n 48 ,, 12 „ „ „31 „ 46 ,, „ „ 9 „ 12 „ ,, „ b ,, 20 ,, JI. die Reparaturarbeiten an dem Spritzenhaus, als: 1) Maurerarbeit, im Voranschlag zu 3 fl. 30 fr. 2) Schreinerarbeit, „ „ „ 9 „ 50 „ 3) Weißbinderarbeit, „ ,, 21 „ 27 „ an den Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden. Naunheim den 2. August 1847. Der Bürgermeister Schäfer. 1399) Arbeitsversteigerung. Künftigen Donnerstag den 5. August, Vormittags 11 Uhr, soll auf dem Rathhaus.- dahier die Anfertigung eines Stückes Mauer zur Einfriedigung des Friedhofs, zu 511 fl. veranschlagt, unter den,im Ter- 461 mitt eröffnet werdenden Bedingungen wenigstneh- mend versteigert werden. Ullendorf a. d. Lumda, den 29. Juli 1847. Der Gr. Bürgermeister Wagner. F e i l g e b o l e n, 1415) Die vormals Ludwig Reuschling'scbe, an der Straße von Gießen nach Wetzlar in Klein- linden gelegene Hofrailhe, bestehend in Wohnhaus, Holzschoppen. Pferdestall und einem Saalboden, nebst einem Garien und einem daranstoßenden Acker, sich zum Betrieb einer Wirtbschaft sehr vortheilbaft eignend, ist aus freier Hand zu verkaufen und sind die näheren Bedingungen bei dem Unterzeichneten zu erfahren. Gießen den 1. August 1817. Ludwig S ey d, Gr. Hofgerichts-Advocat (in dem Hause des Herrn Tapezierer Reiber auf dem Kreuz.) 1365) Neue (I847r) holländische Häringe habe ich die erste Sendung erhalte». L. Iah reis. 1389) Weinverkauf über die Straße bei Silberetsen. Weiße Weine: 1846r Forster Riesling, die halbe Maas „ Hochheimer, " „ " „ Rüdesheimer, „ " „ „ Algeehoimer Goldberg, ,, ,, 1842r Rauenthaler Berg, „ „ „ 1844r Oestricher, „ „ „ 1846r Pfälzer, „ „ „ Rothe Weine: 1846r Aßmannshauser, die halbe Maas 1 „ Ingelheimer, „ „ „ Roussillon, „ „ „ 48 fr. 40 ,, 36 n 36 „ 36 „ 24 „ 18 „ ff. 40 fr. 48 „ ebenso verkaufe ich Bischoff, die halbe Maas zu 1 ff. und Weinessig, die Maas zu 10 fr. Sämmtliche Sorten in der Ohm billiger. 1397) 60—70 Gcbund Ried (Liesch), aus Teichen geerntet, sind in Commission zu verkaufen. Refleftirende wollen sich wenden an F. Zinßer, Küfermeister. 4398) Reue holländische Häringe und Sardel- len, trocknes Obst, Sei f, Limburger Käse, Perlgerste, Limonade, Bischoff und Punsch-Essenz u. s. w. bei Höstereich, auf der Mäuöburg. 1412) Gemalte Rouleaux zu den billigsten Preisen, bringe ich in empfehlende Erinnerung. E. Strack. 1409) Ein vollständiges Schmicde-Handwerksge- schirr steht zu verkaufen bei Konrad Zehners Erben zu Gallmigshausen. 1393) Der Unterzeichnete beehrt sich, einem verehrten Publikum die ergebenste Anzeige zu machen, daß er auch diesen nächsten Markt bezieht mit seinen schon längst berühmten und anerkannt guten Offenbacher Pfeffernüssen in 2 Sorten, magenstärkendem Magenbrod, ächtem Schiffbrod, Makro- nen, Nürnberger und Baseler Mantel-Lebkuchen, ächten Ackern, ännischen Brustpapillottcn, Theebrod, Tkeebretzeln, Wurmkuchen und noch mehreren anderen neuen frischen Conditoreilvaareu, und bemerkt zugleich, daß er erst den uächstkommenden October-Markt wieder beziehen wird. Er bittet um so mehr, daß man ihn dießmal mit recht zahl-! reichem Zuspruch beehren wolle, indem er die Zusicherung ertheilt, daß seine geehrten Kunden und alle, die ihn mit ihrem Besuche beehren, auf das Reellste und Billigste behandelt werden sollen. Seine Bude ist vor dem Neustädter Thor, mit der Firma: A. Urff und Sohn, Conditor. Zu vermiethen. 1337) Zn der Wallthorstraße sind einige möb- lirte Zimmer monatlich oder halbjährig zu vermie- thcn. Wo? sagt die Erped. d. Blatts. 1394) Zn meinem Hause ist eine Familienwohnung, bestehend in 2 aneinanderstoßenden Zimmern , einer Kammer, Holzplatz, Keller und sonstigen Räumlichkeiten, zu vermiethen, welche bis den 1. Oktober d. I. bezogen werden kann. Friedrich Wissig, am Asterweg. 