Inrcigeblnlt für die Stadt und den Kreis Gießen. J^o 70. Mittwoch den I. Septettiber 1 7 Bekanntmachung. Am 31. v. M. ist auf dem hiesigen Wochenmarkte einer unbekannten Weibsperson eine hölzerne Büchse mit Geld entwendet worden. ' ' "’:" Die rechtmäßige, Eigenthümerin dieses Geldes hat sich binnen vier-Wochen zur Empfangnahme desselben dahier anzumclden, widrigenfalls darüber anderweit verfügt werten wird. Gießen am 23. August 1847. Der Großh. Hess. Kreisrath des Kreises Gießen. P r in z. Besondere Bekanntmachung. 1268) Die Verloosung 3^2 proeentiger städtischen Schuldverschreibungen auf Inhaber. Durch die, gemäß der Bestimmungen des Schuldentilgungsplans der Stadt Gießen vorgenommene Verloosung, sind die nachfolgenden Capi- talicn zur Rückzahlung bestimmt worden: Lit A AS 51. 1000 ft- // A ff 156 1000 ff ff B. ff 84 500 ff ff C. . ff 242. 100 ,, ff C ff 505. 100 ff ff C. ff 520. 100 ff ff C ff 570 100 ff ff D ff 72 50 ff ff D. ff 77. . 50 ff 3000 fl. Die Inhaber dieser Obligationen werden hiervon in Kenntniß gesetzt und zugleich aufgefordert, ihre Eapitalien bis zum 1. October d. I. gegen Zurückgabe der Scbuldverschreibuugen und der noch nicht verfallenen Ziuscoupons bei der Stadtkaffe dahier in Empfang zu nehmen, weil von dem 1. October an die Verzinsung der Capitalieu nicht mehr stattfindet. Gießen den 6. Juli 1847. I. SB. d. B. Der Beigeordnete Rühl. Versteigerungen. 1600) Montag den 6. September l. Z., Morgens 9. Uhr, soll das Grummetgras von. ungefähr 16 Morgen Gemeindewiesen zu Alleudorf an der Lumda, unter den im Termin bekannt, zu machenden Bedingungen versteigert werden. Der Zusammenkunstcort ist am Unterthor, Allendors a. d. Lumda den 30. Aug. 1847. Der. Bürgermeister Wagner. 1601) Main - Weser-Eisenbahn. Erdarbeiter!. Dienstag den 7. September' l. I., Nachmittags 3 Uhr, werden für circa 15,000 fl. Erdarbkiteu in der Gemarkung Niedermörlen versteigert. Die Zusammenkunft ist zunächst der kurhessischen Grenze, an dem Uebergange des Wisselsheimer Weges. Butzbach den 29. August 1847. '' , Der Gr. Hess. Sections-Jngenieur der Section Butzbach. M ev er. 1603) Versteigerung von Obst. ,Freitag den 3. k. M., soll der dießsäbrige Ertrag der auf der Straße zwischen dem Westphälischen Hof und Fellingshausen stehenden Birnbäume auf Ort und Stelle in mehreren Abtheiluugcn versteigert, und hiermit Vormittags 8 "Uhr bei dem Westphälischen Hofe der Anfang gemacht werden. Gießen den 26, August 1847. Der Gr. Kreisbaumcister Holzapfel. 1598) Das' Auf - und Abschlagen, Ueberwin- tern 2C. der Badehäuser, welche dem hiesigen Badc- vercin gehören, soll Freitag den 3. Septbr. d. I., Abends 6 Uhr, tu» - 524 in der Pulvermühle dahier, auf drei Fahre an den Wenigstnehmenden veraccordirt werden. Gießen den 28. August 1847. Der Vorstand des Badevereins. 1599) Künftigen Freitag den 3. Scptbr. l. I., Mittags 12 Uhr, soll das Gemeindeobst dahier, öffentlich meistbietend versteigert werden. Dje Gr. Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden zu veröffentlichen. Hausen den 26. August 1847. Der Bürgermeister - Dern. Feil geboren. 1602) Süße und saure Frühäpfel, beide Sorten gebrochen, die Mcste zu 14 fr., sind zu haben bei Weißgerber Löber's Wittwe. 1557) Eine Partie 3—4öhmige Fässer, in bester Beschaffenheit, welche sich zu Aepscl- wein u. dql. eignen, sind zu verkaufen bei L- T. Felsing. 1558) Rechtes Kitzinger, sowie auch Frankfurter Lagerbier, empfiehlt in der ganzen, halben und viertel Ohm den Herren Wirthen bestens L. T. Felsing. 1604) Drei gebrauchte Friedrichshütler Oefen Mit 1 und 2 Kochkacheliz, sind dahier unter vor- theilbaften Bedingungen zu verkaufen. Das Nähere ist in der Erped. dieses Blattes zu erfragen. 1605) Ein sehr großer, gebrauchter Kleider- schrank steht in der Neumühle dahier billig zu verkaufen. 1570) Kelternschranben von geschmiedetem Eisen, IN jeder beliebigen Größe, werden gefertigt von G. Renzel, Schmiedmeister Lit. D. Mä, 49. Zn vernnethen. 1597) Ein Familien - Logis ist zu vermiethen tei Pb. Ludekiug. 1594) Ein Logis, bcstebend in 4 heizbaren Stuben, einer Kantmer, Küche, verschlossenem Keller, Holzsiall und Mitgebrauch der Waschküche, ist zu vermiethen bei Carl Steinberger in der Löwengasse. 1574) I« dem Hause der Jacob Wallenfels Kinder auf dm, Neuenweg sind mehrere gut aus- möblirte Zimmer auf den nächsten Cours zu ver- miethen. W. Hellmold, Bäckermeister. 1575) Das untere Local des von uns eingerichteten Möbel-Magazins am Reichensaud, welches sich vorzüglich zu einer Laden-Einrichtung oder Niederlage eignet, ist zu vermiethen und sogleich zu beziehe«. H. Hellmold I. Vermischte Nachrichten. 1596) Alle diejenigen, welche an die Andreas Müller's Wittwe, resp. deren Erden, Zahlungen zu leisten haben, werden hierdurch aufgefordert, solche innerhalb 14 Tagen an mich zu berichtigen. Zugleich werden aber alle, welche rechtliche Forderungen an die genannten Erben zu machen haben, ebenfalls aufgefordert, binnen gleicher Frist ihre betreffenden Rechnungen mir zu übergeben. Gießen den 30. August 1847. Wilhelm Rü h l, Vormund. 