Imzcigeblatt für -LeSta-t und -en Kreis Gießen. ■J|2 SB. Mittwoch den 3. November 1S^7. Polizei-Verfügung. Der Gebrauch des nunmehr chaussirten sogenannten Riegelpfades wird für alle ortsfremden geladenen Fuhren, bei einer Strafe von 1 fl. 30 kr. hierdurch verboten. Gießen den 23. October "1847. Der Großherzogl. Hessische Kreisrath des Kreises Gießen. Prinz. ' Die nachstehende Einladung wird hiermit zur Kenntniß sämmtlicher Betheiligten gebracht. Gießen den 28. Ociober 1847. Der Großherzogl. Hessische Kreisrath des Kreises Gießen. Prinz. Einladung zu der 1 Hauptversammlung des laudwirthschastl. Vereins von Oberheffcn zu Salzhausen, am 8. November 1847. Wir beehren uns hiermit, den Mitgliedern des landwirthschaftlichen Vereins von Obcrhessen zur Kenntniß zu bringen, daß die dießjährige Hauptversammlung Montag d en 8. November d. I., Vormittags 10 Uhr, im Kursaale zu Salzhausen beginnt. ' - Indem wir mit dieser Einladung den Wunsch recht zahlreichen Besuches verbinden, ersuchen wir zugleich diejenigen' Vereinsmitglieder, welche Vorträge zu halten beabsichtigen, dieselben statutengemäß einige Tage vorher an das Prä/idium gelangen zu lassen. Da wir int Stande sind, in dieser Versammlung das Ergebniß der Anmeldungen zur Begründung einer Viehversicherungs-Anstalt für die Provinz Oberhessen darzulegen, so halten wir diese Gelegenheit ganz geeignet, diejenigen Landwirihe und sonstige Viehbesitzer, welche sich für die Betheiligung an einer solchen Anstalt ausgesprochen haben, noch besonders zu dem Besuche dieser Versammlung einzuladen, um die Frage zur Abstimmung bringen zu können, ob nach Maßgabe der erklärten Betheiligung die förmliche Constituirung der Anstalt statlfinden kann oder nicht. Bejahenden Falles würde alsbald ein provisorischer Vorstand zu wählen und die weitere Behandlung der Sache an diesem von dem bisher nur vermittelnd aufgetretenen Vorstande des landwirthschaftlichen Vereins zu übergeben seyn. Gießen, am 5. October 1847. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen. v. Firnhaber-Jordis. 678 Edictalladung- 1868) Da über das Vermögen des Johannes Orth, Johs. S. jun. zu Crumbach, der Concurs erkannt worden ist, so werden dessen sämmtliche Gläubiger aufgcfordert, Donnerstag den 9. December l. I., Morgens 10 Ubr, ihre Ansprüche, bei Strafe des von selbst eintre- tenden Ausschlusses von der Masse, dahier anzu- mclden. Gießen den 21. September 1847. Gr. Hess. Stadtgericht Muhl. Dr. Zimmermann. Besondere Bekanntmachungen. 1986) In der letzten Zeit mehren sich die Anzeigen über Nichtbesolgung der Vorschriften des Octroi - Reglements vom 21. Juli 1843 in einer Weise, daß ich mich, aus Rücksicht aus das Interesse der Stadt- angehörigen, veranlaßt finde, aus die pünktlichere Befolgung jener Vorschriften, insbesondere aber aus die Ablieferung, Vorzeigung und Aufbewahrung der hetrcffenden Scheine dringend aufmerksam zu machen, und die Bemerkung beizufügen> daß bei künftig vorkom- menden Anzeigen wegen Nichtbeachtung der Bestimmungen des besagten Reglements, aus die gewöhnlichen Entschuldigungen keine Rück-, sicht genommen werden kann, vielmehr jedes- mal strickte Beurtheiluug nach den gesetzlichen Vorschriften eintreten muß. Gießen den 20. Oktober 1847. Der Bürgermeister G g. R e i b e r. 1960) Main-Weser-Eiscnbahn. Handarbeiter Bei den-Erdarbeiteu in der Sektion Buhbach finden Handarbeiter an mehreren Stellen dauernde Beschäftigung mit einem Verdienste von gegen 50 Kreuzern in der Regel. An dem Einschnitte im Gambacher Wald ist eine Barracke mit Schlasstat- teil und einer Speiseanstalt zur Benutzung für Fremde errichtet. Butzbach den 15. Octbr. 1847. Der Gr. Hess. Seetions-Jngenieur der Sektion Butzbach. Meper. ' - Versteigerungen. 2037) Kommenden Freitag den 5., November, Vormittags 10 Uhr, soll die Lieferung der Schulbesoldungsfrucht, welche in 27 Maltern Korn und 220 Gebund Roggenstroh besteht, an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Heuchelheim deu 30. Oktober 1847. Der Bürgermeister Reidel. 