Nr. XXXVII. 14.Septembr.l7-,. Giesser Jnttlligenzylatt. Bemerkungen über die Gedanken eines Laien in der ^ydraulick, gelegentlich der wehr- anfkalcen in der Nacht des 2zren 5ebr. d. 3» dazu angefachk. Verfolg. Leugne nun, oder mache der Ungenannte solche Erfahrungen ju Schanden, auch die, daß dieses Frühiahr das Wasser in den Wallgraben durch da» Quellwassrr sich beträchtlich erhöhte. Kann er das, so soll er Recht haben in allem was er bisher gesagt hat, und ihm noch ferner in dieser Sache zu sagen belieben möchte. Dann aber ist auch alle bisherige Furcht der Bürger Gießen» für Überschwemmung nichtig, und die öfter» aufgeworfene Frage wegen der zu treffenden Sicherungemittel, thö- richt gewesen. Haben die bisherigen Ueber- schwemmungen Gießens nur dadurch Statt gehabt, daß da» Wasser unmittelbar in die Stadt hineinströwte, dann wahrlich — dann, möchte ich sagen, hätten die Burger diese» Unglück verdient: warum waren sie so nachlässig, die wenigen, so leicht zu verschließenden Oeffnungen de» Walles nicht zuzudämmen. Aber eine solche Nachlässigkeit von den Bewohnern einer ganzen Stadt, die bey einer Jnondation ihr EL- «enthum, ihre Gesundheit und da« Leben, oflea — alle» zu verlieren haben — läßt sie sich wohl im geringsten nur vermuthen'? Wahrlich laut werden lassen möchie ich sie nicht, eine solche Vermuthung, ich würde befürchten, die jetzige Generation forderte wich, wegen einer, hierin ihren Voreltern ruqefügten, groben Beleidigung, öffentlich vor Gericht. Nicht um viel S besser würde der Verdacht seyn, als habe man noch vor 30 bi» 40 Jahren die Einsicht nicht gehabt, die Vortheile zu erkennen, welche das so einfache Mittel, al» das Einsetzen von ein paar Schutzen ist, gewähren konnte. Bis auf weitere Beweise vom Gegen- Iheilewudalso anzunehmen seyn, daß man, um Gießen gegen Ueberschwemmung zu schützen , verhindern muß, daß das Wasser nicht über die Schoor in den Wallgraben fällt. Nun erst kömmt e» in Frage, obdaS Mittel, die Chaussee vor dem Walllhor zu erhöhen, gut gewählt war, den Zweck, das Wasser aus der Stadl entfernt zu halten, zu erreichen. Den 22ten Februar d. I. des Vor- mittags um nz/zUhr stand die Lahn bey der Brücke, die unter der Chaussee vor dem Wallthor liegt, nach einem von mirange- stellten Nivellement, einen Schuh niedri- ger al» die Chaussee, die daselbst am niedrigsten ist, und 2 Fuß 4 Zoll höher als die Wiese». Nach des Herrn Hauptmanns Sonnemann Nivellement stand aber die Wiesek nur noch 1 1/2 Fuß niedriger, als die niedrigste Stelle der Schoor zwischen dem Wall- und Neuweger-Thor. Die Oberfläche der Lahn stand also schon damahl» loZoll höher, al» diese Schoor, und die niedrigste Stelle der Chauss-e liegt wenigstens r Fuß iv Zoll höher als eben diese Schoor. Ware die Chaussee nicht so hoch gewesen , so daß das Wasser gleich Anfang» darüber gestürzt wäre; so wird mir wohl ein jeder ohne weitern Beweis leicht zugeben, daß da» Wasser an beyden Seiten gleich hoch gestanden haben würbe. Da nun *■ ) C nun die Mündung der Wieset in die Lahn so eilge, und in jedem Betrachte für den Abfluß de- Wasser- so nachtheilig ist, so daß kaum da- von diesem Bache selbst zugeführte Wasser abfließen kann; so ist e- auch eben so klar, daß die Lahn um nicht- merkliche- erniedrigt werden konnte, wenn sie über die Chauff-e hinstürzte und das Thal neben der Wieset füllte. Eine merkliche Erniedrigung der Lahn würde selbst dann noch nicht Statt gehabt haben, wenn auch der Abfluß der Wiesek durch den vermittelst de- übergestürzten Lahnwasser- erzeugten hohem Andrang um etwas vermehrt worden wäre. Wä-e also die Chauss-e ganz so niedrig wie da- neben liegende Terrain gewesen , so würde da- Wasser zu beyden Seilen derselben ohne einen merklichen Unterschied zu eben der Höhe gestiegen seyn, zu welcher jetzt die Lahn stieg, und die wuchs gegen halb zwölf Uhr des Nachts noch um etwa 2 bis 3 Zoll höher an, als die Chaussee wirklich liegt. DaSWasser würde folg» lich in dem angenommenen Falle, daß die Chaussee niedrig gewesen wäre, zwey Schuh hoch über die Schoor in den Wallgraben gefallen seyn, und demnach auch dieganze Schoor bald ruinirt haben. Nun aber nehme man an, die Lahn wäre in der Nacht um 2 Fuß gewachsen ( und wer kann sagen, daß die- nicht möglich gewesen wäre? ja wer konnte nur noch um io Uhr de- Abendö die Wahrscheinlichkeit leugnen, daß sie noch beträchtlich steigen würde? Daß eö nicht geschah ist blödem in der Nacht eingefallenen Froste zu. zufthreiden), so würde das Wasser, selbst auch bey der jetzigen Höhe der Chaussee, 4 Fuß hoch über die Schoor unaufhaltsam hingestürzt ftyn, wenn sie nicht dagegen aufgedammt worden wäre. Wer aber untersteht sich, vom Wall- biSzumNeuroe- ger-Thoxe (auf welcher ganzen Strecke hie Schoor bis höchsten-' auf einest Fuß noch gleich hoch ist) in einer Nacht einen solchen Damm aufzuwerfen, der den Druck eine- 4 Fuß hoch davorstehenden Wasser- abzuhalten im Stande ist. Der Verfolg künftig. Bekanntmachung. 1) Die dem Corporal Jacobi im Leib- grenadier-Bataillon des hochlöblichen Hessen. Casselischen Regiment- Garde zugehörigen vor Grüningen gelegenen Güther sollen Montag den uten November dieses Jahres bei hiesigem Amte an den Meistbietenden versteigert werden. Da nun zugleich nöthig befunden worden, alle diejenigen, welche an jenen Gü- thern rechtliche Ansprüche haben, vorzula« den, so werden solche hiedurch aufgefodert, in besagtem Termine ihre Ansprüche ent- weder in Person, oder durch ordnungS» mäsig Bevollmächtigte anzuzeigen, und gehörig zu begründen, mit der Warnung, daß im Unterlassungsfälle den Rechten nach auf Präklusion wird erkannt werden. Grüningen am 17. August 1799. Hessen - Casselische- Amt. Happel. Litterärische Anzeige. Ä.