Anzeigeklatt für die Stadt und den Kreis Gießen. 35» Samstag den 1. Mai 1S£17* Frucht- u. Victualienpreise zu Gießen vom 1. bis 8. Mai 1847. Fleischtaxe Pf. 2 Pf. gemischtes Brod 1 1 1 1 86 21 4 6 2 4 6 t 1 t 1 1 3 24 1 1 1 1 1 fr. 12 9 9 6 14 10 14 18 18 14 10 20 20 18 18 18 4 9 1 1 1 t 1 1 aus | Gersten« und j Kornmehl bestehend A n m. Die Zugaben dürfen in weiter nichts, als inFleischvonder- sclbcn Gattung belieben ,u. rwar aufwPfd. Arisch nichtmcbr al« an derthalbPfd.n.s. w. nach Proportion, welche« auf t Pfd. nicht völlig 5 Loth auSniacht, Köpfe, Füße, Ge- raub.wieauchdic ganiblurigcnund Rindfleisch Kalbfleisch Schweinefleisch .... Hammelfleisch gemästet Leberwurst . ... t Bratwurst Schwartcmagen . . . Blutwurst gemischte Wurst . . geräucherter Speck . . . Schinken ...... Dörrfleisch Rindsfett Hammelsfett Schweineschmalz ausgelassenes . ..... desgleichen, unausgelaffen 797) Zur Anschaffung von Brod und Saatfrüchten werden jetzt viele Auleben aus der Sparkasse verlangt, zu deren Bewilligung der gegenwärtige Kaffcvorrath nicht genügt. Man wünscht daher, daß Kapitalien, worüber in kleinen und größeren Beträgen, verfügt werden kann, bei der Sparkasse verzinslich angelegt werden möchten und ersucht insbesondere die Herren Bürgermeister auf dem Lande, wo die Früchte zu hohen Preisen aus $ Waizen« und j Kornmehl bestehend ~! nicht genießbaren । Stücke vom Hal« j sind von der Zu- 'gabegänUtchaus- . geschlossen. Brodtaxe 2 Pf. ordinäres Brod Besondere Bekanntmachungen. 817) Es dient hiermit zur Nachricht, daß Ludwig Zinser von hier als Wiesen- und Wegen- wärter der Stadt Gießen verpflichtet worden ist. Gießen den 28. April 1847. I. B. d. B. Der Beigeordnete Rühl. Bekanntmachung. Diejenigen hiesigen Einwohner, welche Tauben halten, werden, unter Bezugnahme auf den §. 79. des Feldstrafgefetzes vom 21. September 1841, wegen eingetretener Saatzeit hierdurch aufgefordert, solche von Montag den'3. bis Montag den 31. nächsten Monats, bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe von 1 fl., in den Schlägen einzuhalten. Gießen den 28. April 1847. Der Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Gießen: P r i n z. Lth. Wafferweck . » Milchbrod . 1 Pfund gutes Ochsenfleisch Kuhfleisch . . . Fruchtpreise. Marktpreise. Maas Milch Pfund Butter...... auch Handkäse Eper Pfund Waizenmehl . . . . » grob geschälte Gerste . ii klein geschälte Gerste . . kr. Pf. 13 2 27 —. 40 2 14 2 29 — 43 2 1 — 1 — 8 —• 19 — 20 r- 8 — 8 — 8 _ 12 — Städte Gemäs Waizen Korn Gerste Hafer Erbsen Linsen. Pf. I fl- kr. Pf. fl. kr. Pf. fl. I kr. Ps. ff- kr. Pf. ff- »r. Pf. ff. kr. Friedberg..... das Malter 200 26 — 180 22 — — 19! - — 7 45 Gießen ...... das Malter 200 25 88 200 22 55 170 18 85 — 7 30 - -- —— —. -- -- Grünberg ..... das Malter — 26 — — 23 30 — 19 30 — 8 — — — — — — _ Marburg..... das Mott —1 13 53 —> 12; 34 — 10 9 - 5! 4z — — — — —— Wetzlar..... der Scheffel 9fl - - 84 [ 81 21 72 - - 50 3 18 — — — — — — 238 verkauft und Kapitalien erspart werden, das Nö- thige unter den Angehörigen bekannt zu machen, daß die Einlagen nur Mittwochs geschehen können. Gießen den 28. April 1847. Die Sparkasse-Verwaltung. Versteigerungen. 798) Montag den 7. Juni l. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahicsigem Rathhause das dem Seilermeister Philipp Berger dahier zusteheude alt neu UlKlftr. as% V*58 8 Hofraithe auf der Mäusbnrg öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen den 27. April 1847. Der Beigeordnete Rühl. 808) Fouragelieferung. Montags den 10. Mai d. I, Vormittags 10 Uhr, soll auf der hiesigen Universitäts-Kanzlei die Lieferung der, in der zweiten Hälfte dieses Jahres im Universitäts-Marstalle erforderlichen Fourage an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen am 28. April 1847. Gr. Hess. Universitäts-Rentamt. Martin. 