2023) Freitag den 5. November d. I., Mittags 12 Uhr, sollen auf dahiestaem Rathhause 17 Malter 3 Sim- mer 2 Gescheid Pfarrbesoldungökorn, zu liefern, an den Wenigstnehmenden in Akkord gegeben werden. Leihgestern den 26. Oktober 1847. Der Bürgermeister x H e ß. 2002) Main-Weser-Eisenbahn. Lieferung von Eichenholz und Fuhrlohn. Die Lieferung von geschnittenem Eichenholz zur Unterhaltung der Erdtransportwagen im Gambacher Wald, als von 25 Langbalken 6 u. 8" stark, 17,59 lang, 100 Querbalken 5 u. 6"- » 10' „ 100 desgl. 4 u. 6" n - 10' » sowie der Transport von eisernen Untergestellen zu 35 Erdwagen aus dem Gambacher Wald an dem Einschnitt bei Ostheim, wird Donnerstag den 4. Noveüiber, Vormittags 10 Uhr, im Gasthause zum Stern dahier öffentlich versteigert. Butzbach den 26. Oktober 1847. Der Gr. Hess. Seetions-Jngenieur der Sektion Butzbach. M e v e r. 2038) Kommenden Freitag den 5. November, Morgens 8 Uhr, sollen 50 Stück veredelte Obstbäume, aus der Baumschule dahier, einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. Heuchelheim den 30. Oktober 1847. Der Bürgermeister - N e i d e l. 2049) Mittwoch den 3. November, Mittags 12 Uhr, soll in der Reitbahn des Herrn Carl Rauch dahier, ein braunes neunjähriges Pferd, zum Reiten und Fahren zu gebrauchen, wegen Wohnungsveränderung, öffentlich versteigert werden. In Auftrag Dr. Diefsenbach. 679 2052) Donnerstag den 16. Decembcr d. 3., Nachmittags 2 Uhr, sollen folgende, den Erben des Heinrich Andreas Zughard zu Gießen gehörende, Immobilien: Vlo99 55 Klftr. Hofraithe, hinter dem Burggraben, V1I32 27 ii Hofraithe in der Marklstraße, */109ga 32 „ Grabgarten hinter dem Burggraben, auf hiesigem Rathhause erbverihcilungshalber versteigert werden. Das Haus, in welchem seit 27 Jahren mit Bor- theil eine Färberei betrieben worden ist, liegt an der Hauptstraße nahe am Marktplatz, und es gehört dazu ein großer neuer Trockenbau mit 4 Böden und einer Druckstube. Das an der Hofraithe vorbeifließende Wasser wird durch eine Pumpe in die Färberei geleitet, neben welcher sich ein Gärtchen und der nöthige Hofraum mit einer Regencisterne befindet. Die Hofraithe kann auch aus freier Hand verkauft werden. Gießen den 27. October 1847. Großherzogl. Hessisches Stadtgericht. - Muhl. H a b e r k o r n. 2062) Freitag den 5. d. M., Nachmittags 1 Uhr, soll die Lieferung von circa 17 Maltern Schulbesoldungskorn und 1 Malter 3 ©immer Gerste auf dahiesiger Bürgermeisterei öffentlich an den We- migstnehmenden versteigert werden. Oppenrod den 1. November 1847. Der Bürgermeister Weis. 2057) Main-Weser - Eisenbahn. Lieferung von Kartoffeln. Die Lieferung von 100 Maltern Kartoffeln in die Speise-Anstalt im Gambacher Wald, wird Dienstag den 9. k. M., Vormittags 10 Uhr, int Gasthause zum Stern dahier öffentlich versteigert. Butzbach den 31. October 1847. Der Großh. Hessische Sections- Ingenieur der Section Butzbach. M e y e r. 2056) Da ich mit mehreren meiner seither geführten Artikel ganz ausräumen will, so bin ich gesonnen, dieselben einer öffentlichen Versteigerung auszusetzen, und mache besonders daraus aufmerksam, daß es noch ganz neue und courante Sachen sind. Die Versteigerung nimmt Donnerstag den 4. November, Nachmittags 2 Uhr, im Saale des Prinzen Carl ihren Anfang, und wird die folgenden Tage zu derselben Stunde fortgesetzt. Heinrich Ferber. F e i l g e b o t e n. 2050) Ein Kanapee steht wegen Mangel an Raum zu verkaufen oder zu verleihen. Bei der Erpedition dieses Blattes das Nähere. 2042) Ausverkauf. Mit einem Theil »keiner' bisher geführten Maaren, bestehend in faconnirten Tibets, Alpacca, Orleans, Napoliteinc, Poil de chevre, Ecliarpe und Shawls, beabsichtige ich gänzlich aufzuräumen und habe deßhalb die Preise bedeutend herabgesetzt. M. Heß, Lit. A. AS 55. 2046) Buckskin's und sonstige Hosen- und Westenzeuge, Halsbinden in allen Qualitäten, Cravat- ten, Seidenhüte, Hosenträger ic., empfiehlt zu äußerst billigen Preisen Heinr. Ferber. 2053) In allen Sorten fein gepreßten Filzschuhen, seinen Litzenschuhen, Kordelschuhen, ge- häckelten Schuhen, Maschinen-Schuhen, gewirkten Schuhen, gewöhnlichen Filz- und Salbandschuhen, empfiehlt sich in bester Auswahl CarlWusetzki, . Strumpfwirker, Lit. D. AS 177 in der Maiktstraße. 2051) Nachverzeichnete noch neue Verschlüge von Tannenholz, und zwar: 1) ein solcher über ein Sopha, 2) zwei über'Kommode und 3) einen über einen Spiegel, welche sich- auch zur Aufbewahrung von Schwarzzeug, Obst ir, eignen, stehen in dem Hause der Frau Hofgerichtssecretär Pabst Wittwe, am Canzleiberge, billig zu verkaufen. 