Nr. XVII. »?• April. 1799- Giesser JlttelligcnzVlatt. tHtine Scbwalbe bei ihrer gläklichen Rückkunft aus Africa. Den 17. April 1799. Hah! da bin ich glüklich wieder, nun dem Himmel sey mein Dank! zwar noch zittern meine Glieder: denn mein Weg war ziemlich lang. Don der Lahn bis an den Niger, von dem Niger bis jur Lahn, hier durch Geier, dort durch Tiger: Alles was man fordern kann. Denk nur! über'S grose Meer komm ich, komm ich hergeflogen, bring euch viele neue Mahr. Seid ihr mir denn noch gewogen, alle noch gesund und munter, ist mein Nest noch unberührt, hat zu meinem grosen Wunder sich kein Sperling einquarlirt? Lebt denn noch der gute Mann, der — wie Heist er ? — dir jur Seite sich so oft bei dir erfreute, über meiner Kinder Spaß, oft sein a f b vergaß? Glaubt doch nicht so manchen Sachen, die ich nicht nachsagen mag: vom Tobias — denn jum Sachen ist dergleichen Iudensag'! Jedermann hat seine Feinde. Sind wir nicht schon zehn Jahr Freunde? Wie oft sahst du meinem Spiele, meiner Jagd nach Fliegen zu, theiltest mit mir die Gefühle, legtest dich mit mir zur Ruh. Wenn denn früh der Morgen graute; tvekte auch mein Zwitschern dich! und wenn an dem Nest ich baute; schüjtr deine Hand oft mich. Laß die alte Freundschaft dauern, wie mein Nest an diesen Mauern. Zwar bin ich nicht schön noch fein, wie des TejerS Lieblingstäubchen, doch — du wirst schon artig seyn: denn ich Schwälbchen bin — ein Weibchen. Schmähe ja Frau Prognen nicht, alter, ernster, finstrer Mann! Sieht man deinem Trübgesicht kaum die lose Laune an, mit der du so oft mich nektest, und von meinem'Neste schrektest, wenn dir eine Kleinigkeit, auf die weise Mütze fiel. Jedes Ding hat feine Zeit, und wer fehlt, fehlt nur das Ziel. Wenn einst meine kleine Lieben aufgereijt vom Sonnenschein sich im ersten Fluge üben; stiegen sie zu dir hinein, danken dir nach ihrer Weise für das sichere Quartier, denken dein auf ihrer Reise, in dem blauen Luft-Revier, loben — denk nut Herr Gelehrter! loben dich am Senegal, Schwalbenruhm ist doch wohl werther, als Journal - und Zeitungs-Schall: denn er tönt auch auf dem Meere. Folge nun auch meiner Lehre. Baue dir ein eignes Haus! Suche dir ein sanftes Täubchen, brüte dann mit deinem Weibchen hübsche schmucke Jungen aus. Dann verlaß ich diese Wohnung bau ein Nest an deinem Haus. Bt. *— ) 66 ( — Bekgtttttmachrrttg von verschiedenen Sachen. i) Nachdeme Johann Gottlieb Faber, vormals ein Soldat, nachher bis zu feinem Tod ein Besucher oder niederer Accise-Be- amler, am 27. März 1796. in Schesten in Ostpreussen in einem Alker von 7sJahren verstorben ist, und ein Vermögen, welches sich auf ohngefähr 80 Thaler belauft, hin» terlassen hat, bei AuSmiktelung seiner ge- sezlichen Erben aber sich gefunden, daß dec Verstorbene öfters geäussert hat, er habe »m Hessischen, in Giessen, noch eine Schwester, Namens Maria Faber, so wird die; ses hiermit bekannt gemacht, und ersagte Maria Faber oder deren Leibcö - Erben, oder die sonstige gesezliche Jntestat-Erben aufgefordert, sich allhier zu melden, ihre Verwandschaft gehörig zu beweisen, unl> somit zum Empfang der Erbschaft de- obgenannten Gottlieb Fader sich zu rechtfer- ligen, worauf alsdann von dem König!. Ostpreussischen Hofqerichk da- weitere verfügt werden wird. Giessen den 24. April 1799- Ä Bürgermeister und Rath daselbsten. 2) Nachdem- auf Verordnung Hochfürstlicher Renthkammer zu Darmstadt da- alleinige Krugdeckel r Kannen - und Löffel- gtesen in dem Amt Hültenberg vom 23. August d. I. an in einen 3 jährigen Bestand gegeben und dem Meistbietenden falva ratificatione erwähnter Hochfürstl. Renth. kammrr überlassen werden soll, sofort Terminus zur deöfalsiqen Versteigung auf Montag den soten Mai k. I. anberaumet worden als wird solche- zu dem Ende hiermit öffentlich bekannt gemacht, damit diejenige» welche zu dem obgedachten Bestand des alleinigen Krugdeckel - Kannen - und Löffelgieftns Lüsten haben, sich besagten Tag, Vormittags y Uhr im AmthauS dahier einfinden, die Bedingnisse prrneh. men, und nach Gefallen mitbieten können. Signatum Langgöns am 2vten April 1799, Fürst!. Hess. Rentei daselbst. C. G. von Zangen. 3) Ich lasse auf den i^ttn eine Tafel - Uhr, welche schlägt und repetirt, auf Lotto- Art herauespielen. Die Uhr ist fein gearbeitet, mit einem grün Mieten Gehau- versehen, das mit feinem Gold aus- geziert , und oben drauf stehet die Minerva, ebenfalls fein vergoldet. Es ist diese Uhr nach dem neuesten Geschmack auegearbei- tet. Diejenige, welche darauf einsetzen wollen, können die Loose bei mir erhalten, das Loos zu 36 Kreuzer. Es stehet Jedem frei, die Uhr bei mir in Augenschein ru nehmen, oder sich solche in seine Wohnung holen zu lassen und zu besehen. Wilhelm Felsinq, junior, Stadtuhrmacher. Litterärrfche Anzeige. . Der Herr Regierungsrath von Ulmen, stem m Wezlar beschäftiget sich feit einigen fahren mit der Ausarbeitung einer Ge-> fcbidjte uns topographischen Lefchrei- bung Ser kaiserl. freyen Reichs fkaoe wen» lar. Er will dieses Werk auf Subskription in drei Oktavbanden herausgeben. Die beiden ersten Bände werden die Geschichte der Stadt selbst und des K. R. Kammerg" richts , seit der Zeit wo es nach Wezlar ver. lkgt