818) Die Unterhaltungsarbeiten an den Schoor- fahrwegen für das Jahr 1847, soweit sie im Taglohn bis jetzt noch nicht vollzogen sind, sollen künftigen Montag den 3. Mai l. I., an den Wenigstfodernden veraccordirt werden. Gießen den 29. April 1847. I. V. d. B. Der Beigeordnete Rühl. 819) Das Umlegen der Treppen und des Sandplattcubelegs unter der Rathhaushalle, bestehend 1) in Maurerarbeit, veranschl. zu 85 ft. 14 kr. 2) „ Schlosserarbeit, „ „ 9 „ 48 „ soll Montag den 3. Mai l. I., Vormittags 9 Uhr, an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen den 29. April 1847. - I. V. d. B. Der Beigeordnete Rühl. 745) Samstag den 8. Mai d. I., Vormittags 10 Uhr, soll auf der Geschäftsstube des Unterzeichneten die Lieferung des nachstehend verzeichneten Brennholzes pro 1847/48, und zwar: 1) für das hiesige Provinzialarresthaus: 40 Stecken Buchen-Scheidholz und 25 „ „ Prügelholz, 2) für das hiesige Militärkommando: 37 Stecken Buchen-Scheidholz, an den Wenigstnehmenden versteigert werden. Gießen am 21. April 1847. Conzen, Gr Criminalkafserechiier. 815) Montag den 10. Mai, Vormittags, sollen im Steinbacher Gemeindewald, Distrikt Ge- seng: 100 Stecken Buchen-Scheidholz, 30 „ „ Prügelholz, 80 „ „ Stockbolz, 10 „ Eichen-Scheidholz, 7 „ „ Stockbolz, 700 Wellen Eichen-Reisholz, 400 „ Kiefern- „ 9 Stecken Kiefern-Prügclbolz, 700 Cubiksuß Kiesern-Bauholz, 500 „ Buchen- u. Eichen-Werkbolz; sodann Nachmittags 1 Uhr, in der Embach 800 Cubikfuß Eichen-Baubolz versteigert werden. Steinbach den 29. April 1847. Der Bürgermeister Horn. 781) Main-Weser-Eisenbahn. Arbeits-Versteigerung. Montag den 3. Mai d. I., Vormittags um 9 Uhr, soll in dem Gasthaus zum Promenadehaus dahier die Lieferung von 6 Paar Pumpen von Blech, zusammen veranschlagt zu 256 fl. 24 kr. unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen an den Wenigstfordernden in Accord gegeben werden. Gießen am 25. April 1847. Der Gr. Hess. Sections-Jngenieur. L. Lindt. 822) Holzversteigemng im Revier Königsberg. Montag den 10. Mai, von Vormittags 9 Uhr an, sollen in dem Domanialwald-Distrikte Bleidenberg, 239 83 Stecken Buchcn-Scheidholz, 64 „ „ Prügelholz, 102X „ „ Skockholz, 2 ,, Nadel- ,, 525 Wellen Buchen-Reisholz und 213 „ Elchen- ,, versteigert werden. Die Zusammenkunft ist auf dem Bubenroder Wege, im obengenannlen Distrikte. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird bis Martini d. I. Zahlungsfrist gestattet. Königsberg den 28 April 1847. Der Gr. Hess Ncvierförster des Reviers Königsberg. Dittm ar. 773) Bauholzversteigerung. Dienstag den 4. Mai d. Z., des Morgens 8 Uhr, sollen in dem hiesigen Gemeindcwald, Distrikt Eich» wald: 1) 65 Stück Eichen-Baustämme, von 10—45' Länge, 20 — 48" Durchmesser, im Ganzen 7993 Enbikfuß enthaltene, 2) 91 Stück Kiefern-Baustämme, von 10—45' Länge, 5—17" Durchmesser, im Gan- ■ zen 1565 Eubiksuß enthaltend, 3) 10 Stecken auserlesenes Eichen - Scheidholz, welches sich zu Küfer- und Glascrholz besonders eignet, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen meistbietend versteigert werden. Der Versammlungsort ist in dem Eichwald. Staufenberg am 23. April 1847. Der Bürgermeister Fischer. 810) Dienstag den 4. Mai, bin ich willens mein Wohnhaus in Heuchelheim zu versteigern. Z. Seipp. 816) Samstag den 8. Mai, soll ein Stück Planir- und Chanssirarbeit versteigert werben, veranschlagt zu 160 fl. Steinbach den 29. April 1847. Der Bürgermeister Horn. 813) Eichcn-Bauholz-Vcrsteigerung. Montag den 3. Mai, solle» in dem hiesigeir Gemeindewald, in verschiedenen Distrikten, 55 Eichen-Baustämme, 5830 Cubikf. haltend, versteigert werden. Die Zu ammenkunst ist Morgens 9 Uhr bei dem herrschaftlichen Pflanzgartcn über dem Hof Harauerfeld. Waldgirmes den 25. April 1847. Der Bürgermeister Schmidt. 799) Mit der schon angezeigten Bücherversteigerung wird Montag den 3. Mai, Nachmittags 3 Uhr, im Ebel'schen Kaffechause der Anfang gemacht. Kataloge sind zu erhalten bei Ehr. PH. Vogel. Gießen den 29. April 1847. Feilgeboten. 794) Bairisch- und Lagerbier, Bischoff und Punsch-Essenz, Tafel-, Most- und Düsseldorfer Senf, Senf in Töpfen, Chokolade, trockenes Obst, Perlgerste, neue Sardellen, Häringe u. s. w. bei Höstereich auf der Mäusburg. 