Nr* XX, r8. Mai. 1799* Giesser Jntelligenzklalk. Gedanke»» eines Laien in der Hydraulik, gclegen- heirilcb der Webrqnstatren in der Nacbr Oes 2ZtenZebruars d. I. dazu angefachk. Verfolg. Auffallend möchte Manchen das Der- halknis von 24 bis zoFuö AuSgaug gegen 41 l/2 Fus Eingang fürkommen. Allein ich habe hierbei nicht sowohl auf eine gänzliche Abwendung einer Wiesekfiuth, sondern auf eine mäsige, unsere Wieegründe, gleich dem Nil, beschwängernde und doch dem Innern der Stadt unschädliche, Utbtrr schwemmung Rücksicht genommen. Durch die Ausführung dargelegter Maasregeln, glaube ich, sind die Einwohner dieser Stadt der Furcht des Eindringens jeder Ueberfchwemmung uber- hvben. Hü ist nun aber auch billig und ge- recht, daß der Rühlmüller, welcher durch vorbeschriebene Procedur alles Wasser von den Beider verliehren — und beide Muh- |fn dadurch zu Grunde gerichtet würden, Nicht gefährdet, und das Publikum selbst, durch die Errungenschaft jenes Dortbellü nicht in einen qroferen Schaden, in Verminderung deü Mahl - und Holzschneid- wesenS, versetzt werde. Hine Schleusst hinter der Mündung deS anzuleqenden Grabens aus der Siechbach zum Hohlweg beugt dieser Furcht vor nnd erhält das Mahlwesen dieser Mühle äusser Fluthzeiten, in welchen ohne diese« doch damit stille gehalten werden muß, in dem nemlichen Gang, wie zuvor Fre,. lich dürfte aber der Müller nicht die Aufsicht über diese Schleusst, wie bisher dit Macht über seinen Fluthgang, haben, sondern deren Aufsicht müsse dem Bauamt übertragen und dessen Verantwortung unfr Beurteilung, wenn dieselbe geöfnet werden soll, anvertraut werden, welches beim Einlrettungsfall den Wallmeister befehligte, solche zu öfnen und, durch die Abnahme des Schlüssels dazu, die Offenhaltung bis zum hinreichenden Ablauf der Vorwasier feststellte. Gesetzt, die so eben vorgelegte Vorschläge fepen realisirt und wir dadurch in Stand gesetzt worden, die Wiesekfiuth vor dem Anschwcllen des LahnsirohmS aus unserer Gemarkung zu entfernen; so bleibt immer, wenn eö auch nicht so oft geschie- het, doch noch der mögliche Fall übrig, daß die kahnfluth mit der Wiesekfiuth sich zu vereinigen drohet, wenn ein unvvraue- zusehender Zufall, wie der in der Nacht vom 2i. zum 22 Februar war, und wo alle in wenig übrig habender Zeit erkünstelte Wehre' gegen die Natur kraftlos geblieben seyn würde, eintretten sollte. Gegen solche seltne Fälle bleibt kein anderes Mittel übrig, als die Erhöhung der Schoor zwischen dem Gänöakker und dem Neurott. Daß hiervon schon vor vielen Jahren die Rede war und daß seit dieser Zeit, besonders in diesem Französischen Revolutionskrieg dieselbe noch weit wehr ausgefahren worden, ist eine bekannte Sache. Vielleicht weniger bekannt ist es aber, daß in ihrer richtigen Standerhaltung, wegen der dahin 'einschlagenden Strittigkeiten / dem Bauamt bis hierhin die Hände gebunden waren, — ) 78 ( — waren. An eine Ausgleichung dieser Strit- rigkeiten ist nicht zu gedenken, und der Machtspruch: so und nicht anders soll es seyn, scheint noch sehr wert entfernt zu seyn. Auf die Frage, was denn nun hier» bei zu thun sep, würde ich, ohnziels-tzlich, erwiedern: Bevor höchste Entscheidung über die Herstellung in vorigen Stand dieser Schoorstelle einlangt, könnte dieselbe provisorisch mit dem Bauschutt aus der Stadt überfahren — und einstweilen eben nicht verschönert — jedoch zur Sicherstellung der Stadt erhöhet werden. Es bleibt ein wahres Scandal fürgesit- tete Reisende, wenn dieselben unsere Alarm- Plätze bis in die Thorgattern, ja sogar Strassen, wie z. B. die Hintere Brandgasse, mir solchem Baukummer