1606) Montag deu 30. August ist am SelterS« weg ein Päckchen mit schwarzer Seide und Goldfaden aus dem Fenster gefallen und von vorübergehenden Herren aufgehoben worden. Man bittet das Gefundene auf der Polizei abzugeben. 1528) Hiermit mache ich die ergebenste Au- zeige, daß ich mich als Herren- und Damen-Schuh- machermeister dabier etablirt habe. Durch billige und solide Arbeit werde ich mir die Zufriedenheit aller mich beehrenden Kunden erwerben, und bitte daher um geneigten Zuspruch. Meine Wohnung ist bei Herrn Sieindeckermeister Rothaug in der Neustadt. Heinrich Pfeil, Schuhmachermeister. 1595) Am Mittwoch Abend den 25. August, ist im Clubbsaale ein Fächer verloren worden, indem er auf einem Tische liegen geblieben. Der redliche Finder wird ersucht, ihn gegen eine Belohnung an Herrn Müller im Einhorn abzugeben. 1559) Zur gefälligen Beachtung! Der Unterzeichnete hat noch über einige freie Stunden täglich zu verfügen, und wünscht, dieselben durch Unterrichtertheilen außer dem Hause zu besetzen. N. Ad not, Lehrer der sranzösischen Sprache, bei Glasermeister Gauß auf dem Asterweg wohnhaft. 1583) In der Möbel - Fabrik des Unterzeich. neten können noch einige, in der Möbelarbeit geübte, Schreinergesellen dauernde Arbeit erhalten. Ph. Leib. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Getauft. Den 29. August. Dem Bürger und Tabaksfabrikanten, «arl Gail, eine Tochter, Elise Philippine, geboren den 13. Znli. Beerdigt. Den 29. August. Katharina Dorothea Wagner, des Bürgers und Schuhmachermeisters, Philipp Wagner, eheliche Tochter, alt 2 M. 25 T., gestorben den 26. August. 525 Angekommene und abgereiste Fremden vom 27. bis 30. August 1847. Im Prim Carl: Hr. Eigner, Kfm v. Gelnhausen. Hr. Lang, Oecon. ö. Hörchenau $>r. RikSbach, GeschäktSm. v. Hanau. Hr. Merckel, Schloff, v. Rödgen. Hr. Müller, Kfm. v. Elberfeld. Hr. Henckel, Pfarrvic. v. Neustadt. Hr. Specht, Gastw. v. Battenberg. Hr. Borger, Spcdit v. Offenbach Hr. Heilmann, Gastw. v Freiensteinau. Hr. Neiß, Spedit. v Lautersheim. Hr. Hardt, Müll. v. Gun- zenau. Hr. Langermann, Kfm v Dillenburg Hr. Hirsch, Handelsm. v. Homburg. Hr. Höhr, Uhrm. v. Schonach. Hrn. Handelst Wcisenack v. Dorheim, StrauS v Ostheem, Schott u Simon e. Stierfelspcim, Vogel u. Abraham v. Großzimmern. Hr. Brückmann, Oecon. v. Landcnhausen. Im Barmstaedter Baus: Hrn Geschäfts!. Noch U. Neuholz v. Bremen, Busch v. DrrnSfeld, Köhler v. RüdingS- baufen u. Ehrhardt v. Gönnern. Hr. Ditfchler, Fuhrm. v. Büdingen. Fr. Keil v Jesberg. Hr. Eschle, HandelSm. v. Fortwangen Hrn. GcschäftSl. Triege t>. Friedberg u Ditt- mar v. Göttingen. Hrn. Handelst. Raum, Nagel u. Wahle v Winterberg Hr. Knieriem, Müll, v Oberohmen. Hr. Schmidt, Geschäfts«. v. Seibertenrod. Fr. Baum v. Daubrm- aen Hrn. GefchäftSl. Müller v. Eorbach, Rau v. Amöneburg u. Salzheimer v. FeiberShaufen Hr. Stern. HandelSm. v. Laubach Hr. Freudenthal, Schrein, v. Battenfeld. Hr. Löbe, HandelSm. v. Biene Hr. Schmalz, Oecon. u. Fr. Hartmann v. Hungen. Hr. Kuhl, Fuhrm. v. Amberg. Hrn. Soldat. Dauber, Mützel u Wolf v. Battenfeld, Thomas v. Dodenau, Battenfeld v. Rennertehausen, Starck v. Allcndorf, Bürck u. Kreitze v. Wolfgruben. Im Stern, Hrn. Handels!. Blumenthal v. Bernburg u Isenberg v. Hesborn. Hrn. Färb. Hoch v Melheem u. Rahn v. Strock. Hrn Fuhrl. Staffel v. Marburg «. Allrotz v Hannover. Hr. Rosenberg, HandelSm. v. Ruhten. Jungfer Marr v. Biedenkopf. In der Sonne: Hr. Dehnhardt, Handelsm. u Fr Gold- mann v. ErShauscn. Hr. Walbert m. Fr., GefchastSM. v Goßlar. Jungfer Wagner v Beuern. in der Hose: Hrn. Soldat. Lcttermann «. Zirjar v. Biedenkopf, Spieß u Fett v Dautphe. Hr. Schmitt, HandelSm. v. Hochelheim. Hr List, Wed. v. Lauterbach. Hr Inter- thal, Fuhrm. v. Hattenrod. Hr. Volkmar, Schncid. v AlS- feld. Hr. Knee«, Schrein v. Freiensera. Hrw Geschäfts!. Sulzmann v. Urberach u. WaUer». Strebedorf Hrn. So dat. Waiant v. Buchenau, Gorr v. Wallau, Fischbach v. Michelnau, Brühl v. Biedenkopf u. Schmidt v. Steinberg. In de» Prtvathäusern. Bei Hrn. Reitkn. Becker; Hr. Becker, Küfer v. Frankfurt. — Bei Hrn. Postmeist. Boigt: Freifrau v. Stein v Darmstadt. - Bei Hrn Lehr. Römer: Hr. Bernhard, Or- gelb. u. Hr. Römer, Oecon. v. Romrod. — Bei Wittwe Wagner: Jungfer Schwalm v. Lollar. — Bei Hrn. Superint. Simon: Hr. Ebel, Pfarrvic. v. Grünberg. — Bei Hrn. Dr. Borck; Fr. Pfarr. Decker v. Hochweisel. — Bei Hrn. Profess Dr. Knapp: Frl. Hundeshagen v Bern. — Bei Fr. Buchh. Heper: Fr. Obcrzolldirect-R. Bender v Frankfurt.— Bei Hrn Kirchen-Dien. Schneider: Hr. Schneider, Feldweb. v. Darmstadt. — Bei Wittwe Schmincke: Hr. Zachariä, Stud. v. Marburg. — Bei Hrn. Glasermeist. Vogel: Hr. Schmitt, Access. ». HernSheim. — Bei Hrn. Fuhrm. Leng: Hr. Leng, Privatm v. Marburg. - Bei Hrn. Geh. R. Langsdorf: Fr. Distr.-Einnehm Heß m Tocht. v. GernSsetm. - Bel Hrn. Geh. R. Prof. Dr. v. Löhr: Hr. v. Lohr, Oberlieutn. v Offenbach. — Bei Hrn. Prof. Dr. Wilbrand: Frl. Knapp v. Darmstadt. - Bei Fr. Prof. Sell; Hr. Stamm, Lieutn. v Darmstadt. — Bci Wittwe Balser: Hr. Wcpprccht, Kfm. v. Butzbach. — Bei Hrn. Regier.