804) Deutscher, rothblühender, frischer Kleesamen, guter Art, langer und balblanger Rübsa- men und alle andere Sorten Sämereien sind jeden Markttag am Rathhaüs, sowie in meiner Wohnung stets zu haben. Wilh. Löber's Wiltwe, wohnhaft bei Jerem. Becker auf dem Neuenweg. 805) Ein schwarzer Obcrrock, welcher sich für einen Konfirmanden eignet, ist billig zu verkaufen in Lit. C. AS 62. 711) Bei Unterzeichnetem sind einige Ohm Wein Rüdesheimer Berg, von dem Jahrgang 1811 /'s oder ^ohmweise zu verkaufen. Dr. Balser, prakt. Arzt. 791) Ich bin willens mein Haus in der Wolkengasse zu verkaufen, es besteht in 4 Stuben, 2 Küchen, Speicher, Keller, ein Gärtchen und Mistplatz. K. Wilker. 793) Ich bin willens mein Wohnhaus mit 2 Scheuern und Brennerei, sowie sämmtliche Güterstücke, bestehend in Aecker und Wiesen, aus freier Hand, unter vortheilhasten Bediitgungen zu verkaufen, Liebhaber hierzu wollen sich gefälligst an mich wenden. Z. B. Wei big. 787) 12 — 14 Bütten gute Schmiede-Holzkohlen sind billig zu haben bei Christian Burckhardt, Schlossermeistcr, aus dem Neuenweg .AS 101. Zu vermiethen. 795) Bei Gärtner Schmitt auf dem Reichensand, sind zwei nebencinanderstoßende Stnben nebst Küche mit Waschkessel und Sparheerd, Boden, Keller und Holzstall zu vermiethen und gleich zu beziehen. 240 761) Gitte möblirte Stube ist zu vermiethen bei Bäcker Schäfer am Rachhaus. 771) Lit. C. JV& 46. auf dem Seltersweg sind zwei möblirte Zimmer zu vermiethen. Bei der Redaction d. Bltts. das Nähere. 660) Mein, von dem verstorbenen Bereiter Bansa und dessen Fräulein Schwestern bewohntes kleineres Haus ist anderweit zu vermiethen und Ende Juni d. I. beziehbar. v. Schmalkalder, Hofgerichtsrath. 712) Ein geräumiger, etwa 26 Stückfaß aufnehmender Keller ist bei mir zu vermiethen. Dr. Balser, prakt. Arzt. 789) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen bei Schuhmacher Hanitsch in der Schulgasse. 788) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Fr. Lotse. 784) Ein möblirtes Zimmer mit der Aussicht auf den Brand ist zu vermiethen bei H. Hochstätter. 796) Eine möblirte Stube ist zu vermiethen bei Witlwe Heichelheim auf dem Lindenplatz; auch sind daselbst mehrere Wagen Dünger billig zu verkaufen. 802) Eine möblirte Stube mit Sopha ist zu vermiethen; auch können noch einige Herren den Tisch erhallen bei M. Lehr. 803) Bei Unterzeichnetem stehen einige 6 Octa- ven haltende Claviere zu verleihen. H. Leicht. Auszuleihen. 811) 200 sl. Capital liegen im Albacher Kirchenkasten zum Ausleihen bereit. Albach den 28. April 1847. Der Kirchenrechner Wagner. 775) Vermischte Nachrichten. Nheu matis mus-Ableiter. Von unseren nicht nur allein fast in ganz Europa, sondern auch bereits in den vereinigten Freistaaten von Nordamerika und in Mericö rühmlichst bekannten, von der Berliner und mehreren anderen Samtäts- Behörden, sowie von den englischen Chemikern Curfield und Ab bat geprüften verbesserten Rh e»r- mntismus-Ableitern ä Eremplar mit vollständiger Gebrauchs-Anweisung 10 Sgr., stärkere 15 Sgr. und ganz starke 1 Rthlr. ~ Gegen chronische und akute Rheumatismen, Gicht, Nervenleiden und Con- qestionen hält Herr I. G. Appel in Gießen stets Lager. Nachstehendes möge statt aller Anpreisungen als Beleg für die Gediegenheit unserer verbesserten Rheumatismus-Ableiter dienen. Willi. JWayer 8? Comp. in Breslau. Attest. Aufqefordert die in meiner ärztlichen Wirksamkeit gemachten Erfahrungen, über die Anwendung der s. q. Nhcumatismus-Ableiter zu begutachten, spreche ich meine Ansicht über die heilbringende Kraft derselben dahin aus, daß sie zu Folge ihrer eigenthümlichen Composition aus harzigen und metallischen Bestandthrilen in ihrer rauhen Flächenbeschaffenheit wohl geeignet sind, als lokale Erregungsmittel, namentlich die im Zellgewebe unter der Haut gelagerten rheumasischen Leiden zu zertheilen. In einigen Fällen von chronischen Rheumatismen habe ich denn auch wirklich nach fruchtlosem Gebrauche sonst bewährter Mittel nicht nur Linderung, sondern auch Befferung erzielt und namentlich gedenke ich eines eklatanten Falles, wo ich eine hartnäckige, allen Prozeduren widerstehende rheumatische halbseitige Gesichtslähmung nach 4 wöchentlicher anhaltender Applikation eines solchen Rheumatismus-Ableitcrs, zur Freude der schon ganz trostlosen jungen hübschen Dame habe weichen sehen, so daß ich glaube, daß man in Fällen veralteter rheumatischer Leiden, wo elektrische Strome aus Mangel stärkerer Apparate nicht angewendet werden können, zu der Anwendung der wenig kostspieligen leicht transportablen Rheumatismus-Ableiter der Herren Wilhelm Maper & Comp. mit Vertrauen schreiten kann. Breslau den 24. März 1847. Dr. Adolph Bruck, pract. Arzt, Wundarzt u. Geburtshelfer. 