Nr. XV. April. l79S- Gresser JnkelligenMatt. Ueber evbstbaumzacht. Verfolg. 6) Die schlechten Kerne, ihres Fleisches beraubt, ziehen in ihrer ersten Kindheit, — die bei Pflanzen, Thieren und dem Menschen, beinahe eben so unwandelbar fest, wie die ersten Glieder die mathematische Reihe des Lebens bestimmen — aus der Erde einen rohen, wilden, Herden , nicht homogenen, nicht Art und Geist gebenden Nahrungsstoff an sich, und der Baum wird fchlecht, und die Frucht dieses wilden Baums ist wild, sauer und ungeartet. — Die vollkommenen Kerne hingegen , von vollkommenen Früchten und Bäumen , haben durch die Verwesung des ihnen zugehörenden Fleisches eine zubereitete, milde, sage, homogene Art und Geist gehende Nahrung, die rechte natürliche Nahrung in ihrem Aufsprossen , in ihrer ersten Kindheit, zur rechten Zeit erhalten; und der stärkste Kern im Borsdorfer Apfel, der Borsdorfer Nahrung hatte, wirdalö Baum wahrscheinlich Borsdorfer Aepfel hervor- hringen. 7) Die Kerne werden fast immer ungleichartig durch einander gesäet; man weiß nicht, von welcher Apfel- oder Birnart der Stamm ist; und alle Versuche über die Schicklichkeit und Veredlung sind daher ungewiß, und die Obstbaumzucht ist unvollkommen. Man müßte aber nur Aepfel oder Birnen einerlei Art auf ein Beet pflanzen, und es bezeichnen; so könnte man Versuche anftellen, zur Wahrheit kommen, und die Vollkommenheit erreichen. 8) Diewilden Sprvßlingeau-denblo- fen Kernen, müssen oculitt oder gepfropft werden, wenn sie süße, wohlschmeckende Früchte hervorbringen sollen. Durch die Wunden und Schäden, die das tunge Bäumchen dadurch erhält, wird fein Wachs« thum gestört, und die oculirten und gepfropften Bäume stnd oft nicht recht gesund und fruchtbar, und erhalten kein gutes , hohes Alter. Vielleicht würden aber dagegen die auserlesenen Stämme auS den Fruchten, ohne oculirt und gepfropft zu werden, eben die süßen und wohlschmeckenden Früchte wie ihr Stammbaum tragen. Und sollte dies nicht der Fall seyn, so ist es doch wahrscheinlich, daß durch das Oculiren oder Pfropfen dieser edlen Stämme die Früchte immer mehr und mehr veredelt werden. Die Einwürfe, welche man vielle'cht machen könnte, wären: i) „ daß dies Pflan- zen edler Obstarten kostbar sey." Der Landmann pflanzt eine Kartoffel, um io oder 20 Kartoffeln wieder zu arndten, warum sollte man nicht einen edlen Apfel pflanzen, der einstens als Baum viele tausend edle Aepfel trägt. 2) „In großen Baumschulen für ein ganzes Land sey e» beschwerlich." Erst muß ich erinnern, daß man bald da" Unnütze einsieht, für das Einzelne einzelner Menschen eines großen Staats zu sorgen. Die Menschen müssen für sich selbst sorgen, und sich selbst helfen lernen. Jedes Kirchdorf sollte unter der Aufsicht des Predigers, dem es eine nützliche Beschäftigung gäbe, und unter der Besorgung des Schulmeisters eine Baumschule haben. Und daß das Pflanzen der Früchte beschwerlicher als das Säen der Kerne sey» ist nicht wahr- ) 58 ( wahrscheinlich, wenn man Alles in Rechnung bringt. *,* *, * * * * * * Gedanken eines Laien in der Hydraulik, gelegen- heitlick der wehranstalten in Oer Nackt des 2zren Februars d. I. dazu angefachr. Eine besondere Beherzigung solcher Manner, welche Vaterlandsliebe beseelt, wenn gleich nicht Stolz auf Kunst ihre Brust bäumt, verdienet der traurige Umstand für die Lage der Stadt Giessen, daß selbige fast alljährlich im Früh - und Spat«- jahr — auch zuweilen mitten im Sommer Lurch Gewitter, welche hier zwischen den die Stadt umzingelnden Gebürgen sich anhaltender und steter, als in einer ausge- breiteten Ebene verweilen, durch Jnunda- tionen heimgesucht wird. Letztere drohen der Stadt inwendig in ihren Mauren , gar keine — und die mitt" ler? wenige Gefahr. Desto mehr aber führen ersterwähnte letztere