-R- Stammler: Fr. Apoth. Großmann m. Tocht. v. Battbnbcrg. — Bei Hrn. Ehr. Wagner: Jungfer Ammann v. Meisenheim. — Bei Heinrich Schneider's Sohn: Jungfer Becker v. Londorf. — Bei Hrn. Hofger-Advoc. Welcker: Hr. HaaS, Access v. Alzeu — Bet Hrn. Landger.-Di«n. Scharmann: Hr. Volkmar, Prwatm. v. Alsfeld. — Bei Hrn. Bauauffeh. Mirka: Hr. M»ka, Prtvatm. v. Queckborn. — Bci Hrn. Weinhndl. ASmuS r Hr. Müller, Profess, v. Freiburg. In den Gasthäusern. Im Happen: Hr. Willingen, Doct. v Amsterdam. Hr. Wagner, Kfm. v. Siegen. Hrn. Gutsbes. L. Ridolfi u. N Ridolfi v. Florenz. Hr. Winterreuter, Kfm. v. Mainz. Hr. Drautenhofer, Maurermeist. v. Braunfels. Hr Schulz, Obrist v. Darmstadt. Hrn. «fl Hofmann v. Bremen u. Cramer v. Cassel. Hr. Riegler, Liefer, v. Friedewald. Hr. Lüdicke, Pfarr. v. Schönfeld. Hr. Weber, GutSbes. v Wertb- heim. Hr. Grimm m. Fr., Kfm. v Riga Hr. Mepcd, Profess, v. München. Hrn. Kfl Denncckc v. Hamburg u. Rautert v. Kettwig Hrn. Profess Marschand v Halle u. Hundeshagen v. Heidelberg. Hr. Mecker, Doct. v. Halle. Hrn Kfl. Friedberg v Bingen, Becker v. Mamz, Lcipold v. Bremen, Eiscmann v. Magdeburg, Fuchs v. Bcringrode u. Groß v. Offenbach. Hr. Müller, Stud. jur v. Marburg. Hrn. Kfl. Baumann v Frankfurt, Reiß v Siegen. Franck u. Lehr v. Bremen. Hr. Kilian, Dr. med. v. Darmstadt Hrn. Kfl. Plöger v Durlach, Menck v. Carlshafen u. Kurz v. Binäen. Hr Rode, Sind v. Göttingen. Hr, Reichardt, Profess v. Dorpart. Hr. Schmitt, Hauptm. v. Marburg. Hr. Schaub, Lehr. v. Cassel.. im Einkorn: Hr. Gortirr, Reut. v.Valencienne. Hr Walter, Kfm. v. Kreuznach Hr. Schleuning, Reg.-Kamm -R. v. Darmstadt. Hr Fischer, Kfm. v. Mainz. Hrn. Rent. Götti u. Flindt in. Bedien, v. Copenhagen. Hr. v. Borink m. Fam u. Bedien., Gutsbes. v Dresden. Hr. Repotson m. Fam. u Bedien,, Capit v. London. Hr. Kun- dershagen, Rent v. New-OrleanS. Hr Kißler, Kfm. v. Zweibrücken. Hrn. Offiz. Douckeur u de Chrrand v. Colmar Hr. Siegner, Kfm. v. Mannheim. Hr. Freiherr v. Linde, Geh. StaatSr. v Darmstadt. Hrn Kfl. Färber m. Fam u. Bedien, v Lpon » Zerdufen v Brcnken Hr Baron v. Rau, Gutsbes. v. Hanau. Hr. Defuiffeaur. Propriet. v. Pari» Hrn. Kfl. Mönster v Osnabrück, GockuS v. Hanau u. Wüstem v. München. Hr Strauß, Fabrik, v. Magdeburg. Hr. Bercndt m. Fam. u. Bedien., Geb. Juss-R. v. Berlin. Hr. Freiherr v Lindenau m. Fam u Bedien., Gutsbes. v. Germersheim. Hr Romarke, Kfm v. Landau. Freiftau v. Mn- fenburg m. Bedien, v. Frankfurt. Hr. Dr. Hartotz, Advoc. v Cöln. Hr Mackensen, Kfm. v. Trier. Hr. kostelett m Bedien., Rent v Berlin. Hrn. Kfl. Ansbach v. Bremen, Hürfahn v. Cassel u. Präger v. T üffeldorf Hr. Barkhausen, Rent. v Bonn. Hr. Cramer, Kfm. v. Mainz. Hrn. Oecon. Kleber v. Hochheim u Schneider v. GustavSburg. Hrn. Stud. Zwenger u. Most v. Marburg. Hr. Mengerdt, Optic. v. Offenbach. Hrn. Dr. jur. Flor u Bor v. Marburg. 526 UnterhalteuZes und Gemeinnütziges. Moderne Handwerksnnßhräuche (Fortsetzung ) Sehr ausdrücklich klagt auch der bereits erwähnte Baron Schröder über die mangelhafte Erziehung der Lehrburschen, indem er sagt: Daß die Gesellen sich auf ihrer Wanderschaft vervollkommnen müssen, käme daher,, daß die Meister in den Lehrjahren, ihrem Jungen nichts lehren mit dem ewigen Vorwande, ich habe mein Handwerk müssen in der. Fremde lernen und mein Meister hat mir nichts gesagt noch gewiesen, laufe du nun auch hin und stehe aus, was ich ausgestanden Haber Unb- ist Gott zu erbarmen, wie die Menschen so zur allgemeinen Ungebühr gewöhnt seyn, daß sie meinen, es müsse ein Jeder erst salva venia im Drecke waten, ehe er auf eine lustige. grüne. Wiese kommt. Der Lehrling, größtentheils zu häuslichen Arbeiten erniedrigt, lernt nur -die einfachsten Handgriffe und wird nicht wegen seiner Kenntnisse, son-. dern wegen einer Reihe überstandener Hehrjahre frei- gesprochen. Allerdings würde es schwer halten, auf andere Bedingungen arme Kinder, welche die Eltern weder nähren noch kleiden können, als Lehrburschen anzubringen, und daß, sobald man ein Lehrgeld statt der häuslichen Dienste allgemein einsühren und den Lehrherrn nur Lehrer und nicht auch Herr seines Burschen sepn lassen wollte, eine Menge ganz armer Finder .von der Erlernung der Handwerke ausgeschlossen seyn würde. Offenbar -ist es aber auch, daß, so lange diese häusliche Dienstbarkeit allgemein besteht, Knaben, welche eine sorgsältige Erziehung genossen haben und an die milde Behandlung in einer anständigen Familie gewöhnt sind , nicht bei Handwerkern - (einzelne, Ausnahmen, die achtungs- weUhe Lehrhcrren machen, können hier nicht in Anschlag kommen > in, die Lehre gegeben werden können, und dennoch ist eher keine wesentliche Verbesserung der Handwerke zu erwarten, als bis die gebildeten Stände es nicht mehr verschmähen, ihre Söhne dafür zu bestimmen. So lange noch immer einerseits Alles, was Vermögen und Bildung erworben hat, sich aus dem Handwerksstande drängt, und andrerseits