241 812) 200 f[. werden zu seihen gesucht. Wo? sagt die Erped. d. Bltts. 800) Ich habe meine seitherige Wohnung bei Herrn Hofgerichts-Advocat Bricl verlassen und wohne jetzt in dem Hause des Herrn S. Hirsch am Lindenplatz. Wolf, Gr. Hess. Hofgerichts-Advocat. 792) Ein hiesiger Theolog wünscht in alten oder neueren Sprachen, besonders im Englischen, gegen billiges Honorar einige Prlvatstunden zu geben. Wer? sagt die Erped. d. Bltts. 806) In die Weinhandlung von B. Seipp wird ein anstvartiger, mit den nöthigen Vor« kcnntnisscn versehener,'solider junger Mann in die Lehre gesucht. Gießen im April 1847. 801) Im Cafe Lind liegen unter andern bf* fentlichen Blättern auch die Weser-Zeitung und der deutsche Zuschauer offen. 807) Es sucht jemand eineu Lausdiensi. Wer? sagt die Erpedition d. Bltts. 790) Es wird ein grünseidener Regenschirm vermißt, der jetzige Besitzer desselben wird gebeten, ihn an die Redact. d. Bltts. abzugcben. 820) Bei günstiger Witterung beginnt Sonntag am 2. Mai, nach Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes, die hiesige Schützengesellschast mit ihrem diesjährigen Ringelfcheiben - Schießen auf ihrem Schießplätze auf dem Hardthost bei Gießen, wozu sie Freunde des Schießens einladet. Gießen den 29. September 1847. Der Vorstand. 821) Zur Eröffnung dcs Schießens der hiesigen Schützengesellschast auf dem Schießplätze, auf dem Hardtbofe, findet Sonntag den 2. Mai Harmonie-Musik daselbst Statt. x Hardthof den 29. April 1847. B. Fillmann. 814) Sonntag den 2. Mai findet II a r in o n i e - M u s i k im Buschischen Garten Statt. Frischbacken. Sonntag den 2. Mai. Christian Löber in der Neustadt. Moritz Wallenfels Wittwe in der Wallthorstraßc. Balthasar Wallenfels an der Wettergaffe. Franz Lampus in der Löwengaffe. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Am 2. Mai. Morgens: Kirchenrath Dr. Engel. Nachmittags: Freipredlger LipS. Die Psarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Kirchenralh Dr. Engel. Angekommene und abgereiste Fremden vom 27. bis 29. April 1847. I n d e n Gasthäusern. Im Rappen: Hrn. Kfl. Wallau v. Mainz, Kirsch v. Altenfeld u. Müller v. Cöln. Hrn. Stud Jung v. Mainz u. Diiimar v. Leipzig. Hr. Kochmüller, Kfm., Hrn. Gymn. F. WösteruS u. L. Wösterus u. Hr. Geil, Privatm. v. Mainz. Hrn. Kst Delkeskamp v Münden u. Schösser v. Hanau Hr. Price, Dr. Chem. v. Margate. Hr. Schiesser, Privatm. v. Cassel. Hr. Stournep, Chem. v. Gießen. Hrn. Kfl Müller v Basel, Rühling v. Berlin, Nagel v. Breslau, Magen v. Frankfurt u Götert v. Odcnkirchen Hr. Sauermeier, Fabrik, v. Cassel. Hrn. Sind. Schmödel v. Marburg u. Finck o. Rannholz. Hr. Klein, Kfm. v. Rödelheim. Hr. Trapp, Dr. med. v. Trier. Hr. Durbp, Rent. v. London. Hr. Kattmann, Privatm v. Darmstadt. Hrn. Kfl. Bergmann v. Bremen u. Mertens v Hückeswagen. Fr. Dr. Trempel- bratzcl m Fam u Bedien v. Bremen. Hr. Gördtlcr m. Sohn, Kfm. v. Darmstadt. Hr. Klein, Privatm v. Carls- Hütte. Hrn. Kfl Haas v Hamburg u. Mickler v. Cassel. Hr. Nolde, Stud. v. Göttingen. Hr. Zimmermann, Kfm. v. Frankfurt. Hrn. Guisbes. Wagner m. Fam. u Henckel- mann v. Hannover. Hr Bechthold, Ingen, v. Erfurt. Hr. Warnecke, Lieutn. v. Coblenz. im Einhorn: Hr. Unkraut m. Fr., Fabrik v. Bremen" Hrn. Kfl. Walker v. Oldenburg u. Bunke v. Düsseldorf. Hr- Mepcrbeer, Partie, v. Leipzig. Hr. Herker, Rentamtm. v Emden. Hr. Scheppard, Fabrik v. Boston. Fr. Dackworth 242 u. Fr. Salomon v. London. Hr. Schäfer, Kfm. v. Hinburg. Hr. ». Holz, Privatm. v