1395) Ein in der Hauptstraße gelegener Laden ist mit oder ohne Logis zu vermiethen, oder das ganze Haus zu verkaufen. Näheres bei der Erped. 1400) Zn Bezug auf die Anzeige vom 24. Juli 1360 wird bemerkt, daß bei Unterzeichneter 2 Stuben zu vermiethen sind, wobei zugleich die Kost gegeben werden kann. Revierförstcr Reitz Wittwe, Flügelsgaffe Lit. A. M. 74. 1413) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei H. Schaffstädt, auf dem Reichensand. 1370) Eine Scheuer ist zu vermiethen. Wo? sagt die Redaktion dieses Blattes. 462 VermischteNachrichten. - Verein» Hauptversammlung hiesiger Localsection nächsten Samstag den 7. I M. Abends präeis 6 Uhr. Vorkommender Gegenstand: I Vortrag des Herrn Professor vr. von Ritgen, über die mit dem hiesigen Local-Geweih- Verein verknüpfte Unterrichts- Anstalt und deren bisherige Leitung. II. Berathung über die Ursachen des Verfalls des Gewerb-Ver- eins und des Mangels an Theilnahme daran. Gießen am 1. August 1847. Der Vorstand. kos) Damen-Vorlesung. Die verehrten Teilnehmerinnen werden hierdurch ersucht, sich zur nächsten Vorlesung über „die Hülsenfrüchte, Getraide und Brod" Freitag den 6. August, Abends um 6 Uhr, im Saale des Buschischen Gartens einfinden zu wollen. Dr. F. Knapp. 1411) Ich bringe hiermit zur Anzeige, daß meine Betkfedernreim'gungs-Masctnne auf das Vollkommenste hergestellt ist, und bemerke, daß das Reinigen ter gebrauchten Federn so schnell gebt, daß Jedermann gleich darauf warten kann; auch können sich Leute ihre Federn aus dieser Maschine in meinem Lokale gegen eine ganz geringe Vergütung selbst reinigen. Dieselbe entspricht jeder Erwartung. Ed. Strack, wohnhaft bei PH. Oppermann in der Neustadt. 1396) Es wurde vorigen Montag den 26. Juli ein dunkelgrüner seidener Regenschirm mit einem Angekommene und abgereiste Fremden In den Gasthäuse r n. im Kappen: Fr. Lieutn. Weigett m. Fam u. Bedien, v. Magdeburg. Hrn Kfl. Haberkorn ». Betz v. Frankfurt, Jäger v. Mainz, Arnold v. Bamberg, Brettmann v Leipzig, Meper v. Weimar u. Schösser v. Hanau. Hr. Klein, Jnsp. v. Karlshütle. Hr. Vopes, Gutsbes v. Hannover. Hrn. Kfl. Nickolai v. Nürnberg, Koch v Marburg, Bopp v. Darm, stadt, Lotz v. Cöln u Reinhardt v. Frankfurt. Fr. Amtsr. Dieterich v. Watzum Hr. Dittmar, Revierförss. ».Königsberg. Hrn. Kfl. Wolff v. Düsseldorf u. Walz v. Cassel. Hr. Scheibe, Gpmn.-Lehr. v. Neustrelitz. Hr. Bep, Profess. Haken am Griffe gegen einen von blauem Zeug, ebenfalls mit einem Haken, aiff dem hiesigen Kli> nikum vertauscht. Man bittet die Verwechselung zu berichtigen. Hermann Weber, Stuck. med. in Gießen. 1410) In dem anmuthigen Sälchen des früher dem Herrn Hofkammerrath Oßwald angehörigen Locals zu Gleiberg, findet Sonntag den 8. August l. I. Tanz-Musik Statt. Gießen den 3. August 1847. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 29. Juli. Dem Bürger und Müllermeister , Ludwig Wernz, ein Sohn, Friedrich, geboren den 1. Juli. Den 1. August. Eine uneheliche Tochter, Josephine Karoline, geboren den 24. Juli. Beerdigte. Den 2 4. Juli Elisabethe Köhler, des Ortsbürgers und Ackermanns, Johannes Köhler zu RüddingS- haufen, Ehefrau, geborne Becker, alt 31 I. 6 M. 21 T., gestorben den 22 Juli. Den 30. Juli. Emil Pfeifer, des Ortsbürgers, Christoph Pfeifer zu Krofdorf, ehelicher Sohn, alt 6 M. 21 T , gestorben den 28. Juli. vom 30. Juli bis 2. August 1847. v. Marburg. Hrn. Kfl. Burger v. Speper u. Glaser v. Hanau. Hr. Halbig, Gutsbes. v. Hannover. Hrn. Kfl. Heinz v. Elberfeld, Sch.ide v. Darmstadt, Enke v. Erfurt, Götz v Barmen u. Jaub v. Cöln Hr. Reininger, Bau- aufseh. v. Alsfeld Hr. Wallerstein m Fam. u. Bedien, Regier.