Niemand aus den höhcrn Ständen Vermögen und Bildung dahin zurückbringt, so lange werden die Handwerker sich niemals über ihre jetzige , wenig erfreuliche Lage erheben können. ‘ So wie man jetzt verfährt, kommen die Burschen in Jahren in die Lehre, wo sie noch immer einiger Uebuntz und Wiederholung bedürfen, wenn'-sie den Schulunterricht nicht vergessen sollen. Wer Lehrburschen zu beobachten Gelegenheit hat, wirb sich aber leicht überzeugen, daß sie gemeinhin nur desto schlechter schreiben und rechnen, je länger sie in der Lehre waren. Es kann auch nicht anders seyn, wenn man erwägt, daß Lehrburschen und Gesellen in ihren langen Dienstjahren selten Gelegenheit haben, eine Feber aiizusctzcn. Man kann es unserer Zeit nicht vorwerfen, daß sie dieses Bcdiirsniß nicht fühle; daher die so häufig entstandenen Sonntagsschulen für Handwerkern Ohne die gute Absicht und den offenbaren Nutzen, welchen diese Institute stiften, verkennen zu wollen, muß man doch gestehen, daß sie schwerlich him eichen können, dem"Uebel abzuhelfcn. Fast immer sind nur in großen Städten Mittel und guter Wille zu solchen Anstalten aüfzutreiben. — Noch liegt ein mächtiger Nachtheil endlich darin, daß nichts den Meister reizt, dem Lehrling den ganzen Umfang • seiner Kenntnisse offen barzulcgen und ihm Alles, was er davon lassen kann unb will, beizubringen. Es gibt ohne Zweifel rechtschaffene Meistep, welche, gedrungen durch ihr Gewissen, einem lernbegierigen Burschen nichts verhehlen und keine Mühe scheuen, ihn über jeden Handgriff und Vorthcil zu unterrichten. Man braucht aber in allen Gewerben viele grobe Handlangerarbeit; den Lehrling dazu an- zulcrnen, treibt den Meister sein Vortheil, aber ihn weiter zu bringen, hat er kaum irgend ein Interesse. Kein Schneiderlehrbursche lernt zuschneiden, die Gesellen müssen es in der Regel heimlich abschen. Ucberhaupt wird fast in keinem Handwerke die Zusammensetzung des Ganzen, die Auswahl und der Ankauf der Materialien, die ganze Oekonomie des Gewerbes ausdrücklich gelehrt. Die Gesellen sehen das in reifen Jahren ab, manches wird einem Günstling erst spät als. ein Geheimniß mitgetheilt. Bei manchen Vortheilen in der letzten Appretur scheut der Meister den Lehrling und Gesellen wie einen Spion. Es ist. nicht immer. Eigennutz, es ist häufig nur die Macht der Gewohnheit, welche den Meister veranlaßt, scjne Untergebenen den Weg zu führen, den er selbst geleitet wurde. Man halt cö für einen unzeitigen Vorwitz, wenn der Lehrling mehr, zu wissen verlangt, als sein Meister weilanb als Lehrbursche wußte. Man glaubt, daß es dem meisterlichen Ansehen nachtheilig werden könne, wenn so junge Leute schon von dem ganzen Umfange des Gewerbes unterrichtet wären. Man meint, daß die Jugend übermüthig und ungehorsam werden würde, wenn sie der Leitung des Meisters nicht so lange bedürfte. Was wähnt man nicht Alles, wenn Eigennutz, Gewohnheit und Gemächlichkeit den Wahn beschönigen? Oder wenn es andrerseits heißt: Bei allen deinen Jahrbüchern neuer Erfindungen fehlt dir das Einzige und Wichtigste, nämlich das, welches in dir das Andenken an die Alten und an die Grundsätze deiner Vorfahren erhält. Als die doppelte Ehre des 527 Handwerks, für die, welche es trieben und für die Art, wie es getrieben wurde, verloren gegangen war, kam es dahin, daß man von nichts als von niedrigem Eigennutz wissen konnte und wollte. Mit dem Adel, den alle Stände — jeder nach seiner Weise — hatten, verirret ihr auch nach und nach das anstellige Handwerkstalcut. Dahin gelangtet ihr durch einen Rangstreit tiefer Erniedrigung, in welchem ihr einander zu übertreffen und der Eine den Andern zu überwinden suchtet, an Erfindsamkeit der Mittel zu diesem zerstörenden Zwecke. Alle Künste des Betrugs und des mühsamsten Nachdenkens wurden angewandt, um den Fabrikaten etwas an innerem Werthe zu nehmen und dagegen an äußerem Scheine zuzusetzen. Wie hier gespannt, gereckt und gestreckt wurde, um die äußere und scheinbare Größe beizubehalten, wenn der innere Gehalt vermindert und Gold in Senülor verwandelt war! Alle, welche das deutsche Fabrik- und Handwerks- wesen kennen, werden wissen, welche oft trüglichen Mittel sich ein Handwerksmann neben den andern erlaubte, um sich einen bedeutenden Absatz zu verschaffen, oder die Abkäufer eines Andern an sich zu lecken. . (Forts, folgt.) Der Bastard von Gemappe. Historische Erzählung von F Mcnk. (Fortsetzung ) „Ihr ftpd im Forst von Fordere von meiner Leibwache ergriffen worden," begann endlich der König, den GefaUgeucn scharf in's Auge fassend. „Ist das ein Verbrechen, Sire?" erwicderte dieser unerschrocken. „Ich bin ein armer Waldbauer aus dem Lothringischen und habe mich hierher g flüchtet. Die königlichen Soldaten ergriffen mich, als ich gerade einen Platz zu meiner Wohnung aushauen wollte." „Ihr seht nicht aus wie ein Bauerunterbrach ihn heftig Ludwig XI. „Hütet Euch, die Unwahrheit zu sagen, eine Lüge und Ihr seyd um den Hals. Ihr führtet Waffen bei Euch!" „Nur ein Beil und ein altes