Nr. XXXV, Zo. August. 1799« Giesser JntelligeuMatt. Beispiele »0» allerlei Unglücksfällen ;ur Beleh« rang unO Warnung. Unglück durch Pulver auf einem pof?; wagen. Dieses trug sich bei Limmerick in Irr- land , im Frühjahr 1796 , zu. Auf dem Postwagen, der nach dieser Stadt fuhr, war ein junger Mensch, der im Begriff war , seine Braut abzuholen, und sich zu verhe>rathen; ferner der Vater desselben, und nebst einigen andern Passagieren «in betrunkener Soldat. Zum Unglück der fand sich ein Faß Pulver auf dem Wagen, welches durch das starke Fahren in Brand gerieth. Alle auf dem Wagen befindliche Personen wurden in die Luft gesprengt und zerschmettert, mit Ausnahme des betrunkenen Soldaten, der zu seinem Glück kurz vorher vom Wagen gefallen war, und seinen Arm nur etwas dadurch beschädigt hatte. Die Pferde, die unverletzt geblieben waren, rannten mit dem übrigen Theil des brennenden Wagens nach Limmerick, setzten den Stall des Pferde - Eigenthü' mers in Brand, und man rechnete es für ein Glück, daß bei dem sehr stürmischen Wetter dem Feuer durch das Milikair schleunigst Einhalt gethan wurde. Tödrliche Wirkung des Samens vom Stechapfel. Herr Doctor Heim zu Spandau hat diese Geschichte, welche sich am 15. September 1781. allda ereignete, ausgezeichnet. Ein Kind von andertha'.b Jahren spielte Abends mildem Samen des Stechapfels , nahm verschiedene Körner davon in den Mund und verschluckte sie, und 6 Stunden darauf war es eine Leiche. Nach Aussage der Mutter des Kindes ist es eine Stunde darauf, nachdem eS den Samen verschluckt hatte, ganz steif geworden, so daß man auch keinen Fuß oder Arm an demselben hat bewegen können. Diese Steifigkeit hat nach und nach nachgelassen, und ein Erbrechen sich eingefunden, wobei verschiedene Körner des Samens vom Stechapfel zum Vorschein gekommen sind. Gegen Mitternacht hat es angefangen zu röcheln, ein blutiger Schaum ist ihm vor den Mund gekommen, die weisse Gesichtsfarbe hat sich in eine dunkelbraune verwandelt, und bald darauf ist es ohne alle Zuckungen und irgend eine Bewegung des Körpers verschieden. ■j- Nach dem Tode wurde der Unterleib sehr stark aufgetrieben, und dieser sowohl als alle Gliedmaßen, besonders die Lenden , hatten ausserordentlich viele braune Streifen, das Gesicht war ganz dunkelbraun , und an dem Munde stand em blutiger Schaum. Bei Eröffnung des Leich, nams fand man noch etliche 20 Samenkörner vom Stechapfel in den Gedärmen. Tödtliche Wirkung der Taxrrsbeeren. Der Ta^usbaurv ist von den ältesten Zeiten her für giftig gehalten worden. Auch ist durch neuere Erfahrungen bestätigt, daß die Pferde de,n Genuß der Blätter mit ih. rem Leben bezahlen müssen. Die tödt- liche Wirkung der Beeren hat Herr Doctor Selle in Berlin an einem Kinde beobachtet. — ) 138 l — Ein Knabe von fünf Jahren hatte eine Menge von den rothen Beeren taumS gegessen, worauf er fass über den ganzen Körper Flecken , wie Flöhbisse groß, bekam, die aber von ganz dunkler Farbe, wie Petechien von der schlimmsten Art, waren. Dabei befand er sich inzwischen ganz munter, äusser daß er etwa- gedunsen und bleich aussah, und voll und heiser auf der Brust war. Nach und nach verlor er immer mehr von seinen Kräften, konnte nicht auf den Füssen stehen, und nach einigen Tagen äufferte sich etwas Fieber. Seine Rippen finaen an , besonder- die Oberlippe, sehr zu schwellen, und eine schwarzbraune Farbe anjunehmen., End, lich stellte sich auf einmal eine äusserste Schwäche ein , die sich in ungefähr sechs- 'zehn Stunden mit dem Tode endigte. Die ganze Krankheit hatte vierzehn Tage gedauert. Unßlßd8 durch stark riechende Blumen. Alle Blumen, die «inen starken, wiewohl