und Schlotten der Feuerhandwerker aufgethürmt finden. Seit der Abwesenheit des Fürst!. Militairs hat freilich diesem Unwesen nicht gesteuert werden können, ob es aber in das Polizei- Fach einschlage und von dieser Seite demselben vorgedogen werden könnte, finde ich weder Beruf noch Einficht mich darüber einzulassen. So viel Vertrauen habe ich jedoch zu meinen Mitbürgern, daß sie sich nach einer öffentlichen Mahnung, mittelst der Schelle, wie ehemals von dem löbl. Stadtrath wegen Ausfüllung des Neuen- mühlgrabens geschähe, dahin werden bescheiden, zum gemeinschaftlichen Besten mit ihrem Baukummer eben so willig den bezeichneten Schoorflek zu erhöhen, als ehe. hin sie willig den genannten Mühlgraben damit ausgefüllt haben. Da ich nun die Sicherstellung dec Stadt von der gefährlichsten nemlich der Wieftkftite, mit oder vhne Zufammentret- tung der Lahn deutlich gezeigt habe, so er. giebt e-t sich von selbst, daß wenn die Lahn Eine Höhe, über die Wallpförter Chaussee zu fallen, erreicht Haden würde, man sich flcint ruhig dabei benehmen und dieselbe ohne Furcht ziehen lassen könne. Jede Gegenwehr wird doch eine vergebliche Arbeit ftßn, und gesetzt: menschliche Kräfte scnen hinreichend, einen 4 bis zvoFuö langen Damm, ohne Apparate, in höchstens 12 Stunden, über eine Felsenharte Chaussee zu schlagen, so wurde bei der Anwendung dieser Kunst auf der Wallpförter Chaussee, nun mchl mehr die Wiestk gefährlich fepn, [p\?,rn $,e hnfluth ganz sicher bei der Muhlnschcmz d-e Schoor zunächst der auf* 8/ "^ pschleusst übersteigen und die C,tadt m Wasser setzen. Vielleicht wäre es der der lezteren Ueberschwemmunq hierzu gekommen, wäre nicht der bemerkte Fleck vaina o, wie das sämtliche Fürst!. M.lnair sich hier und in dieser Gegend gegen den wakkeren Cusiine postirt hatte, hinreichend erhöhet worden. Im Vorbeigehen aber sey es gesagt , dieser genannte nunmehr wie- der ausgefahrne Fleck bedarf aus eben den roie- Neuweger Schoor gegen »ne gleiche Ausbesserung gegen den Lahnstrohm. Wenn endlich mit allen diesen Vorkehrungen, nach eingetreltenen gewaltsa^ toi>ni^a/Urer“?n,,Pn ' n>ir "NS dennoch, »•(10 taum glaube, betrogen fänden, so bleibt nnj das Extremum übrig, daß wir, auf die Art, wie ich weiter ferne erwähnt habe, die großen Thorgewölber, die innere ^UEigerinnschleussen (die ausse« reu werden gleich anfänglich einer Fkuth famt- öer Mordkellerantauch schließen und — tm Ueberwältiqunqvfalt auch dieser Sicherheit- - Anstalten durch eine nie erlebte Ueberschwemmung, von C ju S^ok zur Hohe steigend, uns der bniPn* ^chikkung überlassen, welches je« vor dem großen Gerichtstage, ouf Zemente citirt und, wer weis ?cm b^ßen Ganzen in ihr vori» siks Chaos zuruktr-tten werden, schwerlich tn Erfüllung kommen wird. Ehars- ) 79 ( Charaden. I. Zwei Wörter hab' id), wer mich erralh; freut sich. DaS erste Wort bedeutet eine Blume. „Ich bm in FloraS Heiligthume, „Der reinsten Mädchenliebe Bild, „ und mein Geruch ist lieblich und mild. „Das zweite Wort zeigt an den Stab, „auf dem ich meinen Wohnsiz hab. „ Em Gott halt ihn in feiner Hand, und waltet damit zu Wasser und Land. Das Ganze. Mich schuf die reizende Phantasie des Dichters, — er Heist, — ihr wißt schon wie. II. Erstes Wort — einftlbig. Ich bin gebohren in Feuerflammen, Hand und Mund bilden mich zusammen. Ich ofne dir die Welt der Sterne, ich nähre dir die blaue Ferne, und oft nimmst du im Freundeskreise, aus mir zum Leiden Muth, Kraft zu der Lebensreise. Zweites Wort — zweisilbig. Mich sind'st du überall, wo deines Gleichen wohnen, beim dummen Pescherahs, beim nordischen Huronen, selbst auf