Berlin. Hr. o. Rostock, Dr. mcd. ». Goßlar. Hrn. Kfl. Baum t>. Philadelphia, Poöherr v. Basel u. Wittmund t>. Münster. Hr. Baron v. Haber, Fabrik, v. Carlsruhe. Hr. Glaß, Kfm. v. Cassel. Hrn. Stud Ka- peshen v. Jugenheim, Beisiegel v Meisenheim » Klaaisch v. Berlin. Hr. Freiherr von der Decken, Guisbes. v. Oldenburg. Hr. Banzinger, Kfm. v. Gotha. Hr. Seemann, Agent v. Lauwiz. Hr. Oppenheim, Kfm v. Cöln. Hr. Blnnder- fehn, Partie, v. Offenbach. Hr. Traube, Kfm. v Saarlouis. Hr. Wählmann m. gant., Rent. v. Lübeck. Hr. Bringmann, Kfm. v. Havre. Hr. Springer, Capit. v. Holtenau. Hr. Rübke, Fabrik, v. Landsberg. Hrn. Kff Möller v. St. Thomas u. Horstmann v. Cap Hapti Hr. Löfgrün, Reut. v. St. Thomas. Hr. Kraft, Kfm. v. Münden. Hr. v Bekcr- hagen m. Sohn, Partie, v Stolzenau Hr. Rotphardt, Kfm. v. Carlshafen. Hr. Winkelmaun, Gutsbes. v. Nienburg. Hr. Albrecht m. Fr., Partie, v. Bursfeldcn. Hr. Kaiser, Kfm. v. Hamburg. Hr. Jchon m. gam. u. Bedien., Direct. v. Bremen. Hr. Holzhauer, Kfm. v. Liverpool. Im Prinz Carl: Hr. Wirthwein, Cand b Büdesheim. Hr. Eigenbrodt, Stud. v. Wimpfen. Hrn. Oecon. Betz v. Melbach u. Weiß v. Erfurt. Hrn. Kfl Bergwetz v. Jesnigk u. Lehrbach v. Nordhansen. Hr. Laub, Oecon. v. Berghain. Hr. Sepd, Geschäftsm v. Nidda. Hr Pfeifer, Privatm. v. Dodenau. Hr. Büchner, Kfm. v. Mainz. Hr. Blochinger, Geschaftsm v. Offenbach. Hr. Strauß, Handelsm v Storn- dorf. Hrn. Geschäftsl. Seipp v. Greggau u. Scharmann v. Felda. Hr. Becker, Spcdit. v. Schotten. Hr. Eichhorn, Kfm. v. Höchst. Hr. Müller, Geschaftsm. v. Aul. Hr. Lettermann m. Sohn, Handelsm. v. Felda. Hr. Spanier, Metzg v. Schotten. Hr. Blum, Fabrik, v. Elberfeld. Hr. Sulzdach, Lehr. v. Ingelheim. Hr. Weitzel, Kfm. v Bingen. Im Hirsch: Hrn Fubrl. Winther v. Unterneubrunn, Lohfink v. Bingenheim, Westrupp v. Nupertenrod u. Burck v. Schotten. Hr. Schmitt, Geschäftsm. v. Brauernschwend. Im Darmstaedter Haus: Hrn. Gkfchäftsl. Golf v. Gleiberg, Knecht v. Hechtheim, Müller v. Kirchgöns u. Spalt v. Darmstadt Fr Funck v. Frankfurt. Hr. Herold, Coudit. v. Würzburg. Hr Kuhl, Fuhrm. v. Homberg. Hr. Burck- hardt, Geschäftsm. v. Reifenberg. Hr. Müller, Kfm. v. Arolsen. Hrn. Geschäftsl. Boller v. Wiesbaden, Unz v. Bromskirchen, Bretzel v. München ». Schimmel v. Oberwer- gen. Hr. Erbe, Kfm. v. Schmalkalden. Im Stern: Hr. Siermund, Buchb. v. Eimelrod. Hr. Sommerhof, Kelln, v. Darmstadt. Hr. Bad, Oecon. v. Belnbausen. Hr. Albrecht, Färb. v. Töplitz. Hr. Trachtmann, Kelln, v. Güstrow Hr. Hübenthal, Handelsm. v. Frankenhain. Hr. Bonn, Fuhrm. v. Ernsthausen _ Hr. Vierheller, Web. v. Homburg Hr. Sepfer, Schrifts. v. Stuttgart Hr. Walter, Schuhm. v. Flöschenbach In der Sonne: Hr. Bardes, Handelsm. v. Hirschbach. Hrn. Gcschättsl. Brück v. Aßlar, Wagner v. Drcihansen u. Stelzel v. Wolfshauscn. Hr. Semmler, Fnhrm. v. Niederohmen Hr. Zimmermann, Schrein, v. Ronshausen. Hrn. Geschäftsl Werner v. Biedenkopf u. Schäfer v. Großenbuseck. Jungfer Funck m. Schwest. v. Beuern. In der Hose: Hr. Rabenau, Küfer v. Großenbuseck. Hr. Rockner, Fabrik, u. Hr. Becker, Gärb. v Schotten. Hr. Weller, Handelsm. v Allendorf Hrn. Privatl. Brück v. Aßlar u Wetter v. Blosbach Hr. Metzger, Kfm. v Offenbach. Hr. Saßmann, Schuhm. v Grünberg Hr Jung. Geschäftsm. v. Hildbcrg. Hr. Seipp, Schloff, v. Burggc- münden. Jungfer Franz v. Bischoffen. In den Privathausern. Bei Hrn. Hofger-Secret. Balser: Frl Lang v. Schlitz. — Bei Hrn Ksm Oeser: Frl. Schtnitt v. Bingenheim. — Bei Fr Maj. Königer: Hr Köster, Stcuercommiff. v. Vöhl. — Bei Hrn. Conr. Schneider: Fr. Jacob v. Jhnheiden — Bei Fr Georgp: Frl. Gravier v. Großenbuseck. — Bei Hrn. Reallehr. Haustein: Fr. Schlapp v. Bingen. — Bei Hrn. Schreinermeist. Hoß; Jungfer Gräf v Altenbuseck. — Bei Hrn. Phil. Brück: Hr. Schon, Privatm. v. Altenbuseck. — Bei Hrn. Schuhm. Volp: Fr. Zimmer v. Lich. — Bei Hrn. D. Eckcrsberger: Hrn Privatl L. Kühnhold u. A. Kühnhold v Fellingshausen. — Bei Hrn. Gg. Hedderjch: Frl. Fellenberg v. Darmstadt. — Bei Wittwe Geißmar: Hr. Sommer- Hof, Privatm v. Darmstadt. — Bei Hrn. Steindeck. Koch: Jungfer