Nr. XXXIII. - ?. August. 1799- Giesser Jnlelligenzblatt. Beispiele von allerlei Unglucfsfällen ;nr Belehrung und Warnung. Eine äusserst sonderbare traurige Begebenheit, die bei einem frohen Gastmahle ganz unerwartet entstand, und der Dame des Hauses das Leben kostete. In Holland ereignete sich vor etwa 12 Jahren folgendes schreckliche Unglück. In dem Hause eines angesehenen Herrn war eine große Gesellschaft von Freundinnen und Freunden, die da ju Mittag speise- ten. Der Herr des Hauses wollte eine Bouteille Champagner-Wein öffnen, und nahm dazu einen Stopfenjieher, der an einem Sackmeffer befestigt war. Er drehte den Stopfen merklich in die Höhe, undbe- gieng den Fehler, baß er. seine Hand vom Stopfen that, ohne erst wieder den Sto- pfenzieher heraus ju drehen. Der brausende Champagner schlug nun auf einmal den Stopfen summt Stopfenzieher mit Gewalt in die Höhe, und im Herunterfallen fuhr die spitzige Klinge des Sack- wessers, welche zu allem Unglück ausgestellt war, der neben sitzenden Gattinn so tief in die Brust, daß'die Verwundung tödtlich ward, und die Dame war in Zeit von einer Halden Stunde eine Leiche! — Wer hatte wohl je von einer so unbedeutenden Sache, al« das Oeffnen einer Bou- teille ist , eine so fürchterliche und so schnell tödtliche Wirkung erwartet? — So leicht kann eine auch kleine Unvorsichtigkeit einer an sich nichts bedeutenden Sache eine ',ahe Wendung geben, und die schlimmsten Folgen Haden! Unglück durch Schießpulver. Im Jahr 1794 im Deeember ereig»' nete sich zu Ostrzocow in Südpreuffen folgender unglückliche Vorfall. Bei dem Bürgermeister waren einige 70 Pfund Pulver in tint'm Sacke eingelegt. Er probirte eS auf seiner Stube in Gegenwart seiner Kinder. Diese streueten eö in der Abwesenheit des Vaters reihenweise in der Stube umher, und zündeten es an. Da sie dem Sacke mit dem Pulver ju nahe gekommen waren, so gerieth er in Feuer, zerschmet- terte das Haus und tödtete die beiden Kinder des Bürgermeisters und noch einen andern Knaben. Einer Magd wurden beide Beine zerschmettert, und sie selbst über 200 Fuß weit auf den Kirchhof, und die hoch, schwangere Frau des Bürgermeisters in den Garten geschleudert. Der Bürgermeister , der sich in einem Nebenhause befand, wurde bloö durch die Fensterscheiben beschädigt. , Unzählbar sind die Unglücksfälle, die das Schießpulver, dieses überall Zerstör rung und Verderben verbreitende Wesen, so bald es in Flamme gerath, seit seiner Erfindung angerichtet hat. Selbst erwachsene Personen , die mit Pulver umzugehen haben, können bei aller Vorsicht und Behutsamkeit nicht alles Unglück verhüten; wie viel mehr muß man Kinder davor warnen, das Schießpulver an einem sichern Orte wohl verwahren, und ihnen alle Gelegenheit benehmen, damit umzugehen, zu schießen, oder Feuerwerke damit zu machen. Der Erzherzog Le'opold, Palatinos von Ungarn , wollte am u. Julii 1795. LU ) 130 ( — zu Luxemburg der Kaiserlnn mit einem Feuerwerke eine Ueberraschung machen. Er arbeitete mit seinem Kammerdiener und einem Leiblakaien in dem Laboratorium, einem kleinen Zimmerchen; sie gingen nicht vorsichtig genug dabei zu Werke; eine Masse Pulver von 24 Pfund am Gewicht entzündete sich plötzlich, und beschädigte mehr und weniger die Anwesenden. Der Leiblakai blieb auf der Stelle todt; der Kammerdiener war dem Tode ganz nahe; und der Erzherzog wurde ebenfalls am Oberleibe gefährlich beschädigt. Alle Haare am Haupte waren versengt, und der ganze