-R v. Berlin. Hr. v. Ecklofstein, Kammerhr. v. Oldenburg. Hrn Kfl. Feldhcim v. Mainz u. Strauß v. Frankfurt. Hr. Simmer, Stud v. Heidelberg. Hr. Weber, Privatm. v. Stuttgart. Hr. v. Holde m Bedien., Gutsbes. v. Hannover. Hrn. Kfl Hirsch v. Mainz, Gärtner v. Würzburg u Pfeiffer v. Cassel. im Einhom-. Hrn Kfl. Färber v. Elberfeld u. Krimbe 463 v. Erfurt Hr. Schlönner, Fabrik, v. Wien. Hr. Solo- mann m. Fam u. Bedien, Maj. v Braunschweig. Hr. Romann, Kfm. v. Lahr. Fr. v. Baving m Fam. u. Bedien v Hannover. Fr. Oberpostmeist. Nebelthau m Fam. u. Bedien, v. Cassel. Hr. Bernhardi, Jnspcct. v. Magdeburg. Hrn. Kfl. Wiebel v. Halle u Schneider v. Leipzig. Hr. Bernot, Buchhändl. v. Frankfurt. Hr. Freiherr v Grollstein m. Fam u. Bedien , Capit. v Wien Hrn. Kfl. Lipp- mann v. Mainz u. Thomann v. Straßburg. Hr Baron v. Süden m. Fam. u Bedien., Geh. Staatsr v. Cassel. Hrn. Kfl Gallap v. New-Orleans, Barfuß v. Mühlheim u. Workrammer v Fürth Hr. Lenders, Partie v. Posen. Hr. Castcndick, Conduct. v. Mainz. Hrn. Nent. Hackthis v. Livorno u. Argumanctz v. Venedig. Hr Baron v. Sänger m. Fr., Hauptm. s. Mm. Hr. v. Laspepreb, Dr. jur. v. Venedig. Hrn. Kfl. Meinche v. Baltimore, Wagner v. Lpon u. Baper v Hannover. im Prinz Carl: Hr Hausler, Privatm. v. Cassel. Fr. Schäfer v. Sellnrod. Hr. Becker, Posth. v. Battenberg. Hrn. Kfl. Lehr v. Coblenz u Dreimann v. Schlüchtern. Hr. Borger, Spedit v. Offenbach. Hr. Otterbein, Kfm. v. Magdeburg. Hr. HohhauS, Fabrik, v. Worms. Hr. Bauer, Oeeon. v. Lieblos. Hrn. Fuhrt Hoos v. Rabenscheidt u. Brandcnbergcr v. Meisenberg. Hr. Barthfeld, Fäbrik. v. Caffel. Hr. Claus, Oeeon. v. Florstadt. Hrn Handelst. Grauleich v. Oberseibertenrod ». Kaufmann v. Bobenhausen. Hr. Lindhorst, Fabrik, v. Dillenburg Hr. Traisbach, Fuhrm. V. Berleburg. Im Ilarmstaedter Haus: Hk. Schäfer, GeschäftsM. v. Allendorf. Fr Schutt n Fr. Becker v. Battenberg Hr. Hensel, Seifensied. v. Bornheim. Hr. Bellevontain, GeschäftsM. v. Hadamar Hr. Windhaus, Schneidermeifl. v. Darmstadt. Hrn. Geschästsl. Geißner v. Lollar, Henz v. Großenbuscck, Lange v. Darmstadt, Fischer v Offenbach u. Becker v. Homberg Hr Alte, Goldarbeit v Zelle. Im Stern Hr. Schweizer, Färb. v. Ferschütz. Hr. Stühler, Privatm. v. Wettsaasen. Jungfer Trevers v. Lauterbach. Hr. Müller, Privatm v Nordecken Fr Kohl v. Heckborn. Hr Stieber, Sattl. v. Wölfersheim. Hrn. Schuhm. Stittler u. Gaßche v. Seebnitz. Hrn. Steinh Noll v. Bettenhausen, Kilian v. Großheibach u. Keller v. Fechebach. In der Sonne: Hrn. Handelsl. Müller v. Ershausen ii. Roß v Kelpenhain. Fr. Goldmann v. Ershausen. Hr. Levi, Geschästsm. v. Caffel. in der Rose: Hr. Hermann, GeschäftsM. v. Mainzlar. Hrn. Handelsl. Schmidt m Fr. u. Mehl v. Hochelheim. Hr. Emmrich, Oeeon v. Bleichenbach. Hr. Pröscher, Gastw. v. Ulrichstein. Hr. Wolf, Steinh. v. Lich. Hr. Klingelhöfer, Schneid v. Gladenbach. In den Privathäuscrn. Bei Hrn. Hofger-R a. Grolman: Hr. v. Mettingh m. Fam.. Geh. Legat.-R. v. Berlin. — Bei Hrn. Hofger.-R. Schäffer: Hr Treffer. Fabrik, v. Alsfeld. — Bei Hrn. Hofger.-Advoc. Dr Engelbach: Fr. Stallmeist„v. Schmal, kaldcr v. Darmstadt. — Bei Hrn. Glaser Ganz: Hr. Grölz, Glaser v. Staufenberg. — Bei Hrn. Hofger -Ped. Schwalb: Hr. Sudheimer-, Realschül v. Grünberg. — Bei Hin. Kfm. Hirsch: Hr Grünewald, Hanrelsm. v. Großenbuseck. — Bei Hrn. Crimin-Richt Klingelhöfer: Hr. Ebel, Landricht. v. Fürth. - Bei Fr. Rcntamtm. Krebs: Frl. Vieß v. Fürth u. Fr. Pfarr Weitzel m. Tocht. v. Biedenkopf. — Bei Hrn. Hofgcr.-Secret. Balser: Fr. Hauptm. Schmidt u Fr. Geh. Regier.-R. Cramer v. Berstadt. — Bei Hrn. Acecff. Elwert: Hr. Neidhardt, Privatm v. Darmstadt.k— Bei Fr. Milit.