Schlachtschwert." „Wußtet ihr nicht, daß eS streng verboten ist, sich in der Nähe von Plessis-Ies-Tours anzusiedeln?' „Nein, Sire!" „Habt Ihr Niemand sonst int Wald getroffen?" Der Bauer entfärbte sich ein wenig, dann warf er einen Blick zu dem gelassen dasitzenden Pascal hinüber, „Dennoch," sagte er daun, „den Herrn da!" „Pascal!" rief der König und sprang heftig auf. „Es" äst so," nahm der junge Mann ruhig das Wort, aber seine Stimme zitterte- „Ich traf diesen Mann und sprach lange mit ihm, er erzählte mir dasselbe, was er vor Ew. Majestät bekannte. „Warum hast Du mir nicht gleich Meldung davon gethan?" fragte finster Ludwig XI. „Ich hielt die Sache für zu unbedeutend, mein königlicher Herr!" „Ich will Dir glauben, Bauer" wandte sich der König wieder an diesen, „aber Du wirst acht Tage auf dem Schloß in Haft bleiben, bis der Wald durchsucht seyn wird." Er winkte — die Wachen führten den Gefangenen wieder fort. Tristan trat wieder ein. „Die. Abtheilung hat den Befehl erhalten," sagte er; „wie iffs mit dem Gefangenen, Sire, der so eben wieder fortgeführt wurde?" „Ich glaube, der Kerl ist unschuldig, nach acht Jagen laß ihn laufen," warf der König hin. „Laufen lassen, Majestät? fragte wie empört der Profosi, der nichts unlieber that, als Gefangene wieder frei geben. „Ich wette meinen Degenknopf gegen das Herzogthum Burgund, der Kerl ist ein Gauner und Verrather. Nehmt ihn noch einmal in's Verhör. „Der Bauer kann keins von beiden sevn!" unterbrach ihn heftig Pascal. „Ich habe lang mit ihm gesprochen." „Ei seht doch, Herr Gcheimschreiber!" rief höhnisch der Oberhofbichter. „Ihr auch da? Nun wer weiß, zu was es gut ist, daß ich an Euch erinnert werde. Ihr habt also mit dem Bauer gesprochen, er hat mir das erzählt; wißt Ihr Euch des Orrs vielleicht noch zu erinnern?" „Gar wohl, es war an der großen Eiche, die mitten auf einer kleinen Wiese steht," antwortete unbefangen unser junger Freund, der keine Arglist ahnte. L'Hermite warf ihm einen vernichtenden Blick zu und trat zu dem König, der sich in eine Vertiefung des Fensters zurückgezogen hatte. Er sprach wieder heimlich mit ihm und Ludwig gab Pascal den Befehl, im Archiv einige Papiere zu suchen. „Ihr habt es also aus dem eigenen Munde Eures Geheinischrcibers vernommen," begann Tristan, als er sich mit dem König allein sah; „Ihr habt es vernommen, daß er den Bauer an einer Eiche gesprochen; ich aber sage Euch, der Bauer behauptet, dieß wäre an den Ruinen einer al en Kapelle geschehen. Ahnet Ihr noch nicht geheime Perrätherei? Nun wohl, dann weiß ich nichts weiter mehr zu sagen und beklage die Verblendung meines weisen Königs." „Noch nie ist mir ein Urtheil schwerer, als dicfes gefallen," stöhnte der König. „Würde dem Staat mit dem Leben dieses Jünglings eilt Opfer gebracht — ich dürfte nicht zaudern, aber immer ruft mir eine innere Stimme zu: halt ein, Du begehst ein Verbrechen, und es ist mir nicht möglich, die Rechte der Dankbarkeit zu verletzen." „Der Dankbarkeit?" lachte höhnisch der Profoß. 528 „Sire, über die Rechte muß ich lachen. Pascal hat Euch durch -einen Zufall das Leben gerettet und er trachtet Euch jetzt vielleicht wieder nach demselben —- wer steht verächtlicher da? Ich verlange auch nicht den Tod dieses jungen Mannes,' aber die Staatsklugheit erheischt es, ihn den Unwerth alles Vergänglichen 'empfinden zu lassen.'/ „Tristan!" rief der König, von Ahnungen erfüllt, und die Vergangenheit zog an ihm vorüber, „Tristan, ich habe während den zwanzig Sobren , daß ich auf Frankreichs Throne gesessen, einsehen gelernt, daß daS Treiben der Menschew eitel Trug und Hinterlist ist. Denk an den Cardinal Balue, denk an den Conne- table Saint-Pol, denk an viele andere, die ich erhob — und die mich betrogen. Tristan, Du warntest mich vor allen und ich folgte dir nicht. Wohlan — Pas- ra l sey das Sühnopfer ihrer Verrätherei, ich will der Kirche unserer lieben Frauen zu Clery," er entblößte dabei fein Haupt und bekreuzte sich andächtig, „große Güter schenken, ich will Alles thun, wenn der Knabe unschuldig ist, aber ich folge Dir diesmal, weil ich so oft Deinen Rath verworfen. Verhafte den Geheimschreiber, aber," setzte er beinahe besorgt hinzu, „gehe mir glimpflich mit dem Knaben um und thue es ohne Aufsehen erst in der kommenden Rächt. <$r wandte sich rasch — aber Tristan stürzte wie ein Pfeil zum Gemach hinaus, denn et fürchtete nicht mit Unrecht den Wankelmuth des Königs. Sein Gang war Triumph, als er zu Leokadia eintrat; er sprach das eine Wort: „g e st ü r z t!" und jauchzend umarmte die Gefallene den blutdürstigen Tiger. 