Horn v. Trohe — Bei Hrn. Chr, Löber: Hr. Zecher, Privatm. v. Homberg. — Bei Hrn. Hofger -Advoc. Rosenberg: Hr. Trackert, Rent. v Frankfurt — Bei Hrn. Chr. Jughardt: Hr. Mensdorf, Back v. Hackborn. — Bet Hrn. Lehr. Beck: Hr. Sang, Oecon. v. Fauerbach. — Bei Hrn. Balth. Franz: Jungfer Weiß v. Garbenteich. — Bei Hrn. Hciur. Rautenstrauch: Hr. Lepper, Privatm. v. Königsberg. Vermischtes. Wer verhängnißvolte Nagel. (Fortsetzung.) „Warum habt Ihr mir den Spaß verdorben?" fragte er lallend, „soll ich die Leute nicht auch in den April schicken dürfen? Sepd Ihr es noch nicht überdrüssig, einen unnützen Mitesser bei Euch zu haben?" Hierauf belrachtete Steil mit Aufmerksamkeit seinen blutigen Arm. „Ei seht doch!" fuhr er fort, „wie geschickt Ihr mir in mein Handwerk gepfuscht habt! Richtig die vena basilica getroffen! Warum nicht lieber die Pulsader? Doch ich sehe, daß ich Euer Gewächshaus mit meinem Blute besudle. Wollte dieß vermeiden und zog darum das Hängen vor, obschon ich lieber den Tod eines Cato gestorben wäre. Stand schon mit einem Fuße in Charon's Nachen und drei Sekunden später hättet Ihr mich nicht demselben entreißen können. Aber der Aderlaß ist gut, mir wird recht leicht um's Herz. Das Hängen ist dagegen eine schlechte Sache. Bitter bereute ich dasselbe schon, als der Strick die Kehle mir zuzog. Wie viel besser mußte ein Hauptaderlaß sehn, wie ver große Cato machte . . . Kennt Ihr den Cato?" „Ein guter Christ war er wohl nicht?" antwortete Matthäus zerstreut, „denn ein solcher wird kein Mörder." „Mörder!" brummte Neit, „welch' ein gröblicher Ausdruck für einen Menschen, welcher den Muth besitzt, sich frei zu machen von den Banden dieser elenden Erde." „Ich sollte meinen, daß Derjenige einen ungleich größeren Muth besitze, welcher geduldig hier ausharrk, bis ihn der Herr abruft," sagte Matthäus ernst. „Es scheint, als wäret Ihr eines Aderlasses bedürftiger denn ich," fuhr Neit fort, „seht Ihr doch ganz kreideweiß und entsetzt aus." „Wie sollte ich dieß nicht bei dem schrecklichen Anblicke, den ich hatte!" bemerkte Matthäus unter einem stillen Schauder. „Pah! das macht die Gewohnheit," meinte Neit. „Unsereins, der mit Leichen zu verkehren hat wie Ihr mit Euern Blumen, findet nichts Absonderliches an einem Erhängten. Eure Pflanzen zappeln freilich nicht, vergießen auch kein Blut, wenn Ihr fie abschneidet. Darum seyd Ihr so weichmüthig." „Guter Gott!" rief Matthäus aus, „welch' eine schwere Sünde Ihr begangen habt! Gegen Euern Gott, gegen Euch selbst, gegen mich und meine Mntter! Dieselbe Stätte, die Euch bisher gastfreundlich beherbergte, wolltet Ihr durch einen Mord entweihen, meinen Garten in Verruf bringen und somit meinen ohnehin säuern Verdienst noch schmälern!" „Ihr habt Recht!" gestand Neit ein, „das hatte ich nicht bedacht. In dem Walde hätte ich mein Vorhaben ausführen sollen." „Meint Ihr, daß ich je in der Nacht mein Gewächshaus hätte wieder betreten können, wenn ich Eure Leiche darin gefunden hätte?" fragte Matthäus. „Und meine arme Mutter, würde sie der Schreck über Euern gewaltsamen Tod nicht noch viel kränker gemacht haben als sie vorher war?" „Ich verdiene Eure Vorwürfe," entgegnete Neit voll Scham, Ihr habt mich fast zwei Monate schon beherbergt und an Eurem Tische mitessen lassen und ich wollte undankbar genug seyn, Euch zu erschrecken und zu schaden." „Und der Herr hat Euch bereits einige und dreißig Jahre auf seiner Erde beherbergt und an seinem Tische mitessen lassen," fuhr Matthäus fort, „erweiset Ihr Euch daher nicht noch weit undankbarer gegen Gott als gegen uns?" „Derselbe wird sich wohl eben so wenig um meine geringe Person kümmern, als die reichen Leute in Dresden bis jetzt," sagte Neit. „O, Ihr Sünder!" schalt Matthäus, „wißt Ihr nicht, daß auch Eure Haare auf dem Haupte gezählt sind? Daß kein Sperling ohne Gottes Willen vom Dache fällt?" „Nun ich lasse mich ja belehren, Herr Bußprediger!" versetzte Neit. „Auch gelobe ich Euch, keinen neuen Versuch zu machen, mich von der Welt zu schaffen, und damit Ihr sehet, daß dieß mein völliger Ernst