- Arzt Faustmann: Hr. Faustmann, Lehr. v. Fürth. — Bei Hrn. Geh Just-R. v. Helmolt: Fr. Weinrich «.Frankfurt. — Bei Hrn Hofger -Secret. Stürz: Hr. Dr Spanier m. Fr, Kreisr. v. Büdingen. — Bei Frl. Windecker: Frl Groß v. Friedberg. — Bei Fr Amtm. Euler: Fr. v. Rabenau v. Berstadt. - Bei Hrn Gpmn. Rübsamen: Hr Glaser, Reet, v. Grünberg. — Bei Hrn. 8lud Faustmann: Hr. Wagner, Bäck. v. Worms. — Bei Hrn. Andr. Stohr: Jungfer Franz v. Bischoffen. — Bei Hrn. Kim. Münch: Fr Rentmcist. Reichmann v. Hohensolms. — Bei Hrn Bauaufseh. Schäcker:. Hr. Weigel m. Fr., Speisemeifl. v. Marienschloß. — Bei Hrn. Fuhrm. Rinn: Hrn Privatl. I Formhals u. G Formhals v. Allendorf. — Bei Hrn. Schuhm. Hanitsch: Fr. Ulrich v. Großostheim. — Bei Wittwe Gärth: Jungfer Hölscher v. Alsfeld. — Bei Hrn. Kupferschm. Vogt: Hrn Privatl Vogt u. Mundigel v. Friedberg. — Bei Hrn. Catast.-Geom Euler: Frl Reitz v. Biedenkopf u. Hr. Bnß, Steucr-Commiss. v. Schotten. — Bei Fr. Feldwcb. Eckstein: Hr. Eckstein, Access, v. Büdingen. — Bei Frl. v Dreskp: Hr. v. Seeger m. Fr., Privatm v. Stuttgart. — Bei Hrn. Kfm. Hirschhorn: Fr. Dorndorf v. Frankfurt. — Bei Hrn. Musikdirect. Hoffmann: Hr Engelbach, Reet v. Biedenkopf. — Bei Hrn. Kfm. Wallach: Hr. Hornberger, Kfm. v Darmstadt. — Bei Hrn. Buchdr. Stich: Hr. Queckbörner, Privatm. v. Wettsaasen. Unterhaltendes und Gemeinnütziges. Die jetzigen gesellschaftlichen Zustände. Zukunft der Handwerker. In unfern regsamen Tagen, wo fast stündlich die Conemrenz unter den Gewerbtreibenden wächst, ist es wohl nicht am unrechten Orte, die Sache einmal zu beleuchten und gleichzeitig Eltern und Vormünder aufzufordern, den Kindern und Pflegbefohlenen all den Unterricht angedeihen zu lassen, welcher zu dem gesicherten Gewerbsbctriebe und Wohlstand mittelbar oder unmittelbar hinführen und mitwirken kann. Es ist dringendes Bedürfniß, daß die Eltern dieß recht einsehen, begreifen und beherzigen. Nicht die Zeiten sind schlecht, nein! die Menschen sind beschränkt, welche die Zeit' und ihre Forderung nicht begreifen, die Bedürfnisse derselben nicht erkennen und bei guter Zeit zu ihrem Vortheile benutzen. Kein Mensch, selbst nicht die Regierungen sind im Stande den Verfall der Handgewerbe aufzuhalten und zu verhindern. Die Zeit und mit ihr die Ge- werbindustrie schreitet fort, sie sind nicht aufzuhalten, die Mode regiert, Erfindungen und Verbesserungen tauchen von allen Seiten auf, neue Gewerbe entstehen — uralte ersterben des langsamen Todes. Könnt ihr die Zeit nicht erfassen, begreifen, mit ihr forteilen: sie läßt euch zurück und verurtheilt euch mit eurem Fleiße und Rechtschaffenheit zum Hunger, sie gibt euch dem Verderben Preis. Traurige Aussicht für die Handgewerbe. Blicket hin! Eure Väter und Urgroßväter haben iiberspon- nene Hemdenknöpfe getragen, tausende von Knvpf- webstühlen wurden dadurch beschäftigt und zehntausend Hände und Füße in Bewegung gesetzt. Dieß schöne Geschäft ist hin, für immer, denn die Perlmutter- 464 knöpfe sind nicht nur schöner und dauerhafter, sondern auch billiger. Wohin sind die zahlreichen Wollenwebcr und Wollenspinner gekommen? — Sie sind verdorben und gestorben; denn die Maschinenspinnereim haben das Spinnrad der Wollenspinnerinnen gelähmt und dem Weber das Handwerk gelegt Die Finger, die jetzt noch Wolle zupfen, kann man zählen und auch die Schönfärber unterliegen den Unbilden der schlechten Zeit, in welcher alle diese Produkte unendlich billig geworden sind. Auf diese Art verarmt der Handwerker nnd die Fabrikanten werden reich, Fabrikanten, die auf Messen und Märkten ost in Champagner schwelgen und den Schweiß ihrer Arbeiter, ja, Vas Blut desselben zu Gold und Silber münzen, Fabrikanten mit harten Shylocks-Herzcn, die nicht wissen, wie es'einem Arbeiter zu Muthe ist, dessen Kinder nach Brod schreien und vor dessen Thür das Elend ruhet, so lange erlebt. Jetzt wieder zurück zu