8. Eine unfreundliche Nacht hatte sich auf die Fluten von Plessis-les-Tours herabgesenkt. Grollend fegte der Sturmwind übet die öde Fläche und nur selten drang der Mond durch die finstern Wolken, um die düstere Landschaft zu erhellen Pascal hatte sich unausgekleidet auf das Lager geworfen — er konnte nicht schlummern , so oft er auch die Augen schloß. Die Ereignisse der letzten Wochen erregten ihn allzu sehr. Jeoffroy's geheime Pläne, der entsetzliche Tod feiner Mutter und Ludwig XL fein Vater! Er konnte das Ungb- heure kaum fassen. Fürwahr, an dem jungen Mann waren wunderbare Schicksale, bewegt von wilden Stürmen, votübetgezogen, und versöhnend trat nur Clotilve aus der Mitte dieser seltsamen Wechselfälle. Et sprang hastig auf, ging einigemal im Zimmer auf und. ab und stieß endlich das Fenster auf. Tiefes Schweigen ringsum, kein Laut unterbrach die nächtliche Stille, nur selten tönte der Rus der Wachen aus den ferneren Theilen des Schlosses zu ihm herüber. Die Fenster seines Gemachs ragten gerade übet den Wall des Schlosses und wgten nicht allzuhöch von dem trockenen Graben entfernt. Eine geraume Zeit mochte der junge Mann schon aus der Brüstung gelegen haben, da dünkte es ihm, als dränge Geräusch von Männerfichritten aus der Tiefe zu ihm herauf. Einen Augenblick war Alles still, aber bald unterschied er wieder deutlich Laute, Stimmen erschallten halblaut, und beinahe wollt es ihm bedünken, als suche man den Wall zu erklimmen. Pas.cal's Herz schlug ängstlich , eine entsetzliche Ahnung überfiel ihn. Sollte Jeoffroy es wagen wollen, den eingefangenen Genossen- aus feinem Kerker zu befreien, oder sollte das nächtliche Wagniß ihm gelten? Im ersten Augenblick stürzte er nach der Thür, die Wachen zu rufen, aber zugleich erinnerte er sich auch wieder, wie unvorsichtig er sich dadurch in Gefahr stützen könne. Unschlüfsig blieb er stehen, da drang plötzlich Lichtschimmer dutck die Ritzen seiner Thüre; über den langen Cotridor hörte er die klirrenden Fußtritte Bewaffneter erschallen Ungestüm klopfte es, und als et öffnete, trat der Oberhofrichter, Tristan l'Hermite, gefolgt von demUnterbefehlshaber, feiner Trabanten, in das Gemach. „Zu fo später Stunde?" fragte Pascal, weniger erschrocken als erstaunt. „Ihr seht mich verwundert, Herr Oberhofrichter!" „Berräther müssen auf Alles gefaßt seyn," entgegnete schneidend der Profoß Ludwigs des Elften. „Im Namen des Königs verhafte ich Euch als solchen." „Ihr scherzt, Tristan," unterbrach ihn der junge Mann, der die ungeheuere Wahrheit nicht glauben konnte. „Geht, geht, legt Euch auf8 Ohr und schlaft auS." „Uebermüthiger Knabe!" rief l'Hermite, „ich bin nicht gewohnt, mit den Befehlen meines Herrn Spott treiben, zu lassen. Da seht den eigenhändig unterschriebenen Verhäftsbefehl Sr. Majestät." „Entsetzlich!" stieß der Jüngling aus, nachdem er einen Blick auf das Papier geworfen. „Entfetzlich! Wegen Hochverrat!), und ich bin unschuldig! Tristan, Tristan, Ihr ladet schwere Verantwortlichkeit auf Euch, denn nur Ihr sepd cs, der mich beim Könige verleumdet." „Ich bin Euch keine Rechenschaft über meine Handlungen schuldig," sprach kalt der Profoß. „Gebt Euch willig oder ich brauche Gewalt." Pascal stand lange in tiefes Brüten versunken, schon wurde Tristan ungeduldig, da fand der Jüngling wieder Worte. „Und welches Loos erwartet mich unter Eurer Obhut? werde ich den König wieder sprechen ?" fragte er düster. - „Cs soll Euch kein Leids geschehen," erroiebertc l'Hermite. „Der König wird Euch selbst mehr denn einmal verhören!..." „Wird er das?" unterbrach ihn der junge Mann hastig, und seine Stimme nahm einen triumphirenden Ausdruck an. „Ja, er wird es, er muß es, und daun, Tristan l'Hermite, sepd Ihr mit mir verloren." Der Profoß schrack sichtlich zusammen; der ungeheure Ernst, mit welchem der Jüngling diese Worte 529 gesprochen, ließ ihn ein Geheimniß ahnen. Ein Wink entfernte den Begleiter, und beinahe demüthig fragte er, ob Pascal noch etwas zu sprechen hätte. „Ob ich es?" rief heftig der junge Mann; „höret und staunet. Wäret Ihr jemals zu Gemappe mit dem König, als er noch Dauphin war?" Tristan schrack auf Vas furchtbarste zusammen, er begann den Zusammenhang des Geheimnisses bereits zu ahnen. (Schluß folgt.) Reisebilder vom Rheine. (Fortsetzung.) Nach diesem gewiß belohnenden Ausstuge in das Taunusgebirge wenden wir unS nun wieder zu unserem Rheinlande, dessen Eigenthümlichkeiten vollständig repräsentirt stnd auf der Strecke von Mainz bis Düsseldorf, auf welcher man füglich vier Stadien unterscheiden kann , die Waldek also charaeteristrt: Bon Mainz bis Bingen ist eine wahrhaft idyllische Partie, diese Strecke breitet sich mit dem Gepräge der lieblichsten Heiterkeit, von der Natur mit ihren schönsten Gaben geschmückt und gesegnet, wie ein Eden schimmernd vor dem Blicke aus. Die zweite Partie von Bingen bis Coblenz, wildromantisch, erfüllt mit ihren schroffen Höhen und drohenden Zinnen verfallener Rittersitze die Seele mit Bewunderung und Scheu, ist der Sagen Heimath, und heißt mit Recht der epische Theil der Rheinufer. ,— Die dritte, von Coblenz bis Bonn bringt eine Mischung von beiden zur Anschauung; die Berge wechseln mit Ebenen, die freundliche Natur lächelt aus üppigen Thälern und die Vorzeit blickt ernst von den Höhen burggekrönter Felsen. — Die vierte, von Bonn bis Düsseldorf, flach, den Uebergang bildend zum Niederländischen, nimmt als eigentlicher Schauplatz gedrängter menschlicher Thätigkeit, wo