Nr, XXIV. - - - iz. Juni. I7YY. Giesser Jnttlligenzblatk. Zortsetzung von Syrien. Berlehem auf dem Gipfel eines kleinen Gebirges, das von allen Seiten mit Hügeln umgeben ist, die mit Oliven« und Feigenbäumen bepflanzt sind. Hier wird vortrcfl'.cher Wein gebaut, und die Tha- ler bringen Getraid und Hülsenfrüchte in Ueberstuß. Uebrigens ein elendes Dorf. Die Einwohner bauen nicht mehr als für ihre Bedürfnisse und Abgaben nöthig ist, weil die Türken ihnen sonst das übrige nehmen würden. Sie schnitzeln daher Erucifi^e, Rosenkränze und dergleichen' Raritäten- In der Nahe zeigt man die Höhle, wo Christus gebohren ssyn soll. Ueber ihr steht eine prächtige Kirche, die «in M zaer zu Konstantinopel mit einem Aufwand von beinahe ioo,ooo'Xt>a(ftn erbaut hat, an die Kirche stößt ein Kloster, welches aus z Klöstern besteht, die von katholischen» griechischen und armenischen Mönchen bewohnt sind. In der Nach» harschafl sind noch,'einige Klöster. Hebron. Die Einwohner sind Mu» hameraner und Juden. Die Stadt ist wichtig'als Handelsplatz. Die dasiqe Glas- fabrike rettet allein noch das Andenken, daß diese Gegenden das Vaterland des Glases sind. Sehr beträchtlich ist die Aus. fuhk der Baumfrüchte, die herrlichen Weintrauben und der daraus verfertigte Syrup. Die Trauben haben eine Länge von einer halben Elle. Die Beere sind eines halben Fingers lang. Sie geben einen starken rvthen Wein. Von Hebron allein gehen jährlich 2200 Zentner Syrup nach Aegypten. Ga;;a auf einem kleinen Hügel in ei« mr angenehmen Gegend, von mittelmä- siger Gross, mit vielen schönen Trümmern von Marmor, die von ihrer ehemaligen Herrlichkeit zeigen.. Der Handel ist hier sehr beträchtlich, weil die syrischen Ka- ranvanen hier durch nach Aegypten gehen. Jafa (Joppe) ist bloS noch merkwürdig durch ihre Allerthümer. Am Strand des Meeres stehen etliche kleine Häuser und Magazine, davon die meisten in Felsen gehauen sind. e?ie werden durch ein Kastell auf einer benachbarten Klippe beschützt. Rama im Thale Saron. Hier geht die Landstrasse von Jaffa nach Jerusalem, und von Damaschk nach Aegypten durch, welches dem Ort Handel und Bevölkerung verfchaft. Lodvo ( Lydda) ein geringes Dorf. Nabolos auf der Stelle des alten Sichem, in einem mit Fruchtbäumen bes ftzten Thale. (Sinin, ein Dorf in dessen Nachbarschaft die Berge Gilboa, Hermon und Tabor liegen. Casari'a hat von seiner ehemaligen Herrlichkeit nichts übrig als Trümmer und Gewölbe, in denen arme Fischer wohnen. Acre ( Pfolemais) im Hintergrund eines kleinen für die Schiffarth gefährlichen Meerbusens. Ihre Ruinen zeigen von ihrer ehemaligen Gross und Pracht. Ihre Thürme und Wälle waren so dick, daß man innere Gewölbe anbrachte, die zu Vvrrathshäussrn dienten. Jzt sind diese Gewölbe das Unglück der Stadt. Sie füllen sich zur Regenzeit mit Wasser, welches bei der Sommerhize stinkende Nebel bildet. Vor 9 Uhr des Morgens kann man die Sonne nicht deutlich sehen. Anstecken« ) 94 ( Deckende Krankheiten sind die Folgen dar von. Der größte Theil der Einwohner sind französische Kaufleute. Saphat izt nur ein Dorf, wo hauptsächlich Juden wohnen, weil ihre Mischna hier verfertigt werden, und weil ein ft ihr Messias Saphat zur Hauptstadt seines neuen, Reiches machen soll. Da dieses die Türken merken; so lassen sie sich von den Juden die Erlaubnis hier zu wohnen, enorm theuer bezahlen. Ihre Unterdrü- ckung ist hier die größte, und ,hr Leben das traurigste. «Eabetya, Tiberias, dem Kaiser Tiberius zu Ehren genannt. Ehemals die Hauptstadt in Galiläa. Jzt ein Dorf mit einer Mauer. Es liegt am Ende einer grosen Ebene, und hat ein berühmtes jüdisches Gymnasium, in welchem Jünglinge den Talmud studiren. Nahe dabei ist ein Schwefelbad. , N"asra (Nazareth ) ein Dorf am See Tiberias , mit einem Franziskaner-Kloster. Palästina ist immer ein wichtiges Land für den türkischen