Körper vom Pulver schwarz. Am rechten Arme hatte er eme Verwundung, daß man den Knochen sehen konnte, und seine Augen hatten vorzüglich gelitten. Die Nacht darauf starb der Kammerdiener, und den folgenden Morgen verschied auch der Erzherzog , der erst 23 Jahre alt war, nachdem er 15 Stunden lang die heftigsten Schmerzen und Leiden ausgestanden hatte. Eine Viertelstunde vorher, ehe sich das Pulver entzündete, befand sich der Kaiser selbst im Laboratorium, und hätte also etwas später daü nämliche traurige Schicksal haben können. Das Unglück trug sich folgenderwa- sen zu. Der Erzherzog wollte einen Schwärmer durch da» Fenster hinaus probiren; dieser fuhr aber in das Zimmer zurück, und steckte das Pulver und alle Feuerwerks- Sachen an. Schädliche Wirkung des Aohlendampfes. Ein Fräulein in Sachsen wollte den andern Tag in aller Frühe verreisen, und um nicht durch die Frisur zu lange auf' gehalten zu seyn, ließ sie sich Abends spät die Haare von ihrer Kammerjungfer zum voraus brennen. Sie ging dann gleich zu Bette, und die Kammerjungfer entfernte sich, ohne erst die große Kohlpfanne voll glühender Kohlen, die sie zum Heißmachen de» Brenneisens gebraucht hatte, aus dem Schlafzimmer der Frätzlchr zu schaffen. Als den andern Morgeck das Fräulein geweckt werden sollte, fand man selbe fast todt in ihrem Bette. Der Arzt hatte viele Mühe, durch schleunigst angewandte Mittel sie noch zu retten; und sie litt noch einige Zeit an Betäubung , Schwindel und Kopfschmerzen. Eben diese» widerfuhr auch der Toch-- ter eines Bäckers in Br., die in dem Zimmer , wo der Packofen stand, zu schlafen pflegte. Es war den Abend eben gebacken worden, und die Kohlen wurden mit Wasser nachlässig ausgelöscht, so daß sie in der 'Nacht wieder zu glühen anfingen. Der Dampf der Kohlen wirkte so hrftigaufdie schlafende Person., daß man sie Morgen- in Ohnmächten antraf; doch ward sie noch gerettet. Unglück vom Trinken aus einem flehen- ven wasser auf dem Felde. Die Tagtöhnerinn Haasen zu Parchim trank, wie Herr Doctor Sachse erzählt, im Frühjahr 1794 au» einem stehenden Wasser, welches sie schon oft beim Holz- holen ohne Nachtheil gethan hatte; jezt hatte e» aber die üble Folge, daß der Unterleib aufgetrieben wurde, und daß sie sich täglich mehrmal erbrechen mußte, welche» eine» Tages äusserst heftig wurde; unter schrecklicher Angst und Gefahr zu ersticken, brach sie, zu aller Anwesenden Entsetzen, einen großen Frosch aus. Eine geraume Zeit war sie nun, äusser öftern Leibschmerzen, von ihrem so lästigen Uebel frei, gegen den Herbst aber kehrte e» mit neuer Wuth zurück. Im September brach sie nur einen Frosch aus, im December abereine beträchtliche Menge, von welchen fünf Stück eine geraumeZeit im Wasser lebten. Im April brach sie abermals einen Frosch au». Sie nahm Arze- — ) I3i ( — Arzknelen dagegen ein, und brach vielen Schleim mir neun Fröschen aus, unter hefrigenZuckungen unvanhaltendem Angst- geschrei. Einer dieser Frösche, der groß unO völlig ausgebildet, nun in der Prä- paraten $ Sammlung der physikalischen So- cielät in Göttingen befindlich. Manche Personen konnten sich nicht von der Wahrheit dieser Geschichte überzeugen und hielten die ganze Sache für Betrügerei. Der Magistrat ließ daher die Haasen einsperren, und übergab sie der Behandlung eines andern Arztes. Aber auch dieser Arzt wurde von der Richtigkeit dieser Geschichte überzeugt, indem die Kranke vor seiner Ankunft eilf Frösche ausgebrochen ,• und