2054) In einer großen Auswahl wollenen Strickgarnen empfiehlt sich Carl Wusetzki. 2061) Ein guter Keller von circa 125 □' ist zu vermiethen > und ein Branntweinfaß von circa 5 Ohm, in eiserne Reife gebunden, sowie zwei große Leitern sind billig zu verkaufen. Stein, Lit. A. AS 36. Zu vermiethen. . 1997) Zwei freundliche, neu aüsmöblirte Zimmer, mit der Aussicht auf die Straße, sind auf dem Neuenweg Lit. B. AS 113. auf angehenden Cours zu vermiethen. 1995) Zwei Stuben mit oder ohne Möbel sind zu vermiethen bei Bäcker Schäfer. 680 2011) Zwei gut möblirte aneiuauderstoßende Zimmer, sind zusammen oder auch getrennt zu »er- miethen bei Marguth, an'der Stadtkirche. 2013) Zwei möblirte Zimmer mit Kanapee'ö sind zu vermiethen bei H. Schasfstädt, auf dem Reichensand. 2039) Zwei schöne und gut ausmöblirte Zimmer, mit Cabinet und Sopha, sind zu vermiethen bei 3. K. Brühl, in der. Nähe des Kanzleibergs. ' 2047) Auf dem Selteröweg i st. C 1,58 ist ein Logis, bestehend aus zwei Stuben mit 6a- binet, Küche, Bodenkammer, Holzstall und Keller, zu vermiethen und den 15. November zu beziehen. DaS Nähere ist auf dem Neuenweg Lit. B. M 114 zu erfahren. 2059) Ein Zimmer ist zu vermiethen bei Lotse. 2060) Bei Kupferschmied Bogt in der Marktstraße sind zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. 2058) In der Wallthorstraße ist eine möblirte Stube mit Sopha zu vermiethen bei G.. Fel si n g. 2008) Zwei möblirte Zimmer mit ^>ha sind zu bermiethen bei Jacob Walther', in der Hmtergasse. Vermischte Nachrichten. 2018) Heinrich Schnabel, Schlossermeister in Lich, sucht baldigst einen -jungen Menschen, um ihn unter sehr vmlheilhaften Bedingungen in die Lehre zu nehmen. 2040) Privatunterricht in der gesammten theoretisch-praktischen Mathematik, sowie im Planzeichnen, ertheilt Dr. Leop. Koeniger. 2041) Eine Antwort und Danksagung des' H.errn Landrath von Binke, für die an ihn und dic^Her- ren von Beckerath, Hansemann und Me- v i sse n, von Gießen auö gerichtete Adresse, liegt bei Unterzeichnetem zur Einsicht der Herren Jntcrcsseu- ten offen. Gießen den 28. Oktober 1847. A. Ricker. 2044) Ich suche ans kommende Weihnachten einen tüchtigen Fahrburschen zu miethen. L. T. Felsing. 2045) Arbeiter-Gesuch. Bei Unterzeichnetem können tüchtige Arbeiter an der Eisenbahn, und zwar bei dem Durchstich am RotlH für einen angemessenen Lohn von 40 bis 44 fr. täglich, dauernde Beschäftigung finden. Wieseck den 28. October 1847. Jakob Oßwald. 2055) Um möglichst bald die von mir angekündigten Vorträge über Göthe's Faust in Verbindung mit einer Charakteristik der neuerdn Poesie beginnen zu können, ersuche ich die zur Theilnahme Geneigten sich im Lause dieser Woche mit Karten in der Ricker'schen Buchhandlung zu versehen, dainit ein entsprechendes Local besorgt werde. - Gießen den 1. November 1847. Ni oriz Carriere. 2062) Ich verfehle nicht, ergebenst anzuzeigen, daß ich Mich dahier als Schneidermeister etablirt habe. Durch pünktliche und reelle Bedienung suche ich mir das Zutrauen meiner geehrten Kunden zu erwerben. PH. Schneider, Herren-Schneider, wohnhaft bei Hrn Seilermeister Hilgard in der Wallthorstraße Lit. A. 62. Kirchliche Anzeigen Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 28 Oktober. Dem Bürger und Schuhmachermeistcr, wie auch Conccrtdiencr, Johann Matthäus Berg, ein Sohn, Karl Heinrich Friedrich, geboren den 19 Oktober. Den 8t. Oktober. Dem Bürger und Conditvr, Karl Mapländcr, eine Tochter, Anna Karoline Emilie, geboren den 14. Oktober. Beerdigte. Den 28. Oct ob er. Marie Iohannette Kempf, des verstorbenen Bürgers und Bäckermeisters, Balthasar Kempf, hinterlassene Wiitwe. geborne Seipp, alt 77 I. 13 T., gestorben den 25. October. Den 2 9. Oetob er. August Philipp Heinrich Friedrich Simon, des Bürgers und Küfermeisters, Johannes Simon, ehelicher Sohn, alt 17 T., gestorben den 27. Oktober. Den 31. October. Johannes Zecher, Ortsbürger in Wißmar, alt 50 I gestorben den 28. Oktober. Den 1. November. Iohannette Katharine Möhl, des Bürgers und Metzgermeisters, Jacob Melchior Möhl, eheliche