das bewegteste Leben der Gegenwart sich kund gibt in Handel, Industrie und Kunst, das Jn- tereffe des Beschauers auf eine neue, von jenen sehr verschiedene aber nicht minder anziehende Weise in Anspruch. Die Reisebilder, welche wir hier zur Ausstellung bringen, sind vorerst nur aus dem ersten Stadium der so eben characterisirten Strecken genommen, und wir beginnen nun mit der von Dichtern besungenen und von allen Reisenden vielgepriesenen Stadt Main z. Doch erwarte man keineswegs eine specielle Beschreibung der Stadt, sondern nur im Allgemeinen eine Charac- terisirung derselben. Von dem am rechten Ufer gelegenen Städtchen Kastel gelangt man über eine 1666 rheinl. Fuß lange, auf 46 Pontons ruhende Schiffbrücke, (welche die Mainzer an schönen Sommerabenden zum Spaziergang benutzen) in das „goldene Mainz," das trotz seiner mächtigen Festungswerke sein heiteres Ansehen nicht verliert, sondern einen überraschenden, ja bezaubernden Anblick gewährt und dessen Lage schon oft mit der von Constantinopel und Neapel verglichen wurde. Der Ursprung der Stadt, so wie ihre jetzige wichtige Bestimmung ist kurz und schön ausgedrückt in folgenden zwei Versen: Einst wardst von Römern gegen Deutsche Du gebaut; Nun ward zu deutschen Landen der Schlüssel Dir vertraut. Die Stadt mit ihrem classischen Boden bietet sowohl dem Alterthun,Sforsckcr, wie dem Kunstfreunde viel Interessantes, denn vor allen andern Orten auf der ganzen Rheinreise von Balel an ist Mainz reich an Sehenswerthem. In erster Hinsicht sind zu nennen, die römische Ringmauer, der Eichelstein und die römische Wasserleitung bei Zahlbach, in deren Nähe sich der nut' vielen prächtigen Denkmälern geschnrückte Friedhof befindet, auf welchem auch das schöne Monument des napoleonischen Veteranen-Vereins steht. In der Stadt selbst verdienen unsere Aufmerksamkeit die herrliche Cathedrale, an welche sich so viele große Erinnerungen knüpfen, und noch neun andere mitunter höchst' sehenswerthe Kirchen; sodann die vielen imposanten Militär- und Civilgebäude*), herrliche öffentliche Plätze, schöne, auch historisch merkwürdige Brunnen u. s. w. u. s. w. Außerdem verdienen noch einer besonderen Erwähnung die Sehenswürdigkeiten in dem ehemaligen kurfürstlichen Rcstdenzschiosse, bestehend in einer Sammlung römischer, mittelalterlicher und neuerer Denkmäler, der Stadtbibliothek, einer der bedeutendsten Süddeutschlands, dem Münzkabinette, der Naiuralien- sammlung, der Sammlung physicalischer und mechanischer Instrumente, dem Holzmodell zur steinernen Brücke, welche Napoleon zu Gunsten seines vielgeliebten Mainz über den Rhein bauen lassen wollte und durch den unglücklichen Feldzug nach Rußland an der Ausführung dieses großartigen Planes gehindert wurde; ferner der berühmten astronomischen Uhr und der beträchtlichen in zehn Sälen aufgestellten Gemälde Sammlung, deren beßter Dheil von Kaiser Napoleon der Stadt als einer „des 37 dünnes villes de la France“ geschenkt wurde. — Was von dem Leben und dem Character der Rheinländer in der Einleitung überhaupt gesagt wurde, das gilt von dem der Mainzer im Besonderen; denn Mainz ist der Mittelpunkt des rheinischen Lebens , wo alle Stadien von nördlichen und südlichen Zuständen zu- sammenlaufeN; in dem Mainzer vereinigt sich die leichte Heiterkeit des Südländers und die Gedankentiefe des Nordländers. — Worin liegt aber noch ganz besonders der Grund, daß jeder Fremde, hat er nur einige Zeil in dieser Stadt verlebt, sich mit so magischen Banden an dieselbe gefesselt fühlt und sie nur ungern verläßt?—Ein Mainzer Topograph gibt uns darüber *) Darunter der Iussizpallast, palais de juslice, wo die Sitzungen gehalten werden, denen Jever einmal bei« wohnen sollte, um dieses, am ganzen Rheine übliche, öffentliche Gerichtsverfahren kennen und schätzen zu lernen. 530 Dreisilbige Charade. Drei Silben, liebe Mädchen sind. Zwar ungleich sich am Werthe; Die erste macht die Menschen blind, Die andern zwei die Pferde. Auflösung des Anagramms in 69.: Lotto — L o t t e. Sträußchen für Damen. (Fortsetzung.) N a r z y s s e. Glücklich im Wahne zu schau'n die Geliebte im Spiegel der Quelle, Breitete bittend aus liebende Arme Narzyß; Wollte das theuere Bild umtaffen mit glühender Sehnsucht, Das sich so zärtlich zu ihm neigte in liebender Glnth Doch statt den bebenden Kuß er drückt auf schwellende Uppen, Küßte er stets nur getäuscht, feurig den Spiegel des Quells. „Holde Gestalt! So nimm mich dahin in die kühlenden Fluchen, Ohne Dich kann ich nicht sepn, nimm mich, den Freudlosen auf! Sa! Auch Du beklagst, daß die Quelle, so klein, mich nicht aufnimmt Liebend in kühlenden Schooß! Komm', o komme zu Mir! Ja, Du trauerst, Du weinst mit mir ob der grausamen Trennung, Ach! daß die Quelle kein Meer! Mir zum willrommencn Grab!" Und so schaut er sein Bild und liebt und erreicht es doch nimmer, Ewig ist es ihm nah, ewig ach! ist es ihm fern! Und so kuieet der Jüngling am Quell vor dem theucren Bilde, Sieht seinen eigenen Schmerz stets in krpstallener Flush Und so knieet er und schaut nach dem Bilde m liebender Sehnsucht, Trauernd, doch hoffend zugleich, noch seini eigen er's nennt. Flora erschaut ihn vol( Mitleid - und steh'! Eine duftenie Blume Blüht letzt am täuschenden Quell, neigt zu den Fluthen bad Haupt. Schöne! Bedenke, so oft Du nun pflückest die dufllge . ' Narzpffc, Daß sich cm Jüngling erfreut lange voll Sehnsucht und Schmerz!! streift u. s. s."