angenehmen / Geruch von sich geben, nehmen den Kopf ein, betäuben, verursa- ehen Kopfweh, Schwindel, Ohnmächten, Schlagfluß und den Tod, wenn man viele solcher Blumen in einem kleinen Zimmer stehen hat, zumal die Nackt durch, wo Fenster und Thüren geschlossen sind. Es ist daher immer gefährlich für Gesundheit und Leben, im Scklafgewach Blumento- pfe mit wohlriechenden Blumen die Nacht durch stehen zu lassen; dergleichen Blumen sind: Rosen, weisse Lilien, Violen, Nelken und dergleichen mehr, kurz, olle Blumen mit einem durchdringenden Geruch. Schon längst bekannt ist da- Unglück Mer Dame, die eine Schussel voll Violen wahrend der Nacht in ihrem Schlafzimmer behielt und vom Schlagstuß getroffen wurde und starb. V *** *** Bekanntmachung von verschiedenen Sachen. Dienstag den i7ten künftigen Monat- September Morgens lvUhr, soll auf dahiesigem Rathhau-, da- dem Burger und Rothgerber Johann Caspar Vetzb^rger zu- stehende Wohnhaus mit SkaUung und Hausgarten, in der Löwen - Gasse, neben Stadlhauptmann Kempfs Erben und Johann Andreas Fröhlich gelegen , sodann 1/4 Morgen Garten am Crofdorfer Weg neben Conrad Pepler und Johann Heinrich Müller gelegen, dringender Schulden halben öffentlich an den Meistbietenden verstrichen werden- so hierdurch zu feder- manns Nachricht bekannt gemacht wird. Giessen den 19 August 1799. Fürstl. Hessisches Oberamt daselbst. Ra yß. 2) Das dem Corpora! Jacobi im Leib- grenadier-Bataillon des hechlöblichen Hes- ser-Casselischen Regiment- Garde zugehörigen vor Grüningen gelegenen Güther (ollen. Montag den Uten November diese- Jahres bei hiesigem Amte an den Meist- bletenden versteigert werken. Da nun zugleich nöthig befunden worden, alle diejenigen, welche an jenen Gü- thern rechtliche Ansprüche haben, vorzula- den, so werden solche hiedurch aufgefodert, in besagtem Termine ihre Ansprüche entweder in Person, oder durch ordnungs-- mäsig Bevollmächtigte anzuzeigen, und gehörig zu begründen, mit der Warnung, daß im Unterlassungsfälle den Rechten nach auf Präclusion wird erkannt werken. Grüningen am 17- August 1799. Hesten - Casselisches Amt. Happel. 3) Man sucht ein gute- Fortepiano und man bittet bei der Ausfertigung dieses JntelligenzblattS diesfalls um Nachricht. Auch ist ebenfalls daselbst ein Verzeichnis — ) X39 ( — ms von Büchern aus verschiedenen The,len der Wissenschaften , welche in Cassel den 2. Septembr. versteigert werden sollen, ju haben. Litteräriscke Anzeige. Bruchstücke zur Erläuterung der teutschen Geschichte und Rechte, vom Geh. Re- ferendarius und Geh. Landsekretair Ulr. Fr. Kopp. Cassel, gedruckt in der Wai» senhauS-Buchdruckerei 1799-4- 'fi-48kr. Der Name des Verfassers ist durch andere , für die Hessische Geschichte rc. wichtige Arbeiten schon allgemein bekannt und als denkender Forscher geschätzt. Dem Publicum wird daher die Erscheinung dieser neuen Arbeit, die dem Geschichtsforscher verdeutschen und vaterländischen Geschichte so viele neue Aufschlüsse giebt, gewiß will, kommen seyn. Sie enthält folgende wichtige Abhandlungen: 1) Beitrage zum Territorial- Staatsrecht des Hochstlfts Paderborn , 2) vom Juden - Leibzvll , 3) jubfn in Hessen, 4) Gustav Adolph König von Schweden schenkt den Grafen von Hanau dasMaynzische Amt Steinheim amMayn, 5) ^eflament Wilhelms Landgrafen von Hesstn, 6) ehemalige privilegirte Selbst- hülfe. Beschreibung des gemeinnützigen Fachinger Mineralwassers und seiner heilsamen Wirkungen, von M. G. Th il eniu S. Dritte Auflage. 8. 