Tochter, alt 18 I. 4 M. 15 T., gestorben den 30. Oktober. Angekommene und abgereiste Fremden vom 29. Oktober bis 1. November 1847. Inden Gasthäusern. Kst. Marck v. Frankfurt, Müller v. Magdeburg, Jantzen v. im Rappen: Hr. Hcep, Stud. v. Mepen. Hr. Hoff- Cassel, Semmler u. Scheer v. Chemnitz. Hr. Hiite, S(ud. manu, Stadtschreib. v Lutterberg. Hr. Klipstein, Reviers, v. Heidelberg. Hr. Fritz, Pfarr. v. Battenfeld. Hr. Roth- v. Hatzfeld. Hr. Soldan, Lientn. v. St. Petersburg. Hrn. mann, Kfm. v. Cassel. Hrn. stud. v. Maringt v. Schloß 681 Bübingen, Faber v. Vierer u. Ladoneu v. London. £>r. Werner , Bürgermeist. v. Großkarben Hr. Lederer, Kfm. v. Gladenbach. Hr. Werner, Cand. v Biedenkopf Hr. Wittich, Stud. v Härter Hrn. Gutsbes. Mollenhauer, v. Cassel u. Brand v. Limburg. Hr Pietzcr, Kfm. v Hannover Fr. Gail u. Hr Kösterus, Gpm» v Mainz. Hr. Cbrist, Kfm. v. Worms. Hr. Döhler in. Fam., Kamm -Revis. v Frankfurt. Hr. Zimmermann, l)r med v. Berlin. Hrn. Kfl. Buch v. Cassel u. Messerschmidt v. Eisenach. Hr. Wendebcrg, Först, v. Hochgeist. Hr. Steinbecher, Kfm. ». Fulda. Frl. Köhler v. Hamburg. Hrn Stud Westerill v. Philadelphia, Hcncker v. Ingelheim u. Wolff v. Elberfeld. Hrn. Äst. Risch v. Bremen, Nittmüller v. Hannover. Weidingcr v. Halle ei, Schneider v Zelle Hr. Heiland, Fabrik, u. Hr Mäscher, Kfm. v. Schneeberg. Im Einhorn: Hr. Bauer, Gastw. v. Zürich. Hr. Freund, Mal. v. Baden. Hrn Kfl. Lelbcrich v. Codlcnz, Neumann v. Mannheim u. Halle v. Frankfurt Hr. Ber- trand, Stud. v. Bonn. Hrn Kfl. Schramm v. Frankfurt u. Bücking v. Büdingen. Hr. Ruhl, Confcrvat v. Wiesbaden. Hr. Luth, Kfm. v. Lauterbach. Hr. Baron v. Suffe, Rent. v. Hannover Hr. Deringer, Gastw., v. Berlin. Hr. Richter, Kfm v. Stcinbeim. Hr Zimmermann, KreiSr. v. Vöhl. Fr.. Weiß v." Leipzig. Hr. Lindemann, Kiinstl v. Hannover. Hr. Zeitig, Kfm. v. Mainz Hr. Lande, Geh. R. v. Heidelberg. Hr. Laupizhcimcr, Handelsm v Werthheim Hrn. Kfl Winckler v. Frankfurt u Durbeos v Kirdhorf. Hr. Kugler, stud. -Chem. v. Offenbach. Hr. Rothschild, Stud med. v. Vöhl Hrn. Kfl Wagner v. Hanau u Dur- mepcr v. Leipzig. Hr. Credncr, Gutsbes. v. Deidesheim Hrn. Privat!. LampuS n. Haupt v. Siegen. Hr. Rühl, Stud. jur v. Marburg. Hr Dnffcnbach, Kfm. v. Hamburg. Im Prinz Carl: Hr. Budde, Kfm. v. Prackei. Hr. Gcscheidt, Schrein v. Butzbach. Hr. Höhr, Ilhrinach v Schönach. Hr. Gross) Kfm. v. Schönstadt. Hr Löffler, Forstcand. v. Deibcrg. Hr. Kurze, Geschäftsm. v. Frankfurt. Hr Habcrkorn, Müll. v. Altenburg Hr. Wack, Privat:», v. Rennertehausen Hrn. Fuhr!. Kraus v. Wallenhausen u. Borger v. Offenbach. Hr. Ulrich, Kfm. v. Königstein. ^Hr. Weigand, Fabrik, v. Hadamar. Hr. Bepcr, Geschäfts:» v Romrod. Hr. Scheck, Ksm v. Fritzlar. Hr. Weitzel, Müll v. Hopfgarten. Hr. Klein, Geschäfts!», v. Schlitz Hrn. Äfl.> Kaufmann v. Niederbreitenbach u. Läufer v. Frankfurt. Hr. Hartmann, Privat»!, v. Obersorgcn. Hr. Leonhard, Geschäfts!», v Friedberg. Hrn. Kfl. Sander v. Leipzig u. Engel v. Ingelheim. Hr. Beringet, Stud. v. Mainz Hr. ». Kammer, Stud. med. v. Heidelberg Im Hirsch : Hr. Uhl, Fuhrm. v. Lisberg. Hr. Rkin- stätter, Geschäfts!», v. Wetzlar. Hr». Fuhrt. Straub u. Stoffel v. Schotten u. Friedrich v. Laubach. Hr. Haubenfack, Handelsm. v Gönningcn. Hr. Leinweber, Fuhrm. v. Holz- hauseu. Hr. Wolf, Geschäftsm. v. .Echzell. Hr. Klein, Kutsch, v. Roth. Hr. Weidmann, Lehr. v. Ernsthausen. Im Darmstaedler' Haus: Hr Kuchler, Commis v. Hungen. Hr. Bechthold, Stud. v. Jugenheim. Hrn. Geschäfts!. Burckhardt v. Reifenberg, Keller v. Wölfersheim, Schmitt v. Battenberg u Zimmermann v. Frankenberg. Fr. Kraft v. Nidda Hr. Marner, Geschäfts!», v. Frankfurt. Hr. Schomer, Lehr. v. Biedenkopf Hr Hübenthal, Geschäftsm. v. Frankenhain. Hr. Wurm, Handelsm. a. Tyrol. Fr. Peter u. Fr Schneider v. Reiskirchen. Hrn. Geschästsl. Michel v. Obermockstadt u. Habicht v. Merbach. Im Siern Hrn. Fuhrt. Elbert, Rcuzel u. Ralb v. Mittelseemen u. Briel v. Neuschmitten. Hrn. Handels!. Lö- benstcin v. Allendorf u. Engbart v. Backcnhcim. Hr. Isenberg, Handelsm. v. Hesborn. Hr. Pfeffer, Privatm. v. Seibersdorf. Hr. Schärf, Handelsm. v. Angsburg. Hr. Weber, Oecon. v. Königsberg. In der Sonne: Hr. Steinbach, Handelsm. v. Ger- nlenrod. Hr. Baldns, Gastw. v. Niederscheld. Hrn. Handels!. Wagner v Beuern, Goldmann v. Ershausen, Steinlein v. Schwelle u. Will v. Hunsbaden. Hr. Aul, Fuhrm, v. Wiedheim. Hrn Handelst. Rvsensteck u. Groß v. Ershausen. Hr. Schollenbergcr, Müll u. Hr. Pauli, Geschäftsm. v. Wehrheim. In der Ro.se : Hr. Gchrhardt, Bürgermeist. v. Oberwiddersheim. Hrn. Geschäfts!. Kraus v Niedcrohmen u. Harcs v Romrod Hr Kreuter, Sold. v. Obcrosleiden. Fr. Ulm »i Hainzenberg. Hrn. Geschäfts!. Graulich ». Stein ». Köddingen. Hr. Kirchner, Schichtmeist v. Neustadt. Hr. Baier, Bauunternehm, v. Meckbach. Hrn. Steinh. Herbei u Dechert v. Hohensolms u. Weiß v Blankenau Hrn. Gc- schäftsl. Hcerd ö. Kcffenrod tt Bauer v. Breitenstein. Zn den P r i v a t h ä u s e r n. Bei Hrn. Hofger.-Advoc. Gottschalck: Fr. Hauptm. Frank v. Laubach u. Frl. Schüttenhelm v. Bergen. — Bei Hrn. Kfm. Stern: Frl Flörsheim v. Wetzlar u. Hr. Strauß, Geschäftsm. v. Wehrdorf. — Bel Hrn. Lehr. Ubrich: Frls Seipp v. Fran- kcnberg ». Weber v Königsberg. — Bei Hrn. Uhrm. Heerz: Fr. Schleuning v. Friedberg. — Bei Hrn Kfm. Gertig: Frl. Siedel v. Darmstadt. — Bei Fr Regier.-R. Heß: Hr. Heß, Gpmn. v. Mainz. — Bei Hrn. Pfarr. Bonhard: Frl. Kräusler v. Arolsen. — Bei Hrn. Musiklehr Schierholz: Hr. Lagreze, Postsecret. v. Hanau. — Bei Hrn. Regicr.-R. Eckstein: Hr. Eckstein, Verwalt, v. Hofgill. — Bei Hrn. Schneider Pcppler: Jungfer Pfeifer v. Grossenbuseck. Unterhalteudes nnd Gemeimmtzrges. Der I n f v r m a t o r. Novelle. (Fortsetzung ) „Du scheinst Anthcil an seinem Schicksal zu nehmen," sagte Caroline. „O nein, das-nun eben »'eiter nicht," versetzte Rosalie; „aber —" Hier stockte sie. „Es ist nicht ganz richtig!" sagte Caroline, den Zeigefinger erhebend. „Wenn ich recht sehe, so-ist Dir dieser Herr Candidat nicht so gar gleichgültig." „Ach geh' mir weg!" crwiederte Rosalie, in einen leichteren Ton verfallend, aber doch mit etwas gedämpfter Stimme, „Du wirst doch nicht etwa gar glauben, daß ich mich in einen armen Candidaten verlieben könnte?" „Ach waö arm! und was Candidat! Armer Candidat hin nnd her! Ein armer Candidat hat auch Fleisch nnd Bein, wie andere ehrliche Lenke — er hat oft ein gewisses Etwas, was- den verlebten Roue's fehlt — nnd außerdem hat er noch günstige Vorzüge, von denen bei unfern faden Geldmenschen und Aristokraten in der Regel gar nicht die Rede ist. Wie findest Du zum Beispiel Nosenfcld's Unterhaltung?" ; „„Famos und „deliciös" oder „superb" ist bei ihm 682 das dritte Wort. Er nennt mich ein famoses, ein deliciosts Mädchen. Ach, Caroline, ich wünschte nur, daß ich einmal-recht arm würde, nm zn sehen, ob er mich dann auch noch „famos" und „deliciös" finden würde. Solche Ausdrücke .Hingen mir eben nach bloßem Appetit zu — ich weiß nicht zu was." „Du hast nickt ganz unrecht," sagte Caroline.' „Du kennst Rosenfeld noch nicht recht. Ich möchte ihm zwar nicht bei Dir schaden — und doch —" „Was „und doch" ?" „Und doch — sich — es will mir nicht recht über die Lippen. Cs ist mir auf der einem Seite, als ob ich dieß verschweige» müßte, und auf der an-' dern erfordert es wieder meine Freundschaftspflicht —" „Nur heraus' mit -der' Sprache!'" sagte Rosalie, „ich weiß, Du liebst ihn noch —" „Ich ihn noch lieben?" „O verstelle Dich nur nicht! Ich durchschaue Dich —" „Jetzt wurde Caroline roth bis chinter die Ohren.— „Du wolltest etwas sagen?" „Ja, und ich will's auch sagen," versetzte Caroline. „Ich habe nun schon einen andern recht braven Bräutigam, und es ist mir setzt gleich —" „Es ist Dir nicht gleich —" „Ja, es ist mir gleich! Also höre mich nur einmal . an. Ich verachte Rosenfeld." „Aber du liebst ihn doch noch —" „Wen man einmal verachtet, den kann man nicht mehr lieben." „Es wäre nicht der erste Fall, wo- ein Mädchen den Anbeter, den sie verachten müßte, doch noch geliebt hätte!" „So laß mich doch nur reden, Du weißt ja noch gar nicht, was ich sagen will; Rosenfeld hat sehr schlecht, er hat ganz erbärmlich an mir gehandelt. Bei seiner Spielwuth geräth er alle Augenblicke einmal in die peinlichsten Verlegenheiten. Ich kannte diese seine Leidenschaft wohl; aber ich hoffte ihn einst, wenn ich seine Fran wäre, zu bessern. Darum gab ich ihm Alles hin, um ihm