Taheitis Lustgesiiden, bin ich der Schirm und Schutz der Wilden. Oft findest du in mir das stel'ge Ziel des Lebens, und in Pallästen suchst du es vergebens. Das Ganze. Entferne dich von mir zur Stelle, ich bin ein leibhaft Bild der Hölle. III. Erstes Wort — emsylbig. Du sahst mich nicht, und Nichts in mir, ich bin nicht Pflanze, Stein, noch Thier. Der mich erzeugt, stirbt wenn ich lebt/ ich sterbe wenn mein Vater lebt. Das Herz des Palrioten bebt, wenn über einem Land ichshwebe. Zweites Wort — zweistckbig. Bald bin ich hier, bald bin ich dort, stets zieh ich mit den Menschen fort. Verheerung zeichnet meine Tritts, Zerstörung folget meinem Schritte, oft wohnt in mir cm ganzes Heer, doch siehst du mich nie auf dem Meer. Das Ganze. Mein Vaterland ist überall, ich bin in jeder Zone. Süs klinget meines Namens Schall, selbst Herrschern auf dem Throne, und einst ward ich jm Morgenland — (im Palmenhain, an Jordans Strand, da wehten Engel .Gottes Ruh der Vorzeit heilgem Schläfer zu, und beim Erwachen ward ich) gar — geheiligt. Noch izt sucht mich die ganze Welt, ; der Fürst, der Bettler, und der Held, der Wanderer nach langem Lauf, des Kummers Thränen fang' ich auf, dem Kranken lindre ich den Schmerz und ruhig schlagt an mir das Herz des Liebevollen Träumers. W. Gottesdienst am ig.tHai. In der St. Pancratiuökirche. Morgens Herr Professor Palmer. Nachmittags Herr Kandidat Kunz. In der Burgkirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. Morgen den 19 Mai hat da« Frischbacken der Beckermeister Iughard, ander Stadtpforte. Geraufte bei der Seadtkirche. Am rz.Mai. Dem Scribenten Jacob Koch, ) gO ( *— Koch, eine Tochter, Namens Maria Io, hannetta Christiane. Am 14. Mai. Dem Fürst!. Postmeister, Hrn. Christoph Wilhelm Kempf, eine Tochter, Namens Maria Elisabelha Phi- lippina Henrietta. Eod. Dem Burger u.Scbneider, Friedrich Becker, eine Tochter, Namens Sophia W-lyelwina Cdarlotka Am iz.Mai. Dem Burgeru. Drechsler, Ernst Heinrich Matthias, ein Sohn, Namens Wilhelm Martin. Druckfehler: Im vorigen Gedichte No. XIX. Zeile3. von oben lies Sonnenscheine^, statt Sonnenschein. Z. 1. von unten, lies reinsten, statt treusten. Seite 74. von oben Zeile 5. statt zwischen dieser, lieö zwischen diesem. Zeile 9. statt 40FUS langen, lies 40 Schritt langen- I 1 1 f 1 1 1 I Giesser Victualien-und Markt-Preis. tb Ochsenfleisch — — Kühfleisch — — Rindfleisch — — Kalbfleisch — — Schweinefleisch— — Hammelfleisch — — Hammelsfett — — Rinds-Nierenfett fr 8 7 6 4 8 8 14 Pf.» — I r tb Schweinefett — — I £ — Seifen — — I r — Lichter — — 11 — frische Butter — — 11 — geschälte Hirse — — I 1 — grob geschalte Gerste — | 1 — klein geschälte Gerste — I Eyer 7 Stück — — fr. Loth Quint Schwarz Brod 1 12 1 Weck — — 1 7 —• Milchbrod 1 6 — Butter Bretzeln 1 3 1/2 gemischt Brod oder Taigscher 1 9 1/2 fr. pf. 16 — 20 2 24 — 14/ — 8 — 8 — 10 — 4i Getraidepreise vom n. Mai bis den iZ.Mai, in Frankfurt. Wahrung den fi. ä6o kr. und das ib. zu 34 ivth Cölmsches Silbergewicht. Städte. I G e m ä s. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegt^ Haferiwiegt fl. fr. Ib. fi. fr- Ib. fl. fr. “ib. fl. fr. fi). Darmstadt das Malter. 6 45 I7S 5 8 157 4- 140 2 38 98 Giessen das Achtel. 9 — 200 7 20 180 5 — 160 4 30 140 Marburg das Mott. 8 10 1 1501 1 5I30 1351 । 3 45 120 2401 84 Diez | das Achtel. 16 — 34o| 10,10 500I 1 7 10 •— Wezlar das Achtel. 11 — 206I 1 7'50 190I l 7 10 168 1' 4 —1 — Nota Im vorigen Intelligenzblatt ist der Preiß des Ochsen °, Küh- und Rindfleisch,- abzuändern vergeffen worden, und muß der Preiß darin heissen, wie in bitfem Blatt gesetzt worden.