Kaiser. Thaler wechseln mit Bergen ab, die sehr wasserreich sind, und das Land würde ausnehmend fruchtbar ftyn, wenn nicht der Despotismus so schwer auf diesem Lande ruhte. Die merkwürdigsten Berge sind: der Oeblberg nahe bei Jerusalem, mit 3 hohen Spitzen, von welchen die nördliche als die höchste die weiteste Aussicht gewahrt. Er ist fast bis an seinen Gipfel mit Oliven - Pomeranzen - Limonen- Datteln- Feigen- und Terebinten-Wäldern besezt. (Quarantania, ein Nachbar desOehl- bergs nahe am Eingang der traurigen Wildnis aon Jericho, welche eine grantige mit niederm Gesträuche hie und da bewachsene Steppe ist. Ec ist ein naktec Felsen, der weit über die andern Berge ragt, einen grosen Theil des Jahres Schnee auf seinem Gipfel tragt, aus welchem die Trümmer einer Kapelle hervorsehen. An seiner Seite hat die Natur Grotten gebildet , in welchen die Araber auf den Raub der Pilgrime lauschen. An seinem Fuß quillt der Elisaborn, den Fruchtbäume umschatten. Der Verfolg künftig. Die Runkelrübe. Verfolg. Ich hoffe nicht erst erinnern zu dürfen, daß dieses Gewächs nicht immer auf einem und demselben Felde gezogen werden kann, ohne schon im zweiten Jahre schlecht zu ge- rathen, und im dritten Jahre völlig zu mißrathen. Je mehr man dabei mit dem Lande abwechselt, und je seltener man fit auf die nervliche Stelle pflanzet, desto bester ist es. Ein zum erstenmal damit bebauetes Feld giedt allezeit die reichste Ausbeute. Frische Düngung vertragen diese Rüben gar nicht, eS fe‘p denn mit Schlammerde, welche bereits ein Jahraus Haufen gelegen, und sich durchgebrannt hat. Fruchtbare Brachacker schicken sich zu Erziehung dieses Gewächses sehr gut, und verinteressircn sich gewiß weit besser, als wenn sie nach der noch nicht völlig abqe* schäften Sitte, ein Jahr wüste liegen, und Mit Schafen betrieben werden, die auf diesen unfruchtbaren Steppen hungern müssen. Wie gut sich ein mit Runkelrüben besäetes Feld verinteressirt, kann man aus folgendem ersehen. Ein gewisserLand. wirth setzte am zoten Mai 1-785. auf ein stehorig zubereitetes Feld 5Ö9 Pflanzen. Den zoten September belud er mit feiner Ernte zwei zweispännige Wagen, und die größten Rüben wogen ohne das Kraut 6 bis 8 Pfund. Schlägt man nun jede Rübe im Durchschnitt nur zu 4 Pfund an, so kommen doch 20 Zentner heraus. Mit dem Kraut fütterte er zwei Stück Vieh vierzehn Tage im Ueberflusse. Will Witt man dir Runkelrüben versetzen, so muß dieses geschehen, sodalddi? Pflänzchen nur einigermasen Die Größe dazu Haden , und ihre Wurzeln ungefähr so dick, wie ein Pfeifensiiel sind. Bei nicht zu später Aussaat kann daö Verpflanzen schon zu End? des Maimonats geschehen. Sollen große Pflanzen versetzt werden, so ver- stntzt man die längsten Blätter nebst der Wurzel, weil erstere von der Pflanze doch ernährt werden können, und durch ihr Verderben den Untergang der ganzen Pflanze nach sich ziehen würden, letztere aber zum größer werden der Rübe nichts beitragt, daher man sie' auch bei kleinen Pflanzen, wenn sie zu lang ist, auf 4 oder 5 Zoll verkürzen kann. Man setzt die Pflänzlinge in mit einem Pflanzstocke gemachte gerade Löcher, die eben so weit von einander entfernt sind, wie beim Saamenstecken, drückt die Erde fest an die Pflanzen, und begießt sie mas- siq. Oft lassen die Pflanzen nach der Pflanzung alle Blätter hängen , und verlieren solche bis aufs Herzblatt. So lange ein Herzblatt an der Pflanze noch grün ist, ist auch gewiß ihre Wurzel noch gut, sie treibt alsdenn bald neue Blätter, die nicht nur das ganze Feld bedecken, sondern auch in der Folge dergestalt über einander herwachsen, daß kein Fleckchen Erde zu sehen ist. Sobald die Pflanzen in vollem Wachs- Ihume sind, lockert man die Erde um ihnen her auf, ohne jedoch selbige anzuyau- fen. Hiermit fährt man so lange fort, wie es die wachsenden Blatter erlauben, und solches der