in solchen Lagen zu helfen, Geld, Ringe, Pretiosen,' Uhr, ja sogar das goldene Halsband, das theuere Andenken meiner seligen Mutter. Das letzte Opfer kostete mich einen schweren Kampf, aber doch brachte ich es, und denke Dir, gerade den Tag darauf gab er mir den Abschied." „Das ist aber doch entsetzlich," versetzte Rosalie mit Staunen. „Dessen hätte ich ihn nicht fähig gehalten Und warum sagst Du mir das erst heute?" „Ich wollte, ich hätte es auch heute nicht gesagt, weil ich euer beiderseitiges Verhältnis! nicht gern nur mit einem Worte stören möchte. Denn Rosenfeld ist im Grunde doch ein recht liebenswürdiger Mann, wenn nur sein grenzenloser Leichtsinn nicht wgre!" Während die beiden Mädchen so diiit einander sprachen, öffnete sich auf einmal die Thüre, und Rosen, seid trat herein. Cs war nun zwar eine äußerst fatale Situation für Rosenfeld, feine frühere Geliebte bei seiner jetzigen Braut anzutreffen, aber als geübter Rone wußte er feiner Verlegenheit Meister zu werden. Trotz dem blieb die Unterhaltung geschraubt, und es fiel Rosenfeld eine Centnerlast vom Herzen, als sich die beiden Mädchen entfernten und er sich mit Nosallens später hinzugekomniener Mutter allein sah. . Mit dieser zu sprechen, war gerade seine Absicht gewesen.' Seine total zerrütteten Verhältnisse drängte» ihn, die Hochzeit mit Rosalien zu beschleunigen. Der beunruhigendste Umstand war jetzt seine letzte Spielschuld. Er wollte also so schnell als möglich heira- then, und sich nachher Rosalien entdecken, die dann wohl schon ehrenhalber dafür Sorge tragen mußte, die Sache abzuniachen. Gegen die Commerzienräthin stellte er sich, als ob seine glühende Liebe zu Rosalien eine längere Zögerung kaum, ertragen könne. Diese, eine gewöhnliche, aber recht verständige Frau, sagte ihm, es sey kein Grund 'vorhanden, gar so sehr zu eilen, und sie habe eigentlich mit ihrem Manne beschlossen, daß die Hochzeit erst in einem Vierteljahre gefeiert werden solle. Der Commerzieurath kam dazu, und bemerkte seinerseits, daß es aus gewissen Gründen bei dieser Bestimmung bleiben müsse.. Rosenfeld war offen genug, auch feine vielfachen Verbindlichkeiten mit zur Sprache zu bringen. . Harder entgegnete: Ich will Ihnen gern eine Summe gebe», um vor der Hand Ihre lästigsten Gläubiger zu beruhigen. „Ich denke 6000 Thaler werden wohl zu diesem Zweck genügen?' Wer war jetzt froher, als Rosenfeld! Er küßte seinem künftigen Schwiegervater die Hand, und ging mit dem Gelde glücklich wie ein Gott ans dem Hause. Anfangs wollte er gleich damit zu dem Juden Jtzig. Doch auf dem Wege dachte er: „Mit dem Wechsel hat es ja noch Zeit. Ich will das Geld lieber noch bis zum Verfalltage behalten." Daher kehrte er wieder um und wandte sich in das Hotel de Paris. ■ Als er dasselbe in der Nacht um zwei Uhr verließ, hatte er keinen Kreuzer mehr. ' , 5. Werner er'eüte in dem Hause des Commerzienraths Harder die glücklichsten Tage. Die Kinder machten unter seiner Leitung rasche Fortschritte und gewannen ihn deshalb lieb, und die Eltern schätzten sich glücklich, einen in jeder Hinsicht so eremplarischen Hauslehrer bekommen zu haben. Ei» besonderer Genuß war es ost für das ganze Haus, Werner des Abends auf dem Pianofodte phantasiren zu hören. Selbst die unten 683 auf der Straße Vorbeigehenden blieben dann oft horchend stehen. Es dauerte nicht lange, so wünschte auch Rosalie von ihm noch weiteren. Musikunterricht. Bei Werner's ernstem Sinn und gesetztem Betragen trugen die Eltern kein Bedenken, dazu ihre Zustimmung zu geben. Ueb- rigens waren während der Stunden die Mutter oder Kinder meistens in der Nähe. Aber, v'Himmel, wie ward es Werner., als er zum ersten Mal dicht neben dem - holden Mädchen am Clavier saß! Er mußte alle ihm zu Gebot stehende Fassung zusammenraffen, um die gleichgültige Rolle des Lehrers zu behaupten. Wenn n ihr den Fingersatz zeigte, und seine Finger die ihrigen berührten, so durchzuckte es ihn wie mit elektrischen Funken; oder wenn er Doppelsonaten mit ihr spielte und- ihre Locken sein Gesicht streiften, dann verging ihm säst Hören und Sehen. Und wenn sie erst sang und ihm in ihrer glockenreinen, ausdrucksvollen Stimme ihre ganze schöne Seele -unverschleiert entgegentrat, dann