__° „ ---------———- ------------Druck und Verlag der G. D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerer m G,eßen. F e n i l t. e t ö n. (Der Erfindungsgeist nutzt nicht immer) Ein Bäcker in Br. suchte dadurch Käufer anzulocken, daß er an den unteren Fenstern seines Ladens Vergrößerungs-Gläser anbrachte, wodurch das Brod weit größer schien, als cs wirklich war. Da das Brod jedoch, sobald es die Käufer in den Händen hatten, zusammenschrumpfte und merkwürdig klein wurde, entdeckte man endlich die optische Täuschung , und dem erfindungsreichen Bäcker wird >etzt im Gefängniß sein Brod gebacken. S........8- Der verstand zu lügen. Eiw Missionar erzählte einmal, er habe auf einer wüsten Insel 10,000 Heiden bekehrt. Aufschluß, und wir müssen ihm mit vollem Herzen beistimmen und die Wahrheit seiner Worte anerkennen, wenn er sagt: „In Frankfurt muß man Millionär fttyn, und für eine Million Krämergeist haben, will man glücklich sehn und was gelten. Darmstadt? Ein schöner Aufenthalt, aber nur für Träumer; die schönen Straßen gähnen Dich an, der kalte und stolze Beam- ten-Mechanismus ermüdet Dich: Du fuchst vergebens, wenn Du öffentliches Leben suchst. Mannheim * Diese junge Stadt mit ihrer aus allen Winden zusaiuineu- gerafften Bevölkerung, mit der Oede auf den monotonen Straßen; Mannheim, wo zwar ein reger und lebendiger Geist herrscht, der aber nur zu fehr zwischen vier Wänden eiugeschlossen ist, Mannheim kann höchstens für einen Engländer, den die Heimath übersättigt oder herunter gebracht hat, ein erstrebenswerlher Aust enthalt sey.n. Wiesbaden müßte im Sommer weniger geräuschvoll und im Winter weniger todt seyn, man müßte da nicht so sehr die Mischung von Kleinstädterei und residenzlichem Prunk empfinden, sollte ich diese Cnrstadt. zu meinem beständigen Aufenthalt wählen. Aber Mainz — ja das ist was anders! Die Bewohner ergrei en da das Leben nach dem heitern Sinn der sic umgebenden großartigen und herrlichen Natur, sie haben zu viel Großes erlebt und erfahren, als daß je die deutsche Kleinstädterei hatte Wurzel fassen können. Klima, Lage, Natur und Geschickte, sie haben zusammen eine Mischung im Gepräge der Mainzer Bewohner erzeugt, desszn Wohlthueudcs man weniger schildern als empfinden kann. Lebt man ein Jahr in dieser Stadt, so ist man eingebürgert, als fev man da geboren. Man kommt dem Fuemden zuvorkommend, gefällig und mit Urbanität entgegen; hat er Sinn für sociales Leben, so sieht er sich bald in den Kreis des heitern Strudels hineingezogen, und einmal hier angelangt, vermag nur die Lcbens-Ueber- sättiguug den hier sich bietenden Annehmlichkeiten eine kalte Brust entgegeuzuhalteu. Vor allen Dingen ist es aber ein Vorzug des Mainzer Lebens, daß man es versteht, den Menschen mehr nach seinem, wirklichen Werth, als nach seiner zufälligen Stellung abzuwägen. Man betrachte nur den Mainzer Eirkel. Da sitzen ein Kaufmann, ein Eoinmis, ein Künstler, ein Beamter, ein Osfizier, ein Gewerbsmann, sogar ein ganz schlichter, einfacher Bürger, ruhig und friedlich neben einander; man schwatzt , man neckt, man lacht, man kannegießert, man raisonnirt und schwadronirt. Allein es ist Leben und Rührigkeit in der Unterhaltung, der Philister kann da aufthauen, denn alles um ihn her ist frisch, munter, harmlos, frei, ungezwungen, launig und unter dem Einfluß des Rheinweins und des angeborenen Mutterwitzes steigert sich die unbedeutendste Discussion zur intecessanten Verhandlung. Die Stände, Beschäftigungen, die Glaubens - Nuancen sind abge- (Fortsetzung folgt.) Ertra-Beilage zu jm 70 des Anzeigeblatis für die Stadt und den Kreis Gießen. Besondere Bekanntmachung. Da tn~ben seitherigen Terminen zur Wahl von 20 Bevollmächtigten für die Gemeinde Gießen zum Behuf der Wahl der Wahlmänner zu Gießen noch keine 2/3 abgestimmt haben, so werden die hiesigen Staatsbürger, welche mit der Abstimmung noch im Rückstände sind, hiermit nochmals eingeladen, ihre Abstinimung Mittwoch den 1. oder Donnerstag den 2. September d. I-, Vormittags von 9 bis 12 Uhr, in dem dahiesigen Rathhause in Selbstperson zu bewerkstelligen. Sollten sich die noch Abzustimmeiiben * in den vorbemerkten Terminen nicht zahlreich ein- sinden, so kann die Wahl nicht vollendet werden und es trifft dann die Stadt Gießen der Nachtheil, daß sie bei dem nächsten Landtage nicht vertreten werden würde. Gießen am 31. August 1847. Der Bürgermeister. '' ' I d. V. Der Beigeordnete Rühl. ' x ' rt^A-rA Tnu rtutS -is 1 : "_ z- . ■ . - , i»6 Kfvftr»»««^5 is'dg I ns4 a« (-^rdtiiuTQ^ / ' x ' ’ ..... 1 •" ‘ x '. . . ' .r. Qi3nn»gl litt n i < ‘ * . to'l - .1 4 » K . - - -' ,