ihrer Gemarkung, in Ansehung der darinnen gebauten Feldern , jedeemal einen offenbaren Schaden, hier mehr, dort weniger, nach sich. Em Beispiel dieser Behauptung,liefert, insofern mein Gedächtnis treu geblieben, eines der Jahre 1750 1751. oder 1753, in welchem am zweiten Pfingsttage durch mehrere hier und im Vogelsberg pldtzlich aufeinander erfolgte Wolkenbrüche binnen drei Stunden eine Ueberschwemmung entstand, welche bis ohngefähr zwölf FuS Entfernung gegen das Neuweger Gatter anspülte. Nach diesem Maas überdenke man sich die erreichte Höhe dieser Ueberschwemmung Vergeblich läutete man zur damaligen Defperpredigt. Statt zum Tempel, eilte ' Jedermann vor das Neuweger Thor und überschaute (auf gut Oesterreichisch gesprochen,) das hier Ort» ungewöhnliche Naturereignis. So schnell aber als dieses Schauspiel sich einsteüte, eben so geschwind verlohr sich dasselbe wieder, ließ ober überall Spuren öer Verwüstung in Ueberschlämmungen der Saat, Einreissen, Ad- und Beitragung von — und an besaamten — und nicht be- saamten Feldern , wie auch durch die Fäul- nie der in ihrem vollen Flor stehenden Ve- getabil-en einen unsere Atmosphäre invisci- renden unleidlichen Geruch hinter sich. So viel nachher Fälle dieser Art eintraten , eben so vielzähliq waren solche an sich selbst und in ihren Folgen jedesmal verschieden. Ich ward deshalb nachher in meinen gegen dieses liebel überschlagenen VorbeugungSmilteln irre geführt, und zu, lezt ermüdete, oder scheiterte mein Nachsinnen , der zu großen Mannigfaltigkeit und Durchkreuzung jedesmaliger anderen Zwischenfällen wegen, darüber ganz. Ich überschlage daher sowohl ldiescn letzteren — als auch den zweiten Fall und wende mich zu den ersten gewöhnlich im Frühjahr entstehenden Fluthen, welchen gemeiniglich die Drohung m die Stadt einzudringen, sohin dem Einwohner eine jährige Erndte in Kellern und Ställen zu zernichten, den Hülfeleistungen der Kranken und Greisenden den Zugang zu verrammeln, das Armuth ohne Rettung auf die äusserste Stufe zu wrrffen und die Verringerung des sonst so herrlichen ViehstandeS der Burger entweder durch den Hunger- oder den menschlichen Tod des Ersaufens eigen ist. Jedes Frühjahr, manchmal früher, zuweilen später, hat man hiesigen Orts eine dergleichen Ueberschwemmung in geringerem oder größeren Maase zu erwarten, Im Durch- — ) 59 ( — Durchschnitte eines Menschenalters genommen, war das vierte Jahr ein gefahrvolles in Ansehung einer solchen Jnundation und wird es, in sofern da» Neuweger Glacis , oder sogenannte Schvor, von dem Schlag bis zum Gansakker nicht erhöhet wird, immerfort bleiben. Ee schweben gegenwärtig mehrere sehr gross Ueberschwemmungen , welche zwar die höchste Gefahr droheten, aber glücklich ob» gewandt wurden, in meinem Gedächtnis. Unter diesen waren nur zwei, welchewirk- lich eindrangen und die Straffen der Stadt schiffbar machten. Die erstere von diesen beiden entstand im, siebenjährigen Kriege. Die Königl. Französische Besatzung, unter den Befehlen des Generals Blaissl, hatte die Festung nicht nur mit neuen Auf- fenwerken versehen und solche stark verpa- lisadirt, sondern wollten auch ihre Zugänge durch Unterwassersetzung derselben, mittelst einer kostbaren Schleuse und Damme hinter der Siechbrükke, sichern. Sie schwellten hiermit den Bach, die Wieffek, zu einer ungemeinen Hohe, doch war solche nicht hinreichend, die Schoor zu überfiuthen. Der lange fast dreijährige hohe Stand des Waffers und Widerlaqe gegen die Schoor in Verbindung der Windstöße, welche das Wasser gegen und auf die Schoorund wieder davon spülten, erweichten dergcstalten einige Platze der genannten Schoor, daß solche endlich zwischendem Wall - undNeuweger-Thor einen Riß bekam, durch diesen die Fluth in den Wallgraben — sofort durch die