hätte er ihr um den Hals fallen und an ihren Küssen sterben mögen. Auch Rosalien war in Werner's Nähe gar eigen zu Muthe. Genug, die Musik trug das Ihrige dazu bei, ihre, Seelen nach und nach enger und enger zu verweben, und wem« die Lippen sich zurückhielten, so redeten doch die Augen. Rosalie fühlte mehr und mehr, daß sie den Lieutenant Rosenfeld nicht liebte. Dabei hielt sie es jedoch für ihre Pflicht, ihm ihr gegebenes Wort zu halten, und die Treue gegen ihn nicht zu verletzen. So liebten Werner und Rosalie einander, ohne es auszusprcchen, und ohne daß nur irgend Jemand davon eine Ahnung hatte. Nach einigen Wochen verlangte Rosenfeld eines Tages, den Conunerzienrath allein zu sprechen. Der- Wechsel auf die 6000 Thaler war morgen verfallen. Keinen andern Ausweg vor sich sehend, gestand Rosenfeld dem Conunerzienrath Alles, und bat ihn nochmals um Hülfe. Und da diesem gar zu sehr an einem adeligen Schwiegersohn lag, so machte er zwar Rosenfeld ernstliche Vorwürfe, doch verzieh er ihm endlich und zahlte diesmal selbst die 6000 Thaler an den Juden Jtzig. Nach einiger Zeit bemerkt^ man an Harder ein ganz eigenes zerstreutes und hinbrütendes Wesen, das er mit Kränklichkeit entschuldigte. Doch schärfer blickende Augen wollten etwas Anderes dahinter vermuthen. Harder konnte oft in der Nacht nicht schlafen; er stand auf, schrieb, ging im Zimmer hin und her und sprach mit sich selbst. Eines Tages fragte ihn die Commcrzicnräthin, was er denn auf dem Herzen habe. Und da theilte er ihr denn im Vertrauen mit, daß er sich durch mehrere mißlungene großartige Speculationen an den Rand des Verderbens gesetzt sehe. Die Comnierzienräthin wurde vor Schreck über diese Nachricht fast ohnmächtig. Er sprach ihr Muth ein; es sey noch, nicht Alles verlorenz wenn er den in diesen Tagen ankommenden Bankier Villani aus Triest, um etliche -Wochen hinzuhalten vermöge, dann könne sich Alles. günstig wenden. Nachdem der Lieutenant von Rosenfeld tählich in Harder's Hause gewesen war, blieb er plötzlich mehrere Tage aus. Rosalie konnte sich den Grund davon nicht erklären, sie sann hin und her, ob sie selbst vielleicht die Ursache davon seyn könnte; doch konnte sie sich nicht entsinnen, ihn nur im Entferntesten beleidigt oder gekränkt zu haben. Endlich kam statt seiner ein Brief, welcher folgendermaßen lautete.: „Wetthestes Fräuleins „Ich war eine Zeitlang der Meinung, daß wir Beide mit einander glücklich werden könnten. Aber da heut zu Tag die Idee eines Glücks ohne Geld selbst aus den Köpfen einiger noch weniger phantastischer Poeten entschwunden ist, und ich in Erfahrung brachte, daß Sie in kurzer Zeit wahrscheinlich eben so arm seyn werden, als ich selbst, so mache ich mir ein Gewissen daraus, Ihnen noch ferner eine Liebe vorzuspiegcln, von welcher überhaupt mein Herz nie etwas wußte. Ich weiß, daß Sie auch gerade keine sonderliche Passion für mich hatten. Der brave Candidat Werner, den Sie immer gegen mich lobten, dürfte Ihnen viel-' leicht unter den dermaligen Umständen am Besten con- veniren. Nach reiflicher llcberlegung wurde von mir jeder Gedanke an eine Verbindung mit Ihnen aufgegeben. Ich habe nichts, als Schulden, und Sic besitzen kein Vermögen mehr; ich bin an's Arbeiten, Darben und Hungern nicht gewöhnt, und Sie sind es auch nicht, und da liegt es denn wohl auf der Hand, daß es das Veste seyn wird, unsere bisherige Verbindung kurz abzubrechen." Es thut mir sehr weh, so offen sprechen zu müssen, aber offen war ich ja stets.gegen Sie — Sie kannten meine Lage und meine Schulden. Hätten wir Beide zusamnien einige- hunderttausend Thaler im Vermögen, so bin ich überzeugt, daß wir recht gut zusammen passen würden; aber zwei nichts habende Wesen dürfen sich nicht lieben — sie können nichts Klügeres thun, als einander vergessen. Genug, ich sage Ihnen hiermit., daß ich nicht mehr auf Sie reflectiren werde. Leben Sie wohl! Ihr Rosenfeld." Obgleich Rosalie den Lieutenant von Rosenfeld nie eigentlich geliebt, sondern ohne alle selbstständige Wahl nur ihren Eltern zu Liebe als Bräutigam angenommen hatte, so versetzte sie doch dieser zwar offene, aber höchst herzlose Brief, in eine furchtbare Stim-. mung, und dieß um so mehr, als man sie