unserm Gegenstand, zu einem Gegenstand tiefer und ernster Betrachtung. Wohin ist die zahlreiche Gilde der Gürtler und Geschmeidemachcr, der Strumpfwirker, der Gelb- und Rothgießer, der Nagelschmiede, so wie der Kürschner gekommen? Geht auf den Markt, kaum, daß man noch weiß, was sie verfertigt haben. So sind im Laufe der Zeit Gewerbszweige untergegangen und dafür zahlreiche neue entstanden. Wo ist die Zeit der Perücken? Wer selbiger noch gedenken kann, der wird wissen, welchen Verdienst die Perückenmacher davon trugen. Werfen wir jetzt einen Blick ans die Federbüsche, welche auf Damenhütcn prangten. Nur das Mode- Journal aus jener Zeit gibt uns heute Kunde, welsches da sagt, daß die Federbusch-Jndustrie jener Zeit ein jährliches Kapital von 30 Millionen Gulden in Umlauf brachte und tausende von Händen in Bewegung setzte. Sie mußten den künstlichen Blumen weichen, welche mcistentheils aus Paris zu uns nach Deutschland kommen und so das Geld der Deutschen ins Ausland schleppen. Man hat es zwar in Verfertigung dieses Artikels bei uns zu großer Vollkommenheit gebracht, der Deutsche aber, der Affe fremder Nationen, ist bekanntlich stets dem Auslande hold und wenn irgend ein Ding aus London _ oder Paris ist, so zahlt er gern das Doppelte, wenn er es avch zu Hanse billiger und schöner erhalten kölinte. Die Franzosen und Engländer lachen freilich über solche Bornirtheit und Dummheit, nnd das mit Recht, denn in diesem Punkte steht der Deutsche wirklich zu lächerlich und erbärmlich da. Jetzt einen Blick aus das Spinnen des Flachses. Meilenweit kann man gehen, ehe man ein Spinnrad schnurren hört, jene Zierde wackerer Hausfrauen. Die Flachsspinnmaschine ist Herr und Gebieter geworden. Bald wird das letzte Spinnrad in den Ofen wandern oder irgend ein alles Mütterlein wird sich damit ein Schälchen Kaffee kochen, und was das bin- und herschießende Schifflein des Leinwebers an- belangt, so hat das Erlöschen der Handspinnerei schonten Ton zum Todtenliede angestimmt, bis daß cs über kurz oder lang auch zur ewigen Ruhe ein- gehen wird. ' Wer jetzt in einer Stadt einen Zinngießer suchen will, der möchte wandern wie der ewige Jude. Woher kommt dieß? Porcellain nnd Steingut, das von Tag zu Tag billiger geworden, hat ihm und seiner Arbeit ein' Schnippchen geschlagen. Gleiches LooS droht dem Töpfer, der höchstens noch auf eine Bratpfanne oder einen dreibeinigen Tiegel pochen kann, denn die Industrie der Fayence drückt auf ihn wie ein Alp nnd was die Töpfe anbelangt, so hat die Eisengußwaare ihm einen gewaltigen Riegel vorgeschoben. In Zeit von 10 Jahren ist ein Töpfer vielleicht eine Rarität, die man auf der Messe für Gelb sehen läßt. Wenn man früher durch die Straßen großer.und kleiner Städte wanderte, so hörte man raspeln und hämmern, daß Einem die Ohren brummten. Büchsenmacher, Schwcrtfeger und Waffenschmiede waren in voller Thätigkeit, jetzt bestehen nur noch die Namen solcher Gewerbe, nnd ein' Schwcrtfeger zieht in Universitätsstädten höchstens noch einem Studenten einmal eine alte rostige Klinge ins Napprer em, hämmert die Nieten und Buckel an einem Schläger ans, der schon ganzen Generationen von Studenten Dienste geleistet. . , efeigt mir einen Schlosser, der jetzt noch selbst ein Schloß verfertigt, fällt ihm nicht ein, die Fabrik liefert schöne und zierliche Schlösser um den halben Preis nnd was den Uhrmacher änbelangt, so weiß dieser längst, wie viel es geschlagen, seine Zeit ist um, er hat nur noch Reparaturarbciten, wo er denn oft gezwungen ist, den oder jenen über's Ohr zu hauen, zumal sich seine Arbeit nicht tariren laßt, wenigstens nicht von Laien, nnd dieß find die Meisten. Auf diese Art wird Alles anderwärts im Großen, in Gesellschaften betrieben nnd dem einzelnen, noch'so fleißigen Manne das Gewerbe gelegt. Viele fragen vielleicht: Ist dieß nicht zu verhindern? — Nein! denn die Zxit anszuhalten ist Niemand im Stande. Der Tischler kann sich, wie Valentin in Raimunds „Verschwender," das. Hobellied singen, in welches vielleicht auch bald der Böttcher mit einstimmt, denn schon ist die Maschine fertig, welche die Faßdauben jeder Größe mit leichter 'Mühe schneidet, und wer sich die Dauben schneidet, der will auch das Faß binden. (Schluß folgt.) 