8kr. Die bloss Anzeige, daß von dieser Beschreibung , die schon vor Jahren das Ur. theil der Recensenten als eine den Aerzten und Patienten gleich wichtige Abhandlung, rharatterisirt hat, eine neue (die dritte) Auflage erschienen sey , ist hinreichend, und macht jede andere Empfehlung des Verlegers überflüssig. Neue Bäcker. Die Hummeln, im Bienenstock des Staats, 8. Hildesheim 45 fr. Uflacker, I. C. B. , über dm Geist des Schachspiels, 8. ebendas. 54 fr. Dedekind, G. C. W., Versuch Hrn. Fichte mit seinem Publicum in Absicht semes Atheismus auSzugleichen, 8. ebenda!» 121/2 fr. Ueber den Jlluminaten - Orden, 8» 36kr» Gedanken über die Ermordung der französischen Gesandten zu Rastadt,8. 12 rr. Kurze Bemerkungen über den authentischen Bericht die Ermordung der franzos. Ge- sandschaft bei Rastadt betreffend, 8. Dott, I. C., neue Catechisationen über religiöse Gegenstände, 2te Sammlung, b. Leipzig ist. 12fr. Gottesdienst am 1. c>n St. Panrratiuekrrche. Morgens Herr Superintendent Bechtold. Nachmittags Herr Superintendent Muller. In der Durgkirche. Morgens^Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr'-L-upe- rintendent Schulz.__________. Morgen den i.Sept. hat das Frisch- backen der Beckermeister Lehrmund, m der Neustadt. Ein- vnd Auspasstr re. Am 12. Auq. Hr. Lieuten. Gönner, in Hess. Cassel. Dienstenlog. im R'esen. Eod. Hr. Doctor Stoll und Hr. Pfarrer Thudichum, von Eudorf, log. »m Löwen. Am 16. Aug. Hr. Kammerrath MU- tenberg und Hr. Secretair Schober, von Darmstadt, log. im Einhorn. Eod. Hr. Obriftlieuten. Rentz, tn Hess. Darwstävt. Diensten, log. im Adler. Am 17. Aug. Hr. Gcneralmawr v. Lindau und Hr. Hauptmann v. Schenck, beide in Hess. Darmstädt. Diensten, log. Ul Öym°i8' Aug. Hr. Pfarrer Kkngelhö- fer, von Thalitter, log im Adler. — ) r4o ( — Am 19 Aug. Hr. Professor Rvthuon Wejlar, log. im Einhorn. Am 2G. Aug. Baron v. Wernberg, von Frankfurt. Frau Geheimerrarhin v. Zwirlein, von Wejlar. Hr. Kammerrath Serdie, von Marburg, durchpass. Am 2i. Aug. Hr. Sekretärin? Claus, von Wezlar, log. im Einhorn. Geraufte bei der Stadtkirche. Am 23. Aug. Dem Burger u. Schönfärber, Johann Heinrich Jughard, ein Sohn, Namens Friedrich Balthasar. Eod Dem Burger und Schuhmacher, Johann Heinrich Franz, ein Sohn, Namens Christian Balthasar. Am 26. Aug Dem Burger «.Kirschner, Johann Christoph Lippmanneine Tochter, Namens Maria Christina. Beerdigte bei der Gradtkirche. Am 23, Aug. Dem Burger und Mez» ger Balthasar Malcomestus, ein Sohn, Namens Johann Konrad, alt 4J. 6M. Am 24. Aug. D-m Burger «.Schönfärber , Joh. Heinrich Jughard, ein Sohu Namens Friedrich Balthasar, all 2 Tage. 1 I 1 1 1 1 I I Giesser Victualien - und Markt- Preis. ft Ochsenfleisch — - Kühfleisch J- — Rindfleisch — — Kalbfleisch — — Schweinefleisch— — Hammelfleisch — — Hammelsfett — — Rinds-Nierenfett kr pf. 9 — 8 - 7 — 7 — 9 — 8 — 14 - c ft Schweinefett — t — Seifen — £ — Lichter — 1 — frische Butter — £ — geschälte Hirse — r — grob geschälte Gerste r — klein geschälte Gerste Eyer 5 Stück — — kr. Loth Quint Schwarz Brod i 10 3 i/4 Weck — — 1 5 2 1/2 Milchbrod 1 4 2 1/2 Butter Bretzeln 1 2 3 1/4 gemischt Brod oder Taigscher 1 8 l Getraidepreise vom 24.Aug. bis den zr.Aug., in Frankfurt. Wahrung den fi. ä6o kr. und das ft. zu 34 toth Cölmsches Silbergewicht. Städte. G e m ä S. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegt^Hc fer «wiegt fl. kr. ft. fl.Ikr. ft. fl. kr. ft- [ft" Fr. ft. Darmstadt das Malter. 6 45 175 5*i8 157 4 - 140 2 38 98 Giessen da? Achtel. 10 30 200 7 IC 180 7 — 160 6 J40 Marburg >daö Mott. 8 - ISO! 1 6! — 1351 1 4 — 120 3 — 84 Diez das Malter. 19 30 340 300I I 10 40 — — — Wejlar das Achtel. 13 — 2061 I IV— 190I 1 7 4o 168 6 20 Dieses Jntelligenzblatt ist für 45 Kreuzer in der Kriegerschen Buchhandlung gegen Dorauöjahlung zu haben.