Boden nöthig hat. Dieses Auflockern des Erdreichs ist eine höchst nothwendige Arbeit, denn es dient zur Vertilgung des Unkrauts, und zur Beförderung des Wachsthums der Wurzeln. Beim ersten Behacken werden die Wurzeln noch nicht aufgeräumt; breiten sich aber die Blätter wehr aus, und wird daß Auflockkrn zum leztenmal vorgenommen, so räumt man die Erde um die Wurzel so weit weg , daß selbige 2 bis 3 Zoll Über der Erde bloß steht; wodurch derWachsthurv derselben, vorzüglich befördert wird. Die Engländer rühmen, daß man ein solches Rübenstück wie eine Wiese deS Sommers durch benutzen könne, welches denn auch die Erfahrung bestätigt hat, indem sich dieses Gewächs, ohne daß sein WachSthum dadurch verhindert wird, blatten läßt, wenn man nur die Herzblätter verschont. Man muß jedoch das Abblatten nicht zu früh unternehmen, sondern wenigstens dir Zeit des halben Wuchses abwarten, erst um Barlholomai, damit anfangen, und nur die beiden untersten Blätter mit gehöriger Vorsicht von fleder Pflanze abnehmen. Die Runkelrübenblatter erhalten sich, wenn sie an einem luftigen Orte nicht zu dicke und fest auf einander geschüttet werden ,.ziemlich lange gut Bei einem grö- ßern Vorrath, als man in etwa 14 Tagen verfuttern kann, ist es rathfam, solche mit Salz, wie sauren Kohl, in Tonnen, ausgemauerten oder ausgedielten Gruben einzumachen , und sie so den Winter über, wo dem Viehe nur trocknes Futter gegeben werden kann, zu verfuttern. Fortsezzung folgt. Bekanntmachung. Den 8ten Iulii h. a. wird zu Frankfurt a. M. eine ansehnliche Sammlung von Büchern aus allen Fächern der Wissenschaf, ten, vorzüglich aus dem Fache der RechlS- gelehrfamkeit, öffentlich versteigert. Auf, serdem zeichnet sich dieselbe durch schätzbare Ausgaben von Klassikern und Kirchenvätern aus. Kataloge sind in der Heyeri« scheu Buchhandlung zu haben. Gottesdienst am 16. Jam. In der St. Pancratiuskirche. Mor- Lens •— ) 9^( ~ genS Herr Professor Palmer. Nachmittags Herr Kaplan Muller, von Königsberg. In der Burgkirche. Morgens Herr Superintendent Schulz. Nachmittags Herr Pfarrer Buff. Morgen den 16 Juni hat das Frisch- backen der Beckermeister Lehrmund, in der Neustadt. Ein- und Auspasffrre. Am 7. Juni. Baron von Bock. Hr. von Holzhausen nebst Familie, von Frankfurt, log. im Einhorn. Eod. Hr- KammergerichtSaffessor v. Ditlfurth, von Wezlar, durchpaff Am 8 Jun- Baron Harff und Hr. v. Zwierlein, von Wezlar, dmchpass. Geraufte bei der Stadrkircbe. Am 6. Jun. Dem Burster und Büchsenmacher Johann Andreas Trenkner, eine Tochter, Namens Katharina Philippina Juliana-. Am 9. Jun. Dem Burger und Mez- gcr, Georg Melchior Waidig, ein Sohn, Namens Johann Peter. 1 1 1 I I x 1 1 Giesser Mctualien-und Markt-Preis 14 kr 9 8 7 5 8 8 ft Ochsenfleisch — — Kühfleisch — — Rindfleisch •— — Kalbfleisch — — Schweinefleisch — — Hammelfleisch — — Hammelsfett — — Rinde-Nierenfett Vf. — r ft Schweinefett — — £ — Seifen — — 1 — Lichter — — 1 — frische Butter — — £ — geschalte Hirse — — 1 grob geschälte Gerste — 1 — klein geschälte Gerste — Eyer 6 Stück — — kr. Pf. 16 — 20 2 24 15' 8 8 10 Schwarz Brod kr. Loth Quint 1 10 I £/4 Weck — — 1 6 1/2 Milchbrod 1 5 1/2 Butter Bretzeln 1 3 1/4 gemischt Brod oder Taigscher 1 8 1 Getraidepreise vom 8.Juni bis den 15.Juni, in Frankfurt. Währung den fi. ä6o kr. und das ft- zu 34 toth Cölmsches Silbergewicht. 4 Städte. G e m ä s. Waizen wiegt Korn wiegt Gerste wiegt! iHafer wiegt fl. kr. ft. fl.Ikr. ft. ft. kr. ft. I flTTFr. IT» Darmstadt das Malter. 6 45 175 5 8 157 4- 140 2 38 qR Giessen das Achtel. 11 — 200 i 9|2O i8° 7 — 160 6 — 70 Marburg das Mött. 8 10 150! 1 6j- 1351 1 4 — I2C 3 20 84 Diez das Achtel. 16 - 1 340 £ojio 3°° 1 7 10 Wezlar das Achtel. 11 1 40 206 1 9’4o 190! 1 6 30 168 5 — . — Dieses Jntelligenzblatt ist für Vorauszahlung zu haben. 45 Kreuzer in der Kriegerschm Buchhandlung gegen