465 Der Bastard von Gemappe. Historische Erzählung von g. Menk. (Fortsetzung.) So ost jetzt Pascal davon anhob, Plessts-les-Tours verlassen zu wollen, hatte der König Einwendungen dagegen; einmal sogar hieß er ihn unwillig schweigen. In dieser traurigen, bedrückten Lage war Clokilde die einzige Zuflucht des betrübten Jünglings. Er eilte so ost zu ihr, als er sich aus der Nahe des Königs hin- wegstehlen konnte. Das Mädchen wohnte auf einem benachbarten Dorf, denn das geräuschvolle Paris e(fette sie an, seit Pascal sortgezogen war. Eines Abends kehrte unser junger Freund später nach dem königlichen Schloß zurück, als gewöhnlich. Die Nacht wär bereits herabgesunkeu, und eine kleine Strecke Wegs von dem ehrwürdigen, alten Mann, dessen Schutz Pascal die Geliebte übergeben hatte, begleitet, verabschiedete er diesen jetzt freundlich am Saume des Waldes und schwang sich rasch auf seinen Rappen. „Habt Acht, Herr Geheimschreiber!" r ef besorgt der Alte, „ich traue dem Weller nicht, der Wind geht stark, es ist ein Unwetter im Anzug und Ihr habt noch eine tüchtige Stunde zu reiten!" „Seyd unbesorgt, Mesire Larivier," erwiederte Pascal dankend, „mein Thier kennt den Weg und Plessis-les- Tours naht sich auf Meilenweit kein Gauner. Beruhigt Clotilde und sagt Ihr eine gute Nacht." „Er gab dem Pferde die Sporen und sprengte in das Dunkel des Waldes hinein. Der Alte hatte recht geahnet; der Wind brauste immer heftiger durch die gigantischen Eichen und schüttelte, ihre Kronen; endlich ging er in einen tobenden Orkan über und zugleich entluden die gewitterschwangern Wolken ihre Wassermassen und durchnäßten den einsamen Reiter bis auf die Haut. Gern wäre er wieder umgekehrt, aber er hatte den richtigen Weg verloren, und überdieß glaubte er sich nach stundenlangem Ritt dem Schlosse näher, als dem Dorf. Der -Sturm ließ endlich nach, die Blitze zuckten nur als Wetterleuchten und der Donner klang immer schwächer aus der Ferne herab. Das ermattete Roß schien zusammenstürzen zu wollen und schonend stieg Pascal ab, es am Zügel weiter führend,' während er sich mit dem Schwert eine Bahn durch das Gestrüpp hieb. Der. Mond trat jetzt hinter den schwarzen Wolken hervor und beleuchtete dem jungen Mann eine ganz fremde Gegend. Seitwärts war der Horst ein wenig gelichtet und die spärlichen Trümmer eines verlassenen Bethauses blickten einladend zu dem Verirrten hinüber. Pascal beschloß, hier den Tag zu erwarten. Das alte Gebäude war ganz zerfallen und nach dem hochstehenden Unkraut zu urtheilen, mochte seit Decennien sich keine lebende Seele demselben genaht haben. Wie erschrack der Jüngling, als er an dem zusammengestürzten Eingang eine menschliche Gestalt zusammengekauert erblickte! Das Roß stutzte, spitzte scheu die Ohren und wieherte ängstlich. Da erhob sich die fremde Gestalt langsam und maß mit einenz langen, furchtbaren Blick den erschrockenen jungen Mann. Dieser Blick machte Pascals Blut erstarren, sein Haar sträubte sich; so verwilrert auch dieser Fremde mit dem ungeheuren Bart, dem langen, schmutzigen Gewand, in welches der abgemagerte Körper gehüllt war, aussah, so bekannt kam er doch unferm Freund vor. Eine lange Pause verstrich, da traten Thränen der Wehmuth in des