sey, so reicht mir dort jene Aderlaßbinde her, auf daß ich die Ader zubinden kann. Sechzehn bis achtzehn Unzen Blut mögen schon fort seyn, und ein längerer Aderlaß dürfte mir Schaden bringen. Uebrigens werdet Ihr mir aber zugeben, daß man das Leben nicht groß lieb haben kann, wenn alle unsere Anstrengungen 243 und Mühen erfolglos bleiben, wie mir es hier ergangen ist." „Wenn ich im Frühjahre säe und pflanze," erwiderte der junge Gärtner, „so erwarte ich vor dem Herbst keine Frucht davon. Und wenn ich junge Bäume pflanze, so weiß ich, daß ich eine Reihe Jahre warten muß, bevor sie tragbar' werden. Ihr habt erst seit kaum zwei Monaten gesäet und wollt schon einernten? Ja, habt Ihr nicht bereits eine süße Frucht gepflückt, da Ihr meine Mutter herstelltet? Haben wir schon die Geduld verloren und Euch Eure Gegenwart vorgeworfen?" „Zankt nicht länger," bat Neit, „ich will Euch ja künftig besser folgen. Nur sagt Eurer Mutter nichts von meiner Seiltänzerkunst." Matthäus hätte dieß schon von selbst gethan, um seiner Mutter einen unnöthigcn Schreck zu ersparen. Neit lief fortan geduldig mit seinem Schecrsacke in der Stadt herum, ließ zu Ader, schröpfte, brach Zähne aus, kurirte und murrte nicht, wenn seine Patienten bloß mit einem Gotteslohne zahlten. Eines Tages war er mit Matthäus im Garten beschäftigt, als die Näther-Christel durch die Garten- thür, seit Neit's Anwesenheit zum erstenmal, eintrat. Matthäus zuckte erst freudig zusammen, dann aber er- schrack er eben so schnell über Christels Anblick; denn das hübsche Kind sah leidend bleich und wie verweint aus. Ein Taschentuch, das sie vor den Mund und die Wange hielt, ließ auf die Ursache ihres leidenden Zustandes schließen. Christel näherte sich mit kleinen zögernden Schritten dem jungen Gärtner. „Guter Matthäus," hob das Mädchen angsthaft an, „ich komme bald von Sinnen, vor Zahnschmerzen. Was rathet Ihr mir? Ob ich wohl den Zahn von dem fremden Doctor dort herausziehen lasse? Wird er es um ein Billiges thun und mich nicht zu sehr martern?" Matthäus blieb dem Mädchen die Antwort schuldig. Der Gedanke war ihm fürchterlich, Diejenige, welche seinem Herzen so theuer war, unter den Händen eines Mannes zu sehen, welcher sich selbst zu morden beabsichtigt gehabt hatte. Ein reiner Engel in der Gewalt eines Tiefgcfallenen! Bevor er noch seine Gedanken kund zu geben ver- inochie, war Neit, welcher des Mädchens Anliegen er- rathen hatte, schnell herbei gekommen. „Wir wollen nachsehen," sprach er, „wie der Jungfer zu helfen sey. Gehe Sie mit mir in das Gewächshaus und zeige mir dort Ihre Zähne." Christel folgte stumm doch willig dein voranschrei- tenden Neit. Im Fortgehen drehte sie sich um und sah den Gärtner mit einem bittenden Blicke an, welcher, denselben verstehend, dem Paare nachwanderte. Der erste Blick des Gärtners bei dessen Eintritte in's Gewächshaus fiel mechanisch auf den verhängniß- 244 vollen Nagel in der Rückwand, der zweite auf Christel, die bereits auf einem Schemel saß, ihren Kopf zurückbiegen und den Mund öffnen mußte. Der Arzt erblickte mit einem angenehmen Erstaunen hinter den rosigen Lippen des Mädchens zwei Reihen weißer Perlenzähne, wie sie ihm in seiner mehrjährigen Praxis noch nie vorgekommen waren an Reinheit, Ebenmäßigkeit und Schönheit. Nachdem er den schmerzenden Zahn gesucht und aufgefunden hatte, hob er an: 7,Siebe Jungfer, unverantwortlich würde ich handeln, wollte ich ein solch' seltenes Gebiß durch eine Zahnlücke schänden. Auch ist dazu ganz und gar keine Nothwendigkeit vorhanden. Ich hoffe, daß die Schmerzen durch ein anderes Mittel sich bannen lassen werden als durch ein Zahnausziehen." Neit suchte hierauf unter seinen Sachen ein weißes Pulver hervor, von welchem er der Jungfrau eine Gabe auf die Zähne streute, worauf jene wirklich sofort Linderung verspürte. Auf ihre Frage, was pe dem Zahnkünstler schuldig sey, versetzte dieser lachend: „Das Wiederkommen, liebe Jungfer! Sind wir ja doch getreue Nachbarn." Neit begleitete die Dankende bis vor die Thür und sagte dann zu Matthäus: „Einen wahren