Schieescharten der Stadtmauer in den Zwinger — und aus diesem zur Stadt drang. Der Verfolg künftig. Bekanntmachung von verschiedenen Sachen. i) Nachdem- der Burger und Perus kenmacher Hcssich freiwillig entschlossen ist, sein in der Sonne neben Schuhmacher Hoch stehendes Wohnhaus, sodann die in der Schäferei stehende Scheuer, öffentlich an den Meistbietenden verstreichen zu lassen, wozu Termin auf Montag den 22ten dieses, Nachmittags z Uhr, in des Herrn Waldinspektor Wormsers Behausung anbe- räumet worden, als wird solches hierdurch bekannt gemacht. Giessen den 8ten April 1799- Furstl. H?ff Oberamt daselbst. Rayß. 4) Dienstags den 2zten dieses, Nachmittags zUhr, soll in des Herrn Raths- schoff Ferbers Behausung auf dem Markt, das Wohnhaus des Schuhmacher Jungs auf dem Kirchenplatz, neben Büchsenmacher Wittmann und Hrn. Secretarius^Fa- brr, sodann r/2 Morgen, 2y Rut. 6 ed). Garten am Nahrungeberg, neben Kaspar Kellers Erben, freiwillig öffentlich an den Meistbietenden verstrichen werden, welches hierdurch zur Nachricht bekannt gemacht wird. Giessen den uten April 1799. Fürstl. Hess. Oberamt das. Rayß. 3) Dienstegs den l6ten dieses, Nachmittags halb 2 Uhr, soll in der Wohnung des verstorbenen Herrn Obristlieut. Hahns Sikberwerk, Zinn, Kupfer, Messing, Brts tung und Holzwerk, öffentlich an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verstrichen werden. Liebhaber dazu können sich um die bestimmte Zeit daselbst einfinden. Giessen den gten April 1799. Fürstl. Hess. GarnisonSgericht das. Gottesdienst am 14. April. In der St. Pancratiurkirche. Mor» gens Herr Superintendent Müller. Nachmittags Herr Stipendiatenmajor Diehl. In der Durqkirche. Morgens Herr Pfarrer Buff. Nachmittags Herr Magister Diefenbach. Mor- ■x* ).60 ( ** Morgen dm 14. April hat das Frisch- Lacken Herr Kirchensenior Koch, an der Stadtkirche. Getaufte Lei der Stadtkircke. Am 6. April. Dem UniversttätSbuch- händler, Hrn. Heinrich Gottfried Stamm, rin Sohn, Namens Gotthard. Eod. Dem Burger und Mezger, Andreas Konrad Sack, ein Sohn, Namens Ludwig Konrad. Am 7. April. Dem Burger u. Fuhrmann, Johann Jacob May, ein Sohn, Namens Christian Heinrich. Eod. Dem Burger und Mezger, Joh. Philipp Mehl, ein Sohn, Namens Friedrich Joseph. Eod. Dem Burger und Mezger, Joh- David Lampus, ein Sohn, Namens Johann Philipp. Gebohrne rmd Getaufte bei der Burg- kircbe. Am 5. April. Dem Musketier Georg Mertz, beim zweiten Bataillon Landgraf, eine Tochter, Namens Maria Eva. Am 8. April. Eine uneheliche Tvch» ter, Namens Anna Margaretha. I 1 1 1 I 1 1 1 Messer Mctualien-und Markt-Preis- ft Ochsenfleisch — — Kühfleisch — — Rindfleisch — — Kalbfleisch — — Schweinefleisch — — Hammelfleisch — — Hammelsfett — —- RindS-Nierenfett fr 7 6 5 4 8 8 14 Pf. 8 — gift Schweinefett — — I r — Seifen — — 11 — Lichter — — £ 1 —* frische Butter — — g r — geschälte Hirse — — 11 — grob geschälte Gerste — I f — klein geschälte Gerste — I Eyer 7 Stück — — fr. Pf. 2 16 20 24 12« 8 8 10 4 Schwarz Brod fr. Loth Quint 1 12 1 Weck — — 1 7 Milchbrod 1 6 Butter Bretzeln 1 3 1/2 gemischt Brod oder Taigscher 1 1 9 1/2 Getraides den fl. Städte. Darmstadt Giessen Marburg Diez Wezlar In dem 6 fl. 40 fr. an§ -reise vom 6. ä6o kr. unt Gemas. das Malter, das Achtel, das Mött. das Achtel, das Achtel. vorigen Jntelli zesezt worden, Apri das Wa fl. 6 8 8 16 11 tenzb eö st l btt ft. zen kr. 45 10 latt >ll a i den ZU 3^ wiegt ft. 175 200 1 1501 340I 2061 ist au« der 4 st iZ.Ap l Loth Korn fl7lk^ 5 8 6?55 1 5\3o 914° 1 7'5v Verseh !. 40 fr. cit, ir Colm wiegt ft. 157 180 300 190' en das heifen. Ft chek Gei fl7 4 4 « 3 6 1 7 Ach an °S -ste 1- 40 45 40 10 teil kfurt. ilberg wiegtl "itrj 140 160 120 168 Zersten M ewi I Hs % 4 2 4 r« ahr cht fer kr» 38 40 Gik ung wiegt ft. 98 I40 _84 ssen mit