Unbekannten Auge; liebenv die Arme ausstreckend, rief er erschütternd: „Hab' ich Dich endlich gefunden, Du Kind des Jammers und Schmerzes?" Bei biefeih Klang der bekannten Stimme erwachten in Pascal alle Erinnerungen ter Jugend: außer sich vor Freude und Entzücken stürzte er in des Greises Ihr ine und fand im Uebcrmaß der Wonne lang keine Worte. „Jst's möglich, Pater, theurer Vater!" sprach er endlich, wieder zu sich gekommen; „Euch finde ich in dieser entsetzlichen Wilvniß allein, und in welcher Lage? Sprecht, wo ist die Mutter, die geliebte Mutter, die ich nach Jahren schmerzlicher Entbehrung wieder an mein Herz zu drücken trachte? Wo seyd Ihr hingezogen, feit ich Euch verlassen? Ach, wie gern hätte ich Euch Theilnahme an meinem Glück gestattet, aber ich sand keine Spur mehr von Euch!" „Sprich nicht davon," erwiederte düster der Alte. „Während Du im Uebermaß des Glückes schwelgtest, brach über uns das Elend in seiner traurigsten Gestalt herein. Alles, Alles dahin; auch das Theuerste, was wir Beide je besaßen, raubte mir ein grausames Geschick!" „Um Gott, Vater, Ihr erschreckt mich!" rief entsetzt der junge Mann. „Ich kann es nicht fassen, was Ihr auszusprechen zögert: die Mutter, die thcure Mutter, wo ist sie? . . ." „Fasse Dick, das Aergste zu vernehmen," sprach feierlich der Alte. „Jene Frau, die Du Mutter nanntest, ist nicht mehr, ihr Geist wandelt bereits seit einem Monat , in jenen himmlischen Räumen und blickt liebend auf Dich herab! ..." Thränen entstürzten den Augen des Jünglings; auf's Tiefste erschüttert lehnte er das Haupt auf die Schulter des Vaters, nicht Worte findend, den namenlosen Schmerz, der fein Inneres zerriß, zu beschreiben. „Hätte sich der Tod in jener sanften, versöhnenden Gestalt genaht," fuhr endlich der Greis fort: „ich würde nicht wider die Rathschlüffe des Ewigen murren; aber noch sträubt Entsetzen mein Haar, wenn ich bedeute , welche- Ungeheuer -die Unglückliche von meiner Seite rissen. O mein Sohn, Unerhörtes ist uns begegnet 11116 Du vermochtest uns nicht zu schützen!" Entsetzt fuhr der Jüngling auf. 466 „Ihr sprecht irr, Vater!" sagte er, Verzweiflung im Ton ; „wer sollte es in diesem Königreich wagen, Euch oder die Mutter mit Wort oder Thal zu kränken? Wer sollte Euch in Eurer Wilduiß aufgefunden haben?" „Sprich nicht von des Schicksals ünerklärlichen Bestimmungen , erwiederte verdüstere der Vater. Wir können nicht fassen und begreifen, was in den Sternen geschrieben steht. Es waren Zeiten, wo ich nicht an die Wechsel des Glücks glaubte, aber sie kamen und ich mußte den Nacken unter die harten Schlage beugen. Ein solches Geschick steht jedem Glücklichen bevor' deshalb trage die Schrecknisse einer hassenswcrthen Vergangenheit, die ich dir entrollen muß, und ivaffne Dich mit Gleichmuth." u Beide setzten sich auf das Geröll des alten Gebäudes und der Alte begann mit Ruhe zu erzählen! )ch bin nicht Dein Vater, und die sanfte, junge Frau, die Du Mutter nanntest, war nie meine Gattin. Du bist vor 18 Jahren zu Gemappe im Brabantischen geboren; Deine Mutter zählte damals kaum 16 Jahre »Np hatte das Unglück von dem Dauphin, dem jetztgen König von Frankreich, erblickt zu werden , dessen Vertrauter ich damals war. Er thcllte mir zuerst mit, welche Gefühle das Mädchen in ihm erregt. Ich ward abgesandt, und zum erstenmal in meinem viel- bcwegten Leben ward auch ich von dem Bilv eurer Unschuld und Tugend ergriffen. Mit wundem Herzen kehrte ich zum Dauphin zurück, um ihm abzurathen. Es war zu spät — ich konnte das Unvermeidliche nicht' verhindern. Der Dauphin sandte mich an den Hof des Königs, und als ich zurückkehrte, war dgs Mädchen — Mutter eines Knaben. Ich hatte die Nachricht von dem Tode Karls VII. gebracht, und