Schatz besitzt das Kind an seinen Prachtzähnen. Jedes Stück ist seine hundert Thaler und noch mehr werth. Ja, eine Königin gäbe wohl so viele Tausende dafür. Wie gesund müssen alle Säfte dieses lieben Wesens sepn!" Matthäus vernahm diese Aeußerung mit stiller Zufriedenheit, jedoch nicht ohne einen kleinen Zusatz von Eifersucht. Bald nachher aber hatte Neit an wichtigere Dinge als an Christel's Perlenzähne zu denken. Als er nämlich eines Morgens in den noch jetzt in Antonstadt bestehenden Gasthof „zu den drei Linden" kam, um seine Dienste als Barbier und Wundarzt den eingekehrten Fremden anzubieten, traf er die Bewohner des Hauses in der größten Bestürzung an. Mädler, der dicke Wirth, stand mit kreideweißem Antlitze am Schenktische; seine Frau dagegen rang die Hände und machte ihrem gepreßten Herzen durch laute Klagen Luft. „Wir sind ruinirte Leute!" rief sie aus; „warmil gerade uns das Unglück treffen mutz'? Hätten wir nur dießmal keine Juden beherbergt! Nun haben wir die Noth auf dem Halse und den blassen Tod im Hause. Wer wird künftig wieder bei uns einkehren wollen? Sind nicht schon alle Gäste ausgerissen und unsere eigenen Leute dazu? Wie lange wird es dauern, so mengt sich die Regierung hinein und unser Haus wird abgesperrt und wir dazu. Barbieren kommt Er, Herr Neit? Ach, Gott! hier giebt's nichts mehr zu barbieren. Wenn Er ein Mittel gegen den Tod wüßte!" „Fehlt Ihrem Herrn Liebsten etwas?" fragte Neit, indem er den stummen Gastwirth betrachtete; „ein Aderlaß, he? Mit Verlaub, Herr Mädler, lasse Er mich Seinen Puls untersuchen." „Nichts da!" rief die Frau; „oben, eine Treppe hoch, wohnt der Klappermann. Da liegen, Golt sey es geklagt — zwei polnische Juden, die zur Leipziger Ostermesse reisen wollten und haben die — Pest — wenn es wahr ist, sage ich. Aber, da es alle Well behauptet und Niemand sich zu den Kranken hineintraut, und Alles, wie vor der Pest, in unserem Hause ausreißt; so muß man es wohl glauben. Ich wage nicht einmal hinaufzugehen, um weiße Wäsche zu holen, so sehr haben die Menschen Unsercinem Angst gemacht wegen der Ansteckung. Was gäben wir nicht darum, wenn irgend Jemand die Juden uns vom Halse und aus dem Hause schaffen wollte?" Auf den Wundarzt schien diese Mittheilung einen mehr freudigen als erschreckenden Eindruck zu machen. Seine gebeugte Gestalt richtete sich empor, sein Antlitz wurde von einer freudestolzen Miene verklärt und seine Augen funkelten in kühner Begeisterung. „Ha, Freund Matthäus!" murmelte Neit; „jetzt gilt's den Nagel auszuwetzcn." Und laut fuhr er dann fort: „Mit Verlaub, Frau Mädler, wie lange ist's her, daß Sie die kranken Juden im O-uarticr hat?" „Seit vier Tagen," versetzte jene, „und seit vorgestern Abend getraut sich schon Niemand mehr zu ihnen hinauf." „Guter Gott!" sprach Neit mitleidig; „die armen Menschen! Wenn sie nun etwas benöthigt sind? In Fieberbitze liegen und nichts zu trinken haben? Wo liegen die Acrmsten? Ich muß sie sehen?" Frau Mädler prallte erschrocken zurück, als ,ie diese Worte vernahm. „Wie?" stammelte sie; „Er wollte wirklich? Nun, die Juden liegen oben in der linken Eckstube nach dem Hose hinaus. Aber dann komme Er uns ja nicht wieder zu nahe. Gebe Er," sie rief diese Worte dem schon Fortgehenden nach — „bei: Kranken ein Mittel ein, das sie bald einschlafen läßt und sie, wie uns, aller weitern Noth enthebt." (Fortsetzung folgt.) Anekdote. Ein Rathsherr einer kleinen Stadt, der selten nüchtern war, ging eines Morgens ziemlich trunken aufs Rathhaus. Unterweges kaufte er aber noch einen Fisch, den er nach Hause schickte und seiner Frau dabei sagen ließ, sie sollte ihn halb kochen und halb braten. — Er fam in die Rathsversammlung und der Wein wirkte so gut, daß er sanft einschlief. — Eben sammelte man die Stimmen über das Schicksal eines Delinquenten. Und Ihre Meinung? — fragte ihn sein Nachbar, und stieß ihn etwas unsanft in die Seite — und Ihre Meinung? „Ach dummes Zeug! — ich hab's schon einmal „gesagt: halb gekocht und halb gebraten." — Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.