über das 684 obschwcbende Schicksal in einer glücklichen Unwissenheit erhalten hatte. Sie rannte sogleich mit dem Briefe zn ihrer Mutter. „Kind^ was hast Du? Du siehst ja schrecklich aus!" sagte die Conimerzienräthin. „Sehen Sie hier"! erwiederte -Rosalie, der Mutter den Brief zeigend. , „Lesen sie einmal, was Rosenfeld schreibt, und sagen Sie, ob man nicht an der Menschheit verzweifeln sollte!" Die Conimerzienräthin las. Ihr entsank das Papier. „Ist es denn wahr?" fragte Rosalie, „daß wir an den Bettelstab gebracht sind?" „Wahrscheinlich!" versetzte die Mutter. „Gott sey gelobt!" Dann ist mein Herz doch wieder frei!" rief Rosalie zum Erstaunen der Mutter aus. „Und dieß greift Dich gar nicht an?" Dies freut Dich noch?" „Wohl greift es mich an, aber es ist mir glich lieb, daß ich von einem Manne los bin, zu dem ich nie eine wahre Neigung hatte. Was haben wir nicht für diesen Rosenfeld gethan, und wie lohnt er uns? Hätte er mit mir gesprochen, und mir seine Meinung gesagt, so hätte ich ihm erwiedert: Sie haben unter den jetzigen Verhältnissen recht— ich sehe es selbst ein, daß unser Bund aufgehoben werden muß! — Aber ein solcher gefühlloser Brief gegenüber der ihm belvie- senen Güte — das ist empörend!" So sehr sich Commerzicnraths bemüht hatten, die bloße Möglichkeit eines Fallissements zu verbergen, so wurde doch bereits in gailz Leipzig von der Sache gemunkelt. Auch hatte Werner bereits davon gehört. (Fortsetzung folgt.)' T r ä u in e. Träume sind uns eng verbunden, Sind des Herzens Gängelband, Weben sich in unsre Stünden, Senken uns in's Feenland. Träume scherzen, tändeln, kosen In dem Schlummer um uns her, Flechten lieblich Maienrosen In das Leben, licht und hehr; Steigen zu dem Schmerzculagcr, Dem die Freuden alle flieh'«/ Und auf's Antlitz bleich uns hager, Hauchen sie ihr Lächeln hin; Zaubern die Verblich'nen wieder Uns zurück in diese Welt, Wenn ihr farbenes Gefieder Unfern Geist umfangen hält; Steigen zu der kleinen Hütte, Wo des Kummers Thräne fließt, Und in der verlaff'nen Mitte Sich ihr reicher Born erschließt; Ihren Farbenteppich breiten Sie dem armen Pilger aus, Dem die Wirklichkeit nur Leiden Spendet in demMden Haus; Druck und Verlag der G. D. B Schweben in die Kerkersräume, Und mit milder Friedenshand Schlingen sie der Hoffnung Säume x Um die graue, feuchte Wand; Streuen Blüthen in die Oede, Füllen sie mit Früblingslust, -11116 der Freiheit Himmelsröthc Zieht dem Dulder durch die Brust; Süße Wesen, die im Leben Unserm Herzen ewig weit, Sie der Sehnsucht wieder geben „ Zn der Hoffnung grünem Kleid; Und auf Rolen hingegossen, In der Seelen Sympathie, Wird der neue Bund geschloffen Unter Sphärenharmonie; Schweben süß in Lichtgcstalten Zu der Maid^in'ö Kämmerlein, Um die Wang', der glanzumwallten, Tändeln ihre Liebelei'«; Und Gott Amor spielt, der Traute, Ihr am luft'gen Busenband, Redet, sanft-wieLicolslautc, Ihr von süßcni Liebcstand; Selig in dem Zauberkreise, Faff't sie all' die Wonne kaum --- Da erwacht' sic — lispelt leise: ,.Ach, es war ja nur ein Traum" Und so ist das ganze Leben Nür ein leeres Traumgebild', , Und so iü der Menschen Streben Nur in Schein und Trug gehüllt! Und. so sind der Erde Gliter Ewig nur ein eit'ler Schein, Und so steigen auf und nieder Ewig sie in bunten Reih'«. Heute strahlt in Lust und Wonne Dir das höchste Lebensglück, Morgen, ach! sinkt schon die Sonne Wie ein Traum in Nichts zurück! Schon im Lenze malt der Knabe -Sich die Zukunft golden aus; Doch das Traumbild geht zu Grabe, Reicht, ihn, einen harten Strauß. Und der Jüngling, riesenmächtig Stürzt er in de« Drang der Zeit, Baut sich Schlösser groß und prächtig, Träumet ihre Wirklichkeit!- Und so kräumt er goldne Zeiten Sich durch'ö ganze Leben hin, Wie sie kommen, wie sic gleiten. Seine Traumgebilde flieh'n. Und so hascht er nach dem Glücke, Nach dem cit'lcn Schattenbild, Das mit Sehnsucht seine Blicke, Scine Traumwelt ganz erfüllt; Bis er kehret in die Stille Aus der Träume buntem Spiel; Bis der ewig hcil'ge Wille Ihn geführt zum großen Ziel!-- Eine Thräne ttmtcf nieder Zu dem Grab, auf dem er kniet „Gieb mir meine Träume wieder!" Ruft er, und sein Geist entflieht. Theodor Loos. hl'schen Buch- und Lteindtuckerei.