Ludwig, dessen Liebe längst in den Ränken des Staatslebens wieder untergegangen war, dachte ihrer kaum mehr Erst ich rief in ihm die Erinnerung wieder zurück. Der Gedanke, der Knabe möge dereinst seine Rechte geltend machen, erfüllte ihn mit Entsetzen Mrc es und schaudre! — er befabl mir, die Mutter und das Kind umzubringen. Nicht fähig, so Gräp- liches zu begehen, floh ich mit dem Mädchen fort in die' undurchdringlichsten Wälder und rettete dadurch unser Leben; denn auch das meinige war gefährdet, da ich mich, hätte ich auch des Königs Befehl vollzogen, doch nicht mehr sicher glaubte. Fünfzehn Jahre verstrichen in der Einöde, Du wuchsest auf, allein langer konnte ich es nicht ertragen, Dein junges Leben in der Wilduiß vertrauern zu scheu. Wider den Willen Deiner Mutter brachte ich Dich auf jene geheimnißvolle Weise an den Hof des Königs, wo Du so schnell em- porstiegst; Deiner Mutter Leben verstrich, seit Du fern wärest, unter steten Klagen ; unaufhörlich flehte sie mich an, ich möge ihr nur einmal vergönnen, Dich zu sehen. Ich konnte nicht widerstehen, an einem jeiier großen Festtage verließen wir unsere Einöde und misch- Druck und Verlag der G. D. Brühl) ten uns unter das schaulustige Volk. Sie sah Dich, aber es war ihr Verderben. Das Uebermaß des Entzückens entpreßte ihr einen Freudenschrei und Tristans Falkenauge wandte sich nach uns hin. Er mußte sie wieder erkannt haben, denn er flüsterte lange und heimlich mit seinen Trabanten, und nur durch die schleunigste Flucht glaubte ich der Verfolgung entgehen zu können. Vergebens — auf der Straße von Melun wurden wir erreicht und Deine Mutier ward von meiner @e te gerissen, um in den Fluthen der Seine ihr kummervolles Leben zu endigen! . . ." „Entsetzlich! gräßlich!" rief mit dem Ausdruck deö höchsten Abscheus der Jüngling. „Waebe ich denn, oder ist es ein Traum? — ich beschwöre Euch, sagt nein. Dieses räthselhafte Schicksal, und jenes Ungeheuer, der König — mein Vater!. .." (Forts, folgt.) Feuilleton. Das ist ein Fortschritt. In Stockholm ist der Zunftzwang gänzlich abgeschafft und vollständige Freiheit des Handels- und Gewerbebetriebes cingc- führt worden. — Was sagen die Bäcker dazu, die noch immer auf ihr Monopol pochen? Hoffentlich wird auch ihnen bald das Brod gebacken werde». (Eheliche Kriegslist.) Ein gewisser Herr hatte erfahren, daß seine Frau auf der Straße ein Rendezvous einem Jugendbekannten geben wollte. Was ihut der Gatte? Er ist darüber gar nicht traurig, er stürzt sich nicht in’g Wasser, er hängt sich nicht an einen Strick, noch an eine Andere; im Gegentheil, den ganzen Tag über ist er in der lustigsten Stimmung. Abends aber, zur Stunde des Stelldicheins, erscheint er frühzeitig auf dem bestimmten finstern Platz, nimmt die Stimme des guten Freundes an, und fängt einen Zank mit per Geliebten au, den er in roher Weise mit Mißhandlung der Frau endet. Die Frau eilt empört nach Hause, und liebkost den Mann, als er nach Hause kam, da sie ihn nun jedem Geliebten vorzieht. Der Gatte aber ist damit noch nicht zufrieden, er ladet den guten Freund zu Tische, und ist gegen ihn äußerst zuvorkommend. Nach dem Essen entfernt er sich einen Augenblick, um Cigarren zu holen. Die Frau aber, in deren Brust der Zorn die ganze Zeit über gekocht hatte, fährt nun auf, schleudert dem Geliebten das Salzfaß an den Kops, nebst einigen entsprechenden Titulaturen. Ehe es zu einer Erklärung kommen kann, ist der Mann wieder da. Der Geliebte aber schützt Zahnschmerzen vor, und entfernt sich mit süßlichen Worten und glühenden Blicken. Der Mann lächelt in sich hinein, er denkt, ich habe mich gerächt, ohne von Beiden angefeindet zu werden. Auslösung des Stlbimäthsels in jV5 6l: Buch- und Steindruckerei in Gießen.