in seiner Gegenwart noch mehrere fortgingen. Bekanntmachung von verschiedenen Sacken. i) Der dahiesige Burger, und bisherige Gastwirth zum Riesen, Friedrich AmanvuS Bornqesser, hat so viele Schulden contrahirt, daß sein Vermögen zu deren Bezahlung nicht anreichend, und der ConcurS unvermeidlich seyn wird. Da nun zugleich auf Anstehen der bekannten Gläubiger eine öffentliche Vorladung der etwa noch unbekannten erkannt worden, so werden alle diejenige, welche an erjagten Borngeffer ex quocunque capite eine Forderung zu haben vermeinen, vorgeladen, dahier bei Oberamt in dem auf Donnerstag den I9ten September anberaumten Termin entweder in Person, oder durch hinlänglich Bevollmächtigten zu erscheinen, ihre Forderungen anzuzeigen und zu liqm.r diren, sodann auf die ihnen geschehende weitere Eröffnungen das nötige zu erklären , unter der Verwarnung , daß sonsten sie nicht Witter gehört, sondern mit ihren Forderungen ausgeschlossen werden sollen. Giessen den gvten Julii 1799» FÜrstl. Hess. Oberamt allda. " Meyer, 2) Künftigen D ienstag den Loten dieses, Morgens 9 Uhr, sodann Nachmittags 2 Uhr, und so die folgende Tage, soll in der verstorbenen Elkan Hirsch Wittwe Behausung allerhand Hausrath, an Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Messing und Eisenwerk, Mannskieidung, Weibskleivung, _ Weiszeug und Bettung , sodann Holzwerk und verschiedene Ellen - Waaren, öffentlich an den Meistbietenden, gegen baare Zahlung verstrichen werden, welches hierdurch zur Nachricht bekannt gemacht wird. Giessen den izten August 1799. FÜrstl. Hess Oberamt das. Rayß. 3) Bei dem Burger und Gartner Grü- neberg in der Neustadt Nro. 591. ist zu verlehnen: 2 (Stuben, 1 Kammer und Kuch, ein Stück im Keller und Holzstall, vor 32 fi. jährlich. Litterärische Anzeige. In dem Neuen juristischen Journal (Ronneburg und Leipzig 1799.) ist itm Bandes ires Heft Seite 51 bis 93. von dem Hrn. Reg. Rath von Zangen zu Langgöns eine Vergleichung der in Hinsicht der wsiblr'chsn Rechtswohlrharen unterm 2 März 179$. ergangenen Zärstl. Hesten-Darmftädtischen Verordnung mit dem gemeinen Reckt, eingerückt, welche- jungen Praktikern unsers Landes nicht un- nützlich seyn wird. Gottesdienst am 18. August. In der St. Pancratiuskirche. Morgens Herr Superintendent Bechtold. Nachmittags Herr Superintendent Müller. In der Burgkirche. Morgens Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr Pfarrer Münch von Ermenrode. Morgen den 18. Aug. hat das Frischbacken der Beckermeister Georg Philipp Iug- hard, in der Wallthorstrafti - ’ — 8 - | 1 - grob geschälte Gerste — 8 i — Hammelsfett — — — I 1 — klein geschalte Gerste — 10 1 — Rinds-Nierenfett — t4 — ■ Eyer 5 Stück — — — 4 fr. Loth Quint Schwarz Brod 1 9 3 Weck — — 1 5 1 r/4 Milchbrod 1 4 11/4 Butter Bretzeln 1 2 »s;s gemischt Brod oder Taigscher 1 7 2 Getraidepreise vom ro.Aug. bis den i7»Auz./ m Frankfurt. Währung den si. ä6o kr. und das ft. zu 34 Loth Cölmsches Silbergewichr. Städte. Gemäö. Waizen wiegt Korn wiegt GersteIwiegtUHaferiwiegt fl. fr. ft. fl.lkr. ft. fi. kr. ft. I st. fr. ft. Darmstadt das Malter. 6 45 175 5.8 157 4 — 140)238 98 Miessen da» Achtel. II — 200 ; 8i— 180 7 — 100 6 — 140 Marburg > das Mött. 8 —1501J 135|r 4 — W 3 -1 84 Dier j das Malter. I 20 30] 340]) (6j5o 3OO|| 10 20 — — —| — Wezlar Idas Achtel. 1 13 —1 2®6||u»— 190II 7 40 168 6 20} — Dieses Jntelligenrblatt ist für 45 Jtrtujcr in der Kriegerfchen Buchhandlung gegen Vorauszahlung zu haben.